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DEUTSCHE MYTHOLOGIE
VON JACOB GRIMM.
[universityI
GÖTTINGEN
IN DER DIETERICHSCHEN BUCHHANDLUNG
183 5.*
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G'l
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LIEBER DAHLMANN. ala ich vor zwölf jaliren Dire
schöne abhandluDg über Saxo las freute mich^ dafs wer
das recht der geschichte gegen die sage geltend zu machen
wüste nirgends die eigenthümliclikeit dieser anzuerkennen
uubereit war. Solch ein standpunct gebührle Ihnen ; und
wie von ihm aus Sie den eindrang der sage in die ge-
schichte darlegten, wäre es meine lust gewesen die ein-
wirkung der geschichle auf die sage gerade au demselben
beispiel zu ent\vickeln : was hernach Müller in gewissem
sinn, doch nicht ganz wie ich es meine, gelhan liat.
Welchen beider wege man einschlage, danach wird sich
anderes licht ergeben und anderer scbattenwurf. Sage und
geschichte sind jedwedes eine eigne macht, deren gebiele
auf der grenze in einander sich verlaufen, aber auch ihren
gesonderten, unberührten grund haben, aller sage grund
ist nun mjthus, d. h. gülterglaube , wie er von volk zu
"Volk in unendlicher abstufung wurzelt : ein viel allgemei-
neres, unstateres element als das historische, aber an um-
fang gewinnend was ihm an festigkeit abgeht. Ohne solche
mythische unterläge läfst sich die sage nicht fassen, so
wenig als ohne geschehne dinge die geschichte. Während
die geschichte durch thaten der menschen hervorgebracht
wird , schwebt über ihnen die sage als ein schein der da-
zwischen glä;^^t, als ein duft, der sich an sie setzt. Nie-
mals wiederholt sich die geschichte, sondern ist überall
neu und frisch, unaufhörlich wiedergeboren wird die sage.
Festes Schrittes am irdischen boden wandelt die geschichte,
die geQügelte sage erhebt sich und senkt sich: ihr w^eilen-
cles niederlassen ist eine gunst; die sie nicht allen Völkern
erweist. Wo ferne ereignisse verloren gegangen wären im
dunkel der zeit, da bindet sich die sage mit ihnen und
weifs einen theil davon zu liegen; wo der mythus ge-
schwächt ist und zerrinnen will, da wird ihm die geschichle
•kur stütze. Wenn aber mythus und geschichle inniger zu-
sammen treffen, und sich vermählen, dann schlägt das epos
ein gerüste auf und webt seine faden. Treffend gesagt
haben Sie: so sehr unterliegt die geschichle, welche kein
fleifs der gleichzeitigen aufzeichnet, der gefahr im gedachl-
nisse der menschen ganz zu verschwinden, oder falls die
sage 'sich ihrer bemächtigt zwar erhallen, aber zugleich in
dem grade verwandelt zu werden, wie die hurteste frucht
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(IV)
iii die wetcbste, die herbeste in die siifseste durch kunst
der Zubereitung fast willkürlich übergeht. Die vei'waud-
luug, den Übergang räume ich ein, nicht die Zubereitung,
denn zubereitet nennen dürfen wir nicht was durch eine
stiilthätige» unbewust wirksame kraft umgesetzt und ver-
ändert wurde. Es gibt doch nur wenig ersonnene sageir,
keine, deren trug vor dem äuge der critik nicht zuletzt
schwände, wie die verfälschte geschichte weichen mufs
einer weit grofseren macht der wahren ; was aus stadte-
namen müfsige mönche des mittelalters etymologisiert, jenes
niederländische machwerk des Hunibald, eines Annius von
Viterbo Berosus, bi'ingen weder der sage gefahr, noch der
geschichte. Die geschichte hat es aber nicht vor der sage
voraus, dafs man vergleichen kann; jede wird nur für
ihre vergleichungcn des rechten mafsstnbes eingedenk sein.
Aus vergleich ung der alten und unversclimähteu jünge-
ren quellen habe ich in andern büchern darzuthun ge-
strebt, dafs unsere voreitern, bis in das heidenlhum hinauf,
keine wilde, rauhe, regellose, sondern eine feine, ge-
schmeidige, wolgefüge spräche redeten, die sich schon iu
frühster zeit zur pocsie hergegeben hatte; dafs sie nicht in
verworrener , ungebandigter horde lebten , vielmelir eine»
althergebrachten sinnvollen rechts in freiem bundc; kräftig
blüliender sitte pflagen. Mit denselben und keinen andern
mittein wollte ich jetzt auch zeigen, dafs ilire herzen des
glaubens an gott und götter voll waren, dafs heitere und
grofsartige, wenn gleich unvollkommne Vorstellungen von
höheren wesen, siegesfreude und todesverachtung ihr leben
beseeligten und aufrichteten, dafs ihrer natur und anläge
fern stand jenes dumpfbrütende niederfallen vor götzen
oder klotzen^ das man, in ungereimtem ausdruck, fetischis-
mus genannt hat. Diese beweisführung fühlt durch meine
vorhergegangenen arbeiten sich erleichtert und gestärkt;
das dritte folgt hier innerlich nothwendig aus dem ersten
und zweiten: ein volk, zur zeit wo seine spräche, sein
recht gesund da stehen und un versiegten Zusammenhang
mit einem höheren alterthum ankündigen, kann nicht ohne
religion gewesen sein , und wir werden zum voraus ihr
dieselben tugeuden und mäugel beilegen düi^fen, welche
jene auszeichnen. Unserer mythologie gebricht es indessen
auch nicht an eigenfhümlichen , ihrerseits auf spräche und
recht zurückweisenden besläligungeu , an welchen sowol
dem historiker gelegen sein-mufs, wenn er die öden, vcr-
laf^^uen anfange deutscher geschichte beleben will, als dem
theologen, um der ein Wirkung des christenthums auf das
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(V)
heideuthnm , wie der spuren dieses {n jenem sicher zu
werden. Es macht aber überhaupt freude das leere haus
wieder voller xu stellen.
Nur in einem punct war der gegenwärtigen Unter-
suchung ein abweichender gang vorgeschrieben, niemand
Eweifelt, dafs die nordische spräche mit in den kreis der
übrigen deutschen dialecte gezogen werden müsse , noch
ist befremdet über die grol'se einslimmung aller unterein-
ander, eben so geringen anstofs haben die rechtsforscher
an dem auflalknden, bis in formein und worte reichenden
einklang altnordischer und altdeutscher gebrauche genom-
men. Für den heidnischen glauben hat man eine andere
'nieiuung gefafst^ weil seine quelle in Scandinavien reich-
lich , in Deutschland sparsam fiiefst : diese sehr begreif-
liche Verschiedenheit ist zu der doppellen folgerung ge-
misbraucht worden , um den Ursprung der nordischen my-
thologie stehe es verdächtig, und das übrige Deutschland
sei gütterios gewesen, aus dem mangel des armen bruders
schlofs man nicht etwa, dafs er sein gut verthan, sondern
dafs der reiche bruder sein vermögen unrecht erworben
habe, aus der wolhäbigkeit des begüterten entnahm man,
dafs der dürftige gar nicht reich gewesen sein könne.
Miemals hat eine falsche critik ärger gefrevelt, indem sie
wichtigen, unabwendbaren Zeugnissen trotzte, und die na-
turgemäfse entwicklung nah verwandter volksstämme leug-
nete. Um sie aber auszurotten habe ich wol eingesehn,
dafs ich nicht von einer darstellung der nordischen fülle,
vielmehr der deutschen armut ausgehend, ähren lesen
muste, keine garben schneiden durfte, erst aus solchen
äliren und ihren kÖrnern habe ich nahrung zu gewinnen
und Schlüsse zu ziehen gewagt; es ist dadurch aller be-
sonderheit, wie ich hoffe, das recht gewahrt worden. Denn
eigen thümliches und abweichendes tritt hier nicht anders
wie in der spräche ein und seiner habhaft zu werden hat
den höchsten reiz. Gröfser aber als die abweichung ist
die Übereinkunft, und das friiher bekehrte, früher gelehrte
I>etit8chland kann die unschätzbaren aufschlüsse über den
Zusammenhang seiner mylhenlrümmer dadurch dem reiche-
ren Norden vergelten, dafs es ihm ältere historische zeugen
für die jüngere niederschreibung an band liefert. Wie
Deutschland keine runen auf steinen übrig hat, doch in
büchern, die älter »lud als die ältesten nordischen runsteine,
so wird durch den Wuotan des Jonas, Paulus, der liptin.
sytiode der eddische Odhinn neu gesichert. Zweierlei fcsl-
zuhallen, daran ist es hier gelegen: dafs die noi-disehe
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(VI)
mythologie echt sei^ folglicli auch die dcuUclie, und dafs
die deutsche alt sei, folglich auch die nordische.
Neben den lateinischen Zeugnissen, die von der Römer-
zeit anlieben und durch das ganze mittelalter sich erstrecken
(vielleicht gelingt es ^ in den ältesten heiligenleben noch
einiger habhaft zu werden,) ist von mir auf volkssagen
überall kein kleines gewicht gelegt, und lohnende ausbeute
aus ihnen gewonnen worden. Ihren werth bezeichnet das
Verhältnis heutiger volksmundarten ganz genau, in welchen
sich uralter wortstof, den die gebildete spradie längst aus-
geschieden hat, in menge findet, es ist wahr, die feineren
formen der Wörter sind zu grund gerichtet, die genaueren
fugen des niythus gesprungen , allein die Wahrheit der
grundbedeutung kann sich unverdorben bewahrt haben,
besonders wichtig aber, ja entscheidend ist hier die analogie
des abstands deutscher ^ dänischer und schwedischer volks-
sagen von den älteren mythen : wandelt eine neunordische
Überlieferung die götter in riesen, so darf sie eine deutsche
zu teufein herunter drücken, und Saxo mag wiederum eine
mittelstufe zwischen späterer tradition bezeichnen und der
edda. Was die Veränderung des tons und der färbe in
dem späteren Norden hervorbrachte, das mufs nothwendig
auch früher in Deulscliland wirksam gewesen sein. Orter,
gestirne, thiere, kräuter und steine nach göttern und gei-
stern benannt waren sorgfältig zu verzeichnen ; sie bestä-
tigen die längere wärmere dauer ihres cultus. Aus den
gedichten des mittelalters hat sich zwar nur sparsamer, im
einzelnen aber höchst wichtiger gewinn für die mythologie
ziehen lassen, ihre Verfasser hätten dieser gröfsere dienste
leisten können , wäre nicht geschmack und ausbildung des
dreizehnten }h. überhaupt mehr ausländischen als einheimi-
schen Stoffen zugewandt worden. Albrechts von Halber-
stadt bearbeitung der metamorphosen , die manchen mythi-
schen ausdrücken gar nicht halte ausweichen können^ darf
hier besonders vermist werden.
Für die idenlität noi*discher und deutscher götterlehre
scheinen mir folgende puncte schlagend. fVuotan = Odhinn
verbürgen, aufser den lat. Zeugnissen, den ags. stamm-
sagen und den Ortsnamen, die benennung fVunschy ihr
Zusammenhang mit den wünsch frauen (uskmejrjar s. 236)
und Wunschkindern (s. 507) ; eben lese ich alld. blätt.
1, 129 den merkwürdigen ausdruck wünschelw eiber ge-
radezu von schwanjuuglraueu gebraucht. Wuotan erscJieint
im wiinscheUuU ^ im breiten hut, in der hehla oder hakol^
er heilst noch luikelberend (s. 519), reitet auf dem schint"
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(vn)
inel (8.519. 530. 532), weidet aein pjerd («.693) und
besorgt ilim fntter (s. 104)-; als fVuotung zieht er, der
alle Siegverleiher, an des wütenden heers spitze (s. 515);
von seinem himmlischen thron schaut er zur erde nieder
(s. 97. 98.) Donars = Th6rr ist durch das liptinische
Zeugnis, den donnerwagen, die donnerberge und eiche,
durch das hammersymbol gerechtfertigt, der nord friesische
beiname des rothliaarigen scheint mir ein unabweisbarer
grund ; deshalb vielleicht noch spielt um Friedrich rothbart
die sage, der wie Th^rr zum muspilli wiederkehren soll
(s. 537.) Dafs Freyr Frduja und i'V<J sei thut allein die
Sprache ab, zumal auch Freyja z=: Froiiwa erscheint. T5'r
ist 7äiu\ Baltac und Herimuot wären verschollen, hätte
sie nicht die ags. Stammtafel bewahrt. Loki scheint noch
aufzutauchen in Grendel^ aber die sage der mond verschlin-
gung hat sich allgemeiner erhalten, den Oegir habe ich in
U&ki und Echi nachzuweisen gesucht, wozu man Fasolt
nelimen mufs. Foaite r=: Forseti mag immer noch bedeu*
keu behalten und der weg oiTen bleiben, ihn an die Fosi,
zu Tacitus zeit ein den Cherusken verwandtes volk zu
knüpfen ; selbst an Fasolt stufst sein name. Unter den
göttinnen ist, aufser Frouwa, auch Frecka , vorzüglich
aber Hella j Hai ja und Hluodana (s. 156) dem nordi-
schen kreise identisch ; bei andern stört römische ausle-
gung oder veränderter volksname den grad der Sicherheit.
Desto deutlicher überein stimmen göttinnen zweiten rangs:
jiliorunaj Hilta^ Gunda, Drul, f^urt, die ags- välcyrie,
der ganze begrif und mythus von achivanjrauen und
ordnerinnen des geschicks. In der reihe göttlicher hellen
steht dem deutschen mythus manches eigne und ältere zu
gebot, doch sind auch überzeugende einstimmungen genug
vorhanden. Ingo ist lngvi\ Isc, Eacio vielleicht Askr,
Irmin lebt in zusammeusetzungea mit lörmun ; ALrma-
nareikn , HamathiuH sind die eddischen lörmunrekr,
Haiiidhir. dafs eben diese namcn in die gothische, deut-
sche, noitlische heldensage eingreifen, und darin hafteten^
hebt ihre beweiskrafl um ein grofses. auch Völundr und
IVliinir sind noch in f'f^ielant und Minier olt zu spüren
andern anhält würde die säclisische und friesische sage
darbieten, wäre sie vollständiger verzeichnet: Scedf, BeOy
F^in ^ Folcuealda lassen kaum blicke tliuii in das gewebe
alter mythen, Si>äfdäg ist Svipdagr. Brosinga niene^
Forneotes fohne sind bedeutsame Überbleibsel. Fügt man
zu aller dieser Übereinkunft die gänzliche gleichheit der
uaineu, begrilT«, grofsentheils der mythen von a/6, &u>erg,
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(vni)
riesBj eian^ durs^ meriniinni^ shrai^ ans^ f^^girh urloucj
muapillij midjungards^ der cultus ausdrücke pluozan,
minne trinken , gudja , haruc u* 8. w. , so hört aller
jsweifel auF und die ursprüngliche, unerborgte Verwandt-
schaft der deutschen und nordischen götterlehre wird zu
einer unerschütterlichen Wahrheit.
Jede derselben steht um so sicherer und unantastbarer,
je mehr unterschiede und eigenthümlichkeiten den wahn
an entlehn ung und Übertragung fern halten, auf solcher
Verschiedenheit eben beruht alle Spaltung der völker in
Stämme y der sprachen in dialecte, der mythen in epen,
jenes erblühen eines frischen lebens aus bindender allge-
meinheit^ und ich weifs nicht was hier mehr freuen kann,
das trennende zu gewahren oder das einigende. Unter den
wichtigsten eigenheiten deutscher mythologie, im gegensatz
zur nordischen, oben an zu stehn scheint mir nun das
allgemeinere und eben darum viel weniger in cultus aus-
gehende ansehn des Frd oder Frduja. Scandinavien , zu-
mal Schweden verehrte diesen gott in tempeln, unter den
übrigen Deutschen ist keine spur solches diensles, wol
aber hat sich seine benennung in die eines göttlichen herrn
ausgedehnt, so sehr und wahrscheinlich so lange schon,
dafs Ulfiias, ohne anstofs, frduja für ^ntQtoQ verwenden
durfte, nichts als den gütigen^ freundlichen herrn und
könig scheint es auszudrücken. Von Asien her ist die sitte
eingedrungen den namen der gottheiten herr oder frau
vorzusetzen, niemals haben die alten Griechen ihre götter
HVQios betitelt, dieser ausdruck bezeichnete immer den
ge\^ltigen, mächtigen eigner; gleiches gUt von ieanoTf^gy
und iionotva war in Athen für eine bestimmte göttin, für
Proserpina eingeführt, erst Theocrit gibt es auch andern
göttinnen. Allgemeiner wurde KVQiog durch die septuaginta:
9tVQiog 6 &e6g oder ^eoc xv^ioc» Und Neugriechen nen-
nen den wind 6 üvq Bogaug (Wli. Müller 2, 120) wie
ihn das russ. Igorlied gospodin betitelt (s. 361.) Hienach
heifst nun den Christen nicht nur gott frduja^ fi^^f
dryhten , dröttinn ^ sondern fiuch Clu-istus ebenso, und
Maria frau. von heidnischen göttern wird niemals lierr,
wol aber von heidnischen göttinnen frau gesagt; kein herr
Wnotan, herr Irmin , allein Jrau Uolda, frau Frecke,
frau Berhte, ßaii Sonne, ein grund um auch fru Gaue
(s. 153) ehev* auf die göttin zu beziehen. Ebenso im roniani-
sehen domi/ta Abundia {dame ilabonde), Diana doniina^
hera (s. 176), domina nocturna, und bei Ausonius (p. m. 467)
^dominae Mosellae nuraine adorato'. Auch die Slaven setzen
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(IX)
flir g09podin dem gdttlichen namen vor, krnin. gospod bog,
böhnj. hosßpdin oder pdn bäh^ poln. pan bog, litth. ponas'^
doch bezogen die allen iiölimen dobropan auf Mercur
(s. 93) , unsere vorfahren her , holder her auf den Mond
(s. 400- 401.) Frduja^ Fr 6 mag also in sehr früher zeit
jenen adjectivischen sinn gehabt haben, etwa w^ie den Rö-
mern Liber und Libera (s. 194.) Merkwürdig, dafs auch
die hauplsächlich thüringischhessischen güttinnen Holda
und Berhta den sinn der beiworter holdj lieb, weifs
enthalten und an die celtischen bonnea damee, damea
blanrliesj melu* als an scandinavische gotlheiteu mahnen.
Den landschaftlichen unterschied zwischen Ziu und
Er glaube ich herausgehoben zu haben, sdion nach den
ninen (s. 134.) Über dem fries. JPb«e/e, der schwäbisclien
Zisa , der sächsischen Edstre und Hr^dhe^ der marsischen
lamfana schwebt für immer oder so lange Unsicherheit,
bis neue nachrichten und combinationen den blick in ihre
eigenthümlichkeit tiefer dringen lassen, ^erthua ist dem
ohr und d^ angewOhnung noch allzu fremd, als daDs
meine Vermutung von allen gutgeheifsen werden könnte«
ich wollte dem buchstab der handschriften sein recht thun
uud in der geschlechtsab weichung zwischen Nerihua und
I^iördhr einen untersclüed mehr für deutsche und nordi-
sche lelire gewinnen, formell ist einem goth. fem» Nafrthus
wenig oder nichts anzuhaben , wiewol ich auch keine lat.
weiblichen eigennamen vierter decl. weifs. das schwankende
genus bezeugen valhts (s. 246) und die doppelform neben
einander unhulthu, unhultha (s.553), Perkunas und Fiörgyn
(s. 117), ja selbst Freyr und Freyja« Wer bei Hevtita
beharrt, mufs aul'ser dem N auch das U ändern und für
Merlhum Hertham setzen, da sich kein goth. afrthus, nur
airtha findet. Für Hertha scheint allerdings die nord«
göttin lördh anzuschlagen und es ist s. 140 zuviel gesagt,
dafs die aspiration bei Tacilus fehlen müsse, da er Her-
munduri, Herminones schreib, wiewol Arminius* einzu*
räumen ist auch , dafs gerade erda und herda wechseln
(Grall 1, 415-17) und noch heute ein Schweiz, masc. A^rd
für solum, erdboden gilt, das aber vielleicht dem ags. eard
(und nicht eordhe) ahd. art (Graff 1, 403) zu vergleichen
wäre? die uncialen H und N konnten unter der hand des
Schreibers leicht vertauscht werden.
Das nördliche Deutschland, zumal Sachsen, zeichnet
sich durch längeres haften am heidentlium aus: es hat
mehr anklänge an Wodan, mehr örtlichkeiten, die sich
auf götter beziehen, die benennung des mittwochens fVona»
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(X)
tag^ Gonstag hat in Westfalen zu längst gedauert, dort
sland die IrmeriHeale. Niederdeiitsch sind die volleren
Überlieferungen von Hakelbernd ^ von fru Fr ecke ^ die
staninisagen von Sahsnöt, Heime, und aus Niederdeutsch-
land ausgegangen ist die reiche ags. sage, auch die oster*-
jener mögen gerechnet wertlen. Wie in der vila Sturmi
(Perz 2, 367) feroces Saxones, hiefsen die später bekehr-
ten noch lange zeit die wilden Sachsen (Gudr. 1465. 6016.
Lohengr. p. 150.) doch steht auch Fr&nci feroces (Pertz 1,
282), ofilde Franken (Gudr. 1465) und sonst wilde Kriechen,
Von der Verwandtschaft deutscher niylhologie mit rö-
niischgriechisclier nuifs man unterscheiden die interpretatio
romana deutscher gölter.
Die äliesten Zeugnisse, w^elche uns fVuotan nennen,
sind aus dem siebenten, achten }h. ; zahlt man in den ags.
genealogien von historisch sichern uamen aufwärts bis zu
Wuolan, so fiele er in das vierte, höchstens dritte, die
unstatlhaftigkeit einer solclien computatiou habe ich 8.111
behauptet, imd Suhm der auf solche weise die lebenszeit
Odins, oder eines seiner eingebildeten mehrern Odine, heraus-
zubringen meint, erlangt' nur trügerische resultate. Wie
sollten im gewirre der tiükerwanderung, als von der andern
Seite schon das christenthum vordrang, den deutschen Hei-
den gölter entsprungen sein, welchen alle ihre stamme,
die vordersten und hintersten, zugefallen wären? Wenn,
überhaupt nationalgötter so aufserlich imd plötzlich einge-
führt werden können, sollen sie aus den planetarischen
Wochen götierny die zu jener zeit das christenthum im
geleit mit sich brachte, oder vor sich her schickte, erklar-
bar sein? dann aber hätten Sonne und Mond die ersten
hauptgottheiten abgeben, und nicht gerade Mars, Mercur
und Jupiter, dazu wieder in andrer rangordnung, hervor-
gehoben werden müssen, dann dürfte auch Saturn nicht
fehlen, den kein deutscher stamm verehrt, und woher
gekommen wären die deutschen namen dieser wochengötter?
bei Galliern, von welchen zunächst bekanntschaft mit ihnen
herzuleiten wäre, blieb die lateinische benennung in kraft,
warum nicht bei Deutschen, die sich damals wenig sträub-
ten für lateinische begrllfe lateinische Wörter zu behalten?
die deutschen götternamen sind aber sichtbar nicht aus den
lateinischen übersetzt, noch ihnen nachgebildet, von ein-
lieimischen, etwa geschichtlichen beiden oder königen ent-
lehnt und auf die fremden götter angewandt sein können
sie noch viel minder, weil durch Donar offenbar der in
Jupiters idee liegende donuergott ausgedrückt, durch Frla
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(XI)
der begriF von Venus errelclit wird. Ungleich naturltcher
ist die annähme, dafs sich unsere vorellern für die ihnen
zugeführten wochentagsuanien längstbekannter eigner göN
torbenennui^gen bedienten. . Vollends begriffe ich nicht,
M'enn unter den erstbekehrten oder der bekehnuig zurel*^
fenden aufsersten Deutschen solche aufgebrachte namen
um gegriffen hätten, wie sie den lange jioch im beiden-
thum beharrenden Sachsen und fernen Nordniannen so
annehmlich geworden wären, dafs sie in dem mittelpunct
ihres cultus lange Jahrhunderte herschen konnten* Wenn
dem Gothen des vierten jh., wie wir durch UIGlas wissen,
die grundheidnischen ausdrücke bliitan, fraiija, hal}a, mid-
)ungards u. s. w. eigen und geläufig waren, *dem Alamannen
des achten pluozan, frd, hella, mittinkart, dem Nordmann
des eilften, zwölften bl^ta, Freyr, Hei, midhgardhr, so
bezeugt das alles doch ein tieferes, festeres dement des
glaubens als dafs ^ man ihn auf jenen anlal's zurückleiten
möchte, darum mufs Wuotan^ den jene ags. stammsage
unter viel älteren ascendcnten nochmals mit anderm namen
aufführt, nicht nur im siebenten jh. verehrt worden sein,
sondern auch im vierten , und ersten.
Eine treffende bestätigung dieser behau ptung gewähren
uns aber Tacitus nachrichten. Tacilus führt unter römi^
scher benennung germanische gotlheitcn auf : Mercur^
Alans ^ Hercules y Isis, Castor und P.ollux y und für
sie mufs es auch deutsche namen gegeben haben, wider*
sinnig wiire nun anzunehmen, diese deutschen götler des
ersten jh. seien ganz andere gewesen , als die des vierten
oder sechsten, jene allhergebrachten wesen au feinmal ver-
schwunden und neuerdachten, unvolksmäfsigen gewichen.
Die Wahrheit ist, dafs schon Römer des ersten jh. auf
xleutsche gottlieiten die analogie ihrer benennungen an-
wandten, dafs solche lateinische namen im verkehr zwischen
Germanen, Römern und Galliern hernach fortwährend bei-
behalten wurden und die Verdeutschung der planctengötter
von selbst an band gaben. Nur wurde durch diese freilich
die zahl deutscher götter nicht erschöpft, wie uns Isis,
Hercxiles, Castor und PoUux zeigen, noch mehr aber JVer-
tlius und Tanjana^ welchen der geschichtschreiber ihren
deutschen namen lassen mufs, weil es ihm an genau pas-
senden römischen dafür gebricht. Herthas y stände die
lesart ganz gesichert, gäbe einen unschätzbaren beweis für
die einerleilieit der tacilischen mit den eddisclkci: götlern.
Hertha oder Herthas entspräche zwar auch der lördh^
bezeichnet aber zugleich d^ elemeut, und niemand be-
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(XIT)
filreitet, clafs dieses von den Germanen des erslen jli. wie
Ton den spätem mit demselben ausdriick benannt wurde.
Mit jener bin und her versuchten überselzung deut-
scher und römischer götter berührt sich die eigentliche,
innere Verwandtschaft, welche zwischen deutscher und cias-
sicher mythologie ungefähr in dem Verhältnis statt findet,
nach welchem unsere spräche beschlechlet ist mit griechi-
scher und lateinischer. Eine bedeutende zalil überraschen-
der einstimmungen wird, wenn ich mich nicht täusche,
durch meine arbeit an tag gebraclit worden sein , und bei
dieser vergleichung, versteht es sich von selbst, ist die trüm-
merhafte, ungesammelte deutsche götterlehre meist im nach-
thei! gegenüber der reichlich erhaltenen, verfeinerten, ge-
ordneten Jener Völker, dort ist sie von dichtem wie von
Künstlern im schofs gepflegt, gereinigt und geschmückt, hier
aber fast von allen leuten verworfen, ausgetrieben und
dem rohen volk preis gegeben worden.' zur griecliisclien
poesie verhält sie sich beinahe wie prosa, durch deren
schlichte rauheit nur hin und wieder haftende formein,
gleich wildem vogelschrei, rührend hallen, dieser verjährten
läge der Sache entspricht auch die vornehme , unwissende
kälte mit welcher man einzelne versuche vaterländisches
alterlhnm zu erhellen aufgenommen, oder die halbcritische
Willfährigkeit, seine letzten Überreste zu vernichten, wäh-
rend allen forschungen über classische spräche, sitte und
religion sich rege und warme theilnahme zuwendet.
Dem Zeus vergleichbar ist unser Donar, doch nicht
die oberste, die zweite stelle nimmt er ein, und darum
hat Tacitus gar nicht einmal anlafs, eines deutschen Jupi^
ters zu gedenken, unserm fViwtariy der sich nicht blofs
obenhin, sondern individuell mit Mercur identificiert, kommt
der höchste rang zu; und eben weil unser PPuotan be-
deutender ist, als der römische Mercur, Übertrift Jupiter
an macht und ansehn unsern Donar, Beide TVuotan und
Mercur gleichen sich durch den wünschelhuf , die Wün-
schelrute, als erfinder der buchstaben , als empfangnehm er
gcfallner beiden; nur ist Wuotan aufserdem gott des siegs,
neben Ziu oder Mars, dem kriegsgott. Bedeutsam scheint
beider zusammennennen Mars und Mercur (s. 27. 74. 78.
85) wie sie in der woche folgen. Ich habe angenom-
nien, dafs Mercur auch im gallischen cultus höherer ehre
theilhaft wurde, als im römischen, und darin bestärkt
vicllpicht die Wahrnehmung s. 692, dafs aus Hermes ter-
maxhuus oder tQigfdytmog unter romanischen Völkern,
Ich möchte wissen, wann zuerst die bcneunung Termagau^
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(Xin)
Tervagan für die oberste lieiduiscbe gottbeit aufgekommen
ist. 8Üd und nord französische dichter wenden sie auf den
sarazenischen abgott an, gleich Jupin (Jupiter) und j4pol/of/ ,
lassen aber Terpagan gern den vorrang (Ferabras 2843.
4370 vgl. Apoli 3643. 4372; cod. bibl. reg. 7183 fol. 164^
nennt Tervagan , Jupiter etNoiron, unter welchem letztem
Nero gemeint sein wird, vgl. Reinb. CCIU.) aus romanischer
quelle haben unsere dichter des 13 )h. Teri^igant (Wh*
558; 12. 399, 6) und altenglische Termagant.
Donners oder Tliörs zweiter rang verursacht auch,
dafs ihm nicht die allväterliclie eigenschaft des Zeus uud
Jupiter beiwohnt; der nord. mylhus stellt ihn dar als
Odbins söhn, vielleicht läfst sich sein bock und der bocks*
Lornige Jupiter Amnion zusammenhalten? auf bergen haust
er wie Zeus ivaxQiog» Isis und Diana stehen mit Holcla
\inS Berhta; Demeter , Ceres ^ Isis, Cybele vknA Bere*
cynthia mit Nerthus in naher Verwandtschaft; Venus ge-
mabnt mehr an Freyja^ als Juno an Frigg ; etwa Pro--
serpina an Hai ja ^ kaum Hecate an den ausdruck hexe.
mit Minerpa können Frida und Holda züge gemein
Laben, mit JSeptun Oegir ; wenig hervor tritt die idee
des Bacchus und j4po2lo an göttern, sie ist eher in tniuk-
nen riesen erkennbar und in sangreichen elben oder ström-
geistern.
Unsere manigfache sage von zwergen, elben und
riesen Übertrift, dünkt mich, die classische, sie ist hei-
mischer, zutraulicher, naiver, das macht, weil hier der
volksmäfsige ton vollkommen der rechte ist. nicht dafs
die erzälilungen der alten weniger reicb und schön erfun-
den wären, aber ihre ausführung fällt schon leicht ins
vornehme, während diesem stof enthaltsame treuherzigkeit
wol tlmt. Was hätte das alterthum unserm lieblichen
mytbus vom stillen volh an die seile zu setzen? man
balte Schilderungen von Thetis oder Cyrene (die gurgitis
ima tenet und thalamo sub fluminis alti wohnt, Virg.
georg. 4, 321. 333) zu deutschen sagen von wasserfrauen
und schwanjuugfern. Das gemeine volk in Rom und Grie-
cbenland kann aber nocb manches gewust haben von ge--
nien , habiren , nyniphen , syrenen , dryaden , cy dopen
und titanen, was die dichter voreothalten. auch das arme
kindermärchen lag ihnen mehr fremd, das wir, weil es
uns für entbehrte geistvollere dichtungen unserer vorzeit
ersatz geben mufs, zu überschätzen fast gezwungen sind.
Aber in jeglicher stufe menschlicher bildung, wie unter
jedem hiniaiel^ gcrallicu eigne besouderheiten der poesie»
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<XIV)
die barbarei des mittelalters ist es, der yrit uusere tliier-
fabel zu danken haben. *)
Noch näher als die verfeinerte sage der Griechen und
Römer y steht uns darum auch die der anderen, gleichar-
tigeren und benachbarten Völker, ich glaube an ein band,
das sie alle verknüpft, nicht blofs in ihrer geschichte, son-
dern weit enger , oft mit unsichtbaren enden , in ihrer
Sprache und sage, und dafs dieser Verhältnisse erforschung
mit desto reiclierem ertrage lohnt» je sorgsamer alle eigen-
thümlichkeiten dabei gewahrt worden sind.
Cellische Sprachstudien und mythologie, immer noch
übelberüchtigt, verdienen aus ihrer nicht unvei^schuldeteii
Schmach durch gründliche arbeiten, die freilich keine leich-
ten sind, gerissen zu werden. Von deutschen und nor-
dischen Stämmen sind die celtischen aus dem viel breitereu
strich, den sie früher in Europa einnahmen, nach dem
westlichen ende gedrängt worden, ihr zurückweichen er-
folgte aber nie so plötzlich dafs* nicht spuren ihrer spräche
und ihres glaubens unter den Völkern, die an ihre stelle
traten, haften sollten. Anfangs hatten die Gallier einen
beträchtlichen theil Süddeutschlands inne, und noch lange
darauf streckte sich ihr reich, ein durch biidung und wol-
stand überlegnes, an dem deutschen her. von so unmittel-
baren nachbarn nuifs, bevor Alemannen und Franken auch
jene seile des Rheinstroms tiefer hinein bezwangen, geraume
zeit herüber eingewirkt worden sein. Das schwierigste
nur ist, den viel stärkeren, zäheren einflufs römischer
cultur auf gallische sitte auch von dieser zu scheiden, und
wie lateinische zunge überwog frühe schon lateinischer
mythus. Für echtceltisch gelten könnte jenes höherateUen
des Mercury der sich dann mehr mit dem germauischen
Wuotan ausgliche; ich scheue aber noch die gefahr, einen
welsclien Gu>ydion (s. 695) und dessen vater Don mit
Wuotan und gar Donar zusammenzuhalten. lu dem vor-
hersehenden dienst einiger göttinnen möchte man celtische
und deutsche berülirung und Wechselwirkung erblicken:
jibundiaj domina nocturna^ vielleicht die dunkeln Ne-
halennien, an der seile von Holda und Berhta zeigen uns,
warum diese geringeren anklang in Scandiuavien finden.
Berecynt/iias laridiunJähru/rg{s.69A. vgl. 691) ist dem
wagen der Nerthus , dem scliif oder pflüg der Isis höchst
*) ihre liäiipter mit göttern selbst zu vergleichen, so wäre der
Äiej;hriiij;pnHe , gelarvte wolf Wuotan, der rothe fuchs Donar, könipf
löwe oder bar Fro. ich will damit nichts mehr als einen blul'&en einfalt
vorgebracht haben.
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(XV)
ähnlich. Hercules Saxanus ki^niite GaUiern und DetiN
sehen zusammen gehören , Eumal Saxnöt nieder dem Nor^
den fehlt. Man steht an, welchem beider Völker Proeops
meidung von der seelen über fahrt (8.481) passe; damals
war dort schon fränkische oberherschafi, wiewol der scaii-
dinavische brauch (s. 480) verbreitetere einstimmung bc^
zeugt. Eine menge aberglauben hat Deutschland mit Frank-
reich und Britannien gemein, vor allen das nolfeuer, den
Joliannisbrandj die hexen farlen^ den exercilus anti-^
quus (s. 527.) Ungleich beträchtlicher aber war^ an zahl
und ausbildungy das celiische priesterthum.
Wurden uns durch Alemannen und Franken gallische
mjthen vermhtelt, so geschieht ähnliches im hintergrund,
"WO slavische, litthauische , finnische Völkerschaften auf un-
serer ferse nachrückten. Die hochdeutsche mundart, im
gegensatz zur niederen und nordischen, hat diesen einfluis
erfahren, am frühsten und merklichsten ausgesetzt waren
ihm die Gothen. von finnischer und lettischer mythologie
sind wir ziemlich unterrichtet; nachtheilig entgeht uns ge-
treue, critische künde der gesamten slavischen, wie sie vor
allen andern SchaSarik liefern könnte, das Verhältnis sla-
vischer götler zu deutschen ist einigemal (s. 93. 223. 382)
berührt. Obenan unter ihnen steht Perun, wie bei den
Griechen Zeus, abweichend von unsrer rangordnung. ob
sich Lei und Polel (s. 454) dem naharvalischen Castor
und Pollux (s.39) vergleichen lassen, weifs ich noch nicht
sicher, sollte Lada versetzt sein aus Holda, wie labe =:
clbe, labud = elbiz ? unwahrscheinlich. Thrih, Tort, ein
kriegsgott krainischer Wörterbücher hat nichts mit Thor
noch Tyr gemein : er stammt aus vtorik (der andere, zweite),
vreil dies Marti» den zweiten slavischen Wochentag bildet.
ein ofner, gewis erst später misgrif. Des übereintreffenden
slavischen und deutschen aberglaubens ist aufserordeütlich
viel.*)
Die wahrgenommne wichtige berühr ung zwischen
Perlunas, fairguni^ fingen und Fiörgyn führt mich
SU folgenden betrachtungen. Ulfilas braucht fairgunij
frdujuy halja^ airtlia^ Wörter die anderen stammen zu
gätternamen dienen, in verschiednem , Ja unpersönlichem
*) L. Golfbiowski hat 1830. 1831 zu Warschau in vier bänden her-
aosgegeben : lud (volk) , ubiory (traclilen) , gry i zabawy (spiele nnd
Unterhaltungen), doma I dwory (häuser und liofe), worin reicliKcIies
raateriaJ enthalten sein soll, ich konnte «ias werk nicht benutzen, vom
dyngus and fimigurst (8.332) wird gry p. 290-294 gehandelt
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(XVI)
sinn. 8oU man nun sagen, diese begriffe sind erst nach
und nach personificiert worden^ dem heidnischen Gothen
also noch keine solche gottheiten bekannt gewesen? eine
folgeruDg, die ich ganz für irrig halten würde. Der Gothe
ist unbefangen geniig^ die eigentliche oder verwandte be-
deutung dieser würter zu nutzen, ohne sich an einen heid-
nischen nebensinn zu stofsen« auch ahd, wurde Jr6 eine
Zeitlang geduldet, dann aber aufgegeben, ßrgun zeigt
sich blofs in veraltender, seltner Zusammensetzimg* Dafs
aber ein ausdruck bald in voller persönlich keit , bald un-
persönlich, unter demselben volk, gebraucht werden dürfe,
weist am besten Donar y der heidnische gott, neben doMatf
der naturerscheinung. wer sieht jetzt den grund ein, wes^
halb Ui£las diese durch theihvö wiedergibt? fairguni ,
ist ihm nichts als berg, höhe, Perkunas dem Litthauer
sowol der auf höhen thronende donnerer, als donner selbst,
die meisten Slaven unterscheiden von Perun den donner-
krach gronif doch drückt das poln. piorun auch den
donnei*keil aus; merkwürdig dafs die Scandinaven den na-
men des schalls duna^ tordön, torden (s. 112) von T/ior
sondern* dafür ist ihnen Fiörgyriy weiblich *) oder männ-
lich gebraucht , immer personlfication. Nicht auf vieV aü^
dere weise verhält es im 13 jh. sich mit wünsch j das
einmal inbegrif des Wunsches, ideal, dann aber noch den
persönlich aufgefafsten , verleihenden PFunsch ausdrückt:
ich erinnere an 2hg und NacJUj an die Verwandtschaft
von dies mit deus (s. 425.) Gesetzt es stände bei Tacitus
Hertha f so würde dadurch Ulfilas unpersönlich gesetztes
alrtha nicht beeinträchtigt.
Auch zu dem ferneren alten Morgenland ergebe^i sich
bedeutsame beziehungen, die wenn sie über allen zweifei
erhoben werden können für sich allein schon die nteinung
eines späten Ursprungs deutscher mythologie abwehren müs-
sen. Dahin rechne ich die Verwandtschaft unserer todes«
göttin Halja (s. 195. 461. 486) mit der indischen Kalt
oder Maltahaltj der grofsen schwarten göttin, die auch
sonst Bhavani heifst und Schivas gemahlin ist. in des
Unterwelt soll sie über die seelen gericht halten: dies
amt und ihre schwarze färbe macht sie der Hal)a, aufeer
dem eintrefTenden namen, äufserst ähnlich. '^'^) schwär ze^
"*) wie Griechen eioe Pallas uK^La nennen. Hesycb.
**) Doppt glossar 43t> gibt nur den männlicheB daemon Kali^ der
in dem vierten, bösen Zeitalter auftreten seil, an. auch die alt«, ipraciie
kennt ein matc hei (8. 461.)
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(XVII)
diinkelblaiie gSltergestallen liat die itidisclie m^^liologie meli-
rere, z. b. Krischmi (violaceiis, niger.) Bopps gloss. 49^.
fVuotan ist schon von vielen mit Buddha verglichen w^or-
den; Rask, der zujüngst darüber gesprochen hat (sanilede
afhandlinger p. 79. 80) und ihre identität für ausgemacht
liälr, stellt auch Gautama^ einen andern namen Buddhas*)
zum altn. Gnutr^ wobei ich noch als vorzüglich wichtig
anschlage, dafs die angelsächsisdhen , wahrscheinlich die
gothiscben Stammtafeln einen Gedt und Gduts kennen, der
für Vodens ahn, d. h. für ihn selbst Jingeselin und ein gott
genannt wird fanh. XVI. XXVI.) Dazu treten übereinstim-
mende züge aes cultus und der silte ; statt aller einen :
die mitverbrennung der witwen (RA. 451.)
Selbst das indische dogma einer dreieinheit (trimurti)
in Braluna, Vischnu, Schiva hat an den eddischen Hdr,
lafnhsir und Thridhi (s. 110) sein gegenbild, imd ich möchte
die letzten am liebsten auf Wuotan, Donar und Frö deu-
ten, wie sie uns Adam von Bremen als upsalische gülter-
bilder schildert. Jene altnordische lehre ist nun freilich
in den Überresten der deutschen tnythologie nicht ausge-
sprochen, aber zur trilogie neigt sich beinahe alle gulter-
und stammsage (anh. s, XXVI) ; nicht zu übersehn wäre
die ags. glosse (8.160), welche VAden altanua gibt, inso-
fern dieses mit altus, hdr genau dasselbe ist.
Der , nordische mythua von dem hohen , gleichhohen
und dritten gott, so tief die gan2e ausdrucksweise selbst
in unserer ältesten spräche gegründet scheint (s. 693), hat
vielen crittkern anstofs gegeben und einen hauptgrund ge-
liefert, die eddalehre der erborgung aus dein dir ist en^
thum zu zeihen« warum leitet man nicht auch die indi-
sche trimurti oder die griechische dreibrüderschaft des ZeUs,
Poseidon und Pluton auf gleiche quelle zurück? zwischen
Uär, lafnhdr und Thridhi wird kein abstammungs Verhältnis
angegeben, Odhinn, Vili, Ve sind drei brüder.
Wenn Sie (forsch. 402) nicht für unmöglich halten
herauszubringen, ob die sinnvollen und naiv schönen Über-
lieferungen der aeandinavischen poesie wirklich aus dem
reinen heidenthum entsprungen sind, oder ob nicht viel-
mehr erst aus dem zusammenslofsen mit Jen ideen des
eindringenden christenthums'; so würde selbst eine bejahung
der letzten annähme keineswegs aufstellen sollen, dafs die
gesamte nordische lehre aus der christlichen hervorgegangen
*) Gotama, Samanagotama, Samonacodom.
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(XVIH)
sei, sondern mir dafs sie ihre schöneren niythen dieser zu
danken habe.
Ich niiirs es abredig sein, von Seiten der Cliristen
war man den Heiden zu aufsätzig, von Seiten der Heiden
gegen das christenlhum zu gleichgültig, und zu wenig mit
ihm bekannt, als dafs ein solches einwirken, vor der 6e-
lehrung ^ auch nur unbewuster weise, hätte können ein-
treten. Auch ist der hauptinhalt lieidnischer lehren grund«
verschieden von christlicher tradition. INleiner erfahr ung
nach haben christenthum und heidenthum, seit sie sich be-
rührten d. h. nach der behehr ung wechselseitigen einflul's
auf «inander geübt: das christenthum indem es heidnische
ideen herabzuwürdigen trachtete, das heidenthum, indem
es suchte sich unter christlichen formen zu bergen, der
siegende glaube gieng darauf aus den besiegten ganz zu
vertilgen , der besiegle strebte noch seine geflüchtete habe
gleichsam in des feindlichen heeres mitte zu sichern, dort
wurden heidnische sagen in ihrer echtheit entstellt^ hier
schmiegten sie sich, innerlich weniger angegriffen, unter
christliche namen. Auf beiderlei wegen ist die geistliche
sage des mittelalters , besonders unter dem volk und voii
ihm aus, ungemein erweitert worden. Einzelne christliche
mythen, zumal des alten testaments, mengten sich dazwischen.
Die bedeutendsten beispiele von schärfung und ver-
gröberung müderer, feinerer sagen des heidenthums bietet
das 26. 2^ cap. dar; elbe luid riesen sind zu teufeln^
nachtfrauen zu hexen verfälscht, aber auch Wuotan ist
ausgeartet in einen fürchterlichen Jäger, Holda im& Berlita
in hinderscheuchen. Wuotans raben gehören dem teufel.
Aber die thaten und wunder anderer riesen oder rie-
sinnen sind auf heilige übergegangen. Maria tragt erde
in ihrer schürze (s. 309) wie das riesenweib, Michael^ George
Christoph spielen die rolle heidnischer drachentödter, bei-
den und halbgötter. Iringsstrafse am himmel heifst Jacobs^
strajscy Orion Peters oder Jacobsstab. Selbst der nor-
wegische heil. OlaJ versieht nun Thors amt, des Verfolgers
und bändigers aller riesen. Svantevit ist den Slaven in
einen Sanct Vitus umgewandelt (s. 382. vgl Hehnold 2,
12.) Der mühe werth auszumachen wäre, wann im mil-
telalter die sagen von S. Peter begonnen haben, wie er
mit Christus durch die weit wandert: beide ziehen uner-
kannt in menschlicher gestalt umher, tugenden zu belohnen,
laster zu strafen, darunter steckt heidnische überliefern ng,
ähnlich der bei Griechen und Römern, aber auch bei
Nordmännern im schwang gehenden. Nach dem treflichen
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(XIX)
mythus von Ptiilemon und Baucis, den Ovid aus der volks-
sage berichtet (8, 626-721), sind Jupiter und Mercur
die Wanderer; noch eine phädrlsche fabel läfdt den götter-
boten, den gott der wege und strafseo, bei sterblichen
übernachten (Mercurium hospitio mulieres olim duae iili-
berali et sorcLido receperant.) In der edda reist Heimdallr
zu den menschen, Rfgr sich nennend und mit sterblichen
franen neue geschlechter gründend; wo aber drei götter
zusammen ausreisen^ die weit zu erforschen (at kannä heim
alian), sind es immer Odhinn^ Hoenir und Loki (Su. 80*
135) und zumal heifst Hoenir Odhins reisegefährter (sinni
ok mäli. 8n. 106, sonst auch langfufs, hlnn Mngi fötr);
wiederum wird bei der Schöpfung neben Odhinn Hoenir
und Lodhur genannt (Ssera* 3^.) ein solcher Hoenir (ahd<
Huoni, ags. H^ne?) läist sich in unserer ganzen mythologie
nirgend spuren, es sei denn als Petrus neben Christus,
w^elcher an Wuotani stelle erscheint, wie die alten Jtfer-
cur in der weit reisen lassen, nur dafs ihnen Zeus die
banptperson , Mercur die zweite abgiebt, den Deutschen
Wuotan oben steht, die christliche sage knüpft sich von
selbst an die Wanderungen Jesu und seiner apostel durch
Judäa* wie wenig aber dabei kirchenlegende eigentlich im
spiel ist, zeigt die yolkssage vom einkehrenden tt^^erg
(DS. 45), in welchen der ältere gott gleichfalls umgesetzt
wurde, oder das märchen von den drei wandernden nornett
(g. 695), die jenen drei göttem vollkommen ähnlich sind*
iUtesle spur des umziehenden Jieilandes und Petrus fiudd
ich bei^nmelant (Amgb. 12**, vgl. das almosengeben 26*)}
auch Peter und der lahme (Freid. 149, 5) gehöreii wol
hierher, viel irischer sind aber die sageh des 16 jh., Sänct
Peter mit der geifs (H. Sachs 1, 492), S.Peter mit dem
faulen kriecht und der fleifsigcn magd (das. 1, 493), S*
Peter mit dem landsknecht, der von ilun würfel emplangt
Tdas. n. 4, 114), Christus und Peter bei dem scbnüed
(das. IV. 3, 70); ja der schw£iuk von den dreizehn Schäl-
ken, die sich für Christus und die zwölf hotert ausgeben
(das.n, 490), ist auf den mythüs gegründet* Den kurzsich'
tigen Petrus neben Christus vertritt in altfran^. dichfungeil
der einsiedlery welcher mit einem engel durch die weit
zieht (M^on nouv. rec. 2, 116 und die vorrede vor tome
1.) In fortlebenden kindermärchen kehren unser Herrgott
und S. Peter beim Spielhansl ein, der sie freundlich her^
bergt und nun von Petrus mit karten, würfeln und geige
beschenkt wird (KM. 82 vgl. 3, 135. 136), woiu man das
allfranz. fabltau von Saint Pierre et le Jongleur (M^on
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(XX)
3y 282) nebme. ich kau u mich nicht enthallen in diesem
mit Spielern und landskuechten verkelirenden Petrus ent-
w'eder Wuotan oder Mercur, des Würfelspiels erfinder
(s. 692) zu sehn. Auch sein christliches amt als himmels
Ihürschlierser (P^ler des himels portenois. Wh. 332, »)
mengt sich in heidnische abenteuer, wie aus dem mär-
chen vom Schneider (no. 35) worin Wuotans stul (s. 98),
und von bruder Lustig (no. 81) hervorgeht. H. .Sachs
läfst in einem gedieht 5. Petern, im andern den teufel
mit den landsknechlen verhandeln (I, 494. 459), und beides
ist richtig.
Petrus hat at)er auch in sonstigen dichtungen des
frühen miltelalters hauptroUen zu versehen; in der legende
von Crescentia erscheint er der schifbrüchigen auf einsamen
meeresfelsen, geleitet sie trocknes fufses über die wellen
und verleiht ihr die gäbe, sieche zu heilen (cod. pal. 361,
75 ^ vgl. kolocz 267.) an seine statt setzen hier spätere
bearbeitungen Maria (Maerl. 2, 226. Gautier de Coinsi
bei M^on nouv. rec. 2 , 67.)
Mariencultus scheint erst seit dem 12. 15 jh. um
sich zu greifen und mit der zartesten frauenverehrung, die
je statt gehabt hat, in der poesie unserer minnesänger zu«>
sammen zu treffen, seine grundlage war aber auch schon
der heidnischen hervorziehung einiger göttinnen, dem an-
sehn der Weissagerinnen und klugen £rauen gemäfs (s. 63.
225. 585.) Auf Maria wurden eine menge lieblicher und
anmutiger züge gehäuft, die im heidenthum Freyja, Uolda,
Berhta bezeichneten ; gestirne werden nach Maria genannt
(s. 417), eine grofse zahl von blumen, kräutern und insec-
ten, deren ältere namen zum theil auf Freyja und Venus
gehn (8.192), auch die schneeseudende Uolda wandelt sich
in Maria (8.694.)*) Ich kenne keine mythologie, in wel-
cher Maria so grell und unmittelbar neben heidnischen
gestalten aufträte, wie die finnische.
Aufser Maria konnte an die immer wachsende schar
der kirchenheiligen und Schutzheiligen einzelner örter, stände
und zustände**) eine fülle von Überlieferungen sich setzen,
die unter dem volk umgieng und grofsentheils heidnischen
(griechischen, römischen, gallischen und deutschen) Ursprungs
war. kinder und erwachsene, hirten> Jäger, krieger und
*) Ober den steigenden Mariadienst vgl. Schrökhs kircbengesch. 23,
152. 29, 235 und Wielandtf Mercur 1796 dec. 329-358. 1797 merz
205 - 222.
*') Fiscfaart (Garg. 258) zahlt heilige aaf, die für be<timmte krank-
heiten aogerufea werden.
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(XXI)
Irandwerker hatten ihre eigenthnmlichen heiligen und fast
auf jeden tag des jahrs fiel die begehung eines festes:
alle kirchen waren geschmückt mit altären und hlldem.
Dem catholischen dienst ist dadurch eine viel bei t balb-
götllicher wesen, ein reicbthum farbiger Vorstellungen zu
Uieil geworden, den der protestantismus wieder von sich
ausschied mit einem gefühl nicht unähnlich dem der be-
kehrer, als sie das heidenthum stürzten. z\var die kirche
unterscheidet zwischen der gotlheit und den fiirbiltern,
allein wie manche fromme lippe, wenn sie sich vor dem
heiligenbild bewegte , mag diesen unterschied nicht gewust
oder vergessen haben.
Dieses auch den Segensformeln (anli. s. CXLIX) eigen-
thümliche ineinanderfliefsen christilcber und heidnischer
Überlieferungen fand sich von früher zeit an gefordert
durch vorsichtige oder wolmeineude schonimg, welche die
fteistlichkeit geweihten statten des heidenthunis nicht selten
angedeihen liefs. tempel wurden umgewandelt in kirchen,
auf götterbergen capellen erbaut, in heiligen wäldern
Klöster gestiftet, selbst götzenbüder in nebenwände einge-
mauert (s.69i); und wenn das metall heidnischer idole zu
kirchengefafsen umgegossen war (s. 395) blieb wenigstens
der alle stof. Am leichtesten aber konnte in Jesten und
Jeierlichkeiten der kirche, mit geringer abänderung, die
gewohnheit des neubekehrten volks gehegt werden, die
processionen des muttergottesbilds durch das gcfilde, den
ackern fruchtbarkeit oder regen zu erbitten , vergleichen
sich deiV umführung des heidnischen götterwagens oder den
rogationen der alten« wie genau hat sich das Johannisfest
mit der begehung der sunwende gemischt, Weihnachten mit
dem )uL dies letzte beispiel gewährt ein unschätzbares
Zeugnis für die identität nordischer, sächsischer und gothi«
acher mythologie, wenn meine nachweisung (gött. anz.
1826. s. 740-42), dafs im gothischen calender fruma jiuf eis.
dem ags. e&rra geola^ folglich dem altn. jol entspreche,
vollkommne bestätigung empfängt. Doch den altdeutschen
calender, überhaupt die feste und gebrauche unserer vor-
fahren, denke ich künflig in einem besonderen buch Hiber
deutsche sitten' ausführlich zu behandeln, dahin verweise
ich auch deutungsversuche des ausdruckes yrias (anh.
8. XXXII) und anderer.
Unterscheidbar von solcher Übertragung heidnischer
ansichten , sagen und brauche auf christliche ist die seltner
stattgehabte einmtschung jüdischer imd christlicher tradition
in die heidnische. So wurde die genealogie des aUen
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(XXH)
testamentM mit der angeUäcbsIschen verbunden (anh. s«
XIX.) Elias mengte sich in mylhen von dem donnergott
(s. 117), der antichrist in die vom wehende (s. 468),
Herodias (Uevodiana, hera Diana?) in die von Diana
und Holda (s. 176.) auch die auf den teufel angewandten
begriffe hammer und riegel (s. 559. 550) verdienen hier
rücksicht. Im mittelaher herschte die Vorstellung, dafs zur
jseit der geburl des heilandes, unter kaiser Augustus, a//—
gemeiner friede in der weit gewesen sei (cod. pal. 361,
3*. Maria 160. 193-196. Veldecks Enede 13205. Albr.
von Halberst. prolog. vgl. den reisesegen VIII ^ im anhang.)
Snorri 146 verknüpft sie aber mit dem nordischen mythua
von Frödhis Jrieden^ dessen künde, da Fruote von Dane-
mark unserer heldensage nicbt fremd ist, auch in Deutsch-
land mag verbreitet gewesen sein.
Dieser Fruote greift ein in das heldenlied von Gudrun,
das uns viel alter stammsage bewahrt. Noch ein paar
solcher glücklichen auffindungen wie der travellers song,
und es wird neues licht und immer lebendigerer Zusam-
menhang in unsere altepische genealogie kommen. Ha-
gena, beherscher der holmreiche, (z. 41) ist höchstwahr-
scheinlich Hagene, Gudruns mütterlicher grofsvater. Agel-
muud und Eadvine (z. 233. 234) sind Agelmund und An»
doin des longobardischen Stammes. Elsa Tz. 233) gemahnt
an den westsächsischen Elesa, Beadeca (z. 223) an den
ostsächsischen Bedeca. Hiin veold Hätverum (z. 65), Hün
herschte über die Hätvere, oiTenbar die Hatuarii, Chat-
tuarii, ein den Chatten*) verwandter stamm. Statt Twtva
ist vielleicht Tätva zu schreiben und der longobardische
Tato (ahd. Zazo) in betracht zu nehmen? Härtung und
Haddingr (140. 206) liefse sich etwa dem goth. Azdingus
(gramm. 1, 126. 1070 für Hazdingus?) an seite setzen?
Von den angelsächsischen Stammtafeln **) gibt es melirere
handscbriften, deren einsieht ich Kembles mittheilung ver-
danke, namentlich im ms. cotton. Tib. B. 5 foL 22 (ge-
schrieben zwischen 973 - 975) und im cod. bibl. reg. paris.
6055. Sie bieten aber meistens verderbte lesarten dar.
so hat der Pariser cod. Boerinus f, Beovinus, Saxwad U
*) den nameQ Chattus (Hezee, Hesse gramm. 1, 172) hat man
noch niciit recht gedeutet: er vergleiclit sich dem alta» Hötfr oder
Hattr^ pileatus, wie selbst der gptt beigeuamt wird (s. 101. 5T6.)
vgl, haz, bcesee gramm. 3, 451. auch Hesse ist manns und volksname.
'*) Altes tod wird von Lappenberg 108 zwischen 514-519 gesetzt.
Elhelwerd (s. 1) starb nicht 1090, er schrieb schon um 1000 (Lap-
penb. p. LVll. LVIJI.)
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(XXIII)
Seaxneat; des Alanuft drei söhne (anh. XXVIIl) nennt er
Ysicion, Armenion, Regno (f. Negno = Engvo.) Frealaf
■wird als Wodens ^ixor* aufgeführt. Die colton. hs. gibl
Idas geschlecht (bei mir Bernicia s. IIl) folgender geslalt
an: Woden, Bäldäg, Beornic, Wägbrand, Ingebrand, Ahisa,
Angelgeot, Aethelberht, Eosa, Eoppa, Ida. Pendas: Wo-
den, Weodhogeot, Wihllaeg, Wacrmund, Offa, Angelgeot,
Eouier *) u, s. w, Ealdfriths : Woden, Winra,,Crella, Cvväd-
gils, Cädbäd, Bubba, Beda, Biscop, Eanferdh, Eata, Aid-
li*idh. Der ostanglische slanim lautet hier: Woden, Caser,
Tytnian, Trygil, Hrodhmiind, Hryp, Wilhelm, Wehh,
Wuffa, Tytla, Eric, Aelhelric, Aldwulf, Alfwald. derselbe
aber im ms. cotton. A. Vesp. A.XV: Woden, Casser, Tiliuon,
Trigil, Kochonun, Rippan, Giiilhelm, Guechan. im cod.
canlabr. Trin. coli. 0. 2, 52; Woden, Caserei, Tilinon,
Triglis, Bodomund, Hrip, Wihelon, Wecha u. s. w. bei
Alfred, breverl. (ed. llearne p. 81): Woden, Caserei, Tit-
mon, Trigüs, Redinund, Ilripp, Willem, Wehha , Wlfa,
a quo reges occid. Angl.Wlfmgas appellant. in keiner reihe
ist die Verderbnis der formen gröfser. Die stelle über
Sc^af (s. XVll) wird in einer hs. so mitgetheilt: iste Sceafus
ut dicunt, sive quia fortunae commissus, sive aliud quid
causa fuerit hujus rei, ad insulani quandam Germaniae Scan-
deam nomine appulsus puerulus in uave sine remige in-
veutus est ab hominibus dormiens, posito ad caput ejus
%/ictui frumenli manipulo. Die sage vom schwanriuer,
deren Zusammenhang mit Sceaf (s. XVIll) immer wahr-
scheinlicher wiinl, ist neulich (altd. bl. 1, 128-135) in
schöner ausführlichkeit bekannt gemacht worden. Wenn
die wünsch Jungfrau sieben söhne mit schwangoldringen um
die halse gebiert, an deren statt sieben weifer (catuli) un-
tergeschoben werden , so halte ich für bemerkenswerth,
dafs gerade auch im eingang der langobardischen und wei-
fischen stammsage (Paul. Diac. 1, 15. D. S. no. 515) die
geburt von sieben (oder zwölf) kindern erzählt ist. Ein
rechter geschlechtsmythus. Aber die schwäbischbairischen
genealogien mit ihren namen sind verschollen.
Wie viel von dem aberglauben^ dessen sorgfältige sam-
lung ich nicht gescheut, sondern für unerlüfslich gehalten
habe, in unserer deutschen mythologie aufgehe oder in an-
derer cpielle nachzuweisen sei, fordert noch vielseitige Prü-
fung, hier zumal stofsen germanische und celtisclle meldun-
*) kn^e\^eki und Eooisr sind die dänisclieu lagUd und laomar.
Lappooberg p«116.
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(XXIV)
gen anelnancler, eine menge rüniiscligriecltUcLeß aberglau«
bens ist über gauz Europa hin gedrungen. Ick Labe uuch
beniülit einen alleren text aufzuspüren, aus velcliem Bur»
cbartl sein cap, 19, 5 (anb, s. XXXV - XL) gescbtipft bätte.
die Ballerini, in ibrer gelebrlen abbandlung de antiquia
collect, canonum, pars IV cap. 12 besprechen die burebar-
discbe samlung, und setzen ibren Ursprung z'wiscben die
jabre 1012 - 1023. sie geben aber einen cod. vatic. 4227
an, übe^cbrieben 'corrector et niedicus' und einen andern
3830, beide nicbts als Burcbards neunzebntes buch enN
haltend, der ihm selbst in seiner vorred^ jenen titel bei-
legt, weil es correctiones corporum et animarum niedicinas
umfasse, nur bat Burcbard eine anzahl interrogationen
mehr als diese bandschriften , aber auch die müssen in
Deutschland und für unsere deutsche kirche abgefafst sein,
weil sie dieselben, von mir ausgehobnen vrorlcrklärungen
geben ; statt kjuod vulgaris stultitia vverwolf vocat' lieifst
es hier 'quod tbeutouice werevvlf vocatur.' Entweder also
hat der worniser bischof (er starb nicht 1024, sondern
10 aug. 1025) diese schon vor ilim bekannten poenilentia«
len seinem buche einverleibt, oder sie sind aus ihm beson-
ders abgeschrieben worden, jenes ist ungleich wahrschein«
lieber, weil er zusätze eingefügt hat, die in der abschrift
seiner samlung kaum fehlen würden» entsc]ieiden müste
das höhere alter des cod. 4227, der ein *velus codex' heifst ;
3830 ist des 11 jh. auch der cod. vindob, univ, 633 (11-'
12 jh.) enthält das nemliche poenitentia), ohne Burcbards
namen; Blumes bibl. mss. ital. 7. 113 nennt bss, Burcbards
aus Vercelli und Bologna. Reicht aber das alter unserer
stellen noch in das 10 jh. hinauf und sind sie unzweifelhaft
in Deutschland niedergesclirieben, so erhölit sich ihr wertlu
t)as ist auch der Ballerini meinung: ^faciJe conjicere licet,
Burchardum hoc poenitentiale apnd suos receptum cd-
lectioni inseruisse et ex aliis poenitentialibus addidisse, quae
in eo desiderantur.' Was die im anbang s. XXXIV mit-
getheilte imd s. 595 besprochne stelle von Diana und Hero-
dias angeht, so bemerkt Richter in seiner neuen ausg. des
C. J. can. p. 892, durch die Überschrift: *unde supra' bei
Rcgino seien Burcbard und Ivo "Verleitet worden, das capitel
dem ancyranischen concil, aus welchem eine stelle voraus-
geht, beizulegen, die hinzugefügte Vermutung: ^sumtum esse
videtur ex quodam capitulari regum Francorum inedito'
wird aber durch den dritten theil der pertzischen monu-
menta noch nicht bestätigt, mir wäre ganz recht; wenn
es sich so verhielte.
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(XXV)
kh' habe mir die einsieht eines älteren und seltnen
franzoöischen huchs ^es evangiles des quenouilles' (Ebert
DO« 12145), -worin sich manches über abergläubische ge-
brauche hnden mufs, gewünscht aber niclit zu vrege bringen
können. Was aus schwedischen und dänischen büchem
niilgelbeilt wii*d, vertrug, weil das genaue Verständnis hier
mehr als sonst von worlem und formein abhängt , keine
iiberselzung. Der ganze anhang wird nur unkundige irren:
in diesem rohen aberglauben steckt alterthums gentig, und
wenn unserer mythologie beschieden war, frühe zu ver-
kommen, so darf die Untersuchung sich von keinem aus-
bruch solcher barbarei liochmütig wegwenden. *dicam se-
cundum nostram barbarlem' sind Walahfrieds worte, deren
map, soll die aufhellung vaterländischer geschichte gelingen,
eingedenk bleiben mufs.
Ich bekenne, dafs mir wenig daran gelegen hat in
dem unZusammenhang unserer fast ganz aus der fuge ge*
rathenen mythen ein System zu entdecken, das der deut-
schen götterlehre unter den übrigen des alterthums eigen
wäre. Nur cap. 23 war von fatalismusy cap. 26 von
äualismua die rede, ohne dafs ich annehme, diese Vor-
stellungen seien allgemeine, die gesamte deutsche mytho-
logie durchdringende, denn selbst der viel vollständiger
erhaltenen nordischen läfst sich keine solche grundlage
geben. Mich dünkt, auch bei der griechischen oder rö-
jiiiscben kommt man zu kurz mit philosophischer bezeich-
nuog. mag der Buddhismus pantheistischy die zendische
religion dualistisch heifsen; in der griechischen wie in
der deutschen sind spuren, keime beider richtungen, wahr-
scheinlich noch anderer, von eigentlichem pantheismus
entfernt sich ihre Vielgötterei^ weil sie reihen höherer
und niederer gottheiten anerkennen, von dem dualismus,
weil ihre gütigen, milden götter zu sehr überwiegen, hat
aber Wuotan mit Buddha berührung, so müssen entweder
panlheistische lehren in der älteren religion unserer vorfah-
ren sichtbar gewesen sein oder der Buddliismus mufs sich
in den ländern, wo er herscht, scliärrer ausgeprägt haben,
als er anfangs war. Vergötterungen sind dem deutschen
hcidenthum, dem griechischen und indischen gemein, und
auch unsere stammsagen verflechten sterbliche gescU echter
iiiil denen der unsterblichen götter; nie war der glaube
an fortdauer nach dem leben erloschen. Wiedergeburten,
wie sie die cdda kennt, Verwandlungen der menschen in
jiBanzen, thiere, steine und gestirne könnten als merk«-
male der lehre von der Seelenwanderung und emanation
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(xxvo
betrachtet werden: unsern Yorfabren wolmt aber durcbaus
kein gefiibl von ti*aiier über das dasein bei, jene indtscbe
Sehnsucht nach rückkehr und Wiedervereinigung mit der
goühett sclieint ihnen völlig fremd« ihr kriegerisch freudiger
sinn, mit dem sie lachend aller todesgefahi entgegen traten,
dachte sich die ungewisse zukunft als glänzende erneuerung
des irdischen heldenlebens in göttergemeinschaft. allein die-
ser gedanke überwog nicht einmal merkbar in der reichen
beweguüg ihrer irdischen laufbahn, für welche sie hilfreicher,
gnädiger gutfer bei allen anlassen bedurften. Ein dualisti-
scher unterschied zwischen gutem und bösem principe
wie ich glaube, wird sich nur in der leilung priesterlicher
lehre scharf hervorthun; er darf eher unter Galliern auf-
gesucht werden als unter Deutschen. Wozu gefruchtet hätte
es also, die trümmer des heidenthums solchen betrachtun-
gen unterzuordnen, und die eigen thümliche combination,
deren es noch fähig ist, dadurch zu zwängen?
Elementen, naturerscheinungen und gestimen lege ich
grofsen einflufs auf mythologische Vorstellungen bei, lange
keinen solchen , dafs alle und jede aus ihrer grundlage
abgeleitet werden dürften, da aufser den physischen auch
noch sittliche und andere menschliche motive obwalten und
erst in der durchdringung aller zusammen die götter des
heidenthums entsprungen scheinen. Die natur läfst uns ihre
erhabene und wolthätige Wirksamkeit gewahren in dem
leuchtenden, wärmenden feuer, dem reinigenden^ kühlenden
Wasser, der allbeweglichen, erquickenden luft, der nähren-
den, stärkenden erde, hier gesellt sich ein sittlicher ein-
druck zu dem natürlichen. Der mensch hat aber auch
gottheiten nötliig für die begrilTe von gute, milde, allgc-
walt, sieg, friede, liebe, gerecht igkeit, die mehr aus seinem
gemüt als aus der natur aufsteigen ; selbst sie woirden ihm
fremd und unvertraut bleiben , spiegellen sich in ihrer
Vorstellung nicht zugleich menschliche gestalt und gewohn-
heit ab. er legt seinen göttern geschlecht, ehe, kleidung,
Wohnung und geräthe bei; auf diese gleichheit gründet
sich ihm ihre nahe theilnalime an irdischen dingen, ihre
allväterliche ^ allmütterliche eigeuschaft. das alles kann er
weder in den gestirnen, noch so deullich in der natur
lesen, der rasselnde donner erweckt ihm die idee eines
kriegswagens, der niederfahrende blitz die des hammer-
wurfs, und damit bestimmen sich wesentliche züge einer
der höchsten gottheiten , wie sie durch keine abstraction
zu errathen wären. Das gebirge bewohnen zwerge, die
luft elb^ Wasser und brunnen nixen ) wer möchte in ihnen,
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(xxvn)
die durch vidfache eigenschaften gOttorn und mensdien
Tcr^andl sind, blofse elemenlargeister erblicken? Und dai
akerlhuni hatte ein ganz anderes äuge für die natur, es
kgle seine anschauung in sie nieder,*) statt dafs y^vv die
natürlichen erscheinungen aus sich selbst, ohne bezug auf
uns, zu ergründen trachten: götter die wir naturgötter
oennen, werden, mythisch aufgefast, immer eine seftsame
und räthselhafte beimischung anderer eigenheiten an sich
tragen. Darum hat auch die mythologie nicht genug an
einem göttlichen wesen für das element, sie sucht es in
mehrern vielseitig zu erfassen: das wasser wird durch
Ocgir und Hl^r,**) der wind durch K/\ri und Fasolt aus-
gedrückt, das feuer durch Logi oder die personification des
sonDennamens» ]\iclit anders endlich verhalt es sich mit
den gestirnen, tagszeiten und )ahrszeilen ; ihre erscheinung
und Wiederkehr ist zu grofsartig und auffallend, als dafs
äe sich nicht mit dem glauben an gtilter vermählt haben
sollte* sicher waren sonne und mond schon den ältesten
CTermanen gegenstände heiliger Verehrung. Planetarische
und calendergotlheiten ihnen zuzutrauen verbietet aber
die hohe Wahrscheinlichkeit, dafs ihre künde von den
Wochentagen und der planetenreihe erst aus der zeit ihrer
bekanntschaft mit den Römern herrührt. Ihre Frouwa,
ihr Ziu und die gestirne Venus , Mars am himmel stehen
AUÜBer aller gemeinschaft.
Wenn philosophische, physische und astronomische deu«
tuog mythischer gestallen leicht ausartet in leblose dürre,
und alles poetische wolgefallen an ihnen stört, so wird }edtt
hisioriscJie auslegung , die sich über die grenze zwischen
geschichtef und sage nicht zu verständigen weifs, das geistige
princip der mytlien verflüchtigen. Auf diesem abwege liefs
sich Suhm, ein ehreuwerther forscher, fast überall betreten:
aus den pflanzen der sage allen saft ziehend wähnte er die
leeren Stengel oder fasern noch tauglich unter die frischen
reiser der geschichte gebunden zu werden. Wiedergeburten
des niythus miskeunend war er historische Wiederholungen,
selbst die unwahrscheinlichsten ; zu behaupten allzu bereit;
•) wamin doch nennen die Angelsacligen das meer gdrsecg (spiefs*
ricd, carex jaculonim), eargehland (mtxtio aristaroin)? Icli denke,
weil sein gewoge sie an das wogende schilf und getraide erinnerte i
denn auch in der edda ist laf^astafr sowol meer alssaat (Stern. 50b 51 b.)
Wenn der wind die Icornaliren bewegt pflegt unser landmann zu sagen,
dafs der eher im körn gehe,
^^) dazn ist der dens Leherennus einer inschrilt bei Gmter 1074
11 balteo (vgl. Badubenna, Ardueaoa, Nebalennia.)
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(XXVffl)
ihm genügte nicht an drei Odinen^ auch mehrere Boldr
aollten in der geschichte erschienen sein*). Wenige fabeln
8ind vielleicht geeigneter, das einllief'sen der gesdiichle auf
mythischen boden zu bezeugen , als die von Baldr, nach
Saxos darstellung: aller grund ist hier noch sagenhaft,
viahrend die aufsenwerke historische fiirbung gewinnen.
Dringt aber mythisches element auf das gebiet des histori-
scheu, dann bleibt der grund historisch und die aufsen-
werke werden mythisch. so sind Hunnen und Avaren
(s. 700) **) in der sage aufgefafst als riesen^ ein feindliches,
besiegtes, zunickweichendes geschlerht (s. 303); umgekehrt'
haben die mythischen zwerge historischen schein dadurch
dafs auch sie, ein älteres, schwächeres volk, den menschen
das land zu räumen vorgestellt werden (s. 255. 259. 483«
697.)
Nach diesen erürterungen allen hat die deutsche mytho*
logie innere gleichartigkeit mit der griechischen oder römi-
schen, so viel eingeschränkter und dürftiger ihre mittel
sind. Bald auf abgestorbnem gnmd stehen bäume, deren
oberste spitzen frisches laub treiben, bald grünt noch die
fläche unten, aber alle bäume sind verdorrt. Selten nur
gelingt es einzelne gestalten aus der fernen danimerung so
weit heran zu locken, dals ihre züge sich vollkommen ei*-
kennen und besdireiben lassen. Seltner reicht die mangel-
hafte aufzeicbnuug altdeutscher geschieh le bis zur sage hin,
dafs sie ihr die band bieten und den weg weisen könne;
meistentheils hat sich zwischen beiden eine leere, unerfreu-
liche steppe gebreitet. Doch ilu*e unbetretenheit reizt zu
entdeckungsversuchen , deren einsamer pfad unvergleichbar
ist dem lebendigen, durch geistvolle forschungen aller art
verschönerten wege, auf welchem ununterbrochen die clas-
sische mythologie bearbeitet wird.
Nicht ihnen zur seite, unbefangen aber und getrost
neben dasjenige steUen sich meine Untersuchungen, was
einzelne Vorgänger unausgerüstet oder wenig glücklich bis-
*) anroerkungea zu tab. 50 des neonten theils seiner crltiscbeu ge-
gcliichte.
**) in der benennung lotunn nad Tliurs habe ich mythischen grund
Diichgewiesen. Etruscische Überlieferung .scheint nicht blofs in eigen-
aamen (s. i7) weit zu wurzeln. Jene o>mphe, die dem stier den furcht*
baren namen des höchsten ins ohr raunt (O. Müllers Etr. 2, 83 nach
Aes Lactantius oder Lutatius Placidus aus dem 6 jh. scholie zu Statu
Theb. 4, 516) kehrt in der verbreiteten legende des MA. von Silvester
t^bel Sarius 6, I064) wieder, wo ein Jude Zambres einen stier todtet,
dem er gottes heUigea aameo ins ohr spricht.
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(XXÜL)
her erreicht haben. Aufbaaen wollte ich, nidit blofs nieder«
reifsen. Leichtgläubige critik schwebt in gefahr zu behaup*
ten was geleugnet^ zweifelsüchtige in der zu leugnen was
behauptet werden mufs. Immerdar haben Arukiels und
Keyl'slers treugemeinte arbeiten, weil sie material zusammen
brachten, der deutschen mythologie mehr gefruchtet, als die
es wegschaffenden bestrebungen , • welche durch Schlözers
ungelungnen, damals blendenden angrif auf die nordisdie
literatur hervorgerufen wurden« Ein vortheil war, dafs die
dichter, Klopstock zumal, der es fühlte welchen abbruch
unsere poesie durch den mangel einheimischer götter leidet,
wenn auch in anwendung der gordischen auf Deutschland
strauchelnd, die erinnerung an das heidenthum wach erbiel*
ten. Grälers thätigkeit dafür, eines unmäfsig eitlen schrift*
stellers von viel geschrei und wenig wolle, vermochte es
nicht sie wärmer anzufachen. Adelung und Rühs durch
erneute, kaum neues vorbringende bekämpfung der edda
versündigten sich zugleich an dem alterthum ihrer heimat,
das sie nicht kannten; Delius, in den nachtragen zu Sul-
zer gedachte deutsche und nordische mythologie auf einen
streich zu vernichten; als könnte uns der dringenden noth-
vrendigkeit gründliches quellenstudiums willkürliches aus-
legen und deuteln einzelner Zeugnisse überheben. Seit die
dichtkunst des dreizehnten Jahrhunderts, wie sie soll, ge-
pflegt wird, ist auch das höhere alterthum, so wenig strah-
len sie auf es zurückwirft, mit günstigem äuge angesehn.
In Mones werk erfreut die wieder positiv gewordne be-
trachtuug; aber sie leidet unter dieses Verfassers eigenheit,
seine ergebnisse, seien sie haltbar oder unhaltbar, reif
oder unreif, gleich von vornen herein fertig abzuthun;
seine nicht selten sinnige, allein spröde combination beraubt
sich dadurch aller wachsenden beweglichkeit, und der leser
mag ihr nicht folgen. Die beiden neuesten Schriften sind
von mir uneingesehn: Legis handbuch der altdeutschen und
nordischen götterlehre (1831), weil ich dem der sonst nur
andere ausschreibt nicht zutraue, dafs er hier eignes vor-
bringen werde, und Barths altdeutsche religion (1835),
w^eil die Kabiren mich abschreckten. Westendorps leidener
preisschriA (1830) scheint mir verunglückt. Zu einer grofs-
artigen, gelelirten bearb^itung eignet sich der ganze um-
fang altnordischer mythologie in höchstem grade, hat sie
aber noch nicht hervorgerufen. Ohne Finn Magnussen s
hauptansichten zu theilen erkenne ich mit vollem dank,
wie erspriefsUch seine leistungen diesen Studien geworden
sind. Des gedankenreichen Gruudtvigs wiederholte bemü*
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(XXX)
hiing (1832), der nordkclien götterlehre nur eine poerisch-
sitüiche grundlage uutersuschieben steht mit allem, was ich
aus dem alterthum gelernt habe, in Widerspruch. Weder
aus einem chemischen procefs noch einem ästhetischen las-
sen die alten gütter sich ableiten, so wenig als der Ursprung
der spräche zu ergründen ist in onomatopoesie oder in
logischen gesetzen.
" Von Willielm Wackernagel und John M. Kemble sind
mehrfache beitrage diesem buch zu theil geworden. Sie
aber, lieber freund, der Sie sechs jähre her freude und
leid mit uns trugen, und wissen unter welchen sorgen es
aufgewachsen ist, müssen natürlich finden, dafs ich es
Ihnen widme, sollten Sie es auch ungelesen lassen wie
Olshausens zendavesta«
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INHALT.
cap. I. einleitung * « • •
8. 1.
n. gott ....
10.
III. gottesdieust • • •
19.
IV. tempel . « •
39.
V. priest er ' « .
58.
VI. gülter
67.
VIL Wuotan
94.
VIII. Donar . . • .
112.
IX. andere götter . . . ,
131.
X* göttinnen « • • <
152.
XI. beiden . . . .
200.
XII. weise frauen . * ' .
224.
XIII. wicbte und elbe •
246.
XIV. riesen . . . .
296.
XV. elemente . . • .
325.
XVI. bäume und tbiere
371.
XVn. bimmel und gestirne • •
398.
XVIII. tag und nacbt
424.
XIX. Sommer und wintcr
435.
XX. weit • • • • .
457.
XXI. Seelen • . • .
477.
^ XXII. tod
486.
XXIII. beU und scbicksal .
500.
XXIV. gespenster . • • .
511.
XXV. entrnckung • • • •
535.
XXVI. teufel . . . .
549.
XXVn. Zauberei . . . .
579.*
XXVIII. aberglaube
639.
XXIX. krankbeiten • •
668.
nacbträge • • • • .
689.
Anbang
angelsäcbs. Stammtafeln
I.
aberglaube . . . . .
XXIX.
bescbwörungen • • • .
CXXVI.
aberglaube (Fortsetzung)
CLL
kräuteraberglaube . . ' .
CLX.
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CAP. I. EINLEITUNG.
Von Asiens westliclister küste hatte sich das christentliiim
gleich herüber nach Europa gewandt ; der breite boden des
welllheils, in dem es entsprungen -war, konnte ihm nicht
lange nahrung geben, und auch im Norden Africas schhig
es nur oberflächliche wurzeK bald wurde imd blieb Eu-
ropa sein eigentlicher sitz und heerd.
Es ist beachtenswerth, dafs die richtung, in welcher
der neue glaube yon Süden nach Norden um sich grif, dem
Strome der Wanderung gerade entgegensteht , die von Osten
und Norden nach Westen und Süden damals die Völker
hintiieb. wie dorther geistiges licht eindrang^ sollte von
hieraus das leben selbst erfrischt werden.
Das ermattete weitreich der Römer war zugleich in
seinem innersten aufgeregt und an seiner grenze überschrit-
ten, aber mit derselben gewaltigen lehre, die ihm eben
erst seine ahen götter gestürzt hatte, konnte das unter«
"WÜrfige Rom sicli von neuem seine sieger unterwerfen, da-
durch geschah der flut jener bewegung plötzlich einhält;
die neubekehrten länder begannen sich zu festigen und ihre
Waffen umzukehren gegen die im rücken gebliebeneil Heiden.
* Langsam, schritt vor schritt, wich die heidenschafl
der Christenheit.
Fünfhundert jähre nach Christus glaubten an ihn noch
die wenigsten vöIker Europas; nach tausend jähren die
meisten und bedeutendsten, aber nicht alle.
Aus Griechenland und Italien gieng die christliche lehre
zunächst über nach Gallien im zweiten und dritten Jahr-
hundert, einzelne Christen kommen gegen das jähr 300
oder bald naclilier vor unter den rheinischen Deutschen,
zumal Alamannen , um gleiche zeit unter den Gothen. Die
Gothen sind das erste deutsche volk, bei dem das chri-
stenthum im laufe des vierten jh. sichern fiifs fafste, West-
gothen giengen voran, Ostgothen folgten; nach ihnen be-
kehrten sich Vandalen und Gepiden. diese stamme hiel-
ten es mit der arianischen lehre. Die Burgunden in Gal- '
1
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2 EINLEITUNG
lieu wurden catliolisch zu anfang des fiinfken jh., hernach
unter vrestgothisclien herschern arianisch , itn beginn des
sechsten jli. wiederum cathoUsch* Die Sucven in Spanien
waren anfangs catholisch, dann arianisch (um 469), bis
sie mit allen Westgothea im 6 Jh. gleidifalls zur catholi-
schen kirche übertraten. Erst gegen den schlufs des fünf-
ten und zu anfang des sechsten gewann das christenthum
die Franken , bald darauf die Alamannen, naclihcr die Lan-
gobarden. Die Baiern wurden im siebenten und ächten, Frie-
sen, Hessen und Thüringer im achten , die Sachsen gegen das
neunte jh. bekehrt.
Nach Britannien hatte schon frühe von Rom aus das
christenthum eingang gefunden; einbruch der heidnischen
Angelsaclisen störte es. gegen den schlufs des sechsten und
im beginn des siebenten jh. giengen auch sie zum üeuen
glauben über.
Im zehnten jh. wurden die Dänen Christen, zu anfang
des eilften die Norweger, in der andern hälfte des eilften
entschieden die Schweden, um gleiche zeit drang das clui-
stenlhum nach Island.
Von den slavischen Völkern nahmen zuerst Mähren und
Südslaven im achten und neunten jh. christlichen glauben
an, imter den Nordslaven Obotriien im neimten, dann Böh-
men und Folen im zehnten; Sorben im eilften , Russen zu
ende des zehnten.
Ungarn im beginn des eilften, Lieven imd Letten im
zwölften, Elisten imd Finnen im zwölften und dreizehnten,
Litthauer erst im anfang des funfzelmten.
Alle diese angaben sind blofs allgemein gefafst; weder
früliere bekeluomgen noch späteres, längeres haften am hei-
denthum im einzehien schliefsen sie aus. Abgelegenheit unci
Unabhängigkeit des volksstammes schützten den hergebrach-
ten glauben, oft versuchten auch die abtrünnigen wenig-
stens theüweise rückkehr. Das christenthum äufserte bald
seine Wirkung auf die gemüter der •vornehmen und rei-
chen, durch deren beispiel das gemeine volk hingerissen
wurde, bald zuerst auf die arnien und geringen.
Als ClJodo"wig taufe enipfieng und die salischen Fran-
ken ilmi nachfolgten, waren schon einzelne menschen aus
allen fränkischen stammen vorausgegangen, der verkehr mit
Burgimden und Westgothen hatte sie der arianischen lelu:^
geneigt gemacht, wälirend in andern tlieüen Galliens die ca-
tholische anhänger fand. Lantliild, Clüodowigs eine Schwe-
ster, war vor ihm arianische christin geworden, .\lboiIed,
die andere; heidin geblieben: jetzt liefs sich diese mit ilim
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EINLEITUNG 3
taufon, jene zum cathoUscheH bekenntnis überfuhren *).
aber noch im sechsten und siebenten jh« war das beiden-
thum in einzehien gegenden des fränkischen reichs unaus-
gerottet. Neustrien hatte an der Loire und Seine heidnische
bewohner, Burgund in den Vogesen, Auslrasien in den Ar^
dennen; zumal scheinen nordwärts gegen Friesland hin im
heutigen Flandern Heiden fortzudauern **). Spuren des hei-
dentliums hafteten unter den Friesen bis ins neunte, unter
den Sachsen bis ins zehnte jh., auf gleiche weise unter Norr
mannen und Schweden bis ins eilfte und zwölfte ***). Bei
den nördlichen Slaven war der götzendienst hin und wie-
der im zwölften jlu nicht ausgetilgt, ja bei den Finnen und
Litthauern im sechzehnten und siebzehnten nicht durchgan-
^ '^*'^*) • die äufsersten Lappländer hängen ihm noch heut-
zutage an.
Das christenthum war nicht volksmäfsig* es kam aus
der fremde^ und wollte althergebrachte einheimische götter
verdrängen, die das land ehrte und liebte. Diese götter
und ihr dienst hiengen zusanu^en mit Überlieferungen, Ver-
fassung und gebrauchen des volks. ihre namen waren in
der landessprache entsprungen und alter thiimlich geheiligt)
könige und forsten führten stamm und abkunft auf ein-
zelne götter zurück; wälder, berge, seen hatten durch ihre
nähe lebendige weihe empikngen. Allem dem sollte das
Volk entsagen, und was sonst als treue und anhänglichkeit
gepriesen wird, wurde von verkündigem und anliängem
des neuen glaubens als sünde und verbrechen dargestellt
und verfolgt.
Der neue glaube erschien im geleit einer fremden sprä-
che , welche die bekehrer ihren Zöglingen überlieferten imd
dadurch zu einer die vaterländische zunge in den meisten
gottesdienstlichen Verrichtungen ausschliefsenden priester-
sprache erhoben, zwar gilt dies nicht von den griechischre-
denden ländem, die der ursprünglichen abfassung der clirist-
*) baptizata est Albofledis LauthildU chrismata est. Greg.
tar. 2, 31. So wird aucJi die gotliische Brunichild, Sigiberts gemah-
lin, chrisndert (4, 27.) und der gotli. Herminidiild , Ingaodens $?e-
Diahl (5, 38), wobei er den neuen namen Joannes empfangt. Die
Atiaaer scheinen übertretende Catlioliken wie<fergctauft zu haben: eben
jene Ingimd wurde von Golsuintha, ihrer mütterlichen grofsmotter, an-
getriebeo 'ut rebaplizaretur,^ Tgl. capitularia 7, 401.
**) belege nachher cap. l\\ vgl. lex Friaioaum ed. Ganpp p. XXIV.
19. 47.
•••) fornmannasogur 4, 116. 7, 151.
-♦•) Wedekiuds noten 2, 275. 276.
Rbesa daiaos p. 338«
1*
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4 BINLEITUNO
liehen offerrbarimg folgen konnten , aber doch von der viel
weiteren strecke, auf -welcher sich die lateinisclie kirchen-
sprachc ausbreitete, selbst unter romanischen Völkerschaf-
ten , deren gemeine mundart sich bald von der altrömischen
regel losmachte härter war der gegensatz in den übH-
gen reichen.
Die heidenbekehrer, strengfromm, enthaltsam, das fleisch
tödtend, nicht selten kleinlich, störrisch und in knechti-
scher abhängigkeit von dem fernen Rom, musten das na-
tionalgefühl vielfach verletzen. Nicht blofs die rohen, blu-
tigen Opfer, auch die sinnliche, lebensfrohe seite des hei-
denthums war ihnen ein greuel. Was aber ilu' wort imd
ihre "\vunderthatigkeit nicht bewbkten, sollte oft durch feuer
und Schwert von neubekelu'ten Christen gegen verstockte
Heiden ausgerichtet w"erden.
Der sieg des christenthums war der einer milden, ein-
fachen, geistigen lelire über das sinnliche, grausame, ver-
wildernde heidenthiun. für die gewonnene ruhe der seele,
für den verheifsenen himmel gab der mensch seine irdi-
schen freuden und die erinnerung an seine vorfahren. Viele
folgten innerer eingebung des gemüts, andere dem beispiel
der menge; nicht wenige dem eindruck unvermeidlicher
gewalt.
Obschon das imtergehende heidenthum von den be-
richterstattern geflissentlich in sdiatten gesetzt wird , bricht
docli zuweilen rülirende klage über den verlust der alten
götter, oder elirenwerther widerstand aus gegen die äufser-
lich aufgedrungne neuerung *).
Die bekehrer verschmähten es nicht auf die sinne der
Heiden zu wh^ken durch alles was dem christlichen cultus
ein höheres ansehen gegenüber dem heidnischen gewähren
konnte: durch weifses gewand der täuflinge, vorhänge,
^ockengeläute , kerzenanzünden und weihrauchbrennen**).
Es war auch weise oder kluge mafsregel, viele heidnische
platze und tempel beizubehalten, indem man sie, wo es
angieng, nur in cliristliche verwandelte, und ihnen andere,
gleichbeilige bedeutung überv^aes. Die heidnischen götter
selbst wiu'dcu zwar als immachtige im gegensatz zu dem
waliren golt dargestellt, doch nicht überall als machtlose
an sich selbst, sondern in feindliche, böse gewalten ver-
kelu^t, die unterliegen müssen, denen aber doch noch eine
gewisse scliädliche thätigkeit imd eiuwirkung beigelegt wer-
•) foroniaiina sögur 1, 31 — 35. kralodworaky rakopi« 72. 74.
••) Greg. tiir. 2, 31. forum, üog. 1, 260. 2, 200.
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EINLEITUNG 5
eleu konnte. Einzelne heidnisclie überlieferuugen und aber-
gläubische gebrauche dauerten fort, indem sie blofs na-
men änderten imd auf Clurislus, Maria und die heiligen
aufwendeten, was vorher von den götzen erzählt und ge-
glaubt wurde. Anderntheils zerstörte und unterdrückte die
frömmigkeit christlicher priester eine menge heidnischer
denkmale, gedichte und meinungen, deren Vernichtung lii-
storisch schwer zu verschmerzen ist; allein die gesinnimg
ist tadellos , welche uns ihrer beraubt hat. an der reinen
Übung des christenthums , an der tilguug aller heidnischen
spuren war unendlich mehr gelegen, als an dem vortheil,
der später einmal^ wären sie länger stehen geblieben, für
die geschichte hätte aus ihnen hervorgehen können. Bo-
nifacius und Willebrord, indem sie die heilige eiche fäll-
ten, die heilige quelle antasteten, und lange nachher die
bilderstürmenden Reformierten, dachten nur an die ab-
götterei, die damit getrieben vmrde.
Wahrscheinlich kam auch unter den Helden selbst hin
und wieder parteiung und secte, ja in einzelnen gemütern
herangereifte Veredlung der denkungsart und sitte dem ein-
gang des christenthums auf halbem weg entgegen. Merk-
•würdig erwähnt die altnordische sage verschiedentlich ei-
niger männer, die sich aus innerem überdrufs und zwei-
fei dem heidnischen glauben abwendend, ihre Zuversicht
auf die eigne kraft und tugend stellten, so heifst es im
Stiiar liodh 17 von Vebogi imd Rädhey *d sik thau trüdhu' ;
von könig Hdkon (forum, sog. 1, 35) 'konüngr gerir sem
allir adhrir, their sem tn\a ä matt sinn ok megin'; von
Bardhr (das. 2, 151) 'ek trüi ekki 4 skurdhgodh edhr fi-
andr , hefi ek thvi lengi trüat d matt minn ok megin' ; von
könig Hrdlfr (fornald. sog. 1, 98) 'ekki er thess getit at
Urulfr koniingr ok kappar hans hafi nokkurn ttnia blötat
godh , heldr trüdhu d mdtt sinn ok megin' ; von Orvaroddr
(fornald. sog. 2, 165. vgl. 505) ^ekki vandist bltÜtum, tlivi
hann trüdlu d mdtt sinn ok megin' ; von Finnbogi (p. 272)
'ek trüi d sialfan mik\ das ist die gesinnung welche noch
in einem dänischen Volkslied (D, V. 4 , 27) , wiewol ohne
bezug auf gottesverehrung , ausgesprochen wird:
först troer jeg mit gode svärd ,
og saa min gode best,
dernäst troer jeg mine dannesvenne,
jeg troer mig selv allerbedst.
Wir dürfen annehmen, wenn schon das heidenthum noch
eine Zeitlang lebendig hätte wuchern, und gewisse eigen-
thümliclikeilen der völker, die ihm ergeben waien, schär-
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6 EINLEITUNG
fer und angestiirter ausprägen können , daf« doch ein keim
des Verderbens und der Verwirrung in ihni selbst lag, wel-
cher es ohne dazwischentritt der christlichen lehre zerrüt-
tet und aufgelöst haben würde, ich vergleiche das heiden-
thum einer seltsamen pflanze, deren farbige, duftende blüle
wir mit verwundeining betrachten, das christenthum der
weite strecken einnehmenden aussaat des nalu^nden getraidcs.
Die gcschichte der heidnischen- lehren und vorstellim-
gen wird sich je leichter schreiben lassen, je länger ein-
zelne Volksstämme von der bekehrung ausgeschlossen blie-
ben, unsere vertrautere bekanntschaft mit der griecliischen
und römischen religion gründet sich auf queÜen , die schon
vor dem entstehen des clu^istentliums entsprungen waren;
desto geringere künde wohnt uns aber oft bei von der ver-
änderten gestalt, welche die ältere lehre unter dem gemei-
nen Volk in Griechenland und Italien während den ersten
Jahrhunderten unserer Zeitrechnung angenommen hatte, auch
in den altcel tischen glauben kann die forschung wenig tief
eindringen. Viel genauer könnte uns die religion der 81a-
ven und Litthauer bekannt sein, hatten diese Völker in
den Jahrhunderten, die zunächst auf ihre bekehrung folg-
ten , eritmerungen an ilir alterthum besser gesichert ; gleich-
wol ist manches einzelne nur noch ungesammelt und die
fortlebende Überlieferung gewährt hier in manchen gegen-
den reiclilialtigen stof. etwas mehr bescheid weife man
um die finnische mythologie.
Deutschland befindet sich in seiner besonderen nicht
ungünstigen mitte. Während der übertritt Galliens und
Slaveulands überhaupt doch im verlauf einiger Jahrhunderte
entschieden und abgethan wurde, sind die deutschen stamme
ganz stufenweise vmd langsam vom vierten bis zum eilften
jh. dem glauben ilirer vorfahren abtrünnig geworden, ihre
Sprachdenkmäler haben sich reichlicher und aus den ver-
schiedenen Zeiten erhalten, aufserdem besitzen wir in den
werken römischer scliriftsteller , zumal des Tacitus, zwar
besclu'änkte und ausländische immer aber sehr bedeutende,
ja unschätzbare nachrichten über die ältere, ungestörte zeit
des deutschen heidenthums-
Die religion der zuerst bekehrten ost- und süddeut-
schen stäiiune ist vms viel dunkler als die der Sachsen;
wiederum aber vsrissen vnr von den Sachsen ungleich we-
niger als von den Scandinaviern. Welche ganz andere ein-
sieht in den gchalt und in das material der unterdrückten
lelire besäl'sen wir, wie selir wachsen würde die deutlich-
keit der Vorstellung , die wir uns davon zu bilden verraö-
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EINLEITUNG 7
gen, wenn ein geisdich^ tn Fulda, Regensburg, 6. Gal-
len , oder zu Bremen und Magdeburg im achten, neunten,
auflinten )h. darauf verfallen wäre, die noch vorrälhige'
tradition des volks von dem glauben und aberglauben der
vorfahren, in der weise des Saxo grammaticus, zu sam-
meln und aufzustellen, man sage nicht, damals schon sei
nichts mehr zu haben gewesen ; einzelne spuren legen dar,
dafis solche erinnerungen wirklich noch nicht ausgestorben
sein konnten *). und wer zeigt uns in Schweden , das
länger und treuer am heidenthum haftete, eine aufzeich-
nong, wie sie in Dänemark während dem zwölften Jh.
wirklich erfolgte? würden ohne das die Zweifler nidit sie
in Schweden für unmöglich erklären? in der that, Saxos
acht erste bücher sind mit das erwünschteste denkmal der
nordischen mythologie, nicht allein ihres gehalts wegen, son-
dern weil sie zeigen , in welches veränderte licht unter den
neuen Christen der alte Volksglaube gestellt werden muste.
hervor hebe ich, dafs Saxo wichtiger gütter gunz ge-
schweigt; um so weniger darf aus der nichterwähnung
vieler gotthriten in weit dürftigeren Schriften des inneren
Deutsclüands gefolgert werden, dafs sie hier immer fremd
gewesen seien*
Aufser diesem Saxo hat sich nun aber die reinere
quelle altnordischer religion in dem abgelegensten ende des
Nordens , wohin sie , gleichsam zu vollständigerer Sicherung,
geflüchtet war^ auf Island geborgen. Nicht blofs in den
beiden edden, auch in einer menge vielgestaltiger sagen,
die ohne jene rettende auswanderung wahrscheinlich •in
Norwegen , Schweden und Dänemark untergegangen waren.
Die echtheit der nordischen mythologie anfechten wäre
eben so viel als die echtheit oder Selbständigkeit der nor-
dischen Sprache in zweifei ziehen, dafs sie uns in reine-
rer und getrübter auffassung , in älteren und jüngeren quel-
len überliefert worden ist , erleichtert eben , sie desto viel-
seitiger und historischer kennen zu lernen.
Ebensowenig läfst sich die gemeinschaft und nahe be-
riihrang der nordischen m3rthologie mit der übrigen deut-
sehen verkennen, ich liabe in gegenwärtiger schrift unter-
nommen alles was von dem deutschen heidenthum Jetzt
noch zu wissen ist, und zwar mit ausschliefsung des vollstän-
digen Systems der nordischen mythologie selbst, zu sam-
meln und darzustellen« Durch diese einschräukung hoffe
*) wurde doch im zelmten jh. auch die Heldensage von WnllUar
und Hildegand zu S. Gallen lateintsili ^edkhtet*
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8 BINLMTUN6
ich Ucht und rauni zu gewinnen für die critik des alt-
deutschen glaubens, insofern er dem nordischen entgegen
oder zur seite steht; nur da wird es uns also auf den
letzleren ankommen, wo er seinem inhalt oder seiner rich-
timg naph mit dem des inneren Deutschlands zusammen-
trift. alles übrige, der nordischen lehre allein eigentliüxn-
liche, gehört nicht liierher«
Das alter, die' ursprünglichkeit und der Zusammenhang
der deutschen und nordischen mylhologie beruhen
1« auf der nie verkannten ganz nahen verwandtscliaft der
Sprache beider stamme, so wie der jetzt auch unwiderleg-
lich dargethanen einerleiheit der formen ihrer ältesten poe-
sie. unmöglich können Völker, die eine aus gleichem grund
und boden entsprossene spräche redeten, 'deren lieder die
eigenthümliclikeit der den nachbarn fremden oder völlig
anders gestalteten aUiteration an sich trugen , in ihrem göt-
terglauben bedeutend von einander gewichen sein, die al-
literatioit scheint zuerst in Hochdeutschland, dann auch in
Sachsen, gerade darum dem cluristlichen reim zu erliegen,
weil sie in heidnischeti damals noch nicht verhallten ge-
sängen geherscht hatte. Jener Urverwandtschaft unbescha-
det, haben sich deutsche und nordische mundart und
dichtkunst allerdings in manchem besonders gestaltet und
ausgebildet; unglaublich aber schiene, dafs der eine stamm
götter, der andere keine gehabt haben sollte, oder dafs die
hauptgottheiten beider eigentlich von einander verschieden
gewesen wären, sicher fanden merkbare unterschiede statt^
allein nicht anders als in der spräche.
2« auf der nachweblichen gemeinschaß: vieler ausdrücke
des cultus durch alle deutsche sprachen, vermögen wir
bei Gothen des vierten jh. , Alamannen des achten ein wort
in der form imd bedeutung aufzuzeigen, die es genau noch
in der nordischen quelle des 12 oder 13 jh. behaupte t^ '
so wird dadurch die Verwandtschaft der deutschen lehre
mit der nordischen, und das alter der letzten gerechtfertigt.
3. auf der hin und wieder durchbrechenden Identität my-
thischer begriffe und benennungen: so ist die einstimmung
des ahd. muspilli, alts. mudspelli mit dem eddischen mua-
pell, oder des ags. brosinga mene mit dem eddischen bri-
singa men ein vollkommen schlagendes zeugnis.
4. auf der ganz ähnlichen weise wie sich hier und dort
der mythus an die beiden sage zu knüpfen pflegt ; weil go-
thische , frankische , nordische heldensagen ineinander grei-
fen, läfst sich auch berühruDg im lüntergiimd stehender
verhüllter mythen schwerlich ablclmen.
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EINLEITUNG 9
5. auf der eingetretenen mischung des mythischeu elements
mit den namen von pflanzen und gestirnen. das ist eine
unvertilgte spur des uralten, innigen bandes zwischen got-
tesdienst und natur.
6« auf der aUmälich ca*folgten Verwandlung der götter in
teufel, der weisen frauen in hexen, des gottesdienstes in
abexil^ubische gebrauche, zuletzt flüchten sich die götter-
namen in verdunkelte ausrufungen, schwüre, fluche, be-
theuerungen. Eine gewisse analogie damit hat die Übertra-
gung der heidnischen mytlie von göttinnen und göttern auf
Maria und heilige, von elben auf engel.
7. auf dem deutlichen niederschlag der göttermythen in
einzelne, lieutzutage noch lebendige volkssagen und kin«
dermärchen.
8. auf dem unleugbaren ineinandergreifen der alten götter^
lehre und rechtsverfassung.
Unumgänglich scheint es, bei erörterung dieser ma*
nlgfalten Verhältnisse die mythologie benachbarter vülker^
vorzüglich der Slaven, Litthauer und Finnen, wo sie be-
slätigung und erläuterung gewähren, nicht zu übersehen*
dieses weiter gesteckte ziel hat schon seinen grund und
vollgültige entschuldigung in der mehrfach einwirkenden
Verwandtschaft der sprachen dieser Völkerschaften mit der
deutschen, namentlich der finnischen und litthauischen mit
der gothischen , der slavischen mit der hochdeutschen. Dann
aber ist die göttersage und der aberglaube gerade dieser
Völker besonders geeignet uns über den gang zu verstau*
digen , den das einheimische heidenthum , in seinem beste-
hen und verfall, genommen hat.
Vor der verirrung, die so häufig dem Studium der
nordischen und griechischen mythologie eintrag gethan, ich
meine die sucht, über halbaufgedeckte historische daten
philosophische oder astronomische deutungen zu ergiefsen,
schützt mich schon die unvoUständigkeit und der lose zu«*
sammenhang des rettbaren« ich gehe darauf aus, getreu
und einfach zu sammeln , was die frühe Verwilderung der
Völker selbst, dann der höhn und die scheu der Christen
von dem heidentlium übrig gelassen haben, und wünsche
nichts als dafs m^/'He arbeit für einen anfang weiterer for-
schungen in diesem sinn gelten könne.
f>
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10 GOTT
CAP. II. GOTT.
In allen deutschen zungen von jeher ist das höchste
"wesen einstimmig mit dem aUgemeinen namen Gott be-
nannt worden, die formen lauten goth. guthj ags. alts.
altfries. god^ ahd. cot^ altn. gudh^ schwed. dän. gudf
mhd. got, mnd. god, imd hierbei ist noch einiges gram-
matische anzumerken, nemlich obgleich alle dialecle fauch
der nordische) diesen ausdmck männlich gebrauchen (wes-
halb ahd. der acc. sg. coian^ ein mhd. goten kenne ich
nicht); so entbehrt der goth. imd altn. noni. sg. des kenn-
zeichens, und der goth. gen. sg. wird ohne i gebildet^/////«,
worin er mit den genitiven mans, fadrs, brdthrs zusam-
mentrift. ich möchte nun überhaupt das i in den gewöhn-
lichen genitiven für unorganisch , und die anscheinende ano-
malie in guths, maus für einen Überrest der äheren, echten
form erklären, wie denn auch seit dem entstehen des Um-
lauts dieser casus niemals umlautet, analog den alid. ge-
nitiven man, fatar, pruodar hätte man den gen. cot zu
erwartln , ich bezweifle ihn nicht , bin ilun aber noch nir-
gend begegnet, sondern nur dem gewöhnlichen cotes, wie
auch mannes und fateres erscheinen, wahrscheinlicher ist,
dafs die heüigkeit des namens die alte, unangetastete form
sicherte, als dafs der häufige gebrauch sie abschlif. ein
gleicher grund erhielt selbst die ahd. Schreibung cot (gramm.
1, 180) und die mnl. god (1, 486), vielleicht den lat. vo-
cativ deus (1, 1071.)
Über die wurzeUiafte bedeutung des wortes sind wir
nicht hinlänglich aufgeklärt; dafs das ad}, gut, goth. gdds^
akD. gödr, ags. gi^d , ahd. cuot, mhd. guot unverwandt ist
lehrt die versdiiedenheit des vocals. Ebensowenig mit die-
sen beiden Wörtern berülirt sich der volksnamc der Gothen,
die sich selbst Gutans (ahd. Kuzun, altn. Gotar) nannten,
und von den altn. Gautar (ags. Ge^tas, ahd. Kdz4, goth.
Gautds?) unterschieden werden müssen. *)
Zu gott hat man längst das pers. khodd gehalten,
wenn dieses, wie neulich scharfsinnig aufgestellt worden
ist, durch eine starke Verkürzung aus dem zendischen qva^
ddla (a se datus , increatus , sauskr. svaddta) hervorgieng,
*) bei Tacitns wird am richtigsteu geschrieben Gotoness Gutans;
das byzantinische /or Joi oder To^o* hoc hdeiitsch zt, und kann mit zum
bowei« gebraucht werden, dafi das ahd. Z aus TH entsprang.
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GOTT 11
so wäre unser deutsches wort ursprüngUcli Zusammenset-
zung und von treffendem sinn. *)
In ahd. eigennamen nimmt cot vielmal die erste stelle
ein: cotadio^ cotascalh, cotafrit, cotahram, cotakisal, co-
taperaht, cotaliut, ohne dafs sich daraus irgend etwas für
die Ijedeuttmg folgern liefse; sie sind gebildet, vrie irman-
dio, hiltiscaUi, sikufrit, und können sich sowol auf den
allgemeinen begrif des göttlichen wesens als auf einen mehr
besonderen beziehen. Steht cot an der zweiten stelle, so
kann durch das compositum nur ein gott, nicht ein mensch
ausgedrückt werden; so in irmincot, hellicot.
Ulphilas pflegt in der ableiumg das TH mit D zu ver-
tauschen, woraus sich die ahd. tenins erklärt: es heifst
gudafaürhts Luc. 2, 25. gagudei Tit. 1, 1. während der dat.
Äg- beständig gutha lautet, auf gleiche weise wird, wenn
von mehrern göttern, also von abgöttern, nach christli-
cher ansieht, die rede ist, das neutral gebrauchte gada
Joh. 10, 34. 35 geschrieben, vermutlich würde auch der
8g. für die bedeutung idoliun gud lauten \md ein neutrum
sein. Nicht anders ist die ahd. und mhd. Zusammensetzung
apcoty aptcot neutral und hat den pl. apcotir; erst nhd.
hat man angefangen abgott wieder männlich zu gebrau-
chen. Einen andern hiermit gleichbedeutigen nhd. aus-
druck götze habe ich gramm. 3, 694 aus einer mutmafs-
lichen Zusammensetzung erklärt; Luther schreibt 5 Mos.
12, 3 ^die götzen ihrer götter*, nimmt also götze für
idolum. bei Er. Alberus fab. 23 ist der götz ein halb-
gott. **) Die altn. spräche unterscheidet das neutr. godh
(idolum) von dem masc. gudh (deus.)
Unser volk , aus scheu den namen gottes zu entweihen,
nimmt damit in fluchen und ausrufen eine Veränderung vor :
potz Wetter ! potz tausend ! oder lotz tausend ! kotz
wimder! statt gottes, ich kann diesen gebrauch nicht auf
die alte spräche zurückführen. Älter scheint die ähnliche
Wandlung des franz. dien in bieu^ bleUj guieu. ***)
*) solcher verkärzungen gibt es mehrere beispiele: amt aas and-
bshts; weit aus weralt; cJaii. tordea aas thordon.
") flchriftstelier des 16. 17 jh. gebrauchen ölgölze für bildseule
(nach Stieler von bildlicher Vorstellung der auf dem ölberg schlafen-
den aposteJ.) Hans Sachs häufig 'den Ölgötzen tragen' für: im haus
schweren dienst than. 1. 5, 481d 52dd. III. 3, 24a 49d. IV. 8,
37b 99^.
•••) sangbieu (sang de dien) , corbieu (corps de dieu) , rertabf^
(rertu de dreu), morbleu (mort de dieu), parbleu (par dieu), vertu-
fniicQ t vertugoi (vertu de dieu), morguoi (mort de dieu) , und andere
dergleichen, schon Henart )HI77 per la char bieu.
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12 GOTT
Emige auffallende auwendungeu ded Wortes gott iu der
älteren und in der Volkssprache können vielleiclit noch mit
heidnischen Vorstellungen zusammenhängen.
So wird gott gleichsam zur Verstärkung des persönUchen
pronomens beigefügt, in den mhd. gedichten liest man die treu-
herzige empfangsformel : gote unde mir wülekomen Trist.
504. Frib. Trist. 497. gote sult ir willekomen sin, iurem
lande unde mir. Trist. 5186. got alr^st, dar nach mir^
west wülekomen. Parz, 305 ,27. "wis willekomen m,ir u.
got. Frauend. 29. sit mir gote wilkomen. Eilh. Trist. 248.
wis mir unde ouch got wilkomen. Ls. 1, 514. zuweilen
steht blofs gote : diu naht st gote willekomen. Iw. 7400,
was in den anm. s. 413 erklärt wird: gott gelobt, es sagt
nichts als: selir willkommen, in Oberdeutschland hat sicl\
diese begrüfsung gottwilche, gottwillkem, gottikmn, skol-
kuom! heute erhalten (Stald. 1, 467. Schm. 2, 84.) ich
finde sie nicht in den romanischen gedichten, aber schon ^
in dem sächsischlateinischen liede des 10 jh. auf Otto I und
seinen bruder Heinrich in Eccards quaternio : sid wilicomo
b^thiu goda endi mi I Das höchste wesen wird allgegen-
wärtig gedacht, und soll den eintretenden gast, wie der
wirt selbst , in schütz nehmen, ich vergleiche das- dem
ankömmliug oder abreisenden zugerufne heil (heill ver thu !
S^m. 67* 86**), wobei auch hilfreiche götter genannt wer-
den: heill thu ifarir, heill tlm Asyniom s^r! Sn?m. 31« heill
scaltu Agnarr , allz thic heilan bidr vera tyr vera ! Saem. 40.
Ebenso erhöht der name des allwissenden gottes die Ver-
sicherung des Wissens oder nichtwisseus : daz weiz got
unde ich. Trist. 4151, den schätz weiz nu nieman wan
got unde min Nib. 2308, 3. *) auch hier reicht das blofse
got hin : ingen vet min sorg utan gud, svenska visor 2, 7«
Nicht ganz vergleichbar sind redensarten wie: ik klage
gode unde iu. richtsteig landr. 11. 16. 37; sanc die messe
beide got u. in. Parz. 378, 25. neic si im, unde gote
Iw. 6013. Zuweilen wird das böse wesen neben der gott-
heit genannt: got noch den tiupel loben. Iw. 1273. in
beschirmet der tiuuel noch got. Iw. 4635 d. h. gar niemand.
Die gedichte des mittelalters legen gott menseldiche
leidenschafien bei; namentlich wird er oft in dem zustand
des wolbehagens und der &eude, dann aber auch in dem
entgegengesetzten des zornes und der räche geschildert.
*) liier scheint von nau zugleicli der iiom. got, und der gen.
stn abliäiigig, wie da« alid. ^no conjuiicliouelt den noin., präpositio*
ncil den gen. bei blch hat: äuo er Üs. 44, 3. &ao sin JN. Hi, 3
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GOTT 13
jener begiinstigt' die erschaiTung ausgezeichneter, glücklich
gebildeter menschen, got was an einer miezen zulit^ dor
Parzivdlen worhte. Parz, 148, 26. got der was vil senjtes
muotes , dö er gcschuof so reine ein wjp. MS. 1, 17^.
got der was in Jröiden, dö er dich als ebene maz. M8,
1, 22*>. got der was in liöliem werde *), di5 er geschuof
die reinen fruht, wan üne was gar wol ze muoie, M8.
1, 24*>. got si zer werlde brdhte , dö ze freuden stuont stn
muot WigaL 9282. got der was vil wol geniuot , dö er
schuof so reinem wibe tugent, wünne, schoene an libe«
MS. 1, 201*. got was gezierde milde ^ der si bilde schuof
nach lobe. Troj. 145b, got selb in riehen freuden was,
dö er ir Itp als ebene maz. misc. 2, 186. ich weiz daz
got in Jröiden was , dö er niht , frouwe , an dir vergaz
waz man ze lobe sol schouwen. Lsj» 1 , 35« Auch ein
troubadour singt: belha domna, de cor y entendia dleus,
quan formet vostre cors amoros. Rayn, 1, 117. Eine
gleichheidnische gesinnung ist es, weldie gott neigung zu-
schreibt, menschliche Schönheit zu beschauen, oder zu
thun , was die menschen thim. got mühte selbe gerne
sehen die selben juncfrouwen, Fragm, 22\ ein puneiz,
daz in got selber möhte sehen. Frauend. 19. si mühte
nach betwingen mite eines engeis gedanc, daz er vil lilite
einen wanc durch si t^on himele tcete. Iw. 6500 (nach-
geahmt von Ottocar 166».) in Hartmanns Erec, wo von
einer Jungfrau geredet wird , deren weifse bände ein pferd
besorgten (begiengen), heifst es: und w^spre , daz got hie
üf erde rite^ ich ween, in genüecte da mite, ob er solhen
marataller hceie.
Von der uralten sinnlichen Vorstellung des zürnen^
den^ rächenden gottes soll im verfolg das wichtigste bei-
spiel bei dem donner abgehandelt werden. **) die idee kehrt
in der edda mehrmals wieder. reidJir er tlier Odinn,
reidhr er ther Asabragr. Stcm. 85^. Odinn ojreidhr.
Saem. 228^. godlia gremi (deorum ira) wird verkünden
Egilss. 352. at gremia godli (offendere deos), fornald.
8ög. 2, 69. ein zornec got iu daz gebot, dazs uns hie
Biiohten mit ir her. Parz. 43, 28. hie ist geschehen gotes
räche, Reinh. 975. beim verbot der sonntagsarbeit sagt
die lex Bajuv. 6, 2: quia talis causa vitanda est, cpiae
deum ad iracundiam proi^ocat^ et exinde flageUamur in
*) der ^oth. ansdrnrk für friede, ruhe ist gavairtlu.
**) deos iratos babeaml dii immortnles liominibus irasci et flnceen*
»ere consueverunt. Ci<*. pro Rose. Com .16.
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14 GOTT
fi'ugibus et penurlani patimur. wie rohsinnlicfa drückte
man sicli noch im 17 )h. aus: ein misbrauchy der gott in
liarnisch bringt^ und zu echai-fer ungnädiger einseLung
verursacht, dafs er gewis, zu retlung seiner clire , mit
Jausten darein schmeifsen wird ; oder : dem zornigen^
eifrigen gott in die spieße laufen, *) Einen bösen men-
schen schalt man im mittelaltcr gote leide! gott und den
menschen verhaTster! eine Verwünschung war jemanden in
gottes hafs zu weisen: üz in gotes fuizl Trist. 5449. üz
strichet balde in gotes haz ! Trist. 14579. nu vaiH den
gotes haz ali^im ein boeswilit von mir hin ! Frauend. 25.
iiikJi hil der gotes haz bestanden. kL 518. so müeze ich
haben gotes haz. Aw. 3, 212. ebenso mnd. godsat hebbe!
Ihijd. cip St. 2, 350. Remaert 3196. **) Was , aber vor-
züi^liih bo richtet werden muls, jener formet in gotes haz
Oller blülü ai tusalivisch gotes h, varn , strichen völlig pa-
rallel stellt cijie andere, die für gott die sonne setzt; da-
durch eiiiühl ^ich die heidnische Färbung : ir sult varn der
BUfinen hazl Pai^z. 247, 26. var Aev sannen haz I ungedr.
ged^ von KücOiger 46. si lüezen in' strichen in der sannen
liaz* EracL 1 100. hiez in Agt sannen haz hin varn. Frauend.
85. ein so \ L^riluchter ist unwerlh von der sonne gnädig
beaclijencu yiu werden.
Aus solchem feindlichen Verhältnis ergibt sich zuweilen
eine Widersetzlichkeit der menschen, die in blofse droh-
wortc ausbricht, oder auch sich tliätlich vergi'eift. Hero-
dot 4, 94 von den Thi^akern: ovtoi oi avxoi OQrfiHiQ xal
nQOQ ßQ0Vi;7}v TS Kai döTQavi^p To^evovtKg av(a tiqoq top
ovoavov , unetXevüi tw d-up. des gottes bUdseule , wenn
er die ei'flehte hilfe verweigerte, waurde vom voüv in den
flufs gestürzt, in den kerlingischen romanen ist verschie-
dentlich der zug , dafs Karl gott droht , wenn er seinen
beistand versage , die altare in ganz Frankj-eich nieder zu
werfen, die kirchen und alle priester eingehen zu lassen,
z. b. Ferabr. 1211. 1428. Die Arkader geisclten ihren Pan
mit oiclXhug (meersclülfcn), wenn sie beulelos von der jagd
heimkelirten (Theocrit 7, 106.)
Epitlieta gottes. in der heutigen spräche: der liebe^
liebste, grojse, gute^ allmächtige , in der früheren:
h^rre got der guote. Reinh. 1296. hdrro tlie gddo Hol.
78, 3. 90, 6. fro min the gddo 143, 7. gncedeger trehtin.
lleudi. 1309. oft der riciie : thie rikeo Crist. IUI. 1, 2.
•) Uartmann vom segen«preclieii. Nunib. 16S0 p. 158. 180.
•*) »cliwere kraDklieit uiu\ notli heifst gewölmlich: der goUs slac.
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GOTT vl5
der rtcliB gol von liimele. Roth. 4971. durch den rkhen
got von hiinel. Morolt 3526. der rtche got mich ie ge-
sach. V. d. -wibe list 114. *) cot almahtico ^ cot heilac*
wesÄobr. geb. mahtig drohtin Hol. 2, 2. frei älniihtig.
Cädm. 1, 9. 10, 1. se älmihtiga vealdend. Thorpes anal. 83.
mannd miltitto ( largiseimus) wessobn geb. vil milter
Clirißt. cod. pal. 350, 56. ufnltant got. Hild. waldindin-'
ger got. Roth. 213. 523. 1009. ags. vealdend Cädni. 9,
25, Yuldpes vealdend Beov. 4. heofnes vealdend Cädm. 17,
15. theoda vealdend. alt«, waldand IWl. A, 5. 6,6.
iwildand god. 3, 17. waldand drohtin 1, 19. alotpaldo
5, 20. 69, 23. eddisch aber ist die benennung nicht, die-
ser begrif von walten (doniinari, regere) wird nocli in der
redensart es wallen Parz. 568, 1. Ijti. 7299. 10165. 13225
auf das höchste wesen bezogen, nhd. gottwaltsl mnl.
godivoudsl Huyd. op St. 2, 548. falsch ist der nhd. acc.
das vralt gott! Agricola 596. Zuweilen heifst gott auch der
alte: der alle gott lebt noch. mhd. der aide got. Rotlu
4408. unterm volk : der alte vater. in einem serb. lied
(Vuk 2, 244) wird bog genannt: stari krvnik, der alte
blutvergiefser , tödter, und bei Frauenlob Ms, 2, 214** der
ulte friedel. Die dichter des 13 jh. bedienen sich einige«
mal des lat. beinamens altissimus. Wli. 434, 23.
Unter den substantivischen benennungen suid melirere,
die gott mit den weltlichen herscliern gcnieiu hat. goth.
frduja , alts. frbho , fv6 , ags. fred , von welchem namen
künftig noch weiter zu handeln sein wird. ajid. truhttn^
mi\i,trehttn, alts. drohtin^ ags. diyhlen, dlüx. drottinn.
ahd. heriro^ mhd. hirre^ und zwar kann dieses, von gott
gebraucht, nie in her verkürzt werden, sowenig als do-
minus in roman. dommis, don. ags. meotod, metod
Cädm. 223, 14. alts. metod Ilt^l. 66, 19. vermutlich Crea-
tor bedeutend, ein ausdruck der auch in der edda vor-
kommt miötudr Sajm. 226^ 241*». ags. stippend (crea-
tor), alid. scefo, sceplüo^ mhd. schepjwre Wh. 1, 3. nhd.
Schöpfer. Einige dieser namen können gehäuft, oder noch
durch composition verstärkt werden , z. b. drohtin god^
IU\ 2, 13. waldand Jrö mtn H^l. 148, 14, 153, ^. fred
dryhten Beov. 62. 196. Itffred Cädm. 2, 9. 108, 18. 195,
3. 240, 33. Beov. 4. das weltliche cuning wird durch ein
praeiix auf gott anwendbar: vuldorcyning Cädm. 10, 32.
heuancuning H^l. 3, 12, 18. 4, 14. 5, 11. gleichbedeu-
*) rihhi ist alid. dives , poteos , auch heatas. vom slav. bog lei-
tet sieb her bogat (dives) wie vielleicht diYes von Dis.
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16 GOTT
tend damit rodora veard Cädm. ll^ 2. oder die epische
ausfülirung: irmingot obana ab hepane, Hild., got von
himele Nib. 2090, 4. 2114, 1. 2132^ 1. 2136, 1.
Solcher epischen formein lassen sich aus den gedich-
ten , zumal den romanischen , schöne anfiUiren ; die meisten
sind von gottes aufenthalt, von seiner schöpferischen kraft,
alhnacht , allwissenheit imd Wahrheit hergenommen : dio«
aquel, que esta en alto. Cid 800. 2352. 2465. qui la amont
el seint ciel maint« Ren* 26018. qui maint el firmament
Berte 129. 149. qui haut siet et de loing mire. Ren. 11687,
qui haut siet et loius voit. Berte 44. 181. der über der
blauen decke sitzt. Melander }ocoseria 1, 439, cel senhor,
qui lo mon a creat. Ferabr. 775. qui tot le mont forma.
Berte 143. que fezit nueyt e dia. Ferabr. 3997. per aycel
senhcH* que fetz cel e rozada. Ferabr. 2994. 4412. qui fist
del et rousee. Berte 28. 66. 111. 139. 171. 188. Aimon
876. qui feis mer salee. Berte 67. qui fist et mer et onde.
M^on 3,460. des hant daz mer gesalzen hdt. Parz. 514, 15.
qui fait courre la nue. Berte 136. 183 {vstpeXrjyBQiTa Zevg)^
par celui qui fait toner. Ren. 16658. 17780. par qui li so-
leus raie. Berte 13. 81. qui fait croitre et les vins et les
blez. Ferabr. 163». der mir ze lebene geriet. Nib. 2091, 4.
Kl. 484. der mir ze lebene gebot. Roth. 214. 523. 4552*
der uns daz leben gebdt. Mar. 24. qui tot a a baillier*
Berte 35. qui tot a a garder. Berte 7. que totz nos a jut-
gier. Ferabr. 308. 694. 1727. the mancunnies forwardöt.
H^l. 152, 5. qui sor tos homes puet et vaut. M^on 4, 5.
•wider den nieman vennac. a. Heinr. 1355. der aller wun-
der hAt gewalt. Parz. 43, 9. der gh imde nimt. Parz. 7, 9.
der beidiu krump unde sieht gescuof. Parz. 264, 25. der
ane sihet alle getougen. Diut. 3, 52. der durch clllu herzen
siht. Frid. 355. qui onques ne menti. Berte 82. 96. 120.
146. M^on 3 , 8. icil dieu qui ne ment , et qui fist tot
quanque mer serre. Ren. 19338. ermiksköp oköllu raedhr.
forum, sog. 1 , 3. er s^lina hefdlii skapat. das. 1 , 242.
Wenn nun in den bisher verhandelten namen, beina-
men und Umschreibungen gottes keine ei^tschiedne bezie-
hung auf das heidenthum vorwaltet, sondern blofse an-
klänge daran statt finden mögen (der sinn von frauja, me-
tod könnte ganz allgemein, die formet: der sunnen haz
varn, celui qui fait toner u. s. w. rein poelisch aufgefafst
sein); so hängen doch die folgenden ausdrücke unleugbar
mit der heidnischen Vorstellung zusammen.
In der nord. mytliologie gilt für den begrif deus, di-
vus, wo nicht der obersten, ältesten reihe, doch einer
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GOTT * 17
iweiten, später mächdg gewordnen, die benennung ds, pl.
cesir. landda (Kgilss. p. 365. 366) ist patrium numen, und
der liüchsle nord. gott, Thor, wird darunter gemeint, ds^
rnegin, die göttliche macht: tha vex honum äsmegn halfü,
Sn. 26. fceraz i ^smegin. Sn. 65. dieser name mufs auch
in Hochdeutschland und Sachsen früher allgemein bekannt
gewesen sein, und goth. ahd. ansy pl. anseis ^ enfii, ags.
6s ^ pL es gelautet haben (vgl. gans, hansa^ altn. gus, ags.
gö«, pl. ges; höse = hansa.) in mehrern eigennamen dauert
das wort noch fort, gotli. ansila ^ ahd. anso. das ahd.
anshehn, anspald, anshilt, ansnut entsprechen dem sinn
nach den namen cotahelm, cotahilt. ags. Osveald, uslAf^
osdäg, usrM. altn. äsbiürn*), dsdis, dsgautr, Äslaug, äs-
mundr u. s. w. Hierzu kommt nun aber die stelle eines
ags. gedichts , worin Ssa gcscot und ylfa gescot , gcschoi's
der ansen und der elben (jaculum divorum et geniorum)
nebeneinander gestellt sind, gerade wie in der edda (Srem*
8b 71» 82» 83^) cBsir und älfar, und die merkwürdige
äufserung des Jornandes : tum Gotlii, magna jwtiti per
loca victoria, jam proceres suos quasi qui fortuna vince-
baot, non puros homines, sed semideos, id est anses
vocavere. was kann deutlicher sein? auch die nord. aesir
greifen ein in das hei dengeschlecht, und in gleichem ab-
stand von einer älteren, durch sie verdrängten gottermacht.
hierbei darf nun allerdings an die bekannte aiissage Sue*
tons und Hesychs**) erinnert werden, dafs den Etruskern
die götter aesares oder aesi hiefsen , ohne dafs damit eine
eigentliche vei-vi^andtschaft des etruscischen oder tj^rheni*
sehen volksstaiimis mit dem altdeutschen behauptet würde,
auffallend übrigens gemahnt iv^^r^voSt tvqgtjvoq an das
altn. thurs, ahd. durs.
In der frühsten zeit unsrer spräche bedeutete das
neutnim ragin rath, consilium. den pl. davon gebraucht
die edda eigenthümlich für den begrif des numens, der
gottlieit. regia sind die rathschlagenden , weltordnenden
gewalten, und die benennungen blidh regia, holl regia
(gute, gnädige gü$ter), upp/'^^m, ginregia (superae potesta-
tes) haben ganz diesen technischen sinn, ragnarökr (goth.
ragin^ riqvis?) bezeichnet das weltende, den Untergang
der leitenden götter. Saim. 89** wird rögnir ok regia ver-
*) Drsns divinas, äsbirna (ursa divina) wofür im Waltliarins die
feischforni öspirn statt anspini. vgl. Reinli. fuchs p. CCXCV.
••) Sueton. Oetaviao. cap. 9T. futurumqiie , ut inter deos referre-
tor, qnod aesar^ jd est reliqua pars e Caesaris iiomiDe , etnisca lingua
^a* Tocaretar. Hesycbius s. v. uUjol, ^«qJ vtco tw Tvf^^tjvSiv,
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18 GOTT
banden, nOgnir (vgl. 196*) ist der hervorgihobne einzelne
ragineia (raguneis ?)
Dieselbe heidnische Vorstellung bricht nun noch in
dem alts, * regrt/ygiscapu , rc^a/zogiscapu durch , welches
H^l. 79, 13. 103, 3 soviel als fatum, Schicksal, den be«
schlufs und rath der götter ausdrückt, es ist synonym mit
o^wrrfgiscapu. H^l. 103, 7 von wurd (falum); metodo^"
•scapu. H^l. 66, 19; wir sahen vorhin, dafs metod eben-
falls eine benennung des höchsten wesens war, die der
christliche dichter aus der heidnischen poesie beizubehalten
aich getraute,
Augustins briefsammlung enthält cap. 178 in der alter-
catio mit Pascentius eine gothische, vielleicht vandalische
formel si/iora armen, deren sinn kein anderer ist als
KV^te iXtTjöOV.*) wäre sie gleich untergeschoben und, statt
am ende des vierten, erst im fünften oder sechsten aufge*
zeichnet, immer bleibt merkwürdig, dafs in ihr sihora
für gott und herr verwendet ist, Ulfilas hätte gesagt:
frauja armai. der inf. armin^ wenn es nicht für armi
verschrieben, könnte die stelle des imp. vertreten; auch
in der finu. und ehstn, spräche bezeichnet armo gratia,
misericordia, ^iliora aber scheint sich blofs aus dem
deutschen erklären zu lassen, und ein von seiner siegrei-
chen gewalt hergenommner , schon heidnischer beinama
gottes. Odinn heilst sigrgod, sigtyr, sigfödur, und noch
H^L 47, 13. 114, 19. 125, 6. wird sigidrohttn^ Cädm.
33, 21, 48, 20 sigedryhten auf gott übertragen, ander-
wärts sigoradryhten ^ aigorafred^ sigorapealdend ^ si^
foragoa, sigoracyning, ja aus diesem alten namen sihora
önnte wirklich die in deutscher imd romanischer zunge
fortlebende benennung sira^ sire, entsprungen sein.**)
*) anch die Tscheremissen beten : jama sirlaga , die Tschuwaschen t
tora sirlag, d. i. gott erbarme! G. J. Müllers saml. ross. gesch. 3,
859. die Mordainen, wenn es donnert: paschangni Porgoini pai
(erbarme dich gott Porgnini.) Georgi description 1, 64.
**) Gott ans. 1883. p. 471. 472,
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GOTTESDIENST. GEBET 19
CAP. III. GOTTESDIENST.
"ie einfachsten handlangen, wodurch der mensch den
göttern seine Verehrung kund that, waren gebet und opfer.
Erwägen wir das wort, dessen sich Ulfilas für den
begrif des anbetens bedient, so ergibt sich gleich wieder
eine Übereinstimmung mit dem nord. Sprachgebrauch, ngas^
xwd(a wird durch das goth. i'nveita^ invait, linvitum ver-
deutscht Malth. 8, 2. 9, 18. Marc, 5, 6. 15, 19. Luc. 4, 7. 8,
Joh. 9, 38, 12, 20 ; einmal auch dand^o/iiccc Marc. 9, 15,
ob damit die nQogxvvfjOig genau erfafst w^rde, steht zu
bezweifeln, schon weil derGoUie überall den acc, statt des
gr. dat. , hinzufügt, wir wissen nicht, von welcher gebärde
das 'inveitan begleitet war, ob das haupt geneigt oder die
band bewegt wurde? da ein alts. ags. giwitan, gevitan
abire bedeutet, so könnte Inveitan annäherung, liinzugehen
ausdrücken? und Paul. Diac. 1, 8 hat zweimal accedere»
fraveitan ist vindicare. zu vergleichen scheint das altn.
pHa inclinare, das Biürn xmter veit anführt, und wie ich
glaube unrichtig vita sclu^eibt. davon abgeleitet ist peiia
(goth. vailjan?), veita heidr, honorem peragere, veita tidir,
Sacra peragere, veitsla (epulum, goth. vaitislo?)
bicia ist goth. preces, bidja/ij precari, rogare, orare,
beide im weltlichen wie im geistlichen verstand, nicht
anders ahd. peta und pittan^ aber von peta wird nun
ein petön (adorare) geleitet und mit dem acc. der person
construiert: nidarfallan joh mWi betdn. 0. ir. 4, 86.89. 97,
111. 11, 25. T. 46, 2. 60, 1. doch beton kann auch geist-
liches orare ausdrücken. T. 34, 1. 2. 3. mhd. finde ich
beten im sinn von adorare stets mit der praep. an ver-
bunden : beten an diu abgot. Bari. 72 , 4. an ein bilde
beten, das. 98, 15 ; so muoz si iemer m^ nach gote sin
m*n anebet (gegenständ meiner verehrimg) Ben. 146. nhd«
unterscheidet sich bitten ^ beten und anbeten^ so wie
bitte von gebet, das alts. bedön (adorare) hat nicht den
acc. bei sich, sondern die praep. te: bedon te mmon
barme. H^l. 33, 6. 8. In dem ags. N. T. wird adorare
übersetzt geeddhni4dan ^ d. i. sich demütigen, humlliare.
Das mhd. flSIien, wenn es supplicare ausdrückt, regiert
den dativ : gote flehen. Aegid. 30. den goten vl^hen. Parz.
21, 6; wenn aber demulcere, solari, den acc, Parz. 421.
2 •
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20 GOTTESDIENST. GEBET
55. Nib. 499, 8*). e« ist da» goth. thldihan, fovere,
consolari. alid. kenne ich fliliön (vovere) nur aus N. Cap,
8, und er schreibt flihön, nhd. zu gott flehen^ oder
gott anflehen.
Eigenthümlich der nord. und ags. mundart, fremd
allen übrigen, ist noch ein ausdruck für gebet, altn, bön
oder boen, schwed. dän. bön^ ags. ben^ gen. b^ne (fem.)
Cädm. 152, 26., bei Chaucer bone^ engl- boon. davon
binsian (supplicare.) Endlich das isl. schwed. dyria^ dän«
dyrhe^ -welches ganz wie das lat. colere von der gottes-
verehrung, wie von dem landbau gilt, scheint erst ein
später aufgekommner, der altn. spräche fremder ausdruck.
Über die art und vs^eise des heidnischen gebets ent-
behren wir nachrichten 5 ich vermute blofs , dafs damit
blichen gen himmel^ neigen des leibs, händejalten^
hniebeugen^ hauptentblöfsen verbunden war. precarl
deos, coelumque suspicere bezeugt schon Tac. Germ. 10.
niederfallen und neigen war auch gewohnheit der Christen,
daher heifst es H^l. 47, 6. 48, 16 te bedu hnfgan , $8, 12
te drohtine Jtntgan* im Siilarliodh der merkwürdige aus-
druck : henni (der sonne) ec laut. Sa^m. 126*, ilir neigte
ich mich, von lütay inclinare. ebenso wird in Olaf des
heil, saga erzählt, dafs sich die männer vor Thors bild-
seule neigten {lutu thvt sknmsli.) forum, sog. 4, 247. Jell
til iardar fyrir likneski. form. ^ö^. 2, 108. von den
Langobarden erzählen die dial. Gregorii M. 3, 28, dafs
sie ein götllich verehrtes ziegenhaupt submissis cervicibus
angebetet hätten. ]Man pflegte noch im mittclalter sich vor
leblosen gegenständen zu neigen , d. i. sie zu segnen und
benedeien : einem geliebten lande , dem wege , den jemand
gewandelt war, dem tage.**) ein altböhm. lied hat: sie
hlonieti bohu, sich vor gott neigen, ilm anbeten, königinh.
hs. 72, ebendaselbst aber auch: se biti w celo prede
bohy, sich an die stirne schlagen. Entblöfsung des haupts
war gewis von frühe her unter imsern vorfahren eine
ehrbezeugung , die, gleich dem neigen, der gottheit wie
königen und vornehmen erwiesen wurde, vielleicht mach-
ten die priester, wenigstens die gothischen, liiervon eine
ausnähme, deren namen pileati Jornandes daher erklärt;^
*) Iw. 8315 vl^gete ^t, in der ältesten hs. aber Tl^hete gote.
**) dem stige nigen. Iw. 5837. dem wege nfgcn. Parz. 875, 26.
dem lande ufgen. Trist 11582. ntgen in dag laut. M^igal. 40ia
Dtgen In elliu lant. Iw. 7755. in die werlt nigeo* Freuend. 36. den
•tigen und wegen segen tuon. Iw. 357.
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GOTTESDIENST. GEBET 21
quia operth capitihu» tiaris Utabant; während dae übrige
Volk unbedeckt stand, in des INlcolaus Magni de Göw re-
gistrum superstitlonum (von 1415) lieiist es: insuper hodia
iaveniuntur homines, qui cum novilunium prinio viderint
flexis genihus adorant vel deposito capucio vel pileo,
uidinato capite lionorant alloquendo et suscipiendo. *) Eine
ags. legende von Cudhberht erzählt, dais dieser heilige
nachts zur see gieng, bis an den hals in die flut stieß
und auf den kiesein kniend^ mit gen himmel ausgestreck-
ten händen^ betete.**) es ist nicht unmöglich, dafs die
bekehrten Christen heidnische gebrauche bei ihrem gebet
bewahrten. auffallend sind die gebärden, die in einer
bandschrift vermutlich des 12 jh. den gebeten hinzugefügt
werden: Sil miz den ubir dtn herza in modum crucis,
unde iH)n demo brustlejffile zuo demo nabile , unde miz
denne von eime rippe unz an daz andire unde sprich
alsus. und wiederum: so miz denne die rehtun hant
von deme lengistin vingire unz an daz resti, unde
miz denne pon deme duniin zuo deme minnisten vin-
gire. ein gebet luefs *der vane des almehtigin gotis', den
sollen neun (frauen) neun Sonntage, *8Ö ez morginet' lesen;
die neunte hat den psalm domini est terra zu lesen: daz
IT lib niet ruore die erde, wan die ellebogin unde diu
chnie, die andern sollen alle stehen, bis das angezündete
licht verbrennt ist. Diut. 2, 292. 293.
Betende imd beichtende Christen schauten gen osten^
mit aufgehobnen armen (Bingham lib. 11. cap. 7. ed. hal. 3^
273) imd so heifst es auch in dem Kristinbalkr des alten
Gulathinggeselzes ver skulum lata austr, oc bidhja til ene
*) was ich sonst über diesen gebrauch gesammelt habe, mag
hier platz finden: elevato a capite pileo alloquitur seniorem. Dietm.
mereeb. p. 175 (a. 1012.) Odofredas in I. secundo loco digest. de
postuiando : or sijirnori, hie coHigimHS argumentuDi, quod aiiquis quando
venit coraro magistratu debet ei revereri, quod est contra Ferrarienses,
qui, sl essent coram deo^ non extraherent sibi capellum vel birretutn
de capite , nec flexis genihns postnlarent. pilleus in capite est. Isen-
gnnnn 1139. stnen huot er ahenam, hiemit ^ret er in also. Wigal.
1436. er zdch durcfi sfn hübscheit den huot gezogenliclien abe. Troj.
1775. dO stuout er üf ges winde gnuoe, ein scJiapel daz er üf truoo
▼on gimmen und von golde fin daz nam er ab dem houpte sin. Troj.
18635. er zucket im sfn keppali, Ls. 3, 35. er was gereit, daz er
TOD dem honbt den huot liez vliegen und sprach. Kolocz. loi.
'*) vas gevunod that he volde gAn on niht td sn, and standan
Ott tham seahnm brimme, odh his svuran, singende his gebedu, and
sidhdhan his eneovu on tham ceosle gebygde, ästrehtum haudbredum
to heofenHcuni rodere. Thorpea analecta p. 76. 77.
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22 GOTTESDIENST. OPFBH
lielga Rrists firs ok fridhar (rgl. Syntagma de baptismo
p. 65.) Betende und opfernde heiden schauten aber gen
norden (horfa t nordhr. fornm. sog. 11, 134.) und der
Norden wurde unter den Christen als die imselige* heidni-
sche gegend angesehen , welches ich RA. 808 näher ausge-
fulii:l habe. Dieser gegensatz mufs zur erklärung einer
meikLWÜrdigen steUe iin roman de Renart angewendet wer-
den, wo der fuchs christlich y der wolf heidnisch betet
(Reinhart fuchs s. XLI.)
Das wort opfer wurde in unsere spräche erst durch
das christenthum eingeführt, und stammt aus dem lat. ver-
bum offeroy offer re, ^ mit recht haben die Angelsachsen
nur das verbum offrian^ und ein daraus gebildetes offrung
(oblatio). ahd. hat sich aus opJarSn , opforon auch ein
subst. opfar erzeugt, mhd. oppheren , oppher (Diut. 3,
, 58), und von Deutschland aus mag dieser ausdruck weiter
vorgedrungen sein, altn. oflr, schwed. dän. offer, lith. ap-
piera, lett. uppiu'is , ehstn. ohwer, finn. uhrl, bölim. ofera,
poln. ofiara, sloven. ofer. das franz. ofTre hat nicht den
technischen sinn, wol aber ofirande. tiberall wichen die
älteren, heidnischen benennimgen.
Die alles te , allgemein verbreitete für den begrif %ott
durch Opfer verehren' war blotan (wir wissen nicht, ob
im goth. praet. baibldt oder blötaida?), ich möchte damit
ganz die bedeutung des gr. &v€ir verbinden.*) Ulfilas
fand es noch unanstöfsig, dadurch das gr. üißiG&at und
XaxQBVBtv Marc. 7, 7. Luc, 2, 37 zu übersetzen, er con-
struiert dazu den acc. der person, blotan fraujan heifst
ihm deum colere, und schwerlich denkt er dabei an grau-
same Opfer, bldtinassus Rom. 12, 1 ist ihm kargeia ,
guXhbldstreis Joh. 9, 31 S^Boaeßrje. letzteres setzt ein
subst. blöstr (cultus, oblatio) voraus, dessen S gramm. 2,
208 erklärt worden ist. usbldteins (naQaxXfjas) II Cor.
8, 4 verlangt ein verbum usbWljan (flehen, obsecrare.)
Cädmon braucht das ags. bldian, bleot, onbleotan^ onbleot
von dem jüdischen opfer, und verbindet damit den acc.
der Sache, den dat. der person, blotan snnu (filiiun sacri-
ficare) 173, 5. onbleot thät Iäc gode (obtulit hostiam deo)
177, 21. in Alfreds Orosius steht auch bidtan, blötte.
ich leite davon her bUtsian , später blessian, engl, bless,
benedicere. Das ahd. pluozan (pliez und pluozta) er-
*) wenn Sozomenas hi«t. ecci. 6, 87 in einer erzalilnng von
Athenarich ngo^vytvv huI e^vitv gebrnucht, bo wäre diu gothisch tn-
i^^itan jab bldian.
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GOTTESDIENST. OPFER 83
scheint nur in gloMen und för libare , litare , vktimare , im«
molare. gLHrab.959* 960« 966»> 968«> Diut, 1, 245. 258«, die
casusconstruction ist nicht zu ersehen, das subst. pluostar
(sacrifidum) bluostar Is. 382. gl. emm. 411. gl. jun. 209.
T. 56, 4. 95. 102. *) pluostarhüa (idolium) gl. emm. 402.
pluosirari (sacrificator) das. 405; offenbar hat das wort
hier ein mehr heidnisches ansehn, und wurde um diese
zeit nicht vom christlichen dienst gebraucht; bald sterben
oiit der Sache die ausdrücke ganz aus. Ihre allgemeine
Anwendung im nord. heidenthum läfst aber keinen zweifei
äbng, dafs sie \mter Gothen, Alamannen, Sachsen ^ vor
dem übertritt zum christlichen glauben, ebenso galten,
^eich dem goth. verbum hat das altn. bldla (hUt und
bldtadhi) den acc. der person, die man göttlich verehrt,
bei sich. S«m. 111* 113*» 141* 165«; der sinn ist: sacri«
ficio venerari. noch die altdän. Übersetzung des A. T. ge-
braucht blothe (immolare) blod/imadh (libamina) blotelsä
(holocaustum) Molbechs ausg. s. 171. 182. 215. 249. die
abstammung des Wortes blutan kenne ich nicht. '*'*) auf
keinen fall ist sie in blöth (sanguis) zu suchen, wie die
abweichenden consonanten beider goth. Wörter lehren; ge-
rade so stehen die ahd. pluozan und pluot von einander,
auch war die dadurch bezeichnete götterverehrung nicht
nothwendig blutig. Eine merkwürdige stelle in der livländ.
reimchronik 56« erzählt von den Sameiten ( Sdiamaiten,
Samogiten)
ir bluotelirl der warf zuo hant
sin luz ndch ir alden site,
zuo hant er bluotete aUes mite
ein quek.
hier wird freilich ein thier geopfert, und es ist möglich,
dafs der dichter absichtlich jene unhochdeutsche form wählte,
um den absehen vor blutigem heidenopfer zu erhöhen ; ich
glaube eher, dafs er einen aus Scandinavien nach Litthauen
gedrungnen ausdruck beibehielt, ohne ihn vielleicht selbst
zu verstehen, bluotkirl ist blotkarl, blötmadhr, heidnischer
priester, der litthauischen spräche war die beuennung fi^emd.
*) die ^1. Hrab. 954a bacha pUstar ist nnvoUstandtg ond lautet
gl. Rer. 45. Diot 1, 166a bacba sacrificat ploastar ploazit oder zepar
pldzit^ soll tk\sQ nur das lat verbum, n><^'>t dai subst. bacha (d. i.
ßuK'/rj) übersetzeu. noch richtiger vielleicht ist die lesart bacliat f.
baccliatur, synonym von sacrificat.
**) buchstäblich verwandt wäre ^loidom^ entzünden, verbrennen;
aber wenn ursprünglich in btdtan die idee de« brandopfers lag^ mdste
sie frohe verdunkelt worden sein.
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24 GOTTESDIENST. OPFER
Eiulge andere allgemeine ausdrücke sind folgende, ahd.
antheiz (Loslia, victinia). Diut. 1, 240a 246. 258. 27öb und
ini verbü sowol arUheiz6n als inheizan (inunolare). Diut.
1 , 246. 2j8. alid. insahen (litare). gl. Hrab. 968b insagit
pim ''deliborj. das. 959a 960«; ebenso ags. onaecgan tu tibre*
Caclm. 172, 30. liber onsägde 90, 29. 108, 17. lac oAi-
sägde 107, 21. 113, 15. gild onsägde 172, 11 und o«-
Ä^*^^r///eÄ (oblatio.) ahd. piß'lahan (ViborQ) Diut. 1, 245.258.
alles dies bezeichnet eigentUcli nur die ansagung, "widniung,
weiluu)g , dedicatioij des Opfers , und es geht aus diesem
8j>racligcbrauch wenigstens hervor, dals einzelne gegenstände
eine Zeitlang vorher zum opfer auserlesen wurden.*) antheiz
ist sonst auch gelübde, voliun, feierliclie zusage ; daher wer-
den dem ags. onsecgan bestimmende subst. hinzugefügt.
Älmlich mag sehr fnihe schon biudan (oiferre) ge-
braucJit worden sein, ags. lac beheodan. Ciidm. 173, 9.
.ahn. hodn (oblatio.) von diesem biudan leite ich her biuda
(mensa) ahd. piot^ insofern es urspininglich den heiiigeti
opferlisch oder altar bedeutete.
fullafahjan (mit dem dat. der pers.) ist ein gotlu
wort für XciTQeveiv Luc. 4, 8, eigentlich ein genüge thxm.
(ttbalraß Luc. 5, 14. das ahd. pigangan (obire) wird
versclüeilenllich auf den gottesdienst bezogen: piganc (ritus)
Diut. 1, 272* afgoda begangan. Lacomblet 1, 11. h^rron
fulgangan Hol. 4, 1, auch das vieldeutige gildan^ heitan
(vgl. golh. saljan Luc. 1, 9) hängt mit cultus und opfer-
dienst zusannnen. alls. waldandes gild. Hol. 3, 11. 6, 1.
that geld lestian. H^l. 16, 5. hrynegield (holocaustum)
Cädm. 175, 6. 177, 18. gild onsecgan. 172, 11. Abels
opfer heifst gield. Cädm. 60, 5. deoMgield (idololatria)
Beda 3, 30. alid. Mfcruncghelslar (sacrificium) Is. 395.
dhiu blustar iro ghehtro (libamina et sacrificia) Is. 382.
eigenthümlich der ags. mundart ist die allgemeine benen*
nung Idc (neutr.), das an sich gäbe, geschenk ausdrückt,
und daher oft durch verba, die den begrif opfer hervor-
heben , verdeutlicht wird : onbleot tliät Idc gode, Cädm.
177, 26, dryhtne läc brohton. 60, 2. Idc bebeodan. 173,
9. Zac onsägde. 107,21. 113, 15. ongan /^. 90, 19. das
wort scheint einer wurzel mit dem goth. masc. laiks (sal-
tatio) alid. leih (ludus) altn. leikr, und eine wolgefällige
gäbe zu bezeiclmen. **)
*) aocb das altböhm. ohiecati ohiet ({löniginb. \\&. 72.) if»t eigent-
lic!» : Opfer verhelfscn , widmen.
"*) »erb. priioQ opfer, d. b. dargebracliies , prilozbiti darbriogeu.
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QQTTESDIBNST. OPFER 25
Für bestimmtere ausdrücke halte ich die folgenden.
^voia wird durch das goth. hunsl übertragen Matth. 9, 13^
Marc. 9, 49. Luc. 2, 24 und XaxQelav 9iQ0S(piQeiv Job. 16,
2 wiederum: hunsla saljan, wo gerade gemeint ist durch
tödlung. ^voiaoTfjQiov heilst Iiurislasaalis Mattb. 5, 23.
24. Luc. 1, 11. das entspreclicnde ags. husel verträgt aber
anwendung auf das cbrisüicbe sacramcut und bedeutet die
eucharistie, husel^ong den genufs derselben, /uUel[di das
heilige opfergefal's , vgl. Cädm. 260, 5 Awi/fatu halegu von
den jüdischen gefufsen zu Jerusalem. ebenso findet sich
altn. /lusl in den norweg. und scliwed. gesetzen christlich
gebraucht 9 niemals heidnisch; ein ahd. hunsal Imbe ich
nicht gelesen, die wurzel errathe ich nicht. Zweimal ver-
deutscht aber Ulf. Svola durch scLuths^ pl. saudeis Marc
12, 33. ^%m. 12, 1 und ich glaube er hat sich dabei das
Opfer eines gescldachteten und gekochten thiers gedacht ;
die Wurzel scheint siuthan, sieden: altn. ist saudhr ein
Widder, vermulldich weil sein ileisch gesotten wird. Auch
das ahd. zepar ist saerificium im sinn von hostia, victima.
hymn. 10, 2. 12, 2. 21, 5. gl. Hrab. 965»>. Diut. 240« 272»;
ein goth. tibr wäi-e nachgewiesen, wenn man das seltsame
wort dibr (Saigov) Matth. 5, 23 emendieren dürfte, wie-
wol sonst A und T in goth. schrift deutlich von einander
abstehen, meine Vermutung, dafs nocli imser nhd. unge-
ziefer , früher ungea^'Äcr, und das altfranz. atoivre dalün
gehöre (Keinh. LlV.) hat gute gründe für sich, gegen sie
sclüene zwar, dafs das ags, tiber Cädm. 90, 29. 108, 5.
172, 31. 175, 4. 204, 6. 301, 1. slgetiber 203, 12 nicht
auf tliiere beschränkt werden darf, vielmehr Cains getraide-
opfer, im gegensatz zu Abels gteld, gerade tiber heilst 60, 9.
und Aelfir. gL 62^ ylatifer (libatio) haben, darin könnte
spätere Verwirrung liegen, oder Ungeziefer auch das Un-
kraut mitbegreifen, folglich zepar alles opfermäfsige von
pflanzen und bäumen bezeichnen?*) Zuletzt will ich eine
der altn. spräche eigne, sicher heidnische benennung ange-
ben : Jim (\ ictima, hostia) fem. , forna (immolare) wofür
auch fornjcera gesagt wurde, vgl. fornm. sog. 1, 97. 2,
76. hinderte nicht u, ao liefse sich das adj. forn (vetus)
forn (zauberer) fornasskia (zauberei) und das ahd. furnik^
*) die auch ron Tliorpe nicht recht gefafüte stelle Cadm. 9, 2 i\\k
MO tid gevät ofer tiher sceacan middaugeardes verstehe ich: da die
leit fortschritt über die (von gott verliehene) t^ahe der erde, der inf.
ficeacan (elal>i) gehört xn {j:evät; ebenso st^ht Judith («nnl. 140, 5>
geviton ou fle^m sceacan, begannen isu iliehen, und öfter geviton
gangan.
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tö GOTTESDIENST. OPFER
(bacclii, antlcpii) gl. Hrab. 955*. Diut. 1, 166* hinzuhalten,
zumal dieselben glossen zur erklarung von baccha pluostar
und zepar verwenden, Jörn wäre dann der von den Christen
gewählte ausdruck für das heidenopfer der alten vorzeit.
Unserer alten spräche standen also mehrfache Wörter
für die begriiFe opfer und opfern zu gebot, es läfst sich
erwarten, dafs davon unterschiede abhiengen, aber es ist
schwer, die^e nun selbst in der sache zu entwickeln.
Beweggründe der opfer waren überall, den göttem
dank für ihre wolthaten abzustatten oder ihren zorn zu
versöhnen: wenn hungersnolli , miswachs, seuche über das
Volk hereinbrach, säumte es nicht opfer zu bringen, solche
sühnopfer haben ihrer natur nach etwas unständiges, wäh-
rend die dem gnädigen gott zu leistenden gern in regel-
niäfsig wiederkehrende feste übergehen. Eine dritte haupt-
art von opfern ist, wodurch der ausgang eines unterneh*
mens erforscht, und die hilfe des gottes, dem es gebracht
wird, herbeigeführt werden soll, doch war die Weissagung
auch oline opfer thunlich. Aufserdem gab es noch beson-
dere arten für einzelne gelegenhciten, z. b. bei königs-
wahlen , bei leichbestattungen u. s. w.
Die grofsen jahrsfeste der beiden berührten sich mit
Volksversammlungen und ungebotnen gerichten.*) in der
Ynglinga saga cap. 8 werden sie so angegeben: thd skyldi
blota i möli vetri til to , enn at iwidium vetri blöta til
grudhrar, it thridia at sumri, that var sigrblut. in der
Olafs helga saga cap. 104 (fornm. sog. 4, 237): cn that er
sidhr thcirra at hafa bltUt ä haustiun ok fagna tha vetri,
anuat blijt hafa their ad midium vetri, en hit thridia at
sumri, tha fagna tlieir sumari ; vgl. ed. holm. cap. 115.
das herbstopfer geschah zum empfang des winters und til
Ars (pro annonae ubertate), das mitwinter opfer til grödhrar
(pro feracitate), das sommeropfer zum empfang des som-
mers und til sigrs (pro victoria.) Bei dem grofsen haupt-
blöt zu Upsal im winter wurde aber zugleich geopfert til
Ars ok fridhar ok sigi*s (fornm. sog. 4, 154.) die formel
lautet auch : til Ärbötar, oder til fridhar ok vetrarfars gdds.
Menschenopfer. Tac. Germ. 9. deorum maxime Mer-
cnrium colunt, cui certis diebus Immanis quoque hostiis
lilare fas habent. Germ. 39 stato tempore in silvam coeunt,
caesoqiie publice homine celebrant barbari ritus horrenda
primordia. Tac. ann. 1, 61. lucis propluquis barbarae arae,
apud quas tribunos ac primonun ordlnum centurionea
*) RA. 245. T45. 821-825.
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GOTTESDIENST, OPFER 27
mactaperant. Tac. ann. 13, 57. sed bellum Hermundurid
prosperöm, Cattis exitiosius fuit, qiiia victores diversam
aciem Marti ac Mercurio sacravere, quo voto equi, ifiri^
cuncta victa occidioni dantur. Jornandes p. m. 86 : quem
ftlartem Gothi semper asperrima placavere cultura. nam
Tictimae ejus mortes fuere capiorum^ opuiantes bellorum
praesulem aptius humani sanguinis effusione placan-
dum.*) Procop de bello goth. 2, 15 von den Thuliten,
d. L den Scandinaviern : S^ovai Sh ivdaXeyioTaTa hgeia
navra xal ivayl^ovai. twp äh UqsIwv ctplot to xuXXioTOif
ivd-QwnoQ io%iVj övneq av doQialmrov notr^aaivto
nrntov* TOVToy yaQ rtp "^Qei ^vovaiv, inel S-eov
üLVtov vojiiiCovai fiiiyiOTOV elvat, das. 2, 14 von den He-
rulem : noXvp Tiva ro/ut^opreg 'd-edip 6/iiXoVn ove S^
%al av&QWTt (op dvaiais iXdaKca&ai ooiov avTotg iSo"
HH tlvai* Sidonius Apoliinaris 8, 6 von den Sachsen:
mos est remeaturls decimum quemque captorum per
aequales et cruciarias poenas, plus ob hoc tHsti quod
euperstitioso ritu necare. Lex Frisionum, additio sap. tit.
42. qui fanum effiregerit — immolatur diis, quorum
templa violavit, das gesetz galt nur noch für die trans
Laubachi w^ohnenden, länger heidnischen Friesen, was
Strabo von den Cimbem, Dietmar von den Nordmännern
erzählt , v?ird nachher angezogen werden. Epist. Bonif. 25
(ed. Würdtw.) : hoc ^oque inter alia crimina agi in par-
tibus Ulis dixisti, quod quidam ex fidclibus ad inimolan-
dum paganis sua venundent mancipia $ es war den herm
erlaubt knechte zu verkaufen, und Christen verkauften
sie den Heiden zum opfer. Zeugnisse über nordische men-
schenopfer hat Müllers sagabibl. 2, 560. 3, 93. In der
Tegel waren die schlachtopfer gefangene feinde, erkaufte
knechte oder schwere Verbrecher. seltne falle konnten
den tod der künigssöhne und könige selbst verlangen.
Thieropfer. Herculem et Martem concessis animalibua
placant. Tac. Germ. 9. d. h. mit dazu geeigneten (liist. 5, 4),
und nur solche tlüere eigneten sich, deren fleisch von den
menschen gegessen werden konnte, es wäre unscliicklich
geweseii, dem gott eine speise zu bieten, die der opfernde
selbst verschmäht hätte ; zugleich scheinen diese opfer
schmause, ein bestimmtes stück des geschlachteten thiers
wird dem gotte dargebracht, das übrige zerlegt, ausgellieilt
und in der versamlung verzehrt, das volk trat dadurch
•) vgl. Jul. Caesar de hello gall. 6, 17 von der rerehrnng de«
Mars bei den Galliero.
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SB GOTTESDIENST. OPFEa
in geineioscLaft mit dein lieiUgen opfer. quadraginta nisdci
a LaDgobardis capti carnea imniolalitias comedere com«
pellebantiir. Greg. AI. dial. 3, 27, das heifst weiter nichts^
als dafs die lieidnischen Langobarden den gefangnen Chri-
sten zumuteten, an ihrem opfermal theil zu nehmen, dieser
immolatitiae carnes und hostiae immolatitiae ^ quas
stulti homines juxta ecclesias ritu pagano faciunt, geschieht
auch in Bonifacii epist. 25 und 55 (ed. Würdtw.) meidung.
In der ältesten zeit scheinen vornemlich pferde ge*
opfert worden zu sein, und ohne zweifei afs man ihr
fleisch allgemein vor einführung des christentliums. neu-
bekehrten blieb nichts ansttifsiger an den Heiden, als dafs
diese dem pferdeschlachten (lirossasldtr) und dem genufs des
Pferdefleisches nicht eutsagteiu vgl. Nialss. cap, 106. christ-
liche JN'ormänner schimpften die Schweden hrossceturnar
(forum, sog. 2, 309.) künig liakon, den seine unterthaneu
des christentliums verdachtigten, wurde aufgefordert, at
hann skyldi eta hrosscisldtr. saga Hak. goda cap. 18.
Schon Tac. ann. 13, 57 meldet, dafs die Hermunduren
die pferde der besiegten Gatten opferten. Den Thürin-
gern wurde noch zur zeit des Bonifacius das verbot des
Pferdefleisches eingeschärft (epist. Bonif. ed. Würdtw. 25»
87. Serr. 121. 142.) *) den alamannischen brauch bezeugt
Agathias: innovs t« aal äoag, xai akXa a^r« fiVQtu za-
Qaro fhOVV%€Q imd-eia^ovoi (ed. ^bonn. 28 , 5.) nicht
übersehen werden darf hier das abschneiden des luiupts,
das nicht mit verzehrt, sondern vorzugsweise dem gott ge-
heiligt wird. Wenn Caccina, als er sich dem schauplata
der varischen niederlage nahte , auf baumstämmen pferde^
Häupter befestigt erbUckte (cquorum artus, simul truncis
arborum antefixa ora, Tac. ann. 1, 61), so waren dies
keine andere als die der römischen pferde, welche die
Deutscheu in der scldacht erbeutet und ihren güttern dar-
gebracht hatten **). ein solches immolati düs equi abscis-
sunt Caput kommt bei Saxo gr. p. 75 vor; im Norden
errichtete man damit die zauberhaft wirkende neidstange
*) inter cetera agrestem cahallum aliqaantos comedere adjonxisti,
plerosque et dumesticum, hoc neqnaquam fieri deinceps sinas. undc
hi|irimi8 de volatilibus, id est gracuUs et coroiculis atque ciconiis,
quae omiiiiio cavendae sunt ab esn Ctiribtianorum. etiam et fibri et
lepore.s et equi silvatici niulto amplius vitniidi. Hieronynius adv. Jov.
lib. 2. (ed. bahil. 1553. 2, 75): Sarmatae, Uiiadi, Vnndali et inuume-
rabiles aliae gentea et/uorüm et vulpium carnibus delectaotur.
**) auch in jener stelle vom Mars bei Jomandesi huio truncis
•Qspendehantur exut'iatf.
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GOTTESDIENST. OPFER 29
(CgOss. p. 389.) in einem hessischen kindermärcheh (no 89)
lebt unverstandene erinnening an die wunderbare bedeu*
tung eines aufgehängten p/erdefuiupts *). Über die nor-
dischheidnischen pferdeopfer sind aber noch besonders -wich-
tige nachrichten vorhanden. In Olafs des heiligen saga cap«
113. (ed. höhn. 2, 181.) heifst es: that fylgdhi ok theirri
©ögn , at thar veeri drepit naut ok hross tii arbötar- eine»
andern gedenkt ganz am sclilufs des Hervararsaga ein Zu-
satz, das die vom christfenthum abtrünnigen Schweden bei
der wähl könig Sveins (zweite hälfte des 11 jh.) brachten:
rar thd framleidt hross eitt ä tlilngit ok högg>^it t sundr,
ok shipt til dts^ en riodliudhu blijdhinu bl6ttr^; kustudhu
thä allir Svtar kristni ok höfust blöt. (fornald. sog. 1, 512).
Dietmars von Merseburg beschreibung des grofsen nordi-
schen , eigentlich dänischen, opferbrauchs , der aber schon
hundert jähre vor ihm erloschen war, enthält offenbar sa-
genhaft übertriebene und entstellte vmistände; er erzählt
(W^agner p. 12. 13): sed quia ego de hostüs (Northman-
norum) mira audivi, haec indiscussa praeterire nolo. est
unus in his partibus locus, caput istius regni Lederun no-
mine in pago qui Selon**) dicitur, ubi post noifem annos
mense Januario, post hoc tempus, quo nos theophaniam
doniini celebramus, omnes convenerunt, et ibi diis suismet
LXXXX et IX homines^ et totidem equos y cum canibus
et gallis pro accipitribus oblatis, immolant, pro certo, ut
praedixi, pulantes, hos eisdem apud inferos servituros, et
commissa crimina apud eosdem placaturos. quam bene rcx
noster (Heinrich I. a. 926) fecit, qui eos a tarn execrando
ritii prohibuit. Neimjährig wiederkehrende grofse festopfer,
die eine beträchtliche zahl von tliieren kosteten, Jiaben nichts
unglaubliches, so gut der name hekatombe blieb, wenn
viel weniger thiere dargebraclit ^vurden, darf auch hier die
sage sich an die feierliche zahl halten ; den greuel des men-
schenopfers fügte sie vielleicht ganz hinzu, offenbar stinimt
aber nicht der angegebene gnmd des tlüeropfers: er ver-
mischt was bei leichbestattungen \uid ziu» sühne geschah.
nur den leichen edler, reicher männer, damit sie sich ilirer
jenseits bedienen könnten, folgten unfreie, und haus- und
jagdthiere in den tod. wären 99 menschen, wir wollen
•) Gregor. M. (epist. T, 5.) ermahnt Bninieliilden , bei den Fran-
ken zo vertiindera: ut de aaimalium capitibus sacrificia sacriiega nou
ejüjibeaiit.
*•) Selon far Selond , altn. Saelundr, woraus nacfilier Sioland, See-
land wurde; L^derün der säciis. dat. von L^dera, altii. illeithra, spä-
ter L^thra, Leire, vgl. gotli. hleithra (taberuaculuni.)
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80 GOTTESDIENST. OPFER
ftnnehmen kriegsgefangne ^ den göttem geopfert worden, so
können die angegebnen tliiere weder den feinden zum ge«
leit, noch den göttern selbst bestimmt ge^yesen sein, denen
man niemals pferde oder jagdtliiere in der meinung weihte
oder sclilacbtete, dafs sie davon gebrauch machen sollten«
beziehe sich also das zweideutige eisdem auf homines oder
diis (wie hernach eosdem nur auf letztere geht),' immer
scheint etwas unpassendes behauptet, ich glaube, dafs an
den neujalu*fe8len von allen genannten opfern nur die der
rosse fielen; menschen, hunde, höhne hat die sage hinzu«
getlian. *) wie sich zu Dietmars die erzählung Adams von
dem upsalischen opfer verhalte, soll hernach erwogen werden.
Unter allen tlüeropfern war das des pferds das vor«
nehmste und feierUchsle, Unsere vorfahren haben es mit
mehreren slavisclien und finnischen Völkern gemein, mit
Persern und Indern, ihnen sämtlich galt das pferd für ein
besonders heiliges lliier,
Rinder geopfert, jene stelle des Agathias bezeugt den
alamannischen braucli, die aus der Olafssaga den nordi-
schen, ein brief an Bonifacius (ep. 82. Würdlw.) erwälmt
gottloser priester: qui tauros et hircos diis paganorum im^
molabant. Von den Angeln versichert ein brief des Gre-
gorius jNI. ad JMelütum (epist. 10, 76 und in Bedas bist,
eccl. l, 30): boves solent in sacrificio daemonum muUos
occidere. Ich selze noch einige nordische beispiele her.
als in Schweden unter könig Dömaldi hungersnoth ent*
sprimgen war, tha efldho Sviar blöt st«}r at Uppsölum,
it fyrsta haust blötudhu their yxnum , bei der Unzuläng-
lichkeit des Opfers wurde hernach stufenweise zu höheren
arten aufgestiegen. Yngl. saga c. 18. Thd gekk hann til
hofs Freyss, ok leiddi thagat uxa gamlan ok maelti svä
Treyr nü gef ek ther uxa thenna,' en uxauum brä sva
vidh , at hann qvadli . vidli ok feil nidlu* daudlu*. Islend«
eög. 2, 348. Bei feierlichem Zweikampf opferte der sieger
einen stier mit den walfen, die eben den gegner erlegt
hatten: tha var leiddr fram grddungr mikill ak gamall^
var that kallat bldtnaut, that skyldi sA höggva er sigr
hefdi. Egilssaga p. 506. vgL Kormakss. p. 214. 218. KU/ie
geopfert. Saem. 141* forum, sog. 2, 138.
Eber, im salischen gesetz tit. 2. wird auf den Tnaja-^
*) pro accipitribus heifst: In ermanglungf der babichte wurden
b^ihae genommen, einige baben es so angeseben, al« seien hnnde und
häbne vergötterten raubvogeln dargebracht worden« aber das pro läfst
•ich nicht misverstehen.
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GOTTESDIENST. OPFER 31
Ih Bacrinus oder votwus höhere composirion als auf je-
den andern gelegt, das scheint Überbleibsel von alten opfern
der heidnischen Franken ; warum hiefse es sonst sacrivus ?
zwar 700 von 600 den. (17 von 15 sol.) stehen nicht be-
deutend ab, allein solcher zu heiligem gebrauch ersehnen
thiere muTs es im heidenthum eine menge gegeben haben,
80 dafs das einzelne in keinem hohen werth sein konnte*
vermutlich wurden sie gleich nach der geburt ausgesucht,
gezeichnet und bis zur opferzeit mit äen übrigen auferzo-
gen. In fränkischen und alamannischen Urkunden erscheint
oft der ausdruck Jriscing , meist für porcellus, doch auch
für agnus , einigemal mit der näheren bestinunung porcinus
und agninus; das wort selbst mag ursprünglich aussagen
recens natus (frisch geboren). *) heute lebt es nur im sinn
von porcellus fort (friscliling.) Wie wäre nun erklärbar,
dafs dieses ahd. Jriscing geradezu bei einigen Schriftstel-
lern das lat. hostia, victima, holocaustum übersetzt (N*
Cap. 8. ps. 15, 4. 26, 6. 33, 1. 39, 8. 41, 10. 43, 12.22.
50, 21. 115, 17; usterfriscing. ps. 20, 3. lamp unkawem*
mit kakepan erdu friscing. hymn. 7, 10) als aus der erin«
nerung des heidenthums? das jüdische pascha kann es
nicht verursacht haben, schon weil der begrif von porcel-
lus vorherschte. Im Norden war der dem Freyr gebrachte
«ühneber, aönargöltr^ ein feierliches opfer und bis auf
jüngere Zeiten hat Schweden den gebrauch forterhalten, alle
julabende brot oder kuchen in ebersgestalt zu verbacken.
IVidderopJer. wie aus friscing die bedeutung victima
hcrvorgieng, scheint umgekelut ein name des thieropfers,
goth. sdLuths, den altn. des tlüers aaudhr (hammel) veran-
kfst zu haben, diese art von opfer war also nicht selten,
80 wenig ihrer im einzelnen gedacht wird, vermutlich als
eines geringen Opfers. Nur die saga H^onar göda cap. 16
berichtet: thar var oc drepinn allskonar smali ok sva
hross. smali bedeutet hauptsächlich schafe, auch allgemei-
ner das kleine vieh der heerde, gegenüber den rindern
und pferden. und weil hier allskonar (omnis generis) bei-
gefügt wird, scheinen bocke mitbegrifFen. Geopferter bö'cie
gedenkt die vorbin angefulu*te epist. Bonif. 82. Nach
schwedischem aberglauben mufs dem Wassergeist, wer
harfenspiel von ihm erlernen wül, ein schwarzes lamm
opfern (svenska folkv. 2, 128.) Von ziegeno^^ern redet
einmal Gregor der grofse, die Langobarden sollen, seiner
•) Dncange «. ?. Eccard fr. or. 3, 6TT. Dorows denkro. 1. 2, ä5.
Ueonblet 1 , 32T.
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82 GOTTESDIENST. OPFER
ansieht nach dem teufe! , d. i. einem ihrer götter caput
caprae darbringen, hoc ei per circuitiun eurrentes, carmine
nefando dedicantes. dial. 3, 28. vor diesem (aufgerichteten)
haupt der ziegc oder des bocks? neigte sicli das volk.
Bekannt ist unter den alten Preussen die bocksheiligung
(Luc. David 1, 87. 98.) der slav. gott Triglav wird mit
drei ziegenhUuptern vorgestellt (Hankas zbjrka 23). hatte
uns doch Gregor das carmen nefandum aiifbewalirt.
Anderer opferthiere w^erden wir nicht versichert, denn
von Dietmars hunden, habichten und hähnen möchten fast
nur die letzten zulässig sein, vielleicht auch sonst noch
efsbares hausgevögel, gänse? liier mufs vor allem Adams
von Bremen beschreibung des grofsen opfers zu Upsala zur
Seite gestellt werden jener nachricht von dem zu Hlethra
(ed. 1594. p. 144.): solct quoque post novem annos com-
munis omnium Sveoniae provincianun solennitas celebrari,
ad quam nulli praestatur immunitas ; reges et popull ,
omnes et singuli sua dona ad Vbsolam transmittunt , et
quod omni poena crudelius est, illi, qui jam induerunt
christianitatem , ah Ulis ceremoniis se redimunt. sacrifi*
cium itaque tale est: ex omni animante^ quod niasculi^
num est, nopem capita offeruntur, quorum sanguine deos
tales placari mos est. corpora autem suspenduntur in
luciun, qui proximus est templo. is enim lucus tarn sacer
est gentiiibus, ut singiilae arbores ejus ex morte vel tabo
immolatorum divinae credantur. ibi etiam canes^ qui pen-
dent cum hominibus^ quorum corpora mixtim suspensa
narravit mihi quidam Clu-istianonun se septuaginta duo
vidisse. ceterum naeniae, quae in ejusmodi ritibus liba*
toriis fieri solent, multiplices sunt et inhonestae, ideoque
melius reticendae. Die neunzahl herscht in diesem schwe*
dischen opferfest gerade wie in dem dänischen, aber auch
hier ist alles sagenmäfsig aufgefafst. vnederum scheinen die
o^ierhäupter das wesentliche, nicht anders als bei Fran*
ken und Langobarden, dafs von jedwedem lebendigen ge-
ediüpfe nur das männliche gesclüecht opferbar ist, stimmt
auffallend zu einer episode des Reinardus, der kein volles
jh. nach Adam gedichtet wurde, in seiner grundlage ihm
gleichzeitig sein konnte, zur hochzeitsfeicr eines königs
sollten die männchen aller vierfiifsigen thiere und vogel ^c-
schlachtet werden, der hahn \md gansert waren entilohen
(Reinh. fuchs LXXIV.) es scheint mir eine uralte opfersage,
die nocli im 11 und 12 jh. verbreitet war. Die tüdtung
eines männlichen thiers von jeder gattung (das liegt nicht
einmal in des Agathias xal aXXa ccTTa /uvQia) würde ein so
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GOTTESDIENST. OPFER S3
ungeheures opfer bilden ^ daTs an keine wirkliche ausfuh«
rung je zu denken gewesen wäre, es beruhte also nur in
der volksübcrliefening. JSicht unälinlich ist, wenn in der
edda die eide aller thiere und pflanzen, und alle wesen zum
weinen erfordert werden. Soviel läfst sich daraus entneh*
Dien, dafs das heidenthum ausschliefslich oder doch vor-
zugsweise männliche opfertliiere begehrte.
Nächst dem geschlecht war gewis auch an der färbe
des thiers gelegen, und unter allen die weifse die gün«
stigste. Von weifaen rossen ist vielfach die' rede (Tac.
Gwm. 10.), schon bei 4en Persern (Herod. 1, 189.) auch
der opferfriscing war vermutlich fleckenlos weifs; noch in
spälern rechtsdenkmälern ist die Unverletzbarkeit schnee~-
weifaer ferkel ausgesprochen. *) Die Votjaken opferten
einen rothen, die Tscheremissen einen wei/sen hengst.
Da bei alten viehbufsen des deutschen rechts oft die faJile
färbe begehrt vnwde, **) so könnte darin Zusammenhang
mit den opfern statt finden; auch zur Zauberei waren
thiere bestimmter färbung erforderlich, der Wassergeist
beehrte ein schwarzes lamm. Saxo gr. p. 16 sagt: rem
divinam facere Jurifis hostiis; heifst das schwarzes vieh
opfern?
Vom eigentlichen hergang bei diesen opfern selbst ent-
halten fast nur die nordischen quellen nachricht. wäh«
read das thier auf dem opferstein sein leben liefs, vnirde
alle« herabrinnende blut (altn. IJaut) entweder in einer
angebrachten grübe , oder in gefäfsen aufgefangen, mit dem
Opferblut bestrich man die heiligen tische und geräthe und
besprengte die theilnehmer. ***) walirscheinlich geschahen
auch Weissagungen aus dem blut, vielleicht vmrde ein theü
davon unter hier oder meth gemischt und getrunken. Im
Norden scheinen die blutgefal'se (Jilautbollar y blutbollar)
nicht grofs zu sein; anderswo gab es eigne, grofsie kessel.
den Schweden machte Olafr Tryggvason den vorwarf, sie
lälscn daheim und leckten ihre opfemäpfe (at sitja heima
ok sleikja bldtbolla sina) forum, sog. 2, 309. Eines
opjerkessels der Cimbern gedenkt Strabo 7, 2. c&oe ii
%i%mv Klfi^ßQwv iif^yovwa^ %OLovtov^ oTt rals ywat^ly
avtüv avargaTsvovaaie , Trag^oXci/^ow fiqoftciv^siQ i«*
(eiici noXi6%QtysS'i Xiv)isi/lio^£c, naQTittoirae ifpanTtdaQ
0 RA. 5!61. 594. Ygl. Virg. Aen. 8, 82 Candida enm foetn c^n-*
eolor albo ras.
••) RA. 587. 66T. .
***) saga USkooar gdda cap. 16. Eyrbyggiataga p. 10.
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43 GOTTESDIENST. OPFER
isitnenogn^j/nivati ^lüana ycdxovv l'iovüut^ yv/itvoTiotffQ*
rols ovv aiyjitaXwTOig oiä rov öTQccTonidov avvfjvroyv |/-
(pr^QBtQ' naTaoThpaaai ^cmiovs fjyov inl nQarrjQa ;r«P.-
noifp, OGOV ajnqiOQiMP 11x00$' elyov 8h dt*<tß<x&Qav ^ i;v
^raßäoa vnBQne^rjg tov Xißr^%og iXcttjLtoro/iat i'xaorov
/tietewQta&irTa* ix dh tov ngoycojiiivov aV/imroQ efg rov
XQccTfjga, fiavTBiav viva inoiovvto. Eines der Sueven
die vita S. Columbani: sunt etenim inibi vicinae naliones
Suevorum; quo cum moraretur et inter habitatores illius
loci progrederetur , reperit eos sacrificium profanum litare
velle, vasquc magnum, quod vulgo cupam vocaut, quod
viginti et sex modios amplius minusve capiebat, cerevisia
plenum in medio habebant pbsitum. ad quod vir dci ac-
cessit et sciscitatur-, quid de illo fieri vellent? ilH ajnnt:
deo suo Wodano, quem Mercurium vocant alii, se velle
litare. Jonas bobbiensis yita Columb. (aus der ersten hälfte
des 7 jh, Mabillon ann. Bened. 2, 26.) hier w^ird aus-
dräcklich gesagt, dafs der opferkessel mit bier gefallt^
nicht aber, dafs blut eines geschlachteten thiers darunter
gemengt war; es könnte, wenn die erzählung nicht un-
volktändig ist, ein blofses trankopfer gemeint sein.
Gewöhnlich dienten die kessel zum kochen (d. h. sie-
den) des Opferfleisches 5 nie wurde es gebraten, ebenso be-
schreibt Herodot 4, 61 das kochen (ßrpatv) des opfers in
dem grofsen kessel der Scythen. Die austheihing der
stücke unter das volk besorgte wahrscheinlich ein priester ;
an grofsen festtagen wurde die mahlzeit *) gleich in der
Versammlung gehalten, bei andern gelegenheiten durfte
sich wol jeder sein theil mit nach haus nehmen. Dafs prie-
ster und volk die speise genossen geht aus vielen stellen
hervor vgl. oben s. 27. in die capitularien 7, 405 ist aufge-
nommen was in den epist. Bonifacii cap. 25 (a. 732) von
dem presbyter Jovi mactans et immolatitias carnes vc-
soens gesagt wird, nur heifst es dort: diis mactanti et im-
mdatitiis carnibus vescenti. Vermjitlich war es einzelnen
gestattet, den göttern bei besonderem anlafs kleine gaben
darzubringen, und einen tlieil davon zu verzehren; das
mannten die Christen: more gentilitun oiTerre et ad hono-
rem daemonum comedere. capit. de part Sax. 20.
Reine hrennopfer y wobei das thier auf dem holzstoTs
in asche verwandelt wurde, scheinen ungebräuchlich, das
*) man speiste aach die krettbruhe von dem gesottenen und das
obenschwimmende fett die Heiden bieten ihrem konig, der das fleisch
anssclilagt, an, drecka $odit und tta flotit, saga Häkonar gdda cap. 18.
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€W)TTBSDIENST. OPFER 85
goth. allbrunats übersetzt Marc. 12, 33 mir das gr.
olonavTW/ua, ebenso steht albrandopher N. ps. 64, 2,
und das ags. brynegield soll Cädm. 175, 6. 177, 18 ganz
ein brandopfer im jüdischen sinn ausdrücken. *)
Auch keine rauchopjer galten; der Christen süTser
Weihrauch war den Heiden etwas neues. Ulphilas behält
das gr. th^nniama bei Luc. 1 , 10. 11; iinser Weihrauch,
ahs. vrtröc H^L 3, 22, das altn. reykelsi, dän. rögebe
und nach dem christlichen begrif gebildet.
Was der mensch den göttem aus dem pflanzenreich
darbringen kann» ist heiterer, unschuldiger, aber auch min*
der bedeutsam und kräftig als das tliieropfer. das ausströ*
mende blut, das vergofsene leben scheint mehr bindende
und sühnende gewalt auszuüben, thieropfer sind dem
kriegcr und }äger natürlicli , getraide und bliunen wird erst
der ackerbauer hingeben. Das blutige thieropfer ist gesell-
schaftlicher, allgemeiner, die gesamtheit des volks oder die
gemeinde pflegt es zu bringen, frucht oder blumen darf
jeder haushält und selbst der einzelne mensch opfern*
diese fruchtopfer sind daher einsamer, stiller, ärmlicher;
die geschichte gedenkt ihrer kaum, aber in der yolkssitte
haben sie desto fester imd länger gehaftet.
Der ackermann läfst, wenn er sein körn schneidet,
dem gott der es segnete einen häufen ähren stehen und
schmückt sie mit bändem. merkwürdige beispiele dieser
gewohnheit lassen sich erst im verfolg bei abhandlung der
einzelnen gottheiten mittheilen, es ist ein uralter und
▼erbreiteter gebrauch den hausgöttern bei festlichen mahl-
xeiten einen tlieil der speise zurückzustellen. Hierher gehört
auch das bekränzen des göttcrbikles oder eines heiligen
baums mit laub oder blumen ; in den nordischen sagen zeigt
sich nicht die geringste spur davon, ebenso wenig in unsern
SUesten Überlieferungen. Aus der späteren a&eit und fort-
lebender voikssage kann ich einiges anfüliren. am himmel-
fohrtstage winden in melu* als einer gegend Deutschlands
die mädchen kränze aus weifsen und rothen blumen, und
hangen sie in der stube oder im stall über dem vieh auf,
wo sie hangen bleiben , bis sie das nächste jähr diu*ch fri*
sehe ersetzt werden. **) Im dorfe Q^^estenberg am harz
bringen am dritten pfingsttage die bursche eine eiche auf
den die ganze gegend beherschenden burgberg, und befe-*
sdgen, sobald sie aufgerichtet steht, einen grofseu kränz
*) paliti obiet« Opfer anzümlen. konigioh. hs. 98.
') Brtgur VL l, 126.
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m GOTTESftlENST. MIliNE
daran I der von baumzweigen geflochten ist und einem
Wagenrad gleicht, alles ruft: die queste (d. i. der kränz)
hängt! und dann wird oben auf dem berge um den bäum
getanzt, bäum und kränz aber jälirlich erneuert. *) Unweit
dem hessischen berge Meisner steht eine hohe felsenw^and,
unter der sich eine hole üfnet, die den namen des holen
Steins führt, in diese hole tragen am zweiten ostertage
die Jünglinge und madchen der benachbarten dörfer blu--
mensträujae uod schöpfen sich dann külüendes wasser.
ohne blumen mitzubringen wagt es niemand liinabzustei-
gen. '*'''') In allen diesen beispielen, die sich durch manche
ähnliche vermehren lassen werden, scheint eine heidnisdie
gewolmheit auf christUche feste überführt.
Ich will nochmals auf jene erzählimg des Jonas von
der alamannischen bierkuje zurückkommen und sie mit ziur
erklärung der heidnischen, aber im christenthmn lange
unausgerotteten gewolmheit des minnetrinhena verwen-
den« auch hier scheinen name und sitte allen deutschen
volksstämmen gemein.
Den Gothcn hiefs man (pl, munum, prsßt. munda)
ich denke, gaman (pl. gamunum, praet. gamunda) ich
gedenke, erinnere miclu die anomalie weist auf ein frü-
heres ]\UN, das sich bisher noch in keinem goth. wort
gezeigt hat. ***) umgekehrt ist in dem ahd. die anomal-
form erloschen ; das abgeleitete minna = minia mit der fort-
geführten bedeutung amor, und minndnzuzxxnm^TOL für amare
geblieben, niinnen heilst an sich nicht lieben, sondern des
geliebten gedenken, in altn. spräche gibt es sowol jenes
man^ munum<^ als auch ein neutr. minni (memoria), ein
verbum minna (recordari.) die M^benbedeutung amor hat
sich gar nicht entwickelt.
iZinen abwesenden oder verstorbenen pflegte man zn
ehren, indem man seiner bei Versandung und mahlzeit
erwähnte, und auf sein andenken einen becher leerte, dieser
becher, dieser trunk wurde altn. wiederum minni genannt.
Bei festlichen opfern und gelegen ward des gottes,
oder der götter gedacht und minni getrunken. minni9
öl, minnis hörn, minnis füll. fCro minni mörg ok skyldi
hörn dreckia t minni hvert. um gdlf gänga at minnom
öllum. Egilss. 206. 253. rninniöl signodk äsom. Olafs helg.
*) Otman volkssag^n p. 128. 129. was Aber dea nrsprang der
•itte ersäbit wird sdieiot erdiclitnng.
**) Paul Wigaods arcliiv 6, 317»
***) aber in der lat redopHcatioa memin! rorliegt.
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GOTTESDIENST. MINNE 87
•aga (ed. holm,) 113. Signa ist segnen, weihen, eigna füll
Odni, Tbör. saga Häkonar g«5cla cap. 18. in der Her-
raudhssaga cap. 11 wird Thors, Odins und Freyas minne ge-
trunken, dieser sitte entsagte man nach der bekehrung nicht,
sondern trank nun Christus, Marien und der heiligen
minne, z. b« Krists minniy Alicha^is minrii. fornm.
sog. 1, 162.
Die andern stamme hatten ebensowenig davon abge-
lassen, und da wo sich unterdessen die bedeutung de«
ausdrucks minne verändert hatte, übersetzte mau ihn auch
in das lat. amor statt memoria, merkwürdig schon bei
Liutprand 6, 7 diaboli in amorem vinum bibere; bei
Eckehard (casus s. Galli, Pertz 2, 84) «mor^que, ut
moris est, osculato et epoto, laetabundi discedunt; im Perc-
giinus (einem lat. gedieht des 13 jh.) v. 335 (Leyser 2114):
et rogat ut potent sanctae Gertrudis amore,
ut possent omni prosperitate frui.
poculiun signare steht Walthar. 223, wie im Norden
Thors hanunerzeichen , wandte man das kreuz zur Segnung
des bechers an. Hagcne sagt Nib. 1897, 3:
nu trinken wir die minne unde gelten sküneges wln,
wo auch gelten an die s. 24 beim opfer entwickelte bedeu-
tung gemahnt (vgl. Schm. 2, 40.) scancten eine minne.
Hofim. fundgr. 230, 35. minne schenken. Berthold 276.
277. was später wol lücfs: einen ehren wein schenken,
denn schon in der älteren spräche bezeichnete Ära, 4re
höheren und geliebten wesen erwiesene Verehrung. Im
mittelalter waren es vorzugsweise zwei heilige, denen
zu ehre minne getnmken vnirde, Johannes (der evangelist)
und Gerdrut. Johannes soll vergifteten wein ohne schaden
getranken haben, der ihm geheiligte trunk wiederum alle
gefahr der vergiftimg abwenden; Gerdrut aber verehrte
den Johannes über alle heiligen imd darum vrurde ihr
andenken dem seinigen hinzugefügt, bei der minne pflegten
besonders scheidende und reisende zu trmken, wie schon
die stelle bei Eckehard lehrt, ein älteres zeugnis über
Gertruden minne (welche Johannes minne voraussetzt)
kenne ich nicht, als das aus dem Peregrinus; in späteren
jhh. steht ilirer eine menge zu gebot, der brÄhte mir sant
Johans segen. Ls. 3 , 336. diz ist sancte Johans minne,
cod. pal. 364, 158. s. Johans segen trinken« Anshelm
3, 416. *)
•) Tliomashifl de pocolo S. Johaunis vulgo Johannistrunk. Lipi.
)67S. Scücffera Ualtaas p. 163. Oberiiu a. v. JohaouU uinn uu^i
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88 GOTTESIMBNST. MINNE
Die Alamannen, denen sich Coliunban näherte, tranken
vermutlich ff^uotans minne] Jonas erzählt , wie der
heilige das ganze geßifs entzweigeblasen und ihnen die
freude verdorben habe: manifesto datur intelligi, diabolum
in eo vase fuisse occultatum, qui per profanum litatorem
caperet animas sacrificantium. so dürfte man sich bei
Liutprands teufelj dessen minne getrunken wird, einen
heidnischen gott denken. g^J^ thriggja sAlda öl OdhnL
fcrnm. sog. 2, 16; gefa Thor ok Odhni 67, ok eigna
füll Asum. das. 1 , 280. drecka minni Thors ok OdL^s.
das. 3, 191.
tnink. Sclimeller 2, 593. baoDOv. mag. 1880, 171 — 176. Ledebnrs
arctiiy 2, 189. über Gerdnit zamal Huyd. op. St 2, 343-45. Clig-
uetU bidr. 392—411. Hoffm. borae belg. 2, 41 — 48. antiqvari«ke
tDDaler 1, 313.
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TEMPEL,
CAP. IV. TEMPEL
Auch bei Untersuchungen über die heiligen wohni^lätze
der gütter isrird am sichersten von ausdrücken angehoben,
die den christlichen benennungen tempel oder kirche voraus-
giengen^ und durch sie verdr^gt wurden.
Das goth. fem. alhs überträgt die jüdischchristlichen
begriffe raos (Matth. 27, 5. 51. Marc. 14, 58. 15,29. Luc
i, 9. 21. II Cor. 6, 16) und Uqov (Marc. 11, 11. 16. 27. 12,
35. 14, 49. Luc. 2, 27. 46. 4, 9. 18, 10. 19, 45. Joh. f, 14.
28. 8, 20. 59. 10, 23.) es mufs dem Gothen ein altlieiliges
yroTi sein, weil es die anomalie ähnlicher ausdrücke theiit,
und den gen. alhs, den dat. alh statt alhais, alhai bildet,
ein einziges mal steht Joh. 18, 20 gudhua {Ugov*) warum
sollte Uifilas versclunälien, das heidnische wort auf die
christliche Sache anzuwenden, da ja die auch heidnischen
templum und vaog für den christlichen gebrauch unanstöfsig
befunden wurden?
Dasselbe wort erscheint, glaube ich, schon einmal bei
Tacitus Germ. 43: apud Naharvalos antiquae religionis lu-
CU8 ostenditur. praesidet sacerdos muliebri ornatu, sed deot
interpretatione romana Castorem Pollucemque memorant.
ea vis numini, nomen jilcis; nuUa simulacra, nullum pe-
regrinae superstitionis vestigium. ut fratres tarnen , ut juve-
nes yenerantur. alcis ist gen. von alx (vrie falcis, falx)|
das vollkommen dem gotlu alhs gleicht, ein heldcnbrüder«
paar wiude, ohne bildseulen, in heiligem hain verehrt, auf
sie kann der name nicht bezogen werden, die statte der
gottheit hiefs alx. das numen ist hier der heilige wald
oder ein darin ausgezeichneter bäum selbst.
Vier oder fünf Jahrhunderte nach Uifilas mufs den
hochdeutschen stänuuen entweder das woiu alah altvaterisch
heidnisch geklungen haben, oder jede abweichung von dem
christlich lateinischen Sprachgebrauch zu kühn gewesen sein,
die Übersetzer des U. 382. 395, des T. 15, 4. 193, 2. 209, 1
behalten geflissentlich tempil, tempal bei. 0. umschreibt
drulttlnea hus IL 4, 52 oder gotes häa IV. 33, 33, N.
durchgehends in den ps. hüs^ daz lieilega häs»
Gleichwol wissen wir, dafs in der ahd. mundart der
ausdruck alah vorhanden war, er hat sich in der Zusammen-
setzung mit eigen- und Ortsnamen gesichert: alaholf, alahtao,
alahhilt; alahgimd, alahtrüt^ alali^tat in pago liassonuu (a.
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40 TEMPEL.
834) Schannat tracL fuld. n^ 404. alahdorp in Mulahgdw«
(a. 856) das. n9 476. den nameu alaJistat, alahdorf kön-
nen mehrere örter gefülirt haben; au denen sich ein heid«
nischer tempel, eine geheiligte gerichtsstätte oder ein haus
des köuigs befand, denn nicht blofs das fanum, auch die
Volksversammlung und die königliche wohnimg galten für
geweiht, oder in der spräche des mittelalters für fröno,
jiUtidi, eine bei Dietmar von Merseburg oft genannte kö-
nigspfalz in Thüringen hiefs ahd. alahsteti^ nom. alahstat.
Unter den später bekehrten Sachsen erhielt sicli das
wort länger lebendig, der dichter des H^l. gebraucht alah
(masc.) gerade wie Ulfihis (3, 20. 22. 6, 2. 14, 9. 32, 14,
115,9. 15. 129,22. 130, 19. 157, 16.) daneben, gleichfalls mann*
lieh, wth (Uqov) 3, 15. 17. 19. 14,8. 115,4. 119,17. 127,10.
129, 23. 130, 17. 154, 22. 169, 1. seltner godes hds 115,
8. 130, 18. oder that li^laga häs, 3, 19. Der dichter
des Cädm. 202, 22 alhn 1. alh hdligne (den heiligen tempel.)
258, 1 1 ealhatede (palatiimi, aedes regia.) *) im gedruckten
ags. N. T. überall schon tempeL
Die nord. spräche entbehrt den ausdrudi, er würde
lauten müssen alr^ gen. als.
Ein andrer ist noch entschiedner heidnisch und wird
für den gang unserer Untersuchung vorzüglich wichtig, das
ahd. haruc (masc, pl. harugä) übersetzt in den glossen
bald fa&um, Hrab. 963**, bald delubrum, Hrab. 959*, bald
lucus, Hrab. 969*, Jim. 212. Diut. 1, 495^, bald nemus^
Diun 1, 492*. die letzte glosse lautet vollständig nemus
plantavit, forst flanzdta, edo haruc^ edo u>th. es schliefst
also einerseits den begrif von templum, fanimi in sich, und
steht jenem alts. wth gleich, andrerseits den von wald, hain,
lucus. in der lex rip. hat sich merkwürdigerweise hara^
hu8 als benennung der mahlst ätte aufbe^alirt (RA. 794,
903,) sicher aus dem heidenthum her. **) ags. hearg (masc
pl. heargas) fanum. Beda 2, 13. 3, 30. Oros. 3, 9 (p. 109.)
altn. hörgr (masc, pl. liergir) delubrum, zuweüen ido-
lum, sinuilacrum, Srem. 36*42* 91* 114^ 141*; einigemal
werden hörgr und äo/, fanum tectum, verbimden (36*
*) Tgl. die mannsnamen alcvin, allimund, alhbeorht.
••) haruc, hearg, hörgr mit hercynia sÜva uod ufjHvvioq «f^v^oc
sa vergleichen liindert suwol daä ableitende -i'»', aU die bedeatuni^,
ein barugtn^r walt würde kaum gesagt worden sein und wäre pleouas-
mui. mir scheint tiercynius das ahd. erchan (genninns, sanctus) gramtn*
2, 161. 629, mit wekheni sehr viele alte eigennamen zusammengesetzt
sind , die oft auf H anlauten , z. b. Erchenold und Üercbenold, gerade
vi« TacitU4- liermunduri schreibt f&r Ermaadcri.
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TEMPEL 41
141«), dann scheint hörgr der heilige ort in wald und feb,
hoj der gebaute tempel, aula , vgl. hamr ok hörgr (fomm«
•ög. Sj 239.) hof entspräche Jenem alha^ alah. beiden aus«
drücken stände sowol der örtliche begrif zu, als auch der
des numen und des bildes selbst. Unverwandt scheint
das altlat. haruga^ aruga^ opferstier ^ woher haruspeX|
aruspex.
Synonym mit haruc ist endlich das ahd. paro (gen.
parawes) ags. bearo (gen. bearves) welche lucus und ar-
bor ausdrücken, heiliger hain oder bäum. altn. barr
(arbor) Saem. 109* barri (nemus) Saem. 86^ 87*5 qui ad
aras sacrificat, de za demo parawe ploazit. Diut.1, 150;
ara oder der pL arae steht hier für templum.
Tempel ist also zugleich wald. was wir uns als gebau«
tes, gemauertes haus denken, löst sich auf, je früher zurück
gegangen wird, in den begrif einer von menschenhänden
unberührten, durch selbstgewachsne bäume gehegten und
eingefriedigten heiligen statte, da wohnt die gottheit und
birgt ihr bild in rauschenden blättern der zvreige.
Was ein Schriftsteller des zweiten Jahrhunderts vom
cultus der Gelten sagt, kann auf die deutschen und alle
urverwandten Völker angewendet werden: KeXrol aißovat
fdr Jia^ äyaXjtta dh Jiog %eXi;i%ov vxIrrjXf^ Öqvq. Maxi-
mus T]rrius (diss. 8. ed. Reiske 1 , 142.)
Damit behaupte ich nicht, dafs diese waldverehrung
alle Vorstellungen, die sich unsere vorfahren von der gott-
heit und ihrem aufenthalt machten, erschöpfe, es war nur
die herschende, hauptsächlichste. Einzelne götter mögen
auf berggipfeln, in felsenhölen, in Aussen hausen, aber der
feierliche, allgemeine gottesdienst des volks hat seinen sitz
im /uiiri) nirgends hätte er einen würdigem aufschlagen
können.
Zu einer zeit, wo erst rohe anfange der baukunst
statt fanden, mufs das menschliche gemüt durch den
anblick hoher bäiune, unter freiem himmel, zu gröfserer
andacht erhoben worden sein, als es innerhalb der klein«
liehen von unmächtiger band hervorgebrachten räume em-
pfunden hätte. Die lang nachher eingetretene Vollendung
eigentliümlich deutscher architectur hat sie in ihren külm-
sten Schöpfungen nicht eben gesucht, die aufstrebenden
bäume des waldes nachzuahmen? wie weit hätte die
unform ärmlich geschnitzter oder gemeifselter bilder von
der gestalt des gottcs abgestanden, den die kindliche ein-
bildungskraft der vorzcit sich auf dem belaubten wipfel
eines heiligen baumes thronend vorstellte. In dem wehen,
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48 TEMPEL. HAINE
unter dem schatten *) uralter wälder fühlte eich die eeele de«
menschen von der nihe waltender gottheiten erfüllt ; welchen
Riefen einflufs das waldleben von jeher auf alle Verhältnisse
unseres volks hatte^ bewähren die markgenossenschaften.
Die ältesten Zeugnisse für den waldcultus der Deutschen
legt Tacitus ab. Germ. 9 : ceterum nee cohibere parietibus
deos, neque in uUam hiunani oris spcciem adsimulare ex ma-
gnitudine coelestium arbitrantur. lucos ac nemora conse^
crQnty deorumque nominibus adpellant secretum illud , quod
sola reverentia vident.**) Germ. 39 : von den Semnonen : stato
tempore in siluam auguriis patrum et prisca Jormidlne
sacram **'*') omnes ejusdem sanguinis populi legationibus
coeunt. est et alia luco reverentia. nemo nisi vinculo li-
gatus ingreditur^ ut minor et potestatem numinis prae se
ferens. si forte prolapsus est, attolU et insiu^gere liaud 11-
citum: per humum evolvuntur. ****) cap. 40. est in insula
oceani castum nemus^ dicatumque in eo vehiculum veste
contectum. cap. 43 : apud Naharvalos antiquae religionis
lucus ostenditiir • • • nimiini nomen alcis , nulla simula«
cra. <:ap. 7 : effigies et signa (d. i. effigiata signa) quaedam
detractae lucis in proelium ferunt, womit hist. 4, 22 ver-
bunden werden mufs: iude depromptae siluis lucisqixe
ferarum imagines, ut cuique genti inire proelium mos est.
ann. 2, 12: Caesar transgressus Visurgim indicio perfugae
cognoscit delecLum ab Armiiüo locum pugnae, couvenisse
et alias nationes in silvam Herculi sacram* ann. 4, 73:
mox conpertum a transfugis, uongentos Romanorum apud
lucum, quem Baduheunae vocant, pugna in posterum
extracta confectos, wiewol nicht hervorgeht, dafs dieser
hain ein geheiligter war. f) ann., 1, 61: lucis propinquis
*) Waldes hleo^ hlea (nmbra, urobraculum) H4I. 33, 22. 73, 23.
«gg. hleo > altn. hlie , tnhd. lie > liet4^e.
**) aufgenommen hat die ganze stelle, mit einigen Teranderangen,
Ruodolf von Fuld (f 863) in ieine scbrift de translatione Alezaadn
(Pertz 2, 675.), vielleicht mittelbar anderswoher.
***) den hexameter entlehnte er nicht, er schrieb ihn selbst.
**'*) wer in heiliger sache begriffen ist, in gegenwart und auf dem
gebiet des gottes steht, der soll nicht straucheln, und wird, wenn er
au boden sinkt, seines rechts verlustig. So darfein im heiligen kämpf
«a boden fallender sich niclit auf die fufse erheben, sondern muf«
kniend das gefecht beenden, danske vi&er 1, 115. So darf an ge-
wissen orten der umfallende wagen des fremdlings niclit wieder aufge-
richtet werden. RA. 554. AVas von einem abgott Sompar bei Gör-
litz gefabelt wird (neue lausitz. mouatsschrid 1805. p. 1^-18) i«t
deutlich aus unserer stelle des Tac. hergeholt
t) baduhennft vielleicht ortsname^ wie ardueiina.
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TEMPEL. HAINE 4S
bar6arae araey apud qua« trlbuno8 • . . mactayerant, vgl* 2,
25 : propiuquo luco defossam varianae legionis aquilam mo-
dico praesidio servari. hist. 4, 14: Civilis primores gen-
tis • • • aacrum m nemua vocatos. hierzu mag gleich noch
eine stelle des späteren Ciaudians gefügt werden (cons.
StiHch. 1, 288):
ut procul hercyniae per vasta silentia silvae
venari tuto liceat, /oco^que vetusta
religione truces, et robora numinia instar .
harbarici nostrae feriant impune bipeanes.
Hier v?ird keine blolse naturverehrung angekündigt« Göt»
ter^vrohnen in diesen hainen, namentlich genannte bilder
(simulacra, nach menschengestalt) sind nicht aufgestellt^ kein^
tempelwände aufgeführt. *) aber heiliges geräthe , altäre
stehen in dem wald, thierhäupter (ferarum imagines) hän^
gen an baumästen.**) davrird gottesdienst gehalten und opfer
gebracht, da ist volksversammlimg und gericht. überall hei^
lige ehrfurcht und erinnerung des alterthums. sind uns hier
nicht aldh, paro^ liaruc getreu beschrieben? wie hätten
solche technische ausdrücke , bep^ögen sie sich nicht auf ge«
regelten von priestern geleiteten volkscultus, in der spräche
entspringen und fortdauern können?
Durch lange Jahrhunderte und bis ziu^ einfüluimg des
christenthums lüelt der gebrauch an, die gottlieit in heüi-
gen Wäldern imd bäumen zu verehren.
Ich lasse die umständliche nachricht folgen, welche Wi-
libald (t 786) in vita Bonifacü (Canisius II. 1, 242. f ertz 2,
343) von der heiligen eiche beiGeismar (an der Edder, unweit
Fritzlar in Hessen) ertheilt. ***) das ereignis fällt zwischen die
)alire 725 und 731. Is autem (Bonifacius) . • • ad obsessas ante
ea Hessorum metas cum consensu Carli ducis (d. i. Carl IVIar«
tells) redüt. cum vero Hessorum jam multi catholica fide subditi
ac septiformls Spiritus gratia confirmati manus imposiiionem
acceperunt, et alii quidem, nondum animo confortati, inte-
jueratae fidei documenta integie percipere renuerunt, alii
*) Brissonius de re^o Pers. 2, 28: Penae diis suis nnlla templa
Tel altaria constituunt, nulla simulacra. nach Herodot 1, 181.
**) von dem aafhängen der pferdebäupter vorhin s. 28; das ed-
dbcbe GriiDDUindl 10 erzahlt, dafs in Odhins wohnung ein wolf vor
der thür (fyri vestan ilyr) hange und darftber ein adler. waren das
«ifnulacra und insignia? nach Witechind von Corvei errichteten die
opfernden Sachsen einen adler über dem thor: ad orieutalem portam
ponunt aquilam^ aramque victoriae construentes , dieser adler scheint
ihr zeichen.
***) l^ürzere nachricht daron beim aoaalista Saxo p. 133.
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44 TEMPEL. BAINE
tetlam liiiguis et faucibtid clanculo, alii rero aperte aacri-*
ficahant^ idii vero auspicia et divinatioiies, praestigia at-
que incantationes occulte, alii quidem manifeste exercebant,
alii quippG auspicia et aiigiiria intendebant , dlvcrsodque
sacripcandi ritua incoluei-unt , alii etiam, quibus mens
eauior inerat, omni abjecta geiitUitatis proplianatione nihil
Lorum commiserunt, quorum consultu atque consüio arbo*
rem quaudam mirae niagnitudinis ^ quae prisco lyaga--
norutn ^ocahulo appellatur robur Joi^is, in loco, qui dicitur
Gaesmere, servis dei secum astantibus, succidere tentavit.
cumque mentis constantia conforlatus arborem succidisset,
magna qiiippe aderat copia^ paganonun, qui et inimi^um
deorum suorum intra se diligentissime devotabant, sed ad
modicum quidem arbore praecisa confestim immensa robo^
ris moles^ divino desuper flatu exagitata, palmitum con-
fracto culmine, comiit, et quasi supemi nutus solatlo in
quatuor etiam partes disrupta est, et quatuor in gentia
magnitudinis aequali longitudine trunci, absque fratrum
labore astantium, apparuerunt. quo viso prius devotantea
pagani etiam versa vice benedictionem domino pristina ab-
|ccta malediclione credentes reddiderunt. Tunc autem
aummae sanctitatis antistes consilio inito cum fratrlbus ex
supradictae arboris materia *) oratoriiun construxit, eam-
que (die materies? oder den bäum? besser seidene id, auf
Oratorium bezogen, auch hat Pertz iilud) in honorem s,
Petri apostoli dedicavit. Seitdem hatte an diesem ort das
christenthum in Hessen seinen platz; dicht dabei war von
jeher hauptsitz des volks (INIattium, id genti caput. Tac,
ann. 1, 56) und noch im mittelalter seine vornehmste mahl-
Stätte, die ganze gegend ist vraldreich.
Nicht unähnlich sind einige in der vita S. Amandi
(f 674) über den wald und baiuncultus der nördlichen
Franken enthaltene stellen (acta Bened. sec. 2. p. 714. 715.
718): Amandus audivit pagum esse, cui vocabülum 6an-
davum, cujus loci habitatores iniquitas diaboli eo circumqua-
que laqueis vehementer irretivit, ut incolae terrae illius^
relicto deo, arbores et ligna pro deo colerent, atque
fana vel idola adorarent. — ubi Jana destruebantur,
statiin monasteria aut ecdesias construebat. — Amandus
in pago belvacense verbum domini diun praedicarel, per-
Teuit ad quendam lociun^ cui vocabülum est Rossonto
*) andere bss. mole uad mefallo; ein ehernes bild auf der eiche
iat hier nicht nnzuoeboien, weil das im vorausgehenden, oder im gleich*
folgeudco genauer ausgedrückt sein würde.
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TEMPEL. HAINE 4$
juxta Aronnam fluvlujn • • • • respondit illa, quod non ob
aliam causam ei ipsa coecitas eyenisset, nisi quod auguria
vel idola semper coluerat. insuper ostendit ei locum, ia
quo praedictuin idolum adorare consueverat^ scilicet arbo'^
rem^ quae erat daemoni dedicata . . . *nunc igitur ac-
cipe securim et Lanc nefandam arborem quantocius suc-
cidere festina'.
Unter dan Sachsen und Friesen währte die Verehrung
der haine weit länger fort, im beginn des eilften jh. lj££i
bischof Unwan von Bremen bei abgelegnen bewohnern
seines sprengeis solche wälder ausrotten: lucoa in episco-
patu suo, in quibus paludicolae regionis illius errore veteri
cum professione falsa christianitatis immolabant^ succidit.
(vita Meinwerci cap. 22.) von dem heiligen bäum der alt-
8ächsi«chen Irniinsul wird das sechste cap. liandeln. In
verschiednen strichen JSiedersachsens und Westphalens ha-
ben sich bis auf die neuste zeit spinnen heiliger eichen
erhalten, denen das volk einen halb heidnischen, halb
Ghristlicheu dienst bewies: im fürstenthum IMinden pfleg-
ten die jungen leute beiderlei geschlechts am ersten ostcr-
tage, unter lautem freudengeschrei, rcigen um eine alte^
eiche zu halten. *) Unweit dem paderbornischen dorfe
^Wormeln im gehülz steht eine heilige eiche ^ zu welcher
noch jährlich die einwohner von Wormeln und Calenberg
feierlich ziehen.**)
Ich bin geneigt, die fast überall in Deutschland er-
scheinende örtliche benennung heiliger wälder auf das
beidenthum zurückzuführen ; nach christlichen kirchen, die
im walde angelegt waren, würde man schwerlich den wald
beilig genannt haben, und gewöhiüich findet sich in solchen
"Wäldern gar keine kirche. noch weniger läfst sich der
name aus den königlichen bannwäldern des mittelalters
erklären, umgekelu-t scheinen die bannwälder selbst aus
heidnischen hainen hervorgegangen und das recht des königs
an die stelle des cultus getreten, der den heiligen wald
der benutzung und gemeinschaft des volks entzog.
Eine alte aufzeichnung von einem treffen der Franken
und Sachsen bei Notteln im j. 779 (Pertz 2, 377) berichtet,
dafs sich ein schwerverwundeter Sachse heimlich aus sei-
ner bürg in einen heiligen wald habe tragen lassen: hie
vero (Luibertus) magno cum merore se in castrum recepit*
ex quo post aliquot dies mulier egrotum humeris dam in
•) Weddigens westph. mag. 3, 712.
**) Spilckers beitrage 2, 121.
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4< TBMPEb. HAINE
tylpam Sytheri, auae fuit tTiegathon aacra^ nocte por-
tavit. vulnera ibidem lavans exterrita damore effugit. ubi
multa lainentatione aniinam expiravit. der seltsame aus-
druck thegathon erläutert sich aus dem Tciya&ov^ einer
bcnennuug der höchsten gottheit (summus et princeps
omnium deorum)^ die der aufzeichner aus Macrobs somn*
8cip. 1, 2 entlehnte 9 vielleicht absichtlich wählte, um den
bekannten heidnischen gott zu verschweigen? Sytheri, der
name des waldes selbst scheint "was sonst Sunderi (der
südliche), vsde in mehrern gegenden vrälder heifsen. an
der heiligen statte holte der Heide heiiung? oder vrollte
er da sterben?
Des waldes genannt dat hillige Jwlt gedenkt eine
urk. bei Kindlinger münst. beitr. 3, 638 ; eine ganze reihe
elsassischer Urkunden bei Schöpflin des heiligen Forstes un-
weit Hagenau: n^ 218 a. 1065 ciun foresto heiligenfor$t
nominato in comitatu Gerhardi c<Muitis in pago Nortcowe;
no 238 a. 1106. in sylva heiligeforst\ n« 273 a. 1143,
praediiun Loubach in aacro nemore situm: n^' 297 a«
1158 utantur pascuis in aacra ailva\ n« 317 a. 1175 in
ailva aacra; n9 402 a. 1215 in aacra silva; nP 800 a.
1292 conventum in königesbrücken in Jieiligenforat ; n®
829 a« 1304 nemus nostrum et imperii dictum heiligvorst^
n^ 851 a« 1310 pecora in foresta nostra, quae dicitur der
heilige forste pascere et teuere; n® 1076 a. 1356. porcos
tempore glandium nutriendos in aili^a aacra. Schon die
wechselnden werter forst, silva, nemus zeigen des namens
bedeutsamkeit.
Merkwürdig ist die ausdrückliche beziehung auf Thü-
ringen und Sachsen in folgender stelle eines gedichts, das
bald nach beginn des 13 jh. verfafst worden zu sein scheint
(Reinh. F. 302); der wolf erblickt eine geifs auf einem
bäum und ruft aus:
ich sihe ein obez hangen,
ez habe hdr ode börste,
in einem heiligen vorate
ze Düringen noch ze Sahsen
enkunde niht gewahsen
bezzer obez üf rise.
gemeint sind doch wol opferthiere, die im heiligen wald
an den bäumen aufgehängt werden? entweder beruht die
erzählung auf älterer grundlage , oder zu des dichters obren
war noch irgendwoher künde von heidnischen opfern der
Sachsen und Thüringer gelangt?
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TEMPEL, HÄINB 47
Auch in andern gedichten des mittelalters gcscbiebt
hin und wieder, wenn auch nicht der opfer, die heiligen
bäumen gebracht werden, docli einer fortdauernden, un*
vertilgten scheu erwähnung, und des wahns, dal's auf ein-
xelnen bäumen geisterhafte wesen hausen. So ist Ls. 2,
575 das Unglück, gleich einem Dämon, auf einem bäum
gesessen^ und Aw. 3, 161 heilst es von einem holen bäum:
dd sint heiligen inne,
die hoerent aller Hute bet, *)
Noch unverkennbarer waltet, durch längeres heiden-
thom geschützt, jener waldcultus im Norden, das grofse
von Dietmar (s. 29.) bescliriebene opfer zu L^dera wurde
auf der insel gehalten, die von ihren selbst heute prächti-
gen buchenwäldern den namen Saslundr führte und der
schönste hain in ganz Scandinavien war. Ebenso feierten
die Schweden ihr opferfest in einem hain bei Upsala,
Adam von Bremen sagt von den geopferten thieren: Cor-
pora suspenduntur in lucum, qui proximus est templo;
is enim lucus tarn sacer est gentibus , ut singulae arbores
ejus ex morte vel tabo immolatorum dwinae credantun
Von lllüdver Heidhrekssohn heifst es in der HerVararsaga
cap. 16 (fornald. sog. 1, 491), dafs er in heil^em walde
(4 mörk liinni helgu) geboren sei. In Glasisfimdr , dem
hain, sitzt auf deh baumästen ein vogel imd fordert opfer^
einen tempel und goldgehörnte kühe. Sfcm. 140. 141. an
die heiligen bäume des edda, Yggdrasil und Mtmameidhr
8«m. 109* braucht kaum erinnert zu werden.
Endlich wirft die einstimmung des slavischen, preussi-
tchen, finnischen und cel tischen heidenthums licht auf unser
einheimisches, und gereicht zu seiner bestätigung« Dietmar
von Merseb. p. 151 versichert von dem heidnischen tempel
cu Riedegost: quam undique ayli^a^ ab incolls intacta et
venerabilis^ circumdat magna; p. 160 erzählt er, dafs
Wigbert, sein vorfahre, etwa ums jähr 1000 einen hain
der Slaven ausrottete: lucum, Zutibure dictum, ab accolis
ut deum in omnibus honoratum, et ab aevo antiquo
*) es verdieoC anfmerksamkeit, dafs aabh in christliche legenden
^e hetdulsche idee von götterbiidern auf bäomen eiogegaDgen ist; §9
tief^ wurzelte unter dem volk der banmcultus. ich verweise auf die
enahluog von dem tiroler gnadenbild , das In einem banm des waldes
iaiwucbs (deutsche sagen no 348.) Nicht unverwandt scheint die vor-
itelloag von wunderbaren Jungfrauen, die in holen baomen oder anf
bäumen im walde sitzen (Marienkind, hansmärchen no 3. romance do
la iafantina p. 259.
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48 TEMPEL. HAINE
nunquam piölatum radidtus eruens sancto martyri Ro-
mano in eo ecclesiam construxit. eines blötlundr (opfer-
hains) bei Stra^la^ namens Böku^ gedenkt eine altn. sage
(fornm* sog. 11, 382); Helmold 1, 1 von den Slavto :
usque liodie profecto inier illos, cum cetera omnia commu-
nia sint cum nostris, solus prohibetur accessus lucorum
ac fontium, quos autumant poUui Christianorum accessu«
ein lied der königinhofer lis. p, 72 erwähnt den hain
(bülim. hai, liag, poln. gay, sloven. gaj, vgl. gaius, gaha«
jus. lex Roth. 324. kaheius. lex bajuv. 21, 6), aus dem
die Chi'istcn den heiligen sperber verscheuchten.*) Den
Ehsten lieifst salloy den Finnen sah, ein heiliger w^ald,
ziunal eine dichtbelaubte insel; von Tharapita, ilirem got^
meldet Heinrich der Lette (ad. a. 1219): in confinio Wiro-
niae erat mons et silua pulcherrima , in quo dicebant in-
digenae magnum deum Osiliensium natum qui Tharapita**)
vocatur, et de loco illo in Osiliam volasse (in gestalt eines
Vogels?) Bei den Altprcussen war Romowe der heiligste
ort des landes und ein sitz der götter, auf einer heiligen
eiche, mit tüchern verhängt, standen da ihre bilder. kei-
nes ungeweihten fufs durfte den wald betreten, kein bäum
darin gefällt, kein zweig versehrt, kein tliier erlegt werden.
solcher heiligen haine gab es in Freussen und Litthauen
viele an andern orten.***)
Die von Constantius bereits um 473 geschriebne vita
8. Germani autissiodorensis « (gb. 378 + 448) enthält merk*
würdige naclirichten von einem heidnisch verehrten 6/r/i-
haum^ der mitten in Auxerre stand. ****) da die Burgun-
den erst zu anfang des fünften }h. in GaUien eindrangen, so
Wäre dabei einmischung deutscher Überlieferung unwahr-
scheinlich, aber auch, wenn die sage als celtisch zu be-
trachten ist, verdient sie hier eine stelle, weil sie die Ver-
breitung der sitte, häupter der opfertliicre an bäumen auf-
zuhängen , darthut. *****) Eo tempore (noch vor 400) terri-
torium autisiodorensis urbis visitatione propria gubernabat
Germanus, cui mos erat tirunculorum potius industrüs in-
dulgere^ quam christianae religioni operam dai*e. is ergo
*) BrzetislaT verbrannte der Böhmen heidnische haim und häutM
(a. 1093.) Peteel 1 , 76.
••) vgl. Turupid fornm. soj^. 11, 985.
•*•) Job. Voigt« gcsch. Preusscns 1 , 595 - 69T.
****) actasanctor. bolland. 31 Jul. p. 202. v^l. legenda anrea cap. 109.
*****) hnic (Marti) praedae primordia vovebantar, huic trumdt suMptn^
dßbaniur exut'iite, Joroandes p. 86.
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TEMPEL. HAIME. 49
assldue venatiii Invigilans feranim coplam insidüs atque
artis strenuitate frequentissime capiebat. Erat autem aroor
pirus in urbe media , dmoenitate gratissima : ad cujus
ramusculos ferarum ab eo deprehensaruin capita pro
admiratione venationis nimiae dependebant. Quem cele-
bris ejusdem civitatis Amator episcopus bis frequens com-
pellebat eloqiüis : 'des ine , quaeso , vir iiouoratonim splen-
didissime, liaec joculaiia, qiiae Cbristiaiiis offeusa, Paganis
vero iinitanda sunt, excrcere. boc opus idoloUttriae cul-
turae est, non cbristianae elegantissimae disciplinae.' Et
licet boc indesinenter vir deo dignus peragerct, ille ta-
rnen nullo modo admonenti se adqniescere voluit aut obe-
dire. vir autem domini iterum atque iterum eiun hortabatur,
ut non solum a consuetudine male arrepta discederet, ve-
rum etiam et ipsam arborerriy ne Cbristiaiiis offendiculum
esset, radicitus extirparet. sed ille mdlatenus aurem placi-
dam applicare voluit admonenti. In bujus ergo persuasi-
onis tempore quodam die Germanus ex lu'be in praedia sui
juris discessiL tunc beatus amator opportiuiitatem opperi-
ens sacrilegam arborem ciun caudicibus abscidit, et ne
aliqua ejus incredulis esset memoria igni concremandam
illico deputavit. o Scilla *) vero , quae tanquam tropbaea
cujusdam certaminis umbram dependenlia ostentabant, lon-
gius a civitatis terminis projici praecepit. Protinus vero
fama gressus suos ad aures Germani retorquens, dictis ani-*
mum incendit, atque iram suis suasionibus exaggerans fe-
rocem effecit , ita ut oblitus sanctae religionis , cujus jam
fueratritu atque munere insignitus, mortem beatissimo viro
minitaret. Ein um 876 verfal'stes gedieht des Herricus
»cbiklert den abgöttischen birnbaum noch ausführlicher:
altoque et lato stabat gratissima quondam
urbe pirus media, populo spectabüis omni;
non quia pendentum flavebat honore pirorum,
nee quia pei'petuae vernabat munere frondis:
sed deprensarum passim capita alta ferarum
arboris obscoenae patulis haerentia ramis
praebebant vano plausum et spectaculo vulgo.
horrebant iliic trepidi ramalia cerpi
et dirum £rendenfis apri, fera spicula, dentes,
•) Virg. Georg. 2, 888 tibiqae (Bacche) oscilla ex alta saspen-
ÖDBt mollia piou. doch liier sind keine aufgehängte larven gemeint,
•oidern wirkliche thierhiupter. sind die ferarum imngines bei Tacitus
aothvendig Mlder? bedeuten oscilla capita os cillenh'a? mnn sperrte,
•HieiDt es den aufgehängten köpfen mit einem »tab das maul, Tgl.
Itengr. 6(5. Reinardua 3, 293.
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50 TEMPEL. HAINE
acribus exitium medltantes forte molossis.
tuno quoque sie variis arbos induta ü^opaeis
fundebat rudibus lascivi semina risus.
nicht das gelächter der menge war es^ was den christli-
chen priestern anstofs gab> sie erkannten in dem gebrauch
eine wenn schon ausartende und verdunkelte übvmg heid-
nischer Opfer.
Bisher sind die Zeugnisse berücksichtigt worden , aus
welchen hervorgeht, dafs der älteste gottesdienst unserer
vorfahren an heilige wälder und bäume geknüpft war.
Es ist gleichwol nicht zu bezweifeln, dafs schon in
frühster zeit für einzehie gottheiten tempcl erbaut, viel-
leicht rohe bUdnisse darin aufgestellt wurden« Im verlauf
der Jahrhunderte kann auch bei einigen Völkerschaften
mehr, bei andern weniger, jene alte waldverehrung ausge-
artet und durch errichtete tempel verdrängt worden sein«
Endlich erscheinen manche anführungen und Zeugnisse so
unbestimmt oder unvollständig, dafs es unthunlich ist mit
einiger Sicherheit aus ihnen zu entnehmen, ob die ge-
brauchten ausdrücke den alten cultus, oder einen davon
abweichenden bezeichnen.
Für die wichtigsten und bedeutendsten dieser nodi hier-
her gehörigen stellen halte ich nachstehende.
Tac. Germ. 40 beschreibt den heiligen hain und den
dienst der mutter erde; nachdem der priester die göttin
an Festtagen unter dem volk herumgeführt hat, gibt er sie
ihrem heüthum zurück: satlatam conversatione mortalium
deam templo reddit.
Tac. ann. 1, 51: Caesar avjdas legiones, quo latior po-
pulatio foret, quatuor in cuneos dispertit, quinquaginta
millium spatium ferro flammisque pervastat ; non sexus, non
aetas miserationem attulit: profana simul et sacra^ et cele-
herrimum illis gentibus templumy quod Tanfanae *) voca-
bant , solo aequantur. das volk , dem dieser tempel gehörte,
waren die Marsen, vielleicht nodi einige ihm benachbarte.
*) eine Im Neapolitanischen gefundene inschrifl hat merkwürdig
Tamfanae sacnim (Gudii inscript antiq. p. LV, 11); deutsch sein muGi
das wort, ein ags. lliilfian (favere) getii&fa (fautor) setzt ein abd. dam-
fian, damfo voraus, die nirg^ends vorkommen, aber der analogie roa
fif, fimf, alts. s&fU, ahd. samfti, alts. b&f, ahd. hanf (mancus) folgen,
ags. tliifene, ahd. danfonä, damfani, goth. thamfano wäre also viet-
leiclit favor; nur hat ein templum Favoris mehr römisches ansehen,
als deutsches, wiewol imsere spräche ein anderes wort für favor, hliu-
mont, hliumuntinc auch personificiert. N. Cap. 51. Lauter gewagte
mutmafsungen in einer wüste des nichtwissens.
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TBMPBL 51
vita 8. Eugendly «bbads jurenaU (f um 510), auctore
monacho condatescenai ipsius discipulo (in actis sanct. Bol-
land. 1. Jan. p. 50 und in Mabülon acta Ben. sec. 1. p.
570): sanctusigiturfamulus Christi Eugendus, sicut beatorum
patrum Romani et Lupicini in religione discipulus , ita etlam
natalibus ac provincia exstitit indÜgena atque concivis. oiv
tns nempe est haud longe a vico, cui vetubta paganitaB
ob celebritatem clausuramque fortissimam auperatitiosis^
simi templi gallica llngua iaarnodori ^ id est ferrei ostii
indidit nomen: quo nunc quoque in loco, aeiubris ex
parte jam dirutis, sacratissime micant coelestis regni culnuna
dkata Guisticolis; atque inibi pater sanctissimae prolis
judicio pontificali plebisque testimonio exstitit in presbyterii
dignitate sacerdos. Wenn Eugendus ungefähr in der mitte
des fünften jh^ geboren , sein vater schon priester der christ-
lichen kirche war, die an der stelle des heidentempels er-
richtet wurde, so mag dort das heidenthum höchstens nur
noch in der ersten hälfte dieses jh. fortgedauert haben, in
dessen beginn die Westgothen über Italien nach Gallien
TOfdrangen. gallica lingua ist hier sichtbar deutsche, die
von den einwandernden Völkern im gegensatz zur romana
geredete, jene benennung ist fast gotliisch (eisarnadauri\
aie könnte noch näher burgimdisch sein ( isarnpdori )•
Westgothen, Burgunder, vielleicht gar so weit eingeschrit-
tene Alamannen, hätten in clausen und engpassen des Ju-
ragebirges *) den tempel angelegt? der name scliickt sich
zur festigkeit der läge und des baus, den die Christen
zum tlieil beibehielten.
vita S. Radegundis (f 587), der gemahlin Chlotars, von
Baudonivia, einer gleichzeitigen nonne abgefafst (acta Bened.
»ec 1. p. 327) : dum iter ageret (Radegundis) seculari pompa
se comitante, interjecta longinqultate terrae ac spatio, /a«
num quod a trancia colebatur in itinere beatae reginae
cpiantum miliario uno proximum erat, hoc illa audiens
jussit famulis fcmum igne comburi, iniquum judicans deum
cocli contemni et diabolica machiuameuta venerari. Hoc
audientes Franci universa muUitudo cum gladiis et fustibus
vel omni fremitu conabantur defendere. sancta vero regina
immobüis persevcrans et Cliristiun in pectore geslans, equum,
quem sedebat, in antea non movit, antequam et fanum
pcnireretur et ipsa orante inter se populi pacem firmarent.
Die läge des zerstörten tempels wage ich nicht zu bestim-
•) gcheidegebirge mehrern Völkern heilig und opferstäUe. Ritters
erdkuttOe 1. anfl. 2, 79. bd. % p. 903.
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59 TEMPEL
men; Radegund zog ans Thüringen nach Frankreich, in
dieser richtuug könnte das fanum unweit des Rheins ge«
sucht werden.
Greg. tur. vitae patr. 6: eunte rege (Theoderico) in
Agrippinam urbem, et ipse (8. Gallus) simul abiit. erat au-
tem ibi fanum quoddam diversis ornamentis refertum, in
quo barbaris opima libamina exhibens usque ad vomitum
cibo potuque replebatur. ibi et simulacra ut deum ado^
rans^ membra, secundum quod ünumquemque dolor atti-
gisset, sculpebat in ligno. quod ubi S. GaUus audivit,
statim illuc cum uno tantuxn clerico properat, accensoque
igne, cum nuUus ex stultis paganis adesset, ad fanum ap-
plicat et succendit. at illi videntes fumum delubri ad coe«
lum usque conscendere , auctorem incendii quaerunt , inven-
tumque evaginatis gladiis prosequuntur ; ille vero in fiigam
versus auhie se regiae condidit. verum postquam rex quae
acta fiierant paganis minantibus recognovit, Üandis eos ser-
monibus lenivit Dieser Gallus ist veröcljieden von dem
in Alamannien ein halbes jh. später auftretenden; er starb
nm 553, unter dem künig wird der austrasische Theode«
rieh I gemeint.
vita 8. Lupi senonensis (Duchesne 1, 562. Bouquet 3,
491): rex Chlotarius virum dei Lupum episcopum retrusit
in pago qiiodam Neiistriae nuncupante Vinemaco (le Vi-
meii), traditum diici pagano^ nomine Bosoni Landegisilo
(sicher einem Franken.) quem ille direxit in villa quae
dicitur Andesagina super Buvium Auciam , ubi erant tempia
fanatica a idecunonibus culta. (a. 614.) Andesagina ist
Ansenne, Aucia hiefs später la Bresle, Briselle.
Beda hist. eccl. 2, 13 erzählt, wäe der northumbrbche
künig Edvine, der im j. 627 getauft und 633 erschlagen
ward, sich erst nach reiflicher berathung mit verständigen
männern zu der annalime des clu^istenthums entscldofs, vor-
züglich aber durch Coifi (Crefi), seinen vornehmsten heidni-
schen priester selbst, in dem alten glauben wankend ge-
macht wurde: cumque a praefato pontilice sacrorum su-
orum quaereret, quis aras et fana idolorvmt ctun septis,
quihus erant circumdata, primus profanare debei-et,
respondit: ego. quis enim ea, quae per stultitiam colui,
nunc ad exemplum omuium aptius quam ipse per sapien-
tiam mihi a deo vero donatam destniam? accin-
ctus ergo gladio accepit lanccam in manu et ascendcns emis-
sarium regis (was alles für emen heidnischen priester un-
erlaubt und unanständig war), pergebat ad idola, quod
aspiciens vulgus aestimabat eum insanire. nee distulit iße.
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fTßMPEL 53
mos ut approptuquabat ad fanuNif profanare illud iu-
jecta in eo laucea quam teuebat, multumqiie gavisus de
agmtione veri dei cullus , jussit socüs destruere ac succender«
janum cum omnibua septis suis, ostenditur autem locus
ille quondam idolorum uon longe ab Eboraco ad orientem
ultra amnem Dorowentionem et vocatur hodie Godrnun-
dinga liäm, ubi pontifex ipse, inspirante deo vero^ pol«
luit ac destruxit eas , quas ipse sacraverat , aras* *)
vita S. Bertulfi bobbiensis (f 640) in act. Bened. eec.
2. p. 164: ad quandam vüiam Iriae fluvio adjacentem ac*
cessity ubi fanum quoddam arboribus consitum videns
allatum ignem ei admovit, congestis in modum pirae lignis.
id vero cernentes farii ciütores Meroveum apprehensum
diuque fustibus caesum et iclibus coiUusum in tiuvium il-
lud demergere conantiu». der flul's Ina lauft in den Po, die
begebenheit spielt unter Langobarden.
Walafridi Strabonis vita S. Galli (f 640) in actis Be-
ned. sec. 2 p. 219.220: venerum (S. Coluinbanus et Gal-
lus) infra partes Alemanniae ad fluvium, qui Lindimacus
vocatur, juxta quem ad superiora tendentes pervenerunt
Turicinum. cumque per littus ambulante^ venissent ad Ca-
put lacus ipsius, in locum qui Tucconia dicilur, placuit
Ulis loci qualitas ad iahabitandum. porro lioniines ibidem
commanentes crudeles erant et impii, simulacva colentea^
idola aacrificiia venerantes ^ observantes auguria et di-
vinaliones et multa quae contraria sunt cultui divino
superstitiosa sectantes. Sancti igitur homines cum coepis-
sent inier illos liabilare docebant eos adorare patreiai el
fillum et spiritum sanctum, et custodire fidei veritatem.
Beatus quoque Gallus sancti viri discipulus zelo pictatis
armatus fana^ in quibus daemoniis sacrificabant ^ igni
succendit et quaecunquc invenit oblata demersit in lacirni.
Die -v^eiler folgende wichtige stelle w^ird späterhin ange-
führt werden, es l«?if8t ausdrücklich: cumque ejusdem
templi solemnitas ageretur.
Jonae bobbiensis vita S. Colunibani (f 615) cap. 17.
in act. Bened. 2, 12. 13: cumque jam multorum monacho*
mm socictate densaretur, coepit cogitare, ut |>otiorem lo-
cum in eadem eremo (i. e. Vosago sallu) quaereret, quo
monasterium construeret. invenitque castrum firmhsimo
*) die ag8. Übersetzung drückt arae durch vighed^ fana durch
hear^as^ idola durch deofolgild au», Kepta einmal durch /isgas (hedges.
liecken), dann durch getytnbro. der nach dem hearg jjeworfue »pvttr
gab da;» zeichen eu seiner xerfttöruu|f.
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54 TEMPEL
munimine olim fuisse culturriy a supra diclo loco diatans
plus minus octo millibiis, quem prisca tempora Luxoyium
uuncupabant, ibique aquae calidae cultu eximio constru-
ctae liabebantur. ibi imaginum lapidearum densitas vicina
saltus densabat, *) quas cultu miserabili rituque profano
petusta paganorum tempora honorabant. an diesem bur-
gundiscben orte (Luxeuil in Franche comt^, unweit Vesoul)
fanden sich -wol scbon römische thermae, mit bildseulen ge-
schmückt? hatten dardn die Burgunden ihren cultus ge-
knüpft? von demselben castrum handelt auch die
vita 8. Agili resbacensis (-j- 650) in act. Ben. sec. 2. p.
317: castrum namque intra yasta eremi septa, quae Vosa-
gus dicitur, fiierat fanaticorum cultui olim dedicatum^ sed
tunc ad solum usque dirutum, quod luijus saltus incolae,
quamquam ignoto praesagio, Luxovium nominavere ; es vrird
an der heidnischen statte eine kirche gebaut: ut, ubi olim
propJuino ritu veteres coluerunt jana^ ibi Cliristi fige-
rentur arae et erigerentur vexilla, habitaculum deo militan-
tium, quo adversus aerias potestatcs dimicarent supemi
regis tirones. p. 319: ingressique (Agilus cum Eustasio)
hujus itineris viam, juvante Christo , Warascos praedicatoii
accelerant, qui agrestium fanis decepti, quos vulgi /aa—
no8 vocant, geutilium quoque errore seducti in perfidiam
devenerant Fotini seu Bonosi virus infecti, quos errore de-
pulso matri ecclesiae reconciliatos veros Christi fecere servos.
vita S. Willibrordi (f 739) in act. Ben. sec. 3. p. 609:
pervenit in confinio Fresonum et Danorum ad quandam
insulam, quae a quodam deo suo Fosite ab accolis terrae
Fositesland appellatur, quia in ea ejusdem dei fana fuere
constructa. qui locus a paganis tanta veneratione habeba-
tur^ ut nil in ea vel auimalium ibi pascentium vel aliamm
quarumlibet rerum gentüium quisquam längere audebat,
nee etiam a fönte, qui ibi ebuUiebat^ aquam haurire nisi
tacens praesumcbat.
vita 8. Willchadi (f 789) bei Pertz 2, 381 : unde con-
ligit, ut quidam discipulorum ejus, divino compuncti ar-
dore, fana in niorem gentilium circumquaque erecta
coepissent evertcre et ad nihilum, prout poterant, redigere;
quo facto barbari, qui adhiic forte increduli perstiterant, fui*ore
nimio succensi, in*uerunt super eos repente cum impetu, vo-
lentes eos fundilus interimere, ibique dei famulum fustibus
0 <)ie menge (deiiBitas) der bilder maclite den benachbarten wald
dichter? sollte nicht vielmehr hinter den beiden ersten geuithea ein
acc. fehlen: copiani oder speciem?
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TBMPBL &5
caesum inultia admodum plagis affecer«. Dies geschah im
friesischen pagus Thrlanta (Drente) vor dem ). 779.
vita Ludgeri (anfaDg des 9 jh.) 1, 8 : ibi (in Frisia) pa-
ganos asperrimos • • • mitigaylt, ut sua illum deliihra de-
straere coram oculis paterenliir. inventiim in Janis auruin
et argentum pluriinum Albricus in aerarium regia intulity
»^cipiens et ipse praecipiente Carolo pordonem ex eo. vgl.
die 8. 27 angezogne stelle aus der lex Frisionum.
Aller Wahrscheinlichkeit nach war das im ). 14 von
den Römern zerstörte heiligthum der Tanfana kein blofser
hain, sondern ein aufgeführtes gebäude, bei dessen vernich-F
tung sich Tacitus sonst schwerlich der worte ^solo aequare'
bedient haben würde, aus den drei oder vier zunächst
folgenden jhh. fehlen uns alle nachrichten von heidnischen
tempeln in Deutschland, im 5. 6. 7 und 8 jh. kommen,
wie ich dargethan habe, castra^ templa^ Jana imter
Biu*gunden, Franken, Langobarden, Alamaönen, Angel-
sachsen und Friesen vor. ich will einräumen, bei einigen
Zeugnissen mag bestritten werden, dafs deutschheidnische
tempel gemeint sind, es könnten stehngebliebene römische
sein, und dann wäre ein doppelter fall möglich: das her-
schende deutsche volk hätte in seiner mitte einzelne ge-
meinden römischgaUischen cullus fortsetzen lassen, oder der
römischen gebäude sich für die ausübimg seiner eignen reli-
giön bemächtigt. *) Da bisher keine gründliche Untersuchung
gepflogen worden ist über den zustand des glaubens unter
den Galliern unmittelbar vor und nach dem einbruch der
Deutschen (ohne zweifei gab es neben den bekehrten da-
mals auch noch heidnische Gallier); so ist es schwer sich
für eine dieser Voraussetzungen zu entscheiden, beide kön-
nen zusammen statt gefunden haben, in dem zweiten fall
hätten wir immer noch tempel des deutschen heidenthums
*) wie das rolk römische festnngswerke für teufelsmauern hielt, war
es natürliGh , mit römischen castellen den begrif der abgütterei zu ver-
knöpfen. RupertQS tuitiensis (f 1135) In seiner schrift von derfeuers-
bninst, wodurch im j. 1128 ein solches, für den christlichen goUesdienst
eingerichtetes castellura zu Deuz verzehrt wurde, meldet, dafs es nacli
etoigen von Jul. .Caesar, nach andern von Constantius und Constantiuus
erbaut war. Zu kaiser Ottos zeiten sei Maria nachts dem erzbischof
Heribert erschienen: *surge. et tuitiense castrum petens locum in eo-
dem mundari praecipe, ibique monasterium deo mihique et omnibus
lanctis constitue, ut, ubi quondam liabitavit peccatum et cuUus dae-
fnonum, ibi justilia regnet et memoria sanctorum\ Mit ähnlichen
Worten in der vita Heriberti cftp. 15. Vgl. das fanum zu Cölii oben
». 52.
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S6 TBitPBh
vor uns, wenn auch erst römische gebäude In sie verwan*
delt worden wären. Und siclier darf man nicht alle Zeug-
nisse auf jene weise verstehen, so gut der Tanfanatempel
von Germanen selbst errichtet wurde , läfst es sich von den
alamannischen 9 sächsischen, friesischen tempeln annehmen,
und was im ersten jh. geschah, wird im 2. 3. 4 noch
wahrscheinlicher geschehen sein. Vielleicht galt eigentlich für
gebaute tempel der ausdruck alali. sie mögen daneben,
wie in der nordischen spräche , hof (aula) ; *) halla (tem-
plum) hymn. 24, 4; raiud (domus) H^L 114, 17. 130, 20.
144, 4. 155,20; gotaJius; pStapür (delubi-um) Diut. 1,
195* oder petahus geheifsen haben. Noch die späteren
dichter brauchen betehüs gern von heidentempeln. BarL
338, 40. bedehus Maerl. 1, 326 im gegensatz zu der clirist-
lichen hirche. einige scliriftsteller sind minder bedenklich,
und N. Cap. 17 überträgt chilechon das lat. fanis, -wie
etwa bischof von heidn. priestern gesagt wird. Sehr frühe
behielt man auch tempel bei, Diut. 1, 195* tempel Is. 395.
Wir sehen alle bekehrer eifrig das beil an die heiligen
bäume der Heiden setzen und feuer unter ilire tempel legen,
fast sollte es scheinen, die armen leute seien gar nicht um
ihre einwilligung gefragt worden, und erst der aufsteigende
rauch habe ihnen die gebrochene macht ihrer götter ange-
kündigt. Aus den weniger ruhmredigen erzählimgen ergibt
»ich aber bei näherer betrachtung der umstände , dafs weder
die Heiden so einfältig, noch die Christen so unbesonnen
waren. Bonifacius entschlofs sich die donnereiche nieder
zu fällen erst nach gepflognem rath mit den bereits über-
getretenen Hessen und in ihrer gegenwart. So hätte auch
die thüringische königstochter auf ihrem rciscpferd nicht
stillhalten und den befehl ertheilen dürfen, in den fränki-
schen tempel feuer zu werfen, wäre ilir gefolge nicht zahl-
reich genug gewesen , den Heiden die spitze zu bieten, dafs
diese sich mit den waffen widersetzten, geht aus Rade-
gundens bitte, nachdem der hof nieder gebrannt war, her-
vor, ut inter se populi pacem firmarent.
In den meisten fällen ist ausdrücklich bemerkt, dafs
an der stelle des heidnischen baums oder tempels eine kir-
che errichtet wurde, auf solche weise schonte man der
*) da» asyl , welches tempel in ihrem amkreii gewähren , hicfst
ahd. frlthof^ alts. fndltoh, H^l. 151, 2, 9. mhd. vrone prtihof. Nib.
1795, 2, nicht friedliof, vgl. goth. freidjan, alU. frtdOn (parcere.) dafs
die bestimmungen der aitdeutsclien freistatten noch groTsentheiLi beid-
niuch sind, ist RA. 886 — 92 untersucht.
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f
TEMPEL 57
aagewdlinungen des volks, und machte Oim glaublich, dafs
die alte heiligkeit der statte nicht gewichen sei, sondern
fortan von der gegenwart des ^yahren gottes abhänge.
Zugleich entdeckt sich hier die Ursache des gänzlichen
mangels an Überbleibseln heidnischer monumente nicht al*
lein im innern Deutschland, sondern auch im Norden, vro
doch sicher solche tempel, und häufiger, vorhanden waren J
entweder wru^den sie dem boden gleich gemacht, um darauf
die christliche kirche zu erbauen, oder ihre mauern und
hallen selbst mit in diese verwendet, von der baukimst der
heidnischen Deutschen einen hohen begrif zu fassen wird
man sich zwar enthalten, doch mögen sie es verstanden ha- -
ben, bedeutende steinmassen zu ordnen und fest zu verbinden.
Hierfür zeugen denn auch die in Scandinavien, zum theil
noch in Friesland und Sachsen erhaltenen grabhügel, mahl-
stätten und Opferplätze, aus denen sich einige wichtige
folgerungen für den altheidnischen gottesdienst ziehen las-
sen, die ich aber von meiner gegenwärtigen Untersuchung
ausschliefse.
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58 PRIBSTBR
CAP, V. PRIESTER.
Die allgemeinste benennung dessen ^ der zum unmittel-
baren dienst der gottheit berufen ist, führt sich auf ihren
namen* selbst zurück, vom gothischen guth (deus) wird das
adj. gaguds(piu8, cvüeßyg), gagudei (pietas, evadßeio) ge-
bildet, der gott dienende, fromme mann heifst gudja
(j€QWß) Matth. 8, 4. '27, 1. 63. Marc. 10, 33. 11, 27. 14,
61. Luc. 1, 5. 20, 1. Joh. 18, 19.22. 19, 6. ufargudja
(aQXisQBVs) Marc. 10, 33. gudjin6n {hQai;BVHv) Luc. 1,
8. gudjinassus (ieQarela) Luc. 1, 9.
Dafs diese ausdrücke heidnisch waren folgt aus dem
einstimmigen altn. godi (pontifex) hofa godi (fani an-
tistes) Egilss. 754. Freys godi Nialss. c. 96. 117 (fomm.
sog. 2, 206.) godord (sacerdolium.) einen anderen grund
dafür gibt das verschwinden des worts in den übrigen
dialeclen, etwa wie alali verschwand, das den Gotheu
noch unbedenklich schien, niu* eine leise spur erscheint
in dem ahd. cotinc Diut. 1, 187, womit tribunus glossiert
vm-d (goth. gudiggs?) Wie aber Ulfilas gudja und «i-
nista (nQeaßvteQOS , der ältere, angesehene, der priester)
verbindet, sagt ein merkwürdiges zeugnis bei Ammianus
Marceil. 28, 5 aus , dafs der burgimdische oberpriester «i-
nisto hiefs : nam sacerdos omnium maximus apud Bur-
gimdios vocatur sinistiis , et est perpetuus , *) obnoxius
discriminibus nullis ut reges. Vom Zusammenhang der
priester mit dem adel handle ich RA. 267. 268.
Noch heidnischer sind die ahd. priesternamen Iiaru^
gari Diut. 1, 514^ und parawari Diut. 1, 150*: beide
aus jenen benennungen der tempel haruc und paro herge-
leitet imd die vorhin behauptete identität dieser begriffe
bestätigend, schwerlich wurden sie vom glossator zur. Ver-
deutschung des lat. aruspex erfunden, sie waren längst in
unserer alten spräche vorhanden, pluostrari (oben s. 23)
hiefs der priester , in sofern er opferte.
Dafs aber cotinc die bedeutung tribimus haben konnte
zeigt den genauen zusanunenhang zwischen priester und rich-
teramt, der vorzüglich in einem andern der hochd. mund-
arl eigenthümlichen ausdruck hervorbricht* ^^a, ^a be-
*) vgl. den mit un- in der ziMammensetzung verbundnen begrif
der pfrpeiuität (gramm. 2, 554. 555.)
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PRIESTER 59
setchnete nicht blofs das vreltKclie , sondern auch das gott-
liche gesetz^ die früher genau yerbunden und gleich heilig
"^aren^ £wart ^ ^owart also den pfleger, hüter des gese-
tzeSy den vofimoQ , goth. vlt^dafasteis , den gesetzes und
rechtskundigen. K. 55* 56*- »>• gl. Hrab. 974» N. ps. 50,
9. da« schwaciiformige ^warto hat 0. I. 4, 2. 18. 72. gotea
St4>arto I. 4, 23. s6 noch im 12 jh. S(4>arte Mar. 21 und
oime allen bezug auf das jüdische amt , ganz synonyih mit
priester: der heilige ^warte Rcinh. 1705. Daneben galt da»
nahliegende eosago^ ^sago für judex, legislator. RA. 781.
Der dichter des Holland bedient sich des ausdrucke
44?Oie8 ward (templi custos) 150, 24, und versucht, lun dem
beidnischen wie dem fremden worte auszuweichen, Um-
schreibungen: the gi4r6do man 3,19. the jrbdo man
3, 2K 7, 7. frödgumo 5, 23. 6, 2. godcund giimo 6, 12,
was an jenes gudja anschlägt, vielleicht aber auch den ei-
genthümlichen sinn berührt, den bei Wolfram ^der guote
man"* hat. die romanischen ausdrücke prudena liom.Oy
honua homo (prudhomme, bonhomme) sind nicht ohne be-
zug auf die alte rechtspflege.
Mit dem christentlium drangen fremde benennimgen
ein. die Angelsachsen nahmen, in verkürzter form, das
lat. sacerdos auf: sacerdj pl. sacerdas; Alfred übersetzt
Bedas pontifex und summus pontificum (beides von einem
heidnischen) 2, 13 biscop und ealdorbiscop» T. und O.
haben gleichbedeutig das aus episcopus entspringende bisgof,
biscof 0. 1. 4, 4. 27. 47 ; auch H^l. 150, 24 biscop. Spä-
ter werden priester (nach presbyter, also jenem begrif des
yomehmen und ältesten) und pfifft (papa) die allgemein-
sten namen.
"Wenn Jul. Caesar von den Germanen sagt (de hello
Gall. 6,21): neque druides habent, qm rebus divinis prae-
sint, neque sacrificiis Student, so braucht diese nachricht
nicht für unrichtig und dem, was Tacitus von den deut-
s<Jien priestem und opfern meldet, widersprechend erklärt
zu werden. Caesar behauptet alles im gegensatz zu den
Galliern, diese halte er 6, 16 als den opfern äufserst erge-
ben geschildert, und ^non studere sacrificüs^ vrird im Zusam-
menhang nichts anders bedeuten als: sich der opfer spar-
sam bedienen, ebensowenig herschte unter den Deutschen
das gallische fein ausgebildete Druidensystem 5 sie ermangel-
ten aber nicht ihrer eigenthümlichen opfer und priester.
Die deutschen priester^ wie wir es schon aus dem
übergreifen der namen erkannten » waren zugleich bei got-
tesdienst und volksgericht thätig. In den heerzügen gebühi*t
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60 PRIGSTBa
ilinen allein, nicht dem feldliern die zucLt, da der ganxe
krieg gleichsam in gegenwart der gottheit geführt Wird : ce-
terum neque animadvertere, neque vincire, nee verberare
quidem nisi sacerdotibus permissum: non c[ua8i in poe-
nam, nee du eis jussu, sed velut deo imperante, quem adesse
bellantibus credimt. Germ. 7. auch die gleich folgenden
-Worte beziehen sich auf die priester, sie nehmen aus dem
heiligen hain die bilder und zeichen mit ins feld. Cap«
10 lehrt, dafs der sacerdos civitatis dem lofsen mit zwei-
gen vorsteht, sobald es für das volk geschah, war die an-
gelegenlieit keine öffentliche , so kann der liansvater selbst
das geschäft verrichten und der priester brauchte nicht zu-
gezogen zu werden, eine merkwürdige besclirankung der
pries tergewalt und ein zeichen, wie weit in dem eigentli-
chen Privatleben das recht des freien mannes gieng; au«
gleichem gründe, scheint es mir, durften in frühster zeit
»ymbolische handlungen unter den parteien vorgenommen
werden ohne zwischeukunft des richters (RA. 201.) Auch
wcrnn aus dem gewieher der öffentlich imterhaltenen weifsen
rosse geweissagt werden sollte, begleiteten priester den hei-
ligen wagen und beglaubigten das geschäft. Der gottheit
wagen berührt allein der priester, ihre nahende gegenwart
'vi'^ird von ilun erkannt, er geleitet sie ehrfurchtsvoll, und
führt sie zuletzt in ihr heiligtlium zurück, cap. 40.
Diese wenigen, der priester nur gelegentlich erwähnenden
stellen lassen ilu* amt lauge nicht überschauen, ohne zwei-
fei lag ihnen, aufser jenen geschäften, die Verrichtung feierli-
cher gebete, die tödlung der opferlliiere, die weihimg der
könige und leichen, vielleicht auch der eben, die abnähme
der eide und manches andere ob. Von ilirer tracht, ihren
insignien und abstufungen wird gar nichts gemeldet , einmal
gedeukt Tacitus cap. 43 eines sacerdos muliebri ornatu^
gibt aber nichts näher an; ohne zweifei bildeten die prie-
ster einen gesonderten, vielleicht erblichen stand, wenn auch
einen minder mächtigen und einilufsreichen als in Gallien,
wahi^cheinhch gab es aufser }enem sacerdos civitatis hö-
here und geringere. Namentlich aufgeführt wird ein einzi-
ger, der cattische Libys {JißvQ tdir XaTTfov icQivg) bei Stra-
bo, den uüt anderen gefangnen Deutschen die pompa des
Germanicus nach Rom schleppte. Tacitus geschweigt sei-
ner. *) Bemerkenswerth ist noch des Jomandes aussage,
dafs die gothisclien priester pileati hiefsen, im gegensatz
*) Likys konnte sein Leip, L^b, altn. Letfr, gotii. Lattw? ein«
Variante gibt Afßt^i.
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PRIESTER 61
zu den capillati , dem übrigen theil des volks, und dafs
sie während dem opfer ihr haupt mit hütenbe deckten^
▼gL RA. 271.
Aus der folgenden zeit^ und bis zur einfühning des
christenthums haben wir fast gar keine künde wttter, wie
es sich im innern Deutschland mit den priestern verhielt;
ihr dasein folgt aus dem der tempel und opfer. Eine nicht
unwichtige nachricht hat Beda bist. eccl. 2, 13 bewahrt,
dem heidnischen priester der Angelsachsen war es waffen
zu tragen und auf hengsten zu reiten untersagt : non enim
hcuerat , pontificem sacrorum vel arma Jerre , vel prae^
terquam in equa equitare. sollte das noch mit der be-
stimmung zusammenhängen^ die freilich auch biblisch er*
klärt werden kann, dai's christliche geistliche, wenn sie
land umreiten, auf eseln und fällen (nicht auf pferden)
sitzend erscheinen (RA. 86 - 88) ? die Übertragung solcher
in die gewohnheit und sitte des lebens eingreifenden ge-
brauche mochte ganz zulässig sein. Es ist nicht imwahr«
Scbeinlich, wie heidnische statten in christliche umgewafti«
delt wurden, dafs man auch für yortheilliaft lüelt, unter
den bekehrten Völkern die allen priester zu dem neuen
gottesdienst heran zu ziehen, sie waren der gebildetste
theil des volks, am ersten fähig die christliche lehre zu
fassen, imd ihren landsleuten zu empfehlen, aus der mitte
des heidnischen priesterthums mögen daher zwar die hef-
tigsten feinde, aber auch die eifrigsten anhanger der neu-
crung hervorgegangen sein. *) an einer stelle der bonifa-
zischen briefsamlung wird über Vermischung christlichen
und heidnischen brauchs geklagt, die sich imverständige
oder leichtsinnige und strafbare priester zu schulden kommen
lassen. "^"^^ das konnte in schuldloser unerfahrenheit, oder
*) wie aus der catholischen geistlichkeit sowol die stützen als
gegner der reComiatioD. Das merkwürdige beispiel eines heidnisdien
Priesters, der seinen alten glauben herabsetzt und selbst band anlegt
an die zerstOrang des früher von ihm heilig gehaltenen tempels, ist
8. 52 aus Beda angeführt, dieser priester war ein angelsachsischer,
keiu britischer, obgleich ihn Beda Voifi, mit einem galischen Worte
(ihoihi, cliuibhidhy vuinJti, nach Jaroieson im Supplement s. v. coivie,
arcliidruid) offenbar nur zu näherer bezeirhnung seines Standes, nennt,
eigenname ist Coifi auch im Galischen nicht, und es wäre unglaublich,
dafs Edvine, konig von Northumbrien britihchen glauben angenommen-
nod einen britischen priester gehalten hätte.
*•) ed. Würdtw. 82. Serr. 140; pro sacrilegis itaque presbyteris,
nt scripsisti, qui tauros et hircos düs paganorum immolabant, mandu-
cantcs sacriücia mortuorum .... modo vero incognitum esse, utrum
baptizantes triaitatem dizisseut an non etc. Dabin auch der presbyter
Jovi mactani, ep. 35.
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62 PRIESTfiR
mit vrolbewuster absieht geschehen, aber fast nur von
solchen, die zugleich des heidenthums kundig waren.
Selbst den nordischen priestersland beschreiben die
edden und sagen äufserst unvollständig, eine merkwürdige
stelle der Yngliugasaga cap, 2, welche die Äsen überhaupt
als einwanderer aus Asien, und Asgard ihren sitz als eine
groi'se Opferstätte ansieht, macht die zwölf* vornehmsleii
Äsen zu opferprieatern {hofgodar): skyldu thcir rddha
fyrir blutum ok di^mum manna £ niilli, und fügt hinzu, dals
sie diar (divi) und drdttnar (donüni) genannt worden seien.
diese Vorstellung , wenn sie auch nichts als Vermutung 8nor-
ris ist, zeigt ims die hohe würde, worin das nordL prie«
sterthum stand, und wie man götter selbst an die spitze
der Opfer imd gerichte setzte, aber die dtar und drdtt«
nar dürfen wir darum nicht mit den priestern vermengen»
Wie genau das nord. priesteramt in die rech'tspflege
eingrif, bedarf hier keiner ausfühnmg, in dieser eigen*
Schaft scheinen die priester eine bedeutende Wirksamkeit
unter dem volk gehabt zu haben, während von ihrem po-
litischen einflufs an den königshöfen wenig die rede ist.
man lese nur die Nialssaga. noch nach einfülirung des chri-
stentluims behielten die isländi8<fhen ruht er den namen,
und manche befugnisse der heidnischen godar bei (Grdgäs
1, 109 - 113. 130. 165.)
Der godi konnte zwar bl6tmadhr (sacrificulus) hci-
fsen, doch nicht aUe bldtmenn waren priester, vielmehr
bezeichnete dieses wort jeden an den opfern theilnehmendeu,
später unter den Christen überhaupt die Heiden, zu jener
stelle des Tacitiis von dem paterfam. stimmt, dafs jedweder
iarl oder hcrsii:, wenn er schon kein priester war, ein
Opfer verrichten durfte. Saxo gramm. p. 176 erzählt von
dem getauften Harald: delubra diruit, victimarios pro-
scripsit , flaminium abrogavit. unter jenen versteht er wol
blötmenn, unter flamines die priester.
Auf nachrichtcn über die kleidung der nordishen prie-
ster bin ich nicht gestofsen; fand ein Zusammenhang der
dichter mit ihnen statt? Bragi, der gott des gesanges, hat
nichts mit den opfern zu thun. glcichwol schien die diclit-
kunst ein heiliges, geweihtes gescliaft: Odin bediente sich
gebundner rede, er und seine hofgodar heii'sen liodha^
smidhir (dichter.) Yngl. saga cap. 6. sollte akd/d (poeta,
aber neutr.) sich berühren mit dem ahd. seltnen werte
sgalto (sacer)? Diut. 1, 183.
Wie nah grenzt pocsie an weissngung, der vates ist
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PRIBSTBRINNEN 63
Billiger zugleich und Weissager, Weissagung war aber das
amt der priester.
IMlas scheut sich ein goth. wort für das häufig vor-
kommende nQocpr^r^Q zu brauchen, er setzt immer praii-
f(&tus, und für nQotptjriQ praiif^teis Luc. 2,36. warum nicht
veitaga? diesmal sind die ahd. und ags. Übertragungen küh-
ner, sie geben wtzago ^ pitega."^^ der priester, wenn
er augurien imd auspicien vorstand, war ein veitaga? vgL
KnTeitan s» 19. Die altn. benennung ist spämadhr, und
der prophetin (ags. vttegestre) spdhona.
Hier fragt es sich nach den Weissagerinnen , priesterin«
nen des alterthiuns.
Das mimdium, worin tochter, Schwester, frau stan-
den, scheint sie in der ältesten, heidnischen zeit nicht von
belügen ämtem und von bedeutendem einflufs auf das volk
auszuschliefsen.
Tacitus, naclidem er, wie gewaltig deutsche frauen auf
die tapferkeit der krieger einwirken, und dafs die Römer
von einzelnen Völkern zu gröfserer Sicherheit edle Jung-
frauen fordern, gesagt hat, fügt hinzu: inesse quin etiam
sanctum et providutn (feminis) putant, **) nee aut cori"
nlia earum aspernantur, aut responsa negligunt. Schon
JuL Caesar 1, 50 : quod apud Germanos ea consuetudo es-
set, ut jnatres Janu eoruin sortibus et vaticinationibua
declararent, utrum proelium comniitti ex usu esset, nee
ne; eas ita dicere: non esse fas Germanos superare, si
ante novam lunam proelio contendissent.
Keinen namen eines germanischen vates hat die ge-
Khichte aufbewahrt, aber mehrerer Wahrsagerinnen. Tac.
Germ. 8: vidimus sub divo Vespasiano Veledam (als ge-
fangene im triumph), diu apud plerosque numinis loco
habitam. bist. 4,61: ea uirgo nationis bructerae, late
imperitahat ^ vetere apud Germanos more, quo plerasque
feminarum fatidicas , et augescente superstitione arbitran-
tur dea8. tuncque Veledae auctoritas adolevit : nam *pro-
speras Germanis res et excidium legionum' praedixerat. 4,
65 als die Cölner mit den Tenctem ein bündnis scliliefsen
sollten, entboten sie: 'arbitrum habebimus Civilem et Ve*
ledani apud quos pacta sancientur\ Sic lenitis Tencteris
*) das t nach der nhd. form Weissager, mlid. wlssage (ar wizege,
wid gleich fehlerhaft weissagen, mhd. wissageo Iw. 3097. (ahd. wiza-
gÖB, agt. vitegian.)
*0 wilde kraft der phantasie, und was man den zustand des helUe-
beas nennt» bat sich vorsugUch in frauen gezeigt.
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64 PRIBSTERINNEN
legati ad Civilem et Veledam missi cum donis, cnncta ex
voluntate Agrippinensium per[>elravere. sed coram adire,
alloquique Veledam negatiini. arcebantur aspecUi, quo
venerationis plus incsset. ipsa edita in turre; delectus
e propinquis consulta responsaque ^ ut iuternüntius nu^
minis portabat. 5, 22 : praetoriam triremem flumine Lup-
pia doQum f^eledae traxere. 5, 24 : F^eledam propioquos-
que monebat. in den verlornen capiteln des fünften buchs
wäre vermutlich flire gefangenscliaft erzähll. *) Dieser Ve-
leda giengen andere voran: sed et olim Auriniam et com-,
plures alias venerati sunt, uon adulatione nee tamquam
facerent deas» Germ. 8, Eine spätere, namens Gannaj
führt Dio Cassius 67, 5 an **); im jalir 577 zog Gunth-
cramnus eine frau 'habentem spiritum phitonis , ut ei 4{uae
erant eventura narraref zu rath (Greg. tur. 5, 14. bei Ai-
moin 3,22 heifst sie v[ivM&: phytonissa d.i. nv&mviüoa)*^
einer noch w^eit jüngeren Tniota, die aus Alamannien nach
Mainz gekommen war, gedenken fuldische annalen im jähr
847 (Pertz 1, 365.) ♦**)
*) Statius sÜT. I. 4, 90: captivaeque preces Veledae ^ er scaodiert
die beiden ersten silben kurz, und das scheint richtiger, als des Dio
Cassius Bdijda, ich vergleiche den goth. frnuennamen Faladamttrcti
bei Jornandcs p. m. 130, und den thüring. Ortsnamen ffalada bei
Pertz J , 308.
**) Fayva (al. Favva) naf^&hoq ßtru rrjv Bfkij^uv fv rjj Kflrutjj
&ndi;ovat€y vgl. den mannsnamen Gannascus ann. 11, 18, 19; das fem.
Ganna^ dat. Gannane, noch in einer lothr. urk. von 709. Don Calmet
ed. 1728. toin. 1. preuves p. 265.
***) Überlieferungen, die Hubertus Thomas . Leodius vor 1585 zv
Heidelberg von einem alterthumsforscher Joan. Berger aus altem biiefae
(libello vetustissiniis characteribus descripto) empfangen haben will, und
in seiner abhaudl. de Heidelbergae antiquitatibus mittiieilt, erzählen:
quo tempore Velleda virgo in Bruchteris imperitabat , uetula quaedam,
cui nomen Jett ha eum collem, ubi nunc est arx heidclbergensis et Jet-
thae collin etiam nunc nouien habet, inhabitabat, vetustissimumqae ph€i'
num incolebat, cujus fragmenta adbuc nuper vidimus, dum comes pala-
tlnus Fridericus factus elector egregiam domnm construxit, quam do-
vam aulara appeilant. Haec mulier vaticiniis inclyta , et quo venerabi-
lior foret, raro in conspectum bominum prodieus, volentibus consilium
ab ea petere, de jene st ra^ non prodeunte vultu, respondehat. et inter
cetera praedixit, ut inconditis versibus canebat, suo colli a fads eaae
datum, ut futuris temporibus regiis viris, quos nominatim recensebat,
inhabitaretur, coleretur et omaretur, vallisque sub ipsa multo popnlo
inhabitaretur et templis celeberrimis ornaretur. Sed ut tandeni fabulosae
antiquitati valedicamus, lubet adscribere quae is über de itifelici morte
ipsius Jetthae continebat. Egressa quondam anioenissimo tempore pha^
TtK/n , ut deambulatione recrearetur, progredtebatur juxta montes, donec
pervenit in locum, quo moutes iutra couvallem decliuant et niultid lo-
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PRIBSTBRINNBN 65
itne graiitiaarigen , barfursen walirsagerintiea der Cini*-
lierii bei Strabo (vorliiu 8. 33), iii weifsem gewand, Unne>-
ueni wamnis und mit ehernen spangen gegürtet, die gefang^
nen im kriege schlachtend und aus dem blut im opferkessel
weissagend, erscheinen yrie grausenhafte hexen gegenüber
der bnicterischen jungft'au ; ^ neben der divination üben sie
zugleich priesterliches amt* ihrer genau geschilderten klei*
dnng müsteu wir die der priester vergleichen können.
Zwar im dienste der gölliii (Tac. Germ. 40) zeigt sich
gerade ein priester, der ihr wageugespann lenkt» umge«»
kehrt treten noi^lisehc dienerinnen der gütler auf. au«
einer merkwürdigen, Vom christlichen Verfasser sichtbar ge-
hässig dargestellten crzahlung der Olaf Tryggv. saga (forum*
sog. 2, 73 ff.) läfst sich wenigstens entnehmen, dafs in Schwe-*
den Freys unter dem volk umziehenden wagen eine jung-
Jraii begleitete : Frey var fengin tu thionosto kona Äng ok
fridh, sie wird genannt kona Freys. Sonst heifst eine prie*
Sterin gydja , hofgydja , ganz nach godi , hofgodi , *) vgl.
Thiu'idhr hofgydja. Islend. sog. 1, 205. Stein vor und Fridh-
gerdr. sagabibl. 1, 90. 3, 268.
Aber auch die nordischen quellen heben weniger das
priesterliche amt der" frauen, als ihre gleichsam höhere gäbe
der Weissagung hervor.
perita augtirii femina. Saxo gr. 121. Valdiimarr koiiAngV
4tti modur miuk gamla ok örvasa, svd at hun la irekkju,
en thii var htm frams5'n af fVtons (Pythons) anda , seni
raai^ heidlinir menn. forum, sog. 1, 76. Hierher scheint
die in den begrif eines übernaKirlichen, höheren Wesens,
wie dortSbei Veleda, greifende beuennung die (nympha"*^
numen) gehörig, vielleicht nicht zufällig heifst die spakoiia ver-
schiedentlich Thdrdts (Vatnsd. p. 186 ff. forum, sog. l, 255.
cb scatnriebnat pulcberrimi fontes, quil)us vehementer illa coepit <le-
lectari. et n^siitens ex iilU bibebat, cum ecce lupa famelica cum catii-
lu e siiva prorupit, quae coiispectäm mulierem nequicquam divoä in-
vof^Dtem dilanint et rruirtatim discerpsit. qaae casii sno fonti nomeii
dedit, Toc«tnrque qaippe in iiodiernum diem /o/za- iaforuntf ob amoe-
nitatem loci omnilms iiotiis. Es wird jetzt kaum aiijiffien, zu Hcliel-
Heii wns liieriii ei lite sage sein kauu und wh.< die Gelehrsamkeit de«
16 jh. zur verlierrllcliung der neuerbauten pfalz Heidelberg (= Ueid-
ber;;) zndichtete. selbst das fenster auf dem Uugel mag dem timmi
Her Veleda nactigebildet scheinen. Ware der zauberin name statt Jet-
tha heida, so wurde das za der örflichkeit besser stimmen, un i viel-
leicht das altn. Heidhr darin wiederklingen.
•) konnte das nhd. /rö//«?. goihf. goth für taufpathin (susceptrix
e sacro fönte) von einem ähnlichen heidn. ausdruck Abrig geblieben
Min? Morolt 3184 gorfe von der getauften Jungfrau.
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06 PRIESTBRINNBN
Ulend. sog. 1, 140. Kormakss. p. 204 ff.), dta aber^ ein ur-
altes wort, bedeutet eigeutlicii wol sapieus, peritus und
laulele in der golh. spräche deis^ wovou noch II Cor. 11,
3 uud Eph. 4, 14 filudeisei (nuvovgyia^ lißl) übrig ist.
ThurUlhr spakoua. Islend. sog. 1, 58. Noch berüiimter
und verbreiteter war der naine uöh>a, der allgemein eine
zaubcrhalte Wahrsagerin (Valnsd. p. 44. forum, sog. 3, 214.
fornald. sog. 2, 165. 166.506) bezeichnet, und dann auf ebe
bestimnUe mytlüsche Völva geht, von welcher eins .der äl-
testen eddischen lieder Völuspd handelt, entw. steht hifr
vülu für vülvu, oder es läi'st sich die ältere form Vala
(gen. Völu) beliaupten, beiden würde ein ahd. Walawa
oder Wala, das au jenes nur anders abgeleitete Walada
malineu kann, entsprechen, in der saga Eh*ik8 rauda tritt
Thorbiörg , die kk«ine Vala auf (edda 8tem. hafn. 3, 4.)
Heidhr heifst nichl blofs die yölva der edda (Saem. 4^ vgi.
118*), sondern aucli die der Or\ ai'oddss.iga ; (vgl. sagabibl.
3, 155.) Hyndla (canicula) die auf Wolfen reitende, iii
der hole wohnende weissa^^erin. ich vermute auch die Jung-
frauen T/iorgerdhr und Irpa (rornm. 8()g. 2, 108. 3, 100.
11, 134 — 137. 142. 172), denen fast göttliche ehre wi-
derfuhr und der beinamc hörgabrAdr (nympha hicorum)
aber auch der name gudli (nuuien) Nialss. cap. 89 gegeben
wurde, sind aus dieser reihe nicht auszuschliefsen.
AVir werden auf die, nach einem tiefen zug unserer
m ythologie , in das übermenscliliche streifenden klugen und
weisen frauen zurückkommen ; hier sollte nur ihr ziisam-
uienhaug mit opferu , Weissagung und pricsterliium darge-
llian werden.
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GÖTTBR ö?
CAP. VI. GOTTER.
Jel2l sclieiut die untersucliuiig , ob schon für die älteste
zeit in Deutschland vrirkliche götter zu behaupten seien?
völlig vorbereitet« alle zweige unserer spräche haben die
selbe allgemeine benennung der gottheit gekannt und bis auf
den heutigen tag beibehalten; alle oder doch die meisten^
insofern mangelliaftigkeit der quellen Zeugnisse vervollstän-
digen läCst, zeigen gleiche oder wenig abweichende aus-
drücke für die heidnischen begriffe des cultus, des opferns,
der tenipel und des priesterthums. Besonders leuchtet un-
verkennbare analogie hervor zwischen dem altnordischen
Sprachgebrauch und den viele Jahrhunderte älteren Über-
lieferungen der anderen dialecte: die nordischen Aesir, blii-
ta, hörgr, godi waren den Gothen^ Alamannen^ Franken,
Sachsen langst vorher, und in dem nemlichen sinn, be-
kannt, aber einstimmung und ähnlichkeit erstrecken sich
über die Wörter hinaus auf die gebrauche selbst; in heili-
gen hainen wurden die ältesten menschen imd thieropfcr
dargebracht, priester leiteten opfer und Weissagungen, weise
frauen genol'sen beinahe göttliches ansehen*
Der beweis 9 den die gleichlieit der spraclie au band
gibt , ist für sich schon hinlänglich und entscheidend« wenn
verschiedene abtheilungen eines volks eine und die selbe
stäche reden , haben sie auch so lange sie ihrer natur über«
lassen bleiben und nicht gewaltsamem einfluTs von aufsen
her ausgesetzt sind, immer gleiche weise des glaubens und
der gottesverehrung.
Das deutsche volk liegt mitten zwischen Celten , Sla«
ven, Litthauem, Finnen, lauter Völkerschaften, die götter
erkennen und eines geordneten cultus pflegen, slavische
Völker, in weit entlegene gebiete verbreitet, haben ihre
hauptgötter gemeinschaftlich, wie sollte es in Deutschland
anders sein?
Beweise für die echtJieit der nordischen göiterlehre
zu fordern, darüber sind wir endlich hinaus. Jede critik
lähmt und zerstört sich, die damit anhebt zu leugnen oiler
zu bezweifeln, was In einer unter dem volk lebendig ge-
bornen und fortgepflanzten poesie und sage enthalten ist,
und vor äugen liegt, sie hat es lediglich zu sammeln, zu
ordnen und die bestandtheile in ihrem geschichtlichen stu-
feogang zu entwickeln«
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08 GÖTTER
Billiger weise darf also nur in frage gestellt werden,
ob die unbesireilbaren güller des Nordens auch für das
übrige Deiitscliland gelten? sie im allgemeinen] zu beiahen
st-heiiU nach den vorausgehenden Ergebnissen imserer for-
scliung aller grund vorhanden und beinahe nothwcndig.
lüne verneinende antworl, wenn sie sich recht be-
griffe, halle zu behaupten, dafs die nordische götterreihe, ih-
i'em wesen nach, ehmals auch dem innern Deutsclüand gemein,
durch die frühere bekehrung hier vernichtet und erloschen
sei. aber eine menge ausnahmen und zurückgebliebetier
spui*en würden die behauptung einschränken , und v^as noch
aus ihr gezogen werden mücble bedeutend verändern.
Man hat inzwischen auf ganz andere weise zu vernei-
nen gesucht und die ansieht aufgestellt, jene gottheiten seien
sonst in Deutschland überhaupl niemals vorhanden gewesen
und dessen ältesten einwohnerii nichts als ein grober, göt-
t erloser naturdienst eigen.
Diese meinung, eine wesenllichc Unterscheidung zwi-
schen germanischem und scaudinavischem heidenthum ma-
chend, und alle spuren miskenncnd, welche sich uiibefang«
ner forschung als unveiwerlüche zeugen für die gemeinschaf)
beider zweige eines volks ergeben , legt vorzügliches gewiciu
auf einige äufserungen, ch'e etv\'a seit dem sechsten jh. über
die beschaffenheil des lieiduischen glaubens vorkommen, mei-
stentheils rülu^en sie her aus dem munde eifriger Christen,
denen es gar nicht angelegen war, das angefeindete hei-
denthum kennen zu lernen oder darzustellen , die vielmeln*
davon ausgiengen, vor den rohesten erscheinungen seines
ciütus als verabscheuimgswürdigem greuel zu warnen.
Es wird erforderlich sein die hauptsächlichsten stellen
in ihrer einförnügkeit und eiuseiligkeit zu überblicken.
Agalhias, (-J- vor 582) selbst ein neubekehrler Grieche^
der was er von fernen Alamannen vernommen hatte, nur
aus christlichgerärbten berichten wissen konnte, stellt den
alamannisohen cullus, gegen über dem fränkischen, so dar:
dir^Qct re ydg rtva iXaG%ovTai vm\ ^tt&Qct nora/imv nal
)Mfpovg kui (fuQayycts, k«J Tovioig ötaneg oaia rfipcSyrcff.
28, 4. darauf folgen die s. 28 angeführten worte über ihre
pferdeopfer.
Aber sein gegensatz zu den Franken geht schon ver-
loren , wenn wir von diesen aus Gregors , ihres ei'slen ge-
srhichtschreibers , munde fast ganz das nendiche versicheru
hören : sed haec generatio fanalicis seniper cidtibus visa esl
obsequiinn praebuisse, nee prorsus agnovere deum (den
wahren), sibique siivarum alquc aquarum, aviiun , bestia-
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GÖTTER e»
rüinqäe et aliorum quoque elementonini fiiixere formas,
ipsasque ut deiim colere eisque sacrlGcia deUhare consueü.
Greg. tur. 2^ 10. Alinlicli von den Sachsen EiiiliaiHl in der
Vita Caroli cap. 7: sicut omnes fere Germauium incolenles
natioDes et natura feroces et cultiü dacmonuni dedili, no-
tlraeque rellgioni contrarii. Ruodolf >oii FiiiiL uaclidem er
Tacitus und Eiuiiard ausgesdu^ieben liat , (iigt uocli hinzu
(Perlz 2, 676) : nam et frondosis arboribus foiilibusque ve-
Derationem exbibebant, '^) und erwälmt dann der Irniinsül,
fon welcher ich ini verfolg handeln werde. Endlich versi-
chert von den Holsteinern Hehnold 1, 47 : nihil de religio» e
nisi Domen tantuni cliristianitatis habeules. nam lucoruiu
et fontium, ceterarumque superstitionuni nmUiplex errui-
i^ud eos habetui\ . . . Vicelinus . • lucos el onines ritus sa-
criiegos destruens cet.
Ganz in solchem sinne gefafst sind auch die verhole
beidnischer und abgöttischer brauche in den couciiienschlüs-
Beii und gesetzen. conc. autissiod. a. 586. can. 3 : non licet
inter sentes aut ad arl>ores sacrivos vel ad Fontes vota ex-
•dvere; vgl. conc. turon. II. a. 566 can. 22. leges Liutpr.
6y 30 : simili modo et qui ad arboi^m , quam rustici san-
gumom (al. sanctivam, sacrivam) vocant atque ad foutanas
adoraveril. capit. de partibus Sax. 20: si quis ad föntet
ant arbores vel lucos votum fecerit, aut aliquid more gen-
tftinm oblulerit et ad honorem daemonvun coniederil. Und
ik bekehrer, die christiiclien geistlichen hatten Jahrhun-
derte lang wider den fast unausrottbaren uufug zu eifern.
CS genügt blof« aus den actis Bened. sec. 1. p. 668 auf die
predigten des Caesarius episcopus arelatengi» (f 542) con-
tra sacrüegos et aruspices, contra kalendarum quoque pa-
gauissimos ritus. contraque augiu^es lignicolas, i'onticolas
%u verweben.
Alk diese stellen enthalten keine unwahrheil , nur nicht
& ganze Wahrheit.
Götterlosigkelt des deutschen heidenthums thuo sie un-
möglich dar; einmal weil sie aus zeiten herrühren, wo
das heidenthiun nicht mehi- frei und ungestört waltete, son-
dem von der neuen lehre heftig angefeindet , gröfstentheils
schon tiberwältigt v^ar. seine allgemeine Übung hattq auf-
gehört, chizelne anhänger hegten es schüchtern in vei-sto-
Ifn beibehaltnen gebrauchen ; daneben gab es Christen, die
«n« einfalt o<i«r iiihum fortfuhren abergläubisclie cerenio-
•) <Wn Rao<k>lf schmbt Adam voa örerocu wieder ab. cd. 1595.
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70 GÖTTER
nie» * Duben den cliHstUchen zu treiben, vemchtungeti auf
«olclic weise hin und wieder unter dem gemeinen häufen
unvorLügt, aber aller ordnenden leitung heidnisdier prie-
fter entzogen, musten sich schnell vergröbern und nuu nb
i*ohe Überbleibsel eines ältei^en glaubens erscheinen, den man
pichl nach ilinen ermessen kann. So wenig die in teufeln
und hexen der späteren zeit uns verhüllten höheren, reine-
ren vorsteUiuigen des altcrthums zu miskennen sind, so
wenig dürfen wir scheu tragen, jene paganien auf die
ungetrübte quelle der vorzeit zurück zu leiten, verhole
und predigten lüelten sich streng an die practische Seite der
Sache und hatten gerade ihr absehen auf die letzten verhafsten
Überreste des falschen glaubens. Eine stelle in Cnuts ags«
gesctzen (Schmid 1, 150) lehrt, dafs der quellen und haum-
dieiist die anbctung der götter an sich nicht ausschliefse:
hipdiienscipe bidh, tliät man deofolgild veordhige, thHt is,
tliiit man veordhige haedliene godas, and sunnan odhdhe
niunan, fyre odhdhe fl^dväter, vyllas odlidlie st&nas odh-
dhe a;niges cynnes vudutreova. ganz ebenso heifst es fomm.
sog. 5, 239 von Olaf dem heiligen^ dafs er die heidnischen
opfer und götter getilgt habe: ok mörg önnur hldtskapor
skfftmsl , basdlii hanu*a ok hörga , skAga, vötn ok tr^ ok uU
pnnur blöt, basdhi meiri ok minui.
£s kann aber noch ein anderer grund gedacht werden,
^'arum die vielleiclit unverschollenen heidnischen götter bei
solchen anlassen verscliwiegeu bleiben; christliche geistliche
scheuten sich ihre namen auszusprechen, ilire Verehrung näher
zu beschreiben, ratlisam erscliien, sie unter der allgemeinen
i^eneniunig von dämonen oder teufeln zu begreifen, und ihre
wirkssimkeit durch eingescliärlte verböte dessen, was sich von
jiu^ni cultus zuletzt erhalten hatte, vollends zu zerstören.
\Vle ihm sei, auf keinen fall lassen sich darstellungen*
dos gesunkenen^ zerfallenden heidenthums den nachrichten
zur ^eite setzen, ^p un$ fünf bis acht Jahrhunderte frnhlSr
Tacitus von ihm , da es nocli in seiner vollen kraft bestand,
gegeben hat« ?eugt die in der gewohnheit des volks haf-
tende anbetimg der baiune und Iltisse nicht mehr für das
dasein der götter, wie laut kündigen es die unvollständigen
ynd mangelhaften mittheilungen des fremden Römers an.
wenn er fiusdrncklich redet von einein deus terra editus,
YO.n helfen \u\d abkömmlingen des gottes (plures deo ortos),
Ypn dem gott, der die kriege lenkt (velut deo imperanle),
yon den namen der götter (deorum nominibus), die das
Volk auf heilige haine übertrug, von dem priester, der keine
Weissagung beginnt, ohne die götter anzuflehen (precatu*
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GÖTTER ^ 71
deos) und atch fiir den diener der gutter (ministros deo-
rtwi) hält, von einem regnator omni tun deus^ von den
göltern Deutschlands (Germaniae deos in aspectu. hist. 5,
17) wenn er auch einzelne gofUieiten unlerscheidend rönü-
sche namen auf sie anzuwenden sucht und (interpretatione
romana) einen Mars, Mercurius, Hercules, Caslor und
Pollux, eine Isis nennt, ja für den deus terrd cdllus und
dessen söhn, für eine güttin, terra matcr den deutschen
ausdruck beibehält ; wer vermag da zu leugnen , dafs in
jener zeit die Deutschen leibhafte gütter verehrten? wie
läl'stsich, alles andere, was wir von derspraclie, der frei-
heit, den sitten und tugenden der Germanen wissen, hin-
zugenommen, der gedanke festhalten, sie hauen In dum-
pfem fetischismus versunken sich vor klotzen und pfützen
oiedergeworfen und ilmen rohe anbetung erwiesen?
Caesars meinuug*), der die Deutschen oberllächlich^r
kannte, als hundert jalire nachher Tacitus, darf der Wahr-
heit keinen abbnich thun : er will unsere vorfahren den
Galliern, mit denen er vertrauteren verkehr gepflogen hatte,
entgegenstellen; und die pcrsonilicationen der sonne, des
fcuers, des mondes, worauf er die zalil aller götter bcscliränkt,
ertragen kaiun gezwungene ^römische auslegimg\ Setzen wir
Apoll und Diana an die stelle der sonne und des mondes,
wie wenig entsprächen sie gerade der festgewurzelten ei-
genthümlichkeit deutscher vorslellungsweise , worin jene als
weibliches, dieser als männliches wcsen aufgclafst wird,
und die schon der beobachtung des Römers, wenn sie tie-
fer eingedrungen wäre , nicht hätte entgehen dürfen, Vul-
can, dem uord. Loki vergleichbar, eine der gottheiten, von
der sich in dem übrigen Deutschland die geringste sj)ur
»eigl, hatte ohne zweifei weniger beginindung, als die
gleich sichtbaren und hilfi'eichcn gütter der nälirenden erde
und des labenden, fischreichen schüTetragenden wassrrs.
ich kann Caesars worle für nichts als eine halbwahre,
allgemeingehaltene ansieht nelunen, die gegen Tacitus be-
fttinmiteie gewähr weder andere götter verdächtigen, noch
tiel weniger einen blofsen elementardienst unter den Ger-
manen darthim mag.
Wir sind nxmmehr zu folgendem resultat gelangt, in
dem ersten Jahrhundert unserer zeiti-echnung beruhte die
rcligion der Deutschen wesentlich auf göttern ; tausend
*) deorum niimero eos »olus diioiiut, quos ccriiuul, et quonim
•pÜNM» nperte juvautur, !>olem et 7 uUanum et Lunam t rcliquos u«
fsiia quidem aiTe|>crimt. B. G. 6, 21.
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72 GÖTTEa
zwoiriuiaderl jähre später hat sieb unter dem nördUcheD
volksllieil, der seiiieu angcstanuiiten glauben zuletzt für
den ueuen lüiigab, das alte guttcrsystem am YoUständigaten
bewahrt, an beiden endpuuclen des hcidenthums^ da, wo
es in der geschlclue fiii* uns auftiutt, und imtergeht, haftet
durch spräche und nie abgebrochene Überlieferung das mitt-
lei*e Deutschland vom fiiiiCteu bis zum neunten jdirhundcrt.
lun diese zeit erschehien uns die gestalten der hcidengütter
in dem schwachen und fcindseUgen licht, das bericht« der
neubekehrten auf sie werfen, erblichen und verworreo,
immer aber noch als götter.
Es mufs hier wiederholt werden, dafs Tacitus von
keifiem simulacfum, von keinem nach menschlicher gestalt
geformten bilde *) germanischer götter weifs ; was er cap,
0 im allgemeinen gesagt hatte, versichert er cap. 43 für den
l)08oudern fall, und wir haben keine ursaohe dieser versi-
clionuig glauben zu weigern, das wirkliche dasein von
hlldseulen zu jener zeit in Deutscldand, wenigstens dem
ihnen zunächst bekannten theilc, wäre den erkundigungen
Her Römer kaum entgangen. ISichts kennt er als signa und
Jbr/nas , wie es scheint, geschnitzte und gefärbte, die zu
der gottes Verehrung symbolisch gebraucht und bei gewissen
uidässen herumgetragen wui^den*, wahrsdieinlich enthielten
sie irgend eine beziehung auf die natur und das wesea
einzelner götter. das Signum in modum liburnae figura-
tum (cap. 9) bezeichnete die schiffende gottheit, die Jorniae
aprorum (cap. 45) den gott, dessen geheiligtes thier der
ober war, und so sind andere thierbilder bei dem gottes-
dienst zu nehmen. Von dem mit ge wandern zugedeckten
vehituluin der göttin Erde wird hernach geredet werden.
Die ab Wesenheit der bildseuleu und tempel ist , bei dem
Unvermögen aller kunslferligkeiten in jener periode eine
der belrachtung willkonmme und vorlheiljiafte eigenschaft des
germanischen cultus. nur folgt daraus sicher nicht, dai's in der
damaligen Vorstellung die götter menschähnlicher gestaltung
ermangelt hätten; ohne das wäi'en götter, denen mensch-
liche begcbenheiten beigelegt wurden und die der mensch in
Stele beriihrimg mit sich setzt, rein imdenkbar. Waren
*) gotli. inanUikat atid. manalihho * altn. likneskii ein anderer
Ausdruck war alid. auara, piladi , piliiU (graiiim. 1 , 389. 2, 237)
i.Ht allgemein efligies, imago; man hapte im mittclalter für ersdiaffen,
bilden ein hiltle ^iezen (gramm. 2, 19) Waltli. 45, 2ft. MS. 1, I95i>
2, 22Hl> ein scha*ne Juncfrouwen ergiezen. Cod. vindob. 428 nuin.
211; i'in htl<fe jnezzen. Troj. 19626, wczzeii. min*. 2, 186 (*gl. nie-
tod, niii'tiidr, oben s. 15.)
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GÖTTER. BILDER 73
damah schon , ytbb icli eher behaupte , als leugne , deutsche
poesien vorhanden, wie hätten die dichter den gott anders
dargestellt als in menschhchem aussehen?
Versuche^ götterbilder zu fertigen, konnten gleicliwol
in jeder zeit und bereits in der (rulLSten gemacht werden;
es bleibt möglich, dal's das innere, den Römern mhider
zugängliche Deutsclilaud , tcmpei und bildseulen hin imd
wieder bewahrte, in den folgenden Jahrhunderten, als sich
die tempelbauten mehrten, müssen aber auch mit gi^öfster
wahrsdieinlichkeit bilder, die ihren räum erfüllten, ange-
uommen w^erden.
Der 'Sprachgebrauch, wo nicht die keinen zweifei gestat-
tenden ausdrücke aimulacra oder ima^z//e^ angewendet sind;
bedient sich einzelner Wörter, deren sinn schwankt, und aus
dem begrüie des tempels in den des bildes übergeht, eben
wie früher die bedeutung des hains sich mit dem des nu-
Hiens mischte, auf solche weise bezeichnet das ahd. abcutj
abciUi bald fana, bald idola iind statuae. Diut. 1, 497b
513» 515* 533^; nicht anders das nhd. göUe zugleich den
ftbgott, sein bild imd seinen teuipel Toben s. 11. gramm.
3, 694.) gleiche Zweideutigkeit mag idolum haben, wo
es nicht ausdi*ücklich von delubrum, fauum und templum
unterschieden wird, wenn es im allgemeinen heifst: idola
cdere, idola adorare, idola destruere, folgt daraus allein
nicht, dafs bilder gemeint sind, denn es wird gleich häu£g
und in dem selben sinn gesagt adorare fana, destruere fana.
Einigemal kommt noch die edlere benennimg deus^ wie
bei Tacitus, gebraucht vor: cumque idem rex (Edvine, im
i. 625) gratias ageret diia suis pro nata sibi filia. Beda 2, 9*
Folgende stellen bezeugen bildliche darstellungen der
gütter; auf ihre besclireibung lassen sie sich nicht ein, wir
sind froh nebenbei audeutungen zu erhaschen.
Das älteste zeugnis führt erst in die zweite halfte des vier-
ten )b., ist aber sonst eins der merkwirdigsten. Sozome-
üus bist. ecd. 6,37 gedenkt der vielfachen gefahren , in
welchen Uifilas unter den heidnischen Gothen schwebte)
Äi zmv ßaQßagwv iXktjvtxwe S-QfjoxevovTOJV^ iXXfjvixäg
bedeutet hier auf heidnische weise, und das &Qt;aKevuv
(gottverehi'en) beschreibt er sogleich naher, indem er mel-
det, welche verfolgiuigen der Christen Atliauarich (f 382)
unternommen habe. Athanarich befalil, die bildseule (of-
fcubai* des golhisclien gott^es) auf einem wagen (^ouroy
t(p aofta/ia^i^s iarw^) vor den wohmnigeii aller des cliri*
•tenthums verdächtigen hemm zulnhi-en ; weigeiien sie sich
mederzufallen und zu opfern {',t()Oi:Kvy€iv mu övttp), so
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74 CÖTTBR. BILDßft
»oUte ihnen das haus über dem haupt angeziindet werden,
unter aQ/na/naia denkt man sich einen verdeckten wagen;
ist es nicht ganz das vehiculutn veate contectum^ worauf
unsichtbar die göttin herumgeführt wurde (Tac. Germ. 40)?
nicht ganz das vagn^ auf dem Freyr imd seine prieMeria
safsen, wenn er zu lieiliger zeit unter dem schwedischen
Volke umzieht (forum, sog. 2, 74. 75)? selbst die tarrdr-
0chen unserer gedichte des mittelalters , mit den sarazeni-
schen gottern, das carroccio der lombardischen Städte (HA.
263 — 265) scheinen nichts ala die spat fortdauernde eria-
nerung an jene uralten göUcr>vagen des heidenthums.
Was uns Gregor, tur. 2, 29 — 31 von Chlodovichs
taufe und den Dir vorhergegangenen begebenheiten meidet,
ist sichtbar verziert, imd namentlich halte ich die redeo
der köntgin für erdichtet; allein er hätte sie ilu* schwer-
lich in den mund gelegt, wenn aUgemcin bekannt gewesen
wäre, dafs die Franken gai* keine gütter und bUdseulen
hatten. So spricht Chrothild zu Du^em gemahl, den sie
für die taufe einneiimen will : nihil sunt dii • quos Colitis,
qui neque sibi neque aliis poterunt sub venire : sunt enim aut
ex lapidey aut ex ligno aut ex metallo aliquo «ciUpti,
nonüna vero, quae eis indidistis, homines fuere, non dii.
nun führt sie den Saturnua und Jupiter an, mit besa-
gen die aus der classischen mythologie genommen sind ; dar-
auf: quid Mar 8 Mercuriusque potuere? qui potius sunt
magicis artibus praediti, quam divini numinis potentiam
habuere. sed ille magis coli debet, qui coehun et terram,
mare et omnia, quae in eis sunt, verbo ex non extantibus
procreavit, cet. Sed cum haec regina diceret, nuUatenus ad
credeudum regis animus movebatur, sed diccbat: deorum
noMtroriuii jussione cuncia creantur ac prodeuut. deus
vero vester nihil posse manifestatur, et qnod magis est»
ncc de deonini gener e esse probat ur (das klingt deutsch
genug.) Als das christlich getaufte söhnleiu bald stirbt, sagt
Chlodovich: si in nomine deorum meorum piier fuissel </«-
caius, vixisset utique; nunc autem quia in nomine dei
vestri baptizatus est, vivei^e omnino non potuit. Solch ein
umständlicher bericht von Chlodovichs heideutlmm, kaum
hundert jähre nach dem ereiguis und aus dem mund eines
unterrichteten geistlichen, wäre abgeschmackt, wenn ihm gar
nichts walu*es unterläge. sobald Gregor einmal au die
stelle der fränkischen götternamen lateinische setzte (worin
er ganz die ansieht und gowohnlieil seiner zeit befolgte),
nuiste er von selbst daran (' gt^rathen, auf diese n amen auch
lateinische fabeln zu beziehen, und es ist nicht zu überse-
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OÖTTBB. BILDBR n
hm, dtCi die vier genannteu gölter lauter wocheutaggötter
dnd, d. h. dergleichen YöUig hergebracht war den einhei*
Huschen gottheit^n mi identificieren. ich scheine mir also nicht
unbefugt, die stelle wenigstens für die existenz fränkischer
gütterbilder beizubringen.
Die erzählung eines Vorfalls aus dem beginn des sie-
benten ih- gehört nach Alamannien. Columban und der
heil Gallus trafen im )• 612 bei Bregenz cm Bodensee einen
sitE der abgötterei: tres ergo iinagines aereaa et deau^
ratas superstitiota gentilitaa ibi colebat, quibus magis
quam oreatori mundi vota reddenda credebat. so berichtet
die noch im achten )li. aufgezeiclmete vita 8. Galli bei
Pertz 2, 7. umständlicher Walafrid Strabo in der vita S.
Galli (acta Bened, sec. 2. p. 233): egressi de navictda
Mutorium in honore S. Aureliae constructum adierunt • • •
post orationem cimi per g3rrum oculis cuncta lustrassent,
placnit Ulis qualitas et situs locorum, deinde oratione
praemissa circa Oratorium mansiunculos sibi fecerunt, Re-
pererunt autem in templo tres imaginea aereaa deaurt^
Uta pdrieti aßixaa^ quas populus, donisso altaris sacri
cultu , adorabat, et oblatia aacrificiia dicere consuevit : isti
sunt du ifeterea et antiqui hujua loci tutorea, quomm
solatio et nos et nostra pcrdiu^ant usque in praesens« • • •
cnrnque ejusdem templi solemnitas ageretur, venit multi-
todo non minima promiscui sexus et aetatis, non tantum
propter festivitatis honorem^ vei*um etiam ad videndos pe-
regriuos , quos cognoverant adveuisse. • . • Jussu venerandi
abbalis (Columbani) Gallus coepit viam verilatis ostendere
populo • . • . et in contpectu omnium arripiens aimulaoraf
et lapidibus in jruata comminuena projecit in lacum.
hie visis nonnulli conversi sunt ad dominum. Hier erscheinen
heidnischer und christlicher cultus sonderbar vermengt, in
einem zu ehren der heil. Aurelia eingerichteten bethaus
stehen nocli drei heldnisclie bildseulen an der wand, denen
das Volk fortfährt zu opfern, ohne den christlichen altar
zu bernhren: es sind ilim seine alten schützenden gotthei«
ten. nachdem der bekehrer die bilder zerschlagen und in
den Bodensee geworfen hat, wendet sich ein theil dieser
Heiden zum christenthum* wahrscheinlich entarteten auf
solche weise an mehreren orten die ältesten christlichen
gemeinden durch das übergewicht der heidnischen Volks-
menge und die falirlässigkeit der priester. *) In zweifei kann
•) Bromton in »fincr clironik (Twysden p. T45) erznlilt v<»n Hern
o«taiigrt»chefl kOuig Redraki (der zu eingang des T. Jh. If bte) : jatn
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W OÖTTßll. BILDER
66 aber gezogen werden, ob unler diesen Keidengütteru
akniannische zu verstehen sind, oder vieDeicht i*ömisclie?
römischer gottesdienst in althelvetischer gegpnd wäre denk*
bai*, und dii tutores loci lautet fast danach, auf der an*
dern seite mufs erwogen werden, dafs Alaniannen hier
schon seit drei jahrhimderten hausten und ein andrer cultus
als der ihrige kaum noch volksmäfsig sein konnte. Jonas
in der älteren leb^sbcschi^ibiuig derselben beiligen gedenkt
des entscliieden deutscldieidnischen Wuolansopfers , am
benaclibarten Ziirchersee. *) eudlidi erscheint die Verbin-
dung dreier gottlieiten zu gemeinschaftlicher Verehrung her-
vorstechender zug unseres einheimischen heidenthums ; wenn
die Römer einen tempel füi' melu^re götter widmeten, wur-
den ihre bildnisse nicht neben einander, sondern in ver-
schiedenen Zellen aufgestellt. Ratpert (casus 8. Galli. Perlz
2,. 61) scheint die beiden fälle, den am Ziirchersee, und
den nachherigen bei Bregenz zu vermischen: Tuconiam
(Tuggen) advenertmt, cpiae est ad caput lacus turicini, ubi
cum consistere vellent, populumque ab errore demonum
revocare (nam adliuc idolis immolabant)^ Gallo idola
iHina confringente et in lacum vicinum 'demergente^
pc^ulus in iram conversus .... sanctos exinde pepulerunt.
Inde iter agentes pervenerunt ad castrum quod Arbona nun-
cupatiu*, juxta lacum potamicum, ibique a Willimaro pre-
sbytero honorifice susccpti , Septem dies cum gaudio per-
manseinmt. qui a sanol is inlerrogatus , si sciret locum in
solitudine illorum proposito congruum, ostendit eis locum
iocundissimum ad inhabitandum nomine Brigantium. ibique
i'eperientes templum olim chrbtianae religioni dedicatum,
iinnc aiitem demonum imaginibus pollutum , mundando
et consecraudo in prislinum restituerunt stalum, atqne pro-
Statuts, qnas ejecerunt, sanctae Aureliae roliquias ibidem
c'ollocaveruut. Auch nacli diesem bericht ist der tempel
(ittdum fidem in Cantia siisceperat, sed frustra. nam rediens domum
a qiiibiisdani (»erversij» et nxore sua aeductos altare Christi et ^aento-
fiis in uno eodetni/ue phatw liahebat, quod rex ejuadem provinciae Atliel-
wolt, qni vetierabilis Bedae aetate fuit, iisqiie ad suuni tenipiis perdu-
ra«»e testatur.
') seitsam will Mone (gesdi des heid. 1, 171. 175) diesen Wuo-
taasoiiltug b«i Tuggeu auf Heniler, von denen hier niemand iveifs,
ni«'lit auf Alamanneu beziehen, weil Jonas sagt: sunt inibt vidnae nn-
tiunes Suevorum. das lieifst aber {gerade: da herum an^i^efiesscn , von
}tb^eles;ueu war ^nv kein aulnfs zu sprecheik Coluniban \ erweilte an
dem ihm uii}$crhlli<;en orl , um die heidiiisehen bewohncr %ii bekehren,
aurh liegt nai-h Walalridü darKtelitin«; die p^egend nt/m partes 41a-
iiiauniae, wo ebenso wol stehen dürfte intra.
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GÖTTEH. BILMiR 71
frfilier chrtsllich, hernach von iJeulen (Alamanneii) chige-
uofiimen, also nicht iirrümisch. Den worten 4dola vana
nmfringentes' fü»l Ildof. von Arx die oberllSchliche anmer-
kimg bei: Jonas in vita Columbani Jfodani idola fuisse
«rribit, Ratperhis in 8. Galli cantiiena Jovisy Kkkehardus
IV. Joifia et Neptuni, halte er doch diese wichtigen an-
gaben wörtlich mitgetheilt. Jonas redet von gar keiner bild*
seule des Wodan , mir von einer knfe , A^rin ihm geopfert
wurde, die idola, deren die (im deutschem text verlorne,
im lateinischen unvollständig herausgegebene) cantiiena, tuid
Eckehart gedenken, müssen sich nicht auf die abgülterel
am Zürchei-see, sondern auf die am Bodensee beziehen, von
welchen hier die rede isl , also war wenigstens eine dei*
(b'ei bihlseulen ch'c des Jupiter (d. h. des alam. Donar)^
was ganz zu der nordischen vereinigimg dreier biider stimmt^
deren mittelstes immer den Thor vorzusleHen pflegte. Den
Neptun will ich liier nicht anriiliren. Aber aus dem al-
len scheint hervoi'gcliend , daCs unsere tres imaginea star^
keren anspmch auf deutschen Ursprung haben , als die •.
54 angeführten imogiries lapldeae im luxovischeu wald. *)
•) zwei berichte Grepfors von Tours über biMseuIen der Diana
im Trlerisclien , des Mercur und Mars im sudh'clien Gallien l>ieten,
wenn sie niicli keinen jredanken an deutsche {?otter zulassen, nierk-
wardlge vergleichnngen dar. Hist 8, 15: deinde territorium treverlcae
■riiis expetii , et In quo nunc estis monte liabitaculum , qaod cemitii,
proprio labore cooitruxi ; reperi tarnen iitc Dianae simulacrunt , quod
popuhi« hie incredulus quasi (feum ndorahat, rolnmif in etiam statui,
in qiin cum ^randi iTUciatn sine ullo pedum stahani tegmine
Vemm ubi ad me multitudo vicinarum civitatum confluere coepit, prae-
HImhBni jagtter, nihil esse Dianamy nihil tdmuUcrat nihilque quae eto
^idetiatur exerceri cultura: iudigna etiam etse ipsa, quae inter pocula
lüxariasque profluas cantica proferebant, sed potius deo omnipotent!,
qui coelum feeit ac terram, di<;num sit sacrificium laudis impendere.
orahnni etiam saepius, nt sirntthnro dominus diruto dignaretur popu-
Inm ab hoc errore discutcre. Flexit domini misericordia mentem rusticam,
iit ineliuaret anrem suani in verba oris mei, ut acilicet relictis idoli« do-
nnooi feqneretur, (et) tnnc convocatis qaibu«dam ex eis simulacrum
lioe iwtiensum , quod elidere propria virtute non poteram , cum eorum
xljutorio po8»em eruere; jam enim reliqua sigillorum (die kleineren
biider), quae faciliora erant, ipse confre^eram. Conveoientibus autem
ttaltb ad Imuic Dianae stataam^ missis funibus trahere coeperuut, sed
nihil labor eorom pro6cere poterat. Darauf gebet«, egressusque post
•ntionem ad operarios veni , adpreheasuraque funem ut primo ictu tra-
uere coepimus, prQitnwt simularruiti ruit in lerramt coitfractumque
tum imtlUis ferreii in puluerem retlegi. So giengen biider zu gründe.
<fereB betraclitnnj^ uns jetst selir lefirreich dünken würde ; wahrscbein-
lidi war diese Diana eine miJtchttiig des rdmiscben und gallischen cul-
tat, ona hat iaachriften von einer Dicuia arduinna (Bouqnet 2, 319.)
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78 QÜTTBfl. MLDBa
Die einstige stelle .vou gölterblldem der Sachseu ist die
bekaniile Witeclimds voü Corvei, aU or ihi^en sieg über die
ThüriDger au der Uuslrut (um 530), 'ul niajorum memo-
ria prodit' erzälilt : mane auleiu facto ad oricntalem portani
(der bürg Schidungen) ponuut aquilam , ararnqae victoriae
coastrueutes , secundum errorem paternujii, sacra sua pro-
pria vetieratioue venerati suut , nomine Martern ^fftgi^ co^
lunwanun imil&lbtes, HercuUtn loco solis, quem Graeci
appellunt ApoUinenu
DoTs in friesischen tempelu götterbilder >varen, scheint
mehrfaches Zeugnis zu ergeben, zwar die stelle über ¥k^
süe (s. 54) nennt nur fana dei, es wird erzählt, dafs sich
Wilibrord an der heiligen quelle vergriffen, nicht dafs er
ein biid vernichtet habe. Dagegen drückt sich die vita Bo*
nifacii (Pertz 2, 339) über den neuen aufschwun^ des hei-
denthnnis unter könig K^dbod (um 716) so aus: jam pai*a
ecclesiarum Christi, quae Francorum prius subjecta erat impe-
rio, \astata erat ac destructa, idolorutn quoque cultura ex*
atniclis delubrorum fanis lugubriter renovata« und will mau
hier idoloriun nur für deorum gelten lassen, so sagt die vita
W'iileliadi (Pertz 2, 380) bestimmter: insanum esse et vanum
a lapidibus auxilium petere et a simulacria multis et surdiM
subsidii sperare solatiiun. quo audito geus fera et idololatriis
uimium dedita slridebaut dentibus in eum> dicentes, non
debere profanum longius vlvere, imo reum esse mortis, qui
tarn sacrilega contra deoa suos irwictisaimos proferre prae*
sunisisset cloquia. das ei^ignis föilt in des achten jh. mitte,
Auskars (f 865) aufzeichnung erst hundert jalire später;
doch befugt ist man nicht, in jenen Worten blofse ausschmü«
ckuug zu erblicken, ich woifs nicht einmal, ob für leere
piirase gehalten werden darf, wenn es in einer ei^t 839
gceduiebencn vita S. Goari (f 649) heifst: coepil gentilibus
Die andere stelle findet »ivU niirac« 2, 5: erat ntttem haad procnl •
celluta , qnnin 5iipni sepulHiinm martjri« (JuHnni arveraen««) üaec na-
troua (tinHtntxerat (io vico brivatensi) grantle delubrum^ ubi ia eo~
lumna ohisxima simitlachrunt Mortis A/ercuriique colebatitr. cum-
que delubri illius festa a «^entilibofl agerentnr, ac mortui mortuU tliora
deferrent, uiedio e \u\{fo comnioventur pueri duo in scandalum, auda-
fO(|ue onus gladio alteruni appetit trocidandnm. der eine flieht war
Zelle des heilij^en und wird gerettet quarta autem die, com gentHi-
tas %-eltet iterum diis exhtbere libamina, verrichtet der christlicbe prie-
stt>r ein bnln^itijte« j|:el>et sum martyr, es entsteht ein heftiges gewitter,
die beiden er^tctirecken : recedente auteni tempestate gentiles baptisati
ttatttas , quas colnerant , conj ringente» , in lacum vico amnique pro-
ximum projectrunt. Bald darauf kamen Burgunden in die«e gegend.
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GÖTTBR. BILDBR 79
per drcuitiioi (d. )u in Ripuarien) simulacf*orum cullui de-
dttift et vana idolorum superstitioue deceptis verbum salu«
tU annuntiare (acta Beued. sec. 2 p. 282.) gewölinlicli
liegen solchen lebensbeschrcibungen schon ältere auisätae
zum gründe.
Die Friesen bilden in jedem betracht den Übergang zu
den Scandinavievn ; bei dem vielfachen verkelir dieser bei*
den an einander grenzenden Völker ist üichts natürlicher
als die annähme, dafs den heidnischen Friesen auch die ge*
wohnheit des tenipel und bilderdienstes mit jenen gemein
war. selbst den tempel des Fosete auf Helgoland denke
ich mir kaum bildlos.
Fertigkeit bilder und gestalten aus holz zu schnitzen
oder aus stein zu meü'seln lassen schon jene signa und
effigies lies Tacitus erwarten, und diese kuust konnte sich
bis zu einem gewissen grad vervollkommnen, steinwaifen
und anderes geräth, das man in grabhügeln findet, zeu-
gen von nicht ungeschickter behandluiig schwieriger Stoffe.
Dafs kein einziges germanisches gütterbild der zerstörenden
macht der zeit und dem eifer der Chi'isten entgangen ist^
darf uns noch weniger \erv>'uudcrii als der Untergang der
heideutempeL hat sich doch auch im Norden, wo die zahl
der bilder gröfser war, und die Vernichtung weit später
erfolgte, keins erhalten, alle letlirische, alle upsalisch«
gOtzen sind zerschlagen, der technische ausdruck war dort
skurdgodh (forum, sog. 2, 73. 75) von skera (sculpere)
•kui*d (sculptura.)
Der götterbildcr zu Letlu^a geschweigt Dielmars nach*
riebt; in Adams von Bremen besclireibung der upsalischen
ist zumal merkvirürdig , dafs drei bildseulen y wie bei je-
nem alamannischen tenijiel, angegeben wurden : nunc de so*
perstitione Sveonum pauca diccmus. nobiliasimum illa
gens templuni babet, quod Ubsola dlcitur, non longe posilum
a Sictona civitale (SigtAii) vel ßirka. in hoc templo, quod
totuDi ex auro paraluni est, siatuas triam deoruni vene-
ratur populuS; ila ut potentissimus eorum Thor in medio
solum habeat triclinium. hinc et inde locum possident Wo«
dam et Fricco. die weitere Schilderung gehört noch nicht
hierher, es kommt dabei auch der ausdruck sculpere vor;
da der ganze tempel aus gold bereitet, d. h. goldverziert
•«in soll , so hätte er auch die gutterbilder vor allem per^
goidet bezeichnen können, wie die alamannischen aereae
und deatiratae heifsen. Einer goldneu bildseule Othlns er-
wähnt Saxo p. 13: cujus numen Septentrionis reges pro-
peusiore cultu prosequi cupientes efligiem ipsius aureo com-
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80 GÖTTKR. BILDER
plexi fiimulacro^ staluam siiac dignatiunU indicem ma-
xunn ciiin religionis simulatione ßyzaiiüuni traiismiserunl,
cujus oriam bradiiorum Uneainenla coiirerlissinio ariniUaruiii
poudere perstringebaiit. diese gan/.e stelle, und was wei-
ter folgt, ist nicht nur unliiöloridcli, sondern auch den echten
mylhen entgegen; es erscheint darin bloCs Saxos und seiner
sseit vorstellungsweise von den gütlern, und insofern damit auch
goldue und gesclunücklcgüUerbilder übcreinslinunen, löfsl »ich
folgern, dafs die erinnerung an solche l>ilder damals forllel>le.
Nach dcrNialssaga cap 89 befanden sich in einem norwegischen
tempel (godhahüis) wiederum drei bilde r ^ Thors und der
beiden halbgüttinnen Thorgerdhr und Irpa, in mensclilicher
gröfse und geschmückt mit armspangen ; wahrscheinlich safs
Tlior in der mitte beider auf seinem w.igen. liberhaupt
scheinen Tliors abbildungen die häufigsten gewesen zu sein,
wenigstens in Norwegen. *) ein tempel , worin viele skurd-
godh verehrt wurden , zumeist aber Thor, wird fornm. sog,
2, 153 und 159 besclrt-ieben, ebendaselbst 1, 295. 302 —
306. seine bildseulen\ 2, 44 heilst es: Thörr sat t mi^'
dhjtt ok var mest tignadhr, hann var mikill ok aiir guUi
hiiifin ok ailfri (ex auro et argento confectus); vgl. Olafs
lielga saga ed. holm. cap. 118. 119. Einer trug ein bild--
dien Thors aus walifischzahn geschnitzt (iikueski Thors af
tonn gert) bei sich in der tasclie. forum, sog. 2, 57, um
ihn noch heimlich, unter Christen, zu verehren. Thors
hild wurde auf die ündvegisseiüen geschnitzt (Eyi'bygg. p.
8) und vornen an die schillfe (fornm. sog. 2, 324.) Bild-
nis der Thorgerdlu* hüigabriüdhr, mit goldringen um den arm,
vor welcher niedergekniet wird, fornm. süg. 2, 108. Frejrs
bildaeule aus silber (Freyr markadhr af silfri) Vatnsd.
p. 44. 50 ; in Schweden auf einem wagen umgefuhrt
fornm. süg. 2, 73 — 77. die Jomsvikingasaga gedenkt eines
tempels auf Gautland , in welchem hundert gÖtter waren
(fornm. sog. 1 1 , 40) ; eine wirkliche densitas imaginum
nach dem ausdruck des Jonas (s. 54.)
Aber weder die angäbe der zahl der bilder, noch ilirc
beschreibung in den sagen darf für historiscu gelten ; blofs
dafs es bilder gab, wird dadurch erwiesen, die meisten
scheinen aus hol» gehauen, einige wiu*den vielleicht bemalilt,
bekleidet und mit silber oder gold überzogen; doch mögen
auch steinerne vorgekommen sein und kleinere aus kupier
oder eifenbein. **)
*) Fiim MngDassen bidra^ tit nordisk arcliaeolofn« p. 118 — 159.
**) Finn Magnussen a. a. o. 132 — 137.
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GÖTTER. BILDER 81
Bis hierher ist die erwähnung eines besouderen aus*,
drucks lür bildseuie, woran sich merkwürdige nachrichleii
von heidnischen gütterbildern knüpfen, verspart worden.
Ahd. glossen haben das worl irmarisuU pyramidcs,
mons. 360; avarün, zVma««/i// pjrramides. Doc. 203*^; 2>-
rnanadl colossus, altissima cohimna* florent. 987« blas. 86 ;
die eigentliche bedeutung scheint bildseuie, nacli dem syno-
nymen ai^ard zu lurtheilen, welches gl. Jun. 226 für sta-
tua und imago gebraucht wird, sie ist aucli im 12 jh.
noch unerloschen, wie sich aus Äwei stellen der kaiser-
Chronik, bald im anfang des gedichts ergibt, und vermut-
lich sind ihrer mehrere; von Mercur heifst es:
Af einir yrmensul^.
stuont ein abgot uugehiure^
den liiezen sie ir koufman;
hernach von Julius CiesarS
Homere in ungetrüweltche sluogen^
Af einir yr mens äl sie in begiuioben;
)a im letzten capitel des Titurel, als die grofsen seulen des
graltempels beschrieben werden, hat die hannov. hs. statt
der lesart inneren seul des drucks richtiger irmenaiiL
Nun aber findet sich in den fränkischen annalen ad
a. 772 wiederholentlich, dafs Carl der grofse bei besiegung
der Sachsen einen hauptsitz ihres heidnischen aberglaubens
imweil Heresburg *) in Westphalen zerstört und dieser
Irminsul geheil'sen habe. Ann. petav. : domnus rex Ka-
rolus perrexit in Saxoniam et conquisivit Erisburgo , et
pervenit ad locum, qui dicitur JErmensul^ et succendit ea
loca (Pertz 1, 16.) ann. lauresh. : fuit rexCarlus hostiliter
in Saxonia et destruxit Janum eorum, quod vocatur
Irminsul (Pertz 1, 30.) ebenso das chron. moissiac. (Perlz
1, 295) wo nur HirminsuL ann. juvavensesi Karolus
idolum Saxonorum combussit, quod dicebant Irminsul
(Pertz 1, 88.) Enhardi fuld. annales: Karolus Saxoniam
hello aggressus, Eresburgum castrum cepit, et idolum Sax-
onum, quod v(;^abatur Irminsul destruit (Perlz 1, 348.)
ann. ratisbon.: Carolus in Saxonia conquesivit 'Eresburc et
Irminsul (Perlz 1, 92.) ann. lauriss. : Karhis in Saxonia
castrum Aercsburg expugnat, fanum et lucum eorum /a-
mosum Irminsul subverlit (Pertz f, 117.) ann. lauriss.:
et inde perrexit partibus Saxoniae prima vice, Aeresburgum
*) dem lientigen Stadtl>ergen ? vgl. die stelle aas Dietmar; abec
gvte gründe rathen, die »eule sechs standen tiefer im Oining aozu-
■eUen. Closttrmeier Eggeiteretein p. 96. 97«
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82 GÖYTBR. BILDER
cadtriiHi cepit, ad Etmensul u&(iue pervenit et ipsum fanum
destnixit, el aurum et argeatum, quod ibi repperit, abstulü.
et fiiit siccitas magna, ita ut acjua deficeret m supradicto
loco, ubi Ernienaul atahat ^ cel. (Pertz 1, 150.) Eiuhardi
anii.: ferro et igni cuncta depopiilalus , Aeresburgum ca^
stniJii cepit, idolum quod Inninaul a Saxonibus vocaba»
tür, evertit (Peru 1, 151.) Wiederholungen in den ann.
liliati. lind im ehr. Regln, (wo Ormenaul) Pertz 1 , 220.
557. *) Und Dietmar von Merseb. (Wagn. p. 21) erzählt
noch bei gelcgenheit späterer begebenlieiten : sed exercitiw
capta iH'be (Eresburch) ingrcssus juvenem praefatuni iisqiic
in ecciesiam S. Petri, ubi priua ab antiquia Irminsul
colebatur y hello defatlgatum depulit. Irminsül heifst also
in allen diesen stellen, ganz nach den im vierten cap. ent-
wickelten Übergängen der bedeutung, bald fanutn^ bald
lucusy bahl idolum selbst; es ist kaum zu zweifeln, dal's
sich in dieser gegend mächtige Waldungen ausbreiteten:
wie wenn der bergwald OsniNg**), m dem die seule ver-
mutlich stand; einen heiligen wald bedeutete und an»
ds zu ans (s. 17) zu erklären vväi*e? ***) der gold und
Silberschatz , dessen sich Carl da bemächtigt habe , kann
sagenhafte ausschmückung sein. ****) TVälicr lafst sich über
die Irminsul aus Huodolf von Fuld; nach seiner allge-
meineren äufserung über die heidnisclien Sachsen (s. 69)
frondosis arboribus fontibusque venerationem exhibebant^
fährt er fort: truncum quoque ligni non parvae magni*
tudinis in altum erectum sub divo colebant, patria eum
Hngua Irminsul appellantes, quod latine dicitur universa--
lia columna^ quasi sustinens omnia (Pertz 2, 676.) es
war eine grofsc hölzerne seule aufgerichtet, unter freiem
hunmel verelirt, ilu* name sagt aus: allgemeine, alles tra-
gende seule. Diese deutung scheint untadelhaft, wenn wir
andere Wörter hinzunehmen, deren bcgrif durch die Zu-
sammensetzung mit irmin gesteigert wird, irmingot^ der
höchste gott, der gott aller, im iiildebr. lied, kein beson-
dei^r, in der bedeutimg nicht verschieden» von dem durch
') poeta Saxo I, 65 (Boaquet 5, 137.)
Geus eadem coluit simulacrum, quod vocitabant
Irmin.sul^ cujus n Iura simulque colujnna
non operis par\i i'uerat, pariterque decoris.
•*) iBons Osninjtr, Osncugi (Pertz 2, 329. 447.) silva Oniins (Wf-
gands arcli. 1. 4, 76. 79.)
•••) das N vor dem ing setzt eine liinzu«;etretue ableitung voraus,
alid. aiisniuc, «uüaninc? vgl. Ensingen, cod. lauresh. 1, 196.
••••) gemalmt dies, r Krmenseulscliatz an die sage von Ermenrich«
s<liat/.V (Saxo granini. 156. Reioli. fu<lis CLIJ.)
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GÖTTER. BILIMBR. «3
eiü anderes praefix verstärkten thiodgod Hdl. 33, 18. .52,
12. 99, 6. irniinnian^ erhühler ausdnick für mensch
llel. .38, 24- 107, 13; inninthiod H^l. 87, 13 uiul Hüd.
fiir meuschengescliiecht* ebenso erkläre icli andere mit
irman^ irmin componierte cigennanien (graniin. 2, 448) und
irmansuly irminaül ist die grofse, liohe, göttlich vereint
bildseule, dafs sie aber einem einzelnen gott geweiht Avar,
liegt nicht in dem ausdruck selbst, auf gleiche weise wird
im ags. gesagt eormencyn (genus humanum) Beov. 147.
eormengrund (terra) Beov. 66. eormenldje (reÜquiae)
Beov. 167. eormenstr^nd (progenies), und im aUu. /ör-
mungnind (terra) iörmungandr (auguis maxinius) lör-
munrekr (taurus maximus), woraus sich das hohe, mythische
aher, und die Verbreitung dieser benennungen unter allen
deutschen volksstämmen ergibt, denn auch den Gotheu
können sie nicht fremd gewesen sein, wie ihr berühmter
königsname Ermanaricus (airmanareiks) darthut, und un-
bedenklich sind die Hermunduri eigentlich Ermunduri
(gramm. 2, 175), wie das H in allen solchen formen häufig
vorschlägt.
Was öim der wahrscheinliclie sinn des Wortes irman^
iörmurif eormen -war, ob darin der name eines gottes,
oder vergötterten beiden lag, wird erst im verfolg unter-
sucht werden, hier kam es darauf an, seine allgemeine
bedeutung in den Zusammensetzungen zu entwickeln; vor-
läufig bemerke ich, da ('s in einer gerade von einem Sach-
sen, im gegensatz zu jenen fränkischen annalisten, verfafs-
tcn Chronik das wort 8ul weggelassen wird: quam (capei-
lam) corum pater et avus in castello Heresburg consttnii
jusserat. . . . haec est Aresburg, cniam Karolus obsidionis
fraude cepit, atquc destructo idolo irmin ^evastavit. chrou#
em*beiense (von 768 — 1187) ad a. 826 (Wedekinds notea
1, 379.)
Die Sachsen mögen also melu* davon gewust haben \
unter den Franken und in Hochdeutschland verband man,
vom achten bi^ in das dreizehnte jh. mit irniansul di«
allgemeine Vorstellung eines heidnischen , auf einer seule
errichteten bildes. unter dem trunciis ligni dachte sich
Ruodolf wahrscheinlicher einen auserlesenen, heilig gehaU
tenen baumstamm (mit oder ohne gölterbild?), als eine von
menschenhand gezimmerte seule ; jenes stimmt auch zu der
Verehrung sub divo, zu dem von einigen Chronisten ge-
brauchten ausdruck lucus und der einfachlieit des ältesten
Walddienstes, wie sich das bild in den begrif des baums
verliert, geht der bäum in den des bildes über, und der
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84 GÖTTER. BILDER
vrestphäliftclien Irmenseiüe liegt die Vorstellung von der
hessischen doanerciclie sicher ganz nahe, beide verwan-
delten die bekehrer in Petei^kirchen. Zuletzt noch die
uachricht von einem heiligen stock in Neustrien , vfle sie
in der vita Walarici abbalis leuconensis (f 622) euthalten
iiit , die auFzcicluuing soll im H )h. geschehen sein : et
juxta ripam ipsius fluminis stips erat magntts^ diuersis
imaginibus figuratus^ atque ibi in terram magna virtule
immissus, qui nimio cultu more gentilium a ruslicis co-
lebatur. Walaricus läfst den klotz umwerfen: et his qui-
dem ruslicis habitautibus in locis non parvnm tarn moero-
rem quam et stuporem onmibus praebuit. sed undique
iUis certatim concurrentibus cum armis et fustibus, indigne
hoc ferentes invicem, ut quasi iujuriam dei sui \iudica-
rent. (acta Bened. sec. 2. p. 84. 85.) der ort hiefs Au-
gusla (boui'g d' Äugst, unweit der Stadt Eu), es wurde her-
nach an der statte eine kii-che errichtet.
Ich glaube im allgemeinen nachgewiesen zu haben,
dafs es götter und bildseulcu im ältesten Deutschland gab.
Bevor aber nun die Untersuchung zu den einzelnen
güttern vorsclu'eiten kann, wird es nothig sein noch zu
erwägen, wie das alterthum verfuhr, um fremde gotter-
uamen auf deutsche, und umgekehrt deutsche auf fremde
anzuwenden.
Der darstellungsweise der Römer war ^ es weit mehr
angelegen, durch freie Übersetzung halbe deutlichkeit zu
erreichen, als durch beibehaltung barbarischer ausdrücke
der nachweit einen dienst zu erweisen, willkürlich aber
verfuhren sie nicht dabei, sondern mit einer unverkennba-
ren auGmerksamkeit.
Älit Caesars »So/, Luna und Vuhan könnte man am
wenigsten zufrieden sein, allein Tacitus scheint keine be-
nennung römischer gottheiten ohne vorsieht und Überle-
gung zu brauchen, er nennt blofs Mercur und Mar»
(Germ. 9. ann. 13, 57. bist. 4, 64), von vergötterten hd-
aen. Hercules, Caator und Pollux (Germ. 9. 43), von
göttinnen /«2« (Germ. 9) , die terra mater, mit deutschem
uamen (Germ. 40), die maier deum (Germ. 45.) Ganz
unvergleichbare, z. b. Apoll oder Bacchus werden niemals
verglichen. Das auffallendste ist, dafs Jupiter nicht vor-
kommt, und die auszeich nung Mercur»^ der bei den Rö-
mern nur eine gottheit zweiten rangs bildet, hier als
vornehmste unter allen erscheint: deorum maxime Mer-
curium colunt, dem auch allein menschenopfer fallen,
während Mars luid Hercules sich mit thieren begnügen.
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GÖTTER %
das hervortreten Mercurs erklärt sich walu'scheinlich daher,
dafs dieser gott auch unter den Galliern als hauptgottheik
verehrt und zumeist abgebildet wurde (dcuin maxime
Alercuriuin colunt , hujus sunt plurima simulacra. JuJ.
Caes. 6, 17*), die blicke der Römer nach Deutschland im-
mer aber Gallien im Vordergrund sahen ; vielleicht hatten
auch gallische berichterslatter den germanischen gott bk
dieses licht gestellt, beachtenswerth ist dabei die gallische
Verbindung des Mars und Mercurius in bildseulen (vor-
hin s. 77), gerade wie Tacitus die germanischen zusammen
nennt (ann. 13, 57.) Die auslassung Jupiters hat augen-
»cheinlich ihren ginmd darm , ' dafs sein cultus bei den
Völkern, die Tacitus zunächst kannte, dem des Mercurs
nachstand ; wir werden im verfolg sehen , dal's die nörd-
lichen, entlegneren stamme umgekehrt dem donnergott ihre
hauptsachliche Verehrung widmeten. Über Isis und Her-
cules will ich mich späterhin erklären ; wen man sich
unter den Dioscuren denken solle, ist schwer zu rathen;
vermutlich doch zwei söhne \Viiolan8, und mit rücksicht
auf den inhalt der edda würden sich Baldr und Hermödhr.
die beiden brüder, am meisten dafür eignen.
Diese anwendung classischer namcn auf deutsche göt-
ter verbreitete sich allgemein und wird von den lateiii.
Schriftstellern der folgenden jlih. mit genaxier Übereinstim-
mung beibehalten; einmal in Umlauf gesetzt blieb sie lange
xeiten hindurch üblich und verständlich.
Der gothische gesclüchlsclireiber benennt uns nui' einen
gült auf rumische weiae , und es ist Mars : quem Gothi
seniper asperrima placavere cultura (Jornand. p. 86), wo-
mit schon der scylhische Ares (ilerod, 4, 62. 63) vergli-
chen werden mag.
Pauhis Diac. schliefst was er von Wodan erzählt mit
der ausdrücklichen melduiig (1, 9): Wodan sane, quem
adjecta lilera Gwodau dixerunt, ipse est qui apud Roma-
nos Mercurius dicitur, eC ab universis Germaniae genti-
bus ut deus adoratur. ebenso versichert Jonas von Bob-
bio, sein älterer landsmaun, in dem bericht von den op-
fernden Alamanneu: illi ajunt, deo suo Vodano, quem
Mercuriurn vocant alii, se velle litare, wobei euie ander-
wärts eingeschaltete glosse weniger richtig sagt : qui apud
cos Vuolant vocatur, Latini autem Martern ülum appellant.
*) SchopiKn AI«, ill. 1 , 195-^0 uikI xamal ober ein fnnam Mer-
eara n Ebermnnj^ter, da«. 1, 58 vergl. UummeU bibl. doiititcii. altcrlli.
f. S29. Creuzer altröm. cultur am Oberrliein p. 48. i)H.
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86 GÖTTER
Dem Gregor von Tours sind (oben 8« 74) Saturn
imd Jupiter j dann aber jtfar« Mercuriuaque die gottbeiten,
welche der heidnische Chlodovich anbetete. "Witekiiid von
Corvei nennt Mars und Hercules als götter der Sachsen (s. 78.)
Im Indiculus paganiai*um wird unter 8 aufgezählt :
de sacris Mercurii vel Joi^is *) ; unter 20 : de feriis, quac
faciiint Jovi vel Mercurio ; der donnernde gott, dessen
Tacitus geschweigt, ist also bei andern unvergessen, und
nun verstehen wir auch Wilibalds erzählung von dem
robur Jopis (^s. 44) und Bonifac. ep. 25 (a. 732) den
presbyter Jot^i mactans.
In den additamentis operum IMatthaei Paris , ed. W.
Walts Paris. 1644 p. 25. 26 steht ein alter bericht von
büchern, die man zu Verlamacestre bei der anlegung, eines
kirchenbaus ini zehnten jh. aufgefunden und verbrannt ha-
ben soll, eins derselben enthielt invocationes et ritus ido-
lolatrarum civium Varlaniceslrensiiun : in quibus comperit,
quod specialiter P/ioebuniy deuni solle invocarunt, et co-
luerunt, secundario vero Mercurium^ T^oden anglice ap-
pellatum, deum videlicet mercatoruin , quia cives et com«
patriotae .... fere onmes negotiatores et institores fuerunt«
ollenbar hat der berichterstatter von seiner gelehrsamkeit
hinzugethan.
Stellen, welche unter Diana eine deutsche göttin zu
verstehen scheinen, sollen später mitgetlieilt werden. Nep^
tun einmal genannt (oben s. 77.)
Älelis Stoke, schon im beginn des 14 jh., weifs noch,
dafs die lieidnischen Friesen den Mercur anbeteten (1,
16, 17); ich kann die lat. quelle nicht nachweisen, aus
Avelcher er dieses ohne zweifei schöpfte. **)
AVenn angenommen werden darf, und es scheint mir
iasl unbedenklich und nolhwendig, dafs seit dem ersten ih.,
in den sechs oder acht folgenden, eine ununterbrochene
überii'agung der angeführten und einiger äluilichcn lateini-
schen götternamen auf einheimische gotlheiten Galliens
und Germaniens statt fand , und unter den gelehr tgebiKle-
tcn verbreilel wurde; so erlangen wir allein dadurch -anf-
sclihifs über eine noch nicht befriedigend erklärte merk-
würdige ergcheinung : über die frühe in das halbe Eu-
ropa eingedrungne heidnische benennung der woclientagc,
*) wäreil es die römischen gotter, so wurde sicher Jupiter zoer^t
und Mercur erst nach ihm genniiiit.
**) uiiscrt* nihd. dichter machen keine solche mittheiluiijzen ; sie
kümmern sich nur um Sarazenennbgolter , unter welchen frellicli auch
Jifpiftrr und Jjfu/fo auftreten.
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GÖTTER 8/
Diese uaiuen sind ein giinsüges^ iiicJit zu übersehen-
des Zeugnis für das deutsche heidentbum.
Ich slelle mir die sache so vor. *)
Von Aegypten her durch die Alexandriner kani sie-
bentägige woche {IßSo/ims) und planelarische benennung
der Wochentage bei den Römern auf, unter Jul. Caesar.
älteste erwähnunng des dies Saturni, in ver1)indüug mit
dem jüdischen sabbat, bei Tibull 1, 3, 18. tj?Jov ^itega^
Justin, martyr. apolog. 1, 67 ; ^Eq/liov und' ^(fQoSlt^s r^fii^a
bei Clemens alex. ström. 7, 12. die einrieb tung durchge-
setzt nicht lange vor' Dio Cassius (37, 18), um den schhifs
des 2 jh. **) Das diristenthum halle die hebdomas von
den Juden übernommen und konnte nun auch die abgöuU
sehen ^tagnamen nicht leicht von der kiiche abwehren.
Diese namen, samt der wocbeneintlieilung, waren
aber firüber als der christliche glaube von Rom aus nach
Gallien und Deutschland übergegangen. In allen romani-
schen ländern dauern die planelennamen bis auf heute
fort (meist in selu* verkürzter gestalt), nur für den ersten
und letzten Wochentag ausgenommen : slatt dies solis walüle
man dies dominica, ital. domenica, span. domingo, franz.
dimanche ; statt dies Saturni blieb das jüdische sabbatum^
ital. sabbato, span. sabado, franz. saniedi (=sabdcdi, sab-
bati dies.) aber die heidnischen benennungen auch dieser
beiden tage waren lange noch volksmäfsig : ecce enim dies
solis adest, sie enim barbaries vocitare dicni domiuicinn
consueta est. Greg. tur. 3, 15.
Leider entgeht uns kenntnis der gothischen lagnanien.
das allein bei Ulf. vorkommende sabbate dags, sabbql6
dags, beweist niclits, wie wir eben salien, wider dio pla-
lielarische benennung der übrigen sechs oder fünf lago.
ein sunnöns dags, m^nins dags lassen sich mulmafsen , die
vier übrigen, für uns die wichtigsten, wage ich nirht an-
zugeben. Es wäre für unsere ganze untei^suchung vom
höchsten werlh, wenn sie sich erhalten hätten.
Ahd. sunnün dag 0. V. 5. 22; gl. blas. 76^; mdniti
tac (ohne beleg, mänetag N. ps. 47, 1.) dies Martis. bei
den Alamannen wahrscheinlich Ziuwes tac, im 11 ih. f ^'^*
*) hierbei Icann ich nur den anfang, nicht den für meine iin(er-
suchnng wichtigeren schlufs eine» gelehrten aufsatzes von J. C. Hare
benutzen: on the naraes of the days of the week (phllolop:. miHenm.
nov. 1831.) zu vergl. ist Idelers handb. der Chronologie 2, 175 — 180.
••) aller veris zu ende der auftfj^aben des Ausonius : un<;iic« Mer^
curioy barbaui Joue, Cypride crines.
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88 GOTffiR
dao gl. blas. 76* '*'), bei den Baiem und Longobarden wol
oudcrs. dies IMercurii vielleicht noch fVuotane^ tac? das
absiracte diu niittau^echa N. ps. 93 mittufoclia gL blas.
76^. dies Jovis Donarea tac, Toniria tac N. ps. 80, 1.
donresXeiC gl. blas. 76*; dies Veneris Fria dag 0. V. 4,
6. Frfge tag T. 211, 1 ; endlich mit Umgebung des heid-
nischen dies Saturni, >vie im romanischen und gothischen,
sambaziSLQ T. 68, 1. N. 91, 1 samiztag N. 88, 40. auch
dein roman. dies donünica entspricht zuweilen Jrinia^
N, ps. 23, tag des herrn.
Spllte man glauben^ dafs aus den zaiilreichen mhd.
Sprachdenkmälern die namen der Wochentage nicht voU-
stäüdig au entuehmen sind? zwar sunnen tac (suntac
Berlh. 1 18) und mdntac (Parz. 452, 16. maentac 498, ;22 **)
leiden keiuen zweifei; auch nicht Donreatac (dunrestac
Berlh. 128); Fritao (Pars. 448, 7. Berlh. 134); samz-
tac (Berlh. 138.) Aber ungewisheit schwebt wieder über
dem dritten und vierten tag. Jener hiefs, nach merkwür?
diger Unterscheidung, in Bai^rn jBlritac^ Erctcic (die rechte
ioYXtK nicht ganz sicher, eritag Adelungs vat. hss. 2, 189.
ergel^g Qerth. 122 ; beispiele aus Urkunden sanunelt Schm.
1, 96. 97), in Schwaben hingegen i^^'e^/oc, dasausZievrea-
tac entsprungen ist. beide sich ganz abliegende formen
leben unverlilgt in der heutigen Volkssprache fort, bair.
ierte^ Ostreich» laWa, 2W^a,vioentinisclideutsch6är/a', or/a;
alem. zieatig^ ziatigy zienatig^ zeinatig ^ zinatagy die
einschaltung der liqiiida***) hat den ausdruck verderbt und
falsche nebenbegriffe herbeigeführt, im mittlem Deutsch-
laqd scheint die form dieatag ^ liestag vorzuherschen (an
der Rhone dieatih), woraus unser nhd. dienatag (schlech-
ter dinslag, das IK hat guten grund) herrührt, falsch ist
die aclu^eibung dingatag^ mit dem gedanken an ding, Ju-
dicium, dinslag steht in Oaupps magdeb. i*echt p. 272.
Den vierten tag finde ich nie, weder mhd. noch in späte-
ren volksmqndarten , nach dem goll benannt, überall hat
hier jene abslraclion um sich gegriffen, ist aber fast selbsl
unverständlich imd in ein masc. mittwochs inittich (Berlh.
124. mähtig Stald. 2, 194) verwandelt worden. So ist
auch für den fünften tag der zahlname phinztac f Berlh.
128. Sclun. 1, ^22) phingatagj durch griechischslavi-
*) Cieft^Zies, wiß di^ef glossator 86« gicimbere uad cinnun
scbreibt.
'*) 2a<rmtig==|iiontag Stald. 2, 479 soll wol »ein; zue roentig, ze
mAatage.
**^) so oieioBt f. mebt, leioae f. Ilse u. s. w.
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GÖTTER 89
scken eiufluft {ndjuTtTt^, petek, piatek, patek, nur dafs die
Slaven den freitag daininter verstehen) in einige oberdeut-
sclie gegenden gedrungen.
Auch die altsächsischen benennuogen maugebi uns,
müssen aber in euiigen wesentlichen puncten von den ahd.
abgewichen sein, wie die späteren dialecte verkündigen.
fast sicher anzunehmen ist fVödanes dag für den vier-
ten der woche, denn noch heilst er in Westphalen GorfeA/«*-
tag^ Gonstagt Gaunstag, Gunstag^ in niederrhein. Ur-
kunden Gudestag z. b. Günther 3, 585. 611 (a. 1380.
1387.) Gudenstag Kindlinger hörigk. p. 577. 578 (a.
1448.) der dritte mag gelautet haben Tiwesdag f der
fünfte Thunaresdagy der sechste Friundag? zumeist ver-
schieden war wol der name des siebenten? man bildete
nach dies Saturni Sdteresdag? vergl. westph. Saterstag,
Saiterstaig Günther 3, 502 (a. 1365). Ssp. 2, 66 liest
eine hs. für sunavend Satersdach. dieses ganz unhochd.
^nnabend scheint kürzung aus sonntagsabend, feria ante
dominicam, denn vespera solis meinte man nicht.
Mnl. II manendavh. Huyd. op St. 3, 389. IV
tVoensdach. Maerl. 2, 143. V Donretidach Maerl. 2,
144, V Vrtndach Maerl 2, 153. 157. VII Saterdach
Maerl. 3, 343, daneben sonnacht Maerl. 1, 164.
Nnl. I zondag. 11 mdndag. III dingsdag^ früher
dinsdag, disaendag, IV ivoensdag, belgisch goensdag.
V donderdag. VI urtdag* VII zaterdag.
Altfries. I sonnadei. II monadei, 111 Tysdei, IV
PFernsdei. V Thunresdeij Tornsdei. VI Iredei. VII
Saterdei^ vgl. oude fr. wetten p. 27. 216. 243. 293. 294.
Neufries. I sneyn^ Verkürzung eines compositum, des-
sen erster theil son, sonne war, dessen zweiter aber nicht
dag sein kann. II rnoandey. III Tyeadey. FV fVdns^
dey. V Tongersdey. IV FrM, gekürzt aus Fredey. VII
sniuivn^ sniouri^ gekürzt aus sonuejuwu, sonuabeud. vgl.
legcnwoordige Staat van Friesland 1, 121. Wassenberghs
bidraghen 2, 56.
Ags. I 8onnan dag. 11 monan dag. III IHves däg.
IV VSdenes däg. V Thiinores dag. VI Frige däg. VII
Sodtres dägy Sceternes däg.
Engl. I aunday. II monday. III Tuesday. W
PVednenday. V 2hursday. VI triday, VII Saturday.
Altn.^ I aunnudagr. II mdnadagr. 111 T^rsdagr^
T<jsdagr. IV Od/ii/isda^r. V Tliörsdagr. VI Frm-
dagr, Freyjudagr. VII laugardagr^
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90 GÖTTER
Sdiwed. I söndag. 11 rrü/idaff. IIl Tindag. IV
Onsdag. V Tliorsdag. VI Fredag. Vll lördag.
Däu. I söndag. 11 mandag. HI Tirsdag. IV
Onsdag. V Thrsdag. VI Fredag. Vll lö'tferdag.
Man sieht, nur in dem siebenten tag entfernt sich der
nord. nanie von dem saclisisclien xind friesischen: laiigar-
dagr bedeutet badelag, weil am schkifs der woche gebadet
wurde, und doch ist vielleicht hier zusammenliang ? ein
lat. gedieht des neunten jh. auf die schlaclit von Fontenay
(Bouquet 7, 304) hat den merkwürdigen vers: sabbatum
non ilUid hiit, sed Saturni dolium, ein teufeis bad?
^\ enn auch die Germanen von frühster zeit an die
siel)eiitagvvoche gekanni haben sollten (goth. pitöy ahd.
we/ihd, ags. vuce^ altn. viha^ schwed. vecka, dan. uge)
was ich bezweifle; so ist ihnen die benennung der tage
und deren anordnung offenbar aus der fremde zugebracht
worden, denn sonst würde einzelnes abweichen, und
der Saturn, ein völUg undeutscher und keinem einheimi-
schen vergleichbarer gott, axis dem spiel geblieben sein.
Aber nicht weniger verwerflich scheint eSj die einfüli-
rung der woche imd der tagnamen den Christen beizule-
gen, so gut sie unter heidnischen Römern in gang ka«
men, konnten sie es unter heidnischen Galliern und Deut«
seilen, ja, bei dem lebhaften verkehr dieser di^ei Völker ist
eine schnelle Verbreitung überaus natürlich. Das christen-
tlium halte die jüdische woche, und duldete namen, die
ihm ein häufiger anstofs, aber bereits zu tief eingewurzelt
waren und sich nur theilweise verdrängen liefscn. Jene
Worte Gregors zeigen den ganzen Widerwillen der geist-
lichkeit, imd nocli deutliclier geht er aus der (im syn-
lagma de baptisnio p. 190 gedruckten) aufserung eines
isländischen biscliofs im j. 1107 hervor, welcher sie wirk-
licli für Island abschafle und durch blofse zahlnahmcn er-
setzte. Wie hätten jemals die bekehrer gelitten, dafs ver-
balste namen der abgülter den neubekehrlen zum tägli-
chen gebrauch überliefert ^^'ürden, wären sie nicht schon
längst unter dem volk liergebracht gewesen? und wie
hätten in Deutschland die lateinischen gütter in deutsche
übersetzt werden dürfen, gleichsam um sie dem volk erst
rocht nahe zu rücken , wenn dieses nicht schon jahrhun-
ilcrle lang damit vertraut gewesen wäre?
Das hohe alter der Übertragungen ergibt sich auch
ganz aus ilirer genauen einstimmimg mit dem Sprachge-
brauch der ersten jnhrlumdeiie , sobald es darauf ankam«
deutsche götler in römische zu verwandeln. Meiner ver-
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GÖTTEa 91
mutung zufolge mufs die eiiiführuug der wocheutagnameD
wenigstens in das vierte oder fünfte }li. bei uns geset»!
werden; vielleiclit hatte ^e nicht überall in Deutsddand
zugleich statt.
Unsere vorfaliren, in natürlicher täuschung befangen,
hüben woi schon frühe an, den Ursprung der wochen-
tagnaincn auf die eignen göller iln*er hebnai zu beziehen.
Willielmiis mabnesbiu*. , die ankunft der Sachsen in
Britannien berichtend, erzälilt von Heugist und Horsa, dafs
sie aus dem edelsten gesclileclit abstammten : erant enim
abnepoles illius antiquissimi Voden^ de quo omnium pene
barbarai^um gentium regiuni genus lineam traliit, quemque
gentes Anglorum deum esse delirantes ei quartum diem
septimanae et sexium uxori ejus Freae perpetuo ad hoc
tempus consecravenmt sacrilegio (Savile 1601. p. 9.) Um-,
ständiicher bei Galfridus monemut. (lib. 6. ed. 15H7 p«
43.) Hengist sagt zu Yortigern: ingressl sumus maria,
regnum tuum A\xce Mercurio^ petivimus. ad nomen itaque
Mercurii erecto vultu rex inquirit, cujusmodi religionem
haberent? cui Hengistus: deos patrios Saturnu-ni^ alque
ceteros, qui mundum gubemant. colimus maxime Mercur-
rium (wie bei Tac. 9.) quem TVoden liiigua nostra ap-
pellamus. huic veteres nostri dicaveraut quartatn septi-
manae feriam, quae usque in hodiernum diem nomen
fVodenesdai de nomine ipsius sortita est. post üiiun
colimus deain inter ceteras potentissimam , ciü et dicave-
runt sextain feriam, quam de nomine ejus Fredai voca-
mus. Da Matthaeus westmonast. (flores, ed. 1601. p. 82)
in einzelneni abweicht, mögen auch noch seine worte hier
stehen: ciunque tandem in praesentia rcgis (Vorligemi)
essent coustituti, quaesivit ab eis, quam fidem, quam re-
hgionem patres eorum coluisscnt ? cui Hengistus : deos pa-*
trios, scUicet Saturnuntj Jovem atqiie ceteros, qni mun-
dum gubemant, colimus, maxime autem Mercuriitmy
quem lingua nostra Voden appellamus. huic patres nostri
veteres dcdicaverunt quarlam feriam septimanae, quae in
liunc hodiernimi diem Vodenesday appellatur. post illiun
colimus dcam inter ccleras potentissimam, vocabulo Fream^
cujus vocabulo Friday appellamus. Frea ut volunt qui-
dam idem est quod Venus et dicitur Frea, quasi Froa a
frodos, quod est spuma maris, de qua nata est Venus se-
cundum fabiüas, unde idem dies appeUatur dies Veneris.
Die angclsächsisohe sage, unbesorgt imi die mischimg eig-
ner und fremder fabel, zweifelt also gar nicht an dem
hohen alterthuni der namen unter ihrem volk.
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92 GÖTTER
CriUscher äiifbert aich Saxo granim. p. 103 über die
noriilöclie beneuiiung, sie rühre \oii den heiniischcD gut*
terii her, diese aber seien nic^t einerlei nüt den lateini-
schen, das beweisen ihm Thor und Othin^ nach welchen
der fünfte und vierte tag der woche genannt werde, wie
ini latein nach Jupiter und Mercur, denn Thor, als
Othins solui, lasse sich dem Jupiter, d. h. Mercurs \atei*
untauglich vergleichen, folglich auch nicht der nord. Otliin,
Thors vatcr, dem römischen JVIercur, d. h. Jupiters söhne,
der unterschied ist allerdings triftig, es gelit aber daraus
nur hervor, daf's zu der zeit, wo mau Otliin und INIercur
gleichzustellen begann, ^lercur als ein celtischer gott und
wa)u*scheinlich mit sehr von der classischen Vorstellung
abweiclienden eigenschaften gedacht wurde, in seinem sinn
hat Saxo ganz recht, und seine bemerkimg bestätigt den
frühen heidnischen Ursprung dieser tagnamen. *)
Auch die Varianten, nach Verschiedenheit der volks-
Stämme, verdienen alle rücksicht; sie lehren, dafs die be^
neuuungen nicht gerade starr aufgenommen oder beibe-
halten wurden, sondern nationalbegrüTe immer noch eis
gewisses recht darauf ausübten, das längere heidenthum
in Friesland tmd Sachsen machte, dafs die alten namen
des vierten und siebenten tags fortwährten , wälu'end sie
in Hochdeutschland schon vergessen waren, vorzüglich be-
deutsam ist uns aber die abweichung der Alamannen und
Baiern bei dem dritten tag: wie hätte sie erst in späterer
zeit, als die Vorstellung von dem heidnischen gott, der den
Mars repräsentiert , bereits verworren war , cntspringea
mögen? wie die chi^istliche geistlicld^eit, wenn von ilir die
uamengebung ausgegangen wäre, eine solche Unterscheidung
genehmigen können?
Alle hinter uns liegenden Völker, Slaven , Litthauer,
Finnen, kennen die planeten tagnamen nicht, sondern zäh-
len, gleich den Griechen ; nicht weil sie später bekehrt,
sondern später mit der lateinischen bildung vertraut wur-
den, auch die von Byzanz aus ergehende Christianisierung
entschied hierbei nichls, sie hatte nur auf einen tlieil der
Slaven einflufs; auf Litthauer und Finnen keinen. Sie
zählen aber so, dafs sie von montag, als erstem tag nach
der ruhe, anheben, folglich dienstag ihr zweiter, donners-
tag ihr vierter ist, ganz abweichend von der lat. und isl.
Zählung, die den montag als zweiten, den doniierstng als
fünften annimmt, daher iFt der slav. patek freitag, ieiier
•) vgl. Pet. Kr. Müller om Saxo p. T9.
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GÖTTER 98
oherd. pfinztag doonerstag. die mitte der wocbe nennen
»ie sreda , sereda, srida (woher litth. serrada), was viel-
leicht auf die hochd. benannung einwirkte. JVur bei den
lünebnrger Wenden ist eine spur des g(>lternamens, dies
Jovis hiefs ihnen Perendtin , von Peren , Perun, donner«
golt; wie es scheint blofse nacliahmung des deutschen na-
mens, da sie in den übrigen tagen mit den andern Slaven
einstimmen.
AuiFallend, dafs in den altbühm. glossaren (Hanka
54. 165)Mercur, Venus und Saturn eben in der folge der
'Wochentage aufgeführt werden, und dafs überhaupt slavi-
sche g(>Uer, wenn sie mit lateinischen zusammengestellt
sind, gewöhnlich unter jene wochengotllieiten gehören.
Und während sich von den allslavischen göttem Perun
dem Jupiter (Thor), Lada der Venus (Freya) bestimmt
vergleichen, werden die planetcnnamen Mercur^ Jupiter^
f^enua^ Saturn^ allböhm. glossiert dobropan, kralemocz,
chtytel (czlylel), hiadolet (Hanka a. a. o.), d. h. durch
Umschreibung gedeutet, warum liegt aber in Mcrcnr der
begrif guter herr ? hängt es mit jener ccltischen ansdeh-*
Dimg seines cultus zusammen , die ihn geschickt machte^
die rolle eines deutschen hauptgottes, des Wuotan, zu
übernehmen?
Reines ergebnis dieser betrachtungen ist, dafs wir be-*
rechtigt sind, in lateinischen, Deutschland imd seine götter
behandelnden denkmälern, mit ^röfster walirscheinlichkeit
Mercuriua von Wuotan, Jupiter von Donar und Mars
von Zaxx zu verstehen, die verdeutschten wochentaggötter
sind eine probe auf des Tacitus interpretatio romana*
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94 WlIOTAN
CAP. VII. WUOTAN.
Die höchste und oberste gotlheü, wie man annehnieo
darf, allgemein unter allen deiitsclien stammen verehrt,
würde in gothischer mnndarl gehcifsen liahen Vödans oder
Vblhans, sie hiefs ahd. TVuotan^ und diese beuennnng
erscheint noch, wenn gleich selten, als eigenname: IV uo-
tan trad. fuld. 1, 149. Woalan 2. 146. 152. Longobar-
den schrieben TV6dan oder Quödarij Altsachsen TVuodarij
JVddarij wiederum in Westphalen, mit dem vortritt des G,
Gu6dan^ Gudan, Angelsachsen J^öderiy Friesen PF^da,
nach der neigung ihres dialects auslautendes N wegzuwer-
fen, und ü auch ohne folgendes i umzulauten, die nord.
form ist Od/iinn, bei Saxo Othinus, faeröisch Ouuin (gen.
Ouvans, acc. Ouvan.) In Graubünden, woraus die tiefliochd.
Verbreitung des namens hervorgeht, hat die romanische
Sprache den ausdnick T'^ut Alamannen oder Burgunden der
frühsten zeit abgehört, und, im sinn von abgott, götzc (I
Cor. 8, 4) bis heute bewahrt. *)
Unzweifelhaft ist wol die unmittelbare abkunft diese«
Wortes aus dem verbiun ahd. watan, wuot, ahn. vadha,
ödli. welches buchstäblich dem lat. vadere entspricht, und
meare, transmeare bedeutet, cum impetu ferri. ebendaher
stammt das subst. wuot^ das, wie ftevoe «nd animus, ei-
gentlich mens, Ingenium, dann ungestüm und Wildheit aus-
drückt; Ln ahn. 6d/ir haftet noch ganz die bedeutung
mens oder sensiis. **) Hiernach scheint TVuotany Odhinn
das allmächtige, alldurchdringende wesen, qiü omnia per-
ineat; wie Lucan von Jupiter sagt: est quodcunque vides,
quocunc[ue moveris, die geistige gottheit. *♦*)
"Wie frühe aber dieser urbegrif verdunkelt oder erlo-
schen war, läfst sich nicht sagen, schon imter den Heiden
mufs ne])eu der bedeutung des mächtigen und weisen got-
tes die des wilden, ungestümen und heftigen gewaltet ha-
ben, um so willkommner war es den Christen, die übelc
*) Conradis wb. 263. Christmann p. 30-32.
••) das noch nicht vötlig aufgeklärte goth. pSthi II Cor. 2, 15 ahd.
wuodi Diut. 2, 304» alt8. wuotiii Hei. 26, W. 110, T mufis entw. «U
gans unverwandt angesehen, oder in <ier bedeutung vermittelt werden.
***) das hat auch Finu Magnussen gefunden, lex. nijth. 621. 636.
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WÜOTAN. 95
aus dem nameii selbst hervorzuheben. in den ältesten
glossen verdeutschl wotan tyranmis, herus malus, Dhit. 1,
276^ gl. Ker. 270; ebenso gebraucht man später und noch
Keule wüeterichy wütenick (gramni. 2, 516) vgl. ein un-
gesUiemer wüeterich. Ben. 431; wie Mar. 217 Herodes
mordknechte wüetertche heifsen, nennt ihn 0. !• 19, 18
selbst gotewuoto, die form wuotunc wird sich davon nicht
unterscheiden .• ein ungedrucktes gedieht des 13 jh. sagt
fV'uetunges her, es scheint, für das wütende, gleichsam
von Wuotan angeführte beer, und aucli H^uotunc ist
ein ahd. eigenname, Wbdunc trad. patav. nr. 19. Die
alte goulieit wai» lierabgewürdigt zu einem bösen, teoilischen,
grausamen wesen.
Beweise für den allgemein verbreiteten Wuotancultus
ergeben sich einmal aus den im vorigen cap. gesammelten
Stelleu über Mercurius ^ dann aus des Jonas von Bobbio
(8.34.85), desP.-iulus Diaconus Zeugnis luid der abrenunti-
alio, welche noch näher erwogen werden soll, endlich aus
dem zusammentreffen einer reihe von einzelnen lunstanden,
die, wie ich glaube, bisher übersehen worden sind.
Nach der heidnischen Vorstellung ist Wuotan nicht
blofs der weltlenkende, weise, kunsterfahrne gott, er ist
auch Ordner der kriege und sclilachten. Adam von Bre-
men sagt von dem nordischen: Wudan id est forlior, bella
regit, hominumque ministrat virlutem conlra inimicos. . .
Wudanem sculpunt (Sveones) arninturn sicut uostri Mar*
tem sculpcre solent. Nach der edda gchurou \\ix\\ alle im
kämpf fallenden edlen (Sicm. 77^), dem Thtir die knechte,
was aber gesagt scheint, nm diesen herabzuwürdigen; nach
einer andern slelle (Saem. 42") theilt sich IVeya mit Od-
hiun in die gefallenem er heilst ^alfadir und herfadir»
eidem prostratorum manea muueris loco dcdicalurum se
poUicelur (llarahlus.) 8axo p. 146. Olhinus nrmipotena
p. 37; auclor aciei corniculalae. p. 138. 139. 146; er lehrt
die, welche kein seh wert verwundet, mit kiesein nieder-»
schlagen, id. p. 157.
Nicht verwundern darf es also, wenn er mit Ziu oder
Tyr, dem eigentlichen kriegsgott verwechselt wird, und in
einer glosse zii Jonas von Bobbio, der ilmi mit recht dem
Mercur gleich stellt (s. 85), sieht: qiii apud eos (Ala-
mamios) Viiotant (pari, praes. non wuolan) vocalur, La-
tini autem Martern illum appellant. mögen auch Adams
worle 'sicut uostri Martern sculpere solent' so genommen
werden, dafs nostri bedeutete Saxones? er kann freih'ch
die mil der römischen mythologic bekannten meinen.
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96 WÜOTAN.
Zumal lehrt die merkwürdige, von Paulus Diaconut
1, 8 aufbewahrte sage, dafs es Wodan ist, welcher sieg
ver leiht y dem daher jener uralte name siliora (s. 18) vor
allen übrigen güttern und in den edden der beiname Sig^^
t<fr (S«m. 248* Sn. 94) gebülu't : rcfert hoc loco antiqui-
tas ridiculam fabulam , quod accedenles Wandali ad /^"o-
tlan^ victoriarn de Winilis postulaverint, iUeqiie res^JOn-
derit, se illis uictoriam daturiim^ -quos primum Oriente
8ole conspexisset. Tunc accessisse Gaiii])aram ad Frettm^
uxorem ff^odan^ et Winilis victoriarn po^tulasse^ Frenm-
que consüium dedisse, ut Winiloruni niulieres solulos cri-
nes erga faciem ad barbae similitudinem comj^onerent,
manec^xe prinio cum viris adessent, seseque a ff^odan
videndas pariter e rcgione, qua ille per fenestraiu orien-
tem versus erat solitus adspicere, collocareul; atquc ita
factum fuisse. Quas cum TVodan conspiceret Oriente sole,
dixisse: qui sxmt isti Langobardi? tunc jPream subjunxisse,
ut ([uibus nomen tribuerat, victoriarn condonaret^ sicque
Winilis JVodan victoriam concessisse. Nachdem nun Pau-
lus, als Christ, die bemerkung gemaclit hat : haec risu digna
sinil , et pro nihilo habenda: vicloria enim non potestati
est adlributa hominum, sed e coeio potius minislratur, fügt
er eine nähere erklarung des namens der Longobarden
hinzu: certum tarnen est Longobardos ab inlactae ferro
barbae longitudine , cum primitns Wmili dicti fuerint, ita
postmodum appellatos. nam juxta illonim liugnam lang
longam, hart barbam siguÜicat JVodan sane, quem ad-
jecta litera Gwodan dixerunt, et ab universia Gernianiae
gentibua^ nt deus adoratur, qui non circa haec tempora,
sed longe anlerius, nee in Germania, sed in Graecia fuisse
j>erliibetur.
Die ganze fabel trägt das gepräge hohen alterlhums,
sie ist auch schon vor Paulus von andern, und abweichend,
erzählt worden; in der bist. Francor. cpitomata, die wenn
gleich nicht Fredegar, doch einen schriftsteiler des sieben-
ten jh. zum Verfasser hat. statt der Wandalcr werden
liier Chuni genannt : cum a Chunis (liangobardi) Danubium
transeunics fuissent comperti, eis bellum conali suut in-
ferre. inlerrogati a Chunis, quare gens eorum terminos
introire praesumeret? at iili mulieribus suis praecipiant^
comam capitis admaxillas etmentum ligare, quo potius vi*
rorum habitiun simulantes plurimam multitudinem hostium
ostendcrent, eo quod erant mulicrum comae circa maxülas
et mentum ad instar barbae valde longac : fertur desuper
utraeque phalangae vox dixisse: 4ii simt LangobanU!'
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WÜOTAN. 97
quod ab his gentibus ferlur eoruni deum fuisse locuUmi,
quem fanatici nominant fVodanum (ah Wisodano.) Tunc
Langobardi cum clamassent, qui instituerat nomcu, con^
orderet victoriam^ in hoc praelio Chimos supeiaiit. Boii-
quet 2y 406.) Hier bleibt Frea und ilir laüisclüag aus
dem 8piel, die nameDgebende sdmjne des gottes erschallt
aus der luft herab.
Es war sitte, dafs wer namen eittfaeilte eine gäbe joh-
gen lassen muste.*) Wodan sali sich gehalten den sieg
zujyerleihen denen er den neuen namen beigelegt hatte,
darin lag die gunst des scliicksals, denn das volk wollte
durch männlichgeschmückte frauen nichts als die zahl
seiner krieger vergrüfscrn. Ich brauche kaum zu erinnern,
dafs diese mytliische deutung des namens Langobarden falsch
ist, so viel glauben Sie im milteJalter fand.**)
Die sage hat aber noch einen zug, der uns nicht ent»
gehen darf. Wodan, aus seiner himmlischen wohnung,
schaut durch ein fenster zur erde nieder • vollkommen
der altnordischen Vorstellung gemäfs. OdhinH hat einen
thron, HUdhskialJ genannt, auf deiji er sitzend die ge-
sammte weit überschauen und alles, was unter den nien-
sdien vorgeht, hören kann: thar er einn stadhr er Hüdbseiaü'
heitir, oc tlia er Odliinn settiz thar t hl^seeti, thd sd kann of alla
heinia^ oc vissi alla luli thu er hann sd. Sn. 10. oc thÄ er
Allfödr sitr t th\t seeli, tlia sec hann of allan heim. Snu 21.
als sich Loki verbergen wollte, hatte Odhinn von diesem
sitz aus seinen aufenlhalt erspäht. Sn. 69. zuweilen wird
auch Frigg, seine gemahlin, neben ihm sitzend gedacht, und
dann erfreut sie sich derselben aussieht. Odhinn ok Frigg
8äio i Illidhscialfo, ok sd um heima alla» Saem. 39. ?ilu^
Star (lauscht) Odhinn Hlidhscialfo f. Saem. 89^. das sinn-
liche heidenthum macht aber die göttliclie elgenschaft alles
zu durchschauen abhängig von der stelle oder einriclitung
des stuls, imd wie sie dem gott, wenn er nicht darairf
niedergelassen ist, abgeht, können andere, sobald sie ihn
einnehmen, ihrer theilhaftig werden, dies war der fall,
ab Freyr von diesem sitz herab in lötunheim die schöne
Gerdlir erblickte : Freyr hafdhi setze i Hlidliskialf, oc sd
um, heima alla, Sicm. 81. Sn. 39. hlidhscialf scheifit
*) Uta fyigja nafhi. Saem. 142« 150« foram. »u?. 3, 182. 208.
gefa at narafesti. Sa. 151. fornm. sog. 2/ 51. 3, 133. 203. I&lend.
•ög. 2, 143. 194. vocaboH largitioaem mnueris additione coiiimendare
Saxo gramiD. 71.
**) Loogobardi a loDgis barbii vocitati. Otto frif . de geit Frid. 2, 13.
7
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96 WÜOTAN
wörtlich thürbank^ von hlidli (osdum) und ekialf (sct*
mnum), ags. scylTe^ Cädm. 79^ 4. engl, shelf.
Diese idec eines sitzes im liünme!, von dem gott zur
erde sehe, ist unter dem volk nocli nicht erloschen, die
formein qui haut siet et de loing mire, qui haut siet et
loins voit (oben s. 16) sollen das nicht beweisen, denn
überall dachte man sich die gottheit in der höhe thronend
und weit umlier schauend. Aber ein verbreitetes märchen
erzählt von einem sterblichen menschen, den der heil. Pe-
trus in den liimmei eingelassen, und der neugierig zuletzt
auf den nLul des herrn stieg, i^on welchem lierab man
alles sehen kann^ was auf dem ganzen erdreich ge-
schieht» er sieht eine Wäscherin zwei frauenschleier steh-
len, ergreilt im zorn den vor dem stul stehenden schemel
des herrn (oder ein stulbein) und wirft hinab nach der
diebin. *) So weit hat sich die alte fabel geflüchtet. Sollte
nicht ein mhd. gedieht auf sie anspielen (Amgb. 3^) :
der uü den himel hat erkom
der geiselt uns h\ unser habe:
ich vürhte s^re, unt wirt im zom,
den Siegel wirft er ims her abe«
Nacli einem serbischen^ lied (Yuk 4, 9) steigen die engel
vom jenster gottes (od bozliijeg prozora) ziu» erde nie-
der; prozor (fenster), erinnert an zora (morgenrothe) pro-
zorje (morgendämmerung) und an den in der frühe gegen
Sonnenaufgang schauenden Wodan, die morgenrothe ist
gleiclisam der ofne himmel, aus dem gott in die weit sieht.
Auch was Paul. Diac. 1, 20 von dem zürnenden gott
(oben s. 13), als die kämpfenden Heruler ihren gegnem
unterlagen, meldet, mochte ich auf fViiotan beziehen:
tanta super eos coelitus ira respexit; und hernach: vae
tibi misera Herulia, quae coelestis domin i flecteris irai
vgl. £gilssaga p. 365 reidhr s4 rögn ok Odliinn! und
fornald. sog. i, 501 gramr er ydhr Odhinn.
Sieg war in den äugen unserer vorfaliren erste und
höchste aller gaben, doch betrachteten sie Wuotan nicht
blofs als siegverleiher, er galt ihnen überhaupt für den
gott, von dessen gnade der mensch jede andere auszeich-
t
*) kindermärchen nnm. 85. Frey» gartengesellschaft, cap. 109
1556 p. 106. ed. 1590 p. 85. Rollwagenbuchlein 1590. p. 98. 99.
(wo eiQ güldner sesi$el.) Mosers vermischte scliriften 1, 332. 2, 235.
Thron oder a//// wird den gottern nach der griechischen und altnord.
Torstellung beigelegt : thA geng^ngo regin ölJ k rökstdla ginheilög godb.
tom. Ib.
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WÜOTAN 99
flung za erwarten liat. er war der gewall ige Schöpfer
und büder jegliches giits.
Den inhegrif von heil und Seligkeit, die erfüllnng al-
ier gaben, scheint die alte spräche mit einem einzigen
Worte, dessen bedeutung sich nachher verengerte, auszu-
dräcken» es hiefs der wünsch, dieses wort ist wahrschein-
lich von wunja, wunnja, wonne, freude abstammend, yru-
nisc, wunsc, Vollkommenheit in jeder art, was wir ideal
nennen würden, so Frauend. 87 'der vmnsch von edlem
obze' das edelste obst; Parz. 250, 25 'erden v^^nnsches
rlche', reich an allen gaben der erde; 235, 24 'erden
Wunsches überwal'; Trist. 1374 *in dem wimsche sweben,'
in voller befriedigung ; und der zauberhafte Stab, durch
dessen anschlagen schätze erworben werden, hiefs wunsci-
ligerta, wünschelnithe , vgl. Parz. 235, 22 'wurzel unde
rfs des Wunsches.' die bedeutung des begehrens und Ver-
langens nach solchen Vollkommenheiten mag sich erst zu-
fällig mit dem worte wunsc, alln. 6sk verbunden haben.
Unter den eddischen namen Odhins kommt nun auch
vor Osci, Saem. 46*». Sn. 3. 24, d. h. der die menschen
des Wunsches, der höchsten gäbe theilhafÜg machende.
Hiermit zusammenhängend, also Überrest altheidnisclies
glaubens, scheint mir noch, dais unsere dichter des 13 jh.
den wünsch personificieren und als ein gewaltiges, schcipferi-
•<^8 wesen darstellen, die meisten belege" dafür liefert
Conrad von "Würzburg:
der fVunsch mit einer hende
vor wandet hete si getwagCti. Troj. 1212»
Aer.pVunsch hat dne lougen
erzeiget an ir shi irafty
und siner hünste meisterschaft
mit vlize an ir bewert. Troj. 75 6 9«
Atr PVunschhkt in gemachet wandeis vrt. Troj. 3154.
der ff^unsch der hete an si geleit
m^fUzea denne M elliu wip. Troj. 19620.
i& daz er niemer wibes leben
für sie geschepjen wolde baz;
d^ sin geweilt ir bilde maz , (vgl. mezzen oben s. 72.)
du leit er an sie manec model. Troj. 19627. •»
und haßte sin der fVunsch gesworu,
er wolde bilden ein schoener wJp,
und schepfen also kldren Itp
als Hflend mtn frouwe treit;
er müeste brechen stnen eit:
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wo WÜOTAN
wan er künde niemer,
und solter bilden iemer,
geschepfen wiinnecltcher fruht. Troj. 1 9726.32,
aber auch andere dichter:
an ir schoenc was vrol schtn,
daz ir der fVunsck ged41ite. WigaL 9281.
der fVunscIl het sich geneiget in ir geM-alt. das. 904.
in was der fVuriBch bereit, das. 10592.
des fVunsches amte (die vollkonunenste). das. 7906.
wen mohte dd erlangen,
da der Wunsch inne was, das. 106 12.
der JVunsch hete nibt gespart, das. 83.
der Wunsch het si getnachet su,
und ist ir zc kinde vr6. Ami\r 1338. *)
zwöne riter gestalt
so gar in W^unsv.hes gewalt,
au dem libe iinde au den silen. Iw. 6915.
der Wunsch vluocliet im. Iw. 7066.**)
si hat des Wunsches gewalt. Amgb. Sl*».
wir sehen in diesen stellen dem Wunsch bände , gewalt,
fleifs, kunst beigelegt, er scliaft, bildet, deukt, neigt sich,
schwürt, freut sich und zürnt, nimnit zu kinde oder zur
frciuidin an: alle solche, beinahe stehenden, redeusarten
wären schwerlich in poesie und spräche entsprungen und
erhalten, bezögen sie sich nicht imbewust auf ein höhe-
res wesen^ von dem die vorzeit lebendigere vorstellimg
hatte, man dürfte in den meisten beispielen den namen
gottes an die stelle von Wunsch y oder in den s. 13
mitgetheilten ausdrucks weisen von dem frohen, zürnenden
gott, Wunsch setzen, freudenvol hat si got gegozzen
(MS. 2, 226^), der Wunsch maz ir bUde. jenes grarar
er ydhr Odhinn (s. 98) könnte mhd. gegeben werden:
der Wunsch zürnet iu, die weit ist euch gram.
Der nordischen Wortbildung entspräche genau betrach-
tet ein ahd. WunscOy Wunscjo^ das ich nicht einmal als
eigennamen nachweisen kann; die mhd. form Wänsclie
läfst sich nicht aus Troj. 3154. 7569. 19620. 19726 (der
strafsb. hs.) rechtfertigen: melrum und der gen. auf -es
widerstreben ihr. Vielleicht aber darf noch hierher ge-
nommen werden, dafs in der ags. stammsage unter den
mTthischen beiden von Deira ein f^uscjred^ gleichsam ein
herr des Wunsches, auftritt.
*) freut sich ihrer als seines kiitdes, seiner hcrvorbringong. n^unsch-
kini ist sonst ein adoptiertes, angewunschtes.
'*) die erklarnng anm. zn Iw. 5. 410 halte ich für falsch.
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WÜOTAN 101
Die im kämpf gefallnen beiden oimmt der siegver-
leiheade gott in seine liimnilisclie woliuuug auf. wahr«
sclieinlich -war es glaube aller guten und edeln menschen,
uacL ilirem tod in die näliere gemeiuscLaft der gottheit
zugelassen zu werden, sterben heilst darum, und selbst
nacli der christlichen ansiclit, zu gott gehen, zu gott
heimkelu^en. ags. nietodaceajt seon, Beov. 2360. Cädm.
104, 31 gott heimsuchen, nach Herodot 4, 94 sagten in
gleichem sinn die Thracier Uvai nagu Zuk/uo^iy i^FefieXei^ip)
dalfiora, und diesen Zalmoxes oder Zamolxes hält Jor*
Daudes für einen golliischen (getischen) vergötterten künig.
Im Norden hiefs zu Odhinn fahren , bei Odhinn zu
gast sein^ OdJiinn heimsuchen nichts als sterben (forn-
aldarsögur 1, 118. 422. 423. 2, 366) und war gleichbe-
deutend mit nach ValhüU faliren, in Valholl zu gast sein,
(das 1, 106.) Unter den Clu*isten wurden aber Verwün-
schungen -daraus: far thu til Odhins! Odhinn eigi thihl
hier zeigt sich recht die unikchrung des gütigen wesens,
bei dem mau bleiben will, in ein böses, dessen aufenthalt
furcht und schi-ecken einllöfst.
Von den eigenthümlichkeiten der gestalt und äufse-
ren erscheinung des gotles, wie sie in den nordischen niy-
then ausgeprägt sind, habe ich bei uns in Deutschlaud
keine spur mehr angetroffen. Odliiun isteZ/iä//^/^ und trägt
einen breiten hut. als er aus JNlimis brunnen zu trinken
begehrte, muste er eins seiner äugen zu pfand lassen
(Saem. 4* Sji. 15.) bei Saxo p, 12 tritt er auf als gran-
daet^iis^ altera orbus oculo; p. 37 armipotens, uno
semper contentus ocello; p. 138 senex orbus ocuiisy
hiijndo ainictu. ebenso in den sagen: kom thar madbr
ganiall, nüök ordlispakr, eins^fnn ok au^dapr, ok hafdlii
hatt sidluin. forum, sog. 2, 138, bann heiir hehlu ßel^
küUa yfir ser, sa madlu' var berfoetlr ok huldhi kn^^lt «
Uubrokum at beini^ han var hdr miök ok ekiiiigr ok ein»
«)««. fornald. sog. 1, 120. tha kom madlir t bardagann
Biedh sidhan hatt ok lieklu blä, bann haldhi eitt auga
ok gcir 1 hendi. das. 1, 145. thetta mun Odhinn gamli
▼erit hafa, ok at visu var madhrinn einuyn//, das. 1, 95.
s4 bann mann mikinn medh aidJium helti* das. 5^ 250.
Othinus, OS pileOj ne cultu proderetur, obnubens. Saxo
gramm. 44. schon in einem eddischen liede heifst er Sfdh-
liöttr (der breithutige) Sieni. 46^, iu einer siv^q blofs Höttr
(der hutige, gehütete) fornald. sog. 2, 25. 26, vgl. Müllers
»agabibk 3, 142. ohne jenen namen im Grimuism^l würde
ich vermuten , es sei absieht der Christen, den alten gott
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lOä WÜOTAN
(lurcb ariiüichen anzug herabzusetzen, oder er woUe, in
den inautel gehüllt, sich den Christen verbergen, darf an
die pileati des Jornandes gedacht werden?
Die nord. mythe legt Odhinn einen wunderbaren
speer , nsamens Gängnir bei (Saem. 196. Sn. 72), den ich
der lanze oder dem schwert des Mars, nicht dem Stabe
INlcrcurs vergleiche, diesen speer leiht er den beiden zum
sieg (Saem. 165.) eine merkwürdige stelle, forum, sog. 5,
250, sagt : seldi honum reyrsprota (den speer von röhr) t
liöud, ok badh bann skiota honum yfir lidli Styrbiariiar,
ük that skyldi bann maela : Odhinn d ydhr alla ! alle feinde,
über die der geschossene speer fliegt, werden dem tode
geweiht, und der ihn abschiefsende erhält den sieg, auch
Kyrbygg. saga p. 228 : thd skaui Steinthörr spioti at fornom
sid/i, til heilla ser yfir flock Snorra, wo freilich nicht ge-
sagt ist, dal's es des gottes speer war, der über den feind
geschwungen wird.
£s ist bekannt, dafs schon im höchsten alterthum die
sieben Sterne, welche am nördlichen himmel den baren
bilden, als ein vierräderiger wagen vorgestellt werden,
dessen deichsei aus den drei abwärts geneigten Sternen besteht.
"jiQyi^ov ^', rjv %(x.l ä /vu^av enlxXrjOiv naXtovaiv*
11. 18, 487. Od. 5, 273. so auch in ahd. glossen ursa wa^
gen, Jun. 304. mhd. himelwagen Walth. 54, 3. *) am
deutlichsten erklärt N. Cap. 64: selbiu ursa ist pt demo
norde manneKchemo zeichenhaftiu föne dien siben glat^n
sternöu, die all^ der liut wagen heizet, undc ndh einemo
gloccuu iotlie**) gescaffen sint, unde ebenmichel sint, äne
dea jiiiileiiislDii- den Angelsachsen hiefs dieses gestim
vctncB thi&l (wnüendeichsel) oder blofs thtsl, es wird aber
aucli carles v(€n bei Lye angeführt, dem engl, charles
waifi eütf*prec]i«iid, 'dan. iarlsvogn^ schwed. harlwagn.
ist hier karl gleichviel mit herr, wie sich herrenwagen
in gleit. hcm %\nn darbietet? oder ist es Übertragung auf
dcji bertiliinicii könig der christlichen sage? worauf es
uuä al>cr aiikfMinut, die constellation mag in der heidnischen
zeit den vollständigen namen TVuotanes wagan geführt
haben , nach dem obersten golt des himmels. die nieder-
ländische spräche zeugt dafür, noch in einem ms. von 1470:
ende de poeten in heure fahlen heeteut (das gestirn) ourse,
dat is te segghene fVoenstvaghen; und anderwärts: dar
dit teekin Arclurus, dat wy heeten fVoonswaghen up
') se|itentnoii, que nos char el viel apelou. ronian de Rou.
*•) liurizoütnier tragbalke, wie bei giocken.
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>VLiOTAN 103
8laet; liet seveustairc of de de fVoe/is^i^agheri] vgt
liuydec. proeven 1, 24. plausüimi Merciirü Jiabe ich nichl
geleseu, auch kein altn. Odhins vagu, nur pagn d himnuin.
Vielleicht hiei's auch, in einigen gegenden, die grol'se,
offene heerslraCse, mit der mau lange zeit den begrif einer
besonderen heüigkeit verknüpfte, IVuotanes wec oder
siräza? in ISiedoisaciiseu erhielt sich die örtliche benen-
nung: praedium in PFodenesa^ege» Dietm. merseb. p. 31
(Wagn.) annal. Saxo 272. Johannes de TVderisivege, Heiu-
ricus de fVddensweghe y (Lenz) brandenb. urk. p. 74 (a.
1273) 161 (a. 1301); später fVuienswege, Goäensc/iu^ege^
ein dorf bei Magdeburg. Gero ex familia prodensu^egi-
orum. aiin. magdeburg. in chron. marienthal. INleiboni 3,
263.) ich erinnere an die alterthümliclie luslraliou der
honmges strate (RA, 69), und in Uplandsk vidherb. balkr
23, 7 wird der heerweg genannt harlsifeg, gleich jenem
himmlischen wagen.
Noch deutlicher und beziehungsvoller scheinen aber die
namen einzelner berge, die dem dienst des gottes im hcideu-
tlmm geheiligt waren, at Sigtys bergi. Sa:m. 248*. Ot/ie/i^s-
berg (jetzt Onsberg) auf der dän. inselSamsoe ; Odensberg m
Schonen. Godesberg bei Bonn in den urk. des miltclallersG//-
denesherg. Günther 1, 211 (a. 1131) 1, 274 (a. 1143) 2, 34,5
(a. 1265.) unweit der heiligen eiche in Hessen, die Boni-
facius stürzte, lag ein ff^uodenesberg ^ der noch in urk.
von 1154 (Schminke beschr. von Cassel p. 30. vgl. Wenk
3, 79) so heilst, spater Vdenesberg ^ Gudensberg, eines
Henricus comes de tVödenesberg , aus anderer gegend,
denkt eine urk. von 1130 in \Yedekinds noten 1, 367;
einer curtis H^ödcnesberg eine urk. von 973 bei Falke
Iradit. corb. 534. Gotansberg (a. 12 75) Längs reg. 3, 471.
(vomes TV adanimontis ^ später Vaudemonl in Lollu^ingen
(Don Calmet, tomc 2. preuves XLVlll. L.y scheint das-
selbe, und für IVodaninions gesetzt, ein Vodnes beorg
in der ags. clironik (Ingram p. 27. 62) woraus nachher
Wodnesborough , Wansborough (in Willslüre) gemacht
wurde; schon bei Etlielwerd p. 835: facta ruuia magna ex
utraque parte in loco qui dicitur TVodnesbyrg^ statt Wod-
nesberg, doch Florentius ed. 1592. p. 225 hat fVodnes--
beorhy id est mons Wodeni. Dazu nehmen mufs man,
dafs bei dem hessischen Gudensberg die sage geht von
dem bergversunkenen könig Carl, der daselbst einen sieg
über die Sachsen erfochten, und dem durstenden beer ei-
nen brunnen im wald geschlagen habe, künftig aber ein-
mal zur rechten zeit, mit seinem heer, aus dem berg her-
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104 WÜOTAN
vorgehen werde, den mytbus vom siegreichen heer, das
nach wasser schmachtet, wenden bereits die fränkischen
auuaÜsten auf könig Carl an (Pertz 1, 150. 348), gerade
da, wo sie die Zerstörung der Irmenseule vortragen ; er ist
aber sicher alter und lieidnisch: Saxo gramm. 42 hat ihn
von dem siegenden Balder. das zusammentreiTen solcher
sagen mit festen platzen des alten cultus kann nicht anders
als ilue bedeutsamkeit erholieu und bestätigen, das volk,
dem sem glaube zerstört wird, rettet einzelne züge daraus,
indem es sie überträgt auf einen gegenständ neuer, unver*
folgter Verehrung.
Wie diese namen, welche den wagen, weg und berg
des alten gottes bezeichnen, vorzüglich in Niederdeutschland,
wo sich das heidenthum länger behauptete, übrig geblieben
sind, weist eben dahin auch eine merkwürdige gewohnheit
des niedersächsischen volks bei der kornemte. man pflegt
einen büschel getraide auf dem fcld stehen zu lassen dem
fVoden für sein p/erd. ]\ach der edda reitet Odliinn
das beste aller rosse, den Sleipnir ^ welchem acht füfse
zugesclu-ieben werden (Saem. 46* 93*» Sn. 18. 45. 65.); an
diese eigenheit, an den namen hat sich keine erinnerung
erhalten, aber jenen imschuldigen gebrauch rottete das chri-
stenthum weder bei dem nordischen noch dem sächsischen
landmann völlig aus. In Schonen und Blekingen blieb es
lange sltte, dafs die ernter auf dem acker eine gäbe für
Odena pjerde zurück liefsen. *) Die meklenburgische ge-
wohnheit schildert Gryse **) f olgendermafsen : ja, im hei-
dendom hebben tor tid der arne de meiers dem afgade
TV öden ummc god körn angeropen^ denn wenn de rog-
genarne geendet, heft men up den lesten platz eins idern
veldes einen kleinen ord unde humpel korns unafgemeiet
stan laten, datsülve baven an den aren drevoldigen to sa-
mende geschörtet unde besprenget, alle meiers sin dar-
umme her geiretlon, ere /wde vam loppe genanten (vgl.
obeji s. 21) iiiido ere seisen na der sülven wode (?) unde
ßf*g€lirenUc (Unii korubusche upgerichtet, und hebben den
IVödend'dutl di em^ semplik lud averall also angeropen
umle gebedcn:
fVode^ hale dinent rosse nu voder,
int distal uode dorn,
tom andern jar beter körn !
•) Geyer« scliw. geftch. l, 110,
^*) spcgel de« antichristisclien pawestdoms, dorch Nicolaoin Chrjsen,
|>redigem in Rostock. Ro»t. 1593. 4, bogen £ fii|b.
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WÜOTaN 105
welker afgOdischer gebruk im pawestom gebleven* daher
denn ok noch an dissen orden dar heiden gc^wanet, bi et-
liken ackerlüden solker ayergelövischer gebruk in anro«
pinge des fVoden tor tid der arne gespöret werd, und ok
oft desülve heische jeger^ souderliken im winter des nachtes
up dem velde mil sinen jagethunden sik hören let.
Dav. Franck (Meklenb. 1, 56. 57), der von alten leu-
ten das nemliche gehört hat, führt den reim so an:
iVode, Wode,
hal dlnen rosse nu voder,
nu distel un dorn,
ächter jar beter körn!
auf adlichen höfen, fügt er hinzu, wenn der roggen ab sei,
werde den erntemeiern Wodelhier gereicht ; auf fVodenS'*
tag jäte man keinen lein , damit fVodena pferd den Sa-
men nicht zertrete, in den zwölften spinne man nicht und
lasse keinen flachs auf dem rocken; auf die frage warum?
heifse es: der JVode jage hindiurch.
Ich habe mir erzählen lassen, dafs auch im Oldenbur-
gischen (in der gegend von Kloppenburg) die erntenden
ein stück halme auf dem acker nicht abschneiden, und dar-
um tanzen, vielleicht wird noch jetzt ein reim dazu ge-
sungen, und sicher geschah es ehmals.
Eine schaumburgische sitte wird so beschrieben*): in
scharen von zwölf, sechzehn, zwanzig senscu zieht das volk
aus zur mahd, es ist so eingerichtet, dafs alle am letzten
emtetag zugleich fertig sind, oder sie lassen einen streif
stehen, den sie am ende mit einem schlag hauen können,
oder sie fahren nur zum schein mit der scnse durch die
Stoppel, als hätten sie noch zu mähen. Nach dem letzten
Sensenschlag heben sie die Werkzeuge empor, stellen sie
aufrecht und schlagen mit dem streck dreimal an die klinge«
jeder tröpfelt von dem getränke, das er hat, ft% sei jbier,
brantwein oder milch, etwas auf den acker, trinkt selbst,
unter hüteschwingen ^ dreimaligem anschlag an die sense
und dem lauten ausruf TVold, fVold^ TVold! die
weibsleute klopfen alle brotkrumen aus den körben auf
die stoppeln, jubelnd und singend ziehen sie heim. Fünf-
zig jähre früher war ein lied gebräuchlich, das seitdem
ausgestorben ist, und dessen erste Strophe lautete:
W6ld, W6ld, W6ld!
hävenhüne weit wat schüt,
jümni hei dal van häven süt.
*) TOD Munchhausen iu Bragur VI. I, 2t - 34.
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106 WUOTAN
vulle kruküu uu saDgeu hat bei,
iipen holte wässt manigerlei:
hei is nig barn un wert nig old.
?V6ld, W6ld, WUdl
unterbleibt die Feierlichkeit, so ist das nächste jähr mis-
wachs an heii und getraide.
Wahrscheinlich wurde dem verclu^lcn wesen, aufser
der trankspende, getraide stellen gelassen, wie die vierte
Zeile des lieds (er hat volle ki'iige und garben) zu erken-
nen gibt ; vielleicht gedachte die zweite Strophe des rosses.
^der hiiumelriese schaut nieder von liimmel, er weifs al--
les was gesclneht\ das stinunt zu dem alten glauben au
Wuotans stul (s. 98); die sechste zeile schildert den uu-
gebornen und uualternden gott fast zu theosot^liisch. Ji^6liU
obgleich durch den reim gerechtfertigt, scheint eher aus
fV6d^ JVSde verderbt,*) als aus waldarid (oben s. 15)
verkürzt.
A^s solchen gebrauchen leuchtet die milde des aher-
tliums. der mensch will sich nicht alles zueignen, was ihiii
auf seinem land gewachsen ist, dankbar läfst er ein tlieil
für die gütter zurück, welche auch ferner seine saal schützen.
die habsucht nahm zu, als die opfer aufiiürten. **)
Wuotan war es nicht ausschliefslich , der den felderu
fruchtbarkeit verlieh; in noch näherem bezug zum acker-
bau stand die mutter Erde, wir werden diese gcittin, bei
ganz ähnlichen erntefesten, an jenes stelle gesetzt sehen.
*) vgl. nl. ond, goud f. olj), p:old, folglich Woude, das sieb der
form Wode nähert, wie wenn JVold ein mtid. vorbild hätte? die dicli-
ter des 13 Jh. bedienen sich des fast unerklärlichen wertes u-oldan, etwa
in der bedeutung von stürm , kriegssturm , einen wohlan riten , an den
wohlan riten heifst einen angrif im gefecht thun, in den stürm des Strei-
tes, ins getummel reiten (Wh. 90, 12. 96, 23. 236, 5. Ernst 5104.
Ottoc. 286a. b. 304b 718* und einigemal im Titurel.) es wäre gleich-
sam die wilde jagcl ^ der wilde jä^er'^ und die eine stelle des Titurel
personificicrt wirklich: 'ir wizzet, wie sie hackeut, wä der ff ohton sfn
kirt htnporten houwety* eine gasse, breit wie kirchenthür, in die feind-
liche schaar hauet, ich fühle was sich gegen diese verwegne deutung
einwenden lassen wird ; wäre sie annelimlicli^ so gehörte sie nicht in
eine note.
**) in Norwegen setzte man Julabends den Sperlingen konibuschel
hin : Juleaften at sette trende kornhaand paa stöer under aaben himmel
ved laden og faehuset tii spurrens fnde^ at de näste aar ikke skal giore
dem skade paa ageren. Hiortiiüi Gulbrandsdalen. Kb. 1785. 1 , 130.
es erinnert an Walther« von der vogelweide Vermächtnis für die vögel,
und an das was Dietmar von Merseburg erzählt: domina Mechtildis
(Heinr. I gemahlin) non solnm pauperibus venini etiHm auibus victnm
subministrans. p. 14; aiivulis etiam in hieme maiUpulos super arbores
ad manducandum intuitn pietatis in monte suo poni fecit. p. 86.
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WUOTAN lor
In welclien läuderu die Verehrung des gottes am lang*
8ten haftete, läfst slcli aus den ortsbenennungen erkennen,
die, weil ihm die statte geheiligt war, mit seinem namen
zusammengesetzt siud. es ist sehr unwahrscheinlich, dafs
sie statt auf den golt auf menschen bezogen werden müs-
ten, die wie er geheü'sen halten; Wuotan , Odliinn als
menschlicher eigeniiame kommt zwar, jedoch selten vor,
und der sinn des zweiten tlieils der ^Zusammensetzung, ihre
Wiederkehr in verschied uer gegend, reden ganz dafür, dafs
sie von dem gotl zu verstehen ist. Aufser den schon an-
gefülirten beiden IVodenesweg und Jf^odeneaherg weif«
ich keine niederdeutsche; in England erscheinen mehrere:
Tf^'oodneshoro in Rent, unweit Sandwich; fVednesbury
in Staffordshire ; Wednesjield ebenda; Wednesham in
Cheshire, fVodnesfeld bei Ethelwerd p. 848, und wol
noch andere. Ihre zald ist aber in Scandinavien , wo das
heidenthum länger gesichert war, ansehnlicher, und wenn
sie in Dänemark imd dem gotldändischen theile Schwe«
dens häufiger vorkommen, als in Norwegen und dem ei-
gentlichen Schweden, so folgere ich daraus ein übergewicht
des odinischen cultus in Südscandinavien. der hauptort
der Insel Fühnen (Fion) hiefs Odhinsife (forum, sog. 11,
266. 281.) von ve^ heiligthum, zuweilen auch Odhinsey
(das. 230. 352) von ey, insel, und hiernach später Ödende,
in Waldemars liber censualis *) 530. 542 Othänsö, im
mitern Norwegen, nahe bei Fredrikstad, ein anderes Odhins^
ey (Heimskr. ed. hafn. 4, 348. 398), später genannt
OriBÖ, in Jütland Othänshyllä (Wald. lib. cens. 519),
später Onsild. Otliänslef (Othini reliquiac) Wald. üb.
cens. 526), heute Onslev. in Halland Othänsäle (Wald,
lib. cens. 533), heute Onaala (Tuneids geogr. 2,492. 504.)
vrie im alten Norwegen ein Odhinssalr. in Schonen
Othänshäret (Wald. lib. cens. 528), OthensJiärat (Bring
2, 62. 138. 142**), heute Onsjö (Tuneid 2, 397); 0/?ä-
lunda (Tuneid 2, 449) d. i. Odinshaiu ; Othenavara (Bring
2, 46. 47. Othenvara 39); Othenströö (Bring 2, 48) von
tro (fides) und vara (foedus)? in Smäland Oderisfalahult
(Tuneid 2, 146.) und Odensjö (2, 109. 147.) in Oster-
gütland Odenfors (2, 72.) in Vestergötland Odenshulla
2, 284^) und Odenalcälla (2, 264), ein gesundbrunnen ;
Odensnker, Onskler (2, 204. 253.) in Westmanland
Odensvi (1, 266. vgl. Grau p. 427***) gleich dem fühnischen
•) l.fin^ebek Script, tom. 7.
*•) Sven Briuft monunienta hcaiiensia. vol. 2. Lond. goth. 1T48.
**') Otof Cirau heskrifiiing öfver Wastmanhnd. Wäfteras 1754
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108 WÜOTAN
Odüisve^ vielleicht gehört uuser niedersUchsisches Wode«
neswege zu diesem ve^ nicht zu weg (via)? ebendaselbsT
auch ein Odensjö (Grau p. 502.) in Upland Odensala
(Tuneid 1, 56); Odensfors (1, 144); Onsike (1, 144.)
in jVerike Odensbacle (1, 240.)
Es schien nolhwendig die wichtigsten dieser Ortsna-
men hier nebeneinander zu stellen, und gewis sind mir
noch manche entgangen *), in ilirer menge, so wie in ihrer
ähuliclien oder gleichen bildung liegt eben der volle be-
weis ihrer bedeutsamlieit. einzelne dürfte man bezweifeln
und anders auslegen, sie alle zusammen zeugen imabweis-
lich für die grofse ausdehnung des Odincultus.
Kräuter und pflanzen **) sind nach diesem gott nicht
benannt; Isländer imd Danen heifsen aber einen klciueu
Wasservogel (tringa minima, inquieta, lacustris et nataiis)
Odliifishaniy Odenshane ^ Oder/s fugl, und in der edda
werden ihm zwei kluge raben , liuginn und ^luninn bei-
gelegt (hugr auimus , munr mens , voluptas) , die sich auf
seine schuller niederlassen und ihm meidungen ins ohi* ea-
gen. Sicm. 42^ 88» Sn. 42, 56. *♦*)
Icli bin davon ausgegangen, dafs die anbetung dieser
gottheit allen deutschen stammen gemein imd keinem fremd
war, eben weil wir sie für die allgemeinste imd oberste an-
erkennen müssen. Wuotan ist , insofern es gelingen konnte
aus Überresten des alten glaiibens eine idec seines vrescua
zusammenzufassen, die allmächtige, allwissende, schaffende
kraft, von welcher jedes gedeihen, vorzüglich aber sieg , das
wünschenswerlheste gut für kriegerische Völker, abhieng.
unter allen übrigen gottern tritt er am meisten hervor, und
darmn haben lateinische schriftsteiler, M^euu sie von deutscliem
cultus reden, iumier am ersten Mercurs zu erwälinen anlafs.
Wir wissen, dafs, aufser den Nordmannrern , SachscOf
Alamannen, Langobarden diesen gott verehrten ; wariuu soll-
ten Franken, Golhcn mid die übrigen von seinem dienst aus-
geschlossen sein?
Deutliche spuren zeigen aber auch an , dafs sein cultus
*) einige mir fehlende stehen in Fiun Ma^nnssens lex. nijth. 648,
dem ich aber nicht beistimme, wenn er auch die hochd. namen Oden-
wald, Odenheim (wo die hochd. form Wuotan völiig mangelt) dahin suelit«
oder das fiun. Odenpä, das vielmehr barenhaupt bedeutet.
**) Dreyer si|mi. verm. abtii. 2, 900 behauptet, der dnnme lieitke
(veriuutiicli in einer niedersächs. gegend , ich finde aber niht wo) wöden-
Jinf^en wönletl (glied) und die spaiiue zwischen daumen und Zeigefinger
M'Ödenspanne, hierüber ist noch nähere aunkunft zu ^«uuscheu.
***) wie in chri.>iiit'heu legenden tauben dem pab^t.
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WÜOTAN 109
nicht immer und nicht in allen gegenden überwog, in dem
stidHchen Deiitscliland erlosch er frülier als in dem nördli*
chen, dort haben ihn weder Ortsnamen, noch die benenniing
des vierten wochentags erhallen, imlcr den Scandinaveu
scheinen ihm weniger Norweger und Schweden, als Got-
länder und Danen zugethan. Die altn. sagen gedenken ver-
schiedentlich der Thorsbilder, nie eines Odinsbildes; nur
8axo gramm. that es in ganz mythischer weise (s. 79),
Adam von Bremen, obwol Wodan unter den upsalischen
gottheiten nennend, weist ihm nur die zweite, Thor die
erste stelle an. Späterhin mag in Schweden Freys Vereh-
rung vorgewaltet haben.
Ein freilich jüngerer zusatz zu Olaf des heiligen sage
gewährt eine merkwirdige äufserung über die durch ein-
hihrung des christenthums gestürzten heidengötter. ich
will sie hier beibringen, um im verfolg noch öfter darauf
zurückzukommen; Olafr konüngr krislnadhi thetta rtki
aUt, öll blot braut hann nidlir ok öll godh, sem Thor £n-
gilsmanna godh, ok Odhin Saxa godh, ok Skiöld Skän-
änga godli, ok Frey Svia godh, ok Godhorm Dona godh.
fornm. sog. 5, 239. Das ist nicht genau zu nelimen, al-
lein es scheint mir doch darin die nachhaftende erinnenmg
an alte nationalgötler ausgedrückt ; wie die Schweden Frey,
80 zogen die Sachsen walirscheinlich Wuden allen übrigen
gottheiten vor. waruni wol der gewis norwegische Ver-
fasser der stelle den abgott seiner landsleute ausläfst? liier
hätte er Thor nennen sollen, statt bei den Engländern,
die auch dem sächs. Vöden ergeben w^aren.
Indessen darf nicht aufser acht gelassen werden, dafs
in der abrenuntialio , einem nicht rein sächsischen,
doch niederdeutschen, vielleicht ripuarischen denkmal des
achten jh., Tliunar vor f^uodan genannt wird, und Sax--
n6t die drille stelle einuimmt. auf jeden fall geht daraus
hervor, dafs auch Thunars Verehrung in diesen gegenden
herschte; es wäre möglich Waodana ansprüche auf den
obersten platz durch die annähme zu rechtfertigen, dafs
Jiicr die drei guller in der Ordnung genannt seien, wie
ihre bildseulen vielleicht nebeneinander aufgestellt waren?
fVuodan, als der erste unter ilinen stand in der mittel
wie, nach Adam von Bremen, zu Upsala Thor , ihm zur
•eile JVodan luid Fricco,
Wenn in altn. sagen zwei götter genannt werden,
geht gewöhnlich Thorr dem Odhiun voraus. Laxdrelasaga
p. 174 von Kiartan : at hann tliykist eiga meira traust
imdir afli stnu ok vdpnum (vgl« oben s« 5) heldr enn thar
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110 WÜOTAN
8em er Tlihrp ok Odhinn, die nemliclie stelle findet sich
forum, sog. 2, 34. Eyvindr erzälilt von seinen eitern,
dafs sie vor seiner gebiirt gelobt: at sa madlir skal alt til
daudhadags tbiona Tliör ok Odhni. forum, sog, 2, 168. *)
Daraus folgt jedoch nicht, dafs man Thor für den gröfs-
ten hielt, Eyvindr wurde gerade dem Odhinn geweiht,
fornm. sog. 5, 249 opfert Styrbiörn dem Thörr, Eirekr
dem Odhinn, und jener unlerliegt. . fornm. sog. 1, 35 wird
in der volksversamlung zu Tlirandlieim der erste bechei-
dem Odhinn^ der zweile dem Tliörr gobraclit.
Werden die drei mächtigsten gütter genannt, so finde
ich Odliinn vornen: Odhinn^ Tliörr^ Freyr^ Sn. eddn
131. nach fornm. sog. 1, 16 geloben seefalirer dem Freyv
geld und drei tonnen hier, wenn sie guter wind nach
Schweden, aher dem Tliorr oder Odhinn^ wenn er sie
heim nach Island fülu^e.
Etwas anderes ist, wenn Odliinn in altn. denkmälem
Thridhi^ der di*itte heifst; dann erscheint er nicht neben
Thurr und FrejT, sondern neben Hdr und lafnhdr (dem
hohen und gleichhohen) als der dritte hohe. **) Sn. 7.
Yiigl. saga 52. Sfcm. 46*. Wiederum in verschiedner be-
ziehuug tritt er auf nehen seinen brüdern V^ili und /^e,
Sn, 7; neben Hoenir und Lodhr Sicm. 3^ neben Hcenir
und Lohiy Saem. 180. Sn. 135, was auf älteren mythen
berulit, die wir, als dem Norden eigenthümlich , beiseite
lassen.
Ein hauptzeugnis für die tiefgewiu'zelte Verehrung die-
ser gottlieit legt endlich Wodans Verflechtung in altsäch-
sische stammsagen ab, welche ich im anhang umständUch
erörtere.
Wir erblicken da Wödan überall im mittelpunct. auf
ihn führen sich alle beiden und königsgeschlechter zurück,
unter seinen söhnen \md vorfalu'en sind melu*ere göttlich
gefeierte, namentlich erscheinen als söhne Bälden und
jener noch im achten jli. in dem nordwestlichen Dcutscli-
land un ausgerottete Saxnöty in der reihe seiner ahnen
•) auch in einer ags. honiilie de temporibns Antichrist! in Wlielocs
Beila p. 495 werden Thor and Eoudhen^ the haethene men herjadh
•vidlie, und Torher Erculus se ent (Hercules gigas) and JpoUinis
(Apollo), the hi maerne god l^ton, aufgezählt, der prediget dachte an
die nordischen ^ind griechischen götter, nicht an die sächsischen, sonst
hatte erThunor and Verden gesagt, auch in andern fallen, wo bestimmt tob
nordisciien göttern die rede ist, bedienen sich ags. Schriftsteller der nor-
dischen namensform. F. Magnussens lex. p. 919.
••) Aelfrics glossen 56« altanu9 : Vdden,
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WÜOTAN 111
treten Herembd auf und Gedt^ welchen diese sagen aus-
drücklich fiii' etilen gott oder eines gottes solm ausgehen,
während ilinen PFSdan seihst mehr das liaupt alJer edlen
geschlcchter ist: es läfst sich aber leicht wahrnehmen, dafs
unter einem höheren gesichtspunct beide, Gedtuni. Wödan
in ein wesen zusammenfallen.
In diesen genealogien, die sichtbar von mehr als einer
Seite in die älteste epische poesie unseres Volkes greifen,
mischen sich götter, beiden und könige. so wie beiden
vergöttert werden, können darin auch götter von neuem
als beiden auftreten; die folge und Ordnung der einzelnen
glieder schwankt unter Wiedergeburten.
Auf die geschichtlichen könige, in welche zuletzt je-
der Stammbaum ausgeht, fufsend zurückziu*echnen, und nach
menscheualtern die zeit der mytliischen beiden und götter
zu ermitteln, wäre verkehrt, die ersten historisch sicheren
angelsächsischen könige fallen in das fünfte, sechste oder
siebente jh. , man zalüe vier, acht oder zwölf generationen
hinauf bis zu ViJden , er würde hiernach nicht früher als
in das dritte oder vierte jh. gesetzt werden dürfen.
Solch eine rechnung kann die annähme seines weit äl-
teren daseins auf keine weise gefährden, seine Verehrung
mnfs in undenkliche Zeiten , lange über die erste nachricht
hinauf reichen , die uns von Römern über den Mercurs-
dienst in Germanien mitgetheilt worden ist«
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J 12 DONAR
CAP. Vm. DONAR.
Den über wölken und regen gebietenden, sich durch
vretterstralil und rollende dounor ankündigenden golt, des-
sen keil durch die lüfte fährt und auf der erde einschlägt,
bezeichnete die spräche des altert luims mit dem worte Do-
llar selbst, alts. Titan ar^ ags. Thunor, altn. Tli6rr. das
letzte scheint zusammengezogen aus Thonar ; *) die nalur-
erscheinung heilst altn. tliruma oder duua , beide sind weib-
lich, gleich dem goth. thcihvu, das vielleicht aus finnischer
Sprache übernommen wurde, dem gott legten die Gothen
w^ol den namen Thunra bei ? das schwcd. tordün, dän. tor-
den (tonitru) ist aus der ben^nnung des gottes und jenem
duna zusammengesetzt, altn. Th6rdana ? ganz auf ähnliche
weise entspringt der schwed. ausdruck 'ksha (tonitru, ful-
men), im westgoth. gesetz. äsikkia**) aus asaka, der wagen
oder das faliren des gottes, von as, deus, divus und aka
vehere, vehi, schwed. äka. auf Gothland sagt man Tkor^
hkan, Thors fahren für donner, und das altn. reidh be-
zeichnet nicht nur veliiculum, sondern auch tonitru, reidhar-
slag, reidhartliruma donnerschlag und blitz, denn das fahren
eines wagens über ein ge wölbe kommt dem gerassei und
krach des donners am allernächsten, diese ^Vorstellung ist
so natürlich , dafs sie sich bei mehrern Völkern ausgebreitet
findet: Sonsl o;f7;/ta tov //tog ^ ßgovirj elvai. Hesj-
chius 8. V. i).aolßQovTa. Thörr wird in der edda, aufser der
benennung Asathörr, durch Öluthdrr , d. h. wagcn-
th^rr (Sn. 25) naher bezeiclmet, seinem wagen sind zwei
bocke vorgespannt (Sn. 26.) zwar haben auch andere göt-
ter ihren wagen, . namentlich Odhinn und ^reyr (vgl. s. 73«
74. 102) , allein Thörr ist in eigentlichem sinn der fahrend
gedachte; niemals kommt er, gleich Odlünn reitend vor,
noch wird ihm ein pferd beigelegt : er fährt entweder oder
geht zu fufs. es heifst ausdrücklich, dafs er zu gericht
gehe (Thörr gengr til dumsins, ok vedhr Ar, und watet
*) obgleich ich für RR aus NR sonst keiife analogie weifs; am
RN bildet es sich oder: ags. steorra, gotli. stairod; goth. faim,
afid. ferne.
*•) vgl. Onsike (Odins fnlirtV) oben s. 108.
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DONAR 113
durch die fiÜBse) 8n. 18. *) Noch heiUe pflegt das volk
in Schweden , "wenn es donnert, zu sagen : godguhben aker
(der gute alte fährt) Ihre 696. 740. 926, gofar akar (der
gute vater fährt.) aus scheu wiu-de des gottes eigentlicher
name nicht mehr ausgesprochen, oder seine väterliche gute
sollte hervorgehoben werden (der alte gottj oben s. 1 5.) Den
blitz nennt der Norwege Thors varnie (Th. wärme) Faye p. 6.
Donner, blitz und regen gehen unter allen naturer-
scheinungen vorzugsweise von gott aus, sie werden als
seine handlung, sem geschäft angesehen. **) Bei grofsem
lärm und gepolter ist die redensart gewöhnlich : man könnte -
unsem herrgott vor dem tosen nicht donnern hören; in
Frankreich: le bruit est si fort, qu'on n^entend pas dieu
tonner. schon im roman de Renart 11898:
fönt ime noise si gi*ant
quen ni oist pas dieu tonant.
29143 : et commen^a un duel si grant,
que len ni oist dieu tonant.
Besonders aber wird der donner dem zürnenden und stra^
fenden gott zugeschrieben, Donar gleicht in dieser eigen-^
Schaft des zorns und der strafe vnederum dem Wuotan
(s. 13. 100.) bei gewitter pflegt das volk den kindern zu
sagen: der liebe gott zürnt; in Franken: draufsen ist
gott, der zankt ; in Baiern : der himmeltatl greint (Schm.
\y 462.) in Eckstorms gedieht zu ehren der grafschaft
Honstein. 1592. CII«> heifst es:
gott der Herr mufs warlich from sein
dafs er nicht mit donner schlegt drein. ***)
die nemliche vorstelUmgsweise bei den lettischen und fin-
nischen Völkern, lettisch: wezzajs kahjds, wezzajs tehws
barrahs (der alte vater hat sich auf die füfse gemacht, er
keift.) Stender lett. gramm. 150. chstnisch: wanna issa
hüab, wanna essä wäljan, mürrisep (der alte vater brummt.)
Rosenplänters bejtr. 8, 116. 'unser herr gott zankt'; 'der
himmel fülu^t krieg'. Joh. Christ. Petris Ehstland 2, 108.
Ebenso herscht in dem lateinischen Jupiter (wört«
*) sein dunkler beiname HlSnidhi widerspricht dem schwerlich :
dieses ridhi bezieht sich wol auf reidh (wa<?en.) hlörridhi scheint mir
assimiliert aas hlödhridhi, vgl. cap. X bei der j^öttin HIOdhyn.
•*•) ein baner, bei der procession ermahnt niederzufallen, sagte : ich
glaube nicht , dafs unser herrgott dabei sei, ich hörte ihn noch gestern oben
im Inmmel donnern. JVeidners apophthegmata. Amst. 1643. ^ 277.
***) in einem aus liederanfaugen zusammengesetzten gedieht: ach
gott vom himmel sieh darein und werfe einen donnern t ein ^ es ist ge-
wislich an der zeit, dafs schwelgerei und Üppigkeit zerschmettert wer-
den mausetodt ! sonst sdirein wir bald aus tiefer ooth.
8
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114 DONAR
icli : gott vatcr, diespiter) die idee des donnerers vor; den
dichtern gilt Tonans für Jupiter (z. b. Ovid. heroid. 9, 7.
fast. 2, 69. metam. 1, 170) und die lat dichter des mit-
telalters bedieoen sich gern dieses namens (z. b. Dracon-
tius de deo 1, 1. satisfact« 149. Ven. Forlunat. p. 212.
219. 258) fdt den christlichen gott. dem begegnen nun
ganz die ausdrücke der yulgarsprache : celui qui fait to-
nePy qui fait courre la nue (s. 16*) eine inschrift Jovi to*
nanti hat Gruter 21, 6. der griechische, donner und
blitz (xepat/roff) sendende Zeus heilst neQavvBiög*
WeU er sie aber von der höhe des himmels herab
entsendet, führt er zugleich den namen aKQtOQy und wird
auf dem berggipfel {äxQig) wohnend gedacht. Zeus thront
auf dem Ol7mp> dem Athos, Lycaeus, Casius und auf an-
dern bergen Griechenlands und Kleinasieus.
Ein hoher berg, über den von ältester zeit die haupt-
strafse nach Italien zieht, in der kette zwischen den gra-
jischen und penninischen alpen , der heutige sanct Bern-
hard, hiefs im frühen mittelalter mons Joi>is. so hä'ifig
in den fränkischen annalen (Pertz 1, 150. 295. 453. 498«
512. 570. 606. 2, 82.), bei Otto fris. de gest Frid. 2, 24^
bei Radevicus 1, 25, der ilm als via Julii Caesaris, modo
mons Joifis bezeichnet; bei ags» Schriftstellern mw/i^ /o/««
(Lye s. V.), in Älfr. ßoet. p. 150 muntgiop , in unserer
kaiserchronik SS^ monte Job. Benennung und cultus
fähren schon auf die zeit der Römer zurück; die alpen-
bewohner verehrten einen Penintts deus, oder eine Pe^
nina dea: neque montibus bis ab transitu Poenorum uHo
Veragrl, incolae jugi ejus, nonint nomen inditum, sed ab
eo , quem in summo sacratiim vertice peninuuh montani
adpellant. Liv. 31, 38. quamvis legatur a poenina dea,
quae ibi colitur, alpes ipsas vocari. Servius zu Virg. Aen«
10, 13. eine auf dem S. Bernhard gefundne inschrift (Jac
Spon misccllanea antiq. Lugd. 1685. p. 85) sagt ausdrück-
lich : Lucius Lucilius deo Penino, opt. max. donum de-
dit, und hieraus folgt, dafs man unter diesem gott sich
den Jupiter dachte, den namen mons Jot-'is, gebrauchen
die classiker nie, auch die tabula Antonini benennt blofs
den sumnuis Penninus und den Penni lucus ; zwischen dem
4 und 7 jli. scheint dafür Jo^is mons aufgekommen, viel-
leicht mit rücksicht auf den gallischen oder gar deutschen
sinn, in dem dieser gott damals aufgefafst wurde, man er-
innere sich jenes deutschen tsarnodori auf dem nicht weit
abgelegnen Juragebii'ge (s. 51.) *)
*) zu anterschelden von dem mon» Jopis i«t der mons gaudii^
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]H>NAR 115
Mit völliger Sicherheit dürfen wir solche bergname»
in Deutschland selbst auf die Verehrung des einheimischen
gottes beziehen* allbekannt ist der Donnersberg (mont
tonnerre) in der Rheinpfalz an der grenze der alten graf-
schaft Falkenstein, zwischen Worms, Kaiserslautern und
Kreuznaclu ein andrer Thuneresherg liegt in Westpha-
len an der Diemel unweit Warburg in mitten der dürfer
Wormeln, Germete und Welda; die älteste seiner meidung
thuende Urkunde ist vom j. 1100 (Schaten mon. paderb«
\j 649.) im mittelalter dauerte da noch ein grofses volks-
gericht fort, das ursprünglich sicher an die heiligkeit des
ortes geknüpft wurde: comes ad Thuneresberhc (a. 1123)
Wigands feme (222); comitia de Dunrisber^ (a. 1105)
Wigands arch. I. 1 , 56 5 a judicio nostro Tnonrsebercfi
(a. 1239) das» 58. gerade in der nälie dieses berges steht
die heilige eiche, deren s. 45 gedacht wurde, wie das ro*
hur Jotns bei dem hessischen Geismar (s. 44) unfern von
einem PVuoiansberg (s. 103.) allem auscheiu nach konnte
beider götler cultus dicht nebeneinander gepflogen werden.
Wahrscheinlich sind noch in andern gegeuden Deutsch-
lands Donnersberge aufzufinden, eines im regensburger
gebiet gedenkt eine^ urk. von 882 unter dem namen Tu^
niesberg. Ried cod. dipL num* 60.
Auch in Scandinavien mangelt es nicht an Thors na-
men tragenden bergen und felsen : T/iors hlint in Ost-
gotland, T/iorsborg in Gotland ; aus Norwegen, wo dieser
gott vorzugsweise verehrt wurde, sind mir jedoch keine
bekannt, in Vermland pflegt der gemeine mann die süd-
westliche himmelsgegend , aus der im sommer die meisten
gewitter aufsteigen, T/iorsIäila, des Donners hole, zu nen-
nen. (Geijer Svearikes häfder 1, 268.)
Aber die slavischen Donnersberge sind nicht zu über-
sehen, bei Milleschau in Böhmen ein Hronwlan^ von
unter welchem das mittelalter eine hohe bei Rom verstand t Otto fri^
mg. 1. c. 2, 22; in der kaiserchronik a. a. o. heifst es wörtlich ver-
dentscbt mendelberc. in romanischen gedichten d^s 12. 13 jh. ist
monjoie das französ. feldgeschrei, gewöhnlich aber mit beigefügtem S.
Denis, z. b. monjoyaj monjoya sant Denis. Ferabras 365; monjoie en-
«eigne S. Denis. Garin 108. Ducange in der eilfteii dissertation zu
Joiii?iHe erklart monjoie unstatthaft für eine derainntlvform von mont
da es in andera stellen (Roquefort 2, 207) allgemein ort der Wonne
nnd freude, paradies l>ezeichnet, so darf man bei der wörtliclien he-
dentnng stehen bleiben; es müste aber in mehrern gegendcn berge
dieses namens gegehen haben, möglich wäre, dafs auch dieses mon-
joie aus einem alten monjoi^e (mons Jovis) hervorgieng: mit dem göt<
terberg verband sicli zugleich die Idee eines Wonneaufenthaltes.
8*
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116 DONAR
hrom, doimei*, nach andern dialecten grom ; in Steiermark
eui Grimming^ d. h. slav. germnik, altsL gr^'mnik (don-
nersbergy vgl. sloven. gr'mi, es donnert , serb, grmi) einer
der steilsten berge steirischen alpe, nicht weit davon ein
Aufsehen genannt der Donnersbach. *) Mit einem andern
wort also dinicken die Slaven gott und naturerscheinung
aus, )enen altslav* durch Perun^ poln. Piorun, bOluu.
Peraun'^ bei den Südslaven scheint es frülier ausgestor-
ben, lebt aber noch in ableitungen und Ortsnamen fort.
Dobrowsky (inst. 289) führt es auf die würzet peru, fe-
rio, quatio zurück, und vielleicht hat dieser passende simi
eben zur entstellung derechteren wortform beigetragen.**)
ich möchte ihr ein ausgefallnes k zutrauen: der litthaui-
8che , lettische , altprcufsische donnergott heifst Perhunas^
Pehrlons, PerkunoSy und eine menge von Ortsnamen sind
damit zusammengesetzt, littli. Perkunaa grauja (P. don-
nert), Perhunaa musza (P. sclilägt, ferit); lett. Pehrko/is
sperr (der donner scldägt ein.) das slav. perun wird
heutzutage weniger persönlich verwendet, imd mehr vom
blitzstrahl gebraucht. Schon Procop (de hello goth. 3, 14)
sagt von den Scla\enen und Aulen : 'd'eov fdv yu-Q e'va
üov lijs döTQanij g ät] /tnovgy 6r anuvTViv niQiov
ftovov avTov ro/Lii^ovaiv elvcti , x«i dvovoiv avrü ßoas
%e %al leQeia anavTa.
Perkun gemalmt nun an jenen morduinischen donnergott
Porgiiini (oben s. 18), noch merkwürdiger an einen
gotb. ausdruck, der freilich, wie er bei Ulfilas erscheint,
alle persouification eingebüfst hatte, das goth. neutruni
fairguni (^ramm, 2, 175. 453) bedeutet berg, oQog. ***) wie
wenn es vorzugsweise der Donnersberg gewesen und' ein
verlornes Tuüguns des gotles name wäre? man dürfte
die bedeutuug von fairguni = mons imverändert behalten,
und in das niasc. Fairgnna oder Fairguneis^ folghch in
Perkunas , den sino jenes äxQiog legen ? ein scliickUcber
neben name für den donnergott. auch das alid. virgun,
*g8« fi^^g^f^ j in Zusammensetzungen , ohne welche es uns
völlig untergegangen wäre, kann entweder blofs den be-
*) Kiiiderniann abrifs von Steiermark p. 66. 67. 70. 81.
••) anders, wenn man perun und xt^ai^oq vergleichen dürfte« noch
naher dem Perun schiene das saascr. Parjanyas^ weichen namen la-
dras als Jupiter pluvius führt, wörtlich: befruchtender regen, donner-
wolke, donner.
•••) Matth. 8, 1, Marc. 5,^ 5. II. 9, 2. II, I. Luc. 8, 5. 4, 29.
9, 87. 19, 29. 37. I. Cor. 13, 2. bafrgahei {y oiittr^) steht Luc. 1, 39.
65. nie das einfache buirgs.
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DONAR lir
grif des bergigen , waldigen enthalten oder auf einen ver-
dunkelten gottesnamen bezogen werden, wie ee darum
stehe; dafs mit fafrgunl, virguu, ürgen göttUcliverehrte
wesen zusammenhangen^ ergibt sich offenbar aus dem altn.
Fiörgyn^ gen. Fiörgynjar, worunter in der edda Thors
mutter, die göttin Erde verstanden wird; und aufser ihr
tritt noch ein männlicher Biörgynn^ gen. Fiörgvins, Fiür-
gyns (Sn. 10. Il8) auf, als vater der Frigg, Odhins ge-
mahlin. in allen diesen wörlern muf's man fairg, firg, fiörg,
als Wurzel annehmen , und nicht abtheilen falr-guni, fir-
gttn, fiör-gyn.
Die christliche mythologie hat imter slavischen Völkern
das geschäft des donnerers auf den propheten tliaa über-
tragen, der im weiter gen himmel föhrt, den ein wagen
mit feuerrossen in empfang nimmt , II. buch der königc
2, 11. in den serbischen liedern 2. 1. 2, 2 heifst er aus-
drücklich gromoifnik llija , *) blitz und donner (munja
und grom) sind in seine band gegeben, und er verschliefst
snndhaften menschen die wölken des himmels, dafs sie kei-
nen regen zur erde fallen lassen, auch dies letzte ist dem
AT. gemäfs (I buch d. kön. 17, 1. 18, 41. 45. vgl. Luc. 4,
25. brief Jac. 5, 17.) und ebenso in der altdeutschen dich-
tuög aufgefafst worden, 0. III. 12, 13:
quedent sum giwdro, Hellas sis ther mdrOy
ther thiz lant so tliarta^ ihen himil so bisparta,
Iher iu ni liaz in nötin regonon tlien liutin,
thuangta si giwäro harto filu suäro. **)
ivas aber besonders beachtet werden mufs, in der durcli
das ganze mittelalter verbreiteten sage von erscheiuung des
Antichrists kurz vor dem weltende (deren auffallende be-
rührung nut dem altn. mythus von Surtr und Muspellsheim
nocli im verfolg besprochen werden soll) nimmt Hellas
wiedenmi des nordischen donnergotts stelle ein. Tli6rr
siegt über die grofse schlänge , hat sich aber kaum neun
schritte von ihr entfernt, als er diu*oh ihren giftauhauch
getroffen todt zu boden sinkt. Sn. 73. Nach dem ahd. ge-
dieht Müspilli 48 — 54 erliegen zwar der Antichrist und der
Icufcl , allein auch Elias empfängt im kämpf schwere wunden :
*) 1, TT: udri gromoui, gromovit JUid schlag mtt doiiuer, don-
Berer Elias!
**) Greg. tor. vorrede zum zweiten buch: memiuerit (lector) siib
Heliae tempore, qui pluvias cum voluit abstulit ^ et cum libuK areu'
libu» terrii infuäit etc.
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118 DONAR
doh wftnit des vilu gotmanno *)
daz Elias in domo wlge arwartit \
«Ar 86 daz Elinses pluot
in erda kitruifit,
SU inprinnant die perga,
von seinem auf den bodcn triefenden Wut gerathen die
berge in brand und der jüngste tag wird noch durch andere
zeichen verkündet. >vir müsten die vorstelhmg von dem
teufel, dem Anlichrist, Klias und Enoch in ihrer ganzen
Vollständigkeit, wie sie etwa im 7 und 8 jh. umgieng,^*)
kennen, um diese analogie zwischen Elias und dem Donar
der Heiden sicher auffassen zu können, in der clirisdichen
Überlieferung ist nichts, was eine Verwundung, und gar
tödtliche, des Elias anzunehmen berechtigte. Noch merk-
VTÜrdiger wird aber die vergleichung dadurch, dafs auch
halbchristliche kaukasische völker den Elias als donnergott
verehren, einen blitzerschlagnenprchen die Osseten glück-
lich und glauben, Elias (llia) habe ihn zu sich genommen ;
die hinterbliebenen erheben freudengeschrei , singen und
tanzen um den leichnam , alles strömt herzu , sclilicfst sich
dem reihen an und singt; *o Ellai, Ellai eldaer tschop-«
peÜ' (o Elias, Elias herr der felsengipfel.) neben dem
Steinhaufen des grabhügels wird eine grofse Stange mit dem
feil eines schwarzen Ziegenbocks aufgerichtet, denn auf diese
weise opfern sie dem Elias überhaupt. Sie flehen den Elias
an ihre felder fruchtbar zu machen iind den hagel davon
abzuhalten.***) Schon Olearius berichtet, dafs die caspischen
Circassier auf Eliastag ziegen opfern und das feil an ei^
ner Stange unter gebeten aufspannen, f)
Wie nun in jenen serbischen liedern die Jungfrau Jda-
ria neben Elias auftritt, ist sie es vorzüglich, die im mit-
telaller um regen angefleht wurde. Die Chronisten geden-
ken einer rcgenprocossion im Lüttichschen um das j. 1240
oder 1244; -j~[-) ein di'eimaliger Umgang des clenis und volks
(nndis pedibus et in Janeis) blieb ohne erfolg, weil man bei
anrufung aller heiligen der mutter goltes vergessen hatte,
als nun der chor der hefligen sich bei gott um regen ver-
wendete, widersprach Maria; in neuer procession wurde
♦) gofman priester, tlieolog? vgl. oben «. 58.
**) auch die rabbiniäclie sage Dimmt an, dafi» Elias wlerlerkelircR
und den bösen Sammael tödten werde. Eisenmengir 2, 696, 851.
***) Klaproths reise in den Kaukasus 2, 606. 601.
+) Ad. Olearias reisebeschr. 164T. p. 522. 523.
+1) Aegidiiis aureae vallts cap. 135 (Chapeaville 2, 267. 26a)
rhron. belg. magn. ad a. 1244 (Pistorius 8, 263.)
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DONAR na
ein feierliches salve regina gesungen : et cum serenum tem«
pu8 ante fuisset^ tanta inundatio pluviae facta est, ut fere
omnes, qui in processione aderant, bac illacque disperge*
rentnr. Das heidenthum richtete vermutlich die bitte um
regen, statt an Elias und Maria, an den donnergott. ich
entsinne mich gleichwül auch aus der altn. sage keiner stelle,
worin von Verleihung des erflehten regens durch Tliurr
die rede wäre; blol's dals er unwetter ^eniJieX^ wenn er
ziiiiit, wird Olafs Tr- saga 1, 302 — 306 erzälilt. wir dür-
fen aber seine allgemeine ähnlichkcit mit Zeus und Jupi^
ier (dem vitiosy pluvius) und die Verbreitung des votia
imbrem vocare unter benachbarten Völkern in ansclilag
bringen.
Eine beschreibung» die Petron cap. 44 von der römi-
schen regenprocession macht, trift nahe mit der vorhin aus
dem mittelalter gegebnen zusammen: antea stolatae ibant
nudis pedibus in clivum, passis capillis , mentibus puris , et
Joi^em aquam exorabant; itaque statim urceatim (als
güss^ man mit mulden) plovebat, aut tunc aut nunquam,
et 'omnes ridebant, uvidi tanquam mures. Das einfach
schöne regengebet der Athener hat Mark Antonin (elg iav-
Tov5, 7) aufbewahrt: bvx'^ ^^^V^ctiiov, vaov, vaov, ai
SiiJU Z«/, jeaT« TTjQ agovactg tijg ^ji&t]valmf ual twv yi «-
i(op, ich setze ihm das ausführlicliere ehstnische an die
seile, wie es noch im 17 jh. Gutslaff*) einen alten baucr
sprechen hörte : *lieber ßonner (woda Picker), wir opfern
dir einen ochsen der zwei hörner und vier klauen hat,
und wollen dich bitten um unser pflügen und säen , dafs
noser stroh Htipferroth, unser getraide goldgelb werde.
Blofa anderswohin alle schwarzen^ dielen wölken über
grofse sümpfe, hohe wälder und breite wüsten, uns pflü-
gem und säern gib aber fruchtbare zeit und sdjsen r^-
gen. heiliger Donner (pöha Picken), bewahre unsern
acker, dafs er trage gut stroh unterwärts, gute ähren übei*-
wärls und gut körn innenwärts'. Picker (vielleicht druck-
felilpr für Picken) würde im heutigen elistnisch lauten
Pitkne^ was dem finnischen pitkäinen donner, vielleicht
auch Donner, i^her kommt, in Hüpels ehstn. wörterb.
steht indessen pikkenne donner , und jpikne donner. ge-
Yfölinlich nennen die Finnen ihren donnergott Ukko, die
*) Job. Gutslaff kurzer bericiit und Unterricht von der falsch hel-
h ReiMDdten hachc in LiedaDd Wtihhanda. Dorpt 1644 p. 862— »64.
<lie fhstoischen ausdräcke des gebets waren ihm damals schon schwie-
rlf, verbfasert gel>en sie Peterson finn. mylhol. p. 17 und Rosenpläu-
tm beitr. beft 6, p. 157,
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120 DONAR
Elisteu aber auch TurriSy offenbar nach dem nordiscben
Thörr. *)
Da vom regen und gewitter fruchlbarkeil der flui'^n
abhängt, so erscheinen Fitkäinen imd Zeus als die äl-
teste gottheit ackerbauender Völker, von deren giile sie das
gedeilien ihrer Saatfelder und fruchte erwarten, ausdrück-
lich legt auch Adani von Bremen dem Thor donner und
blitz verbunden mit der herschafl über welter iiud früchle
bei: Thor, inquiunt, pracsidet in aere, qui tonitrua et
fulmina , ventos imbresquc, serena ei frmres gubernaU
hier berührt sich also seine Verehrung mit der des Wuo-
tan, welchem aus andern gründen gleichfalls die ernter
huldigten (s. 104 — 108), wie auf der andern seite Thor
neben Odhinn kriegsthaten verrichtet, und seinen theil der
beute empfängt (s. 95.) In der ahn. auffassung haben so-
gar Xliors siege und kämpfe mit den riesen sein Medli-
ches amt in schatten gesetzt.
Gleich Zeus imd Jupiter wurde ohne zweifei auch
der deutsche donnergoft mit langem harte vorgestellt,
noch ein dänischer reim nennt ihn: Thor med sit laiige
shiäg (F. Magnussens lex. 957.) in den altn. sagen er-
scheint er aber, mit näherer bestimmung überall rotlibär^
tigy was auf die feurige lufterscheinung des blitzes bezo-
gen werden mufs: wenn der gott zürnt bläst er in seinen
rothen hart imd donner schallt durch die wölken, fornm.
sog. 2, 182 heifst er ein schlanker, schöner, roth bärtiger
Jüngling : mikill vexti ok üngligr, frtdhr synum ok raudh-
sheggjadhr; 5, 249 maihv raudsieggjadhr. hilfsbedürf-
tige menschen riefen seinen rothen hart an: landsmenn
ti)ko that rMh at heita ä thetta liit raudha siegg (2,
183.) zumal merkwürdig ist die erzählung von Thors
begegnung mit könig Olaf 1, 303, seine macht erscheint
da schon halb gebrochen und vor der neuen lehre wei-
chend ; als die Christen nahten , ermalint den Thörr ein
anhänger zu tapferm widerstand: theyt thü \ mdt theim
sheggrödd tliina (blas ihnen deinen bartruf, die stimme
deines hartes, entgegen.) \\\(^ gengu their At, ok bl^s Thörr
fast t kampana ok tlieytti aheggraustina (da glengen
sie aus, Tli. blies staik in den hart, und eiTegte die sprä-
che seines barts) , kom thd thegar andvidhri möti koiu^ngi
svd styikt, at ekki mfttli \idli halda (alsbald kam ein Un-
wetter gegen den könig, dafs ,er sich nicht in der see hal-
•) Ukko ist nach Jumala (den ich WHotaii vergleiche) der höch-
ste fiunitfche gott. piikainen heir>t ei^^entlich der ifluge, hohe.
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DONAR 121
ten konnte.) Dieser rotlie bart des donnerers ist in flüdien
der späteren zeit unvergessen, und zwar unter dem friesi-
schen voik^ ohne allen äul'seren Zusammenhang mit der
nordischen Vorstellung: *düs ruadliiiret donner regür?
(defs walte der rotlüiaarige donner) rufen noch heute die
Nordfriesen aus. *) wenn in der island. spräche der fuchs
holtathdrr (waldthörr) genannt wird **), bezieht sich das
venuutlich auf sein rothes haar«
Die alten sprachen unterscheiden drei acte der natur-
erscheinung : das leuchten, fulgur , ao'CQant] , den schall^
tonitrus, ßQ^ttj^ und das einschlagen, fulnien^ xegavvoQ*
Den leuchtenden schein nennen wir blitz, die ältere
Sprache gebraucht sowol das einfache plih gl. Doc. 229**,
mhd. blic Iw. 649. Wigal. 7284, als plecliazunga (coru-
scatio) aus plechazan, dem frec[uentativ von plecMn (ful-
gere Diut. 1 , 222. 224 abgeleitet ; man sagte auch ple^
diunga Diut. 1, 222. so setzt Wiazan (micare, coruscare)
golh. lauhatjan ein lijh^n, goth. lauhan voraus, der Gotha
bildete von derselben würzet sein Iduhmuni (^doTßany)^
der Saclise aus blic ein hlicsmo (fulgur.) ags. leoma (ju-
bar, fiügur), altn. liomi, schwed. Ijungeld^ dan. lyn.
Aui'ser donar hätte der ahd. spräche zu gebot gestan-
den tapr€h (fragor^ von prehhan (frangere) gl. hrab. 963^.
mhd. dafür öfter krach', von krachen (crepare): mit kra-
che gap der doner duz. Parz. 104, 5 ; und da krachen sy-
noaym ist mit rtzen (eigentlich krachend bersten), steht
auch wolkenrfjB (fem.) für donner, Parz. 378, 11 Wh.
389, 18 ; reht als der wilde dunrslac von himel kam ge-
rizzen. Ecke 105. das goth. theihuö vergleiche ich dem
finnischen teuhaan (strepo), teuhaus (strepitus, tumullus),
es bedeutet also die lärmende , tosende, einige niederd.
mundarten haben die benennung grummel für donner
(Strodtm. osnabr. 77), nach dem slav. grom, lu^om.
Für den begrif von fulmen besitzen wir nur zusam-
*) der geizbaU auf Silt Flensburg 1809 p. 123. 2 ausg. Son-
derburg 1833 p. 113.
**) nacleus latinitatis in asam scholae schallioltinae. Hafaiae 1T38
p. 206B.
•••) Ich schreibe plechazan, nad denke an pleckan, plahta (patere,
■Bdari) mild, blecken, blacte Wig^al. 4890, so dafs es vom himmel ge-
bfaodit bedeutet: die wölken thnu sich auf, der tiimmel öfnet sich,
wie man noch jetzt von blitzen und wetterleuchten sagt. vgl. Lo-
beogr. p. 125; reht alsam des himeUbliss vor doiier sich erblecket, Soll
dies plechan mit piih (fulgur) verwandt sein, so hat man zwei verha
pithhan, pleib und plehlian plali, letzteres aus ersterem entsprungen
tnauQehDien.
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122 DONAR
mensetzutigen 9 wo nicht das blofs« donner in dieser be-
deutung steht: sluoc alse ein doner. Roth. 1747; hiure
hdt der schär (das wetter) erschlagen helfst es irgendwo;
gewölinlich don ner schlag y blitzschlag, ahd. bligscuz^
fulgiiriim jactus, N, cap. 13; mhd, blicteschoz Bari. 2,
26. 253, 27 blicschoz Martina 205*; fiiirin dmcrstrdle
Parx. 104, 1; donreslac Iw. 651; ter scuz tero fiurentün
(lonersträlo (ardentis fulminis) , erscozen mit tien doner»
strä/dn. N. Blh. 18. 175; mhd. wetteratrahl, blitzstraJil,
donnerstrahL
Wie also dem blitzenden gott rothes h&ar, dem don-
nernden der wagen, so wird dem einschlagenden geschoi's
und waflFe beigelegt, hier scheint mir aber die Vorstellung
von geschofsnen pfeilen^ wo sie in deutschen gedickten
vorkommt (doners />^//<?.tumei vom Nantheiz 35. 150), erst
den Griechen und Hörnern nacligeahmt; der deutsche Do-
nar wirft eigentlich keilförmige steine vom himmel herab,
ez wart nie stein geworfen dar (in die hohe bürg), er
enkasme von der schäre. Ecke 203. ein plins von don*
restr^len. Wolfram 9, 32. schärestein Bit. 10332. «cA<r-
werstein Suchenw. 33, 83. in der heutigen spräche
donnerheil, und nach dem Volksglauben fährt mit dem
zündenden blitz aus der wölke zugleich ein schwarzer
teil tief wie der, höchste kuxhthurm *) in den erdboden
nieder, so oft es aber donnert, beginnt er der Oberfläche
näher zu steigen, nach sieben jähren ist er wieder oben
auf der erde zu iSnden. jedes haus, in dem er aufbew?dut
wird, ist vor gewitterschaden sicher, und sobald ein ge-
witter naht, fangt er an zu schwitzen.**) solche steine
heifsen auch donneräxte^ donnersteine, donnerhämmer,
albncho/sej strahlsteine, teiifelsßnger]***) in beiden-
gräbern gcfundne steiqhammer und steinmesscr fähren den-
selben nameut Saxo gramm. p. 236 äufsert sich ganz
deutlich so darüber : ^nusitati ponderis maileos, qiios yo-
via/en vocabant , . . . prisca virorum religione cultos ....
cupiens enim anticpiitas tonitruonim oausas usitata rerum
aimilitudinc coniprehcndere, malleo.% quibus coeli fragores
cieri credebat, ingenti aere complexa fuerat.
*) diese tiefe wird io andern flächen mannigfaltig ausgedrückt,
E. 1). der dooner schlage dich so tief in die erde als ein hase in liun-
dert Jahren laufen kann !
**) Weddigens westphal. mag. 3> 713. Wiganda archiv 2, 320, wo
neun jähre stntt tfiel»en.
***) die gr. beneunung des »teius ist ßtl^ftyit^«;^ geschofs^
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DONAR 128
Die nord. mythologie legt dem ThArr ausdräcklich ei«
nen wunderbaren hammer zu, Miölnir (tudes^ contun-
dens) genannt 9 den er gegen die riesen schleudert. Saem.
57b 67b §gb. er heifst auch thrüdhhamar (starker ham-
mer) 9®m« 67*> 68*, und hat die eigenschaft nach dem
warf von selbst in die hand (des gottes zurückzukehren.
8n. 132. diesen hammer, wenn er durch die luft fährt
(er hann kemr Ä lopt. Sn. 16), kennen die riesen, seinem
wurf gehen hlitz und donner voraus: thvl naest sä hann
(der riese Hriüngnir) eldtngar oc heyrdhi thrumur stö-
rar, sä hann thä Thdr i ismödhi {in göttlichem zorn), för
hann äkaflega oc reiddi hamarin oc hastadhi. Sn. 109.
augenscheinlich ist es der nach vorausgehendem blitz und
donner niederfahrende, zerschmetternde keil, den man sich
aber als die dem gott immer verbleibende waffe dachte.
Saxo. p. 41 stellt ihn als eine heule (clava) ohne grif
dar, was zu der eddischen erzählung von der Verfertigung
des hammers stimmt, wo ihm als gebrechen angerechnet
vrffd, dafs sein schaft zu kurz sei (at forskeptit var heldr
skamt.) Sn. 131. kunstfertige zwerge*) haben ihn geschmie-
det, und er war, jenes felüers unerachtet, ihr meisterstück«
Der göttliche hammer galt für ein heiliges geräth, mit dem
braute und leichen geweiht werden (Srem. 74** Sn. 49.
66) ; das Itammer zeichen segnet, **) wie bei den Christen
das zeichen des kreuzes, und der einschlagende blitz galt
\m mittelalter noch lange für die glückliche, einweihende
Vorbedeutung eines Unternehmens. Vorzüglich wichtig und
die Verbreitung des altheidnischen glaubens bestätigend
scheint mir aber das schöne gedieht der edda hamars
heimt (mallei recuperatio) "'**), dessen Inhalt darauf beruht,
dafs Thors hammer von einem riesen entwendet und acht
meilen tief in die erde verborgen vm*d : *ek hefi Hlör-
ridha hamar umfölginn ätta röstom for iördh nedhan'.
Stern. 71*, das hängt unverkennbar zusammen mit dem
angeführten Volksglauben, der donnerkeil fahre tief in die
*) wie Coreteo oder Cyclopen des Zeus blitz.
'*) im altdeutschen recht lieili«rt hnmmerwurf den erwerb.
••*) kein andrer gesang der edda zeigt aicli so fest in die nordi-
sche vollispoesie verwachsen ; die dichtnng lebt in schwedischen , nor«
wetnschen, dänischen liedern fort, welche sich zu jenem eddischen.ver*
balten, wie das Volkslied von Hildebrand und Alebrand zu der alten
dichtnng. Thor tritt nicht mehr als ein gott auf, sondern als Thorkar
(Thorkarl) oder Thord af IJaffgoard^ dem sein goldtiammer gestolen
i«t. vgl. Iduna 8, 122. Nyerups ud^alg 2, 188. Schade beskrivelse
arer den Mors. Äalborg 1811. p. 93. Vgl. die merkwQrdige sage von
TbofB hanmar und it^eg bii Faye norske sagn. Arendal 1838. p. 5.
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124 DONAR
erde und brauche sieben (newn) Jahre um wieder a6f die
Oberfläche zu rücken , er steigt gleichsam jedes jähr eine
meile aufwärts.
Ein anderes zeugnis für die gemeinschaft des mythus
vom donnergott zwischen Scandinavien und dein übrigen
Deutschland kann das wort hammer selbst ablegen. Aa-
mar bedeutet ursprünglicli einen harten stein,*) felsen,
und dann erst das daraus verfeitigte gerätli; das altn. ha-
marr hat noch beiderlei sinn rupes und malleus, sahs
Wiederum ist Steinmesser, folglich das lat. saxum. Weil
nun des gottes hammer einschlägt und die fluche 'der dfm"
ner schlage dicli' oder *der hammer schlage dich!' gleich«
viel aussagten, so entsprang in einigen, zumal niederdeut-
schen gegenden, nach dem Untergang des gottes Donar,
eine personificatiou des wortes Hamar mit dem begrüTe
Tod oder Teufel. *dat diede/Za/wer/' 4 vor den HamerP
*de Hatner sla!' sind noch jetzt unter dem volk gangbare
redensarten, in welchen man Hamer mit Düuel vertau-
schen kann , die aber sämtlich auf den mit dem hamm^
einschlagenden gott zurückgeführt werden müssen, ebenso
heilst es *dat is en Hamer, en hamershen kerP, ein ver-
teufelter, verwegener, listiger mensch.**) Hemmerlein
(malleolus), meister Hämmerlein bedeutete den bösen
geist, den teufcl. hierbei zu erwägen ist a\ich die in flä-
chen übliche Verbindung der nameu: donner und teufell
welche beide den alten gott meinen, in Dänemark ver-
steht das volk unter gammel Tlwr den teufel.
Alterthümlicher war die Übertragung einzelner eigen-
schaften und namen des heilands, oder jüdischclu'istlicfaer
sagen auf den heidnischen gott ; namentlich der mytlius
von Leviathan auf Iürmungandi\ wie Christus durch sei-
nen tod die ungeheure schlänge überwältigte (Bari. 78,
39 — 79, 14), besiegte Thörr den midgardsorm, und bei-
den kommen ähnliche epilhcta zu. ***). die ähnlichkcit der
zeichen des kreuzes und hammers dazu genommen, würde
es nicht befremden, wenn die neubekelu*ten Deutschen un-
ter Christiis sich auch noch den lierrn des doiiners und
Verleiher des regens vorgestellt hätten. desto leichter
konnte die anwendung auf Maria^ gottes mutter, gemacht
*) slav. kamen (ittein), iitth. akmn, gen. akniens. kam :;= liam.
*•) breni. wl). 2, 5T5. vgl. Sriim. 2, 192; dafs dich der ham/ner
iclilftK, ein {großer haimner Hchlag ! Abele» kuuvtl. uuordn. 4, 8. gc-
riclir>li. I, 673. 'i, 7i>. 299. 382.
•") l'iim MaguujMcn lex. 484. 485.
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DONAR 125
werden (s. 118); wirklich nennt der älteste troubadour
(Dlez p. 15. Raynouard 4, 83) Christus noch den herrn
des donnere (Ihesus del tro.)
Ein neapolitanisches marchen im pentamerone 5, 4>
personificiert donner und blitz (truone e lampe) als einen
schönen iüngling, den bruder sieben spinnender Jungfrauen
und den söhn einer alten bösen mutter^ die keinen höhe-
ren schwur hat, als ^pe truone e lampe. auch in dieser
Überlieferung, ohne dafs ich sie äufserlich mit der deut>>
sehen in Verbindung setzen möchte, *) erhält sicli die idee
eines gütigen, wolthätigen donn^gottes, keines feindlichen
und teuflischen.
Der grofse kafer, den wir hirschschröter , feuerschrü-
ter nennen , lucanus cervus , taurus , heifst in einigen süd-
deutschen strichen <2o/2/2er^ue^, donner giigCy donner puppe^
ton gueg, guegi (käfer), vielleicht weil er sich gern auf
eichen, dem donner heiligen bäiunen, findet? denn er führt
auch den namen eichochs, schwed. ekoxe, aufserdem aber
feuerschröter , fürböter (feueranzünder), börner (brenner),
hausbrenner, was seinen bezug auf donner und blitz an-
deutet, das Volk sagt, er trage auf seinen hörnern glüliende
kohlen in die dacher und stecke sie an ; bestimmter ist die
aberglaube p. xcvi, 705 angeführte meinung, dafs das wei-
ter in die häuser schlage, worin man den Schröter getra-
gen hat. schwed. wird der käfer noch genannt horntrolL
Unter kräutern und pflanzen sind hervorzuheben der
donnerbariy die hausvrurz, sempervivum tectorum, welche
aufs dach gepflanzt vor dem einsclilagen des blitzes si-
chert: ♦*) barba Jouis vulgari more vocatin* (Macer Flori-
dus 741), franz. Joubarbe (vgl. anhang p. Lvin;) der don^
nerbesen, ein struppiges, verwirrtes, nestartiges gewächs
*) woher hat die ital. spräche das wort frono (neapol. truono)
Beben tuonol die provenzalisclie in gleicher bedeutang trons? ist das
Raosimsenii donar ebgemischt? (vgl. dröhnen), oder gien;^ der be-
grif des lat. thronu9 über in den von himmel und donner? jenes Ihe-
SOS del tro könnte auch blofs bedeuten: herr des firmaments.
**) gleich dieser hauswurz (liauswurzel, abergl. 60) ist der hagc-
dorn (albaspina) Schutzmittel wider den blitz (m^m. de i'acad. celt. 2,
SIS), l>ei den alten Römern der lorheer oder die um das haus ge-
pflanzte weifte rebe\ vgl. hrennetsel (abergl. 836.) *palmzi4/eige auf
kohlen gelegt, lichter angezündet, feuer auf den heerd gemacht, ist
gut für gewitter.' (brannschw. anz. 1760. p. 1392.) auch der kreuz-
^ogel (weil sein Schnabel ein kreuz oder hammerzeichen bildet?) schützt
(abergl. 336.), aber das nistende mthkehlchen oder rothschwänzchen
scbeiot den blitz herbeizulocken (abergl. 629. 704^ ; war es , des ro-
chen gefieders wegen, dem rotlibärtigen gott heilig?
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las DONAR
auf baumäftten, cledsen erzeiigung der aberglaube dem bliu
zuschreibt, es fiihrt auch den namen alpruthe\ das don^
ner kraut (sedum); der donnerßug (fumaria bulbosa);
die donnerdistel (eryngium caxnpestre) ; dän. tordenshrep^
pe (klette.) den Südslaven heilst die iris perunikay Pe-
runs blume, den Letten der hederich pehrtonea. Vor aK
len bäumen vrar die eiche dem Donnerer geweiht (s, 41.
44); den Serben heilst eine bestimmte art eichen grm^
und grmik (qiiercetum), olme zweifei in nalier Verwandt-
schaft mit grom (tonitrus) grmiti oder grmljeti (tonare.)
Vielleicht gehört eine benennung der Schnepfe (scolo*
pax gallinago) hierher: donnerziege^ donnerstagspjerd^
ninunelsziege^ capella coelestis, weil sie in der luft me-
ckern joder wiehern soll ? sie wird aber auch wetteruogel^
gewittervogel, regenvogel genannt, man behauptet, dafs ihr
ilug nahendes gewitter verkünde, dän. myrelieaty schwed.
Jwrsgjökf isl. hrosaagaukr (pferdeguguk) vom gewieher:
wenn er zum erstenmahl im jähr sich hören läfst, zeigt er
den menschen ihr Schicksal an (Biörn s. v.) ; oiFenbar haf-
ten abergläubische Vorstellungen auf diesem vogeL aein
lettischer name pehrkona kaaa (donnerziege) , pehrkona
ahsis (donnerbock) stimmt völlig zu jenem deutschen.
Nach der edda hat Th6rr ein gespann bocke vor seinem
donnerwagen: zwischen ihnen und dem mytliischen wet-
tervogel, der als bock oder pferd (immer als ein wagen-
ziehendes thier) vorgestellt wird, scheint irgend eine halb-
verdunkelte beziehung zu walten. Ob dem deutschen don-
nergott vorzugsweise bocke und ziegen (oben s. 31. 32)
geopfert wurden? das altrömische, etruscische bidental
(von bidens, lamm) bezeichnet die stelle, wo der blitz
angeschlagen und einen menschen getödtet hatte : ein lamm
mufste da dem Jupiter geopfert werden. Wenn die Os-
seten und Circassier ihrem donnerer gerade so bei der
vom blitz getroffenen leiche eine ziege opfern und das
feil an einer stange aufrichten (vorhin s. 118), so
wird dadurch noch um viel wahrscheinlicher, dafs das
langobardische ziegenopfer keinem andern als dem Donar
gegolten habe, denn der gebrauch des fellaufhängens
war langobardisch und galt auch bei anderm anlafs, wie
demnächst dargethan werden soll.
Ortsnamen, deren Zusammensetzung den des gottes an
sich trüge, bieten sich, aufser dem vorhin angeführten
Donne ruber g , in Deutscliland noch einige andere dar.
unweit Oldenburg liegt ein dorf geheifsen Donnerachu^ee^
früher Donnerswehe, Donnerswede (Kohli handb. von Ol-
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, DONAR 127
denb. 2, 55), das an Odinsve, Wodeneswege («. 107. 108)
gemahnt; ehdem stand darin eine jetzt eingegangue biirg.
ein dorf Donnersreut ist in Franken, gegen Böhmen liin,
anzutreffen^ ein Donnersted im braunschw. amt Theding-
hausen u. s. w. Viele in Scandinavieu, z. b. in Däumark
Torslunde (Thors lundr) Tminge (Th<irs engl) *), in«h.
tete in Schweden. Thdrsbiörg und Thörahöfn in Nor-
wegen (forum, sog. 4, 12, 343); Thörsmörh (ein heUiger
wald?) Nialssaga cap. 149. 150.**) Einzehie solcher be-
nennungen könnten von dem menscldichen eigennamen oder
ton der naturerscheinung hergeleitet werden, um ihres be-
zugs auf die gottheit völlig sicher zu sein, müssen histo-
rische umstände ihrer heilighaltung und verehrimg hinzu-
treten.
Donar y in der einfachen form, als mannsname kommt
selten vor; ein edles geschlecht um Rliein hiefs Donner
von Lorfaeim (Siebmacher 5, 144.) auch ableitungen und
composita damit sind in hochd. spräche imgewöhDlich;
eine kerlingische urk. im cod. lauresh. num. 464 hat Do^
narady was ich für das altn» T/tdrdhr halte; die tradit.
fijld.2, 23 j4lbthonary dem ahn. umgesetzten Thdrdlfr ver-
gleichbar. Desto häufiger erscheinen solche namenbildun-
gen im Norden, wo sich der dienst des gottes lange aus-
breitete: Tlibrarr (ahd. Donarari?), Th6rir , Th6rdhr^
HiSrhallr^ Thörbljr^ Thöroddr und die weiblichen Thbroy
Tlitrim^ TJwrarna (gebildet wie dioma, gramm. 2, 336),
TkdrJiildr^ Thbrdts u. s. w. ich sehe den grund nicht
em, weshalb die herausgeber der formanna sögur den ei-
gennamen Thbr^eirr^ T/wrbiörn, Thbrsteinny Thdrhetill^
Thtrvaldry Thörßnnr, Tkbrgerdhr u. a. m. den langen
vocal entziehen, der ihnen gleich den vorhergehenden zu
gebühren scheint; mit dem abstracten thor (audacia) sind
sie schwerlich zusammengesetzt, auch wird i.t der Nials-
saga z. b. cap. 65 Th^rgeirr, Thörkatla geschrieben. Der
häufige name Thörketill (verkürzt in Thörkell , dän. Tor-
küd), wenn er kessel, gefäfs des donnergottes ausdrückt,
gemahnt an jenen opferkessel Wuotans (s. 34.) in der Hy-
misqvida wird besungen, wie Thörr einen grofsen kessel
herbeiholt. Beachtenswerth scheint die Verbindung von
^Ip und Donar in Albdonar und Thi5rdlfr, weil auch der
donnerkeil alpgeschofs^ das donnerkraut alpruthe heilst;
es mufs ein nahes Verhältnis zwischen dem gott und den
•) andere verzeichnet Suhm krit. hist. 2, 651.
**) Donneramarkt ein edles gesell lecht in Sciitesien.
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12B DONAa
Eiben bestehen^ wenn auch von selten der letztern ein un-
tergeordnetes.
Tliörr galt nach Odhinn für den mächtigsten und
stärksten aller gutter, die edda stellt ilin als Odliins sohii
dar (Sn. 101), was ganz von der römischen auffassuog
abweicht, die den Jupiter als Mercurs vater annimmt (oben
8. 82); Stammtafeln lassen freilich den Thorr ab ahneu
Odhius erscheinen (anhang xx. xxi.) Gewöhnlich winl
Thörr gleich Äeben Odhinn, zuweilen vor ihm genannt (s.
109. 110), vielleicht war er noch mehr als Odhinn gefürch-
tet, Regner, bei Saxo gr. 11, bekennt: se, llior deo ex-
cepto, uuUam potenliani expavere. Er ist der eigentliche
landesgott, landds (patrium numen) der Norweger. Egüss.
p. 365. 366; seine tempel und bildseulen sind in Norwe-
gen und Schweden die häuiigsten, und damegirij göttliche
stärke, wu'd besonders von ihm verstanden. Eben darum
suchen Überlieferungen, die noch zur christlichen zeit haf-
teten , alles gehässige auf ihn zu werfen und ihn als teuf-
lisches Wesen darzustellen, von schlimmerer art als Odhinn,
vgl. Gautrekssaga p. 13. Finnr schleppt Thors bildseule
zu Olaf, spaltet und verbrennt sie, die asche mengt er in
brei und gibt ihn den hunden zu fressen : ^es ist billig dafs
hunde den Thur essen, wie er selbst seine söhne afs,'
forum, sog« 2, 163. das ist schmäliung, die edda weii's
nicht das mindeste davon ; sie erzählt vielmehr, dafs Mödhi
und Magni ihren vater überleben.
Seit der bekanntschaft mit römischer götterlehre setzen
die schriftsteiler den deutschen donnergott und Jupiter
gleich, nicht nur dies Jouia heifst ags. Thunres^Ag, son-
dern auch Latona, Jovis mater ThunresrxiMuv* capitohum
wird von den Isländern TA^r^hof übertragen. Umgekehrt
versteht Saxo gr. . p. 236 unter Jupiter den einheimischen
Thor. Je Kjr kinderfressende Thörr scheint fast Verwech-
selung mit Saturn, Jupiters vater? des presbyter Joifi ma-
ctans, der sacra und feriae Jovia (im indicuL pagan.) ist
s. 86 erwälmung geschehen.
Letzner (bist. Caroli magni. Hüdesh. 1603 ciq[>* 13 aoi
schlufs) erzählt:. alle )ahr, sonnabends nach laetare kommt
auf den kleinen hildesheimer domhof ein bauersmann, son-
derlich dazu bestellt, und bringt mit sich zufei hölzer,
jegliches einer klafter lang, daneben zwei andere kleinere
kegelförmig gespitzte, die beiden grofseu setzt er gegen-
einander in die erde, die kegel oben darauf, bald und in
der eile versammeln sich dahin allerlei buben und jimg
gesiudlein und werfen mit steinen oder stocken die kegd
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DONAR 129 V
von den klotzen herab; andere setzen sie wieder auf und
das abwerfen geht von neuem an. unter diesen kegeln
sind die heidnischen, teuflischen gützen zu verstehen, wel-
che die christlich gewordnen Sachsen niedergeworfen
haben.
Des namens der gcitzen wird hier geschwiegen, *) ei-
ner davon mufs aber damals schon, wie noch später, Ji^-
piter geheifsen haben, **) unter den bäuerlichen abgaben
zu Hildeslieim kommt bis auf unsere zeit ein Jupitersgeld
vor. das dorf Grosfenalgermissen hatte jalirlich 19 ggr. 4
pf. unter dieser benennung an den todtengräber der dorn«
kirche zu entrichten : ein algermisser bauer muste jedes
jähr einen vier fufs hohen, fufsdicken, achteckigen klotz, -
in einen sack gesteckt auf den domhof bringen, die Schü-
ler bekleideten diesen klotz mit mantel und kröne, grilTen
den nun so genannten Jupiter erst von der einen , dann
von der andern seite mit steinwürfen an und verbrannten
ihn endlich. Das nicht selten von Unordnungen begleitete
Volksfest wurde mehrmahls untersagt, ausgestellte wachen
sollten das verbot wirksam machen ; zuletzt erlicfs die kü-
nigliche kammer das Jupitersgeld* Jeiies dorf Algermissen
hatte sich vielleicht bei einführung des christenthiuns durch
seine anhänglichkeit an den alten glauben die stiafe der
abgäbe zugezogen. ***)
Ich betrachte freilich als ganz unausgemacht ob dieser
Jupiter bis auf den Thctnar der alten Sachsen zurückge-
führt werden dürfe, der gebrauch wird nur durch proto-
coHe der letzten jh. bewährt, und frühere bestimmte zeu-
gen treten dafür nicht auf; aber selbst der abweichende
letznerische bevicht läfst eine uralte volkssitte vermuten,
die, wenn auch Jupiter nichts damit zu schaffen hat, der
aafzeichnung werlh scheint, die Zeitbestimmung laetare
*) in der corbeischen chronik, Hamb. 1590. eap. 18. meint Letz«
aer, es sei der gott der Irmenseale. Letzner bezieht sich auf hss.
nachricbten des Conr. Fontaaiis, eines helmershäuser beoedictiners im
13 jh.
**) ein ZU ende des 14 oder anfang des 15 jh. aufgesetztes hil^
desheimer register hat: Me ahgotter so suniiabeudes vor laetare von
einem hausmann ron Algermissen gesetzet, dan^or ihm eine hofe lan-
des gehört zur saukmeisterie , und wie solches von dem hausmann
nicht gesetzt worden, gehört cantori de hove iandes.' hannoversche
kmdesblätter 1833 p. 30.
***) L&ntzel die bäuerl. lasten in Hildesheim. 1830 p. 205.. han-
nov. mag. 1833 p. 693. protocolle von 1742. 1743 in einem aufsatze
'über das steinigen des Jupiter* (hannov. landesbl. 1833 p. 30.)
9
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ISO DONAR
erinnert an das allgemein in Deutschland vei^breitete tod-
austreiben, wovon icli im verfolg bandeln w^erde.
Unverkennbarer üben^est der Verehrung des gottes isl
die noch bis auf die neuste zeit unausgerottete besondere
heilighaltung des donnerstags unter dem volk, wie sie
schon in frühern denkmälern des MA. angegeben ist: ^niil-
lus dient Jopis in otio obscrvet' (abergl. p. xxx)^ ^de fe-
rii8 quae faciunt Joi^i vel Mercurio' (p. xxxu); ^quinlam
feriam in honorem Jovis honorasti' (p. xxxvu) ; donners-
tags abends darf nicht gesponnen und nicht gcliaiien
werden (schwed. abergl. 110 vgl. deutsch, abergl. 517.
703.) die Ehslen legen dem donnerstag höhere heiligkeit
als dem sonutag bei. *)
Wenn Jupiter auf diese weise im achten jh. gefeiert
war, wenn das capilulare von 743 für nuthig fand, ein
'ec forsacho Thunart^ ausdrücklich zu gebielen , und vie-
les, was sich auf seinen dicusl bezielit, noch später unaHS-
gerottet fortdauerte ; so lafst sicli nicht bezweifeln, dafs er
auch schon finiher von luisern vorfalircn für einen wirk-
lichen golt, und einen ihrer grüfsteuj gehalten wurde.
•) etwa» ä!)er die Elisteh p. 13. 14.
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ZIU 131
CAP. IX. ANDERE GÖTTER.
Darin dafs die beiden hauptgottlieitcn deü Nordens,
Odlünn und Thön', gerade auch bei uns noch am erkenn-
barsten vortreten , scheint mir ein bedeutender grund für
die behauptete Urgemeinschaft der deutschen und nordi-
schen mythologie zu liegen, wären die angeführten viel-
fachen spuren des glaubens an Wuotan und Donar ein
spiel des zufalls, \rai*um hätte er eben sie, und nicht an-
dere gütter von geringerem rang betroffen? ilire Verehrung
hatte unter den heidnischen Deutschen tiefer gewurzelt
und konnte darum nur schwerer und langsamer vertilgt
Werden, dennoch lassen sich auch noch einzelne der übri*
gen götter nicht undeutlich erkennen.
In den ältesten uns überlieferten n achrichten der Ru-
mer und Griechen wird Mars oder ^res als ein haupt-
gott germanischer Völker ausgezeichnet und gleich neben
Mercur aufgestellt, die Zeugnisse sind s. 27. 84. 85 ge-
sammelt ; bei Tac. bist. 4, 64 heifst es geradezu : *commu-
nibus deis et praecipuo deorum Marti grates agimus*. und
noch bestimmter redet Procop von der Verehrung des j4q7jq
bei den Nordbewohnern "*) : Itib) S-eov avroV i^opi^ovai
fiiyiGtov elvai. Jupiter scheint vor ihm zurückzutre-
ten, einigemal wird er statt Merciu*s genannt; 'ganz be-
greiflich, da auch Wuotan als siegverleiher angerufen wur-
de (s. 96), darum konnte der s. 85 angeführte glossütor
Wuotan durch IVIars übertragen, die nahe berührung bei-
der götter soll sich sogleich noch mehr bestätigeii.
In goth. mundart mufs der gott des Sieges jTVmä, gen.
TYpw, geheilsen haben, in ahd. Ziu oder Zio, gen^ ^m-^
ipesy Zieu^es] in altiu lautet sein name Tfr^ gen. ^I^s,
ags. 2iV, gen. Tii^es. diese formen entsprechen haar-»
scharf dem lat. deusy das zur allgemeinen benennimg aller
götter ward, und dem ^r.Zavg, gen. z//off, das den obersten
gott bezeichnet, schon dai^aus folgt, dafs Tius, Zio einen
der hehrsten götter, dessen namen und eigenschaften in die
*) BovliTiii ist ihm ihr allgemeiner name, er rechnet zn ihnen
über namentlich die Fanroi^ die Ihm richtig ein anderes volk sind aU
die rorOoi. (vgl. jiott. aiiz. 1828, 553.)
9*
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132 ZIU
des Wuotaü und Donar überliefen, im altn. worte ip'
liegt zugleich der begi'if von faina, gloria. das alts. ifr^
gen. Ureas (gloria) Hol. 4, 15. 80, 9. ags. tir^ gen. itres*),
sind weiter mit R abgeleitet, scheinen aber für t'^r zu
stehen = ahd. zior oder ziori, gen. ziores, das ich nicht
nachweisen kann, wol aber das daher abgeleitete adj. zion,
zieri (insignis, famosus.) in zu^!)ünmensetzungen verstärkt
ttr die bedeutung: tirfäst, tireadig (praeclariis , praedives),
ttrmetod Cädm. 143, 7 (summus deus.) es ist vorzüglich
der vom alten golt abhängige kriegsrulun: äsclh* (speer-
ruhm) Cädm. 124, 17. äsca ttr 127, 10.
Den Hochdeutschen und Sachsen hat sich des gotles
andenken deutlich in der Übersetzung des lat. dies Martis
(s. 87 — 89) erhalten, die altn. lehre stellt Tyr als eüicn
söhn Odhins dar : wenn nun Odhinn selbst Sigt^r, Hröp-
taty^r, Gautat fr^ f^erat^r, Farmat<[r^ Hdngatyr ge-
nannt wird (Sicm. 30. 47. 248* Sn. 94 — 96), so kann mau
darin entw. die mythische gleichlieit des vaters mit dem
söhn (s. 111 und aiihang s. xvi. note) **), oder die allge-
meine bedeuluug des ausdrucks t^r, d. h. deus, divus fin-
den. Kir letzteres streitet , dass auch ThoiT unter dem
namen Reid/iartyr, Reid/iiCyr, d. h. gott des Wagens, de»
donuers auftritt.
T^'r ist nach der edda einhändig, weil ihm der wolf
bis zum gelenk (lYHlidlu*, carpus) die rechte hand abgebis-
sen hat (Swm. 65* Sn. 35. 36); davon zeigt sich in deut-
sclicr sage keine spur, die Vorstellung mufs aber selir
gangbar und characteristisch gewesen sein, da auch in
der altn. runcnerklanmg bei dem buchstab T gesagt wird:
*2'y/' er einhendr Asa.' dieser buchstab führt des gotte»
namen; auch die ags. runen nennen ihn ttr y die poetische
deulung: *Tir bj^lh tacna sum, healdeth treova vel vith
ädhelingas' (tir ist ein zeichen, erhält treue unter den
menschen) scheint den unpersönlichen sinn zu meinen;
an Thurs lianunerzeichen darf hier gar nicht gedacht wer-
den, die ahd. runen, welche den namen dorn auf D, den
*) den langen vocal zeigt Cadm. 64, 2 91, 15. 124, 27. 197, 10.
143, 7, und die ags. hss. verwechseln häufig i und y folglich i und y.
ancli altn. wird tir neben tyr geschrieben.
*•) liegt in diespiter der gen. cT/o?, so muss darunter anfanglidi
der Zeus vater verstanden worden sein, der nachher mit dem begrif
des sohns zusammenfiel. Christus heilst sowohl ^ott als t^ot/es söhn;
bald flrohtfn bald drohfines barn {H^\. 130, 6) bani godes (.45, 20)
sunu drohthies (115, 3.)
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ZIU 138
namen tac auf T aQweuden müssen, bedürfen für Ziu des
ilir alphabet scbÜefsendeu bucbstabs Z. sobald aber ein
ruaeuverzelclinis thorn für TH, dag für D beibebält, zeigt
e« auch Ti für T (wie der cod. Isid. paris.) ; ini 8. galler
cod. 270 verhält es sich eben so, nur dafs unrichtig dorn
ÄlaU thorn, tag statt dag geschrieben wird, richtig Tt ne-
ben T. der pariser cod. 5239 gibt dliron (dliorn), tac und
Ziu; der salzburger dhoru , Ti und daeg; überall ge-
währt U.15 die form Ziu eine hochdeutsche, die form Ti
ciue niederdeutsche, sächsische aiifTassung. zumal bemer-
keuswerth ist aber im \^ieuer cod* 140 der name Tyz bei
T, in einem aiphabet das gothische buchstaben gebraucht ;
denn Tyz käme der oben vermuteten golh. form Tius
ziemlich nahe. Die beibehaltung und folgerechte Verän-
derung dieses göttemamens in den runen verschiedner deut^
scher volksstänime darf als ein zweites zeugnis für die
frühere ausbreitung seines cultus angesehen werden.
Wahrscheinlich waren dem Ziu, wie dem Wuotan
und Donar, berge geheiligt. Sigt^fs berg Saem. 248* braucht
nicht gerade auf Odliinn bezogen zu werden, da T5^r gleich
Odliiün sieg verleilit. ein ort in Seeland, von dem volks-
sagen gehu, heifst Tybierg (Thiele 2, 20^; andere seeläu-
dische örter lYspelae (Tis quelle), Ty8ting\ ein jütischer
'fystatlie, Tiislunde. schwedische örter: Tistad, Tisby,
Tihjöj Tyifcd» auch einige deutsche können lüerher ge-
liörcu: die weimarische carte hat seclion 38 ein TisdorJ ,
sect 48 Ziessberg.
pflanzennameu. altn. Tyafiola^ wol nach dem lat.
\iola Älarlis, mäi»z\iole; J^r/iialm (aconilum), sonst auch
T/iorhal/n, Thorhat (heim, hut des Thor), auf deutsch
sturmhut^ eisenhut, dän. troldhat, ein kraul dem Zauber-
kräfte beigelegt werden, und dessen helmförmige gestalt an
die beiden kiiegerischen gölter, T5'r oder Thön- erinnerte ;
Tyfifidhr^ dän. Tyt^ed^ Tysped (daphne mezereuni), hel-
siogisch tist^ tistbasty der kellerhals, eine schöne giftblume.
Noch bt eine erläuterung des merkwürdigen Unterschieds
zu versuchen , der in dem Qamen des dritten wochentags
zwischen dem schwäbischen und bairischen volksstamm
statt findet (oben s. 88.) die heutigen Baiern und Öst-
reicher, olme zweifei andere alldeutsclie Völker mehr, die
vyir jetzt nicht angeben können, nennen und nannten dle-
p«n lag ertag, irlag , iertag, erctag, (anhang p. Lvni.)
klerin scheint nirlils al« eine nebenbcnennung des kriegs-
8*>ll» Ziu zu liegen, an "A()i;i:, Zeus söhn, darf nicht
znnäcli}»t gedacht werden, wol aber an einen dcnlsihen na-
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134 ZIU ER?
men, Er, JSor, Ir, der jenem griecliischen begegnete, das
vrichrigste scheint mir nun, daCs in den hochdeutschen und
sächsischen nmenv erzeich nissen der buchstab, welcher den
namen Ziu führt, hin und wieder auch JEor , Ear^ Aer
genannt wird *), ja ags. alphabete fügen geradezu dem
Ear noch ein Tir (oder Tis!) beL**) graphisch betrach-
tet ist der buohslab Z (Ziu) siclilbar aus T (Ty) entsprun-
gen ***), durch zwei zu beiden selten angeliängle aufwärts
gehende striche, die Angelsachsen hatten kein Z in ilirer
spräche uöthig, wol aber die Alamannen und Baiem ; für
das zeichen war nur die (wir wollen annehmen alaman-
nische) benennung Ziu sclücklich, die Baiern (vielleicht die
IVJarcomannen und andere mehr) wandten den bei ihnen
vorhersehenden vocalisch anlautenden namen des krieges»
gottes Er^ Eor unpassend darauf a^. angelsächsische
Schreiber, die das zelohen aus hochdeutschen alphabeten
entlehnten , müssen gleichwol die bedeutung des namens ge-
kannt haben, weil sie mit Ear das synonyme Tir verbin-
den, auf die poetische auslegung : *ear b^th egle eorla ge^
hvylcum' u. s. w. ist gar hichts zu geben. Solchergestalt
helfen uns die alten rimen erklären, warum dies Martis in
Hochdeutscliland bald durch zistag bald durch ertag ausge^
drückt wird. Ich nehme gleichwol an, dafs auch unter
niederdeutschen stammen, namentlich den Westfalen, ein
gott Et* bekannt war, und beziehe auf ihn den namen Eres--
htirg^ Aereshurg (oben s. 81 — 83), wofiir seit dem 13 jh.
in lat. Urkunden die benennung mona Martis^ in deutschen
Mersberg erscheint, f) letztere liefse sich aus zusammen-
ziehung der Worte ^in dem Eresberg' deuten, die lateinische
aber lehrt wenigstens welchen begrif man danials danüt
verband, dieses Eresberc also ist ein Zisberc. in einer
andern gegend Westfalens liegt noch ein Marsberg. -H")
Freilich sind durch diese imtersuchung nicht alle Schwie-
rigkeiten gelöst: für den Wochentag sollte man Erestac
erwarten , überall aber findet sich ohne genitivisches S nur
*) der cod. Isid. paris. hat et^^ der hnix. 155 eo (tafel zu Moaet
quellen.) beide fehlerhaft.
**) Wh. Grimm über deutsche runen p. $5. vgl. taf. 3. alph. 1. 11.
♦••) M/ aus t.
+) Wigands archiv I. 1, 36. 37. II. 143. 268. die« Eresburg oHer
Mersberg gehört in den pagus Hessi saxonicu« (registr. Saracliouis
p. 42, T35.)
+f) im pngu» Marstem, bei Marklo, dirlil an der Weser (reg. Sa-
racli. 42, 727.) vielloicht kommt aucli das thüriugische Merseburg iu
betraclit.
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FRO 135
ErUg, Eritag; es wäre höchst erwünscht der form aus alle-
rer ^.eit habhaft zu werden, wie wenn Ere den Baiern
eine weibliche gotlheit, eine Bellona gewesen wäre? dabei
denkt man leicht an den dunkeln ausdruck ero im wesso-
bnioner gebet, das wahrscheinlich von einem Baier vcrfalst
wurde : neben üphimil müste ero einen allgemeinern begrif,
der den christlichen dichter nicht störte, enthalten? kein
golh. woii liegt so nahe wie a/rus, das die bedeutung von
minlius erhallen hat, und gleich andern subst, der drillen
decl. männlich und weiblich zugleich sein dürfte?
Der nächste golt, an macht und rühm, ist unbedenklich
der in altn. spräche Fre.yr genannte, wie sehr verbreitet
auch unter den übrigen deutschen stammen seine Verehrung
war, thut sein name selbst kund , dessen heiligkeit noch
nacli annahmt des cliristenthums fortwälirend auf das höch-
ste wesen angewandt werden durfte, es mufs in dem ua-
men ein allgemeiner, ausdrucksvoUer sinn gelegen sein, der
ihn für die besonderheit eines gottes , und zugleich für den
luufassenden begrif göttlicher und weltlicher herschaft über-
haupt eignete, während die benenniingen der übrigen hel-
dengötter den Christen ein absehen vnirden, konnte jene
noch geraume Zeitlang unanstöfsig bleiben und bald den
liinimlischen herrn , bald den irdisclien bezeichnen helTeu.
Freilich liefse sich eben darum ein zweifei aufwerfen, ob
der nordische gott nicht blofs aus solcher allgemeinheil er-
wachsen, und den andern stammen unbekannt geblie-
ben sei?
Dem nord. Freyr^ gen. Freys, sieht unverkennbar das
golh. Fräuja , gen. Frdujins zur seite ; ein ahd. Frdufo^
Fruwin oder Frouwo ^ Frouwin, ist zu vermulen, wovon
aber nur noch das zusammengezogne Fr6 üblich ist; die
ags, form lautet Fred, gen. Freän , für Freaan oder Frear
van, die alls. Frahoy gen. Fralion imd verkürzt wiederum
Fl 6^ der nord. dialecl pflegt auch in andern masc. die or-
gaui&chschwache biegung mit der starken zu verlauschen
(vgl. goth. brunna, alln. brunnr) und schon der umlaut in
Freyr zeigt an, dafs er früher Freyji werde geheifsca
haben.*) • ^
*) die Übergänge des golh. äa in av und des äui in ai/iy auj-
sHid «ug der »grammatik bekannt. Man vergleiche zu ol>igen formen
<lie ganz ähnlichen iauT, tavi, taujan, ahd. zonwan; inavi, m/iujOs. nltn.
mey, mcyjar; golh. Iiavi, haujis, alid. houwi, altn. hey, heys; ahd.
««»a (^insula^ altn. ey, eyjar, ? golfi. Auja. Saxo gramni. nennt den
Freyr iVö, ganz nach dan. mundart, die da« altn. ey, nioy in ö> inö
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136 pao
r
Bei Ulfilas ist nun frduja der gewolinliclie , auf alkn
bläUei n begegnende, ausdruck füi* xvQtog ; die alid. denk-
mäler setzen lieber Irnbltn, und nur in der anredefonud
fr6 mal (0. I. 5, 35. II. 14, 27. V. ?• 35) bat sich diese
bcnennung des göllHcLen und weltlichen heiTn (vgl. M
niiu! im Ludw. lied) erlialteu , etwa wie auch jenes alter-
tliümliche sihora luid sire (s. 18) zulängst in anreden
dauert, in andern fallen halle man noch ein ahd. froiiwo
(dominus) zu erwarten, gerade so erscheint, wenn damit
angeredet wird, im HöUand immer die gekürzte wortform
Jr6 min! 123, 13. 140, 23. fr6 nun tlie gödo 131, 6.
'134, 15. 138, 1, 7. waldand frö miu 153, 8. drolilin
frö min 15, 3;*) aufserdcm aber das volle frahoy 119,
14. gen. frahon 122, 9 oder fraon 3, 24. 5, 23; einige-
mal wird froIiOy froliou (3, 24) geschrieben, woraus sich
cjie contraction jro Icichlcr begreift. **). inzwischen bedient
sich der dichter des H(iliand dieses fraho, froho weil selt-
ner als der ungefähr damit synonymen worte drohlin oder
h^rro ; er stellt immer possessiva dazu , keine adj. (wie
muri drohltn, riki drohlin, ciaftag di'ohtin, liob bdrro),
noch weniger braucht er es in Zusammensetzungen (wie
sigidrohltn.) das ags. jred hat noch gröfsern umfang, und
duldet nicht nur adj. neben sich [jred älmihtis Cädni. 1,
9. 10, 1) sondern bildet auch composita : dgendfred Cädnu
135, 4. aldorjred 218, 29. falcfred, 111, 7; ja es wird
mit dryhlen verbunden: f reddrihten Cädm. 54, 29. Beov.
1585 (wo freahdrihtnes) 515o (wo freodryhtne.) von ei-
nigen andern nachher.
Ol)gleich das golh. frduja keinen andern sinn ge-
währt, als den von herr (und ein daraus gebildetes ver-
bum fraujmön geradezu herschen ausdrückt), so stellt es
sich doch selbst schon als blofse ableitung dar, die uns
den gchalt der wurzcl verbergen kann, die wurzel mufs
aber lauten fr du, welche in dem ahd, adj. fr6 (gen. frou-
wcs), ahs. fra (gen. frahes), mhd. i^r^, nhd, froh erscheinl:
dieses adj. bedeutet laetus, blaudus, nülis, carus ; dieselben
wandelt, ein dän. Volkslied stellt nebeneinander Fri^rge, Fru og Thor,
mit dem dän. frO (semm^ altn. frio , gotli. fr&iv hat des gottes name
nichts zu schnffen, weim er schon gott der fnichtbarkeit ist
•) fehlerhaft wird geschrieben fnio 143, 7.
'•) H statt \V liebt diese mundart, vgl. kneohes f. kneoweis, fra-
tahun (tapetibtis) f. fratawun ; in sAhun, brahon enisprictit ü dem jrotii.
HV (s^hvnn, brahvom), aber auch ahd. steht sahnn neben sAwuii uuH
brahia, braha lantet ahd. prawa. ob alt», briiha , fräho zu schrtibea?
wcifs ich nicht.
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FRO 137
dialecle leiten daraus her froiiwi (gaudiiuii) frouwau (lae-
luin rcddere) frouwida (laeiilia) u. 8. w. liiernacli balle
ich fiir die urbedeutUDg \ou Jräuja: der gnädige, cr-
f reuende, liebe, und jener zweifei schwindet ; die Gotheu
durften einen reinen, edlen ausdruck, der für den lieidni-
sclien gott und herrn gegolten hatte, auch als Christen bei-
behalten , wie sie gulh selbst und andere untadelhafle cul-
tiiswürlcr (alhs , blölan) forlbesleben liefsen. *) die iibn-
gen Deutschen scheinen noch hinterher das heidnische der
beneunung gewittert zu haben , daher ilire allmaliche , auf
blofse forniehi bescliränkte Seltenheit, und bald ihr ganzli-
ches verschwinden.
Ich will nicht behaupten, dafs in den ersten jb. unserer
Zeitrechnung dieser trduja, Brouwo, Fraho von den Go-
then, Alaniannen, Franken, Sachsen so lebhaft und be-
stimmt verehrt worden sei, wde noch viel später Freyr in
Scandinavien ; es ist möglich, dafs unter den südlichen stam-
men frühe schon aus Frduja die abslraction früuja (wie
unter den Römern aus Deus ein deus) hervorgegangen
war. aliein die spaisamkeit unserer nachrichten läfst es
auch zu, anders zu schliefsen, und wenigstens hin und
wieder einen lebendigeren cultus des gottes, in genauerem
eiüklang mit dem altnordischen , zu vermuten.
Darauf leitet sogar der gebrauch einzelner eigenua-
men**) und dichterischer epilliete, zumal bei den Angel-
sachsen, noch die späteren Gothen verwenden Frdtija
als mannsnamen, in welchem schwerlich die bedeutung
von herr gesuclit werden darf: ein abgesandter des kü-
nigs Hadafus an Carl den grofsen biefs Froia (Perlz 1,
184. 2, 223) oder auch Froila (Fraujila), einen ahd. Fre-
wilo zeigt eine urk. bei Neugart num. 162. die angelsäch-
sische gencalogien bieten dar Vuscfred (anhang s. vni),
der nanie kommt aber sonst noch öfter vor (Beda 2, 14)
und scheint auf Vi^den, den gott oder herrn des Wunsches
(oljcn s. lOO) gerecht, gleichwichtig ist mir in Beov.
4708. 4853. 4871 das poetische freäi^ine (freavine folca),
das in diesen stellen ein bloiser beiname göttlicher, gott-
*) gottemamen dunkles oder übles anklangs, wie V<)thaD8, Tliunra,
Tiiw gewesen wären» niusten vermieden werden.
**) Beger (spicil. aniiq. Colon, brandenb. 1692. p. 90) macht eine
1557 zn Ten im Lutticlüsclien ^efnndne, von Pi<:liiiis abgeschriebne
iaschrift bekannt, welche so lautet: D. I. M. A. P. P. Freio et Fri-
atto V. S. fi. M. nach seiner auäle^ung: deo invicto Mitlirae aram
posuerunt Freio et Friatto, voto soluto libenter merito. J'mio kann
aber nicht den formen Frauja, Frouwo, Fraho, Freä entsprechen.
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138 FRO
geliebter heldeu oder königc ist. die -wessexische stamni-
reihe bat aber aucb iliren Fredvine aufzuweisen*); abd.
Urkunden gewälu^en den eigennamen Frdwin (cod. lauresb.
712. aber 722 Friowi/ii), in dem bekannten gescblccbt
von Hütten bat er sieb bis auf neuere Zeiten erbalten,
das merkwürdige liicrbei ist, dafs die edda , gleicb jenem .
ags. jredvine, nur obne zusaninienselzung , Freys vinr
(Sa?n». 219^) von einem beiden gebraucbt: Sigurdbr wird
bier Freys freund und scbiitzling gebeifsen. auf gleicbe
weise ist der ags« und altn. poesic, folglicb mytbe, gemcin-
scbafllicb der ausdruck fred Ingvina (gen. pl.), Ingvinar
Sgen. sg.) freyr^ Ingunnar Jreyr (Siem. 65**) Ingifreyr
Thorlac. obs. bor. spec. 6. x>* 43.), worunter ein beld oder
goU (nicbt aber junior dominus, wie Tborlac. p. 68 meint)
zu versieben ist. icb babe dieser dunkeln verbind img
zweier mytbiscber namcn im anbang s. xxvn gedacbt, und
werde auf lugo zunickkommen.
In der wocbeugötler reibe erscbeint Fr6 nicbt ; mit
einem römiscben namen liefse er sieb scbwer übertra-
gen, seine gottbeit mag zwiscben dem begrif des bocbsten
lierrn , und dem des liebe und frucbtbarkeil wirkenden
Wesens die mitte ballen, er bat Wuotans scböpferiscbe
eigenscbaft, aber er veiTicbtet keine kriegstbaten ; pferd
und scbwert gibt Fre^nr aus seiner band, als ibn die sebn-
sucbt nacb der scbönen Gcrdbr verzebrt, wie in einem der
beiTÜclisten liedcr der edda gesungen wird. Snorri sagt,
dafs von Freyr regen und Sonnenschein (wie sonst von
Wuotan und Donar, s. 106. 120) abbänge, er wird \xxa
fr achtbar Jceit der erde und frieden angerufen (Sn. 28,
vgl. Yngl. saga cap. 12). die Scbwoden verelu*len Um als
"einen bauptgott, und nacb Adani von Bremen stand zu
Upsal seine bildseule neben der von Tbor und Wodan.
Adam nennt ibn FriccOy was der öfteren verwecbselung
der beiden güttinnen Freyja und Frigg, wovon künftig die
rede sein wii^d , ganz gleicbkommt. ei* scbildert ihn aber
als einen gott des friedens imd der liebe: tertius est
Fricco, pacem vobiptalemque largiens mortalibus, cujua
ctiam sinuilacbnun fiwgimt ingenti priapo ; si nupliae ee-
*) «iiliang p. X. XI , wo bereits auf des Saxo gramm. Froivimi*
verwienen ist. er nennt ihn Slosvicensium praefectuä und erzählt p.
60—63, wie Frowins beide söhne Keto und TVigo den tod ilires vn-
101*$ am scbwed. könig Ati^Ius rächen, tou Keto schweigt die vt^&,
genealogie, aber den Vig nennt sie in der wesscxischen reihe, einstiui*
inend mit Saxo, rreäu'incs söhn. Frowinug, Keto und Vigo leben zu
Merniunds zeit, d. \u dt^s Vseroiund der mercii>chen geacblechtsreihe.
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FRO 139
lebrandae sunt, (sacrificia oiTerimt) Fricconi, Hiermit
stimmt auch noch ganz die im christlichen siun^ zur er-
niedrigung des heidengottes , abgcfafste erzahlung von der
in Schweden auf einem wagen durch das land umgefiilir-
ten bildseule des Freyr und seiner jungen schönen prie-
sterin (fornm. sog. 2, 73 — 78.) die umfahrt geschieht : thä
er hann skal gera mönnum arbdt] das voD^ strömt dem
wagen entgegen und bringt seine opfer, dann klärt sich
das Wetter auf und alle hoffen fruchtbares jähr. Diese
Opfer neont Saxo gramm. Fröbl6t\ es wurden lebendige
tliiere dargebracht, namentlich ochsen (Vigagl. saga p. 5 6^,
Islend. sog 2, 348), pferde waren ihm geweilit, ein sol-
ches hieÜB Freyfaxi^ und galt für heilig (Vatnsd. p. 140.)
in Schweden fielen ihm roenschenopfer (Saxo gr. 42. j
Freyr besafs einen eher Gullinbursti , dessen goldborsten
die nacht gleich dem tag erheUlen, der mit pferdes Schnel-
ligkeit rennte und des gotles wagen zog (Sn. 66. 132 vgl,
8«m. 114*.) in Freys cultus erscheinen darum opfer von
sühnebern (oben s. 31) und ebergeliibde (RA. 901); das
schwedische volk backt auf julabend kuchen in eberge-
statt, vielleicht hängen damit zusammen die formae
aproruniy die bei den Aeslyern, aber nach suevischer
sitte, im brauch waren? Tacilus Germ. 45 bezieht sie auf
die vereluning der mater deum, worin man einen weibli-
chen Freyr, also die Freyja sehen könnte? Auch bei den
Augeisachsen scheinen solche eberbilder heilige bedeulung
zu haben, vgl. Beov. 6o5 eoforltc scionon gehroden ^olde ;
2216 8vtn ealgylderij eo/or Irenlieaid ; 2905 beseite st^tn-
Itcuni. Auf Frey und seinen eber möchte selbst noch ein
geldrischer aberglaube gehen *) : in der christnacht lialt
Deri jnet den beer (Dietrich mit dem eber) seinen um-
ritt, man sieht sich vor, alles acte rg erat he unter dach zu
schaffen, sonst tiapjjelt der eher darauf herum und macht
es imbrauchbar. Wir werden sehen, dafs um dieselbe
Weihnachtszeit frau Ilolda oder Berhta umziehen und nach
pftug oder Spindel schauen : müllerliche götlinncn statt des
gottes.
Ein silbernes bild des Freyr wird Vatnsd. p. 44. 50.
362 ange;fiihrt, aber nicht näher beschrieben ; einen Freys
odl (Frep pontifex) erwähnt Nialssaga cap. 96. 127, die
^reysgydlingar im landiiamabuk (Isl. sog. 1, 213) aind
nachkomnicu eines solchen prieslers. die gewöhnliche,
%
*) Staniip; in Mnemosyiic. Leiden 1829. 1, 323 und damas We-
ßteadorp uuordäclie niytliol. Dordreclit 1830 p. 490.
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140 NERDU?
landoimabök 4, 7 (Isl. sog. 1, 199) aufbewahrle , eides-
formel : Ä iaJpi mer sva Ireyr ok Hiordhr ok liion a/-
viAtthi dsV stellt iha mit seinem valer zusammen, und
mit dem allaiäclitigen goll , worunter etwa Odhinn , oder
lieber Tliörr verstanden werden mufs; in der nemliclien
Ordnung werden Egilss. 365 Freyr, Niörd/ir und der
landas (Tliorr) genannt, imd in der erzalilung vom Bri-
singamcn (anliang zu Sn. 354) heilst es, dafs Odhiim den
Freyr und Niördlir als opfergötter bestellt Labe.
Beide sind nach der nordischen Vorstellung Vanir, aber
in gesellschaft der ^sir zugelassen. Von Niördlir würde
die deutsche mythologie so wenig wissen, als Saxo gramm.
je seinen namen nennt *), wenn liier nicht die berühmte
stelle aus Tac. Germ, 40 einschlüge, mehrere an der Ost-
see wohnende Völkerschaften vereinte gemeinschaftlich eine
göttin, unter dem namen Nerthtis, d i. die mutter Erde,
alle hss. und alten drucke lesen Nerthum, woraus die un-
befugteste critik Herthum gemacht hat, das,, wenn es
Erde bedeuten sollte, einmal unaspiriert sein, dann auf A,
nicht auf U endigen müste: der genaue Rqmer hätte in
diesem fall geschrieben Ertham (vgl. goth. afrtha, ahd. erda,
ags. eordhe, altn. iördh) wie er das deutsche weibliche A
in den eigennamen Aurlnia, Veleda beobachtet, auf der
andern seite ist die form Nerthns grammatisch untadel-
haft, feie kann, wie alle goth. subst. dritter decl., für beide
geschlcditer gleichlauleu, masc. oder fem. sein, goth. Nalr^
t/i US (weihlich wie handus, qvafrnus, kinnus) ahd. Nerdu'f
Dafs nun in der altn. spräche und m}ihe NiÖrdhr wie-
der männlich genommen wird, erklärt sich schon aus der
imsicherheit und Zweideutigkeit jener goth. namensform. In
der Sache selbst könnte vielleicht noch einigen ausschlag ge-
ben, dafs der von Tacitus gesclülderte umzug der A^er-
thus auf ihrem wagen , den sterblichen friede und frucht-
barkeit zu verkünden, ganz identisch dem des Freyr im
Schweden erscheint. Wäre Frduja der Nairthus söhn
gewesen (wie FreyT des Niördhr), so könnte von der gött-
lichen mutter auf. den söhn ungezwungen der gleiche cullus
übergegangen sein ? auch zwischen Freyr und seiner Schwe-
ster Freyja schwanken einzeln^e erschcinungen ihrer ver-
*) es ist von genug andern bemerkt, dafs er ein Iiul>scfie8 lipd,
das in der edia Niördlir und Skadhi sin^^en, p. 17. 18 dem dan. ktnii;ie
Hadding (alid. Härtung?) in den muud legt, der name Hadding l<t
übrigens gesichert , sonst möchte man auch hier eine verweciisUing i^i-
^rhen H und >i niutmafsen (Nadding, Nartung?)
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/
BALTAC?
elimng. nach Yngl. saga cap. 11 glaubte mV
gleich seinem söhne Freyr, frieden, fritchtöl
thum schaffe: ^aiidigr seni Niördhr^ (reici
sprichwörllich von einem i?volhäbigen manu.
Übrigens wurde Niördhr hauptsächlich^
die am seegestade wohnten, gefeiert: nach dei
tet er über wind, see und feuer (Sn. 27); aus ge?
sehnt er'sich weg an kühle ufer zum gesang der schwane,
eine Wasserpflanze führt den namen Niardharvötlr (N.
handschuh), die spongia marina. *). auch die Nerthus
des Tac. badet im see^ und verschwindet darin, an eine
enträthselung des namens wage ich mich nicht: vielleicht
berührt er sich mit ahd. nord (septenlrio) ags. nordh, altn.
nordhr, goth, naurlhs ?
Wälirend keine spur eines ags. Neordh zu entdecken
ist, erscheinen die beiden folgenden götler in den genealo«
gien, als Vodens verwandte, wiewol nicht als brüder.
Der nord. Baldr und Herm6dhr sind söhne Odhins,
ihre geschichte verflicht sich. Baldr ^ gen. Baldrs, kann
nicht dem adj. ballr (audax) goth. balths, ahd. pald, wol
aber dem ags. subst. baldor , das einen fürsten oder beiden
ansdrückt, verglichen werden; ein alid. pallor, paltar kenne
ich nicht. In der ags. stammsage heilst aber ein söhn Vu-
dens nicht Baldor, vielmehr Baldäg, und über die identi-
tät dieses Beldeg mit dem nord. Saldr waltet nach dem
formdli der edda kein zweifei (anhang p. xxui.) das ags.
Bäldäg läfst ein ahd. Paltac, Baltac erwarten, das ich
auch als eigennameu nie gelesen habe, beide dialecte pflegen
sonst eine menge mannsnamen mit däg, tac zu componieren,
ahd. Adaltac , Alptac , Ingalac , G^rtac, Helmtac, Hruodtac,
Regintac, Sigitac ; sachsisch : Alacdag, Alfdag (Albdag, Pertz
1, 286) Hildidag, Liuddag, Osdag, Wulfdag; ags. Vegdäg,
Svefdäg; selbst dem nord. ist der name Svipdagr bekannt,
wenn nun z. b. Regintac und Reginari gleichbedeutig sein
könnten, wären es auch Baldagr und Baldr, vorausgesetzt,
dafs Baldagr und Pallac stehen für Balddagr, Palltac?
Den schönen mythus von Balders tod erzählt Saxo
gramm. p. 39 — 43 in einer sehr abweichenden mehr hi-
storischen gestaltung, die eins der bedeutendsten beitpiele
fiir die fluctuation der göttersage abgibt, beide erzählun-
gen scheinen im übrigen Deutschland ganz verschollen ) et-
*) eioige arten der orchis, wep^en ihrer handformigen wnrzel, heis-
wn wa«scrtiand, llebfrauenliand, Mnrieiihand, gottesfiand (dän. gudä-
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142 BALTAC?
wa gemalint Balders hrunncii füi'S dürstende beer (Saxo
42) au eine alle auf könig Carl gezogne sage in heidni-
scher umgegend (oben 8. 82. 104.)
Der Sachs. Bäldäg (oder wie einige schreiben Bel^
der 9 Beide j anli. p. x. xi) soll zufolge der nord. angäbe
(s. xx) Westfalen beherscht haben. Sein vater ist V^den,
wie des nord. Baldr Odhinn ; sein söhn aber heifst Brondy
dessen die edda geschweigt. Suhm legt*) dem Baldr drei
söhne, Brond, Forgete und Vaga bei, Forseti ist sein söhn
nach der edda. Vaga ist der in einigen recensionen des
mercischen Stammbaums zwischen Vöden und Vihtläg ein-
geschaltele (anh. p. vu. vm.)
Saxo knüpft an seine crzählung nachricht von örlcm,
die für die begcbenbeil zeugen, Baldera brunnen und
helfen (p. 41. 42.) Baldersbrönd^ zwischen Copenhagen
imd Roskiid trägt den namen noch heute.
Nach der Schönheit und glänzenden färbe des gottes
heifst eine pflanze Baldrsbrd (B. braue): bann er svä
fagr Älilum ok biarti» sva at IJ^sir af honum, oc eilt gras
er sva hvht, at iafuat er til Baldra brdi'y that er allra
grasahvilast, oc thar eptir mattu marka bans fegurdh biedlii
A h4ri ok liki. Sn. 2ß. entw. anthemis cotula, die jelxt
in Schonen entstellt Balsensbro^ Ballensbra^ dän. Bar-
brogr'^ heifst; oder matricaria maritima, die auf Island
jene benennung fortführt **). Aus der weifsen färbe möchte
ich Balders namen deuten , litth. ist baltas albus ^ lett.
balts, und das slav. bjcl, bei hinzugehalten, hätte man nicht
nöthig im ags. Bäldäg ein ausgefallnes D zu mutmafsen.
Bäldäg ist der wie ein weifser tag leychtende^ der weifsc
gott (slav. bjclbog.)
Seine wohnung hiefs JSreidhablik, Ssem. 41^ Sn. 21.
27f d. i. breiter Schimmer, glänz ; gerade dieser ausdruck
findet sich, zwar nicht von einer wob nstätte, sondern einer
über das feld anrückenden schaar schneeblanker rosse in
einem gedieht des 12 jh. wieder: 'do bnlhte Dietheriche«
vane zvencik d&sint lossam in breit her blicLin über lant-'
Roth. 2645. ***) ein ort unweit Roskiid, bei Lethra, soll
den namen Bredeblick geführt haben, f)
•) tafel 81 des tabellentlieiU »einer critisk historie, vgl. 1, 402. 499.
♦*) deutsche benennunj^en der camille: kuhaup:e, rindsauge, ochscn-
ange; dalekarl. hvitetoja (weifsauge), in Bäliuslän livitapiga (weifte
Jungfrau.)
•••) oder ist zu lesen: in breiten blicken? vgl. Wh. 381, \% dtf
blnot über Ate. bliche (luz, über die goldgiänzeoden gewänder?
f) Suhm cril. hist. 2, 63.
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HERIMÜOT t HADU ? 143
Von HerniSd/ir ^ der seineu geliebten brnder ia der
Unterwelt auUucbt, weii's schon Saxo nicbls mehr; die Jigs.
genealogie versetzt ihren Heremdd unter Vudens vorfali-
ren, uud nennt Sceldva oder den sagberühmten Sceaf sei-
nen söhn, der name Herimuot ist in ahd, Urkunden
nicht selten. Neugart nuni, 170. 214, 244. 260 (a. 809.
822. 830. 834.)
Hödhr (gen.Hadhar, Sn. 103 acc. Hödh, Sn. 105) *), ein
blind dargestellter gott von gewaltiger stärke, der, ohne
arg, den tödlichen pfeil gegen ßaldr abschiefst. Saxo nennt
ihn HotlieruSy und schildert ihn als Balders nebcnbuhler
um Nanna. nanie und gott müssen aber weiter verbreitet
gewesen sein, golh. Hat/ius, ahd. Hadu^ ags. Headho;
es sind davon noch manche Zusammensetzungen übrig, ahd,
nur in den eigennameu Hadupralit, Hadufuns, Hadupald,
Hadufrid, Hadumur, (vgl. Catumerus bei Tac.) auch den weib-
lichen Hadupurc, Hadidint, Häduwic (Hedwig) u. a. m. in der
ags. poesie haften aber die dichterischen beiwörter : headhorinc
(vir egregius, nobilis) Cädm. 193, 4. Beov. 737.4927. headho-
velm (maximus impelus) Cädm. 21, 14, 187, 8. Beov. 164,
5633. headhosvöt (sudor bellicus) Beov. 2919. 3211. 3334.
headhovecd (vcstis bellica) Beov. 78. headholac (pugnae
ludus) Beov. 1862. 3943. headhogrim (atrocissimus) Beov.
1090, 6378. lieadhosioc (pugna vulneratus) Beov. 5504.
headhosteap (celsus, vom heim) Beov. 2490. 4301. und
andere mehr (Kemble p. 250.) Wenn in solchen ausdrü-
cken die bedeutimg nicht blofs unbestimmt erhöht ist, so
«cheint durch headho- der begrif von kämpf, sclüacht her-
vorgehoben, und der gott oder held vorzüglich als ein krie-
gerischer, verehrt worden zu sein.
Den wunderbaren mythus von Heimdallr (gen. Heimdal-
lar) dem weifsen gott (hvili as), der von neun Schwestern ge-
boren, und mit einem haupt todt gescldagen waude, kennen
nur die beiden edden, wie es scheint unvollständig. Sax. gramm.
berührt nicht das mindeste davon, sein name ist schwer zu
deuten : in einer benennung Freyjas Mardöll (gen. IMai*-
dallar) mag doli gleichen sinn gewähren, und sich auf mar
(luaie, aequor), wie dallr auf heimr (mundus, domus) be-
ziehen: die Verbreitung des cultus bezeugen norwegische
Ortsnamen : Heimdallarvattn ein see in Guldbrandsdalen,
IleinidalUhoug y ein berg in Nummedalen ; aufscrhalb
Scandinavicn ist mir nicht die geringste spur weder des
gollcs noch der sage bekaimt.
*) Sn:ni. 45a «Jer dat. iloühi f. Hedhi.
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144 FORASIZO?
Bei Bragi wage ich kaum zu erinnern an den in
der ags. pocsie nicht seltnen ausdruck brego (dux, rex),
da die form niclit genau zulrift, und das wort vieileicht
aus einer cellisclien spraclie liergenommen wurde.
Forseti Sacm. 42^, Baldrs söhn Sn. 31. 103, ist von
jeher, wolbefugt, mit dem friesischen gott Fosite zusam-
mengehaUen worden, von welchem uns einige im neuntca
}h. abgefafsle lebensbcschreibungcn ^schätzbare künde ge-
ben, die vüa sancli Wilibrordi (f 739), wie sie der be-
rühmte Alcuin (f 804) geschrieben, erzählt cap. 10 fol-
gendergestalt: cum ergo pius verbi dci praedicator iler age-
bat, pervenit in confinio Fresonum et Danorum ad quam-
dam iusuläm, quae a qitodam deo suo Fosite ab accolia
terrae Fositesland appellatur, quia in ea ejusdem dei fana
fuere construcla. qui locus a paganis in tanla veneratione
habebalur, ut nil \\\ ea vel animalium ibi pascentium, vel
aliarum qiiarumUbct rerum gentilium quisqiiam längere
audebat, nee etiama fönte qui ibi ebulliebat aquam hau-'
rire nisi tacens praesumebat. Quo cum vir dei tempe-
state jactalus est, mansit ibidem aliquot dies, quousque se-
positis tempestalibus opporlunum navigandi tempus adve-
niret. sed parvipendens stultam loci illius religionem, vel
ferocissimum regis animum, qui violatores sacrorum illius
atrocissima morte damnare solebat; tres homines in eo
fönte cum invocatione sanctaö trinitatis baptizavit. sed et
animalia in ea terra pascentia in cibaria suis mactare prae-
cepit. quod pagani intuentes arbitrabantur, eos vel in fu-
rorem verti, vel etiam veloci morte perire; quos cum nil
mali cernebant pali, stupore perterriti regi tamen Radbodo
quod viderant factum retulerunt. Qui nimio furore suc-
census in sacerdotem dei vivi suorum injurias deorum ul-
cisci cogilabat, et per tres dies semper tribus vicibus sor^
tes suo more mittebat, et nunquam damnatorimi sors, deo
vero defendente suos, super sei'vum dei aut aliquem ex
suis cadere potuit; nee nisi unus tantum ex sociis sorte
monstratus marlyrio coronalus est. Radbod fürchtete
Pippin, den fränkischen könig, und enlliefs den bekehrer
unverletzt. *) Was Wilibrord unausgeführt gelassen hatte,
brachte einige zeit nachher ein anderer geistlicher zu stand,
wie die vita Liudgeri , al?gefafst von Altfrid (f 849) ziun
jähr 785 berichtet: ipse vere (Liudgerus) . *. • . studuit
fana deslruere, et omnes erroris pristini abluere sordes«
♦) acta sanctor. Bened. sec. 3. paw 1. p. 609,
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FORASIZO? 145
ctiravit quoque ullerhis doclrmae derivare flumina, et coii-
silio ab iniperatore acccplo, transfirelavit in confinio Freso-
num atque Danorum ad quandam insulam^ qitae a nomine
dei sui falsi Fosete Foseteslant est appellata
pervenientes autem ad eandem insulain, destruxerunt om-
nia ejusdem Fosetis fana^ quae illic fiiere constructa, et
pro eis Christi fabricavenint ecclesias. cumque liabitatores
terrae iilius fide Christi imbueret, baptizavit eos cum invo-
catione sanctae trinitalis in fönte, qui ibi ebiiUiebat, in quo
sanctus Willibrordus prius homines tres baptizaverat, a quo
etiam fönte nemo prius haurire aguam nisi tacens prae-
snmebat. (Pertz 2, 410.) olTenbar hatte Altfrid Alcuins ar-
beit zur band, die inscl nahm seitdem den namen hdleg-^
landy Helgoland an , den sie noch heute fortfülirt ; den
bckehrem -war auch hier daran gelegen, einen auf der Stätte
irohenden begrif der heiligkeit fnr das christenthum zu erhalten.
Auf einer insel, zwischen Danemark, Friesland und
Sachsen gelegen, dürfen wir sicher einen heidnischen gott
erwarten, der diesen stammen unter einander geme& war,
es wäre seltsam, dafs der friesische Fosite den Nordlän-
dern unbekannt gewesen, und noch seltsamer, dafs der ed-
dische Forseti ein davon ganz versclviedner gott sein sollte,
fipeüich hätte man bei Saxo grainm. eine erwähnung gerade
dieser gottheil erwartet, der ihrer völlig geschweigt; allein
er gedenkt mancher anderer nicht, und in seinen tagen
mag Fosites name unter den Friesen verklungen gewesen sein.
In beiden namen ist einige abweichung, wie zwischen
zwei Völkern natürlich: altn. Forseti^ gen. Forseta^ fries.
Fosite, %en. Fosites, leichteste annähme scheint, dafs durch
assünilation aus Forsite Fossile, Fosite entsprang oder
fiel R aus, wie ahd. mosar f. morsar, nnd. möser? auch
lafst sich sonst Fosite kaum deuten, forseti ist altn.
praeseS; princeps, ahd. forasizo, forasezo? die edda
stellt ihn dar als richter und schlichter aller Streitigkei-
ten, forseti bestätigt zugleich die Verbreitung des Bal-
dercultus, als seines vaters; vollständigere ags. genealogicn
würden vielleicht auch einen Forseta oder Forsete ^ Bäl-
clägs söhn aufführen.
Spätere scliriftstellei* haben aus diesem Fosete eine
weibliche göttin Foseta, Phoseta, Fosta gemacht, um sie der
röm. Vesta zu nähern, schon aus diesem grund sclu'^ibe
ich der in Clarkes travels, pars 3. sect. 1 p. 8 herausge-
gebnen carte von Helgoland, auf welcher man ein templum
Fosiae vel Phosetae a. 768 und ein templum Vcstae a.
692 angemerkt findet, geringes alter zu.
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14« AGI, ÜOGI?
Zuletzt ervrälme ich zweier götter oder lialbgöttelr^ die,
ohne zum geschieclit der Aseu zu gehören, mit ihnen iu
vielfache berühmng treten, und in gewisser liinsicht als
elementai*götter betraclitet werden können, indem sie iks
wasser und feuer darstellen. %
(Egir , nach der edda abkömmling der alten, im Nor-
den vor den Äsen einheimischen riesen (iötnar), scheint
nicht einmal ursprünglich so zu heUsen* in dem aufsatz ^fimd«
inn Noreg^ (Sn,369. fornald. sog. 2, 17) ist die merkv^ürdige
äufserung enthalten : Forniotr 4tti 3 syni, h^t einn /ß^r, er
ver köllum (Egi^ anuan* Logi, thridji Kari. Hl^r (geu»
Hl^s) ist also der name , den er unter den loten selbst
fühlte^ (Egir (gen. (£gis) hatten ihn die Äsen benannti
ich schreibe dies wort mit oe, weil ich ein «5 darin nicbt
2ü erklären vermag: wurzel scheint doch agan, dg (ahd.
uoc), worin der begrif des sdiauerlichen, schreckhaften
liegt, Uogo^ wol auch Uogi ist ein ziemüch häufiger alio.
eigenname; man darf vielleicht Öceanua, ^Slxeavoe hinzu-
halten% zur bestatigung jener deutung gereicht, dafs in der
edda Gagishialmr ausdrücklich auf die grausenerweckendc
gestalt eines heims, *er oll qvikvendi hroedliast at sid', be-
zogen wird* Sn. 137. Sieni. 188*. ^bera Q&gishialm yfir
einum' bedeutet: einem furcht, ehrhircht einflöfsen. Laxd«
»aga p. 130. die trad* fuld. 1, 97 liefern den alid. manns-
nameu Egihelm (bei Schannat p. 286 num. 126 Eggi-
liehn) d. h. Agihelm, identisch mit der ablautenden fonii
Uogilielm, die ich nicht gefunden habe« Beide formen be-
gegnen sidi aber in der analogen benenn ung eines grau-
sen vollen, von Zwergen gescluniedeteu, Schwertes der altd«
liehiensage , das iu der Kucit Uokesahs (man darf nichts
ändern), in der Vilkinasaga Eckisax^ im gedieht von Ecke
*Jier Echen sa/ni* heifst, also darauf führt, dafs der riese
Ecke oder Uoche jener nord. iöiunn Oegir sein könne,
im Eggenltet (Lafsbi 77— *83) wird die Zubereitung der
kostbaren wafl'en, der brünne, des Z^Z/tis und des schwetU
besungen» Es kommt dazu, dafs auch in andern helmna-
men der einheimischen sage wiederum der begrif des
Schreckens ausgedrückt erscheint, Otnits, Dieterichs heim
heifsen Wldegrün^ Hlldegrtn *) , der im kämpf furcht-
bare, ja das Wort gehl in allgemeine poetische bezeich*
iiuiig des heims über (heldensage p. 386.) grima ist altn.
larve, heim, ags. egesgrtnia hehn des Schreckens, ahd.
*) wie Isengrim und UengKd.
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AGI, ÜOGI? FIRNEZ? 147
egisgrtmoll ein fui^chtbares ungeheuer, nut anspielung auf
den aUen -^i^ der auch die namensform JEgis (gen, Egi-
sis) oder Egiso (gen. Egisin) gefülirt haben konnte* *)
In dem gr. aiyig suche ich keine wörtliche Verwandtschaft,
aber dieser schild des Zeus und der Atliene verbreitet
furcht und schrecken luiter- den feinden^ wie CEgishialm
und Eckisahs ; auch an den unsichtbarmachenden heim des
Pluto darf gedacht werden, später werde ich zeigen, dafs
auch Fasolt, Eckes bruder, geist oder halbgott ist.
Lachmann (critik der sage von den Mb. p, 23) hat
eine beziehung des geisterhaften, elbischen jlgazio^ mhd.
Agez auf den nord. iötunn angenommen; es müste ge-
lingen eine altn. form CBgti oder Egti aufzufinden.
Entsclüedner ist eine örtliche anspielung. der flufs,
welcher die Sachsen von den Normannen scheidet, die Ei--
deTy lüefs im achten, neunten jh« bei den fränk. annalisten
Egidora, jigadora^ jie^idora (Pertz 1, 355. 370. 386.
2, 620. 631.); alln. Aegisdyr (forum, sog. 11, 28. 31,
wo der gen. pLAcgisdura, dyra) **) d. h. thüre des meers,
ausgang in das mcer, vielleicht auch hier mit dem neben-
begrif des schreckhaften. ***)
Forniotr (nicht for-niotr, primus occupans, wieBiorn
meint, sondern forn-iotr, alter lotr), des Hl^r oder (Egir
Vater, gehört zwar noch weniger zu den Äsen, sondern in
die ähere reihe dämonischer rtesen: allein er bestätigt sehr
merkwürdig meine ansieht, dafs auch diese halbgötter über
Scandinavien hinaus unter andern deutschen stammen be-
kannt gewesen sein müssen. In dem ags. liber medicina-
li«, aus welchem Wanley p. 176 — 180 ungenügende ex-
cerpte gibt, findet sich nach Lyes wb. auch eine heilkräf-
tige pflanze, des namens Forneotes folme^ Fornetes folme
(d, h. Forneoti manus), wie die Variante lehrt, mehrmals,
angeführt, da keins der nord» denkmäler dieses krauts
gedenkt, so mufs seine benennung aus der einheimischen
*) schon die goth* spräche leit^ mit S ab: agis (timor) gen*
BgUlJS.
^*) ebenso in der von Werlaaff Copenli. 1821 heransgegebnen geo-
grapliie eines Nordmanns p. 15.
•••) IFieglesdor bei Dietmar von Merseb. ad a. ÖTS (Wagner p.
50) scheint nicht der flufs, sondern das im Danavirkt» d; h. der am
dan. ufer der Eider gebauten befestignng (fornm. sog. 11, 31. 32)
ge||ssene thor, wiewol andere hss. (und der annalista Saxo) heggedor
= egidor lesen, soll •fp'ieglesdor synonym mit Egidor sein, so ver-
stehe ich es nicht; wichel ist nach dem br. wb. 5, 247 weidenbaum,
das thor könnte von dabeistehenden weiden den namen fuhren. Suhm
(crit. bist 1, 138> erinnert an Ifoiiijr If iglet,
10*
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148 LOHHO? KRENTIL?
mylliologie des säcks. volkd übrig sein. alid. köunte iler
riese Firnez , die pflanze FirnBzes folma gelieifscii
haben.
Logi^ ein andrer söhn Forniols (oben s. 146), offen-
bar die kraft des feuers , wird in einer eddischen Fabel
dem Lohi, ein wesen aus dem kreise der riesen dem ge*
seilschafter der Äsen, zur scite gestellt . 8n. 54. 60. logi
ist altn. flamma, und einem alid. lolio, goth. lau ha vergleich-
bar (gramm. 2, 50.) aber auch der asische Loti könnte
dem begriffenes Logi identisch sein; Tliorlacius (spec. 7,
43) hat nachgewiesen, dafs in der nord. redensart: ^JLoH
fer yfir akra' (L. fälirt über die äcker), in der dänischen:
^Locke dricker \and' (L. trinkt wasser), darunter das feuer
und die brennende sonne gemeint sein müsse. Ztoha daim
(Lokii odor) heifst auf Island der feuiige, schwefeldim-
st ende irwisch (das. 44); Loha spcenir sind brennspäne;
ein böses dem vieh schädliches unkraut (polyU'ichum comm.)
wird in Nordjntland Lokkens havre genannt und mau
sagt sprichwörüich : 'nu saaer Locken sin havre' (nun säet
Locke seinen hafer, der teufel sein unkraut.) das dän. wb.
übersetzt Lokeshavre avena fatua. ^at höre paa Lockens
eveutyr' bedeutet: auf lügen, fabeln hören (P. Syvs gamle
danske ordsprog 2^ 72.) wenn das feuer knistert, heifst
es *Lokje gibt seinen kindern schlage.' Faye p. 6. der
namc wird also fär feuer und teufel gebraucht.
Auf der aunalmie, dafs für ein älteres Logi später
Loki gesetzt worden sei, beruht nun die gleich näher
naclizuweisendc spiu* des nord. d^imons bei den übrigeü
deutschen stammen, wie Logi von der wurzel linhan^
wäre l^oki von lukan (claudere) abzuleiten, lok bedeutet
altn finis, consiunmatio , loka repagulum, weil der riegel
schliefst, im Beovulf tritt ein feindseeliger, teuflischer gei*t
auf, namens Grendel^ und seine mutter (Grendeles ni6doi\
Beov. 4232. 4274) als walirhafte teufelsmutter. vieUeicht
hat Thorkelin s. 261 diesmal getroffen, dafs sich Grendel
dem Loki vergleichen lasse; weil ags. grindel, und altn.
loka beide einen riegel ausdrücken : zwar finde ich da**
ungeheuer niemals Grindel gesehrieben , und für grindel
(obex) Cädm. 24, 27 nicht grendel, es könnte aber nalie
berühning beider formen stattGnden. ahd. heifst obex
krintiJ; dem Orcudel entspräche Krantil ^ Krentil? >vie
ihm sei ; das ist sehr auffallend, dafs wir npch heute eiuf n
dritten synonymen an^^dnick zur bezeichnung eines teulü-
schen wesens, froilicfi in der verstärkenden Zusammenset-
zung mit hulie, verwenden : höllriegely liölienbraud, teufel
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LOHHO? KRENTIL? 149
oder dem teiifel vciTallen ; *) dies hellerigel gebraucht
schon Hugo von Laugensteiu im 13 jh. (Martina 4^) end-
lich stehen gl. Doc. 208*> die ausdrücke dremil (d. i. tre-
mil) u:i4l grintil synonym für pessulus, und das altn.
trami oder tremill bedeutet cacodaeinon, malus daemon,
vermutlicli aber auch clathrum, cancelli, was sonst grind
heilst (gl. edd. hafn. 1 , 684. Biorn s. v. trami.) Sonach
scheint sich von mehrern Seiten wirklich eine bestätigiing
des mythischen begrifs von riegel und böser geist zu er-
geben und der Übergang von Logi in Loki bereits ein ho-
hes alter für sich zu haben.
Aufser dem asiscben Loki stellt die edda noch einen
andern, wahrscheinlich früheren, Utgardha loki als kö-
nig auf, dessen künste und macht sogar den göttlichen
Thörr täuschen, und dessen bausgenosse Logi es eben ist,
der sich selbst jenem LoH überlegen zeigt (Sn. 54 ff.)
Von diesem Ugarthilocus berichtet Saxo, der des eddi-
schen Loki in seinem ganzen werk mit keinem worte er-
wähnt, s. 163 — 166 wunderbare dinge: er schildert ihn
als ein riesenhaftes in entlegnem lande hausendes, halb-
göttliches ungeheuer, das im stürm, gleich andern göttern
angerufen wird und lülfe leistet, ein mutiger held, na-
mens Thorhill besteht die abenteuerliche fahrt zu Ugar^
thilocus und das scheint mir nichts als eine fabelhafte Ver-
änderung des besuchs, den nach Snorri Tfidrr bei Ut-
gai-dhaloki abstattet, hervorzuheben ist, dafs ThorkiU dem
ilgartldlocus eins seiner grofsen, speerälinlichen haare aus-
rauft und mit nach haus bringt (Saxo 165. 166.) üt^
gardfuir sind die äulsersten grenzen der bewohnten weit,
wohin man die statte der riesen und ungeheuer, die hülle
versetzte; auch dabei könnte an den begrif des riegeis
gedacht werden , der gleichsam den eingang Jener unuah«
baren region der geister und dämonen absperrt.
Mag es nun auch einen sächsischen Lolo, einen ala«
mannisctien Loliho y oder blofs einen Grendil^ Krentil
gegeben haben; von entscheidender bedeutung ist die wahr*
zunehmende übereinkimft der mythen selbst^ durch uusre .
kindermärchen ist der zug verbreitet von dem haar , das
dem teufel ausgezogen wird, als er auf dem scliofg seiner
grolbniulter scldafl, (kiuderm, num 29.) Der noril. Loki,
*) Hartmann Tom «egeiiftpreclien p. 203. Stieler p. i:>72 liai fol-
ffende:!: hellrigf^el, \i»cti* inferosU», objectarulum tartnn, il« per roiivi-
itum »ppellaut vetulam defortnem et rixosam.
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150 LOHHO ? KRBNTQi ?
zur strafe seiner untbaten, wird in fesseln gelegt, ans de«
nen er aber am weitende wieder frei werden soll; eins
seiner kinder tenrir'^)^ d. h. er selbst in der wiedei^e»
burt, verfolgt in wolfagestalt den mond, und diM)bt ihn
2u verscblingen: rndnagarmr beil'st der den mond ver-
scblingende wolf; nach Sn. 12. 13 ist es ein wolf namens
Stölly der die sonne, ein andrer Uati, der den mond ver-
folgt. Dieser Volksglaube scheint sich allgemein, und sohon
in der altesteA zeit durch ganz Deutschland und weiter
zu erstrecken, noch jetzt sagen wir, wenn unheilvolle,
gefahrdrohende Verwirrung eintritt: *der teu/el ist los, der
teufet ist freieelassen', wie es im Norden hiefs: ^Lohi er
or böndum^; in Göz von Berllchingen leben p. 201 : Mer
teufet war überall ledig'; in des minoriten Detmar chro-
nik 1, 298: 'do was de duvel los geworden', da hersclile
unordinimg und gewaltthat. In Burgund pflegte man von
einem aus weiter ferne drohenden spöttisch die redensart:
^dieu gar de la lune des loups* zu gebrauchen**), d. li,
solche drohungen treffen erst am ende der weit ein ; und
ebenso wird in dem franz. Volkslied auf Heii^rich IV das
äufserste ende der Zukunft durch eine zeit ausgedrückt, vro
die zahne des wolfs den mond erreichen werden : 'jusqu'i
ce que Ton p renne la lune at^ec les dents\ vom ^i4^olf
des mons^ redet an mehrern stellen Fischart, z. h. Garg,
130^, ausführlich in aller practik grofsmutter p 'der
halben dürft ihr nicht inehr für ihn (den mond) betten,
dafs ihn gott vor den U^ölfen wolle behüten , denn sie
werden ihn difs jähr nicht erhaschen,' ***) Sonnen, oder
mondsfinslornisse waren vielen heidnischen Völkern schauer-
lich ; die eintretende und wachsende Verfinsterung der leuch-
tenden kqgpl schien ilmen der zeitpunct, wo sie der rächen
des wolfs zu verschlingen drohe, und man glaubte durph
lautes geschrei dem monde hilfe zu leisten, ich werde auf
diese Vorstellungen zqrückkommen.
Eine ganze reilie altn, götter ist in diesem capitel auch
für das übrige Deutschlaud in anspruch genommen wor-
den, aus gründen wie sie theils der haftende name , theils
das zusammentreffen der mythen an band gibt, nicht alle
*) goth. Fanareifl? ahd. Fanari, Feniri? doch nicht fkbnenträ$(er,
paonifer? ailein die nord. spräche scheint das dem goth. fana, ahd. fono
eotsprechende wort in früher zeit niclit zu Iieunen.
*'*) La nionnaye glossaire zu den noei horguignon, Dijon 1 776. p. 212.
•••) darf hier an die ttiierfabei von dem wolf erinnert werdeu , der
in den brunnen steigt, um den für einen liäse gebaltoen momi zu ver-
:»chlingcn?
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GÖTTER 151
gelieferten beweise können glelclien grad von elärke ha-
ben ; das gewisse mag auch das verniulete heben.
Einzelne eigenschaften verschiedner gütter greifen in
einander^ was hier von einem derselben gilt, kann dort auf
einen andern übertragen worden sein, und es begreift sich,
wie bei einigen volksstämmen name und cultus irgend ei-
nes gotts feiden durfte: seine besonderheit fiel dann noch
einem älinlichen, verwalidten gott zu. so werden Wuotan
Donar und Fro sämtlich, imter gewisser beziehung, als göt«
ler des ackerbaus und der frqchtbarkeit der eixle gedacht,
Wuotan, Ziu und £r als lenkcr des kriegs. Die macht
und das ansehen männlicher kann aber auch auf weibliche
gottheiten übergehn.
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152 NtiRDU ?
CAP. X. GÖTTINNEN.
Vor abhandluog der göttinncn, welclie uns die nord.
mythe überliefert^ sind alle, unabliangig davon ^ dem allen
Deutschland beigelegten oder überwcisbareu zu untersucben.
abvreichungen in geschlecht und uamcu dürfen wir, zm-
schen beiden hauptdialecteh , wie für andere begriffe und
Wörter auch hier zulassen^ ja erwai^len.
Tacitus stellt Nerthus als mütterliche gottheit der
erde dar; nicht allen Germanen, nur den Langobarden,
Reudignem, Avionen, Angeln, Varinen, ]^udosen, Suardo-
nen und Vuithonen*) legt er ilire Verehrung bei: nee
quicquam notabile in «singulis, nisi quod in commune iVer-
fAi/m, **) id est Terrarn matreni coluut, eamque inter-
venire rebus hominum, tnvelii populis, ar1)itrantur. Est in
insula oceani castum nemus / dicatumque in eo vehiculum,
veste contectum. attingere uni sacerdoti concessum. is
adesse penetrali deam intelligit, vectamque buhua feminis
multa cum veneratione prosequitur. Laeti tuuc dies, festa
loca, quaecunque adventu hospitioque dignatur. nou bella
ineunt, hon arma sumunt ; dausum omnc ferrum ; pax et
quies tunc tantum nota, tunc tantum amata: donec idem
sacerdos satiatam conversatione mortalium deam teniplo
reddat, Mox vehiculum et vestes, et, si credere vcJi»,
numen ipsum secreto lacu abluitur. scrvi ministrant,
*) lo Viihones die wnrzel der elgennamen Vithimer» Yithirief
(Nuithones onstattliaft, weil des Tac ui = f/> vgl. Toisco, Tvisec^
wie sein ua = va.) Eudosesy gotli. luthasjds, ladusjds? gebildet wie
b^rasjOs? ein solches us auch im volksnamen Sedusii (Caesar 1, 51;)
vgl. altn. iodh (proles) ond die liithnngi bei Dexippus nnd Ammifln.
Marc. Suardones zur wnftsel des ahd. suert, sgs, sreord, goth. $yn\td
(ensis)? Rsudigni goth. Riudiggös, ahd. Riotingä? zu riot, ags. reod
(arundo, arundinetum) ? des Tao. eu ist = goth. tu, ahd. eo (Teoio-
nes, Eudoses) und sein ign s== goth. igg, ahd. ing (Marsigni.)
**) die verglichenen nss. lesen so, eine mhertum (Mafsmann in
Aufsefs und Mones anzeiger 1834. p. 216;) Nertus wurde ich den
Nerthus vorzieiien, weil sonst in deuudieu wurteni Tacitus kein TH
hat, aurser in jenem Vitliones,
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NBRDU? GAUB? 153
quo§ staHm idem lacns liaurit. arcanus liinc terror sau«
ctaque iguorautia, quid sit illud, quod tantimi periiiiri \ideut
Diese scliöne erzählimg vertiägt sich mit dem, ^as
andere berichte von dem ciiltus einer männlichen oder
weiblichen gpttheit enthalten, der man friede und frucht-
hai^eit beilegte, ebenso zieht der nord. Freyr, solm des
Niördhr, auf verliülltem wagen in Scliweden umher, das
Volk feiert ihn durch gebet und feste. Wuotan und Do-
nar erscheinen auf ihren wagen, auch sie werden um ge-
deihen der frucht und um milden regen angerufen; ich
habe s. 73. 74 bei dem wagen eines gothischeu gottcs, des-
sen name Sozomenus vorentliält^ a\jf die Verehrung der
Nerthus gewiesen.
Diesen M'echsel weiblicher mid männlicher gottheiten
der erde scheint mir willkommen ins licht zu setzen , dai's
die 8. 104. 105 bei Wuotan, eben in solcher beziehung
angefiihrten formein und reime in andern niederdeutschen
gegenden geradezu auf eine göttin übertragen werden,
wenn die hausleute, heifst es, den roggen mähen, lassen
sie etliche halqie stehen, binden blumeu dazwischen und
nach vollendeter arbeit sammeln sie ' sich um die stehen
gebliebeneu büscliel, fassen die roggenähr^n an^ und lieben
di'eimal an zu rufen:
fru Gaue^ haltet ju fauer,
düt jar up den wagen,
dat ander jar up der leäre ! *)
während dort dem Wode für dies jähr schlechtes fidler,
fiir das nächste besseres zugesagt ist, scheint hier frau
Gauen eine künftige lierabsetzung der dargebrachten gäbe
voraus angekündigt zu werden; durch beides finde ich die
scheu der ('bristen über die beibehaltung des heidnisclien
Opfers ausgedrückt, die alten göttcr sollen, wenigstens
den Worten nach, sich nunmehr gering und schlecht stehen.
In der umgegend von Hameln hersdite die gewohnheit,
dafs, wenn ein Schnitter beim binden eine garbe über-
gieng, oder sonst auf dem acker etwas stehen liefs, ilim
spottweise zugerufen wurde: ^scholl düt dei gaiie frue^
oder /de fru Gauen hebben ?' **)
tlber die bedeutung des namens fru Gaue fallt es
nicht leicht zu entscheiden; die adjectivische vorsetzung
von gauB beruht wol auf blofsem misverstand^ man wollte
den sinn von 'gute fraü' in die worte legen, die mund-
*) braoBsohw. ana. 1751 p. 900. Iiannov. gel. anz. 175t p. 668.
**) baoib gel. aoz. 1751. p. 726.
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154 ISBROU?
art, welche fauer fiir foer, foder gebraucht, wird auch
Gaue fiir Godey Guode nehmen, in diesem Guode köunte
nun nichts anders stecken als Gwode, Wode, iind fru aus
dem älteren fro erklärt, würde fro FF öden den herrn
und gott, keine göttin bezeichnen, also die forniel völlig
mit der 8. 104* 105 gegebnen übereintreffen. Zieht mau
den wenigstens spiiterhin mit der beuennung ft'u offenbar
verbundnen begrif einer weiblichen goltlieit vor, so lieise
sich vielleicht an die altn, G6i (Sn. 358. fornald. sog, 2,
17) eine n^ytliische Jungfrau denken, nach welcher der fe^
brqar altn. benannt wird. Die gr. Fala oder ilj mufs
aus dem spiel bleiben.
In den anhang s. cxxvu habe ich ein ags. formular auf^
genommen, das zur hersteliung der fruchtbarkeit solcher
äcker gebraucht wurde, denen ein zauber angethan war.
liier kommen zwei bemerkenswerthe anreden vor; einmal
heilst es : ^erce^ erce, erce^ eordhan mödor* und es scheint
damit nicht die erde selbst, vielmehr ihre mutter gemeint,
aber der ausdruck erce ist räthselliaft. in der ags. Übersetzung
des N, T. wird sonst durch erk, gen. erke Luc. 17, 27
das lat. arca, also schiC oder kästen bezeichnet (vgl. altn,
prk, gen. arkar, cista.) sollte in Erce (gen. Ercan) ein
verdiuikelter eigenname stecken , der sich mit dem alid«
adj. ärchan (simplex, genuinus, germanus) berührte? wäre
noch genauer zu schreiben Eorce? mag mau sich an die
in unserer heldensage berühmte frau Erclie^ Herhja^ Her-
die, Helche erinnern? Das anderemal wird der erde
sugerufen: *h&l ves thu folde^ fira m6dor!\ heil
sei du erdcy der niensohen mutter, was zu jenem auch
von Tacitus ausgedrückten terra mater stimmt, die Ver-
ehrung der zeugenden, nährenden erde, wiederum der er*
denmutter, war ohne zweifei unter unsern vorfahrern aus-
gebreitet , und mehrfache benennungen m{)gen stattgefun-
den haben; wie sich bei den alten der Gäa dienst und
ihrer tochter Rhea nut dem der Ops mater, der Ceres und
Cybele mischten.*) Vorzüglich beachtenswerth scheint
mir die ähnlichkeit zwischen dem cultus der Nerthus, wie
ihn Tacitus schildert, und dem der phrygischen göttermut-
ter. liucretius 2, 597 — 641 beschreibt den umzug der
nutg/ia deurn niater auf ihrem löweubespaimten wagen
durch die länder der erde :
•) Op« mater = terra maier ; Ceres = Gcres^ quod f^erit frugev
autiqub enini C qiiod nunc G. Varro de ling. lat. ed. O. Müller p.
25. der Ceres gr. beneunung Jfffi^tf^ iclieint wieder auf y^ M^1{*
zu fuhren.
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NEROU? BRDA 15ä
quo nunc insigui per magnas praedita tcrras
hoirifice ferlur divinae matris imago. —
ergo quom primuin magnas invecta per urbeis
niunificat tacita mortaleis muta salute,
aere atque argento sternunt iter omne viarum,
largifica stipe ditantes, ninguntque rosarum
iloribus, umbrantes rnatrem comitumque catervani.
Den VI cal. apr. benannten die Römer lauatio matris
deum und begiengen sie festlich. Ovid. fast. 4, 337 :
est locus, in Tiberin qua lubricus influit Almo,
et nomen magno perdit ab amne minor;
illic purpurea canus cum veste sacerdos
Almonis dominam sacraque lavit aquis.
Ammlan. Marceil. 23, 3, (Paris 1681, p. 355): ad Calli-
nicum, — ^ ubi ante diem sextum kal. quo Romae matii
deonim pompae celebrantur annales, et carpentum^ quo
velutur simulacrum , Almonis iindis ahlui perhibetur;
Vgl. Prudentius hymn. 10, 154:
nudari plantas ante carpentum scio
proceres togatos matris Tdaeae sacfis«
lapis nigellus evehendus essedo
muliebris oris clausus argento sedet,
quem dum ad lavacrum praeeundo ducitis
pedes remotis atterentes oalceis
Almonis usque perrenitis rivulum.
Gerade so wird Nerlhus , nachdem sie im land umherge-
zogen ist, in dem heiligen see, auf ihrem wagen, gebadet.
Für die insel des oceans hält man Rügen, in dessen
mitte noch jetzt ein see flegt, der schwarze see, oder burg-
•ee genannt, was als sage umgeht: vor alten Zeiten sei
dort der teufel angebetet, in seinem dienst eine Jungfrau
unterhalten, und wenn er ihrer überdrüfsig geworden, im
schwarzen see ersäuft worden*), könnte, so arg die ent-
stellung ist, aus des Tacitus nachricht entsprungen sein,
der die menschliches Umgangs gesättigte göttln im seCy
samt den dienern , verschwinden lafst. aber selbst diesjB
Überlieferung, falls sie schon Jahrhunderte im gang ist, da
sie von einem teufel, keiner göttin redet, widerlegt alles,
"was man in unserer zeit von dem Herlhacultus auf Rü-
gen vorgebracht hat.
Den namen erde treffen wir in allen deutschen mund-
*) deutsche sagen oum. 132.
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156 NKRDÜ? FiaGüNIA? HLUODANA
arteii; ßoth. airt/iayOLhi. er da, herda, ags. eordJie, oitnJördli.
die altn. lördh tritt persönlich auf als Odliius gemaMiu
zugleich und tochter; sie war Thors mutier (Su. 11. 39.
123.) gleichwol ist sie ein abstracteres wesen, als Rindr^
die ebenfalls als Odhins gemahlin imd als erde voi^estellt
wurde. Jenes ags. Jolde ' (gen, foldan) könnte auch per-
sönlich gewesen sein? aUs. folda^ foldun , alln. fohl, fol-
dar. *) das goth. mulda, alid. molta , ags. molde , allu,
mold enthält nur den materiellen begrif der erde, staub,
Es sind aber noch zwei andere altn. benennungen der
erdgöttin für unsere Untersuchung vorzüglich wichtig: in
skilldskaparm^ p- 178 heilst sie so^ol Fibrgyn als
Hl^dhyn.
Fiörgyn ist schon s. 117 abgehandelt; wenn neben
dieser göttin ein golt Fiorgynriy und ein abslractes neutrum
fqlrguni bestehen konnte, wenn der begrif von Thöi-s
mutter zugleich in den des donnergottes selbst iibergelit,
wenn Freyr und Freyja denselben gedanken ausdiaickeu,
so wird auch eine weibliclie Nerthus neben dem männ-
lichen KerthutS einzuräumen sein,
Hlbdhyn hat dieselbe ableitung yA^ Fiorg^^n , es darf
also ein goth. Hldthunja, alid. Hluodunia gefolgert wer-
den. Völuspä 56 wird Tliör genannt: mögr Hlödhynjar^
der Hl., das ist der erde söhn, hlödh in der altn. sprä-
che bedeutet einen heerd **), der name der göltin also schir-
merin der feuerstätte ; auch die Römer verehrten eine
göttin der erde und des feuers unter dem gcmeinschaftli"
eben namen Fornax^ dea fornacalis, ***) In niederrhei-
nischem boden wurde ein anfanglich zu Cleve, hernach
zu Xanten aufbewahrter stein gefunden mit der merkwiir?
digen inschrift: DEAE HLUDANAE SACRVÄI C. TIBE-
RIVS. VERVS. Hludana ist weder eine römische noeb
celtische göttin ; ilir name begegnet vollkommen dem der
altnordischen, Sk. Thorlacius hat das verdienst die Identi-
tät beider anerkannt imd gelehrt erwiesen zu haben, f)
ich sehe in dieser insclirift ein schlagendes zeugnis für das
zusanunentrelTen nord. und deutscher götlerlehr^. Thorla-
*) y^\, feld (campus) uad ebstn. pold, gen. pnllo (camptis), ungtr.
fpid (terra.)
**) eigeiitlicli strues, ara von hiatban, liiötii (struere) gramin, %
10. nuin 83.
•••) Ovid. fast. 2, 613.
f) antiq. bor. «pec. 3, Hafn. 1783. Gotfr. Stliütze in .seiaer
scbrift de dea Hludana, Lips. 1748 verraoclite zw«r den wertti des
Steins einzuselin, aber nicbt die bewandtnis d^t^ sacbe aufzudecken.
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DAMPANA? MEHALENNU? (ISIS) 167
ciu8 vergleicht nicht uneben A^d und Latoria. Sollte
nicht Hwrridhi, ein beiname Thors, des sohns der Hlddhyn
aus Hlödridhi gedeutet werden können?
In dunkel gehüllt steht eine andere göttin, die von
Tacitus und in einer Steinschrift genannte Tanfana, Tarn'»
Jana (TAMFANAE 8ACRUM> oben s- 50,) ihr name ist
gesichert, wenn er auch der nord* mjthe völlig abgeht;
gewisse besondere gottheiten wil^ jeder volksstamm vor-
aus gehabt haben, der ausgang -a/za wie bei Hhidana^
Auch der belgischen oder friesischen dea Nehalennia
sei hier kurz gedacht) über deren benenniuig mehrere
gleichlautende inschriftcn "") keinen zweifei zulassen^ Qir
wesen ist uns imbekannt, ihr name gestattet nur gezwnn*
gcne, unbefriedigende anknüpfiuigen. in andern am Nie«
derrhein gefundnen inscrlptionen kommen Zusammensetzun-
gen vor, deren ausgang (-neliis oder ^nehahus sind <dat.
pL fem.) das nemliche wort zu verkünden scheint; das in
Nehalennia die erste hälfte bildet. **)
Viel bedeutender ist, weil sie sich mit lebendiger über-
ITeferung eines im mittelalter fortdauernden cultus verbinden ,
läfst, des Tacitus nachricht von der Isis, unmittelbar nach-
dem er die verelirung des Mercurius, Hercules und Mars
gemeldet hat, fugt er (cap. 9.) hinzu: pars Suevonun et
laidi sacrificat* unde causa et origo peregrino sacro, pa-
rum comperi) itisi quod signum ipsum, in modum libur^-
nae figuratum^ docet advectam religionem« das aus der
fremde her eingeführte liegt augenscheinlich nicht in dem
namen Isis, den die suevische göttin gar nicht führte, so-
wenig Mercur, Hercules und Mars unter solcher benen-
nung in Deutschland gefeiert wurden : wie sie bei einem
theile der Sueven hiel's, erfahren wir weder durch Tacitus
noch durch andere« fremdartig schien ihm zeichen und
bild des schiffea , weil dies an das römische napigium
Isidis erinnerte*
Griechen und Römer pflegten beim anbruch des früh-
lings, wenn das im vnnter unbefahrne meer wieder schif-
*) Montfaocon ant. expl. 2, 449. Yredii hist. Flandr. I, XLIV.
mte. de Tacad. celt 1, 199 — 245. Mone heidentli. 2, 346.
**) man hat eioe celti8cligermani«che guttin Slrona aogenommeD,
die auf Inschriften (Gniter 37, 10. 11. Orell. 2047.) neben Apollo ge-
nannt wird und, der Diana Tergleichbar , die lieilkunst geschützt hal>eii
soll. F. C. Matthiae de Sirona dea. Francof. 1806. Lehne das Si
ronabad bei Nientein. Mahiz 1827. Syr Ui eine beuennong der
Freyja, Sn. 37, aber jenes wort scheint |ateiniich gebildet wie Latona,
Epona.
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198 (I»S)
bar wurde, feierlichen amgang 2u halten nnd der lais ein
schif darzubringen, es geschah den 5 mer2 (IIL non
Mart.) und dieser tag wird im kalendarium rusticum durch
Isidis navigium bezeichnet. '*') die haupizeugnisse ste-
hen bei Apulejus und Laotantius **) , zwei schriest eüern^
die jünger sind als Tacitus , aber die sitte mufs in ein
höheres alter hinaufreichen. Isis erscheint auf alexandri-
nisclien miinzen neben dem Pharüs wandelnd ^ ein segel
ausbreitend.
War der Isisdienst aus Aegypten nach Griechenland,
nach Rom gedrungen, wie liefse sich annehmen, dafs er^
im ersten jh. oder vorher, einem das herz von Deutsch-
land bewohnenden einzelnen volksstamm zugeführt worden
sei? es rtiag nur ein ähnlicher cultus, nicht derselbe, ^und
vielleicht noch unter andern Deutschen hergebracht gewe-
sen sein*
Ich will einen seltsamen gebrauch, der mir damit zu-
sammenzuhängen scheint, aus viel späterer zeit nachwei-
sen, etwa um das j. 1133 wurde in einem wald bei Inda
(in Ripuarien) ein schif gezimmert, unten mit rädern ver-
sehn und durch vorgespannte menschen zuerst nach Achen,
dann nach Mastricht (wo mastbaum und segel liinzukam),
hierauf nach Tungern, Looz und so weiter im land her-^
umgezogen, überall unter grofsem zulauf und geleite des
Volks, wo es anhielt war freudengeschreip jubelsang und
tanz um das schif herum bis in späte nacht. die
ankunft des schifies sagte man den Städten an, welche ihre
thore Öfneten und ihm entgegen giengen.
Wir haben darüber eine zwar ausfohrliche aber nicht
vollständige nachricht in Rodulfi chronicon abbatiae 8.
Trudonis IIb. XI, welche ich aus Dachery spicil. tom. 7
*) Gesner si^ript. rei fast. ed. lips. 177S. 1, 886; ebenso im ca-
lend. valleiue, and im cal* lambec. (Graevii thes. 8, 98.)
**) Apoleji met. Hb. U (Ruhnk. p. 764. 765) s diem qai dies ex
ista nocte naicetar, aeterna mihi nmicupavit religio ; quo sedatis hiber-
nis tempestatibas et lenids maris procellosis fluctibus, navigabili Jim
pelago rudern dedicantes carinam primitias commeatas libant mei sa-
cerdotes. id sacrum sollicita nee pfofana mente debebis operiri. nam
meo monitu sacerdos in ipso procincta pompae roseam mann deztra
sistro coliaerentem gestablt coronam« incontanter ergo diniotis torba-
Ijs alacer continuare pompam meam, volentia fretns; et de proximo
dementer velut manum sacerdotls deoiculabandos rosis decerptiii peusi*
mae mihique detestabills dadum bellnae istios corlo te protinu
ezue. Lactantius instit. 1 , 27 : certus diea habetur in fastfs , qao
Tsidis nauigium celebratur, qnae res doce^ illam non tranasse sed
navigasse.
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(ISIS) 159
(Paris 1666. 4.) p. 501—505, oder tom. 2 (Ptir. 1723 fol.)
p« 704 — 706 ihrer Wichtigkeit halben, hier eimaicke:
Est geiius mercenarioruiw, quorum ofßcium est ex lino
el lana lexere telas , lioc procait et superbiim super alioa
mercenarios yulgo repütatur, ad quorum procacilatem et
superbiam hiüniliandam et propriam iniuriam de eis ulci-
scendam pauper quidam rusticus ex viUa nomine Inda *)
haue diabolicam excogitavit technam« Accepta a judicibus
£ducia et a levibus hominibus auxilio, qui gaudent jocis
et novitatibus, in proxima silua navem composiiit^ et eam
rotis suppositis afflgens vehibilem super terram ^ffe-
citf obtinuit quoque a poteslatibus , ut injectis funwus
textorum humeris ex Inda Aqiusgranum tralieretur,
Aquis suscepta cum utriusque sexua grandi hominuni
processione : niliilominus a textoribus Trajectum **) est pro-
vecta, ibi emendata, malo veloque insignita Tungris est
inducta, de Timgris Los* ***) Audicns abbas (sancti Tru-
donis) f) Rodulfus nai^im illam infausto omine com-*
pactam malaque soiutam alite cum hujiismodi gentilita-
tis studio nostro oppido adventare, praesago spirilu homi-
nibus praedicabat, ut ejus susceptione abstinerent, quia rrui'
ligni Spiritus sub hac ludificatione in ea traherentur, in
proximoque sedilio per eam moveretur, unde caedes, in-
cendia rapinaeque fierent, et humanus sanguis multus fun-
deretur. Quem ista declamantem omnibus diebus, quibus
malignorum spirituum illud simulacrum loci moraba-
tur, oppidani nostri audire noluerunt, sed eo studio et gau-
dio excipientes, quo perituri Trojani fatalem equum in
medio fori sui dedicavcrunt, statimque proscriptionis sen-
tentiam accipiunt villae textores , qui ad profanas hujus
simulacri excubias venirent tardiöres. Pape, quis vidit,
imquam tantam (ut ita liceat latinisare) in rationalibus ani-
maÜbus brutitatem ? quis tantam in. renalis in Christo gen-^
tilitatem ? Cogebant sententia proscriptionis textores, nocte
et die napim stipare omni armaturae gener e , sollici-
tasque ei excubias nocte et die continuare« mirumque fuit,
quod non cogebant eos ante navim Neptuno hostias im-
molare, de cujus naves esse solent regione, sed Neptunus
eas Marti reservabat, quod postea multipliciter factum est«
') laden im Jultchbchen, spater CornelimAnster, anweit Achen,
^gl. Pertz ], 394. 488. 514. 593. 2, 299. 489.
**) Msstridit.
•••) l-ooz.
+) S. Troa zw, Lütticli u. Löwen,
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IGO (ISIS)
Textores interiin occiilto sed praecordfali gemitu deum
justum judlcem super eos vlndicem invocabant, qui ad haue
ignominiaiu eos detrudebant, cum juxta rectam vitam anti-
qaorum Christiaiioriim et apostolicorum virorum manuum
suarum laboribus viverent , uocte et die operautes , irnde
alerentur et ve^tirentur, liberisqiie suis idipstuu provide-
rent. quaerebant et conquerebaiilur ad invicem lacryma-
biliter unde Ulis magis quam aliis mercenarüs haec igno-
minia et vis contumeliosa, cum inter Christianos alia plura
essent officia suo multum asperuabiliora , cum tarnen nul-
lum dicerent aspernabile, de quo Ciuristiauus posset se sine
peccato conducere, iUudque solum esset vitabile et ignobiie
quod immunditiam peccali Coutraheret animae^ meliorque
sit rusticus textor et pauper, quam exactor orpbanorum
et spoliator viduarum urbanus et nobilis judex. Cumque
haec et eorunl simiiia secum, ut dixi, lacrymabiliter con-
Suererentur, coucrepabant ante iilud nescio cujus potius
icam Bacchi an P^ene'ris ^ Neptuni sive Martis^ sed
ut verius dicam ante omnium malignoruni spirituuni
execrabile domiciüum genera diversorum niusicorum, tur*
pia cantica et rcligioni Cbrislianae indigna concinen^
tium. Sancitum quoque erat a judicibus, ut praeter
textor es, quicumque ad tactum natfi appropinquarent^
pignus de collo eorum ereptum textoribus relinquerent,
nisi se ad libitum redimerent, Sed quid faciam ? loquarne
an sileam ? utinam Spiritus mendacii stillaret de labüs meis :
8ub fugitiva adhuc luce dlei imminente luna matronaruni
caterpae abjecto fennneo pudore audientes strepitum hu^
jus vanitatis^ sparsis capillis de stratis suis exilie-
bant, aliae se/niriudae, aliae simplice tantum clamide
circumdutae^ chorosque ducentious circa napim im-
pudenter irrumpendo se admiscebant. Videres ibi ali-
quando mille hominiun animas sexus utriusque prodigio-
sunt et infaustuni celeusma usque ad noctis medium
celebrare. Quando vero execrabiUs illa chorea rumpeba-
tur, emisso ingenti clam.ore vocum, inconditarum sexus
uterque hac illacque bacchando ferebatur; quae tunc vide-
res agere, nostrum est tacere et deflere, quibus modo con-
tingit graviter liiere. Istis tarn nefandis factis plus qua^n
duodecim diebus supradicto ritu celebratis conferebant
simul o^pidani quid agerent amodo de dtducenda scili-
cet nai^u
Qui sanioris erant consilii, et qui eam stcsceptam
fuisse dolebanty timcutes deum pro ]us quae facta vidcrant
et audieraut, et sibi pro liis futura conjicicbant, hortaban-
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(ISIS) 161
tut ut comburatur (combureretur) aut isto vel illo modo
de inedio tolleretiir ; scd stulta quonindam coecitas hnic sa-
lubri consilio contumeliose renitcbatur. Nam maligni Spi-
ritus ^ qui in illa ferebantuTj dissemlnaverant in populo,
quod locus ille et inhabitautes probroso nomine amplius
nötarenfur, apud quos remansisse inveniretur. Dedii-
cendam igitur eam ad villam^ qiiae jiixta nos est, Leiigiies
decreverunt. Iiiterea Lovaiilensis doniiiius audiens de dae-
monioso navis illius ridiculo^ instructusque a religiosis
Yiris terrae siiae de illo vitando et terrae suae arcendo
monstro^ gratiam suam et amicitiam mandat oppidanis no-
stris, commonefaciens eos humiliter, ut pacem ülam quae
inter illos et se erat reformata et sacramentis confirmata
non infringerent, et inde praecipue illud diaboli ludibrium
vidniae suae infeiTcnt^ quod si ludum esse dicerent, quae-
rercnt alium cum quo inde luderent. Qiiod ei ultra hoc
mandatum committerent, pacem praedictam in eum infrin-
gerent et ipse vindictam in eos ferro et igne exsequere-
tur, Id ipsum mandaverat Duracliiensibus dominis, qui et
homines ejus fuerant manuatim, et interpositis sacramentis,
et obsidibus datis sibi confoederati. Hoc ciun jam tertio
fecisset, spretus est tarn ab oppidanis nostris quam Dura-
cliiensibus dominis. nam propter peccata inhabitantium
Tolebat dominus mittere super locum nostrum ignem et
arma Lovaniensium« Ad hanc igitiu* plebeiam jatuita-
tem adjiuixit se dominus Gislebertus (advocatus abbatiae
8, Trudonis) contra gcneris sui nobilitatem, trahendam-
que decrevit naivem illam terream usque Leugues ultra
Durachiensem viUam, quod et fecit malo nostro omine
cum omni oppidanorum nostrorum multitudine et ingenti
debacchantium vocijeratione, Leuguenscs oppidanis no-
stris prudentiores et Lovaniensis domini mandatis obse-'
quentes portas suas clauserunt et infausti ominis mon^
strum intrare non permiserunt»
Lovaniensis autem dominus precum suärum et manda-
torum contemptum nolens esse inultum, diem constituit
comitibus tanquam suis bominibus, qui ncqiie ad prlmum,
neque ad secundum, scd nee ad tertium venire voluerunt.
Eduxit ergo contra eos et contra nos multorum multitudi-
nis exercitum armatorum tam peditum quam militum,
Nostro igitiu: oppido seposito tanquam firmius munito et
bellicosorum hominum -pleno, primum impetum in Dura-
chienses fecit, quibus viriliter resistentibus castellum nescio
quare cum posset non obsedit, sed inter Leugues et Du-
rachium pernoctavit, Cumque sequenli die exercitum ap-
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162 (ISIS)
plicare disponeret et ex quatiior partihus tissultum faceret.
liabebat enim ingenlcm nmltiludinem , supervenit Adelbero
MeteDsium primiceriiia filionim Lovaniensis doiniui avun-
culu8, cujus intervenlu , qtiia conillissa Durachiensis eM
soror ejus, et Duracliiejise erat castellum sancti Laiiiberti,
Lovauieiisis dominus ab inipugiialione cessavit et ab obsi-
dlone 86 amovit, promisso ei qiiod DuracLieuses paulo posl
el ad justitiam suam.educerentur« Et cum ista et alia de
dominis et inter dominos traclarentiir, peditos et mililcs per
omnia nostra circmnjacenlia se diffudcrunt, vfllas nosiras.
ecclesias, molendiua et quaecuuque occurrebaut combuslioni
et perdilioni tradentes, recedeules vero quae loiige a nobis
fuerant prout cuique adjacebant inter se diviserunt.
Sichtbar ist iu der ganzen crzälilung alles in gehässi-
gem liclit aiifgefafst; es verleiht aber dem hergang gerade
erst volle bedeulung, dafs er den geistlichen entscliieden
zuwider Avar, und sie ihn auf alle weise als ein sündhaf-
tes heidnisches werk zu hintertreiben dacliten. allein die
w^ollliche Obrigkeit liatle den Umzug geslaüet und schützte
ilin, es hieng von den einzehien orlschaflen ab, dem her-
aufahrenden scliif eiulafs zu gewalu'en; wie es scheint galt
in der Volksmeinung für schimpUich, es nicht weiter ge-
fördert zu haben»
Blofser tanz und gesang, wie sie damals bei vielfacher
gelegenheit unter dem volk üblich sein musten, konnte der
geistlichkeit keinen solchen ärger verursachen, sie beiieniil
das schif ^malignorum spiriluum simulacrnm', 'diaboli hidi-
brium', nimmt -an, dafs es ^infauslo ominc' und 'genlilitatis
sludlo' aufgeschlagen sei, dafs in ihm *maligni Spiritus' her-
imizlehen, ja dafs es ein schif des Neptun oder IMors, des
Bacchus oder der Venus hcifsen könne J man solle es ver-
brennen oder sonst wegschaffen*
Wahrscheinlich lebten unter dem gemeinen volk jener
gegend damals noch erinneruugen an einen uralten heidni-
schen cullus , der Jahrhunderte läng gehindert und einge-
schränkt nicht vollends halle ausgerottet werden können,
ich halte dieses im land umziehende, von der zuströmen-
den menscheiimenge empfaugne , durch festlichen gesang
und tanz gefeierte schif für den wagen des goltes, oder
lieber jener guüin , welche Tacilus der Isis vergleicht, die
den sterblichen (gleich Nerlhus) friede und fnichlbarkeit zu-
führle. wie der wagen verhüllt -^ar, so mochte auch der
eingang in das imicre schif den menschen verwehrt sein,
ein bild der goltlieit brauchte niclit daiin zu sieben iliren
uamen hatte das volk längst vergessen, nur itie gelehrten
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(ISIS) 163
inöflche ahnten nock ehvas von Neptun oder Mars, Bac-
clius oder Venus; auf das äufserliche der alten fcier kam
die lust des volks von zeit zu zeit wieder zurück, wie
i^äre der bauer im waldc zu Inden darauf verfallen ein
sdiif zu bauen, wenn ihm nicht eriunerungen an frühere
proccssionen, vielleicht auch in benachbarten gegenden vor-
geschwebt hätten?
Beachtehswerlli ^st, dafs die weher, in den Niederlan-
den ein zahlreiches, übermüligesj aber dem gemeinen häu-
fen verhafstcs handwcrk , gezwungen wurden , das schif
mit seilen auf ihren schultern zu ziehen und zu bewa-
chen; dafür durften sie dem übrigen volk näheren zutritt
wehren luid pfander nehmen*
Rodulf meldet nicht, was zuletzt aus der damals um-
gefiihrlen 'lerrea navis' wurde ; es genügt ihm zu erzäh-
len ^ dafs über die verlangte und ge weigerte aufnähme
Zwietracht und händel ausbrachen, die in offnem kämpf
gekühlt werden musten. das bezeugt uns die lebhafte theU-
nahme der Zeitgenossen, wie sie für oder wider das fest
von der weltlichen oder geistlichen parte! angefacht wor-
den war.
Es sind spuren vorhanden, dafs auch anderwärts in
Deutschland zur zeit des beginnenden fiaihjalirs solche
schiffe umher gezogen wurden, namentlich in Schwaben,
also dem späteren sitze jener Sueven. ein ulmer rathspro-
tocoll vom Nicolausabend 1530 enthält das verbot: *item
es sol sich nieman mer weder tags noch nachts verbuzen,
verkleiden, noch einig fafsnachtkleider anziehen, ouch sich
des herumjarens des pflüg s und mit den schif en ent-
halten, bei straf 1 gülden'. *) Noch ausgebreiteter scheint
die gewohnheit des pfli/gum Ziehens^ die ursprünglich, ohne
zweifei, zu ehren der gottheit geschah, von welcher mau
fruchtbares jähr imd gedeihen der üussaat erwartete. Enoch
Wiedemanns chronik von Hof meldet: ^^fastnacht Jährten
bösebuben einen pflüg herum^ und spannten die mägdlein dar-
ein, welche sich nicht mit geld lösten ; andere folgten nach,
säelcn heckerling imd sägcsi)Une'. **) Pfeiffer chrou. lips. lib* 2*
J. 53 : 'mos erat antiquilus Lipsiae, ut Uberalibus (am Bacchus-
fest d.i. fafsnachts) personali juvenes per\icos oppidi aratruvi
circum ducerent, puellas obvias per lasciviam ad illius ju-
giirn accedere etiam repugiiantes cogerent, hoc veluli ludi-
cro poenani e:xpetente8 ab iis, quae innuptae ad eum usque
*) Carl Jnger schwab. stadtewesea des Mi. 1, 525.
•*) Sachs, provniz. bl. 8, 34t.
11*
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164 (ISIS) HOLDA
diern mansissent *) Von diesen und ähnlichen umziigcu
wli'd im verfolg noch einiges nähere milgetheilt werden,
hier wollte ich hlofs zeigen, wie das faliren des pßugs mil
dem des sein f 8 durch die landschaft auf einer und der-
selben altheidjiischen idee zu berulien scheine^ die sich seit
Verdrängung der götter durch das christenthuni nut in un-
verständlichen rolksgebräuchen forterhalten und allmälich
verflüchtigen konnte : auf der sichtbarwerdung elnef wol-^
thätigen^ gütigen gottlieit beim Wiederbeginn des ackerbaus
oder der scliiffahrt unter den menschen^ die sich ihr alleut*
halben mit freiidenbezeugungen nahten« So müssen die
Siieven zu Tacitus zeit ihre göttin durch umtragung de«
scliifs gefeiert haben. Die nöthigung der Jungfrauen zur
theilnahme am fest gleicht dem zwang; der in Ripuarieu
den Webern augetlian wurde.
Nicht allein der Isis war bei den Griechen das scliif
geweiht, auch der Athene, in den Panathenäen wurde ihr
heiliger peplos zu schif auf die Akropolis geführt: da»
schij 9 an dessen niast er als scgel hieng, im Keramikos
erbaut, beu^egte sich zu lande durch ein unterirdisclics
trieb werk, erst zum tempel der Demeter, um diesen her-
um, am pelasgischen vorüber zum pylhischen, zuletzt nach
der biu-g. das volk folgte in feierlich geordnetem zug. **)
Sollte der name , unter welchem die Sueven die von
Römern der Isis gleichgesetzte güttin verehrten, sollte nicht
Wenigstens eine ihrer üebenb6nennimgen gewesen sein
Hohia?
Dieser name hat rcindculsche bedeutung und noch
heute in lebendiger volksüberlieferung festen grund.
Holdd ist die freundliche, mÜde, gnädige gcittin und
frau, von hold (propitius) goth. hulths (Luc. 18, 13) altn.
hollr; die goth. form würde Hulthö lauten. Ulfilas ver-
wendet für den entgegengesetzten begrif feindseliger, teuf-
lischer Wesen sowol das fem. unhulthb als das masc. un-
hultha^ voraus ich ein hultha neben hulth6 folgere; neue
bestätigung des doppelgeschlechts , das in der vorstellimg
dieser götter waltet, gewis aber konnten mehrere götter
odör geister des beinamens theilhaftig werden. Notker im
Capeila 81 überträgt verns geuius durch 'min wÄrc holM*
auch in der mlid. spräche mufs holde (fem. und masc.)
für geisterhaflc weson bekannt und gebräuchlich gewesen
*) ScheflTer« Haltans 202.
••) Pliilostrat. de vitis sopliisf. IIb. 2. c«p. 1. eJ. pari.s. 1608
p. 54i).
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HOLDA 165
sein. Albreclit von Halberslacll iu seiner bearbeituug der
ovidischen metatnorphosen hat wazzerJiolde (gen, -en)
für nymplie , der reiin scliütjste diese ausdrücke in Wi-
krams iimdichtung, *) in der niederdeutschen vielfach er-
weiternden überlragung des narrenschifs (Narragonia , Ro-
stok 1519. 96*) findet sicli folgende dem hochd< text man-
gelnde stelle: *manuich narre luvet an vogelgesclirei und
an der giiden hollen (bonorum geniorum) gunst.' Häu-
figer begegnet das mhd. unholde (fem.) nlid. unhold
(inasc) im sinn eines bösartigenj finsteren, jedoch gewalti-
gen Wesens.
Das älteste zeugnis für den bestimmteren gebrauch des
namens Ilolda gewährt mir Biurchard von Worms (aj^-
hang xxxvi); die merkwürdige Variante unholda ist aus
dem cod. vindob. univ. 633 geschöpft, Burchard hat hier
das deutsche wort an die stelle der Diana ^ Paganorum
dea, gesetzt, die sonst gewöhnlich in gleichem sinn und in
der nemlichen Verbindung genannt w^ird (vgl. xxxiv.)
Volkssagen imd märchen lassen frau Holda (Hul-
da, HoUe, Hülle, frau Hol!) als ein höheres wesen auftre-
ten, das den menschen freundliche, hilfreiche gesinnung
beweist, und nur dann zürnt, wenn es imorduung im haus-
hält wahrnimmt, diese überliefer imgen scheinen unter kei-
nem deutschen stamm so verbreitet als unter Hessen und
ITiüringern, (auch der wormser bischof w ar gebürtig aus
Hessen.) indessen komml frau Holle vor bis ins Voigt-
laud,**) über die Rhön hinaus im nördlichen Franken,***)
in der VS etterau bis ziun Westerwald •}•) und aus Thü-
ringen her in das angrenzende Niedersadisen. Schwaben,
Schweiz, Baiern, Ostreich, Nordsachseu, Friesland kennt
sie nicht.
Aus dem, was uns die tradition nochbcwalu*l hat -ff),
ergeben sich folgende zügc.
Frau Holle wiid als ein himmlisches^ die erde um-
spannendes w^esen vorgestellt: wenn es schneit, so macht
sie ihr bett, dessen federn fliegen. "H~l*). die vergleichung
der Schneeflocken und federn ist uralt, die Sc)1Lhen er-
*) Frankf. 1631. 4« 171a von einer wazzertiolden : soldeu; 176«
»ftzzerilolde : sotde«
*') Jttl. Schmidt UeicIieiifelA p. 152.
'*') Reiiiwald tieniieb. id. 1, 68. 2, 62. Sdiitieller 2, 174.
i) Schmidt westerwätd. idiot. 73. 341.
tt) Winderni. uo. 24. deutsche sagen no. 4—8. Fulkeiislelus .thiir.
clironica 1, 165. 166.
ttt) ff»M Holle »chQttelt ihr bett. modcjouru. 1B16, 2H3.
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}m HOLDA
klJirlen die nordliclie weltgegend, weil eie mit federn an-
gefüllt sei, für unnAlibar, (Herod, 4, 7 vgl. 31.)
Sie liebt den aufeutlialt in see und brunneni zur
miltagsstunde sieht man sie, als scliüne weifse fraa, in der
flut baden und verschwinden, sterbliche gelangen durch*
den bruimen in ilire Wohnung, vgl, die benennung waz^
zerholde. *)
Auch das sllmnvt zu der Nerlhus, dafs sie auf einem
ivagen einherfährt, sie liefs ihn von einem bauer, der
ihr begegnete, verkeilen, die aufgeraflen späne waren gold**).
ilir jährlicher umzug bringt dem lande fruchtbarheit,
nicht anders scheint Derk mit dcM eher, jener niederlanr
dische Freyr (s, 139) umzuziehen imd nach den pflü-
gen zu schauen. Gleich Wuotan fahrt Ilolda aber auch
schreckenhaft durch die lüfte und gehört, wie der gott,
zu dem wütenden beer, daraus folgt die einbildung, dafs
hexen in Hollas gesellschaft fahren; schon Biuxhard weil's
es, und noch ist Hollejahren in Oberhessen gleichbedeu^
tig mit hexenfahrt, *^*)
Hieran knüpft sich, dafs sie, statt der göttlichen ge-
»talt, das aussehen einer häjslichen^ langnaaigen, grofs-
zahnigen alten, mit strupi>igem, eng\ erworrenen haar an-
nimmt« ^er ist mit der Holle gefahren' heifst es Von ei-
nem, dessen haare sich imordentlich wütcu und sträuben,
und 80 werden die hinder mit ihr geschreckt, ilir ge-t-
folge ist niclit weniger greulich. -J-)
IJolla wird fei-ner als spinnende frau dargestellt, der
flachsbau ist ilu* angelegen, fleiisigen dirnen schenkt sie
spindein und spinnt ilmen nachts die spule voll; faulen
Spinnerinnen ziindet sie den rocken an o^qt besudelt um. -J-f)
•) wenn der naine brunnenhold im märchenbnch von Alb, Lndw.
Grimm 1, 221 echt und überliefert ist, so bezeichnet er ^ea bnu-
neogeist.
*') ähnliche sage bei Jul. Schmidt Reichenfels p. 152.
•••) Estors oberh. idiot. s. v.
f) Erasm. Alberus fabel 16 : 'es Icamen auch zu diesem heer viel
weibür, die sich forchten sehr> und trugen sicheln in der band, frau^
Hulda bat sie ausgesandt.* Luthers auslegung der episteln, Basel
1522 fol, 69*: 'hie iiMi fraw UuUle herfur mit d^r potznasen^ die
natur, und darf irem got widerpelleu und in iugeii strafen, hengt urab
sich iren alten trewdeimarl£t, den stroharnfs (strohharniscb) — hebt
an und scharret daher mit irer geigen,"^ er vergleicht hier die gott
\nderspenstige uatur der heidnischen Hulda mit der ttirchterlichen nase
(Oberliu s. v, pot^männchen) , wie sie i^ stroh und trödellumpeu ver-
mummt unter geigenspiel- auftritt.
ff) cod. pal. 355l> : 'ich wen, kain schusel (scheusal) in kaim rocken
wart nie als hefslich als du bist'
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ÜOLDA 1G7
dein mäJcliei). Jessen spincicl in ihren brunneu fiel, loluite
sie durch begabnng. wenn sie weiJi nachten im laud ein-
zieht^ werden alle Spinnrocken reichlich angelegt ynd für
sie stehen gelassen; fastuaclils aber, wenn sie lieimkehrt,
imifs alles abgesponnen sein, die rochen stehen dann vor
ihr versteckt (abergl, 6S3); tiift sie alles au, wie es sich
gehört, $0 spricjit sie ihren segen aus, im gegen ihcil ihren
Buch, die formein 'so manches haai', so manches gute jähr!'
*so manches haar, so manches böse jähr!' klingen aller-
thümiich. Verwechselung scheint, wenn auch er/ählt wird,
in den zwülfuachten dürfe kein llachs auf der die/se blei-
ben, ^onsl konune frau Holla^ *) das verstecken des ar-
beilsgeriithes deutet zugleich auf die heiligkeit ihres feier-
tages, an dem gerastet werden soll, den ^samstag der
HullcC wird auf der Rhön keine läudliche arbeit verrich-
tet, weder gekehrt, noch gemistet, nocji zu acker gefah-
ren, auch im Norden soll sich von jullag bis zu neujalir
weder rad noch winde drehen (dän. abergl. no. 134.)
Diese Oberaufsicht über den feldbau und die etienge
Ordnung ini hanshall bezeichnet ganz da» amt eiuer mili-
terliclien gotlheit^ wie wir sie m der Nerlhus und Isis
kennen gelernt haben. Ihre besondere sorge für flachs
und spinnen (das wesentliche geschaGt deutscher haus-
fraueu , die nach splndel und kunkel benannt werden **),
wie nach Speer und schwert die mtinner) führt aber un-
niiUelbar auf die alln. Frigg^ Odhins gemahlin, deren We-
sen in den begrif einer erdgütlin übergehl und nach der
ein geslirn des himqiels, Orions gürtel: Friggjar roclr
(Friggr^e colus) benannt ist. ?$war gewälu^en isländische denk-
niäler iliesen namen nicht, unter dem schwedischen laud-
volk ist er im gebrauch geblieben (Ihre s. v. Friggeroct.)
das geslirn heifst aber auch Alariäroci , diin. Marirok
(Magnussen gloss, 361. 37fi), weil die Chrislen den alleu
uanien auf Maria, die hinunlische multer, anwandten.
Man konnte versucht sein, frau Holda aus einer ge-
stalt des allen teslamenls herzuleiten. II Reg. 22, 14 und
II Paralip. 34, 22 ist die rede von einer Wahrsagerin ni^n
Chuledda, Chulda , wofür Luther Hulda setzt; die LaX
haben 'OA*«, die vulg. Olda, die lat. bibcl yjteb..l521»
nml wahrscheinlich andere spätere ITuhla, mit rücksicht
auf Luthern, der die deutsche *frau' Holda im sinn habend
•) hrauiiscliw. anz, 17G0 no. 86. diefse \»i der eiiigebuuHiie (luchs
9m rucken, hrem. wb. 5, 2H4.
••) RA. 163. 16». 470.
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168 HOLDA
die jüdische prophctin popularisiert, mehrmals in seiDen
schrideu gedenkt er des heidnischen wesens, eine stelle ist
vorhin s. 166 aogezogen. Ich weifs nicht, ob schon andere
vor ilim beide namen verglichen haben, sicher aber ist die
Vorstellung von frau Holda nicht erst aus der ganz unbe-
deutsam auftretenden Olda der vulgata geschöpft, wie die
tiefere wurzelung jenes namens in unserer spräche, seine
allgemeine beziehuug auf verschiedenartige geister imd die
uralte negadou unliolda zeigen.
Auch um der Verwandtschaft nordischer Überlieferun-
gen willen w^ürde man jenen gedanken fahren lassen,
zwar kennt die eddische götterlehre keine, unserer Holda
entsprechende, Holla; allein Snorri (Yngl. saga c. 16. 17)
gedenkt einer zauberin (völva, seidkona) namens Huldr^
und eine spätere im 14 jh. abgefafste isl. sage erzählt lun-
ständlich von dem zauberweib Hulda^ Odins geliebten, und
der bekannten halbgöttinnen Thorgerdr und Yrpa mutter. *)
Noch wichtiger scheinen norwegische und dänische volks-
sagen von einer berg- oder waldfrau Hulla^ Huldray
Huldre, die sie bald jung imd schön, bald alt und finster
darstellen, in blauem kleid und weifsem Schleier nalit sie
sich den Weideplätzen der hirten und dem tanz der men-
schen, an dem sie flieil nimmt 5 ilire gestalt wird aber durch
einen schwänz entstellt, den sie sorgsam zu verbergen
trachtet, nach einigen ist sie von vornen schön, von hin^
ten liäfslich. sie liebt musik und gesang, ihr lied hat
traurige weise und heilst huldreslaat, in den vväldern
sieht man Huldra als graugekleidete alte frau, au der
spitze ihrer heerde, den meÖteimer in der band, eioher-
ziehcn. sie soll den menschen ungetaufte kinder fort-
tragen, oft erscheint sie nicht allein, sondern als herrin
oder könig^n der berggeister, vrelche' huldrejolh genannt
we;:Jeu.**) auch auf Island weifs man von diesem Hui-*
ditfolk^ von den Huldumerin ^ und hier zeigt sich von
neuem die berührung mit dem deulsclien Volksglauben, der
neben der frau Holde zugleich holden , d. h. freundhche
geisler, ein stilles uuterirdisclies \olk annimmt, dessen
filrstin gleichsam frau Holde ist. Aus diesem grund scliou
wild es richliger seiu, die nord. beueunung HuUa^ Hui-
•) Mullers sagabibl. 1, 303^366.
") nälterc nugabeu findet mau in Müllern nagab. 1,867. 368. HbI-
lagei p. 48. Faxe p. 39—43. p. 10. 15. 2o. 26. 36. Frigge, n>t-
HHisgave lor IKI3 p. 8.%. StrOui» Soiidmöf 1, o38— 59. ViU»e» 8pj-
Hcberg 2, 411). MiU« iSilUjord p. 250.
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PBRAUTA 169
ilra aus dem altu. ad}, holli' (fidus, fidells; propiiius), das
dän» und scliwed, huld lautet, zu erklaren, iiiclit aus dem
altn. hulJa (obscurilas) mit bezieliung auf die Avolinung
der berggeister unter der erde, walirscliciulicli kam der
ausdi*uck huldufulk erst aus der dänischen oder norwegi-^
sehen spräche in die isländische. Schwerer zu deuten ist
das in den formen JJuldra, Huldre eingeschaltete R j
sohle es aus der pluralform hulder (boni genil, Ijoller yaet-
tir) herrühren? oder aus einer Zusammensetzung?
Die deutsche Holda steht demjspinnen und ackerbau
vor, die nordische Bulla der Viehweide und dem melken.
Ein ähnliches wesen, wie Holda, oder ganz dasselbe,
imter vei-schiedner benennung, erscheint gerade in den
oberdeutschen gegenden, wo jene aufhört^ in Schwaben, im
Elsafs,. in der Schweiz, in Baiern und Osterreich. *) es
keifst frau ßerchte, d. i. ahd. Perahta, die leuchtende,
glänzende, hehre; schon dem sinn des Wortes nach eine
gütige, freudebringende, aber nur seilen wird sie noch so
vorgestellt, gewöhnlich ist die grauenhafte seite liervorge-
Loben, sie tritt ab ein fürchterliclies, hinderschrei iende^
Scheusal auf. in den erzählungen von frau Jierchta
herrscht die büse bedeulung vor, wie in denen von frau
Holda die gute, d. h. durch die christliche volksaiisicht- ist
Berchta tiefer als Holda herabgewürdigt.
Ihre Identität ergibt sich am deutlichsten daraus, dafs
beide zu gleicher zeit, in den zwölften, zwischen Weih-
nachten und neujahr, ihren Umgang halten, docli ist für
Berchta ein eigenthümlicher tag am scldufs dieser periode
bestimmt worden, den ich nie nach frau Holda benannt
finde, nicht weniger gleichen sich ihre Verrichtungen.
Berchta führt, wie Holda, aufsieht über die spin-'
nerinnen, was sie am letzten tag des jahrs uuabgesponuen
findet, verdirbt sie (abergl. 512.) ihr fest muls durch eine
allhergebrachte speise begangen werden, brei und fische.
Thdrr sagt (Sseni. 75*), dafs er ^sÜdr ok hafra'* (heringo
und haber) zu nacht gegessen habe ; die weifse Jrau hat
dem landvolk auf ewige zeiten ein gericht ^«cAf^ luid lui-
hergrUtze verordnet, sie züi^nt, wenn es einmal unter-
Weibt (deutsche sagen no. 267.) den letzten lag im jähr
bescidieisen ^ie Thüringer im Saalfeldischeu mit knd'd^l
nui herinnen, fische und mehlspeise galt den Christen ge-
zicüieud für die faste. **)
*) eio tlieil vou Franken und Tliuringen keuut Berchta uud llolda ;
weaiüüteuA bt hier die greuze zwisclieu beiden.
**) Q&ch den brauuhcliw. auz. 1760 ]>. 1392 liolleu, wenn frau
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170 PBRAHTA
Seltsam und alteilln'imlich klingt tlie räche der zürnen«
den Berchtay wenn lisclie und kiöfee fclileu; sie schneidet
dein der andere speise an ilirem tag zu sich genommen hat,
den leib auf^ füllt ihn mit heckerling und naht mit einer
pßugscJutr statt der nadel, mit einer eiseniette statt des
z>viru8 den sclmitt am bauch zu (abcrgl. 525.) *) damit
wird auch in andern ge^eudeu gedroht, im gebirge um
Traunsteiu sagt man den kindcrn am Vorabend epiphaniae,
wenn sie bös seien, werde die Berche kommen und ihnen
den bauch aufschneiden, an diesem tage werden fette iu^
chen gebacken und bei den knechten heifst es, damit müsse
pian sich den bauch schmieren , dann werde Jrau Berche
mit dem niesser abglitschen (Selon, 1, 194,^ Vielleicht
führt sie darum den uamcn der wilden oder eisernen
Bert ha ? Crusius ann. suev, p. 2. lib. 8. cap. 7, p, 266 er-
zählt als seine vernuitung über des namens urspnmg, Hein-
rich 4 habe der Stadt Padua freiheiten verliehen : inde in
sigua libertatis armato carrocio uti coeperuiU in hello Ber^
tlia nominato« liiiic dictum hoc ortum puto, quo terrenlur
iuqiüeti pueri: ^schweig, oder die eiserne Bcr/Äa kommt!'**)
$m andern fränkischen und schwäbischen orten lififst sie
Hildaherta (etwa Verbindung der beiden uamen Holda und
ßcpta?) oAqt Bildaberta; in zottigem haar geht sie nachts
um die hUuscr und zerreifst böse hüben, ***)
Frau Precht mit der langen nas wird sie von
Vintler genannt (anhang ui) und schon ein mhd. gedieht,
das in einer hs. überscjirieben ist 'da:^ ma^^re vqu der Stem-
Holla iu den 12 nachten nmgeht, keine hülsen fruchte genossen wer-
den, entw. misverstanden, oder auf bestimmte hulsenfruchteznbezielieii.
•) im Vüigtland wird fast da8:»elbe erzahlt .von der Werre oder
fraa Holle, die Iferre hält am heiligen abende des hohen neuen Jah-
res genaue revision, ob auch alle rocken ahgesjtoniien sind; wo «
iiiclit der fall ist, Teranreint sie den flachs, auch mufs an diesen
abende polse ^ ein aus mehl und wasser ei^en bereiteter dicker brei
genossen werden; wer es unterläfst, dem reifst sie den leib auf* Jul.
Schmidt Reicheufels p. 152. Den namen tVerra (von den gewirrten,
sträubenden liaarenV) lehrt schon Thom. Reinesius lect. var. Altenb.
1640 p. 579 (in den critischen nnmerknngen zu Rhyakimis, d. i. Audr.
Rivinus oder Uachmann, über Kiranidum Kirani. Lips. 163B): 'no-
jstrates iiodieque petulantioril>us et refractariis manducum aliquem cnm
ore hiante Irendeuteni dentibus, aut fiiribundaro silvescente coma, fe-
qie lurida, et cetero habilu terribilem cum romitatu maenadura U ^r-
rani interminantur.' Reinesius war aus Gotha (geb. 1587 f 1667),
leble aber zu Hof im Voi<(t1and.
**) v*(i. Cruftius p. 1. lib, 12. cap. 6. p. 329 1 wo er an pertiia,
Carix uiutter, denkt.
*'*) Joacii. Cnmerarius chrouol. Nicephori p. \%9,
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PERAHTA 171
i)cn', lieifst ia einer andern ^von Berchten ?nit der lan--
gen nas^ *) was daraus hierher geliört vermag ich nur
üadi jeuer (in berichtigter Schreibung) mltzutlieiieu.
jiu merket reht waz ich iu sage:
nach ^Y?hennaht am zwelften tage,
nach dem heiigen ebemvthe **)
(gotgeb, daz er uns wol gedüie)
dd man czzen solt ze nahte,
vind man ze tische brähte
allez daz man ezzen solde,
swaz der wirt geben wolde,
do sprach er zcm gesinde
und zuo stn selbes kinde :
^ezzet litnte fast durch min bete,
daz iucli diu Stempe niht entrete!
daz kinlUn do von forhten az,
ez sprach ^veterltn, waz ist daz,
daz du die Stempen nennest;*
sag mir, ob dus erkennest.'
der vater sprach: ^daz sag ich dh^,
du solt ez wol gelouben rair,
ez ist so griuwelich getdn,
daz ich dh'z niht gesagen kani
wan swer des vergizzet,
daz er niht fast izzet^
Af den humt ez und trit in}
auch liier w^erden kinder und knechte vom hauswirt er-r
mahnt, die aufgetragnen gerichte rein zu verzehren imd
mit der Stempe tritten bedroht, von dem stampfen (drü-^
cken, treten, ital, stampare) mufs dieser beiname der
Berchte entsprungen sein; vielleiclit ist Stempje zu lesen«
Im salzbiirgischen gebirg wird noch bis auf heute der
frirchterlichen Perchtel zu ehren das sogenannte Perch^
tenlaufeuy Perchtenspringen zur zeit der rauchflächte
gcliaUcn. im Pinzgau ziehen dann 100 — 300 bursche (sie
iieifsen die Berchten) bei hellem tag in seltsamster ver«p
mummung mit kuhglocken und knallcyidon peitschen be-
^vafnet umher.***) im Gastein er tlial geht der zug, den rü-
stige bursche zu 50, 100 bis 300 anführen, von ort zu
ort, von haus zu haus, durch das ganze thal, hüpfend uud
*) V. der Hagens grundrifs p. 822. 329.
**) ebenweihtsg, gleictibeilger tag» neujahr. Schefie» Haltaus
p. 6a
***) reUe durcli OberdeutichU p. 243. Scbm. 1, 195.
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172 PERAHTA
spriageud. *) In der uördlichen Schweiz, wo neben
Berchtli auch die weichere form ßechllij Bechteli**)
vorkommt, ist Bechtelistag der zweite, oder wenn nen-
jahr auf einen Sonnabend faUt, der ^dritte jan., und er wird
von den jungen leuten durchgeh^nds in gesellschaftlicher
lustbarkeit gefeiert, man nennt es her cht ein j bechteln,
noch im 16 jh. herschte zu Zürich der gebrauch^ neujalirs
einander aufzufangen und zum weingelien zu nüthigcn:
das hiefs *'z\xvci Berchtold führen,***) Vielleicht dafs man
sich auch einen männlichen Bercht oder Berchtolt dach-
te, woraus dann in Schwaben wieder eine Brecht öl terin^
Prechtölterin wurde, f) Im Elsafs galt das hechten:
knaben und handwerksgesellen liefen zur weilmachts^eit
$ius einem haus, aus einer Stube in die andere und lerm*
ten. ff) Cunrat von Dankrozheim, ein elsässischer dichter,
in seinem 1435 verfafsten namenbuch : ff f )
darnauch so komet die milte Behte,
die noch hat gar ein grofs gesiebte,
er nennt sie die milde , den menschen gütige , vielver-
ehrte, nicht die schreckliche.
Als ein gutes, günstiges wesen erscheint sie noch in
manchen andern, gewis hoch in das mittelalter hinaufrei-
chenden Vorstellungen, die weifae fr au ist ihr schon dem
namen nach völlig gleichbedeutig, denn peralit, berht di-ückt
aus glänzend, leuchtend, weil's. diese weU'se frau pflegt
zwar an bestimmte geschlechter geknüpft zu werden, aber
^len namen Berta fortzuführen, z. b. Berta von Rosen«
berg. schneeweifs gekleidet zeigt Aq sich nachts in fürst-
lichen häusern, wiegt und trägt die kinder, wenn die am-
men scldafen: sie tritt auf als alle alminutter des ge-
sclilechts.
Es hat vieles für sich, dafs einige in unsern Überlie-
ferungen berühmte frauen dipscs namens mit der geister-
hafteft Berhta zusammenhängen: sie sind aus der götter-
sage in die heldensage aufgenommen worden. Eine weit
zurückliegende Vergangenheit pflegt mau in Italien und
Frankreich durch die redenßart zu bezeichnen: *nel tempo
ove Berta Jilat^a\ ^au tems que la reine Berthe filait \
CS ist wieder die Vorstellung der spinnenden hausmutter,
*) Muchar Gaätein p, 145. 147.
*•) wie sonst für Berclitiuig Bechtujtg,
•••) Stahl. 1, 150. 156.
f) Sclimid scliwab. wb. 93.
f-f> stellen bei Oberüii s. v. Beeilten.
fft) Ad. Walt. Strubel» beitr. Strasb. 1827 p. 128.
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PERAHTA 173
Bertay des kütiigs Blume und der Weifsblume tochter,
liernach gcmahlin Pippins, und muMer des grofsen beiden
Carl , verleugnet ibren mylbiscbeu Ursprung uicbt. sie
heifst ^Berhte mit dorn fuoze* Flore 309, Berthe au
grand pied ; nacb den Real! di Franza 6, 1: ^Berta det
gran pie , percbe ella aveva un pie im poco maggior dell
altro^ e queUo era il pie destro,' Adenez, der franz. dich-
ter,, scbeint diese misgestalt absicbtlich zu mildern, indem
er ibr beide füfse gröfser beilegt, sie ist ibm ^Berte as
grans pies* (Paris ausg. LH. 78, 104.) aber der eine
grofsfuCs ist echter imd gebt aus weit älterer Überlieferung
hervor von einer 'reine Pedauque*^ 'regina pede aucae\
deren bild an alten kircben in stein gehauen stebt« *) es scheint
der fufs einer schwanjungjrau ^ den sie (wie Huldra den
schwänz, der teufel den pfei'dfufs) zum zeichen ilirer höhe-
ren natur nicht ablegen kann« Hätten wir in Deutschland
ältere, genauere bescibreibungen von ^frau Berhta\ viel-
leicht würde dann auch dieses fuXses erwähnt.
Es ist jet2t noch übrig Ibr näheres Verhältnis zu ei-
nem bestimmten jahrstag auseinander zu setzen. Die christ-
licbe kirche feiert dreizehn tage nach Weihnachten, also
am 6 Jan. das fest der erscheinung Christi unter dem na-
men epiphania^ oder theophania (altfranz, tiephaine, ti-
phagne.) in einer ahd. glosse (emm. 394) wird theopha-
nia gegeben giperahta naht, die leuchtende nadit, von der
himmlischen erscheinung, die den hirten auf dem felde
widerfuhr. **) Urkunden des MA. datieren mit der dativ-
form: perchtentag, perhtönnaht (zi demo peralitin taga, zi
dem perahtün naht); diese und andere verkürzte formen
belegt Scheffers Haltaus p. 75 und Schm. 1, 194. hieraus
konnte sich nun ganz leicht die personification Perchten-
tac, Perchtennaht f d. h. der tag, die nacht der frau
Perchte entwickeln. Conrad von Dankrotsheim p. 123
setzt die mute Behte auf den 30 dec, ***) acht tage früher.
Zwei annahmen bieten sich dar. entw. hat sich das
fabelhafte wesen einer Perhta überhaupt erst zufällig und
durch misverstand aus dieser personification ergeben, oder
die analogie des leuchtenden tages ist an die früher vor-
handne Perhta geknüpft worden. Frau Perhta läfst sich
freilich erst aus dem 15 oder 14, höchstens dem 13 jh..
*) Aw. 3, 4T. 48; auch Paria verbindet die P^dauqae mit Berte
(III. IV. 198.)
••) Luc. 2, 9. O. I. 12, 3. 4. H^l. 12, 8. Maria 182.
***) 28 dec. nnacliuldige kiuder, 29 dec. Thomas, 31 dec. Silvester.
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174 (HBRODIAS)
hacW eisen ; aber jene Vermutung würde selbst Jann nicLl
zu weichen braueben, wenn es gelänge, den persönlicLen
nameu in noch altern dcnkmalern aufKUspüren. auch im
9 jlu könnte aus der formel pcrahtAn naht geworden sein
PerahtAu naht* Indessen scheinen 'mir die beigebrachleu
eigenheiten einer mythischen Berta, und noch mehr ihre
Identität mit Holda für den andern fall zu entscheiden,
gab es, unabhängig vom christlichen calender, eine llolda,
so wird auch die Perahta nicht erst aus ihm hervorgegan-
gen sein; vieimelu* fülu-en beide adjectivische benennungeo
auf eine heidnische gotthcit.
Sehr merkwürdig, dafs auch den Italienern eine unge-
stalte, kindersclu'eckcnde fee Befana aus epiphania (befa*
nia) entsprang: an diesem tage setzen frauen und kiuder
eine von allen lumpen gemachte puppe ans fenster: sie ist
schwarz und häfslich und bringt geschenke. nach einigen
ist sie des Herodes tocJUer."^) Berni sagt: *il di di Be-
fania vo porla per Befana alla feneslra , perche qualain
le dia d'una balleslra', **) es wäie doch seltsam, wenn
zweimal^ unter verschiednen Völkern, ein name des calen-
ders die crfindiuig eines übernatürlichen wesens veranlafsl
hätte ; wahrscheinlicher ist, dafs sich in Italien wie bei uns
ältere Volksüberlieferungen mit jener christlichen benen-
nung zu verschmelzen suchten.
Herodias, an die uns eben Befana gemahnte, soll das
noch mehr erläutern, die erzalilung von Herodes tochter,
durch deren tanz Johannes des täufers enlhauptimg her-
beigeführt wiu*de, mufs in der früheren zeit des ]MA. ei-
nen besonders tiefen eindruck erzeugt , und sich auf meJir
als eine weise mit fabeln gemischt haben, geistliche dichter
behandeln diesen gegenständ ausführlich und mit Vorliebe
(Hol. 83^85), Otfried scheint ihn absichtlich auszulassen«
Man wälmte, ilirer mehr leichtsinnigen als boshaften hand-
lung wegen (denn der gedaiike gieng von der rachsüchtigen
mutteraus), sei //erocZ/a« (die tochter) vei-wünscht worden, in
gesellschaft der bösen und teuflischen geisler umzuwandern,
sie wird an die spitze des wütenden heers oder der
nächtlichen hexenfahrten gestellt, neben die heidnische
Diana, neben Holda und Perahta, oder an deren platz,
im anhaug s. xxxiv. xlu. lu sind stellen angefülu-t, wel-
che diesen Volksglauben erweisen j es gibt aber noch an-
*) Rankes tiist. seitsclirifl 1, 717.
**) Franc. Berni rime 103. CruscA s. v. befana.
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(HERODIAS) 175
dere ausdrücklichere. Johannes sarisberiensis (-}• 1182)
im polycr. 2, 17: quäle est, qiiod nocliliicam quaiidam,
vel Herodiaderriy vel praesidem noctis doininam concilia
et coaventus de nocte asserunt convocare^ varia celcbrari
convivia etc. Augerius, episcopus conscranus (a. 1280):
tiidla mulier de nocturnis equitare cum Diana, dea paga-
norum, vel cum Herodiade seu Bensozia, *) et inhumera
mulierum mtiltitudine profitealur. Nicht zu übei'sehen ist,
dafs dem cullus dieser Herödias ein drittel der ganzen
weit eingeräumt, also die auselmlichste ausbi-eilung zuge-
standen wird. Ratherius (bischof zit Verona, aber ein
Franke, aus Lobi bei Cambrai gebürtig, ■{• 974) In seinen
praeloquiis (Maitene und Durand 9, 798. opp. edit. Bal-
lerini p. 20. 21): quis enün corum, qui hodie in talibus
usque ad perditionem animac in tantum decipiunlUr, ut
etlam ehy quas (Ball, de quibus) ait Gen. **), Herodiani
illam baptistae Christi iuterfeclricem, quasi reginam imo
deam proponant ; asserentes, tettiam iotius mtindi par-
tem illi traditäm: quasi liaec merces fuerit prophetae ocf-
cisi, cum potius sint daemones, talibus praesligiis infelices
Diulierculas , hisque miiltum vituperabiliores viros, quia
pcrditissimos^ decipienles. JNIerkwürdige ausfüMicliere nach-
richten von dei- tradition des ÄIA., die an Herodias ge-
knüpft wurde, enthält der erst neulieh bekanntgemachte
Reinardus 1, 1139 — 1164:
praecipue sidus celebrant, ope cujus, ubi omnes
defuerant testes, est data Roma Pelro,
Iraditaque injuslo Pharaildis virgo labori,
sed sanctifaciunt qualiacunque volunt.
Hac famosus erat felixque fuisset Herodea
prole, sed infelix hanc quoque laesit amor:
haec virgo thalamos Baptistae solius ardens
voverat hoc demto nullius esse viri.
oifensus genitor, coniperto prolis amore,
iusontem sanctum decapitavit atrox.
|)OStulat afferri viigo sibi tristis, et affeit
regius in disco lerapora trunca eliens.
mollibus allatiun stringens caput illa lacertis
perfundit lacrimis, osculaque addere avetj
^) Üacange s. t. Diana liest ßenzoria, hat aber die riclitige lesart
<• V. Beiuozia selbst ; die bedeutuug scheint bona socia, günstiges, hol-
des \ve:$en.
**) dies Gen. versteht Ballerini Hicht; vielleicht Gennadins (massili-
^Dsis) ein Schriftsteller des aasgehenden 5 jh«
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176 (DIANA)
oscula captantem caput aujugit atque reaufßat^
illa per impluvlum turbine flantis abit.
Ex illo nimium memor ira Johannia eaudem
per vacuum coeli flabiils urget iter:
mortuus infestat miseram, nee vivus amarat^
non tarnen hanc penitus fata perisse sinunt«
lenit lionor luchini; minuit reverentia poenani>
pars hominuni moestae tertia servit herae*
querciihus et corylis a noctis parte secunda
usque nigri ad galli carmina prima sedet.
nunc ea nomen habet Pharaildisj Herodias ante
saltria, nee subiens nee subeunda pari*
hier wird Herodias geschildert als die moesta hera^ cui
pars tertia hominum servit, der ehrenvolle cultus, des-
sen sie theilhaft geworden ist, mindert ihr herbes geschick,
von mitternacht bis zum ersten hankrat sitzt sie auf ei-
chen und haselstauden , die übrige zeit schwebt sie durcli
den leeren luf träum, sie war von liebe gegen Johannes
entzündet, die er nicht erwiedertej als sie das auf dem
teller getragne haupt mit thränen und küssen bedecken
will, weicht es zurück und hebt heftig zu blasen an; die
unselige wird in den leeren räum getrieben und schwebt
ohn unterlafs. warum sie späterhin (im 12 jh.) Pharait*
dis hiefs, errathe ich nicht, das leben der flandrischen hei-
ligen dieses namens (acta.sanct. 4 jan.) hat keinen ähnli-
chen zug; aber auch was die kirche von Johannes dem
täufer und Herodias berichtet (acta sanct. 24 jun.), riilirt
nicht an den inhalt jener Überlieferung, Herodias ist des
Herodes fraü, die tochter wird genannt Salome.
Es leidet keinen zweifei, dafs der christliche mythus
von Herodias schon im frühen mitlelalter mit einheimi-
schen heidnischen fabeln versetzt wurde; die Vorstellungen
von frau Holda^ dem wütenden beer, und den nachtfahr-
ten der Zauberinnen griffen ein, der jüdischen künigstoch-
ter fiel die rolle einer heidnischen göttin zu, wie Rathe-
rius ausdrücklich sagt; ihr cultus fand zahlreiche anhän-
ger. auch Diana ^ die nächtliche mondgottheit , die wilde
jägerin, bewegt sich in diesem kreise; Diana, Herodias,
Holda stehen für oder nebeneinander. Diana wird von
Eligius (anhang p. xxx) aufgefülirt, die stelle aus den con-
cilienschlüssen (xxxiv) ist hernach in manche Schriften
übergegangen (^xlii. lu), gleich der Herodias erscheint
Diana als domina und hera. das leben des heil. Caesai-iu»
arelatensis erwähnt ein ^daemonium, quod rustici Dianam
vocant', die benennung mufs ganz volksmäfsig gewesen
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(ABÜNDIA) 177
sein; jener bildseiüe der Diana aus Gregor, tur. 8, 15
habe ich s, 77 gedacht *) vorzüglich Aviclilig für dieaiis-
breitung des Dianacultus scheint aber eine stelle aus dem
leben des heU, Kilian, des bekehrers der Ostfranken (f 689) :
Gozbertus, dux Franciae — 'volens crebra apud se trac-
tare inquisitione , ulrum ejus, quem (Kilianus) praedicabat,
rd Dianas potius cultus praeferendus esset, Diana nam-
que apud illum in summa veneratione habebalur'. (Surius
4, 133 und acta sanct. BoUand. 8 jul. pag. 616.) Da frau
Holda in Thüringen, Franken luid Hessen vorzugsweise
fordebt, 80 ist nicht uuglaublich, dals schon im 7 jlu unter
biana in der gegend von Wirzburg keine andere als sie
gemeint wurde.
Der Herodias oder Diana Zurückbeziehung auf g^e-
fttalten des einheimischen beiden th ums, sei es des cellischen
oder germanischeu , wird endlich noch willkommen bestä-
tigt durch die sage von einer domina Abundia **) oder
dorne Habende aus franz. quellen des JNlA. Em paiiser
bischof Guilielmus alvernus (Guillaume d' Auvergiiej , der
1248 starb, redet (opera, Par. 1674 fol. 1, 1036) von nym-
phen und lamien : 'sie et daemon, qui praetextu mulierii^,
cum aliis de nocte domos et cellaria dicitur frcqueritare, et
TOcant eam Satiam a satietate, et dominam Abundiain
pro abimdanlia,***) quam eam praestare dicimt domibus,
3 aas frequcntaverit ; hujusmodi etiam daemones , quas
ominas vocant vetidae, penes quas error iste remansit,
et a quibus solis creditur et somnialur. dicunt has doini*
nas edere et biberc de escis et potibus, quos in domibus
inyeniunt^ nee tamen consumptionem aut imminutionem eas
facere escanun et potuum, maxime sl vasa escarum sint
discooperta et vasa poculorum non obstructa eis in nocte
relinquantiu*. si vero operta vel clausa inveniunt seu ob-
structa inde nee comedunt nee bibunt, propter quod infau-
stas et infortunalas relinquunt, nee satietatem nee ahun-
dantiam eis praestaates'. ähnliches wird p. 1068 wieder-
holt, p, 1066 aber heifst es: 'sunt et aliae ludificationes
malignorum spirituum, quas faciunt iuterdum in nemoribus
*) vielleicht ist auch die aaf insclirlfleii erscheinende, mit einer
b«oeooang des Schwarzwalds zasammeuhänf^ende uibnoba als Diana
hier zu berücksichtigen. Tgl. Passow zu Tac. Germ. 1 und Creuzer
altrom. cnltor p. 63. 65.
**) anklang Ton Abundia an die in der vorausgehenden anm. ge-
dachte Ahnnhn scheint zu «gering, um darauf gewicht zu legen.
*") anch die Römer personificierten ein iiöheres wesen Ahundantia
die aber nur auf münzen vorkommt, weder tempel noch altare hafte.
12
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178 (ABUNDIA)
et locls amoenis et froudosis arboribus ^ ubiapparent in
siinilitudine puellarum aut matronarum ornatu muliebri
et candido, interdum etiani in stabuüs, com luminari-
bu8 cereisy ex quibus apparent distillationes In comis et
coUis equorum, et comae ipsorum diligenter tricatae, et äu-
dies eo8, qui talia se vidisse fatent\ir, dicentes veram ce-
ram esse, quae de lumiiiaribus hujusmodi stillaverat. *) De
illis vero substantiis, quae apparent in domibus^ quas do*
minas nocturnasy et principem earum vocant dominam
jibundiam^ pro eo quod domibus, quas frequentant, abun-
dauliam bonorum temporalium praestare putantur, non ali-
ter tibi sentiendum est neque aliter, quam quemadmodum
de illis audivisti. Qwapropter eo usque invaluit stulti-
tia hominum et insania vetularum^ ut vasa vini et recep-
tacula ciborum discooperta relinquant^ et omnino nee ob-
struant neque daudant eis noctibus, quibus ad domos
8U08 eas credunl adventuras, ea de causa videlicet, ut ci-
bos et potus quasi paratos inveniant et eos absque diffi-
cultate apparitionis pro beneplacito sumant«
Der roman de la rose (Meon 18622 ff) erzählt:
qui les eine sens ainsinc degoit
par les fantosmes, quil regoit,
dont maintes gens par lor folie
cuident estre par nuit estries
errans auecques dame Habonde^
et dient, que par tout le monde
li tieri enfant de nacion
sunt de ceate condicion.
qu'il vont trois fois en la semaine,
si cum destinee les maine,
et par tous ces ostex se boutent,
ne des ne barres ne redoutent,
ains sen entrent par les fendaces,
par chatieres et par crevaces,
et se partent des cors les ames
et vont avec les bonnes dames
par leus forains et par maisons,
et le pruevent par liex raisons:
que les diversites veues
ne sunt pas en lor Hz venues,
ains sunt lor ames qui laborent
et par le monde ainsinc sen corent etc.
*) ?gl. deutsche sagen nam. 128.
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(ABÜNDIA) 179
18686« Dautre paii, que li tiers du monde
aille ainsinc apec dame Habonde,
ei cum fole» vielles le pruevenl
par lea visions que truevent,
doDt convient il sang nule fatUe
que trestoiis li mondee i aille.
Wie von Katherius und dem dichter des Reinardus ein
dritter theü der ganzen weit dem dicnste des Herodias er^
geben vorgestellt wird, so ist liier das nemUche auf dame
Uabonde angewandt. Herodias und Abundia sind also
einerlei, man pflegte längst die bekannte weit in drei
theile abzusondern. *) die weijsgekleidete domina erin-
aert an Perabta , die bona domina , bona socia **) an
Holda, die nachts auf eichen hausende Herodias an den
altdeutschen baumcultus. Es sind ursprünglich lauter gü-
tige wesen, deren erscheinung den menschen gedeihen
bringt und überllufs ; daher ihnen, wie befreimdeten geistern,
wie göttern zum opfer, speise und trank bei nächtlicher
weile aufgestellt werden. Holda, Berhta, Werra scheinen be-
stimmte speise zu lieben imd an ihrem festtag zu gewarten«
Wir haben bisher die namen und den cultus mehre-
rer güttinnen kennen lernen, die von gewissen Völker-
schaften Deutschlands imter verschieduen namen gefeiert
wurden (Nerdu, Hluodana, Tamfana, Holda, Berhta), ei-
nige ihnen ähnliche sind uns nur in ausländischer beuen-
Dung bekannt geworden (Isis, Diana, Herodias, Abundia);
von allen erscheint keine einzige l>ei den Angelsachsen.
Der angelsächsische geschichtsschreiber hat uns dage-
gen die namen zweier von ilim ausdrücklich für alte güt-
tinnen seines volks ausgegebner wesen gemeldet, deren da-
sein umgekehrt bei den übrigen Deutschen verschwindet,
zum klaren beweis, dafs hier wie dort das heidcnthum
erfüllt war von vielgestaltigen, vielnamigen gottheiten, de-
ren eigenschaften und Verehrung sich dennoch begegnete,
warum bei den weiblichen göttern diese mannigfaltigkeit
der form noch mehr überwiegt als bei den männlichen»
scheint aus dem gröfsern ansehn der männlichen haupt-
gottheiten gut erklärlich: sie waren zu berühmt und
zu hoch gehalten'^ als dafs nicht ihre vorzüglichsten be-
*) agitur pars tertia mundi. Ovid. met. 5, 372 ; tertia pars mandl
foinaDs perit Africa flamm». Coripp. 1 » 47 ; tertia pars orbis Europa
focatar. Waltlmr. 1.
**) vielleicht hängt die benennung socia zusammen mit der Satia
bei Goilielmus ak.?
12*
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180 HREDIA ? HRUODA ?
neanungen alle stamme des volks durchdrungen hftben
sollten.
Die beiden göttinnen, welche Beda (de tempornm ra-
lione cap. 13) ganz kurz, ohne nähere Schilderung, blofs
zur crklarung der nach ihnen benannten nionate anlübrt,
sind EdfStre und Hrede ^ von dieser hat merz, von jener
april seinen sächsichen uanien. ^ Rhedmonath a dea illo-
runi Rlieda^ ciii in illo sacrificabant , nominatur.' ^anti-
imi Anglorum populi — gens mea — apud eos Aprilis
Estarmonath^ qui nunc paschalis mensis interpretatur,
quondam a dea illorum, quae Eostra vocabatur, et cai
in illo festa celebrantur^ nomen habnit; a cujus nomine
nunc pasdiale tempus cognominant, consueto antiquae ob^
Hervationia vocabulo gaudia novae solennitatis vocantes'. *)
Es wäre uncritisch, dem Kirchenvater, der sich das
heidenthum überall abhält und weniger als er weifs da-
von niittheilt, die erfindimg dieser göttinnen aufzubürden,
sie haben nichts unwahrscheinjiches , ja die zweite dersel^
bcn wird durch eine deutliche spur in dem wortvorrath
der übrigen Stämme gerechtfertigt, der merz heilst sonst
alid. IcnzinmdnÄt, vom beginn, des frühlings (lenzo, len-
gizo) **) ; er könnte aber noch andere namen gefülu*t ha-
ben, das ags. adj. hräd (velox) entspricht dem ahd. hrat
(Diut. 1, 173) altn. hradhr; Hrede (gen. -ean) ahd. Ure~
tia'i wäre die sclmelle, vielleicht ein der Fortuna ähnliches
wesen, deren Sinnbild das rad (alid. lu-at oder hrad) war?
Obcrliii bringt aus Chorious ehrenkranz der teutscben
sprach, Strafsb. 1644 p. 91 Retmonat für merz bei, aber
ilicse form mag zuletzt aus Beda selbst hergellossen sein.
wenn es in der appenzeller reimclironik p. 174 heifst:
in dem Redimonet
die puren kanicn donet,
do der merzenmonet gieng herzu
an ainem morgen fru ,
do zimdentz Rorschach an,
so sclicint hier Redimonet^ nach einer in monatsnamen
gewühnlicl\,en versclüebung, der dem merz vorausgebende
februar; von Arx hat das wort ganz anders, wie mich
•) nacii einer Iis. (Koinieäeii opiisc p. 287, dies citat gibt Rath-
lef« Ho>a 11. Diepholz 3, 16.): 'vcteres auglicani populi vocaot Estor-
monatli pa«ctiHleni inenseiii, idijue a dea quadam^ coi teutonici popali
in paganisnio 8acriticia fecerunt tempore mensis aprilis, quae Bostra
est appe!lnta\
") gramm. 2, 610. laogez Diut. 3, 88.
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OSTARA 181
dünkt unpasiend, yod eiuem berg erklärt, es müsteu
aber noch mehr belege für die seltue form de8 monatsna-
mens aufgefunden werden und selbst die ags. lesart steht
noch nicht fest genug, wäre nemlich hr^dhenionadh zu
schreiben und der göttin name Hridhe ^ von lir^dhe glo-
riosus, famosus (Cädm. 136, 20, 198, 2), so ergäbe sich
die ahd. form Hruoda und eine ganz abweichende eiklä-
nmg. wirklich kommt im ags. menologium z. 70 *Mar-
dus redhe' vor, d. h. hr^dlie. *)
"Den april benennen wir noch heute ostermonat^ und
schon bei Egiuhart findet sich Sstarmdnoth. das heilige
fest der Cliristen, dessen tag gewöhnlich in den april oder
den Schilds des merz fällt; trägt in den frühsten ahd.
Sprachdenkmälern den namen öatard (gen. -ün) **), mci-
stentheils steht die pluralform, weil zwei ostertage (^star-
tagäy aostortag^, Diut. 1, 266*) gefeiert werden, dieses
Ostard mufs gleich dem ags. Edstre ein hölieres wescn
des heidenthums bezeichnet haben, dessen dienet so feste
Wurzel geschlagen hatte, dafs die bekehrer den nanieu dul-
deten und auf -eins der höchsten christlichen jalu^sfeste an-
wandten, alle uns benachbarten Völker haben die benen-
nung pascha beibehalten, selbst TIHilas setzt paska, kein
austrd, obwol ihm der ausdruck bekannt sein muste, ♦''*)
gerade wie die nord. spräche pdskir (schwed. pask, dan.
paaske) einführt, das abd. adv. Sstor bedeutet die rieh-
Uiug gegen morgen (gramm. 3, 205), ebenso das altn. ou,stf\
▼emmtUch ags. eästor, goth. austr? wiurzelhaft ist nur aus,
ÖS, eus (orieus), das ich ziun gr. ^w^, dor. uv)c: (obgleirli
hier das S nomitiativisch scheint) und zu aurora ^^f. ausora?)
halle; die lat. spräche hat das ganz identische aus f er auf
die niittagsseite (den siid) verschoben. In der edda führl
ein männliches weseu, ein lichtgeist den namen Aantri^
ebenso könnte ein weibliches Austr a heiCsen ; der hoeiid.
und Sachs, stamm scheint umgekehrt nur eine Ostara^
Edstre y keinen Ostaro ^ Edstra gebildet zu haben, f)
*) vgl. altn. hrd^hr (laus, gloria) und das ahd. hruoda frank.
chrod in zuüammenst'tzungeu («rramm, 2, 462.)
••) T. 157, 1. 3. 5. O. 1. 22, 8. 111. 6, 26. IV. 9, 8. J.vmii.
21,4. fragm. theot. XIV, 17.
"*) er wählt für oriens urrnns, für ocridens sag<|V«, auf^anp: und
•»iedergmig der sonne, kannte aber ohne zwelfel vistr (versus orcHen-
icm). Wurzel vis (rulie, stille, abend.)
i) zusammeu$(eäetzte ei;i(ennanien: Ot»troi>erht , Austroberln . Aii"
^trejrisil, Ostrogotha, wie Vitfigotha, Vistriuiund, Weslaralp, Suudarolt,
^ordherahl u. a. m.
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183 OSTARA ZISA
hierin liegt deutlich der grund, weshalb die NordlMndtf
päskir und nicht austrur sagen: sie hatten keine götlin
Austra verehrt, oder ihr cuitus war früher untergegangen«
Ostaruj Edstre mag also gottlieit des strahlende
morgens, des aufsteigenden lichts gewesen sein, eine freu-
dige, heilbringende ersch einung, deren begrif leicht für das
auferstehungsfest des christlichen gottes verwandt werden
konnte« freudenfeuer wurden zu ostern angezündet, und,
tiach dem lange fortdauernden Volksglauben, thut die sonne
in des ersten ostertages frühe, so wie sie aufgeht, drei
freudenspr'unge ^ sie hält einen freudentanz (abei^
81 3,) wasser, das am ostermorgen geschupft wird, ist
gleich dem weihnächtliclien , heilig und heilkräftig (abergL
775. 804); auch liier scheinen heidnische Vorstellungen auf
christliche hauptfeste übei^gegangen. weifsgckleidete Jung-
frauen, die sich auf ostern, zur zeit des einkehrenden
irühlings , in felsklüften oder auf bergen sehen lassen, ge-
malmen an die alte güttiu.
Auf Bedas nachrichten von Hrede und Eastre soll eine
schwäbische oder bairlsche^ wenigstens aus dem 12 jh.,
walirscheinlich aber ältere meidung von einer im beiden-
thum zu Augsburg verehrten göttin Ziaa folgen.
Der cod. monac. lat. 2 (vom j. 1135) und der cod.
emeram. F. IX fol. 4* (aus dem ^^13 jh. enthalten ein-
stimmig: 'excerpta ex galiica hystoria'. *)
'dum hec circa renutn geruntur in noricorum (über-
geschr. bawariorum) finibus grave vulnus romanus popu-
lus accepit. qiüppe germanorum gentes (übergeschr.
aueui), qne retias occupaverant , non longe ab alpibus
tractu pari patentibus campis, ubi duo rapidissimi amnes
(übergeschr. licua et wertluiha) inter se confluunt, in ip-
sis noricia finibus (übergeschr. terminis bawariorum et
suei^oruni) civitatem non quidem muro sed vallo fossaque
cinxerant, quam appellabant Zizarim ex nomine def
Ciz^j ^*) quam religiosissime colebant. cujus templum
quoque ex lignis barbarico ritu constructum, postquaiu
eo***) colonia romana dcducta est, inviolatum permansit,
ac vctustate coUapsum uonien f) colli servavit. hanc ur-
bem titus annius pretor ad arcendas barbarorum excur*
*) ich danke die niittlieilung Scliniellers gute.
**) am raud: ^quem male pollaerat cultiira nefarla dudum
gallus mohticaluDi liunc tibi ctza tulit\
'*•) am rand : *post coiidilam arbem augus/am a roinanU\
f ) raudiiutc : *ut usque liodie ab incolb cizunherc iiomlDetur*.
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ZISÄ 168
*
siones kal. scxtlUbii« (ubergeschr. cxacta jam estate) exer-
dtu drcumvenit. ad merulianani oppidi parlem^ que sola
a continenti (übergesclip. littoribus) erat, pretor ipse cum
legione martia castra operosisslme communivit. ad occi-
dtfttem vero, qua barbarorum adventus erat, duar, bögU'-
dii regis filius , cum equitatu omni et auxUidribus mace»
donum copiis inter flumen et vallum loco castris parum
amplo infelici temeritate extra flumen (überg, wert/ui/ia)
consedit. pulchra indoles, non minus romania quam gre^
(ds discipUnis instructa. igitur qiiinquagesimo nono die,
a^ eo ventum est, cum is dies dee cize apud barbaros
eberrimus, ludum et lasciviam magis quam formidincm
ostentaret, immanis barbarorum (überg, suei^orum) mul-
titudo, ex proximis silvis repente erumpens ex improviso
castra irrupit , equitatum omnem , et' quod miserius erat,
anxilia sociorum delevlt. apar, *) cum in hostium pote-
statem regio habitu vivus venisset, [sed que apud barba-^
roB reverentia?] more pecudis ibidem mactatur, **) oppi-
dani vero non minori fortuna sed maiori virtute pretorem
in auxilium sociis propei*antem adoriuntur. romani haud
segiiiter resistunt. duo principes oppidanorum habino ***)
et caccus in primis pugnantes cadunl. et inclinata jam
res oppidanorum esset, ni maturassent auxilium ferro so-
dl in altera ripa jam vlctoria potiti, deniqiie coadunatis
viribus castra irrumpunt, pretorem', qui paulo altiorem tu-
muiiun (überg. perleih) frustra ceperat, romana vi resi-
stentem obtruncant. legionem f) divinam (überg. marii'
am)j ut ne nuncius cladis supercsset, funditus delent.
Verres solus tribunus militum amue transmisso in |)roxi«
mb paludibus se occuUansff) honestam mortem subter-*
*) randnote : 'ex cujus vocabulo , quia ibi mactatas et tumalatus
wt, chrikesaperon nomeo accepit. grecus enim erat'. *
**) am rand : Mioc nomen terris bogudis dat regia proles
grecavar, pecudii» de suevis more litatiu\
***) am rand: ^refectus habeno se victum bicque sepultum
perpetuo montis nomine notificat
qni juxta montem occisos et sepultns nomen monti habenonherch dedit,
qnem nisttci baveaeobercli dicimt'.
t) an rand: M« liac ibi perdita legione adhnc perleich nomina-
tar\ mit kleinerer, aber gleiclizeitiger sclirift:
iodicat liic collis romanam nomine cladem
martia quo Ugio tota iimul periit.
subdidit huuc rome prcpes victoria petro,
hoc sibimet templum qui modo constituit*.
ff) ttm rand : ^hic quia iu paludibuü adjaceniibus latuit, lacui uerisse
iiBc ofque nomen dedit.
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184 ZISA
fiigU. nee mullo post sicilie procousul immani ayandt
turpem mortem promeruit« nam cum se magistratu afodip
caret iiulicio civiiim damnatus est'.
Das ßclbe bruchslück, nur oJine die übergeschriebenen
Worte und ohne das am rand hinzuge fügte , fiudet sich in
Goldasls rerum suev, Script, aliquot veteres (Ubn 1727
fol.) p. 3 unter der rubrik: ^J^elleii Galli fragmentum
de vicloria Suevorum contra Romanos\ auch wird *dea
Cisa^ und ''Cisara* geschrieben; statt Caccus ^Cacua^ y die
übrigen uamen stimmen, noch finde ich für loco paruitf
amplo die bessere lesart 'apto\ die parenthese *8ed qoae
apud barb. reverentia' fehlt, und am schhifs der salz: *nara
— damnatus esl\ Ich würde glauben, dals Goldast alles
aus Wolfg. Lazius reip. rom. libr. XII. francof. 1598 p.
52 hergenommen habe, wenn nicht in diesem abdnick
wieder einige abweichungen vorkjünen; die Überschrift
lautet : 'Velleii excerpta ex gallica historia' , es wird gele-
sen 'Cifiara aber 'CV^f'; *Habbino, Caccus, amplo\ ge-
schlossen mit promeruit. Lazius sagt: ^quam nos lüstoriam
in ^ pervetuslo codice membrana literis antiquissimis siri-
plam reperimus'. hiermit scheint doch eine über das
zwölfte jh. hinaufgehende, und vielleiclit beträchtlich altere
Schrift angedeutet; der wiener wahrscheinlich noch erhal-
tene cod. wäre neben den beiden münchnern und dem
goldastischen der vierte das stück enthaltende.
Dieser handschriften eine oder die andere scheint dem
Otto von Freisingen und dem Verfasser oder fortsetzer der
auersbe^ger chronik vorgelegen zu haben. Jener versucht
aber die sage an den Quintil. Varus (statt an Verres) zu
knüpfen, er fügt, nachdem er dessen niederlage erzählt
hat, (chron. 3, 4) lünzu : ^tradunt Augustenses lianc caedem
ibi factam, ostenduntque in argumentum collem ex ossibus
mortuorum compactum, quem in vulgari perleich^ eo quod
legio ibi perierit, usque hodie vocant, vicumque ex no*
mine Vari appellatum monstrant'. Den bericht des auers-
berger Chronisten, obgleich er das ältere bruchstück bei-
nahe wörtlich aufninmit , achte ich hier zu wiederholeD
darum für nöthig, weil die randglossen eigen thümlicli in
den text verwebt und auf gefundne steininschrif^en bezo-
gen werden. *)
De Augiista Vindellcorum vel Rhetiae. sicut ex scrip-
tis veterum coUigitur haec civitas tria nomina accepit« Gcr-
*) chron. Conradi ursperg. Argent. 1532 p. 308. ed. 1609 p. 225.
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ZISA 185
maDomm qulppe gentes primtim considentcs in partibus
Khedae^ qiiae nunc est pars Sueviae, non longo ab alpi-
bus in^planitie loco tarnen munito propler concursum du-
oram rapidorum fluminum lianc urbem construxerunt, et
non muris sed fossatis eam iirmayerunt , et ex nomine
(feßc ZizaCy quam religiosissime colebant, Zizerim eam
aominabant. hujus qnoque deae teniplum ex lignis bar-
banco rita constructnm, etiam postquam Romani eam io;-
colere coeperunt, inviolatum permansit, at vetustate col-
kpsum nomen colli serVavit, in quo postmodnm in lapide
exsculpti hi versus sunt reperti:
quem male polluerat cultura nefaria du dum
gallus monticulum hunc tibi Ziza lulit.
unde usque in praesens ab incolis idcm inonticulus Zizen^
herg nominatur. apud banc urbem Romaui deletl sunt
magna caede. nam Titas Annius praetor ad arccndas
Barbarorum excursioues cum excrcilu in kal. Augusli eam
circundedit, ipseqiie ad meridianam oppidi parlem, quae
sola patobat, castra sua cum legionc JMarlia operosissime
communivit. ad occidentem vero ultra iluvhun, ubi Sue-
\is aut Barbaris aditus patebat, Ai^ar Bogudis rcgis filius
nim omni equilalu et auxilio macedonico cousedil. igitur
quiuquagesimo noiio die, quam eo ventum est, cum is dies
deae Ziz^ apud Barbai'os celeberrimus esset, ludum et
lasciviam magis quam formidinem cives ostentarunt. tunc
etiam imniauis Barbarorum multitiido, quae de partibus
Sueviae illuc conveuerat, de proximis silvis repente erum-
peus ex improviso castra irrupit et Ai^aris exercitum de-
levit. ipsum quoque Avar regio Labilu indutam vivum
cpinpreheiidenles crudeliter in modum pecoris maclaverunt.
a quo iu loco, ubi mactatus est, vicus usque hodie appel-
lalus est Criechesaiferon^ in quo lii versus reperti sunt:
Ins nomen terris Bogudis dat regia proles
Graecus Avar^ pecudis de Suevis more litatus.
oppidani vcro non miuori fortuna sed majori \irtute prae-
torem in auxilium sociis properantem invadunt, quibus Ro-
mani band segniter rcsislunt. in quo conlliclu duo prin-
cipes oppidanorum Habino et Caccus in primis pugnan-
tes cadunt. et inclinala jam res esset oppidanorum, ni ma-
turasseut auxiliiun fen^e Sueui in altera ripa victoria jam
potiti* de nomiiiibus autem illonim principum iutcrfeclo-
nim exstant adliuc lora denominata, nam ruslici de Ha-
hirfone vocant nionticulum Habinoberg, in quo hi versn»
repeili sunt^
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186 ZISA
praefectus Habino sc viclum alqiie sepultum
perpetuo montis nomiue nolilicat.
a Carco vero dicunt Gegginen dcnominari. denique coa-
dunalis Suevia et oppidanis castra irrumpunt, et praeto-
rem, qui paiüo altiorem tuniulum frustra ceperat, romana
vi resistentem obtruncant, legionemque divinam, ut nee
nuncius cladis superesset, fiinditus delent. de hac perdila
legtone adhue perlaich ^ quasi perdita legio, nominatur,
ubi postmodiim hi versus sunt reperti:
indicat hie coUis romanam nomine cladem,
mai-tia quo legio tola simul periit.
solus Verres tribunus militum amne transmisso in proxi-
mis paludibus se occultans honestam mortem subtcrfugit,
lacui Vernse hucusque nomen dedit. versus:
das nomen lacui Verres quo tu latuisti.
hie tamen non midto post SicUiae proconsul effeclus turpem
mortem promer uit. nam cum se magistratu abdicaret ju-
dicio civiimi damnatus est. propter huuc V^errem tradunt
Augustenses hanc caedem fuisse eandem, quam sub Au-
guslo faclam quidam describunt, sed Varum illum uonii-
nant bis verbis: ea tempestate Varus^ romano more, sü-
perbe et avare erga subditos se gerens a Germanis dc-
letus est.
Auch einzelne spätere Schriftsteller gedenken der Über-
lieferung. Küchlin, ein geistlicher, dichtete imi 1373-1391
für Peter Egen den jungen , büi'germeister zu Augsbxu^,
der sein haus mit Vorstellungen daraus bemalen lassen
Avollle, eine geschichle der Stadt. *) darin 'heilst es cap. 2.
fol. 99 voii den Schwaben:
sie bawten einen tempcl grofs darein
zu eren Zise der abgöttin,
die sie nach haidnischem sitten
anbctten zu denselben zeilen.
die stat v^rard genennt auch Ztsaris
nach der abgöttin, das was der pris.
der tempel als lang stund uuvcrsert,
bis im von alter was der val beschert,
und da er von alter abgicng
der berg namen von itn empfieng,
dainif gestanden was das werck,
und haist noch hiit der Zisenberd,
Sigism. INleisterlin in seiner vom* acliteii cap. des ersleu
*) cod. monac. lat. 61 ; wieder Sclimellers mitilieilaiig.
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ZISA 187
budis an gedruckten augsburger chronik *) handelt cap. 5,
6* de» ZAveiten buchs von dieser Ciaa. im uiigedriickten
cap. 4 des ersten bezieht er sich unverkennbar auf Küch-
lio, und cap, 7 am ende wiederum: 'das er aucli melt
von der götty CVsa, die auch genent wird Cizais, das sy
geert habend nach jrem sitten, die doch aus Asia warend,
dawider seind die andern, die von Oysa schreibent, die
sprecheoty das sy die Yindelici habend nach schwebischen
Sitten angebettet, von der göttin wirst du hernah mer
haben ob got vVil (buch 2. cap. 5. 6.)
Unheilbare Widersprüche jenes Fragments liegen am
tage. Bogud, ein punischer sdiifshauptmann , der im }.
494 Roms, also 260 vor Chr. lebte, **) ist hier iu einen
macedonischen könig umgewandelt, und Avar sein solm
soll dem 200 jähre später auftretenden (ciceronisclien) Ver-
res, oder gar dem noch jüngeren Vanis gleichzeitig sein,
welcher Titus Annius unter dem praetor gemeint wird,
errathe ich nicht; ein gleichnamiger consul findet sich im
j. 601 und 626 der Stadt, 123, 158 j. vor Chr. Vellejus
Paterculus kann dergleichen nicht verfafst haben.***)
Aber all der unsinn^ den sie enthält, hebt den werth
der merkwürdigen Überlieferung für uns nicht auf. schon
der reinere, lateinische Stil thut dar, dafs sie nicht erst im
zwölften jh. niedergeschrieben sein kann; Lazius und Vel-
ser f) sind geneigt, sie in das carolingische zcji alter zu
setzen, zugleich scheint sie von einem ausländer, dem die
Deutschen Heiden und Barbaren waren, abgefafst. ich
möchte wissen, ob die von Lazius eingesehne vdener hs.,
wenn sie vielleicht dem 10 oder 9 jh. angehört, schon die
i*andg1ossen der niünchner hss. aufzuweisen hat? durch
diese glossen wird die örtliche anknüpfung der ganzen tra-
dition an Augsburg und die umgegend befestigt, und nicht
blofs die lateinischen verse, auch die deutschen formen
werlhaha, cizÄnberc, habino, habinonberc scheinen über
das 12 jh. hinaus zu reichen. Habo, Habino, Habinolf ist
ein urkundlicher ahd. mannsname; ein Cacus kenne ich
nicht , sprachgemäfser schiene Cagan , Cacan , worauf der
verglichene Ortsnamen Geginen leitet, einzelne der ange-
fahrten benennungen haben sich bis heute erhalten. Pe/'-
*) Augsb. 1522 fol.; Meisterlln schrieb sie im j. 1456, und starb
tta 1484. •
") Niebuhr» röm. gesch. 3, 677.
•••) G. Jo. Votoiui de liist. lat. 1, 24.
i) Marci Vel«eri rer. auguatanar. libri 6. 1594. fol. p. 45.
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188 ZISA •
lach heifst fortwährend die anhühe mitten in der $(adr,
nächst dem ratlihaus, auf welcher im j. 1064 das stift und
die kiiclie S. Peter gegründet wurde; die verse: subdidit
hunc (coUem) Roniae praepes victoria Petro scheinen aUo
später gedichtet? der namc perlei/f, den die sage auf per-
iens oder perdita legio zieht, gemahnt an das ahd. eiki-
leiiii, aigilailii (phalaux) gl. ker. 124. Diut. 1, 223; yieU
leicht war der hügel mit beeren bewachsen, -pcri/ciA , leih
ist auch in andern Zusammensetzungen vieldeutig« Zl^
senberg und Havenenberg sind heute verschollen, die dür-
fer P fersen (Veriss^) und Kriegshaber desto bekannten
auf welche weise die richtigere alte form Criechesaveron
immerhin zu erklären sei, es leuchtet hervor, dafs die be-
nenuung des orles Criahhes (graeci) avard (imago, vgl«
oben 8. 72. 81, sonst auch prolcs) den Graerus Ai^ar
erst erzeugt hat, wie Habinonberc den beiden Habino^
des auei-sbcrger Chronisten angäbe, die lateinischen verse
seien an allen diesen orten ciugehauen gewesen, ist oline
Zweifel zu verwerfen.
Es ergibt sich, dafs die Überlieferung, nach Uirer weise,
gegründetes und erdichtetes mengte; das merkwürdigste
was sie enthält ist aber die uachricht von einer suevi-
schen göttin. Cisa scheint ältere, bessere Schreibung, Ci&d
weniger deutbar, aus der göttin namen lälst sich indes«
sen Cisara, als benennung der Stadt, schwerlich herleiten,
wenn es rein deutsclie formalion sein soll, denn nie wer-
den Ortsnamen auf solche weise aus weiblichen oder
männlichen eigenuamen gebildet. annehmlicher schiene
Cisara = Cisae ara^ nach dem altar und tenipel der gott-
heit ; die späteren Schreiber entstellten Cisaram in Ziza^
rim, Zizerim? Cisa wird von den Sueven aufs eifrigsle
(religiosissiüje) verehrt, ihr Jahrestag ist ein hauptfest, dem
spiel und der freude geweilit; dieser tag wird genau als
der neunundfunfzigste vom ersten august an beschrieben :
er fiel also auf den 28 sept. zu dieser zeit konnte eiu
fest der gotlheit begangen werden, die das gedeihen der
eben eingebracliten ernte verliehen hatte. den 29 sept«
feierten die Christen einen iln^er hehrsten tage, des heil.
Michael, bcmerkenswerth scheint, dafs die Sachsen ihr
gi'ufses heidnisches fest etwa in die neinliche zeit, in ute
drei ersten octobertage legten (Wilerli. corhej. p. 683.) in
dieser überlieferten, siciier echten Zeitbestimmung finde ich
diu j;lsubwürdigkeit der sage bestätigt.
Wer ist nun Cisa? man dürfte an des Tacilus sue-
vJHihe fsis (s. 157) denken, deren name die nächble
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PRIKKA PaOÜWA 189
liliiilicheit mit der deutschen göttin darbot, doch der
Schwab. Ciestagf Zistag (s. 68) bringt auf eine andere,
vielleicht vorzi^iclierc nnilniafsung : der männliche gott
Ziu, gen. Ziwes, Zies (vgl. Ziestag, Zisara) wäre in eine
gättin verdreht woi'den? oder übergegangen? das 8 in
dem frauennauien unorganisch eingeschoben oder zutre-
tende ableitung? Zi&unberc gleicht dem Zisberc (s. 133.)
Dürfte man den namen der ahn. parze Dis^ goth. Deisj
ahd. also Tis vergleichen? Entscheidet man sich aber
für die Schreibung Ziza oder Ztza'i so wüste ich einmal
das ags. Taetva (anhang p. xvi) und etwa Zeizenmüre (Nib.
. 1272, 3) in anschlag zu bringen.
Die Untersuchung wendet sich nunmehr zu den göt«
tinnen der nordischen glaub ensl clu'e , von denen sieh auch
im übrigen Deutschland unzweideutige spuren ergeben.
Zuerst treten uns Frigg^ Odhins gemahlin, und Freyjuy
Freys Schwester, entgegen, beide nach ihren ähnlichen na-
men verwechselbar und oft verwechselt, ich will sehen,
ob eine strengere etymologie sie scheiden und auseinander
halten kann.
Leichter scheint der name Frey ja : er ist olme zwei»
fei moviert aus dem männlichen Freyr (gramm. 3,335.) da
nun Freyr in dem goth. frauja erkannt wurde (s. 135),
läfst Freyja ein goth. frauju, gen. fräujöns erwarten, sowol
mit der allgemeinen bedeuluug von donüna, herrin, als in
der besonderen eines eigennamens Frdujö. der begrif von
herrin geht uns bei Uiülas ab. desto häufiger drücken ihn
die ahd. denkmäler aus durch frouwäy fiöwd und mhd.
haben sich Jrouwe , Jrou , nhd. frau allgemein erhalten,
während das mänidiche fr6 vülhg erloschen ist. ilirem
sino nach stehen frouwe und frau vollkommen dem'h^rre,
herr zu seile und werden gleich diesem in der anrede und
sonst verwendet* *) unsere minnesänger streiten über den
Vorzug der namen frouwe (donüna) und wip (femina) **),
wtp bezieht sich mehr auf das geschlecht, frau auf die
vriurde ; noch heute ist uns frau edler als weib, doch be-
*) wie nnsy><$, fehlt jetzt das altfranz. dame (dominus); dorne
(domiDa) ist gebliebeo , wie unser frau. spau. haftet don und dvna^
ttai. nur donna, den niäuniiclien begrif drücict die roman. spraclie
durch zwei andere Wörter aus, jenes aire^ sieur (s. lö), dann durch
*figneiin sig/wre, seZor, d. h. i»eiiior, woraus itel. signora^ spau. senura
»oviert werden, aber kein franz. fem.
•'} Waith. 48. 49. 57. Anigb. 45b 46% m». 2, 182b 216* Do-
cell mJAc 2, 278. 279.
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190 FRIKKA FROÜWA
t
zeiclinet auch (Jas franz. femme manches, vras in tinserm
fi^au liegt, bemerkenswerth scheint, dafs die dichter den
Zusammenhang des Wortes frau mit froh und freude
(s. 136. 187) hervorheben, vgl. Frfdank 106,5—8. Tit. 15, 35.)
Gerade umgekelirt haben die ags. und alts. spräche,
welchen beiden das masc. frei, fraho ungleich geläufiger
w^ar, als der ahd. frouwo, kein fem. daneben entwickelt
die mnl. mundart kennt prautpe ^ vrouwe als anrede und
tilel (Huyd. op St. 1, 52. 356. Rein. 297. 731. 803. 1365.
1655. 2129. 2288. 2510. 2532. 2557. 2564 u. s. w.)
seltner in andern fallen (Rein. 2291); das nnl. i^rouw hat
seine bedeutung ausgedelmt noch über die grenze des nhd.
frau.
Allein diesen dialecten sämtlich gebricht der weibliche
eigenname , im gegensalz zum altn. , welcher Ireyja fast
nur als namen der güttin besitzt und kein freyja = hera.
doch sieht hus freyja (hausfrau) Swm. 212** und Snorri
weif 8 noch, dafs freyja ein tignarnafn und von der göllin
abgeleitet ist, *) vornelmie frauen, rtkiskoftur sind freyjiir.
Sn. 29. Yngl. saga c. 13. die lesarten frAr, fi-uvor schei-
nen hier verwerflich, denn die isl. form fru ist offenbar
aus dem dän. frue^ schwed. fru, und dieses aus Deutsch-
land eingedrungen, die göttin würde schwed. Fröa^ dän.
Fröe heifsen, ich bin* ihnen nirgends begegnet, das schwed.
Volkslied von Thors hammer nennt Freyja Fröyenbor^
(das dän. Fridlefsborg) , ein anderes dän. hat schon Fru.
Saxo geschweigt der göttin, wie ihres vaters, überall, er
würde sie wol auch Fröa nennen.
Von Freyja, gen. Freyju wird Frigg^ gen. Friggfar,
genau gesondert, tochter des Fiörgvin, gattin des Odhinn;
Saxo gramm. p. 13 hat richtig Frigga, Otliini conjux.
in formein treten beide deutlich nebeneinander auf: svl
hialpi ther hollar vaettir, Frigg ok Freyja, ok fleiri godb,
sem thA feldir mer fär af hündom !' Srom. 240**. jenes
dän. Volkslied ebenso ^Frigge, Fru og Thor'.
Die altn. spräche pflegt GG zu haben wo die ags. CO,
die ahd. CC oder KK, d. h. wenn nach G oder K ablei-
tendes I im spiel ist, z. b. altn. egg (acies) ags. ecg, alid.
ekki; alln. bryggja (pons) ags. brycge, ahd. prukka^ altn.
*) wie von Fr&njd fraujd, von Freyja freyja, soll nach einem ui-
gedr. Hede Frauenlobs in der Jen. Iis. von einem frank, könig ffippfo
der name wip stammen, hallt hier ein mythischer Wippo, Vibba (aab.
p. viii) nach? die deutnng ist so faltch wie die eddiicbe des wortec
vtf aus veia, vgl. gramm. 3, 323.'
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Fai&KA FROUWA 191
btygffc (dorsum), ags« hrycg, ahd. hrukki. folglich ags.
Frivg t aUd. Frihha, Irikkiay abstehend von Frouu^äj
noch mehr als Frigg von Freyja.
Aus vei^wechselung beider wesen erklärt sich nun-
mehr, Vfie Adam von Bremen, oder seine quelle, dazu ge-
langte den Freyr statt Fru zu nennen Fricco (oben s. 138);
fiir Freyja würde er gesagt haben Fricca. Fricco, Fric-
cho, Friccolf sind gangbare ahd. eigennamen.
Femer scheint jetzt erklärbar, was sonst unerklärlich
wäre, warum der sechste Wochentag, dies Veneris, altn.
genannt wird nicht bloi's Fre^judagr^ sondern auch Frta--
dagr, ahd. niemals Frouwüntac, sondern I^riatacj Fr ige-
tac, nhd. Frehagj ags. Frigeä'dg (f. Fricgedäg)? vgl. oben
s. 88. 89. farüisch Frujggjaded (Lyngbye 532.)
Unter den angeführten formen hat die ags. keinen an«
stofs, in dem alid. und altn. namen befremdet die abwe-
senheit der gutturale.
AuEschlufs gewährt, wie ich glaube, die wichtige stelle
des Paulus Diac. 1, 8, worin AYodans gemahlin Frea
heifst, womit nur Frigg, nicht Freyja kann gemeint sein,
wie denn auch Saxo gramm., mit ausdrücklicher beziehung
auf Paulus, sich der form Frig bedient (Paulo teste au»
clore Frig dea.) *)
Dies langob. Frea stimmt zu dem ahd. Frta , ich
haUe es für identisch mit Frigg y ja für die urform de«
namens ; mit Freyja und dem £^. masc. frea hat es nichts
zu schaffen, wie sich ein altn. brü (pons) zu bryggia ver-
hält, wird sich fri verhalten zu frigg. das langob. Frea
ist = Frea, Fria, Frija, Fria. zu seiner wurzel leiten die
Wörter goth. freis, frijis (Über), ahd. fri, goth. frijdn
(amare) ahd. friun, und vorzüglich darf das alts. neutr. frt
(mulier^ Hdl. 9, 21. 13, 16. 171, 21. 172, 1., das ags. free
(mulier) Cädm. 29, 28 freolic cven (pulchra femina) Beov.
1275. freolic faemne Cädm. 12, 12. 54, 28**) angeschlagen
werden, da nun frt (über) und frech, altn. frekr (proter-
Tus, impudens) verwandt scheinen, so zeigen schon diese
adj. formen den Übergang der substantivischen.
Was ich auseinandergesetzt habe lehrt, dafs die for-
men und sogar die bedeutungen beider namen nalie zu-
sammenstofsen. Freyja sagt aus die frohe, erfreuende,
liebe, gnädige göttin, Brigg die freie, schöne, liebenswür-
dige; an jene schliefst sich der allgemeine begrif von frau
*) die ags. chroDisten s. 91 nelimen Frea ans Paulus.
**) ?gL mbd. wipttch wip. Parz. 10, 17. MS. S, 182b 858«.
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192 FRIKKA FROÜWA
fberriB), an diese der von frl (weib.)*) Rolda von hoM
(lieb) gleicht beiden.
Desto begreitticher wird die mischung der mythen
sein. Saxo p. 13 erzählt, wie Frigga^ um gold für ihren
schmuck zu erlangen, ehliche treue verletzt habe; aus-
führlicher uud mit abweichenden umständen scheint die
sage von Freyja (Sn. 356) dasselbe ahenteuer. indessen
haltet auch bei anderm anlafs auf Frigg die schuld des
ehbruchs (Saem. 63. Yngl. saga cap. 3.) Sn. 81 ist vom
valshamr der Freyja, Sn. 113. 119 von dem der Frigg
die rede, fiir jenen streitet Sasm. 70.
Darum schwankt die benennung des wochentags, der
ahd. FrtaiViC ist deutlich ein altn. Fnggjardag,r j der
altn. Frejjudsigr wäre ein ahd. Frouu^uniac, Darum
schwanken die benennungen eines gestirns und einiger
pflanzen. Orions gürtel, sonst auch Jacobsstab und spind<l
(colus, 7;>LaxaT7;) geuannt, heifst unter dem schwed. volk
Friggeroch (colus Friggae) **) oder Fr ejeroh, ***) wie schon
8. 167 angemerkt wurde, orchis odoratissima , satyiium
albidum, eine ])Qanze aus welcher liebestränke gekocht
werden, isl. Friggjargras , sonst auch hionagras (herba
conjugalis.) f) Die spätere christliche ansieht ersetzt die
heidnische göttin durch Maria, der gemeine mann auf
Seeland benennt jenes gestirn Mariärok, Mariroh, meh-
rere arten des farrenkrauts, adianthum, polypodium, asple-
nium heifsen frauenhaar, junglrauenhaar, Mariengraa^ ca-
pillus Veneria^ isl. Freyjuhdr, dän. Fruehaary Venus-
straa^ Venusgräs^ norweg. Marigras u. s. w. sollten
auch hier nord. namen aus lateinischen entsprungen seia,
sie zeigen» wie man Venus durch Frigg, Freyja und Ma-
ria übersetzte.
Frigg ^ als des höchsten gottes gemahlin, hat den
rang vor allen übrigen göttinnen, sie weifs der menschen
Schicksal (Stem. 63^. Sn. 23. 64), nimmt eide ab, diener-
innen vollziehen ihr geheifs, sie steht den eben vor und
wird von kinderlosen angefleht (foruald. sog. 1, 117.) da-
her jenes hionagras = Friggjargras. In einigen theilen
*) goth. fri = sanskr. pri; saaskr. prt (amare) goth. frijöa, alid.
frindil, mlid. vriedel (aniicus) serb. prijatel, littli prieteliis, sHn.<kr.
prija (gratus). Sclielling (gotth. von Samotlirace p. 65) stellt du
per». Peri (fee, guter eagel) mit Freyja zusammen.
••) Ihre p. 663.
***) Finn Magnussen 361*.
t) daselbst 378.
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FBIKKA FROUWA 193
des nürdliclieii Eüglands^ in Yorkshire; sxunal Hallam^ire
zeigen gebrüuclie des volks Überreste des Fricgcultus* m
der gegend von Dcnl halten zu gewissen jalirszeiten, vor-
züglich im lierbst die landleute einen Umgang und führen
verinumnit alte tanze auf, was sie den riesentanz heifsen:
den vornehmsten riesen nennen sie fVoden und seine frau
Frigga , die haupüiandlung des Schauspiels besteht dar-
in, dafs zwei schtverter um den hals eines knaben ge-
schwungen und geschlagen werden, ohne ihn zu verletzen. *)
Noch bemerkenswerther ist aber die deutliche spur der
göttin in Niedersachsen^ wo sie unter dem volk fru Freie
heüst, **) und in den rollen auftritt, die wir s. 165. 166
der frau Holle überwiesen : zugleich die triftigste bcstäti-
gung der göttlichen natur dieser letzteren, eine vollstän-
digere samlung aller noch jetzt in England und Nieder-
sachsen fortdauernden Überlieferungen von Frigg und
Freie wäre zu wünschen«
Freyja ist nach oder neben Frigtf die geehrteste
göttin^ ja ihr cnltus scheint noch verbreiteter und bedeu-
tender gewesen zu sein, sie lieifst ^agaetuz af Asynjum'
Sn. 28, und 'blötgydlija' Yngl. saga cap. 4, der häufige
Opfer gebracht werden* Heidhrekr opfert ihr einen eher,
wie sonst dem Freyr, und ehrte sie vor allen gottern. ***)
Sie v/ar einem manne (keinem gott, keinem As wenig-
stens) namens Odhr vermählt^ der sie aber verliels und
den sie, thränen vergiefsend, in der weiten weit, unter
fremden Völkern, aufsuchte« ihre thränen waren golden,
das gold beifst Freyjas thränen, sie selbst grutfagr (schön
im weinen.) Sn* 37* 119. 133. Nach den ältesten Zeug-
nissen erscheint sie aber auch kriegerisch, auf einem mit
zwei katzen bespannten wagen (wie Thorr mit zwei bö-
cken fahrt) f) zieht sie zur kampfstätte^ ^ridhr til vigs'
*) mittheilbog: Von John M. tCeniblä, flu^ dem tnünd eines 'old
Vorkshireman'. das schauert beziehe ich abf die alte anwendün^ die-
»er waffe bei hochzeiten, t^l RA« 426. 427. 481, besondere p. 167.
16B die altfries. sitte. noch im 18 jh^ trugen in Schwaben die braut-
fulirer groCse Schwerter mit flatterndem band vor der braut hc^ merk-
würdig stimmt der ehstnische brauch (anhang s. cxx, 13.)
••) Eccard de orig. Germ. p. 398 i ^cclebrator in picbe sazonica
fru IWke^ cnl eddem mmiin tribunntur^ quae snperiores Sazones Hol-
<lae soae adacribant'^
*'*) Hervararsaga ed. rerel. p ISl8. ed. 1785 p. 124; in der ausff.
der fomald. sog« 1, 463 ist die stelle als Unbestätigte tariaote in die
»ote verwiesen«
+) Freyjahat einen wagen wie Nerthns(Ftejrsmntter?), wieHoIda
«od Freyr selbst, Wuotan and l>onflr, vgl. s. 78. 74. 152« 153. 154.
IM; mir grofsea erhabnen gottbeitea gelahrt der iLÖnigliche wagen.
1»
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194 FRIKKA PROOWA
und tlieilt sich mh Odhinn In die erschlagnen (oben §• 95,
vgl. Seem. 42* Sn, 28. 57) sie wird genannt *eigandi val-
falls' (quae sortitur caesos in pugna) Sn, 119; valfreyja
Nialssaga p. 118. ibrc wohnung führt den namen Fölk-
vÄngr oder Fölkvangar, ilir saal Sessrymnir, der sitzrätt-
mige, die menge des volks aufnehmende: sterbende frauea
glauben nach dem tod in ihre gesellschaft zu gelangen.
ThArgerdhr (Egilssaga p. 603) weigert sich irdischer nah-
rung, sie denkt bald bei Freyja zu speisen: ^ok engan
(n&ttverdh) mun ek fyrr enn at freyjü^. Ihr behagea
aber auch liäbeslieder und liebende sollen sie anrufen:
'henni Itkadhi vel mansöngr, d hana er gott at heita tQ
4sta\ 8n. 29.
In so weit solche yergleichungen zulässig sind, würde
ttigg mit Here oder Juno, zumal der pronuba, Jupiters
gemahlin, Frey ja mit Venus, aber auch der nach Osiris
suchenden Isis , auf einer linie stehen. Freyr und Freyja
gemahnen an Liber imd Libera (Dionysus und Proserptnt
oder auch Demeter, an sonne und mond.) Maria konnte
die gBttermutter ersetzen und die göttin der schönhdt
wörtlich stimmt Frigg mehr zu Libera, Adams Ton Bre-
men FriccOy als gott der liebe, dem namen nach zu Li-
ber, im begrif zu Freyr.
Die angeführte stelle des Paulus Diac. ist eins der
glänzendsten, unablelmbarsten Zeugnisse iur die einstifli^
mung der nordischen tmd deutschen mythologie. ei&
Schriftsteller aus Carl des grofsen zeit meldet uns, dafs dii
Langobarden Wodans gemahlin Frea nennen, wie sie in
der edda Frigg heifst. weder hat er dies geschöpft aus
nordischer übeiiieferung, noch viel weniger ist seine nadn
rieht, durch Saxos vermittelung, quelle des nord. glaubens
geworden.
Aber auch für Freyja besitzen wir ein wichtiges Süs-
seres Zeugnis, nach der edda war ihr ein kostbares hals-
band eigen, Brtatnga men (Brisingorum monile) genannt,
sie heifst ^eigandi Srtatngamens*. 8n. 37. 119. wie si«
das geschmeide von zwergen erworben, vrie es ihr von
Loki hinterlistig geraubt wurde, (übrt eine eigne erzähluDg
aus. Sn. 354 — 357. Loki heilst darum den dichtem BrU
stngs thiofr (Thorl. obs. 6, 41. 63); ein verlornes cdda-
^ed enthielt, wie Heimdallr mit Loki um diesen sclunudi
gestritten. Sn. 105. Thorr, als er zur Wiedererlangung des
hammers in Frey^as gewaud gekleidet wird, unterlä&t
nicht, ihr berühmtes luJsband anzulegen: ^afi hann it
mikla men Brtatnga P Saeni. 72. Von diesem •cfamock
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FaOÜWA HBLLIA 195
wdfs nun offenbar andi der ags. dichter des Beovulf 2399,
er nennt ihn Brosinga mene, ohne bezug auf die göttin.
Ich möchte Brisinga mene lesen und das wort überhaupt
ans der würzet mhd. brisen, breis (nodare, nodis constrin-
gere) herleiten : die halskette war aus gelenken geschhin-
gen. vielleicht heiTsen die schmiedenden zwerge Brisin-
gar? Das geschmeide hängt so genau mit der mythe von
Freyja zusammen, dafs seine erwähnung in der ags. poe-
sie aiit Sicherheit auf die Verbreitung der sage von Freyja
unter dem sächs. volksstamm schliefsen läfst; imd wenn
die Gothen FrAujd göttlich verehrten, werden sie auch ein
Breisigga mam gekannt haben?
Noch unzweifelhafter als Frigg und Freyja erscheint
imter den übrigen Deutschen die altn. göttin Hei ^ gen.
Ud)ar: goth. Halt, gen. HaljAs, ahd. Hel/ia, gen. HeUift;
nur dafs sich der persönliche begrif allmälich ganz in den
localen von helle, höUe, aufenthalt der todten, unterweit,
ort der strafe auflöste, ursprünglich ist Hellia weder der
tod noch ein böses wesen ; sie tödtet und verfolgt nicht,
sie nimmt der al^eschiednen menschen seelen in empfang,
nnd -hält sie unerbittlich in ihrer wohnung fest
Nach der edda war Hei Lokis und einer riesln toch«
ter, Schwester des wolfes Fenrir und einer ungeheuren
scblange. Sie ist halb schwarz und halb menschenfarbig
{hlA Mlf en h&lf medh hörundar lit) 8n. 33, nach art der
eisterfarbigen leute des mittelalters ; in andern stellen vrird
blofs ihre schwarze färbe verglichen: bldr sem HeL
Nlalss. cap. 117. forum, sog. 3, 188. vgl. Heljarshinn
lachenfarbe der haut. Nialss. cap. 96. *) JUire wohnung
ist tief im dunkel der erde, abwärts unter einer wiirzel
des Yggdrasill, in Niflheim, das innerste heifst dartun
I^iflhelf da liegt ihr hof (rann) und ilire säle. Sfem. 6*>
44* 94* Sn. 4. Ibre Schüssel heifst hdngr ^ ihr messer
*) anch die alten stellten Demeter, als zürnende erdgottin schwarz
dar (pansan. 8, 42. O. Müllers Eumeniden 168), ja zuweilen ihre der
Unterwelt verfallene tocbter, Perseplione, die schöne Jungfrau : Proser-
proa /urt^a (Censorin. de die natal. c. 17.) der schwarzen Aphrodite
(Melaais) erwähnt Pansanlas 2, 2. 8, 6. 9, 2f und Athenaeus (boeh
13) ; beluuint ist die ephesische schwarze l>iana and dafs im mittelalter
schwarze Marienbilder geschnitzt nnd gemahlt wurden, die beil. jung-
fraa erscheint dann als trauernde erd oder nachtgöttin : solche bilder zu
Uretto, Neapel, Einsiedeln, Wfirzburg (A. W. 2, 209. 286) Ottingen
(Göthes briefw. mit einem kinde 2, 184) Pny (Bfischings nachr. 9.
S12— .883) nnd anderwärts, vgl. endlich die schwarze Befana (oben
s. 174) lad Uau0 (schwnrse) HuMra (a. 168.)
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196 HELF.1A
aultr , gleichbedeulige namen, ibi'C uncrsottlicho gier ««•-
zudrücken. Die todten faliren zu ihr nieder, fara til Hei»
jar^ eigentlich nur die in krankheitcn und vor aller ge-
storbnen, nicht die im kämpf gefallnen, Valhalla eiiuieh-
mendeii. abgezogner sind schon die redensarten t hei slä,
berja t hei, in die helle schlagen, zur unterweit senden
tödten; / helju vera, in der unterweit, todt sein. fomakL
sog. iy 233. hieraus ist den neunord. dialecten, ein gauz
abstractes und entstelltes, schwed. ihjäl, dän« ihiel y d. k
todt entsprungen, den begrif der unterweit geben diese
neueren sprachen nur durch eine Zusammensetzung, schwed.
helvete, dän. helvede, d. L altn. heMti (supplicium infer-
nale), abd. hellawtziy mhd. hellewtze. Die unbarmher-
zigkeit der eddischen Hei wird ausdrücklich bervorgeho*
ben, was sie einmal hat, gibt sie nie zurück:
haldi Hei tlivt er hefir. Sn. 68
gleich dem wolf der thierfabel (Reinhart xxxvi), wie ^
wölfischer natur und herkunft ist; umgekehrt wird dem
wolf ein höllischer raclien (guttur infernale) beigelegt«
Saxo gramm. p. 43 gebraucht für Hei ganz passend
das lat. Proserpina, er läfst sie Balders tod ansagen. Nach
dän. Volksglauben soll Hely als dreibeiniges pferd umge-
hend, pest und seuche verkündigen; ich werde im verfolg
davon handeln.
Auch das deutsche mittelaller hegte dergleichen vwr
stellungen von einer geCräfsigen, hungrigen, unersättlichen
Hölle, von einem Orcus esuriens, d. h. dem menschen-
fressenden ogre. *diu Hella Jerslindet al daz ter lebet,
sine wirdet niomer 8at\ N. Cap. 72. 'diu Helle und
der arge wän werdent niemer sat\ welsch, gast, und
noch persönlicher lautet, dafs ilir ein ^affender^ gähnen*
der rächen zugeschrieben wird, gleich dem wolf: bilder
in der hs. des Cädmon stellen sie durch einen blofsen auf-
gesperrten mund dar.
der tobende wuolerich
der was der Hellen gelich,
diu daz abgrunde
hegenit mit ir munde
unde den himel zuo der erden,
unde ir doch nilit ne mac werden,
daz si imer werde vol;
si ist daz ungesatliche hol,
daz weder nu noch nie ne sprah:
'diz ist des ih niht ne mac\
Lampr. Alex. 6322 — ^30. Häufig ist in den alten gedichtsn
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RAHANA? 107
fon dem abgrund uad den thiiren der höDe die rede,
y^ helligruoba, hellagrunt, helliporta u. 8« w. grainni.
2,458. der abgrunde tunc^ der tiefen helle tunc, Mart
Zunächst liegen hierbei zwar biblische stellen unter,
namentlich von unersättliclikeit der Hölle prov. Salom. 27,
20, 30, 16 (vgL Freidank lxmv)) vom aufgethan sein, Hiob
26, 6 und vom öfnen ihres mundes Esaias 5, 14« inzwi-
schen haben alle diese das maso. aS^g oder infernus, und
es ist schon zu beachten ^ dafs die deutsche spräche, ihrer
eigenthümlichkeit nach, ein weibliches wort gebrauchen
ataste. die ideen von thüre, abgrund, öfnen des gähnenden
Schlundes scheinen aber bei dem begrif einer unterweit so
natürlich und uoth wendig, dafs sie bei verschiednen Völkern
immer auf ähnliche weise wiederkehren werden.
Das wesentliche ist, die Vorstellung einer weiblichen,
limigrigen, nie zurückgebenden gottheit ^festzuhalten, *)
Mit Hei hat gewisse ähnlichkcit eine andere altn,
göttin, Rän, beide sind zwar nicht dsynjur, aber aus ei-
nem älteren geschlecht, dessen gesellschaft sich die Äsen
nicht ganz entzogen. Ään war des meergottes Oegir gat-
tin und wohnte in den fluten: ertrinkende menschen fielen
ihr anheim, wie die zu land sterbenden der Hei. wie fara
til Heljar sterben, so bedeutet fara til Rdnar ?5ur see er-
trinken, die ertrunknen zog sie in einem nets^ zu ^ich,
raubte sie, und daher erklärt sich ihr name: rdn (neutr.)
ist rapina, rcena rapere, spoliare. Sie zeugte mit Oegir
neun töchter, die wellen , die in der edda namentlich auf-
geführt und Ränar oder Oegis dcetr genannt werden. **)
Auf die nachweisung Jenes Wortes rahanen (spoliare)
im Hild. lied 57 lediglich stütze ich meine ansieht, dafs es
auch ein subst. rahan (rapina^ spollum). und eine gölliu Ra*
*) in Sfidhollan«), an der Maas einflufs ins meer, findet sich ein
ort Belvo€UluU, ich weifs nicht , ob altere orkundlicbe formen die in
diesem namen liegende idee von Höllenfufs, fnfs der Bolle bestätigten. ^
die Römer haben bierHelinm: intet Heliam ac Fievnm, iU appellan-
tar Ostia, in quae effusos Rhenus ab septentrione in lacas, ab occi«
deute in amnem MoMim se spargit, media inter haec ore modiouro no*
miae sao cnitodiens alveum. Plin, 4, 29. auch Tac. ann. 9, 6 lagtt
immenso ore, vgl. oben a. I4T über Aeprisdyr^ und im travellers song
85 Ftfeldor (ostium occaui), wie Boeth. cap. 88 p. 114 fclfelstream
(neeresstrom.)
••) Sam. T9b 144* 153b 180. Sn. 124. 129, 185, Byrbvgg.
»Sgl p. 2U «ad index •. v, Egibsaga p. 616.
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19B 8IPPIA
liana *) in andern geg^iden Deutschlands g^eben haben
küune; wie einen Uogi = Oegir. vielleicht folgt die sdk
tenheit und der untei^ang jener ausdrücke aus ihrem heid-
nischen anklang.
So sind noch einige ändert weibliche substan^ve der
ahd. und ags. spräche allmälich selten geworden und zum
theii erloschen^ deren abstraoterer begrif einen älteren per-
sönlichen^ ganz mit den namen altn. götlinnen zusammen«
trelFenden, mutmafsen LHfst. Das goth. sibja^ ahd. aippia, sippa^
das ags, siby gen. sibbe bedeuten friede, freundschaft, Verwandt-
schaft ; ich- folgere daraus eine gottheit Sippiay Sib^ der
altn« Siff gen. Sifjar, Thors gemalüin entsprechend, denn
auch der altn« pl. sif)ar drückt aus cognatio, siG amicus
(ahd. sippio^ ^Ppo)) sift genus, cognatio. diesem wortsinn
nach scheint SiJ , gleich Frigg, göttin der Schönheit
und liebe 9 und wie eigenschaften des Odhinn imd Thdrr
zusammenstimmen 9 haben auch ihre frauen Frigg und Sif
gemeinschaftliche bedeutung. das formSli der edda ver*
gleicht Sif mit Sibylla (anhang xx.) Sif heifst in der
edda die schönhaarige und das gold Si/jar haddr (Sifae
peplum), weU ihr Loki das haar abschnitt und ihr hernach
ein neues, schöneres aus gold geschmiedet wurde. Sn. 119«
130« die erklärer sehen hierin die vom feuer verbrannte,
wieder aufwachsende goldne fruclit der erde und halten
Sif zu Ceres, womit übereinkäme, dafs die altslav. Siva
Ceres, dea fnimenti glossiert (Hankas glossen 5* 6*« ^•);
allein S scheint hier das slav. shivjete = SH und V = W,
was von dem deutschen F, B, P abführt« Thdrs mutter,
nicht seine frau, ist die erde,
Nanna^ Baldrs gemahlin, würde goth. NanthSy ali^.
Nanddy £igB. Nddhe d. i. die kühne, mutige hcifsen, vgl.
goth. nanthjan (andere) ahd. ginendan, ags. gen^dhau, altn.
nenna ; aber die weiblichen einfachen namen sind verschol-
len, Procop 1, 8 hat das goth. ©ivdavapS-af
Gehört die altn. Gefjon zu der alts. und ags. benen«
nung des meeres gebhan, geofon? selbst dies wort ist dem
ahd. dialect unbekannt.
Solche Schlüsse aus ersterbenden Wörtern auf erstor-
bene gottheiten lassen sich noch vermehren; es ist ntclit
unnütz sie zu versuchen , weil sie den blick für künftige
forschungen schärfen« zu beweisen erheben kann sie,
') wie Hluodana, Tambna s. 157.
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6Ö1TJMNEN 199
Mrenn au« der $ag6 oder eoiMther ubereinttinunuiig der
lujtlien aufgedeckt wird.
Im ganzen mag auffallen , daTs der nachweisbaren
göttinnen fast eine gröfsere zahl ist als der götter, da doch
in vollständigen mytUologidU diese weit überwiegen, mir
scheint; sage und name von göttinnen stellte sich der christ-
lichen ansieht ungefährlicher, imschuldiger dar imd wurde
mit minderer strenge verfolgt, zum theil waren auch die
mythen von weibliclien gottheiten anmutiger, und in der
erinnerung des volks unzerstörbarer.
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200 HELDEN
GAP. XI. HELDEN.
Die götter sind in bestandigem yerkelir mit den men*
sehen; überall bedürfen die menschen der götter. Ver-
mischungen beider können sich auf doppelte -weise zutra-
gen, durch Wandlung der götter in beiden oder der beiden
in götter: dort sinkt der gott herab in menschliche natur,
hier . wird der mensch erhoben zur göttlichen« poesie, sage,
ja der glaube selbst schöpft aus beidem wärme und leben,
indem das göttliche wcscn den irdischen dingen näber ge-
rückt, die irdische kraft aber verklärt erscheint, ohne bei-
den, aus denen noch der göttliche funke sprülit, oder die
seiner theilhaftig w^erden, kann das epos nicht auskommeo«
So viel ich sehe, beruht in den meisten fällen, wenn
nicht immer, dieses zweifache Verhältnis auf leiblicher vor*
wandtschaft, auf einer zwischen unsterblichen und sterb-
lichen wesen stattgefundnen Verbindung. Hercules wird
vergöttert, weil ihn Jupiter mit Alcmene gezeugt hal;
die halbgottheit des Perseus, der Dioskuren geht hervor
aus Jupiters bund mit Danaä und Leda, Romulus^ der
göttliche, ist des Mars und der Silvia kind. den nach der
mutter, als mensch, geborneu söhn *) zieht des vaters himm-
lische natur aus der ärgern band in die bessere wieder
zu sich. Die mjthen sind uns verschollen^ aus denen vrir
entnähmen, welche Jungfrauen nach Yiidens umarmung die
vergötterten beiden Seaxneut, Bäldäg, C4sere gebaren,
(anh. s, ni.) Wie HeimdaUr der gott, in Rtgs gestalt, nie-
ncr zur erde stieg und sterbliche nachkommen zurücklicfs,
erzählt ein eddischer gesang, aber ihre eigennamen bleiben
verschwiegen, nur die appellativa sind genannt. Den über-
menschlichen glan« , der noch auf Sigufrit fallt, erklärt
seine abkunft von Sigumunt, Sigi ]xnA Wuotan. Es kann
im einzelnen fall zweifelhaft sein, oder nach verschieden-
heit der sage abweichend aufgcfafst werden, ob ein goit
in die reihe der beiden, ein held in die der götter tri«:
im Norden gilt Baldr für einen voU^u gott, der säphsisclie
*) partut Sequilar ventrem, vgl. RA. 824. 826.
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HELDEN 901
Baldag war wol nur halbgott. Ja selbst jene nordi-
sche ansieht ist genau betrachtet nur die der edda, nicht
^axos, -welcher den Balder p, 39 ausdrücklich für einen
^aemideumy arcano superum semiue procreatum' ausgibt,
ich bin in altn. Sprachdenkmälern nie auf die beneunung
hfilfgodh oder hdlfds gestofsen^ obgleich hdlftrüll, hiilfrisi
mehrmak vorkommen. ^$emidei^ setzt auch Jornandes
(oben s. 17.)
Helden, die das epos mit der geschichte gemein hat,
leiden, nicht leicht Vergötterung, -wie umgekehrt alle, in
die dichtung nicht durch die geschichte eingehenden, irgend
göttlichen anklang vermuten lassen. *) so Siegfried, Rü-
diger, vielleicht Hagen in den Nibelungen , w^älu-end Diet-
rich und Etzel die grenze des menschlichen einhalten, den
Griechen konnte Achilles vergöttert werden, nicht Agamemnon.
Ein merkmal, götter von göttlichen beiden zu unter-
scheiden finde ich darin, dafs die nameu jener in sich be-
deutsam, d. h. ursprünglich auf ihr inneres wesen selbst
zu beziehen sind. **) den namen der halbgötter hann diese
bedeutsamkeit fehlen, wenn sie ans der menschlichen na»
tur mit übernommen werden, in der regel sind götterna-
men einfach, heldennamen oft zusammengesetzt, Donar
ist darum ein ursprünglicher gott, kein zur gottheit erhöh-
ter mensch: seine benennung drückt zugleich seinen cba-
racter aus. derselbe grund streitet gegen die ansieht, dafs
Wuotan aus der schaar der menschen sich in die der göt-
ter eingedrungen habe. ***)
*) eiue vergleichende nntersnchung der griechischen, roroischeo,
nordischen Vergötterungen überschritte die mir hier gesteckte schranke,
ich sondere die durch poesie und sage aliein vollbrachten von den
dnrcli heidnische priester ausgesprochnen , der ehristlichen canonisation
ibnlichen. (hernach ein beispiel in dem schwedisctien Erich.)
**) ungefähr wie in der thierfabel die namen ihrer träger.
***) der irthum ist aber frühe, und durch die Christen aufgekom-
ntcn, die den heidnischen gott herunterzuziehen suchten» indem sie
seiner angcmafsten gottheit menschlichen Ursprung beilegten. Schon
bei dem ags. Ethelwerd p. 833 liest man: 'Hengest et Horsa, hi ne-
potes fuere IFoddan regis barbarorum, quem post infanda dlgnitate
ut deum houorantes , sacrificium obtulerunt pagani victoriae causa sive
virtutis, ut humanitas saepius credit hoc quod videt*. AVilh. von MrI-
mesbury ahnliche worte sind oben s. 91 ausgezogen; auch er sagt
'deum esse delirantes\ Albericus tr. fönt. 1, 23 (nach dem j. 274)
drückt sich so aus; in hac generatioiie decimn ab incarnatione du-
mini reguasse iuvcuitur quidam Aiercurius, in Gottlandia insula, quae
est iüter Daciam et Russiam extra romanuui Imperium, a quo Mercu-
no, qal Wodeu dictus est, descendit gencalogia Anglorum et multo-
nuQ aliomm'. Mdit viel anders stellt Suorri in der YngU «aga Od-
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908 HELDEN
Halbg^iUer baben für das Tolk etwas veHraulidMS
zum voraus, aus unserer mitte entsprossen; in unsere nä-
here gesellscbaft eingelassen , sind sie es^ an die sich ver«
ebruug , gebete^ schwüre am liebsten wenden : sie vermit»
tebi; erleichtern uns den Umgang mit dem höheren gott«
wie es dem Römer nahe lag 'mehercle\ 'mecastor% ^eca«
stor^, ^edepoF zu schwören, schwuren auch die Qiristen
des mittelalters häufiger bei besonderen heiligen^ ala bei
gott selbst.
Wir vermissen naehrichten über die art und weise^
wie sich der heroencultus, verschieden von dem eigentli-
chen götterdionst 9 unter unsem vorfahren gestaltet halte ^
sogar die altn« quellen enthalten darüber nichts. Bei den
Griechen wichen die heldenopfer ab von den götteropfern«
dem gott wurde blofs das eingeweide und fett der thiere
dargebracht, der aufsteigende geruch genügte; dem vergöt^
terten held das fleisch und blut selbst, zum genufs. So
sättigen sich die in ValhöU aufgenommnen emherjar an
Saehrimnir, des ebers, gesottnem fleisch^ und trinken mit
den äsen; nicht vrird gesagt, dafs äsen 4uch an der speise
tlieü genommen hätten. Ssem. 36. 42. 8n, 42. die edda
lehrt, dafs Odhinn selbst keine speise genofs (önga vis!
tharf haun), nur wein trank (vtn er honum baedhi dryckr
ok matr), gleich Jupiter, mit der ihm vorgesetzten speise
nalirte er Geri und Freki, seine wölfe. Sn. 42* ^vidh vtn
eitt vdpngöfigr Odhinn eo lifir\ Sffim« 42^. Läfst sich dar-
aus eine Verschiedenheit der opfer folgern, die göttern und
halbgöttem geschahen?
Es wird einzelne wesen geben, bei denen wir unsi-
cher bleiben 9 ob die vorzcit mit ihnen den begnf eines
vollen gottes oder halbgoltcs verband.
Dafs die Germanen dem Hercules 'coucessa anima-
lia* opferten, dafs ihm ein hain geheüigt war, dafs sie beim
beginn der scldacht seinen preis, vor dem aller andern Jiel-
bin als einen ans Alien bergekommeneii hofd/ngi und hermadhr vor, der
sich durch seine klugheit die Verehrung der Völker auwege gebracht i
auch Saxo gramni. bekennt sich zu einer äiinlicben meinung : *ea tem-
pestate cum Oihinus quitlam^ (Europa tota, faho dwinitatis tiluh cea-
seretur* u. s. w. AVelche andere idee konnten auch damals rechtgläu-
bige Christen von dem falschen gott ihrer voreltem fassen? sie nui-
sten der abgötterei geflissentlichen betrug unterscliieben , und waren
zu begreifen unfähig, dafs dem heidenthum etwas ganz anderes zum
grund liegt , als ein historischer wahn. es hat so wenig eiiien wirkli-
chen mensch und konig Odiiin (geschweige zwei oder drei) gegeben
als einen wirklichen Jupiter oder Mercur.
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(HBRCULBS) SAHSNOZ MS
deD, in liedera $angen , sagt Tao. Germ. 3. 9* ■ ann. 2^ 12.
aber welcben einhelnusclien held bezeichnet uns diese in*
terpretatio romana? einen aobn Wuotans vermutlich ^ aU
lein welchen?
Kaum Donar 9 den Init der erde gezeugten, obgleich
dann die übergehung Jupiters anders gedeutet werden
könnte, als ich sie s« 85 zu deuten suchte, doch waren
Donar uad Jupiter niemals halbgötter. Auch Ziu nicht^
den hätte der Römer Mars genannt, den nord. Baldr oder
Herm^dhr? sie sind, nach der edda wenigstens, volle
götter. vielleicht den ags. Seaxnedty den altsächsischen
oder altGränkischen Sahsndt? der noch sechs Jahrhunderte
später neben Wödan und neben Thunar angebetet wurde
mid jedenfalls eine der vorragenden gottlieiten war? anh.
8« VJU vu.
Wie, gedenken nicht mehrere, und eben am Nieder-
rhein, in Lothringen fast in den gegenden der abrenuntia-
tionsformel, aufgefundne inscriptiouen eines HERCULES
8AXANVS *) ? sahs hiefs in imsercp spräche was das lat.
9axum, stein, steinwaffe, messer, hammer, Schwert (s. 124.)
tahsnöz bedeutet also steingenofs. **) die sage, welche uns
diesen namen erläutert hatte, scheint verloren, es könnte
eine ähnliche gewesen sein, wie die, welche man zur deu-
tung des Hercules saxanus anwendet. Hercules, heim-
idehend mit den erbeuteten rindern, von ligurischen beiden
überfallen und des geschofses ermangelnd sei im kämpf er*
schöpft auf die knie gesunken ; da habe ihm Jupiter steine
aus einer wölke regnen lassen, mit welchen er bald seine
feinde besiegte, ein steinbedecktes feld (campus lapideus^ .
zwischen Massilien und der Rlione bezeuge den Vorfall.***)
Indessen kommen in allen beiden und riesensagen so viel
denkwürdige steinwürfe vor f), dafs mir diese beziehung
sehr zweifelhaft erscheint, zumal das adj. saxanus uuclas-
*) Gruter 49, 3. Orelli no. 200r. 2009. Hagenbnch de Hercule
nxano, Susati 1731, Scliöpflin Als. ill. 1,441. Canoegieter de rauta-
tSone roman. nomiDom. Lagd. 1774. p. 165 — 174. Joli. Vih. Brewef
▼aterl. chronik. Köln 1825. 1, 15 — 36. 648. 649. anf den HerculM
tfuigu^nus lasse ich micli nicht ein ; (Canoegieter I. c. 161 ff. stellt iho^
obae grond, mit Freyr Kasammen,)
**) alid. hüsgiiiOz, ags. bordgeaeat, beodgeneät, mhd. bankgendz,
stnolgen<^z« spiezgenöz u. s. w.
***) Strabo IV. I, 7, worte aas des Aeschylus Prometheus anfuln
rend. Dion. Hai. 1» 41. Hygin. P. A. 2^ 6. Tzetz. chil. 2, 341.
Kbol. Lycophr. 648. Pomp. Mela 2, 5.
f ) z. b. Sörli und Hamtli^r werden mit steinen todt geworfen (Sn.
144), die dichter brauchen Uamtli^s ok Sörla grand für stein.
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904 ZVISKO
^ftiscli gebildet Ist *), und eher die nacliaLninng einer ger-
mauischcn ronii sein könnte, sahsin ? Inscliriiten, zur zeit
des 2. 3. 4 jh. in Germanien eingebaiien, mocbten leicbt dio
schon bei Tacitus und seinen gewäbrsmäniiern bergebratlile
interprelatioQ des göltlicbcn beiden der Deutsclien beibc
halten und durch das zugefügte adj. genauer beslinimeu?
gilt es hier die edda zu ratbe zu ziehen , so wäre Salisnöt
Sefuuden in Bari (Sn. 7), dem manne, den Audhumla aus
\en steinen lecltj einem wahren genofs der steine und
felsen. Dies ist meine Vermutung über Hercules, HercU'
les saxanus und Sahsnöt ; dafs die Sachsen, deren name
unleugbar von salis (slein oder steinwaffe) herrülu^t, solch
einen stammgolt cigculliiimlich feierlcn, liegt vor äugen.
TviscOj der einlgeborne gott (deus terra edilus) ist
schon im anhang s. xxix besprochen, an Ziu, Tius, Mars
darf er nicht gemahnen, Tacilus v\'iirde dann EU, nicht VI
setzen, und SC wäre auch eine bei Ziu ungebrauchlidio
ableituug. Nur kann es, in germanisclier slammsage , noch
andere Zwillinge ab die gegeben haben, die der Pionier im-
ter Castor und Pollux (Germ. 43) meint, deren heiltlium den
örllichen namen Alx'(s. 39) führte. Baldr und llermodLr
sind blofs brüder, keine gemini. Tvisco mag der sonst ver-
lorne, damals vorwallende beiname eines der gix)fscn göt-
ter sein, den der germanische stamm als seinen obersleu
ahnherrn und Stifter belrachtele. am Mahrscheinlichsten
kein andrer als Wuotan, dessen eigenuame durch jenen ver-
dunkelt wurde; will man auf die baare wurzcl von TM
rücksicht nehmen und den bestimmleren begrif ,dcr zwU*
lingschaft aufgeben, so liorse sich mulmaisen, dal's T\iscu die
eddischen beinamen Odiiins Ti^eggi (duplex) und J^^'/-
blindi (bis coecus, vgl. einäugig s. 101) berühren könne,
wenn es anders mit ihnen völlige richtigkeit hat : ich liiule
sie zwar in Resens ausg. der kenuingar bei Odhinn no.
104, 105, nicht aber in Rasks Snorraedda.
Maatius^ des Tvisco söhn, ein sichtbar cchldeutschcr
name, entspricht dem gotli. man (nicht der schwachen form
manna, die Tacitus Manno geben würde) , ahd. man , ags«
man , mon, altn. madlir. ohne zweifei hat im alterthum
diesem wort ein mytliischer,' tieferer sinn beigewohnt (vgl.
0. 36 und 8. xxvni des anhangs über die wurzel), erst durch
*) lat. adj. auf -antis erwacliüeii sonst aus ortAnamen (niontaiius,
* foutauiis, roinauus, thebanus), kaum aus neutralen ; Sasum mu^te we*
ni;;;steus Hie benennuog des steiiifelds gewesen stin, um davon ein sax-
anus zu formieren.
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MAN IN6 205
ontiigung des ableitenden ISK entspringt die bedetilung
homo. Zwar kennt die edda keinen söhn Odhins mit dem
Dornen Madlir ; die mutmassung, dafs Man in dem 7/er-
mon^ Itrman der genealogien stecken könne, ist im auLang
geäiifsert worden, er tritt dort als ahn oder nachkomme
oder Wiedergeburt Odhins auf. Selbst das jüngere mitlelal-
ter kannte noch Überlieferungen von diesem Stammvater des
deutschen volks ; Frauenlob^ dessen bekanntschaft mit dem
nythischen könig Wippo icli s. 190 anführte, sagt in einem
uügedruckten liede des jen. cod«
Mennor der erste was genant,
dem diutischc rede got tet bekant^
webt das schliefsende OR auf einen nordischen oder frie-
sischen durcligang der sage?
Auch des Mannes drei oder fünf söhne wurden in
die zahl der halbgötter aufgenommen (anli. s. xxvi-xxvni) ;
nicht auf alle doch auf einige wirft die uns erhaltene sage
hin und wieder schein, ich will noch einiges nähere von
den bei Tacitus ausgezeichneten , Ingo, Isco und Uermino,
abhandeln.
Ing oder Ingo hat sich im andetiken der sächsischen
und nordischen stamme zulangst erhalten, ahd. runenalpha*
bete schreiben Inc. im ags. runenlied scheint noch etwas
Yon seiner sage nachzuklingen:
Ing väs sßrest mid Eastdenum
geseven secgum, odh he sidiidhan edst
ofer vtEg gev4t. *) vajn äfter ran.
thus Heardingas thone häle nemdun,
erst hielt sich Ing bei den Ostdänen auf, dann zog er gen
Osten über meer, sein wagen rollte hinten nach, wir ha-
ben schon öfter (s. 73. 193) den wagen als kennzeichen
der götter gesehen. *so (nemlich Ing) nannten, diesen na-
men gaben ihm die Hariunge\ Hartunc im heldenbuch
heifst ein ionig von Reufsen **), im Alphart 74 einer der
wulfiiigischen beiden; die Härtungen scheinen ein den Dä-
nen und Schweden östlich gelegnes volk, unter welcheni
lag eine Zeitlang gelebt haben soll, zu diesem östlichen
Wohnsitz des Ing stimmt auifallend die merkwürdige Stamm-
tafel, welche das Islendingabök von den Ynglingen liefert
(Islend. sog. 1, 19.) daselbst steht ganz oben an ein
Yngvi Tyrija lonüngr ***) und auf ihn folgen Niördhr,
•) Cadm. 88, 12. gevat ofer vonne vaeg st^an,
••) sonst Hartnit, Uertnit voü Riuzeo. Whs. heldensage 198. 253.
•••) gerade so heifst sonst Odliinn Tyrkja kunufif^r. Su. 368 nad
0. zzi, Tgl. Tyrkir Sa. 78. 88 nnd form^ü 15.
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a09 INO
Frayr (so), Fiölnir, Svegdhit u. 8. vr« Die YngKagasagt
hingegen beginnt den stamm erst mit Niördhr ^ welchem
Freyr, Fiölnir u, 8. w. folgen ^ und bei Freyr wird ange-
geben, dafs er mit anderm namen Yngvi oder aucli Yng"
vifreyr (oben 8. 138) heifse und nach ihm das ganze ge*
schlecht Yngltngar genannt werde, richtiger wäre Ing^
ingar oder Ingvtngar^ wie die ahd. und ags. Schreibung
lehrt; man verwechselte im Norden damit ^nglingr (juve-
nis) ahd. jungilinc, ags. geongling , von der gar nicht hier-
her gehörigen wurzel üngr, junc, geong. abgesehn davon,
bestätigt der türkische könig Yngvi, und selbst der mu-
sische Härtung Ings morgeuländischen aufenthalt : vielleicht
muTs, weil den .Nordmannen Rufsland Garrfrtrtki hiefs, für
Hearding Gearding, für Härtung gelesen werden Gar-"
iunc'i*) Die wichtigste Wahrnehmung ist jedoch, dafs in
jener genealogie lag vi vor Niördhr gesetzt wird, also
Freys grofsvater ist, wälirend die andere rccension ihn in
Freyr gleichsam wiedergeboren werden läfst und mit Frey«
namen verschmilzt davon steckt eine spur auch in dem
ags. frei Ingvina. mit recht aber scheint Iri^ui oben an
der spitze eines geschlechts zu stehen, das den namen
Ingvingar = Ynglingar fülirt. Was nun die ahn. stamm-
sage nicht höher hinauf zu bringen vermag, als zu Ingvi,
ergänzt uns Tacitus auf das willkommenste. In^ od^
Ingo ist ihm des Mannus, dieser des Tvisco söhn.
Vollständig wäre dann die göttliche reilie: Tuisco,
Mannus f Ingus, Nerthus, Fra<^? (Fravio? oder wie ia
römischem mund ein dem goth. Friuja ähnlicher name lau-
tete.) des erdensohnes Tvisco mutter wiederholt sich, nach
zwei Zwischengliedern, in Nerthus, wie der nord. Ingvi
bald vor, bald nach Wördbr steht.
Dies zwischen Niördhr und Ingvi nacligewiesne ge-
lenke, der unverkennbare haft eines nordischen gottes an
einem tacitischen gotthelden drückt, wenn ich mich nicht
täusche, der lesart Nerthus das siegel auf. Will man in
die götterreihe keine göttin einlassen ^ so kostet die an-
nähme wenig, dafs einzelne deutsche Völker Nerthus zur
göttin, andere zum gott machten.
Alles dies greift nun in andere altn. und eddische my-
then, einzelne lichter streifen in das tiefere dunkel der
Vorzeit, können es aber noch nicht ganz beleuchten und
verlieren sich oft nur in räthselhaftem Schimmer, das for-
*) HartimcsHaddli^^? oben s. 140.
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INO ISK 207
mlH der eclda p. 15 nennt Odliinn vatei^ des Yngpi and
rt^Ut ihn als obersten alin der Ynglingar auf: man sieht
sich von neuem befugt fVuotan mit Mnnnua oder 2V/«co
gleich zu setzen. *) Noch weiter reicht die erzählung fr4
Formoti og hans (ettmönnum (forald. sog. 2, 12): zu obcrst
steht Burri , wieder könig von Tyrkland , auf ihn folgen
Burr^ Odhinn^ Ireyr, Niördhr^ Freyr, Fiölnir u. s. w.,
mithin ein doppelter Freyr, der erste an Yngvis stelle (je-
ner Yngvifreyr.) Burri und Barr sind die in einer
andern reihe (anhang xxi) dem Finn und Frialaf gleich-
gesetzten, Burri und Bors^ wiederum aber die in Snor-
raedda 7. 8 als vorfahren der drei briider Odhinn^ Fili^
Ve aufgeführten Buri und Barr» Buri ist der Ton der
kuh aas den steinen geleckte erste mann oder mensch* *^')
Hiernach scheinen Burij Bö'rr^ Odhinn parallel den ni:r
mit andern namen genannten Tvisco^ MannuSj Ingu^j
da Yngvi = Odhinn : dem Ingus stehen zwei brüder (Is-
tos, Hermino) zur seite, wie dem Odhinn (Vili, Ve), Tvisco
Mttfet terra genitus^ wie Buri aus dem stein hervorgeht,
oder will man lieber Buri für SahsnSz nehmen (vorhin
8. 204), Ich weifs nicht ob hier sage von Sltercn natur-
g5t(ern und jüngeren halbgöttern unter einander rinnt;
«wischen ihnen scheint aber die eigenthche gottheit ( fVuO'-
tan^ Odhinn) immer aufzutauchen. Ich fahre fort Taci-
ttis auszulegen.
In der Vermutung, des Ingus (oder Ingo) bruder
könne nur Isco, nicht Isto, geheifsen haben (anhang s.
xxvu. xxvm), bestärkt mich alles. ***) sollte gar die eddi-
sche erzählung von einem ersterschafnen ^skr (S»m. 3.
8n. 10) und jener name zusammenhängen, wenn auch die
ags. Oesdngas ans dem spiel bleiben? seltsam scheint schon,
dafs wir in den runennamen diesem ask (die deutung mag
den bäum im sinn haben oder nicht) neben dem z/zc, jbzV/,
er, lauter beiden imd göttern begegnen, aber auch der
vocalwechsel in den beiden namensformen trift sich gerade
80 in der ableitungssilbe -wi imd ^ask.
Hier mag ein verwegner einfall sich luft machen« in
^ 0 verwirrend ist in einer hs. des formell (p. 15 unten) Odhinn =s
Jüordkr, Seam. •« ein Yngi^i unter zwergen.
••) Buri wäre alid. Poro, gotlu Bora; Börr ahd. Pam, goth. Ba-
ras? nahe liegt altn. burr, gen. burar (fiiiuO ags. byre (fitius) gotli.
badri.
***) zn meiner freude haben selbst hss. Tscei^ones, wie ich eben ans
Heu var. lect In Tac. Germ, eomment 8» Hefanst. 1834. p. 8 sehe.
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aoe iMHN
unserer spräche vrird das abstanrunungsverhtiitiiis hoapt-
sächlick durch zwei ableitungssilben ausgedrückt: IMG uud
ISK. Jiiaiimiig bedeutet dea von man stammeDdeu sobn^
manni&k, mannisko fast dasselbe, ich sage nicht ^ dafs die
gottgleichea beiden unserer voreitern aus der granunali-
sehen form genommen, noch weniger, dafs die granmiatische
form aus den heldennamen entsprungen sei. ich lasse den
tiefen Zusammenhang beider unerklärt^ und zeige ihn blofs an.
Des Mannus dritter söhn wird uns 4änger beschäftigen
als seine brüder. Erminos nachkonimenschaft vollen-
det den berühmten cyclus der drei grofsen hauptstämme
Deutschlands : Ingaevones^ IJerminones, Iscaei^ones. ihr«
Ordnung scheint gleichgiltig und ist bei Xacitus blofs von
der örtlichen läge entnommen.
Die aspiration von Tacitus in Herminones und ebenso
in Hermunduri zugefügt, ist dem deutschen worte eigent-
lich fi'emd, wird aber auch von lat. schriflstelleru des mit-
telalters, in eigennamen, die mit dem worte Jmüu com-
poniert sind, häufig beibehalten, in dem namen des histo-
rischen Arminius läfst sie Tacitus weg.
golh. Airman (lateinisch geschrieben Erman); aikd.
Irmariy Irmin^ Erman j Ermin; ags. Eormeri; altu. /ör—
muriy wozu jenes Hermun in Hermunduri stimmt ^ viel-
leicht auch ein schwachformiges Atrniana^ Irmirto u,s.\^,\
dieser halbgott mufs eine weil ausgebrcitetere Verehrung, als
des Mannus übrige söhne, genossen haben, mit seinem na-
men sind, unter allen deutschen stäounen, zahlreiche be-
nennungen von menschen, tlüeren und pQanzen zusam-
mengesetzt: ilir eigentlicher begrif empfängt dadurch ver-
stärkte, erhöhte bedeutung. in diesen häufigen anwea-
dungen hat daher Irmin selbst einen verallgem einer ten,
abstracten sinn. Irmin mufs in dem munde des volks so
gangbar gewesen sein, wie Hercules, Castor und PoUux un-
ter Römern .(s. 202.)
Beispiele, männliche eigennamen: goth. Airmanareiks
(Ermanaricus) ahd. Irmanrih, Erminrih, ags. Eormenric,
altn. lörmunrekr; ahd. Irmandeo, IrmandegaU; Irmanpe-
raht, Irmanfrit, Irminolt. weibliche Irmandrüt, Irmangart,
Irmansuint. thiere: altn. lörmungandr (serpens), lörman-
rekr (taurus.) pflanzen : ags. Eörmenvyrt, Eormenleif (mal-
va), ich finde jedoch bei Lye und bei Mone p. 322. 533
nur die sclircibung geormenvyrt, geormenleif, mit unorga-
nischem übertritt des vocalischen eo in consonantisches geo
(vgl. geong, altn. üugr.)
Dann aber bei appellativen und abstracten: ahd» ir-
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I
IRMIN 20»
maiigot, innansAl, irmaniliot; alts* irminthiod^ irminman ;
ags. eormencyn, eormeugrund, eormenläfe , eormenslrynd ;
aitn. iürmuDgrund. erforderliche belege oben 8. 83.
In allen solcben würtem bat das yorsteheiide irman-*
nicbt mebr die lebendige bedeutung eines göttlich verehr-
ten Wesens, \srie schon daraus folgt, dafs es eigentlich, nicht
uneigentlich compouiert wird, eormenle^f helTst es, nicht
Eormenesledf, wie Forneoles folme; iimausAl, nicht Irma«
nes sAl, wie Wuotanes wec u. s. w.
Die verbindungsweise gleicht also der mit got, in ei-
gennamen wie Gotadeo, Gotalint und andern , nur scheint
der begrif von Irnian noch abgezogener und länger ver-
blichen, da es nicht mehr als zweiter theil der composi-
tlon vorkommt, wo sein eigner sinn bestimmter hervortre-
ten miiste.
Eine jener Zusammensetzungen zieht indessen vorzüg-
liche aufmerksamkeit auf sich; von ihr wurde bereits s.
81 — 83 gehandelt. *) zwar bedeutet irmansül nichts an-
der« als die grofse seule, wie irmangot den grofsen gott,
irmandiot das grofse volk, iürmungrund die grofse, weite
erde, allein die mitgetheilten stellen der Chronisten thun
zugleich dar, dafs diese seule unter den Westfalen und
Sachsen des achten ih, noch der wirkliche gegenständ ei-
ner göttlichen Verehrung war, mag nun auf ihr das bild
eines gottes gestanden haben , oder der gott selbst in der
blofsen seule angebetet worden sein, einen bestimmten
gott dachte sidi das volk ohne zweifei dabei, wäre dies
aber Wodan, Thonar, Tiu gewesen, so hätte die seule
schwerlich eine benennung empfangen, in welcher sich der
name einer andern gotthcit findet, ich bedenke mich da-
her nicht weiter anzunehmen, die Irminsul müsse zu eh-
ren eines göttlichen wesens Irmin^ Irman aufgerichtet
worden sein, desselben, aus dessen althergebrachtem cul-
tus die abstraction jenes praefixes hervorgieng. wie gud-
liüis, gotahüs neben gotes h&s (s. 39. 56) mag irmansAl
für Irmlncssiül gesagt werden, die corveier clironik redet
geradezu von einem idolum Irmin statt der seule.
Und Widekind, wiederum ein corveier eingebomer
Schriftsteller, läfst uns gar keine wähl, er bezeugt ausdrück-
lich Iiinina j oder nach seiner Schreibung Hirmins per-
sönliche gottheit. die worte, _^deren er sich bedient, um das
siegftopfer der Sachsen in Thüringen zu schildern, sind s.
*) nach einer urk. von 1298 (Barings clavis diplom. p. 493. no.
IS) ein ort Brmetuulen (beute Annen«eul) in Westfalen.
14
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210 IRMIN
78 ausgeboben ; er fügt hinzu : 'ex hoc aesdaiatlonem il-
lorum apparet ulcunque probabilejn, gui Saxones origi-
nem duxisse piitant de Graecis, quia Hirmin vel Heniies
Graecis Mars dicitur, quo vocabulo ad laudem vel ad vi-
tUperium usqiie hodie , etiam ignoranled , utiinur.' *) Die
vergleicliUDg der griechischen gütlcr ist mislungen: auf
Hermes führte der gleichlaut von Hirmia, soll aber dieser
!Mercur sein, so stimmt JVIars nicht, und es wäre gezwim-
gen, die fälle, wo sich "Wuotan mit Zi^i berührt, zur hülfe
zu nehmen, unter Hirmin denkt sich Widekind den INlars,
wie auch aus den vorausgehenden Worten: 'Marieni e/ßgie
columnarum imitantes folgt, die Sachsen hatten an der
Unstrut ihrem Irmin eine seule errichtet, wie sie in der
heimat thaten.
Für die identität des Mars und Irmin liefse sich gel-
tend machen, dafs Irmin ein nebcnname des Tiui^ Ziu
imd nichts weiter als jene zweite benennung des kriegs-
gottes sei, die ich s. 134 in /r, jEr, nachgewiesen habe,
ich will diese meinung nicht geradezu verwerfen; ja, es
könnte scheinen, Irman zerlegt in Ir-man, Er-man trcle
dem einfachen Ir, Er noch naher, doch eben eine solclie
Zerlegung ist wol unzulässig und Irmao, wenn man die
formen Irmin, Eormcn , Ermun, lörmun erwägt, ein deri*
valum , kein compositum ; niemals erscheint neben Ertag,
dies INIartis, die form Ermintag, Irmiuestac. ferner Lat
trniiny als söhn des Mannus, neben seinen brüdern Ine
und 7.vr, weit eher das ansehen eines göttlichen heros, als
eines reinen goltes. Ich glaube einen grundsatz aufstellen
zu dürfen, der hier entscheidet: so oft volkstämme nach
einem ihrer berühmten ahnen den namen empfangen, ist
dieser ein vergötterter mensch, ein halbgott, niemals eb
reingöttliches wesen. es gibt Ingaevones, Iscaevones, Her-
nünones, Oescingas, Scilfingas, Ynglingar (d. i. Ingtngar),
Völsilngar, SkiüldiVngar, NIQüngar **), wie es Herakliden
gab ; keine V^jdeningas (Odhlningar), Thunoringas (Thurtu-
gar) u. s. w. der grund leuchtet ein. den namen Vude-
ningas hätten gewis die Angelsachsen geführt, an deren
*) heifsen die letzten wortej wir verwenden das verstärkende
praefix iV/wm-, ohne seinen sinn zn verstehen, hd Wörtern guter und
fibler bedentung? inniudiep könnte einen erzdieb, meiiterdieb be-
seiclmen.
••) die patronymischc ableitim^r ist nicht nothwendig, auch di«
Cautus, Ge\ibüi, .Suapd benemien sich nach Gauts, (jievis, .»Siiäp, g"'tt-
Uchen held«;u.
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IRMIN 211
spitze überall VuJen aufteilt, wenn es silte gewesen wäre,
nach dem gott selbst zu heU'sen. die Völker stammen von
dem gott ab, allein durch vermiltelung eines halbgottes
und nach diesem letztern nennen sie sich, ein volksname
nach dem höchsten gott wäre frevelhafter stolz gewesen
nnd dem meuschlichen gemüte fremd. Hiernach halle icJi
für gerechtfertigt,* dafs dem Irmin nur halbgöttliche natur
einzuräumen sei.*)
Da Niedersachsen, vorzuglich Westfalen der haupt-
sitz des Irmiucultus war, so dürfen sich wol neben Wi-
dekinds zeuguis von Hirmin einige spuren seines in die-
sem deutschen landslrich noch immer nicht ganz erlosche-
nen namens stellen. Strodtmann p. 85 verzeichnet die os-
nabrückischen redensarlen : *he ment, use herre gott heet
JFferm^ (sei gütig , zürne nicht) ; *use herr gott heet nich
Herrn 9 he heet leve herre, un weet wal to te gripen';
darin scheint leise Sehnsucht nach der milden herschaft
des alten, heidnischen gottes unverhalten im gcgensatz zu
dem strenge richtenden und strafenden christlichen gott.
Im sächsisclien Hessen (an der Diemel), im Paderborni-
sclien, Ravensbergischen , im bisthum Minden und lierzog-
ihum Westfalen**) lebt unter dem volke folgender reim:
Hermen, sla dermen,
sla pipen, sla trummen;
de kaiser wÜ kummen
met hamer un Stangen ***),
will Hermen uphangen.
hermen wird hier gleichsam aufgefordert, kriegerisches
spiel anzustimmen, saitcn, pfeifen imd trommeln erschallen
zu lassen; der feind nalic mit hämmern und Stangen und
wolle Hermen aufhängen, nicht unmöglich, dafs sich in
diesen durch die lange tradition der jalirhundertc gegang-
neu und wahrscheinlich entstellten worlen Überreste eines
lieds erhallen haben, das zu der zeit erschoU, als Carl -J-)
die Irmenseide zerstörte. Auf den noch älteren jinni'
Tiiiis und die Römer lassen sie sich viel weniger deuten.
•) de« eiowaiids versehe ich mich nicht, dftffl Mars ein andrer bm-
der des Irmin »ei; er ist nicht der römische Mars, sondern ein deut-
scher, von dem die Marsi, Mariiigni und Marsaci (Tac. hist. 4, 56)
stammen.
**) Rommels ^esch. von Hessen 1. anm. p. 66. westfat. provInz.
blitter oder Westphalia 1. 4, 52. Minden 1830.
***) Variante: mit Stangen und prangen, beide wörtef sind gleich'
bedentig.
t) irawrscboninsehrnltendenkmnlem furkönior, vgl. im ags. Roetli.
p. 1 14 cap. 8. käsert von Agamemnon, nnd anhang vi über Cdsere.
14 *
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212 IRMIN
Zwar der name Arminias unterscheidet sich kaum
TOn Irmiu, Ermin; die abweichende Fassung der stamm-
sage (anh. p, xxviii) gibt wirklich Armeno f. Hcrmitta
oder Herminonea des Taciius, obgleich dieser dem mit A
anlautenden wort niemals H ertheilt, also beide nanieu
genau von einander hält« Fast aber möchte ich behaup-
ten, dafs der geschichtschrelber gerade ann. 2, 88, wo er
von dem Varusbesieger sagt z 'canitur adhuc barbaras apud
gentes' irthümlich beide, den halbgott und den ganz histo-
rischen beiden vermengt. Als Taciius schrieb, als seine
gewährsleute jene bemerkung zu machen gelegenheit hat-
ten, war noch keine sehr lange zeit nach der Varus-
schlacht verstrichen, keine die ausgelangt hätte, epischen
glänz über den rctter der deutschen Freiheit zu verbreiten«
vyol aber war die uralte, demPlinius vor Tacitus bekannte
stammsage von des Manuus sühnen in deutschen liedera
gesungen, und diese werden auch Irmin gefeiert haben*
Wir haben s» 102. 103 einen Wuolans weg und wa-
gen, s. 112. 126 einen Donners wagen, s. 127 vielleicht
auch einen weg nachgewiesen; willkommen wäre, wenn
sich aus einem Jrmina weg und wagen ein neuer beweis
für seine göttlichkeit entnehmen liefse. weg und wagen
beziehen sich auF einander, und das deutsche heidenthum
scheint den wagen seinen hauptgottheiten wesentlich bei-
zulegen.
Die composita irmanwec , irmansträza , irmanwagan
wären, nach dem vorhin erörterten, ganz in der Ordnung;
ich habe sie nie gelesen, noch erwünschter würde sein,
auF ein Irmanes wec, Irmanes wagan zu stoFsen. *)
Erst die späteren ags., imd die altengl. quellen nen-
nen, indem sie vier groFse, England durchschneidende wege
anFühren , darunter Ermingestrete^ von Süden nach Nor-
den der insel. **) man darF aber die reinags. Form eor-
menstrcet mutmaFsen (vielleicht bestätigen sie unheraus-
gegebne hss.), da auch eine andere der vier straFsen, Voet-
*) ich weiffl, dafs Leibniz 1, 9, und Eccard fr. or. 1, 883, de
orig. Germ. 397 Irminswagen für arctus, plaustnim coeleste angebeo,
kenne aber keinen beleg.
••) leges Bdovardi confess. cap. 12 (Schmid 1, 281.) lege« yfiU
belmi nothi cap. 30. Robert von Glocester. Oxf. 1724 p. 299. Ra-
nulph. Highden polycbron. ed. oxon. p. 196. John Lelands itinerary
Oxf. 1744. 6, 108 — 140. Gibson in app. cbron. sax. p. 47. Cam-
dens Brittannia ed. Gibson, Lond. 1753 p. lxxix. auf der carte so
Lappenbergs gesch. von Eagl. i^t die richtunj,' der vier wege einge-
traffttn.
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IRMIN 213
lingastroet bereits in der ags. chron. (Ingr. p. 190, Thor-
pes anal. p. 38) vorkommt und in dem friedensschlufs
zwischen könlg Aelfred und Guthrun (Schmid 1, 57.) Ein
solches eormenstrcet mag bedeutet haben via publica, via
regia; es ist hier kein gen. des eigeimamenS; wie in Vaet-
liogaslraet gebraucht.
Oder führt jenes Ermingeslret auf ein ags. earminga
stroet (via pauperum, mendicorum)? von earming (miser)
mhd. arminc. dann läge der name w^eiter ab von dem
hier gesuchten. *)
Nicht zu übersehen für den fortgang meiner Unter-
suchung ist nun, dafs eine der vier slrafsen, die vorhin«
genannte J^cetlin gastrast zugleich an den himmel ver-
setzt vrird und dadurch ein ganz mythisches ansehen ge-
winnt, ein völlig bestimmter landweg , von Dover nach
Cardigan sich erstreckend, bildet am himmel die milch^
Btrafse^ und -wird von d^m w^agen irgend eines heidni-
schen gottes befahren.
Chaucer (hbuse of fame 2,427) jene gegend des him*
mels beschreibend sagt :
lo there (cpiod he), cast up thine eye,
se yondiTy lo, the galaxie,
the whiche men depe the milky W8^y,
for it is white, and some, parfay,
ycallin it han fVatlingeatretey
that onis was brente wilh the hete,
whan that the sunn Is sonne the rede,
which that hite Phaeton, wolde lede
algate his fatlürs carte and gie,
im complaynt of Scplland p. 90 vnrd von dem comet ge*
sagt: it aperis oft in the quhyt drole, oallit circulus lac-
teus, the quhilk the marynalis callis Vatlant streit, im
Vii^il des f)ouglas p* 85 ;
of every Sterne the twynkllng notis he,
that in the slUl bevln move cours vre se,
Arthurys house and Hyades, betaikning rane,
fVatlingstrete, tlie Home aiid ihe Charlewanc,
the fcirs Orion wilh his goldin glave.
V^llinga ist der gen. pl., wer die Vcetlingas wai-en, auf
welche weise sie einer irdischen und himmlischen straise
•) Lyc liat irmingstrajt neben irniingsul, beide formen aber ohne
beleg, und wie e« sclieiiit aus abliandlungen über den weg und die
•eole.
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214 IRMIN
die Damen gaben >vl8sen wir niclit. *) Cliaucer, der es
\iellelclit noch halle erzählen können, spielt lieber auf die
griech, sage von Fhaelhon an. dieser, auch eines golles
söhn, als er sich vermafs den sonnenwagen seines valers
zu lenken, versengte einen streif am himmel und das ist
der weg, den wir die niilchslrafse nennen. Nach der ge-
wöhnlicheren \orslellung der GriecLen war es Here, die
durch iln'e am himmel versprülzte milch, zornig über den
jlu* zum säugen untergelegten Hermes oder Heraqles, einen
weifsglänzenden kreis bildete. Es leidet keinen zwcifel,
dafs auch bei andern Völkern phantasie und sage die
namen irdischer und himmlischer sti'afsen unte^: einander
laufen liefsen. **)
Einen merkwürdigen beleg dafür bietet die einheimi-
sche Überlieferung dar; durch sie werden wir Irmin^ von
dem ys\v ui^s fast entfernt zu haben scheinen, wieder er-
i'eichen.
Widejiind von Corvei ist der erste, der uns aus allen
liedern die scliöne, durchweg epische erzälilung von dem
sieg der Sachseu iiber die Thüringer gibt. ***) Irmen/ried,
•) wäre vätlingastraet verderbt ans vadhlinjra straat (via va^n-
tinm)? obgleich ich kein ags. vadholing, nur vadhol (vagabundus, er-
raticns) kenne; dann läge earmingastraet der bedeutuug ^anz nahe,
vgl. die folgende anmerkung über pilgrimstrafse.
**) ich beschranke mich anf kurze auHihrung anderer benenonngeo
der milchstrafse, arabisch beifst sie tarik al thibn (via straniiab)}
syrisch sc/iepil tev^o (via paleae); neuhebralsch neiibat theben (se-
mita paleae) ; pers. rah kah ktshan (via stramen trahentU) ; copt. pi-
moit ente pitoh (via stntminis); äthiop. hasare zamanegade (sUpaia
viae); arab. derb eUithenin (pfad der heckerlingtrager) ; törk. saman
ughrisi (paleam rapiens, paleae für) ; armen, hartacol oder hariacogh
(paleae für); alle diese namen laufen auf verzettelte spreu hinaus: ein
flüchtiger dieb hat sie fallen lassen. Einfacher ist das arab. mad-
scherra (tractus), iiahr al madscherra (flumen fractus), oder die rö-
mische Vorstellung von dem iveg der galt er oder zu den golirrn:
auch irokesisch weg der seelen^ türk. hadjiler juli (weg der wallet)»
jeder pilger nach Mecca nnd Medina heifst hadji, hadschi. Iiiemo
schliefst sich der im mütelalter übliche, christliche name canäno de
Santiago^ cheinin de saiut Jaques^ Jacohsfraße, slov. zesta v* Bi»^
(weg nach Rom) von den pilgerftihrten nach Gallizien oder Rom, Hie
zum himmel führten. Altn. vetrarbraut (winterweg.) Finnisch Uif
nunrata (vogelweg), litth. paukszcziä kieles^ vielleicli^ weil Seelen und
geister in gestalt der vögel ziehen.
***) man vgl. die abweichende gleichfnils alte darstellung ans hochd.
gegend in Goldast Script, rer. suev. p. 1 -> 3, wo Schwaben die stelle
der Sachsen einneJimen. den Widekind schreibt die auersberger chro-
nik aus, ed. argent. 1609. p. 146 — 148. Widekinds text liest Her-
miftefredus und Iliringus\ ich habe nach beiden andern receasiooeB
•laji II flretil«'t-
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IRMIN IRING 215
König der Thüringer, bedrängt von Dietericli, könig der
Franken, rief die Sachsen zuliiirc: sie erschienen und foch-
ten tapfer, Irmenfried, in seinei^ gesinnungen wankend
gemacht, unterhandelte insgelicim friede mit den Franken
»ud beide Völker wollten sich ni|n gegen der Sachsen
furchtbares lieer vereinen, aber des verraths inne werdend
kamen die Sachsen zuvor, von dem alten Halhug4t ange-
führt, drangen in die bur§ der Thüringer und erschlugen
alle; die Franken standen still und priesen den kriegs-
nihm der Sachsen. Irmenfried entfloh, doch, trüglich ge-
lockt, kelu^te er In Dieterichs lager zurück, in diesem la-
ger weilte /r///^ , Irinenfricds rathgeber, durch dessen kluge
anschlage ihm vormals grolse dienste geleistet worden waren.
Als Irmenfried vor Dieterich kniete, stand Irlnc dabei und
erschlug, von Dieterich gewonnen, seinen eignen herrn.
Nach dieser unthat verwies ihn der Frankenkünig aus sei-
nen äugen, Iring aber sagte: 'eh ich gehe, will ich meinen
herrn rächen', zog sein schwert. erstach Dieterich, legte
seines herrn leib über den des Franken , auf dafs der im
lebqn besiegte im tod überwände; bahnte sidi weg mit
dem Schwert (Wiam ferro faciens') und entrann, 'mirari
tarnen non possumus', fügt Widekind hinzu, in tantum fa-
mam praevaluisse, ut Iringi nomine ^ quem ita vocitant,
lacleus coeli circulus usque in praesens sit nolatus'^ oder
nach der auersberger ^hronik: *famam in tantum praeva-
luisse, ut lacteus coeli circulus Iringis nomine IringeS'
strdz,a usque in praesens sit vocatus'.
Zur Bestätigung liefern ags. glossen von Junlus ge-
sammelt (symb. 372) Wia secta: Iringes uuec\ daher
entlehnt ist ^Iringes veg^ via secta' bei Somner und Lye.
io ahil. glossen bin ich ihm nicht begegnet, wenn nicht
Junius es aus solchen unter die ags. geschoben hat, wie
fast die Schreibung *uuec' verräth.
Im Nibelungenlied 1285. 1965-2009 erscheinen diese
lieldeö wieder, es sind die neniKchen , aber verschieden
gcfarst, der hochd. recension bei Goldast verwandter *):
Irnyrit von Dürinsen und Iriuc von Tencmarkc, jener
landgrnf, dieser markgraf, beide dlenslmanncn Etzels. das
Hed von der klage fügt hinzu, in des reiches acht seien sie
gefallen und nj^ch lliuieuland geflohen ; worin sich eine
spur der Verweisung zeigt, die Dietrich über hing ausge-
sprochen, nach den gedieh teu des 13 jh. ist aber Irinc
*) wie schoa ansgefülirt ist deutsch. Leidens, p. 117.
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2L6 IRMIN DUNG
niclit rathgeber, noch weniger verrätlier und mörder Im-
vrits: beide sind verbundne freunde , beide erliegen dem
unwiderstebliclien Hagene und Volker,
Zu allem diesem kommt, dafs die Vilk« saga cap«
360, walirend sie Irnfrieds geschweigt, Irunga letzten
kämpf mit Hogni berichtet und ihn an einer Steinmauer
niedersinken lälst, die zur erinnerung an den beiden bis
lieute ^Irdngs veggr^ heifse. der nord, bearbeiter ver-
wechselte \cgr (via) mit veggr (murus), seine deutsche
quelle mufs gehabt haben Iringes vec, mit bezug auf das
*weg bahnen' bei Widekind, die auslautende tenuis in wec
verleitete zu dem irthum.
Jetzt erst sind schliifse, die wir ziehen wollen, vorbe-
reitet: die deutsche sage wüste von einem Iringes wec
auf der erde und an dem himmely wie die ags. von
einer doppelten Vactlingastrset , oder wie der weg nach
Rom und S, Jacob zugleich an das firmament gestellt -wird,
solche Vorstellungen von weg und wagen scheinen sehr
heidnisch und verkündigen göttersagen. Der thüringische
Irnprit früher Irmanjrit ist füglich derselbe mit Irman^
Irmin (vgl. Sigfrit, Sigmunt, Sigi) und die Hermundnri
= Irmanduri hängen deutlich zusammen mit den Du--
ringen (Tliüringern) , so dafs Irman in thüringischer tra-
dition vorzüglich bedeutsam wird, redete sie von einem
Irmines wec, so fügte sich a^les.
Sie redet aber, an drei, vier stellen, von einem /rm-
^es wec» die namen Irinc und Irmin haben (aufser der
im allen lied hier gewis wirksamen allitcration) nichts ge-
mein, jenem gebührt t, *) sie allein können sich nicht ver-
treten haben. Entweder hat nun die sage der beiden
freunde in einander übergegriffen und Irmines weg auf
Iring übertragen, oder Iring ist für sich selbst ein ver-
dunkelter halbgott, der gleich Irmin, seinen eignen weg und
wagen hatte, nur scheint Irmins Verehrung tiefer begrün-
det, wie schon das bild der Irmansul zeigt.
Bis hierher aufgespart habe ich einiger nordisclien
Überlieferungen zu erwähnen, die wenigstens auf die irdi-
sche heldenstrafse in bezug stehen. Es war althergebracht,
dafs ein neuer könig, wenn er das reich übernahm, auf
der grofsen heerstrafse durch das land ziehen und dem
Volk seine freilieiten bestätigen musle (RA. 237. 238.) in
altschwed. gesetzen heilst das aber ^Erihsgatu lidha', dea
*) Irinc ist das spätere Eiriog, Eiering, bei Aventin Emiog. goth.
wurde Irinc Eiriggs (oder Eisiggs) lauten, Irmio, Afrmins, AirmiBi.
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IRMIN IRING ERIK 217
Erichsweg reiten. *) Schweden zälilt eine menge von kö^
nigen des namens JErit (altn. Eirikr), doch lal'st sich die
sitte auf keinen derselben sicher zurückfiihren und ein mythi-
scher Zusammenhang mit jenem Iringesweg schiene nicht
unmöglich, zumal auch Riksgata vorkommt, was viel-
leicht anspielt auf Rtgr ^ den irdischen namen des gottes
Heimdallr. diesen läl'st das eddische lied ^grüne weg^
(groenar brauth) der erde wandeln , die verschied nen ge-
sclilechler der menschen zu erzeugen (Saem. 100.) Selbst
au den zuweilen vorkommenden Erctag, Erichtag (s. 88)
statt Ertag (dies Martis) wäre hier zu erinnern, und auf
solche weise wirklich berührung zwischen Ir (Mars), /r-
min und Iring herauszubringen. ]\lit dem künigsnamen
Erih mufs sich den Schweden allerdings schon sehr frühe
die idee eines gottes oder vergötterten verknüpft haben,
die \ita Anskarii hat darüber eine merkwürdige stelle
(Perlz 2, 711.) als um das j. 860 dem könig Oslef das
clu^istentlium angemutet ward, gab ein heidnischgesinnter
vor, *se in conpentu deorum, qui ipsam terram possidere
credebantur et ab eis missum, ut haec regi et populis nun-
ciaret: "vos, inquam**), nos vobis propitios diu habuistis,
et terram incojalus vestri cum multa abundautia nostro
adjutorio in pace et prosperitate longo tempore tenuislis,
yos quoque nobis sacrificia et vota debita persolvistis, gra-
taque nobis veslra fuerunt obsequia. at nunc et sacrifi-
cia solita sublrahitls et vota ^pontanea segnius offertis ***)
et quod magis nobis displicet, alienum deum super nos
inliü ducilis. si itaque vos vobis propitios habere vullis,
sacrificia omissa augete et vota majora persolvite, alterius
quoque dci culluram, qui contraria nobis docet, ne apud
vos recipiatis et ejus servitio ne iutendatis. porro , si
etiam plures deos habere desideratis, et nos vobis non suf-
ficimus, Erictim, quondam regem veslrum, nos unanimes
in collegium nostrum asciscimus^f) ut sit unus de nu-
*) noch im 15. 16 jh. galt der ehrwürdige branch; ^statuta pro-
Tinciaiium generöse coDfirmavit et sigillavit ia equitatu, qui dicitur
Erihgata.* diariooi yazstenense ad a. 1441 (ed. Benzel, Ups. 1721)
p. 86. 'rex Cbristoferus Sneciae et Daciae equitatura fecit qui dicitur
Jiriksgata secuodum leges patriae', ibid. ad a. 1442. auch Gusta?
yfuB. ritt seine Erilcsgata*
**) für inquimus, wie sonst inquit für inquinnt«
•••) was der einzelne mensch opfert (votum), gegenüber dem öf-
fentlich und gemeinsam dargebrachten (sacrificium), vgl. oben s. 35.
t) so wird könig Häkon in die gesellschaft der götter aufgenom-
men, Herm^r und Bragl gehen ilim entgegen s 'siti Häkon medh
beidhin godh'. (H&konarm&l.)
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218 ERIK FIN SCOÜP SCILTÜ
mero deorurr^. ich habe die gan^^e slcUe, weil sie vor-
treQich die stimmuDg der. heidnischen partci und die schou
verbreilelc lauheit für das heidenthnm ausdrückt, herge-
schrieben: die heldenpriesler dachten ihrer göllersdiaar ei-
nen frischen beiden zuzugesellen. *) Hierdurch scheinen
jüngere Eriche vom auspruch an die Eriksgata ausgeschlos-
sen; wahrscheinlich mischten sich, -vveuigstens bei Rem-
bert, schon damals Überlieferungen von einem gültlichen
Erik ein.
Auch die Danen kennen , nach ihrem alten, geliebten
könig, einen Voldemaravejy^^^ von dem ich, zurcrklärung
des wütcHden heers, näheres anführen werde.
"Wir haben nunmehr die bei Tacitus envalinten oder
angedeuteten heldengötler, Hercules, IMarmus, Inguio, Isc-
vio , Hermino, und was sich an sie schlofs ," abgehandelt,
über Castor und PoUux wird es schwer fallen ein siche-
res urtheil zu faJ'sen , was s. 39 und 85 geaufsert wurde
kann nur eine gewagte Vermutung bilden, da die gülter-
helden Baldag und Hereniod (s. 141. 143) zwar als treue
brüder, nicht als Zwillinge erscheinen; auf diesen namen
hiitle eher Tvisco seinen auspruch (s. 204, auhang xxix.)
Zu eiuer gröfseren zahl gülllicher beiden füliren uns
sachsische, nordische, gothlsche slammsagen, hin und wie-
der aucli noch die epischen lieder des millelalters.
Aufser den ags. genealogien im anhang verdient Beo-
viilf und das gedieht vom wandcrer hier besondere beach-
liuig: es ist auffallend, dafs hi allen kelue namen vorkom-
men, die sich mit Irmin oder Iring verglidieu.
Nach anhang s. xu. xv sieben Finti und Folct^cdda
unter Vodena nahen vorfahren, statt des Folcvalda nen-
nen andere reihen einen andern, es mufs beiden etwas
gütlliches ankleben, schon deshalb weil sie dem mythi-
schen Huri und Borr gleichgesetzt werden (vorhin «.
207.) Sie gehören dem friesischen und sathsischcn slamni.
Von Sc^äffi ni)ihus hat sich ein kleines, Echünes
bruclisuii'k erhallen (anh. s, xvic. xvm); der schlafende
Jüngling wipd von den Angeln, zu deren küsle ihn ein schif
Irägt, für ein wunder empfangen; seine gültliche abkiuifl
scheint noch die später forlgepflanzte sage vom schwan-
ritler anzuzeigen, sie folgt auch ohne das aus seiner ver-
Vfandlschaft mit Vode.n^ Hererndd und Sceldt^a. SeM-
va, Scildf SkiölUr ist ahne aller SkiöldütJgai\, bald Vu*
*) Dalilmatin mutmafät auf den upsnli^eo Erik (f 604.)
**) amiqvariske auualer I, 15.
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SCILPI GOZ SÜAP WESTFALAH PIL 219
dßns vorfahre, bald Odliins söhn, auf ihn haben Dänen,
auf Scedf Angeln ciu nälierreclit ; nach dem licdc des
Wanderers 64 vielleicht Langobarden ; nach fornin. scig. 5,
239 nicht so v\'ü1 Danep und Schweden als die ein wohner
von Schonen : er heiJ'st ausdrücklich Shdnunga god und
i/fird auf jeden fall da vorzüglich verehrt worden sein.
Aber auch Steiß r ^ Scilfe^ ahd. Scilpi? von dem die
Shilftngary Scilfir/gas, Scilpungd stammen, scheint sich
mit Skiöld zu berühren (s. xxiv, xxv.) Odhinn heilst
SliMr/gr Sn. 24.
Gecit (Gaulr, Gduls, Göz), beiname, söhn oder vor-
fahre Vodeus, kann seine göltliclieit nicht verleugnen, auch
Godifulf\ sein söhn, von einigen mit jenem Folcvalda
vermengt, scheint mytliisch. von Gduts leiten ihr Ge-
schlecht die GilutüS (Gozu, FavTOh vgl. s. 131) d. h. an-
dere als die Guthans (Tac. Gothones, Fot&oi) aber iJiuen
doch zugewandt, weil eben die ^othische genealogie mit
jenem Gauts obenan beginnt.
Sudp der Schwaben , Vandal der Vandalen stamm-
heer, und manche ähnliche, sind uns verdunkelt; den
schwäbischen Vitta (trav. soug 43) meint schwerlich das
Viltu irnüngot' im Ilild. lied z. 30, Westfalah^ göttli-
cher held der Westfalen, taucht nur in einzelnen anfüh-
rungen hervor (anh. s. ix. vgl. xx. xxii.) Noch im 10.
11 jli. blühte ein berühmtes gcschlecht ^^v Billinge, BilU
w//^e*); es mufs wahrscheinlich auf einen Stammvater 2?/7
oder BilÜ zurückgeleilet werden ; Iravellers song hat z.
50 Billing veold Vernum (den Weriiicu, Warinen.) ge-
fahrlich Avärc, was neuere von einem sächsischen gützcn
Biel fabeln **) hierherzunehmen.
Heine andere geschichle weifs so viel beiden an
gütter zu knüjifen, wie die nordische, nach dem formali
der edda p. 15 und Yngl. saga c. 9 führte Norwegen sein
ältestes küulgsgeschlecht auf Scemfngr, einen söhn Od-
liins, der ihn mit Skadhi, früher Niürdhs gfittin, erzeugte.
Skadlii war tochter des iütunu Tliiassi, in Sigurdhardrapa
heifsl Sigurdhr Ladhajarl 'afspringr Tliiassa^ (Thiassi pro-
ßenies.) Kormakssaga , Hafu. 1832 p. 279. 284. Her-
raudssaga cap 1 läfst Hringr von Gauti, diesen von Od-
hinn stammen. Froger^ ein norwegischer held, heifst bei
*) der erste hiätoriscli sichere Billing f 967; man nennt einen
iU>eF hundert jähre älteren. Wedekinds Hermann herzog von Sachsen.
Lüneb. 1817 p. 60. altn. BilUngr ein zwerg (Sxm. 3^1 23») ; mbd.
im Renner hillinc eine schelte.
'*) Stübner gesch. Blankenburgs 1, 197.
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220 GORM WELISUNGA WITOGOUWO
Saxo p. 66 ausdrücklich ^Othino patpe naiii8\ ilim hat-
ten, die gölter verliehen im kämpf unüberwindlich zu sein,
auCser wenn ihm der geguer den staub unter seinen füfsen
greifen könne, und Frotho besiegle um hintcrlislig. Die
göltliche abkunft der Skiöldungar und Ynglingar habe
ich schon verhandelt. Ein 'Danagodh', ein von den Dä-
nen göttlich verelu^tes wesen (oben s, 109) hiefs GodJtormn
ich vermute mit Gormr hinu gamli, Danakon&ngr (forum,
sog. 1, 2. 3.) ganz derselbe, und kann mir den letzten na-
men nur durch Verkürzung des erstem erklären ; schon
Saxo hat Gormo. Die ags. geuealogien berühren den
stamm der Franken nicht; den ags. dichtem vraren all-
fränkische sagen wol bekannt, wie uns Välse^ Välsing^
Sigemund, Fitela im Beovulf cap. 13 beweisen. Välsin»
gas sind die alln. f^ölsungar^ ein heldenstamm, dessen
göltlichkeit nordische quellen aufser zweifei setzen (anh. p.
xxui und die aattaitala ^n, 364. 365. fornald. ^ij^, 2, 10.)
So ist der weg gebahnt zu länger forlgetragnen sagen
von Siegfried und den Nibelungen im herzen Deutsch-
lands, oiegfrieds ganze nalür hat noch deutliche spuren
des übermensclilichen an sich: er wird von Regino, einem
alb, erzogen, von Brun/ii/t, einer walkjrie, geliebt, von
Gripir, dem weisen mann^ über sein Schicksal belehrt; er
trägt den unsichtbar machenden heim, ist unverwundbar
und besitzt den Nibelungenhort, des allen fVelsiy des
slammnamens JVelisungd haben die lieder vergessen, aber
andere götterhelden Irnvrit und Irinc streifen noch in die
sage, auch Hagano^ einäugig wie W«olan (s. 101), im
AVallhaiius 1417 spinosus (von hagan, splna) genannt, ist
*mehr als heroisch'. *)
Ein gleiches behaupte ich von einzelnen andern bei-
den der einheimischen sage. Ecke und Faaolt sind zwar
götterliaft, doch mehr riesen als beiden, dagegen fallen
ganz hierher ff^ittich und Heime^ beide mehr beiden als
riesen, der nord. Überlieferung fremd, der ags, und ver-
mulacli der golhischen bekannt. Jenen halte ich für des
Jornandes Vidigoia (Vidugauja), die ahd. namensform
scheint fVitigoau>Oy den spätere^ irthum in zwei brüdcr
Willlcb und Wittichowe (hcldensage 196. 288) spaltet;
mhd. JVittegey in der Vilkinasaga Vidga^ ags. Vudga
(trav. song 248. 260.) der name bedeutet silvicola, vom
goth. vidus, ahd. wiUi, ags. vudu (lignum, silva), und sclion
daraus läfst sich auf einen die grenze menschlicher natur
*) Lachmanns kritik der sage Ton den Nib. p. 28.
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WIOLANT MIMI 221
fiberschreitenden waldbewohner, einen waUgoit schliefsen.
frau M^dchih^ ein merminne (eine wasserfrau), ist seine
ahnmutter, und er entflieht zu ihr in die sce (Heldensage
209. 210. Eggenliet ed. Lafsb. 198.) von seinem grofs-
Vater, dem riesen fVäde (ahd. Wdto, mhd. W4te, Vilk.
saga Vddi) wüste die ahengL Überlieferung noch, jetzt ver-
lornes, zu erzählen, aus der Yilkinasaga wbsen wir, dafs
Vilkinus mit jener meerfrau den V4di, dieser den Velint,
Velint den Vidga zeugle. Velint^ alid. fViolant, nibd.
tVielanty ags. Viland, alln. Völundr ist noch um ei-
nige grade mythischer als sein söhn: ein kunstreicher
schmid , mit valkyrien und schw an Jungfrauen verkehrend,
hernach am fufs gelähmt und im federkleid durch die lüfte
fliegend: er darf mit Hephäst oder Vulcanus,*) vielleicht
mit Dädalus verglichen werden, unbedenklich sind Wale,
Wielant, Witlich geisterhafte wesen, halbgötter des alt-
deutschen Volksglaubens.
Dies findet sich durch einen besonderen umstand be*
stätigt. Yilkinasaga, also ein deutsches gedieht, worauf sie
baut, führt noch einen andern schmid auf, namens Mtniir^
bei welchem nicht nur Velint seine kunst erlernt, sondern
auch Sigfrit (gleichfalls Schmiedelehrling) auferzogen wird,
den nemlichen Mtme weifs die spätere dichtung von Bi-
terolf gelegentlich zu nennen (Mtme der alte, heldens. p.
146 — 148) ; ein ahd. Mtmi wird noch tiefer in spräche und
«age verwachsen gewesen sein 5 **) für verwandt halte ich
Memerolt (Morolt 111.) Aber die ältere nordische Über-
lieferung kennt ihn nicht weniger, in mehrfachem , abwei-
chendem Verhältnis, einmal veiHtticht Saxo p. 40 einen Mim.'
ringua 'silvarum satyrus', der schwert und geschmeide be-
«itzt, in den mythus von Balder und Hother, wodurch, wie
mich dünkt, jenes vidig^uja von neuem beleuchtet wird^
noch höher stellt aber die edda selbst ihren Mtmir : er
hat einen brunnen , in welchem Weisheit und kluger sinn
verborgen liegt, jeden morgen ihn trinkend ist er der wei-
teste, klügste mann. Odhüin kam hin zu Mtmia brunnr
und begehrte einen trunk, allein nicht eher empfieng er ihn,
bis er sein äuge zum pfand setzte und in den brunnen
*) gemahnt nicht Fükinus, Yelints ahne, an Vulcanus^
**) ^imoy Mtmi/ult sind frauennamen trad. fuld. 489. cod. lanresh.
•Ju; der echte alte name von Münster in Westphalen war Mtmigar-
*/or4, Mtmigemeford (indices zu Pertz l. 2.) Mimigard (A«egabök
^U; westph. Minden hiefs nrsprünglicb Mtmidun (Perta 1, 368),
Wemleben nn der ünstrut MtmiUba.
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222 MIMI UEMO
verbarg (Saem. 4^ Sn, 17.) dies Isl ursaclie von OJIuds
einäugigkeit (oben s. 101.) Nach Yngl. saga cap. 4 sand-
ten die Ascn Mimir, iliren weisesten manu, zu denVaucn,
die Vancn liicben ihm das liaupt ab und gaben es den Asea
zurück. Odliiun sprach einen' zauber über das haupt, so
dafs es nie verweslc und immer noch redete; Odhinn liiclt
gespräche mit ihm, wenn er ralhs bedurfte, vgl. Yngl. saga
cap. 7 iind Saim. 8* 195*\ wen Völuspd unter Miinta
synir versteht (Saim. 8») weil's icli nicht; Mtmameidlir
(Sajm. 109*) setzt JMnni (gen. INlmia) voraus, der wol von
Ältmir unterschieden ist. Aliniir ist kein Ase, sondern ein
erhabenes wesen, mit dem die Äsen umgehen, dessen sie
sich bedienen, ein inbegrif der w^eisheit, vielleicht älterer
naturgott. spätere fabeln würdigen ihn zum waldgeist und
klugen schmid herab, seine gemeinschaft mit beiden ist
geeignet, gülllichen schein auf diese zu werfen.*)
Vuilga und llanm, \Yitcgc und Heime werden immer
zusammen genannt. **) Heimo soll eigentlich Studas wie
sein valcr (den aber andere Überlieferungen Adelg^r, Äla-
delgi^r nennen) geheifsen , erst nach erlegung des wurmes
Heima^^^^ dessen namen angenommen haben (Vilk. saga c
17.) als einen beweis für lleimos annäherung an ein äl-
teres ricsen oder goltcrgeschlecht hebe ich hervor, dafs ihm
die Überlieferung vier einbogen beilegt (heldensage 257);
sie mögen nicht mehr dem menschlichen beiden gerecht
sein, sind aber keine Steigerung (heldens, 391), in ihrem
vregb leiben liegt eine Schwächung der ursage. Starkadlir,
ein berühmter göttlicher hqld des Nordens, hat drei paar
arme, Thor schneidet ihm vier hände ab (Saxo gr. p.
103); Hervararsaga (Rafn p. 412, 513.) legt ihm acht
hände und das vermögen mit vier Schwertern auf eiomal
zu fechten bei, Sleipnir, Odhins pferd, ist mit acht fußen
ausgestattet, wie Cerberus, der hüUenhund mit drei liäup"
fern, vielhäuptigkeit gibt ein kennz^ichen der alten rie-
*) n%9. mimor, meomor, gemimor (tnemoriter notns) mimeriso
(memoria teoere), nnd. mimeren (phantasieren) brem. wb. 3, 161. dt
hier (^ie In Memerolt) kurzer vocal , so mufs man die erloschene for-
mel gotl). ansetzen : meima , rndi/n^ mimunty wozu sichtbar das lat. me^
mor gehört, und fn^filofiaiy vgl. Ml/iag, vielleicht gebührt einigen eigen'
nameu der vorigen anm. ein kurzes i.
**) trav. song 248. 260. heldensage p. 146. 162. 244. 268. 284.
***) heimo ist sonst grille (Reinhart cxxv) , wofür eher das heutige
diminutiv heimelten (würmclien?) passen würde, so dafs heimo or-
apriiiiglich wnrm wäre, auch ein berühmter kerlingisclier held hiefs
lieimu (ii einhart cciv.)
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HEIMO 223
Ben, aber atidi der alten götler. ein-thurs thrihüJJhoJhr
erscheint im eddisclien Skirnislör (Stern, 85^) wie ini nihd.
wahtelmacre (einen drtliottptigen tursen. JNIafsm. deiikin.
109.) sehr merkwürdige einstinimung; vgl. den sechshäitp'
tigen riesensolin Sicm. 35* (nach der Variante), die v/V/-
Jiduptige schaar bei dem riesen (Saem. 56») und die rie-
sin mit 900 häuptern (Sfem. 53.) Deutsche lind nordi-
sche götler zeigen keine solche Vervielfachung einzelner glie-
der, desto hergebrachter ist sie in slavischer, indischer und
mongolischer götterlehre: Triglava (wie der name giht)
"wird mit drei,*) Svantevit mit vier, Rugevit mit sieben
häuptern dargestellt, der indische Brahma ist pierhaitp"
tig, Carticeja Shiwas söhn sechshäuptig und zwölf liän-^
dig, Ganesa vierhändig u. s. w. auch der römische
Janus hat zu^ei, nach andern vier häupter^ In uraller
zeit mögen die deutschen gottheilen nicht ohne solche aus-
stattung gewesen sein, und Heimes vier ellenbogen bezeu-
gen seine abkunft*
Diese mageren, bröckelliaften reste sind uns aus der
heldensage unseres alterthums, insoweit sie mit göttersage
zusammenhängt, geblieben«
*) Hankas altbohm. glossen p. 23a : ^Trihlawy qui habet capita
tria capreae' vgl. obea a. 32.
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224 WEISE FRAUEN
CAP. XII. WEISE FRAUEN.
Das Verhältnis der frauen und maoner zu den gut-
tern ist sehr verschieden, und ein natürlicher grund da-
von, dafs männer berühmte geschlechter bilden, mit frauen
das geschlecht stirbt, die slammsage bedarf folglich nur
heldennamen; alle königstöchler verschwinden wieder, so-
bald sie als gemahlinnen genannt worden sind, eben des-
halb erscheinen vergötterte sühne, nicht vergötterte tüchler,
ja aus der ehe unsterblicher mit sterblichen wurden fast
immer söhne geboren. Den beiden, die wir im vorherge-
henden cap. als eine misch uug himmlischer und irdischer
natur betrachtet haben, lassen sich also eigentlich keine
frauen zur seite setzen.*)
"Was das geschlecht der frauen aber hier einbüfst wird
ihm auf anderm wege erstattet, für jene besouderheit
einzelner heldenrollen, die in der sage oft unwirksam un-
tergeht, sind ihnen allgemeine ämter mit vielbedeuligem,
dauerndem einflufs überwiesen, eine ganze reihe anmu-
tiger oder furchtbarer halbgüttinnen vermiUelt den men-
schen die gottheit : ihr ansehen ist offenbar gröfser, ilir cul-
tus eingreifender, als die Verehrung der heroen.
Auch andere mythologien lassen wahrnelimen, dafs
im zweiten rang der götter weibliche wesen vorwalten,
während der erste männlichen vorbehalten bleibt, und jene
göttlichen beiden nur im dritten stehn. Ich habe schon s.
199 die längere dauer der Überlieferung von einigen göt-
tinnen mit daraus erklärt, dafs sie bleibendere eindrücke in
dem gemüte des volks zurückliefs.
Nichts scheint bei solchen Untersuchungen schwerer,
als zwischen göttinnen und halbgöttiniien zu unterscheiden,
eines jeden gottes gemahlin mufs zugleich für wirkliche göt-
tin gelten; allein es gibt auch unverehlichte göttinnen, z.
b. Hei. Halbgöttin ist, die sich weder als gemahlin, noch
tochter eines gottes erweisen läfst, und in abhängigem ver-
*) eine ausnähme werden wir bei den ralkyrien antrefibo, unter
welche auch königstochter aufgenommen wurden.
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WBISB FRAUEN 225
Laltnk zu höliercn gottheltcn steht. Ein eolcher scUufs
taugt jedoch nicht überall für unvollständig erhaltene my-
tliologieii ; es wäre möglich, dafs man weibliche wesen wie
Holda, Perahta, die ich cap. X in die zahl der göttinnen
aufgenommen habe, für blofse halbgöttinnen anzusehen
hätte, eben weil halbgöltiunen hoher stehen als halbgöt-
ter, sind diese leichter, jene schwieriger gegen die classe
der grofsen götter abzugrenzen. Die grenze kann sich
endlich dadurch rerrücken, dafs einzelne volksstälnme
göttliche weson geringeren ranges, deren cullus bei ihnen
überhand nahm, zu höherem rang erhoben, welches frei-
lich auch bei dem heldendienst ^ obwol seltner^ eintre-
ten magi
Gescliäft Und bestimmuug der halbgöttinnen ist nun
im allgemeinen so zu bezeichnen, dafs sie den oberen göt-
tern dienen^ den menschen t^erkündigen*
Es ist ein bedeutsamer zug unseres heidenthums, dafs
eu diesem amt frauen und nicht manner auserlesen wer-
den, die jüdische und christliche ansieht bildet hier einen
gegensatz: propheten weissagen^ enget, erscheinende hei-
lige verkündigen, und richten gottes befehle aus; die grie-
chischen götter bedienen sich mäimlicher imd weiblicher
boten. Nach deutscher ansieht scheinen aussprüche des
Schicksals im munde der frauen gröfsere heüigkeit zu er-
langen *) und vielleicht hängt damit noch zusammen , dafs
die spräche tugenden und laster durch fi*aueu allegorisiert.
Wenn es in der natur des menschen überhaupt gelegen
ist, dem weiblichen geschlecht eine höhere scheu und ehr-
furcht zu beweisen ; so war sie den . deutschen Völkern
von jeher besonders eingeprägt (s. 63.)**)
Auf das, was die götter fiir sich selbst auszurichten
Ilaben, kommt es in unserer betrachtung nur nebenbei an ;
liauptgesichtspunct, unter den diese vermittelnden wesen fal-
len, ist gerade ihre bestimmung, den sterblichen menschen
heil oder unhcil, sieg oder tod anzusagen« Ihre Weisheit
*) nur als ausnähme treten weissh^^ende manner auf (spftmenn)
«. h. Gripir (s. 220) und Mimir (». 221).
*) diese frauenverehrung erscheint nicht blofs in den minnelie-
dern, sondern auch in einer merlcwürdigen formet des deutschen rit-
terthnms, wie sie Volkslieder und hofische gedichte enthalten: 'durch
aller frouwen ^rc\ Morolt 2834. Ecke 129. Murcli ander maget ^re'
Gudr. 4863. 'darch elliu wtp'. Parz. 136, 16. 'eret an mir ellia
^if Parz. 88, 27. ^allen meidan tiiot ez ze ^ren'. Gudr. 4858.
Otfricd druckt es \<^enigstens negativ aus: 'ui nXi irbolgan wlbe'. V.
8. 58. vgl. oben s. 136. 190 über den sina der worte frau und weih.
15
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226 ZIS?
erspäht , ja sie lenkt und ordnet Verflechtungen unseres
Schicksals, warnt vor gefahren und rätli in zwcifelliafter
läge : sie heifseu darum kluge , weise fronen , allu. spA-
lonor (vgl. spukr, ahd. spalii, prudens), mhd« wtsiu wip.
Nib; 1473, 3. 1483, 4.
Ich schicke noch einen ausdruck voraus, der mir ganz
den eben entwickelten sinn ku gewähren, und in seiner
allgemeinheit sänimtliche, hernach naher abzuhandelnde be-
sondere wesen zu umfassen scheint. Die eigentliche be-
deutung des altn. wortes dis plur. citsir war bisher ver-
borgen geblieben; man begniigle sich ed etwa durch uyiu-
])ha zu übersetzen, imd unter den disir sowol nyniphac
tutelarcs als hosliles, bald gülige, bald feiudhclie wesen
anzunehmen, vgl. Sa*m. 185^ 195* 254^ 273^ ein bei-
spiel der letztem art liclert die geschichte von 'liauhraudi^
den disir umbrachten (Nialssaga cap. 97) ; die umständ-
liche crzähiung (forum, sog. 2, 195) nennt sie aber blofs
honuv (frauen.) spadisir (uymphae vaticiuantes) Völsuug.
saga cap. 19 sind niclils anders als was späko//ur] die
redensart: *ecki eru allar rfz'&7> daudar enn' (Alfs saga cap.
15) sagt ganz allgemein: noch sind nicht alle gulcn geisler
ausgestorben, die disir waren aber geisterhafte frauen, die
man vereinte, denen man opfer brachte : üflcr ist die rede
von disablot. Egilssaga cap. 44 p. 205. Vigagl. saga cap,
6. p. 30; bhlla kumla disir (deabus lumulalis sacrificare)
Egilss. p. 207. Herjans dts (Sicm. 213**) ist nympha Odi-
ni, eine in Valhüll wohnende, zu Odhins gebot stehende
Jungfrau ; dis Skiöldiinga (Sjem. 169» 209»), aus dem ge-
schlecht der Skiöldunge abstammende göuiiclie juughau,
wird sowol Sigrün als Brynhild genannt, aber selbst
Fre^-ja lieifst Vanadin (nympha Vanorum) Sn. 37 und
Skadhi, eine andere göttin, öndardis (die in holzschuhen
gehende) Sn. 28, was gleichviel ist mit önduTgiid/h meh-
rere ^veibIiche cigennamen sind mit dis zusammengesetzt:
Thijrdis, Hiördis, Asdis, Yigdis, Ilalldts, Freydfs. Zu die-
ser alJgemeiiiheit des ausdrucks scheint nun ein erst neu-
lich aufgefundnes golh. adj. deis (callidus, prudeus) zu
passen, und JJeis ^vare niclils als femina piudens, eine
kluge und weise frau *) ; die belegstellcn sind schon s. 66
gegeben.
Eine andere, viel gewagtere mulmafsung, dais in den
namen der ahd. gÖttin 2!isa ein solches deis oder dis ver-
*) wie alto. soot oder snoira (femina) zum adj. snotr (pradens)
gehört
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ALRUNB? 22r
borgen liegen könne (s. 189), liabe ich hier wenigstens als
möglich %i\ rcchllerligen. die regel der laut Verschiebung
erfordert zwar für golh. deis ein ahd. th, aiisnaluns weise
trill aber ahd. Z neben goth. D auf *) und eine solche
ausnähme niüsle denn auch hier gestattet sein.
Im fünften cap. ist der Zusammenhang zwischen die-
sen Wahrsagerinnen und dem priesteramt gewiesen worden,
eingegangnc vertrage wurden in f^eledas gegenwart ge-
heiligt; sie weissagte nicht blofs, sie hatte unter dem volk
gescliäfte zu schlicliten und auszuführen. Veltda mag
melu' als eigenname, wirkliches appellalivy und mit dem
altn. Valay vielleicht mit der benennung der valkyrien
verwandt sein. **)
Vor Veleda soll Auruiia in Deutscldand berujimt
gewesen sein (s. 64) ; all mag unter den bänden der
Schreiber sich leicht in au verderbt liaben, und runa in
rinia: so hätten wir j4lirunay wofür freiUch Tacitus schon
Alioruna schreiben durfte, aber die oft wahrgeuonunene
einslimmung mit Jornandes ist auch unverkennbar, der,
zur erklärung des Ursprungs der I Innen, von Filimcr dem
gothischen kunig berichtet : 'repperit in popuJo suo quas-
dam magas niulieres ^ quas pMrio scrmone aliorutnnas
(al alynimnas, aliorunes, aliuruncas) ^**) is ipse cognomi-
nat, easque habens suspeclas de medio sui proturbat, lon-
geque ab exercilu suo fugatas in soliludine coegit errare,
quas silvestres homines, quo« faunos ficarios vocant, per
eremum vagantes dum vidissent, et eariun se conq>lexibu8
in coitu miscuissent, genus hoc ferocissiminn edidere'. mit
-rAn^ -nina werden viel frauennamen gebildet (gramm. 2,
517), und -rumnas statt -ninas gesdirieben, erhielte man
entweder alioruna, das für aljaru/ia (gramm. 2, 628)
stände, oder (y = v i= u) aluru/ia, das vielleicht mit alus
(cerevisia) zusammengesetzt wäre, zu letz lerem stimmt
der altn. fraueuname Olrun ^ welcher Sicm. 133. 134 ge-
rade von einer weisen fr au vorkommt, und unser noch
•) goth. du^ alid. zi; goth. hagastald«, ahd. hagastalt, nhd. hage-
«tolz; altn. dvergf, mhd. twerc, nhd. zwerg. in einzelneu Wörtern
schwaoltt die lid. sc-hreibung zwischen D, T, Z: scerdifedern, scertife-
<lera, scherzefedcr (Frtdank p. 392) und im Hild. lied scheint umge-
kehrt chludun geschrieben für chluzun (findebant, iin<lebantur.)
") ich finde auch JFaladeficMs in den trad. corb. p. 364. §. 213;
«in wildes weib heifst Wolfdieterich 514 *die wilde waldin\ T35 'diu
üt>el walledeiri'. das scheint aber verderbt aus vdlandinoe.
'**) bei dieser lesart fallen mir die Auruni und Aurunci (Niebuhrs
'öa. gesch. 1, 77. 88) ein.
15*
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228 NORNI? WÜRT
gangbares a/ra «72, das mehr die lebendige volksSÄge, als
ältere spraclidenkmäler fortgepflanzt zuhaben scheinen: es
hat die bedeutung eines teuflischen (weissagenden?) gei-
sles, und endlich der wnrzel (mandragorä) , aus welcher
man Um sclmeidet, angenommen. Alle diese Vermutungen,
so zweifelliaft sie immer sind, durften hier nicht ganz
übergangen werden, wir wenden uns zu andern benen-
nuiigcn, für welche die quelle der Überlieferung reicher
fliefst.
Von den drei Schicksalsgötllnnen enthält die edda ei-
nen abgeschlofsnen tiefsinnigen mjihus. sie heifsen gemein-
schaftlich nornity einzeln aber Urdhr, Verdhaiidi^ Siuld.
Sacm. 4* Sn. 18. der ausdruck norn (parca) hat sich bis-
her in keiuem andern dialect aufgefunden *) , gehurt je-
doch ohne zweifei echtdeutscher wurzel an, und ist wie
körn, horn.u. s. w. gebildet) ahd. würde man norn, pl.
norm gesagt haben; auch die schwcd. und daiu spräche
hat ihn verloren. In den drei eigeunameu sind die for-
men abstracter verba unmöglich zu verkennen: Urdhr ist
aus dem pluralablaut von verdha (vardh, urdhum) ent-
nommeo, Verdhandi ist das fem. part. praes. des nem-
L'clien Worts, Slculd das part. praet. von skula, d. h. dem
worl, mit welchem die mangelnden flexioneu des futunims
umschrieben werden, es ist also sehr passeud das ge-
wordne, werdende und werden sollende , oder vergangen-
heil, gcgcnwart und Zukunft bezeichnet und jede der drei
parzen in einer dieser richlungen aufgestellt, zugleich ihuH
uns die nainen dar, dafs die lehre von den nornen ur-
sprünglich unter allen deutschen Völkern einheimisch war.
eine golhische Vaürths, Vairthandei, Skulds, eine ahd.
Wiirt, Werdandi, Sciüt u. s. w. müssen als persönhche
Wesen bekannt gewesen söin^ wir vermögen die Persön-
lichkeit der ersten norn deutlich aus alts. und ags. poe-
sien zu beweisen, 'thiu PVurdh is at handun' heifst es
Hei. 146, 2, wie *dud is at hendi 92, 2: parze, töd ste-
hen so nahe, dafs sie den ihnen verfalln^ menschen MÜt
der band greifen können***) wir würden heute ebenso
sinnlicli sagen : 'stehen ümi bevor^, ^sind vor banden'. *thiu
TVurth naliida', nahte sich. ^TVurth ina benam'. H^l.
66, 18. 111, 4: die todesgöttin nahm ihn weg. lebloser
*) Nürnberg (lAoos noricns) hat nichts damit zn schafien^ ist anch
keine sehr alte stadt (in Böhmers regest, zuerst no. 1007.)
**) mhd. 'er hat den t^t an der hanf. Reinh. 1480. 1806. Nib.
1480, 4. Morolt 29b. Dietr. 29a. pf. Chuonrät 3860.
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NORNI? WÜRT 229
kUngt der ausdniok des Hild. liedes 48 ^w^u^urt skibil',
oder vielleicht getrennt Sv^ ! wart sklhit', weil 'geschelieu'
mehr von unsinnlichen dingen gesagt wird, desto leben-
diger sind ags. redensarten : %e thät Vyrd *) geväf (par-
ca hoc mihi texuit) Couybeaies illuslr. p. xxiv; ^Vyrd oft
neredh unfjegne eorl, thonne his eilen dedh' (ellan tnoc.
Hild.) Beov. 1139; *him väs Vyrd ungemele neah, **) se
thone gomelan gielau sceolde, s^cean slvlehord, siindiir gc-
dielan lif vidh lice'. Beov. 4836 ; *8vl him Vyrd ne ge-
scrdf (ita ei fatum non ordinavit, decrevit) Beov. 5145 vgl.
Boelh. ed. Ra\vi. p. 151; *calle ^rrf forsveop ***) (alle rifs
die parze fort) Beov. 5624. iinsinnlicher sind die stellen
im Cädm., doch heilst 61, 12 die T^yrd 'välgrim', schlachl-
gierig, grausam. Nicht so läfst sich die persönliche Ver-
wendung der beiden andern uamen erweisen, obgleich der
dritte Sciilt ^ ags. Scyld als abstracles fem. scult, scyld,
mit der bedeutung von debilum , delictiim überaus häufig
fortgebraucht wurde. IJino einzige benennung, nachdem das
chrislenthum die heidnische Vorstellung verdrängt halte, ge-
nügte, und bald erlosch auch sie, um neueren ausdrücken
wie Schicksal, Verhängnis und ähnlichen, die weit unbe-
quemer und schwerfalliger sind, als die alten ^ einfachen
Wörter, platz zu maphcii. Am längsten scheint die engli-
sche und vorzüglich schottische mundart den ausdruck ge-
hegt zu haben ; bekannt sind die ^weirdsisters* in Shak-
speares INIacbelh , die er aus Holinshed entnahm 5 auch in
Douglas Virgil 80, 48 stehen sie, und der complaynt of
Scotland (geschrieben 1548) gedenkt imtpr mehrern fabel-
haften erzahlungen der 'of thp ihre vel'rdsystirs* (Ley-
dens ausg. Edinb. 1801 p. 99); in "Warners Albions Eng-
land (zuerst gedruckt 1616) heifsen sie nhe weirdehes\
es süid wol die drei parzen der alten gemeint, eigen-
thümlicher scheint 'the wel'rd lady of the u>ood&* ^ wel-
che um rath befragt, aus ihrer hole weissagt, in Percys
reliques 3, 220—222. f)
Selbst im Norden mufs UrdJtr bedeutsamer als die
•) mit D, nicht TH, obgleich vcortfian, vearth geschrieben wird,
aber der plur. nimmt D an, vurdon; eine bestätigang der vorgetrag-
neo ableituug. ebenso alid. Wurt, weil werdan, wuttani.
••) *deÄdh ungemete neali'. Beov. 5453.
**0 so lese icli für ^fursveof der ausgaben, vgl. forovdpen Cadm.
25,9.
+) vg*« Jamieson 8. v. ueird (weerd, weard.) Chaucer gebraucht
*(^on fatal sustrin «tatt weirdsyster« (Troiiuä 8, T33. leg. of good
women 2619.)
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230 NORM ? WÜRT
beiden aiiJcrn gewesen sein, denn der brunnen an der
heiligen esche lieifst nach ihr Urclharbrunnr, und neben
dem brunnen steht der saal, ans Avclchem die drei nornen
kommen ; auch wird vornemlich das ^ Urdliar ordh' (Sicm.
112^) genannt, und einmal ^grimmar urdhir^ (dira fala)
abslract gebraucht. Sivm. 216^\ jyiQ^^a drei Jungfrauen be-
stimmen jedem menschen seine lebenszeit (skapa niünnum
aldr; skop t ardaga) Sn. 18. Sfcm. 181*, und ich liabe
schon (IIA, 750) den technisclien bezug des ausdrucks sha-'
pa aul* das riclilende, urlheilende amt der nornen darge-
than, *) denen eben darum d6mr und qvidhr (Sa;m.273**)
beigelegt whd. ^nornir heita llirer er naudh skapa*. skald-
skaparmal p. 212«. gleichl>e7.eichnend ^nornir visa* Saem.
88**, sie weisen das urlheil und sind weise. Jedem neii-
gebornen kinde nahen sie, und fallen über es ihr urlheil;
als Helgi geboren war, heifsl es Socm. 149;
nött var i boo, nornir qvdmo,
thocr er ödhlingi aldr um skSpo :
tliann badho fyiki frcrgstan verdha,
ok bud!di\nga beztan thyckja,
snero thoer af atli örld'gthdtto,
thä er borgir braut 1 BriUundi:
thoer um greiddo gullinatmo,
pk und manasal midlijan festo.
thoer austr ok vestr enda fälo,
tliar atti lofdhAngr land Ä milÜ!
brd nipt JSera a nordlirvega
einni jesti. ey badh hon lialda,
in dieser merkwürdigen stelle wird ausdrücklich gesagt
dafs nachts in die bürg tretende nornen dem beiden
die schicksalsfäden drehten und das goldne seil {thdttr
= diUit, docht ; slmi) mitten am himmel ausbreiteten, eine
norn barg ein ende des fadens gen osten, die andere ge»
Westen, die drille festigte gegen norden, diese dritte wird
genannt 'schwesler des I\eri\ **) alles gebiet zwisclieo
dem üstlichen und w csllichen ende des seil sollte dem jun-
*) vgl. ajr«. vyrda ge.sveajt Cadm. 224, 6. alts. wurdhgiscapu (dc-
creta fati) H^l. 113, 7 und den ahd, ausdruck scephfnid (parca) mhd.
sclicpfe (Ottoc. 119b) und sc/iepfer; der dichter, auch ein vates, liief«
alid. scuof, alts. scSp, nach derselben wurzel. N. Cap. 50, 55 über-
tragt pafca durch brieuara (die aufschreibende ?) Das ags. wort md-
ien stelle ich zusammen mit metod (schöpfer) oben s. 15. im Boetii.
p. 101 (Rawlinson) heifot es nach der Variante: HUA graman ineiUm\
die grausamen parzen.
••) vgl. '•nipt Aöra' KgilßSaga p. 440.
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NORM? 231
gen lielden zufallen; tliat die dritte uom dieser gäbe ein-
trag indem sie ein ewigbaitendes band gegen norden
bin warf?
Das scheint gerade characterisllsch in nornen und feen-
sagen, dafs was vorausgchoude begabungen güustiges ver-
helfsen, durch eine nachfolgende zum theil wieder verei-
telt wiixl.
Nornage^tssaga cap. 1 1 heifst es : im land fuhren ^^»07-
pur\ die man *',spdiornir^ uanule, umher, die weissagten
den menschen ihr geschick (^spadhu müunum aldr' oder
^örlög*.) die leule culbolen sie zu sich ins haus, bewirte-
ten und bescheuklcn sie. Kinst kamen sie auch zu Nor-
nagests vater, das kiud lag in der wiege, über ihm brann-
ten zwei kerzen, ijachdcin die zwei ersten weiber es be-
gabt und ihm glückseligkeit vor andern seines gcschlechts
versichert hatten, erhob sich zornig die dritte oder jüngste
norn (*liin yngsta nornin) und rief: 4ch schairp, dafs das
kind nicht länger leben soll, als die neben ihm angezündete
kei*ze brennt'! schnell grif die älteste votra nach der
kerze, löschte und gab sie der mutter vermahnend,
sie ^icht eher wieder anzustecken, als an des kiudes
letztem lebenstag, welches davon den namen Nornen gast
empfieng. hier ist voha^ spdhon a und norn vollkommen
gleichbedeutig ; den beiden ersten nornen wird wohvollende,
der dritten üble gcsinnung zugeschrieben, diese dritte,
folglich Skuld, heifst 'die jüngste', sie wurden also
von verschiednem alter, und Urdhr als älteste ange-
nommen*
Die edda lehrt ausdrücklich, dafs es gute und böse
(gödhar okular), und, obgleich sie ihrer nur drei nam-
haft macht, noch mehrere gebe: einige nornen stammen
von den gültern , andere von den elben, andere von den
Zwergen. Su. 18. 19. Sjrm» 187, 188.
JNlan sieht es, in dieser ganzen Vorstellung sind saclio
und personen genau getrennt, das Schicksal selbst heifst
örlög oder auch naudhr (necessitas) aldr (aevum); die
nornen haben es zu verwalten, zu erspähen, zu verhängen
und auszusprechen. Den übrigen dialeclen wohnte auch
hier der nemliche aüsdruck bei: ahd. urlac ^ ags. orlägy
mhd. urloac (gramm. 2, 7. 87. 789. 790) alls. orlag^ or^
legi, aldarlagu (Hei. 103, 8. 113, 11. 125, 15)*) und
•) ftller walirsclieinliclikeit uach von legan (coiistituere) , wie aga.
läge, altn, log (lex), also argesetz; die formen urlouc und urlioge
sind verfaUclit
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232 NORNI? (FATAE)
erst nachdem man die heidnischen güttinnen ausgestofeen
halte, verwirrten sich die wortbegrüfe, das persönliche
ipurty wiirdh^ vyid ficng an in die bedeutung von urlae
überzugehen.
Wie norn zu örlog, verhält sich parca zu fatum
(von fari, gleich jenem qvidhr von qvedha), uXuay fioT^a
zu avay'iTj (naudhr) oder et/tiag/Kiv^* als aber die par-.
cae in der eiabildung des volks versohwimdon waren, bil-
dete die romanische spräche (nach einem umgekehrten hev^ 4
gang, als dem eben bei uns nachgewiesnen) aus dem saclb-
Uchen w^or^ ein neues persönliches, aus Jatum ein ital.
fatUy Span, hada^ franz. fee, *) ich vvcifs nicht, ob vom
celtischen glauben nachhallcnde weibliche wesen, oder ein-
Wirkung germanischer nornen dazu nüllügten. diese feen,
urspriiuglich von Verkündigung des. Schicksals benannt, sind v
aber bald überhaupt geistcrhafie frauen geworden imd das
altn. völvur oder dtsir würde ihnen entsprechen. **) wie
sehr frülie die beneunung in Italien gangbar war, bezeugt
Procop, der (de hello goth. 1, 25. ed. bonn. 2, 122) eines
römischen hauscs gedenkt, welches tu rgia (pära liiefs, mit
derbemerkung: ovtw yäg* Po)jua(Ot rag fioiQccg vivo/tiUae^
xaXür» ***) damals also noch neiitrum.
Von den romanischen fecn geht eine menge sagen, die
mit dem deutschen Volksglauben zusammentreffen, tre fate
wohnen unten in einer felsenschlucht und begaben Itiuab^
steigende kinder (pentam. 3, 10); fate erscheinen bei neu-
gebor^nen , imd legen sie an ihre brüst (pentam. 5, 5) ; es
gibt sieben feen im land, man bittet sie zu pathen und
bereitet ihnen elffensitze am tisch: als schon sechse platz
genommen hatten, war die siebente vergessen worden, die
nun erscheint, und während jene günstig begaben, ihre
Verwünschung murmelt (la belle au bois dormant) ^ im deut-
schen kindermärcheh (Dornröschen) sind es zwölf weise
frauen y die dreizehnte hatte man übersehen. Bei Buj>-
^) vgl. nata, n^e; amata, alm^e; lata, Ide. einige mbd. dichter
sagea feie (Hartm. Wolfr.), andere feine (Gotfr. Conr.)
**) altfranz. diclitongeu nennen sie, aufser fees, auch divesses (Ma-
rie de Fr. 2, 385) duesses (Meon 4, 158. 165); puceles hien eurees
(M^on 3, ^\&) franches puceles senees (3, 419)5 sopaudes (weise
frauen, von sapere?) Marie de Fr. 2, 385. allen wird bezaubernde
Hchunheit zugeschriebea : ^pus bela que fada^ Ferabras 2767. vgl.
Troj. 16434.
•••) hiernach leite ich fata nicht von »^ur*? (t<age) oder 9>aToc, ob-
sclion AsA lat. verbum selbst mit fftnd verwandt ist ) vgl. Ducaage s. T.
Fadus und Lobecks Agiaoph. 816.
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NORNI? 23S
chard lieifsen sie noch drei Schwestern oAqt parzen, de-
nen im hause der tisch mit drei tellem und drei messem
gedeckt wird (anhang p. xxxvm)^gl. das ^praeparare men-
sas ciun lapidibus vel epulis in domo' (p. xxxv. xxxvi.)
In den meisten erzäljungen erscheinen drei feen, wie drei
nomen oder drei parzen; einigemal sieben und dreizehn^
aber auch einzeln, gleich jener weirdlady of the wood,
imd mit besondern eigennamen treten sie auf. *) Niemals
begegnet, so viel ich weifs, in romanischen oder deutschen
volkssagen die nordische vorslellung von dem drehen und
festigen des seils, noch die griechische von dem spinnen
und abschneiden des lebensfadens, nur ein dichter des
mittelalters, Marner, hat sie 2, 173^ :
jsuf6 schepfer fldhten mir ein seil
dd M diu dritte saz^
diu zebrachz; daz was intn imheiU
ob er sich dabei auf einheimische Überlieferung oder auf
die antike ansieht gründet? Nach Ottocar wiid von den
»iiliepfen alles gelingen, in giileni und bösem, auferlegt.
Vergleicht man den nordischen und griechischen my-
Ihus, so ist jeder in unabhängiger eigen ihümlichkcit gestal-
tet. YiXb)d^v)y A^a^^o^Sy "K.TOonos, die drei jitoiQaip haben
in den n amen nichts gemein mit XJrdhr, Verdbaudi, Skuld ;
sie sind Schwestern, der nacht tüchler. Clolho, wiederum
die älteste, spinnt (von xAwtfw, ich spinne, zwirne), La-
chesis loost, entscheidet (von Xayeiv), Atropos, die unab-
wendbare, schneidet den faden. ) jene Idee von Vergan-
genheit, gegenwart, zukunft bleibt unberührt; auch die des
einspruchs der dritten göltin scheint zu mangeln^ merk-
-wiirdige ahnlichkeit mit Nornagestssaga hat eine von ]Me-
leager, bei dessen geburt die mören weissagen; Atropos
bestimmt ihm so lange zu leben, als das auf dem heerde
brennende scheit nicht verbrannt sei. Althaea, seine mut-
ter, zieht es aus dem feuer. ***) Spatere deutsche mar-
clien verwandeln hier nornen oder parzen in den tod
(kinderm. ijo. 44.) ein anderes von den drei Spinne-
rinnen (no. 14) schildert sie als häfsliche alte weiber, und
kennt ihre hilfreiche, nicht mehr ihre weissagende erschei-
♦) la fafa im Guerlno mescliino p. m. 223. 234 — 238; fata
M Organa^ Morghe la fee (nouv. ßenart 4810); diu frouwe da la
rösche hise (vom schwarzen felsen), die gesach nieman, er sciiiede
dan vrd, riciie nnde witie. Ueu. 144.
**) Hesiod scliild des Herc 254. vgl. Hom. Iiymn. in Merc. 550.
•**) Apollodor I. 8, 2.
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234 NORM?
nuug» anderwärts weiesagen drei alte weiher, oLue dafs
sie spinnea. *) eine volkssagc **) führt zu^ei Jungfrauen
ia eiüer bergliühle spinnend ein, unter ihrem tisch ist der
böse (ich denke die dritte norn) festgebunden ; Aviederum
wird von dem hanfl^aum erzählt, auf dem xu miiternacht
eine spinnende frati sitzt. ***) Nicht zu übersehen ist
der eine webende norn bezeichnende ags. ausdruck 'Vyrd
ge^ä} (s. 229.)
Saxo gramm. p. 102 bedient sich des lat ausdrucks
parca und nympha^ schildert aber unverkennbar noruen:
'mos erat anliquis super fuluris libcrorum eveutibus par^
carum oracula cousultare. quo ritu Fridlevus OJavi fiiii
fortunani exploraturus, nuncupatis solenniter volis, deonini
aedes precabundus accedit, ubi introspcclo sacello 7) ter-
nas sedes tolidem nymphis occupari cognoscit. cpijiruin
prima indulgentioris animi liberalem puero forniam , ube-
remque luunani favoris copiam erogabat, eirfeni sevitnda
beucficii loco liberalitatis excellentiam condonavit, tertia
vero protcrvioris iugenii invidentiorisque studii femina «o-
roruni indulgentiorem aspernala consensum, ideoque carum
donis officere cupiens, futuris pueri moribus parsimoniae
crimen affixit'. hier heifseu sie Schwestern, wie icli in
altn. quellen sonst nicht gefunden habe, und die- dritte
nymphe ist wiederum die büsgesinnle , das gescheiik der
beiden ersten verringernde, abweichend ist nur, dafs die
nornen nicht dem neugebornen nahen, sondern der vater
ihre Wohnung, ihren tempcl aufsucht, -ff)
Bisher habe ich die weisen frauen des allcrlhums n\w
als leukerinnen menschlicher scliicksale, als urlheilende
nornen abgehandeltj, und schreite nun zu einem andern ih-
rer ämter fort: sie stehen der schlacht vor, sie weissagen
und bringen den kampfern sieg oder verderben. Schon
Jul. Caesar (de hello gall. 1, 50) berichtet die germanische
sitte : *ut matresfamilias eorum sortibus et vatici/ia/io-
nibufi declarareiit, utrum proelium conuiiitli ex usu esset.
') Aw. 1. lOr. 108. 109. 110.
••) deutsche sajren 110. 9.
♦♦*) Jul. Sclimidt Reichenfeis p. 140.
f) sie hatten also einen tempel^ in dem man ihr orakel befrage.
■|"j-) die Slaven haben keine eigne vor.>tellung von schicksnls^ttia-
nen. die lettische Laima legt dem kind l)ei der geburt das laken un-
ter nnd ordnet sein glück, auch tiei andern anlassen des lebens heif»!
es: 'so hat es Laima gefügt', sie lauft barlufs über die berge, drei-
eaht der parzeu, und fadenspiunen ist den Letten unbekannt, vgl.
Stenders gramm. p. 264. Rhesas dainos p. 272. 309. 810.
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WALACHÜRIÜN? 285
nee ne\ hausfrauen pflag<?n der weissagiing, vielleiclit be-
fiooders dazu erwäblte frauen, von Lolierem, göttlichen an-
gehen wie Veleda ?
Man entsinne sich, welchen götlern hauptsächlich an
dem ausgang des kanipls ^'elegen war: OdJiinn uud Frey ja
zogen alle in der sc hl acht gefallenen an sich, Odhiun iiaiim
sie in seine himmlische wohnung auf (s. 95. 194.) diese
hofnung, nach dem tod gotllicher gemeinschaft theilhaftig
zu werden, durchdrang den glauben der Heiden.
altn. valr , ags. väl^ ahd. wal bedeutet niederlage der
leicheu auf dem Schlachtfeld, inbegrif der erschlagenen : den
val in empfang nehmen, holen nannte man iiosa, kie-
sen, überhaupt scheint dies verbum technisch zu stehen von
der annähme jedes einem höheren wesen geschehnen Op-
fers. *) dem Odhinn dienen aber in ValhüU Jungfrauen,
Uüd sie entsendet er in jede Schlacht , um die erschlagnen
zu kiesen. Sn. 39.
Hiervon heilst eine solche halbgöttliche jpngfrau val-
lyrja, und es ist wieder eine der erwünschtesten einstim-
mungen, dafs die a^s» spräche den gleichen ausdruck vä/-
cyr/e (välcjTge, välcyrre) zur Verdeutschung lat. wörter wie
bellona , erinnys , Alecto, Tisiphone beibehalten hat, ja für
parca und venefica verwendet, ganz sicher folgere ich ein
ahd, walachuriä (yvaiachuTrX); valakusj6 wäre die goth.
form. **)
Gleichbedeutend mit valkyrjur ist das altn, valmey-
jar (scldachtmädchen), vielleicht das heutige norw. pa/rfo^er,
«ach Hällager 140^ schutzgeist. noch werden sie^ genannt
shia/dmeyjar, hialmmeyjar, weil sie gerüstet unter schild
und heim ausziehen (vera und hiabni^ Snem. 151* 192^);
nonnor fhrjans (Sicm. 4^.) ***)
ancli öskmeyjar (wunschmädchen), Sa»m. 243^. Völs.
saga cap. 2. ich denke, weniger in bezug auf ihr kriege-
risches wesen, als weil sie in Odhins diensten stehen, und
Odhinn Osli\ PVunsc heifst. Hierzu tritt noch etwas an-
deres, das ich schon s. 99. 100 hätte sollen anmerken, eine
bestätiguug meiner ansieht,, dafs Wuotan den namen TVunsc
*) hauptstelle Ssem. 141».
*•) von valr^ wal selbst konnte die würzet in velja, vnljan (eli-
gere) pesnclit werden , ^o dafs es an sich schon den begrif von wfili'
len und kiesen enthalten hätte, der auf die strages angewandt, niid
«pater verd«inkelt, durch ein anderes verbum nochmals ausgedrückt
worden wäre?
•■•) Mit Odhinn fahren Frigg, die valkyrjur nnd die raben im
wagen. Su. 66.
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236 WALÄCHÜRIÜN ?
fülirte, liegt iu seiner Identität mit Mercur, denn Merctir
tragt den zaubcrslab (caduceus), der sich der ppünsc/telruthe,
alid. wunsclligerta vergleicht, aus einer näheren betrach-
tiing beider stäbc, die ich später anstellen werde, soll sich
diese analogie bestimmter ergeben : sind aber W'iiotan uud
T'Vunscy Odhinn und Osli zusammenfallend, so läfst sich
vermuten , dafs der dorn oder sclilafdorn , vrelchen Odhin
in das kleid der valkyrja Brynhildr steckte (Srcm. 192«),
w^ieder ein wunschdorn war?
In Valhöll hatten die dshneyjar oder vallyrjur das
geschäft, göltern und eiuherien das trinkhorn zu reichen
und den tisch zu versorgen. Hieraus ergibt sich ihr beson-
deres Verhältnis zu Frey ja ^ die gleich ihnen Sval kieset',
Valjreyja heifst (s. 194) *), und gleich ihnen, beim gc-
lag der Äsen (at güdl Asa) einschenkt. Sn. 108.
Bedeutsamer ist ilu* amt im krieg, nicht nur das
'kiosa val', ^kiosa feigdh', auch das 'rAdha vigiun' oder *si-
gri', also ein aussohlaggeben liber kämpf und sieg wird in
ihre band gelogt. Sn. 39. sie heilsen ^görvar at iidlia
grund', görvar at rJdha til gotlhlhiodhar*. Sfem. 4**. In ili-
i'em wesen ist unwiderstehliche Sehnsucht nach diesem
kriegerischen geschäft begründet: daher in der edila ilire
eigenthümlichsto leidenschaft ausgedrückt wird durch das
verbiun MhriV (desiderant) Sa^m. 88* Hhrddho* (desldera-
bant) oder 'fystoz' (cupiebant) Sa?m. 134*. **) Gewöhn-
lich reiten neun valkyrjur zusammen aus (Sfcm. 142. 162),
ihre lauzen, helme und Schilder glänzen (Sfem. 151*), ihre
pferde scliültelii sich und thau fallt zur erde (Sfvm. 145.7
diese neunzabl ist auch in der sage von Tliidhrandi (s.
22()), dem erst neun dlsir im weil'sem, dann neun andere
in schwarzem gewand erscheinen. Swm. 44. 45, und dar-
aus Sn. 39 werden ihrer dreizehn genannt: Hrist^ Mifft^
Skeggükl, Skögul, Hildr^ ThnUlUr, lilöck, Herßötr.Göü,
•) auch iu eiuem faröischen lied Valfrygv (Finn Magn. I«.
Pf 80^-)
*•) die empfangnahine der seeUn im augenblick des Sterbens Hurrh
Odhinn und Fre>ja, oder deren boten die v&lkvrien, scheint mir ein
so tiefgewurzelter zug unseres heidenthums, daU man ihn wol noch
in christlichen tfaditionen wiederfinden darf, dahin gehört der streit,
den en^el und teufel um die seele anheben, wie er in der von Schmei-
ler aufgefttiidnen dichtung Muspilli , Geor«; 12^5. 1244. 6082—86 und
Meon 1, 239. 4, U4. 145 geschildert wird; eine merkwürdige stelle
aus Morott werde ich cap. xui angeben, will man diese rorsteliuog
aus der epistel Judae 9 oder dem apocryphisdien über Euocb her-
leiten ?
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WALACHÜRIÜN? HILTIA KüNDIA DRÜD 287
Geira7iodh{vl.Geirulu\). Randgrtdh^ Rddgrtdh^ Regir/^
leif; Sa»in, ^haheTmxraechs: Skuld, Stögul, Gunnr^ tiildr^
Göndul, Geirstögul. *) die i^rosa Sii. 39 hebt dref\
als eigentlicli walkiesende, siegbebei^ßcliende hervor: Gud/ir
Rola und Sku/d, *norn en yngzla'. das berühmle schlaclit-
webeHed der Nialssaga nennt folgende: Hildr^ Biörthri-
mal, Sangrtdhr (1. Kaugr^dbr), Suipul, Gunnr, Gondul ;
Hilkonarmdlt Gqndol, Skögol, Geirshögol; KrAkumM
(ed. Rafn p. 121) H/öch und Hildr. Unter diesen ua*
men haben einige schon jetzt für unsere Untersuchung r.us-
»erordentliqhen werth, und keiner der übrigen wird bei
fortgesetzter forscliung aus deü äugen zu lassen sein.
Einmal Skuhl\ es geht daraus die gemeinscbaft der
nornen und valkyrien, zugleich aber ihre Verschiedenheit
hervor, eine dis kann beides, norn und valkyrja sein, die
Verrichtungen sind gesondert, gewöhnlich auch die perso-
nen. Die nornen haben das fatum auszusprechen, sie sit-
zen auf ihren stuhlen oder sie erscheinen unter den sterb-
Hellen und festigen ihre faden, niemals hcifst es, dafs sie
reilen. Die valkyrien aber reiten in den krieg, bringen
des kanipfs entscheidung und geleilen die gefallenen gen
hiramcl. Blofs Skuld, die jüngste norn (vgh s. 231) kann
auch valkyrja sein: dachte man sich Urdhr und Verdliandi
allzubejahrt, oder allzuwürdig fiir die arbeit des kiiegs?
und taugte das schneiden, abbrechen des fadens (wenn sich
diese idee im Norden beweisen läfet) mehr für die waf-
fcDgeüble Jungfrau ?
Hildr, Gunnr y Thrädhr sind deshalb genauer zu
betrachten, weil ihre persönlichkeit auch noch in andern
deutschen sprachen durchbricht, also das dasein einzelner
walachurien das ihrer ganzen gesellschaft aufser zweifei
«etzt. schon das altn. Hildr und Gunnr (= Gudhr) ab-
strahieren sich in hildr und gunnr (pugna, proelium))
aus bellona wird bellum* luiigekehrt steht neben dem ags.
hdd und giidh noch ein persönliches Hild und Güd/i :
'g«f mec Hild ninie'. Beov. 899. 2962 ; 'Gudh nimedh'
ßeov. 5069; wie sonst *gif mec deadh nimedh' Beov. 889
oder ^svylt fornam' Beov. 2872 oder wie (oben s. 229)
ryrd forsveop' ; vgl. 'Hilde gräp' Beov. 5009. Die ahd.
formen lauteten Hiltia und Gundia (Gildea), beide bie-
tet, freilich schon in abstracter bedeiUung, das Hild. lied
^- 60; zusammengesetzte eigennamen haben -liilt, -gunt.
*) angedrackte stellen der skalda liefern 29 oder 30 nameii (Finn
MagQ. lex. p. 803.)
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238 WALACHÜRIÜN ?
die sage Ton Hildr ^ die nachts auf dett -wal gelit und
durch ihren zauber die gefallnen vneder ins leben
-weckt, hat sich in der edda (Sn. 164. 165) und in der
altd. dichtuug von Gudrun erhalten, wo sie Hilde hciCsr. *)
T/irüdlir endlich, das wiedennn zum appellativ ihr tut hr
(virgo) wird, und in vielen ahd. frauennamen vorkommt
(z. b. AlpdriW, AYolchaudrüd, Himildri\d, K^rdriid, JVllnii-
di'üd, SigidrAd, die leicht an geisterhafte wesen gemahnen )j
hat die allgemeine bedeuluog von hexe, Zauberin, unholde
angenommen. **) sollte nicht bei Vintlcr (anh. s. lui) itir
tewte tnvte zu lesen sein? Hans Sachs hat mehrmals
*alle irute^ f. hexe, und mit den Worten: 'schweig, die
drut kommt !' stillt man lermende kinder^ ***) so dafs sie
hier ganz frau Holla oder Bertha (s. 166. 169) vertritt und
desto füglicher die alle valkyrie sein kann.
Aulser den angerührten valkyrien mufs es aber man-
che andere gegeben haben , und die zweite abtheüung der
Swmundaredda nennt einige als gelieble und gemahlinuen
edler beiden, so sind Si^cn^a^ Kdra^ Signin, Sigrdrtfay
iHid heilsen ausdriicUich valkyrien (Stem. 142^ 145^ 157.
169. 194) zugleich erhellt, dals sie menschlicher abkunft
und königstüchler waren, 8vava des Kylinü, Sigriin des
Högni, Kura des IlAlfdau, Sigrdrifa des Budli; Svava lieble
den Helgi lliörvardssohn,^ 8igri\tt den Helgi Hundiugsbani,
Kiira den Helgi Haddingaskadhi, Sigrdrifa oder mit anderm
namen Brynhildr den* Sigurdlir. ihren liebhabern ver^
Heben sie sieg und schütz im kämpf ('Sigri\n hlifdhi ho-
nom opt Sidlian J orrostom'. Sicm. 142^.) auch jene llildp
war königs Högni (Hagene) lochler, und Hedliins verlobte*
Odhinn nalim also in seine valkyrienscliaar sterbliche
Jungfrauen aus königlichem geschlecht auf: vergötterte
frauen den vergötterten beiden zur scite stehend ; doch
glaube ich nicht, dafs alle valkyrien dieser hcrkunft wa-
ren, sondern die 'ältesten und b «"ü hm testen , gleich den
nornen, von gültern und elben slanmiten. Bemerkcus-
werth ist auch, dafs Kära imd ihr Helgi für eine wieder^
gehurt der Svava und des älteren Helgi angeschen wur-
den. (Sa^m. 148**. 169.) In Völundarqvidha erscheinen
drei andere valkyiien nebeneinander: Hladhgudhr Si^an^
•) deutsche heldensage p. 32T ff, was bedeutet 'Hilde schnee* in
der volkssage von Hildeslieim? (deutsche sagen no. 456.) etwa plötas-
licher schuee? (brem. wb. 2, 631.)
*') Gcrdnit, Gerdraut halten einige für einen unchristlicheu namen.
**') Flöge! gesell, des groteske kom. p. 23.
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WALACHÜRIÜN? 289
hvit^ Hervor alvitr und Olrün *), die beiden ersten tücli-
ter könig Ltidhveri*, die drille Kiars : sie verbanden sich mit
Slagfidbr, Vülundr und Egili, lebten sieben jabre bei ih-
nen und eutdolLen dann, 'at vilja viga', um ihr altes kriegs-
gewerbe wieder zu treiben. Überhaupt, scheint es, schlug
die Verbindung dieser halbgöllinnen mit beiden für beide
theile nachlheilig aus; die beiden fanden einen frühen tod
oder anderes unlieil: vielleicht darf angenommen werden,
dafs die erhebung zur valkyrie unter der bedingung des
jungjräidichen Standes erfolgtei **) wenigstens als Od-
hinn auf Sigrdrila zürnte j die seinen Schützling im kämpf
halle unterliegen lassen,***) bestimmte fer, dafs sie nun
vermählt werden sollte (qvad liana giptaz scyldo) Sa^m.
194». Hladbgudhr, Hervor und Olrün waren von den
männern mit gewalt und wider ihren willen entführt
worden.
AVie wenig man nornen und valhyrien völlig von
einander trennen darf, lehrt auch die sage dieser drei letzt-
genannten Jungfrauen, zu geschweigen, dafs Hervor den
bcinamen alvitr (omniscia) führt, der sich mehr für eine
norn, als für eine valk}TJa schickt, heif'st es von allen
dreien , dal's sie am» seestrand sal'sen und köstlichen flachs
spannen y ja von derselben alvilr, die wiederholenllich
Angä* , wie Skuld in andern stellen genannt ist, dafs sie
^örlög dr<fgja\ Schicksal treiben wollte (Srem. 133* 134*.)
Auch die entscheidung in der schlacht ist ein theil des
schicksols , wie das ahd. uriouc (falum) im mhd. urlinge
die bedeutung von bellum annimmt (gramm. 2, 790.) Un-
streitig dachte man sich nicht blofs die nornen spinnend
und webend^ sondern auch die valkyrien. dies wird durch
dte furchtbarerhabene dichtung im 158 cap. der Nialssaga
am sichersten erläutert. Dürrudhr sieht durch einen fel-
»enspalt singende frauen an einem geu^ebe sitzen, wobei
ihnen menschenhUüpter äuui gewicht, därme zum garn imd
0 über diesen nameii, der freilich nie altn. Appellativ ist, s. 227
••) Pompoo Mela 3 , ft: ^oraculi numiais gailici aaüstites perpe^
iaa uif^initate sanctae numero nofeni esse traduiitur. gallicejias vo-
cant, putaoique uigeiiüs siiigularibus praeditas maria ac ventos couci-
tare, seque in quae veliiit animalia vertere, sanare quae apud alios in-
nanabilia sunt, scire Ventura et praeclicare sed non nisi deditas navi-
^ntibiis et in id tantnm, ut se consulerint, profectas'. Die ähniiclikeit
dieser neun wahrsagenden gallicenae ist unverkennbar, einige lesen
Galli Cenas, vgl. Tzschucke not crit. p. 159 — 163.
•••) Juerkwurdig , gegen Odhins willen , der also amgangen werden
konnte, das Schicksal stand über dem gott.
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240 WALACHORIÜN?
wlft, Schwerter zur spüle ^ pfeile zum k^mm dleiieni ih
ihrem scljauerlichen gesaug bez.eichnen sie sich selbst all
valhyrien^ ihr gewebe als das des zuschauenden Dür*
rudhr. *) zuletzt zerreifsen sie ihre arbeit , besteigen ilirc
pferde, und sechs reiten gen süden, sechs gen nordcD»
Hierzu halte man die webende Vyrd des ags. dicliters
(s. 229.) Wie tbeilung der jimgfrauen in zwei nach ver-
schiedner Seite reitende häufen ist den lijntereinander aufziehen-
den neun schwarz und neun Weifsgekleideten ähnlich (s. 236.)
Ich habe die notnen und /uoigai zusammengestellt,
gleich treffend lassen sich valkyrien imd X'^Qtg nebenein-
ander setzen: auch die x't^g erscheint auf der walstatt iE
blutigem gewaade, verwundete pflegend, todle fortziehend;
schon dem ncugebornen wird eine ut^q zugetheilt, Achill
hatte zwei xi^geg^ zwischen welchen er wählen durfte, und
zwei legt Zeus in die wagschale, über Achills oder Hec-
tors tod zu eiilscheiden. **) Die spätere ansieht hebt in ih-
nen den begrif des unheilvollen hervor*
Nun ist aber eine neue seile der valkyrien zu erör-
tern, es heifst von ihnen, dafs sie durcJi lujt und Was-
ser ziehen, 'ridbii lopt ok lüg% SfCm* 142^ 159 5 die gäbe
zu fliegen und zu schwimmen ist ihnen eigen , mit aadera
Worten: sie können die gestalt eines schwans aunebmen,
und weilen gern am seeufer. In Völundarqvidlia wird ge-
sagt: die drei frauen safsen am Sti^and, spannen llaclis
und hatten neben sich ihre ä/plarhamir ^ ihre schwan-
hemde; um augenblicklich wieder, als schwane, fortfliegen
zu können. *meyjar flugd* imd 'settuz at hvilae ^ stevar»
Strönd' 5 eine unter ihnen hat sogar den beinamen spo/z-
hiftt (schwauweifs) und trägt schwanfedern (svanfiadhrar
AvK^.) Jene Kdra, worin nach der edda Svava wiederge*
boren ward, tritt in der Hrömundarsaga (fornald. sog* 2,
375. 376) als zauberin mit schu?anhenid (fiölkyngiskona
t ulftarham) auf und schwebt singend über den beiden. ***)
Helgi hatte durch ihren beistand immer gesiegt, es geschah
aber, dafs er in einem kämpf mit dem Schwert zu hoch in
die luft fuhr und seiner geliebten den fufs abhieb : da fiel
sie zu boden, sein glück war zerronnen. Brynhildr gleicht
dem Schavan auf der welle (fot-nald. sog. 1, 186.)
•) so darf man wenigstens j *?indum vindum vef Darradhai^ ver-
stehen , wenn anch der name und die ganze tolkssage erst auft einem
*vef darradhiir^ (telam jaculi) entsprungen wäre, vgl. ags* deoredh (jt-
culum.) bekantiicli enthalt Stnrlüngasaga eine sehr ähnliche erzahluog.
••) II. 9, 411. 18, 5B5— 540. 22, 210. 33, 79.
***) Rafu hat die lesart Lara vorgezogen.
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SCHWANJUNGPRAÜBN 241
Diese Ueblidien ecliwan Jungfrauen hat deutsche über-
lieferuDg sicher sclion lange gekannt, in kühler fiut ba-
dend legen sie am ufer den schwanring oder das schwan-
hemd ab : wer es raubt , hat sie in seiner gewalt. *) ob-
gleich es nicht ausdrücklich gesagt wird, so sind die drei
weissagenden meerweiber, denen Hagne das gewand weg-
genommen hatte, eben solche; es heilst (Nib. 1476, 1):
si swebten sam die vögele vor im üf der lluot.
Dem mythus von Völundr begegnen wir in einer altdeut-
schen dichtung, welche statt der schwane tauben setzt : drei
tauben fliegen 2u einer quelle, als sie die erde berühren
werden sie Jungfrauen^ Wielant entwendet ilmen die klei-
der und erstattet sie nicht eher, bis sich eine derselben
bereit erklärt, ihn zum manne zu nehmen. **) In andern
gleich verbreiteten erzählungen werfen jüuglinge hemd, ring
oder kette über, die sie in schwane verwandeln. ***) kann
die Wiederannahme menschlicher gestalt nicht vollständig
erfolgen, so behält der held einen schwanflügel bei; ei-
nen beweis des hohen alters dieser dichtung liefert ihr
Zusammenhang mit der heldensage von Scoup oder Sceaf
(anh. p. xvm und vorhin s. 218); selbst in spätere gene-
alogien hat sie sich fortgepflanzt. +) ^ixai dem suaneringe
g4n' bei N. ps. 79, 14 mag überhaupt das vermögen lliie-
rische gestalt gegen menschliche zu wechseln bedeuten,
und der schwanring ist dann dem ring oder gürtel, mit-
telst dessen menschen werwölfe werden, identisch. W)
Man erzählt von einem schwan, der auf dem see ei-
nes bohlen berges schwimmend im Schnabel einen ring
halte, und wenn er ihn fallen lasse gehe die erde unter. +++)
auch auf dem Urdharbrunnr werden zwei schwane un-
terhalten (Sn* 20) ; bezieht es sicli auf die Schwangestalt'
weissagender frauen?
An schwaujungfrauen schien die spinnende Bertlia,
und die gansjä/sige künigin fttt) ^^ gemahnen (s. 173.)
*) MnsaenB Tolkstnahrchea band 3 : der geraubte Schleier.
••) deutsche heldensage 401. 402.
***) kindenn. no. 49. dentsche sagten 2, 299. 29ft«
f ) vgl. deutsche sagen no. 540 Mie Schivanringe zu Plesse, die
schwafiJUfi-el hi»d ring im Wappen fuhren, eine urk. von 1441 (Wolfii
Norten uo^ 48) nennt einen Jobannes SwaneßVgel, decretorum doctor
decaniu ecclesiae majoris hildesemensis.
ff) in einer flugsclirift von 1617 die redensart : Mem erdichten na-
men ring und larve abziehen.
ff f) Gottschalks sagen. Halle 1814 p. 22t.
\f[\^ Uammer (fundgr. des or. 6, 465) vergleicht Pedanca mit Sl-
16
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242 WALDFRAÜEN
konnten Jene weissagenden gallicenae beliebige thiergestal-
ten annehmen ; so mag auch den Gelten frühe fchon die
Verwandlung in schwane bekannt gewesen sein, und man
darf in franz. feensagen , was sie verschweigen , ergänzen ;
»Won 3, 412:
en la fontaine se baignoient
trois pucelea preuz et sen^es,
qui de blaute sembloient fdesi
lor rohes a tout lor chemises
orent desoz un arbre mises
du bout de la fontaine en haut
die hemde werden geraubt und die Jungfrauen aufgehalten.
Bisher ist eine stelle des Saxo unerwogen geblieben,
worin er unverkennbar von valkyrien redet, obgleicli,
seiner weise nach^ die einheimischen benennungen gemie-
den Sind, in der von ilun überhaupt so abweichend von
der edda erzählten geschichte des Hother und Baldr heifst
es pag. 39 : Hotherus inier venandum errore nebulae per-
ductus in quoddam silvestrium ifirginum conclave incl-
dit, a quibus proprio nomine salutatus, quaenam essen t,
perquirit. illae suis ductibus auspiciisque maxime bei—
lor um fortunam gubernari testantur: saepe enim se ne—
mini conspicuas praeliis interesse^ cla/tdestinisque sub^
sidiis optatoa amicis praeter e successus; quippe con-
ciliare prospera, adversa infligere posse pro libilu memora—
bant. Nachdem sie ihm rathschläge ertheilt, verschwinden
die Jungfrauen und ihr haus (aedes, conclave) vor Holher»
äugen. Späterhin p. 42 : at Hotherus extrema locorum de-
via pervagatus insuetumque mortaUbus nemus emensus,
ignotis forte ifirginibus habitatunT'reperit specum : ea»-
* dem esse constabat y quae eum insecabili veste quondam -
donaverant. sie berathen ihn jetzt aufs neue, und beifsen
nymphae. *)
Dies scheint mir nun nicht gerade jüngere, entstellte
ansieht, dafs man sich die in Odhins himmUscher gesell-
schaft wohnenden, durch luft und ilut ziehenden scldacht-
Jungfrauen zugleich in wcddeshölen hausend dachte; es
mag in uralten Vorstellungen gegründet sein, wir wissen^
bylla. sollte nicht die bekannte fünfeckige gestalt ^ts Drutenfujae^^ der
Biicli Mpfufs\\^\htt »US 5Bwei ^aiis oder schwanfufseu entspringen? die
valkyrie Dnit steht der sch\ranjungfrau ganz nah.
*) gleidi hernach treten aber drei andere nymphen auf, die dem
Baldr mit schlangengeifer zauberhafte speise bereiten, p. 43. einer /*-
mina silv€strU et immanig gedenkt auch Saxo p. 125.
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WALDFRAUEN 243
Ms liaino und bäiune als ort des aufenthalls und der nähe
der gOtt^r selbst angesehen wurden; nichts war natürli-
cher als in diesem heiligen räum auch halbgottliche wesen
den sterblichen erscheinen zu lassen. Sollte nicht derVe-
leda hoher thurm auf einem felsen des waldes gelegen ha-
ben? wohnten die gotlu aliorunen nicht im wald unter
waldgeistern? heilst es nicht Srem. 133, dafs die schwan-
jangfrauen durch den dunkeln wald (JVIyrkvidr) flogen?
also durfte sie Saxo silvestrea nennen, und ihr. gemach,
ihre hole in den wald setzen.
Unsere ältere spräche bietet in diesem sinn noch ei-
nige ausdrücke dar, in denen ich die Vorstellung weiser
waldjrauen wiederfinde , nicht blofs eibischer waldgeister.
sie heifsen iPildiu wtp und die traditiones fuldonses ge-
denken p. 544 eines ortes *ad domum wildero wtbo\
meister Alexander, ein dichter des 13. jh. singt (str. 139
p. 143*>) z *nii g^nt si vür in über gras in wilder wtbe
w«te'. Von einem wilden wfbe ist Wdte arzet% hat er
die heilkunst gelernt (Gudr. 2117.) Maz wilde fröuwe^
IM. Ecke 189. den gl. mons. 335 ist wildaz wtp lamia,
lind 333 ivildiu wip ululae, d. h. leichenvögel , todansa-
gende frauen, die noch späterhin ilagefrauen, klagemüt^
ter genannt werden und der weissagenden Berhta (s. 172)
gleichen, in hainen, auf bäumen erschienen weiTsgeklei*
iete dominae, matronae, puellae (s. 178. 179.) Die vi-
centinischen Deutschen verehren eine waldfrau, haupt-*
süchlich zur zeit der zwölften : von den frauen wird ihr
flachs am rocken gesponnen und zur sühne ins feuer ge-
worfen *) : sie ist der Holda und Berhta vollkommen ähn-
lich. Als Wolfdieterich nachts im wald an einem feuer
»itzt, naht sich die rauhe JSls^ das rauhe weib , und ent-
fährt den beiden in ihr land, **) sie ist eine königin und
wohnt auf hohem felsen t zuletzt legt sie im Jungbrunnen
badend ihr rauhes gewand ab und heifst frau Sigeminne^
*die schönste über alle lande'. Synonym mit wildaz wtp
geben die glossen holzmuoja (lamia und ulula) , die im
wald klagende, muhende; holzräna (gl. mons. 335. Doc«
210*>) von gleicher bedeutung, aber an jenes goth. alio-
ruiima erinnernd.
Eine allgemeine benennung solcher wesen mufs schon
*) deutsche sagen no. 150.
••) 7>o/>, vgl. Ecke öl, nnd EUentroje deutsche heldensage
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244 MENNI
im hohen alterrhiim menni, minni, gewesen sein; sie ge-
hört zu man (hoino) und zu dem alln. man (virgo),- kommt
aber nur in Zusammensetzungen vor, merimanni (neutr.)
pl. merimanniu, verdeutscht sirena oder scylla (reda umbe
diu tier, Hoffm. fundgr. 19, 18) w,eriminni gl. Doc. 225*
mons. 333.*) den dichtem des 13 jh. ist m.erminne gleich-
viel mit m,erwtp^ m,erfrouwe, aber auch mit wildes wtp*
*diu wtse merminne'* Diut. 1, ä8, ^gottinne oder mer^
minney die sterben niht ^nmohten\ Eneit 8860. im Wi-
gamiür tritt ein wildez wfp auf (112. 200. 227 ff.) das in
einem holen stein des meers wohnt, und abwechselnd mer-
wip (168. 338) merfrouwe (134) Tnerminne (350) heifst.
ags. m^erewtf ßeov. 3037. mnl. maerminne. die wisiu
ti>fp der Nib. werden merwtp genannt (1475, 1. 1479, l);
sie weissagen und warnen, schon dafs sie eigennamen föh-
ren , stellt sie den nord. valkyrien an die seite : Hadburc
und Siglint» den der dritten verschweigt das lied, von
Hagne wird sie angeredet: ^aller wfseste wfp !' (1483, 4.)
Wittichs ahnfrau (s. 221) heifst 'frouwe fVdchilt\ gleich-
sam Hilde der wogen > ist ein merminne , und wahrsagt
dem held (Rdb. 964 — 974.) auch Morolt hat eine mer-
minne zur muhme, die im berg Elsahi*^) haust und über
Zwerge herscht ; ihr name kommt nicht vor, wol aber der
ilu*es Sohnes Madelg^r, und wiederum empfängt IVIorolt
ihren weisen rath (Mor. 40*» 41*.) im ApoUonius erscheint
eine hilfreiche merminne als kiinigin des meers (z. 5160.
5294); hier lag dem dichter eine sirene, im sinn der al-
ten, vor, allein meriminni mufs in Deutschland bekannt
gewesen sein, bevor man von Sirenen hörte, der dän. Dane
Jlautet maremind (danske viser 1, 118. 125.) die nord.
sage hat uns ein ganz entsprechendes männliches wesen
aufbewahrt, den schweigstoien , weissagenden marmennill
(al. maimendill, marbendill), der aus dem meer gefischt
wird und vneder hinein gelassen sein will. Udlfssaga c. 7.
(fornald. sog. 2, 31—- 33.) «nach ihm "heifst die koraUe
^marmennils smidhi*^ er hat sie im wasser kunstreich ge-
schmiedet. Späterhin wurde in Deutschland der ausdruck
^merfeV gebraucht, Staufenbergers geliebte, die er \m wald
angetroffen hatte ***) , die schöne Melusine (eine vieUeichl
*) seltsam der gen. pl. meriininndnd, merimenndne , ein fem.
rimennia erfordernd.
'•) vgl. EUentroU («. 24ä.)
***) deatscbe sagen no. 622. vgl. no. 70.
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MBNNI 245
noch galUacbc übcrUeferuiig) sind gerade das feenliafie iPVe-
scn, welches man früher meritnenni nannte. *) gleich
der meriuinne gab es aber aucli eine waltminne, mit wel-
chem ausdruck alte glossen wiederum lamia übertragen
(Diut. 3, 276.) Sigeminne^ entweder die getaufte Rau-
cheis und Wolfdieterichs geliebte (s. 243), oder Hugdiete-
richs gemahlin **), darf mit vollem recht als waltminne
oder nierminne betrachtet werden.
Aus dieser Zeugnisse Zusammenstellung geht zur ge-
nüge hervor, dafs man sich unter wildaz wtp und menni^
. minni ein höheres, übermenschliches wesen dadite, wie es
der nordidcheu norn nnd vallyrie an die seite gesetzt
werden kann, aber die namen stehn .in unserer sparsamen
Überlieferung allzu nakt, feinere Unterscheidungen müssen
uos entgehn und die grenze der götter, halbgotter, elbe und
riesen lauft in mehr als einer linie durcheinander. Gleich
den nornen imd valkyrien (s. 233. 239) spinnen und we-
ben Holda, Berhta, Freyja» die göttinnen*
Der serbbchen mytbologie eigenthümlich ist die schone
dichtung von der vile , einem halb feeuliaften , halb elbi-
8chen wesen. an das Verhältnis der valkyrie zu dem mensch-
lichen beiden erinnert die Verbrüderung der vile mit Marko
(Vuk. 2, 98. 2, 232 und Danitza für 1826 p. 108), so wie
dafs die vileu einzeln auftreten und eigennamen führen, an-
deres aber nähert sie melu* den deutschen eibinnen des fol-
genden capitels : sie wohnen auf bergen , lieben gesang und
reigen (ir. elfenm. lxxxu), erheben sich in die lüfte und
schiefsen auf menschen tödlich verwundende pfeile. 'ustri-
jeUla ga vila' , die vila hat ihn mit dem pfeil erschossen,
ilir rufen im wald gleicht dem gerausche des hackenden
Spechts, die spräche benennt es ^kliktati^
•) doch stellt schon merfeine Diut. 1 , 38. ivazzerfeine (Oberl
I. V.), ja merfetn Ms. 2, 63a.
•*) deatsche lieldeiuage p. 185. 200. 201,
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246 WICHTE
CAP. Xni. WICHTE UND ELBE.
Von Jen vergötterten und lialbgöttliclien natuii^n scLei-
del sich eine ganze reilie anderer wesen Lau|>tsäclilicli darin,
dafa sie , wäluend jene von den menschen ausgehen oder
mensclüichen umgang suchen, eine gesonderte gesellschaft,
man könnte sagen, ein eignes reich für sich bilden, und
nur durch zu fall oder drang der umstände bewogen wer-
den, mit menschen zu verkehren, etwas übermenschliches,
was sie den gütteru nähert, ist iliuen beigemischt, sie be-
sitzen kraft den menschen zu schaden und zu helfen ; zu-
gleich aber scheuen sie sich vor diesen , weil sie ilinea
leiblich nicJit gewachsen sind, entweder erscheinen sie
weit unter dem menschlichen waclisthum, oder ungestalt.
fast allen *) ist das vermögen eigen sich unsichtbar tu
machen.
Die beiden allgemeinsten benennungen sind in der
Überschrift angegeben ; wir würden uns heute des aus-
drucks geister zu bedienen haben, geist **) aber ist, wie
das gr. Saifiuiv, hier zu weil , indem es sich auch auf die
im vorigen cap. abgehandelten halbgöttinnen ausdelmen
Uefse. genauer träfe das lat. genius*
Der ausdruck wiht scheint in mehrfacher hinsieht
merkwürdig, des wechselnden geschlechls und der dai^us
entwickelten abstracten bedeutungen wegen, das golb.
paihts ist weiblich, gen. valhtais, und Ul£las braucht es
nie in concretem sinn; Luc. 1, 1 überti'ägt es ihm nQay
fia^ viel häufiger, niitdernegation verbunden, ovJ^cV (gramni.
3, 8. 734.) dadurch wird aber nicht ausgeschlossen , dafs
sonst bei den Gollicn vaihls eiuen weiblich gedaclilen
geist bezeichnet haben könne ; denn keiner der übrigen
dialecte, die es ebenwol zur Stärkung und festigung der
ncgation verwenden, ja endlich die eigentliche, einfache ne-
gatiouspartikel dadurch absorbiert werden lassen, büfst die
lebendige bedeutung ein 5 alle ahd. dcnkmäler schwanken
*) treilich auch gottinneii {s. 160) und weisen Trauen (s. 242.) .
••) atiil. keUt^ agö. gdat ^ ait4. />^Y {yi\\r£,e\ ^ramnu. 2, 46); goth.
ahnui^ aiid. dt um f. aiiaduni, verwandt dem goth. aha (nieni) ahjafl
(niemitiiiise , cogit^re) wie man (homo), tttan/tiska und mannt ^ miwa
zu niuiiau, nihineik ^^thöreii (». 36. 204. 244.)
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WICHTE 247
zwischen neu^. und masc, jenes gotL. fem. Ist ihnen fremd.
0. hat ein neutr. wihty mit dem coUecliven pl. wihtir^)^
zugleich einen andern neutralen pl. u^i/Ui, der den sg.
wibti fordert, vgl. armu wihlir IV. 6, 23. armu wihti II.
16, 17. krumbu wihli III. 9, 5; der sinn ist: arme, krumme
gescbüpfe, so dafs wiht überhaupt gleichbedeutend mit
Wesen, creatur, persona erscheint und auf menschen oder
geister gehen kann. 4n demo mere siat wunderUchiu
wilUir, diu heizent sirenae' (Hoflm. fundgr. 19, 17.) mhd.
bald neutral: unreinez wiht. Diut. 1, 13. trügehaftez
wiht. Bari. 376, 11. vil tumbez iPiht. BarL 11, 2, bald
männlich: boeser wiht, Bari. 220, 15; Geo. 3508. der
mht. Geo. 3513, 3536; oft das genus unkenntlich: boese
wiht. Trist. 8417. helle wiht. Geo. 3531, in jedem fall
aber sowol von menschen, als geistern gültig, nlid. setzen
wir wicht männlich und bezeichnen dadurch geringschät-
zig ein elendes, verächtliches wesen, kerl, oft mit beige-
fügter bestimmung: elender wicht, bösewicht. Tritt die
Verkleinerungsform hinzu, also eine Steigerung des begrifs
der kleinheit, so wird es nur von geistern gebraucht:
wichtlein, wichtelmann'^ mhd. diu wi/iteL MS. 1, 156%
bcesez wihtel (elfenm. cxvm); kleinez wihteltn. Ls. 1,
378. 380. Wolfdietr. 788. 799; ahd. wihteltn (penates),
wihtelen vel helbe (clbe) lemures, daemones (gL florian.)
In Niedersachsen sagt man wicht ganz in gutem sinn von
kleben kindern, im JVlünsterland gilt *dat wicht^ vor-
züglich von mädchen. Das mnl. neutnun wicht steht wie
das hochdeutsche: quade wicht, clene wicht (kind) Huyd.
op St. 3, 6. 370; nicht anders das nnL wicht, pl. wich'
teren: arm wicht, aardig wicht, gutmütig gemeint. Die
ags. spräche stimmt mit der gotlu in dem weiblichen ge-
scblecht überein: piht, gen. vihte, nom.pl. vihta; später vwA^,
\ubte, vuhta ; die bedeutung sowol concret : yfel piht (phan-
tasma) leas viht (diabolus) Cädm. 310, 16, soeviht (ani-
mal marinum) Beua 1, 1 ; als völlig abstract : ding, sache.
engl, wightf im sinn des nhd. wicht. Im alln. i^cett oder
pcettr, welche gleichfalls weiblich sind, hat sich der begrif
eines daemonisclien, geistigen wesens rein erhalten (Sa*m.
145»), Mart^cettir (genii quicunque)8nem. 93*>, hoUar i^oe/^ir
(genubenigni) Saem.240^, ragpcetiir oder meinucettir{geim
noxii) **), landi^cettir (genii tutelares) u. 8. w. auf den
*) Wie tlim diufilir 111. .U, 53 nebea ther diufal HL H, 108.
•*) Biörn Diihmt ein masc. (fem.?) meinuoittr und ein neiitr. mein-'
*^<^ti ai; mein Ist zwar noxa, malum, aber doch erinnere ich an da«
Zwilche mainjus (spiritus malus.)
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248 WICHTE ELBE
Färöera sagt man : *feftr tA t^ar til mainpittis P (fahr zum
teil Tel.) Lyngbye p. 548, dän, i8t t^ette ein Yreibliclier
geist, eine waldnyniphe, meinvette ein böser geist (Thiele
6, 98.) die schwedische spräche besitzt aufser t^ätt (ge-
nius) und dem gleichbedeutigen neutr. vätter ein nach der
deutschen gebildetes i4>iht (Ihre p, 1075.) allen diesen
nmndarten mangelt auch die abstraction nicht.
Dieser Übergang der bedeutung wicht auf der einen
Seite in die von ding, sache, auf der andern in die von
teufel stimmt zu mehrern erscheinungen der spräche, wir
reden auch mit ^ding* kleine kinder an, und der unke
vrird im märchen (no. 105) zu gerufen: 'ding, ifs brocken P
wicht, ding, wint, teufel, vdlant (gramm. 3, 734. 736) hei*
fen alle die vereiuigung steigern.
Bestimmtere farbung hat schon das alid. mhd. Wort
alp (genius) ; ags. «7/, altn. dlfr\ die goth. form alba
steht zu vermuten. *) vielleicht galt neben dem masc. ein
ahd. neutr. alp^ pl. elpir, wie sich ein mhd. pl. diu elb^P
beweisen läfst; und aus dem mhd. dat. fem. elbe (MS. t,
50^) mufs wol ein nom. diu elbe, ahd. alpia, elpia, goth.
albij gen. albjös gefolgert werden, weil sonst keine rootion
statlfEinde. nach einer geläufigeren motion sagte man ohne
zweifei ahd. elpinna, mhd. elbinne^ und Albrecht von
Halberstadt wählte diese noch durch Wikrams ausarbeitung
ei'scheinende form **) ; ags. el/en^ gen. elfenne. des noni.
pL masc. bin ich nur im altn. sicher, wo er dlfar lautet,
also ein goth. albds, ahd. alpd, mhd. albe, ags. älfas for-
dern würde, auf eine ahd. elpt (goth. albeis) führt hinge-
gen der mhd. pl. elbe (Amgb. 2*>. wenn dieser nicht von
jenem fem. elbe herrülirl) und der ags. nom. pL yl/e
Beov. 223 gen. pl. ylfa (anhang cxxvu.) ♦**) die engl-
*) j4lhila ein Gotlie. Procop ed. bona. 2, IST.
**) V^ikram 1, 9. 6, 9 (ed. 1631 p. 11« 199b); die erste stell«
lesen alle von mir vergUcimen drucke (1515 p. 3i) fehlerhaft: 'ancb tmI
ewinnen uiid freyen\ im reim: zweyen. Aibrecht setzte wol: hril elb-
innen und feierC^ denn aus freien wüste ich höchstens eine sehr ge-
wag^te anspielung auf Frigg und Frea (s. 191) herauszubringen, und
froie hat mich eben (Reinliart clxxii) genug geplagt.
••*) das ags. Y genommen wie in yldra, ahd. eldiro; ylfet, ahd. el-
piz ; yrfei ahd. erpi. da inzwischjen Y auch umgelautetes O sein kann,
z. b. orf, yrfe (pecus) oder umgelautetes U, z. b. vulf, vylfen ; so will
ich ein mhd. ulj , pl. ülve nicht unbemerkt lassen , das mit alp zieiM-
lieh gleichbedeutig scheint und dem ags. y If verwandt sein könnte : Von
den Ulven eubunden werden'. MS. 1, ÖU; ^ulj'lheit ein suht ob allei
uhten\ MS. 2, 135«. vgl. das hernach angeführte ölp bei H. Sachs.
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ELBB 849
fennen elf^ pL elveSj die Bchweclischen elj^ pL elfpar
(niasc. elfifor (fem.), die dän. elv ^ pL elve sind ganz in
der regel ; in der dän. Zusammensetzung ellejolh^ ellekoner
iü assimilation eingetreten, ukd. dauert €up mit der be-
dentung eines nacbtgeistes fort, daneben baben scbrift-
steiler des vorigen jb. die unserer mundart ungereclite
englische form elf eingefübrt; friiher findet man nur den
rid^tigen pl. elbe oder elben.*) H. Sacbs gebraucht ölp
*du ölp, du dölp!^ I, 5, 525^.) und ölperiach (IV. 3, 95«);
vgL ölpern und Ölpetrütach bei Schm. 1, 48, elpentrötach
und tölpentrötscb bei Scbmid (schwäb. wb. 162.) man
denkt sich darunter einen linkischen einfaltigen menschen,
dem die elbe etwas angethan haben, vras sonst auch blofs
elbisch heifst (fundgr. 365.) elpesce wehtCy elbische vfich-
Xtf lisst man gL Jun. 340.
Über die natur der elbe ziehe ich vor allen andern
die altn. quellen zu rath. es ist schon s. 17 angemerkt,
dafs die ältere edda verschiedentlich ossär und. dlfar zu-
sammenstellt, gleichsam als den inbegrif höherer wesen,
und dafs geradeso auch die ags. ^s und yl/e nebeneinander
stehen, hierdurch scheint den elben nähere göltlicheit als
den menschen eingeräumt, einigemal treten als drittes glied
die vanir zu (Saem. 83**.), d. h. ein von den aesir ver-
schtedner^ allein durch heirathen und vertrage mit ihnen
in bestimmtes Verhältnis getretener volksstamm. Hraiha-
galdr beginnt mit den vrorten: 'alfödhr orkar^ dlfar skil-
ja, vanir vita* (Saem. 88*): allvater, d. h. der 4s, hat
macht, dlfar verstehen, vanir wissen. Alvismdl zählt die
abweichende benennung auf, welche gestirnen*, dementen
und gewachsen in verschiednen sprachen zukommt **):
auch hier werden assir y dlfar und vanir berücksichtigt,
aiiTserdem aber godh^ menn^ ginregin^ iötnar, dvergar
und bewohner der Unterwelt (Äe/.) das merkwürdigste
für uns dabei ist, dafs dlfar und dvergar gesondert ste-
hen, ebenso unterschieden sind dljar und dvergar Ssem.
8*»j di^ergar und döchalfar Sicm. 92** ; dreierlei arten der
nomir: Äskungar, Älfkungar und doetr Dvalins' (Saem. 188*)
d h. von anseu, elben und zwergen herstammende; auch
die mild, dichter unterscheiden noch elbe und getaner c,
*) Besold 8. V. elbe*^ Ettoeri hebamme p. 910 alpen oder elhen,
*^) die merkwürdigen spracliunterschiede dieses gedicfiti gemahnen
g*nz an die homerische nuterscheidung der fünfter and men^rZ/r/rgprache.
eittige namen (assen sicti noch aus unsern heuti^i^en ronndarten eriiiutem.
s. b. die Bwerge nennen den mond skin^ wie er im wirzburgit*cheu
*chnn beiist.
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2ft0 BLBB ZWBRGE
wie man ans Wikrams Albrecht 6, 9 ersieht. *) verwandt
gleichwol scheinen älfar und dvergar schon ueshalb, weil
unter den zwergseigennamen (Seem. 2. 3)^ ein Alfr und
Vinddlfr vorkommen. XiOki, zwar sonst as geheifsea
(Sßf 23), eigentlich aber nur zu den äsen gezäldt', und iö-
tischer abstammung (Sn. 32), empfangt dennoch die anrede
dl fr (S»m. 110^), ja Völundr, ein göiilicher held heifst
^dlja liodlii' (alforum socius) ^visi ^fa' (alforum princeps)
Seem. 135** •*. ich erkläre das nicht historisch (aus seiner
finnischen abkuuft), sondern mythisch : auch nach deutscher
sage ist Wielant könig Eiberichs gesell und mit ihm schmid
im berge Gloggensachsen (sonst Göugelsahs, Caucasus?)
wir sehen also das wort dl fr eingeschränkt und ausgedehnt.
Jene döchdlfar (genii obscuri) fordern einen gegen-
satz, der in den eddischen liedern nicht ausgesprochen ist,
wol aber in Snorris prosa. *in Alfheim', sagt er s. 21,
^wohnt das volk der liosdlfar (lichtelbe), unten in der
erde wohnen die döchaljar (dunkelelbe) , beide einander
imgleich in ausselien und kräften , liosdlfar leuchtender
als sonne, dÖchalJar schwärzer als pech'. liosdljar be-
wohnen des himmels dritten räum. Su. 22. Synonym mit
döchaljar scheint auf den ersten blick der, in den liedeni
gar nicht vorkommende, name svartdlfar (schwarzeibe) **)
und diesen stellt SnOrri ganz offenbar die difergar gleich:
seine duergar hausen in Svartalfaheim (Sn. 34. 130. 136.)
einmal widetslieitet das der in den liedern stattfindenden
sonderung der dlfar und dvergar ^ dann aber namentlich
der Verschiedenheit, welche Sa3m. 188* zwischen döckdljar
und duergar angenommen wurde, ich mag die dichter-
sprache, die uns sonst überall bestimmte auskunft über den
alten glauben ertheilt, hier nicht als allgemein und unbe-
stimmt beseitigen.
JNIan findet in dem gegensatz der lichten und schwar-
zen elbe den dualismus> der auch in andern mythologien
zwischen guten und bösen, freundlichen und feindlichen,
himmlischen und höllischen geistern, zwischen engein des
lichts und der finsternis aufgestellt wird. Sollten aber
nicht drei arten nordischer genien anzunehmen seiu:
liosdlfar, döckdlfdr^ si^artdlfar? ich erkläre damit frei-
lich Snorris satz ^döckdlfar eru svartaxi en bik' für irre-
*) der Dorwegiiche Volksglaube hält alfer uod dverge gesoodert
Faye p. 49.
••) Thorlac. spec. 7 p. 160 Iiat für liosalfar auch hvUdlfar (weilt-
elbe) } aus deu quellen kenne ich es niclit
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ßLBE ZWERGE 9ftl
leitend* doclr *) scheint mir weniger das enUchieden
schwarze, als das trübe, finstere; nicht niger, sondern
obscurus, fuscus, aquilus. dann bliebe die gleichstel-
lung der zwerge und schwarzelbe gültig, aber auch jener
alteddische unterscliied zwischen zwergen und dunkeleiben
gerechtfertigt.
Dieser trilogie gebricht es aü entscheidender bestäti-
gung; einiges -wird sich zu ihren gunsten anführen lassen.
Noch der spätere Volksglaube nimmt zwerge in grauer
kleidung, grauen oder braunen nebelkappen an, die schot-
tische Überlieferung broofniea^ braunfärbige geister, d. h.
eher dückalfar als svart^far. In einem auf echt deutsche
sage gegründeten heldenlied^ in dem von Morolt, erschei-
nen geradezu drei geisterscharen, welche der im kämpf ge-
fallnen und ihrer Seelen wahrnehmen : die weijse, bleiche^
schwarze (s. 28**), was erklärt wird: enget, aus der un-
terweit kommende verwandten der Streiter, und teufel.
eine solche kriegerische rolle spielen freilich die nordischen
41far niemals, nicht sie, sondern die valkyrien haben es
mit dem kämpf zu thun, aber die Überlieferung mag längst
verworren sein, und die ämter vermischen. **) an sich glei-
chen liosdlfar und suaridlfar hinreichend den christli-
chen engein und teuf ein, die bleiche schar ^äz der helle*
sind die ^nidhri t iördhu^ wohnenden döckdlfarj ja das,
was im Alvtsm^l nicht ausdrücklich benannt, allein mit
den Worten *f heljö* bezeichnet wird, nun kann ich es
auch so fassen: liosdlfar wohnen im himmele döckdlfar in
helj der heidnischen hülle, svartälfar in Suartdlfaheinij
was niemals gleichbedeutig mit hei (hülle) gebraucht ist.
Seelen verstorbner menschen sind die dunkeln elbe nicht,
wie der jüngere dichter glaubte , nur ihr aufenthalt ist in
den regioucn der unterweit, wie der lichten in denen des
himmels : von beiden erzählt die edda w^eniger , als von
den schwarzen , mit den menschen üfter verkehrenden.
wälu*end svartdlfar in menge genannt werden, kommt nie
ein eigenname der liosalfar oder döckdlfar vor.
Festgehalten werden mufs die Identität der Si>artAlJar
und duergar.
Duergr, goth. duatrgs'i ags. dveorg y ahd. tuerc^
mhd. tverc, nhd. zwerg ***) entspricht dem lat. nanus oder
gr. nvy/uidoei neben jenen männlichen formen erscheint
*) vgl. ahd. tunriial, mlid. tuiikel, nhd. dunkel, nl. donker.
•*) streit der elbeiigesclilecliter um den leichnam (ir. elfenm. eß.)
•*•) in der Inusitz querx^ im Tfiüringerwald querlich, quervh liat
Jac. von Konigäbofeu p. 89.
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2» ELBE ZWBRGB
gewöhnlich die mhd« neutrale geitperc Nib. 98, 1. 335^ 3*
Ms. 2, 15*. Wi§al. 6080. 6591. Trist 14242. 14515. daz
fi^ilde geiuferc\ Ecke 81, 82. Wh. 57, 25. darf &iovQy6g
(übernatürliche dinge verrichtend) dazu gehalten werden ?
dem begiif nach vergleichen sich die idaeischen dactyle der
alten, cabiren und naraixoii in der edda sind alle oder
die meisten dvergar kimstfertige schmiede (Sn. 34. 48.
130. 354.) daher scheint sich ihr schwarzes , rufsiges aus-
sehen am einfachsten zu erklären, ihre schmiede liegt in
holen und bergen: Sfartdljaheimr wird also in eine ge-
birgige gegend zu setzen sein, nicht in den abgrund der
höUe.
Hat die gegebne Vorstellung einiges für sich, so be-
greift man leicht, vrie sie der spätere Volksglaube verän-
dern und verwirren konnte, seit ihm die unheidiiischen
begriffe christlicher engel und teufel zugeführt wurden,
teuflische eigenheiten haben im grund alle elbe, selbst die
lichten , z. b. ihre lust menschen zu necken ; aber teufel
sind darum auch die schwarzen nicht, sondern oft gutmütige
wesen. £s scheint sogar, dafs man gerade den schwarzel-
ben, d. h. den berggeistern, die in manigfalte beziehung zu
den menschen traten, eine bestimmte Verehrung, eine arl
von cultCia erwies, dessen spuren noch in später zeit fort-
dauern, das wichtigste zeugnis hierfür findet sich in der
Kormakssaga p. 216. 218, mit dem blut eines erlegten
Stiers soll (gleich dem altar eines gottes) soll der hügel der
elbe geröthet und aus dem fleisch des thiers den elben ein
mahl zugerichtet werden: ^höU einn er hcdhan skamt fi
brott, er (Ufar bua 1 5 gradhüing thann, er Kormakr drap,
skaltu fA, ok riodha blödh gradiingsins k hdlinn utan, en
gera älfam veizla af slatrinu, ok mun ther batna\ ein
wirkliches dlfabldt. Damit verbinde ich den abergläubi-
schen gebrauch, engein speise zu kochen und hinzustel'
len (abergl. no. 896.) ebenso wird den hausschmieden
und kobolden der tisch gedeckt und ein topf speise hin-
gesetzt (deutsche sagen no. 37. 38. 71); der domina Abun-
dia essen und trinken (oben s. 177) ; den unteru*dischen
in ihre hole, beim vorübergehen, geld oder brot gdegl
(Neocorus 1, 262. 560.) *) Wie nach güttern sind einige
pflanzen auch nach elben benannt : alpranle t alpfranke,
al£u*anke, alpkraut (lonicera periclymeu., Solanum dulcani.).
*) auch dem altpreiUiibcben uad littli. parstuk (daiunliog)
liiiigeiitellt
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ELBE ZWERGE 253
was sonst gcUsblatt, in D&imark troldbar, in Schweden
tnillbär heifst.
Hauptziige der elbischen natur scheinen mir folgende«
Nach der eddischen darstelhing gehen riesen und
zweite den menschen in der Schöpfung voraus, iötnar
sind die ältesten erdbewoliner, sie.heifsen *Är of bornir*
(Völuspsl 2); später besclüossen die götter auch di>ergar
za schaffen : 'or Brimls holdi ok bl^i leggjom', aus dem
fleisch und den schwarzen knochen des riesen Brtmir (das.
9.) so erwuchsen Mdtsognir und Durinn, die berühmte-
sten Zwerge, und diese bildeten aus der erde viele mensch-
ähnliche zwerge (das. 10.) Snorri p^ 15 erzählt : die dpergoJ*
seien in dem fleisch des Ymir, gleich würmern entsprun-
gen, und hernach von den göttern mit menschlichem ver-
stand und menschlicher gestalt begabt worden, diese er*-
schaffung scheint sich blofs auf die irdische form der achwaf"
zen elbe zu beziehen. Es ist beachtenswerth , dafs dem
Vorredner unseres heldenbuchs noch eine aus jetzt verlor-
ner quelle genommene künde von der Schöpfung beiwohn-
te: zuerst seien zwerge erscha£Pen worden, um das vniste
land und gebirge zu bauen, hernach riesen, um die unge-
heuer und würme zu erschlagen, zuletzt helden j um den
Zwergen gegen die riesen beizustehn. Das rechte,' mensch-
liche mafs gab den aasschlag zwischen der list des zwerge
und der plumpheit des riesengeschlechts.
Auch die gestalt des menschen hält mitte zwischen
der des riesen und des albs; so weit der riese über die
meoscldiche gröfse hinaus ragt, so weit steht der alb unter
ihr. Alle elbe werden klein und winzig gedacht, die lieh»
ien aber wolgebildet, ebenmälsig, die schwarzen häfslich
und misgestalt. jene strahlen von zierlicher Schönheit und
tragen leuchtendes gewand; das ags. älfsciene Cädm. 109,
23. 165, 11, schön wie elbe, altn. *fridh sem dlJhona\
drückt den gipfel weiblicher Schönheit aus. Der widrigen
farbe der zwerge tritt noch ein übelgebauter leib , ein hö-
cker und grobe tracht liinzu ; seitdem man elbe und zwerge
mengte, geht auch die anmutige bildung der elbe oft auf
«lie zwerge über, doch bleibt ihnen zuweilen ausdrücklich
die schwarze oder gratie farbe: ^spart i synen' (s. 258);
*ein kleines schwarzes männchen' (kinderm. no. 92.) ein
kleines graues männchen' (Büschings wöch. nachr. 1, 98.)
Ihre gröfse selbst wird verschiedentlich bestimmt, bald er-
reichen sie das wachsthum eines vierjälirigen kindes, bald
ersclielnen sie weit kleiner, nach spannen oder daumen
gemessen, ^küme drier spannen lancj gar eislich getin
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254 ELBE ZWBROE
(elfenm, cxvi); zu^ei spannen lang (deulsclie sag. no. 42);
^diimeln lanc^ (Ls. 1, 378.) daher däumling (petit pou-
cet) in den marcben zwergartige gestalt bezeichnet, nvy^
fMiOQ von nvyjnt/ (faust), das altpreufs. pars tut ; persluh
(zwerg) vom litth. pirsztas (finger) slav. perst, prst und
eine böhm. benennuug des zwergs pjdiniuzjh (s|)ajiinen*
männleiu) von pjd' (spanne) zu leiten ist. *) Von der un-
form ihrer fäfsef welche denen der gänse oder enten glei-
chen sollen (wie die der königin Berhta, s. 173, oder der
Schwanjungfrauen s. 241), gehen besondere erzählungen. ^*)
*) für zwerg wird gesagt: 'der kurze man*. "Wigal. 6593. 6685.
6710; früher auch ^hurzibolt^ Pertz 2, 104, was 'sonst einen kurzen
rock bedeutet Hoffm. gl. 36, 13. Roth. 4576. vgl. auch das uründe
(nanus) gramm. 2, 789.
**) deutsche sagen no. 149; icii theile sie hier in getreuerer auf-
zeichnung mit, wie ich sie hrn. Hierou. Hagebuch aus Arau verdanke.
Vo de hurdniändlene uf der Ranisflue. Binder der ärlisbacher egg,
zwilschenem dörfle Hard und dem elte Lorenzekapällele, stoht im ene
tliäle so ganz eleigge e grusle vertraite flue. se sägere dRamsflue.
uf der hindere site isch se hohl, und dhöhle het numme echlioe igang.
Do sind denn emol , me weifs nid äxact i wele johrgänge » so rarige
mändle gsi > die sind i die huhle us und i gange, band ganz e so es
eiges labe gfuehrt, und en apartige hushaltig, und sind ganz bsunderig
derhär cho, w wnrküch gstaltet, und mit «im wort, es Isch halt kei
tnönsch usene cho, wer se denn au seige, wohar sc cho seige ond was
se tribe. ämel gkocfiet händ se nüt, und wurzle und beer! ggsä^o,
ande a der fiue vorbi lauft es bächle, und i dem bächle band die
mändle im suramer badet, wie tüble ^ aber eis vonene het immer
wacht gha, und het pfiffe , wenn öpper derhär cho isch » uf em fuefs^
wäg: denn sind se ame gsprunge, was gisch was hesch, der barg uf,
dafs ene kei haas noh cho wer, und wie der schwick in ehre höhle
gschlojje. dernäbe band se kern mönsch nüt zleid tbo, im gagetheiJ,
gfelligkäite , wenn se händ chönne. Einisch het der Hardpur es fue-
derle ris wälle giade, und \7-il er elei gsi isch, het ers au fast nid möge.
K sones mändle gsehts vo der flue obenabe und chunt der durab
zhopperle über driese, und hilft dem pur, was es het möge, wo se
do der bindbaum wand ufe thue, so isch das mändle ufern wage gsi
und het gricbtet, und der pur het fiberunde azoge a de bindcJmeble.
do het das mändle sseil nid räciit ume gliret, und wo der pur azieht,
schnellt der bäum los und trift smandle ane flnger und hets würst
blessiert; do fuht der pur a jommere und seit 'o heie, o beie, wenos
Dunenau mer begegnet wer!* do seit das mändle ^hhh^, das macht
nüt, salben tho, salben gha'. +) mit dene worte springts vom wage
Babe, het es chrütle abbroche, hets verchaflet und uf das bloetig fin-
gerle gleit, und das het alles ewäg puzt. do springts wider ufe wage,
und het zum pur gseit , er soll sseil nume wider ume ge. Mängiscli,
wenn räclitschafne lüt dum tag gheuet oder buiide band und se sind
I) Schwab, «seil thaun, seil haun'. Scbmid p. 628. scbooer
gedrückt im mlid. 'selbe t»te, selbe bibe*. MS. 1, 10b. 89«.
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ELBE ZWBaCfE 395
man wird aych an die blatevüeze (Rother 1871. Ernst
3828) erinnert.
Die dlfar bilden ein volh ^ wie die edda ausdrücklich
sagt (Sn. 21), daher auch im Alvismdl dlfar, helbüar (wenn
ich dies wort gebrauchen darf) und dvergar den menschen,
riesen, göttern, äsen und vanen als besondere classe, und
mit ihren eignen sprachen, zur seite, stehn. Ob man dar-
aus ein historisches^ in bestimmter gegend gelegnes reich
folgern darf, lasse ich hier unentscliieden. d^fergmäl
(sermo nanorum) ist der altn. ausdruck für das echo : sehr
bezeichnend, weil ilir ruf und geschrei in den bergen wi-
derhallt, dem gegen den berg hin lautredenden menschen
der zwerg gleichsam antwortet. Herraudssaga cap. 11 p.
50: 'Sigurdhr stilti sv4 hdtt hörpuna, at dpergmäl qvadh
t höllunni', er spielte so hoch auf der harfe, dafs es im
saal widerhallte» die beiden führten laute streiche: 'rft^ör-
gamäl sang uj qvörjun hamrP, echo sang in jedem fel-
sen (Lyngbye p. 464. 470); sie hieben stark ^dvörgamdl^
saug u) fjödlun echo sang in den bergen (das. 468.) sollte
vielleicht grceti dl/a (ploratus nanorum) im dunkeln ein-
gang des Hamdismdl (Saem. 269*) elwas ähnliches meinen?
aber auch in unserer einheimischen heldenpoesie mag die
nemliche Vorstellung gehaftet haben:
dem fehten allez niXch erhal,
dö beide berg und ouch diu tal
gdhen ir siegen stimme. Ecke ed. Hagen 161.
daz dd beide berg und tal
von ir siegen wilde wider einander allez haL (das. 171.)
nit fertig worde bis zobe, und shet oppe welle cho rägne, so sind die
hardmondle cho , und liäud g[scI)afl;H und (^warnet druf ine, bis alles
im scliärme gsi isch. oder wenns durt dnacht isch cho wattere, fiänd
«e sheu und schom, wo dusse gläge isch, de lüte zum tenn zue träit,
und am morge het halt alles grofs ange gmacht, und se händ nid
gwüsst, wers tho het. den händ er^t uo die mandle kei dank begehrt,
nunicnau, dafs me se gern hat. Amenim winter, wenn alles stei und
hei ofrore gsi isch, sind die mandle \s oberst hus cho zÄrlispach ; se
händs halt gar gnet chönne mit dene lüte, wo dert gwohnt band, und
siud ame durt dnacht ufern ofe gläge, und am morge vor tag händ se
«e wieder drus gmacht. was aber gar gspässig gsi isch, si händ ehre
Jüefsle nie vüre glo^ händ es scharlachrot hs mäntele iräit, vom hals
his ufe hode nahe» jetzt hets im dorf so gwunderige meitle und buebe
'^h?. die sind einisch znacht vor das hus go gen äsche streue, dafs se
gsäclie, was üle hurdinännh fsjr füefsle hebe, und was händse
gfunde ? sisch frile wunderle : ante und geif&füefs sind in der asciie
abdruckt gsi. Aber vo sälber stund a isch keis man<Us meh cho, und
^ sind au nümme uf der Ramsflue bliebe , i dkräche händ se se ver^
fchloß'f^ tief id geifsflue hindere, und händ keis zeiche me von ene gc,
and cböme aümme, so lang dlüt eao boshaft sind.
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2SB ELBE ZWERiQE
hier heiTst es nicht blofs, die berge hallten von, den schwert*
schlagen der helden wider, sondern sie gaben stimme und
antwort von sich, d. h. die in ihnen hausenden zwerge»-
Diesem volk der elbe oder zwerge steht ein könig
vor. zwar aus nord. sage kenne ich kein belspiel, deslo
häufiger sind sie sonst : englische Überlieferungen reden voa
einer eljqueen ; ich denke, weil auch in gallischen die Vor-
stellung weiblicher feen (fairys) überwog, die altfiranz«
Fabel von Huon de Bordeaux kennt einen roi Oberen, d«
i. Auberon für Alberon, also schon dem namen zufolge
ein^n alb\ das königreich der feen (royaume de la iitr
rie) ist sein eigen, unser gedieht von Orendel führt einen
zwerg namens Alban auf. im Otnit spielt hiinec jilbe-
Hch^ Eiberich 9 *dem manec berg und tal' unterthan vsl,
eine bedeutende rolle; das Nibel. lied macht ihn nicht zu
einem könig, nur zu einem dienstmann der könige Schub«
ung imd ]\ibelimg. ein ungenannter zwergkönig erscheint
.im gedieht von Ecke 80; anderwärts könig Goldemär
(deutsche heldens. p. 174) kÖnig Sinneis und Ldurln
(MS. 2, 15*.) auch die deutschen volkssagen geben dem
Zwergvolk einen konig (no. 152); Heilin g ist ein ßir»t
der zwerge (no. 151.) *) Alle diese sind könige schwarzer
elbe, nur den Oberon halte ich für einen lichten alb. Es
scheint dafs menschliche helden , indem sie sich das Ober-
haupt der elbe unterwerfen, zugleich die herschaft über
die geister erwerben: in solcher meinung kann Völundr
ptsi Alfa (s. 250) heifsen.
Von den wohnungen der lichtelbe im himmel wissen
die volkssagen nichts mehr; desto häufiger schildern hie
die der zwerge in den scMnchten und holen des geblrges«
*b;^ ec for iördh nedhan , 4 ec undr steini stadh\ Saem*
48*. ^dvergr sat undir 8teininum\ Yngl. saga cap. 15«^
*d vergär büa t iördhu oc i steinum\ Sn. 15. darum heis- *
sen sie erdmännlein j erdtnanneken, in der Schwel«
härdmändle, sonst auch unterirdische, dan. underjor-
diske. **) über fluh und tobel springen sie und ermüden
•) «der honig ist todt'! «ürban ist todtM' MIe alte mutier Paah
pe*\ Buscliings wocb. nachr. 1, 99. 101. *die alte Schumpe^X (sage
von Bonikau.) ^kÖm'g der erdmanncheri', kinderm. 3, 167.
**) den luneburger Wenden liiefsen Ihre anterirdisclien geister gor-
zoni (bergniännlein, von gora, berg) und man zeigt noch die berge,
wo sie gehaust' haben sollen, sie pflegten von den menschen baa-
geräthe zu leiben, und deuteten das unsichtbar au, daun stellte man ei
ihnen hinaus vor die thüre. abends brachten sie es zurück, an das feo^
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BLBB ZWERGE 357
nidit vom steigen d^r jähen wände : *den ivfiden geiwer^
gen w«re ze sligen da genuoc' heifst es MSh. 57, 25 voo
einer felsengegeud. *) in die ritzen und spalten der berge
scUäpfend oder schliefend **) scheinen sie plötzlich zu
▼enchwinden ; überall^ wo sie hausen, zeigt man solche
iwergslöcJier j querlichslöcher. in diesen holen treiben
sie ihr wesen, sammeln schätze und schmieden köstliche
Waffen ; ihre könige bauen sich prächtige gemacher unter
der erde aus, Eiberich » Laurin wohnen in solchen wun-
derbaren bergen, menschen und beiden werden zuweilen
hinuntergelockt, begabt, entlassen odet festgehalten« Diete-
rich von Bern wird am ende seines lebens von einem
Zwerg abgeholt (deutsche heldens. p. 300); nach dem lied
von der klage 2167 weifs man nicht, *ob er sich verslüffe
in locker der ateinwende,'* ***) wahrscheinlich meint die
sage, er sei, gleich dem Tanhäuser und dem getreuen £ck-
hwt, in den berg geratlien, in welchem frau Venus hause,
von diesem frau Venuäberg wird erst seit dem 15. 16 jh.
erzählt, man möchte wissen, welche ältere Vorstellungen
ihm zum grund liegen: ist frau Venus an die stelle ei-
ner unterirdischen elbkönigin, oder einer göttin , wie frau
Holda, Frikka getreten?
An frau Holda gemahnt noch eine andere beziehung:
yie guten holden^ (s. 165) ^guedeholden^ penates (Teu-
tonista), holdichen^ holdehen , holderchen scheint ganz
gleichbedeutig mit *dic guten elbe'; holdo^ holde ist dem
wort nach ein freundliches, günstig gesinntes wesen, und
auf Island wird tiußtngar (lieblinge) und huldufölhy hui-»
dumenn (s. 168) für ^far gebraucht. Von dieser seile
her sind die elbe gutmütig, vvoltliätig und hilfreich: sie
heifsen das stille polk (deutsche sagen no« 30. 31), the
good people, die guten nachbarn, die friedlichen Leute
(schott. doane shi, ir. daione maith, walish dynion mad.)
bleiben sie in ihrem stillen treiben imgcstört, so hallen sie
friede mit den menschen , und erweisen (ihnen , wo Sie
Können, dienstc. Sie bedürfen auch ihrerseits des rathes
ster klopfend und ein brot aus dankbarkeit hinznlegend. (Jaglera Wör-
terbuch.) Auch die ehstuisclie mythologie hat ihre unterirdischen (jna
allused^ unter der erde.)
*) andere belege sind gesammelt ir. elfenm. lxxvi. 'den here
^itn ii^ildiu get$4/erc\ Sigenot 118.
••) sUefen gilt von ihnen wie vom fuchs (Reinh. xxxi) ; unser
<ibst Schlucht steht für sluft (wie beschwichtigen, lucht, kracht, t
iwiften, luft, kraft), Schlupfwinkel.
***) vgl. deutsche sagen no. 383 Ton Theoderichs seele^ wie sie ki
^^ abgroad des Vulcans gefikhrt wird.
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aas ELBE ZWEEOG
uui beistands der mensclien in gewisser läge; dahm sind
besonders drei falle zu reclinen. einmal holen sie (trauen
und liebammen, um kreifsenden Zwerginnen bilfe zu
t gewähren *) ; dann verständige männer zur theilung eines
ßchatzesj zur Schlichtung eines Streites;**) drittens lei-
hen sie einen saal für ihre hoch zeit; ***) immer aber
belohnen sie durch geschenkte kleinode , die dem haus
und den nachkommen des menschen glück bringen. Ib-
nen selbst wohnt mancherlei kenntnis verborgner heükraile
der pflanzen und steine bei. f )
Indem sich die zwerge so, und noch auf andere weise,
zuweilen dem menschlichen geschlecht nähern, scheinen sie
•) Ranzsn, Alveusleben , Hahn, (dentscbe sagen no. 41. 68. 69.)
vgl. Thiele 1 , 36. Eine sctiwedisciie sage mag hier noch aus Hdl-
phers Sämlingen om Jämtland. We^teras 1775 p. 210 stehen, ^r
1660, da jag tillika med min hustru var gangen til faboderne, som
ligga \ mil itran Ragunda prästegard, och der sent om qväilen suttit
orh talt en stund , koni en Uten uuin iiigaende genom döreu , och bad
min iiustra, det vilie hon hjelpa hans hustru^ som da lag och qvaldes
vied harn, karten var eljest liten til växten, spart i synen^ och med
gamla gra kläder försedd. Jag och min hustru sntto en stund ocli
undrade pa deune mannen, emedan vi understodo, at han var et troUf
och hört borättHS, det sadane, af bondfolk veijar kailade, sig allid i
iabodarne iippeliaila, sedan folket om hosten sig derifran begifvit. Men
som han 4 ä 5 ganger sin begärau payrkade, och man derhos be-
tankte, hvad skada bondfolket berätta sig ibland af vet tarne lidit, da
de antingen svurit pa dem, eiler elje^t vist dem med vranga ord til
helvetet; ty fatlade jag da til det radet, at Jag laste öfver min hu-
stru nugre böner, välsignade henne, och bad henne i guds nanin foija
med honom. Hon tog sl i hastighet nägre gamla linkläder med sig,
och folgde honom ^t, men jag blef qvar sittande. Sedan har lion mig vid ater-
komsten berattat, at da hon gatt med mannen utom porten, tykte hon sig Kk-
som luras uti vädret en stui^, och kom sa uti en stuga, hvarest bre-
devid var en liten mörk kamniare, der hans hustru lag och vandades
med bam i en sang, min hustru har sa stigit til henne, och efler eo
liten stund hjelpt henne, da hon födde barnet, och det med lika ät-
börder, som andra menniskor pläga fiafva. Karlen har sedan tilbudit
henne mat, men som hon dertil nekade. ty tackade han iienne och fölgde
henne at, hvarefter hon ater likasom farit i vädret, och kom efter ea
stund til porten igen vid passklockan 10. Emedlertid voro cn lioper
gamla .Sil ft^erske dar lagde pä en hylla i stugan, och fann min bustw
dem, da hon andia dagen stökade i vraame: kunnandes förstä, at de
af petlret voro dit lagde. At sa i sauuing är skedt vitnar jag med
mitt nnmns uiidersättande. Ragunda d. 12 april 1671. Pet. Kahm.*
*•) Neocoriis 1, 542. kinderm. 2, 43. 3, 172. 225. Mb. 92, J.
Bit. 7819. vgl. dentsclie heldens. p. 78.
**') fioia (deutsche sagen uo. 85.) ßunikau (Blisabeth von Orleaos.
Strafsb. 1 789. p. 133. Leipzig 1820. p. 386.) ßüäclilags wöcbeotl.
nachr. 1, 98 vgl. 101.
t) 0. 254 das verwundete härdmändle.
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ELBE ZWERGE 259
doch überhaupt vor ihm zuriickzii weichen und machen den
eindruck eines unterdrückten, bedrängten yolkstamins, der
im begrif steht, die alte heimat den neuen mächtigeren an-
kömmlingen zu überlassen, ihrem charact er ist eiwai scheues^
und zugleich heldniscliea eingeprägt, das sie dem Umgang
mit Christen entfremdet, sie grollen der menschlichen treu-
losigkeit, *) das seil wol ursprünglich heifsen, dem abfall
Vom heidenthum. es ist ihnen innerlich zuwider, wenn kir-
chen gebaut werden, glocken getaute (oben s. 4) stört sie in
ihrer alten heimlicldeeit ; auch das reuten der wälder, dtfn
ackerbau und neue pochwerke im gebirg hassen sie, **)
Aus solcher abhangigkeit von den menschen, umge-
kelirt aus geistiger Überlegenheit der elbe in andern stü-
cken, folgt nun ein feindseliges Verhältnis zwischen bei-
den, die menschen achten der elbe nicht, die elbe 6cha-'
den den menschen und necken sie. Uralter glaube war
es, dal^ von den elben gefährliche p feile aus der luft her-
abgeschossen werden : hier sind also lichtelbe gemeint ;
auch schweigen die zwergsagen davon, in der ags. formel
wird ^sagescot und ylfngescvt nebeneinander gestellt, die
elbe scheinen mit 'ähnlichen wafTen, wie die gütler selbst,
ausgerüstet ; ***) der göttliche donnerkeil heifst auch alb-
svhofs (s. 122. 127) und in Schottland el/arrou^, elfßint^
elf holt ein harter, spitzer keil, von dem man glaubt, dafs
ihn die geister entsendet haben; rasen, den der wetter-
strahl aus dem boden schneidet, sollen sie herausheben, f )
ich habe schon 8. 123. 127 gefolgert, dafs irgend ein nälie-
rer bezog der elbe zu dem donnergott da gewesen sein
mufs, der uns jetzt entgeht : sind ihm seine keile von elben
geschmiedet Wrorden, so führt das wieder auf schwärzelbe.
Ihre berühr ung , ihr anhauch kann inehscheh und
thieren krankheit oder den tod verursachen ; ff) wen ihr
schlag trift, der ist verloren oder untüchtig (danske viser
1» 238.) dvergslagen heifst in Norwegen gelähmtes vieh,
dem sie es angethan haben (Hallager p. iO); der benen-
nwng elbentrötsch für blödsinnige , geistesschwache men-
*) Hans Sachs 1, 701l> ed. kempten: klage Jer holzleufe; die sich
von der weit untreu in den wilden. wald gezogen haben.
**) nähere änsf&hrtmg in den ir. elfenm xciv. xcv. , vgl. Faye p.
|J* 18. Ein zwergfolk Ileinclien genannt, durch weidende heerden und
lautende glocken, die den Schafen anhienffeu, vertrieben. Yarlicift
«, 101.
•**) pjeile der serbischen uUe (s. 245.)
f ) irische elfenmärchen xly. zlvi. cti;
n) das. CHI. . . ,
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260 ELBB ZWERQE
sehen, die ihre rächende hand berührt hat, wurde s. 249
gedacht. Als wehende, blasende wesen erschienen sie von
jeher schon in der spräche: wie von spirare Spiritus ist
unser geist von dem alten stamm gtsan (flari, cum iinpe-
tu ferri) herzuleiten; ahn. bedeutet guslr flatus, und ein
zwerg heü'st Gu.str (Seem. ISi^)-, *) andere zwerge Austri,
Vestriy l^ordhri, Sudhri (Srcm. 2»>. Sn. 9. 15. 16) be-
zeichnen die vier hauptwinde, VinddLjr^ noch ein zwergs-
name, erklärt sich selbst. **) Gleich dem anhauch hat der
blofse blick der elbe bezaubernde kraft: das nennt unsere
alte spräche inisehan (torve intueri, gramm. 2, 810) mhd.
ent sehen X 4ch h4n in gesegent, er was entseheu^ (Erad.
3334) Won der elbe wirt entsehen vil maneger man'.
MS. 1, 50b.-
Über schwerfällige menschen erhebt diese leichten,
luftigen geister das vermögen, zu versohu>inden oder un*
sichtbar zu werden, kaum erscheinen sie, so sind sie
wieder unsern äugen entrückt, für die lichten elbe ver-
steht es sich von selbst, aber auch den schwarzen ist diese
eigenschaft unentzogen. gewöhnlich wird die unsicbtbar-
keit der zwerge in ein bestinuntes stück ihrer kleidung,
einen hat oder niantel gesetzt, durch deren zufälliges ab-
legen oder abwerfen sie plülzlich si^tbar werden, der
pileus des römischen incubo ist ir. elfenm. s. lxxv. nach-
gewiesen, heutige zwergsagen erzählen von nebelkappen
(deutsche sagen no. 152. 153), von grauen röchen und
rotlien läppen (Thiele 1, 122. 135), von scliarlachmän'
teln (vorhin s. 255) ***). früliere jalirhunderte bedienen sich
der ausdrücke helkappe , helkepleiny nebelkappe (j\1S. 2,
156^ Morolt 2922. 3932.) und tarnkapoe. Kih. 98, 3.
336, 1. 442, 2. 1060, 2 mufs unter tarnkappe (oder dem
blofsen kappe 335, 1) Albertchs und nachher Sigfrits nicht
die kopfbedeckung allein verstanden werden, sondern ein
ganzer mantel, denn es steht 337, 1 auch tarnhut^ die
bergende haut 5 aufser der unsichtbarkeit verleiht sie hö-
*) uon?eg. ahgusf^ eine kraokfieit durch anhauch der elbe eot-
springend (Hnllager 4l>.)
**) in allfranz. sage heifät ein aib Zepkyr; ein deutscher Lausgeitt
Blaserle (Mones anzeiger 1834 p. 260.)
'•*) Ol. Wormins vorrede zu Claussöns dän. übers, des Soorre.
Kbh. 1633: *derfor sigi« de (dverger) at liafve hat/e paa, liiionnid de
konde giure sig usynlig'. andere Zeugnisse sind sclion ge^iammelt ir.
elfenm. lxxiv. lxxv. ein sdiretei trägt ein rdtez kepf^el an (niciit auf*)
das.* oxvi. Rollenhagens bergmännlein tragen weifse hemdiein und
MpUzige kappen, Froschmeuseler xx, vH,
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ELBE ZWERGE 261
here leibcsstärke und zugleich herscliaft über das volk
und den hört der zwerge. Auderwärts dachte man sich
nur die mutze : in einer norw. volkssage hei Faye p, 30
heifst sie uddeliat (spitzer hut?), und ein liildesheimischer
hausgeist führte von dem filzliut, den er trag, den namen
Hbdeken. vermutlich haben das ahd. helotlielm (iatibu-
lum) gl. Hrab. 969», alts. helUlihelni H^l. 164, 29, alln.
hialtnr huliz (ein eddischer name für w^olke) Seem. 50«, *)
^1%. grtrnhebn Cädm. 188, 27. 198, 20, Beov, 666 ähn-
liche bedeutung, obgleich schon in dem einfachen heim
und grime der begrif . von hülle und larve steckt« Ohne
zweifei trugen auch andere höhere wesen, aufser den el-
ben \md zwergen , das imsichtbarmacliende gewand. vor
allem erinnere ich an Odliins gekremplen hat (s. 101), an
Mercurs petasus, an den hut des Wunsches, der noch in
unsern märclien wünschelhat genannt wird **), \u\i\ an des
Plulo oder Orcus heim. Die zwerge können in einer be-
sonderen, jetzt verdunkelten, beziehung zu Odhiu gestan-
den haben, wie die huttragenden patäken, kabiren und
dloskuren zu Jupiter.-
Aus dieser fabigkeit ihre gestalt zu bergen und aus
ihrer neckischen natur überhaupt geht nun vielfacher trug
und täuschung hervor, denen der mensch hn verkehr mit
den elben und zwergen ausgesetzt ist. 'der alp triuget*
heifst es fundgr. 327, 18 ; *den triuget, weizgot, nicht der
alp^ Diiit. 2, 34 ; *die mag triegen wol der alp\ Suchen-
wirt XXXI, 12; ^elbe triegent^ Amgb. 2**; ^diu eiber trie--
gent\ Herbort 5** ; *in bedühte daz in trüge ein alp^ ir.
elfenm. lvu. ^alfsche droch.^ Reinaert (prosa lxxh«.) gi-
trocj getroc^ dgetroc, abegelrocy bezeichnet in der älte-
ren spräche vorzugsweise teuflische , von bösen geistern
ausgehende täuschung (gramm. 2, 709. 740. 741.) ***) und
in diesem sinn gelten auch von den elben andere nachthei-
lige benennungen: elbischez getwds^ elbischez ds^ elbi^
fchez ungehiure, wie der teufel selbst getwals (fantasmaj
und ungeheuer heilst, ganz in gleicher bedeutung wird
von der krankhaften beklemmung sclilafender und träu-
mender gesagt : Mer teufel hat dich geritten^ , *li!naht r/-
•) fornm. aog. 2, 141 von Eyvinrlr dem Zauberer: •giönlhi theim"
haUdshialm' t machte ihnen nebel, fiiiäternis. hulinhiahnry furoald. sog.
3, 219; hußsh'dltr das. 1, 9, 2, J)0. s. Ua!*iiJ» iudex s. v. dul«erfi.
**) eine wichtige Verstärkung der gründe für Wuotaus und Mtr-
carg Identität, vgl. g. 236 ulier die wünuchelgerte.
•••) 'daz aualutte des üih pergenten trugetieveM. N. Bth. 44.
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263 ELBE ZWERGE
teri dich satanas' (fundgr. 170) pder der nachtmaPy *)
der alp : Micli bat geriten der niar* ; ^ein alp zoumet
dicli\ Und wie frau lioUe gespinst oder hafire verwirrt
(s. 166), selbst verworrene haare trägt**), ein struppigei
haar Hollen zopf ***) heifst; -wickelt der nacbtalb, nacht-
in ar, haar der menschen, mahne und schweif der pferde ia
knoten: alpzopf f dcutenzopj , wichtelzopf^ Weichsel-
zopf (wovon nacjiher noch), in Niedersachsen mähren"
locke j elfhloftte (brem. wb. 1, 302) engl, elßocls (Nares
8. V.), eii^ish hrotSy das verb\im elf bedeutet bei Sh^-
speare die haare verfilzen : 'elf s^ my hair in knots\ Lear
2, 3. Auch der litthauische alb, aitwaras genannt, ver-
filzt die haare. Einige niedersachs. gegenden zwiscbea
Elbe und Weser g^ben dem vrichtelzopf den uamen sei-
lensteert (brem. w^b. 4, 749) sellentost (Uufelands Jour-
nal 11, 43), vfaa ich yerstehe: zopf des bausgeiste^ des
gesellchens, f)
Alle zwerge und elbe sind diebisch, unter den eddischen
zw^ergsnamen findet sich Allhiofr (Sa^m. 2**) ; jilprisj ricbü-
ger Alfrlkr dvergr (Vilk. saga cap. 16. 40 j heilst 'hmn mikli
stelari', und im Xiturel 27, 288 ein berüchtigter dieb, d^r die
eier unter den vögeln wegsticlt, Elbegast (entstellt Ele-
gasty Algast.) andere diebstäle der zwerge sind elfeDin.
xcii. xciu gesammelt und von ilu*em verlangen nach kiudern
und blühenden Jungfrauen ist s. civ. cv. gehandelt, zwergkö-
nige entfiUiren Jungfrauen in ihre berge : Laurin die schüne
Similt (Sindhilt?), Goldemdr oder Volmar eines königs-
toch^er (deutsche heldens. l7-^)j das schwed. yolkslied 'den
*) engl, ntghfmaret franz. cauchemare^ cochemar, anck ehaudifi"
piile , chauchi vieilli (meni. des antiq. 4^ 399 ; J. J. ClianipoUtoD Fi-
^enc patoiä p. 125); ital. pesaruolo^ spnn, pesadilla^ hlifnnz, appetart i
\€(\i raucher (calcare) und pesar (drücken, lasten.)
**) iin kindermitirchen 3, 44 läfst sich Holle ihre furchtbaren
haare, die ein jähr lang nicht gekämnit waren, aaskammeo. ein mad-
dien, das sie begabt, kämmt ans seinen locken perlen und edelsteioe.
•••) hollezopp Senniidt westerw. idiot. 341 ; bei Adelung steht hol-
lenzopf, pUca polonfca, poln. koltim, buhm. koltauo.
+) Ogonczyk Zakrzewski geschichte das weichselzopfs. Wien 1830,
bemerkt p. IH dafs auch seine liei:ung unter abergläubischen gebriu-
chen geschieht, in Podlachien vrird der alpzopf feierlich, um- ostero,
abgeschnitten und begraben, bei Krakau In der gegend von Skawins
wird er theilweise mit geglühter scheere beschnitten, ein stück kop-
fergeld hineingebuqden und in die trümmer einer alten bürg, in wei-
cher böse geister hausen, geworfen ; wer es thnt darf sich aber nicht
umsehen und eilt so geschwind als möglich nach hause. Abergläubi-
sche formein zur .heilung der plica aus einer altböhm. hs. von 13i6
sind von Zakrzewski p. 20 niitgetheitt.
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ELBE ZWERGE 2G3
bergiagna* erzählt von einer Jungfrau, die aclil jähre lang bei
dem berglÖnig zubringt, sieben söline und eine tocliler mit
ihm erzeugt, ehe sie die ihrigen wiedersieht *) Wolgeslalle
kinder der menschen enUverulen sie aus der wiege und legen
ihre eignen häfslichen oder gar «ich selbst an deren steile.
Diese untergeschobnen geschüpfe heii'sen carnbiones (an-
hang 8. XLvi), ahd. wi/iseli/iga N. ps. 17, 46. cant. deu-
tcron. 5, nhd. wechselbälge, scliw. bytingar, dän. hyttin^
ger^ nhd. auch kielkröpfe von ihren dicken halsen und
köpfen ; erzahlungen stehen bei Thiele 1 , 47. 2, 1. Faye
p. 20. ir. elfenm. xli — xlv. cv. deutsche sagen no. 81.
82. 87— *-90. **) Schon im gedieht von Zeno (bei Bruns
p. :27 ff.) ist es der teufel^ der das geraubte kind ersetzt.
*) aber auch Zwerginnen verheirathen sich mit menschon ; ödman
(Bahiislan p. 78. 79) berichtet ganz ernsthaft und die ei^ennnmen an-
führend : Rcors foräldrar i Hogen i Lurssockn , «om bodde i Fii^-
lekärr i Svarteborgssockn ; hvars farfar var en skOtt, ok bodde vid
et berg, tlier fick lian «e mitt pä dagen sitjande en vacLer pica /.ä
en steiiy ok ther med at fanga henne, kastade han st^ emcllan berget
ok henne , hvarpa hennes far gasmade eller log in i berget , ok opnade
bergets dürr, tilfrägandefl hononi» om han vill ha hans doUcr? hvjiket
lian med ja besvarade, ok efter hon rar helt naken^ log lian siiia
kläder ok hö.'gde ofver henne , ok lät c-liristna henne. vid afträdet
sade liennes far til hononi : 'aar tu skait ha bröllup, skalt tu laga til
la titnnor öl ok baka en hop bröd ok kiött efter 4 stutar, olv klora
til jordhögen eller berget^ ther jag haller til, ok när brudskänken skall
ntdelas, skall jag väl ge min'; hvilket ok skedde. ty när de andre gäfvo»
i^'fle han up tacket ok kastade en ja stör pennin f;eposse ther i^^enom^
Bt bäoken sa Dar gadt af, ok sade tliervid: 'tlier är min skaukM ok
ude ytterli^are': 'aar tu skal ha tin hemmagifta , skaitu kiöra med
4 hüstar hit til berget ok fa tin andeP. Tä han sedermere efter hans
begäran kom tit, fik han kopparkätilar then ene större an then an-
dre, tils then yttersta störete kattelen blef upfyld med andra niindre.
ilem brandereatur, som voro hielmeta, af hvilken farg ok oreaturslag,
8om äro stura ok frodrga, the an ha qvar pä rik, i Tanums gäll belan-
get. Thenne mannen Reors far i Foglekärsteu benämd, aflade en hop
baro med thenua sin saledes frän berget afliämtade hustru, biand hvilka
var uämnemannen Reor pä Hogen ; sa bar ok Ola Stensoa i stora Rijk
varit Reors systerson, hvilken i förledit är med döden afgik^
**) dresd. saml. no. 15 von des mullers sun. ein thörichter mul-
1er bittet ein mädchen ihn der liebe süfsigkett zu lehren, sie lafst
ilin die ganze nacht honig lecken,^er leert einen grofsen topf aus, be-
kommt leibweh und bildet sich nun ein schwanger zu sein. Sie be-
schickt einen häufen alte'r weiber, ihm in seinen kindesnOtlien beizustehn.
Ma fragt er war sein kind wer komen? ai sprachen: hastu nit verno-
ß»euV ez was »in rehter wislonhalk^ und tett als ain guoter schulki
<la er er«t von deinem leib kam , da fuor ez pald hin und eutran hiu
uff zuo dem lurst enpor. Der müiler spracii : pald hin uft* daz spor!
varhent ez! pringent ez mir herab!* Sie bringen iluD eine schwalbe lu
verdecktem topfe.
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964 ELBE ZWERGE
Gegen die auBtaudchung sichert , clafs man einen schlnssd,
oder eins von des vaters kleidern, oder stahl und nähna^
dein in die wiege lege (deutsch. abergL no, 484. 744«
»chwed. 118.)
Alle elbe haben unwiderstehlichen hang zu musii und
tanz, man sieht sie nachts im mondschein auf den wie-
sen ihre reigen führen uad erkennt morgens die spur ioi
thau. die erscheinung tanzender berggeister auf den
matten zeigt den menschen ein gesegnetes jabr an (deut-
sche sagen no. 298.) ein Ostreich. Volkslied (Schottity p,
102): Hmd duärt drobn afm beargl, dd dänzn zwoa
zweargl, de dänzn so rar', in Laurins berg, in frau Ve-
nus berg rauscht fröhliche, verführerische musik, \uid tänse
werden darin getreten (Laurin 24) ; der eibinnen gesänge
locken Jünglinge auf den berg und es ist um sie gesche-
hen (danske viser 1, 235 — 240.) *) in Norwegen heifst
eine solche musik huldresldt (oben s. 168); ein unge-
drucktes mhd. gedicjit (cod. pal. 341, 357*) enthält die
merkwürdige stelle : da safsen £deler 'und vldelten alle den
albleich\ es mufs eine süfse, entzückend^ weise gewesen
sein, deren erfinduug man den elben beimafs. **) Finn Mag-
nussen bezieht den namen des zwergs Haugspori (Saem. 2**)
auf die dem gras eingedrückten spuren eines bei nächtli-
cher weile über die hügel streifenden albs,
Diese liebe der elbe zu den tönen und tanzen knüpH:
ihr geschlecht an höhere wesen , vorzüglich an halbgött-
inneu und göttinnen. Auf (der Isis) schiff erschallt nächt-
licher freudengesang , und das volk zieht seine reigen dar-
um her (s, 160.) in frau Holdas wohnung, in frau Venus
bei^ ist gesang \md tanz, celtische Überlieferungen stel-
len die feen tanzend vor (m^ni. de Tacad. cdt. 5, 108);
diese feen stehen in der mitte zwischen eibinnen und wei-
sen frauen. ***) Rein wunder, dafs auch 4en klugen elben
und Zwergen die gäbe der Weissagung zugeschrieben wird.
Andvari der zwerg erscheint ganz so in der edda (Sa?m.
181*») und noch mehr Alvts; im altfranz. Tristran ist der
nains (nanus) Frpcin ein devin (divinator) und er deutet
die Sterne bei der geburt von kindern (z. 318 — 326. 632.)
die drei haulemännerchen (hölmänner^ erdmännlein) des
*) Tolkssage yom Hanebierg in den antiq^ariske annaler 1, 331. 832.
**) vgl. ir. elfenm. lxxxi — Lxxxun Ihre s. v. älfdans, Arndt reise
nach Schweden 3, 16.
***) gleich den aerbüchen vilen^ die am herg und wiesen ifaren
tanz haltca (a.Vid.)
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ELBE ZWERGE/ BILWIZ 265
kindermärohens (no. 13) nelimen Aie stelle begabender
feen ein ; annähendes unhcil oder den tod verkündigen sie
den menschen voraus (ir. elfenm, lxxxvi.) In dieser hin-
sieht ist auch nicht ohne bedeutung, dafs elbe und zwerge
das von frau Holda und Frikka begünstigte spinnen und
weben treiben, die fliegenden Spinneweben im herbst
hält der Volksglaube für ein gespinst von elben und Zwer-
gen ; von den Christen wurde es Marienfaden, Mariensom-
mer genannt, weil man sich auch Maria spinnend und
webend dachte, schwed. bedeutet dverganät (zwergs-
netz) ein spinneweb. *) Die altn. saga von Samson hinn
fagri erwähnt cap. 17 eines wunderbaren mantels (skickja),
den eibinnen gewebt hatten (sem älfkonurnar Iiöfdliu
ofit.) Auf*inem von geistern bewohnten hügel hört man
nachts die eibin (das mag hier troldkone bedeuten) spin--
nen und ihr Spinnrad schnurren , erzählt Thiele 3, 25.
Die männlichen zwerge hingegen schmieden kleinode und
Waffen (oben s. 250. 252), wie schon ir. elfenm. lxxxviii
umständlicher dargethan ist- **)
Was ich über die natur und eigenheiten der elbe zu-
sammengestellt habe wird sich durch die betrachtung ein-
zelner eibischer wesen, die noch unter besondern namen
vorkommen, bestätigen.
Unter ihnen will icli einem genius, der in den nord.
mylhen gar nicht auftritt, die erste stelle anweisen; er
scheint dennoch von hohem alter, mhd. gedlchte erwali-
nen seiner verschiedenthch :
si wolten daz kein pilwiz
sl dd schüzze durch diu knie, Wh. 324, 8.
er solde stn ein guoter
und ein pilewis geheizen,
davon ist daz in reizen
di^ übelu uugehiure. Rüediger von zwein gesellen
(cod. regimont.) 15**.
dd kom ich an bulwechs perg gangen
di schiiz mich der bidu^ems,
du schijz mich die bulwechsin.
*) wallisisch corr beides, spinne und zwerg.
**) hier noch eine sage aus Odmnns Bahusiän p. 79: thessiitan
har man ätskillige beratteUer ok sagor om s/nedar, sa i hogar som
barg, sltsom har i Fossiimstorp högar, livarest man hordt, at the :;midt
liksom i en annan smiffja oiD aftonen «A*'' ^^^^"^-"f neder^lmfr , ok cl-
jett mitt pä höga middagen. För 80 ar «edan gik Dias fadar i Siir-
ton^, benämd Ola Simaiisson, liär i församlingen fran Slängevald iiaf>
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266 BJhyfJZ
cl& 8cliÖ2 micli als ir hingesind. cod. vindob. 2b i7, 71'
von öcbrabaz pilwihten. Timr. 27, 299.
eeiu part het manchen pilbia zolen^ Casp. von der
Ron heldeub. 156»».
hieraus ist es schwer, die echte form des namens zu gewinnen.
Wolfram reimt pilwiz (var. pilbiz, bilwiz, bilwitz) auf
biz (morsus) und kurzen vocal in der letzten silbe scheint
auch pilwiht und bulwechs anzudeuten , so wie pilbis in
einem gedieht, das sonst pilbeis geschrieben hätte, die
wechselnde gestaltimg oder Verunstaltung des worts ver-
rät h , dafs man es schon im 13. 14 jh. nicht melir ver-
stand ; späterhin wurde es noch auf andere weise entstellt.
Ein beichtbuch aus der ersten hälfte des 15 jh. (Hoflinanns
monatsschr. 753) hat pelewysen synonym mit hexen.
Willkommen ist das westphäl. beleu^itten im Teutonisla,
es wird von Schuiren gleichgesetzt den ausdrücken guede
hoicien und witte vroutven (penales.) belivit ist also pe-
nas, ein freundlichgesinnter hausgeist, ein guote holde
(oben s. 165), wie es bei Huedigcr heifst ^ein guoter und
ein pilewiz^. Der ags. spräche ist ein ad), eigen h/'/i'ity
blleifit Cadm. 53, 4. 279, 23, das mansuetus, siini>lex er-
klärt wird, genauer vielleicht aequus, justus bedeuten
kOunte. *) die sclireibung bilthOit (Heda 5, 2, 13 wo es
simplox übersetzt) würde auf hvit (albus) führen , folglich
den circuiiiilex begehren ; was sollte dann aber bil bedeu-
ten ? ich ziehe das ältere , bcglau])igtere bile\>it vor, und
nehme \il für scius, bUi>it^ alid. pdan^iz^ pilwia? für
aequum sciens, aequus, bonus, obgleich ein adj. vit, wiz
vandes med sig en hund, hvilken ta lian blef varse mitt pa dagen
bär^smannen y som ta smidde pa en stör stetig skiaide lian pa IiODoni,
hvar pä bärgsmeden^ som hade en liusgra rak ok bl^uulen fiatt^ be-
gyate at snarka ät hunden, .som tillika med husbonden fuasu radelig»>t,
at lemna honom i fred. Tliet gitVas ok annu ibland geniene ni»a
ama crucifixer af metall, som gemeiiii^eit halies före vara i furdmi (i-
der smidde i .brirg, hvilka the ofor^taiKÜge bruka at hanga pa boj»kap,
som hastigt ladt ondt ute pa marken, eller som säges blitVit väder-
slagne^ livarigenom tro them bli belbregda. af sadana bär^smideii har
jag ok n^'ligen kommit öfver ett, som ännu ar i forvar, ok pa ofveu-
närade satt gik i lan at bota siiikdunimar.
•) mhd. hillick (aequus) Reinli. ^54. Iw. 1630. 5244. 5730. 6842.
bilHchen (jure) Mb. 450, 2. der billivh (aequitas) Trist. 6429. $>3i4.
10062. 13772. 17787. 18027; alid. kenne ich hilliU nur aus \V. ixs
27, wo die leidner hs. bilithluJi. in der ihat, da sich die bf»rill<s
aequus, aequalis, simiiis berühren ist bilidi, pi'adi aequaiitah, Muiiiitu<io,
altn. likneski (imago.) das einfache ^/7, /// scheint an sich schon ae-
quitas, jus; ich kpun es aber in keiner deutschen spraclie naciiweiseo-
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BILWIZ 267
sonst, so yld ich weifs, mangelt, und das altn. vitr (gen.
vitrs) noch ein ableitendes R zufügt. Sind diese etymolo-
gien haltbar, so ist bila^iz ein guter genius, aber elbisclier
uatur, er hauset in bergen^ sein gescho/s wird, wie das
des albs (s. 259) gefürchtet, er verwirrt und verfilzt,
gleich dem alp die haare (s. 262.) auf die. Verwandlung
des ausdrucks biliviz, biltvia in bilwiht mochte man
leicht gerathen, da auch sonst S und H, S und HT (lios,
licht; gramm. 1, 318) ST und HT (forest, foreht; gramm.
1, 416) tauschen, die Zusammensetzung bilu>iht aber einen
jMissenden sinn gewährte (guter wicht.) gl. blas. 87* lie-
fern wihsihtein (penas), ja die heulige zwischen weich-
ielzopf , wichaelzopj und wichtelzopf {Inchtelzopf)
schwankende benenuung der plica (s. 262) bestätigt den
Übergang der formen bilweichs^ bilit^echs und &//-
wicht; ohne zweifei kommt auch bilweichszopf, bilwiz-
zopf vor. *)
In den jüngsten Jahrhunderten hat der Volksglaube,
Ate alte, edlere bedeutiuig dieses geisterhaften wesens ver-
lierend, gerade wie bei alb, wie bei IloUa und Uerhta,
nur die feindseUge, schädliche seite seiner natur festge-
halten : es erscheint als plagendes , schreckendes, haar und
hart verwiJTendes, gelraide zerschneidendes gespen^t, meist
in weiblicher gestalt , als büse zauberin und hexe, schon
Kilian deutet beleu^itte durch lamia, strix. die Überliefe-
rung haftet Yornemüch im östlichen Deutschland, in Baiem,
Franken, Vogtland, Schlesien. Hans Sachs gebraucht 6//-
bitzßfi vom verwickeln der haarzöpfe , pifmitz von ver-
>vorrencn haarlockeu : *ir har verbilblfzt ^ zapfet und
stroblel, als ob sie hab der rab gezoblct'. I. 5, 509^, IL
2, lOQd ; ^pilmitzen , zoten und fasen\ 111. 3, 12*. Im
') poln. beifst die pllca, niifser koltnn, anch "noch wieszczyce
(Linde 6, 227) und der volk&<;Ianbe schreibt sie dem Zauber einer
mfizczku, d, li. weisen frau, weirtsagerin, hexe zu. dieses wieszczycc
stimmt zu ireic/isclzopf und dem -ifiz, -u^eis in biiwiz. Lief^e sich
«i» compositum bialowieszczka (welfse zauberin, weilVe fee) nacli-
weisen, (icii finde es aber nir<i;ends, aucli nicht bei andern Slaven);
M würde starke vermutun;; für die lierkunft unseres bilunz aus dem
slavi^chen erwachsen, und ich will nicht ganz entscheiden, zumal der
ausdnick hauptsächlich in Baiern, (Wreich, Schlesien gefunden wird,
vorläufig scheint mir aber seine deutschheit durch die abwesenheit je-
ner siav. Zusammensetzung, so wie durch daä ags. bilvit, nl. belwitte
und die ahd. eigennamen Pilihilt, Pilikart, Pilihetm, Pilidröt, Piiiram
u. s. w. gesichert: übrigens stammt unser wiz aus wizan, das potli.
wieszcz aus wiedzi^c, und Verwandtschaft beider Wörter erklärt hicli
Moll ohne entlelmuogea.
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268 mumz
ackcrmann von Böhmen cap. 6 steht pilu^is gleichbedefilig
mit hexe. *zauberer pielweiser, -walirsager'. Böhmes beiir.
zum schles. recht. 6, 69. *ao. 1529 (zu Schweidnitz) ein
pieltpei/s lebendig begraben'. HolFmanns monatschrift 8.
247. *i582 (zu Sagan) zwo ehrbare franen für pilweifsen
und huren geschollen (das, 702.) *du pUeweifsin*\ A.
Gryphius p. 828. *las de deine hilbezzodn auskampln*
sagt die zornige mutler zum kinde (Schm. 1, 168) 4 den
biltnezschedl (struppigen köpf) get nix nei'. piimeskind,
eine schelle wie teufelskind (Delling bair, idiot. 1, 78.)
bilhezsclwitt, bilivezschnitt^ biljezschnitt bezeichnet ei-
nen durchschnitt im getraidefeld, den man als werk einei
geistes, einer hexe oder des teufeis betrachtet.
Dieser glaube geht in ein hohes aller hinauf, schon
die lex bajuvar. 12 (13), 8: *si quis messes allerius ini-
tiaverit maleiicis artibus et inventus fuerit, cum duodecim
solidis compouat , quod aranscarti *) dicunt*. ein solcher
übelthäter hiefs wol damals piliwiz^ pilawiz? niederer
bemerkt zu der stelle p. 202. 203 : ein ehrlicher landmaon
erzählte mir von dem sogenannten bilmerschnitt^ bilher-
schnitt folgendes: der böse mensch, der seinem naclibar
auf die gottloseste weise schaden will geht mitternachts,
ganz nacket, an den fufs eine sichel gebunden , und Zau-
berformeln hersagend , mitten durch den eben reifenden
getraideacker hin. von dem theil des feldes, den er mit
seiner sichel durchschnitten hat, lliegen alle kömer in seine
Scheune , in seinen kästen, liier wird alles einem von
menschen geübten zauber beigemessen. Auch Julius Schmidt
(Reichenfels p. 119) berichtet aus dem Vogtland : der glau-
be an die bilsen oder bilvemchnitter ist ziemlich verbrei»
tet, ja es mag gewisse leute geben, die welche zu sein
meiner/; diese gehen dann am Johannis, mitunter am
Walpurgistage vor Sonnenaufgang in das feld, schneiden
mit kleinen an die grofsen zchen gcbundnen sicheln die
halme ab, wobei sie quer durch den acker treten, dabei
sollen diese leute kleine dreieckige hüte (bilsenschnitler-
hütchen) aufliaben ; grüfst sie jemand in dem gaug , so
müfsen sie heuer sterben, die bilsensvhnitter glauben
nun die liälfte des ertrag» von dem fehle, wo sie geschuit«
ten haben, zu bekommen ; bei manchen leuteu hat man
nach ihrem tode kleine sichel förmige instnimente gefun-
den, wenn der eigentliünier des ackers stoppeln der gc-
•) goth» asans (messis) «fid. aran^ «rn.
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BILWIZ 269
sdintttenen halme antril>, uud in den rauch hängt, so
mofs der biUenschnitter nach und nach vertrocknen.
Zufolge einer mlttheilung aus Thüringen kann man den
hinaenschneider , wie er dort heilst , auf doppelte weise
verderben* entweder setze man sich auf trinitatis oder Jo-
haauis, wenn die sonne am höchsten steht, mit einem
Spiegel vor der brüst, auf einen holunderstrauch , und
schaue nach allen enden um, so kann man den binsen^
Schneider wol entdecken; jedoch mit grofser gefabr: denn
wenn der aufpassende eher vom binaenachneider geseben
irird, als er ihn erblickt^ so niufs er sterben Und der bin-
senschneider bleibt leben, er müste sich denn zufällig selbst
in dem Spiegel, den jener vor der brüst hat, erschauen, in
welchem fall er auch noch in diesem jähr sein leben ver-
liert. Oder, man trage ähreu, die der binsenschneider
geschnitten hat, stillschweigends in ein neuausgeworfenes
grab, die ähren dürfen aber nicht mit blofserhand ange-
fafst werden: würde nur das geringste dabei gesprochen
oder käme ein tropfen schweifs aus der band mit ins
grab, so mufs, sobald die ähren verfaulen^ derjenige ster-
ben, welcher sie hineinwarf,
AVas hier men^hlichen Zauberern, *) wird anderwärts
dem teufel beigelegt (abergl. no. 523) oder elbischen ge-
spenstern, die sich schon an ihren kleinen hüten kundge-
ben, sie heifsen bald bilgenschneider, bald pili^er oder
hilpertaachnitter , bald führen sie ganz abweichende be-
nennungen. Nach Schm. 1, 151 bociachnitt, weil das ge-
spenst auf einem bock duixhs getraidefeld reiten soll, wo-
bei an Dietrich mit dem eher (s. 139) erinnert werden
kann. Der osnabrückische Volksglaube läfst die iremae^
mutter im körn umgehen : sie wird von den hindern ge-
fürchtet, im Braunschweigischen heifst sie lormvif, wenn
die kinder kornblumen suchen, wagen sie sich nicht zu-
weit ins grüne feld und erzählen sich vom kornweib , das
die kleinen raube, in der Allmark und mark Branden-
*) igt aaf diese Zauberei schon eine stelle der kaiserchronik (cod«
piL 861, 12c) bezüglich?
diu mnoter heizit Rachel,
diu bit 10 geUret:*
•wenne sie In hiez snfden gi^n,-
Sin haut incom nie dar an,
da «ichil sneit schiere
m^r dan andere riere i
wii er darch eioiu berc vaml,
der §Ui inuner m^r in gegen im üf getln.
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270 ^ BILWIZ SCRAT
'burg wird sie genannt roggenmöhme und man schweigt
schreiende kinder mit den Worten: Cialis maul, sonst
kommt roggenmöhme mit ihren schwarzen langen hit-
zen (?) und schleppt dich hinweg'! *). Ist nicht auch die
hairische preinsvlieuhe ein solches getraidegespenst ? im
Sclirackeugast, Ingoist. 1598 finden sich p. 73 ^preinscheu^
hen und merwuudcr' p. 89 *wilde larvenschopper und
preinscheuhen* nebeneinander, prein , brein, eigentlich
brei (puls) bedeutet aucli körnertragende pflanzen wie ha-
her, hirse , panicum, plantago (Schm. 1, 256. 257) und
hreinschetihe wäre der gelst^ den das volk in haber und
hirsen Feldern fürchtet?
Unverkennbar dui^ch alle diese Zusammenstellungen
ist die Verwandtschaft der bilu^ifse mit göttlichen und el-
bischen wesen imseres heidenthums. Sie verfilzen das
haar wie frau Holla, frau Berhta und der alb, sie tragen
den kleinen hut und führen das gcschofs der elbe, sie sind
zuletzt, gleich Holla und Berhta, zu einer kinderscheuche
herabgesunken, ursprünglich ^gute holden', gesellige wol-
thätige wesen haben sie sich allmälich in unholde, teufli-
sche gespenster, Zauberer und hexen verkehrt. **) Ihre be-
riihruug mit Holla und Berhta ist auch darum merkwür-
dig, weil alle diese wesen, dem eddischen glauben fremde
eine eigen thümliche entwickelung oder vVendung der heid'^
nischen religion im Innern Deutschland erkennen lafsen.
An die behaarten, struppigen elbe oder bilwifse reiht
sich zunächst ein geist, der in ahd. Sprachdenkmälern scrat
oder acrato , in gleichzeitigen lateinisclien pilosiis genannt
wird, die gl. mons. 333 haben scratun (pilosi), gl. herrad.
200*^ waltschrate (satyrus) sumerlat. 10, 66 srate (lares
mali); ebenso mhd- *ein wilder waltschrat Bari. 25 £, 11.
Aw. 3, 226. *sie istvillihte ein achrat ^ eingeistvon helle'.
Albr. Titur. 1, 190; dafs ein kleiner, eibischer geist ver-
standen werde , folgt aus dem dim. achretel , das gleichbe-
deutend mit wihtel in der artigen fabel gebraucht ist , von
welcher die ir. elfenm. cxiv — -xix einen auszug liefern. Vint-
lers stelle vom achrättlin (anh. lui) bestätigt es. der vo-
cab. von 1482 hat achretlln (penates), Dasypodius nacht"
achrettele (ephialtes) 5 spätere schreiben achrättele^ aclirät^
*) Tgl. deatsche sagren no. 89.
) sollte nicht das umgehen des bilwifs, der kommahihe im ge-
traide eine wolihätige ursnclie gehabt haben, so dafs diese wesen dem
göttlich verehrten robigo der Römer, der den brand im kom Terlrin-
derte, Tergkidibar wären?
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SCRAT 271
tel^ ßchretteley schrötle, vgl. Stald. 2, 350. Sclimid
sdiwäb. w'b. 478, Auch andern deutschen dialecten scheint
das wort bekannt: ags. scritta, engl, scrai (hermaphrodl«
tus) *), altn. shratti (malus genius, gigas) ; ein meeresfelsen
heifst shraltashar {j^i^morum scopulus) forum, sog. 2 , 142;
diese formen zu jenen hochd. gehalten vermisst man die
lautverschiebung. in der that gewähren andere hochd. for-
men ihr Z statt T : screza (larvae , lares mall) gl. lindenbr.
996*>5 jsrezze \el srale (nicht screzzol scraito) sumerl.
10, 66; ^unreiner schraz* Aw. 3, 170 (: vraz.) **) auch
oberdeutsche wurterbücher des 16 jh. stellen seiltet zel und
alp zusammen, Hofer 3, 114 hat ^der schretz\***)
Wichtig ist die einstimmung slavischer Wörter, alt-
bülim. scret (daemon) Plankas zbjrka 6*^ ; screti^ scretti
(peuates intimi et secretales) das. 16^ ; bölun. sakrjteh (pe-
nas, idolum); poln. shrzot und strzitek ; sloven. fhkrdt^
fhkrdtiz^ Jhkrdtelj (bergmäunchen.) dem serb. und russ.
dialect scheint der ausdruck unbekannt.
Ich weils weder der deutscheu noch der slav. form
eine wurzel. f)
Gehen wir dem begrif nach, so scheint achrat ein
wilder, rauher, zottiger waldgeist, dem lat. faun und gr. sa-
lyr vergleichbar; schrätlein ^ synonym mit wichtel und
alp, hausgeist, bergmaunlein. immer kommt aber hier das
männliche geschlecht vor, nie das weibliche ; es mangelt also,
wie bei den fauhen, der verschönernde gegensatz, welcher
in den eibinnen und bilwissinnen da ist. eiuiger bezie-
buDgen halben lassen sich allerdings die am schlufs des 12
cap. abgehandelten wilden weiber und waldminnen den
Schraten zur seite setzen.
Auch darin unterscheiden sich die Schrate von den el-
beo, dafs sie kein volk bilden, und einzeln auftreten.
Die glosse bei Hanka 7** 11* hat vilcodlac faunus,
nlcodlaci fauni £carii, incubi; dusii; neuböhm. form wäre
') schon Ssp. 1, 4 altvile and duerge nebeneinander, vgl. RA. 410.
•*) oder wäre sehr dz (: vrtz, wie sich Tertheidigeu läfst) au»
Khratvaz verkürzt? Gadr. 448 schrawaz oder merwunder; schrabaz^
Albr. Tit 27, 299 (neben pilwiht); schrawutzen und merwander.
Casp. V. d. Ron Wolfdieter. 195.
*") Muchar röm. Noricum 2, 37 und Gastein 147 erwähnt eines
launigen berggebtes schraneL
t) das aittt. skratti soll auch terror bedeuten, schwed. skratta,
<iäo. skratte Ist laut lachen, erlaubt die ags. form ücritta das ^r.
ox^of, einen hupfenden, springenden kobold oder satjrr (von oxh^tumv
Upfe), za vergleichen? Lobecks Aglaoph. 1311.
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2T2 SCRAT (PILOSÜS)
wlhodlalf wol (haarig; den Serben ist vuhodlah der vam-
pyr (Vuk 8, y.) Es wird nicht auffallen und gewährt
neue berührung zwischen elben, bilwissen und Schraten,
dafs in Polen dem shrzot dieselbe verfilzung der haare
zugeschrieben und nach seinem namen benannt wird ; *)
in einigen gegenden Deutschlands sagt man achröUein^
Öchoü frühe dadite inan sich in Europa daemonische
wesen als pilosL die vulgata hat Jesaias 13, 21 *et pilosi
saltabunt ibi', wo die LXX : Sai/iiovia ixet o^x^®*'^®''
vgl. 34, 14. **) Isid. etym. 8 cap. ult. (und daraus gl.
Jun. 399): pilosi qui graece panitae, läline incubi no-
minantur, — hos daemones Galli duaios nuncupant. queiri
antem vulgo incubonem vocant, hunc Römani faunum
dicunt. Burcard von Worms (anh. xxxvn) gedenkt des
abergläubischen brauclis, den hausgeistern in keller und
Scheune Spielsachen, schuhe, bogen und pfeile hinzulegen, ***)
und auch diese genien heiCsen satyri vel pilosi. Der
mönch von S. Gallen erzählt im leben Carls des grofsen
(Pertz 2, 741) von einem pitosus^ der das haus eines
Schmiedes besuchte und sich nachts mit hammer und am-
bofs belustigte, vgl. ir. elfenm. cxi. cxiu Also ein spielen-
der, fröhlicher, tanzender, launiger hausgeist, rauh und
haarig anzusehen, wie die heidelberger fabel sagt, ^eislich
getdn', uad mit dem rotlien läppchen der zwerge ausge-
stattet, gern in küclie und keller sein wesen treibend, ein
bild ganz vornen im cod. pal, 324 scheint ihn darzu-
stellen.
Nur nehme ich an, dafs man in älterer zeit dem scJirat
oder waldschrat eine ernstere, grüfsere gestalt, und erst
später dem schrettel die heitere, kleinere beilegte, das
scheint auch aus der ahn. bedeulung von skratti gigas, riese
hervorzugehn. Diese waldgeister müssen noch im 6. 7 jh.
eines eignen cultus theilhaftig geworden sein : bäume und
tempel waren ihnen heilig, beweisende stellcri sind schon
•) auch hollki heifst der weichselzopf, und IcoUki sind wiedemm
(»oliiisclie, russische hausgeister. . • •
*•) Luther übersetzt /V/rf^tfw/>/ 5 das hebr. sagnir bezeichnet haarige
bocicartige wesen. Radevicus frising. 2. 13 ahmt die ganze steile des
Propheten nach : 'ululae, upupae , bubones toto anno in tectis fnnebria
personantes lugubri voce aures omnium repleverunt. pilosi quos sa-
tyrob vocant in domibus plerunque auditi\ und nochmalfl 2, 24: m
äedibus tuis lugubri voce respoudeant ululae, saltent pilosP. ^
•••) 80 wird dem jiLdel (ich meine güeten was sonst guptc holde;
spiel werk biogelegt, abergl; nö. 62 vgl. 4T3.)
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SCRAT (PAÜNÜS) 278
8. 45. 54 dafür angofSlirt: 'arbores daemoni dedicalae*,
und trnter den Wamsken, einem den Baiern verwandten
stamm, ^agrestium fana, quos vulgus faunos vocai'.
In Eckeharts lat. Waltharius kommen merk>vürdige
änfeerangen vor. Waltharind redet den vierten helden,
der ihn bestehen will, Ekevrid aus Saclisen, einen landes-
verwiesenen, darum also waltgengon imd im wald hausen-
den *), mit den bitteren Worten an :
die (ait), an corpus vegetet tractabile temet^
sive per aärias fallas, maledicte, figuras ?
Saltibus assuetua Jaunns mihi quippe videris;
Ekevrid entgegnet hohnlachend
celtica lingua probat, te ex illa gente creatum,
cui natura dedit reliquos ludendo praeire;
at si te propius venientem dextera nostra
attingat, post Saxonibus memorare valebis,
te nunc in Vosago fauni fantanma videre;
du magst einmal den Saclisen , meinen landsleuten , von
dem Schrat erzählen, der dir im Wosgau erschienen ist.
Als nun Ekevrid seinen Speer vergeblich geworfen, sagt
Wallhari nochmals:
haec tibi ailvanus transpöndit **) munera Jaimus,
ein solches waifen wird dir wol ein waltschrat zugelieferl
baben; jetzt sollst du mein (menschliches) geschofs ken-
nen lernen*
Hier heifst der faun ein fantasma^ phantom, ahd.
giactn T. 81 (Matth. 14, 21), sonst auch sctnleih (mon-
slrum) gl. hrab. 969 *>. Jun. 214. ags. sctnldc (portentum)
oder gitroc (s. 261.) ^jantaaia^ quod in libris gentilinm
Jaunua solet appellari'. Mabillon analect. 3, 352. Und
gerade so in altfranz. gedicliten: ^fantoame nous va fau--
noiant\ M^on 4, 138. ^fantoame ^ qui me desvoie, de-
maine'. das. 4, 140. 4, 402. Solche fauni ficarii und
siheatrea hominea sind es, zu welchen Jomandes die goth.
aliorunen sich gesellen läfst (s. 227.) sie streifen aber
auch in das gebiet halbgöttlicher helden über: Mimring,
siliHirum aatyrua^ fVitugouwo (silvicola) scheinen zu-
gleich kunstreiche, schmiedende schrate und beiden (s. 220.
221. 222.) mit deoi satyrhaften Vülundr verbindet sich
eine valkyrie, wie mit den faunen die aliorunen, wilde
weiber, waltminne (s. 244. 245) und mlde man (Wigamur
*) RA. p. 733.
**) praet. von transpoudeo (d. i. traosspondeo) welche« ich sonst
Bie gelesen habe.
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274 SCUOmSAL?
203) beriiliren einander« im WoMäieteriA ^?Hrd ein aol-
cber wilder mann waltluoder genannt« Die altn, mytho-
logie kennt wilde waldfrauen unter dem namen Mdjur
(Sncm. 88*. 119*») und iarnuidjur (Sn. 13.) von der hidja
stellt zu eingang des Hrafnagaldrs der dunkele aussprach
*elr Jvidja', alit, äuget, parit, gignit dryas; ividja ist abge-
leitet von einem wald oder liain Mdr, dessen Vöiuspa 1*
erwälinung thut: <nio man ek beima, nio ividi'; ebenso
iarni>idja von iarnvidr (eiscnwald.)
In den romanischen märchen hat ein altrömischer goU
ganz die natur eines waldgeistes angenommen , aus dem
Orcus *) ist ein ital. orco geworden, neapoL huorco^ iranx.
ogre: er wird schwarz, behaart und borstige doch mehr
in grofser als kleiner gestalt geschildert, fast riesenmäfslg;
im wald verirrte kinder stofsen auf seine wohnung, zu^
weilen erscheint er gutmülig und begabend , oft rettet und
schützt seine frau (orca , ogresse.) **) Deutsche märchen
übertragen seine rolle dem teufet^ der auch unmittelbarer
aus dem alten gott der unterweit hervorgeht, von dem
unsichtbarmachenden heim ist dem orco nichts übriggeblie-
ben, dagegen wird ihm characteristisch eine dämonische
jeinheit des geruches beigelegt, er spürt, gleidi seeunge«
heuern, die anuäherung menschliches fleisches: ^je sens la
chair fraische', *ich rieche, rieche menschenfleisch', *ich wittere,
wittere menschenüeisch', *I smell the blood'» ^eg lugter det paa
min hüire haand' ***) gerade wie schon die meerminne im
Morolt 3924 sagt: 4ch smacke diutsche tserngewant*.
Das goth. neutr« stShslj womit Uliilas daifioviov
INIatth« 8, 31. Luc. 8, 27 (lüer am rand beigeschrieben, der
text hat unhulth^) I Cor. 10, 20. 21 überträgt, möchte
ich aus einem goth. slöhs (gen. sköhis) oder lieber shögs
(skögis, das H kann blofs durch die Verbindung SL ent-
sprungen sein) erklären, skögs entspräche dem altn. sh6gr
(silva); in allen unsern goth. fragmenteu bietet sich nie-
mals der begrif von wald dar , aufser vidus (s. 220) darf
dafür auch jenes skdgs vermutet werden. Ist nun shöhsl
waldgeist, f) so kann damit^ wie mit dclifiortoPj die idee
*) vgl. anhang p. t\x ^Orcum invocare^, neben Neptun und Diana
und p« Lui bei VintJen 'ich hab den orken gegeben'. Beov. 224 orcneas,
**) pentamerone 1,1. 1^ 5. 2, 8. 3, 10. 4, 8, und die orca 2, 1. 2, 7. 4
6. 6, 4.
***) Perrauf f 8 petit poucet; kinderm. 1, 152< 3, 410< Mesaens 1,
21. dan&ke viser 1, 220.
t) ein ahd. skuoh und sknobisal sind reiiich noch gewi(gter; un-
ser nhd. Scheusal (monstrttm) , wenn es ton scheuen (scinhan) her-
stammt, hat ganz andern vocallaiit, en kann aber ancfc verderbt sein,
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NICHÜS 276 ^
^ed hoHeren halbgoUIIchen od^r selbst gOulicben Wesens
Verbanden sein. Eriünert man sich an die heiligen , un-
Terletzbaren } von geistern bewohnten bäume (scWed*
äbergl. no. 110, dän. no. 162), an den germanischen wald«
cuhus überhaopt (s; 41. 42. 43. 82. 83.) ; so wird begreif-
lich, warum vorzugsweise waldgeiater statt der elbischen
natur menschliche und göttliche ^annehmen; ,
Auch die Wassergeister zeigeil diese dopt)eIte seite.
Weise frauen, valkyrien erscheinen als schwane auf der
flut, sie gehen über in weissagende nteenpeiber und
tneernUnnen (s. 244.) selbst Nerthus und frau Holla ba-
den im see öder weiher, in Hollas Wohnung gelangt man
darch den brunnen (kinderm. no. 24. 79.)
Der allgemeinen benennung holde ^ guoteh holde (ge-
nins, bonus genitis) steht daher auch ein Ufäzz^r/iölde
(s. 165) und brunnenhoide (s. 166) zur seile, dem allge-
meineren minni ein meriminni. Andere, an sich selbst
Yerständliche namen sind : Tneerwunder;^ wasäermann (slav.
vodnik), seejung fer ^ miserweib; ahn; haffru^ sceiona,
hafgfgr^ margfgr^ schwed. luifsrhan, ha/ß/ru, beson-
ders auch atrömkarl (stromgeist, mann.) die . Vorstellung
eines wasaerkönig^ erhellt aus ufatercöninh bei Melis
Sloke 2, 96.
Ein solcher Wassergeist Iiiefs eigentlich , ahd. nihhus,
nichus (gen* nichuses) , welches ausdrucks sich die glossa-
toren zur Verdeutschung von crocodilus bedienen, gl. mo'us«
322, 412. Jun. 270. wirceb. 978^ ; der physiologus braucht ihn
neutral : daz nihhue. Diut. 3, 25. Hoffm. fundgr. 23. später sagte
man nichts (gL Jun. 270.) ags. finde ich mit Verwandlung des S
in R das männliche nicor, pl; niceras, Beov. 838. 1144.
2854, es werden ungeheuere geister verstanden, die ini
meer hausen, vgl. nicorJiua Beov. 2822. Diese ags. förni
bt auch die mnl. nicher j pL nickers (horae belg. p. 119), .
Reinaert prosa Mran*' ^nickers ende wichteren', necker (Nep-
tunns) Diüt. 2, 224^. nnL hat nikker die bedeutung von böser
geist, teufel, ^alle nikker e uit de heP; eben so gilt das engl, ^old
nick\ Bei uns dauert die S form, und der echte begrif
des Wassergeistes forty eines männlichen nix und eines
weiblichen nlxCy d. h. niks, nikse j doch hört man auch
uickel und nickelmann*, mhd. verwendet Conrad o^ajs*
zernixe gleichbedeutig mit sirene : ^heiz uns leiten Az dem
bade der veii^en a^az&ernixen^ daz uns ir gedoene iht
8chade\ Ms. 2, 200^
kh kenae atu älterer spräche nar die s. 166 unten in der alhmerknog
mitfetfaeilte form sc/tuseL dt>€li hat TOCab. 1^82 seheüfie (tar?a.)
18*
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276 NICHÜS
Das altn. nilT (gen. niks?) soll Jetzt nur hippopata-
mus bezeidincn *, das scUwcd. nähj nek, das dän. nök^ not^
nocie, drücken ganz unsern Wassergeist aus, immer aber
einen männlichen« an die dän. form zunächst sclilicbt
sich ein mittellat. nocca , speclrum marinum in stagnis et
fluvUs. Man zieht das viel ältere neha und tiehalen"
nia (s. 157) hierher, ich glaube ohne grund: das lat, Or-
gan hatte nicht Ursache H für C zu setzen, wo es in deut-
schen Wörtern H verwendet (Vahalis, Naharvali), dürfen
wir keine tenuis gebrauchen; sodann deuten die bilder der
Nehalennia schwerlich auf eine flufsgÖttin.
Richtiger mag es sein, den Wassergeist in einem na-
men Odhins wieder zu finden. Odhinn heilst nach Sn. 3
JSitarr oder Hniharr und Nikiiz oder Hnikudkr. Seem«
46* b steht Hnikarr, Hnikudhr\ 91» 184» ^ Hnikarr.
Nikarr entspräche dem ags. Nicor, Nikuz dem abd.
Nichus. die Variante ist merkwürdig, und Snorri niufs
sie aus quellen geschöpft haben, die von der doppelform
wüsten, das melrum veranlafste vielleicht den vortritt der
aspiration. scharfsinnig bemerkt Finn Magnussen p. 438,
dafs Odhinn, wo er als Hnikarr auftrete, als meergeist
und wellenbcsänfligend erscheine. Sonst aber werden
in keiner edda nickar, wie ulfar oder dvergar, genannt.
Wie von göttern haben pflanzen und steine vom nix
den namen. die nymphaea heifst nhd. nixblame, seeblu-
me, schwed. näckblad, dän. nokkeblomster, nökkerose]
die couferva rupestris dün. nökkeskäg (nixbart^; die halio-
tis, eine muschel sehwed. näcköra (nixohr) ; der tnf-
stein, tophus, schwed. näckebröd , brot des Wassergei-
stes* die Wasserlilie wird auch genannt Wassermann lein
und mummelj letzteres glaube ich für müemel, mühmchen,
wassermuhme, wie im alten lied die merminne ausdrück-
lich Morolts ^liebe muome^ angeredet, und noch heule
in Westfalen watermöme ein geisterhaftes wesen ist; meh-
rere von nixen bewohnte seen heifsen mummelsee (deut-
sche sagen no. 59. 331.), sonst auch meumkeloch. Man
läfst seegeister in bestimmten w^eihern und tiüssen hausen,
z. b. in der Saale , der Donau, der Elbe, '•'') wie auch die
Römer bärtige llufsgötter für einzelne fliisse annahmen;
vielleicht hängt der name des Neckars (Nicarus) mit un-
serm nicor y nechar unmittelbar zusammen.
Biörn gibt auch nennir als einen altn. ausdruck für
•) Hie Elbjiiiigfer und das Saalwreibleiü (deotscde sageri no. 60)
der Uufsgeist in der Oder (das. uo. 62.)
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NICHÜS 277
hlppopolamus an, das wort sclieint dem namcn der gOttin
Hanna (s. 198) verwandt. *) Dieser nennir oder nihur
soll als scliönes, apfelgrauea ros am meeresslrand erschei-
nen und dai-an zu erkennen sein däfs seine liufo verkehrt
stehen ; besteigt es einer, so stürzt es sich mit seinem raub
in die ilut. Man kann es aber auf gewisse weise fangen,
zähmen und eine zeit lang zur arbeil abrichten **), Zu
Morland in Bahus warf ihm ein verständiger mann einen
künstlichen zäum über, dafs es nicht entlaufen konnte,
und pflügte nun alle seine äcker mit ihm: als zufällig der
zäun aufgieng , sprang der neck wie ein • feuer in die see
und zog die egge mit sich hinunter.***) wenn stürm und
gewitter aufsteigen, pflegt sich ein grofses pferd mit un-
geheueren liufen auf dem wasser zu zeigen (Faye p. 55.)
Die Wassergeister haben, manches mit berggeistern
gemein, aber auch ihr eigenthümliches. Gleich dem schrat,
treten die männlichen. lieber einzeln, als in gesellschaft auf.
Gewölmlich wird der Wassermann schon ältlich und lang'^
härtig vorgestellt, wie der römische halbgott, aus dessen
ume der flufs quillt; oft erscheint er melirhäuptig (vgl.
8. 223). Faye p. 51, In einem dän. Volkslied hebt der
nökke seinen nassen hart in die höhe (vgl. svenska visor
3, 127. 133) er trägt grünen hut^ und wenn er den mund
bleckt sieht man seine grünen zahne (deutsche sag, no. 52.)
zuweilen hat er die gestalt eines rauhhaarigen wilden
hnaben, zuweilen die eines gelblocl'igen^ mit rother mutze
auf dem haupt.f) JS^ixen erscheinen in der sonne sitzend,
ihre langen haare kämmend (sv, vis. 3, 148), oder auch
nih dem obertheil des leibs , der von hoher Schönheit ist,
ans wellen tauchend. den untertheil soll, wie bei Si-
renen, ein fischartiger schwänz bilden; doch diese Vorstel-
lung ist unwesentlich und wol nicht echt deutsch, denn
nienjals treten geschwänzte nixe auf -j-*!-), und auch die nixen,
wenn sie ans land unter menschen gehen, sind gleich
*) Mochar Norikum 2, 37 und Gastein p. 145 erwähnt eines al-
pengeistes DonanaM; stellt hier nadei für nandel? ein druckf. für
nadei (madchen) ist kaum anzunehmen.
**) laudnäniabok 2, 10 J[l8lend. sog. 1. 74.) Olafsens reise igien«
Dem htand I, 55. av. vis 3, 128.
•**) P. KaJms westgöta och l>aliusländska resa 1742. p. 200,
i) auf diese kleinheit geht der volksrelm: *nix in der grübe ^ da
bist ein böser bube\ wasch dir deine beinchen mit rotheii Eiegel-
steinchen !*
++) wol aber nixe die oben menschlich, unten wie pjerde gebildet
^nd; ein waaser^i^eist hat den namen "von seinen aufgeschlitzten obren
(deutsche sagen no. 63.)
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J
278 NICHÜS
meDsclilicLen Jungfrauen gestaltet und gekleidet; nur od
dem nassen kleldersaum, dem nassen zipfel der schürze er«
kennbar.*) Hierdurch berühren sie eich mit den schwan«
Jungfrauen, und wie diesen Schleier und kleider wegge-
nommen -werden 9 setzt auch sie das vorenthalten der
handschuhe beim tanz in Verlegenheit (deutsche sagen
no* 58. 60.)
Tanzy gesang und musik sind, wie der elbe (s, 264),
auch die freude aller Wassergeister, In Schweden erzahlt
man von der lockenden, bezaubernden weise des sirönz"
harl : der strömkarlslag soll eilf Variationen haben , von
welchen man aber niu* zehen tanzen darf, die eilfte ge-
hört dem nachtgeist und seinem heer ; wollte man sie auf-
spielen , SQ fiengen tische und bänke , kannen und becher,
greise und grofsmütter, blinde und lahme, selbst die kioder
in der wiege an zu tanzen. **) Dieser spielende strömr-
harl hält sich gern bei mühlen und Wasserfallen auf. da-
von heifst er in Norwegen foasegrim (fos, schwed. xind
altn. fors, Wasserfall.) es ist schon s. 31 als Überrest heid-
nischer opfer angeführt worden, dafs man diesem dämoni-
schen wesen ein schu^arzes lamm darbrachte und von
ihm dafür in der musik unterrichtet winde, auch der fos-
segrim lockt in stillen, dunkeln abenden die menschen durcl)
seine mü^ik, und lelirt geige oder anderes saitenspiel den,
der ihm donnerstagabends mit abgewandtem haupt ein
iPeifses böcklein opfert und in einen nordwärts strö-
menden Wasserfall wirft. ***) ist das opfer mager, so bringt
es der lehrling nicht weiter, als zimi stimmen der geige,
ist es aber fett, so greift der fossegrim über des spiel-
manns rechte band, und führt sie so lange hin und her, bis
das blut aus allen iBngerspitzen springt, dann ist der lehr-
ling in seiner kunst vollendet und kann spielen, dafs die
bäume tanzen und die wasser in ihrem faU still stehen. •}•)
Obgleich das chrlstenthum solche opfer untersagt und
die alten vfassergeisler al9 teuflische wesen darstellt, so be-
hält das Volk doch eine gewisse scheu und Verehrung bei
^d hat noch nicht allen glauben an ihre macht und ihren
*) ia Olaf des heiligen saga (fornm. s5g. 4, 56. 5, 162) wird euiQ
tnarg^gr geschildert als schönes weib, vom gürtet an In einen fisch
«lisgenend, mit ihrem süfsen gesang männer einscliläfemd. offenbar
nach dem muster der römischen siren.
**) Arndts reise nach Scfiweden 4, 241 \ von ahnlicben tanzeq
meldet Herrnudgsäga cäp. 11. p. 49-^52.
•^0 nordwärts, pb^n s. 22.
t) Faye p. 6T. vgl. Thiele 1, 135 vom kirkegrim:
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NICBUS 279
ebOuIt» aufgegeben; ea sind Ilim unselige wesen^ die aber
einmal der erlösung theilhaftlg werden können. Dahin ge«
liört die rührende sage, dafs der strönikarl oder neck für
ßeinen Unterricht in der nrnsik sich nicht blofs opfern,
sondern auch die aujer stehung und erlösung verspre--
chen läfst. *) Zwei knaben spielten am ström, der neck
safs und schlug seine harfe, die kiuder riefen ihm zu:
Svas sitzest du neck hier und spielst? du wirst doch nicht
«dig!' da fieng der neck bitterlich zu weinen an, warf die
harfe weg und sank in die tiefe. Als die knaben nach
haus kamen, erzähUen sie ihrem vater, der ein priesler
war, was sich zugetragen halte, der vater sagte : *ilir habt
euch an dem neck versündigt, geht zurück und tröstet ihn
und sagt ihm die erlösung zu\ Da sie zum ström zu-
rückkehrten, safs der neck am ufer, trauerte uod weinte,
die kinder sagten : 'weine nicht so, du neck , unser vater
hat gesagt, dafs auch dein eiloser lebt'; da nahm der neck
froh seine harfe und spielte lieblich bis lauge nach Son-
nenuntergang. **) Ich wüste nicht, dafs irgendwo in un-
sern sagen so bedeutsam ausgedrückt wäre, wie bedürftig
des christlichen glaubens die Heiden sind, und wie mild er
ihnen nahen soll. Auf unseeligleit und Verdammung
der nixe scheinen sich vorzüglich die mitleidigen oder
harten beiwörter 2;u beziehen, die ihnf n gegeben werden. ***)
Aufser dem freiwilligen Qpfer für Unterweisung
in seiner kunst forderte der nix aber auch die darbriugung
grausamer und gezwungner ^ deren andenken in fast al-
len Überlieferungen des volks fortdauert. Man pflegt sich
noch jetzt, wenn ipenschcn im flufs ertrinken, auszudrü-
cken: 'der &\jSs^(dM fordere sein jährliches op/er^, ge-
wöhnlich 'ein unschuldiges tind,^ •[•) Dies weis^ auf
wirkliche, dem nichus in uralter heidnischer zeit gebrachte
menschenopfer hin. Dem Di^melnix wirft m(in ^Ijährlich
brot und Jruchte lUnab.
*) ödman^ Baliu«läa p. 80 s om speleman I liSgar ok forsar liar
man ok ätskilli«za sagor; för 15 är tilbacka har man här uti liügeu
nader Gänin i Tanums galt belägit hört spela som the bäste niusi-
caater. Tlieii son^ bar viol ok vül lära spela, blic i öguableket lärd,
alleoast han lofyar upst%ndelse\ en soin ^j lofte thet fick böra buru
tbe i bögen slogo sonder sina violer ok greto hitterliga»
**) sy. Tisor 3, }28. ir. elfenm. p* 24« 200-r-|a02 äJinlicbe irisclie,
icbottische, däoische Überlieferungen.
•••) V*r/4/f^ wastferpix^' (s, 275) ; Men fula , stygga necken' iv.
fii. B, 147; Men usle lia\frue\ *usle maremiod', Meu arnie mareviv*,
^n fule og ledt spaaqvinder danske vUer 1, 110. 119. 125.
f) deutsche sagen no. 61. 62. Faye p. 61t
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280 Nioaus
überhaupt ^eht durch die wassergeistsagen ein sag
von grausanikeit und blutdurst, der bei diimonen der
berge, vrälder und häuser nicht leicht vorkommt. Nicht
allein menschen, deren der nix gewaltig wird, tödtet er,
sondern er übt auch blutige räche an seinen leuten, die
ans land gestiegen sind , mit den menschen lungehen uod
wieiler zurückkehren. Wenn sich die seejungfern beim
tanz verspätet haben ^ wenn die entführte Christin dem cix
ein kind gebiert, wenn des Wassermanns kind seinem rufe
zu spät gehorcht, so sieht man einen blutstrahl aus d«*
tiefe des gewässers empor scliiefsen zum zeichen der voll-
brachten unthat, *) gewöhnlich vrar drehen ein ^deres
*) deutsche sagen oo. 49. 58. 59. 60. 304. 306. 818, 1; ich
tlieile hier noch eine westfälische sage mit, deren anfzeichnung Jch
lierra Seitz aus Osnabrück verdanke: dönken von den smett uppn
Darmssen, Dichte bi Braumske liggt en lutken see, de Darmssen; do
8tö!id vorr aulen tien en k lauster ane. demiuukeäberin den kiauster Ha-
heilen nig nä goddes willen : drumme gönk et unner. Nig lange na
liiar horden de buren in der nauberskup , in Epe, olle nachte en klop-
pen un liarmen bi den Darmssen, osse wenn me upn ambold sl^t, qo
wecke lüeseigen wott midden up den Darmssen. se agepp^den dr«p
to ; da was et n s/nett, de bei ant lif inn umter seit, mitn h&mer in
de filst, damit weis he jiimmer up denn ambold, un bedudde de bs-
ren, dat se em wot to smien bringen sollen. Sit der tit brochten em
de lue ut der bursknp jümmer isen to smien, un ninminske luidde so
goe plogisen osse de Eper. Ens woll Koatman to Epe r^t (ried,
i»ciult*) ut den Darmssen hdlen, do feind he n lülk kind annen öwer,
dat was ruw upn ganssen Uwe, f) Do sgreggede de smett : ^nimm mi
minen süennen nig weg P aber Koatman neim dat kind inn back füll,
un löp dermit nä hnse. Sit der tit was de smett nig mehr to sehn or
to hören. Koatman farde (futterte) den ruwwen up, un de wörd lin
beste un flitigste knecht. Osse he aber twintig jär ault wdr, sia he to
sinen buren: 'bOr, ik mot von ju gann, min vdr liet mi ropen*, 'dat
spit mi je\ sia de bür, 'gift et denn gar nin middel, dat du bi mi bliven
kannst'? 'ik will es (mal) sehn', sia dat waterktnd, 'glt erst es (mal)
no Branmske un hält mi en ni^geu djangn (degen); mer ji mjöt do
förr giebi^ wot de kaupmann hebben will, un jau niks afhannein\ De
bür gönk no Braumske uii kofde en djangn, hanneide aber doch wot
nf. Nu gongen se to haupe non Darmssen, do sia de ruwu^ei 'aa
passt upp, wenn ik int water slae un et künunt bl6t^ dann mot Ik
weg, kümmt mjalke^ dann draf ich hi ju bliwwen*. He slög int wa-
tery da kwamm kene mjnike un niik k^u blöd, gaus iargerlik sprak de
ruu'we: 'ji hebt mi wpt wis maket un wot afliannelt, dorümme kommt
k^u blöd un kene mjalke. spöt ju , un kaupet in Braumske en ännero
djangn'. De bür gong weg un kweimwir; aber erst dat drüdde mal
brachte he en djangen, wa he niks an awwehannelt hadde. Osse de
ruiiftve da mit int water slog, do was et so raut osse blody de rumt^
stö^ted^ sik in den Darmssen, un niminsk« lief cn wter seho.
f) auch bei Casp. von der Ron p. 224. 225 hetfst das nerwaiider
'der rauhe, der rauche\ vgl, vorhin s. 271. 2T2. 2n.
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NICÜÜS
gÜBsUges zeldiei) (ehx strahl milcli^ ein toller'
apfel) verabredet, aas dann ausbleibt.
Doch dafs ertrinkende meuschcn von dem nS _
sich gezogen vrerden hat auch eine mildere , und gleich-
falls heidnische wendung, >vir haben s. 197 gesehn,
dafs ertrunkene zur gottin Rdn Jahren; der spätere
Volksglaube läfst sie in der behausung des nix oder der
nixe aufgenommen werden. Nicht der üufsgcist tödtet die
im elcDient des wassers untergegaugnen menschen^ gütig
und erbarmend tragt er sie in seine w^ohnung und herbergt
ihre seelen. *) Der ausdruck rdn scheint ursprünglich
eine allgemeinere bedeutung gehabt zu haben : ^maela rdn
ok regln"* hiefs eiuem alles übel, alle bösen geisler an-
imisclien ; mir ist eingefalleu , ob nicht das sonst uner-
klärUche schwed. ra in der Zusammensetzung «/orä (nix)
slogsra (schrat), lomtrh (hausgeisl) aus diesem rdn ent-
sprungen sein könne, da die nord. spräche das N so gern
apocopiert? TVfe Hei und Hdn hält der Wassermann die
seeien der im wasser amgelomninen bei eich fest ; nach
dem naiven ausdruck einer söge (no. 52) 'unter umgekelir-
tea topfen^ die nun ein ihn besuchender bauer stülpt,
augenblicklich steigen alle seelen durch das wasser in die
höhe. Von ertrunknen sagt man: *der nix hat sie an
sich gezogen', oder 'hat sie gesogen', weil ieichen, wenn
sie im wasser gefunden werden , rolhe nasen zu haben
pQegen. **) RoUeuhagen im froschmeu seier (Nn. 11^) : 'das er
elend im wasser wer gestorben,
da die seel mit dem leib verdorben,
oder beim geist blieb, der ijnmer frech
dien ersojnen die hels abbrech\
Der schwed. Volksglaube nimmt an, ertrnnkne menschen,
deren Ieichen nicht au den lag kommen, seien in die Woh-
nung der liajafr^ eingezogen, (sv. vis. 3, 148.) Nach
deutschen marchen (no. 79) gerallien ^kinder, die in den
bruunen fallen, in die gewalt der Wassernixe ; gleich frau
Holla gibt sie ihnen wirren llachs zu spinnen.
Faye p, 51 führt einen norwegischen scgen an , den
man auf dem wasser gegen den nix aussprechen solle:
•) W8hrsr.heiiilich gab es auch sn^en voö hilfreichen, rettenden
flufsgöttern, wie bei den Griechen und Römern von Theti«, Inö, I.eu-
coUiea (Odyss. 5, 333—353), Albunea, Matuta.
*} däfl. Siökken bar taget bam' , 'nökken bar suet dem'. Tuliins
ikrifter 2, 13.
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282 NICBUS
nyk, nyk, naal i vatnj
jom&u ]Maria kästet staal i vatn:
du 8äk, äk flyt! ♦*)
ein ähnlicher für badende wird schied« abergl, no, 7i
mitgetheilt: slahl hemnit einwirkende gewalt der gei-
sler (oben «. 263).
Dumpfer, dem todesächzen ähnlicher ruf des uix
soll ertrinken weissagen (Faye p- 51.) Überhaupt legen
scfion sehr alte aufzeichnungen den Wassergeistern weh-
klagende stimmen und gespräche bei, die an wcilieni
luiJ Seen erschallen: entweder erzählen sie sich ilire ver-
eilellen anschlage, oder wie sie vor den Christen das land
räumen müssen. Gregor, turon. de glor. confess. cap. 31
erinnert sich aus seiner jugend eines Vorgangs ('apud Ar-
vernos gestum\) ein frühe zu walde ziehender maiin,
lälsi sich seine morgeukost vorher segnen , eh er sie zu
sich nimmt: cumque ad amnem adhuc antelucanum venift-
set, imposito plaustro cum bobus, in poute qui super na-
vem locatus erat, allerum transmeare cocpit in lillus. ve-
rum ubi in medium amnis devenit, audivit voccni dlcen-
tis ^merge^ merge, ne moreris\ cui respondens vox alia
ait: ^sine tua otlam admonitione quae proclamas fecissem,
si res saora meis conatibus nou obslaret; nam scias cuju
eulogiis sacerdolls esse munitum, ideo ei nocere non pos-
suni'. In der vila Godehardi hiWesiensis (erstes viertel de»
XI jh.) cap. 4 (Leibn. 1, 492) heifst es; erat eliam itt
orienlali parle civitatis noslrae (Hildeneshem) palus horri^
fica et circummannentibus omnino plurali formidine in-
visa, eo quod ibi, ut opinabantur, tarn mcridiano quam et
nocturno tempore illusiones quasdam horribilen vel au-
dirent vel viderent, quae (sc. palus) a fönte salsuginis quae
ibidem in medio buUiebat, Suiza dicitur. qua ille (Goder
hardus) spectata, et illusione etiam phantastica , qua
bruta plebs terrebatur, ' audila j eandem paludem seCunJo
sui aclventus anno cum criice et reliquiis sanctorum inva-
sit et habitationem suam ibidem aptavlt, et in medio pcri-
culo Oratorium in honorem s. Bartliolomaei apostoll fun-
davit, quo sequenli anno consummato et dedicalo, omne
daemonum phantasma (vgl. s. 273) exiude fundltus ex-
stirpavit et eundem locum omnibus commorantibiu vol ad-
advenicntibus gratum et sine qualib^t tentatione habilabi-
*) sink du^ Soli gehe fort! so ruft Bryoliildr Buletzt der riesio n:
^sefkstu gjrgjar kynV Saem. 229*».
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NICHUS 28S
km reddldit. Die dritte stelle ist fortsetsung der e. 73 aus
der vita 8. Galli mitgetli eilten (Pertz 2, 7): volvento dein-
ceps cursu temporis eleclus dei Gallus retia lympbae laxa-
bat in silentio noctis , sed inter ea audivit demonem de
culmine montis pari.suo clamantem, qui erat in abditia
maris, quo respondente 'adsuin', montanua econtra,
^surge' inquit 4n adjutorium mihi, ecce peregrini vene-
nint, qiü me de teniplo ejecerunt (nam deos conterebant,
qaos incolae isti colebant^ insuper et eos ad se converte«
baDt) veni, veni, adjuva nos expellere eos de terri8^ pia^
rinus demon respondit:
^en unus eoriim est in pelago
cui nunquam nocere potero,
volui enim retia sua ledere,
sed me viclum proba liigere:
signo orationis est semper clausus.
nee umquam somno oppressus'.
plectus vero Gallus b^ec audiens munivit se undiqne sig-
naculo Cbrisli, dixitque ad eos
*in nomine Jesu Cbrisli praecipio vobis,
ut de locis islis recedatis,
nee aliquem bic lodere preßumatis!'
et cum festiuatione ad littus rediit, atque abbat! suo quae
audierat recitavit. qiiod vir dei Columbanus audiens, con-
Yocavit fratres in ecclesiam, soUtuni Signum tangens.
Q mira dementia diaboli ! voces servorum dei praeripuit
vox Janta^matica, cum hejulatus atque ululatus dirae
vocis audicbalur per culmina. Man lese nocb die 2, 9 fol-
gende erzäbUiug von den beiden n^kt am ufer stebendcu, stein-
werfenden sßejrauen. Überall treten hier die bekebrer den
Leidnischen dämonen, als etwas v^ij'klicbem, mit kreu^ und se-
gensformel entgegen; dem glockenrühren weicht das klaggebeul
der geisler. götjer und geister werden nicht uiilersclüeden;
der aus dem tempel geworfne gott, dessen bildseule zer-
brochen wurde , sinnt als alb oder nix auf racjic. picrk-
yrürdig, dafs auch berg und waasergeisfer als genossen
(pares) dargestellt sind; in späteren volksagen scheint ihre
Verwandtschaft untereinander vielfach begründet.
Wir haben genien der berge, wälder und fliifse be-
trachtet; CS ist übrig die zahb-eiche, vielnamige schar der
freundlichen, vertraulichen hausgeister zu muslern.
Von allen stehen sie dem menschen am nächsten, weil
sie sich zu ihm selbst gesellen und ihre wolmung unter
seinem eignen dach oder in seinem gehöfie aufschlagen.
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284 HAUSGEKT
Was Jeu Römern lar *) hiefs , lar familiaris (man
sehe den prolog zu Plautus Aulularia) und penas j ^ird
in unserer allen spräche hüsing oder stetigot (genius loci
genannt, vgl. liüsinga (penates) N. cap. 51. auch das span.
duendey duendecillo (kobold) scheint aus domus herleil-
bar, dueiKo ist hauseigenthümer (dominus, verschieden von
don s. 189) und duendo häuslich, eiugezogen. altn. be-
deutet tüfl, schwed. tomt, area domus vacua imd der liaiis-
geist führt den namen schwed. tomtekarl, tomtegubbe,
(der alte im gehöfte), tomtra, norweg. tomteuältey toft-
vätte. In Deutschland hin und wieder gesell (oben s. 262
seile, selke), gutgeselly nachhar^ lieber nachbar, in den
Niederlanden ^oe(/e kir/d (horae belg. 119), in England ^oo(J
JelloiVf in Dänmark god drengy hiäre granne^ vgl. bona
sovia s. 175. 179 und guote holde (s,165.) das engl, puch
licfse sich zwar dem ir, phuka, welschen pt^ cca, **) vielleicht
aber mit mehr fug dem dän. pog (junge) vergleichen,
welches nichts als das schwed. pojke , altn. püki (puer) ist
und aus dem finn. poica (filius) herstammt ; auch in Nie-
derdeutschland braucht man /woh von einem im wuchs
zurück gebliebenen, schwächlichen menschen (br. wb, 3,
349.)
Seit dem 13. jh, (aus früheren gebrechen uns vielleicht
nur belege) bis auf heute gilt die benennung kobold, Con-
rad von Würzburg MS. 2, 206*: ^mir ist ein löser hove-
schalk als ein hobolt von buhse' und der JNKsnaere Amgb.
48^ : w^ den hobolden , die alsus erstummen ! mir ist ein
holzin bischof vil lieber dan ein stummer herre'. Es
scheint, man schnitzte damals aus buchsbaumholz kleine
hausgeister und stellte sie zum scherz in dem zimmer auf,
wie noch jetzt hölzernen nuisknackern oder anderm blof-
sem Spielzeug die gestalt eines zwergs oder gützen gege-
ben wird; doch könnte der gebrauch mit einer allheidni*
scheu Verehrung kleiner laren, denen im innersten der
Wohnung ein platz angewiesen wurde, zusammenhangen:
der ernst wandelte sich in scherz, und die christliche an-
sieht duldete die beibehaltung des alten brauchs. ***) Den
*) zu lar geliort lorra (jjpspenst, dänion) , wie zu arar© amim,
arvas. der monaclius sangnll. nennt den piiosus (s. 272) larra.
") Crokers falry legeiids 3, 230—232. 262.
y*) mau sollte dem alter und der gestalt des geräthes, dac, läapi
als blofäer zierrat, auf ivaud.>(*iuiMike und tische gesetzt wird, nacii-
spüren ; daraus und aus altiiergebrachten formen des barkwerks lassei
sich einige folgeningen gewinnen für die sitte des heideutliums, götieo
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KOBOLD 283
stummen lu^lzernen kobold bestätigt auch cler vom Mis-
njcre gleich darauf genatinte hölzerne bischof. *) In dem
öfter angeführten gedichte Rüedigers heifst 17^ der königsb.
hs. *in koboldes spräche'. Aw. 2 , 55 'einen ioholt von
walise machen^ (anhang s. lvi.) UofTni. fuildgruben ha-
ben im glossar 386 aus, einem vocabul. des 14 }h. opold
für kopold. Hugo von Trimberg gedenkt verschiedentlich
der kobolde : 5064 ^und l^rn einander goukelspil, unter de«
mantel er lobolte mache, der manic man tougen mit im
lache^; 5576 *der nidle ein andern toboft dar, der ungez-
zen bi im sitze'; die folgenden stellen kann ich noch nicht
aus dem bamberger, nur aus dem alten druck beibringen:
54* 'einer siht den andern an als hobolt ii. her katlter-
fiian^'j 56<5 'ir (der beiden) abgot, als ich gelesen h4n, daz
waren hobolt und hatherman **) ; 60» 'got mühte wol la-
chen, solte ez Sin, ^an sine iathermenneKn s6 wunder-
lich üf erden leben*, gaukler bringen kobolde unter ihrem
luantel hervor, kobolde werden an die wand gcmahlt, die
heidengölter waren nichts als kobolde und kalermänncr,
sich einander ansehen wie kobold und katermann ; überall
erscheint hier der kobold als ein winziger, trügerischer
liausgeist. Bei Schriftstellern des 17 )h. finde ich die be-
merkenswerthe redensart 'lachen ah ein koboldJ* Ettners
unwürd. doct. p. 340 und anhang p. 53; 'lachst du doch,
als wenn du dich ausschütten wolltest, We ein hoboW.
Heimdich p. 149. entweder soll das heifsen, mit aufge-
sperrtem maule lachen , wie ein geschnitzter kobold , den
man vermutlich so darstellte, oder überhaupt sehr heftig
lachen, dafs einem davon der leib schüttert. ***) Schweini-
chen 1, 260 wird von einem hell und laut lachenden pol-
tcrgeist erzählt; es kann eine fröhliche oder hülmiscli^ Ir-
che sein.
Auch in den Niederlanden begegnet 'schon frühe der
name koubout (pl. coubouten, horae belg. 119); nnl. ia-
zu schüiteen oder zu teigen (vgl. s. 11. 72. T9. 80.); teig begreift jede
weiche masse, thoii, wachs oder mehl.
') v^l. über papa salignus, Reiiih. p. xciv.
**) cod. fraocof. 164a *kobühJe uade katirman'.
t) *er lachte dafs er schütterte* ; N. Cap. 33 sagt: *ta2 lahter
sculia sia', Petronins cap. 24 ^risn dissolvebat iiia sua'; Reiiiardiis
3, 1929 'cachinnog viscera fissuras', und noch heute: vor lachen ber«
steo, sich krumm, bück lieh , kurz und klein, zu stucken lachen, sich
2u einem hulzliu lachen (Gryphius p. m. 877), vor lachetf braun oder
dumm werden; einen schubel voll lachen; vor lachen vergehen, ster-
beo, mbd. *man »windet under lachen'. Ben. 330.
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286 KATBRMAN
boutf In Belgien kaboi, hahotermannehen *) \ ^le Aordl-
sehen dialecte haben ihn nicht.
Er ist ein fremdes wort und wol aus dem gr. xo/?«-
}.0Q, lat cobalus **) entsprungen, T hinzugefügt, w^il un-
sere Sprache für ungeheuere, geisterhafte weSen die formen
OLT liebt, die franz. hat aus cobalusy das auch mittellat;
gobelinus lautet, gohelin gebildet, yielleicht liefse sich ein
slav. etymon annelimhch machen ***), hätten nicht auch
slav. denkmäler die unveränderte deutsche form. Hankas
altböhm. glossen geben 79** gitulius (getulius, gaetulius)
durch hobolt und unmittelbar darauf aplinus (1. alpinus)
durch latrman: hier sehen wir also Kobolt und tatf"
man nebeneinander gestellt gerade wie im refnrier loholi
und Jcaterman; vielleicht lesen einzelne der vielen hsSi
taterman? ich weifs aber noch nicht, welche der beiden
lesarten leichter zu deuten ist. Jener glossator mag sich
unter gaetulius einen africanischen wilden, unter alptnos
einen barbarischen tartar (mhd. sonst auch tatter, tatelcr)
denken; er könnte hobolt und tatrman in deutschen bä-
chern gelesen und zum theil misverstanden haben? hater^
man hingegen, von hater (cattus) abgeleitet^ wäre mit lieia^
zelman^ hinzelman^ dem namen eines hausgeistes f) und
Hinze f dem kater im Reineke, zu vergleichen? der ^e^
stiejelte kater im märchen spielt ganz die rolle eines gut-
artigen, hiin-eichen kobolds; auch ein anderer lieifst ftie^
fei (deutsche sagen no. 77), weil er einen grofsen stiefd
trägt, durch den Stiefel werden, wie ich glaube, gefeite
schuhe der älteren sage angedeutet, mit denen es möglich
war schneller auf der erde und vielleicht durch die Kfte
zu wandeln; man denke an die meilenatiefeln der mär-
ehen und an des Hermes geflügelte schuhe. Den namen
Heinze hat im froschmeuseler ein berggeist. Heinze ist
Verkleinerung von Heinrich, wie man in Niederdeutsch-
land einen andern poUergeist mit dem diminutiv von Joa-
chim Chimle nennt (vgl. br. v^b. 5, 379 dat gimlen):
die erzählung von Chimmehen (um das j. 1327) findet
*) Scliayes sur lei^ üsages et traditioni des Beiges. Loovaiflf
1834 p. 230l
••) Lobeck Agiaoph. 1308—1328.
•'•) Tgl. kobila («tute imii Heuschrecke).
f) deutsche sageo do. 75 ; die erzähl aag ist inn 100 jähre j&D^i
«15 die abfaMung des Reioeke. Uinzelmann läfät In der bettMatt ein
grüblein zurück, als ob eine katze da gelegen wäre, früher schoa
melden Lutlieni tAcbreden (cd. 1571 p. 44t 4) ümiiche« von ein«*
geist ßeiiizUti,
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HAUSGEISTER 287
sicU in Kantisows pomeranla 1 , 333. Noch verbreiteter
scheint die gleichartige, ebenfalls niederdeutsclie benennung
fVolterhen* Sani. Meiger in der panurgia lamiarum (Hamb.
1587. 4) buk 3 cap. 2 handelt *van den laribus domesli-
cis edder husknechtkens , de men ok fVolterhen nnde
Chimhen an etliken örden noniel'. dieser fVolterhen
erwähnt auch Arnkiel (cimbr. beiden ih. 1, 49), in den Nie*
derianden heii'sen sie fVouters^ PVouterien^, Tuinman
2, 201 hat das Sprichwort : 'l'is een wilde wouter\ denkt
aber dabei unrichtig an wout (silva) ; Wouter, Wolter, ist
nichts als der dem haiisgeist beigelegte menschliche eigen-
name Walther, Es stimmt ganz zu der Vertraulichkeit des
Verkehrs zwischen menschen und diesen geistern, dafs
ihnen, aufser den üblichen appellativen, auch noch gewisse
nomina propria, die diminutiv form von Heinrich, Joachim
und Walther^ gegeben werden. Nicht anders nelnne ich
Aohin und Nissen in der gewöhnlichen benennung des
englischen und dänischen kobolds Bobin good fellow und
Nissen god dreng. Robin ist die französischenglische form
des mannsnamens Robert, d. i. des ahd. Hruodperaht, mhd«
Ruolperht, nhd. Ruprecht, Rupert, und Robin fellow der
nemliche hausgeist, den wir in Deutschland Inecht Ru^
precht nennen und zu Weihnachten den hindern erschei-
nen lassen. Nisse, Nissen (nur in Dänmark und Nor-
wegen, nicht in Schweden gangbar) mufs man aus Niels,
^Jf eisen, d. h. Nicolaus, Niclas *) erklären, nicht aus dem
hd. appellativ des Wassergeistes nix, womit es gar nichts
gemein hat und der dän. nük, nok (s. 276) lautet. **) Eine
bestätigung finde ich in der sitte, dem Niclaus, Claus oder
Clobes dieselbe rolle anzuweisen, welche Raprecht in an-
dern gegenden spielt, auf letztern möchte ich schon Gf-
terdingens worte MS. 2, 2^ beziehen : ^Rupreht mtn Ineht
muoz iu>ver hdr gelich den tören schem*.
Andere benennungcn sind vom geräusch hergenommen,
das diese geister in häusern verursachen, man hört sie
leise springen, a^-den wänden klopfen, auf treppen und bo-
den poltern oder rumpeln, soterai, sotret (springer) mem«
de l'acadi celt. 4, 91 ; ekerhen (eichhörnchen) deutsche sa-
*) neben dem familiennamen Nielsen ist in Danmärk die form
Nissen üblich, nnd kann nur dauöibe bedeuten, nicht kobold oder nix.
**) ahd. HS, nhd. CHS wird plattdeutscJi zu SS, bleibt aber dä-
nisch X ^=: KS, z. b. sechs, a||d. sehs, nnd. ses, sesse, dän. sex;
wachs, ahd. wahs, nnd. was, gen. wasses, dän. vox j Sachse, abd^ Sahso,
und. Sasse, dän. Sazer.
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288 HAUSGEISTER
gen no, 78 ; poUerffeisf, nimpelgeisfj im kindermarchea
(no. 55) rumpelstilz, bei Fischart rumpelstilt; *) ein be-*
stiminter kobold beifst hlopfer (deutsche sagen no. 76),
vielleicht ist auch in dieser bezieliung hämmerlein , he-
nierlein (oben s. 124) auf teuflische liausgeister angewen-
det worden, niederd« bullinann, buUermann^ butierka-^
tery von bullen, bullern (poltern.) pophart , bei FiscLart
jenem rumpelestilt identisch, ist von popeln, popern (schnell
und schwach anklopfen, pochen) **) abzuleiten ; an andern
orten popel, pöpel, popelmann y popanz, gewöhnlich mit
dem nebensinn eines kind erschreckenden gespenstes^ selten
von lustigen freundlichen kobolden gebraucht.
Ahnliche formübergange erscheinen in den namen
mumJiart (schon Caesarius beislerb. 7, 46 'mummart mo-
mordit me'), mummel, mummelmann , mummanz^ ***)
die vollkonmien denselben begrif ausdrücken, mitnimeo,
mummeln bedeutet einen dumpfen laut von sich geben;
oder darf man an muniel j muomely den namen des vras-
sergeistes (s. 276) denken? übrigens ist vermummen (ver-
kleiden), mummerei (larva) die nachahmung des gespenstes,
nicht das gespenst von der Verkleidung benannt.
Schon im 13 jh. sagte butze dasselbe aus, was mumm-
art und poppart: 'ein xxns^eiimreT butze Martina 116® 224*5
*si sehent mich niht m^r an in butzen wts' Walth, 28,
37 ; 'den butzen vorht er kleine, als man du seit von kin-
den' Albr. Tit.X, 144; 'ein Hnderbutze' hs. 1; 617; 'forfit
ich solchen bützet Ls. 1^ 380^ wo von einem wiiitel die
rede ist. schrecken mit dem butzen, den butzen (die larvc)
abzerren ; butzen aatlüt , butzen kleider bei Kaisersperg
larva (Oberlin 209.) So noch heute fast in ganz Deutsch-
land : der butz kommt, der butzemann^ butzelmann^ im
im Elsafs auch butzniumniel, was blitz oder mummel allein.
butzenmann, Fischarls bienkorb 194» butz Garg23l*. in
Baiern fasnachtbutz, buzmann , buzibercht , mit »jenem
Berchta oder bercht (s. 170. 171) zusammengestellt; der iw^s-
ipinkel (Schlupfwinkel), butzlfinster^ stockfinster, so dafs die
erscheinung des geistes gefürchtet wird; 'der putz würde
une über berg und thäler tragen' (Sclim. 1, 229. 230); der
hutz^ der vv^anderer auf abwege führt (IVluchar Gastein p.
*) stilt, 9t ih das alte statt in zosamnensetzaiisen? gnmiB.
2, 527.
'•) SUld. 1, 204. ScIim. 1, 292. 828.
•••) für iiinmliaBs, wie popanz f. pophans, deiiB maii «agte tuen
bllndhans, grobhaus, karstliaos, scltarrhana o. a. w.-
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HAÜSGElSTEa 28»
145.) iaScUwaben butzenmaiikler (von mauclieln, heim-
licbdiun) btUzenraule, bntzenrolle^ rollputz^ butzenbell,
(weil der geist mit rollen und schellen rasselt und klin-
gelt), batzenbrecht (Schmid 111.) in der Schweiz bootzi,
bozi (St* 1, 204.) mehrere vorstell angen greifen dabei in-
einander, bald erscheint ein ungeheurer, kinder fortschlep-
pender blitz ^ bald ein winziger bützely daher man auch
hützel^ butzigel verächtlich von kleinen, ungestalten ge-
schüpfen sagen hört, auf gleiche weise gilt niederd. bat
Ton kurzen, dicken kindern , buUen, verhütten heifsl im
wuchs zurückbleiben, verknorzen , der popanz aber führt
den nanien butte^ butle^ budde , buddele: 'dat di de
hulte uig bit^ sagt man spöttisch zu kindern, die sich im
dunkeln fürchten (brem. wb. 1, 173. 175), und der Was-
sergeist in dem kindermiirchen uo. 19 butt oder buttje
gehört gewis hierher, die benennung ist nur auf einen
stumpfköpfigen fisch ^ den' rhombus oder passer marin us
übertragen worden. wahrscheinlich auch buttemanriy
huttmann ; häufiger die verkürzte form buman (br. wb.
1, 153.) nnl. bytebauw (f. buttebauw), das ich dem nd.
huba (br. wb. 1, 152) vergleiche. Es ist schwer die ab-
stanunung dieses butze^ butte anzugeben ; ich möchte ein
verlornes golh. biuta (tuudo, pulso), baut, butum , ahd.
piuzu, pöz, puzum annehmen, wovon das alid. anapoz (in-
cus), das mhd. bözeu (pulsare) gebiuze (pochen, lärmen)
Nib. 1823, 2. fragm. 40, 186 ; butze bezeichnet einen ])0-
chenden, klopfenden geist, stimmt also ganz zu dem bc^If
von mumhart und pophart, *) vielleicht steht auch ein
bözhart oder buzhart nachzuweisen.
Da^ franz. follet^ ital. folletto ist die Verkleinerung
von /6/, fou, das wie foUis (blasebalg) von einem veral-
teten follere, follare (sich hin und lier bewegen) abgeleitet
werden mag.**) lutin^ auch Inton y vielleicht vom lat.
luclus, ein wehklagender, trauerkündender geist? das span.
/rrw^o '(kobold) von trasegar umkehren, umstürzen? lilth.
bildulhas^ bildunas^ bildziuhs (poltergeisl) von bildenti
(poltern, rasseln); grozdunäs von grüdzia (es poltert) J
*) weil das ungelieare zugleich das widerwärtige f nnreiae enthält,
wird nicht befremden , dafs butze und popel beide mticus , iinflat ausf
drücken (Oberlia 210. Scbm. 1, 291.) ebenso Schweiz, böög (St. f,
203).
**) Ratherias ed. Ballerini p. 314: 'merito ergo follis latiali m-
•ticitate vocariü, qaoniaoi veritate vacans.' Wilhelm, meteos. ep. 3^
*foUem me nistico rerbo appelltsti.'
19
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290 HAUSGEISTER
sloven. ftrapmih^ serb. straschilo, böhm. strassidlo, poln.
straszydlo von sstrachati (pollern)? oder strach (lerror)?
Doch genug der namen, sicher waren manche andere
anzufüliren: es ist zeil das wesen und die Verrichtungen
dieser Baiisgeister selbst zu betrachten.
In geslalt^ aussehen und tracht konunen sie den elben
und Zwergen gleich, und der spitze rothe hut mangelt
nicht. Hutcfiefiy der hildesheimische kobold, führt davon
seinen namen. ein pilz mit breitem deckel heilst dän.
nissehat (koboldshut.) den norwegischen Nissen steflt
man sich klein wie ein kind vor, aber stark, graugekleidct,
mit roiher pechhaube und ein blaues licht *) bei nacht
tragend. **) Sie können sich also nach gefallen den men-
schen sichtbar oder unsichtbar machen. Ihrer gejeiien
schuhe oder Stiefel wurde s. 286 gedacht; damit ist es ih-
nen leicht, die beschwerUchsten wege in gröfster schneBe
zurückzulegen : Hütchens rennpfad zog sich gerade über
gcbirge und wälder hin (deutsche sagen 1 , 100.) ***) Mit
dieser fufsautstattung und Schnelligkeit verbindet sich hin
und wieder thierische gestalt und benennung: Heinzc,
Heinzelmann, pollerkater, katermann, sticfelkater, eicliliBrn-
chen; ihrem schleichen und treiben im haus gleicht die
nächtliche unruhe polternder kalzen. f) Sie wohnen gern
in stall, Scheune oder heller des menschen, dem sie sich
zugesellen, zuweilen auch in einem dem hause nah ste-
henden bäum (schwed. boträ.) von solchem bäum
uarf man keinen ast abbrechen^ sonst entweicht der zär-
neiide kobold und mit ilim alles gluck ans dem haus; er
kann auch nicht leiden dafs donnerstags abend im hof ge-
hauen oder gesponnen werde (schwed. abergl. no. 110.)+i)
In den hausgeschäften erzeigen sie sich freimdlich und zu-
thätig, vorzüglich in tüche und stall. Sam. Meiger sagt
von den wolterkens; *se vinden sik gemeinichlich in den
hüseren, dar ein god vörrad van allen dingen is* dar
V *) Tgl* da« blaue licht dea achwarzen mäooclieos (kioderm. aa.
116.).
••) J.N. Wil»e beskrivelae over Spydeberg. Cliristiania 1779 p. 418.
•••) 80 wird vou einem chemin des fees (mein. celt. 4, 240), fon
einem tröUaskeid (curriculum gigantum) Laxd. saga 66 geredet.
t) iiexen nnd feen utiimen oft katzengestaU an, und katxea aiad
beaonder« verdächtige zauberhafte thiere.
ff) übereinstimmend WiUe a. a. o. : temlegubben skal have tia
eilhold under gamle iräer ved stuehuaet (boefräer) og derfor liar nwi
tj tordet falde disae gandsice. auf diesen Zusammenhang der hau5gei-
ster mit dem baumcultus soll noch im verfolg zurückgekommen werdea.
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HAUSGEISTER 291
schOleu se srk bedenstbaftigen anstellen, waschen in der
koken up, böten vür, scbiiren de vate, scbrapen de perde
im stalle, voderen dat quik, dat it ret u. glat berin geit,
llieen water und dragent dem vebe vor. men kan se dea
uachtes boren de ledderen edder treppen up u, dal stigen,
lacken, wen ae den megeden efte knecblen de decken af-
theen, se richten to, houwen in, jegen dat geste kamen
schulen, *) suiiten de wäre in dem liuse umme , de den
morgen gemelnlikeu darna verköft wert'. Der kobold ist
also ein diensamer, fleifsiger geist, der seine freude daran
hat, den knecblen und mägden in der bausarbeit beizu-
springen und insgeheim einen tbeil derselben tu verrichten,
er striegelt die pferde^ kämmt ihre mahnen aus **), gibt
dem vieh futter vor ***) , zieht aus dem ' brunnen wasser
und tränkt, mistet den stall, den mägden macht er feuer
ein^ spült die schusseln aus, spaltet mid trägt holz, kehrt
und fegt, sein dasein bringt glück und gedeil^n ins haus
sein abgang entzieht sie. er gleicht den hilfreichen erd-
männlcin, die in der feldarbeit beistehen (s. 254.) Aber
zugleich führt ei" aufsieht, dafs alles im haushält ordent-
lich hergehe; faules und ffilitlässiges gesiude hat von ihm
(wie von Holla und Berhta S. 166. 167) zu leiden, er
zieht den trägen die decke vom bett ab « bläst ihnen das
licht aus, drelit der besten kuh den hals zu, stufst schlam-
pigen melkmägden den kubel um, dafs die milch verschüt-
tet und spottet ihrer durch höhnisches gelacht er ; seine gut-
mütlgkeit wandelt sich in neckerei und Schadenfreude , «r
wird zum guälgeist und plagßgeUt, der j4gentund \n\
Reinardus 4, 859 — 920 scheint mir nichts als ein vom
dichter entstellter und übertriebner hausdämon , der die
magd im schlaf, melken und buttern s^tört. f )
Dienstboten, die sich gut mit ihm stehen, setzen von
den speisen ein besonderes napfchen bei seite , was wol
noch auf kleine opfer deutet , die ihm im alterthum ge-
*) man sagt, es zeige gaste at^, wenn sich die katze den bart
putzt.
••) wie die weifse frau (Bertita), ton deren Wachskerzen in die
mahne ^efällne tropfen früfrmorgeivs d^en nUchtUchen besuch anzeigen
(deutsche sagen iio. 122.)
••') oft hat er aber eiiif liebHuj^spferd , das er besonders pflegt; er
almmt den andern das beii aus der krippe Weg nnS trägt es jenem zu.
Faye p. 44,
t) die Schilderung Seiner gestalt (pferdemahne , habichtsschnabel,
katzenschwänz, ziegenbart, octraenhömer und bahnfnfs) mag hinzu er-
funden seiki.
19*
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292 HÄUSGEISTER
bracht wurden (s. 252.) oft gescliielit es aber nur an fest-
tagen oder einmal wöchentlich, er ist genügsam und ninunt
mit einer schaale grülze , einem stück kuchen , einem glase
hier yorlieb , die ihm alsdann hingestellt werden ; an sol-
chen abenden hat er nicht gern^ dafs innerhalb oder au-
fserhalb der thüre eine lärmmachende arbeit vorgenommen
wird, man nennt das in Norwegen *at holde qvelvart*
(qvcUsvart), abendrulie halten« wer ihn sich geneigt wünscht,
gibt ihm gute worte : *kiäre g ranne ^ giör detP (lieber
nachbar thu das), und er antwortet in gleichem ton. er
suU zuweilen seine Vorliebe zu dem hausherrn so weit
treiben, dafs er aus der scheune oder dem stall ando^
bauem heu und siroh entwendet und es jenem zuträgt.
Der Nissen liebt den mondschein, und zu wintersxeit
sieht man ihn munter über den hof springen, oder in
Schlitten fahren, auch versteht er sich auf tanz und mu-
sik, und man ^erzählt von ihm, was von dem schwed.
slrömkarl (s. 278 j, dafs er für ein graues schaf die
leute im geigenspiel unterrichtet.*)
Er führt gern lustige streiche aus, und wenn es ihm
gelungen ist, möchte er sich krumm lachen vor ergötzen:
daher jenes hoboldische lachen (s. 285) und hichera,
aber auch , wenn er schmollt , und einem übel will , den
er in noth und Verlegenheit gebracht hat, erschallt seiii
spöttisches gelächter ans vollem hals.**)
Als getreuer kr/echt hält er es mit dem hausherrn^
dem er einmal zugethan ist, aus in freud und leid.^ seine
anhänglichkcit erscheint aber oH lästig, und man kann
ihn nicht wieder los werden. Ein bauer zündete die
Scheune an, um den darin hausenden kobold zu verbren-
nen; als sie in vollen flammen steht, sitzt der geist hin-
ten auf dem karrn , in welchem das gut geflüchtet wiutle
(deutsche sag. no. 72.) ähnliches hat Thiele I, 136 und ein
irisches elfenm. p. 93. ***)
*) wenn nicht Wilse (a. a. o. 419) Nissen und nocken vermischt;
doch iftt auch Goldeimir^ ein deutscher kobold, der musik koodig
(ir. elfenm. lxxxiii.) Wilse und Faye p. 43 — 45 ^eben die l>es(e
uactiricht von dem uorweg. Nissen , Thiele 1, 134. 135 von dem dä-
nischen.
••) Walt. Scott, minstrehy i, cni. civ gedenkt eines schotti-
schen kobolds Shellycoat (Schellenrock), eines nordenglischen ßrog
oder Barguesf i *he usually pnded his mischievous frolics wilh a her-
*"•) der alraun oder das gal^enmännchen (deutsche sag. no. 83«
B4) ist kein eigentlicher kol>oId , , sondern ein aus einer Wurzel g^e-
schnitstes halbteuflisches wesen von ganx kleiner gestalt» so dafs es
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HAUSGEISTER 203
Es gibt auch kobolde^ die gleich den nixen oder
waldgeistern in keines menschen dienst stehen^ sondern
unabhängig leben, wird ein solcher gefangen, so bietet
er geschenke an oder weissagt, um wieder in freiheit ge-
setzt zu werden. Von dieser art ist der butt im kinder-
märchen und der f ölet bei JNlarie de Fr. 2, 140, welcher
drei wünsche (oremens) gewährt, ebenso thut der gefangne
marmennil (s. 244) oder die meerfrau.
Feindselige poltergeiste/\ plagegeisier^ quälgeistery
die ein haus besessen haben, unterscheiden sich von den
freundlichen, gutmütigen dadurch, dafs sie gewöhnlich eine
ganze bände bilden, die den hauseigenthümer durch nächt-
Uches poltern und pochen in seiner ruhe stört und auf
vorübergehende vom dach herab steine wirjt. Eine franz.
comödie des 16 jh. ^les esprits' *) stellt kobolde vor, die
in einem hause poltern, bei nacht singen und spielen, bei
tag ziegeln auf vorübergehende u^erfen/^ feuer macht
ilinen ireude, wenn der hausherr ausspeit, toben imd
lermen sie heftig. **) Auch bei Gervas. tilber. cap. 18
werfen die folleti mit steinen ^ und solchen steinwürfen
werden wir schon in alten teufelssagen begegnen; über-
haupt erscheinen in dieser beziehung die poltergeister melir
teuflisch und gespenstisch^ als elbisch: es ist eine der
christlichen ansieht angemessene Verfinsterung und entstel-
lung ihrer ursprünglichen natur.
So erklärt es sich endUch, wie der alte trauliche und
getreue hausfreund des heidenthums allmälich zum schreck-
bild und gespötte der kinder herabgesunken ist: ein loos,
das er mit göttinnen und göttern der vorteil theilt. In
in einem glas renrahrt werden kann; es mnfs, wie ein gotze» ge-
bji<let nod gepflegt werden, darin aber gleicht es dem hausgei«t, dafs
es auch nicht von seinem besitzer weicht, und selbst weggeworfen
immer wieder zurücltkehrt , es sei denn , dafs es wolilfeiler erkauft
^erde , als es erstanden ist, der letzte käufer mufs es bebalten.
Siiupliciss. 2, 184. 203,
') comedies facecieuses de Pierre de TArivey, champenois, Lyon
1597. Rouen 1611 p. 242 ff.
'•) legenda aurea cap. 177 j 'hujus Lndovici tempore, anno do-
mini 856, ut in quadam chronica habetur, in parochia maguntina
malignus s^irituit parietes domorum quasi malleh puhando, et ma-
nifeste loqnendo et discordias seminandp ädeo homines Infestabat, nt
quocumqne intrasset, statim illa domus exureretur, presbyteris au-
tcm letanias ageutibus et aquam benedictam spargentibus inimicus /a-
lides jactahat et multos cruentabat. tandem aliquando conquiescen«
confessus est, se, quando aqua spargebntur, suh capa talis sacer-
dotfs quasi fandliaris sui latuisüe, accusaus eum quod cum Ali«
procnatorif in peccatum lapsus fueriL*
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294 HAUSGEISTER
der Normandle droht man den kindern : ^le gobelin vbus
mangera, le gobelin vous attrapera*. Nicht mehr als klei-
nes bützel, sondern als ftipchterlioher butzemann scheucht
er (gleich der roggenmuhme, s. 270) ; es ist bemerkenswerth,
dafs zu Weihnachten kriecht Bupert, inecht Nicolas, ^ye-
nigstens in einigen gegenden, nicht für sicli auftreten, son-
dern neben dem eigentlich bescherenden Christkind, oder
neben frau Berhta : während diese ihre gaben austheilen,
erscheinen sie mit ruthe und sack und der drohung, un»
gehorsame kinder zu sclilagen, ins wasser zu tragen, ih-
nen die äugen auszublasen (rockenpliilos. 6, 353.) Ihre pos-
sen, ihre rauheit ist die folie des milden, höheren We-
sens , von dem die gaben ausgehen ; sie sind dem fest so
nothwendig wie dem alt^n histspiel der hanswurst, ich
kann mir wol denken , dafs schon ipi heidenthum der
gottheit , deren erscheinung gluck und heil verkündigte,
ein histiger alb *oder zwerg, als diener , zur seile stand,
und ihre Segnungen dem gemeinen häufen versinnlichte.
In christlicher zeit mochte man zuerst dem Christkind oder
der muttergottes , bei ihrer gabenspende, einen heiligen
zugesellen, der aber unvermerkt wieder in den alten ko-
bold, und in einen vergröberten, ausartete. Nicolaus,
Ruotberht haben sich in einen knecht Clobes und Rupert
verwandelt; der Ostreich. Orampus (Höfer 1, 313. Schni.
2, 110) ist vielleicht aus Hieronymus ^u deuten, ich weifs
nicht wie der schweizerische Schniutzli? (Stald. 2, 337.)
Statt Grampus auch Bärthel (Bartholomäus?) und Klaub--
aujy rasselnd, polternd, nüsse werfend (Denis lesefr. 1,
131.)
So bricht einigemal noch ein früheres verband durch
zwischen göttem, weisen frauen und genien. der pfeil-
sendende alb ist diener oder gehUlJe des hohen don-
nergottes, der kunstreiche zwerg hat die donnerkeile ger
schmiedet; sie tragen göttliche hehne der unsichtbarkeit,
des hausgeistes füfse sind noch mit wunderbarem gcschühe
versehen; Wassergeister können die gestalt von fischen
und seerossen, hausg^ister die von katzen anne|imen.
Dem weinenden nix wie dem lachenden kobold ist das
geheimnis zauberhafter töne kund und sie eutluiilen es
auch dem opfernden menschen, von altem genien und
dämonencultus zeugen opfer^ die den geistern der berge,
des Waldes, der seen, des hauses gebracht wurden, ko-
bolde geleiteten vermutlich die erscheinung einzelner goll-
heiten . unter den menschen, voraussieht des künftigen,
weissagende gäbe war den meisten genien eigen; ihre ua-
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GEISTER 295
versiegliclie heiterkelt steht z\^isc1ieB der götter erhaben-
Iieit und dem crust der sterblichen, zu den menschen
fühlen sie sich hingezogen und von ihnen zurückgeslofscn.
der Untergang des heidcnlhums mufsle vieles in dem her-
gebrachten Verhältnis ändern: die geister erschienen fürch-
terlicher , gespensterhaft , als diener und boten des teu-
feis. *) einige nehmen wilderes, riesenmafsiges aussehen
an, zumal die waldgeister.
Durch das ganze wesen der elbe, nixe und kobolde
geht ein leiser grundzug von unbefriedigung und trostlo-
sigkeit: sie wissen ihre herrlichen gaben nicht recht gel-
tend zu machen, und bedürfen immer der anlehnung an
die menschen. Niclit nur streben sie, ihr geschlecht durch
lieiralh mit mensclien zu erfrischen, sie haben auch zu
ihren angelegenheilen des rathes und beistandes der men-
schen vonnölhen. obgleich geheimer heilkräfte der steine
und kräuter in höherm grade als die menschen kundig
(8.254), rufen sie dennoch zu ihren kranken, und krei-
fsenden frauen menschliche hilfe (s. 25 ) , leihen von den
mcnsclicn back und braugeräthe (s. 256) und feiern selbst
ihre hochzeiten und Feste in sälen der menschen, daher
auch ihr zweifei, ob sie der erlüsung theilhaftig werden
kounen, und der unverhaltne schmerz, wenn verneinende
autwort erfolgt.
•) bruder Rausch (friar Rußh) ein leibhafter kobold, wir«i
gcradezB aus der höUe unter die moncbe abgesandt.
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296 RIESBDf
CAP. XIV. RIESEN,
Das Verhältnis, in welchem die riesen zu den zweiten
und menschen stelin, wuixle schon s. 253 angegehen. so weit
an leiblicher gröfse und starke der mensch dem alb oder
zwerg überlegen ist, bleibt er hinter dem riesen zurück;
dagegen hat das geschlecht der elbe und zwerge aufge-
weckteren geist, feineren verstand als das der mcasclien,
und wiederum sind darin die riesen tief gestellt unter die
menschen. Die rohe, derbe riesennatur trotzt auf das ge-
fühl ihrer/ sinnlichen gewalt und kraft, der schlaue, scheue
zwerg ist sich seiner geistigen Überlegenheit bewiist. Dem
menschen ist eine glückliche mitte beschieden worden, die
ihn der unbändigkeit des riesen, wie der list des zwerge
Überhebt, und er steht als sieger zwischen beiden. Der
riese begeht und leidet unrecht, weil er in seiner unge-
schlachtheit alles geringschätzt und sich selbst an den göt-
tern vergreift; dem verschlagnen zwerg, welcher gut und
böse unterscheidet, gebricht der wahre mut freier und
unabhängiger handlung. In der Schöpfung ist der riese,
als das sinnliche dement, vorangegangen und hernach erst
das geistige der elbischen natur gefolgt, zuletzt durch
das menschengeschlecht ein gleichgewicht hergestellt wor-
den, die abstufung mindert und schwächt sich aber von
beiden, selten in häufigen Verbindungen der riesen oder
zwerge mit den menschen, und zum deutlichen beweis,
wie weit sich die dichtung des alterthums von starren ge-
gensätzen fern hält, auch den frühsten riesen wird sinn
und klugheit beigelegt.
Es gibt eine reihe alter benennungen^ die dem begrif
unaeres heutigen riese entsprechen.
Die älteste und allgemeinste nordische lautet iö'tunn,
pl. iötnar (nicht jötunn, Jotnar); ihr zur Seite steht ein
ags, eoten (pl, eotenas Beov. 223 eotena cyn.Beov. 836.
eotonisc 5953.)* oder eted (Lye s.v.) altengl. elin^ eitia
(Nares s. v.) schott. ettyn y eytt^n (Jamieson s. v.); ein
alts. etan^ eben läfst sich mit sicheriieit folgern aus dem
urkundlichen Ortsnamen Etanasfeld , Etenesfeld (campus gi-
gantis) Wigands archiv I. 4, 85. noch mehr, das wort
mufs selbst in späterer» bis auf die neueste xeit foürtseiebt
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EZAN? DURS 297
haben, dena ich finde das fem. eteninne (rlesin) wenig-
stens in kindermärchen beibehalten. Lauremberg *) (ed.
casseL 1750 p. 29) hat *de olde eteninne\ und ein ande-
res rostoker buch aus dem beginn des 18 jh. **) Mie alte
eteninne*'^ ich möchte -wissen, woher Adelung s.v. mum-
mel nimmt; dal's man in Westphalen ein fürchterliches
weib, mit dem kinder gesclireckt werden, etheninne
heifse? gewis ist es richtig. Das Sachs, etan gestattet ein
ahd. ezan, üzzan , ein gorh. i'tans zu mutmaisen , die
vrurzel ist zu suchen in dem altn. eta, ags. etan, ahd. ez-
zan, goth. 'itan, die bedeutung: edo (gen. edonis), man-
ducus, no).v(payog^ fresser. INun fragt sich aber, ob noch
ein anderes, der ableitung N entbehrendes wort hierher-
genommen werden darf, das altn. iotr ***) ags. eot , wel-
ches in der Zusammensetzung Forniotr, Forneot (s, 148.
149) und in dem volksnamen lotar (Juti) übrig ist? da-
für scheint eine Unterdrückung des N in dem schwed. jätte
(gigas) dän. jette pl. jetter zu streiten, und man wäre be-
rechtigt, iötnar = iotar (goth. itaniJs, itös?) setzend, den
namen Jotar, Jotland aus alteren riesenliaften ein wohnern,
die von nachrückenden Deutschen verdrängt wurden , zu
erklären, -j-) dann hefse sich ein alts. et, etcs, ein ahd. ez,
ezes, mit der bedeutung rlese erwarten. -H*) Vielleicht
galt neben iötnnn ein altn. iötull, ahd. ezaL (edax); dar-
aus erklärt sich der heutige norwegische ausdruck für
riese: jötul , jiitul (Hallager 5C. Faye 7.)
Auch eine andere benennung gemahnt wieder an eines
Volkes namen. das altn. tliars scheint von iotunn nicht
wesentlich verschieden; 8n. 6 wird Ymir Stammvater al-
ler hrtmthurse genannt ^ Saem. 118* führen sich alle iötnar
•) Hans Wilmsen Rost, elo Rostoker, gb. 1597. f l^^^- ^'«
erste aas<^. seines gedichts erschien um 1650.
•*) Krn. Joach. Westphal de consuetudiae ex sacco et libro.
Rost. 1726. 8. p. 224. 225; da» liier gegebne Verzeichnis alter wei-
bergeschichten wird ausgesctirieben in Joh. Pet. Schmidt fastelahends-
samlungen. Rostok (1742) 4. rep. 1752 p. 22 wo aber fehlerhaft
steht 'von der alten Arden lnn\ »Utt bei Weitplial 'von der alten
•••) für iotr, wie miolk fiir miolk (gramm. 1, 298.)
i) Beda 1, 15 hat Juti, die ags. Version aber fälschlich Geätas
(altn. öantar) ; besser steht in der ags. chronik (Ingr. p. 14) lotum
(lutis) lutnacyno (Jutorum gens.)
tt) sollte die pfälzische Jettha (s. 64) entstellt sein aus Eta,
Ezn? dieser Jettenbühel bei Heidelberg erinnert doch an den bairi-
•chen Jetienherg (mon. boica 2, 219. a. 1317) und den berg Jetten
in Reinbotec Georg 1717» wo unricbtig Setten gedruckt steht.
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998 DUR8
auf iha zurück, io einzelne]^ liedem oder Verbindungen
hat das eine oder das andere appellativ den vorzug; 8o
heifsen bei der dialectaufzählung im Alvismal die riesen
uniner iötnar, nie thursar, und für lötunheimr, lötna-
lieimr ist kein Thursaheimr gebraucblicU ; aber Tbrjruir,
obscbon in lötoabeim wohnend, wird dennoch thursa
druUinn (Saem. 70. 71) und nicht iötna drottinn genannt,
er ruft aber die iötnar auf (73*) und heilst iötunn (74*.)
Srcm. 85^ sind iötnar und hrimthursar hintereinander auf-
gerufen, es mufs also zwischen beiden ein feiner unter-
scliied liegen, den ich hier in dem vorgesetzten brim
suche: nur hrimthursar, keine hrimiötnar kommen vor;
eine erklärung dieses hrimthurs soll hernach versucht wer-
den. Statt thurs begegnet häufig, zumal in jüngerea
Sprachdenkmälern, die assimilierte form thusSy vorzüg-
lich in dem pl. thussar, hriinthussar ; ein dämonisches
wesen späterer sagen heifst Tliusselin (Müllers sagab. 1,
367. 368), ja die dän. spräche hat in ihrem ^o««« (plum-
per riese , tölpel) eben diese assimilation festgehalten y *)
ein norwegischer dämon führt den namen tusseL das
altn. thurs ist zugleich benennung des runbuchstabs, der
bei den Angelsachsen thorn heifst, vgl. 'thurs rtsla' Saem.
86*; eine merkwürdige abweichung, da der ags. spräche
jener ausdruck gar nicht fehlt, nicht nur Beov. 846 liest
man thjrrSj auch in dem menologium bei Hickes (gramm.
ags. p. 207) : Hhyra sceal on fenne gevunjan'; und ander-
wärts überträgt thyra y pl. thyrsas, das lat. cydops, orcus.
Ahd. sollte stehen durSy pl. dursd, oder duris, gen. duri-
ses, welches letztere in einer glosse für das lat. dis, ditis
vorkommt (Schm. 1, 458); doch schreibt N. ps. 17, 32
tnrs (daemonium) pl. tursa, und mhd. gilt tursCy gen«
tursen (Aw. 3, 179), vielleicht türse^ türsen, wie MaTsra.
denkm. 109 türsen: kürsen; selbst türstCj gen. türsten
(iMs. 2, 205*), dagegen in Albr. Tit. 24, 47 'spil von ei-
nem där8en\ und Ls. 3, 564: *des kunt der dürsch u.
spricliet schuo!' hier herscbt die bedeutung von satyr und
wilder mann Ts. 273) vor. in dem Ortsnamen Tursi/iriul,
Tursenriut (urk. von 1218. 1219 in Längs reg. 2, 88.
94)**) ist der ausdruck unverkennbar, ich denke auch
iu dem älteren Tuzzinwanc bei Neugart, das für 2^s-
üinwancj lursinwanc (campus gjganlis) steht imd das
heutige Dussriang ist. qicht viel gewagter scheint es
•) dän, fos, fowen, «Itn. fors,
•') vgU SJclini. 1 , 468.
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DURS HUN 2»
Strabos QovßvdXia (7, !• Tzwli. 2, 328.) durch Thureliilda,
Thusshüda, Thursinfailda auszulegen, obschon ich keine altn.
Thurshildr nachweisen kann, in der Schweiz ist dar st
noch heute der wilde Jäger (St. 1, 329), auf der salzbur-
gbchen alp ein nachtgeist dusel (Muchars Gastein p. 145),
in ISlederdeutschland dros oder drost teufel, tülpel, riese. *)
Gothisch hätte das wort zu lauten thaüra plur. thaürstjs
(tfasiirsis, thaiirs)ds? thaürsus, thaursjus? thaürsja, thadrs-
jans?) und diese formen geben uns die herleitung
des namens an hand. das goth. thaiirsus bedeutet sircus,
tliaürsjan sitire, thaürstei sitis; aus thaürsus, thaürsis
wird'alid. durri f. dursi (wie aus airzis, irri = irsi), in
dem subst* durst haftet das S , wie in unserm durs , und '
ib dem altn. thurs^ neben thurr (aridus.) thaüra^ thursj
dur9 drucken also aus entw. weingierig, durstig oder trun*
ken, und das schickt sich treflich zu dem entwickelten
sinn Yon Iftans, iütunn. beide riesenappellative bezeich«
nen unmäfsige gier nach speise und trank, ganz wie sie
sich in dem homerischen cyclopen kund gibt.
Wie nun die Juten, ein deutscher stamm , den na-
men der älteren, verdrängten einwohner behielten , **) und
dies die eigentlichen lötnar oder Itanös waren; so kün->
nen auch die thursar, die durs^, in ihrer mythischen
gestalt , mit einem abgelegnen , in früher vorzeit nach
Italien eingewanderten stamm zusammenhängen, ich habe
schon s. 17 auf mögliche berührung der thaursös mit den
TvQOfjyoly TvQ^fjvoiy Tusci, Etrusci gewiesen; das laut-
Terschiebungsgesetz trift genau zu, und selbst alle assimi-
htionen, die rersetzung des R finden sich wieder. Nie-
buhr hält Tyrrhener und Etrusker von einander, wie ich
glaabe, mit unrecht.
Erscheint doch in einer dritten riesenbenennung eben-
faüs ein volksname. Niederdeutschland, vorzüglich West-
falen, gebraucht hiine gleichbedeutig mit riese; in allen
▼olksiiberlieferungen der Wesergegend herscht jenes wort,
es erstreckt sich bis nach Gröningerland und Drenthe;
riesenhügel, riesengräber heifsen hiinebedde, hunebedderiy
hett gilt dort von grab, der ruhestätte todtor. 'grot as en
hdne^ bezeichnet riesenmälsigen wuchs. Schürens Teuto-
*) brem. ivb. 1, 257. Richey s. ▼• drans, Schatze s. v. drost,
Strodtnann s. ▼. droostt Mat di de droost sla!* in der Altniark: 'det
di de drme lial!*; anderwärts *de dr6s in de lieUe\ zu erwägen
bleibt indessen das hochd. dmos» truos, pe«it, beule.
*0 ein öfter vorkommender fall , die Bnicm s. b. , ein deutsches
▼olk, heifsen nach den celtischen Bojen.
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MO HUN
niftta verbindet re«e und huynCn aucli hoclid. »cliriftstel*
1er des 16. 17 }b. haben , wiewol seltner, /leune* Mathe*
81115 : "Goliath der grofse heune*] vocab, von 1482 schreibi
heufne* Der ausdnick ist aber schon mhd. Herbort (cod.
pal. 368, 9*): *gWiz alsam em hunei mit starkem gelüne'j
Trist. 4034: ^an geliden und an geliune gewahsen als ein
laurif^. "") In ahd. denkmaleru kann ich diese bedeutung
nicht nachweisen; allein mlid. bezeichnet, ohne allen ne-
bensinn leiblicher gröfse, zugleich Hiane (gen. -en) ei-
nen Unger, in den Nib. einen uoterthan Elzels (1110, 4.
1123, 4. 1271, 3. 1824, 3. 1829, 1. 1831, 1. 1832, l),
was in lat. Schriften des MA. Hunnua richtiger Hunus
Cliunus heifst. diesem Uiune würde ein ahd. üünio ent-
sprechen; ich trelTe nur die starke form an: Hun, pL
Hüni, gen. Hiinio, HAneo,**) mit welchem viele Ortsna-
men zusammengesetzt sind, z. b Uiiniofeld, ein fuldischet
Städtchen , heute Hünfeld , so wie männliche eigennamen
K. b. Hiinolt, Hiinperht, HüinrAt, Althün, Folchün u. s.w.
Das dLgs.Hu/ia cyuing (Beda 1, 13) fordert einen sg. H6n;
dem altn. nom. pl. Hunar soll ein schwachformiger sg,
Hüni gebühren (gl. edd. hafn. 2, 881.) Offenbar sind nun
diese Hiini nach ort und zeit ein höchst schwankende
begrif, bald dachte man sich Pannonier, bald Avaren,
bald Wandalen und Slaven unter ihnen, immer ein volk,
das durch nachbarschaft und krieg mit Deutschland in viel-
fache bcrührung kam. das Hiuii'enlant des 13 jh. (Nib.
1106, 3. 1122, 3) kann unmöglich das Hunaland sein,
welches die eddischen lieder für Sigurds heimat ansehen
(deutsche heldens. 6. 9.) Als die mannsnamen HünrÄt, Hün-
perht zuerst entsprangen, war wol noch kein gedanke an ein
ausländisches, pannouisches oder wendisches volk, aber es mag
schon in frühster zeit künde und sage von einem uralten, myr
thischen stamm umgegangen sein, der den nam^n Hi!ln! führte
und den man in irgend einer uasioheren gegend wohnen liefs,
etwa wie lütnar und Thursar. Meine mutmafsung geht
also dahin, dafs der begrif von riese , den wir in Hün
freilich erst seit dem 13 )h. nachweisen können, lange
vorher müsse darin gelegen haben : durch solch einen ne-
bensinu scheint auch erst jenem von Hadubrai^t ausgeruf-
*) Wolfliietr. 66 1 stellt für riese hoene : . sohoene , aber an der
fiteile d^s alteu verüeiu^^cliuitt^ ; früher wird aUo hiune gele^eo wer-
deu seia.
'*) im Hild. lied ^Hüiieo trulitiir und 'alter HAn'; Diut. 2, 182
Munt (Pannouii)^ S, 353t> Uäni f. üün (üttauä)$ 2, 370 HiinI
(Vaudali.)
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ENZ GIGANT 8D1
nen ^$hir Hiin^ bedeutsamkeit verlielien« Gotfried, als er
hiune für riese setzt, wüste sicher, dafs Miune damals
auch einen Unger bezeictinete ; ebenso wenig schliefst die
bestimmtheit des \oiks, das alid. glossen durch Hiünt über-
setzen, zu jener zeit das bestehen einer mythischen be-
deutung des namens aus. sie kann hier und da lebhafter
oder schwächer gewesen sein: das altn. hünar ist nie sy-
nonym* mit jötnsur u. thursar* die wurzel lasse ich unan-
gerührt, nur sei bemerkt, dafs ein eddischer name des
boren hänn lautet (Sn, 179. 222»), nach Biürn hun und
hünbiörn catulus ursinus.
Ein ags. ausdruck für riese ist ent, pl. entas, Alfred
im Orosius p. 48 überträgt Hercules gigas durch *Ercol se
enL^ die dichter setzen das wort gern, wenn von allen
bauten und arbeiten die rede ist: ^efita geveorc, enta ajr-
geveorc, eald enta geveorc' Beov, 3356. 5431. 5554. Co-
nyb. illustr. 230. 253; ^entisc heim' Beov. 5955. anch
die gl. des Lipsius geben einiisc avitus , was aus der Ur-
zeit der riesen herrührt. In der bairischen Volkssprache
erscheint ein verstärkendes praefix enz^ enzio (Schm. 1,
88), was aber aus dem gen. von end,' ent (Schm. 1, 77)
«wachsen könnte? oder darf selbst dieses ent^ mit dem
begrif von ungeheuer, riesenhaft, als ausnähme von der
lautverschiebung , hierher genommen werden? man sagt
enterisch und enzerisch für ungeheuer, seltsam. Und was ist
der JS'/2£c/z6crc]VlS.2, 10^? ein Riesenberg? was die eigenna-
mtnE/Jznwfp (Meichelb. 1233. 1305) ürizeman (Ben.325)?
Wenn Hüini au AV enden und Slavcn gemahnten, wird es ge-
staltet sein entas und die alten jintes zusammenzuhalten.
Die ags. dichter bedienen sicli zugleich des gr. lat. *)
tind romanischen appellalivs gigant, pl. gigantas Beov.
225. giganta cyn Beov. 3379. gigantmacg. Cädm« 76,
36 vgl. iltal. Span, gigante, provenz. jayan (Ferabr. 4232)
fvhnz^ gSant, enghgiant. Unverwandt hiermit scheint mir das
gewöhnlich verglichene altn. nur für riesinnen giltige, nnd
des NT ermangelnde fem. gfgr^ gen. gj^gjar (Stern. 39.
8d. 66. 68). den übrigen deutschen dialecten gebricht es,
^ürde aber ins goth. übersetzt lauten giugi oder giugja ;
ich bringe es zu der wurzel giugan und vergleiche die gr.
2, 50 no. 536 angeführten Wörter.
Dem ahd. riso, (N. ps. 32, 16) mhd. t'ise^ mnd. rese (En.
7096) nhd. riese^ altn. risi^ (in der altern edda nur Gröltas. 12)
*) seltsam, dafs die lat spräche keio eigrnes wort fnr den be-
grif riese hat, oad das gr. gigas, titan, cyclops borgen mufs; gleich«
wol besitzt Italiea eigene Yolkssageo von campanlschen riesen.
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ao2 luso
schwed. reae^ dän. rise, mnl. rese und /'a*« (Hujri op
St. 3, 33. 306), nnl. reus^ sollte ein gotlu ri^a entspre-
chen; bei Ulf. hat sich aber gar kein ausdruck für dies^
begrif erhalten, mit mehr Sicherheit darf der maogel ei-
nes ags. risa aus dem gebrauch von gigant, und dem ab-
gang eines ähnlichen engl, worts geschlossen "werden. Di«
-yrmzeX suche ich in dem goth. reisan (surgcre, eiferri, ex-
tolli), risa ist elatus, superbus, excelsus, sowol der leibli-
chen gröfse nach, als dem Übermut, ^der michel ÄA/afie'Iw.SOSe.
Aufser jenem g^gr gelten noch einige altn. blofe für
riesinnen gangbare ausdrücke : shaaa (neutr.) Sesm. 154*'
sk^saa (fem.); grtdhr (fem.); mella (fem.); gip' (fem.)
8i«m. 143»> norw^g. jy^^ri (Hailag. 53) oder gy^ri j gtirri
(Faye 7. 10.) dieses gifr mag frech, trotzig, gierig bedeuten.
Troll (neutr.) gen. trölls, schwed. troll, dän. Irold
wird zwar häufig von riesen gebraucht^ ist aber ein all-
gemeinerer ausdruck, der auch von andern geistern uud
zauberhaften wesen vorkommt, und dem sinne nach uii-
serm ungeheuer, ungethüm entspricht.
Lilth. heifst ein riese wrliinas, milünis, lett. nul-
sis, milaenia. Böhm, obt ,*) altpoln. obrzymr'^*) pola.
olbrzym. keins dieser Wörter begegnet deutschen , und
das nordslav. obor, obr ist auch den Südskven fremd.
Sanscr. rähachasas^ welches weder mit unserm rieae,
nach mit dem ahd. recchio, mhd. recke, einer beneii-
nung menschlicher beiden kann verglichen werden*
Eigennamen altn. riesen und riesinnen sind in mecge
aufbewahrt ; einzelne scheinen bedeutsam, z. b. Hrungnu
gemahnt an das goth. hrugga (virga) und das nhd. ruuge
(brem. wb. 3, 558); Herbort cod. pal. 368, 9«»: 'gn>»
alsam ein runge.' In jnhd. dichtuncen gehen riesennamea
gern auf -o/^ aus, Witolt, Fasolt , Memerolt "•»•"•
Eine grofse, über menschliches mafs hiiiaüsrageBde
gestalt wird allen riesen zugeschrieben ; nie einäugigkerf,
wie den cyclopen. dagegen sind sie oft , gleich den grie-
chischen riesen ***) , mit mehrern händen und AäM/>-
tern aösgestÄttet } ich habe 8.222. 223 merkwürdig« bet-
spiele angeführt, aber nicht aUe. der Brana vater U^
drei (unsichtbare) häupter (fornald. sog. 3, 574) j ebenda
heifst es: 'thä feil margr tMöJdhadhr iülunn.' auch m
*) sloVttkMcb o6or, »vnii pismo. Gran 1829. 1 , 952. .
'^) pMiter der königin Margareta. Wien 1834. p. 17b: atrum;
das "im wie kt eycsym, pielgnt^m. , ,.
♦••) Briareus oder Aegaeou ist hundertarnug (^xatuy/^i^^o?. n*
1, 402) aad fttii&igli&uplig» Geiyoa dreihäuptig^ sec/uhändig.
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RUSSEN 803
Schottland kannte mau die erzäbluDg ^of the reyde eye-
tyn vitht the thre heydisy \oni rolhen rieeen mit den
drei häuptern (coni[>layi]t p. 98) und Lindsays dreme (ed.
1592. p. 225 gedenken der ^histoiy of reid etin^ ob sich
die rothe färbe auf haut, haar oder tracht bezieht^ müste
die fabel selbst lehren, schwarze leibfarbe, wie sonst
Zwergen (s. 258) und dem teufel, wird riesen nicht bei-
gelegt, doch war die halbschwarze Hei (s. 195) riesischer
abkunft. Hrüngnir, ein eddischer riese, hat ein haupt
von stein. Sasm. 76^ Sn. 109 ; ein andrer riese heilst
larn/iaus (eisenschädel) fornald. sog. 3, 578. Meist aber
scheinen die riesen wolgebildet und von vollkommnem
wuchs; riesentöchter sind der höchsten Schönheit fähig,
£. b. Gerdhr , von deren glänzenden armen , als sie die
hausthüre schliefst, luft und wasser widerleuchten. Saem.
82» Sn. 39.
In den riesen überhaupt waltet volle , ungebändigte na-
turkrafk, die jene Überschreitung des leiblichen mafses, tro-
tzigen Übermut, also misbrauch des sinnlichen und geistigen
Vermögens zur folge hat, und zuletzt ilircr eignen last er-
liegt, daher heilst der iötunn in der edda shrautgiarn
(faslosus) Sa;m. 117**; sa inn dtndtthi (praepotensj S«m.
41*> 82*»; storudhgi (magnanimus) Saem. 76^; tiirAng^
modhgi (superbus) Srom. 77*; hardrädhr (saevus) Sa;m.
54»; was diese epitheta ausdrücken, habe ich in dem
begrif unseres appellativs riso selbst gefunden^ auf gleiche
weise bestätigt sich die erklärung der namen iötunn und
thurs in poetischen beiwörtern uuil Schilderungen : iost»
moilhr iüUinn (cibo gravalus) Saem. 56^ ; 'ölr (ebrius) ertu
Geirrodhr, helir thü ofdruccit' (ninüurii potavisti) Saem. 47».
Dennoch ist in den liedern auch ein den riesen gün-
stiger zug. sie stellen ein untergegangnes oder untergehen-
des geschlecht dar, dem mit der kraft auph die Unschuld
und Weisheit lies alterthums, mehr eine ob)ective und an-
ö^chafne, als selbster worbne Vernunft beiwohnt. Diese
halbwehmütige atiffassung herscbt vorzüglich in einem
der schönsten eddischen gedichte^ in H5'misqvidha. U^^-
»tir *) heilst forn iötunn (der alte) 54», wie ein andrer
•) altn. Ist hüm crepnscolam , Iiöftni ve»pcniTCcre ^ fi;^ilia dorihi-
tarife, H^mtr der trage, schläfrige ? ahd. Iliumi? wie, wenn da»
mild, hiune (s. 901) aiM einem alid. Iiinmi entsprängfe? da sicti M oft
in N verdüunt, zumeiit das auslautende, oder inlautend for geAvissen
euusonanten (kauft, Vernunft f. chumft, farnmnft) hin nnd wieder
al>er auch im anlmit oder inlinit vof vociilen (madidos, narts, na^), das
paiaeiidste beiapiet ist alid. aiiumi, sniumi (celet> mlid. fikufte» fllia-
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804 lUESEN
riese gerade den elgennamen Forniotr, Forneot führt
(s. 147); aber auch hundi^tss (muUiscius) 52**, Mie sonst
Lodlüun (Saem. 145*), Geirrödhr (Sn. 113) und Starkadiir
(fornald. sog. 3, 15. 32.)*) Oegir wird Sajin. 79 genannt
jiölkunnigr (vielkundig), Hyuiir aber auch barnte'Ur
(froh -wie ein kind) 52*; Thrymr sitzt da, und legt sei-
nen hunden goldbander an , streicht die mahnen seiner
rosse. Saem. 70^. Ein anderes lied beruht auf dem ge-
spräch, das Odhina selbst mit einem verstand igen riesen
über gegenstände des alterthums (4 fornom stöfum) zu füh-
ren begehrt: Vafthrüdhnir heifst wiederum *ifm alsvinni
iülunu' 30* 35^; Orgeimir und Bergelmir 'sa inn Jrodhi
iötunn.' Saem. 35* ^ ; Fenja und Menja sind framvisur
(Gruttas. 1, 13.) Wenn den riesen das verbum 'threyja'
Siem. 88* eigenthümllch beigelegt wird, das sonst exspe-
ctare, desiderare ausdrückt, so mag darin ein dumpfes
brüten, halbtruukne behaglichkeit imd beharrlichkeit lie-
gen, gegenüber der regsamen natur des menschen, der
listigen , verschlagnen des zwergs.
Ein solches wesen ist in seiner ruhe gutmütig und
plump **) ; aufgereizt aber wild, tückisch und heftig, die-
sen riesenzorn nennt die nord. sage iötanmbdlir^ der sich
dem Äsmodhr, dem zorn der götter trotzig widersetzt.
Wenn die riesen von wut entbrennen, 6o schleudern sie
felsen, reiben ilamme aus steinen (Roth. 1048), reifsen
bäume aus (kinderm. no. 90) und stampfen mit dem fufs
bis ans knie in die erde (Roth. 943. Vilk. saga cap. 60):
in diesem zustand werden sie von den beiden , denen sie
dienstbar sind , in fesseln gelegt , und nur im krieg ge-
gen den feind losgelassen, so Witolt oder Witolf. Roth.
760. Vilk. saga cap. 50.
Zu den göttern und menschen stehen sie bald freimd-
lich, bald feindlich. Einzelne götter sind mit riesinnen
vermählt: Niördhr mit Skadhi, tochter des Thiassi, Thorr
mit larnsaxa, Freyr mit der schönen Gerdhr, tochter de«
G^mir. Gunnlödh eine riesin ist Odhinns geliebte. Ge-
fiun , die asin , zeugt söhne mit einem riesen ; Börr hei-
ratet Beöla, Bölthörns des riesen tochten Loki, der un-
nic, nhH. sclilennij?. daraus erklarte sich, warum keine «pnr des na-
mens hiune im altn., dann muste aber auch alle wesentliche berühmog
mit dem volksnamen Hün aufgegeben werden.
•) fiund (centum) verstärkt die bedeutungen: hundmargr (pennul-
tus) hund<;aman (steinalt.) xi u * ^ t
••) ungeordnet; mhd. gilt von riesco unget^üege. JS'ib. «6, L
Iw. 444. 5051. 6717.
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RIESEN 305
tei* den aseh wohnt , ist solin des riesen Farbauti , Angr-
bodha, eine riesln, seine frau. Mit Oegir dem iötunn
Yerkehren die götter und werden von ihm zu gaste ge-
laden. Aber auch riesen streben nach asinneii^ Thrymr
nach Freyja, Thiassi raubt Idhunn, Starkadhr ist dienst-
mann nordischer könige; könig Frödhi hatte zwei riesen-
juDg&auen, Fenja uad Menja, zu mahnägden; in Rothers
heer kämpfen die riesen Aspriiln (Asb,iüm) und Witolt.
Unter den a^en ist Thörr der gröfste riesenfeind, er
Schlägt ihnen ; wie Jupiter^ donnerwunden, sein harn-
mer hat vielen die liäupter zermalmt; wenn Thörr nicht
wäre, sagt ein nordisches Sprichwort, so würden die riesen
überhand nehmen: ei* besiegt Hrüngnir, Hj^mir, Thrymr,
GeuTödhr. auch der heiL Olaj verfolgt das riesenge-
scLlecht auf das heftigste. In der heldensage unterliegen
Sigenöt, Ecke und F'asolt Dietrichs menschlicher stärke;
Ymir, oder nach der riesen spräche Orgelmir, war
der ersterschnjne ^ und aus seines leibs ungeheurer masse
>\urde hernach erde, wasser, berg und wald erzeugt.
Ymir selbst entsprang aus gefrornem reif oder thau (ht*m),
8eu fliegende Muspillsfunken tropfend gemacht hallen. *)
davon heifsen alle riesen hrtnithursar ^ rcifriesen (Sn. 6«
8?Bm. 85*- M; hrimkäldr (reifkalt) ist beiwort für i^lunn
üder tfiurs (Sa;m. 33*» 90»), sie triefen noch von thauen-
dem reif; Hrtmnir, Hrtnigrtmr ^ Hrirngerdhr sind
riesische eigeauamen (Seem. 85* 86» 144. 145.) da lirim
zugleich fuligo bedeutet, darf vielleicht Ymir mit dem dun-
keln mhd. oni, ome (rubigo) zusamniengehalleu werden
(granim. 3, 733.)
Nach riesen, wie nach götteru, führen kräuter und
gestirne den namen. thuraaskegg (fucus filiform is) rie-
senbart; norw. tuasegras (paris quadrifolia) ; Brönugras
(satynum), was sonst Friggjargras (s. 192), weil es eine
riesin Brana ihrem Schützling Halfdan aJs zaubermittel
schenkte (foruald. sog. 3, 576); Forneotes Jolme (s. 147);
Tkiassis atigen warf Odhinn, On^andils jujszehe Thöix
als leuchtende gestirne gen himmeh Sn* 82* 83. lli;
*) das ganze niittelalter trug sich mit einer scherzhaft gewende-
ten fabel TOB einem kind, das aus schnee oder eis hervorgieug; schon
in 10 jli. hatte man den modus Licbinc^ ein altfranz. gedieht steht
hei M^on 3, 215, ein mhd. Ls. 3, 513; in scherz und ernst cap.
251 hcifst das kind cissihmarre (eisbissen) vgl. Bure. Waldis 4, 71
und Weisen« erznarren p. 23. Wieder anders, und ernsthaft, fassen*
Uuderfflarchen die idee von schnee uad blut
2a
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303 RIBSBN
Die riesen bilden eia gesondertes volk, dfid 8ic!i "^(A
•wieder in stamme zertlieilte. Thiymr heilst HhursadrSt-
tinn* Sf«m. 70 — 74; Hhuraa thiodh* wird 107* genannt,
als ihr gewöhnlicher aufentlialt aber iötunheimr bezeich-
net, noch das gedieht von Rother 767 gibt ein risenlant
an, auf der grenze des riesengebietes lagen griottuna
gardhar (Sn, lOS. 109.) die vorhergehende Untersuchung
lehrt, dafs sich die meisten benennungen der rieaen an
alte völkernamen schlössen«
Man dachte sich die riesen auf f eisen und bergen
hÄüsend; ihre ganze natur hängt mit dem steinreich «a^
sammen. sie sind belebte Steinmassen ^ oder versteinert^
fi^ühei^ lebendige geschöpfe.
Hierher gehören erst folgende benennungen : bergrm
Sn. 18. 26. 30. 45. 47. 66. Gröttas. 10.^24. Egilss. 22*);
bergbüi (fornald. rög. 1, 412); hraunbui (»axicolff) Saun.
57b 145a. hraunlwalr Sl^\ thusain af biargi (forn^d.
sog. 2, 29); bergdanir (giganles) Saem. 54»>; bergma
brädhr ^^ mcer bergrisa^ Gröttas. 10. 24 vgl. das griecb.
OQSiag. Thrymheinir liegt auf bergen. Ön. 27.
Rieseueigennamen -weisen auf stein und metall, z.b.
larnsäXa (die eisens lein ige) , larn/iaus (eisenschädel);
vielleicht darf man die noch jetzt fortlebende Zusammen-
setzung steinalt (gramm. 2, 555) aus dem hohen aller
der riesen erklaren, das dem der berge und felsen hak
kommt, 'gifur rata' (gigantes pedes lUudunt saxis) sagt
man im Norden.
Steine und felsen sind des riesengeschlechts wajfen]
es gebraucht nur sleinkeulert , steinschilde , keine Schwer-
ter. HrAugnis waffe heilst kein ; als sie geworfen in der
luft mit Thiirs hammer zusammehfuhr, brach sie und ein
tlieil fiel zii boden: davon kommen alle *hcinbei%
(schleifsteinfelsen) her. 8n. 108. 109. Spätere sagen l^n
den riesen Slälllstangen ^ von 24 eilen, zu. Roth. 6S7.
1662. hürn. SJfr. 62, 2. 6», 2. Sigenöt (Lafsb.) 14 (Hag.)
69. 75. Iwein 5022 {ruote 5058. lolhe 6682. 672«.)
Trist. 15980. 16146; tsenstange Nib. 460, 1. dem Pan-
durus und Kiias (Aen. 9, 672) verleiht Veldek rieseö-
natur und tserne kolven (En. 7089); lolben stälielln
führt das riesige beer könig Gorhands, Wh. 35, 21. 395,
24. 396, 13; eine staahtang riese Langben (danske vi-
ser 1, 29.) Wahrscheinlich aber wird unter dem *eaW
*) hälfbergrisi ^ hdlfrisi ^ hAlf troll bei gemiseli£er abkiMÄ.
gramm. 2, 633.
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RIE2SEN dor
ht^eord ieotonisc^ Beov. 5953 ein sleinernfes vei-slandea; auch
der 'entisc helrn^ Beov. 5955 mag ein solcher seifa. Viel-
leicht hängt damit zusammen, dafs kein eisenschwert auf
die riesen einschneidet 2 blofs mit dem sthwerthnöpj
mögen sie erschlagen werden (Eckö 178.)
Bauten der vorzeit, von seltsamer sttuctur, die lange
jiihrhunderte überdauert haben und die das heutige ge-
schlecbt nicht mehr untei'nimmt, pflegt das volk den rz>-
sen oder dem teufel zuzuöcht'eiben (vgl. s. 55 die anm.
über teufelsmauern.) das sind die ^enta geveorc^ (s; 301),
und so nannten die Griechen cyclopische mauern waÄ au8
nngeheueru stücken gefügt war.*)
Rieseribergey riesenhügel, hiinenhette konnöö öo
heifsen weil die volkssage dahin eines riesen grab versetzt,
öder eine äholichkeit des felsehs mit der riesengestalt an-
nimmt, oder davon ausgeht, dafs der riese den berg oder
hügel an diese stelle gebracht habe.
Von der letzten art hatten wir eben ein bei^piel : die
cdda erklärt alle heinfehen aus dem zur erde gefallnen
theil einer riesenteule, die von glattem wetzstein gefer-
tigt War. In diesen volkssagen herscht anmulige mannig-
faltigk^it, die mir näherer künde werth scheint, weil da-
dorch die lebendige Vorstellung von dem wesen der riesen
gut bezeichnet wird. Eine auf der insel Hveu umgehende
^age macht Grimild tind Hvenild zu zwei riesinnen und
Schwestern, die auf Seeland wohnen. Hvenild will stücke
voll Seeland nach Schonen tragen und gelängt mit einigen,
die si^ iii ilire schürze nimmt, glücklich hinüber; als sie
aber das nächstemal ein allznigrofses forlschlcj)pt, bricht
das schürzband mitten in der see, sie verliert ihre ganze
last, und so entsteht dk die insel Hven. **) Fast dasselbe
meldet eine jütische sage von dem Ursprung der kleinen
insel Wörsoekalv (Thiele 3, 66.) Abweichende umstände
gewähren pömmersche Überlieferungen: einen riesen auf
Ragen verdriefsts, dafs er immef durch dad meer nach
Pommern waten inufs; er will einen dämm hinüber zum
festen land bauen,* bindet eine schürze um, und füllt sie
mit erdö. als er mit der tracht bis über Rodenkirchen
gekommen istj reifst ein loch in die schürze, und
aus der erde, die herausfällt, werden die neun berge
bei Rambin. er stopft das loch zu, und geht weiter, bis
Oustow gekommen, reifst wieder ein loch und dreizehn
*) irfi. NiebnliK rSm. gcsch. I, 192. 193.
**) Sjdborgs nomenklatur p. 84.
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808 RIESEN
kleine berge fallen beraUs^ mit der noch übrigen erde
gelangt er ans meer und gieist sie hinein: da wird der
prosnitzer hacken und die halbinsel Drigge. aber es bleibt
immer ein fchmaler räum zwischen Rügen und Pommern
und der riese ärgert sich darüber so sehr, dafs er Yon
einem schlagdufs hinstürzt und stirbt: so ist denn sein
dämm nie fertig geworden. *) Umgekehrt, will sich ein
riesenmädchen von Pommern aus eine brücke nach Rügen
machen: ^damit ich übers Wässerchen gehn kann, ohne
mir meine pantöffelchen zu netzen.' sie nahm eine
schürze voll sand ans ufer eüend« aber die schürze
hafte ein loch, hinter Sagard lief ein theü der ladung
aus und bildete einen kleinen berg namens Dubberworth.
^ach' sagte das hünenmädchen, 'nun wird die mutter schel-
tenV hielt die band unter und lief was sie konnte, die
mutter schaute über den wald : ^martiges kind, was treibst
du? komm nur, du sollst die ruthe haben!' da erschrak
die tochter, liefs die schürze vollends gleiten, aller^ sand
ward umher verschüttet und bUdete die dürren hügel bei
Litzow. **) Ein riese in Fladsöe war feindlich gesinnt
gegen einen in Nestved wohnenden, er nahm seinen ran-
zen, füllte ihn am ufer mit sand und dachte ganz Nest-
ved zu vcrscliütten. unterwegs aber lief der sand durch
ein loch im such aus, so dafs eine reihe Sandbänke da«
von zwischen Fladsöe und Nestved entstand, erst als der
riese zu der stelle kam, wo vordem Husvald lag, merkte
er, dafs das meiste verschüttet war, und ärgerlich warf
er das übrige gegen Nestved, wo man noch eine einzelne
Sandbank gewahrt (Thiele 1, 79.) Zu Sonnerup war ein
andrer riese, namens Lars Krands, den ein dortiger
bauer beleidigt hatte, er ging zum Strand, füllte seinen
handschuh mit sand und trug ihn zu des bauern hof, wo
er ilm ausschüttele, so dafs der ganze hof zugedeckt
wurde ; was durch die funffingerlöcher im handschuh
gelaufen war, bildete fünf hügel (Thiele 1, 33.) In den
Niederlanden wird der hügel von Hülegersberg durch den
sand lier vorgebracht, der einer riesin durch ^ecn scharte"
lleed* fallt.***) Solche erzählungen sind aber nicht blofs
unter dem deutschen volksstamm verbreitet, sie gehen auch
bei Finnen, Celten und Griechen im schwang. In Tawa-
stoland bei Päjände, in llattulasockcn liegen steinfclsen,
*) E. M. Arndt märclieu 1, 156.
••) Lothar« volksageu. Leipz. 1820. p. 65.
•••) Weitendorps m^thologie p. 187.
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RIßSEN 809
welche ehdem von riesentöchtern in der schürze getra-
gen , und in die hohe geworfen sein sollen. *) Franzö-
sische Überlieferungen setzen die heilige Jungfrau an die
stelle der riesinnen. Notre dame de CMry, als es ihr in
der kirche von Mezi^rps nicht gefiel, beschlofs den silz
ihrer anbetung zu verlegen, nahm erde in ihre schür ze,
und trug sie, verfolgt von Judas, auf eine benachbarte
anhöhe; um aber dem Verfolger auszuweichen, fafsle sie
einen theil der erde wieder auf^ und legte ihn nicht
M'eit davon an einer andern stelle nieder: an beiden stat-
ten wurden bethäuser gebaut.**) In der Charentegegend,
im bezirk Cognac und der gemeinde Saintfort am Ney-
flüTschen liegt ein ungeheurer stein; man erzählt die heil.
Jungfrau habe ihn dai)in auf ihrem köpf, und zugleich
vier pfeiler in ihrer smürze getragen: als sie aber über
den Ney ging, entfiel ihr ein pfeiler in den sumpf von
Saintfort.***) Nach einer griech. sage wollte Athene zur
befestigung der Acropolis einen berg von Pallene herbei-
holen, liefs ihn aber unterwegs, erschrocken über die
Verkündigung einer krähe, hinfallen^ und da blieb er
(der Lykabettos) liegen, f)
Gleich der göttin, gleich den riesen lädt sich der teu-
fel solche lasten auf. in Oberhessen wurde mir folgendes
erzählt: zwischen Gofsfelcjen und Wetter lag vormals ein
jetzt ausgestorbnes dorf Eibringhausen; die bauern lebten
darin so üppig, dafs der teufel gewalt über sie bekam,
und sie aus ihrer guten erde auf einen sandigen boden, den
die austretende Lahn jährlich überschwemmt, zu verse-
tzen beschlofs. er nahm also das ganze dorf in seine
külze, und trug es durch die lüfte dahin, wo jetzt Sa-
renau steht: er fing an, die einzelnen häuser zu langen
und der reihe nach aufzustellen, unversehens stürzte ihm
die hötze um^ und der ganze plunder fiel durcheinander
zur erde; daher rührt, dafs zu Sarenau die sechs ersten
häuser in gerader gasse stehen, alle übrigen untereinander.
Weit umgehend ist die artige fabel vom pflügenden
achermann f den eine riesentochter aufnimmt, und in
•) Gananders finn. myth. p. 29. 30.
••) iiiem. de I'acad. oelt. 2, 218.
**') mein, des antiqunires T, 31.
t,) Antij?oni CaVystü liist. mirab. cap. 12. Lips. 1791 p. 22:
vr^v t^iialv uTtavrijaai xal ^Irifti', ort ^EqixO-ovioq h tpavfQti' rtjv <^>
tlxovaaaay ^itput to oQoq^ önov vvv iaci' rn &^ ytoQtavfj <Sta rijv k«-
nayYtllav nnttv y w^ <k «x^o.toA*»' oi* iÖ^//*«? uvr^ Vorui d^txia&a*.
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310 RIBSBN
ihrer schürze dem yater heimträgt, am ecfaönslen m
der elsassischen sage von bürg Nideck:
Im waldsclilor$ dort i^m vfasserfoH
siDQ dVitt^r rise ffsion;
a mol kunimts fraule Iirab ins tbal,
uoD geht spaziere drinn.
sie tliut bis scfiier noch Haslacfi gehn,
vorm wald im acicerfeld
do blibt sie voll verwundrung steba
umi sieht, wies fel4 ward bstellt.
sie luegt dem ding ä wil so zu:
der pßüi, die rqs ^ die lütt
ischer ebs neus; sie geht derzp
nnn denict ^die nimm i inttt/
Drno huurt si^ an de bode biq .
unn spreit ihr furti u/s,
fangt alles mit der band, thu(9 niin,
unri' lauft gar froh noch hns.
sie springt de felswöi nuf ganz frisch.
dort wo der berg jetzt isch so gab,
unn me so krattle mufs in dböb,
macht sie nur eine schritt.
Der ritter sitzt just noch am tiscl) :
'min kind, was bringste mit? ' •
dfreud luegt der zu de äuge nufs;
se krom nur gschwind din' furti u&;
was he^t so zawelichs drin?*
*o vatter, spieldirt^s gar ze nett,
i 'ha noch nie ebs schöns so ghett\
iinn stelltera atles hin.
Ünn af de tisch stellt sie de pfiuiy
dburet unn ihri ros^
(auft dnim herum unn lacht der^u,
ihr freud isch gar ze ^rofs.
'Ja kind, difs isch k^n spieldinss nitt,
dö best ebs schöhs gemacht*
saht der berr ritter glich and lacht,
'geh nimms nur widder mit!
die l^ure sorje uns für brot,
sünsch sterbe mir de hungertod;
trah alles widder fürt l'
sfräule krint, der vatter schilt:
^ä bur mir nitt als spieldings gilt,
i lud nit dafs me murrt
pack alles sachte widder iln
unn tcahs ans nemli plätzel bin,
wo des geuumme he^t.
baut nit der bur sin ackerfeld
se fehlts bi uns an brot unn geld
\A unseiim felsennest.^
ÄliiiHclie erzählungen vom Harz und aus dem OdenwaU
8le]ieu deutsch, sag. no. 319. 324. In Hessen wird die
rieseutocliter auf den Hippersberg (zwischen Külbe, Welirda
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RIB8BN 811
und Oofafelden) verlegt: ihr vater schilt sie heftig aus
und setzt den pflüger, mit lobspiKicheu, wieder iu fi^eiheit.
Zu Dittersdorf unweit Biaukeuburg (zwisdien Rndolstadt
und Saalfeid) geht dieselbe geschiohte um« am eiugang des
Sckwarzathals auf der Hunenkoppe wohnte eiue hüuiu
mit ilu-er tochter. die tochler fand auf dem gemeindeberg
einen feld pflügenden bauer, that ihn mit pßug und och-
$€n in ihre schürze und trug der mutter ^den kleinen
lerl mit seinen hätzchen^ hin. zornig befalil die mutier,
mann, thiere und pflüg augenblicklich wieder an ort und
8teUe zurück zu tragen: ^sie gehören zu einem volke, datf
den hünen grofsen schaden zufügen kann.' bald darauf
veriiefsen beide die gegend. *) Diese misbilligung scheint
alterthümlicher, als der grund des elsassischen riesen^ und
stimmt mehr zu einer ffhuischen volksage« In Remispckenr
wohnten riesen; vor zwanzig jähren**) lebte in Rouw-
wanjemi eiue alte frau namens Caisa, die erzählte: eine
riesenjungfrau (kalewan tyttären) nahm in ihren schofs
pferd, pflüger und pßug (hev^osen ja kyntajän ja au-
ran) , trug sie ihrer mutter hin und fragte : Svas für ein
täjer (sontiainen) mag das sein, mutler, den ich da fand
in der erde wülüen?' die mutier sprach Uhus weg^ mein
kiöd, wir müssen fort aus diesem land, und sie werden
lüer wohnen,' Den ackerbauenden menschen mufs das
alle riesengeschlecht weichen, der ackerbau ist ihm, gleich
den Zwergen (s. 259), verhafst. Die unschuldige derbheit
der riesen , welchen der mensch ein winziges thierchen,
ein im koth wühlender käfer erscheint, aber doch heim-
licli vor ihm bangt, kann nicht glücklicher geschildert
werden, als in diesen wenigen zügen. Ich glaube, dafs
die Überlieferung noch in vielen andern gegeuden zu
haus ist.
Nicht weniger häufig und naiv ist die sage von dem
wandernden riesen > den unterwegs ein steinchen im
ßvhuh drückt: er schüttelt ilm endlich aus, und ein hü-
gei oder fels bleibt da liegen. Die braunschweiger anzei*
gen von 1759 berichten s. 1636: *ein bauer sagte mir ein-
mal, da ich in seiner begleitung vor einem hügel, der
am Elme lag, vorbeireisete : herre, hie sagen die leute
Itabe ein hüne seine// schuh reine gemacht, daher sei
der hügel entstanden.' lu dem buch: die kluge trödel-
*) L. A. Waltliers eiiil. in die tiiur. schwarzb. gesch. (RudoUt,)
1T88 p. 52.
**) zu Gaoandeu seit (finn. mytij. p. 80.)
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312 RIBSBN
frau, von E. J, C. P. N, 1682. p. 14 wird eines groCseü
Steins im wald erwähnt und gesagt: ^e? vrere einstcn ein
grofser riese vorbei gegangen , den hatte in dem schuhe
ein steinleiu gedrückt, und als er den Schuck aufgebun"
den sei dieser stein l^erfiusgefaljen.' So geht noch heute
die sage von einem kahlen felsen hei Goslar, den habe
der grofsc Christoph mit sich im schuh getragen imd zu-
letzt am drücken vermerkt, habe den schuh ausgezogen
und umgekehri , dfi sei der stein an die stelle gefaUen,
wo er noch liegt. Am Solling bei Uslar liegt ein pa»
grofser Feldsteine, 16 — 20 schuh lang, 6 — 8 dick: vor
undenklichen jähren gicngcu zwei riesen über das laadl,
der eine sprach zum andern *es drückt mich etwas ha
schuli, es müssen wol grandkörnchen sein.' damit stog
er den schuh ah und schüttette die sieine heramn
Auch diesem mythus traue ich weite verbreitimg zu, deul«
sehe sagen no. 323. steht er von einem stein bei IlfeU;
man weifs ihn sogar von einem blofsen menschenschlag
zu erzählen : die westf«ilischen Sauerländer sind brave,
tüchtige leute. einer soU einmal nach Cöln gegangen sein
und vor dem thor augelaugt seinen reisegefahrten ersudit
haben, einen augenblick zu warten, er wolle im sduil
nachsehn, was ihn die ganze zeit so gedrückt habe, ifü
andere aber sprach 'ei nun warte vollends, bis wir zar
herberge kommen.' der Saucrläncjer liels es geschehn und
beide wanderten durch die langen stiai'sen. auf dem marftt
wurde ihm doch der druck zu arg, er zog den schih
ab, und warf einen groben stein heraus y der lange
Zeiten daselbst zum Wahrzeichen gelegen hat.
Die edda nieldet wunderbares von dem riesen Skry-
mir;*) in dem däiimling seines handschuhs hatte ThiJrr,
der gott, eine nachtlang geherbergt, Skrj^mir entschläft
unter einer eiche und schnarcht; alsThörr mit dem hammer
auf sein haupt schlagt, erwacht er und fragt ob ein blatt
laub auj ihn herabgefallen sei ? der riese legt sich un-
ter eine andre eiche sclilafen und schnarcht, dafs es da-
von im walde rauscht; Thörr schlägt härter und tiefer
auf den riesen, 'fiel mir eine eichel ins gesicht?^ ruft
der erwachende, zum drittenmal entschläft Skr^'mir uöd
Th^lrr wiederholt den schlag noch tiefer; der riese wacht
auf, streicht sich über die wange und spriqlit: 'über mir
im bäum müssen vögel sitzen? als ich erwachte, däuchtc
mich, ihr rnist falle von den zweigen auf mein haupt'
•) vgl. faröiftcli SkrujmsU, Lyngbye p. 480.
»
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RIBSBN 31S
Sd, 5i— *53. DIeee zöge* sind ecbtriesenmäCsig^ und in
ganz andrer gegend anzutreffen, nach einer böhmischen
sage schlaft Scharmak der riese an einem tiiurm^ den
seine feinde untergraben, dafs er über ihm zusammen-
stürzt; er rüttelt sich auf und ruft; 'hier ist übel ruhen,
iiepögel besclimeifsen einem den hopfJ^ nachher schlep-
pen drei eine grofse glocke auf den eiclibaum, unter dem
Sdiarmak schlaft, und so stark schnarcht, dafs sich die
blätter rühren; die glocke wird abgeschnitten und pras-
selt auf den riesen herab, er wacht nicht einmal auf.
Ein deutsches kindermärchen (1, 307) hat vollkommen
ähnliches; in einem andern werden mühlsteine auf den
riesen im brunnen hinabgeworüen und er ruft: *jagt die
liüner weg, die da oben im sand kratzen und mir iör-
ner in die äugen schmeifsen !' (2, 29.) *)
Rabelais **) und Fischart haben die fabel von Gar-
gantua verherHcht. ursprünglich war es eine alte , etwa
sdion celtische, riesensage, deren echte, einfache ge-
stalt sich vielleicht jetzt noch aus haftenden volksüber-
lleferungen gewinnen llefse. ***) Gargantua, ein ungeheu-
rer fresser und saufer, steht mit jedem fufs auf einem
)iohen berg und trinkt, sich niederbeugend, den da-
zwischen herlaufenden flufs aus. Das weifs wieder
auch eine westfälische Wesersage : am SoUing , unweit
dem Eber^tein liegt der Hünenbrink, ein freier, kegelför-
iniger berg. wenn der hüne^ der hier vorzeiten hauste,
sich morgens das gesiebt waschen wollte, blieb er mit
einem fufse auf seinem berg stehn, mit dem andern
schritt er eine halbe stunde weit hinüber zum Eichholz,
und schöpfte aus dem durch das thal fließenden bach.
that ihm der hals weh vom bücken oder drohte zu bre-
chen, so streckte er seinen arm aus und grif über den
Burgberg nach Lobach, Negenborn und Holenberg sich
zur stütze.
*) vgl, die morgenl. sage vom riesen Andsch in Hammers rosenol
1, 114. 115.
**) Rabelais eotnahm seinen stof aus einem älteren buch, das
schon im J5 jh. gedruckt und im 16 öfter aufgelegt wurde: les chro*
niques admirables du puis^ant roi Gargaotua. «. 1. et a. (gotliique) 8;
la plaisanf^et joyeuse liistoire du grand Gargantua. Valence 1547. 8,
suictzt als Toltisbncli: la vie du fameux Gargantua, le plus terrible
g^nt, qui ait jamais paru sur la terre. k Troyes.
***) ein anfang gemacht Ist in den traditions de Tancien dnch^
de Retz sur Gargantua (m^ro. de Tacad. celt 5, 392 — 95) und in
Tolkssagen aus dem Greyersland (Alpenrosen 1824 p. 57. 58.) aus
letztem entlehne ich was oben steht.
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314 RIBSBN
Zyvei htinen ^olinten der- eine auf dem EberstotD,
der andere auf Homburg, sie hatten zusammen nur eine
^xt, mit welcher sie ihr hol» spalteten, wollte der ebcr-
steiuer hüne an die arbeit gehn , so rief er liinüber nach
d^r llombiu-g, die anderthalb stunden ferne lag; sogleich
i4;arf der homburger hüne die axt herüben ebenso ge-
schah e^ un^gekehrt, wenn sich die axt auf dem Eber-
steine fand. Ebenso erzäliit eine gleiclifalls west^EÜiscbe
Überlieferung von dem hünen am Hünenkeller und an der
Porta, die sich ihr einziges heil zua^arfen,^) Die hü-
nen des ßrunsbergs und Wütbergs zwischen Godelheim
und Amelunxen warfen sich grojse kugeln, als bälk,
iiber die Weser (deutsche sagen no. 16,) Nachbarn waren
aiich der riese auf dem Weifsenstein und Remberg (in
Oberhessen.) sie hatten einen backofen beide gemdn-
schaftlich, der mitten im felde lag, wenn sie nun teig
kneteten, warfen sie einander steine zu, auf dies zei-
chen sollte holz zum ofenheia;en von des nachbars bürg
gebracht werden, einmal geschalis, dafs beide zu gleicher
zeit warfen ui^d die steine in der luft zusatnnienjuh^
Ten , **) die liegen noch heutiges tags mitten im feld ober-
halb INIichelbach, jedwedem steht eine grofse riesenhand
eingedrückt, ein andres zeichen gab der riese damit, dafs
er ßich am leib kratzte: es war 80 laut, dafs man es
jenseits deuljith hörte. - Oberhalb Nettelstadt am berge liegt
der Hünenbrink : hier haben vorzeiten hünen gewohnt,
•>velche n>it iju^es gleichen auf dem Stell (eine stunde wei-
ter) gute gemeinschaft hielten, wenn die einen buken,
und die andern wollten ein b rot mit gar haben, so war'»
Jen sie es nur herüber. Auch a[u Hüverdingsen, an der
^üdscite des schwarzen sees wohnte ein hüne , an der
nordseite s^u HiUe ein andr.er, und beide pflegten ihr brot
ZMsammpn zu backen, eines morgens glaubt der hüyer-
dingser hüne zu hören, dafs sein nachbar den backtrog
ausgeräumt habe und fertig sei; hurtig erhebt er sich vom
Jäger, nimmt seiucu teig und springj: über dei^ see. allein
der nachbar halte sich nur atn bein gekratzt: das war
das gcräusch gewesen. In AltehüfiPen hausten hünen, de-
nen nur ein einziges messer zu gebot stand, mitten im
dorfe ist ein stamm gewesen, darin hat das messer ge-
gcsleckl; wer es brauchte, holte es da, und brachte es wieder
an seinen ort. die slcUe, vw) der bfium gestanden, wird
*) Redekers westfälische sajren no. 36,
**) vrie Ht^ugnis hciu und Thors hammer (s. 306).
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HIESBN 315
pocli geaeigt« diete hünen, die man auch dutten nannte,
sind gar einfältige leute gewesen, und von ihnen schreibt
sich das Sprichwort her 'AltehiÜTien dumme dutten? Als
die gcgend umher ipfi^ner mehr angebaut wurde , gefiel es
den hiinen nicht mehr unter den neuen ankömmlingen
und sie zogen sich zurück, damals haben auch die dut^
ten zu AltehüiFen den entschlul's gefal'st auszuziehen, sie
wollten aber hin, und den eing^g in den hinimel suchen«
yrie es ihnen unterwegs gegangen, das ist nicht bekannt
geworden, zum spott wird ihnen aber nachgesagt, sie
wären endlich auf ihrem zuge an ein grofses, stilles, heU
les Wasser gekommen, ^vorip sich die klare luft spiegelte:
da hätten sie geglaubt sich in den himmel zu stürzen,
yrären hineingesprungen und ertrunken,*) Unverkennbar
geht aus so merkwürdiger einstimmung **) hervor, dafs
die riesen polkartig zusammenhielten imd auf bergen im
)and angesessen waren, dafs sie aber dem menschenge-
schlecht, welches man als ein nachrückendes volk betrach-
ten kann, allmälich wichen. Ihre steinwafBen wandelt
die sage in holzbeile und mesger, ihr kriegsgeschaft in die
friedliche handthierung des brotbacl^ens. Ein alter brauch
war , Schwerte oder messer in einen mitten im hof stehen-
den bäum einzustecken (fornald. sog. 1, 120. 121), an dem
einhauen des beils in den stock erprobte man des mannes
stärke (RA. 97.) Da^ springen in den blauen see ist mär-
chenhaft und wird sonst in andern fälbeln vorgetragen
(kinderm. 1, 343. 3, 112,)
Dieser sagen von geworfnen steinen , hämmern , und
dem harten fels eingeprägten riesenfingern sind allerwärts
14 Deutschland so viele, dafs ich nur einzelne auslesen
kanUf die den ton aller übrigen angeben. Trümmer einer
bürg bei Homberg in Niederhesaen zeigen die wohnung
einer riesin s^n{ zwei stunden seitwärts neben dem dorf
Gombpt liegt ein stein , den sie in einem wurf von Hom-
berg dahin schleuderte und die finger ihrer hand sieht
man dem stein eingedrückt Den Scharf enstein bei
Gudensberg hat ein riese im zorn hingeuforjen. Am
Tyrifjordens Strand bei Buru- in Norwegen liegt ein grofser
stein ^ den ein jutul im streit mit einem andern quer
iiber die bucht geworfen haben soll: in dem stein ste-
*) die vier letzten sagen bei#Redeker no. 37. 39. 38. 40. wenn
duiten appellativisch zu nehmen isti verstehe ich es nicht, aus dus-
u/i verderbt sejn kann es kauip*
t*) ich wüste nicht, dafi^ eiq andrer strich in Deutschland reicher
an rieiensagen wäre, als Westfalen und Ues^n.
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81« RIESBN
heu deutliche spuren seiner finger (Faye p. 15.) Eine
stunde weit von Dieren im Meifsnischen liegen ein quarz^
block und ein granitatein: jenen warf der riese von
Wantewilz gegen 'den von Zadel, diesen der riese von
Zadel gegen den wantewitzer ; doch beide fehlten, und die
steine fielen weit vom ziel nieder. *) Ebenso warfen zwei
kämpfer zu Refnäs und Asnäs ungeheure steine gegen ein-
ander, der eine stein heifst sortensteen^ der andere blak^
und in letzterm stehn noch die finger des werfenden
(Thiele 1, 47.) Ein gewisser schieferslein heifst nach Hal-
lager 53* in Norwegen Jypritling, weil ihn die riesin
(jyvri) mit butter überschmiert haben soll, und man noch
die spur ihrer finger daiauf sieht. Zwei riesen zu
Nestved versuchten sich im Steinschleudern^ der eine
warf nach Riislövkirche, doch der stein erreichte sie nicht;
von dem andern wurde mit solcher gev^alt geworfen, dafs
der stein über den steinwald wegfuhr und noch jetzt an
der landstrafse von Nestved nach Ringsted zu sehen ist,
(Thiele 1, 80 vgl. 176.) Im wald bei Palsgaard liegt ein
ungeheurer stein, ein jette ipar/* ihn dahin, weil ihm die
boffrau %\k Palsgaard, um die er buhlte, abschlägige
antwort ertheilt hatte, andere erzählen, ein jettemäd-
chen habe den stein aus Fühnen in ihrem Strumpfband
herüber geschleudert (Thiele 3, 65. 66. vgl. 42.)
Feindliche riesen, wenn einer in Verfolgung des an-
dern begriifen ist, springen schnelles laufs über dörfer
weg, und ritzen die grofse zehe an der thurmspitze,
dai's das blut in bogen sprützt und eine lache bildet (deut-
sche sag. no. 325.) beimr sprung vom steilen fels läfst ihr
fufs , oder der huf ihres rosses spuren im stein (das. no.
318. 319.) Auch des auf steinen ausruhenden, an felsen
sich anlehnenden riesen gestalt prägt sich der harten ober-
flache ein, z. b. Starcathers bei Saxo gr. 111.**)
Als schmiede, gleich den cyclopen, werden in un*
serer volkssage die riesen niclit geschildert, und das schmie-
den der waiFen bleibt den zwergen vorbehalten. Nur in der
heldensage schmiedet der riese Aspriän schuhe (Roth. 2029),
und Vade, der riese, läfst seinen söhn Velint erst bei
Mimir, dann bei zwergen schmieden lernen.
-Allein smidhr bedeutet in der altn. spräche nicht
*) Preiuker in Kruses deutsch, alterth. III. 3, 37.
••) Herod. 4,82: i'/ro? 'if|^«xJl#off q>aivQvai> h rtSrfii^ hhv,u
nova^ov, io Scytiiieo.
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R1E3GN 817
fab^, sondern überhaupt künstler, und nam<^ntlich bat^
meist er: als kimslreiche baumeister stellen sich- die rie-
sen , die urheber jener colossalen bauten des alterthuuis
(8.307) wesentlich dar* An den neun rlesensäulen bei
Äliltenberg sieht das volk noch die handgrilTe der riesen,
die damit vorhatten eine brücke über den Main zu bauen
(deutsche sag. no. 1^.)
Die bedeutsamste erzählüng steht in der edda selbst.
ein iötunn war zu den äsen gekommen, hatte sich für
einen Schmied ausgegeben und anheischig gemacht, in firist
von anderthalb jähren eine feste bürg zu bauen ^ wenn
man ihm Freyja und dazu sonne und mond bewilligen
wolle. Nachdem die götter zu rath gegangen waren, ent-
schlossen sie sich auf das anerbieten einzugehen, wenn
der riese den bau in einem winter^ ganz allein ohne
mannes hülfe, zu vollfuhren unternehme: sei den ersten
ftommertag etwas an der bürg unfertig, so werde er alier
seiner anspräche verlustig. Auf welche weise der schmied
den bau, blofs mit seinem starken pferd SpadJiilfari^
beinahe vollbrachte, durch Loki aber gehindert und von
Thörr erschlagen wurde, meldet Sn. 46. 47.
Dieser mythus ist nun , nach jener wunderbaren fluc*
tuation, die in echten Volksüberlieferungen oft wahrge«
nomnien wird . neugestaltet in andern zeiten und gegenden
forllebend. Ein deutsches märchen setzt den teufet an
die stelle des r lesen , wie in einer ganzen reüie von sa-
gen der teufel, nicht anders als der ältere riese, bauten
ausführt und steine schleudert: der teufel soll einem bauer
ein haus bauen und dafür seine seele erlangen ; aber ehe
der hahn Iräht, mufs er vollenden^ sonst ist der bauer
frei, der teufel verfallen. Schon nalit sich das werk dem
ende, eine einzige ziegel bleibt noch aufzudecken, da ahmt
der bauer den halmekrat nach, plötzlich erkrähen alle
hähne in der runde, und der menschenfeind verliert die
wette. Allerthümlicher lautet eine norrländische sage *) :
König Olaf von Norwegen gieng in tiefen gedanken zwi-
schen berg und thalj er hatte im sinn eine kirche zu
bauen, deren gleichen sich nicht finden sollte, allein er
sah , dafs er den bau nicht zu stand bringen könnte ohne
sein reich sehr zu beschweren. In dieser kümmernis be-
gegnete ihm ein maun^ seltsames ansehens, und fragte,
Olaf offenbarte ihm
') aus Zetterströms samlnng mitgetheilt im dritten heft der Idon«.
zweite auU. Stokb. 1816 p. 60. 61.
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818 RIESEN
teih Vorhatten, und der riese (troll) erböl sicli binnen
gewisser teit ganz allein den bau zu vollbringen, zum
lohn bedung er sich aber sönnä und hiörtd , oder den
heil, Olaf selbsti Olaf gieng darauf ein , entwarf aber
einen solchen plan zu der kirche, dessen aus Führung ihn
unmöglich dauchte: die kirche Sollte so grofs sein, dafs
sieben priester auf einmal darin predigen könnten, ohne
einander zu stören, die pfeiler imd zierrate, auswendig
und inwe*ndig, sollten aus hartem flinö gearbeitet werden
u. s. IV. Bald stand eine solche fertig da , blofs dach und
spitze felilten. Neubekümmert über den eingegangenen
bandet wandelte Olaf wieder durch berg und thal; auf
einmal hörte er in einem berg ein kind weinen iind eine
rieseöfrati (jätteqvinna) es mit diesen wollten stillen: 'zifs,
Äifs!*) morgen kommt fVind und fVetter dein valer
heim und bringt mit sich sonne und riiönd, oder den heil.
Olaf Selbst!' Olaf, froh über diese cntdeckung**) (denn
mit des bösen geistes uailien vernichtet man seine macht)
kehrte nach haus; alles war fertig, die spitze eben auf-
ges'etzt. Da rief Olaf: ^Vind och Veder l du har satt
spiran sneder!'*^*) sogleich fiel der riese, mit erschreck-
lichem krach , von dem kämm der kirche herab und zer^
brach in viele stücke, welches lauter flinssteine waren.
Nach abweichenden erzähhingen Mefs der }ätte Bläster
Und Olaf rief:
BlSster! sStt spiran Vä^ter!
oder er hiefs Slätty und Olaf soll gerufen haben:
Slätt! satt spiran rättlf)
In Norwegen selbst geht die nemliche sage um, der rie$^
heifst aber Shalle, und zu Nidarös erbatite er die präch-
tige kirche ; in SchonÄi von dem riesen Finn , der diei
kirche zu Lund erbaut und durch den heil. LaurentiüS
in stein verwandelt wird, ff)
Von einer andern Seite berührt sich aber mit der
^ddischen fabel folgende Überlieferung aus Kurland. In
dem dsenVenschen Kintegesinde liegen alte tnäuersteine in
bedeutender länge und breite sich erstreckend und dasvolk
erzählt: vor der pest (d. h. vor undenklichen jähren)
') die interjection nehme ich aas H. Sachs IV. 3, 8b ; der schweA
text hat: tyst, tyst!
**) fast ebenso, und mit gleichem erfolg, kommt im kbdeTB.
55 der name Rampenstilz heraus» vgl. 3, 98.
•••) Wind und Wetter, du hast die spitze schief gesetzt!
•f) B^läflter, setze die spitze nach wesf en ! Slätt, setze die spitze recht!
ff) Finn Magnussen lex. myth. 351. 352.
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RIESEN »19
wohnte in dör gegehd von Hase'npöt im dser wen sehen
Kintegesinde ein starker mann (riese) mit nanien Kinte,
CT konnte ungeheure eleinmasen hauen und glätten, und
selbst die gröfsten blocke fülu'te et mit einer einzigen
weifsen stute Zusammen, sein w^ohnhäu^ bautö er auf
felsen^ seine felder zäunte er mit stein^ällen. Einmal hhtte
er streit mit feinem libauschen kaufmann: um sich an ihm
zu rächen lud er einen stein TÖn zwölf füdern , spaiinte
Seine weiße siute vot, und fuhr nach Libau in der ab-
sieht, den fels vor des kaufmanns thüf zu wälzen. Vor
der Stadt angelangt durfte er aber nicht über die brücke,
man fürchtet^, sie würde unter der last brechen, und
verlangte, er solle den stein aus dem Stadtgebiet weg-
schaffen. Voll verdrufs that es der starke mann, und
^arf den stein an dem weg ab , der über Battenhöf nach
(jrobin führt; Da liegt er noch bis auf heute , vorbeifah-
tende Leiten zeigen und 'staunen ihn an. *) Des Kinle
weii'se stute gleieht dem Svadhilfari des nord. 8(^hmieds;
die. Störung des riesen in seinem bau erfolgt auf andre weise,
König Olaf bestand noch manches abenteuer mit rie-
sen und riesinnen. Als ei* in Hornsherred den hohen
slrandhügeln , wo eine riesin wohnte > vorbeisegelte, rief
sie ihn an i
S. Olaf med dit rode skiäg,
du Seiler for när ved min kjelderväg!
Olaf zürnte, und stfett das scbif durch die klippen zu len-
ken, drehte ers gpgen den berg, antwortend:
hör du kjerling med ro'k og med tecn,
her skal du sidde. og blive en steen !
kaum hatte er ausgeredet, so barst der berg, die riesin
wurde in einen siein perwandelt und man sieht sie noch
an der östlichen bergmauer mit roden und spindel si-
tzen; an der entgegengesetzten mauer entsprang eine hei-
lige quelle. **) Nach einer schwed. erzälilung wollte Olaf
durch Värmeland über den Vanersee nach Nerike segeln,
der troll rief entgegen}
kong Olof med dit pipuga skägg^
du segiar för när min badstugu vägg!
Olof versetzte: du troll med din räk och ten
skal bli i sten,
oeh aldrig mer göra skeppare men!
*) mitgetbeilt von Watson in den jahresrerhaiidl^ der karl. ge-
seUsch. a, 311. dl2.
**) danske viser 2, 12^ 18. Thiele 1, 32.
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320 RIESEN
die riesin u>urde zu steifiy der könig errichtete ein kreut
zu Dalbykifche in Elfdals lierred. *) den dän* reim führt
mau uucii folgendefmafsen an:
liör du Oluf rodeskjäg,
hvi seiler du igjennem vor stüeväg?
und etat du der og^ bliv til steen,
og ingen dannemand* mere til meen.**)
Die norweg. sage selbst lautet so: das gebirge Horneleii
auf Bremanger Meng vormals mit Maröe zusammen, wird
aber jetzt durch einen sund davon getrennt. S. Olaf kam da-
her gesegelt und gebot den klippen sich zli sondern, damit er
hindurch fahren könne, es geschah; doch augenblicklidi
sprang eine riesin aus dem berg und schrie:
sig du mand med det hvide skjäg
hvi Splitter du saa min klippeväg?
Olaf entgegnete: stat trold nu evig der i steen,
saa gjör du ei nogen mand meer meen. •
so geschahs und das Steinbild steht noch auf der felsen-^
mauer (Faye 124.) Olafs rother hart gemahnt an dea
des riesenfeindes Thurr (s. 120); pipuga skägg scheüaC
gleichviel mit pipsiägg , keilförmiger, spitzer hart, \rjrf
Ihre anführt, der norweg. reim hat den weifsen harti
solche abweichungen , und die Varianten kellermauer,
badstubenmauer, klippenmauer verbürgen der tradition
ihre volksmäfsigkeit. es wird nicht befremden, w^enn ich
ein noch älteres Vorbild der ganzen Überlieferung in der
edda selbst nachweise. Als Brynhildr mit ihrem geschmück-
ten wagen den *helveg' fuhr, kam sie an einer g^gr Woh-
nung vorüber; die riesin trat ihr mit den Worten ent-
gegen: skaltu i gögnom g4nga eigi
grioti studda gardha mina! Saßm. 228*
und nun entspinnt sich eine wechselrede, die von Bryn-
hildr mit dem ausruf geschlossen wird
seykstu g^^gjarkyn (vgl. obeti s. 282)
das haus der riesin ist aus steinen kunstreich gefügt; die
späteren reime reden von keller und badstubc , die rierfn
erscheint -als hausfrau mit roden und spindeL recht und
heiligkeit des hausfiiedens werden gekränkt, wenn fremde
hindurchfahren.
Dicht an Romsdalshorn in Norwegen liegt ein bei^,
Troldtinder genannt, dessen vorragende zacken von riesen
') Fernows Vänneland p. 323. ,
**) N>erups karakteristik af Christian 4. p. IT.
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RIESEN 321
hermliren, welche Olaf in steine verwandelte, als sie
ihn hindern wollten in Romsdal das christenthum zu pre-
d^en.*)
Nach Saßm. 145*> scheint es, dafs die rlesen, gleich
den Zwergen, das tageslicht zu scheuen hahen, und vom
aabrechenden tag überrascht in steine verwandelt wer-
den. *dagr er nü', ruft Atli der Hrlmgerdhr zu, «hafnar
mark thyckir hloegligt vera, thara thu t steins liki
stendr,^
Seltsame, menschähnliche gestalten, die sich am tropf-
stein, flins und sinter im kleinen,, an basalt und granit-
frfsen im grofsen bilden, haben eine menge solcher vor-
stelkmgen von versteinerten riesen erzeugt und genährt*
die alte und volksmäfsige gebirgsteiminologie bedient sich
überall der benennungen einzelner theile des leibs, und
den bergen wird haupt, hals, rücke, achsel, bein, fufs
beigelegt (RA. 541.)
Hier treten auch mehrfache beruhrungen und ver-
scäiicbangen der sage von zwergen, wald und Wassergei-
stern mit den riesen ein, wie schon der allgemeinere aus-
druck troll in nordischer Überlieferung anzeigt, ber^voh-
nende zwerge unterliegen gleich den riesen der Verwand-
lung in steine. Rosmer havmand (meermann) springt
oier fliegt, wie es sehr bezeichnend heifst, in stein.**]
Vorzüglich aber läfst sicli keine scharfe grenze ziehen
zwischen riesen und den wilden, rauhen waldgeistern^
die s^270 — 274 abgehandelt wurden, im walde der bin-
genheimer mark sieht man die steinsilze der wilden leute^
die ^a vorzeiten hausten , und ilu-e handgriffe an den
steinen (deutsche sag. no. 166.) Im gasteiner thal, erzählt
Muchar s. 137, wohnten bei menschengedeuken noch
*) Faye 124 nach Sciionings reise 2, 128. Sanct Olafs saga pä
svenske rini ed. Hadorpli p. 37: 'ett troll, som draap X man, liun ^/or-
dit i stena, och gtander an; flere troll han och bortdref, sidan fol-
<^kit i frijd blef.' Gewisse runde, topffonni^e löcher, die man in
bergen findet, sind nach dem norweg. Volksglauben von riesen gebil-
det, sie heifsen jätteßrjter , troldgrj^ler, aber auch S. Öles gryter,
(Hallager 53b).
'*) danske viser 1, 223 Mian sprang saa vildt i bjerget om» og
hUp til Jlinieslen sorte.' 1, 233 *Btt9L ßöj han bort i roden ßinf, og
blev saa borte med alle.' 1, 185 von einer bösen Stiefmutter: 'hun
sprang hört i ßintesteen. Aber auch H. Sachs sagt IIJ. 3, 3l.i 'vor
Zorn zu einem stein springen^; das. 53b »vor sorg zu eim stein sprio'-
gen'; IV. 3, 97d 'vor leid wol zu eim stdin möcht springen.' Hef-
tig erschütternde gemütsbewegungeu machen das leben erstarren und
verkehren es in kalten stein.
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822 RISSEN
wilde männer j defen gescUecht seitdem auaatarb. einer
der letztem versicherte, er habe den Saliesenwald am
Slubnerkogel neunmal *mair werden' (absterben und wie-
der aufgrünen) sehen: es gedenke ihm, wie der Bock-
steinkogl im Kötschachthal die gröfse eines kranawetvogk,
das mächtige Scliareck die eines semmelweckens gehabt
Jene männer besafsen riesenstarke : eine pßugsc/uir üb^
das ganze t/ial zu werfen vrar ihnen leicliter wurf.
einst lehnte ein solcher mann seinen stock an das reiter-
bauernhaus, und das ganze haus bebte, Sie wohnten in
einer unzugänglichen hole am linken Acheufer zu eingang
der Klamm; vor ihrer hole standen apfelbäume, mit den
äpfeln warfen sie scherzhaft auf vorbeiziehende Wande-
rer, man sieht noch Überreste ihres hausrats« sie waren
den thalbewohnern mehr hold als feindlich, und stellten
ihnen oft butter und milch in menge vor die liausthüren.
Dieser letzte zug stimmt eher zum wesen der zwei^ge und
elbe als der riesen«
In die riesenart greift aber ganz ein , was s. 274 über
den menschenjr essenden liuorco oder ogre mitgetheft
wurde, gleich ihm gelüstet es den steinschleudernd«
cyclopen in der odyssee nach dem fleisch der menschen;
und wiederiun ist ein tartarisclier riese Dep4gh6z (sdiei-
telauge)*) zwischen Polypheni und G<irgantua in der
mitte stehend, als kind saugt er alle ammen aus, die ilun
ihre brüst reichen ; dem erwachsuen müssen die Oghuzier
täglich zwei mensdien und 500 schafe liefern. Bissat der
held brennt ihm mit einem geglühten messer das äuge aus.
der blinde riese setzt sich vor die thüre und fühlt jeden
hinausgehenden bock an. ein pfeil, auf seine brüst abge-
schossen, drang nicht durch, er ruft *was quält niicb
hier eine fliege?' Auch im indischen Mahabharata wird
Hidimbaa ein riese (rdkschasas **) ) als menschenfresser,
misgestalt und rothbärtig vorgestellt: menschen fleisch wit--
tert er von weitem ***) und befiehlt Hidiniba, seiner
Schwester, es herbeizuholen, die sich, wie in den kindtf*-
märchen die frau oder tochter des Ungeheuers, des schla-
fenden beiden erbarmend annimmt.
*) von Diez: der neuentdeckte oghnzische cyklop verglichen mit
dem liomerUclien. Halle und Berlin 1815.
*') Tevetats Wiedergeburt (Reiuliart cclxxxi) eine rakscbasi, rie*
■in, kein tliier.
••') 'ütark wirkt menschengenicli wahrhaft, erquikt weidlich Hie
nase mir.' Arditcimnafl rei^e von Bopp p. 18. ebenso in unsem när-
cben (oben 8.271.)
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RTB6EN 328
Von soldier grausamen blutgicr wissen die deutschen
riesensagen nichts^ selbst der nord. iötunn ^vlrd nirgends
als mensch enfresser vorgestellt, wie der griechische und
morgenländische riese^ unsere rlesen sind um ein gutes
theii treuherziger, der menschenhüdung an gestalt und
sinnesai^t näher: ihre Wildheit übt sich am liebsten jn
mSchiigen steinwürfen, bergversetzungen und Ungeheuern
bauten.
In lebendiger volkssage hat sich die eigenlieit der
einheimischen riesennatur am treusten fortgepflanzt; die
riesen der dichter sind weit weniger anziehend, und zu-
mal in den aus romanischer poesie entlehnten fabeln im-
mer nur mit allgemeinen zügen geschildert. Harj>in, ein
riese im Iweiu fordert eines ritters tochter, hängt ihm die
söhne auf und verheert das land (4464. 4500) *) : als er
getödtet wird, fällt er wie ein bäum zu boden (5074.}**)
noch unbedeutender erscheinen zwei riesen 6588 ff. Auch
im Tristan ist die beschreibung des riesen Urgan (15923)
wenig mehr belebt, er verlangt zins Von rindern imd
Schafen; seine abgehaune hand will er wieder anheilen
(16114.)***) Schon hessere färbe haben die riesen in den
gedichten aus dem kreis der heldensage. Kuperan (Cii-
priän, lieldens. 171) im hüra. Sifrit herscht über tausend
riesen , er hält eine geraubte königstochter eingeschlossen,
den riesen im könig Rother gehricht es nicht an treffen-
den zügen (vgl. 8. 306) , auch nicht Sigen^t , Ecke und
FasoU (s. 146.) wenn der schlafende riese alhmet, biegen
sich die baumäste (Sigen, 60), er rauft häume aus in dem
tann (73. 74), bereitet pfundige schübel (wieken) von lei-
nen zum hinden der wtmden (113), nimmt den held un-
ter die uclmen imd trägt ihn fort (110. 158. Hag. 9
Lafsb.) Eine, riesin im Wolfdiet. trägt Iield und rosy
gleich dem eichhorn springend , 72 meilen übers gebirg
in ihre riesenklause ; die riesin im Volkslied (Aw. 1, 161 j
mann und pferd auf einen meilenhohen bergy vro zwei
*) ein rUe Min^el al der lande. ^ Bit. 6482.
••) zu bemerken ist, dafg sein gebein vor dem hurgthor aup^e^
wahrt wird (5851), wie Fiscliart Garg. 41* *«agt man von risen lAd
hfliloen, zeigt ihr gebein in den kirchen, unter den ratsheusern.*
So bangt in der kirclie der heidenjungfrau tropfende rippe (deutsche
Mg. 140) und ihr gelblockiges haar (das. no. 317); man bewahrt im
scblofs den rieaenknochen tdas. no. 324.) Höruer eines riesenrinds in
der Vorhalle de« tenipels angenagelt (Niebuhr rum. gesch. 1 , 407.)
•••) häufig sind die romaniscliea riesen pfortner und brücken-
wächter.
21*
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824 RIESEN
gesotten liegen und 6iner am spiefs (also doch spur von
andropliagen) : sie bietet dem lield ilire tochter an, und
als er entrinnt, schlägt sie mit einer keule, dafs alle
blumen und blätter des waldes zittern. Rütze, des riesen
Welle Schwester im heldenbuch nimmt einen bäum für
eine Stange, mit wurzeln und ästen, dafs zwei wagen sie
nicht gefahren hätten; ein anderes weib *von wil-
der art' geht über alle bäume und bedarf zweier rindes
häute zu ihrer beschuhung. Riese Langbein (danske vis.
1, 26) schläft im wald und wird von den beiden auf-
geweckt.
In Überlieferungen des norwegischen und schwedischen
Volks wird noch manche unbekannte und ungesammehe
riesensage *) fortleben , und auch bei uns in Deutschland
einiges aus mündlicher erzählung zu gewinnen sein, aus
bächern weniger. Der thurgauer Eishere (d. i. Egisheri,
terribilis exercitus) bei dem möncli von S. Gallen (Perti
2, 756) ist ein riesenmäfsiger held, kein riese.
Von opfern, die riesen, wie freundlichen elben und
liausgeistern , gebracht worden wären, von einem riesen-
cultus nirgend mindeste spur, nur in beschwürungen vird
Fasolt, der riese des Sturms angerufen: er kann dann
aber für einen halbgott gelten, gleich Thorgerdfar und
Irpa, die im Norden augebetet wurden.
*) Hülphers 3, 47 erwähnt in Herjedal Möjlige berättelser ob
fordna jätiat\ oiiue darauf einzugehen.
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ELEMENTE 325
CA.P. XV. ELEMENTE.
NacLdem wir gütler, lialbgötter uod heroen, die
ganze schar freundlicher oder femdlicher wesen betrach-
tet haben ^ die den menschen geistig oder leiblich überle-
gen zwischen ihnen und der gottheit eine mitte ausfüllen;
richtet sich unser blick auf einfache erscheinungen der
natür, welche von jeher durch ihre stille gröi'se unver-
kennbare, unmittelbare gewalt über das menschliche ge-
müt ausüben, diese alldurchdringenden , alles in sich auf-
nehmenden, überall vortretenden urstofTe müssen ihm
schon an sich, ohne dafs sie in nähere beziehung'zu gött-
lichen wesen gesetzt werden, heilig sein, ein solclier be-
z«g bleibt in keiner mythologie aus, er kann aber nicht
hindern , dal's den elementen eine gewissermafsen davon
unabhängige eigenthümliclie Verehrung zugewendet werde.
Auf der andern seite erwäclist aus dem grund und
boden dieses elementardienstes niemals die eigentliche re-
ligion eines Volkes ; der glaube selbst entspringt vielmehr
in der geheimnisreichen fülle übersinnlicher ideen, die
mit jenen stofPen nichts gemein hat, sondern sie sich un-
terwirft. Aliein der glaube duldet die heiUghaltung der
demente in seinem geleit, er nähert und vermischt sie
mit sich, und sie kann sogar, wenn er untergeht oder
vergröbert wird, unter dem volke fortwähren und länger
anhalten. Der gemeine häufen läfst seine grofsen gotthei-
ten fahren und beharrt doch noch eine Zeitlang in dem
cultus vertraulicher hausgütter; auch ihnen entsagt er,
und behält seine scheu vor den elementen. Die geschichte
des heidnischen und christlichen glaubens Jehrt, wie lange
nach Vertilgung jenes und befestigung dieses eine menge
abergläubigcher gebrauche fortdauerten, ja heute fortdauern,
die mit Verehrung der demente zusammenhängen, es ist
der letzte , kaum auslilgbare heidnische Überrest.
In solchem sinu habe ich mich bereits oben (s. 68 —
70) über einen nalurcultus unserer vorfahren erklärt, den
rrtUic Zeugnisse beglaubigen, die man verkehrterweise ge-
gen gütler des heidentluuiis zu gebrauchen pllegt. die göl-
ter standen und fielen aus andern Ursachen.
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S26 ELEMENTE
Das lautere, linuende, quellcDde und versiegende
w asser, das leuchteDde, erweckte und erlöschende feaer,
die nicht den äugen, aber dem ohr und geriihi yeruehm-
bare luft , die nährende erde , aus welcher alle« wächst
und in welche alles gewachsene aufgelöst wird, erscheiDeo
dem menschlichen geschlecht von fi*üher zeit an heilig und
ehrwürdig; gebrauche, geschäfte und ereignisse des lebens
empfangen erst durch sie ihre feierliche weihe, weil sie
in unablässig reger thätigkeit und kraft auf die gesamte
nalur einwirken, widmet ihnen der kindliche mensch Ver-
ehrung, ohne dafs uothwendig ein besonderer gott da-
zwischen tritt, noch heute erweckt die herrlichkeit und
macht dieser urstoffe unsere bewunderung; wie hätte sich
das alterlhum seines anstaunens und anbeteus erwehren
können? solch ein cultus ist einfacher, freier und wür-
diger als das dumpfe niederknien vor bildern und göfzen.
Dieselben demente gewährten reinigung, hedung, be-
fricdigung, der beweis durch gottesurtheile beruht grofsen-
theils auf ihnen ; der mensch aber muste sich ilirer in der
lautersten gestalt und zur gelegensten zeit versichern.
Wir wollen alle der reihe nach erwägen«
I. WASSER.*)
stellen , welche ergeben , dafs Alamannen und Franken
flüsae und quellen verehrten , sind s. 68. 69. 70 und im
anli. XXX — xxxYU beigebracht.**) das Volk betete am ufer
*) goth. vat6^ altn. vatn^ ahd. wazar, alts. watar, tLgs.väter;
dem lat. aqua entspricht goth. a/ua, ahd. o/m, ags. ed, altu. tf,
aber die bedeutuDg ist fluvius. goth. i^^gs^ ahd. wäc ist fluctiu, flut.
**) wenn ich mich der bui chardisclieu samloDg liier, nnd bei
andrer gelegeoheit, für den deutschen aberglauben bediene, so über-
lefce ich wol, dafs sie in den meisten fölleu (nicht überall) aus cofl-
cilien schöpft, die uicht in Germanien, sondern in Gallien, Italieo,
Spanien gehalten worden. Erwägt man inzwischen , dafs bis zum H.
9 jli. deutsche Völker sich durch alle diese länder ergossen hatten, daf^
die ags. und laugob. gesetze, der capituinrien zu geschweiften , ^Icidi
jenen concilienschlüssen gegen wasser, bäum and steincnltus eifen,
dafs ihn Agathias und Gregor von Tours ausdrücklich den Alamaun««
und Frauken zur last legen ; so ergeben sich diese superstitioneo aU
etwas gemeinschaftliches für italische, gallische, germanische Völker-
schaften, wovon sich weder die eine noch die andere ausschlie&ea
läfst. Man hat aus Agathias und Gregor erweisen wollen, unsere vor-
fahren hätten blofsen natnrdienst, keine götter gehabt, für gleir^
uncritisch wurde ich lialten , wenn man , gewissenuafsen umgekehrt,
Agathias und Gregor verdächtigen wollte, ihre behauptungen aus kic-
chen verboten hergenommen zu haben, die ursprünglich Deutschland
•rar nicht aiigiengen. In die weltliclien gesetze scheinen solche ver-
böte erst durch die capitulariou geratheu; die äkeru volksrechte hat-
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WASSER HEILAWAC 327
des flusses, am raiid der quelle, zündete lichter an,
stellte opfergaben hio. es beifst: fontibus veneratiouem
exhibere, ad foutanas adorare (vgl. leg, Liutpr. 6, 30),
ad fontes votum facere , reddere , exsolvere , orare ad
fontes , offerre ad fontes , munus deferre , ad fontes lu-
minaria facere, candelam deferre. dies letzte gescbab wol
mir 9 oder hauptsäcldich abends und nacbts, "wo die wi-
derscheinende flamme in der flut den schauer der anb«-
tuog erhöhen musle.*) Auch die Sachsen waren fonticolae^
in den ags. gesetzen werden vyllaa und flödväter als ge-
genstände der Verehrung genannt ; ob man aus der s. 70
angezognen altn. sage, die der uötn erwähnt, auf einen
Avirklicheu wassercultus in Scandinavien schÜefseu darf,
\veifs ich nicht: fast scheint -die stelle ejner lat. ausländi-
schen nachgeahint. an sich selbst ist die heilighaltung des
Wassers unbez weifelbar. ein eddisches lied hat gleich im
beginn die merkvfürdigen worte: *hnigo heilög vötn af
himinfiullom.'
Vorzugsweise verehrte man den ort, wo das wunder-
bare element aus dem schofs der erde hervorspringt; quelle
heilst in der alten spräche ursprinCj aber auch prunno**)
Wasser, zu heiliger zeit, mitte^achts vor Sonnen-
aufgang, in feierlicher stille, geschöpft, führt noch spä-
terhin den namen heilawäc, heilu>Acj heilu^asge, die
erste form, mit haftendem compositionsvocal nach langer
sUbe, zeugt für das alter des ausdrucks, dessen bedeu-
tung ihn gegen änderung sicherte. MS. 2, 140*>: %an seit
von heilawdge uns vil, wie heil, w^ie guot ez st, wie
gar vollekomen der ^ren spil, wie gar sin kraft verheilet
swaz wundes an dem man vers^ret ist.' Martina 116:
<got, du fröude flüzzic heilatpäc*, und in ähnlichem sinn
248. 283. mit anwendung auf Christus und das kreuz
Mar. 224; ^er boum ist gemeizzen, da daz heilu^cege
von becliumet, daz aller werlte gefrumet.' allgemeinere
anführungen 'ein heilwdge^ Diut. 1, 352 und noch in
Anshelms berner chronik 1 , 308 ^heilwag^ unter andern
Segen und zaubermitteln. zuletzt bei Phil. v.Sitlew. (Strafsb.
1677) 1, 483: *das fliefsend brunnwasser, so man in der
ten keloe bafse fftr abgütterei, nur die ags. ddmas des Vilitned cap.
13 setzen sie auf deofol^ild im allgemeinen.
*) Weihnachten schaut man mt lichtem in den brunnen (abergl.
XLVII, 14.)
••) von prinnan (ardere) , wie s6t , ein anderes wort fftr brunne,
von siodan (fervere) und welle (fluctus) von wallan (fervere) kommt,
sual (subfrigidtts) von suelan (ardere) vgl. gramm. S, 29. 84.
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328 WAS&ER HBILAWAC
heil, welbnacht, 60 lang die glock rwülfe sclilägt, eamkt,
und heiliPag genannt wird, ist gut wider nabelwebe'
(abergl. 804.) In diesem heilawäc zeigt sich uralte mi-
scliuug heidniscber brauche mit clu*istlicben. das yolk
glaubt, bis auf unsere tage, zu Weihnachten oder ostern
nachts um XII , oder zwischen XI und XII , wandle sidi
hrunnencvasser in wein (abergl, 54. 792); diese annähme
leitet sich auf die vorslclluug zurück, dal's die erste ma-
nifestalion der gotlheit des heiiandes bei der hochzeit zu
Cana, wo er wasser in wein verwandelte^ geschehen
sei; Weihnachten aber begieng man epiphanie oder iheo-
phanie (s. 173), gehurt und taufe, und verband damit die
erinnerung an jenes wunder: dafür galt der besondere
ausdruck betphania.*) Schon Clirjsostomus predigte im jähr
387 auf epiphaniastag zu Antiochien, dafs man an diesem
fest mitternachts wasser schöpfe und jahrelang als ein
immer' frisches, unverderbliches (ohne zweifei zu wnmder-
thätigcm gebrauch) aujhehe**) abergläubische Chrislen
ualimen also zweierlei an, heüigimg des wassers in der
mitternacht des tauftages und Verwandlung in wein zur
zeit der belliphanie; solches wasser nannten die Deut-
schen hei/awdc***)^ und legten ilim hohe kräfle zu, es
sollte kraukheilen, wunden heilen und nicht verderben.
Vielleicht wurde schon in Syrien ein altheidnbches
<vasserschüpfen durch jene deutungen verschleiert. In
*) Christi erste crscheinnng war seine gehurt, die aweite seine
taufe (liclitmesse) , die dritte jene canische hochzeit: Tertia apparitio
fuit postea simiiiter eodem die anno revoluto cum esset 30 annoram
et 13 dieruro, sive qnando raauifestavit se esse deum ffcr mutationem
atjuae in vinum^ quod fuit primum miraculum apertum, quod domi-
nus fecit in Cana Gaiilaeae, vel simpliciter primum quod fecit et
haec apparitio dicitiir betliphania a i^z/iw, quod est domns, et ap«-
yffv, quod est apparitio, quia ista apparitio facta fuit in domo in
nuptiis. de his tribns apparitionibus fit solemnitas in hac die.' Da-
rantis ration. div. ofßc. G, 16. Die kirche vereinigte drei erscheinuu-
geu in eines festes feier.
••) toni. 2. (ed. Montfanc. Par. 1718) p. 369: önt to* tovto x«»
ftfaovvHTl({) xaree ri)v toorrjv ravr^y unuvT f g vd Qft'anfKr<^*
oVxu&i Tce vafiura nrtorlO-fvrat^ xul tig tvtuvroy oXoxiUfQQf
qtvXuTTonaiVj uri dij oruu{jov ayiaaO^iyrwv tüv vddrtay xul %o tf^-
futov ylvtTtu huQyiq ov dt.aq>0-fi,Qotikvrjq rijq rüv v6aTi0r
lxfivit}v ipvafon; rot fttjxn rov /^>o*'oii, liJLA' flq hiavvov oloxkr^itof
xnl Ji'/o xul TQia noXluxiq trij rov at^fifQov dvrXrjd-tyroq ilxfQttiov xai
VHtQov nhoviog^ xul /ifrd luöuvrov XQorotf roVg uqtp itav nijyftiif ^^^
nuaf/ifoti' vduoiv u^iXXo)/ifyov.
•••> auch heiltiivin? Frauenlob MS. 2, 2l3b von dem ^heüit^in
trngt'udeu j^arten/
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WASSER HEILAWAC 829
Deutschland weisen andere umstände unversteckt auf heid-
nische heiligkeit des wassers, das aber nicht zur mitter*
nachtstunde, sondern frühmorgens vor Sonnenaufgang
geschöpft werden muste, stromabwärts und stillschwei-
gends (abergl. 89. 775), gewöhnlich am ersten ostertage
(775. 776), auf den jene auslegungen weniger gerecht sind:
dieses wasser verdirbt nicht, verjüngt, heilt ausschlage,
kräftigt das junge vieh.*) Zauberwasser, zu unchristlichlr
Weissagung diensam, soll sonntags, vor Sonnenaufgangs
an drei fliefsenden brunnen , in ein glas gesammelt
werden ; und vor dem glas wird , wie vor einem göttli-
chen wesen, eine herze angezündet (anh. s. lx.) **) Hier-
her nehme ich auch eine s. 36 berührte hessische volks-
sitle.* am zweiten ostertag wandeln jüngÜDge und Jung-
frauen zum holen stein des gebirges,' schöpfen wasser in
der lulden quelle, das sie in trügen heimtragen^
und werfen blumen zum opfer hin. Wahrscheinlich war
dieser wassercultus zugleich celtisch: im wasser des fel-
senbrunnens Karnant wird ein zerbrochnes Schwert wie^
der ganz, aber
*du muost des ursprlnges han
uuderm velse, ^ in beschin der tacJ* Parz. 254, 6.
anhang p. cxix, 29 ist mit merkwürdigen gebrauchen ge-
schildert, auf welche weise sich am ersten maimorgen
junge mädchen (der pyrenäengegend) in dem, quellwasser
u^eissagen] das. no. 33 wie wasser, mitternachts auf
Johcinnis geschöpft, fieberhcilende kraft hat.
An die eigeuthümlichkeit der gesund brunnen ***)
braucht hier nicht gedacht zu werden; es ist die allge-
meine kraft des erfrischenden, stärkenden, ncubeleben-
den Clements, x) viele örler in Deulschland heifsen Heil-
bitinn, Heilborn, Heiligenbrunn, von der verjüngenden
Wirkung ihrer quellen oder den wunderbaren heiluiigen,
die sich dabei zugelragcn. Heilbronn am Neckar wird in
*) Jiil. Schmidt Reiclienfels p. 121.
*•) der gebrauch könnte, wie anderes von Hartlieb nnjrefulH-te,
dem clagjiischen alterthuni gehören. ■ auch bei der ynnTQOftavifla^ der
Wahrsagung aus einem wasserangefullten , baurliigen gefiifs (/«or(>//)
kommt die fackel und der iniheßeckle knahe vor. Potters archaeol.
1, 764. F'abrioii bibliogr. antiq. ed. 3. p. 600.
V) auf die man schon zur Römerzeit, und wahrscheinlich frü-
her, achtete, vgl. Luxeuil oben s. 54.
t) ein mensGh von der otter gebissen stirbt nicht, wenn er eher
als die otter, über das nächste wasser springt, Lenz schlangen-
kuode p.208.
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830 WASSBR HEILAWAC
den öltesten Urkunden Heilacprnnno genannt.*) aber
einzelne quellen und bninnen können vorzugsweise in an*
8elin gestanden haben.**) berühmt ist der altn. l/rrfAr-
hrunnr (8.230.) ein dän. Volkslied (1, 318) gedenkt der
JUaribokilde, durch deren lauteres wasser stücke eines
zerhauenen leibs wieder zusammengefügt werden, des
altfries. briinnens, aus welchem stillschu^eigends ge-
8?liüpft werden muste, ist s. 145. 146 erwähnt. Das niit-
tclaller unterhielt die Vorstellung von einem Jungbrun-
nen ***) : wer darin badet , heilt von krankheiten luid
wird davor bewalirt ; Raucheis legt darin ilirc haut ab
und wandelt sich in die scliüne Sigeminne (s. 245) ; ein
solcher brunne hat auch die kraft^ das geschlecht der ba-
denden zu verändern. •{•)
In einer quell j bei Nogeut badeten abends uor Jo^
hannis männer und frauen _(anh. cxix, 33.); Holbergs
histspiel 'kilderejsen' gründet sich auf die sitte des kopen-
hagner volks , *«S. Hans ajten^ nach einer benachbarten
quelle zu wallfahrten, und sich in ihrem wasser zu hei-
len und zu stärken. Wich liger ist die einstinunende be-
schreibung Petrarchas von einem noch zu seiner zeit Ler*-
gebrachten bade cülnischer frauen in dem Rhein: sie ver-
dient ausführlich eingeschaltet zu werden ff), weil sie
*) Böhmers reg. Karolor. nr. 740 (a.841); Ecc Fr. Orient 2, 893*
**) legften Heiden die wunderkrafl einer quelle ihren wiild oder
wassergeifftern zu, so übertrugen Christen sie nachher auf ihre heilt*
gen. ein beispiel nehme ich ans den miraculis S. Agili, die im 12 jh.
niedergeschrieben wurden: an dem hack des heiligen jigilus gescha*
hen wunderbare heilungen. sed Interim quorundam vesaniae occurrere
Übet, qui in digito dei nequaquam haec fieri aestimantes, daemonia^
coe^ pro nefas, attribuunt potestatL cumque miracula diffiteri ne-
queunt, id solum in causam calumniae adiumunt, quod in agresH
fiunt loco , ubi nullus dei cultus , ubi nnllae sanctorum memoriae.
u prudentiam! verentur homiue« sublimi ingenio, ne ad ludibriom
mortalium a faunis^ nymphis vel satyrist ceterisve ruris numinibus
res geratur ejusmodi. nam ut de fabulis taceam, apud quos historia-
graphurum veterum seu modernoium iegitur daemones visum coecia,
roenteni amentibus, manus debiübus, gressum claudicantibus restau-
ras^? (acta Bened. sec. 2. p. 333.)
•••) gleichbedeutig das alid. quecjtrunno, mhd. quecprunne Pars.
613, 9. fragm. 18, 267.
f) vgl. die im mus. f. altd. lit. 1, 260 — 63 aus Montevilla, dem
Titurel und H. Sachs angeführten stellen.
ff) Franc. Petrarchae de reb. familiär, epistolae lib. 1. ep. 4 :
Aquis digressum, sed prius, unde ortum oppidi nomen putant, aquis
bajano more tepentibus ablutum excepit Agrippina Colonia, quae ad
sinistrum Rheni latus sita est, locus el situ et flumine clarus et po-
puio. luirum iu terra barbarica quanta cifilitas, quae orbis specie«.
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WASSBft HBELAWAC i»l
deutlich lekrty da£s dieser cultus nicht hlofs in einzehien
quellen, aondern in Deutschlands gröfstem fiusse statt fand«
Aus des Italieners unbekanntschaft mit ^em hergang soUte
mau folgern y dafs er in dem lande , von welchem alle
kirchlicheu gebrauche ausgiengen, fremd, also überhaupt
uncbrlstUch und heidnisch gewesen sei. vielleicht aber
hatte Fetrarch keine genaue kimde aller sitten seines va-
(]uae virorum gravitas, quae manditiae matrouanim. Forte Johannis
baptistae i^igilia erat dum itluc applicni, et jam ad occideutem sol
vergebat: coufestim aoiicorum monitu (nam et ibi amicos prius milii
fama pepererat quam nieritum) ab bospitio traducor ad fluvium insigne
spectaculuiu Visums, nee faltebar. vmräs euini ripa praeclaro et in^
geuti muUerum agnune tegeüaiur» obstupui, dii boni, quae forma,
quae facies, quis babitus! amare potuisset quisquis eo non praeoccu-
patom animum attulisset. In loco paullum altiore coustiteram, nnde
in ea, quae gerebantnr, iutenderem. incredibilis sine offensione con-
cnrsus erat, vicissinique alacres, pars herbis odorifttrU incinctae,
reductisijue post cubitum manicis ^ Candidas in gurgile manus ac
hrac/iia lapabmtt , nescio quid blagdum peregrino murmure colloquen-
itüf» Vix nnnquam clarius intellexi, quod Ciceroni placet, et veteri
proverbio dici solet: inter linguas incogoitas omnes propemodum
surdos ac mato« esse unum mihi solatium gravissimorum interpretum
iioD deerat nam et boc inter cuncta mirabere, coetum illud Spiritus
pierios alere, itaque dum miratur Juvenalis quod
Gallia causidicos docuit facunda Britannos,
niirctur itidem : doctos quod argutos aluit Germania vates.
at, ne me auctore fallaris, scito ibi nullum Maronem esse, Nasones
plorimos, ut dicas verum fitisse praesaginm, quod in fine libri me-
tamorphoseos multnm vel posteritatis gratiae vel iugenio suo fidens
poQit. siquidem qua romana potentia, seu verius qua romanum nomen
domito orl)e se porrigit, plausibiliter nunc faventis populi ore per-
le;^itur. His ego comitibus, ubi quid audiendum seu responden-
dam incidit, pro lingua et pro auribus usus sum. Unum igitur ex
eo numero admirans et ignarus rerum percuactatus vergiliano illo
Tersiculo
quid vult concursos ad amnem,
quidve petunt animaeV
responsum accepi: pervetuaium geniis ritum esse ^ TUlgo persuasum,
praesertim femineo, omnem iotius anni calamitatem imniineniem
jßut/iali illius diei ablutione purgari et dcinceps laetiora succedere,
itaque lustrationem esse annuam^ inexhanstoque seniper studio cultam
colendamque. Ad baec ego subridens 'o nimium feliccs* iiiquam ^R/ieni
accolae, quoniam ille miserias purgat, nostras quidem nee Padus
noquam valuit purgare nee Tiberis, vos vestra mala Britannis Rheno
Tectore transmittitis ; nos nostra libenter Afris atque lllyriis mittere-
remus, sed nobis (ut iiitelligi datur) pigriora sunt flumina.' com-
moto riäu sero tandem inde discebsimus. Die spiritus pierii, welche
damals (Petrarcli mufs vor 1340 zu Cöln gewesen sein) den gast zum
Rliein fülirteu* sind verschollen, erst 1388 liam die Cölner Universität
auf; lauge voriier lebten in dieser Stadt gelehrtere geistliche. Unter
Maro aud Kaso versteht er wol bandscbriiteo Virgils und OvidsY
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88i WASSBa HBILAWAC
ferlands; aas späterer zeit wenigsteus lä&t steh die la-
stratton am Johimnistag aucb dort nachweisen, des Bene-
dict de Falco descrizione de luoglii antiqui di Napoli (Nap.
1580) enthält die angahe: 'in una parte popuiosa d^iU
citta giace la chiesa consegrata a 8. Giovan hatlista, chia-
mata S. Giovan a mare. era un antica usanza^ hoggi
Bon al tutlo lasciata, che la vigilia di S.Gioi^ane, verso
lar sera e'i securo del di, iutti /uiomini e donne an-
dare al rtiare^ e nudi lai^arsi: persuasi purgarsi de loro
pcccati, alla foccliia degli antichi^ che peccando andavano
.ai Tevere lavai'si.' Und lange vor Fetrarch, zu Augiistins
zeit herschte der gebrauch in Libyen, dieser kirchenvater
eifert dagegen und nennt ilin heidnisch: ^natali Johannii
de solemnitate superslitiosa pagana Christiani ad mare ve-
niebant^ et se baptizabant' (opp. Paris 1683 tom. 5 p*
903); und anderwärts: *ne ullus in festivitate S. Johann
nis in fontibus aut paludibus aut in ßuminibus , no-
cturnis aut matutinis horis *se lauare praesumat, quia
haec infelix consuctudo adhuc de Paganorum ^bservatione
remansit.' (append. zu tom. 5. p. 462.) Allgemein gebil-
ligt von der kirche war sie sicher nicht, aber geduldet
konnte sie doch hin und wieder sein, als nicht impaa-
sende erinnerung an den täufer im Jordan , und wenn sie
früher heidnisch gewesen, auf ihn gedeutet. Weite aus-
breitung mochte sie leicht gewinnen, nicht nur als christ-
liche fcier, sondern auch als heidnische: Johannistag be-
zeichnete unsern vorfahren die festliche Jahresmitte, wo
sich die sonne wendet, und vielfache brauche konnten
damit verbunden sein. - ich gestehe, wenn Petrarch das
iliifsbadeu an einem kleinen deutschen ort wahrgenommen
hätte, würde ich eher auf echtgermanischen brauch schhe-
ii^eii] in Cöln, der heiligen, ihrer heiltluimer wegen be-
rühnilen Stadt vermute ich eine erst diu-ch christliche Über-
lieferung eingeführte gewohuheit.*)
•) in Polen und Schlesien , vielleiclit anch in einem theile Rufs-
lands werden am zweiten osttr/age niädclien, welche die frühmett«
vrr><'hlafen , von den burschen f^ewaltsani mit ivasser begossen nod
mit birkenruthen ^eschla<ren ; oft reifst man sie bei nacht aa& deu
betten, schleppt sie in n'ineii fluj's oder röhrt ro^, in eine u.'atsergt'
Jii/lfe kripjte, und laf^^t sie das bad aushalten. Die Schlesier nennen
das sc/imu^os/ern, die Polen sollen es dyh^Oii^ac^ den wasser«:iif''
djyrigus nennen, welche ausdrucke ich in keinem poln. wb. finde, di«
nähere im reichsanz. 1805 no. 181. 1808 no. 250, vgl. Kamui»ia K
75. In der russisciien landschaft Archangelsk baden ^gn 23 juni die
leute i/H fluß aud streuen kupaluitza (rauunculus acrld) Karannsia It
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WASSBRMBSSEN . 883
Es gibt Seen und brimnen, deren Wasser zu bestunm«
ter zeit versiegt oder emporsteigt : aus beiden ersehet*
irangeo wird unbcil geweissagt, sterbfall und annahende
tlieuerung. Wenn des laudeslürsten tod bevorsteht, soll
der flufs in seinem lauf einhalten und gleichsam trau er
zu erkennen geben (deutsche sag. no. 110); versiegt der
brunne, so stirbt bald darauf der herr des ge^chlechts
(das. no. 103.) Eine auslaufende oder trocknende quelle,
welche theuerung ansagt, pHegt zu heifsen hungercjuelle^
hungerbrunnen (Stald. 2, 63.) solch eine hungerqueiie
fand sich bei Halle an der Saale; 'wenn die bauern zur
Stadt giengen schauten sie danach , und lief sie aus , so
sagten sie: *heuer wird es Iheuer.' älinliches erzählt man
von brunnen bei Rosia im Sienesischen, und bei Chateaudun
im Orleanischen. Von dem see Glomazi in dem slavischen
Elbland füge ich Dietmars von Merseburg bericht ein :
Glomazi*) est fons non plus ab Albia quam duo miliaria
positus, qui unam de se paludem generans, mira, ut in-
colae pro vero asscruut oculisque approbatum a multis,
saepe operalur. cum bona pax indigenis profutura suum-
que haec terra non mentitur fructum, tritico et apena
(IC glandine refertus , laetos vicinorum ad se crebro co//-
fluentiunu efficit animos. quando autem saeva belli lem-
pesias ingrueril, sanguine et vinere cerlum fuluri exitus
indicium praemonstrat. hunc omnis incola plus quam ec-
desias, spe quamvis dubia, veneratur et timet. Aber
ohne rücksicht auf bestimmte brnnuen wird aus dem blo*-
fsen wassermesseri theui^e oder wolfeile zeit, abnähme
oder zunähme der guter erforscht, je nachdem das in ein
gefiifs gegofsne wasser steigt oder fallt (abergl. xlix, 43
und no. 953 aus Praetors saturnalien p. 407.) das scheint
mir ein gebrauch des hohen alterthums. Saxo gramm. p.
320 meldet, des rügischen gottes Svantovit bildseule habe
ia der rechten band ein hörn gehalten: quod sacerdos sa-
crorum ejus peritus annuatim mero perfundere consueve-
rat, ex ipso liquoris habitu sequentis anni copias
Pfospecturus postero die populo prae foribus excu-
bante detractum simulacro poculum curiosius speculatuS;
»i quid ex inditi liquoris mensura subtractum fuisset,
ad sequentis anni inopiam pertinere putabat. si nihil
ex consuetae foecunditatis habitu diminutum vidisset^ ven-
73- 74. überall der glaube aa die heiligkeit des osterbades, wie des
Johannisbadeg.
*) aL Glomuzi, Zkinicl; es ist die heutige lommat^clier pflege.
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334 MÜLRADWASSER
tura agrorum nbertatis tempora praedicabat. der nvein
vrarde ausgeschüttet und dem liom wasser eingegossen.
Es ist hinlänglich bekannt^ dafs schon vor dem chri-
stenthum und vor einführung der taufe, eine heih'gung
des neugebornen kindes durch wasser unter den nordi-
schen Heiden galt; man nannte das vatni ausa, mit
Wasser begiefsen, vermutlich fand auch dieser ritus unter
den übrigen Germanen statt , und vielleicht legte man dem
dazu gebrauchten wasser, wie unter den Christen dem
taufivasaer y eine besondere kraft bei (schwed. abergl.
116.) auffallend ist die ehstnische gewohnheit, das tanj-
Wasser an den w^änden in die höhe zu schütten (cxxn,
47), um dem täufling ehre und würden zu wege zu
bringen.
Weit verbreitet war eine seltsame > abergläubische
Verblendung des aufgefangnen in'ulradivassers^ das von
den schaufeln abspringt, schon llarllieb erwähnt dieses
gebrauchs (s. lxi) und der Volksglaube bestätigt ihn (no.
471. 766.) den Serben heifst solches wasser oniaja^ d.i.
abprall, von omanuti, omahnuti (abprallen.) Vuk , unter
dem wort, bemerkt, dafs es frauen in der frühe des
Georgitages (23apr.), um sich darin zu baden, zumal von
der kleinen bachmüle (kaschitschara) , auffangen, einige
tragen es den abend zuvor nach haus und streuen aller-
hand abgebrochne grüne kräuter hinein: sie glauben, alles
böse und schädliche werde von ihrem leib abprallen^ wie
das wasser vom mülrad (Vuk s. v. Djurdjev dan.) Nicht
unähnlich, obwol gerade umgekehrt, ist die wamung nach
frühem waschen das wasser nicht abzuschleudern , weil
damit das glück verschleudert werde (abergl. 21.)
"War der himmel verschlossen, das feld in dürre
schmachtend, so hieng zwar die Verleihung des regen»
ziinächst von der gottheit ab, von Donar, oder Maria
und Elias, die darum angefleht wurden (s.117. 118. 119.)
Man bediente sich aber noch eines eignen zaubers, der
unausbleiblich regenwasser schafte und die götter gewis-
sermafsen nöthigte es zu gewähren, ein junges mädclien
wurde ganz entkleidete nachdem bilsenhraut an den
kleinen finger seiner rechten band , an die kleine zelic
seines rechten ftifses gebunden war, von den andern
Jungfrauen feierlich zum nächsten flufs geführt und mit
der flut besprengt (anh. s. xl.) Dieser um den beginn
des 11 jh. am Rhein oder in Hessen geltende brauch er-
scheint bedeutsamer, da er, mit characlerislischer Ver-
schiedenheit, die alle unmittelbare entlehuung ausschliefet,
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REGBNWASSBR 333
noch heute unter Serben und Neugriechen lebt. Die eer-
bUche eitle beschreibt Vuk u. d. w. dodole. dodola heifst
das mädchen, welches naht ausgezogen^ aber mit gras^
Iräutern und blumen dergestalt umu^unden wird, dafs
von der haut und selbst dem gesiebte gar nichts zu selien
ist.*) im geleite andrer Jungfrauen zieht nun dodola von
haus zu hause ) vor |edem bilden sie einen reigen, dodola
steht in der mitte und tanzt allein, nun tritt die hausfrau
vor und schüttet eine mulde wasser über das immer
fort tanzende und sich umdrehende mädchen aus, die be-
gleiterinnen singen lieder und schalten jeder zeile den
ausruf 'oj dodo, oj dodo le!' ein. das zweite dieser re-
genlieder (pjesme dodolske) inVuks saml. no. 86 — 88 lau-
tet: zu gott flehet unsre doda, oj dodo oj dodo le!
dafs thauregen sich ergiefse, oj dodo oj dodo le!
dafs nal's werden alle ackrer, oj dodo oj dodo le !
alle ackrer, alle graber, oj dodo oj dodo le!
selbst im hause alle knechte, oj dodo oj dodo le!
man ist sicher, dafs unmittelbar regen erfolge. In Grie-
chenland, wenn es vierzehn bis zwanzig tage lang nicht
geregnet hat, beobachten die einwohner in dörfem
und kleinen Städten folgendes, die kinder wählen unter
sich eines von aclit bis zehn jähren, gewöhnlich ein ar-
mes Waisenkind , das sie naht ausziehen und mit hräu-"
tern und Humen des fehles von hopf bis zu den ßi-^
fsen anputzen und verhüllen, dies kind heifst nvgnfj"
Qovva. dann ziehen die andern kinder damit im dorfe
herum, singen ein lied, die hausfrau mufs einen , ei mer
Wasser über das haupt der uiVQTir^Qovva ausgiejsen
und den hindern einen para (Vipfcnning) reichen, das neu-
griech. lied findet sich in Theod. Kinds iQaywdicc rijs Vfug
^EXXudog Leipz. 1833 p. 13. Warum das regenmädchen
dodola (in der schmeichelform doda) und nvQnrjQoiva
genannt wird, weils weder die slavische noch die grie-
chische spräche zu deuten**); wahrscheinlich hätte uns
auch Burchard eine verdunkelte deutsche benennung mel-
den können. Aber der sinn der handlung ist klar, wie
aus dem eimer das wasser auf die dodola, soll regen vom
*) soll darch das verhüllen blofs die sittramkeit des entkleideten
mädcliens geschont werden? oder hat es noch einen andern {rnindV
wir werden im verfolg sehen, dafs die darstellungen des fiühlin«;^
ond sommers genau dasselbe laubumhüllen beobachteten.
**) Kind fuhrt s. 86. 87 abweichende formen an. alle erklamn^ren
scheinen mir gezwungen, beide namen, der griech. und serbisdie,
haben volksraäfsige reduplication.
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336 WASSBRTAUCBE
himmel auf die erde niederströmen : es ist die geheininis-
Yolle, echtsymbolische beziehung des mittels auf den
zweck ; . gerade so sollte der absprang vom niülrad das
übel absprengen, oder die lustration im fiufs alle künftigen
ki*ankheiten abwaschen. Vielleicht darf man aus der re-
densart ^urcealim pluit', ^es regnet als gösse man mit mul-
den', weite Verbreitung der sitte , symbolisch wasser za
schütten, folgern. Unter den kräulern, womit das kind
umwunden wurde, fanden sich vermutlich zauberkräftige;
jene Verwendung der bilse ist mir sonst unbekannt. Der
dodola und pjTperuna vollkommen identisch scheint end-
lich der bairische wassen^ogeL den knecht , der pfingst-
munlngs am spätesten ausgetrieben hat *), führen die übri-
gen bursche in den nächsten wald und bin den ihn um
und um mit laub, zuneigen oder schilf ein, dann
wird im triunif das dorf durchritten, und alles was junge
bcine hat , folgt dem zug zum teich oder bach , wo der
wasser^^ogel vom pferd herab feierlich ins wasser ^'^-
worfen wird (Seh in. 1, 320.) Ebenso wählen in Ostreirb
die dorl)ungen einen pfingslkönig , Heiden ihn mit grü-
nen zweigen^ schwärzen ihm das angesicht und wtr-^
fen ihn in den bach. (Denis lesefr. 1 , 130.) Das volis
vocare imbrem ist hierbei ganz weggefallen und durch eine
blofse pfingsllusl barkeit mit dem faulsten knecht erselKt;
ich z weide aber nicht, dafs jener zweck im hintergrund
der sitte liegt.**)
Unter den göttinnen wird die badende Nerthus und
Holda zunächst auf wassercultus zu beziehen sein, Holda
wohnt in brunnen (s. 166. 275); dann gehören hierher
Schwanjungfrauen, meermiunen (s. 244), wasserholdcn,
brunnenholden (s. 166), wassermuhmen und nixen. Ihnen
allen können einzelne flüsse, bäche, weiher, quellen ge-
weiht und zum aufenthalt angewiesen sein ; im meer wal-
teten Oegir (s. 147) und Rdn (s. 197. 281), die weUen
heifsen ihre töchter ; dadurch empfangt die Verehrung de«
elements einen besondern character. Von dieser an sich
natürlichen aber nicht wesentlichen Vereinigung des ein-
fachen, rohen wasscrcuilus mit dem glauben an höhere
wesen will ich noch einiges anführen.
•) wie da« verschlafene mädcben ostern gebadet wird (vorhia
«. 332.)
•*) in Spanien führte man bei anhaltender dürre das jichmutzhe-
deckte bild der heil, juiijffrau (Iniagen cubierta de Intu) feierlich durch
die dorfer, regen zu erllelien. Don Uiiixote ed. Ideler 8> 43&.
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PEILIGB WA<S8ER 337
Wie man beim üb.ersciiifien des Stroms, beim überschrei-
ten der brücke die gewalt des da liausenden dämons sclieiil
(«. 282) ; so ist es nach schwed, Volksglauben (no. 40) rathsam,
dal's man im finstern über ein wasser gehend dreimal speie^
und damit aller bösen einwirkung zuvorkomme.*) Auch beim
bruunenschüpfen wird vorsieht beobachtet. Neugriechen zu
MykoQo, bevor sie schöpfen, grüfsen dreimal 9 um den
Teloni (brunneogeist) zu ehren.**) Die vita S. Sulpicii
biluriceusis (f 644) erzälüt (acta Bened. sec. 2 p. 172):
'gurges quidam erat in Virisionensium situs agello (Vier-
zon, in ßiturigibus), aquarum mole copiosus, ytpote dae-^
nionibus co/isecratua ; et si aliquis causa quaÜbet ingre-
derctur eundem , repcnte fnnibus daemonicia circumple-
XUS amittebat crudeliter vitanu' Merkwürdiger für den
wassercultus selbst zeugt des Greg. tiu*. erzählung vom
See bei dem berg Heianus (de gloria confess. cap. 2): 'mons
erat in gabalitano territorio (Gevaudan) cognomento Heia-
BUS, lacum habens magnum. ad quem certo tempore
rouliitudo rusticorum, quasi libamina lacui Uli exhi-^
hensy linteamina projiciebat ac pannos qui ad usum ve-
stimenti virilis praebentur : . nonnulli lanae vellera, plurimi
etiam formas casei ***) ac cerae vel panis, diversasque
species, unusquisque juxta vires suas, quae dinumerare
perlongum puto. veniebant aut^m cum plaustris potum
cibumque deferentes, mactantea animalia et per tri--
duum epulantea. quarta autem die cum discedere debe-
rent, anticipabat eos tempeatas cum tonitruo et corusca-
ttone valida, et in tantum imber ingens cum lapidum
violentia descendebat, ut vix se quisqnam eorum putaret
evadere. sie fiebat per ainguloa annoa^ et involvebatur
iusipiens populus in errore.' Hier tritt kein gott und kein
geist auf, die jälirlichen opfer werden dem see unmittel-
bar gebracht; am Schlüsse des fests erfolgt aiurm \inä ge-
mtter. Gervasius tilberiensis (bei Leibniz 1, 982) er-
zählt von einem aee auf dem berge Cavagum in Catalo-
njea: 'in cujus summitate lacus est aquam continens sub-
J^igram et in fundo imperscrutabilem. illic viansio fertur
esse daemonuin ad modum palatii dilatata et janua clausa;
facies tarnen ipsius mansionis sicut ipsorum daemonum
•) ausspeien ist den geistern 'zuwider (oben 8.293.)
^ **) Yilloiflon in Maltebnin aouales des voy. 2, 180. Artemidor
oneirocrit. 2, 2T (Reiff 1^ 189) nimmt brunuennymphen an: yiW«*
**') formages» woraus fromages.
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338 fißtLIGB BÄCHä
vulgaribud est incognita ac invisibilis. in lacnm si quiö
aliquam lapldeam aiit alias solidam projecerit Bfiatcriam,
statin! tanqaam offensis daemönibus, iempestcts eräem-
pitJ*) Darauf die geschichte eines mäddiens , das von
den "Wassergeistern entfuhrt und eieben jahf im see gehal-
ten vrird«
Nach ehstniscber sittc wirft die nötfe ehefraö in den
hrunnen des hauses ein geschenk; diesem volkstanun
scheint der -wassercultu» vorzüglich eigen, es gibt eine
umständliche nachriclit von der heiligen TVohhanda^ d-
nem bache in Liefiand. sie entspringt bei Ilmegerve, einem
dorfe des bezirks Odenpä, in Ehstland und ergiefst sich^
nach ihrer Vereinigung mit der Medda, in den Peipus« sie
liegt in einem Jieiligen hain ^ in dessen umkreis niemand
einen bäum zu hauen oder eine ruthe zu brechen iragl:
wer es thut, stirbt also fort in dem fahr^ bach uöd
quellbrunn werden rein gehalten und fährlich gesäubert;
wird etwas in den quell oder den kleinen see, weldiea
er durch fliefst, geworfen, §o entstellt Unwetter.
Als im }alir 164-1 Hans Ohm auf Sommerpahl, eia
ansläudischer, durch die Schweden ins land gekommoer
gutsbesitzer, in dem bach eine müle baute und einige
jähre unfruchtbare Witterung anhielt; mafsen es alle Eh-
•^ten der entweihung des JieiL bachs bei, der keine heili-
mung in sich leide, sie überfielen die müle, brannten sie
nieder und zerstorlen alle grundpfäle im wasser. Ohm
erhub klage und erlangte der bauern verurtheilung , um
sich aber neuer und schwerer Verfolgung zu entziehen,
veranlafste er den pastor Gutslaff, gleichfalls einen Deut-
schen, in einer besonderen schrift**) diesen aberglaiiben
zu bekämpfen« man. erfährt dadurch gewis nur die ge-
*) diese aofregung des stamis darcli steinwurf in den see oäer
hrunnen ist deutscher, celtischer und finnischer Volksglaube, wie die
angeführten beispiele lehren, der wassergebt rächt die entweihmi^
der heHigen flut. Hierher gehört die sage vom niummel«ee (deutsclie
sag. no. 59. Simplic 5^ 9.) vom Pilatussee (Lothars voikss. S3S.
Dobenek 2, 118« Gutslaff p. 288) vom see Camarina in Sicilieo (Cs-
niarinam movere) und besonders von dem brunnee im Iwein 553 —
672 , wo aber brunnenwasser auf den brnnnenstein gegossen den sturm
erregt; vgl. die von Beneke p. 814 aus Pontus angeföhrte stelle.
**) kurzer bericht u. Unterricht von der falsch heilig genandtes
buche in Liefland 'Wöhhanda. daraus die unchristliche abbrenoonge
der sommrrpnh Ischen möhlen geschehen ist. aus christlichem eifer we-
gen des unchristiichen n. heidnischen aberglaubens gegeben von Joh.
(ru/sftrß\ pomer.' pasturn zu ürbs in Licfland. Dorpt 1644. 407 $s.
in 8 {ahne xueign und vorr.)
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HEILIGE SEEN 839
iras8igen züjge des lieidnisclien cultud« Auf die frage , w ie
von brumien, bächeu und seen gutes oder böses weiter
abhüDgen könne? versetzten die Ehslen: 'es ist unser
aller glaube, die alten baben uns also gelebret (s. 25. 258),
schon mehr mülen seien an diesem bache abgebrannt (s.
278), er vertrage keine Stauung.' ebstnisch beifse er* pöha
jiügg«'> lettisch *schwmi ubbe', d. i. heiliger bach. man
vermöge durch ihn das wetter zu stellen und habe, be-
dürfe man re^ens , nur etwas hineingeworfen (s. 25).
als einmal drei ochsen im See ertranken, sei schnee und
frost entstanden (s. 2Q,) zuweilen steige 'ein herl mit
blauem und gelbem strumpfe^ aus dem bach hervor,
also der geist ofes baclic.s. . . ,
Eine andere ehstnische sage gedenkt des eees JEirii^
der sein bett veränderte« wilde böse, menschen wohnten
an seinem ufer, sie mähten die wiesen nicht , . die et
wässerte, besäten die äcker nicht, die er frudilbat
machte, sondern raubten und mordeten, dafs die klare
flut durch das blut der erschlagnen getrübt wurde. Da
trauerte der see; eines abends berief er seine fische alle
und hob sich mit ihnen in ^ die lüfte. Als die rauher das
tosen vernahmen, riefen sie: 'der Eim ist aufgestiegen,
iaist uns seine fische und ßchätze sammeln.^ abelr die fisclie
waren mit gezogen und nichts fand sich in dem grund als
schlangen, molche und kröteß, die stiegen heraus und
yrohnten bei dem räubergeschlecht. Aber der Eim stieg
immer höher und kühner und eUte, einer weifsen wölke
gleich, durch die luft; die Jäger in den wäldern spra-
chen: 'welch ein dunkles wetter. zieht über uns?', die
hirten : 'welcher weifse schwan fliegt in der höhe ?' die
ganze nacht schwebte er unter den Sternen, am morgen
erblickten ihn die Schnitter^ wie er sich senkte, und aus
dem schwan ein welTses schif, und aus dem schiiTe ein
dunkler Wolkenzug ward« und es sprach aus den gewäs-
sem: 'hebe dich von dannen mi^ der ernte, ich will woh-
pen bei dir.' Da hiefsen sie ihn willkommen, wenn er
ihre . acker und wiesen bethaüen wolle , und er senkte
sich nieder und breitete inl netten lager sich aus nach, al-
len enden. Sie ordneten sein bett, zogen dämme, pflanz-
ten junge bäume ans ufer, seine wellen zu kühlen. Da
machte er die gan^^e gegend fruchtbar, das gefilde grünte nn^
sie tanzten um ihn, dafs der alte jugendlich froh ward.'*')
*) Fr. Tbiersch im tasehenbuch faf liebe and freandichaft 1809
p- 179;
22*
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340 FEUER
Römer und Griechen personlficierten ihre flüsse in
männliche wesen; ein bärtiger greis giefst aus seiner iinie
die strömende quelle (s. 276, 277.) kleineren bächen stan-
den nymphen vor. in unserer spräche sind die meisten
ßufsnamen weiblich (gramm. 3, 384 — 86), es werden
also auch weibliche flufsgeister gewaltet haben. Niemak
ist in einheimischer Überlieferung von einem damon des
Rheins die rede, man glaubt den flufsgott visucius in dem
pfälzischen wisgdz \vieder zu finden*)^ der heutige name
ist weschnitz.**)
IL FEXJER-***)
gleich dem wasser gilt das feuer für ein lebendiges wesen,
und jener benennung quecprunno (s. 330) entspricht quec^
fiur^ daz quecke fiwer. Parz. 71, 13; serb. vatra s/iiua
(Vuk 1, xLvi.) TO nvQ ^fjQiov ^(Aifwiov bei Aegypteni,
Herod. 3, 16; ignis animal. Cic de N. D. 3, 14, also
ein fressendes, hungriges, nimmersattes thier, vorax
flamma, frekr (avidus) Saem. 50»>, bitar fiur. H^l. 78,22,
bitar logna., 79, 20. grddag logna. 130, 23 grim endi
grddag. 133, 11, es leckt mit der zunge. Anrede bezekh-
net lebendige dinge: ^heitr ertu hripudhr!' (heifs bist da
feuer) Scem. 40». Schon den Persern war es ein golt,
und das ind. Agni= ignis wird für einen gott angeseho.
Nach der edda ist das feuer bruder des winds und des
nieers , darum selbst belebt und göttlich. Sn. 126. Das
volk vergleicht dieses element ehiem von haus zu haus
fliegenden hahn : *ich will dir einen rotften haJm aufc
dach setzen' ist drohung des mordbreuners.
Dennoch scheint ein eigentlicher feuerdienst von be-
schränkterem umfang, als die Verehrung des wassert ;
nxxr in der stelle des ags. Verbots (s. 70) finde ich des
J euer 8 9 nicht in den übrigen gedacht, auch mag ein theil
des ihm gewidmeten cultus in dem der leuchtenden uud
wärmenden sonne begriffen sein, ^wie schon Jul. Caesar
(oben s. 7l) sol und f^ulcanuSj und die edda, beide als
das höchste preisend, Jeuer und sonne ^ nebeneinander
nennt: eldr er beztr med yia sonum ok sSlar s^n.* Saeni.
18**; feuer ist das beste für die menschen, (nach Pindar
wasser das beste.) Die observatio pagana in foco (ank.
xxxu, 17) beziehe ich auf die flamme des heerds oder
ofens; wo heerdfeuer brennt, schlägt kein gewitter ein
•) Crcnzer altröin. cirit. p. 61. 62.
*') Dumbeck jj^eogr. pa^oram 67.
***) beuenaiuigea gr. 3, 352; eddi'jfclie Sam. 50^ So. 187. 18S
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NOTFEÜER 841
(abergl. 136), wo es prasselt, da entsteht streit (no. 322.
534.) man halte die norwegische deutung (s, 148) dazu;
so lange ein kin4 ungetauft ist, soll man das feuer nicht
löschen (schwed. abergl. 22) vgl. iasta eld, iaga i el-
dm (das. 24. 25. 54. 68. 107.)
Die Ehsten werfen in das feuer, wie ins wasser,
gesvhenhe (abergL 11)^ sie opfern zuweilen dem feuer
ein hiihn (no. 82.)
Man scheint wolthätfges und feindseliges feuer un-
terschieden zu haben; in altfranz. gedichten finde ich oft
die verwünschiuigs Formel: mal feu arde! Tristr. 3791.
maus feu8 et male flanibe m'arde! M^on 3, 227. 29 7.
dies böse feuer stellt der nord. Loki dar (s. 148.)
Für unrein, unheilig galt feuer, das eine Zeitlang
tmter den menschen gebraucht worden war, und sich von
brand zu brand fortgepflanzt hatte« Das reine, zu heili-
gem geschaft dicnsaine feuer muste , nach löschung des ahen,
neu geweckt, unmittelbar aus holzreibung hervorgegan-
gen sein, ein solches hlefs notfiur. entsprang es zufällig,
x.b. unter der band des Zimmermanns beim einschlagen
des nageis in die zusammengefügten balken des neuen hau-
ses, so ist es vorbedeulsam (abergh 411. 500. 707.)
Schon der indic. superstit. 15 meldet *de igne fri-
cato de ligno id est nodfyr^y das capitulare Carlomanni
von 742 {. 5. (Georg. 489) verbietet 'illos sacrilegos ignes
quos nedfratres vocant\ und letztere stelle ist in die gro^
fse capit. samlung 5, 2 (Georg. 1407) eingegangen, bei
Bahiz. 1, 148. 825 dieselben lesarten; man hat unbedenk-
lich zu bessern nedfyr , f^^^fy^^^
Die Zubereitung des notfeuers wird verschiedentlich
beschrieben; ich halte es der mühe werth, die mir be-
kannten erzählungen hier zu sammeln. Lindenbrog im
glossar zu den capitularien sagt: rusticani homines in mul-
tis Germaniae locis, et festo quidem S. Johannis baptistae
die palum sepi extrahunt ^ extracto funem circumli-
li^ant^ illumque huc illuc ducunt , donec ignem> con-
npfat: quem stipula lignisque aridioribus aggestis curate
fovent, ac cineres collectos supra olera spargunt, hoc me-
dio erucas abigi posse inani superstitione credentes. cum
ergo ignem nodfeur et nodfyr y quasi necessarium ignem
•) aas ntdfri , wie einige hss. lesen , machten unkundige »chrei-
ber nedfratres, da die abkürzung ff, fS frater, fratres ausdrückt;
en cod. liest niedfeor.
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342 NOTPBÜBR
vocant Job. Reiskius *) Untersuchung des notfeners.
Frankf. u. Leipz. 1696. 8. p. 51: *wenn nun sich etwan
unter dem grofsen un^ kleinen vieh eine böse seuche hat
herfürgetban un4 die beerde dadurch bereit grofsen scha-
den erlitten, werden die bauren scjilüssig, ein noihjür
oder noihfeuer anzumachen, auf besllpimten tag mufs
in heinem hause noch auf dem beerde sich einzige
flamme findet^, aus jedem hause mufs etwas von stroh
und Wasser und buscbbolz herangebracht werden, darauf
\Yird ein starker eichen pfähl in die erde feste geschla^
gen und ein loch durch diesen geboret, in dasselbe wird
pine fiplzerne winde eingestecket, mit wagenpecli und
iheer wolgeschmieret , auch solange umgedrehet, bis es
nach lieftlger hitze und nothzwang feuer geben kann, sol-
ches wird sofort mit materialen aufgefasset, durch stroh,
beide und buschholz gemehret, bis es zu einem vollen.
nothjeuer ausschlaget^ dieses aber piufs in die länge
zwischen wänden oder zäunen sich etwas ausbreiten, und
c|as viehe nebenst denen pferden mit stecken und peitschen
drei oder zweimal hindurch gejaget werden. Andere schla-
gen s^nderswo zwei durchborete p/äle , stecken in die
lücher eine walle oder winde nebst allen , fetlbeschmicr-r
ten lumpen, andere gebrauchen einen harnen oder ge-
meinen dichten strick, suchen neunerlei holz zusammen,
und halten so lange mit gewaltsamer bewegung an, bis
feuer herabfalle, vielleicht mögen noch mehr arten bei
dieses feuers generation oder anzündung sich finden^ alle
dennoch werden blofs auf die cur des viehes eingerichtete
Nach drei oder zweimaligem durchgang wird das viehe zu
stalle oder in^ feld getrieben, und dpr zusammengebrachte
holzh^qfo wiedcrqin zerstöret, jedoch solchergestalt an
etlichen orten , dafs jedweder hausvaler einen brand mit
sich tragen, in der wä^ch oder spültonne ablöschen und
9olche4 in die krippe, worin das vieh gefüttert wird, auf
einige zeit beilegen lasse, die zum nothzwang des feuers
eingßsphlagnfsn pfale und das zur winde gebrauchte hol*
wird bisweilen zuq (euermatprifdien mitges^ogen, bisweUcii
verwjihrlich beigelcget, wenn zuvor mit dem viehe die
dreim^ig^ jagd durch die llamme ist yollfülirt worden-'
Folgende sclüld^rMng ist die neuste und aus Hohenhameln,
im hildesheimischen amt Baldenberg mitgetheilt : in vielen
yrt^n Niedersachsens; zumal des gebirges^ herscht die go-
*) rector der schule zu Wolfenbüttel, v^l. Gericken Schottclk»
Mlostrata«. Lp. 1716 p. 66. Eccard Fr. or. 1, 425.
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NOTPBÜBR 343
wolinkeity um vlebseuchen yorzubeugen , das sogehannte
wilde feuer zm bereiten, durch welches dann zuerst die
Schweine^ dann die iii/ie, zuletzt die gänse gelrieben
werden.*) das dabei hergebrachte verfaliren ist dieses,
bauerjmeister und gemeinde versammeln sich, jedem eiu-
wohner wird angesagt , alles Jeuer in sßinem hause so
völlig zu löschen^ dafs auch nicht ein funke im ganzen
dorle breuuen bleibt, dann wandert jung und alt an ei-
nen Lolweg , gewöhnlich gegen abend , die weiber linnen,
die männer holz und werg tragend, zwei eichne pfäle
werden anderthalb fufs von einander in die erde getrie-
ben, jeder pfal hat eine gegeneinander über stehende
Vertiefung, in welche ein armdicker quer stock passt« die
vertiehingen sind mit linnen gefällt und der querstock
wird nun so fest als möglich eingedrängt, stricke hallen
die pfäle oben zusammen, den runden, glatten querstock
umwindet ein seily dessen lange zu beiden seite^ blei-
beudiJ enden von mehrecn leuten gefafst werden, diese
ziehen nun den qnerstock auf das schnellste hin und her,
80 dafs durch die reibung das linnen in den vertiefuogen
sich entzündet, die funken des linnens werden alsbald in
werg oder heede gefangen und so lange im kreise herum-
geschleudert ^ bis die helle lohe daraus schlägt, an sie
wird Stroh gebracht, und mit der strohflammp das im
holweg schiclitenweise geordnete reisholz angezündet, Ist
dieses holz in vollen brand geratlien und hat es beinahe
ausgebrannt , so eilt das volk zu den hinten wartenden
lieerden und treibt sie niit gewalt, eine nach der andern
durch die glut. Sobald alles vieh hindurch ist, fallen die
jungen leute mutwillig über asche und kohlen her, ein-
ander bestreuend und schwärzend; die am meisten be-
streut und geschwärzt erscheinen, ziehen als sleger hin-
ter dem vieh ins dorf ein , und waschen sich lange nicht
ab.**) Falls das linnen nach langer relbupg nicht fangen
will, so vermutet mau, djifs noch irgendwo feuer im
dürfe sei, was das element abhalte, sich in der reibung
zu oflFenbaren : dann erfolgt strenge hausdurchsuchung , das
eingetroffene feuer wird gelöscht und der hauseigenthümer
gestfaft odpr gescholten. Pas yfM^ feuer mufs aber un-
♦) von schafeh ist keine rede; wenn vielleicht auch höhn und
hüner durch die kohlen mnst^n , so erklarte «ich ein noch unerklär-
te! sprieliwort (Reinh. xciv.)
") wird nicht nnpli ein brnnd oder licht zur fgucraust Heilung im
dorfe mit nach haus genommen?
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344 NOTPBDBR
erlofsHch durch reibung hervorgebracht , und darf iii<^t
mit stahl und stein geschlagen werden. Einige Ortschaften
bereiten es nicht jährlich, um der Viehseuche vorsubeu-
geu, sondern erst bei deren vrirklichem ausbruch.
Diesen genauen angaben entgeht dennoch mancher
kleine umstand, auf dessen beachtung wenigstens in an-
dern gegenden gesehen vi^ird. So müssen im Halberstädti-
schen die stricke der holz walze von zwei ieuachen Ina-
ben gezogen werden."^) Im nördlichen Deutschland ist das
notfeuer länger und häufiger im gebrauch geblieben**),
doch auch dem südlichen nicht imbekannt. Schmeller and
Slalder geschweigen seiner, doch im appenzeller land be-
steht noch das kinderspiel, dafs sie ein seil auf einem
stücke holz so lange reiben, bis ea feuer fängt ^ das
nennen sie aber 'de tiifel häle\ den teufel entmannen,
ihm seine kraft rauben.***) das könnte wieder auf Loki,
den teufel und feuergott, anspielen (s. 148. 341.)
Die benennung läfst sich aus nijt (necessitas) herleiten,
sei es, weil das feuer gleichsam genöthigt wird zu er-
scheinen, oder das vieh die glut zu betreten, oder seine
bereitung in zeiten der noth, der seuche, erfolgt, nichts
desto weniger will ich eine andere erklärung versuchen,
notfiur, nodfiur könnte stehen für ein älteres hnotfiur,
hnodfiur j von der vmrzel goth. hniudan, ahd. hniotan,
altu. hnioda , quassare , terere , tundere +) ; es wäre ein
durch gewaltsames stofsen, reiben, schütteln gelocktes.
Gerade so heifst es in Schweden vrideld oder gnideld
von vrida (torqiiere, circumagerc) ags. vrtthan, ahd. rl-
dan, mhd. riden, und von guida (fricare) ahd« knttan,
ags. gnidan (conterere, Mcare, depsere.)
*) Büscliiiigs wöchentliche narhr. 4, 64*
**) vgl« Couriog epiüt. ad Baluz. xui. Gericken Scbottelias p.
70. Dahnert s.v. noodfur.
•••) Zellweger gesch. von Appenzell. Trogen 1830. 1, 63, wel-
cher bemerkt, dafs man mit der asche des solchergestalt eneeugtea
feuere die felder bestreue, um sie vor Ungeziefer zu schützen.
t) ahd. pihnintit (excutit) gl. ker. 251. hnotdt (quassat) das. 329.
hnutten (vibrare) das. 282; N. hat vnotdn (quassare) ps. 109, 6. Btli.
230 ; vgl. nieten (stofsen) anh. p. xlix. altn. lebt hnioda (tnndere)
hnod (tudes , malleus) hnoda (depsere) bnudia (snbigere.) man dürfte
hnotfiur und hnotfiur (hnutfiur) schreiben, je nachdem der ablaat des
itg. oder pl. dabei waltete, vielleiclit wäre nicht elamal auf dem U n
bestehen, sondern das ahd. niuwan altn. nüa (terere, fricare) xo er-
wägen, aus dem sich dnrch ableitung ein subst. n^t entwickelt Iwtte.
ja man konnte weiter zu der annähme fortgehn, dafs ndt, nautlis,
unudlir (necessitas) ursprünglich den begrif von drang und druck
eulhalte '<
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NOTFEUER S45
Bereitet wurde es wie bei uns, durch das heftige
aneinanderreiben zweier hölzer, in einzelnen »chwed. ge-
genden noch gegen den scldufs des vorigen jh.; bisweilen
nahm man aste von neunerlei holz dazu.'*') der von gnid-
eid aufeteigende rauch galt für heilbringend, Obstbäume
und netze damit geräuchert wurden fruchtbar und fien-
, gen viele fische, von diesem räuchern mit vriden eldy
vom austreiben des viehs über solchen rauch vgl. schwed.
abei^l. no. 89. 108. Man sieht, des notfeuers anwen-
dung mufs unter den Heiden weit manigfaltiger gewesen
sein: in Deutschland zeigt sich nur ein rest devon im ge-
i brauch für das erkrankte vieli. doch die abergläubische
[ gewohnheit der mädchen» feuer von neunerlei holz zu
entzünden (no. 956) bestätigt uns, den ausgedehnteren be-
grif des alten notfeuers.
Auch in dem schottischen hochland (namentl. in Caithness)
bedient man sich heute des notfeuers hauptsächlich als eines
miUels wider übernatürliche durch zauber hervorgebrachte
vielikrankheiten.**) To defeat the soroeries, certain persons
wlio have the power to do so are sent for, to raise the need--
fire, upon any small river, lake, or island, a circular
booih of stone or turf is erecled, on which a couple, or
rafter oj a hirchtree^ is placed, and the roof covered
I over. In the centre is set a perpendicular post , fixed
by a wooden pin to the couple, the lower end being
1 placed in an oblong groove on the floor; and another
' pole is placed horizontally ^ between the upright post
aud the leg of the couple, into both which, the ends,
being tapered, are inserted. this horizontal timber is
called the auger (bohrer), being provided wilh four
I Short arms> or spokes, by which it can be turned round.
I As many men as can be collected are then set to work,
having first divested themselues of all hinds of metal,
and iwo at a time continue to turn the pole by means of
the levers, white others keep driving wedges under the
npright post so as to press it agaiost the auger , which
by the friction soon becomes ignited. From this the need-
fire is instantly procured, and all other fires being im-
*) Ihre de superstit. p. 98 und im glossar s. v. wredeld. Finn
Magn. tid«kr. for nord. oldk. 2, 294 nacfi Westerdahl.
**) ich entlehne die weise seiner bercitung aus James Logan:
the scottish Gael or. ceitic manners as preserved among the High«
landen. Lond. 1831. 2, 64, der aber hier fast wörtlich Jaroiesons
buppleraent to the acotisch dict s. ▼• ueidfyre aasschreibt.
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949 flOTPPüBII
mediately quenched, tliose tltat are rehindled botli in
dwelliugliouse and oiüces are accaunted sacred, and the
catüe are succeseively mad to smell tbem. Tbis practice
iß believed to bave aris^n from tbe baaltein or hoXj fire«
ol' tbe druids. Nocb ia dem beutigen galiscben und üir
scbep dii^lect beifst d^r erste mai U-beal-tin, d.i. tag des
balfeuersy das feuer aber fin-egin,*) liier mag nocb
![Martiiis eigentbümlicbe bescbreibung **) räum finden: tha
iubabilanls bere did also make use of a fire called tin-i
egin y i.e., a forced fire, or fire of necessity '"**) , wbich
tiiey used as an antidote against tbe plague or murrain in
catlle ; and il was performd tbus: all ihe fir^a in tbe
parisb were extinguishd^ and tben eighty-one (9X9)
manyd mßß belüg tbougbt tbe necessary number for ef»
fectiug tbis design, took two great planhs of wood,
and nine of 'em were employd by tums, wbo by tbeir
re|)eated elTorts rubbd one oj the planhs against Üie
oiher until tbe beat thereof producd fire; and (firom
tbis forcd fire each jamily is supplyd tvith nem
fire, wliicb is no sooner kindled tban a pol Juli of
water is quiokly sei on it^ and afterwards sprinkled
U[>on tbe people infected witb tbe plague or upon tbe
cattie tliat bave tbe murrain. and tbis tbe all say
tbey find successfull by experience: it 'vras practisd on
tbe moinlaad, opposite to tbe soutb of Skie, witbin
tliese tbirty ye^s. Wie bier auf dem reibfeper wasser
gekocht^ und dieses mit gleicber Wirkung gesprengt wird,
ßo erzablt Eccard (Fr. or. 1, 425), er babe eines pfingstn
morgens pferdeliirten feuer aus holz reiben und dabei
ibren iohl kochen seben, in der meinung, dafs sie durch
dessen genqfs das jabr iiber frei votn fieber bleiben
würden,
Obne aweifel war das notfeuer andern Völkern , au«?
fser den germaniscben und celliscben, beilig. Pie Krihks
in Nordamerika begeben ein jälirlicbes crntefest, das mit
dreitägiger strenger fasle anbebt, wälirend welcber in al-
len bäusern die feiger gelöscht werden, am vierten moiv
gpu zündet der oberpriester durcb zusammen reiben zweier
trockger bolzslücke, neues, reines Jeuer an, das in alle
^ohuunger} yertheilt u^frd, nun erst Uagen die weiter
^) Borlase antiq. of Cornwall p. 130.
**) descr. of the weaterii islanH« p. 113.
***) dies scheint (ur die alte erkläruog von nothfeuer;
nicht gerade aus dem engl, ueedfire übersetzt ist.
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NOTPBUBa Mt
^as frtscfaö getraide und die neuen firitcfate vom erUte^
feld Leim.*)
Noch anziehender ist es aher, die einstimmung altrö-
mischer yxnA griechischer sitje zu vergleichen, excerpta
aus Festus sagen: Hgnis Vestae si quando' interstinctus
esset > virgines verheribus afBciebantur a pontiüce, quibus
mos erat, tabulam felicis materiae tarn diu terebrare,
quousque exceplum ignem oribro aeneo virgo in aedem
ferret.' Das erloscfiene, heilige fener der göttin diu:ft«
nicht anders angefacht werden, als durch frische erzeu-
gung des reinen Clements, ein breit, von auserlesnem
holz , wurde solange gebohrt , d. h. eine walze in ilun
umgedreht, bis funken entsprangen« Nach Plutarch im
Nunia 9 gewann man neues Jeuer nicht durch reiben,
sondern auffangen der Sonnenstrahlen in bestimmten, thöf-
nernen gefäfsen. Die Griechen verehrten Hestia als die
reine heerdttamme selbst.**) Aber Lemnos das eiland, auf
welches Zeus den himmlischen feuergott Hephästos herab-»
geworfen hatte , ***) hegte eigenthiimlichen feuercultus,
neun tage im jähr wurde alles feuer gelöscht^ bis aus
Delos her ein schif neues vom heiligen heerde Apollos
brachte: einige tage treibt es auf dem nieer, ohne lan-
den zu können , sobald es eingelaufen ist , wird jedem
feuer zum häuslichen gebrauch mitgetheilt, und dann ein
neues leben begonnen. Das alte feuer war nicht mehr
heilig genug; indem seiner die menschen eine weile ganz
entbehrten, sollten sie die wolthat des Clements recht er»
kennen lernen. +) Auch der heiligen Brigida in Schottland
(-|- 518 oder 521) wurde, gleich der Vesta, bei Kildar
ewiges feuer unterhalten, ein geflochtner zäun umgab
es , welchem mäuner nicht nahen durften ; es anzublasen
war nur mit bälgen gestattet, nicht mit dem munde. •}-+)
seine erzeugung ist nicht angegeben.
Wir haben nunmehr von einem andern feuer zu haur
dein, das zwar nicht durch reibung hervorgebracht, son-
dern ?iuf die gewöhnliche weise entzündet wurde, von
0 Fr. Majer mythol. tasch«nb. 1811 p. llO.
**) nee tu aliud Vestam quam vivam iutellige ^amoi^m. Ovid.
fest 6, 295,
**^) nach der finnischen mythe föllt das von den göttern erzeugte
feuer in kuaueln herab zur see, wird vqn einem lachs verschlun*
gen und hernach von den menschen im gefangnen fisch gefunden,
tiinen p. 6 — 22.
f) PtiilQstrat beroic. p.740. Welckers trilogie p.24T. 248.
ff) acta sanctor. calend. febr. p. 112b.
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SIS OSTBRFEUER
dem osierfeuer und Johanniafeuery dorea gebrauch in
das heidenlhum zurückgeht.
JMöglicli wäre , dafs^ auch diese feuer ur^rÖDgllch
noifeuer waren, dafs wenigstens die Überlieferung beider*
lei arten mengte, der galische tinegiu wird am ersten
mai, das deutsche notfeuer, nach Lindenbrog, auf Jo<
hannis bereitet, jährliche i'euerfeste iiälten dann die ei-
gentliche bestimmung gehabt, das heilige eiement den
menschen für das laufende jähr zu erneuern.
Die sitte dieser jährlichen feuer erstreckt sich weil
über Deutschland hinaus in das übrige £iut>pa. nicht an-
wichtig ist es wahrzunehmen, dafs sie im nördlichen
Deutschland auf oster n , im südlichen auf JohAnniu statt-
finden, dort bezeichnen sie des frühjahrs eintritt, hier
die mitte des sommers (sonnenwende.) Ganz Niedersach-
sen, Westfalen und JNiederh essen, wahrscheinlich auch
FHesland, Jütland , Seeland kennt osterfeuer; am Mein,
in Franken, Thüringen, Schwaben, Baiem, Ostreich, Schle-
sien gelten Johannisfeuer.
Osterfeuer. in allen Städten, flecken und dürfem
des landes wird gegen abend des ersten (zuweilen dritten)
ostertags auf bergen und liugeln ein grofses feuer aus
Stroh, wasen und holz unter Zulauf und frohlocken des
Volks jährlich angezündet, an der Weser, zumal im
Schaumburgischen pflegt man ein theerfafs auf einer stroh-
umwundnen tanne zu befestigen, und es in der nacht
zu entzünden, kneclite, mägde und wer dazu kommt tau»
Ken jubelnd und singend um die flamme, hüte werden ge-
schwenkt, tücher in das feuer geworfen, alle gebirge
im umkreis leuchten, an einigen orten zog man mit wei-
fsen Stäben auf den berg, stimmte christliche osterheder
an, und schlug beim halleluja die Stäbe zusammen.*)
Für diese ignes paschales kenne ich kein zeugnis
über das 16 jh. hinauf: sie müssen aber weit älter sein,
schon des gegensatzes 7a\ den Johann is feuern halber, welche
in den norden Deutschlands nicht eindringen konnten, weil
•) Jofi. Timeus vom osterfeuer. Hamb. 1590, wieder abgcdr.
hinter Reiske vom nothfeuer ; Letzners historia S. Bonifacii. Hilde^b.
1602. 4. cap. 12; Leukfeld antiq. gandersh. p. 4. 5; Eberh. Uarin;
beschr. der (lauensteiiier) Saala 1744. 2, 9(i; hamb. mag. 26, 3(»i
(1762); hannöv. mag. 1766 p. 216; Rathlefs Diepholz. Bremen 1767
», 36 — 42. Bragur VI, 1, 35 In Dänemark hei&t das o«terfeu<^r
jaaskehluSf paaskeblust \ ob es in Schweden gebrauchlich ist, weifi
icii nicht. Oiaiu Magnus 15, 5 behauptet scandiuavische Johanoe«-
feuer. auffallender, dafs selbst in England keine spur von osterfeoer.
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OSTfiRFEDBR 9<9
man hier an den osterfeiiern hieng. da nun die Johannis-
feuer mit der clirislHclien kirche eiier zusammenlfMngen als
die osterfeuer, so ist es nicht luigereiint, diese noch auf
den cultus der heidnischen Ostara ''') zu beziehen , wel-
che mehr sächsische und anglische, als eine im übrigen
Deutschland verehrte gottheit gewesen zu sein scheint,
ihren namen und ihre feuer verlegte man, nach bekeh-
ning der Sachsen, auf das christliche fest.**) aus der
osterkerze, die an demselben tag in der kirche entzün-
det wurde, lassen sich die gebirgsfeuer des volks schwer-
lich ableiten : zwar Bonifacius ep. 87 (Würdtw.) nennt sie
ignis paschalis ***), und solcher osterlichter geschieht
noch im 16 jh. meidung. -|-) Bedeutender ist die feuer
und Scheiter weihe auf osterabend, deren Jäger (Ulm p.
521) gedenkt.
Jo/iannisfeuer.'j^) in unsre^ alten spräche wird
die festlichste jahrszeit, wo die sonne ihren gipfel erlangt
*) zu 8.181 hole ich nach, daf« mir dstara und das altsla?.
utroi utrie^ sloven. jutre^ serb. poln. jutro^ böhm. giiro dasselbe
wort scheint, die slav. ausdrücke bedeateii morgen; den Sorben ist
aber jutry aoch ostern, den länebnrger Wenden justroi, gostroi ostern
ficcard bist stud. etym. 277. und Juglers wb., diese letzte form bat
völlig das ST des deutschen worts. sloven. juterniza, poln. jutrzcnka
ihorgeusteru ; jutribog der niorgengott. dem litth. ouszra morgen-
rothe , auszrinne morgenstem mangelt das T, den slav. ausdrücken
das S der deutsclien; das lat aurora, griech. uvQtov haben auch
kein T, gleich jenem Visogothi^Yestrogothi. ähnlich veriialten sich
Iftt. <i>ror^=2Sosor, litth. set^u, goth. svistar ^ slav. sestra* sollte
osiara verwandt sein mit Vesta und 'iiarta? Hyde (de rel. vet. Pers.)
will in usta, vosta', avesta den begrif von feuer finden: ob dies zu-
lässig ist oder nicht, müssen wir erst von Burnouf lernen.
*') Letzner a. a. o. sagt, nachdem Bonifacius zwischen Brun-
stein und Wibbrechtshausen den heidnischen götsen Reto (er köimte
aa Bedas Rheda erinnern) gestürzt , habe dwi volk auf diesem Ret-
herg ^m ostertage, mit der sonnen Untergang, noch bei menschen
gedenken, das osterfeuer gehalten, welches die alten hockst hörn ge-
heifsen.* am rande ist wieder sein gewährsmann der verlorne Conra-
dos Pontanus (oben s. 129.) Wie das osterfeuer selbst zu der be-
neftoung bocksdom kommen soll, ist schwer einzusehen: so heifst
MMist eine stände oder pflanze, die Tgayuxuy&^a, unser heutiges tra-
gaut. wurde bocksdom in die osterflamme geworfen? wie in das Jo-
liannisfeuer bestimmte kräuter.
***) merkwürdig, dafs einige behaupteten, die osterkerze sei
durch brennspiegel oder chrystalle angesteckt worden (Serarrius ad
epist. Bonif. pag. 343); gleich jenem feuer der Vesta.
f) Franz Wessels beschreibung des päbstlichen gottesdienstes In
Stralsund (Rühs pomm. denkw. p. 183. 184.)
ff) beste abh. ist: Franc. Const. de Khautz de ritu ignis in na-
tali S.Joannis bapt accensi. Vindob. 1759. 8.
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hat und 0un wieder herübsink^n mufe, mnnewendß
(solstiliuni) geoanat, gewöbnlicli in der pluralform, we3
dieser höbe stand der sonne mebrere tage anbält: 'ze ei*
nen sunewenden' Nib. 32, 4; zen nsebsten sunewendea'
Nib. 1424, 4; Wigal. 1717; ^vor disen sunewenden' Kib.
678, 3. 694, 3; 'ze sunnewenden. Trist. 5987; ^an suiMy
•wenden dbent Nib. 1754, 1; auch Iw. 2941 würde ich
die lesart 'nach den sunnewenden' vorziehen. *) Da hier*
mit Johannistag zusammeutrift, beifsen jene feuer in ober-
deutschen urk. des 14. 15 )b. Bunu^entfeuer ^ sunherU-
fewr **), und noch jetzt unter dem Ostreich, nnd bair.
volk sunäweisfoir ^ 6unu>ent&feuet\ Die bescbreibungen
der Jobannis stimmen zu denen der osterfeuer ; ^einiges
abweichende wird sich ergeben. Zu Gernsbeim (im maiu*
auscheii) wird das entzündete feuer von dem pfarrer g^
segnet y und solange es brennt, gesungen und gebetet;
erlischt aber die flamme, 30 springen die kinder über
die glimmenden hohlen^ ehmals thaten es auch die er-
waclisnen. Reiske a.a.O. p, 77 sagt: *das feuer wird uu-
ter freiem himmel angemacht, vom jungen und gemeinen
Volke darüber geipriingen, allerhand hraut darein gi-
worjen : gleich ihm möge alles ihr Unglück in feuer und
rauch *aufgehn. An etlichen orten steckt man n^achts ans
den kammern latemen au und bekleidet sie mit klaprosea
oder klatschen, damit ein heller glänz entstehe.* Zu
Nürnberg betteln die bubeu holzscheiter zusammen, fah-
-ren sie an den bleicherweiher beim spitteltbor, zünden
sie an ^ und wenn das holz brennt , springen sie darii^
her. man erhält dadurch gesundheit aufs ganze jähr (vgl
abergl. 918.) sie laden auch vorübergehende zum sprungt
ein, die einige kreuzer für die erlaubnis geben. Am Jo-
bannisabende vmrde allenthalben lustig über die sonnen--
wendefeuer gesprungen^ und dabei muste metb seiib
erinnert sich Denis aus seiner jugend (lesefr. 1, 130.) Zu
Ehingen in Schwaben k'odite man erhsen am entzündeletf
feuer, welche aufbewahrt und bei quetschungen und wun-
den heilsam erachtet wurden (Schmid Schwab, id. 167);
vgl. das kochen beim notfetier (s. 346-) Greg. Strigcni-
tius (geb. 1548 f 1603) in einer auf Jobannis gebalinen
predigt, die Ecc. fr. or« 1, 425 anfülirt, bemerkt, das
*) f3r ze flunnewendeo heifst es aocb 'zu sungihtenJ Sdieffen
Haltaas p. 109. 110.
**) Hahn moDOnr. 2, 693. Satnera beriditigungen. Hüachan 179^
p. 107. (a. 1401.)
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tölk (in Meilaen oder Thnringen) iafize iinA äingd urh
äie Johannisfeu^t : einer habe ein pferdehaupt iri di^
flamme geworfen , und dadirrch die hexen Kwingen
wollen, von deili feüer füi* sicli zu hdlen. Seb. Frank
im weltbüch 51^: *än S. Johänstag mächen si ein ^itn^t-^
feuer^ tragen attch Ai%€xi tag sundere hrerie äöf, ^eif^
liicht and ^aä aberglaub eti , von beifufs xtnA eisenhfdUt
gemacht, und hat »chier ein jedet ein btaU htautj rit^
teraporn genant ^ in der hand: u^elches dar durch in
das feuet eihet^ dem tbut dis ganz jähr kein ang -weh;
wer vom feur heim iu häts weg wil gehn, der witft
dis sein kraut in das feur, sprechende » *es geh hinw^eg
tmd werd verbrennt mit diseüi kraut al mein Unglück.'*)
In früherh zelten nahm^ ober auch die ffeine -^elt an die*
Äen (reudeu Feuern theil, fursten und könige^ des Petr.
Herp ann. francof. erzählen ad a. 1489 (Senkenb. seh 2,
22): 'in vigilia S. Job. bapt. rogus ingens fuit factus ante
donium consulum in foro (francofurtensij, fueruntque
ftialla vexüla depicia posita in struem lignorum et vexillum
regis in supremo positum, et cirCa ligna ranii virentes
posili, fuitque magna cliorea dominörum rege inspiciente.*
Zu Augsburg zündete 1497, in kaiser Maximilians gegen-
*^art, die schünö Susanna Neithard das Johannisfeuer
mit einer fachel an, und machte dann zuerst den r ei gen
Um die flamme an Philipps band.**) In einer raünchner
iirk. von 1401 wird berefchnet: *umb gras und knechten,
die dy pänk ab d^m haws auf den margt trugen an
der sunbentnacht , da herzog Stephan u. sein gemache!
tmd das frawel auf dem margt tanzten mit den par-
gerinen bei dem sunbentfu^n^***} im >. 1578 lieft der
0 am 20jun. 1653 erlief« def rath zu Näraber^ folgendes man-
Hat: Demnach bifshero die erfahrnng^ bezeugt, dafs alter heidnisdier
böser frewohnheit nach jährlichen an dem Johannestag auf dem land,
»owol in Städten als dörftfrn von Jungen leuten geld und holz gesam-
iet mid darauf das sogenant sonnenwendt oder zimmetsfeuer angezün-
det, dabei gezecht u. getrunken, um solch f euer gedanzetj darüber
gf^tprun^erit mit anzündung gemsser hräuter und hlumen^ und ste^
clung der hrand aus solchem (euer in die f eider % und sonsten in
tlelerjeiweg allerhand aberglänbische werk getrieben worden — als *
hat em E. E. rath der Stadt Nürnberg nicht unterlassen sollen m)ch
können, solche und andere Ungeschicklichkeiten, abergläubische nnd
heidnische werk und gefährliche feur bei bevorstehendea Joh. tag abzu-
rtellcii. (neuer IFt. anz. 180r. p.318.)
*') Gasseri am», mlgiist ad a. 1497, Tgl. Rankes roman. u. germ.
▼olk. 1, 102.
***} Sotaers bericlitigungen p. 107.
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308 JOHANMiaFfiüBlt
herzog von Liegnits Johannisabeiids eio fi^eudcAfeuer auj
dem Kynast halten, wobei er selbst mit seinem hof su-
g^cD war (Schw einleben 1, 347.)
Ausfübrlicber ist die beschreibung des JohannisCeoers
im jähr 1823 zu Konz, einem lothringische/i , aber deut-
schen dorf an der Mosel, unweit Sierk und Thionvüle.
jedwedes haus liefert ein gebund stroh auf den gipfel des
Strombergs, wo sich gegen abend männer und bursdie
versammeln; frauen und madchen sind beim burbadier
brunneu aufgestellt, nun wird ein mächtiges rad derge-
stalt mit Stroh bewunden , dais gar kein holz mehr su
sehen ist, und durch die mitte eine starke, zu beidea
seilen drei fufs vorstehende stange gesteckt, weldie die
lenker des rads erfassen 3 aus dem übrigen stroh bindet
man eine menge kleiner fackeln, auf ein vom maire zu
Sierk (der nach altem brauch dafür einen korb kirschen
empfängt) gegebnes zeichen erfolgt mit einer fackel die
anzündung des rads, das nun schnell in bewegung gesetxt
wird, Jubelgeschrei erhebt sich, alle scJiwingen fädeln
in die luft , ein theil der männer bleibt oben , ein theü
folgt dem rollenden, bergab zur Mosel geleiteten feuer^
rad. oft erlischt es vorher; gelangt es brennend in die
flut, so weissagt man daraus gesegnete Weinernte ^ und
die Konzer haben das recht von den lunliegenden Wein-
bergen ein fuder weifsen weins zu erheben, vrährend das
rad vor den frauen und madchen vorüber lauft, brechen
sie in h^udengeschrei aus, die männer auf dem berg ant-
worten; auch die einwohner benachbarter dörfer haben
sich am ufer des flusses eingefunden ^ und mischen ihre
stimmen in den allgemeinen jubeL"*)
Ebenso sollen jährlicli zu Trier die metzger ein feuer'
rad vom gipfel des Paulsbergs in die Mosel hinabgelas-
sen haben.**)
*) m^m. des antiquaires de Fr. 5, 383 — 886.
**) zur erinneruiijsc »11 den einsiedler Paulus, welcher om die
mitte des 7 Jb. von dem Gebennaberg bei Trier den götzen Apoll«
in die Mo^el gestürzt habe, meint der verf. des aufsatzes über Kons
p. 387. 388. Wenn hierfür Trithem de viris illnstr. ord. S. Beoed.
4, 201 gewähr leisten soll, so finde ich wenigstens p. 142 der opp.
pia et spirit ' Mogunt 1605 nnr, dafs Paulus Trier gegenüber aif
dem Cebenna wohnte und dieser nach ihm mons Pauli benannt warde;
▼on Apoll und dem feuerrad kein wort, ob die cölner ausg. des
buchs de vir. illustr. Ben. von 1576 mehr enthalt, bezweifle ich. dem
auch das compendium annal. de orig. Francor. unter Clodoveos (Dt-
goberts söhn) sagt nichts mehr und nichts weniger, desgl. die acta
sanctor. unterm 8febr. p. 170, die acta Beued. sec 3, p. 268— 276
und Browers annal. trev. lib. 7. p.4i6 (Colon. 1626.)
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JOflANNISPMJBR 353
Die «Ute der Johannisfeuer und rSder In Frankreich
bezeugen schon schriftsteiler des 12 und 13 jh.^ Joh. Be-
leih, ein pariser theolog, der um 1162 eine summa dd
divinis ofiiciis schrieb, und Wilh. Durantis, geb. unweit
Beziers in Languedoc um 1237, gest. 1296 , der bekannte
verf. des rationale divinor. offic.*) in jener summa (gedr.
zu Dillingen 1572) cap. 137. fol. 256 und daraus entlehnt
im rationale lib. 7 cap. 14 heifst es: 'ferüntür mioqtie (in
festo Johannis bapt.) brandae seu faces araentes, et
fhint ignea^ qui significant sanCtum Johannem, qtii fuit
iumen et lucerna ardens praecedens et präeöursor verae
laeis • • . rota in quibusdam locis volviiur , ad signiiican-
dam, quod sicut sol ad altiora sui circuli pervenit, nee
altzQS potest progredi, sed tunc sol descendit in circtilo^
sie et farna Johannis, qui putabatur Christus, descendit,
secundum quod ipse testimonium perhibet dlcens: me
oportet minui illum autem crescere.* Weit älter ist das
freilich unbestimmte zeugnis des Eligius (anh. p. xxx.)
- In grofsen Städten, "Wie Paris, Metz und vielen än-
dern, -wurde der Scheiterhaufen noch im 15. 16. 17 jhw
auf öfTentlichem platz vor dem rüthhaus errichtet, mit
lanb und blumen geschmückt, und von dem maire selbst
angezündet.**) Viele, besonders sudliche gegenden haben
die gewohnheit heute beibehalten. Zu Aix, zu Marseille,
werden auf Johannistag alle strafsen und platze gereinigt,
das landvolk trägt frühmorgens blumen in die städt, je-
dermann kauft sich, alle häuser sind mit blumen ge-
schmückt^ denen heilsame kraft, wenn sie vor Sonnen-
aufgang gebrochen wurden, beigelegt wird: *aco söün
dherbas de San Jean.* einige dieser krautet witjt man
in die flamme^ und die jungen leute springen dariibetj
vorbeigehende werden mit zundern Und versteckten Schlan-
genfeuern geneckt, oder mit wasser aus den fenstern be-
sprützt und beschüttet, in den dörfern reitet inan auf
eseln und mäulem> angebrannte tanneniu^eige in der
band tragend.***)
An vielen orten tragt man Von deti ausgeglühten
branden und hohlen mit nach haus: es sollen heilsame,
ja zauberhafte Wirkungen davon abhängen (franz* abergh
27. 30. 34.)
In Poitou springen sie dreimal um das feuer^
•) geschrieben 1286^, tgl. lib. 8 pars 2 ciip. 3 de epact«.
♦♦) m^ift. de l'acad. celt 2, TT. 78. 8, 447.
•*•) Miliin voy. dtas te midi. 8^ 28. 841— 846i
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aS4 JOBANMSFEUBE
einen nufszweig in der hand (m^m. des antiq. 8, 451.)
hausvüter streifen mit einem büachel Wollkraut (bouiUon
blanc) und einem nujtibanmlaubast dttrcL die flanune,
beide werden naclitier aber die thüre des pielistalls be-
festigt'^ >välirend die Jugend tanzt und eingt, legen sich
greise von der kohle in ihre liolzscliuhe, als schutEmiüel
gegen unzahlige übel (das. 4, 110.)
Im ddpartement des liautes pyr^n^es wird am 1 mai
von jeder gemeinde der höc/iste und schlankste bäum
ausgesucht 9 auf den bergen eine lichte oder tanne, iu
den ebenen eine pappel; nachdem alle äste abgehauen
sind, schlägt man eine anzalil fufslanger keile hinein iiad
bewahrt ihn bis zum 23 juui auf. unterdessen spaltet er
sich rautenförmig wo die keile eingeschlagen sind» und
wird nun auf einen berg oder hiigel gewälzt und getragen,
alsdann ertheilt ihm der priester den segen , man raDimelt
ihn in die erde und setzt ihn in flammen (das. 5, 387.)
Der Johannisfeuer in England gedenkt Strutt *) : sie währ-
ten bis zu mittemacht (nach midsummer eve), oft bis zum
hankrat 9 die Jugend tanzte um die flamme bekränzt mit
motherivort (mutterkraut) und ^erpaine (verbena), peU--
ohen in den bänden«
Italien kannte olme zweifei in mehrern gegenden Jo«
hannnisfeuer ; zu Orvieto nahm man sie von dem verbot
andrer feuer aus.'^*) Für Spanien mag eine stelle aus dem
romance de Guarinos (silva p. 113) vielleicht zeugen:
Tanse dias, vieneii dias, venido eia et de sant Juan^
doade Cliristiaaos y Moros hazen gran soleaidad:
los Chrisiianos echan juncia, y loi Moros arraylian^
los Judios echan eneas^ por la fiesta nias liourrar.
hier ist des feuers geschwiegen,***) aber gesagt, dafs die
Christen binsen, die Mohren myrten, die Juden schilf
*) ttie Sports and pastimes of the people of England by Joseph
Strutt new edit by AVilliam Hone. Lond. 1830 p. 359,
**) statata urbevetana a. 1491. 3, 54: quicunque sine Ii€cad4
oOAcialis fecerit ignem in aliqua fesUvitate de nocte in civitate, in
XI« sol. denarior. puniatur, excepta festivitate S. Joliannis bapt. de
mense jnnii, et qui in illa nocte l'iiratus fuerit vel ab^stulerit ligna vel
tabulas alterius in IIb. x. den. puniatiir.
***) bestimmter redet davon um das j. 1510 Martinas de AHe«,
canonicus von Pampeluna, in seiner abhandl. de superstitionibos (trtct.
tiactatttOm ed. lugd. 1544. 9, 13:i): cum in die S. Joannis pruplef
JDcanditatem multa pie agnntur a ridelilms, puta pulsatio caiiipauaruni
et ign^s jucuntlitatis y similiter sununo niaiie exeunt ad coHigcodtf
herbas odoriferas et optimas et mediciiiales ex sua natura et ex pleiH~
tudine virtutnni propter tempus quidam ignes accenduut in co<b-
pitis viarum, iu agris, ue iude tiortilegae et ttial<;ficae itia nocte
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JOHASaNIBF^mi 965
streuen ; und das werfen von blumen und kraut in die
ilamme sclieint der feierlicbkeit wesentlich, vgl, beifufs,
eisenkraut^ rittersporn (8.351) wolikr«ut: und niifslauch
(8.354,) daher die samlung solcher Johanniskräuter in
Deutscliland (abergl, 157, 189. 190) und der S. Hans ur-
fer in Dänemark (abergl. 126) wie in Frankreich (abergl.
4.) Nach Casp. Zeumer de igne in feeto S. Johannis ac-
cendi solito, Jenae 1699, wurde an diesem tag das kraut «A/-
dfia(f) sorgsam gesucht und über den thüren aufgehängt.
In Griechenland entzünden abends vor Johannis die
weiber ein feuer und rufen darüber springend aus : ich
lasse meine »ünden. In Serbien hält man dafür, das fest
sei so hehr, dafs die sonne dreimal vor ehrfurcht still
siehe.*) den Vorabend binden die hirlcn birkenrinde zu
fackeln und umschreiten mit den brennenden zuerst Schaf-
hürden und ochsenzäune, dann steigen sie auf die berge
und lassen sie verbrennen (Vuk s. v. Ivan dan.)
Bei diesen feuern mul's es noch im hohem grade
zweifelhaft sein , als bei der wasserlustration (s. 328. 332),
ob sie heidnischen od«* christlichen Ursprungs waren, die
kirche hatte sie schon sehr frühe sich angeeignet , und,
wie Beleth und Durantis darthun, auf Johannes gedeutet ;
einigen theil nahm die geistlich keit an der feier, obschon
diese nie ganz in ihre bände übergieng, sondern wesent-
lich von der weltlichen obrigkeit und dem volke selbst ^
geleitet wurde.
Paciaudi^*) müht sich zu zeigen, dafs die Johannis-
feuer nichts mit weit älteren heidnisclien feuern zu schaf-
fen haben und aus dem geist des christlichen gottesdienstes
hervor gegangen seien.
VMos. 18, 10 und II Paralip. 28, 4 wird des heid-
nischen gebrauchs erwähnt, söhne und töchter durch ein
feuer gdin zu lassen. -Theodoret, bischof zu Cyriis
(t458) bemerkt, in beziehung darauf, zu IV Reg. 16, 3:
^liov yaq iv %iqi noXeoiP ana^ tov irovg Iv Tuts
nXarelaiS änro/tuvag nvQccg xal tavrag rivag vtcsq^
aXXo i^ivovs HUI Ttr^dtävius ov fiovov itaidag ctXXa
xai uvdQag. ra di ys ßgifpVj nagärwr f$7]TiQ<av na-
QQ^ego/nsra dia vtje (pXoYog. iäoxei dh %omo ano-^
traiMltam faciant, ut e^o proprio oculU vidi, alii herbas collectas
m ilie 8. Joamrii incendent^x contra ful^riira , touitrua et tempe^tates
credunt sulit funiigatiuiiibiui Brcere daemoiies et tenipestates.
*) wie sie auf ostern dreimal springeo soH (s. 182.)
**) de cuitu S. Johannis baptistae. Roiaae 1755. dUaert. 8
cap. l. 2.
23'
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356 (PALTLIA)
rgoTtiaa/ioe dvat %ai ua&agais*) er sagt nur 'aUfflfr-
licli', ohne angäbe des tags, der uns zeigen vriirde, ob die
Sitte von Rom aus nach Syrien verpflanzt -war. am 21
aprily dem tage seiner Stiftung, feierte Rom die palilien^
ein uraUes hirteufest, zu ehren der Pales, einer mütter-
lichen gottlieit, die an Ceres und Vcsta erinnert.**) diese
zeit fallt nicht mit der sonn envr ende , wol aber mit der
des osterfeuers zusammen ; doch der ritus selbst» das sprin-
gen über die flamme, das treiben des viehs durch die
glut ist ganz wie bei dem Joliannisfeuer und notfeuer.
aus Ovids Schilderung im vierten buch der fasti führe idi
nur einige zeilen an:
727. certe ego transilui positas ier in ordine fiammas.
781. moxque per ardentea stipulae crepitantis acervos
tra}icias celeri strenua membra pede.
795. pars quoque, quum saxis pastores saxa feribant,
scintillam subito prosiiuisse ferunt:
prima quidem periit; stipulis excepta secunda est.
hoc argumentum ßamma palilis habet.
805* per flammas saluisse pecus , saluisse colon&s;
quod fit natali nunc quoque, Roma, tuo.
die flamme w^ar von den hirten aus dem stein gesdüageo,
und in Strohhalmen aufgefangen v^orden; indem sie duidi
dieses feuer sprangen, glaubten sie sich zu sühnen, tu
reinigen^ und ihre heerde vor allem übel zu bewabren,
Dafs hinder von den müttem in die gliU gelegt wor-
den seien, v^ird hier nicht erzählt; man vreüs^ dafs Ce-
res den Säugling Demophoon oder Triptolem, um ibm
Unsterblichkeit anzueignen, vvrie Thetis den Achilles, int
feuer legte.***) Dieser feuercultus scheint in Canaao,
83rrien, Griechenland und Rom eigenthümlich verbreitet,
ohne dafs man befugt w^äre, ihn irgendwo für entlehnt
und übertragen zu halten* Es ist daher schwer zu be-
stimmen ^ aus welcher quelle später die Christen sdtöpf-
ten, um ihn auf ihr oster und Johannisfest anzuwendeo,
oder bei noch andern veranlassungen, schon der canon
65 des concils vom ). 680 enthält ein verbot dieser aber-
gläubischen feuer zur zeit der neumonde: Tag iv ^afs
vovfi/ijviaiß vno Ttvwv nQo %viv oixeiwv iQyaari^flm ^
*) opp. ed. Sirmond, Par. 1642. 1, 352.
**) da Pales aoch männlicJi vorkomnit, so erionert er aa <iea
slay. hirtcngott nus. Folos , l>oiim. // eles.
•••) vgl. das abergläobisdie ^filium in fornacem ponere , pro •«-
nitata febriiim\ und ^ponere iafaatem juxta ignem\ (abergl. xxiv.
xxxn.)
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ANDERE FEUER Wf
o^ai viv^s %a%a to id'os aQ)(^alov, inij^ctQovGip , dno
nagoPTos xccTCCQyfjd^jvcti nQogra^vofJtev» damals wurde
untersagt -was man hernach wenigstens am Johannestag
duldete y und auf gewisse weise mit kirchlichen ein-
richtungen verband.
Wäre nun auch das beinahe allgemein in Europa ver-
breitete Joliannisfeuer, gleich dem Johannisbad^ zu-
nächst von der kirche ausgegangen, und hätte sie es in
Italien unnuttelbar von den römischen palilien her über-
kommen; so folgt noch nicht, dafs unsere oaterfeuer
im nördlichen Deutachland eine blofse modi£cation der Jo-
hannisfeuer sind, sie können geradezu aus feuern des ein-
heimischen heidenthums hergeleitet werden, dafiir spricht
die Verschiedenheit des festtags, vielleicht auch ihre rohere
form, bei dem osterfeuer ist berg und hügel wesentlich,
das sonnwendfeuer wurde häufig auf markten und in stra-
Isen angezündet, des springens durch das feuer, der blu-
nien und kränze, finde ich bei jenem kaum gedacht.
Ich darf nicht unerwähnt lassen» dals verschiedent-
lich auf Weihnachten und in der fastenzeit, wie auf ostern
und Johannis, feuer angezündet wurden. In Frankreichs
ist noch heute die souche de noel oder das trefui üblich
(franz. abergl. 1. 28.), für Deutschland weise ich die
gleiche sitte bereits aus dem 12 jh. nach. in einer
xx^i von 1184 (Kindl. münst. beitr. II urk. 34) heifst es
von dem pfarrer zu Ahlen im Münsterland: et arborem
in nativitate domini ad feativum ignern auum adducen«
dam esse dicebat. Seb. Frank (Weitbuch 51*) gibt fol-
gende fastnaclitsgebräuche aus Frankenland an: ^an andern
orten ziehen sie ein Jeurinen pflüge mit einem meister«*
liehen darauf gemachten feur angezündet, bifs er zu trüm-
mern feit (vgl. oben s. 163.) item, sie flechten ein alt wa-
ganrad voller slrow, tragen es auf einen hohen, gehen
berg, haben darauf, so sie vor kelte mögen bleiben, den
ganzen tag ein guten mut, mit vüerlei kurzweil, singen,
springen, danzen, geradigkeit, und anderer abenteur.
Umb die vesperzeit zinden sie das rad an uud lassen es
mit vollem lauf in das thal laufea, das gleich an zu
sehen ist, als ob die sunn von dem himmel lief.' dieses
Bv/ieibent reiben auf fasten gedenkt Schm. 1 , 544 ; der
tag keifet Jtmkentag^ im Rheingau hall feuer. In Frank-
reich: la f^le des orandons,^) Vei*niiUiich kommen auch
*) fmnz. abergl. 16. mem. deä aiitiq 1 , 236. 4, S7i.
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356 ANDERE FEDER
bei der Weinlese liin und wieder solche freudenfeiier tot.
Im Voigtland sieht man Walpurgisabends auf den meisten
1>ergcn feuer j und kinder mit brennenden besen (Jul.
Schmidt Reichenf. 118.)
In Rufsland sollen emtefeuer dem Kupalo, einem gott
der fruchte zu Kiew, gegoUen haben. Jünglinge und
mädchen, blumenbekränzt imd mit heiligem kraut um-
gürtet, versammehen sich den 24 juni, zündeten feutr
an, sprangen und führten die her de darüber, und
sangen lieder zu des gottes preis, sie glaubten dadnrHi
ihr vieh vor den leschien (waldgeislern) zu schützen. Nodi
)etzt hat die heilige, deren fest der griech. ritus an die-
sem tage begeht, den beinamen kupalnitza, und selbst
brennende holzhau fen werden so genannt, nach Karam-
sin die blume, welche man auf Johannestag ausstreut.*)
Ob auch bei den koljaden oder koleden, die ganz Sla-
venland zu Weihnachten und neujahr feiert , feuer bren-
nen, ist mir unbekannt.**)
Heidnisch deutsche feuer lassen sich auf verehntng
der göttin Ostara, die sicli vielleicht schon im namen mit
Vesta (8.349) oder mit Pales vergleicht, beziehen, aber
auch noch auf andere ergreifende ereignisse z. b. Bälden
Scheiterhaufen zurückführen, das sind blofse mutmafsnngen.
Wäre im mittelalter eine Vermischung der beiden Jo-
hannes, des täufers und des cvangelisten , vorgegangen,
so möchte ich die eigentlich nur letzteren betreffende sittc
der Johannesminne (oben 8.37) mit dem Johannisfeuer
in berührung setzen. Es ist dabei allerdings von keinem
feuer die rede, aber dem altnord. minnetrinken waren
feuer wesentlich; die Sueven bei ihrer bierkufe («.43)
brannten wol auch feuer? in der saga HÄkonar göda cap.
16 wird gesagt: ^eldar scyldo vera k midjo gölfi t hofino,
oc thar katlar yfir, oc scyldi füll oj eld bera\ und
sollte man die becher rings um das feuer tragen. Sefcr
merkwürdig scheint mir das in einem theile Schweden»
und Norwegens fortübliche ^dricka eldborgs stkV (schwed.
abergl. 122. 123.) zwei grofse lichter werden zur licht-
*) Popow p. 28. Kayssarow p. 65. 66. Karamsin 1, 73. 81. 284.
Nach Dobrowsky im SInvin p. 409 ist kupalo nnme des feste« , aielit
eines götzen, von kupa, heahaufe; er fügt hinzu, dafs aach ia
Böhmen Jotianniäfeuer ut>lich waien und man kiUie darüber fikrlt^
um sie vor hexerei zu bewahren.
**) man leitet koljada , bölim. koleda vom ht calendae oder tiw
cotenda ; sonst bexeictiaet dies fest die dem Johannistag gegenäbenle-
heude wiuteräoniienwende , und vergleicht sich dem nord. julfest
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OPBN 359
messe aufgestellt ^ }ede8 glied des hauses sitzt der reihe nach
zwiscLen ihneu nieder und thut aus hölzernem becher einen
trank, nach dem trinken vrird die schale rückwärts über
das haupt geworfen, stellt sie sich niederfallend um, so
stirbt der werfende ; steht sie recht auf, so bleibt er am
leben.*) Frühmorgens hat schon die hausfrau fener in
den backofen gemacht und versammelt nun in einem halb-
kreis vor dem ofenloch**) ihr gesinde; alle biegen die
knie, essen einen bissen kuchen imd trinken eidbor g»^
slAl, was von kuchen und getränke übrig ist wird in
die flamme geworjen» Eine unverkennbare spur heid-
nischer feuerverehrung , auf das clirislliche fest der ker-
zeoweihe, welches die meiste ähnlichkeit damit gewährte,
verlegt.
Das nhd« ofen, mhd« open, ahd. opan* altn. 6n
entspricht dem goth. aüfma, altschwed. omn^ ofn^ ogn^
neuschwed. ugn, dän. oi^n; alle bedeuten fornax, a.h.
das im behälter eingescldofsne feuer, ursprünglich aber
war CS des feuers name* selbst, slav. ogan, ogen^ böhm.
oheny litth. ugnis^ lett« ugguns^ lat. ignia, sanskr. agniy
der gott des feuers. Wie nun das schwed* volk vor dem
ugnhol niederkniet^ so ist in deutschen märchen und
sagen der zug, vor dem ojen zu knien, und ihn anzu^
beten j erhalten; unglückliche ^ verfolgte wenden sich zum
ofen und klagen i/w leid^ enthüllen ihm ein geheimnis,
das sie der weit nicht anvertrauen.***) was sonst abge-
schmackt scheinen würde, erklärt sich: es ist die vom
uralten feuercultus übrig gebliebne, unverstandne form
mid formeL Auf ähnliche weise wird der mütterlichen
erde, oder einem stein, einer pflanze, geklagt und ge-
beichtet, diese personiücation des ofens hängt zusammen
mit Vorstellungen des mittelalters von dem orcus und der
hölle, ab orten des feuers. vgl. Erebi fornax (Wallliar.
^4) und was oben s. 156 über Fornax gesagt wui*de.
*) bei anderoi anlab äliuliches rückwartswerfen des ausgeleerten
glaües (abergl. 61 4. 707.)
**) ^for ugiistiotet^; so ist s. cxin zu lesen.
•••) Imas lind kinderro. 2, 20. 3, 221. deutsche sagen no.513.
Im kinderspiel der reim : lieber ofen ich bete dich an , hast du eine
ino, hätt kii einen mannT In dem lustspiel Mer ehrliciieu Trau
Sctilanipaiiipe leben und tod' Leipz. 1696 und 1750 heifst es act.3.
sc. 8: ^komni, wir wollen liiiigelien und por den ofen knien, vicl-
leidit erlioren die gotter unser gebet.' Ein im j. 15.58 beraubter, der
•üUschweigen gelobt hatte, erzählte im wirtäliaus seine geschidite dem
kacheiofeth RojiinieU bess. gesell. 4. aiim. |>. 420.
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dm FRBDMaWBUBR
Da8 leuchtende element gestatlete ein fest in die nadrt
zu verlängern, feuer waren von jeher ausdruok von freu-
denbezeugung. wenn der cuUus in freudenfeuer über*
gieng, ignes jocunditatia ^ Jeux de joie^ engl. honfire9\
konnten diese auoh, ohne bezug auf göttliche Vereh-
rung, bei andern frohen aolässen, namentlich dem ein-
zug des königs oder Siegers vorkommen, so liefs man
dem küuig einen fachelti>agen folgen , hernach den vra-
gen anzünden , wie beim Jobannesfest pflüg und rad«*
(EIA. 265.) Von dem, was wir jetzt illumination ^ d.ii.
erleuchtung der strafsen und baumgänge , nennen , gibt «6
wahrscheinlich ältere beispiele, als die ich anführen kano.
Von kleinen kerzen manec sohoup geleit Af ölboume loup^
Parz. 82, 25. Detmar (ed. Grautoff 1, 301) beim einsog
kaiser Caiis in Lübek: ^des nachtes weren de luchten
bernde ut allen husen imde was so licht in der nacht ids
in dem dage.' Auch die kirche geleitete mit fackelziigea:
^cui (abbati) intranti per noctis tenebras adhibent faces et
lampadaSt' ChapeaviUe 2, 532 (12 jh.) ^Hirimannus dtix
susceptus est ab arcliiepiscopo manuque deducitur ad eccle«
siam accensis luminarlbus, oimctis<|ue sonantibus campa-
nis.' Dietm. merseb. p. 35.
III. LUFT,
die begrüFe luft^ u>ind^ weiter berühren sich^ auch oft
in den ausdmcken.*) alle sind wiederum als ein beweg-
tes, lebendiges wesen gedacht, wir haben gesehn, wie
die Wörter animusy Spiritus, geisi auf genien gedeutet
werden: auch das slav. dach ist hauch, athem, geist.
Gustr, Zephyr^ Blaser (s.260), Bläsier, fVind yaäi
Jf^etter (j^diS) eigennamen von zwergen, elben, riesen.
dem ah4. i^etar, alts. wedar, ags. veder (tempestai)
entspricht das slav. ueter^ vjetar (aer, ventus); dem
goth. vinds^ ahd. u>int das lat. uentus.
Die personification bricht hier schon in appellativHi
durch, in den mythischen vorstellMngen selbst ist sie auf
das mapigfaltigste ausgesprochen.
Holzschnitte und büder pflegen, halbsymbolisch, die
winde ?il« blasende gesichter und häupter aufzufassen,
wahrscheinlich von sehr früher zeit an, man wird da-
durch des wehender^ Johannishauptes erinnert, das die
Herodias in den leeren räumen des himmels herumtreibt
(s. 176.) Die winde der vier hauptseiten treten als mr
*) lujt neliiiie ich unter die warnet liuban oo. 530 derea %A^
deutuog nodi duuWcl ist, vgl. kliuban, kluft; skiubaa« akiUt
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WIND 961
JHnerge a»f (8.260)^); nadi griedi, darstelhing als rieaen
miibrüden: Zephyrus, Boreas, Notua (Hes. theog. 371)9
auck des Boreas söhne Zetea und Calais sind geflügelte
mnde (ApoUonius Argon. 1, 219.) jieolus^ ursprünglich
beld und könig^ vrurde zum göttlichen beherscher und
lenker der winde erhoben* Nach russischer volksüberlie-
ferung sind die vier winde söhne einer mutier**)^ das alt-
ru8s. Igorlied redet den wind mit ^herr' an^ und die winde hei-
hmStribogs eniel***)^ dessen göttliche natur sein name kund
gibt Ebenso wird in märchen, und von morgenländischen
dicktern der wind redend und handelnd eingeführt, f)
Die altn. stammsage macht Forniotr, den göttlichen
uniesen (s. 147) zum vater des Kdri (stridens), ^der über
die mnde her seht. "^ Kdri zeugt löiul (glacies), lökul
Snar (nix) den könig, dessen kinder, ein sphn IViorri,
und drei töchter Fönn^ Drtja, Miöll heifsen, lauter per-
sonificierle benennungen einzelner erscheinungen von schnee
und eis (Sn, ä58. fornald. sog. 2, 3. 17.) Kdri ist aber bru-
d» des Hl^r (s. 146) und Logi (s. 148), des wassers und
feuers, wodurch die nahe Verwandtschaft der luft mit den
beiden andern elementen ausgedrückt wird, in diesem
sinn steht einer höheren, asischen gottheit, dem Niördhr,
die herschafi zugleich über wasser, wind und feuer zu
(8. 141.)
Wenn noch in unserer heutigen spräche eine art des
Sturmwinds genannt wird Windsbraut (venti conjux) und
Mbon in der älteren so hiefs (gramm. 3, 391); so schei-
Dfu nur die eigennamen verloren, die verderbten formen
wiotsprout (Frauend. 21) wintspraut (Suchenw. 41 , 804)
"windbraufs (bei späteren, z. b. Matthesius) sind aus dem be-
streben hervoi^gegangen , dem unverständlichen mythischen
begrif eine andere deutung unterzulegen.
Aufser solchen mehr allgemeinen Vorstellungen scheint
aber eine besondere über des winds Ursprung fast durch ganz
Europa zu reichen, zufolge der edda heifst Hrcesi^elgr
ein riese , der in adlergestalt W) ^^ des himmels ende
sitzt: von seinen flilgeln hojnmt aller wind über die
menschen (Sium. 35***) Snorri bestimmt es noch genauer:
•) daram sind auch SstrSni^ westrdni^ sunftrSnij nordrdni maim-
liehe substantiva; die gotli. formen würden lauten dtistrSneis u.s.w.
**) roM. Tolktfmarclien. Leipz. 1831 p, 119,
***) Srjetrje yjetrilo gospodine.* Hankas aiisg. p. 12. 36*
i) z. b. X4alo8 p. 180 (Bopps 2 ausg.) KM. no. 88«
ff) den amar harn nehmen die riesen öfter an sich: Thiazi (Sa.
^.82) Suttüngr (Sn. 86.)
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382 WIND
er sitzt an der nord«eIte des himmeb^ und ipenn er die
flUgel schwingt (beinir fing), erheben sich unter ihnen
die winde (Sn. 22.) und in der forme! des trjgdamH
(GrÄgäs 2, 170) heifst es: ^svä vidha sem valr flj'gr vär-
langan dag, oc standi byrr undir bddha vaerigV^ so
weit der habicht einen sommeriangen tag fliegt, wenn
ihm günstiger wind unter beiden schwingen steht* licichte,
sturmdrohende wölken nennt man auf Island kldsigi
(Biörn schreibt klusegi) d. i. klauensenkuug , nach Gunnar
Pauli, weil der adier durch niedersenkung der einen klaue
Sturm veinirsache (Finn Magn« p. 452.) *)
Nun soll man auch aul den shetläudischen iusdn den
Sturmwind in der gestalt eines grofsen adlers bescliwo«
ren.**) Aber noch im 12 jh. kannte man in Deuta<dilaiid
den Zusammenhang des windes mit dem adler, Veldek
singt MS. 1, 21«: *}Ärlanc ist reht, da» der ar winke
dem vil süezen wiride\ heuer soll uns der adler müden
wind zuführen. Wie viele gangbare Vorstellungen des
mittclalters sind uns verloren, da unter allen dichteniy
die iinzUhligemal von luCV, wind und stürm reden, nur
ein einziger auf diesen mythus anspielt« Aber nicht bkfii
aquila und aquilo***)y vultur und vullurnus YreiBen auf
einander, auch avs/iog und aero^, von der wurzel im,
äij/ti.i) nach Horapollo 2, 15 stellt ein sperber mk
ausgebreiteten schwingen den wind vor. adler, habicht,
geier, sperber sind lüer identische raubvögel. ff) au<^
*) auch den tAg dachte man sich als einen vogel, der seite
lüaaen in die wölken schlägt.
**) Walter Scotts pirate. Edinb. 1822.
***) Festus: aquilo ventus a Tehementissimo volata ad instar aqtd'
lae appeltatnr.
f) Wackemagel über ablaut p.dO. Eustatliius sar 11.87, 15 IUmi.
f-f) ^OT, Haupt führt mir aus Brantomes vies des hommes illa-
stres, tonie 1 p. 40 der neunten pariser ausg. ein franz. dixain aaf
kaifter Carl des 5 africniiiächen zu^ an:
J/aigU voulant tromper la salamandre
et la snrprendre, parurent antonr d'elle
les foens ardans, qui ia scenrent deffendre.
parquoy craignant de brnsler lä son aesle
reprit en mer nne voie nouvelle.
inais ne pouvant aux siens dissimuler ■
son double coenr, qu'elle vouloit celer,
tut d^eux battne, et baignee de «orte,
quVlIc ne pent nullement revolter
et presqu' autaut luv vnlust estre motte.
*j*ay trourö', sagt Brantome, ^cestc rynie dans de vicux papiers de
nostre maison*, und schon der herausg. von 1740 maciit um sieta
die aunierkung: ^i^nis^ apparement.'
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WIND STÜRM 363
dfld A,T. (lenkt sich die *vrlnde gefitriclit, ohne (Icn vogel
aiKBugeben: 11. Sam. 22, 11 schwebte auf den fliigeln
der winde; ps. 18, 11. 104, 3 volavit super pennas
pentorum» N. verdeutscht: uberfloug die vettacha dcro
windo, und Martina 7« heifst es mit bezug auf den bi-
blischen redegebrauch: Mer Af der winde vedern saz,'
Den Finnen ist holcho (kotka) der adler, aber ein
Bed, das den nordsiurm schildert, beginnt: *kain der
adler her aus Turja, senkt von Lappmark sich ein vogeP
und schliefst: 'unterm flügel hundert männer, lausende
auf Schweifes spitze, zehn in jeder spule stehn.'*) Und in
einem neugriech. Volkslied ruft der sperber (wie bei Ho-
rapoilo) die winde an , sich zu beschwichtigen : ^ino tu
tfixo^a ßovva legaxc iavQS XaXta' na^psT, aeQeSy nd^
ijme iniijfe xäXXfjV fjtmv ßgadia**) die winde stehn
unter des vogels befehl und gehorchen ihm.
Hroeevelgr (ahd. Hr^osuelah?) bedeutet leiclienver-
schlinger , was auf raubvögel , die vom aas zehren , geht,
aber auch auf die luftreinigenden winde und stürme be-
z(^en werden dsorf. sie tilgen die ausdünstung der unbe* '
graben liegenden leichen.
Ist darin der wahn begründet, wenn sich einer ouß^
hänge, dafs dann Sturmwind entstehe?***) der raubgie-
ge vogel nahet hastig, um sich des todten zu bemächtigen,
der ihm verfallen unbeerdigt am bäum schwebt? Oder
tobt die luft, weil sie den Selbstmörder nicht in sich dul«
det? Neujahrsturm soll pest ankündigen (abergl. 330.
910), im voraus leichengeruch verbreitend.
Den Sturmwind stellt sich das volk vor als ein gefrä^
fsigesy hungriges wesen^ (folglich als riesen, nach dem
begrif von iötunn s. 297) und sucht ihn durch in die luft
geschüttetes mehl zu beschwichtigen, f) ich halte dies für
einen uralten aberglauben.
In den beiden wetterscgen (anh. cxxx) werden Mer^
nteut und Fasolt als böse geister und urheber der stürme
»ngerufen. Fasolt ist der aus unserer heldensage be-
•) finnische roncn. üp«. 1819 p.58— 60.
••) Ffturiel 2, 236. Wli. Müller 2, 100.
***) abergl. 343. Kircbliofers Schweiz, spr. 327. CI. Brentano
Libosia p.432.
i) at>ergl. 282. Pnietoriiifl weltbesclir. I, 429: zu Bnniberjr,
als starker wind wütetet fafste ein altes weib ihren m^Usack und
schüttete ihn ans dem fenitter in die luft, and sprach dazu die worte:
't^ge dich, lieber wind, bring das deinem kindf Sie wollte damit
^n hunger des winds, als eines frafsigen löwen oder grimmigen
v«»l& stillen.
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364 WIND STURM
kannte rlese, EdLes bruder, welcher sdbst gott der flu-
ten und wellen war (s. 146* 147.) beide brüder haben
verwandte beslünmung, sie gebieten dem grausenhaften
nieer und dem wetter« Die auskunft )ener beschwörungs-
formel über Fasolt scheint mir von höchster wichligkek
luid ein schlagender beweis für die identität des Ecke und
Oegir: denn wie Hl^r und Kdri, sind auch Ecke und
Fasolt brüder und riesen; wie Hl^r dem'meer, Rari dca
winden, so gebietet Ivcke dem gewässer, Fasolt deot
Sturm, der wind heiTst den nord. dichtem Forniots sonr,
Oegis briklhir/) Da nun Hl^r bei einem andern volk
Oegir, d.i.Uogi9 Ecke hiefs, kann auch K^ Fasdft
geheifsen haben. Fasolt mul's schon darum ein altes -wort
sein, weil es sich aus unserm dialect nicbt mehr erklärt;
altn. ist fas superbia, arrogantia, der name scheint rie«
seulinften Übermut auszudrücken. Mermeuf, was sonst
nirgends vorkommt, könnte aussagen: im meer tosend^
murrend? Schm. 2, 552. 656 hat maudem, mutem,
murmurare.
Diese halbgötter und riesen verhalten sich xu Donar»
dem höchsten lenker der wölken und wetter^ wie Äolns
oder Boreas zu Zeus.
Die Letten nahmen einen gott der winde und stürme
Okhipeernis an, und glaubten, dafs diese von seiner stlme
den himmel herab zur erde kommen.'*'^)
In einer ahn. saga (fornald. sog. 3 9 122) tritt riese
Grtmnir auf, dessen vater und brüder Grfmdlfr und Grf-
marr heifsen , eine art Polyphem , welcher stürm und gw»
ten wind erregen kann. Halbgbttliche , in eignen tem«
peln und durcli blutige opfer verehrte wesen waren die
riesentöchter 2^iorgerdtir und Irpa (oben s. 66.) sk^d-
skaparmdl 154 heilst Thorgerhr Hölgabrudhr^ d.i. toch-
ter des königs liölgi, anderwärts hörgahrudhr oder Acfr-
gatröll (fornald. sog. 2, 131), sponsa divum, immanissima
gigas, was vielleicht an )enes tvindsbra^it erinnert, beide
Schwestern saudien, wenn sie darum angefleht wurden,
Unwetter^ stürm und hagel^ forum, sog. 11, 134 — 137,
Aufser ihnen werden in altn. sage noch andere fraueu
genannt, die unwetter und nehel schallen, z. b. lieidhi
und llamglöm (fornald. sog. 2, 72) lugibiörc (das^ 3»
442.***)
•) Forniots sefflr= aieer und wind. Sacra. 90»».
'*) okka, snn*(t auka, stürm; peere stirne. Steaders granmi. 266«
") vgl. s. 261 bulizhialmr.
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WIND STÜRBI 865
Was man ursprünglich göllern, halbgöttern und rie-
sen beilegte, die liervorbriugung von wind, stürm und
hagely vrurde späterhin menschliclien zauberern zuge-
schrieben, ich mufs hier einem der folgenden cap. vor-
wegnehmen, wodurcli die vorsteUung des heidenthums von
einigen hifterscheinungen erläutert w^erden kann.
Carl der grofse hatte schon im capit« von 789 cap. 63
verordnet, 'ut nee cauculatores et incantatores , nee tem-»
pestarii vel obligatores non iiant, et ubicunque sunt
emeudentur vel damnentur.' bald nach des königs tod,
SU anfang der regierung Ludwig des frommen, schrieb
bischof Agobard (f 840) contra insulsam vulgi opinionem
de grandine et tonitruis. aus dieser Schrift ziehe ich^ nach
Baluzens ausg. der werke Agobards, einige stellen.
1, 145. in bis regionibus pene omnes homines, no-
bües et ignöbiies, urbani et rustid, senes et juvenes, pu-
tant grandines et tonitruw hominum libitu posse fieru
dicunt enim, mox ut audierint tonitrua et viderint ful-
gura: ^aura lei^atitia est.' interrogali vero, quid sit
aura levatitia? alii cum verecundia, parum remordente
conscientia, alii aulem confidenter, ut imperitorum mo-
ris esse seiet, confirmant incantationibus hominum, qui
dicuntur tempestarti ^ esse lepatam^ et ideo dici leifa^
titiam auram.
1, 146. plerosqiie autem vidimus et audivimus lanta
dementia obrutos, tania stultitia alienatos, ut crcdant et
dicaut, quandam esse regionem, quae dicatur Magonia^
ex qua naves veniant in nidnbus, in qtiibus frugesj
quae grandinibus decidunt et tempestatibus pereunt^
vehantur in earideni regionem f ipsis videlicet nautis
aireis dantibus prelia tempestariis , et accipientibus fru-
menta vel ceteras fruges« £x bis item tarn profunda stul-
titia excoecatis, ut hoc posse fieri credant, vidimus plu-
res in quodam conventu hominum exhibere vinctos qua-
tuor homines, tres viros et unam fenrinam, quasi qui
de ipsis naifibus ceciderint: quos scilicet per aliquot
dies in vincuUs detentos tandem coUecto conventu homi-
num exhibuerunt, ut dixi, in nostra praesentia, tanquam
lapidandos. sed tarnen vincente verilate post multam ra«
tiocinationem ipsi qui eos exliibuerant secundum prophe-
ticnm illud confusi sunt sicut confunditur für quando de-
prehenditur.
1, 153. nam et hoc quidam dicunt, nosse se tales
tempestarios ^ qui dispersam grandineni et late per
regionem decidentem faciant unum in locum ilumiuis
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308 WIND STÜRM
aat sUvae iolructuoeae, aut super unam^ ut aliint, cupam,
sub qua ipse lateat,deiluere. frequeoter certe audivimus a
miiUis dici quod lalia nossent ce^is in locis facta, sed
necduiu audivioius, ut aliquis 8e haec vidisse testaretor,
1 , 158* qui mox ut audiunt tonilrua vel cum levi
flatu {fenti dicunt Hei>atitia aura est', et maledicunt di-
ceutcs: %aledicta liiigua illa et arefiat et jam praecisa es«e
debebat , quae hoc facil !'
1, 159. uostris quoque temporibus videmus alicjuiuiido
coUeclis niessibus et vludeuiiis propter siccitatem agricolas
Seminare non posse. quai^c uon obtinetis apud tempesta-
rios vestros, ut mittaut auras leuatitias , quibus terra
iurigetur, et postea seuiinare possitis?
1, 161. isli autem, contra quos sermo est, osteo-
dunt nobis homunculos, a sanctitate, justitia et sapientia
alienos, a £de et veritate nudos, odibiles etiam proxiniis,
a quibus dicunt vehemeittissimoa imbres, aonantia
aquae tonitrua et lei^atiiias auras posse fieri.
i, 162. in tautuni nialum istud jam adolevit, nt in
plerisque locis sint homines misenimi, qui dicant, se
uon equidem uosse immittere tempestates, sed nosse ta-
men defendere a tenipestate Jiabitatores loci, bis ha-
bent statutum, qttantum de frugihus suis donent, et
appellant lioc canonicum. Viele sind säumig in zehnten
und almosen, canonicum autem, quem dicunt, suis de-
fensoribus (a quibus se defendi credunt a tempesiate)
nulio praedicante, nullo admonente vel exhorCantc sponie
persolifunt^ diabolo inliciente« denique in talibus ex
parte magnam spem habent vitae suae, quasi per illos
vivant.
£s lag nali, die ziehenden hagelwolken einem über
den himmel fahrenden schif zu vergleiclien ; unsere mj-
thologie pftegt ihre götter mit wagen und schiiTen ausisiH
statten. Wenn aber die wettermacher durch ihre be-
schwömug das luftschif herbeiriefen oder heranzogen, so
sind sie mehr diener und geltilfen, als urlieber des Sturms,
der eigentliche herr des wetters nimmt das niedergehagelte
getraide zu sich ins schif und lohnt den zauberem, die
man seine priester nennen könnte, das christliche vo!k
sagte: die zauberer verhandeln das geti*aide dem luftschif-
fer, der es wegführt. Welches mythische land steckt
aber in Magonia? man weifs nicht, ob Agobard in
Deutschland oder Gallien geboren war, sein fränkisches
oder burguudischcs gcsclilochl zeigt schon der name ; eben
so wenig ist bekannt, ob er die abhaudiung zu Lion oder
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WIND STÜRM 367
frölier an eluem andern orte Diedei^schrleb. aber die be-
ueamiug INIagonla selbst scbeiut auf eine gegend zu rüii-
ren, avo lat. spräche herscLte, \venn man dabei an ma-
gu8^ und an ein zauberland denkeü darf.
Späterhin finde ich dieses nehehchißes nicht gedacht
auTser bei H. Sachs , der II. 4 , 89<^ in dem schwank von
den Lappenhäusern erzählt, sie hätten aus federn und
Stroh ein schif gebaut und es auf den berg getragen^ um,
wenn der nebel falle, darin abzufahren. Fischart redet
Garg. 96^ ganz abgebroclien von des Plüioxen (des gast-
freundes oder Zeus?) nebelachija segel^ in einer stelle,
der nichts bei Rabelais entspricht.
Im späteren mittelalter gieng eine sage von den wind-
verkaufenden einwohnern Yinlands um, die ich aus des
Glanvil oder Bartholomaeus anglicus gegen 1360 abgefafs-
tem werk de proprictalibus rerum 15, 172 mittheiie: gens
(Vinlandiae) est barbara, agrestis et saeva, magicis arti-
bus occupata. unde et navigantibus per eorum litora vel
apud eos propter venti defectum moram conti^ahentibus
Pen tum renalem oiTcrimt atque vendun t. globum enim
de filo faciunt et diuersos nodos in eo connectentea mä-
que ad tres nodos vel plures de globo extrahi praeci-
piunt, secundum quod voluerint ventum habere fortiorem.
quibus propter eorum incredulitatem illudentes daemones
airem concitant et ventum majorem vel minorem exci-
tant, secundum quod plures nodos de filo extrahuni
vel pauciores, et quandoque in tantum commovent ventum,
quod miseri talibus fidem adhibentcs iusto )udicio submer«
gunlur. Dieses wind verkaufeus in Wilandia (wie er es
nennt) erwähnt auch Seb. Frank im weltbucli 60*, ohne
art und weise anzugeben. Unter Yinland ist ein theil
der von Norwegern und Isländern frühe schon besuchten
grönländischen küste zu verstehn, welche in altn« sagen
bald Yinland, bald Yindland heifst^); mit der letztem
form mag die fabelhafte windbereitung selbst zusanunen«
hängen, deren sowol die altn. denkmäler, als Adam von
Bremen **) geschweigen. Wol aber erzählen andere das
nemliche von den Finnen (OL Magnus 3, 15); es scheint
ebe allgemein im Norden verbreitete Überlieferung.
Die noixlischen sagen nennen zauberisch hervorge-
brachtes welter ^örntngai^edlir. Ügautan halte einen wet^
*) fornm. sog. 2, 246. Isl. sog. 1, 9. 100. 151. vgl. Torfaeus
iHft Yiolaudiae antiqiiae. Uafo. 1703.
**) de Sita Daniae p. 159 (ed. belnist. 1670.)
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368 ERDE
terbalg (redhrfcelgr), wenn er ihn schuUeke^ 6o brtdi
Sturm und wind aus (fornald. sog. 2^ 412); ebenso Mön-
duU (das* 3 9 338.) Eirikr, ein schwed. könig, führte den
beinamen li^edArA/i/^r (ventosi pilei): u>ohin er seinen
hut kehrte, daher vreble erwünschter wind (Saxo gramm.
175. Ol. Magnus 3, 13.) In der edda steht der auadrud
vindhidlmr (Saßm. 168**), was mich an den ahd. eigen-
namen fVindheltn (trad, fuld. 2, 167) erinnert.
Schön ist die eddische Vorstellung, dafs sieben und swuh
zig (3X9, vgl. S.236) valkyrien durch die luft reiten, und
wenn sich ihre rosse schütteln aus den mahnen thau in
die tiefen thäler, Juigel auf die hohen bäume niedertrieft:
ein zeichen fruchtbares jahres (Sasm. 145.) so fallt jeden
tag morgentJiau ^f die erde aus dem schäumenden ge«
bifs des rosses Hrimfaxi (thaumähne) Sn. 11.
Schneegestöber erklärten sich die Scythen ans flie-
genden federn, unser volk sieht in den flocken bettfedern
der göttinn (s. 165. 166.) lettische räthsel 'putns skreen,
spahrni pilP, 'putns skreen, spalwas putt'*) deuten regetk^
wölke und schneewolte.
IV. ERDE,
von der göttih, und ihren benennungen, ist bereits ge-
redet: Nerthus (s. 152), Erda (s. 156), Fafrguni s. 116.
117. 156), Erce (? s. 154), Hludana (s. 156) und an-
dere, in welchen sich die begrüTe der allen von Terra,
Gäa, Ops, Rhea, Cybele, Ceres wiederholen. Aber auch
das blofse element für sich, die molte (pulvis), wurde
heilig gehalten: aus dem schofs der nährenden erde stei-
gen fruchte und bäume iiervor, in ihn werden die lei-
chen begraben, in staub und asche kehren die verbrann-
ten zurück. Auf diese Verehrung weisen alte gebrauche;
die bedeutendsten haben zulängst in der gerichtlichen an-
Wendung gedauert. Eine nähere erläuterung des altfrän-
kischen , eingeständlich heidnischen chr^uecrud **) ist RA.
8. 110 gegeben: ich will einiges hinzufügen, wie die Rö-
mer ^herba purcC sagten wir noch im mittelalter Msx
Iw. 6446, und der dichter des H^L 73, 7
*) vogel fliegt, flugel triefen; vogel fliegt, federn stiebea.
Stender:} ^ranim. 260.
**) kti entscheide mich jetzt ganz ffir das nentnim. in der Aber'
ichrift *de chrenecnida* steht der dati? , und wenn es im text seltut
heifst 'chrenecrnda jactare', so erinnere man sich , dafs die l>fgriff«
werfien, streuen, säen in der goth. und altn. spräche (warum oirtH
In der fränkischen?) mit diesem casus verbunden werden, gotb. vafr*
ptn hriinjakruda.
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ERDE 369
sagte ^hrincurnU Im sanskr. ist durba granien sacrum,
altn. torf^ ahd. zurba. Im nord. recht hat sich das
*glnga iindir iardar men* erhalten. RA, 118. 119. Die
sille, dafs besiegte, zum zeichen ihrer unterwerfting,
erde und wasser darreichten, erstreckt sich in das höch-
ste alterthum: wenn die Perser krieg ansagten, so He-
fsen sie durch einen herold beide demente von den Völ-
kern, deren laud sie überziehen wollten, fordern.*) Ei-
desablage geschah, indem sich der schwörende erde oder
rasen auf das haupt legte; so bei Ungern (RA. 120) und
Slaven (Böhmes beitr. 5, 141.) Noch unsere landsknechte
des 16 jh. warfen, in die Schlacht gehend, eine erd-'
schölle^ zum zeichen aller lossagung yon dem leben.**)
Auch den Griechen war ergreifung de!" schölle zeichen
von landbesitznahme und zumal bei auswanderungen.
Euphamos sitzt auf der Argo yordertheil, Triton in mensch-
licher gestalt erscheinend reicht ihm eine erdscholle dar
als gastgeachenk. Euphamos nimmt die zeichenhafte erde
{ßm,a%a ^cu/uoviav), und gibt sie seinen leuten aufzuhe-
ben, diese aber lassen sie ins meer fallen, wo sie aufge-
löst wird, wäre sie bewahrt und im Tainaros niederge-
legt worden, so würden des Euphamos nachkommen das
ihm bestimmte land (Cyrene) im vierten grad erworben
haben, jetzt erwarben sie es erst im siebzehnten.***)
In der s. cxxva mitgetheilten ägs. formel werden vier
stücke rasen ausgeschnitten, mit öl, honig, hefe, der
mUch von allem vieh beträuft und von je^chem bäum,
der auf dem land gewachsen ist, harte bäume ausgenom«
menf), von jedem kraut, das darauf gewachsen isl^ klette
ausgenommen, darauf gethan, und dann erst wird der
Segen darüber gesprochen. Unter den samen mengt man
erde von driei erbäckern (abergl. 477); auf den einge-
senkten sarg werden drei erdschollen geworfen (das. 699) ;
mit dem ausgeschnittnen rasen; auf dem fufsstapfeü ste-
hen, kann Zauber geübt werden (524. 556.)
Heilige berge und hügel gab es in menge; doch
scheint dabei kein elementarischer cultiis zu walten: man
verehrte sie wegen der gottheit, die darauf ihren sil^
•) BriflsoDins de regno Pers. 3, 66—71. Herod. 4, 127. 5, 18.
Cnrtras 111. 10, 8. Aristot. rhet. II. 22, 37. auch Judith 2, 7
htttiiw^nv fijv x«i vdut^ (cod. alex. ed August!.)
**) Bartholds Frundsber^ p. 58. 59.
•••) Pindar Pytii. 4, 21—44. O. Müllen Orcliom. 352. prolag.
142 tr. Dorier l, 85. 2, 585.
+) bloft ?oa weichholz, nicht von hartliolz. RA. 506.
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370 BERGE
hatte, vgl. s. 103. 114. 115 Wuotans und Donners belöge.
Wenn bei Agathias, oline solchen Bezug, Xocpot und ^c-
QccyysS (hügel und Schluchten) als gegenstände des cnllus
genannt werden (s. 68) ; so kann die Beobachtung unvoll-
ständig , und ein ^vasse^ oder feuercullus an den bci^ ge-
knüpft gewesen sein. Unter den Gothen, welchen fair-
guni berg bedeutet (s. 116), dürfte man am ersten reine
bergverehruug suchen, wenn der vorgetragene zusamnieD-
hang dieses ausdrucks mit dem götternamen seine richtig-
keit hat. Dietmar von Merseburg gibt ein beispiei von
slavischem bergcultus p. 237: posita autem est haec (civi-
tas, nemlich Nemzi, Nimptsch) in pago silensi, vocabulo
hoc a quodam monte, nimis excelso et grandi, olim sibi
indito: et liic ob qualitatem suam et quautttateni , aim
execranda gentilitas ibi vcneraretur, ab incolis omnihm
nimis honorabatur. es soll nach den auslegern der
schlesische Zobtenberg sein.
Hin und wieder standen einzelne steine und feUtn^
oder mehrere nebeneinander, zuweilen kreisförnu'g, geord-
nete in Verehrung , (anh. s. xxxni. xxxnr vota ad Infi*
des, besonders aber xxxv lapides in ruinosis et sUvestri-
bus locis venerari.) Dieser steindienst zeichnet eigenthiim-
lich den celtischen glauben aus, weniger den deutschen.
in Deutschland waren heilige steine entweder mahlsteinc
der gerichte oder opfersteine: eide wurden abgelegt *at
ursvölum unnar steini*^ ^at enom huUa he/ga steini»
Saem. 165» 237^*
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BAUME S71
CAP. XVl. BÄUME UND THIERE.
Da nach der ansieht des heidentfaums die ganze na-
tur für lebendig galt *) , unter allen geschöpfen aber viel-
facher Wechsel und Übergang der gestalten geglaubt wurde j
80 folgt von selbst, dal's einzelnen ein höherer werth bei-
gelegt, ja dieser bis zur göttlichen Verehrung gesteigert
werden konnte, gölter und menschen wandelten sich in
bäume, pflanzen oder thiere, geister und elemente nah-
men tliierformen an; es lag ganz nahe den cultus, des-
sen sie theilhaft waren, der abgeänderten besonderheit ih-
rer erscheinung nicht zu entziehen« unter diesen gesichts-
punct gebracht hat eine Verehrung der bäume oder thiere
nichts befremdliches. roh geworden ist sie nur dann,
wenn im bewustsein der ' menschen das höhere wesen
hinter der angenommenen form schwand und diese nun
allein es zu vertreten hatte;
Von göttlich verehrten gewachsen und geschöpfen zu
unterscheiden sind aber solche, die heilig und hoch gehal-
ten wurden ^ weil sie in näherem bezug zu göttern oder
geistern standen. dahin gehören zum opfer dienende
pflanzen oder thiere, bäume, unter denen höhere wesen
wohnen, thiere, welche sie begleiten.
Beiderlei arten lassen sich kaum trennen, weil unge-
naue, unvollständige nachrichten nicht zu erkerinen geben,
welche gemeint sei.
In wie hohem ansehn WÄLDER und BÄUME bei
den heidnischen Deutschen standen hat schon das vierte
cap. gezeigt, einzelnen gottheiten , vielleicht allen , waren
haine, in dem hain vermutlich noch besondere bäume ge-
weiht, ein solcher hain durfte nicht von profanen betre-
ten, ein solcher bäum nicht seines laubes, seiner zweige
•) am beziehimgsvollsten druckt es der eddische roythas von Baldr
ans: um dem geliebten gott alle drohende gefahr abzuwenden, nahm
Frigg eide von wasser, feuer, erde, steinen, gewachsen, thieren,
vögeln, gewürmeu, ja von den persönlich gedachten seuchen, dafs
sie seiner schonen wollten ; einem einzigen strauch erliefs sie den
«cliwur, weil er zu jnng war. Sn. 64. Um den todtea Baldr weinen
hernach alle geschüpfe, menschen, thiere, pflanzen, steine. Sn. 68.
24* ^ ,
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S72 BÄUBfB
beraubt und nie umgehauen vrerden.'^) Auch einzelnen
dämonen, elben, wald und bausgeistern sind bäume ge-
heiligt (s. 290.)
Nähere schilderiuigen , /wenn sie auf uns gekommen
wären , würden manches wissenswerthe von der hegung
und Unterhaltung heiliger wälder, \on den darin begang-
nen oprern und festen mittheilen. Im indiculus pagania-
rum heilst es ^de sacris silvarum , quae nimidas vocant'
der deutsche ausdruck scheint mir unverderbt, aber darum
nicht weniger unverständlich: es ist ein plur« masc. vom
sg. nimid**)y wir mästen von sämtlichen bedeutungen
unterrichtet sein, deren das einfache verbum neman ver
alters fähig war, um den sinn des wortes zu treffen» ist
das deutsche nimu, wie es allen anschein hat, einerlei
mit vi/may so mag sich auch nimid dem gr. riftog und
lat. nemus vergleichen: weidetHrt, wald, mark^ sacrum
silvae.***)
Unter einzelnen heiligen bäumen hat gevfls eine Zeit-
lang nach der bekehrung das voik fortgefahren lichter an-
zuzünden und kleine opfer darzubringen, wie es sie noch
heute bekränzt, und reigen Barunter führt (s. 36.) das
hiefs in den kirchlichen yerboten: vota ad arbores facere
aut ibi candelam seu quodlibet munus deferre, arborem
colere, votum ad arborem persolvere (anh. xxKni. xxxiv);
*) sacrum nemus^ nemus castum bei Tadtns. Orid. amor. IlL 1,1:
stat vetus et mnltos incaedua siha per anoos,
credibile est illi namen iaesse loco:
fons sacer in medio, speluncaque pumice pendens,
et latere ex omni dulce quernntur aves.
Lncan. pliars. 8, 399: lucus erat longo nunquam violaius ab aefü.
So der semnonische wald, daa nemas der Nerthua, der alaviache in-
cos Zutibure, der preusaische haia Romowe. bei dea Bbstea gitt
i&r ruchlos, in heiligen haioeo etwas abzubrechen: so weit sein schat-
ten reicht (ut umbra pertiagit. RA. 57. 105.) uehmen sie nicht einoial
eioe erdbeere weg; manche begraben heimlicJi ihre todtea dahia (Pe-
tri Ehstland 2, 120.)
**) wie helid (heros) gimeinid (communio) fnimid pl. fnuaiHai
(ags. frymdbas, primitiae), barid (ciamor, das ich ans Tac baritat
folgere.)
*'*) spätere mutmafsung. konate nicht nimid heidnischer aosdrodi
sein f&r opfer? ahnemen heifst im 13 jh. mactare^ schlachten (voa
Vieh gebraucht) Berthold p. 46, wie wir noch heute ahthun^ ahschnei-
den sagen , Ulf. ufsneithan ; Schmids Schwab, wb. 405 abnehmen^ fe>
flügel abschlachten, diese bedeutung kaun nicht in der vorgesetsUn
Partikel liegen, sondern mufs im worte selbst beruhen: nimao, »e-
mau also achneiden, schlachten, theilen. nimidas wfiren im heil, baia,
unter bäumen geschlachtete opfer. vgl. was im text s.373 über des
langobard. opfcürbaum gesagt wird.
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BÄUME 373
arhores daemonibua consecratas colere, et in tanta vc-
neratione habere, ut yulgiis nee ramum nee surculum
audeat amputare (xxxv.) Die acta Bened. 8ec.2. p. 841,
berichten : 'adest quoque ibi (zu Lutosas , heute Leuze)
non ignoti miraculi fagusy suhter quam luminaria
saepe cum accensa absque hominum accessu videimis, di-*
Yiai aliquid fore suspicamur.' so nutzte die kiraie den
aberglaubeu für ihre wunder: an der stelle des baums
wurde ein kloster gestiftet. Von den heutigen Ehsten
wird in Rosenplänters beitr. 19, 12 erzälüt: noch vor
eioigeo jähren opferten sie im kirchspiel Harjel in der
Georg, Johannis und Michaelisnacht unter einigen hau-'
men , d. h. sie schlachteten ein schwarzes^ huhn.*)
Bei den Langobarden kommt die Verehrung des soge-
nannten hlutbaums oder heiligen bäume vor (oben s.
69.) genaueres davon meldet die vita sancti Barbati in
den actis sanclor. vom 19 febr. p. 139. Der heilige (geb.
um 602, -}- um 683) lebte zu Benevent, unter den
königen Grimoald und Romuald, das langobardische
Tolk w^ar getauft, hieng aber noch an abergläubischen ge-
brauchen : quin etiam non longe a Beneventi moenibus
deyotissime sacrilegam colebant arborem , in qua sus-
penio corio cuncti qui aderant terga vertentes arbori ce-
lerius equitabant, csdcaribus cruentantes equos^p ut unus
altenim posset praeire, atque in eodem ciu^su retroversia
manibus in corium jaculalmntur. sicque particulam
niodicam ex eo comedendam superstitiose accipiebant. et
quia stulta iWic persolpebant vota^ ab actione illa nomen
loco illi, sicut hactenus dicitur, potum imposuerunt.
Barbatus predigt vergebens dawider: illi ferina coecati
dementia nil aliud nisi sessorum m^ditantes usus, Optimum
esse fatebantur cultum legis major um suprum^ quos
nominatim bellicosissimos asserebant. Als Romuald nach
Neapel zieht, repenle beatissimus Barbafus securim acci-
piens et ad potum pergens suis manibus nefandam ar-
borem, in qua per tot t empor is spatia Langobardi exi-
tiole sacrilegium perficiebant, defossa humo a rädicibiis
incidit ac desuper terrae congeriem fecit, ut nee indicium
ex ea quis postea valuerit reperire.**) Die^e nachricht
•) nach dem aberglaab^n der lansitzischen Wenden gibt c« w8l-
«'«r, die jährlich ein menschenopfer fordern (gleich den flusaen, oben
8.279): es murs jährlich ein mensch darin sein leben lassen, (lan-
sitz, nion.sclir. 1797 p. 7^.)
••) eine andere vita Barbati (das. p. 143) erznhit foIj?enderge-
sialt: aam quid despicabilius credeudum est, quam ex mortuis anioia-
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374 BÄUME
vom niederhauen des baums klingt prahlerisch und un-
vrahrsclieinlich, die beschreibung des heidnischen ge-
brauch^ mag aber getreu sein, ich habe s. 118 gewiasen,
dafs von Osseten und Circassiern 8tange(i mit thierhäar-
ten zu ehren göttlicher wiesen aufgerichtet wurden, nach
Jomandes bei den Gothen dem Mars ^exuviae truncit
suspensae^ (oben 8.48), dafs überhaupt thiere an opfer-
bäumen hiengen (s. 46. 48); w^ahrscheinlich .war aodi
dieser bäum einem gotte durch opfer heilig d. h. durch
votivopfer einzelner*), der ganze ort hiefs davon *ad Vo-
tum.' Welche bedeutung der apeerwurf durch die /län-
gende haut hatte, ist nicht klar; auch im Norden pflegte
man durch aufgehängte rohe ochsenhäute zu schiefsen
(forum, sog. 3, 18. 4, 61), es -war zeichen von kunst
und stärke, dafs es rückwärts geschah, erhöhte die
Schwierigkeit, und ist ganz alterthümlich.*^) warum das
herausgeworfne Stückchen haut genossen wurde? ist
schwer zu sagen; sollte dadurch verstattete theilnabme an
dem Opfer (s. 27. 28) zu erkennen gegeben werden ?
Nicht blofs bäume unter welchen geopfert, aufwei-
chen haupt oder haut des geschlachteten thiers aufgehan-
gen wurde, galten für heilige; auch stamme, die auf
opßerthieren erwuchsen, die satzweide auf dem todten
füllen oder kalb soll nicht versebrt werden (abei^l. 838);
sind das nicht völlig des Adam von Bremen ^arbores ex
morte pel tabo imtnolatorum divinae'? (oben 8.47.)
Unter den geheiligten bäumen steht oben an die eiche
(s. 41. 44.) Auch der hollunder (sambucus) genofs aus-
gezeichneter Verehrung, ahd. holantar oder holantera?
(gramm. 2, 530)^ holan für sich bedeutet schon einen
bäum oder eine Staude (ags. cneovholen , ruscus.) in Nie-
dersachsen heifst äie sambucus nigra eHorn^ ellhorn?^)
libas non carnem sed coriom accipere ad esum comestioDis, at pn^o
errori bubjecti Longobardi fecerunt? qui suanim festa solennitatom
equis praecurr' ntibus unus altero praecedente , sicat mos erat gtnti-
lium^ arhori ludificae procul non satis Benevento vota sua solpebant.
Siispensa itaque putredo corii in banc arhorem dipam equonun sesso-
res versis post tergam bracbiis iguomiiiiam corii certabant lanceotis n>
brare. ciimqae lanceolis esse vibrnta pellis mortiia cerneretur, veluti prore
iiiedio animae ex hac illusione corii partis mediae factam recisionem ^^vsta-
bant. ecce quali ridiciilo vanae inentis bomioes errori sabjacebant pestifera.
*) oben s. 217; votum nicht blofs das gelubde, aach die obla-
tio rei votivae. votare pueriim bei Pertz 2, 93 was sonst offerre.
*") so muste das beste haupt iunterrücks angerührt werden, RA*
369; so wird abgewandtes haupts geopfert (s. 27B), rückwärts ülier
das haupt geworfen (s. 359.)
***) ags. eilen, die canones editi sab Kadgaro rege reden op«
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BÄUfifB dm
Amkiel erzählt 1, 179 unverdächtig: also haben unsere
vorfahren den ellhom auch heilig gehalten ^ wo sie aber
denselben unterhauen (die äste stutzen) musten» haben
sie vorher pflegen dis gebet zu thun: \frau JEllhorn, gib
inir was von deinem holz , dann will idi dir von meinem
auch was geben, wann es wächst im walde,' welches
theib mit gebeugten knieen, entblöfstem haupte thid ge-
falteuen bänden zu thun gewohnt, so ich in meinen iun-
gen )ahren zum öftern beides gehört und gesehen. Dazu
halte man, was von den liollunderstangen (abergl. 866),
vom pflanzen des hollundera vor stallen (das. 1691
vom giefsen des wassers unter den liollunder (das. 864)
und der liollundermutter (dän. abergL 162) geradeso ge-
meldet wird.*) Auch in Südermannland war ein knecht
eben im begrif einen schönen, schattenreichen Wacholder
abzuhauen, als eine stimme erscholl: ^hau den Wacholder
nicht!' er kehrte sich nicht an die Warnung und wollte
von neuem hauen , da rief es noch einmal : 4ch sage dir
hau den bäum nicht ab!' erschrocken entfernte sich jetzt
der knecht.'^'*') Etwas ähnliches liegt dem kindermärchen
no. 128 zum grund, nur dafs es eine scherzhafte Wendung
empfangen hat; dem holzhauenden ruft eine stimme aus
dem bäum entgegen, ^wer haspeUiolz haut, der stirbt.'
Das leben der griech. dryaden ***) und hamadryaden
ist an bäume gebunden , mit dem verwelken und ab-
sterben der bäiune nehmen sie ab und hören sie selbst
auf; jede Verletzung der äste und zweige empfinden sie
als wunden, und gewaltsames umhauen macht ihnen plötz-
lich ein epde. naht sich das frevelnde beil^ so ertönt ihr
weh voller ruf.
Dieser glaube an geisterbewohnte bäume war nicht
weniger unter Gelten einheimbch« Sulpicius Severus (aus
dem beginn des 5}h.) meldet im leben des heil. Martinus
ed. Amsterd. 1665 p. 457 : dum in vico quodam templiun
antiquissimiim diruisset, et arborem pinum^ quae fano
erat proxima, esset aggressus excidere, tum vero antistes
illius luci ceteraque gentilium turba coepit obsistere. et
cum iidem iUi, dum templum evertitur, imperante domino
16 (Wilkins p. 83) von der zanberei die getrieben werde ^on eljmum
and eac on othrum mislicnni treovam' (in ulmis et in aliis variis ar-
boribns). läse man eltenum^ so wäre es sambucis.
•) Posciiknit, der gott, wohnt nnter dem hottunder^ die Let-
teo legten ihm brot und hier neben den banni. Thom. Hiärn p. 49.
**) Locceniui autiq. sueog. I, 3 soll dies erzählen; in der ausg.
TOR 1647 steht es nicht, violleicht iu einer späteren.
**') wird ags. glossiert: vuduelfeitne ^ waldelbinnen.
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876 THIERB PFERPE
quievissent; auccidi arborem non patiehantur. iUe eos
8edulo commönere, nihil esse religionis in sdpite, denn
potius cui serviret ipse, sequerentur« arborem illam ex-
scindi oportere, quia esset daemoni dedicata u* s« w*
Von eigenthümlicher bescbaffenheit war der nord.
iveltbaum Yggdrasil, auf den ich in einem andern cap.
zu sprechen kommen werde.
Unter den heiligen THIEREN nenne ich zuerst die
pferde^ das edelste, klügste, vertrauteste hausthier, mit
dem der held freundliche gespräche fuhrt, das seinen
kummer mitfühlt und sich seiner siege miterfreut. Wie
sich beiden nach dem pferd benennen (Hengest, H(m^
anh. s. it) , so erhält es vielfache eigennamen ; in der
nord. mythologie ist beinahe jedem gott sein besonderes,
mit vmnderkräften ausgestattetes pferd zugewiesen« Odhins
ros hiefs Sleipnir (s. 104), es war, gleich riesen und
beiden achtfüfsig (s. 222. 302) Saem. 44"^ Sn.l8 werden die
übrigen pferde der äsen aufgezählt, aber ohne angäbe, wi-
chen sie zustanden, mehrere benennungen sind mit faxi
(comatus , abd. vahso) gebildet , z. b. Shinfaxi (Stern. 32.
8n. 11} Gulljaxi (8n. 107. 110) Hrtmfaxi (Seem. 32. 9t.
8n. 11) Frey faxi (Vatnsd. 140. 141.) Gullfaxi ^dasgold-
mähnige) gehörte dem riesen Hi'üngnir, Skinfaxi (aas ^anz-
mähnige) war das ros des Tags , Hrtmfaxi (das thaumäh-
nige vgl. oben s. 368) das der Nacht. Faxi ist aber auch
für sich schon name von pferden , z. b. fornald. sog. 2,
168. 508. Artfahr (der fiiih wache) und AUifidJir (der
alUduge) rosse des sonnenwagens (Saem. 45. Sn. 12); aaf
Arvakrs ohr, auf Alvinns huf standen runen geschriebeD.*)
Svadhilfari lüefs das pferd des bauenden riesen (Sn.46.)
Auch die heldensage überliefert uns viele namen berulim-
ter rosse.
Jenes Frey faxi der Vatnsdoelasage war im besitz ei-
nes mann es namens Brandr, Von dem man sagte , dafs er
es göttlich verehrte (at hann hefdi &triünadh k Faxa) und
der darum Faxabrandr hiefs. Hrafnkell, dessen uo^
druckte saga mir niu* aus Müllers bibL 1, 103 bekannt
ist, hatte auch ein solches pferd Frey faxi (Freirfara
druckf.), und es zum halben tbeil an Freyr geschenkt,
zugleich das gclübde gethan, den mann umzubringen, der
es gegen seinen willen reiten würde, ich kann die stelle
aus Job. Erici de plülippia apud priscoe boreales. Ups*
*) erinnert an die deutsche thierfnbel (Reinlh oglxui.) nit ■»-
recht, glaube idi, zieiit Rafh fornald. sog. I, I6i> die leaait äöfdhi for.
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PFERDE Sn
1755 p. 122 mittlieilen: Hrafnkell &td thann grip t elgo
sinni, er hdnom th^ui betri enn annar, that var Lestr
bleikaldttr at lit, er bann kalladi Freyfaxa^ bann gaf
Frey vin stnom *) thenna liest lidlfann, d tbessom be-
8ti bafdi bann svd mikla elsko, at bann strengdi tbess
heit, at bann skyldi tbeim manni at bana verdba, er
theim besti ridi ^ bans vilja. Brands ätrftnadbr bezog
sich obne zweifei auch darauf, dafs das ros dem gott
geheiligt und gelobt war. Ein merkwürdiges zeugnis da«
fiir bietet Olafs Tr. sonar saga**): dem konig war Terküu«
det worden, dafs die Tbraendir (Drontbeimer) sieb wieder
2u der Verehrung Freys, dessen bildseule noch bei ihnen
»(die, gewendet liätten. auf des königs gebeifs dieses
bild zu zerbrechen versetzten sie: ^ei munum ver briota
Uknesli Freys ^ thviat ver böfum leingi bönum thionat,
ok hefr oss vel d^gat.' Olafr berief sie zu einer versam-
lung und entscblofs sich den götzen selbst zu zerstören,
er schifte zu der küste bin, wo der tempel (hof) erricli-
tel war; als er landete, weideten da des gottes p/erde
(thd sdtt bans menn stödhross nockr vidb vegin, er their
sögdu at bann Freyr aetti.) der künig bestieg den hengst
und liefs seine boflcute die Stuten nehmen, so ritten sie
wi dem tempel, Olaf trat vom pferd, gieng hinein, warf
die götzen (godhin) um***), nahm aber Freys bild mit sich
li^g. Als die Thraendir ihre götter geschändet und Freys
bild fortgeführt fanden, merkten sie wol, dafs es der
könig getban hätte, und giengen zur versamlung. der
künig liefs das bild im tbing aufstellen und fragte das
Volk: kennt ihr diesen mann? es ist Freyr unser golt,
antworteten sie. wie bat er euch seine macht erwiesen?
er hat oft mit uns geredet, das zukünftige geweissagt,
frieden und fruchtbarkeit verlieben (veitti oss dr oc fridh.)
der teufel redete mit euch, sagte der könig, nahm eine
axt und rief dem bild zu: hilf dir jetzt und wehre dich,
wenn du magst. Da Freyr fortwährend schwieg, hieb
ihm Olafr beide bände ab, und predigte darauf dem volk,
wie diese abgötterei aufgekommen sei. Die ganze erzäh-
*) nannte der lieide einen gott den er vorzuglich verehrte sei-
»eo freimd (Ww)? mir fällt auf, daf« der aasdruck vinr gerade bei
Freyr aoch sonst vorkommt (s. 13T. 138): ist Frejs vinr^ Freävine
dieses gottes schutzlin??
••) cd. skalh. 1698. 1690. 2, 190 cap. 49; fomm. sog. 2, 189
\^i dies cap. weggeblieben. Wenn auch neuerer zusatz hatte es als
bedeutsame uberllefernng im anhang platz verdient.
***) es standeo also noch andere bilder aufser Freys«
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378 PFERDE
liing trägt späteres gepräge an sich , ist aber doch aus der
iiord. tradition hervorgegangen uud bestätigt uns, dafs
dem Freyr pfercle geheiligt wui*den_, die man in dem
geweihten wmirez« seiner tempel unterhielt. Vermut-
lich hatten auch die tempel andrer götter solche pferde?
die thiere, welche Wilibrort in Fosetes heiiigthum wei-
dend antraf (8.144), waren scliwerlich pferde, weil er
sie sonst nicht zur speise h.^ttc schlachten lassen; aber
die sitte, den göttern geweihtes vieh aufzuziehen, wird
dadurch nichtsdestoweniger bezeugt. Einzelne thiere, sclieint
es, Avurden aufserdem von besonderen Verehrern des got-
les unterhalten, .o-
Diese zucht reiner und geweihter rosse diente zu hei-
ligen gebrauchen, namentlich zu opfern, Weissagungen
und für den umzug der gölterwagen. liire mahnen wur-
den sorgsam genährt, gepOegt und geschmückt, wie die
benennung Faxi anzeigt ; vermutUch wand oder flocht
man gold, silber und bänder in die locken {GidlJaxL
Skinfaxi); mün glöar ()uba splcndet) Ssßm. 92» Ij^sir
mön af mari (lucet juba ex equo) Saem^ 32^, wie das lat.
}ubar an )uba erinnert, weil die mahne strahlt und das
licht haarartige strahlen wirft. Gulltoppr^ Siljrintoppr
hiefsen rosse, deren schweif (toppr) mit gold oder silber
bewimden war. Sn. 44. Gyllir und Gier (golden, glän-
zend) Sn. 44 können sie davon oder auch von dem gold-
nen beschlag ihrer hufe, von Vergoldung des zaums und
satteis genannt sein. Unter allen färben galt die iPeifse
für die edelste, auch könige zogen auf weifsen rossen
ein und belehnten sMi wei/sen rossen sitzend.
Tacitus (Germ. 9. lo), nachdem er gesagt hat Incos
ac nemora consecrant', fügt hinzu : *propriiun gcntis, egno--
rum quoque praesagia ac monitus experiii. publice
aluntur^ iisdem nemoribus ac lucis, candidi et nullo
niortali opere contacti, quos pressos sacro curru sa-
cerdos ac rex vel princeps civitatis comitantur, hinni-
tusque ac fremitus observant. nee uUi auspicio major
fides non solum apud plebem, sed apud proceres, apud
sacerdotes: se enim ministros deorum, illos conscios
putant. diese heiligen tliiere sind mitwisser der götter und
können deren rathschläge oiTenbaren. Noch der indiciilu«
paganiarum cap. xiu redet de auguriis equorum , ohne
sie näher zu schildern ; pferdegewielier ist heübriDgcndes
zeichen (abjrgl. no. 239.) *)
*) was det athem des schwetos verunreinigt hat» Mellt der ^^
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PFERDE 379
Uod wie in Miiiiirs abgehaueuem kaupte seine Klug-
heit forrdaiierle (s. 222) , scheint das heidentluim mit ab-
geschnittenen, aufgerichteten pferdehäuptern vielfachen
Zauber getrieben zu haben, in einem kindermärchen (no.
89) wird des treuen Falada haupt über das thor gena-
gelt und die künigstochter führt mit ihm gespräch. dieses
abschneidens und aufslellens der pferdehäupler habe ich
schon 8. 27. 28 ervväimt als einer uralten deutschen sitte.
Id Scandin»vien steckte man pferdehäupter auf Stangen
und richtete den mit hölzern aufgesperrten , gähnenden
rächen*) nach der gegend, woher der angefeindete mann,
dem man schaden wollte, kommen muste. das hiefs neid--
slaoge, Saxo gramm, p. 75: immolati diia equi ab-
scissum Caput conto excipiens suhjectis stipitibus dis-
tentos jaucium rictus aperuit^ sperans se primos
Erici conatus atrocis spectaculi formidine frustraturum.
arbitrabatur enim ineptas barbarorum mentes oblatae cer-
vicis terriculamento cessurasi et jam Ericus obvium illis
iter agebat. qui prospecto eminus capite obscoenitatis ap-
paratum intelligens, silere socios cautiusqiie se gerere ju-
1)et, nec^ quemquam temere praecipitare sermonem, ne
incauto effamine ullum maleficiis instruerent locum, ad)i-
ciens si sermone opus incideret verba se pro omnibus
habiturum. jamque medius illos amnis secreverat, cum
magi, ut Ericum pontis aditu deturbarent , contuni^ quo
equi Caput refixerant ^ fluvio citimum locant. ille ni-
hilominus pontem intrepide aggressus, *in lalorem' inquit
'gestaminis sui fortuua recidat, nos melior consequatur
eventus. male malcficis cedat, iofaustae molis gerulum
onus obruat, nobis {lotiara tribuant omina sospitatem!'
Nee secus quam optabatur evenit: continuo namque ex-
cassa ccrvice ruens ferentem stipes oppressit. Egilssaga p.
389: Egill tök t hönd ser heslis staun g ^ ok gcck k
bcrgsnaus nockura, thii er vissi til laiids inn. tha tök
bann firosshöfudy oh setti upp d staun gina. sidan
veiui hann formAla ok mielti sva: 'her set ek upp nidh^
staung ok sny ek tliessu nidhi d hönd EirJki koni!ingi ok
Oimnhildi dröttntngu.' hann sneri hrossliöfdinu inn d
larid. Andere mal »urde ein menschcnhaupt (aus holz)
jjferds wieder her (abergl. 820. gcliwed. 92), das pferd ist ein rei-
nes thier, einer gebälirenden hilft, dafs das pjerd aus ihrer schürze
fresse (abergl. 337.)
•) aacb wolfshäupter wurden so mit haselstahen gesperrt und
aufgehangen, Isengrim 646. 647. 648. Reinardus 3, 293. 312.
Reiuhart eiuleitung s. lxix.
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380 PFERDE
geschnitzt; auf eine Stange befestigt^ diese aber in die brnst
eines geschlachteten pfcrdes gesteckt*) Vatnsd. p.l42: lö-
kiiU skar karls höfiit d sülu endann okristi SrAnar med öllum
tbeim forin^a sem fyrr var sagdr, sjdhan drap lökull mer eina,
ok opnudu bana bia briostinu, ok fcerdu d eüluna, ok l^ii
borfa bein) A Borg. Es ist der beacbtung wertb , dafs bis
auf den beutigen tag in einem tbeiie Niedersacbseus (Lü-
neburg und Holstein) die bauembäuser auf dem giebei
geschnitzte pferdeköpfe baben : man siebt es als blofse
auszierung des dacbgebälkes an, die sitte kann aber vreit
binauf reicben und mit dem beidniscben glauben zusam-
menbängen, dafs durcb die auswärts scbauenden häupter
von den bäusern unbeii abgebalten werde.**) Fraetoriu»
(weltbescbr. 2, 162. 163) erzäblt, die undeutscben leute
(Wenden) pflegten zur abwebrung und tilgung der Vieh-
seuchen inn ihre stalle herum häupter von todten pf er-
den und hallen auf zaunstaken zu stecken; auch ihren
pferden, welche nachts vom mahr oder leeton matt und
müde geritten würden, einen pferdekopf unter das futter
in die krippe zu legen, das hemme die macht des geistes
über das tbier. Wahrscheinlich meint das abergläubische
vergraben des todtenkopfs im stall (no. 815) den eioei
pferdes.***) Auch das werfen des pferdehaupts in die
Johannisflamme (s. 351) sollte zauberhaft wirken, f)
Des Praetorius nachricht zeigt, dafs die Slaven mit
den Deutschen in diesem pferdecultus übereinstimmten,
hierfür fehlt es aber nicht an merkwürdigeren äheren
Zeugnissen. Dietmar von MersebvTg (Wagner 151) meldet
von den Luitizern d. h. den Wiizen : terram cum tremore
infodiunt, quo sortlbus emissis rernm certitudinem dubia-
*) vgl. abergl. 838 das setzen der weide In das maul des tod-
ten füllen«.
**) aus der heidnischen sitte des thierhanptaufsteckens deotea
sich uralte Ortsnamen in Deutschland und Frankreich , z. b. Berhaup-
teilt THerhauptejiy Roshaupten (Schm. 2, 223.) ad locum qui noB-
cupatur Caput cahallinum (Pertz 2, 278.) ad locum qui vocatir
Caput equi (vita S. Magni , bei Canisius lect ant 1 , 667), bei Gold-
ast (scr. rer. alem. 1. 2, 198) mit dem zusatz: et idcirco vocatos eit
ille locus Caput equi, quia omnes venatores reliquerant ibi suo8 ca-
ballos et pedestres ibant ad venandum : offenbar eine falsche , spätere
deutuiig , wie denn üherhaupt dieses leben des heil. Magnus (Mag-
noald, Mangold) mehrfach interpoliert ist, vgl. Mabillon acta Beoed.
sec 2. p. 605.
***) vgl. fomald. sog. 2, 1^8. 300 was von dem hrosshaus des
Faxi erzählt wird.
f) wozn haben die manche im kloster ein caput cabaUinam?
Reinardus 9, 2032. 2153.
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PFBADE 881
rum perquiraQt. qulbtis finitis cespite viridi eas aperien-
le», equimij qui maximus inter alios habetur, et ut sa-^
cer ab hia vener atur, super fixas in terram duortim
euspides liastiliuni inter se transmissoritfn supplici
obsequio ducunt, et praemissis sortibus , quibiis iJ ex-
plicavere priiis, per hunc quasi äii^inutn deuuo augur-
rantur; et si in duabus bis rebus par omen apparet,
factis compietur; sin autem, a Irislibus populis hoc x>ror-
8U8 omittilur. Die vtta beati Ottonis episcopi bainbergen-
BiB, verfafst von einem gleichzeitigen ungenannten (bei
Canisius 111. 2, 70) erzälilt lib. 2 cap. 22 umständlicher
von den Pommern, welche Otto im j. 1124 bekehrte:
habebant caballutn mirae magnitudinis ^ et pinguem,
nigri coloris , et acrem valde. iste toto anni tempore
vocabaty tantaeque fuit sanctitatis ^ ut nulluni diguare-
lur sessorem; liabuitque unum de quatuor sacerdotibus
templorum custodem dUigentissimum. Quando ergo itinere
len'estri contra hostes aut praedatum ire cogilabant^ even-
tum rei hoc modo solebant praediscere. hastae novem
disponebanUir humo, spatio unius cubili ab iuvicem se-
paratae. stiato ergo caballo atque frenato sacerdos, ad
quem pertxnebat custodia ilJius , tcutum freno per jacen^
tes liastas transversam ducehat ter atque reducebat.
quod si pedibus inoiTensis hastisque indisturbatis equus
trausibat 9 Signum habuere prosperitatis, et securi per-
gebant, sin autem, quiescebant. Hiernach wiu»de durch
neun ellen^eit von einander liegende Speere, nach
Dietmars älterer meidung über die Spitzen zu^eier ver-
schränkter Speere das heilige ros geleitet; es kann aber
bei den Lutizeru damit anders gehalten worden sein als
bei den Pommern. §axo gramm. p* 321 erzählt die Sa-
che von den rügischen Slaven wieder anders ♦ praete-
rea peculiarem albi coloris equum titulo possidebat (nu-
men), cujus y^^6ae aut caudae pilos convetlete nefarium
ducebatur. hunc soll sacerdoti pas(^endi insidendique jus
eratj ne divini anininlis usus quo frequentior hoc vilior
baberetur. In hoc equo^ opinioue Rugiae, Sifdntoviiua
(id simulacro vocabulvim ei*at) adversum sadrorum suorum
hostes bella gerere credebatur. cujus rei praecipuum ar-
gumentum exstabat, quod is noclurno tempore slabulo
iusistens adeo plerumque m^e sudore ac luto resperöus
videbatur*), tanquam ab exercitatione veniendo magnorum
*) wie das vom nachtgiii^t gerittene pfcrd frahmorgens staubig
uad »chweiföig dasteiit («, 380.)
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882 PFERDE
idnerum spada percuirisset. Ausqyicia quoqae per eun-
(lem equum hujusmodi sumebantur. cum bellum adver-
8um aliqiiam provinciam suscipi placuisset, ante faniim
triplex hastarum ordo ministroriim opera disponi solc-
bat, in qiiorum quolibet blnae e transi^erso junctae^
conversls in tcrram cuspidibus figcbantur, aequali spacio-
rum maguitudine ordiues disparante. ad qnos eqnus du«
ctandae expeditionis tempore solenni precatione praemissa
a sacerdote c vestibulo cum loramentis productus , si pro*
positos ordines ante dextro quam laepo pede transcen*
deret, faustum gerendi belli omen accipiebatur. sin lae^
vum vel seniel dextro praetulisset , petendae provinciae
propositum mutabatur. Diese Schilderung ist noch genauer;
das heilige hier der gouheit selbst, die es zu nacht be^
steigt, beigelegte ros "wird dreimal über zwei gekreuzt ein-
gesteckte, also über sechs Speere geführt, und mul's je*
desmal, ^yenn die bedeutung glücklich sein soll, mit dem
rechten fufs zuerst vorschreiten: hat es nur in einer reihe
den linken vor dem rechten erhoben, so steht unheil bevor,
die färbe des rosscs wird weifs ^ wie bei Tacitus, niciit
sc/uparz, wie bei dem lebensbeschreiber Ottos angegeben.
Nach der chronica augustensis ad a. 1068 (bei f reher
1 , 349) halle der halberstädler bischof Burcard den Lu-
tizern ihr heiliges pferd weggenommen und war seihst
darauf nach Sachsen heim geritten: Burcardus halbersta-»
tensis episcopus Luiticiorum provincian'i ingressus inceadit,
vastavit, avectoque equo^ quem pro deo in Rheda*) co^
lebant^ super eum sedens in Saxoniam redüt.
Darf man nun folgende Vorstellung fassen : Dietmar
und der augsburger annalist meinen des Radigast zu Rbe-
Ira, 8axo und der airtor der vita Ojtonis des Svatovit zu
Arkona heiliges pferd? jedem dieser gotter**) waren ros«
geweiht und vielleicht noch andern. So mögen auch in
Deutschland mehrern gottheitcn rosse geheiligt und Weis-
sagungen unter ähnlichen gebrauchen damit gepflogen wor-
den sein, namentlich dem Frouwo (s. 376. 377) iind Wuo-*
tan (s. 104.)
•) nicht *ln rheria' (Wedeliinds noten 1, 173.) Rhetra, ein hanpl-
ort des »lav. heidenthums, nach Adam von Bremen im lande der Re-
tliarier, wo des Redigost tempel steht; Dietmar ^ibt der Lutiier-
Stadt, im gau Riedera, selb.st den namen Riedegost.
*•) ßadigast ist Mercur oder Wuotan; Perun ist Jnpiter oder
Donar; Stfjatouit ist Mars oder Ziu (Hankas altböhm. gl. p. 12. 13.
1 4.) Letztem hat man vermengt mit dem heil. Vitas, sam^^tus Yltin»'
vgl. acta sanctor. 15 jmi. p. 10)8.
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PFERDE 868
Eiiiige nachriclitcu von verehmng heiliger pferde in
Ditmarsen scheinen bedenklich. . Der Kiqjswold oder Rie-
ßumwold an der grenze zwischen Nordor und Süderdit-
marseu soll , der sage nach , ein heiliger wald gewesen
sein, worin mensche nop Ter stalt fanden, und weifse^ den
gÖllern geweihte pferde genährt wurden.*) das ist nichts
als unbefugte an Wendung der tacitischen stelle auf eine be-
stimmte gegend. Eigen thümlicher klingt was Bolten 1, 262
dem verdächtigen Carsten nacherzäldt, bei Windbergen
habe ein dem Hesus (!) geheiligter hain gestanden, noch
heute genannt Hese oder Heseholt. in dem hain seien
dem golt zwei weifse p/erde , ein junges und ein altes,
gefuttert worden, welche niemand besteigen durfte, aus
deren gewieher und springen gute oder böse zeichen ent-
nomaien wurden, einige reden von zehn oder zwanzig
rossen, ein priester des gottes steckte Stäbe in die erde,
fährte das gezäumte ros heran, und licfs es durch ge-
wisse gänge langsam über die stäbe springen. Job. Adolfi
d. i. Neocorus , auf den sich dabei bezogen wird, hat
aber nichts von allem dem.
Für die heidnischen Liven aber lafst sich die slavi*
sche gewohnheit beglaubigen, das chronicon livonicum
vetus meldet ad a. 1192 (bei Gruber p. 7): coUigitur po-
pulas, voluntas deorum de immolatione (fratris Theoderici,
cisterciensis) sorle inquiritur. ponitur lancea, calcat
equua : pedem uitae deputatuni (d. i. den rechten) nutii
dei praeponit. orat frater ore, manu benedicit. ariolus
deum Christianorum equi dorso insidere et pedem equi
ad praeponendum movere asserit, et ob hoc equi dorsuai
tergendum, quo deus elabatur. quo facto, dum equus
vitae pedem praeponit, ut prius, frater Theodoricus vi-
tae reservatur« Hier traf also ein heidnisches und clu:ist-
liches wunder zusammen.
Auch altpreussisch war dieser cultus: Prussorum ali-
qui equoe nigros^ quidam albi coloris, propter deos
«uos non audebaut aliqualiter equitare. (Dusburg 3, 5.)**)
Der pferddt*pjer und des davon unzertrennlichen
pferdeßeischessens geschah schon s. 23 — 30 erwähnung;
Strabo berichtet, dafs die Veneter dem Diomed ein wei-
fses pferd opferten (V. 1, 9. Siebenk. 2, 111.) Die lu-
der bringen mit feierlicher zurüstung grofse pferdeopfer:
Merkwürdig scheint, was von den Kalmüken erzählt wird.
*) Falks samlung von abhaiidlungen. 5i 103. Tondcrn 1828.
**) daf« die Elifltea dem pferd weissagende kraft aiucbreiben lehrt
abergl. no. 35.
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384 RINDER
bei iliDen sieht man eine menge aufgestellter gerüste mit
pferdeliäuten iipd köpfen f Überbleibsel gebrachter opfer.
die richtung des pferdelopjs nach osten oder westen be-
stimmt, ob das opfer einem guten oder bösen geist ge-
bracht wurde.*) es gemahnt einmal an jenes opfermäfsige
aufstecken der pferdehäupter in Deutschland in bestimmter
richtung, das nach einführung des christenthums für bos-
haften Zauber galt, dann aber auch an die pira equinis
sellis constructa des Attila bei Jomandes und das (nj/ta
der scythischen könige bei Herodot (HA. 676.)
Von heilighaltung der rinder weifs ich -viel \reniger
mitzutheilen ^ wiewol auch sie hin und wieder vorkommt,
und schon darum nicht zu bezweifeln ist, weil rinder
geopfert wurden und stiere den fränkisclien königswagen
zogen (RA. 262.) während aber von den pferden der
hengst mehr als die stute verehrt wird, scheint unter den
rindern die kuh den vorzug zu haben, hühe waren vor
der Nerthus wagen, die edda gedenkt einer kuh nameits
jdudhumla^ welche bei dem ersten menschengeschleclit
eine grofse rolle spielt (8n. 7) , und sicher für ein heiliget
ihier galt. Jenem glauben an pferde (s. 377) steht ein
'dtrdnadhr k kü' zur seile, könig Eysteinn von Schweden
glaubte an eine kuh, die Stbilja hiefs: 'hun var sv4
miök blotin, at menn m4ttu eigi standast lut hennar',
sie wurde mit in die Schlacht geführt (fornald. sog. 1,254
260.) könig Ogvaldr führte eine solche heilige huh über-
all mit sich, zu wasser und zu land , und trank bestän-
dig ihre milch (forum, sog. 2, 138.)
Wie die mahnen der pferde schmückte man die hör^
ner der kühe mit gold : gallhyrndar \i^r (Sasm. 73* 141* )
noch heute ziert der alpenliirt die hörner des rinds mit
bändern und blumen. den opferrindern wird diese aus-
staltung nicht gemangelt haben.
Das sanskr. gdus (vacca), thema gd, acc. g4m, pere;
ghau, ghö, entspricht dem ahd. chuOf ags. l-m, altn. k^r.
Ijber die Verehrung der kühe imd rinder bei den Indern,
Aegy[)lcrn und Römern verweise ich auf A. W. Schlegels
gelehrte abhandlung.**) auch die Israeliten brachten das
brandopfer einer rotheu kuh (goth. kalho), auf welche
noch kein joch gekommen war. Mos. IV, 19^.
Eber und bock Waren heilige opferlhiere (s. 30. 31),^
der eher dem Freyr (s. 139)y bücke und biegen demThurt
*) Ledebour reise nach dem Altai. Berlin 1830. 2, 54. 95:
**) ittd. bibh 2, 288 — 295;
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BAR WOLF t»
(1.12«) gewidmet Auch die Slaven Bchemeii den eher
Yorehrt zu liaben: Hestatur idem antiquitas^ errore dehisti
Tsrio, ü qnando hls saeva longae rebellionid asperitas im-
mineat, ut e jnarl piti^diclo (nahe bei Kiedegost) aper
magnus et candido dente e spumis lucescente exeat,
seque in volutabro delectatuni terrlbili quaesatioue mliltis
Ö3tendat;' Diün. inerseb. p. 151,
Nur hausthiere ^waren opferbar. unter den wilden
waldthieren gab es gleichlrol einige, die der mensch mit
dcheu betrachtete, denen ei* ehrerbietung bezeigte: vor aU
len 6a>, td^olf und fuchs* ich habe dargethan, dais
diesen dreien^ nach weit und frühe in Europa verbreite-
ter sitte, schtneichelnämen beigelegt wurden^), und dafs
imsem ahnen der bar für den köriig der tfiiere galt.**)
Eine urk. v^n 1290 (liangs reg. 4, 467) liefert den bei-
bamen Chuonrat ^der fi€iligbär\ wozu man den älteren
manns und frauennämen altn. A^biötn^ ags. Oabeorn^ ahd«
Jnaperb und altn. jäabirna., ahd. Anspirin (im Waltli.
Ospkn) halte; damals scheinen noch imter dem volk sa-
gen von der heiligkeit des thiets im gang gewesen« Es ist
uicht zu übersehen, dafs einzelne thierfabeln in mensch-
liche mjlhen verwandelt werden oder umgekehrt, z. b» die
rolle des baren oder JuchseB auf einen riesen oder den
teufel übergeht, so findet sich die ehstnische erzähliuig
von dem mann der mit dem baren rüben und haber auf
(lern acker baut (Reinhart ccLxxxvui)in morgenländischer sage
von den Arabern und dem teufel.***) dieses incinander-
streifen des thiermärchens und der übrigen traditionen ist
eine neue gewähr für die epische natur jenes. Zwei wölfe,
Gtri und Freki; waren dem Odhinn heihg, ilmen gab
CT 2u fressen was ihm von speise vorgesetzt wurde (So.
4), sie wären gleichsam des gottes hunde. ich möchte
wissen, woher H. Sachs den bedeutenden Zug entnommen
Hat, dafs gott der helr der wolfe, als seiner Jagdhunde,
»iA bedienet)? Ein söhn des Loki, def Fenrisuljr,
*) Reinh. p. Lv. cc> n. 446 ; überraschend !«t die in Victor Ha-
^ notre dame de Paria 2, 272, nach einem hoch, oder mündlicher
vberliefernng mitgetheilte nachricht, dafs die zigenner den fuchs
]>ieäbUu; coureur des hoisj den woK piedgris, pieddore^ den baren
i'Uiue oder grandpere nennen.
'*) das. 8. XLvin flf. ccxcv.
'**) R&ckerts gedichte. Erlangen 1834 p.75; ans welclier arab«
qaellef
t) 1$ 4Ö9b ed. 1560: *die wolf er im erwelen gnnd und het sie
^ ihm mr jaghnnd.*
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886 FUCBS ADLER HAHN
tritt in wolJBgestdlt unter Jen göttern auf} äberliaupl
kennt unser adtertlium keine häufigere Verwandlung als
die der menschen in werwölfe. Bär und vrolf sind sehr
oft in Wappen aufgenommen, mit ihnen ist eine menge
von menschlichen eigeunamen zusammengesetzt; keins von
beiden findet statt bei dem Jitvhs. dalier sich auch kaum
mit dem fuchs mythische vorslelhmgen verknüpfen; einige
spuren sind Reinh. ccxcvi nachgewiesen/)
Götter und gottinnen püegen sich gern in vögel »u
verwandehi, aber auch den riesen war diese gäbe eigen.
Tarapila, der ehstnische golt, fliegt von einer statte la
der andern (s. 48) , die griechische vorsteHung hat g^flä-'
gelte götter, die }niische' geflügelte cugel, die alldcol^
sehe Jungfrauen mit schwaaflägeln. Nordische götto'
und riesen legen ein adlerkleid, «r//rtr/m/n' an (s. 361\
göttinnen ein falkenkleid, vahliam (s. 192.) Der wind
wird als riese und adler dargestellt (s. 362.)
Von Opferdiensamen hausvögeln, namentlich dem hakn
und der gans, sind mir wenig mythische bezüge bekaotft.
Das feuer wird als rother haha geschildert (s. 340), H.
Sachs sagt: *den roten han aufs stadel setzen^; ein däni-
sches Sprichwort: *den rode hane galer over taget' (der
rothe bahn kräht auf dem dach, d.h. die flamme prasselt.)
rothe hähne musten vorzugsweise gezinst (vielleicht fro-
her geopfert) werden (RA. 376.) VuluspÄ 54 wird Fii-
larr aufgeführt, ^fagurraudhr hani', im walde singend,
ein goldkammiger bahn erweckt die beiden , ein dunkel-
farbiger kräht in der unterweit. Vidhofnir, ein andrer
eddischer bahn sitzt auf Mhnameidhr (Saem. 109*); Finn
Magnussen (lex. myth* 824. 1090) vergleicht ihm den bahn,
der auf maibäume gesteckt zu werden pflegt. Die Wen-
den errichteten nach ihrer bekehrung kreuzbäume, bracL-
ten aber ^ heimlich noch heidnisch gesinnt , üt>er dem
kreuz zu oberst auf der Stange emen. ^{fetterhahn an.**)
*) Klaproth Iiat aus japanisclien bucliero, dafs man in Japao
den fuchs (iuari) als schutzgult terehrtj in vielen liaiuern, äuimI
gerin«?erer leute , sind ihm kleine tempel gewidmet, sie fragen Uia
in schwierigen dingen um rath, und atelten ihm abends reis od^r
bohnen hin. felilt morgens etwas daran, so glauben sie, der fucb
habe es verzehrt und ziehen gute Vorbedeutung daraus; das gegei-
tlieil ist ein übles zeichen, (uouv. annales des voyages. d^reoibre
1833 p. 298.) Sie halten ihn für einen kamt, d.h. für die seele eia«s
▼erhtnrhuen guten menschen (das.)
**) annalen der churbr. hannoi*. lande 8 jabrg. p. 284. einige be-
— ziehen den hahn auf Petrus Verleugnung.
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VÖGBL 9&t
In einem märchen (ho. 108) slWA HabBineiiiigels /lalin auf
einem bäum des waldes. Ich weifs nicht genau, Mrohn
die goldnen häline auf hirchthärmen zuerst eingeführt
wurden, blofse wetlerfaJmen sollten sie ursprünglich kaum
sein. Guibertus in vila sua, Hb. 1 cap. 22, gedenkt eines
solchen gallus super turri ; lin beginn des 12 jh* hersciUe
also die sitte in Frankreich, aber schon zwei Jahrhunderte
vorher im südlichen Deutschland. Eckehard erzälilt vom
einbrach der Ungern in S. Gallen : duo ex illis accenduut
campanariuni, cujus eacuminis gallum auteum putantes,
deumque loci sie vocatum^ nou esse nisi carioris me-
taHi materia fusum, lancea dum uuus ut eum revellat, se
yaliduB protendit, in atrium de alto cecidit et periit (Perta
2, 105.) den Ungarn erscheint dieser hahn als gottheit
des orls, -vv-orin vielleicht noch das zusammentrcil'en der
namen des heiligen Gallus mit dem des vogels bestärkte;
sie verlassen sogar aus scheu vor ihm hernach das klo-
slo:: monasterio, eo quod Gallus^ deus ejuSy ighipo-
tens Sit, tandem omisso (ibid. 106.) Zwar ist der hahn
Symbol der Wachsamkeit^ und dem Wächter, damit er
alles überschaue, gebührt der höchste standpunct'^); mög-
lich aber wäre, dafs die bekehrer, einen heidnischen
brauch, hahne auf gipfeln heiliger bäitme zu befestigen,
schonend, ihnen auch eine stelle auf kirchthürmeu ein-
iSamten, und dcMn deichen hernach nur eine allgemeinere
christliche deutung unterlegten;
An der spitze des wilden gevögeis steht der adler als
iönig. In den fabeln scheint der rabe die rolle beider,
des wolfs und des fuchses zu übernehmen, er besitzt die
frefsgier jenes neben der klugheit dieses. Gleich den zwei
vfölfen sind auch zwei raben, HitgInn xini Munin n,
Odhins beständige begleiter; ihre namen drücken denk-
kraft und erinnerung ausf die tragen ihm nacliriqht von
allen ereignissen au.**) In Volksliedern versehen vögel ge-
vföhnlich bolendienst, sie bringen künde von dem was vor-
gegangen ist und werden mit meidungen entsendet. ^
♦) Muoters Sinnbilder der alten Christen ^..55. Da Gregor der
gTofse gallus durcli praedlcator auslegt (opp. Paris 1705. 1, 959. 961)
und audi den specnlator auf den praedicator bezieht, so könnte er
ia folgender stelle an den hahn gedacht liabeU) obgleich er ihn nicht
nennt: speculator semper in altitudine stat, ut quidquid venturum sit
longe prospiciat (ibid. 1 , 1283.)
•*) in einem slovenischen marchen besitzt jemand einen raben
(»^(ino), der allwissend (j/idesK) war und ihm, wenn er heimkehrte,
alles erzählte Miirkos slo?en. deuUches wb. Orätz 1833. p. 696.
25*
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im SPECHT SPERBER
In den sagen reden vögel untereinander voh dem g^
scliick der menschen und weissagen, toben Yerkündigen
dem blinden das mittel, wodurch er wieder zu seinen
äugen gelängt, hausvögel be8[n*echen sich von dem be-
vorstehenden Untergang der bürg (deutsche sag. 1, 20Z)
Ein weiser vogel (fugl fiödlihugadlir) wird in der Hei*
gaqvidha (Sa^m. 140. 141) redend und weissagend einge-
iüiirt und er fordert, wenn er mehr aussagen solle, von
dem menschen opfer und tempeL In jener deutschen
sage erwirbt sich der mensch das Verständnis der vögtL^
spräche durch den geuufs einer weijaen schlänge*) Si*
gurdhr versteht sie^ sobald des drachen Fafnir herzblut
von den fingerspitzen auf seine zunge kommt: es sind
schwalben (igdhoi)^ die ihm rathschlag ertheilen (Ssem«
100. 19 t.) Schwalben zu tödteu bringt unheil^ nach
abergl. 378 verursacht es vierwochenlangen regen«
Den alllat. Völkern wai* der specht besonders heil^
er galt für den vogel des Mars; den Sabinern weissagte
ein auf hölzerner seule {inl xeovos ^vkh'ov) stehender
specht im hain bei Matieua (oder Matiera Dion« hal« 1, 14.
Reiske p. 40.) Dem Romulus und Remus , als der wüifin
milch nicht genügte^ trug er andere nahrung herbei (Ovid*
fast. 3, 37. 54 vgl. INiebuhr 1, 245.) Nach Virg. Aen. 7,
189. Ovid. metam. iA, 321 war Picus söhn des Saturu,
vater des Faunus, und wurde in den vogel verwandelt
In unsei^n thierfabeln ist dem specht keine rolle ange-
wiesen, nur in einer alles Zusammenhangs entbehrenden
erzäblung (Reinh. 419) wird er mit dem wolf sich unter-
redend aufgeführt. Die Wotjaken erzeigen dem baumh^
ckenden specht göttliche ehre, damit er ihren wäldem
nicht schade.**) den Serben heifst das geschrei des bauBi«
hackenden Spechts (zhunja) klitschi, kliknuti, kliktatit
gleich dem der vila (oben s. 245.) Die ehter (pica) ist
ein dem specht (picus) nahstchender vogel. in Foitou
dauert noch eine spur des cultus fort, welcher ihr vor
alters gezollt wurde, auf den gipfel eines hohen baoms
wird ein slraufs von beide und lorbeer der elster su eh"
ren angebunden, weil sie den einwohnern durch ihr ge-
schrei den nahenden wolf anzeigt: porter la cröpe ä la
pie. (mcm. des antiq. 8, 451.)
In altböhmischcn liedem ist der sperber (krahui, kra-
buicc) ein lieiliger vogel und wird im göltcrhaiu gehegt
•) audi KM. 1. no. 17.
**) Rytsclikows rcUc durch das rass. reich, üben, vob Oase.
Riga 1774 p.t24.
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KUKUK ' 889
(kSnlgbli. h«. 72. 80. J60.) auf den ästen der eiche,
die au8 dem grabe de» ersclüagnen spriefst, sitzen heilige
Sperber, und verkünden den moixl.
Keinem andern vogel yriv^ a]}ev allgemeiner die gäbe
der vreissagnng beigelegt als dem tutuk*), dessen laute,
gemessene stimme im neubelaubten hain erschallt. Den
beginn des lenzes drückt im altdeutschen recht die Formel
»US 'wann der gauch gu}:eV (RA. 36), wie nach Hesiods
hauslehren der rufende kukuk die zeit des fallenden saat-
regens verkündet. Zwei alte Heder schildern ,den frühlings
und winters Wettstreit über den kukuk, und der hirten
kluge um ilmi der frühling pi-eist, die tMft hiems schilt
den vogel, die hirten stellen ihn als geraubt oder ersäuft
dar, merkwürdig ist die zeile
tempus adestWeris, cuculns modo rumpe soporem.**)
Er kündigt durch seinen ruf die lieblichste zeit des jahres
an, dafs er den menschen weissage wird hier niclit ge-
sagt. Noch jetzt aber dauert der Volksglaube, wer im
frühling zum erstenmal das sdirelen des kukuks vernehme,
könne von ihm die zahl seiner übrigen lebensjahre erfra-
gen (abergl. 197. schwed. 1^9. dän. 128. 146.) in Nie-
dersachsen ruft man ihn an :
kukuk vam häven,
wo lang^ sali ik lev^n?
lind dann gibt man acht und ssählt: wie vtelmal der vo-
gel nach der anfrage ruft, $oviel jähre sind dem fragen-
den übrig zu leben (Schütze holst, idiot. 2, 363.) In an-
dern gegenden ***) lautet der spnich:
kukuk y beckenknecht,
0 gptli. gäaks? ahd, gQuli (Hoffin. 5, 6) ags. geAc, aKiL gaukr,
Iplid. goucli MS. 2, 13|l>, daiiebeu gucgouch MS. I, 132a, gng-
goach MS. 1, 166«, abd. gukuk> kukuk, oberdeutsch guggaucb,
gnUgoBch.
••) beide eclo^en in Doraavii amphitbeatrum 466. 45Tj wo sie
dem Beda beigelegt sind , ein gleiches ge^ciueJit bei (^eyser p. 207»
nach welchem sie zuerst iu der fraiikf. ausg. der pvldischen amatorien
Yon 1610 p. 190 gedruckt worden sein sollen, indessen theilt Oudin
(die Script, ec^es, 2, 327. 328 ed. Ups. 1722) den conflictus veris et
|i|eii]is mit unter dem ni^men des 3i//o sancti Amandi elnoneiisis mo-
nacl^us (ans der ersten Irnlfte des 9 jli.^ und das zweite gediclit de
morte cuculi findet sich in Mabillons anal. 1^ 369 als uilcuini versus
de cuculo. Immerhin fallen beide in das 8 oder 9 Jh.; in correption
der penultimnr vo^ cnculus stimmen sie zu Reinardus 3, 528.
•••) Äegi<L Albertini narreohatz, Augsb. 1617 p. 95: inmassen
jenem alten weib beschehen, welche einen guguck fragte, wie vil
jar sie noch zu let>eu hette? der guguck fleug au flinfmal guguck zu
•iogen , da vermaiate sie daCi sie noch fünf jar zu leben bette u. f. w.
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am KURUK
sag nur reckt,
wie viel jalir ich leben toll?
der vogpl, wird erzählt, sei ein veryKinscht^r beeker
oder iiuillerknecht , und trage darum fahles, melübc-
staubtes gefied^r. in theurer »eit habe er den aroien leu-
ten von ihrem teig gestolen, und wenn goll den teig im
ofen segnete, ilm herausgezogen ,. bezupft; und jedesmal
dabei gerufen *gukuk!' (ei sieh!) darum strafte ihn gott
der herr und verwandelte ihn in einen raubvogel, der un-
aufliörlich dieses geschrei wiederholt.*) Gewis wurde die
sage von der Verwandlung, die uralt sein mag, früher
ganz anders erzählt, mit jener theuerung kann zusammen-
hängen, dafs des kukuks ruf, wenn er nach Johannis
vernommen wird, theuerung bedeute (abergl. 228.)
In Schweden weissagt er ledigen mädchen, wie viel
jähre sie unverheu'atet bleiben sollen: *^
göh^ göh^ silk pä quist,
säg mig vist,
hur manga är
jag ogift gär?
ruft er öfter als zehnmal, so sprechen sie, er sitze ^/Ä
galen qutsi;\ auf einem' nän*ischen (verzauberten) zweige,
und achten seiner Prophezeiungen nicht. Auch soll auf
die hioimelsgegend viel ankommen, aus welcher man den
kukuk zuerst hört, man soll im frülüing genau acht ge-
ben : hört man ihn von norden (d. h. der unglückücben
Seite), 80 wird man des jahrs trauer haben, von osten
und Westen bedeutet sein ruf glück , von süden her ist er
der bu Herausrufen ^östergök är tröstegök, vestergök är
bästagök, norrgö'k är sorggök, sörgök är smörgok.'**)
In Gölhes frühlingsorakel verkündet der prophetische
vogcl einem verliebten paar nahende hochzeit und zahl
der kinder.
Auffallend genug, dafs die dichter des 13 jh. in ihre«
liedern den kukuk nicht wahrsagend einfülireii^ die Sache
war ohne zweifei damals scKon allgemein bekannt. Cae-
sarius heisterbac. 5, 17: narravit nobis anno praelerito
(? 1221) Theobaldus abbas eberbacensis , quod quiilam
couversus, cum ue&cio quo tenderct et avem, quae t-wrtf-
las dicitur a vQce nomeu liabcns, crebrius cantantttii
iiiulu'el, viccs iiUerruplionis numeravit, et viginti du«
iuvenieus, easque quasi pro omiue acoipiens pro annu
•) vgl. Piaetorius wellbeschr. 1, 656. 2, 491.
**) Arndts reiae durch Scliwe<ictt 4, 6 — 7.
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RUKUK m
totidem vlces easdem aibi computapit: ^eia' inquit ^ceiie
Tigiuti duobus'annis adliuc vivam, ut quid tanto tempore
mortificem me in ordine? redibo ad seculum, et seculo
deditus vigintl annis fruar deliciis ejus, duobus annis,
qui 8upei*suat, poenitebo.' Im couronnemens Renart ver-
nimmt der fuchs des vogels stimine und legt ihm die frage
vor: a cest mot Renart le cucu
entent, si jeta un faus ris,
*>ou te conjur', fait il ^de cria,
215 ciTcua, qae me dies le voir,
quans ans jai ä pipre? savoir
le veil',*) cttcu, en preu cucU|
et deus cucu^ et trois cucu^
quatre cucu, et cluc cucu,
220 et sis cucu^ et set cucu,
et uit cucu, et uuef cucu,
et dis cucu, onzc cucu,
douze cucu, treibe cucu*
ataut se taist, que plus ne fu
225 11 oisiaus illuec, ains s'envoUe;
erfreut briogt Renart seiner frau die nacbricht, dal's ihm
der vogel noch ^treize ans d'ad' zugesprochen habe.
Den Polen heilst der vogel zezula, den Böhmen ze-
ätliule (beidemal fem,) in der altpoln. chronik des Pro-
ko6z,**j p. 113 der lat. ausg,, findet sich folgende merk-
würdige erzählung von dem cullus des slav. gotles Zywie :
divinitati Zywie fanum exslruclum erat in monte ab ejus-
dem nomine Zywiec dicto, iibi primis diebus mensis maji
ianumerus populus pie cönveniens precabatur ab ea, quae
yitae***) auclor habebatur, longam et prosperani valetudi-.
nem. Praecipue tarnen ei litabatur ab iis, qui primum
cantum cuculi audipissent, ominantes superstitiose , tot
annos se victuros^ quolies vocem repetiisset. Opinaban-
tur enim supremum hupe univerjsi moderatorem transfi^
gurari in cuculum^ ut ipais annunliaret vitae tempora;
unde crijiuni ducebalur, capilalique pocna a magistratibus
•) hier scheint eine zeile zu mangeln, worin gesagt ist, dafs
der vogel seinen schrei beginnt, en preu cucu, als kluger Icnlcuk.
**) kronika polska przez Prokosza. Warsz. 1825 und lateinisch
clironicon slavpsarniaticuni Procosii. Varsav. 1827; angeblich ans dem
JOjIi. Ein so hohe« alter kommt ihr niclit zu, aber Dobrowsky
(wicn.jb. 32, 7T— -80) geht zu weit, wenn er sie ganz für err
äich.ung ausgibt; es liegen ihr auf jeden fall ftl^e Überlieferungen
»um gründe.
**') zywy lebendig, z>'wic das leben erbalten, nührea.
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KDRUK
afficiebatur qui cuculum occidissof. Hier ist ieae wabta«
gende yogel ein verwandelter goti ^ 'wie er in jenem
sächslschea reim kukuk *vam häven^ hiers*
Im eddisclien Grottasaug vrlrd den malmägden nicht
länger ruhe und schlaf gestattet, als während der lutuk
Bcliweigt (enn gaukrinn thagdi.)
Er kann glück und Unglück weissagen \ man soll aich
gegen iiin (wie gegen andere «aubervögel, eule und elster)
mit Worten und fragen hüten, dafs man sich nicht ver-»
stricke/) Ihn ohne ursach zu tödt^n bringt gefahr, sein
anhang könhte es rächen. Er vermag die menschen zu
necken^ zu beihören ^ das nennt der schwedische abcr-r
glaube dära, der dänische gante^ In einem mhd. gedieht
(fragm. 38*»): pelcrltn und loach
hdt begucket mir de» gouch^
Sein erscheinen ist böser Vorbedeutung. Paulus Diac. 6,
55 meldet von dem langobardischen könig Hildeprandi
cui dum contum^ sicut moris est traderent, in ejua
conti aujnmitate cuculus aifis volitando venieps inaedit^
tunc aliquibus prudentibus hoc portento visum est sigoifi»
cari ejus principatum inutUem fore.
Wie jene slavische allernährende lebpnsgottheit gestak
des kukuks an sich nimmt, hat sich auch der griech,
Zeus in ihn verwandelt ^ als er sich zuerst der Here
naht. Der götlin sitzendes bild zeigt einen liikuh auf
dem Stab, ein die hochzeitsprocession des Zeus imd der
Ucre vorstellendes basrelief läfst auf des Ztens zepter ei«
nen kukuk sitzen;**) dieser vogel ist also in die Vor-
stellung der heiligsten ehpfpiev verflochten , und man be-
greift, warum er Verheiratung und ehesegen weissagt.
Der bcrg aber, auf welchem Zeus und Here zusammen*
kanten, früher Qgopai (von S-QovoQf sitz des donnerers?
Vgl. oben 8.125) oder 0o^a| geheifsen, erhielt nachher
den namen oqoq xoxxvyiOPf***) Kukuksberge haben wir
nun auch in Deutschland, z. b. unweit Kreuznach liegt
ein Gauchsberg (Widders Pfalz 4, 36), in der Schweiz
ein Guggisberg (Joh. JNlüller 1, 347. 3, 82 Tschachtlaa
p. 2) ; die beaennuug würde siqh ganz natürlich aus dem
rufen des vogels, das vom berg her vernommen wird,
•) Arndt a.a.O. 3, 18.
**) Welcker zu Sciiwettck 269. 270. Kaqn die gestalt des kakoks
und adlers oicht deutlich geschieden werden, so nennt aucli nocii
heute das volk in Balera den preufbischen adler sdierzweise gukexer
(Schm. 2, 27.)
***) Creuzen Symbolik 2, 585. Gruben mjtJiol. ^h. 2, 314.
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KUKUK
#ridireii; wenii nicht auoh noch andere überliere|ting«n
damit zmainmeabiengen. Freidank ^82; 8 und fiatt ebenio
Bonerius 65, 55
vrtsiu wort unt tiimbiu werc
diu habent die von Goachesberc f
LIer werden die leute vom Gauchsberg als weise redend
aber einfaltig handelnd dargestellt, Gauchsberg ist gleich-
viel mit Narrenberg/) schon im zehnten )h. hat gouh die
neben bedeutung von narr (N. ps, 48, 11. 93, 8* urheizkouh
N. Bth. 175, kriegsnarr), und so überall im dreizehnten
(Wahh. 22, 31. Trist. 8631. 18215), obgleich gewßhn-
lieli noch ein ad), oder ein gen. pL beigefügt steht: ich
tuinber gouch MS. 1, 65^ tumber denn ein gouch Troj.
8126 tiunber gouch Bari. 319, 25 gouch unwtse Bari.
238, 32 sinnelOser gouch 319, 38 rehter witze ein gouch
MS. 2, 124*> der mfere ein göichelin Ben. 209, wo auch
das augmentativ gouchgouolt, Altn. gaukr zugleich arro-
gaas morio* H.Sachs verwendet einigemal Gauchberg**)
in gleichem sinn, 11. 4, 110* (Kempten IL 4, 220«) ausz.
von Göz 1, 52. Dertnöch mag bei Gauchfiberg Ursprung*
lieh an den vogel selbst in einer uns jetzt verdunkelten
ominösen bedeutung gedacht worden sein.
Der kukuk steht auch sonst in üblem ruf, er gilt
für einen ehbrecher, der seine eier im fremde nester lege,
weshalb den Römern cuculus gleichviel mit moechus war
(Plautus, schlufsscene der Asinaria, zweimal) und in un-
serer spräche vor alters gouch , gö'ucfielin unechtes kind,
bastard ausdrückt (Nib. 810, 1. Aw. 1, 46.) in der
Schweiz heifst gugach ein ungebetner nebenbuhler bei der
liebsten« Ja er erscheint als teuflisches thier oder als teu-
fel selbst in den allgemein hergebrachten pedensarten ! das
weifs der huluk! des huiuhs werden, der huhuk hat
ilm hergebracht, und ähnlichen, wo überall, mit gleicher
bedeutung, teufel gesetzt werden könnte. Das scheint
mb auf alte, heidnische traditionen hinzuweisen « denen
altmälich erst der teiiflische anstrich gegeben wurde; da-
hin zähle ich auch die in Niedersachsen verbreitete formel
•) dalier auch ein andermal dafür gesetzt wird JJfenherc (Do-
cens niisc. 2, 187.) Tliiere, welchen schon die alte spräche dnmm-
heit beimiftft, sind oclis; esel, äffe, l>ock, gans, ganch und helier.
X ps. 57 , II hat ruoh (stultus) d. i. Iirooh , ags. hruc (graculus,
gmnim. 3, 361.)
**) weit liänfiger Schalksberg, in der redensart *in den schalks-
perg hawen' I 6, 624a. HI. S, 28d. 54b. ly. 3, 20d. 31c. 40*, de-
rea arsproug ich nicht kenne.
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KUKUK
^der iukuh und sein lüster*^ unter diesem kuster md,
nach brem. vrb. 2, 858 der wiedhopj gemeint , ein TOgel,
der gleichfalls durch Verwandlung seine gesttdt erhalten
haben soll, näher vermag ich die fabel vom kuhuk und
wiedhopj nicht anzugeben. Von dem kibitz gehen älm-
liehe sagen und redensarten.
Der Schaum auf weiden, den die cicada spumaria
hervorbringt, heifst kukuksspeichel ^ Schweiz, gugger^
speuy engl, cuckowspit, cuckoospittle , dan. giögespyt,
anderwärts hexenspeichel, norweg. troldkiaringspye *) , also
auch hier berührung des vogels mit zauberischen weseo,
einige ptlauzennamen versichern uns seiner mythischen
uatur. acetosa : ahd. gouchesampfera, Schweiz, gugger--
aauer t agg. geäcessure, dan. giögemad, giogesyre^
man glaubte^ dafs er sie gern fresse; nhd. kukuksorot
gauchlauch^ franz. pain de coucou^ panis cuculL wie-
senkresse: kukuksblume ^ gauchblume, flps cuculL ani"
gallis: gaucliheil u.s.w.
Den Slaven hat der vogel, den sie stets weiblich vor-
stellen, nichts böses, nichts teuflisches, zezhulice klagt
auf der eiche über des frühlings Vergänglichkeit (königinb.
hs. 174.) die serbische kukavitza war 'eine }ungfrau»
welche ihres bruders tod so lange beweinte, bis sie in
den vogel verwandelt wurdq; ^sinja kukavitza' (die graue)
Yuk 3, 66. auch in kleiurussischen liedern vogel der
traucr und Schwermut, und russische volkssagen lassen
wiederum ein junges -mädchen durch eine Zauberin ver-
wandelt werden (Götzes serb. üeder s. 212.)
Von dem storch , der schwalbe und einigen andern
vögeln wird ein folgendes cap. bei gelegenheit des an-
gangs handeln.
Sclilangen scheinen durch »die Schönheit ihrer form,
durch die gefahr ihres bisses vor andern thieren scheu
und ehrfurcht zu gebieten; ehie menge sagen erzählt von
verlauschung dergestalt zwischen menschen und schlangen:
hierin liegt fast ein untriegliches zeichen des cultus. vre*
sen^ die aus der menschlichen in thierische bildung über-
gegangen sind und den umstanden nach in jene zariick-
kehren können, ist das heidenthuoi heilig zu hallen
geneigt.
Dieselbe vita Barbati, der wir künde dos langobar-
dischen baumcullus verdanken (s. 373), meldet sugleich
*) Sommersprossen bairiscb gugkerMchegken , kuLuksfledea.
Sclim. 2, 27.
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S0HIiAI»3B m
von einer aclilangenverehrung: his vero diebus qnamviB
Sacra baptismatis uuda Langobardi abluerentur, tarnen
priscum gentilitatia rituni teneDtes^ sive bestlali meiite
degebant, beatiae aimulachroy quae vTÜgo vi per a nomir
natur, flectehant colla , quae debite suo debebant flectere
creatori. praeterea Komuald ejusque sodales, prisco
coecatl eiTore^ palam se solum deum colere fatebantur»
et in abditis viperae simulachriim ad suam perniciem
adorabant. BarbatuB in des künigs ab Wesenheit ersuelit
Theodorada, Romualds gemahlin, ihm das sclüangenbüd zu
verschaiTeD. illaque respondit : 'si hoc perpetravero , pa-
ler, veraciter scio me morituram.' er läfst aber nicht ab
und bewegt sie endlich; sobald das bild in seinen bänden
ist, schmelzt er. es ein und übergibt die masse goldschmie»
den, um Schüssel und kelch daraus zu fertigen. Aus die-
sea goldgefärsen wird dem könig nach seiner heimkehr
dag christliche sacrament gereicht, und Barbatus gesteht
ihm, dafs das kircheugeräth aus dem eingeschmolznen
bild geschmiedet sei. repente unus ex circumstantibus ait:
*si mea uxor talia perpetrasset , nullo interposito momento
abscindcrem caput ejus.' Aus der andern vita gehört noch
diese stelle hierher: quin etiam viperatn auri metallo
formatani sumnii pro magnitudine dei supplici devotione
venerari videbantur. unde visque hodie, sicut pro voto
arboris votum, ita et locus ille census , devotiones*) ubi
viperae reddebantur, dignoscitur appellari. Über votum
habe ich mich 8.374 erklärt, census drückt unbedenklich
das golh. gild oder gilstr^ ahd. hält oder kelstar aus
(oben s. 24 und RA. 358.) beide Wörter votum und cen-
sus zeugen nicht wenig für die echtheit und das alter der
lebensbeschreibung. Hier haben wir nun ein merkwürdi-
ges beispiel eines aus goid geschmiedeten götzenbilds und
wiederum das bestreben des bekehrers, den heiligen stof
beizubehalten» aber in christliche form umzugestalten.
Welches höhere wesen die Langobarden sich unter der
Schlange vorstellten? läfst sich freilich niclit bestimmen,
schwerlich die alles umschlingende weltschlange, den mid-
gardhsormr, iörmungandr der nordischen mythologie?
keine spur verratli^ dafs dieser im Norden selbst , oder
anderswo, bildlich dargestellt und verehrt wurde. Die ei-
genthümlichen Ursachen des schlangencultus bei dem lango-
bardischen volksstamm entgehn uns gänzlich. Wenn der
*) gednickt stellt: locus Ule census devotlonis, ubi viperae red-
debantur.
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80BLAN0B
O^sdruck Yipera mit bedacht gewählt Ist^ so kmsn nur
^ne kleinere sdilangenart (cohiber berus) yerstaDden -vrer-
den, wiewol d&8 simulaoruin , iius dessen gold sich scliÜ9*
$el und kelcb sobmieden lieiseni auf bedeutendere gröfse
hinweist.
Die langQbardiscb^ sage erzählt ^bep aiich sonst noch
von scblfmgen, und gerade von kleinen, im heldenbuch
-^ird der kämpf eines feuerspeienden thierleins am Gar«
tensee (lago di Garda) mit einem löwen und Wolfdieterich,
denen beiden es zu schaffen macht, gesohildert:
i)un liörent durch eia waifder, wfe das tfericio ist genant i
es lieifst 9U welscli ein zunder^ zu teusch ein $aribajU^
in Sitteleniaud nacli ereo ist es ein vipper geoiMIt,
und weiter folgt, dafs immer nur zwei soloher vipern
leben, indem die jungen bald nach der geburt ilire elteni
fiufTrcssen. dies stimmt nahe zu den angaben im ph)'sior
logus (üiut. 3, 29. 30. Hoflin. fundgr. 28.) s^undei' weif«
ich aus keiner italienischen mundart ?u erklären, sarir
hant ist das mhd. serpant Trist, B984, Sittelenland halte
ich für WalUserland, dessen hauptstadt Sitten, hier konnte
leicht das romanische viperß im gebrauch bleiben (grau-
bündn« vipra, viyra.)
Von IhauBschlc^ngen und unien"^) gehen noch Jetit
überlicferungei)« Auf wiesen und weiden , auch in hSui»
Sern kommen schlangen zu einsamen kindem, saufen mit
Uinen mÜoh aus der sehüssel, tragen gpldkronen, die sie
beim milchtrinken vom haupt auf die erde uiedersetzeD,
und manchmal beim weggehn vergessen ; sie bewachen
die kinder in der wiege und den ^öfseren weisen m
schätze; sie siu tödten bringt ungluch. Jedes dorf welfs
von eignen schlangen« So wird in Schwaben erzahh.
hessische sagen sind kinderm. no, 105 gesammelt, eise
üsfreipliische steht in Ziskas Volksmärchen (Wien 1822 p.
51), fast alle h^ben den zug des milchtrinkens und der
goldkrone« hierher gehört auch die soldangenkönigin (deut-
sche sagen nOt220) und eine merkwürdige erzählung in
den gestis Romanorum cap.68,
E|ie sciilange erscheint als ein heilbringendes, unver^
letzliches Uiier, und vollHqmpien für den heidnischen
*) inlid. unht ufike^, MS. 2, 206a; von kupfer sc!ieidet nnn
daz goU fiiit eines unkeii esclieo (cinere); darum hiefs ein alchjnist
unkenbrenuer (Felix Malleolu^ de nohilitate et ru2»ticitate caD.SO.)
Unter unke Yiitd eigentlich die mna portentosa, pft aber auch schlänge
allgemeio verstanden, das volk neoiit sie euphemibUsch mucwel^t
miiemel. Sciim. 2, 576.
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aOOhäBHM S0f
cuUos geeignet Auch die Litthäü^ Verehrten 9eMangMy
hegten sie im haus, Uud brachten ihnen opter/) den
ägyptischen sdilangendienst bezeugt Herodot 2, 74.
Man brachte schlangen als zauber in Schwertern und
Hof helmen an!
liggr niedh eggjo ormr dreyrfödhr^
enn 4 valbösto verpr nadhr haltt* Sacm, 142^-
Vilege hiefs *mit dem stcingen? von seinem helmzeichen
(heldcnsage p» 148.) Die helme erhielten dadurch festig-
kelt, die klingen kraft. Nicht Unähnlich scheint, dafs
fulirleute in iJire peitsche Otterzungen ilechten (abergl. 174.)
*) Seb. Frankes weltbucli 55t>. Mones heidenthum 1 , 98.
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MS HfStMBL
CAP. XVn. HIMMEL UND GESTIRNE.
Die ersclielnuugen des hmimels greifen' \ielseitig in
den lieidnisclien glauben ein ; nicht nur ist die woLnung
der gotter und der ihnen naher stehenden geister im him-
niel, sondern auch irdische wesen, nach iTiret auflösung,
werden dahin erhoben, ausgezeichnete beiden und riesen
leuchten als gestirne. von dem himmel steigen die götter
herab zur erde nieder, an dem himmel fahren sie her,
imd durch den himmel beschauen sie unsichtbar das trei-
ben der menschen. Wie sich alle pflanzen nach dem himm-
lischen licht kehren, alle Seelen zum himmel wenden, so
steigt der rauch des Opfers und das gebet der menschen
in die höhe*
Der himmel deckt die erde und das wort staAimt ans der
Wurzel hima (lego, involvo, gramm. 2, 55.)*) den Oothen und
alten Nordländern ist die form himins^ himinn^ allen übrigen
Deutschen hitnil gemein ; schwed. diin. wieder himmeL eigen-
thümlich dem sächsischen volk sind daneben zwei andere aus»
drücke, alls. hsbhan, hSvan^ ags* liSofon^ engl, heat^eri^ noch
jetzt in Niedersachsen und Westfalen heben , heven, liäven^
liäiven. ich habe die grenze zu ermittelo gesucht, bis
zu welcher sich diese benenuung erstreckt (gramm. 1, xiv.)
luiler den Friesen war sie nicht gangbar, denn noch die
heulige west und -nordfriesische volksspraclie kennt nw
hininicl.**) auch die niederländische mundart hat sie nicht;
sie findet sich aber in Westfalen, Niedersachsen, bis nach
Holstein und über die Klbe hinaus in Meklenburg und
Pommern. Den Angelsachsen und heutigen Engländern
mangelt sogar der ausdruck himel völlig; die Altsachsen
gleich den jetzigen Niedersachsen und Westfalen verwen-
den himil und hövan abwechselnd, wie es scheint so, dafs
hevaii mehr den sichtbaren, himil den übersinnlichen
himmel bezeichnet. Reinolt von der Lippe häuft beide
Wörter: ^himel unde hüben von vreuden muz irkradien/
man sagt : *de heilen steit nümmer to', 'wenn de heuert
•) litth. daiigus (coeluni) dengiu (tcgo.)
••) )umel4 lapekoer fen «abe »croar, DImter 1834 p. 101. 103.
hemniel^ HaaseDs geizhaU. Sooderburg 1833 p; I4ö. hiituty fne^cbe
wetten 348. himul^ As. 274.
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ttik, U^s^ ^er all \innet\ «de 8tei*reii an dem häuen\
in Westfalen bedeutet 'liehenscheer^ iimzognen himmel
ohne regen, ja heben drückt wölke aus.*) bei häven^
hüne (s. 105; , bei kukuk vam häi^en (s. 389) hericht der
sinnliche begrif , dagegen würde man kaum anders sägen
als: 'in den himel komen\ oder himelrik. Diese Unter-
scheidung mag sich gleichwol erst später festgesetzt haben,
und wie das ags. heofon ganz abstract steht, wechselt
auch der dichter des H^l. ab zwischen himilHH 149, 8
und hebanrthi 143, 24, Jiiniilfader 145, 12 und hsban*-
cuning 143, 20. hiniil hat auch ursprünglich, und über-
all ini hochd., zugleich die sinnliche bedeutung, daher
üphiinil Hol. 88, 15, wie upheofon Cädm. 270, 24. Wur-
zel von hebhan, hevan, heofon scheint ein verlornes goth.
hiba, haf; das ich dem lat. capio vergleiche, also: der
fassende, allumfassende himmel.**)
Ein andrer sächs. ausdruck läfst sich dem begrif des
gr. al&r^Q an die seit^ setzen, während hiniü und hevan
dem ovQavog entsprechen s alle. radui\ ogs. rodor. Cädm.
bietet dar rodor 183, 19. 207, 8. uprodor 179, 10.' 182,
15. 205, 2; rodor tungol 100, 21. rodorbeorht 239, 10.
In den späteren dialeclen fehlt dieses wort, dessen Wur-
zel (h ad) noch im dunkel liegt, völlig, ich möchte altn.
rodidl (sol) hinzuhalten, das niclils mit raudhr (ruber)
zu tbun hat.
Eddische benennungcn Srom. 49^ Sn. 177; alle männ-
lich, einige unverkennbar auf personification gegründet,
der himmel wird als mann, die weibliche erde umfassend^
gedacht; in die reihe der götter ist er aber, gleich O^-
(>ai/off, nicht aufgenonnnen , während die Erde unter den
göllinnen steht, himmel bezeichnet uns den blofsen räum
und aufenthalt der güllen
Für den begrif des gestirns (sidus) ist unserer älteren
«prache,aufser/^^>/^/7^€^c//a/2, der ausdrutk alid./jimi/xiw/iP-fi
Diut. 1, 526»> gl. Doc. 249. alts, liimiltungal Hdl. 18, 2,
ags. heofontun^ol^ rodor t an g ol , altn. himintängl eigen".
ags. sieht auch das einfache tungol mit gleichem sinn,
0 slav. nebo (coelnm) tat. nübes, fiebultf;* lett. debbes (coelom)
debbefä (nubes^.)
••) himmdberge sind hohe, mit ifirem gipfel in die wölken rei-
chende,- oft bestimmter berge eigenuameu» himinfiöll Sjfem. 148» Yngi,
saga cap. 39. HiminhiÖrg Saem. 4it> 92l> ein göttlicher wohusitz;
HiiniUnberg (mons coelins), auf dem geinter hausen (Pertz 2, 10);
HimileMbtfrg in Hessen (Küchenbecker anal. II, 137); Himmehberg
ia Vestgötlaod and (augeblich der heimdalische) m Ualland.
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408 GESTIRMB
allü. b^zeldinet tdngl den inoiid» ciiea neiitt. tungil, Mh
gol> tüugl ist yOu tUDga (luigaa) abzuleiten , Wie das an-*
abgeleitete ahd. himilzungd zeigt t der mdnd und dnige
pLaueten in ihrer theilweisen erleuchtung erscheinen Sichel
oder zungförmig/) kh kenne aus andern sprachen nichts
ähnliches^ daneben besitzen rrlr den gevtröliulichen aus-
druck stairnS^ stSmo^ steorta^ »tiarna (gramm^ 3^392.)
Die beiden hauptsterne sind sonne und mund, über
deren geschlecht und benennung ich mich gramm. 3 , 349*
350 geäufsert habe^ es ist der herTorhebuug werth, dafs
unter den eddischen namen des moudes einige noch in
oberdeutschen Yolksmtindarten fortleben, die zwerge het-
fsen den mond akin (jubar), nicht anders die ostliclien
Franken schein (Keinwald henneb. id. 2. 159.) in der
unterweit führt der inond den näinen hi>erfahdi Itvei,
drehendes rad , in Steiermark (zumal dem brucker kreis)
gmoarat (Sartori Steiermark p. 82) , wenn ich dies roU
communis überseti^en darf^
In der eddä treten sonne und mond ids geschtristet
trad kinder eines mythischen Mundilföri auf. Noch aiH
dere vcilket' aufser den Lilthauern und Arabern (das. 3,
d51) stellen, gleich uns, den mond männlich, die sonoe
weiblich vor. so ist der mexican* it/eÄ^/i Quna) ein mann f
der grönland. mond Anningat Verfolgt Mallina, die sonne,
seine Schwester, in einem iial. märchen (pentam. j, 5)
sind die geschwistef ^ote und Lima kinder der Tiäia
(bei Perratllr heifs^ sie Jour und Aurore.) Den Slaven
ist der mond Alännlich, der Stern weiblich, die sonae
neutral^ daher z. b. in einem serb. lied (Vuk 1, 134) golt
die sonhe (suntze) sein kind (tschedo) nennt, und der mond
(mesetz) ihr bruder, der stern (zvezda) ihre Schwester lieifst
Das Volk pflegte sich bis auf die spätere zeit, von
sonne und mond redend, gern auszudrücken ^frau sonnet
•herr mond.'**) Äventin 19">: Jrautv Sonne geht *u rtst
und gnaden, auf dem land zwischen Inn und Salzscb
heifst es 'der h4r Mdn^ ganz einfach für mond (Sdini. 2,
230. 582.) Gesner im Älithridates Tur. 1555 p. 28 : audio
veteres Germanos Lunnm quoque deum coluissö et appel-
lasse IxettnOnf id est döm.inuln Lünum, quod forte pa-
rum animadrertentes aliqui ad Üerinann i. e. INIcrcurium
•) tfder ist da« gltminern, die zticikcnife bewegnng der gesür^
glcficlisam ein züngeln? daxu stimnit niclit das ruhige moudlirtt,
noch die ahd. form, ohne L.
**) daher altfranz. Solaus ^ ohne artikel. Befeker au Feratirai
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SOMNQ MOND 401
ti'aiiBtuleniiity die letzte Vermutung schlägt fehl- Hulderic.
Ejrbea de tiiulo iiobilU. Heimst. 1677. 4 p. 136: qua
etiam ratioue in veteri idololatrico luna non domina^ domi^
nua appellatur:
bis gottwillkommen neuer morif holder herr^
mach mir meines geldes mehr!*)
So auch bei Nicolaus IMagni de Gawe (anhang xliv): ve-
tulam novi, quae credidit solem esse deam, vocans eam
sanctam dominam; und noch früher bei Eligius (an-
hang xxx) nullus dominos solem aut lunam poceL**)
In diesen anreden haftet die letzte spur einer heid*
machen Verehrung; vielleicht auch im sonnenlehn (RA. 278)?
der bedeutsamen nebeneinanderstellung von Sol, yulcanus
und Luna bei Caesar , von eldr und s6l in der edda habe
ich 8.71 und 340 erwähnt; des neigens vor der sonne
8.20, des fluchs ^der sannen hak varn* $.14, wo sie
einer gottheit gleichgestellt ist. ähnliches hniebeugen und
hutabziehen geschah vor dem neumond (anhang p. xur.)
Sonne und mond^ in ihrem unablässigen, unauflialt*
Samen lauf durch den räum des himmels scheinen zu ilie«
lien imd einem Verfolger zu weichen, zwei wülfe sind es^
die ihnen nachstellen, ShölL fährt hinter der sonne, Hati
lanter dem mond her; sie stammen aus einem rlesenge-
schlecht, und Mdnagarmr (mondhund) der mächtigste
unter ihnen, wie es scheint, nur ein andrer name für
Hau, wird einmal den mond erreichen und iferschlin-'
gen. wie ausgebreitet diese Überlieferung herschte ist schon
8. 150 dargethan worden.***) Eine nebensonne (vädersol)
beifst schwed* soharg, solid/ {soxmenwolL) Ihre dial. lex, 165*
Nichts war den Heiden fürchterlicher als die nahende
Verfinsterung der sonne oder des monds, womit sie die
Zerstörung aller dinge und den Weltuntergang in Verbin-
dung brachten; sie wähnten, das ungeheuer habe schon
einen theil des leuchtenden gestirns in seinen rächen ge«
fafst und suchten es durch lauten zuruf wegzuschrecken.
Daher eifert Eligius (anh. xxx): nullus, si quando luna
obscuratur ^ voviferare praa^umat. dieses geschrei »V/a/cc
iutmP-f) meint der iudicul. paganiar. cap. 21 de lunae de-
*) er beruft sich dabei auf Dynkelspahl tract 1. praec 1. p.29.
ist dies ^licolaus de Diokelspuel bei Jöcher?
•*) vgl. s. 861 die anrede herr für den wind, und dobropan (s.93.)
•••) aus Fischarts Garg. 130b trage ich nach: 'sah den wolf des
monsJ Rabelais 1 , 11 hat : la lune des loups,
j) das wäre ahd. karlh mono! gotti. jiukiii ni^oal aber auch
später wird nie so etwas angeführt.
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409 FIN8TBRNIB8E
fectione, und Burchard (anh.xxxvi) durch das clamon^
bu8 aut auxillo aplendorem lunae deficieniis restaurare.
in den nord. denkmälern, die doch das drohende yer-
schlingen am ausfulirlichsten erzählen , geschiehi des ge-
schreis keine meidung; vielleicbt war es unter Gehen und
Römern gebräuchlicher als unter Deutschen. ^ 8. Maximut
von Turin, kirchenvater des 5 jh., predigt in einer homi-
lia de defectu lunae: cum ante dies plerosque de vestrae
avaritiae cupiditate pulsavenm^ ipsa die circa vesperam
tanta vociferatio populi exstitit, ut irreligiositas ejus pe*
netraret ad coelum. quod cum requirerem, quid sibi
clamor hie velit, dixerunt mihi, quod laboranti lunae
vestra vociferatio suhueniret ^ et defectum ejus suis
clamoribus adjupareiJ^) laborare verwendet auch Ja-
yenal 6, 442
}am nemo tubas^ nemo aera fatiget^
una laboranti poterit auccurrere lunae**)
Mit Sicherheit darf ich annehmen , dafs äbnliche aber^ao«
bische gebrauche bei Verfinsterungen unter alten und neuen
Völkern vorkommen. Ein reisender Engländer erzählt von
den africanischen Maureu: als die Sonnenfinsternis ihren
höchsten grad erreicht hatte, sahe|i wir das volk vrie un-
sinnig hin und her laufen, und flinten nach der sonne
abfeuern, um das ungeheuer zu schrecken y welches
das gestirn des tages ihrer meinung nach verze/wen
wollte» in den ebenen und auf den höhen von TripolU
ertönte todesgesang (ein gesclu*ei ^wuUiali wul) und so
längs der ganzen küste. die weiber schlugen kupjerge^
räth aneinander und machten damit einen Lernif der stun*
denweit gehört wurde.***)
Nach einem mongolischen m)rthus wollten die gütter
den Aracho für seine unthaten strafen, er hatte sich aber
so gut versteckt, dafs niemand seinen Schlupfwinkel aus-
findig machen konnte, man fragte daher die sonne, sie
gab unbefriedigende antwort, als man den mond fragte,
entdeckte er Arachos aufenthalt. Aracho wurde nun her-
vorgezogen und gezüchtigt 5 zur räche dafür verjolgt er
soäne und mond^ und so oft er mit der einen oder
dem andern in handgemenge geräth, entstehen verfinster J
rungen. um die himmelslichter aus ihrer noth zu retten
*) die stelle hebt Darang^e 6, 1618 s.y. Tinceliina aas; In ab-
drack der liomilia Maximi taurin. 'de defectu lunae* bei Mabillon ■><•
ital. tom. ]. pars 2 p. 19. 20 steht sie nicht.
**) ygl. Tac annal. 1 , 28
***) morgenblatt 1817 p.l59a. Tgl. Niebnhrs beschr. Arab.ll9.iaO.
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SCNHNB MOND iOS
wird mit niiuikalisclien und andern instrumeiften lernten^
des getöse gemacht y wodurch sich Aracho zurückschre*
cken läfsU*) Ein merkwürdiger zug ist auch hier die
nachfrage bei sonne und mondj welche die weit über-
schauen, denen nichts verheimlicht werden kann, ebenso
wird in unsern deutschen märchen von dem suchenden
gefragt bei sonne, mond und Sternen (KM. no. 25. 88
vgl, 3, 218. 219), bald erscheinen sie hilfreich und mit^
leidig, bald aber grausam und menschenfressend. In den
serbischen liedern unterhalten sich mond und morgen-^
Stern (danitza) von den begebenheiten der menschen
(Vuk 3, 3.)
Bei mondsßnsternisBen tragen die Grönländer kisten
und kessel auf das dach ihrer häuser und schlagen heß-
tig daran *'^)
Während einer Sonnenfinsternis (ich weifs nicht, ob
auch bei Verfinsterung des monds) pflegt man die bnmnen
zu verdecken, weil sonst ihr wasser unrein werden würde
(abergl. 589.)
Da sich nach dem mondwechsel, der mehr augenfäl*
lige absclmitle darbietet, die zeit leichter als nach der
sonne berechnen läfst, so scheinen unsere ahnen neben
dem sonnenjahr für den gemeinen gebrauch ein mondjahr
gekannt zu haben, dessen dreizehn monate den zwölfen
des Sonnenjahrs entsprachen. Die wiederkehrende periode
von 28 tagen hiefs darum m^ndths, mdnöd von m^na,
mÄno. aus gleichem grund war es sehr natürlich nach
nachten zu zählen, nicht nach tagen: nee dierum nu-
merum sed noctiuni computant, sie constituunt, sie con-
dicunt, nox ducere diem videtur. etwa wie man auch
das jalir nach dem winter nannte, der sich zum sommer
gleicli der nacht zum tag verhält.
Hiervon hängt nun weiter ab, dafs die erscheinungen
des mondes entschiednen einflufs auf gewisse geschähe und
Unternehmungen hatten, zwar alle arbeiten und Verrich-
tungen waren durch tag und sonnenzeit bedingt, sowol
der krieger (RA. 297) als der knechte (das. 353), vor-
züglich auch der gerichte (das. 814 — 816.) Sollte hingegen
etwas neues und wichtiges gepflogen werden , so richtete
i^n sich nach dem mond; das hat nicht den sinn, dafs
*) Benj. BergmaDDs nomad. streifereien 3, 41. Nach Georgü
aipbab. tU>etan. p. 189 sind es ungeheuer namens Tracehn, oben wie
Bienschen, unten wie schlangen gestaltet, die sonne und mond nach-
»teilend ihre Verfinsterung veranlassen.
**) Crana Grönland 3, 294.
26*
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4M MONDLICHT
die berathung bei nacht gebalten, die haQdhmg bei üdcbt
begonnen wurde, sondern es geschah an tagen, deren
niichte günstiges mondiicht hatten: coeunt, nisi quid for-
tuitum et subilum iuciderit, cerlis diebus, quum aut io-
choatur luna aut implelur. nam agendis rebus höc auq)i*
catisslnium initium credunt.
Der mond gewährt nun zwei bestimmte erscheinun«
gen , die von Tacitus in der angeführten stelle bezeichnet
sind: er beginnt seinen lauf, oder er hat die fülle seines
lichts erreicht, von jenem punct an nimmt er unaufkör-
lieh zu, von diesem an unaufhörlich ab. alle in der
mitte liegenden gestalten sind für die sinnliche wahmeh*
mung minder verlässig.
Völlige unsichtbarkeit des monds ist nur in der einen
nacht zwischen dem verschwinden des letzten und dem
aufgehn des ersten vierteis, ebenso besteht der voUmond
nur von dem augenblick an, wo die reine Kugelgestalt
sich aus der des gewaclisnen ersten vierieis entwickelt, bis
zu dem zeit^junkt, in welchem sie wieder aufliürt. Die
gemeine ansieht rechnet aber jene nox iilunis schon iii
dem neuen licht, und umgekehrt läfst sie die abnähme
gleich mit dem voUmond beginnen.
Im Norden scheint eine abweichende Vorstellung zu
walten, von dem neuen licht wird nicht das volle unter-
schieden, sondern jene dunkelheit (nox iilunis.) Sie hci-
fseu nf ok nidh^ gütige götter schufen beide den men-
schen zur jahrzäldung: ^/zy* ok nidh sköpo nj'l regin öl-
dum at drtali', Saem. 34»*), und auch hier tritt personi-
ficatioh ein: ^Mdrii st^rir göngu ttingls oc rredhr N^jum
oc Nidhuni*, Sn. 12, Muni lenkt des mondes lauf und
waltet über die N^^jar und Nidhar. JNfji und Nidhi
sind nach Völuspd 1 1 (Saem. 2**) zwerge , d. h. himmlische
geister, die mit jenen monds Veränderungen rr^ ok nidh^
wir wissen nicht näher wie, zusammenhängen, ny ist
offenbar novum, und nidh von einem verlornen stamlii
nidha, nadh, aus dem die partikel nidhr (deorsum) und
das subst. nädh, ahd. ginuda (quies) herrührt, nidh be-
deutet folglich das untergegangne , ruhende licht> inter*
lunium, nidhamyrlr tenebrae interluniorum , luna si-
lens. man sagt 'that gengr eptir n^um ok nidhum^ res
alternalur, et subit lunae vices. altschwed. gesetze haben
die formel ^ny oc nidhar^ für allzeit, unter jedem niond-
*) nach AIvtsmal nennen die &lfar darum den mond drtali (M'
järzalo?) Saem. 49t>.
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HONDUCHT ilf^y
Wechsel y GuUlagli p. 108. *i ny ok nidluC Suilli,
32. Upl. vidh. 28 , 1. Vestg. tbiuw. 22, 1 , hier
im zweiten wort das neutr. aufgegeben und das peraö:
che masc. eingetreten, neuschwed. ny och nedarjj
nye og noßSy det gaaer efter nye og noee^ hverken i nye
eller noe ^ d. i. niemals, altdäu. auch ned y need. nidh
kann nicht den, vollmond bezeichnen , da man auch
schwed. nedmörk für stockfinsl^v gebraucht; ist aber nidk
die zeit des abweseuden Scheins , so mufs n^ anders als
bei uns neumond gefafst werden, n^" ist das beginnende
erste viertel , das spitzeste himmelszünglein , n5^ der al-
lererste stand des mondes, während nach unserm begrif
neumond den anfange vollmond die hälfte seiner bahn
ausdrückt, neumond und vollmond stehen 14 tage von
einander ab, n^ und nidh rühren unmittelbar zusammen,
d. h. vl^ des neuen , nidh des alten monds. läfst sich viel-
leicht nachweisen, dafs nidh überhaupt den abnehmenden,
Dj^ den zunehmenden mond benenne, so begreift wenig-
stens nidh die gänzliche Verdunkelung in siqh, wälu'end
unser neumond mit ihr anföngt."^)
Unsere Sprachdenkmale li^ern mir kein ahd. niuwi für
niuw^r mdno N. ps. 80, 4 , doch hat Dasypodius ^das newe^
interlnnium'; ein ahd. nid ist nach jener Verschiedenheit
der ansieht gar nicht zu^ erwarten. Hingegen gilt für voll-
mond**), wahrscheinlich von frühe an, und weit ver-
breitet, ein andrer ausdruck ahd. wadal?^ ags. vadliol^
mM.wedeli 'des m^nen wedeP Martina 181«^; nhd. wadef,
wädel, aber mehr unter dem volk und bei den Jägern, als in
der Schriftsprache. Pictorius 480 und Stald. 2, 426 haben
wädel vollmond , wädeln volhnond werden , wann seine
börner zusammenstofsen , d. h. die runde sich ausfüllt.
Keiserspergs postille 138** i 4elz so ist er nüw, ietz fol,
ielz alt, ietz die erst qvart, ietz die ander qvart, ietz
ist es wedeP, hier scheinen vollmond und wedel dasselbe,
altmond mag mehr das letzte viertel bezeichnen; in einer
andern stelle Keiserspergs (Oberlin 1957) ganz deutlich
vom merz : *wan es ist sein (Pedel, sein volmoo.' üasy-
podius *plenilunium , der volmon, ^äV/e/.'***) Aber auch
*) spätere isländische benennungen sind: hldn^ (scliwarzes neu,
interlonium) pritn (nova lona) auch n^^qveikt töngl ; hälfvcixid iängl
(mtes viertel); fällt tünfrl (pleniluuium 5) hdlfthrotid tängl (letz-
tes viertel.) hiernach ist der alte name nidh entbehrlich.
**) mhd. daz volmxne. Trist 9464. 11086, 11513,
***) ft. V. luna hat er aber: ^plenilunium vollmon oder bruch\
ebenso s.v. brach; das bedeutet abbrnch, defectus, uud bestätigt,
<lafc wir vom vollnioud aa die abnähme recbnea.
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408 MONDLICHT
lü Niederdeutscbland ist das wort bekannt, brem. vrh. 5,
166 wanl YoWmonA , für wadel (wie aal f. adel, sumpf);
Kilian: waedel , Senium lunae« Im ags. lied von der
fiunesburger Schlacht z. 14 (Kemble): *nu scinedh thes
möna vadliol uuder volcnum', was vollmond ausdrückt,
aber bei Hickes und Lye übersetzt wird luna erratica.
freilich scheint das ahd. wadalön (fugari, iluctuare) gl. Doc.
242» ein adj. wadal (profugiis) zu fordern, und Diut. 3,
58 steht wadalere in gleichem sinn; ich denke, der volle,
abnehmende mond hiefs eben der sinkende, fallende, flüch-
tige?*) Nach der au sdrucks weise abergl. 973, die aber
verwirrt sein kann, sollte man wädel für eine allgemeine
benenniing des monds halten , sei er wachsend oder ab-
nehmend? In jener ags. stelle erscheint vadhol deutlich
als ad}., substantivisch genommen bietet das mhd. nlid.
wadel einen doppelten sinn dar. entw. wäre es flabrum,
flabellum, cauda und, wie tftngl, zungä, auf den spi-
tzen schweif des abnehmenden lichts zu beziehen, oder
es bezeichnete den bündel reisholz (fasciculus ramorum),
der im vollmond sichtbar wird und drückte ganz eigent-
lich die runde geslalt des mbndes aus. von dieser letzte-
ren Vorstellung nachher noch. Verfehlt ist die deutung
von wadel bei Frisch und Oberlin aus wan^ das in einer
stelle der sächs. reimchronik (Leibniz 3, 127) defectus hi-
nae, wie sonst häufig defectus, bezeichnet, vgl. Hdl. lli, 8.
Litth. jdunas menu novilupium, pilnatis plenOa-
nium, puspilis (erstes v.), pusdylis (letztes v.), delczia
(luna decrescens), tarpijos (interlunium) von tarp (inier),
puspilis bedeutet halbvoll, pusdylis halbstumpf und ge-
hört zu delczia , abstumpfung , abnähme ; lett. jauns meh"
nes novilunium, pilna mehnes plenilunium, mehnes
punte luna accrescens , wezza mehnes f**) luna sene-
scens. Finn. uusihuu novilunium, täysihuu plenilunium,
ylihuu luna accrescens , alahuu decrescens , gebildet mit
uusi novus, taysi plcnus, yli superus, ala inferus, wo-
durch die erklärung des altn. nidh bestätigt wird. Die
Serben unterscheiden von mijena (novilunium) mladina*
(luna accrescens, das erste viertel) ^ puna (plenilunium),
•) ob vadliema streäm Cadm. 20T , 24 zu Tadhol gehört , wwlk
ich nicht; sicher hat vddhe Cadm. 256, 93. 257, 26 nichts daiHt
gemein , *v7de vddhe' vergleicht aich dem mhd. witeweide (Gramm. 2,
655) und ^of vadhe cvom* dem aitn. *kom af veidJii' Saero. 1S6>*
'*) wezza me/mcsj der alte mond. iu einer sdioUischen ballsde:
4 8«w tlie rt€n/ moon late yestreea wF the auld moon iu her \
Jamiesoo 1 , 159. Percy 1 » 78.
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UONDLICBT m
uscfUap, (L decresceDB«) sloven, mlaj ^ mlad (junget
licht, novUunium), polna (plenilunium) ship (plenilunium,
wol auch luna decretscens und einerlei mit dem serb«
uschtap?); poln* nofi^y bühm. nowy (novilunium) poln.
pelnia^ bühm. auplnek (plenilunium.) Auch hier ist
wieder wahrzunehmen^ dafs unter roheren stammen
mehrfache, lebendigere ausdrücke der naturerscheinungen
bestehen, unter den gebildeten aber abstracte, einförmige
an deren stelle treten, ohne zweifei besafs auch die deut-
sche spräche in ihren verschiednen zweigen vor^ alters noch
andere benennungen als nidh und wadeU
Tacitus sagt uns blofs dafs die Germanen ihre ver^
Sammlungen zur zeit des neuen oder vollen monds hielten,
nicht aber ob diese beiden perioden für alle Unternehmun-
gen ohne unterschied gleich günstig erachtet wurden. Ver-
mutlich eigneten gewisse dinge sich für den neumond, an-
dere für den Vollmond.
Soviel ich aus den späteren Überresten des aberglau-
bens entnehme, ist der neumond y der auch vorzugs-
weise holder herr' genannt wurde (s. 401), eine heUbrin-
gende zeit, eben sollen in »ihm gesclilossen, häuser in
ihm auferbaut werden, ^novam lunam observasti pro domo
facienda aut conjugUs sociandis' (anh« xxxvi), letzteres
ganz so im ehstn. abergl. no. 1. bei neumond soll man in
ein ^eues haus ziehen (abergl. 429) nicht bei abnehmen-
dem (498); im neumond geld zälden (223), er mehrt den
vorrath (vgL s.40i), dagegen schadet^ wenn er in leeren
beutel scheint (t07.) Überall herscht die Vorstellung, dafs
geld , eheglück und haussegen , gleich dem licht des him-
mels wachsen und zunehmen werden. Nicht anders ge-»
schiebt haar und nägelschnitt im neumond (franz. abergl*
no.5, Schütze holst, id. 3, 68) damit sie wieder nach-
wachsen; vieh wird im zunehmenden licht entwöhnt
(no.757), im schwindenden würde es abmagern; nach
htth. abergl. no. 11 sollen mädchen in abnehmendem^ kqa-*
ben in vollem licht entwöhnt werden, wahrscheinlich lun
Jenen eine schlanke, zierliche, diesen aber starke gestalt
zu verschaffen. Wenn es no. 764 heifst, dafs trauungen
im Vollmond erfolgen sollen, 238, dafs man im zuneh-
menden oder vollen mond neue wohnung beziehen müsse,
so scheint dann vollmond fülle des wachsenden lichts,
ohne nebenbegrif der beginnenden abnähme zu bedeuten.
Bei Vollmond (im gegensatz zu neumond) d.h. bei
abnehmendem licht sind geschäfte zu verrichten, die tren-
nuug oder auüösuug, föUen oder erlegen beabsichtigen.
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40» MONDLICBT
so ^iirde z, b# eine ehe geschieden , ein haus abgebrodiCB
werden müssen im abnehmenden mond , falls ich recht ver-
mute* Hierher gehört die Vorschrift holz im wald zu fallen
wenn >vadel ist, gleichsam damit das gefällte holz trockne«
in einem Slrafsb. 1511 bei Hupfuff gedruckten calender:
^es ist gut holz anheben abzuhauen mit des mondes wedeL'
so wird noch in vielen neueren forstbüchern gelehrt, der
volhnond heifst darum Jio/zwadel] bei zunehmendem
mond '(im bösen wädel) soll man kein holz schlagen
(abergL 973.) Keisersperg menschL bäum Strafsb. 1521«
19 : *es ist al wegen im wedel bäum abzuhauwen und gc-
wild zu scliiefsen*' gi*as im neulicht nicht zu mähen,
sondern im vollmond (litth. abergL 7)', damit das heu
schnell dürre? Wenn man bei wachsendem mond fedon
in ein bett füllt, so haften sie nicht (no. 372. 914); audi
dies geschäft fordert abnehmendes licht, gleichsam um die
gerupften federn vollends zu ertödten und zur rast xa
zu bringen. Yuk s. v. mijena erzählt , dafs Serbinnen
im neumond kein hemd waschen, die ganze leinwand, be-
haupten sie, würde sich im wasser vermonden (omijenili),
d. i. aufbauschen und schnell «lerreii'sen ; man könnte tn^
dafür, dais im abnehmenden mond wasche zu halten sei,
den grund geltend machen > gleich dem schwindenden
licht solle Uecken und Unreinheit weggenommen werden.
Ich habe versucht hinter abergläubischen gebrauchen
einen sinn zu entdecken, der vielleicht nahe an ihre ur-
sprüngliche bedeutung trift. solche analogien zwischen ab-
sieht und mittel waren wenigstens dem alterthum überall
nicht fremd; das heilige wasser schwemmt alles unheil
mit sich fort (s.331), der absprang sprengt alle krank-
heit ab (s. 335.) So stellt sich der leidende gegen den
abnehmenden mond und fleht: wie du abnimmst mögen
meine sdunerzen abnehmen (no. 245) , es kann aber auch,
in andrer Wendung, dem neumond zugerufen werden:
du magst zunehmen, mein übel mag abnehmen! (no. 492.)
Das kehren des antlitzes gegen das gestim halte ich fv
eine spur heidnischer mondsverehrung.*)
Diese art des aberglaubens ist längst schon in die en-
geren scluranken des ackerbaus und der Viehzucht zurück-
gewiesen ; wir würden sie deutlicher erkennen , wenn uns
ihre anweudung auf das öffentliche leben aus dem alter-
thum gemeldet wäre. auf opfer, loose, kriegführung
*) wer dem moitd im spiel den rücken zukelirt kat lui^lück (so*
BOi.) Tgl. Buhaiig Lvi z. 1 1 V. u.
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MONDSFLBCKBN 40»
ivird die beachtuug des mondwecliseb manigfach eiDgeflos*
8en baben. Manches erscheint verwirrt, weil wir nicht alle
tiQistände überschauen, manches wird auch nach den Völ-
kern verschieden gewesen sein. Des hausvaters tod im
abnehmenden mond gilt nach deutschem abergl. (856) für
ein Unheil, man wiilmt, dafs nun das ganze geschlecht
abnehmen werde; die ehstnische ansieht (41) hält sterb-
fälle im neumond für unglückbringend, etwa weil noch
mehrere folgen? Früchte, die über der erde wachsen,
sind in zunehmendem, die unter der erde^ in abneh-
mendem licht zu säen (Jul. Schmidt p. 122); bei Westen-
dorp p. 129 aber: dat boven den grond wast, by afne-
lucude maan, dat onder den grond wast, by toenemende
maan te zaaien. Der satz in des Eligius predigt (s. xxx) :
nee luna nova qubquam timeat aliquid operis arripere^ ist
UDverständlicli , solange man nicht weifs, welche art von
Verrichtungen darunter gemeint wird.
Die flecken und schattigen Vertiefungen im licht des
Vollmonds haben bei mehrern Völkern ähnliche mytholo-
gische Vorstellungen hervorgebracht, dem indischen Volks-
glauben erscheinen sie wie ein hase, nemlich Chandras^
der goU des monds trägt einen hasen (sasa) und der
mond heilst darum sasin oder sasdnka (hasenmahl, fle-
cken.)*) Auch nach mongolischer lehre zeigen die mond*
schatten eines hasen gestalt.**) Bokdo Dschagdschamuni
(andere nennen ihn Schigemuni), der oberste regent des
himmels, halte sich einst in einen hasen verwandelt, blofs
um einem verhungernden wandersmann zur speise zu die- *
Den; zu ehren dieser tugendhaften handlung setzte Chur-
musta, den die Mongolen als mächtigen tängäri verehren,
die figiH* eines hasen in den mond. Folgendes erzahlea
die einwohner von Ceilon: während Budlia, der grofse
gott, als einsiedler auf erden weilte, verirrte er sich ei-
nes tags im wald. nach langem imiherwandern begegnete
er einem hasen , der Ihn anredete : 'kann ich dir nicht
helfen, schlag den pfad zur rechten band ein, ich will
dich aus der wildnis geleiten.' 'dank dir', versetzte Budha,
'aber ich bin arm und hungrig, ich vermag deine gelal-
ligkeit nicht zu belohnen.' 'bist du hungrig', sagte der
hase, ^so zünde ein feuer an, tödte , brat und ifs mich.'
Budha machte feuer; gleich hüpfte der hase hinein.
Nun bewies Budha seine göttliche kraft, rifs das tliier
*) Sdilegeis Ind. bibl. 1, 217.
'*) Bergmanns streifereien 3, 40. 204. Majers myth. wb. 1, 540.
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410 MONDSFLECREN
aus Aen flammen und versetzte es in den mond. satdoii
ist in dem mond immer ein base zu sehn.'*') Der phanta-
sie des Gröniönders jBind diese flecken spuren der finget
Malinas, womit sie den schönen rennthierpelz des An-
ninga berührte (Majers m3rth. taschenb. 1811 p. 15.)
Eine alte fabel erzählt: MAb\ (der mond) nahm zwei
kinder, Bil und Hiuki von der erde weg, als sie eben
aus dem brunnen Byrgir wasser schöpften und den eimer
Srogr an der Stange Simul auf ihren achseln trugen. Diese
kinder gehn hinter dem Mdni her, wie man noch von der
erde aus sehen kann (svd sem sid md af iördhu.) Sn. 12«
Dafs hierunter nicht die phasen des monds sondern seine
flecken verstanden wurden , folgt schon aus dem bilde
selbst. der mondwechsel kann nicht die vorstellang
zweier linder mit dem wassereiiner auf ihren schul-
fern erzeugen, dazu kommt , dal's das schwedische voDc
bis auf heute zwei leute, die einen grofsen eimer auf
der Stange zusammen tragen , in den mondsflecken er-
blickt.**) Was aber das wichtigste scheint, aus dieser
heidnischen eihbildung vom kinderstehlenden mondsmann,
welche auch aufserhalb dem Norden in ganz Deutsclüand
und vielleicht weiter im schwang gewesen sein wird, htt
sich hernach eine christliche modification ergeben. Man
erzählt, der mann im mond sei ein liolzdieh, der am
heiligen sonntag unter der kirche waidfrevel verübt habe
und nun zur strafe in den mond verwünscht worden sei:
da erscheint er mit axt auf dem rücken und reishoU"
hdndel an der hand. ganz deutlich hat sich die wasser-
Stange des heidnischen märchens in den axtstiel, der g^
tragene eimer in den dornbusch umgewandelt; die idee
des diebstals wurde beibehalten, vorzüglich aber heiüg-
Laltung des christlichen feiertags eingeschärft; der mann
leidet weniger strafe darum, weil er brennholz gehaueo,
als dafs er es sonntags gethan hat. die untergeschobne
geschichte stützte sich auf nrMos. 15, 32 — 36, wo von
einem mann erzählt ist, der am sabbat holz gelesen und
den die israelitische gemeinde zu tod steinigte, alles ohne
erwähnung des monds und seiner flecken. Wann dic«c
fabel in Deutschland zuerst erschien vermag ich nicht nach»
*) Douce illiutr. of Sliakf peare 1,16 aus dem mund eines frti-
zosischen reisenden, dem auf Ceilon die eiowoliner oft sein ferar«lir
abgefordert hatten, um damit den hasen im mond zu betrachten.
**) Daiin I, 158: men ännu fing den meningen bland vär almofe-
Lings eddoroas sinnebaldslära li 78 enthalt vermutlich bestiouDtere
ausM^o.
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MONDSFLECKEN 411
zuweisen 9 jetzt ist sie fast allgemein hersdieod*); wire
die Benennung des Vollmonds wadely wedele im sinn von
reiserbändel**), selbst aus ihr zu erklären (s. 406), so
gebührte ihr schon ein hohes alter, das erste mir be-
kannte Zeugnis liefert Fischart Garg. 130*>: 'sah im mon
ein männlin^ das holz gestohlen hett\ und noch be-
stimmter sagt Praetorius weltbeschr. 1, 447: die abergläu-
bischen leute gaben vor, die schwarzen flecken im mond-
Kcht seien der mann, der am sabbat holz gelesen und
darüber ist gesteinigt worden. Die holländische volkssage läfsl
den mann ^ßm^9e stehlen, mit dem 'bundel moes'auf den schul-
tern zeigt er sich im mond (Westendorp p. 129.) Ziemlich
alt scheint die englische Überlieferung. Chaucer im testament
of Creseide 260 — 64 schildert den mond als lady Cynlhia:
her gite was gray and fu! of spottis blake»
and 00 her brest a chorU paintid fol even
bering a bush of thornis on bis bake^
whiche for his theft might clime no ner the beven.
der dornbuscliträger wird seines diebstals wegen nicht in
den himmel gelassen und mufs im mond bleiben. Ritsons
ancient songs (Lond. 1790) p. 35 enthalten 'a song upon
the man in the moon', welcher beginnt:
moB in the mone stond and strit,
on is bot forke is burthen he bereth^
bit is Diuche wonderi that he na doun slyt,
for doutelesse he valte, he shoddreth and shereth,
when the forst freseth, mache chele he byd,
the thornes beth kene, is hattren to tereth»
auf einer traggabel schleppt er zitternd vor kälte, eine
last d<$rner, die ihm das gewand zerreifsen, er hat sie
gehauen und ist vom flurhüter gepfändet worden; das
schwere, oft unverständliche lied stellt ihn als faulen
alten dar, der bald stille steht, bald fortschreitet (strit) und
dazu betrunken ist: der sonntagsentweihung wird nicht
gedacht. Shakspeare redet einigemal 'von dem mann im
»ond, seinem hund und seinem dornbusch: tempest 2, 2.
I was the man in th' moon, when time was .... I have
•) ein schönes lied davon Iiat Hebel gedichtet, ansg. 5. p. 86— 89:
*mc het em gsait der Dieterle\ wobei Schm. 2, 583 fragt: ist hier
IHeterich von Bern auf classische weise in den himmel versetzt? man
nnlste nar erst Tersicbert sein, dafi der dichter den namen aus der
tttdition empfieog.
**) im Uennebergischen bedeutet «^arie/ reisig, gebundne reis-
^lie, zumal von tannenzweigen , wadeln reisholz machen (Reiowald
2, 137), was freilich auch datier rühren kann, dafs man im toII-
Btond liolz baut.
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411 MONDSFLECKBN
8een thee in her , and I do adore thee, my mistrefs shewd
me thee and thy dog and thy bush. midsiimmem. 5,1:
onc must come in with a buah of tliorn8 and a lant-
horn and say he come to present the person of moon-
shine. auch bei Giypiiius bindet der den mond vorstel-
lende Schauspieler einen husch um den leib.*)
Zwei andere abweiciiende deutungen der mondsfle-
cken haben gleichfalls biblische ankuüpfung. Einmal
soll es Isaac sein, der ein biindel holz selbst jra seiner
Opferung auf den berg Moria trägt**) dann aber Kaio,
mit einer bürde dornen auf den schultern ^ um golt
dem herrn die geringste gäbe seines feldes darzubringen.***)
hierfür zeugt schon Dante, parad. 2, 50:
che sono i segni bui
di questo corpo, che laggiuso in terra
fan di Cain favoleggiare allrui?
und inferno 20, 126: Caino e le spine.
Landino sagt zu dieser stelle: ^cioi la luna, nella«quale
i volgari vedendo una certa ombra, credono che sia Caino^
c^habbia in spalla una forcata di pruniJ* ein andrer
commentator : ^accomodandosi alla favola del volgo, che sieno
quelle macchie Caino , che inalzi una forcata di spine.
Alle diese auslegungen treflFen darin überein, dafs si«
eine menschengestalt in den^mondsÜecken annehmen, die
etwas auf der schulter trägt , sei es den hasen , die Stange
mit dem eimer, die axt mit den dornen oder die blofse
dornentast.
Es mufs noch andere Überlieferungen gegeben habeo.
ein niederländ. dichter des 14 jh. redet von den dunkete
streifen y welche stehen
recht int midden van der mane,
dat men in duitsche heet ludergheer ;
an einer andern stelle heifst es lendegher.f) beide for-
men sind unverstäudlich , ich weifs nicht ob in dem letz-
ten theil des Wortes der begrif beer (exercitus) oder gbcer
(jaculum) liegt. Eine schöne geistliche, gewis nicht von
ihm ersonnene deutung überliefert uns Berthold 145: A^
mond sei Maria Magdalena, die flecken seien ihre reuig
vergossenen zähren«
*) vgl* <las irische elfenmärchen no. 20.
••) Praetorios wcltbesclir. 1, 447.
•••) auf die bekehrten Heiden scheint die sage von dem erite«
bmdennörder vorzuglich tiefen eindruck gemacht zu haben; sie ^'
ken sich ihn als einen bosen riescn, vgl. Beov. 213 ff*.
+) van Wyn avondstunden 1, 80Ö.
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SOMNB 418
Ungleich geringeren einflufs auf abergläubische vor*
Stellungen und gebrauche als der mond hat die sonne.
zauberkraftige kräuter müssen, wo nicht bei inondschcin,
wenigstens t^or Sonnenaufgang gebrochen werden (s. 353),
heilbringende wasser vor .Sonnenaufgang geschöpft (s.
329.) Die aufsteigende sonne verscheucht allen zauber,
und zwingt die geister in ihre unterirdische wohnung.
Daher auch aufser dem was von der Sonnenfinsternis ge-
sagt w^orden ist, nur wenige auf die sonne bezügliche
Überlieferungen anzuführen bleiben.
Zweimal des jahrs wendet die sonne ilircn lauf, im
Sommer um zu sinken, im winter um zu steigen« diese
Sonnabenden feierte das beiden thum, das sommerliche fest
wird, noch jetzt durch Johannisfeuer begangen (s. 350.)
Je höher im Norden hinauf, desto stärkeren eindruck
muste jedes solstitium hervorbringen ^ zur zeit des som-
merlichen herscht fast beständiger tag, zur zeit des win-
terlichen beständige nacht. Schon Procop (ed. bonn. 2>
206) beschreibt es, wie nach ihren 35 tagen nacht die
Thuliten berggipfel erklimmen und die nahende sonne
erspähen, dann feiern sie ihr heiligstes fest.
Tacitus meldet (cap. 45), über die Suionen hinauf-
wärts lasse die untergegangne sonne so lichten glänz hin-
ter sich, dafs er bis zum morgen die Sterne bleiche, so^
nutn insuper audiri , forinas deorum et radios capi^
tis aspiciy persuasio adjicit. Diese stelle hätte ich cap. 6
ior das dasein germanischer götter geltend gemacht, wenn
nur nicht glau^jüch seidene, dafs dergleichen nachricliten
zu den Römern weniger aus Deutschland selbst gedrun-
gen, als durch aUgemeinere reisgsagen unter ihnen ver-
breitet waren. Strabo 3, 1 (Tsch. 1, 368) führt aus Po-
sidonius eine sehr ähnliche erzählung von dem rauschen
der untergehe/iden sonne in dem meer zwischen Spanien
und Africa an: /nel^u) dvpHV tov ijXiov iv Ty nagfaxfa^
vi%idt /luvcc yjotpov naQanXfjaiias > daavsl qIi^ovtog '^ov
neXa^ove ^dTci oßiaiv avrov diä to ijunimsiv ^ts lov
ßv^ov. aber auch unter den Deutschen kann schon da-
mals die mcinung verbreitet gewesen sein; die strahlen^
den häupter, gleichsam der heiligenschcin , sind noch
besonders merkwürdig. Im folgenden cap. wül ich diesen
wunderbaren klang der auf und untergehenden sonne wei-
tÄ* besprechen. Merkwürdig ist auch in dem alten ags.
Zwiegespräch zwischen Saturn und Salomon (Thorpes anal.
p. lOO) die deutung der abend und morgeoröthe : *saga
me forhvan bydh seo suune read on oejen V *ic the secge,
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414 GBSTIRNB
forthon heo locadh od helle.* ^aga me^ btt ednedh heo
8V& redde on tnorgene?^ 4c tlie secge, forthon hyre
tvynadh hvädher heo mag the ne mag thisDe middaneard
eondscinan 8vd hyre beboden is.' abends ist sie roth, weil
sie zur hölle blickt, moi^ens in der ungewisheit, ob sie
ihren lauf voUfiihren möge.
Darf eine spur von heidnischem mondcultus darin ge*
sucht -werden, dafs man zur grcnzbezeichnung auf feken
und steine das Inld des monds einhauen liefs? RA. 542.
951 ist eine alamanuische urk. von 1155 angegeben, vrel-
che diesen gebrauch auf könig Dagobert ziu'ückführt
Noch in westfälischen Urkunden des 17 jh. finde ich lialf*
mo/2c{«schnad steine *) , falls hier der ausdruck lialfmond
nicht etwas anders (soviel wie halbscheid?) aussagt.
Der Volksglaube denkt sich die gestirne in beziehung
auf den einzelnen menschen hold oder Jeindlic/i.**) wel-
che consteliation ihm bei der gehurt leuchtete, die nimmt
ihn sein ganzes leben hindurch unter ihren schütz; das
heilst: unter einem guten, glücklichen stern geboren wer^
den. aus dieser richtung und diesem eiti Verständnis wal«
tendcr gestirne wird das Schicksal geweissagt.
£s ist fromme gewohnheit abends beim schlafengeka
die leuchtenden gestirne zu grüfsen (abergl. 112), oder
wenn der abendstern aufgeht ein gebet zu verrichten (neu-
griechische sitte.)
Sterne, mond, sonne gelten für äugen des himmelfi;
dies hangt mit Vorstellungen von menschähnlicher geslalt
der götter und von vergötterten ipenschen zusammen (abergt
614.) mau soll nicht nach mond und Sternen fingerden-
ten, aus furcht, engein in die äugen zu greifen und sie
zu verletzen (abergl. 334. 937.)
Nach der edda waren alle gestirne feuerfunken aus
Muspellsheim , die in dem lunraum herumflogen, bis ih-
nen die götter sitz und gang anwiesen. Sn. 9. Smm. 1.
Entzündete dünste > welche bei gestirntem himmel,
feurigen faden gleich, schnell durch' die luf^ niederfalleD,
lat. trajectio stellae, Stella transvolans, ital. Stella cadente,
franz. <^toile filante, span, estrella vaga, schwed. stjemfallt
dän. stiernskud, was die Griechen diaynv (überführen, traJK
cere) nennen,' werden bei uns von dem volk einem rei*
•) veitlieidigung der burg zu Wulften, in den beilageo. Wies
1766 pag. 71. 72. 162.
*') swem die steinen werdent gram,
dem Wirt der mäne Hüte alsam. Frid. 108, 3.
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QBSTIRNB 415
oi^n des stemenlichts zugeschrieben: sie gleichen dem
feuerfunken , den man von einem geputzten licht nieder-
wirft, schon Wolfram sagt Wh. 322, 18
'dehein sterne ist so lieht,
ern färbe sich etswenne.*)
daher noch heute: die Sterne putzen, schneutzen sich,
im subst. sternputze ^ Sternschnuppe. Diese fallenden
Sterne sind vorbedeutsam**), wer sie erblickt, soU ein
gebet sprechen (abergl. 595); dem armen mädchen fallen
geldstücke damit herunter (KJVI. no. 153.)
Die Überlieferung unseres heideuthums von einzel-
nen gestiruen ist gröfstentheils verschollen und selbst die
namen sind durch die gelehrtastronomischen benennungen
fast verdrängt w^orden: nur wenige haben sich in altn.
sage, oder unter dem gemeinen volk erhalten können.
Ob die planeten nach den grofsen göttern genannt
-waren, wissen wir nicht; es ist keine spur davon auzu«
treffen, selbst nicht im Norden, planetarische tagnamen
scheinen, wiewol sehr frühe, aus der fremde eingeführt
(s. 87ff.) An sich ist es kaum denkbar, dafs die Heiden,
wenn sie einzelne fixsterne durch eigenthümliche benen«
nungen hervorhoben, nicht auch die gröfseren Wandel-
sterne, deren erscheinung und Wechsel weit mehr ins
äuge fiel, hätten unterscheiden und benennen sollen. Die
abendliche und morgenliche Venus heifst abendstern,
morgenstern, ahd. äpantsterno, tagaaterno***), wie
im lat. Vesper und lucifer.f) gl. trev. 22^ haben stelbdm
hesperus, das ist wol steUbaum? imd verschieden von
stallbaum (zwisclienbalke in Pferdeställen), aber ich
kenne den grund der benennung nicht. Den Angelsachsen
lilefs er st^äna steörra (bubulcorum stetig, weil die hir-
ten» sobald er aufgieng, heim trieben. Auch für den
polarstem gibt es keine einheimische namen.
Zweier gestirne Ursprung wird in der edda gemeldet^
aber niemand weifs jetzt, welche cqnstellation darunter
gemeint ist. Thörr trug den riesen Orvandil aus lötun-
*) D. liest SAbere sich.' schon ahd. farban (mnndare, expiare.)
**) schon bei den Griechen (Reinh. fucha p. lxxii); in einem
gedieht Ton B^ranger: 'mon enfant» un mortel expire, &on etoile
tombe k l'insUnt.'
^ *'*) N. Bth. 223 für letztern auch ähtosterno von ahtA, fi^oth.
«bivd crepusculum.
t) in einem alten kircheulied wird dem Lncifer ein wagen bei-
gelegt: cumis jam poscit phospboros (relta giu fergdt tagasteru)
byauL 2, 3.
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416 GESTIRNE WAGEN
heim in einem korb auf seinem rücken, eine fufszehe
hatte hindurchgeragt und war erfroren. Thörr brach sie
ab uud warf sie gen himmel: daraus ward ein stern Or-
vandils tä. Sn. 111. Die äsen hatten den riesen Thiassi
getodtet und musten ihn seiner tochter Skadlii büfscn.
Odhinn nahm des Thiassi angen und warf sie an den
himmel, wo sie zwei slerne bildeten. Sn. 82. 83. diese
augu Tkiassa mögen zwei dicht nebeneinander stehende
Sterne sein, an licht und gröfse gleich, etwa die Zwil-
linge? zugleich bestätigt sich hier jener zusammenhaDg
der Sterne mit den äugen.
Von der milchstrafse und ihrer beziehung auf Irmin
habe ich s. 213 — 215 gehandelt.
Unter allen lixsteruen unseres himmels treten in der
anschauung des volks drei hervor: ursa major, Orion und
die Plejaden. für sie alle gibt es auch noch einheimisclie
uamen , ich werde zugleich die slavischen , litthauiscLen
und finnischen beneunungen. anführen, da diese Völker
geradeso dieselben stcrne auszeichnen.
Der grofse bar hiefs wol schon vor der bekehrung
iinsern vorfahren wagen ; ein name , der ihnen unent-
lehnt mit urverwandten Völkern gemein war, darum dauert
er noch bis heule als der volksmäfsige fort. 0. V. 17, 29
setzt den pl. wagand gistelli, weil er den grofsen und
kleinen wagen zugleich ausdrücken will, letztern (die ursa
minor) nennt Berthold das wegeltn, das bild grüadet
sich auf lebendige betrachtung der constellation , deren
drehung überall vier räder und eine abstehende deichsei
erkennen lafsl, weshalb auch die Angelsachsen zuweilen
blofs thtsl setzen, pcenes thtsla Boeth. Rawlins. 192^
belege sind s. lOÄ*), und gründe angegeben für die Ver-
mutung, dafs Wuotans, des höchsten gottes wagen, ge-
meint sei. zwar bezieht eine allschwed. chronik den
schwed. namen iarlwagen auf Thörr, der seinen 'wagen
besteigend die sieben Sterne in der band halte, und ich
will dies nicht entschieden leugnen; doch werden gerade
wuotanische sagen auf den fränkischen Karl angewandt
(s. 103.) Wenn gl. Jun. 188 Arturus wagan vei^eulscht
wird, so erklärt sich das aus naher berührung jenes Sterns
mit dem schwänz des grofsen baren, wie sie sclion der
name uQmovQog zeigt.
Den Griechen waren beide benennungen geläufl^^
Sqxioq (ursa) und li/ua^Uy den Römern ursa und plnw
*) IchhAn den glänzen liimelwagen und daz gestirne beaeheo. Troj.lS9l>*
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GBSTIRNE ORION 417
itruniy daneben 'noch septentrio (von irio, pflugocLs) oder
septentriones. Franz. cJuir^ charriot y ital. span. carro.
Yohi.woz (pldustruni) woz niebieski (himm el wagen) , böhm.
wos'^ den illyrisclien Slaven hola, pl. von kolo, rad,
also rader, d.h. wagen, ich finde aber auch tola rodina
und rodohola *) , worin mir der bcisatz rodina und rodo
undeutlich ist; litlh. gryzulio ratSy gryzdo rats, von
ratas (rota), das erste, von Mielcke unerklärte wort nnifs
den begrif wagen oder himmel enthalten **) 5 lett. ratti,
d.h. räder; ehstn. wanlri täliliedy d.i. wagensterne, von
wanker (currus) ; ungr. göntzöl szelere, von szeker(curru8.)
Die Finnen abweichend otawa^ was sonst lachsnetz bedeutet.
Niemals weder in altd. Sprachdenkmälern, noch bei ■
Slaven, Litthauern, Finnen die von dem thier (ursa) her-
rührende benennung , obschon gerade diese Völker den
bär in sage und vielleicht in cultus auszeichneten (s. 385.)
Den carro menor heifsen die spanischen hirlen bocina
(hiefhorn.)***) die Isländer aber fiosalonur d lopti
(melkweiber am himmel.) Biöm s.v.
Das band hellglänzender Sterne, welches die Griechen
zn dem bild des Orion f) veranlafste , fahrte mehrere
deutsche benennungen, deren grund uns jetzt nicht immer
klar ist. Einmal heifsen die drei nebeneinander gereihten,
den gtirlel Orions bildenden Sterne in Scandinavien Frig^
gjarroclr^ Friggerok (oben s. 167. 192), nach einer
umdeutung auf Maria zugleich Mariäroh, Marirok (bei
Pfeder Syv in den danske digtek. middelald. 1, 102); hier
ist deutlicher Zusammenhang des Sternbilds mit heidnischer
gütferkhre. dieselben drei Sterne führen unter dem volk
in Oberdentschland bis auf heute den namen der drei
mader y weil sie drei auf der wiese neben einander ste-
henden mädern gleichen, eine einfache benennung, wie
die des wagens, in der kindlichen phantasie eines hirien-
volks entsprungen. Ahd. glossen nennen den Orion pfluoc
(aratmm.) Ags., vielleicht mehr alts., glossen übertragen
Orion durch eburdhring, eburdhrungy ebirdring
(gl. Jun. 369. 371 +t)), reinags. vnirde stehen eofor-
•) m der zu Ofen 1831 gedrackten bosnigchen bibel 3, 154.
223. roda beifst bei Vok storcli und davon yrWd das adj. rocUn ge-
bildet, aber was soll das? roda scheint wiederum rota, rad.
^ ••) die litth. bibel, Königsb. 1816 hat Hiob 9, 9 gryzo weziin-
tnasy und wezimmas ist wagen.
•••) Don Quixote 1, 20 (ed. Ideler 1, 232 vgl. 5, 261.)
f) unsere mhd. dichter behalten Oridn bei. MS. 1 , 37».
t+) in der letzten stelle eburdnung, ein beweis für das alter der
hs., da der zug des r sich dem n nähert
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418 GESTIRNE ORION
dhiyng, efordfaring; der sinn mufs sein eberhaufe, denn
dhryng ist ags. ein dichter, gedrängter häufe, torba*);
warum man in der Sterngruppe einen tnipp wilder eher
sah, und welche Sterne des Orion ihn bildeten? vreifs
ich nicht, die griech. sage von dem wilden }äger kann
dabei aus dem spiel bleiben , schon weil weder sie , noch
das griech. gestirn gejagte ihiere hervorhebt; die eher des
deutschen bildes mögen ganz andern bezug haben und
etwa blofs auf einfacher yergleichung beruhen, ahd. glos-
sen geben uns kein epurdrunc. Das spätere mittelalter
nennt jene drei mader oder den nord. Mariarocken Jacobi*
Stab] gleich der heidnischen Irmiustrafse (s. 214) wurde
-die heidnische Spindel übertragen auf den heiligen apostel,
der nun mit seinem Stab auf der alten himmelsbalm eio-
herzieht. Den Ehsten heifst Orion warda tälüied^ steroe
des Speers, von wardas, spiefs, vielleicht auch stab, an
Jacobsstab gemahnend. Den Litthaueru szenpjuwisj hea«
gestirn?, von szeu (foenum), wie szenpjutis den augast
bezeichnet, weil das gestirn zur heuernle aufgeht? wahr-
scheinlich auch in bezug auf die drei heumäher? deoo
gerade so geben auch mehrere slavische volker den namen
iosip d. i. Sensen y poln. iosy (Linde 1092^) sloven. ioni
(Murko 142.) andere slav. benennungen des Orion siad
shtapka (bosn. bibel 3, 154), wofür aber gelesen werden
mufs shtapka j bei Vuk shtaha^ knicke, bischofssrab,
nach unserm Stäbchen, bei StuUi babini sctapi^ altwei-
berstäbe; und kruzilice**\ ,YfBA ich nicht zu deuten wage.
Zwischen den schultern des Stiers ist eine dicht mit
Sternen besäte stelle sichtbar, in welcher vnederum sieben
(eigentlich sechs) gröfsere zu erkennen sind ; davon heifst
sie Siebengestirn , ahd. thaz sibunstirri 0. v. 17, 29. gl.
Jun. 188 (wo es mit den hyaden verwechselt wird, die
nicht weit davon , im hauptc des Stiers stehn.) ***) Aufser
dieser blofs zählenden benennung gibt es andere lebendi-
gere, griech. Tlkeiaisgy Jon. IlXi^i'aöeQ y sieben töchter de»
Atlas und der Plelone, welche Zeus an den himmel erbob
(II. 18, 486. Od. 5, 272), gleich jenem nord. Tliiassi mä
Orvandiil, aus dem riesengeschlecht ; einige deuten sie
aber aus ncXcidg (wilde taube) was sonst niXsia heifct
') vgl« •?•• dhrang, engl, ihrong^ mittellat drungus.
••) Dobrowskys Slaviu p. 423 ; das poln. kruzlic ist krflglÜB.
Hankas altbötim. glossen hab. n 66,857 krusljk circulea, 99, l<rl
knisslyk lix, was icli nicht verstehe, wäre es kruckeV
***) oocb weniger darf man dies Siebengestirn mit den aiebd
•temen de« wagens vermischen.
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GESTIRNE PLBJADEN 419
röm. Vergiliae^ wovon Feslus eine ungenügende erklä*
rung liefert.*) Schwer deutbar ist der nur im äufsersteu
Norddeutscbland übliche name des Siebengestirns, in Me-
tdenburg duming **), im Holsteinischen dunip (Schütze 1,
270); man müsle ältere formen besitzen, um seinen sinn si«
eher zu ralhen. dumpein heifst auf dem^vasser schweben, tau-
chen, nnl. dompelen, tümpfel nhd. gurges^ vorago; sollte
das untergehende gestirn von seebewohnern nach seinem
tauchen ins meer genannt werden? vgl. dumpf, dümpfel,
tümpfel Schm. 1, 273. und wäre der ^sich bergende' tun-^
leUterne MS. 1, 38*> gleichfalls das Siebengestirn, da tun-
ken so viel wie tauchen, und tunc, tunkel, ahd. tunchul
gurges, abyssus (gramm. 5, 526)?
Zumeist verbreitet unter dem volk in Deutschland,
fast in ganz Europa, ist das bild einer kenne mit sieben
hüchlein^ was schon an jene sieben tauben ***) der griech.
sage erinnert, die kluchey hlucherin^ lluchhenne, brut-
kenne mit den hünlein; dän. aftenhöne Tabendhenne)
aftenhönne (dansk. digtek. middelald. 1, 102;; engl, the
hen with her Miene; franz. Isl poussiniSre, in Lothrin-
gen poucherosse oder covroase (couveuse, brulhenne, qui
conduit des poussins) f ) ; graubündn. cluotschas oder
cluschas die klucken; ital. gallinelle'y bohm. slepices
hurdtky (henne mit den küchlein); ungr. ßastik^ fia-^
Btyuk, Die Spanier nennen das Siebengestirn las siete cor-
brillaa Tsieben zicklein) ff) ; die Polen baby (alle weiber),
Russen baba (altes weib) Linde 1, 38* Serb. vlaschitzi
(Vuk 78) vlaachnitzi (bosn. bibel, Ofen 1831 3, 154. 223);
sloyen. gostosevzi y gostoshirzi^ die dichtgesäten? die
letzte benennung hängt zusammen mit der litth. und fin-
nischen ansieht, das gestirn ist ein sieby das eine menge
löcher hat oder einen häufen körn aussiebt: litth. setas^
leit. setinechf ehst« sööl oder sog gel ^ finn. eeulay seu^
lainen.
Vielleicht lassen sich noch volksmäfsige namen andrer
Sterne nachweisen, f^-f) Litth. heifsen die böcklcin artojia
•) ein deutscher dichter schreibt pirUie, Amgb. 42^.
•') das mekleob. duming hat Adelung, ich weif» nicht trohfer;
▼iellcicht riclitiger dumpingl
***) vgl. pentam. 4, 8 li sette palommielle, sieben verwandelte
kinder.
* t) m^iii. des antiq. 4, 376. 6, 121. 129.
ff) Don Quixote 2, 41 (Idel. 4, 83 vgl. 6, 242.)
ttt) kymriifche und galische bibeln behalten Hiob 9, 9 die lat.
Btinen der vulgata bei; es scheint also in diesen sprachen an eignen
Btemnamen zu gebreciien«
27*
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420 GB8TIRNB
au Jduczeis (pflüger mit den ochsen), die capella nesz^
walgio (essenträgerin.) Auch benennungen der Hja^
und der Cassiopea waren zu erwarten. Mehrere werden
aber oft verwechselt, die Plejadcn mit den Hyaden oder
mit Orion, selbst mit dem wagen und mit Arctur*); was
durch blofse glossen bewahrt ist, kann nicht für sielicr
gelten. So betrachte ich niclit als ausgemaclit, dafs die
angeführten nameu pflüg und ehiirdrung wirklich dan
Sternbild Orion zukonuiien. die irish fairy tales 2; 123 La-
ben plough eher für den wagen, als für Orion , und wer
weifsy ob unter dem häufen eher nicht die *Ta<fctf (von
ig) und die lat. Suculae gemeint werden?
Noch unsicherer und schlüpfriger ist es die Sternbilder
und namen des Orients zu vergleichen, denen schon eine
lehr vcrschicdue anschauung des himmels zum gründe Hegt
Hiob 9, 9 werden drei gestirne genannt u?y (asch) WS
(kimeh) ^"^JDS (hsü), woraus die LXX machen nXBiaäti^
k'anBQOS und uqtovqoq, die vulg. arcturus, Orion und
hyades, Luther den wagen am himmel, Orion und
die glucke. Hiob 38, 31 kimeh und ksil, in den LXX
TfXeiaStg und ^HglioVy in der vulg. pleiadea und arcturus,
bei Luther Siebenstern und Orion ; Jesaias 13 , 10 ksil,
in den LXX 'ilgliov, vulg. durch splendor umschriebeo,
Luther Orion; Amos 5, 8 kimeh und ksil, in den LXX
umgangen, in der vulg. arcturus und Orion, bei Lutlu
die glucke und Orion. IVIichaeUs stellte über die bedeutung
dieser Sterne seine 86 frage, und Niebuln* erhielt von
arabischen Juden die verschiedenste auskunft **) ; zuletzt
ergab sich als das wahrscheinlichste : asch sei das arabische
Sternbild om en ndsch, kimeh (chima) das arab. torije,
ksii das arab. s/teil (silili^l) und sie entsprechen dein wa-
gen, den plejadcn, dem sirius. Sieht man auf den wört-
lichen sinn, so dioickt nasch j das einige Araber auch in
asch verändern, aus ferelrum, bahre ***), ein mit wagen nah-
verwandter begrif; kimeh, kima scheint einen häufen steroe
zu bezeichnen, was etwa auch in jener benennung sieb h^;
ksily thöricht, gottlos, ein frevelnder riese, folglich Orion.
Ihrem Ursprung nach kann man überhaupt zwei arten
von Sternbildern annehmeh. die eine gebraucht mehrere
Sterne, um sie in die gestalt eines dings, eines thiers
•) Keisersperg postil 206: *der meerstern, oder der wagen, oder
die heim mit den himlein^ wie ir es lieifsen.'
**) bekehr, von Arabieu p. 114. hier findet man p. 112— 116 Bocb
andere arab. steninanien gesammelt
•••) Bocharli hieross. cd. Rosenmuller 2 , 680.
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GESTIRNE 421
oder menschen einzuscUiefsen ; die sterno geben dann
den grund, gleichsam die knocheu her, um welche die
ToUe von der einbildungskraft erschaute figur gezogen
■wird, so bilden drei nebeneinander erscheinende Sterne
den Jacobsstab y einen rocken oder gürtel; sieben Sterne
fügen sich in den umrifs eines baren, wieder andere iu
den eines riesen Orion. Die zweite art ist, wie mich
dünkt, einfacher, küliner und älter: in einzelnen Ster-
nen wird ein ganzes thier, ein ganzer mensch ersehn,
ohne riicksicht auf eigenthümliche gestalt, welche in der
ferne ohnehin verschwindet; rückte uns der kleine punct
näher, so würde sie sich von selbst entfalten, so sind
die nemlichen drei Sterne drei mähende männcr; die sie-
ben Sterne derplejaden eine hcnne mit iliren jungen ; zwei
Sterne, die in gleicher enlfernung zu beiden selten um ei-
nen mattschimmernden Sternhaufen stehn , nach altgriech.
Vorstellung, zwei esel an der krippe. hierbei erscheint
die Phantasie viel freier und ungezwungner, jene umrisse
fordern schon mehr abstraction, doch mufs auch für sie
Buttmanns treffende bemerkang*) gelten, dafs man nicht
damit anhob, die vollständige gestalt am himmel zu ent-
werfen, sondern dafs es genügte ein stück davon heraus-
zufinden: das übrige blieb unbestimmt oder wurde später
willkürlich ergänzt. Auf diese weise ist der bär vielleicht
zuerst an den drei Sternen des Schwanzes gefunden wor-
den, die vier andern gaben dann den leib her. unser
wagen gewährt die Vereinigung beider arten: die dcichsci
eolsland, gleich jenem schwänz, durch umrifs, die vier
rgder waren aber in einzelnen Sternen bestimmt.
Die erscheinung des regenbogens am himmel erzeugte
mehrfache mythische Vorstellungen, den gewölbten bogen
nimmt die edda für eine himmlische brücke ^ über welche
die götter wandeln: sie lieifst daher Jsbru (Saem. 44*),
gewöhnlich Bifrost (das wäre ahd. piparasta), die be-
bende, zitternde strecke, denn röst, goth. ahd. rasta
drückt eine bestimmte ferne aus, unser stunde oder meilc;
sie ist die beste aller brücken (S«;m. 46*), aus drei fär-
ben" stark gezimmert, aber doch wird sie dereinst beim
Vrelluntergang, wenn Muspclls söhne darüber fahren, zn-
sammenbrechcn (Sn. 14. 72.) der schweif dieser brücke**)
*) eot«teliaDg der Sternbilder auf der griecb. sfare (abb. der berl.
acadcniie. 1826 p. 19 — 63.)
••) bruarspordr^ wie wir noch jetzt der brücke einen köpf 7.u-
•«hrelben (t4te de pont)» gleich als Italte sieb ein tbier über den
flafis gelegt, köpf und scbwanz auf beide u(cr stützenti. aber auch
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423 REGBNBOGBN
reicht an Himiubiörg , Heimdalls wohuang (So. 2i) und
Heimdallr ist zum Wächter der brücke gesetzt: er hütet
sie *) vor den lu-imthursen und bergriesen , damit diese
nicht über die brücke in den liimmel dringen (Sn. 18. 30.)
Die ganze ansieht stimmt zu den wagen, auf welchen die
götter am himmel fahren und den straTsen, die sich durch
ihn hinziehen. Das christenthum verbreitete die vorsteU
lung des A. T. , zufolge weicher der himmlische bogen
ein zeichen des bundes> den gott mk den iiienBcheh nach
dem regen der grofsen Wasserflut geschlossen halte ^ war:
ahd. reganpogo^ SLgs.^ acürboga Clidm. 93, 5. Indessen
haften noch einige abergläubische Überlieferungen, das
volk wähnt, an der stelle, wo der regenbogen aufsteht,
sei eine goldne schussele oder liege ein schätz verbor-
gen; aus dem regenbogen fallen goldmünzen oder pfen-
iiinge nieder, gefundne goldbleche heifsen regenbogen--
scfuisselein. In Baiern nennt man den regenbogen Jiiminel"
ring^ jene münzen himmelring schusseln (Schm. 2, 196.)
Die Römer meinten, der aufstehende bogen trinke wasser
aus der erde : bibit arcus , pliiet hodie.' Plaut, curcul. 1,
2; 'purpureus pluvias cur bibit arcus aquas?' Propert.
III. 5, 32. Tibull. I. 4, 44. Virg. Georgic. 1, 380. Auf den
regenbogen darf man nicht mit jingern deuten **),
so wenig als auf geslirne. zimmern oder bauen auf dem
regenbogen bezeichnet eitle, vergängliche unternehmen
(anm. zu Freidank p. 319. 320), setzen auf den regenbo-
gen (Bit. 2016) einen grofser gefahr preisgeben? Die SU-
ven nennen den regenbogen poln. serb. russ. duga, /!«•
beshja duga^ böhm. dulia^ d. h. eigentlich daube (ta«
bula, wie an iassem); in Serbien sagt man, alles männ-
liche, das unter dem regenbogen durchgehe, wandle sieb
in weibliches, und was von weiblichem geschlecht durch-
gehe, wandle sich in männliches (Vuk s.v.)***) Ein paar
slovenische benennungen liefert Murko: md%>ra^ mdvriia,
was sonst eine schwärzlich gestreifte kuh bedeutet, und
boshji stolez, das göttliche slüldchen. Lett. warra-
der name spordr (eigentl. cauda piacis) ist niclit zu überselin , wie
rost, rasta ein gewisses Stadium, so drückt das gotb. spaürds^ iIkL
spurt den Zwischenraum aus, ganz im abstracten sinn unseres mal.
daher frngm. theot. 15, 19 dhrim spurtim (tribus vicibus) was aoch
rastOm lieirsen dürfte.
*) oft werden sonst riesen zu bruckenhütem bestellt (s. SS3)
M6dgndhr die jungfran hütet glallarbrü (Sn. 67.)
•*1 braunschweiger anzeigen 1754 p. 1063. ^
***) abergl. 167 derselbe umgekehrte einflufs der constellatioo m
beide geschlecbtcr.
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REGENBOGEN 4S3
wiJiksne, dem sinn nach: die mächtige buche? Litth.
Laum^sjosta, gürtel der Lauma oder Laima^ einer göN
tin , aufserdem dangaua joata (liimmelsgiirtel) hiloinnis
dangaua (hiiumelsbogen) ^ urorykszte (wetterrulhe.) finn.
taiwancaari (arcus coelestis.) In einigen gegenden Lo-
thringens courroie de & Lienard, couronne de S.
Berofird.
Den Griechen war die IgiSf wie im A.T., zeichen
der götter (U. 11^ 27) , zugleich eine halbgottin ^^i^, die
vom himmel als botin entsendet wird. Die lüder erkaun«
ten den farbigen bogen des himmels ihrem gotte Indras zu.
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4M TAG UND NACBT
CAP. XVni. TAG UND NACHT.
Lebendigere vorslelluugen des alterlhiims von dem
tag und der naclit greifen in die von den gestirnen, beide
sind heilige, göttliche wesen, den göttern nah verwandt,
die edda läfst den tag erst ans der nacht erzeugt werden.
Norvi ein iütunn hatte eine tochter namens ^6tt^
schwarz und dunkel, wie ihr geschlecht (svört oc dock
sem hon ätli eett tu)*); mehrere männer wurden ihr zu
theU, Naglfari, dann Anar (Onar) ein zwerg, mit dem sie
eine tochter lürdh zeugte, die hernach Odhins gemaUin
und Thors mutter wurde, ihr letzter mann war asiscber
lichter abkunft und hicfs Dellingr, dem sie einen solm
Dagr ^ licht und schön wie sein väterliches geschleclit,
gebar. Da nahm der Allvater die Nacht und ihren solm
Tag ^ setzte sie an den himmel, und gab jedem ein ros
und einen wagen, mit w^elclien sie in gemessner zeit die
erde umfahren sollten, die rosse hiefsen das thaumaboige
und glänzmähnige (s. 376.)
Im namen Delltngr, assimiliert aus DegUngr^ liegt
auch der des sohns Dagr, und weil -Ung gerade ab-
stainmung ausdrückt, mnls entweder schon ein früherer
aline Dagr angenommen werden , oder die reihefolge
hat sich, wie oft in alten genealogien, umgedreht.
Für das wort dags, dagr, tac habe ich gramm. 2, 44
eine wurzel gesucht und mufs noch immer die verglei-
chung des lat. dies abweisen, da lautverschiebung fehlt,
der deutsche ausdruck g entwickelt und sein a in o (t'Oj
ablautet. Dagegen läfst sich an dem lat. diea^ und allem
was ihm in andern sprachen gleicht, das ineinandergreifen
der bcgrilTe tag , himmel , gott nicht verkennen. Wie Tag
luid Donar beide von der Nacht abstammen, so faÜcD
Dies und Dens (Zeus) der nemlichen wurzel zu. Deus
ist unser Tiv, Ziu (s. 131), denn die einzelneu götler
*) diese steile ist s. 303 nicht erwogen ; dafs die Nacht und <fie
Haija schwarz sind, versteht sich von selbst, und es kann darans noch
kein scIiluHi für die riesen überhaupt gezogen werden, bemerkenswerth
aucli die Verbindung ""svört ok döck\ vgl. 250. 251. offenbar spielei
hier riesen und zwerggencalogicn in ein^der über.
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TAG NACHT
sieben wechselseitig gleiche namen an sich; auch dieses
Ziu bestätigt^ wie fern hier unser Tag steht; selbst für
coelum besitzen wir nur abliegende Wörter (s. 398. 399.)
dafs aber in dies^ deus^ divus die ideen gottheit, hiinmel
und tag sich durchdringen , folgt aus dem sanskr.cZ/p oder
diuo (coelum\ lat. divum^ dium (der freie, ofhe hinunel)
sansk. djuy ainay (dies), d^uas (deus), litth. diewaSj lett«
deu^Sj lat, deus , divus (divinus), gr. TiBVQf aeol. A^^,
gen. Aioff, für den abstracten begrif deus hat sich aber
A in @ verwandelt, S-eog, vgl. &€iog (divinus) mit dem
sinnlicheren äioß (cocleslis.) bedeutend ist die slav. form
den oder dariy poln. dzien für tag, litth. diena^ lett. .
deena^ das ableitende n erklart sich wie in Tti^v^ Zäv,
Diana , \nav7j, Janas , Juno (f. Jovino , Juvino) und an-
dern Wörtern derselben wurzel.*) Die ind. und lat. spräche
hat aus ihr manigfache namen für götter, tag und him«
mel gewonnen, die griech. für götter und himmel, nicht
für tag, die litth. für gott und tag, nicht hinunel, die
slav. nur iür tag, weder für gott noch himmel, endlich
unsere nur für einen gott, weder für himmel noch tag.
auch hier zeigt sich die vorzügliche berührung des sanskrit
mit dem latein, in deren reichthum sich die übrigen spra-
chen auf verschiedne weise llieilten. das gr. 7;//«^ und
"^juiga halte ich für nahbeschlechtet dem deutschen himins»
himU, und auch 'H/tuga ist eine tagesgöttin.
Ebenso einstimmend in den verglichnen sprachen
zeigt sich der name der nacht: golh. nahts^ ahd. naht^
ags. nilitj ahn. ndtt (f. nalt), lat. nox, noctis, gr. vvi,
Virnroß^ litth, naltis, lett. nakts^ poln. böhm, noc (spr.
notz) slovcn. nozhy serb. notjy sanskr. nishd.
Der tag heifst der heilige, wie den Griechen Uqov
rifiaq, *sam mir der heilte tac)^ Ls. 2, 311 wie ^s4 mir
daz heilige lieht!* Roth, ll**-
Nach jener nord. Vorstellung falu»en Nacht und Tag,
gleich andern göltern in wagen, aber auch die Sonne hat
ihren wagen, dem mond wird, meines wissens, keiner zu-
geschrieben. Naclit und Tag spannen jeder nur ein pfcrd
vor, die Sonne liat zwei pferde. man daclite sich folglich
den lag als etwas von der sonne unabhängiges, so wie
der mond gerade die dunkle nacht erleuchtet, wahrschein-
lidi liefs man den wagen des Tags dem der Sonne voraus-
*) Bopps gloss. sanscr« p. 80. 85. Potts etymolog. forscbangen
p. 98-102. O. Müller iu deo gott. anz. 1834 p.795. 796.
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426 SONNBNAUFGANQ
gehen ^)^ hinter der Nacht her den Mond folgen. Nicht
bedeutungslos mag der Wechsel des geschlechts sein, dem
mänolichen Tag zur seite steht die weibliche Sonne, der
weiblichen Nacht der männliche Mond, Der grieclu my«
thus verleiht dem Helios und der Selene wagen, keine
den gottheiten des tags und der nacht; doch gebraucht
Äschylus in den Persern vom tag XetmomaXoS} er läfst ihn
mit wei/aen rossen reiten.
Gleichwol wird von unsern dichtem tagesanbruch
durch aufgang der sonne, vorzüglich gern nachtsanbruch
durch ihren Untergang ausgedrückt; nicht beginn und
ende der nacht durch den mond, dessen auf und nieder^
gang nur selten damit zusammentrift. Die altesteten for-
mein will ich hier miltheilen.
Die sonne geht auf, steigt: goth. sunna urrinnith
Marc. 4, 6. 16, 2. ahd. arrinnit'^ darauf irran diu
sunna N. ps. 103, 22; mhd. si was üf errunnen. Mar.
189. altn. iha rann dagr upp. Ol. helg. cap. 220.^ rw-
nan bedeutet eigentlich laufen und flieisen, hier zeigt sich
entschiedue analogie des altröm. Sprachgebrauchs, der
ebenso manare von der aufsteigenden sonne verwendet:
diei principium mane^ quod tum manat dies ah Oriente.
Varro 6 , 4 (0. Müller p. 74.) manare solem antiqui di-
cebant, cum solis orientis radii splendorem )acere coe-
pissent. Festus s. v. urreisan (surgere) sagt Ulfilas nicht
von der soune. Spanisch wird der aufgehendeu sonne ein
stechen (apuntar) beigelegt: yxie el sol, dios que fer-
moso apuntaba. Cid 461; quando viniere la mauana,
que apuntare el sol. Cid 2190.
Die sonne siukt, fallt: goth. gasagq sauil Marc. 1, 32«
sagqt^ sunnd Luc. 4, 40. dissigqvdi (occidat) Eph. 4, 26 ;
ahd. sunnä pi/eal (ruit)/7zW//ac (occidil) gl. Ker. 254. Diut. i,
274«**); inhd.sfget, diu sunne siget hin Trist. 2402. diu sunne
was ze tal gesigen Wh. 447, 8. nu beguud diu sunne sigen
Aw. 1, 41; altn. sdlarjalt, sölsetr, engl, sunset, der letzte
ausdruck sagt, dafs sie sich niedersetzt, es wird ihr daher
sitz oder stul beigelegt, in welchen sie sich nach beendigter
fahrt begibt, ihr Untergang heifst ahd. sedalkanc hymn.
18, 1. ags. setelgong***) setlrdd Cädm. 184. 19; sedal ira
*) d. h. ta(^ oder morgen sind da i^or der sonne , die sonne an-
terstützt sie gleichsam: .unz das diu snnne ir lielitez sciiinen hdt den
morgen über berge. Nib. 1564, 2.
**) nbd. uiederschldgeu, zu boden schlagen (intrans.)
**') aber audi alle übrigen steme habeu ihren sitz, iiir g<*steU,
ihr gerüste (sterrdno girusti O.I. 17, 10), weshalb ihnen gl«icli&lls
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SONNENUNTERGANG ^7
kAt (occa8iim suum graditur) hymn. 14, 2. all8. s^g sunne
td sedle H^l. 86, 12. sunne ward an sedle H^l. 89, 10.
geng thar dband tuo, sunna ti aedle H^l. 105, 6. scr^d
vrester dag, sunne te sedle '^ dän. for vesten gaaer solen
til aäde. Dv. 1 , 90 ; mbd. diu sunne gie ze sedele*
Diut. 3, 57, als diu sunne in ir geaedel solde giln. Mo-
rolt 58>, was ist das aber für ein ort, der in demselben
gedicbt 14^ binzugenannt wird: ze Geildt^ dA diu sunne
ir geaedel bat? die bauptstadt von Indien. Gleichviel mit
sedai wäre hadam\ mhd. gaden (cubiculum, geniacb%
Mor. 15S wenn nicbt ze gnslden gelesen werden mufs«
Die sonne war wegemüd, begierig nach rube: dö bete
diu müede sunne ir liebten blic binz ir gelesen. Parz. 32^
24, sie gebt in ibr bett und scblafgemacb. dan. seien
ganger til senge. Dv. 1 , 107. solen gik til ht^ile. Dv. 1,
170 ; mbd. diu sunne gerte Idzcn sieb zuo reste. Ernst
132*^, diu sunne do ze reste gre. Ecke (Hag.) 110, nu
wolte diu sunne ze reate u. ouch ze gemache nider g4n.
Dietr. 14^; altengl. uutil tbe sun was gon lo rest, Iwan
3612. Unser beutiges suhst, gnade, mbd. gendde, abd.
kin&da bedeutet eigentlicb neigung, Senkung, berablassung,
robe(s.404), daraus erklärt sieb die redensarl: diu sunne
giene ze gnaden (dat. pO Mor. 37»' Wolfdietr. 1402; schon
Agricola verstand es (spriebw. 737) nicbt vollkommen,
wenn er sagt: *es werete bifs die sonne wolt zu gnaden
gen , d. i. undergebn und der weit ire gnade u. schein ver-
sigen (!) und zu ruhe geben.^ Aventin (ed. 1580 p. 19*>)
macht davon eine anwendung sogar auf unser frühstes
heidentbum, die sonne sei als königin des bimmels ver-
ehrt worden: *dorft keiner sagen sie gienge unter, must
sprechen, sie gieng zu röst u. gnaden^ wie dann noch
etwan das närrisch gemein volk meint.' blofs die letzten
Worte sind zu beachten; der aberglaube kann weit hin-
aufreichen, dafs es frömmer sei, hier wie in andern fal-
len den geraden ausdruck zu meiden und einen alten,
halbverständlicben , euphemistisch, zu brauchen.
Lye bringt eine ags. redensart bei: «r sun go to
gUde, und übersetzt: priusquam sol vergat ad occasum,
lapsum. dann wäre zu schreiben glad, und wirklich wird
glidan (labi) von der wandelnden sonne gesagt: beofones
gtm gldd ofer grundas. Beov. 4140. allein gongan td gldde
■edelgnng l>eigelegt wird. N. Bth. 210 sagt ron Bootes, daHi er
*tri^o ze sedtle gange', nnd Hia zeichen begänt niebt in sedeP,
Tgl. 2».
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SONNEBiUNTEEGANG
be&emdet; rieUeicht darf man ein ag8. suhsU gläde anneh-
men mit der doppelten bedeutung splendor und gaudium.
nicht nur das altn. gladr, auch das a)id. klat drückt aus
einmal splendidus, dann hilaris, wie diese begriffe oft
in einander übergehn.*) 0. II. 1, 13 ^r wurti »unna so
glat (eh sie so leuchtend würde.) nun reichen aber auch
die YorstelhiDgen freude, wonne, ruhe, gemach aneinan*
der, folglich glänz, wonne. die untergehende sonne
strahlt in erhöhtem glänz, sie geht zu ihrer wonne ein,
das könnte gongau tö gläde sagen wollen. Ihres dialect-
lex. p. 57* 165* lehrt, dafs in Vestgötland gladas vom
untergehen der sonne gilt: solen gladas ^ glaas (sol oc-
cidit) solegladning^ solglädjen (occasus), das kann be-
deuten : die untergehende sonne freut sich oder glänzt.
Hiernach lege ich aus, was Stald. 1, 463. 2^ 520 an-
führt : die sonne geht vergoldet , für geht unter , d. i.
glänzt vor freude. Weil aber die aufgehende den glei-
chen schein des lichts darbietet, so läfst sich nunmehr
deuten 9 warum dieser das volk an feierlichen tagen freu^
denspriinge und tanz beilegt (s. 183.) ja auch dabei
möchte ich noch nicht stehen bleiben, sondern aus einem
tiefen Zusammenhang der begrüTe des liclits und schalt,
der färbe und des tons (gramm. 2, 86. 87) jenes geräiisch,
jenen klang verstehen, welchen man der auf und unter-
fehenden sonne zuschrieb (s. 413.) Thomas Kingo, ein
Sn. dichter des 17 jh., und wahrscheinlich andere seiner
landsgenossen, läfst die aufgehende sonne pfeifen^ d.h.
einen durchdringenden ton von sich geben: bist piper
solen frem, giv gud en lyksom dag!**); in einem schot-
tischen lied (minslrelsy 2, 430): the sun began to
peep***) Genauer beschreibt es aber eine Strophe in Al-
brechls Titiirel:
darnach kund sich diu sunne
wol an ir zirkel rideu (drehen):
der süeze ein überwunne,
ich waen die süeze nieman möht erlMen
mit äöne dö diu sunn ir zirkel ruorte;
seitenklanc und vogelsanc
ist alsam glich der golt g^n kupfer fuorte.
die süfsen töne der aufgehenden sonne übertrclTcu sailen-
klang und vogelgesang wie gold das kupfer. Wer denkt
*) vgl. z. b. unser heiter^ (sereDUS nnd bilaris.)
**) Rahbek ojc Nyeriip den danske digtekiiasts middelalder 1, 235.
'**) Mer mond pfeiji sein liebt aufj Gryphius p. m. 740.
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SONNBNUNTBROANG
hier nicht an die uralte Überlieferung von der Memnona-^
seutCf die beim aufgang der sonne einen laut ertönen
hßhy gleich als springe eine saite, nach einigen beim auf-
gang einen fröhlichen^ beim Untergang der sonne einen
traurigen/) Wir werden aber hernach noch andere Vor-
stellungen des anbrechenden tags, der einbrechenden nacht
auf licht und ton zurückführen können.
Wohin aber wendet sich die abendsonne zur ruhe,
wo ist ilur gemach gelegen? nach dem ältesten ausdruck
taucht sie ins meer, gleich jenem sinkenden gestirn (s.419.)
Im ags. Bth. (RawL 193^) 'and theäh monnum thyncdh,
thät hio on mere gange, ander soe svife, thonne hio
on setl glidedh.' So sagten auch die alten von der sonne
und den gestirnen Svvai und mergere, Boeth.-4 metr. 5
von Bootes: cur niergat seras aequore flammas und
metr. 6: nee cetera cernens sidera mergi cupit oceano
tingere flammas , was N. 223 verdeutscht : alliu zeichen
sehende in sedel gdn niomer sih ne geröt kebadön in demo
merewazere. Der ausdruck liegt aber allen bewohnern
der sceküste zu nahe, als dafs er entlehnt zu sein brauchte,
altn. hiefs es: söl gengr / oegi^ z. b. forum, sog. 2, 302.
mhd. der «e, dti diu suoue üf g^t ze reste. MS. 2, 66**-
Einwohnern des inneren lands säumte ein wald den hori-
zont, hiefs es: söl gengr til uiclar (Biörn s. v. vidr),
solen gär ander vide (Ihre s. v.) **) Wir sagen: die sonne
geht hinter die berge ; ein dän. Volkslied : solen gik til
iorde Dv. 1, 170, nieder zur erde; Ecke (Hagen) 129:
diu sunne üz dem himel gie. auch: die sonne ist liin^
unter ^ mhd. der sunne (hier männlich) hinder gegdt.
MS. 2, 102^-
Nun wollen wir weiter die formein betrachten, wel-
che den anbruch des tags oder der nacht ohne beziehung
auf die sonne ausdrücken und für die erläuterung heidni-
scher Vorstellungen von tag und nacht wichtiger sind.
Vor allem merkwürdig scheinen mir spuren, dafs
man sich den tag in thiersgeatalt dachte, das gegen den
morgen an dem himniel vorrückt. Wolfram hebt ein
schönes wächterlied mit den worten an : stne klauben
durch die u>olken sint geslagen , er sttget üf mit gro-
zer kraft, ich sih in grdwen den tac; und im dritten
theil von Wh. (cass. 317*): daz diu wölken wÄren grii
*) Pausaa. 1,42. Philostr. vit. Apoll. 6, 4. heroic. 4 n. a. in.
*') eli»tn. pääw katsub metsa ladwa, die sonne geht am wipfel
das Waldes.
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430 TAGESANBRUCH
und der tac stne cid he^e geslagen durch die naht,
I^t ein vogel geineint oder ein vierfüfsiges tbier? denn
beiden gibt unsere spracbe klauen, jene sturmregeade
klauensenkung (s. 362) läfst einen adler, die überrascbende
gleiclibeit eines mor^nläjidischen bilds aber den künig
der tbiere, bei uns den baren vermuten.*) Ali Dschelebi
scbildert in seinem bumajunnameb (Diez p. 153) den be-
ginn des tags mit folgenden schwülsligen, aber ohne zwei-
fei überlieferte Vorstellungen wiedergebenden Worten: 'als
der falke des nestes des firmaments die naehtvögel der flat-
ternden Sterne von der wiese des himmels zerstreut hatte,
und vor dem aublick der klauen des löwen des tags
das reh der bisamduftenden nacht vom felde des daseins
in die wüste des nichtseins entflohen war.' die naclit,
ein schüchternes reh, entweicht vor dem starken, mäch-
tigen tliiere des tags; gewis ein schönes, lebendiges bild.
Auch in einem andern Hede läfst Wolfram den tag mit
unwiderstehlicher gewalt vordringen«
Der tag heifst unsern dichtem der rtche, wie gott
selbst (s. 15): rMte also der tac MS. 1, 163* riche muo-
tes alsam der tac Wigal. 5222 der tac wil geriehen (sie-
gen , walten , herschen) MS. 1 • 27*», er ist nicht zurück-
zuhallen und vertreibt die nacht: der tac yv'd niht erwin--
den MS. 1, 147^ morgen fruo als der tac erstarb t
Eracl. 734, du die naht der tac vertreip. Frauend. 47.
58. Er stürzt sie vom thron und nimmt ihn selbst ein:
*ez taget, diu naht muoz ah ir tröne^ den sie ze Krie-
chen hielt mit ganzer vröne, der tac wil in besitzen!
MS. l, 2b.
Die romanischen sprachen (nicht unsere) pflegen den
aubnich des tags durch ein wort zu bezeichnen, das sie-
chen bedeutet, franz. poindre, span. puntar y apuniar,
itaU spuntare. Jt la pointe du jour, mit tagesanbmch.
das läfst sich freilich von dem ersten vordringen, gleicli-
sam spitze darbieten verstehen, vielleicht aber auch auf
den reitenden tag , der sein pferd spornt , beziehcb,
oder auf ein thierisches rennen und traben, poindre.**)
Noch bedeutsamer scheinen die redensarten, welche
mit dem tagesanbmch, mit der morgenröthe wiederum die
idee einer erschütterung ^ eines geräusches verbinden:
ganz jener klang, den dgs licht der auf und niedergehen-
•) die Araber nennen den ersten morgenschiromer schueif dtt
wolfs, Ruckerts Hariri 1, 215.
**) Reiuiiart p. xxxix.
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TAGESANBRUCH 431
den sonne von sich gibt« diesen sinn wage ich einer alt-
frans. Formel, die blofs in kerlingischen diclitungen vor-
kommt unterzulegen; niemand hat versucht sie zu deuten.
Gerard deViane 1241 4üu matin par son Vaube esclarcie';
cod. reg. 7183, 3* *un matin par son Vaube ^ quant el
fu aparue'*, das. 5* 'un matin par son Vaube ^ quant li
)or esclaira'; das. 161^ ^au matin par son Vaube, si con
chante li gaus' (gallus); cod. 7535, 69*5 'a matin par son
Vaube? was heilst das? ich denke: per sonitum auro-
rae.*) oder wie kann man es anders deuten? Englisch
sagt man für tagesanbnich the peep of day, das stimmt
zu jenem the sun began to peep (s. 428) und freilich wird
das hervorblicken dadurch ausgedrückt, zugleich aber un-
verstanden das rauschen und klingen.
Selbst unser anbrechen verkündigt getöse und er-
schütterung. mhd. sd dö der ander tac üf brach. Frauend.
53. 109; engl, the breah of day. span. el alva ronipe.
altspan. 'apriessa cantan los gallos e quieren quebrar al-
bores.' Cid 235; *ya quiebran los albores, e vinie la
mafiana.' Cid 460; trocida es la noche, ya quiebran los
albores.' Cid 3558; altfranz. ^l'aube criei^e^ Ren. 1186.
*ja estoit Taube crevee' Ren. 1175. ^tantost con Taube se
cret^d^ Ren. 16057; prov. ^can lalba fo crevada^ Ferabr.
3977. Dieses romper, quebrar, crevar (lat. crepare) ist das
dem Sonnenaufgang vorausgehende zittern und erschüttern der
luft, von einer empfindlichen kühle begleitet ; im lat. cre^'
puscnlum liegt derselbe sinn, die Spanier sagen auch:
el alva se rie (lacht) und die Araber: der morgen niest **^
Wir müsten die alte benennung der morgenröthe ahd.
iagarod gl. Jun. 187. 194. Hrab. 956** mons. 327. hymn.
2 , 2 (wo deutlich masc.) 3 , 8. ags. dägred (Cädm. 289,
27. 294, 4), mnd. dagerdt (fem.) En. 11®, mnl. daghe-
raet (Huyd. op. St. 2, 496) genauer verstebn (gramm.
2 , 75. 253) , um darin vielleicht einen ähnlichen sinn zu
*) gFBmma tisch wird man nicbt einwenden, dafs hier das zweite
abhängige subüt. im acc. , statt A^ gen. steht; so tliut die altfranz.
spräche öfter, z. b. en coste la royne (Berte p. 18) zumal bei prae-
positiooell gcwordoen subst. , z. b. lez les niurs, psrmi les pres (per
medium pratorum) prov. per mieg los pratz Ferabr. 2918, und so
regieren noch heute chez, parmi den acc.
*') Räckerts Hariri 1 , 357. In den novelas der Maria de Za>as
1y 3 befriiiut ein lied: si se rie el alva, und anderwärts sagt sie:
quando el alva muestra su. alegre risa ; vgl. oben 285 über das tscliüt-
temd« lachen, ital. lieifst 'fare ridere una botta' sehr bezeichnend
ein fafs so scliuttelu, dafs es überlauft.
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432 TAGESANBRUCH
finden.*) Man sagte mnl. auch dacJigrahSf dagherake
(fem.) und graJcen vom grauen des tags. Dies grauen
ist von der färbe hergenommen, wenn sich die schwärze
der nacht in grau erhellt: mhd. der grdwe tac, das
grdwe lieht JMS. 2, 49», der tac wil grdtven Wolfr. 4,
11. Ahn. dagsbrun (extremitas, gleichsam supercilium diei.)
In der griech. poesie wird 'Hw^ höchst lebendig vor-
gestellt, sie ersteigt aus dem bett (Jk Xey^itßVj wie unsre
sonne zu bette geht , s. 428) des Tithonos , ihres gemahls
(Od. 5, l) heifst die frühgeborne {rjQiyev^ia) , rosenfin-
grige (QoSoduxTvXoQ , II. 1, 477): ihre röthlichcn finger
greifen in die wölken gleich jenen klauen des tags (s. 429);
auch ^Qvao&QOPOS wird sie genannt, wie Here und Ar-
temis. Die Slaven scheinen , statt der göttiti, einen gott
der morgenröthe gehabt zu haben , Jutribog (s. 349.)
Wir sahen, dafs die aufgehende sonne freudig er-
- tönte (s. 428), die rauschende morgenröthe /acA^c (431);
hierzu stimmt eine vielfach wiederholte Vorstellung, der
tag bringe wonne , die nacht trauer, *froh wie der tag'
heifst es; Pieinolt von der Lippe sagt: *er uerbltde als
der dag', INIS. 2, 192 von dem scheidenden tag: der tac
stn ivunne verldt.' Zumal aber drücken die vögel ihre
freude über den nahenden tag aus. 'gast inne sväf oth
that hräfn bMca heofenes vynne blidhheort bodode.'
Beov. 3598 , die himmelswonne die der frohe rabe ver-^
kündigt ist der anbrechende tag. ich bin so froh, w*ie die
habichte , wenn sie thaubenetzt den tag anbrechen sehen^
^dögglitir dagsbrun sidJ* Siem. 167**; 'nu verdbr bann
svd feginn, sem fugl degi\ Vilk. saga cap. 39 p. 94;
^Horn was as fain o fight, as is X\\q foule of the light, wlien
it ginneth dawe'. Hörn and Birnen. 64 p.307; ich warte der
frouwen m}n relit als des tages diu kleinen vogellin^
MS. 1, 51»; fröit sich min gemüete sam diu kleinen i-o-
gelUriy sd si sehent den morgenachinJ* MS. 2, 102'*-
Eine menge epischer formein schildert darum den anbre-
chenden tag durch geschrei der hahne oder nachtigallen«
Biarkamdl im anfang: ^dagr er upp komiun, dynja hanar
fiadlira', die hähne schwingen ihre flügel zum gesang. i
la maiiana, quando los gallos cantaran'. Cid 317. *li coc
contoient, pres fu del esclairier.' Taube est pcrcie, se-
sclere la jornee, eil oiscllon chantent en la ramee.' ^i«
des morgens vruo, daz diu nahtigal rief En. 12545.
*) sollte die wjurzel zu tagarud (=niod) jenea rap sein, von
dem rador, rodur (coelum) stammt? vgl. a.399.
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^ NACHTEINBRÜCH 433
Die nachl wird vorgestellt als scluiell und imvcrse-
hens einbrechend, überfallend, &oi} vv^, sie fdllt oder
sinkt vom himmel nieder, la nuit tombe, h la tom--
hie de la niiit, sie bricht ein, während der tag an-
bricht, sie rückt auf einmal nahe, sie überfällt. In der
alten spräche gilt von nacht und abend das verbum ana
gdn oder fallan: dband unsih ana geit. 0. V. 10, 5;
in ane gdenda naht N. Bth. 31; der ^bent begimde
me gdn. Mar. 171; schiere viel dd diu naht an.
Roth. 2661; unz der dbent ane gie. Flore 3468. Ls.
1, 314. Wigal. 1927. 6693; als der dbent ane g4t.
Wigal. 4763; biz daz der Äbent «/?e lac. Ls. 1,
243; diu naht diu gdt mich an. Wolfd. 1174; diu naht
gei uns vaste zuo. livl. chron. 62*- Ebenso aber auch
tigern dö dec dbent zuo seic. Diut. 3, 68; also iz zuo
deme dbande seic. das. 3, 70; nü seig ouch der dbent
2^0. Frauend. 22. 44; ze tal diu sunne was genigen u. •
der dbent zuo gesigen. Diut. 1, 35 t; diu naht begunde
^Igm an. Mor. 1620. 3963*); diu tageweide diu wU hin,
der dbent siget vaste zuo. Amgb. 2a; der tach is ouch
an uns gewant, uns atget der dvent in die hant. 8sp.
vom 193; und noch heute: bis in die sinkende nacht,
gleichviel üt: nü der dbent zuo geß6z. Troj. 13665.
üies einbrechen und niedersinken erfolgt aber auch leise
wndheindich, wie eines diebes: diu naht begunde «//-
chen an. Dietr. 68i>; nft was diu naht geslichen gar über
dazgevilde. Christoph 413; do nü diu naht her sleich-
und dm vinster in begreif, das. 376; sd thiu naht bif^nff.
M. 129, 16. / 6
Offenbar ist in allen diesen zügen die nacht aufge-
faJst üXs feindliche^ böse gewalt , im gegensatz zu dem
gütigen wesen des tags, der in gemächlicher ruhe langsam
"ber die berge emporsteigt; so schnell daher die nacht
mederfäUt, so allmalich endet sie: *diu naht gemechlich
ende nam.' Frauend. 46.
Beide tag und nacht stehen im streit miteinander, die
nacht herscht erst, wenn der tag seinen kämpf aufgegeben
bat: <unz der tac liez stnen strW Parz. 423, 15. *der
*ag der nam ein ende, die nacht den sieg gewann.' Wolfd.
2025. *dö der tac verquam^ und diu naht daz lieht nam.'
i*-!!. 7866. ^nu begunde ouch strüchen der tac, daz sin
sclim vil ndch gelac, unt daz man durch diu wölken
. ') beidemal stellt segen ; wSre es st gen an (Tincere) so liefse
*'C'> kaum der dativ dem tage eutbehren.
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434 NACHT
sacli des man der naht ze boten Jach; manegen stern der
halde gienc, Mrand er der naht herberge vienc. n£ch der
naht baniere kom sie selbe schiere.' Parz, 638, 1 — 8. . in
dieser anmutigen besclireibung gehn die abendsteme als
ansagende 9 fahnentragende herolde der nacht selbst vor-
aus, wie umgekehrt der morgenstern des tages hole war *)
Vorhill s. 428 ist ein Sonnenaufgang aus Tilurel ent-
lehnt worden, auch die unmittelbar vorher gegebne Schil-
derung des erliegenden tags verdient hier zu stehn:
dd diu naht zuo sltchen
durch nieman weite l&zen,
und ir der tac entwichen
muoste, er fuor sä wester hin die str&zen,
alsd daz man die erd in sach versUnden^
unz er ir möht empfliehen,
dö kunder sich von örtent üf winden,
die erde verschlingt den weichenden tag.
Bei den älteren dichtem finde ich mehr die Vorstel-
lung der dunhellieit. thö warth dband cuinan, naht mid
neflu.^ H^L 170, 25. ^die ßnstere ragende nacht.' Schre-
ckensgast Ingoist. 1590 p. 114; ^nipende niliL' Beov. 1088.
1291 , vgl. genip (caligo); ^scaduhelni^ Beov. 1293; ^nihU
Jielm gesvearc deorc ofer dryhtguman.' Beov. 3576. sie tragt
gleichsam eine finstere nebelkappe. noch schöner ist das
schwarze äuge der nacht bei Aschylus (Pers. 426.)
Alle dichterischen bilder, die ich zusammengestellt
habe, lassen ahnen, dafs in ältester vorzeit Tag und
Nacht lebendiger und göttlicher auftraten, aber schon sehr
frühe mufs unter den Deutschen diese vorstellungs weise
geschwächt worden sein, seit sie dem namen des tags eat-
sagten, der seine gemeinschaft mit den göttem in sich trug.
*) Locifer ioterea praeco scaadebat olympo. Waltbar. IlSf.
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JAHRSSSEITEN 435
CAP. XIX. BOMBIER UND WBXTER.
Ungleich frischer und erkennbarer hat sich die Per-
sönlichkeit der jahrszeiteu , welche wie lag und nacht
von nälie oder ferne der sonne abhängen , erhalten, ihr
langsamer Wechsel erfolgte feierlich, während der häufige
des tags und der nacht bald das andenken an die allen
-gütter verwischte.
Tag und nacht gleichen dem sommer und winler
auch darin, dal's den anbruch des lags und den ein-
tritt des sommers die vögel mit freudigem gesang begrü-
fsen, nachts und winters aber still trauern, daher die ed-
dischen kenningar gledi fugla (laelitia volucrum) für
sommer, aüt ok strtd fugla (dolor et angor avium) für
winter. dies nalurgefühl spricht sich in den liedern un-
srer minnesänger unzähligemal aus.
Den begrif des ganzen jahrs finde ich kaum persön-
lich hervorgehoben, aufser in betheuerungen, segen und
Verwünschungen, 'sam mir daz /leilec järV Ls. 1, 287.
*ein scelec jdr gang dich an!' Ls. 3, 111. und ^daz dich
ein veigez jdr müez ane komen!' Ls. 1, 317.
Nachdem Tacitus gesagt hat, dafs die Germanen
blofs getraide bauen, weder wiesen noch gärten hegen,
fügt er hinzu : unde annum quoque ipsum non in tolidem
digerunt species: Jüeins^ et ver^ et aeatas intellectum ac
vocabula habent; auctunini perinde nomen ac bona igno-
rantur. Deutlich wird hier auclumnus auf obst und nach-
heu (grummet) bezogen, der kornschnitt in den sommer,
die aussaat in den frühling verlegt. Erwägt man aber,
dafs das nördliche Deutschland noch jetzt, bei gemildertem
clima, getraide erst im august und September, wenn
schon die sonne niedriger steht, einerntet, und dafs au-
gust zwar der eigentliche erntemonat *) , September der
herbstmonat, zuweilen aber September die augstin, october
der herbstmonat genannt ist; so kann jene ansieht schon in
ältester zeit nicht allgemein gültig gewesen sein. Auch
scheint das ahd. Jierpist, herbist y ags. hearfest nicht ge-
rade jünger als andere sehr alte Wörter. Richtiger wäre
zu bemerken, wie je weiter nach Norden hin nur zwei
jahi^szeiteu , sommer und winter y vortreten, je weiter
*) ahd. araiinidn<^t, von arao (messis) gotli. asans$ die Altsach-
Mn ugten beivdd od«r beo. Hei. 78, 14. 79, 14; nnl. buutvt boutvd,
28*
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436 JAHRSZEITEN
nach Süden vier oder fünf*) unterschieden werden kön-
nen. Für mythische bezüge gehen nur jene zwei, obwol
sie zuweilen durch früliling und winter, oder durch früh-
ling und herbst ausgedrückt werden.**)
In der edda sind beide nun gh ich genealogisch ein-
geführt. Sumar ist ein söhn des Sifdsiidhr (Sncm. 34'*
Sn. 23. 127), welcher name von svds (carus, propriiis,
domeslicus) , golh. svds, ahd. suus hcrslamnit : er ist ein
seeliger, freundlicher mann, nach dem alles frohe und
liebliche heifst (svaslegt, blitt.) Der vater des T^etr hin-'
gegen führt den natneu Vindlöni oder Vindsvnlr (der
windbringende, windkühle) und dessen vater hiefs VA-
aadhr (Spem. 34^» Sn. 23. 127), der feuchte, nasse: ein
grimmiges, kaltbrustiges geschlecht. Beide stellen sidi
aber, wie zu erwarten ist, als riesen dar, S^dsadhr
und Sumar von guter, freundlicher, ydsadhr , Kind"
S{^ali\ Vetr von böser art, so dafs sich auch hier wie-
der die doppelte natur der riesen (s. 304) einleuchtend er-
weist, skdldskaparmal verzeichnet sie unter den alten
iötnar: 209»> Somr (al. Sdmir) ok SifAsudhr, 210* Vind-
Bvalr und Vidharr (1. Vetr.) Noch Jetzt sind uns iSo/n-
nier und TVinter häufige eigennamen, und vermutlich
waren sie es von anfang an, eben weil sie sich mit aus-
drücken urverwandter sprachen nicht berühren.
Nun will icli aber die dAitlichen spuren ihres per-
sönlichen Verhältnisses, wie sie sich in redensarten des
*) die Spanier unterscheiden das fiuhjalir in primavera nnd ve-
rano (den groHien fruhling) vgl. Don Quixote 2, 53 und Ideler 5,
305. auf verano folgt estio.
••) auch der slavischen volksanschanung treten, zwei hauptadtea,
sommer nnd winter vor, der sommer ist sogar wörtlich von dem be-
griffe jähr nngeschieden, beide heifsen leto^ d. h. das alte jähr wird
mit dem winter abgethan, das neue mit dem sommer begonnen, die-
ses leto ist (gleich unserm jähr) nentrum , folglich unpersönlich, den
winter nennen sie zima (fem.) sollen nun die Zwischenzeiten tnsge-
drückt werden , so sagen sie für früliling podleti , für herbst podum.
Allein es sind auch nodi andere benennungen gangbnr geworden : bobn.
garoy poln, iaroj mähr, wesna, poln. wiosna; sloven. vigred {egf^
diens, in Dentschkärnten der ausipärt)^ mlado leio (junger sotomer),
rnladUtje^ pomlad, spomlad, sprotUtje (von sprot, gegen) alle vax
bezeichnung des frühlings, vorzüglich fühlten die Südslaven das be-
dfirfnis frühling nnd sommer zu trennen. Der herbst heifst scrb. jesem^
sloven. jefen^ anch predsinta. Wie nun leto (annus) nnd leto (som-
mer), Bo ist sichtlich unser ^Vr, jdr (annus) das poln. iaro^ gr. *«^
lat. ver\ und das lat. hiems^ gr. /fiM^v, wiederum das slav. zimtu
unser winter und sommer liegt aufser aller Verwandtschaft, wogegen
sich unser lenz (ver) dem slav, ieio , iato nähert.
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SOMMER WINTER 437
Volks lind in dicbterlscheu weuduugeu lange erhallen lia-
ben, aufdecken. Wir sagen tägllcli: der Sommer^ der
JVinter ist vor der thür, tritt ein, kehit ein. H. Sachs
IV. 3, 21» 'bis dafs der Sommer einher tritt.'*) Mhd. wird
jener gewöhnlich lieb, dieser leid genannt : ^der liebe Sumer
urloup genam' Ben. 344. 'urloup nahm der PVinder* Ben.
362. beiden gefolg und dienerschaft zugeschrieben: ^Sumer,
dine holden von den huoben sint gevarn' Bon. 304 *&^-
mer dln gesinde* Ben. 406, mtn sanc süle des Winters
wdpen tragen' MS. 1, 178^- ^ TV Inder ist mit stnen
vnunden komen' Ben. 414, offenbar sind sie mit ihren
leuten aufgezogen, weil sie sich verjagen und bekriegen
wollen. *der leide Winder hdt den Sumer hin verjaget'
Ben. 381. ^fVinder'^*) hdt ez hie gerümet' Ben. 437.
Weil aber der sommer mit dem mai beginnt, steht auch
ein Mai als repräsentant des Sommers da, ganz auf glei-
che weise in lebendiger persönlichkeiu der Mai hält sei-
nen einzug. ^sö der Meige in gät.' meist. Alex. 144^-
*der Meie ist in diu lant' Ben. 364. 'der Meie löste bluo-
nien üz Rtfen bände' Ben. 437. ^der Meie hat brieve
für gesant, dafs sie künden in diu lant stne kiinft den
vruoten.' Ben. 433 , gleich einem konige , der nach langer
abwesenheit siegreich heimzieht^ kündigt er seine ankunft
voraus durch briefe an. *da ist der Meie und al sin ki^aft,
er und stn geselleschaft diu (s. 1.) ringent manige swaere.
Meie bat im (dem Winter) angesiget.' Ben. 449. ^ob der
Meige ze.velde lac' Ls. 1, 199. 'so der Meige alr^rst In
gÄt' Frauend. 14. 'der Meie vüeret den walt an stner
hende* MS. 2, 81^, es werden ilim bände beigelegt (wie
dem Wunsch s. 99.) er wird von den menschen mit dank
und neigen, gleich einem gott oder könig, verehrt:
^Meie ich wil dir nigen' Ben. 398. *^rent den Meien.^
Ben. 184. Mer Meie habe des danc!' Ben. 434. Mai und
Sonnner legen ihr grüulaubiges kleid an : Mer Meie ist
üf sin grüenez zwl gesezzen.' MS. 2, 75«- Mer Sumer
sneit sin kleit.' Ben. 159. Mer Meie sendet dem walde
kleider.' Ben. 436. Mer Summer gab diu selben kleit
Abrelle maz, der Meie sneit.' MS. 2, 04'*-
Vorzüglich ab^r mufs man auf den Gegensatz ach-
ten. Im gefolg des Winters ziehen ReiJ und Schnee^
wiederum persouifiialionen , und alle riescn. sie künden
•) alse die Somer quam int lant. Rciiiaert 2151: alse de Sommer
qntine int lant. Reincke 2311.
••) oiiue artikel, also unappeüativi^ch (vgl. s. 400 Solans.)
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438 SOMMER WINTER
dem Sommer krieg an: *dir hat widerseit beidiii RiJ
und Sn^ Ben. 398. *der Meie luste bluomen Az Rtjen
bände.' Ben. 437. Das wichtigste ist^ dafs sich in einem
Kode*) sogar der mytliische uame des relfriesen bewahrt
hat: er heifst Aucholf , ganz mit der ableitung olf ge-
bildet, die gleich dem olt für ungeheure, geisteriiaHe
Wesen dient **); die wurzel auka, alid. ouhhu drückt
auS augeo, es kann also in Oucholf die bedeutung des
übergrofsen, rlesenmäfsigen liegen.***)
Sommer und Winter stehn im kämpf gegeneinander
gerade wie Tag und NacTit; Sommer und Tag erfreuen,
Nacht und Winter betrüben die weit.
Die ankunft des Sommers, des Mais, oder wie wir
jetzt sagen des Frühlings, wurde nun vor alters festlich
begangen, das hiefs im mittelalter: die ztt empfd/ien,
ÄIS. 1, 200» 2, 78*> Ben. 453; den Sumer empjdhen:
^Sumer wis enpjangen von mir hundert tftsent stiint.*
Ben. 328 ; 'helfent grüezen mir den Meien? MS. 1, 102»';
61 (diu vogelUn) wellent alle grüezen nu den Meien!
MS. 2, S4\
Das eintreffen des Sommers erfolgte aber nicht auf
einen bestimmten tag des Jahrs, sondern wurde nach zu-
fälligen zeichen wahrgenommen ^ aufblühenden blumea
oder anlangenden vögeln.
Wer *den Ersten ptoV schaute, zeigte es an; das
ganze dorf lief hinzu, die bauern steckten die blume auf
eine Stange luid tanzten darum, auch hiervon hat Nithart
ein lied gedichtet, dieselbe feier beschreibt H. Sachs IV.
3, 49 ff; um die erste sommerblume wird getanzt und
gesungen.
Ebenso wird die erste sc1m>albe^ der erste storcli
als frählingsbote {uyysXoß eagog) begrüfst und empfaD-
gen. der schwalbe rückkehr feierten schon Griechen und
Römer. Athenaeus 8, 15. p. 360 theilt ein j^eXiiovtofia
milf), das auf Rhodos die kinder absangen, eine schwalbt
herumtragend und efswaai'en sammelnd. Noch heute lebt
der gebrauch in Griechenland, am ersten merz lauft die
*) Nithartfl, Ben. 88^. dteser dichter liefert uns Torzagsweiie
belebte bilder von Sommer ud<1 VViater.
••) grnmm. 2, 334—340 vgl. JNahtolf, Biterolf, Egi^grfmolt {*-
147) Fasolt (s^d3) Mimerolt (s. 221) kobolt («.286.)
••*) eiD mbd. dicliter schildert den kämpf zwischen Mai uad
Herbst in einer artigen ecBabluog (Fragm. 29), die aber voa defl
mythischen gebiet abliegt.
f) ligen opusc. philol. 1, 165. ZeWs ferienichr. 1, 53. 88.
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SOMMGRBMPFANG 48»
Jagend zusammen , durchzieht alle strafsen und singt ein
liebliches frühlingslied : die sänger tragen eine aus holz
geschnitzte schwalbe^ die auf einem cylinder stehend
dabei umgedreht wird.*) %irandine -primcC sagt Horat.
epist. L 7, 13« Dafs man auch bei uns schon im mittel«
alter auf die erste schwalbe achtete» lehrt die abergläu«
bische gewohnheit (anh. s. liu, abergL no. 217) bei ihrer
erblickung kohlen aus der erde zu graben. Das schwedi«
sehe landvolk be willkommt sie mit dreimaligem jubelruf.**)
Beide schwalbe und storch gelten für heilige, unverletzliche
thiere. Wer bei den Griechen die einkehr des Storchs
zuerst ansagte empfieng botenlohn. Noch im vorigen jh.
waren die thürmer mancher Städte Deutschlands angewie-
sen, den nahenden frählingsherold anzublasen, wofür
ihnen ein ehrentrunk aus dem rathskeller verabreicht
wurde.***) Ein epigramm von Joach. Olearius beginnt:
ver laetum rediit, redlitque ciconia gratap
aspera dum pulso frigore cessat hiems.f)
auch der kukuk kann als ansager des frühlings betrachtet
werden (s. 389.)
Diese sommenferiilndigung durch gesänge der Ju-
gend findet noch Jetzt oder fand wenigstens in den letzten
jhh. in deutschen und slavischen länderu statt, die ge-
brauche und lieder sind manigfalt. ff) Oft wird blofs ein
kränz, eine puppe, ein thier im korb herumgetragen und
non haus zu haus die gäbe eingefordert. Hier tragen kin-
der einen liahn , dort eine krähe oder einen fuchs um«
^ Faoriel 2, 256. disc pr^liok zxvni; vollständiger bei Theod»
Kind p. 12.
*0 \¥esterdabl p. 55.
***) alpenrosen. Bern 1817 p.49. vgl. Hebet» lied der storch,
t) Rostock 1610, Tgl. Job. Praetorii Storchs ond scliwalben-
winterqnartier. Fraiicf. 1676 p. 185.
ff) aoi fleifsigsten, wiewol sehr serstreot nnd unordeatUch, bat
sie gesamnielt Christ. Heinr, Schtnid zu Giersen: Im Journal von
und für D. 178T. 1, 186—198. 480 — 485. 1T88. 1, 566 — 671. 2,
409 — 411. 1790. 1, 310 — 314. 1791, 1002) in der deutschen mo-
Batschrift 1798 2, 58 — 67; dabei werden eine menge älterer und
neuerer Schriftsteller zur bewährnng angegeben. Auch ist noch ein
früherer aufsatz im Journal von und für D. 1784. 1, 282 zu verglei-
chen. Einzelnes findet sich in Krünitz encydop. 58, 681 ff., Graters
Idunua 1812 p. 41 , in Büschings wöch. nachr. 1, 183 — 186. 3, 166
und an andern orten, die ich, wo es darauf ankommt, weiter an-"
führe. Die beiden frühsten abliandlungen sind von Paul Christ Hü-
scher de ritu dominicae laetare» quem vulgo appeüant den tod aus-
treiben. Lips. 1690 (deutsch 1710) und Job. Casp. Zeumer de domi-
nica laetare. Jena 1706.
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440 SOMMER UND WINTER
lier'*'); wie man in Polen zur zeit der colfda d.h. neu«
{ahrs einen ausgestopften wolf gesclieuke sammelnd umträgt
(Linde s.v. koUda.) das sind keine wanderthiere , und
ich lasse unentschieden, mit welchem fug sie die schwalbe
oder den storch vertreten, oder ob sie überhaupt etvras
anders bedeuten sollen, des angehenden sommers -wird
nur in einigen Worten und Wendungen des lieds oder gar
nicht gedacht. Oft aber bildet die einsamlung der gaben
nur den scldufs einer vorausgehenden sinnvolleren hand«
iung, woran auch Jünglinge und Jungfrauen theil nehmen.
Ein vermumter Sommer und fVinter^ jener in epheu
oder Singrün, dieser in st roh oder moos gekleidet, tre-
ten auf und kämpfen solange miteinander, bis der Somr-
mer sie^t. dann wird dem zu boden gewor&en Winter
seine hülle abgerissen, zerstreut, und ein sommerlichar
kränz oder zweig umhergetragen. Hier ist also wieder
die uralte idee eines kriegs oder Streits zwischen beiden
Jahrsgewalten, aus dem der Sommer siegreich hervorgeht,
in dem der fVinter unterliegt: das volk gibt gleichsam
den zuschauenden chorus ab imd bricht in den preis des
überwinders aus.
Die eben geschilderte sitte lebt ihauptsächlich in ge-
genden des milderen Rheins, jenseits in der Pfalz, dies-
seits zwischen Neckar und Main, im Odenwald. Aus den
gesungnen liedern tlieile ich blofs die beziehungsvoUen
stellen mit:
trarira, der Sommer der ist da;
wir wollen hinaus in garten
und wollen des Sommers warlen.
wir wollen hinter die hecken
und wollen den Sommer wecken.
der fVinter hats verloren,
der Winter liegt gefangen^
und wer nicht dazu kommt
den schlagen wir mit Stangen,
anderwärts: jajaja, der Sommertag**) ist da,
er kratzt dem Winter die aitgen aus
und jagt die banern zur stubc hinaus,
oder: Stab aus! dem Winter gelin die äugen auSj***)
•) Reinhart einlcit. p. ccxix. eioer amgetragaea krähe (»titt der
4cliwalbe) gedenkt auch Athenacus a. a. o.
••) für Sommer? vgl. Baitag (*. Ul) für Balt.
••') auch ''stam aus* oder *sta maus', und '/leib aus, treib «w,
dem Winter ist ein aug aus»
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SOMMBft UND WINTER 441
Veilchen , roaenb/umen,
liolen wir den Sommer
schicken den fVinter übern Rhein
bringt uns guten kühlen wein,
auch: piolen und die blumen
bringen uns den Somm>er,
der Sommer ist so keck
und wirft den Winter in den dreck.
oder: stab aus, stab aus,
blaa dem Winter die äugen aus!
Solche gesänge sind sicher durch lange jalu^hunderte gegan-
gen; was ich vorhin aus unsern dichtem des 13 jh. an-
geführt habe, setzt sie ihrem wesentlichen inhalt nach
voraus, alles ist ganz heidnisch gedacht und gefal'st: der
herbeigeholte, aus seinem schlaf geweckte, tapfere Som-^
mer, der überwimdne, in den koth niedergeworfne , in
banden gelegte, mit Stäben geschlagne, geblendete, aüsge-
tiüebne Winter sind halbgötter oder riesen des alterthums.
Der veilclien wird erwähnt in deutlichem bezug auf den
empfang des Sommers. An einigen orten ziehen die kin-
der mit weifsen^ geschälten [Stäben y hölzernen gabein
und dcgen aus, entweder in der absieht dem Sommer zu
helfen und mit auf den feind loszuschlagen, oder es kön-
nen auch die stabträger des Winters gefolge darstellen
sollen, weil nach altem gebrauch besiegte und gefangne
mit weifsen Stäben entlassen werden (RA. 134.) Einer
aus dem häufen der knaben, ein erwachsner an ihrer
spitze in st roh gehüllt stellt den Winter ^ ein andrer
mit epheu per ziert den Sommer vor. erst kämpfen beide
mit ihren holzstangen, bald werden sie handgemein uti^
ringen so lange, bis der Winter niederliegt und ihm das
Strohkleid abgezogen wird, unter dem kämpf singen
die übrigen stab aus, stab aus,
stecht dem Winter die äugen aus!
das ist noch völlig das rauba birahauen , hrusti giwinnan,
caesos spoliare armis der heldenzeit; das grausame aug-
aosstechen tritt noch tiefer in 'flas alterdium zurück.
Nach beendigtem kämpf, wenn der Winter in der
flucht ist , wird an einigen orten gesungen :
so treiben wir den Winter aus
durch unsre Stadt zum thor hinaus,
hin imd wieder die ganze handlung zusammengedrängt in
das wiederholte geschrei:
Sommer rein, Winter naus!
Jcmehr man sich über den Odenwald zurüdi dem iu-
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442 TODAUSTRAGEN
uern Franken ^ dem Spessart und der Ktiön nähert, pfle-
gen schon jene worte zu lauten:
Stab aus, stab aus,
stecht dem Tod die äugen aus!
und so heilst es: wir haben den 2hd hinausgetrieben
den lieben Sommer bringen wir wieder
den Sommer und den Meiert
mit blümlein mancherleien.
Der Tod tritt an die stelle des fVinters; man kann sa-
gen, weil im wintcr die natur scblummert und ausgestor-
ben scheint; vielleicht liat aber auch frühe schon ein heid-
nischer name des Winters der christlichen Vorstellung
von dem Tod weichen müssen r
In tief fränkischen liedern, z. b. dem nürnbergM*,
wird nun aber des Sommers gar geschwiegen und der ge-
danke des ausgetriebnen Todes desto stärker hervorge-
hoben.*) Zu Nürnberg durchziehen landmädchen von sie-
ben bis achtzehn jähren in ihrem gröfsten putz die strafsen
der ganzen Stadt und vorstadt ; auf oder unter dem linkm
arm tragen sie einen kleinen ofnen sarg, aus welchem
ein leiclienluch herabhängt, unter dem tuch liegt eine
puppe, ärmere kinder tragen nichts als eine offene schach-
te! , worin ein grüner buchenzweig liegt mit in die hohe
gcriclitetem stiel , woran ein apfel statt des kopfs steckt,
ihr eintöniges lied beginnt:
heut ist mitfasten
wir tragen den Tod ins wasser, wol ist das.
unter anderm: wir tragen den Tod ins wasser
tragen ihn nein und wieder raus**)^
*) Seb. Frankes weltbuch 51« schildert den irankiseheB ümI-
nachtsbraucli so: ^hallen auch ir vier ein lellacli bei den Tier zipM«
und ein ströinen angemachten hutzen in hosen und wamnies mit einer
larven, wie ein todten man, schwingten si in mit den tner zipfeiM
auf in die hohe und entpfahen in wider in das leilach. das treibe«
si durch die ganz Stadt. Zu mitterfasten machen si an etlidien oriea
ein ströinen man oder butzen^ fangetlion und zugericht wie eia iod^
den tragen die versanileten jungen in die na/und gelegnen dörftr*
dise werden von etlichen schon empfangen und mit dürren hatslea,
milch und erbifs gelabet und gespeist von den andern, die es lor
ein anzeichen zukuuftigs todi lialten, übel empfangen, und von irea
hofstaUen getriben mit scheltworten und etwan mit streichen.'
**) hierdurch scheint angedeutet, dafs die gottbeit des To4es
bei der wassertäuche nicht vernichtet, sondern ihr nur die Unzufrie-
denheit des Volks fühlbar gemacht werden soll, der grausame Tod
hat das jähr Ober manche opfer (reholt, jetzt wollen sich die oua-
sehen gleichsam au ihm rävhen* Dies greift in die eben i. 14 aage-
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TODAUSTRAOEN 448
tragen ihn vor des bledermanns haus,
wollt ihr uns kein schmalz nicht geben
lassen wir euch den Tod nicht sehen,
der Tod der luit ein panzer an.
Ähnliche gebrauche und lieder herschten im übrigen Fran-
ken, in Thüringen, Meifsen, Vogtland, | Schlesien und
Lausitz, der eingang des lieds wechselt:
mm treiben wir den Tod aus*),
den alten weibern in das haus!
oder: hinters alte hirtenhaus **).
hernach: hätten wir den Tod nicht ausgetrieben
war er das jähr noch inne geblieben.***)
Gewöhnlich wurde eine puppe, ein strohernes oder Äo/-
zernes bild herumgetragen, ins wasser, in einen tum-'
pfel gei4H)rJen oder verbrannt^ war die figur weiblich,
so trug sie ein knabe, war sie männlich, trug sie ein
mädchen. Man stritt darum, wo sie gemacht und gebun-
den werden sollte, aus welchem haus sie hervorgebracht
vurde, in dem starb das jähr über niemand. Die den
deutete idee: wenn ein gott den erwartungen nicht entsprochen hat,
so wird ihm gedroht, sein bild mit i;oth beworfen (s. 336), Ins wns-
6er {getaucht So warfen die Franklander beim niiswachs des welns
S.Lrrbans bild, weil er keinen wein geschalt hat (Fischarts Garg. 11)
in den hach oder in den koth (Seb. Frank 6lb), oder in den was-
*^rtrog^ selbst schon» wenn keine reiche weiniese erwartet wird (.4.^
Sricolas sprichw. no.498. Graters Idnnna 1812 p. 87.) Nicht anders
warfen die Baiern den heil. Leonhard bei seinem feierlichen umziig
mitanter in den back (Schm. 2, 473.) Bekannt ist, wie die Neapoli-
taaer noch heotzutag mit ihrem San Gennaro verfahren, oder die
•chiffer im starm S.Jacobs bild mlshandelu, anderer beispiele za ge-
schweigen.
*) Latber hat das lied auf die aastreibong des pabsts parodiert
Jem. T. n. f. D. 1787. 2, 192. 193.
**) dem alten Juden in seinen baach, dem jungen in den rucke,
das ist sein ungelücke, treiben ihn über berg und tiefe thal, dafs er
nicht wiederkommen soll , treiben ihn über die beide , das thun wir
den schafem zu leide, wir gieagen durcli den grünen wald, da sun-
p^ die Vögel jung und alt. Den alten Juden will Finn Magnussen
(edda 2, 135) (ur einen iötunn gehalten haben.
***) J. F. Herrl über einige in der gegeud yon Erfurt gefnndae
aHertliumer 1787 p. 28 hat die zeile: 'wir tragen den Krodo ins was-
«er*, gesteht aber nachher (joum. v. u. f. D. 1787. 483. 484), dies be-
denkliche wort als eigenmaciitige Vermutung in den text aufgenommen
tu haben. Um so verdäclitiger ist in Ilellbachs nacht rag zum archiv
von und für Schwarzburg. Uildburgh. 1789. p. 52 folgende Strophe:
Ertragen den alten thor hinaus, hinters alte hirtenhaus, wir haben
Bu den Sommer gewonnen und Krodes macht ist weggekommen.'
•Ue amadrfteke der letzten zeile verrathen erdichtang.
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444 SOMMBRFEST
Tod weggeworfen hatten, liefen schnell davon, aus furcht,
dafs er sich wieder aufraffe, und hinter Urnen her komme,
begegnete den heimkehrenden vieh, so schlugen sie es
mit Stäben , im glauben, dafs es dadurch fruchtbar werde.
In Scldesien wurde häufig ein blofser tannenbauni inil
strohhelten^ gleichsam gefesselt, umliergeschleppL Hio
und wieder trug ein starker mann, mitten unter kindem,
einen maienhauni**)
Einige der angegebnen landschaften haben in dem
letzten )h. das alte fest dieser sommerverkündigung durch
besieguug des winters untergehen lassen , einige noch ge*
gcnwärtig erhalten. Frühere jhh. mögen es in andern
deutschen strichen gesehn haben, in welchen es selbst
nicht historisch nachzuweisen ist. wolirscheinlich entgcLn
mir auch einzelne n achrichten. Ich habe nicht die ge-
ringste spur davon, weder in Süddeutschland , Schwabeo,
Schweiz, Baiern, Ostreich, noch auf der andern Seite in
Niederhessen, Niedersachsen, Westfalen, .Niederland, Fries-
land ermitteln können, ob es sich über die Pfalz hinaus
in das Trierische, Lothringische^ nach Frankreich erstreckte,
weifs ich eben so wenig.**) Klar ist, dafs weder die
*) zu Leipzig war das fest im 17 jh. so herabgewürdigt, dtü
man die Strohpuppe durch liuren umtragen und ius wasser werfeu Itetii.
••) C. H. Schmid hat freilich im jonm. v. u. f. D. 1T90, 314.
315 ein verzeiclmis der länder und örter aufgestellt, wo Winter oder
Tod ausgetragen werde, darin sind auch niedersachsische , meklea-
burgische, ja friesische gegenden namhaft gemacht, bewahmag daftr
mangelt aber, und andere ähnliche gebrauche, denen ganz die it-
dividuaiität des hier abgehandelten fehlt, werden damit vermischt
Aug. Pfeiffer (gb. zu Lauen»tein 1640, gest. zu Lfibek 1698) in deo
evang. erquickungsstunden Leipz. 1 698 p. gedenkt des Sommer ead
IVinterstreits, aber ohne den ort zu bestimmen , und er wolmte lange
in Sv-Iilesien und Leipzig. Heiir. f^ubbert (prediger zu Bohlenderf
bei Lübek, gb. 1640 gest. 1703) schildert iu seinem fastnacbtsteufel
p. 6 einen merzaufzug , keinen niailichen , hebt aber die weseotlicbeo
zöge nicht genug hervor, ich setze die stelle (aus Joh. Pet. Schmidts
faittelab. p. 132) her, weil sie das gewis nicht unwirksame eifern der
geistlichen gegen die lustbarkeiten des volks fast so clwracteristitck
zeigt, wie die s. 159. eingeschaltete, um 560 jähr altere, dedanM-
tion. Hm vorigen jähr dominica quiuquagesima (vier wochen vor lae-
tare) bat ich nbermalen einen jeden öffentlich) man möchte doch ein-
mal solches heidnische wesen einstellen, aber ich muste leider er&ii-
ren , dafs es die gottlosen weltkinder noch ärger als zuvor machten.
Da giengen niclit allein die hindert lange mit grünem laub hen^tuf
dene stecken tragend in den häusern herümb, und sungen allerhaad
liederliche possen, sondern sonderlich die knecJue^ unter wdiJitt
einer mit einem grünen weiberrock f>ehangcn war, giengen in ztvetM»
Parteien mit einem dudelsack durchs dorf vou hauä zu bans, mgeS)
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TODAUSTRAGEN 445
protestantische noch die calholisohe ansieht auf die län-
gere fortdauer oder das frühere erlöschen der silte einflofs.
Allerdings fallt aiif^ dafs sie sich gerade durch die mitte
Deutschlands zieht und hinten an slavische ländcr lehnt,
die ihr gleichfalls huldigen, daraus darf aber nicht gefol-
gert werden, dafs sie slavischen Ursprungs war und von
Slaven bis über den Rhein hin eingeführt wurde. Wir
müssen erst diese slavischen gebrauche näher betrachten.
In Böhmen ziehen die kinder mit einem Strohmann, der
den Tod vorstellen soll, ans ende des dorfs, und verbren-
nen ihn, dazu singen sie
giz nesem Snirt ze wsy,
nowe Leto do wsy;
wiley Leto libezne,
obiljcko zelene!
d.h. schon tragen wir den Tod aus dem dorf, das neue jähr
(den neuen Sommer) in das dorf; willkommen lieblicher Som-
mer, gi-ünes getraidelcin ! Die Sorben in der Oberlausitz fer-
tigen dae bild aus stroli und hadern^ die die letzte leiche
gehabt, mufs das hemde, die lelzte braut aber den Schleier
und die übrigen lumpen dazu hergeben*); das scheusal
vrird auf eine hohe Stange gesteckt und von der gröfsteu,
stärksten dirne, in vollem lauf, fortgetragen, dabei sin-
gen alle: lecz höre, lecz höre,
jatabate woko
pan dele, pan dele!
d* 1. flieg hoch , flieg hoch , drehe dich um , fall nieder,
fall nieder! Alle werfen mit steinen und stecken nach
ilun, wer den Tod trift, slirbt das jähr über nicht, so
'wird das bild zum dorfe hinaus an ein wasser getragen
und darin ersäuft, oft bringen sie auch den Tod bis zur
frenze des nächsten dorfs und werfen ihn hinüber ^ je-
er bricht sich ein grünes zweiglein, das er auf dem
heimweg fröhliches mules tiägt, bei erreichung des dorfs
aher wieder von sich wirft, zuweilen lauft ihnen die Ju-
gend des benachbarten dorfs, über dessen grenze sie den
Tod gebracht hatten, nacli, und wirjt ihn zurück ^ weil
ihn niemand dulten will; hierum gerathen sie leicht in
soffen, tanzeten nod raseten in den Iiausern als ansinnige; naclihin
thaten sie sich zusammen, soffen, tanzeten, lenneten etliche nachte
durch und durch, dafs man kaum davor schlafen kunte. Bei solciiem
gottlosen nachttanze funden sich auch einige leichtfertige mägde, und
wohnten dem verfluchten handel bei.'
■) indicui. superstit 27. de simulacris de pannis factis, 28, quae
per campos portant.
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44« TODAUSTRAGEN
wortwecbsel und schlage.*) An andern lausitzi&clien orten
sind blofs Frauen mit dieser tod aus treibung bescbäftigt, und
leiden dabei keine männer. alle gelm des tags in trauere
Schleiern und binden eine puppe aus siroh^ der sie ein
weifses hemd überziehen, in die eine band einen besen,
in die andere eine sense geben, diese puppe tragen sie
singend und von steinwerfenden hüben verfolgt, zur
grenze des nächsten orts, vro sie sie zerreifsen. darauf
hauen sie im wald einen schönen bäum, hängen das hemd
daran, und tragen ilin heim unter gesängen.'*'*) Dieser
bäum ist ohne zw^eifel siunbild des eingeführten Sommers
statt des ausgetragnen Todes. Solch ein geschmückter bäum
wird auch sonst von knaben, nachdem sie den Tod fort-
geschalTt haben, im dorf herumgetragen und dabei sam-
meln sie gaben ein. Anderwärts tragen sie die puppe
herum, geschenke fordernd. Hin und wieder lassen sie
den Strohmann den leuten in die fenster gucken: in ei-
nem solchen haus wird der Tod das jähr über jemand ab-
holen, doch kann man sich mit geld lösen und die Vor-
bedeutung zeitig abwenden. In Königshain bei Görlii
zog das ganze dorf, jung und alt, mit strohfackeln auf
einen nahen berg , der todtenstein genannt, wo sonst ein
götzenhil^ gestanden haben soll, zündeten oben die fa-
ckehi an und kehrten singend heim, unter beständiger
Wiederholung der worle: den Tod haben wir ausgetrie-
ben, den Sommer bringen wir wieder.***)
Nicht überall aber scheint man sich unter diesem aus-
getriebnen götzenbild den Winter oder den Tod voi^steMt
zu haben ; namentlich in Polen ist es vielmehr die /le/W-
nische^ dem christenthum weichende gottheit^ welche
das Volk, in halber trauer, imter angestimmten klage-
liederu, von sich ausstöfst. Dlugoss f ) und nach ihm an-
dere berichten , auf könig Miecislaus geheifs seien alle
götzen im land zerbrochen und verbrannt worden, zur er-
innerung daran pflege mau in mehrern polnischen örtem
jährlich einmal oilder der Marzana und Zietvonia an
Stangen befestigt oder auf schleifen, traurige lieder sin-
*) laasitz. mag. von 1770 p. 84. 85 ans einer hs. 6e% Abrab.
Frencel.
**) Christ. Arnolds anhang zu Alex. Rossens nnterscbiednem got-
tesdienst. Ueideib. 1674 p. 135.
•••) Antous erster versuch über die alten Slaven p. 73. 74.
+) bist. Polun. Hb. 2 ad a. 965. Mattli. de Mecliovia chron. Po-
lort. 11. I, 22. Mart. Cromer üb. 3. ad a. 965. Mart. Hanke de Si-
le:>ioruni noniinibas p. 122. 123.
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SOMMBaFBST 4i7
gend f feierlich zum sumpf oder flujs tu fahren und zu
ersäufen *) ; gleichsam die letzte ihnen erwiesne huldigung«
Marzana \Bi nach Dlugoss erntegöttin, nach Frencel und
Schaffarik **) todesgöttin^ für unsre Untersuchung gleidi viel,
wenn nur eine göttin.
Tag dieses festes war die quarta dominica quadrage-
simae, d.h. der sonntag laetare, oder mitt fasten ^ halb-
fasten, auf welchen gerade auch in Böhmen, Schlesien
und der Lausitz das todaustreiben fällt, die Böhmen nen-
nen den tag smrtedlnay die Sorben Jsmerdniza ^ todten-
sonntag, er geht den ostern drei wocben voraus, wird
also fast immer im merz eintreten, einige verlegen ihn
eine woche früher, auf oculi, andere (zumal in Böhmen)
eine woche später auf judica. auch in der Rhein und
Maingegend ist aber laetare tag der feier, und heifst dort
sonwiertag.
Diese Übereinkunft in der zeit des festes ist unab-
weisbar, den alten Slaven, welche ihr neues jähr im
merz begannen , bezeichnete sie den an fang des jalirs,
zugleich des Sommerhalbjahrs, folglich ihres leto. den
Deutschen die ankunft des sommers oder frühjahrs, im
merz kehrt ilinen storch und schwalbe heim, blüht das
erste Veilchen. Allein die Slaven kennen keinen kämpf
ihres unpersönlichen leto mit dem Smrtj sondern dieser
abgehende, ausgetriebene gott hat dabei die hauptrolle.
unseru ahnen war eben . der beiden riesen streit das we-
sentliche des festes, und nur der verlierende PFinter
gleicht jenem Sinrtj der siegreiche Sommer steht ungleich
lebendiger da. Aufser dieser bedeutenden Ungleichheit der
slavischcu feier mit der deutschen, wie sie am Rhein und
Neckar statt hat, wäre auch schwer zu begreifen, wie^
sich eiue slavische volkssitte bis in den Odenwald und in
die überrheinische Pfalz hätte verbreiten sollen, so erklär«
licli sie an dem oberen Main, im Fuldischen, in Thürin-
gen und Meifsen sein würde. Noch entscheidender ist je-
doch die Wahrnehmung, dafs sie auch nicht allen Slaven,
sondern eben nur den Schlesiern, Lausitzern und Böhmen,
mit bedeutender abweichung der Polen, hingegen gar nicht
den Südslaven bekannt war, wahrscheinlich auch nicht den
*) auch der rassische Wladimir, nach geiner bekehrung, befiehlt
Penins bild an eiaeo pferdeschweif za biodeo, zu schlagen und in
den Dnieper zu werfen. Als man hernach den nowgonnier Perun
ebenso in den JVolchoiv geworfen hatte, begann dieser im ström über
die ondankbarlieit des Volkes laut zu jammern.
**) gesch. der slav. spr. p. 12 Marzana » Morjana,
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448 MAIRITT
ia Pommern, Mcklenbiirg und Lüneburg ansässigen« Wie
den Baiern, Tirolern gehl sie den Rrainern, Sieiermärkcrn,
Slovaken, ich denke auch den IVIährern ab; wie den
Pommern den Niedersachsen.*) Unter Slaven und Deut-
schen hat sie nur ein mittler strich des landes, ohne Zwei-
fel aus gleicher Ursache^ bewahrt. Ich leugne nicht , dafs
sie im höheren alterthum allen slavischen stummen, wie
allen deutschen gemein gewesen sein könne, ja für
Deutschland ist es mir beinahe imzweifelhaft, einmal weil
Nitharts und anderer ältere lieder schon für Ostreich zeu-
gen , dann aber, weil in Scandinavien , England und stel-
lenweise in Norddeutschlaud die sitte des Mairitts er-
scheint, die sich vollkommen dem rheinischen sommertag
im merz identificiert.
Olaus Magnus 15, 4 meldet» die Schweden und Go-
then haben feinen brauch, dafs in den statten die ober-
keit den ersten tag meiens zwei geschwader reuter von
starken jungen gesellen und männern versammeln läfsl,
nicht anders als wolt man zu einer gewaltigen sclilacht
ziehen, das ein geschwader hat einen rittmeisler, welcher
unter dem nanien des fi^inters mit vil pelzen und ge-
futterten hleidern angethan und mit einem winterspiefs
bewapuct ist: der reitet hoffertiglicU hin und wiedar, wirft
schneeballen imd eisschemel von sich , als wolle er die
kelte erlängern, macht sich ganz unnütz, hergegen hat
das ander geschwader auch einen rittmeister, den heifst
man den Bluniengraven ^ der ist von grünem gezfveig^
taub und blumen^ bekleidet, auch mit andern Sommer-
kleidern angethan und nicht fast werhaft, reitet mitsampt
dem winlerhauptmann in die sladt ein, doch ein jeder an
seinem besondern ort und Ordnung, halten alsdann ein
ofPentlich siechen und turuier, in dem der Sommer den
fVinter überwindt und zu boden rennet. Der Winter
und sein gefolge werfen um sich mit ascho und funken,
das sommerliche gesinde wehrt sich mit birkenmaien und
ausgeschlagnen lindenruten ; endlich wird dem Sommer
von dem umstehenden volk der sieg zugesprochen.
Hier ist gar keine anspielung auf den Tod, alles w^ird
nach deutscher weise blofs zwischen Sommer und fVin-
ter abgelhan, nur hat sich der einfache aufzug unserer
•) jene» holsteinisclie iimgelin (omgaan) mit Hern fudis («.4.^)
soll nncli Sclintze 8, 165 im sommer, also nicht auf lätare gefrli«lia
3ciD, und (lau gcsuiigoe Hed hat keinen ausdrücklichen t>ezag auf
soamer und winter.
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MAIRITT 449
landleute mehr in ein turnierartiges geprSnge des reicheren
Stadtlebens verwandelt; dafür nimmt sich dieses führen
des Mais in die sladt (schonisch ^Jora somma i by) rein-
licher, stattlicher aiis^ als der ärmliche aufzug bettelnder
kinder, und ist in der that eine höchst poetische^ das ge-
müt ergreifende Vorstellung. Solcher maispiele gedenken
altschwedische und dänische chroniken, stadtordnungen
und urivunden öfter als einmaL Adel und könig nahmen
uicht selten theil daran, es war eine grofse allgemeine
volkslustbarkeit. der majgrefve (maigraQ zog blumenbe*
kränzt unter mächtigem geleit durch strafsen und dürfer,
gastmale und reihentanz folgten. In Dänmark begann der
ziig auf walburgistag, man nannte es: den Sommer in
das land reiten^ at ride Sommer i bye, die jungen män-
ner ritten voran , dann der maigraf (floriger) , mit zwei
kränzen, über jede Schulter, das übrige gefolge nur mit
einem kränz; in dem ort wurden lieder gesungen, alle
Jungfrauen bilden einen kreis um den maigrajen und er
vrälilt sich eine darunter zur majindey indem er den
kränz auf sie wirft, des Winters und seines Streits mit
dem Mai gedenken die schonischen und dänischen feste
nicht mehr, in manclien Städten hatten sich förmliche
mctjgrevegilde gebildet.*)
Dieses mai reiten, diese mmgrafen waren nun auch
in Niederdeutschland althergebracht; das scheint eben die
Ursache, warum dort jen^s mitteldeutsche Sommerankün*
digen auf laetare nicht im schwang gieng. in nördlichen
gegenden konnte das erst mit an fang mais einkehrende
frahjahr nicht schon im merz gefeiert werden. Vielleicht
war auch die maifeier in älterer zeit allgemeiner in
Deutschland, oder greift die Unterscheidung bereits in den
Wechsel der merz und maiversamlungen des volks?**)
Des maigreifen zu Greifswalde iin j. 1528, auf ersten
mai 9 erwähnt 'Sastrow in seiner lebensbeschreibung 1, 65.
66 beiläufig; genauere nachrichten über die fortdauer des
mairitts zu Hfldesheim, wo der schöne brauch erst im
18 jh. erlosch, sind neulich gesammelt worden.***) Sobald
*) Ihre s. T. mfijgrerve. ikräordning for Knntsgillet i Lund a.
1586 $.123 — 128 in Briogs monum. scaneosia p. 207 — 210; uiul für
Malmo ebendas. p.2U. Er. Tegel Iiisturia Gustavi I. 1« 119. Nye-
rup danskc digtek. 1, 246. 2, 136. 143. Thiele 1, 145—158. vgl.
200; der maigreven in Ribe gedenkt Terpager in Ripis cimbricis p.
723 und iu Wildas gildewesen p. 285 ge«cliielit des aalborger maigre-
vea aus einen) «tatut des 15 jh. erwahnung.
'*) vgl. RA. 821 — 826 über die geridiUzeit.
***) Kokens und Luntzels mittheiluugen 2, 45 — 61.
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4S0 MAIOITT
der maigreve, gegen pfingsten, erwählt war, batten die
holzerben in der Ilse aus sieben dörfern den maifvagea
zu hauen : alles gehauene buschwerk mufs aufgeladen, im
walde dürfen nicht mehr als vier pferde vorgespannt wer-
den, ein feierlicher zug aus der Stadt holt den wagen ah,
burgermeister und ratli empfangt von den holzen den
maikranz und übergibt ihn dem maigreven. der wagen
enthält 60 — 70 bunde mai, wekhe dem maigreven zu-
kommen und dann weiter ausgetheilt werden, klöster und
kirchen empfangen grofse bunde, auf alle thürme wird
davon gesteckt, der boden der kirche ist mit geschoraem
buchsbaum und feldblumen bestreut, der maigreve bewir-
tet alle holzerben, mufs ihnen aber nothwendig krebse
vorsetzen, tjberall ist hier nur von dem einholen des
maiivagena aus dem wald in die Stadt unter fi^erlichem
geleite des maigrafen , nicht mehr die rede von den
kämpf, den er gegen den Winter zu bestehn hat. Wie
sollte dieser kämpf in älterer zeit gemangelt haben?
gewis war er da, und erst allmälich liefs ihn die aitte
weg. ja sie wurde noch genügsamer: in holsteinischen
kirchspielen begeht man den an fang des mais so, dafs
man einen bursch und ein mädchen mit laub und blo-
men bekränzt und unter musik in ein Wirtshaus geleitet»
wo gezecht und getanzt wird: sie heifsen maigreu und
maigrön d. i. maigräfin (Schütze 3, 72.) In Schvraben
gehen die kinder mit Sonnenaufgang in den w^ld, knaben
seidne tücher an Stäben, mädchen bänder an zwdgen
tragend; ihr fuhrer ist ein maihönig^ der sich eine kö-
nigin wählen darf. Noch jetzt läfst man sich im übrigeB
Deutschland zu pfingsten*) maibüsc/ie in die häuser tragen:
man holt sie nicht selbst, noch geht man ihnen entgegen.
Auch England hatte bis in das 16. 17 jh. ähnliche
mqygames oder mayinga. am ersten maitag zogen kurz
nach mitternacht knaben und mädchen , Jünglinge und
Jungfrauen, mit musik und hornbläsern, in einen nahen
wald, wo sie äste von den bäumen brachen und sie mit
sträufsen und blumenkränzen schmückten, dann kelirten
«ie heim uud pflanzten bei sonnenaufgangVcliese maibüsche
in thüren und fenster der häuser. Vor allem aber brach-
ten sie aus dem wald einen grofsen gehauenen maibaum.
maiepole oder maipoll genannt, mit nach haus: zwan-
zig oder vierzig joche ochsen , jeder ochs mit einem
*) daher schon im mtttelalter die mai oder pfingsthofhaltansei
Reinaert 41 if.
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SOMMBRFEIBR 451
blumengtraofs zwischen den hörnern, zogen ihn; dieser
bäum wurde im dorf aufgerichtet und um ihn herum ge-
tanzt, den Vorsitz über das ganze fest führte ein eigens
erwälüter lord of the 7nay , dem dann noch eine lady
of the may beigegeben wurde.*) Rein Winter und kein
Zweikampf mit dem Mai, auch kein aufzug zu pferde;
aber der mal pole ist ganz der niedersächsische maiwagen,
der lord of the may der maigraf.
£s sind also überhaupt vier verschiedene weisen des
ftommerempfangs, die wir kennen gelernt haben« in Schwe-
den nud Gothland kämpf des Winters und Sommers, feier-
licher einzug des letztern. in Schonen, Dänniark, Nie4^r-
sachsen und England blofser mairitt oder einholung des
jnai Wagens, am Rhein blofser kämpf zwischen Winter
und Sommer, ohne wassertauche**), ohne den pomp des
einreitens. bei Franken, Thüringern, Meifsnern, Schle-
siem, Böhmen blofses austragen des winterlichen Tods,
ohne kämpf und einführung des Sommers.***) Die erste
und zweite feier fallt in den mai^ die dritte und vierte
in den merz, an beiden ersten nimmt das ganze volk
theil, in ungeschwächter freu de ; an beiden letzten nur
der geringe, urme stand. Die erste und dritte weise hal-
ten aber noch die volle idee des aufzugs, den Wettstreit
der jahrsge walten fest, während die zweite und vierte des
gegensatzes entbehren« dem mairitt geht der Winter, dem
todaustragen der Sommer ab, dort ist die feier zu fröh-
lich, liier zu traurig geworden. In allen drei ersten wei-
sen wird aber das gefeierte höhere wesen durch lebendige
personen, in der vierten durch eine puppe repraesentirt.
Nun kann sich ein blick noch nach andern Seiten
hin aufthun.
Des kampfs zwischen T^etr und Sumar geschw eigen
altn« Überlieferungen-}-), wie manches andern, das unter
*) näbere bescbreibang bei Jos. Stnitt ed. Lond. 1830 p. 351 — 356
**) verschieden ist also, wenn vor alters alljährlich am lichtmesse
(2 febr.) von den frankfurter knaben und mädchen ein ausgestopftes
ileid in den Main geworfen und dazu gesungen wurde; 'Reuker
Uder schlug sein mntter, schlug ihr arm und bein entzwei, dafs sie
mordio schrei.' Lersners chron. p. 492. das lied lasse ich unerklärte
***) wiewol der gegensstz des Sommers in den böhmischen und
Uusitzisclien liedern oder gebrauchen einigemal deutlich henorbricht
f) Biun Magnussen, überall geneigt, mytiien naturerscheinungen
nnterznlegen , findet den gegensatz zwischen sommer und winter
mehr als einmal in der edda^ versteckt: in FiölsvinnsmAl und Har-
bardsliod (th. 2, 135. 3, 44 deiner edd»), in der sage von Oller und
Othin bei Saxo (th. 1, 196. lex. 765), in der von Thiassi (lex. 887.)
29'
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452 SOMMERFEIER
dem Tolk fortlebte. Die idee des einziehenden^ hAbrfan»
genden^ alles neubelebenden aommergottea ist ganz im
geist unseres frühsten altertliums : ebenso sieht Nerihoa
in das land (s. 152), Freyr (s, 139), Isis (s. 158), Halda
(s. 165), Berhta (s. 171), Cisa (s. 188), Fricg (s. 193) und
andere gotthehen mehr, deren vragen, deren schif dai
freudige volk jubelnd einholt, yrie den wagen des Mai.
Alle diese götter und göttinnen erschienen 2u bestiaimtett
Zeiten des jahrs , eigenthümliche gaben verleihend. Dt«
älteste mir bekannte spur eines wettkamnfes der jahrsaBei*
ten unter uns ist aber Jener conüictus niemis et tßerie^
der sich um den kukuk dreht (s. 389.)
Den Griechen und Römern war die idee nicht fremd;
in einer äsopischen fabel (Cor. 422. Für. 380) hadern
j^H/udp tmd ^ag untereinander.*) die Latiner feierteu tbä
per sacriim (Liv. 22 , 10), das zumal dem Mars gefaeil^
war, wie sie auch im frühjahr zu felde zogen. Dieses
ver begann schon mit dem 7 febr., die erste schwalbe traf
ihnen ein den 26 febr., während sie bei uns gegen ende
merz, in Schweden anfangs mai ankommt/*) Ich bin
nicht unterriditet, welche frühliugsgebräuche bis auf heute
sich in Italien erhalten haben. Polyd. Vergilius (aus Ur^
bino in Umbrien) erzählt (de invent. rer. 5, 2) : est coa*
suetudinis, ut Juventus promiscui sexus laetabunda cal. maji
exeat in agros^ et cantitans inde viridea reportet arborum
ranio9t eosque ante domorum fores ponat^ et deniqne unusqois-
que eo die aliquid viridis ramusculi vel herbae ferat, qiiod
non fecisse poena est, praesertim apud Italos, ut madefiat;
also auch wassertauche, ein solches maifest kann doit keta
einholen des frülilings sein, der früher im merz erscheint.
Viel merkwürdiger ist der italienische und spanische
gebrauch, zu mittfasten, auf jene dominica laetare, eine
puppe zu binden, welche das älteste weib im dorfe vor-
stellt, von dem volk, zumal den kindern binausgefioiiTt
und mitten entzwei gesägt wird, das heifst segare la
pecchia. In Barcellona laufen an diesem tag die knaben
zu dreifsig oder vierzig durch alle strafsen, einige mit sä-
gen , andere mit scheitern , andere mit tüchern in weldie
bei letsterm gründet sich alle Ähnlichkeit daninf, dafii Odhioa des
getödteten riesen äugen gen himmel «etat (s. 416), dem Winter aber
die aogen ausgestocfien werden sollen (s. 441) $ ich habe es keia
hehl, solche vergleichnngen widerstehn mir.
*) Creuzer symb. 2, 429. 494 macht (nach Hermanns namendes^
tsog) aus dem riesen Briarens einen kämpfenden winiermnhold^
**) Tiedemanns Zoologie 3, ^4.
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DIB ALTE SÄGEN 458
man ibnen geschenke legt, sie singen in einem liede, dafa
sie die aller älteste Jrau der staät suchen, um sie, zu
ehren der mittfasten durch den leib entzwei s^u «ä-
g'en. sie thun endlich, als hätten sie die alte gefunden
und beginnen etwas entzweizusagen und hernach zu ver-
brennen.*) Die nemliche gewohnheit findet sich aber
auch bei Südslaven. In der fastenzeit erzählen die Croa*
teo ihren hindern , um die mittagsstunde zersäge man
aufsen vor den thoren ein altes weib**)] und in Krain
heilst es viriederum, zu mitt fasten werde ein altes weib
aus dem dorf geführt und mitten durchsägt***) Dies
zersägen und verbrennen der alten frau scheint nun ofil^n-
bar identisch mit dem austragen und ersäufen des Tods,
und wenn unter diesem der Winter, ein riese verstanden
■wurde, könnten sich romanische und südslavische Völker
die hiems , die zima , als ein altes weib (slav* baba) ge*
dacht haben ?t) Dazu kommt, dafs auch in meifsnischen,
schlesischen dörfern das ausgeti^agne strohbild zuweilen die
gestalt einer alten frau hat (s. 443) und darunter jene
polnische göttin Marzana (s. 446) gemeint sein könnte?
Ks sollte mich nicht wundern, wenn in bairischen,. tiro-
lischen, schweizerischen gegenden ein ähnliches durchsä-
gen der alten frau+f) nachgewiesen würde.
Aber auch in Niederdeüischland zeigt sich noch eine
andere, nicht weniger bedeutsame, annäheruug. oben s«
128. 129 ist der hildesheimer gewohnheit meidung ge?
schehn, auf Sonnabend nach laetare den sieg des christenr
thums über die heidnischen götter durch ein niederwer^
fen hölzerner klotze darzustellen. Schon die einstim^
niende zeit dieser feierlichkeit mufs darauf leiten sie jener .
altpolnischen, und dann auch dem todanstragen an die
Seite zu setzen; man braucht gar nicht einmal die Ver-
drängung der alten götter mit der Vertreibung des Winters
in berührung zu bringen. In des Geo. Torquatus (unge-
*) Alex. Lsborde itineraire de rBspagne 1, 5T. 68,
**) AntoDS versQcli über die Slaven 2, 66.
•••) Linharts gesell, von Krain 2, 2T4.
f) doch ital. invernoi span. inviemo männlich.
•ff) in Schwaben und der Schweiz hat man ans fr6ofasten (d, i.
den qnatembern, Scbeifers Haltaus p. 53) eine frau Faste ^ gleichsam
eioe pereoBification der fastenzeit gemacht (Stald. 1, 894. Hebel s.v.)
sollte jenes entzweischneiden der Mittfaste ein zertheilen der fastenzeit
bezeichnen? ich glaube nicht Was bedeutet die redensart and der
gebrauch, dessen ein auCiats über den caUiol. aberglauben des ]6jh.
(Porstemaons urk. b«di des aogsb. rekbstajss von 1530. Halle 1888
d. 101) gedenkt: ^der Fakten den hals brechen'^
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454 KLOTZABWERFEN FLIEG. SOMMER
druckten) annal. magdeb. et halberst. part. 3. libr. 1 cap.
9 wird erzahlt, dafs man auch zu Halberstadt, wie dort
zu Hildesheim, alljährlich auf dem markt einen Hotz hiu-
gestellt und ihm den topf abgeworfen habe, euien be-
sDndern namen, wie der hildesheimer Jupiter, führt der
klotz nicht; es ist nicht unwahrscheinlich, dafs in der
richtung dieser beiden Städte auch noch an andern orten
eine gleiche silte herschte. Zu Halberstadt dauerte sie bis
auf den markgrafen Johan Albrecht.
Diese niedersächsische abwerfung, jene polnische ab-
dankung der alten gotter hängt also nicht nothwendig mit
dem einbringen des sommers zusammen , so passend es
sein würde, das eingeführte christenthum dem milderwär-
menden sommer zu vergleichen, ich finde in dem polni-
schen gebrauch wenigstens keinen solchen bezug ausge-
sprochen. Dagegen war den Polen die Vorstellung des ein-
gebrachten sommers sonst nicht unbekannt. Eine cracaiii-
8che sage enthält, dafs Lei und Polel^ zwei göttliclie
Wesen des lieidenthums, sich auf dem felde herumja"
fen, und den Sommer bringen; von ihnen komme
er fliegende sommer her.*) man müste die ganze Über-
lieferung genauer kennen, um ihr die rechte stelle anzu-
weisen. Lei und Polel werden gewöhnlich mit Castor und
PoUux verglichen (Linde I. 2, 1250^), denen sie wenigstens
darin ähnlich sind, dafs ihre namen, schon in alten
Völksliedern, eine blofse interjection abgeben**), wie den
Römern jene halbgötter eine betheuerung (s. 202.) Flie-
genden sommer y flugsommer, sommerflug, gras wehe
nennen wir die weifsen faden, womit im beginn des früh-
lings, zumal des herbstes die felder .bedeckt sind; das
frühlingsgewebe heilst auch m.ädchen sommer y Mariengarn,
Marienfaden (s. 265), das herbstgewebe nachsommer,
herbstgarn, atteweibersommer ^ doch gewöhnlich werden
beide arten ohne unterschied mit einem oder dem andern
namen belegt, niederd. slammetje (brem. wb. 4, 799) das
Schleppmädchen? 5 engl, gossamer (gottes schlepp, schlei-
fendes kleid), auch blofs samar^ simar (sclilepp.) scliwed.
dvärgsnät (zwergsnetz) ; böhm, wldcka (die egge, weil
die faden den grund wie eine egge durchstreifen?); poln.
*) hall. allg. 1z. 1807 no. 2f>6. p. 807.
**) poln. lelam , poleliim ; serb. lele ^ leljo , lelja (Vok i. t-)
walach. lenim (?gl. liromlanim, verba efTutitla.) Bedenklich scheiit
ee mir, sie für söhne der Lada so erklären, ¥^e Oiiftor und FoUin
söhne der Leda sind.
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LAUBEINKLEIDUNG 456
lato 8wlf to maränskie , d. h. Mariensomnier. der lieOigen
Jungfrau name scheint auch hier zum ersalz oder zur Ver-
drängung heidnischer begriffe gewählt , und man sieht ein,
"Wie die Slaven das gespinst von einem ihrer gülter über
die erde gebreitet glauben konnten. Zugleich aber heifjt
das herbstliche poln. habie latOj aller w^eiber sommer,
böhm. babske leto^ oder blofs babj^ w^bei man sich
-^eder jenes gegensatzes des alten w^eibs zum sommer (s.
453) erinnere, im hinter herscht die alte, im sommer
der gott« sollten sich auf das in der luft fliegende gewebe
vielleiciit die worte des s, 445 angeführten wendischen ge-
sangs deuten lassen?
Ich hoiTe das alter und die bedeutsanikeit der vor-
sleliungen von Sommer und Winter hinlänglich gewiesen
SU haben, ich möchte nur einen punct näher ausführen.
Das einkleiden der beiden Vorkämpfer in laub und blu-
meny in st roh, und moos, ihre wahrscheinlich geführten
-wechselreden, der zuschauende begleitende chor zeigen
uns die ersten rohen behelfe dramatischer kunst, und von
solchen aufzügen mäste die geschichte des deutschen Schau-
spiels beginnen. Die volkssitte bietet noch eine menge
abänderungen dar, hier hat sie ein stück, dort ein ande-
res des älteren ganzen bewahrt. In der niederhessischen
grafschaft Ziegenhain, bei WiUingshausen, wird ein kuabe
über und über mit laub bedeck^ grüne zweige sind ihm
an den leib gebunden: andere knaben haben ihn am seil
und lassen ihn als baren tanzen, dafür wird eine gäbe
gereicht, die madchen ti^agen einen bügel mit blumen und
bändern ausgeziert, merkwürdig, dafs auch bei jenem ke-
gelabwerfen zu Halberstadt (s. 454) ein bär und ein knabe
mit Schwert (vgl. oben s.'i93) in der procession erscheint.*)
Wildepur (alis. Wildefor), ein alter held, in bärenhaut
verkleidet, wird von einem spielmann* herumgeführt und
tanzt zur haffe.**) Von der laubtferkleidifng hatten wir
s. 335. 336 beispiele, denen ich hier noch einige hinzu-»
fuge. Auch Schmid (sohwäb. wb. 5 IS*') gedenkt des augs-
burger wasservogels : ein junge, von kopl bis auf die füfse
mit schilfrolir umflochten^ wird zur pfingslzeit von zwei
*} Scheffers Haltaos p.218 aus dem ODomasticon des Johaooes
TitiaDus, monacbos piroea^iis.
**) Vilk. saga cap. 120, 121; niclit zu überselin, dafs ihm der
tpielmaau deu namen ^vitrUo* (kluger löwe) beilegt, was offeabar
^vitrhionC beifäeo sollte, deoii eia bär bat zwölf mäaner verstand
(Reiob. p. 445.) , der volksmäfsige wird mit dem gelebrteu tbierköaig
Terwechseit.
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456 LAUBEIN&LBIBUNG
andern y die birlenzweige in Uuiden halten , darch die
Stadt geführt« wieder eine feier im mai, nicht im merz,
dafs dieser 'wasservogel in den bach oder flufs getaucht
werden soll, zeigt sein name; ob aber hier der Sommer
Statt des Winters stehe, ob der schilfknabe den \'\'inter,
cm andrer laubkuabe vielleicht den Sommer bedeute, oder
der verkleidete regen erwirken solle? lasse ich unent-
schieden. Auch thüringische brauche weisen auf die pfingst-
zeit: dort wählen sich die dörfer am dritten festtag den
grünen mann oder latticlitönig ; ein junger bauer wird
m den wald geleitet, in grüne husche und zuneige ge-
hüllt ^ auf ein pferd gesetzt und jubelnd zurückgeführt,
im dorf steht die gemeinde versammelt: der Schulze inuTs
dreimal rathen, wer in der grünen hülle verborgen s^?
fehlt er, so hat er sich mit hier zu lösen.*) AnderwärU
wird schon am ersten pfingsttage der knecbt, der seiJi
vieh am spätesten zur weide treibt, in tannen und hir^
heri zweige gehüllt und unter lautem geschrei 'pfingstsclilä-
fer^ pfingstschläfer !' durch das dorf gepeitscht. abends
folgen bierzechen und tanze. Im Erzgebirge klatscht der
am ersten pfingsttag zuerst austreibende hirte mit der peit-
sche, der zuletzt erscheinende wird verlacht und 'pfingrt-
lümmel' gescholten: so auch in jedem haus, der zuletzt
im bette augetroflene. Das verschlafen der hehren fest-
lichen zeit (vgl. 8. 332. 336) und die damit verbiindne
strafe 9 den bulzen zu agieren, der ins wasser getaucbt
wird, scheint mir nur nebensache, welche man, nacbdem
die hauptfeier untergegangen war^ zulängst aulrecht ludt»
') reiciisanz. 1796 no. 90. p. 947.
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ZBIT 45r
CAP. XX. WELT.
Im Torigen cap. haben wir mylhen erwogen ^ die sich
auf den -Wechsel der zeit, auf die erscheinungen des jahrs
beziehen, unsere spräche selbst gibt hier einen Übergang
ans dem begriffe der zeit in den des raums an band.
Neulich erst ist der ausdruck gefunden worden , des-
sen sich Ulfilas für die fortschreitende, rollende zeit be-
dient; bisher kannte man nur das goth. jh^l^ xatgoGf
zeibnafs, und hveila^ ygovog im sinn von wga, weile;
aber jmovoQ tempus (oder xaigogy wenn es diesem ent-
spricht) heifst theihsy gen. . theihsis (Thess. 5, 1. Rom. 13,
11) eine form, die uns bisher entbehrte aufschlüsse über
die Wurzel des worts gewährt, dafür halte ich unbedenk-
lich theihan (crescere, proficerej, wovon das subst. gebil-
det ist, wie von veihan (pugnare) veihs, veihsis (propugna-
culum, vicus, castrum.) aus goUi. veihs wird, mit unter-
drücktem S, ahd. wih, folglich könnte jenem theihs ein
ahd. dlh entsprechen ; allein wir finden mit andrer ablei-
tung und verrückung der consonanzstufe zti^ altn. ttd
oder itdhy welche unzweifelhaft für ahd. dtt y altn. thfd
stehen*), d.h. goth. tJieihatha'i ein fem. gleichbedeutig
dem neutr. theihs. hiernach steht aber ferner das ags.
masG« ttmaf altn. ttmi für th/ma, dieses für thismu
(goth. theima=theisma) wie bMma = blösma, und nahe
liegt das ahd. deismo (goth. thaisma?) profectus. nun er-
gibt sich auch, nach den stufeh t. tu. d, die Verwandt-
schaft des lat. tempus^ tlieihsma, dthamo.
Lange dauer der zeit drückt das goth. div, gr. almv,
lat. aepum aus» was sich mit dem begriffe von aeculum,
ahd. weraltj ags. pitroldf altn. pärald berührt, diese
letaten bedeuten eigentlich aetas, zeit, gehen aber in den
räomlichen gedanken von mundus über, gerade yne secu-
lum, Si^cle zuweilen gleichviel sind mit mundus, monde.
Ulfilas hat noch kein vafralds, wol aber wechselt er
unmittelbar hintereinander mit den Wörtern fairhvus und
tnanaaStJiSj um noofios zu übertragen«**) beide müssen
') vgl. oben s. 227 die anm. ober verirrungen des t. d. a.
**) vgl. B. b. Jairhpus Joh. 17, 5. 6. II. 12. 14, 15. 24 «ud
manatiihM Joli. 17,9. 18. 14. 18. 21. 25.
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458 WELT
dem Gotlicn ganz geläufig gewesen selrty der letztere scheiiH
zu bedeuleu: mcnsclicnsaat. fairhvus halte ich für uafa-
verwaudt dem ahd. färah, ags. feorh, mhd.verch, so dafs
es wiederum ausdrückte: lebenszeit, jenes aevum; auck
gehört dazu der ahd. pl. firaht (homines); faIrh?U8 wäre
coelus hominum viventium, dann der räum, in dem sie
leben.*) fairguni (erde, berg) scheint abseits zu Hegen.
Wie aoGfioe eigentlich did geordnete, im mafs gehal-
tene > mundus die geschmückte, glänzende -weit bedeiitet,
so ist auch den Slaven svjetj 8Pet, swiat erst licht, glänz,
helle, dann weit, das ofhe, öffentliche,**) gleichsam alles
was die sonne bescheiut und erleuchtet, wie das lett
pasaule (unter der sonne) weit ausdrückt, von der slar.
spräche entlehnt ist das litth. swietaa^ altpr. awitai, weh.
gleich dem lat. mundus geht auch das slav. svjet über in
den begril von seculum, vjek (Dobr. inst. 149.) Die il-
teren Slaven gebrauchten aber für weit mir und ve^ndr
(Dobr. a. a. o.) mir bedeutet sonst friede , ruhe , und
scheint verwandt mit mira, mera, mafs, Ordnung? Den
Finnen heifst die weit m.aaHlm,a^ den Ehsten ma ilm^
von ilma leerer luftraum und maa erde.
Altn. Äei/wr, die bewohnte weit, heimahrtngla , or-
. bis tcrrarum. Ulf. gibt oUovfiivfj Luc. 2 , 2 durch wirf-
jungarda^ dem das ags. middangeard (Cadm. 9, 3. 177,
29. ßeov. 150. 1496) ahd. mittingart Is. 540. 385. 386.
408. fragm. theot. 17, 6. mittigart fragm. theot. 17, 3. 20,
20. 25, 9. mittiligart gl. Jun. 216. T. 16, 1. mittilgart
ar. 155, 1. 178, 2. 179, 1, alts. m/rfrfi7^ard entspricht;
altn. mid/igard/ir Seenu 1*> 45» 77»> 90* 114»^ 115*> Sn.9.
10. 13. 45. 61; noch ein schwed. Volkslied 1^ 140 hat
medjegHrd. altengL middilerd^ medilearthy wie dai
gr. /iteaoyala* Fischart setzt Garg. 66* mittelhreifs. Dit
ganze, gewis uralte, Zusammensetzung ist darum so merk-
würdig, weil sie unsern frülisten ^rachdenkmälcrn ge-
mäfs und zugleich genau eddisch ist. Aufserdem lieifit
aber auch, in ähnlicher einstimmung die weit alln. Oe^
gieheimr S»m. 124*> 125* ahd. merigarto , mhd. met'
garte ^ d.i. die vom ocean^ vom meer umflossene, vgL
*) darf man das romaniscbe parcus (ital. parco, frana. parc) d.ik
eiogebegter räum , garien , thiergarteo vergleichea ? ags, peQrroc {sa^
tiis, clausura, septom ferarum) parch lex Bajuv. ix. 2, 3. die erde
und weit hcifiit nü^ysxngards und paradis soll garten» tliiergartes
bedeuten« warum aber braucht Ulf. fiairhvus nicht fär paradis?
**) etwas ans licht geben, der weit mittbeilen, serb. na iv^
izdatl. auch ungr, pildg lux und mondus.
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WBLT 459
gotb. marisam (ocean) iid3 meriherti (aellieruira) *) Diiit.
1, 250. Endlich alid. woroltring O. IL 2, 13. III. 26,
37. IV. 7, 11. V. 1, 33. 19, 1. erdring 0. I. 11, 47.
mhd. etdrinc Mar. 198. 199.
Nach der edda windet sich eine ungeheure schlänge^
der midhgardhs ormr^ um den erdkreis; oifenbar das
•Weltmeer. Als Alexander, der sage zufolge, von greifen
hoch in die lüfte getragen wurde, seilten ihm das meer
gleich einer achlange sich um die erde zu llecliten. Fi-
6 Charts Garg. 221*>' Jene weltschlange war aber kind des
Loki, bruder des Fenrisülfr und der Hei; sie hiefs lör^
mttngandr (Sn. 32) , die grofse, göttliche (vgl. s. 208) und
sperrt , gleich der Hei , den rächen (8n. 63.)
Aus allem erhellt , dafs sich die Vorstellungen zeit,
Zeitalter^ weit, erdkreis, erde, licht, luft, wasser manig-
fach mischen; ring in erdring weist hin auf die kugel*
gestalt der ^e und auf planetarische drehung. Das goth.
jnanasSihs und wol auch das ahd. wSralt zeigen deut-
lich auf räume und Zeiten hin^ die von menschen er-
fällt werden.
Von erschaffung der weit und der erde haben sich
keine bestimmten nachrichten aufserhalb dem Norden er-
halten, daher übergehe ich auch die nordischen.
Insofern weit oder heim blofs im afigemeinen aufent-
haltsort bezeichnen, sind verschiedne weiten denkbar,
Völuspd (Ssem. 1*) nimmt neun weiten und neun firmof
mente (Ividhir) an, vgl. 8aem. 36*^ 49», wie auch neun
himmel (Sn. 222*>) gelten, das stimmt zu der vorwalten»
den heüigkeit der neunzahl, im mittelalter wurden neun
düire der engel behauptet (fundgr. 101, 40), was ich hier
absichtlich ni^ht weiter ausführe.
Von diesen weiten, die nicht aufenthalt des lebendi-
gen menschengeschlechts sind, fordern nähere Untersu-
chung: die ilammenwelt, die todtenwelt und das paradies.
alle aber stehn mit der oberweit, d. h. der menschbe*
wohnten in gewisser Verbindung, und es finden Übergänge
atatt aus einer in die andere.
Die altn. lehre nimmt einen weltbaum Yggdrasil
an, der himmel, erde und hölle verknüpft, der gröfste,
heiligste aller bäume, es ist eine esche (askr), deren äste
dui*ch die ganze weit treiben und über den himmel hinaus
reichen, drei wurzeln breiten sich nach drei enden aus,
die eine schlägt nach den aseu^ in den himmel, die an-
*) jenes finaisclie ilma%
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460 WBLTBAUM
der« nach den hrtmthursen, di# drittt nacli der unfer-
-weit, unter jeder Wurzel quillt ein wunderbarer bninne,
nemlich bei der himmlischen wurzel Urdfiarbrunnr (s.
230), bei der riesischen Mtmiabrunnr ^ bei der hölti-
sehen Hvergelmir (oder gemlir) d. i. der rauschende oder
der alte kessel, olla Stridens, vetus. alle diese bnmnoB
sind heilig: am Urdharbrunnen halten die äsen und wsr»
nen ihr gericht, des riesenbrunnen hütet ein weiser mann
namens Mtmir (s. 222), ich weifs nicht ob selbst alt-
kluger riese oder held? aber fast ein halbgöttliches weses.
jeden tag schöpfen die nornen wasser aus ihrem bnui-
nen^ und begiefsen damit der esche Sste: Am^ waner
ist BO heilig y dafs es allen dingen, die in den brunoen
kommen y eiweifse färbe mittheilt; von dem bäum trtelt
bieneu nährender thau, das nennt man hunängsfail (b»-
nigfall.) Auf den ästen, an den wurzeln des baums sitvesn
und springen thiere: ein adler, ein eichhorn, vier bir-
•che, schlangen, sämtlich mit eigennamen ausgestattet,
die der hirsche stehn sonst auch zwergen zu, besonders
Ddinn und Dvalinn. I^tdfüiöggr (male pungens, cae*
dens) heifst die schlänge^ sie liegt unten bei Hvergelmir
und nagt die Wurzel, zwischen ihr und dem oben sitzen-
den adler sucht Ratatöahr*)^ das auf und nieder lau-
fende eichliom, zwist zu stiften, des adiers name bleibt
ungenannt, er ist ein kluger, vielwissender vogel, inmit-
ten seiner angen sitzt ein habicht^ yedrjölnir**)
In dieser ganzen vorstdlung ist altes geprfige, aber
lange nidit vollständig scheint sie entfaltet, wir erfahren
etwas von dem feindlichen Verhältnis zwischen adler und
schlänge und dafs es durch Ratatöskr unterhalten wird, nidils
von der bestimmung des habichts und der hirsche. Versuchte
deutungen des Yggdrasil gehen mich nichts an ; ich habe hier
niu* die seltsame ***) einstimmung einer tieforientalischen tni-
ditiou anzugeben. Im arabischen Calila und Dimna wird das
menschengeschlecht einem manne verglichen, der einen de*
fanten fliehend sich in tiefem brunnen birgt: oben hält ec
sich mit der band an dem zweig eines Strauchs, unten
stellt er die füfse auf einen schmalen rasen, in dieser
*) in dem w<Nrt liegt rata (eltbi, permeare) goth. vraiSn^ wak
viellekiit taska, pl. töskur, perai peram pefoiaaas? Nadi der he«^
gen volles« n^chaunng von wäMern tritt das eichhom weseatUcb tierror,
vgl. RA. 497.
**) des adle» freund, denn haukr t homi (habidit im winkeO
bedeutet einen verborgnen ratligeber.
***) von mir schon AW. 1, 77— 80 walirgeaommne.
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l¥fiLTBAUM 461
aogBtvoIltD sleDung sieht er zwei mause ^ eine «(^warze
und -weifse die würze! des Strauchs benagen, tief unter
seinen iüj'sen einen schrecklichen drachen den Schlund
aufsperren 9 oben am raud den elefanlen harren , aus der
wand vier wurinhäupter ragen, die den rasen unter«
graben ; zugleich aber trieft aus einem aale der Staude
Ihonigseun ^ den fangt er gierig mit seinem munde auf/)
Hieraus wird ein tadel des ieichlsinns gezogen, wenn der
mensch in gröfster bedrängnis doch nicht dem reiz eines
kleinen genusses zu widei^stehn vermag. Die fabel ist
nun nicht nur durch die hebräische, lateinische und grie-
chische Übertragung des ganzen buchs frühe und weit ver-
breitet worden**), sondern hat auch noch andere wege
eingeschlagen. Joh. Damasceuus nahm sie (um 740) in sei-
nen Ba^Aaa/4 %a\ 'Iwaaa^) ***) auf, v?elcher bald diurch
eine lat. bearbeitung allgemein bekannt wurdest) nach
ilim dichtete unser Rudolf seinen Barlaam und Josaphat,
-w^orin das beispiel s. 116. 117 zu lesen ist; abgesondert
Stricker (Ls. 1, 253.) Eine so ansprechende Überlieferung
konnte unbedenklich sehr früh im mittelalter auch nach
Scandinavien gelangen, falls nur die ähnlichkeit selbst gröfser
^wräre, um den schlufs auf einen unmittelbaren zusammen-
bang beider mythen zu rechtfertigen. Mir scheint gerade
die ferne berührung beider daiB wichtige, eine nahe hat
keineswegs stattgefunden. Die altn. fabel ist viel bedeut-
samer und gründlicher, die morgenländische aus einem
uns verlornen ganzen losgerissen, wahrscheinlich entstellt,
sogar die haiiptidee des weltbaums mangelt ihr beinahe^
nur das zutreiTen einzelner nebenumstände überrascht, des
triefenden hunigs, des wiirzelnagens und der vier thiere.
l^iflheimr j wo Nidhhöggr und viele andere (Saenu
44^ Sn.22 genannte) schlangen, um den brunnen Hvergel-
mir, hausen, ist der todesgöttin Hei (s. 195)goth, üTaZ/aff)
grausenhafter Wohnort, (Scem. 94» bezeichnet 'or heljo'
klar das räumliche, unpersönlidie), dunkel und schwarz
*) Calila et Dimna, ed. Silvestre de Sacj, m^m. hiit. p. 28.
29. ed. Koatclibull p. 80. 81, vgl. mit der etwas abweicbeoden auf-
fahrung in den exempeln der alten weisen p. m. 22.
**) auch im Orient, vgl. divan des Dschelaleddin in Hammers
per», redeic. p. 183.
***) znerat herausgegeben in Boissonades anecd. graec. tom. 4.
Pans 1882 p. 1—365.
f) historia duomm Christi militnm (opera, Basil. 1575 p.8l5 —
909) und besonders gedruckt Antv. s. a. (wo das beispiel p. 107.)
nach einer andern version bei Surins 7» 858 0. die parabel p. 889.
^ tt) 1 Cor. 15, 55; nieht also Hau (s. 195.)
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462 HOLLB
yrie sie selbst (uad die ihr identische indisdie Kali): daN
um Nebelfieim^ kaltes schattenland, aufenthalt der abge-
scliiednen*), niclit aber ort der quäl und strafe, nadi
christlicher ansieht, die sich selbst nur allmälich entwi-
ckelte. Uifilas gibt halja blofs für das gr. ä&f^g, mitfi
her (Matth. 11, 23. Luc. 10, 15. 16, 23. I Cor. 15. 55)
wo die vulg. injernus hat; mvo aber der text yi^way
die vulg. gehenna, bleibt auch ein goth. gafa^nna (Matth.
5, 29. 30. 10, 28); der Vorstellung entspricht kein goth.
w^ort. der ahd. Übersetzer T, gibt infernus durch heüa
(Matth. 11, 23), gehenna**) durch hellafiur (Matth. 5,
29. 30) oder liellau^izi (Matth. 10 , 28) und nur filium
gehennae hella sun (23, 15) ; richtiger die neulich au%e-
fundne ältere Verdeutschung qudlu sunii, bei dem ^nidhar
steig zi helliiC (desceudit ad inferna) des glaubensbekeant-
nisses dachte man sich nicht die wohnung d«r gepeiDigten,
strafe leidenden. Vom 4 bis 10 jh. war also halja^ hella
unterweit, todtenreich, der begrif von quäl und peinigung
wurde durch ein anderes wort, oder wenigstens eine Zu-
sammensetzung ausgedrückt; und dazu stimmt vollkom-
men , dafs noch bei Widekind von Corvei sächsische dich-
ter, eiuen sieg der Sachsen über die Franken besingesd,
wahrscheinUch kein anderes wort als hella vom aufent-
haltsort der todten brauchten: *ut a niimis declamaretur,
ubi tantus ille infernus esset, qui tantam multitudinem
caesorum capere posset?' Im 13 jh. hatte srch gleichwol
bereits die heutige bedeutung festgesetzt: aufenthalt der
verdammten^ z. b. Iw. 1472 heifst *got versperre dir die
helle\ er nelime dich in den liimmel auf, nicht, er be-
wahre dich vor dem tod.
Nur in gewissen gegenden, auf dem land, unter dem
Volk , behielt helle zuweilen seinen alten sinn bei. z. b. in
Westfalen nennen die weisthümer den weg, worauf lai-
chen zum begräbnis geführt werden, hellweg (RA. 552),
d. i. weg zum tod , zur todtenwelt, nicht zur hülle in ge-
wöhnlicher bedeutung der Schriftsprache. Nach der altB.
dichtung reiten oder fahren die verstorbnen zur unter-
weit, fara til heljar oder til Heljar^ zur todesgötUn:
nachdem Brynhildr verbrennt ist , fahrt sie auf einem ge-
•) der Nibeliinge Stammvater hiefs wol iHehel (fornald. sog. 2, 9.
11 Nficfiil f. Nefill): ein der Unterwelt und frühem tod vcrfallue« iiel-
dengesclileclit.
**) bekaimtlich entspringt ans gehenna das franz. geliene, g^>
d.h. snpplice, jetzt aber mit ganz gemildertem sinn.
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HÖLLE 4m
•dbmiiekten wagen zur Hei, 'ok medh reidhinni ft heltf€g\
das ganze lied fuhrt den nameu helreidlu Sajm. 227. Bei
Freidank 105, 9. 151, 12 bezeichnet aber 'zer helle varn*
und ^dri struze zer helle gänt' 66, 5 den christlichen begrif.
Anfangs behielten die AUsachsen, eben weil ihnen ihr
hellia noch zu heidnisch vorkam, gern das biblische «/2-
fern^ gen. infernes bei, z. b. Hdl. 44, 21, ja sie kürzten
es in ein blofses fern H^L 103, 16. 104, 15 und jener
von Widekind angezogne dichter könnte wirklich infern
8tatt hellia gesagt haben.
Die heidnische hellia lag tief unten nach Norden hin ;
als Hermödhr nach Baldr gesandt wurde, ritt er neun
nachte laug durch duhLle^ tiefe thäler (dökva dala ok
diupa), das sind die von den dunkelelben bewohnten
ort er (s. 251), und gelangte zu dem flusse Giöll (strepens),
über den eine mit leuchtendem gold gedeckte brücke lei-
tet; der brücke hütet eine Jungfrau > Modhgudhr genannt,
sie sagte ihm, dafs tags zuvor fünf fylki todter männer*)
über die brücke gekommen waren, und dafs der 'helvegr'
voiji dieser brücke an immer noch tiefer und nördlicher
ziehe: *nidhr ok nordhr liggr helvegr? Das verstehe ich
von der eigentlichen halle und wohnung der göttin , wo
sie selbst anzutreifen ist, denn die ganze region war
schon ihr reich, diese halle umgeben gitter (helgrindar.)
Sn. 67. Ihr reich aber führt den namen Niflheimr oder
Niflhel, es ist die neunte ipelt (der läge nach) und war
lange Zeiten vor der erde erschaifen: mitten in ihm liegt
Jener brunne Hi^ergelmir (cacabus strepens) und aus diesem
rinnen zwölf flüsse, unter welchen Giöll zunächst an der
gütlin wohnung reicht. Sn. 4. Hieraus folgt klar was ich
sagte: wenn Ävergelmir die mitte des Niflheimr bildet,
-wenn GiüU und die übrigen ströme lauter höllische sind,
so kann die herscbaft der Hei nicht erst an den helgrin-
dum beginnen, sondern mufs sich über jene dunkeln, tie-
fen thäler ausdehnen. Doch habe ich auch nichts wider
folgende Vorstellung: diese dunkeln thäler sind, gleich
dem finstern Erebos der Griechen, ein durchgangsort, um
des Aides, der Halja wohnung zu erreicheu. Wie aus
dem persönlichen Hades, dem römischen Orcus, wurde
aus unsrer Halja, der göttin, allmalich die räumliche Vor-
stellung eines aufenthalts der todten entwickelt, anfangs
•) ein ji'Iki betragt 50 (RA. 207), 'also Baldr war in begleitun;?
FOD 250 liinabgeritten, welche zalil eiae hs. verdoppelt: 'reidh Baldr
b^r medb 500 maona.'
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464 HÖLLE
dachte man eich die verstorbenen bei ihr, hernach in ihr
wohnend. In den Zugängen hausten, schwebten die dun-
kelelbe.
mflheimr 9 die Nebel weit, war also ein unterirdi-
scher, von ewiger nacht bedeckter räum, welchen zwölf
rauschende wasser durchströmten und leuchtendes gold,
d. i. feuer , nur stellenweise matt erhellte, ein solcher
niufs traurig und freudenleer sein*), von strafen und quä-
len seiner bewohner ist aber nie die rede; eigentlich sind
es auch nicht böse menschen, die nach ihrem leben daliin
versetzt werden, sondern alle und jede, selbst die edel-
sten und treflichsten , wie das beispiel der Brynhild und
des Baldr lehren. Ausgenommen scheinen blofs die im
kämpf fallenden beiden, welche Odhinn zu sich nach
VallhöU nimmt.
Hiermit in Widerspruch steht eine andere, meiner
meinung nach, spätere, b^ Sn. 4 vorgetragene ansiclit:
allvater, der höchste gott, hat allen menschen unsterb-
liche seele verliehen, obgleich ihr leichnam in der enle
fault oder zu asche verbrannt wird; alle guten menschen
(r^tt sidhadhir) kommen zu ihm nach Gimlir oder VingulF,
alle bösen (vdndir) nach Niflheimr oder in die Jiölle^ vgK
Sn. 21. 75, welche stellen noch hernach zu besprechen
sind. Das ist schon christliche idee^ oder eine ihr höchst
ähnliche.
An die stelle der altheidnischen bleichen und düstem
hölle setzten die Christen einen mit flammen und pech
erfüllten pfuhl, worin die seelen der verdammten ewig
brennen, zbgleich pechschwarz und gluterhellt, gehenna
wird erklärt hellafiuri ^ mhd. hellefiwer Parz. 116, IH;
da wo der dichter des Holland diese schwarze und bren-
nende hölle lebhaft schildern will, wandelt er das alle
fem in ein masc: an thene hStan Jiel 76, 22. an thene
suartan hei 103, 9. Ja bei 0. und andern ahd. Schrift-
stellern wird geradezu heh (pix) für hölle gesetzt**), eine
weit in Europa verbreitete Vorstellung ; noch heute nennen
die Neugriechen die hölle nloaa, ein Sprichwort des Alex.
Negri lautet: a^n nlaoav y^al vraQuSetGor , hölle und
himmel nebeneinander setzend. Diese pechhölle mögen
*) noch C8<lmon schildert dns vItehAs (liaus der strafe) deof,
dre&ma le&s, sinnlhte beseald.
••) citate in meiner ausg. der hymn. p. Äl. hinzu zaf5g:en MuspHK
5, wo Schm. die zeile des Walafrid anführt: at secum Infeüx i'ic^
»patiatur aperno.
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aöLLB 465
SlaTCjL den Griechen ziigebraclit haben, das aliüav. pello be-
deutete pech und hülle (Dobr. instiL 294) und so ist böhm. pe-
klo hölle, poln. piehloy serb. pahao^ sloven. pehel, dem ge-
scbleclit nach entw, neutral oder männlich. lAXih.pdklä (fem.)
allpreufs.p/ci////«Ä(im catechism. p. 10 istpickullien der acc),
und der teufel selbst heilst liXih. pyculas^ altpreufs. pickuls.
von den Slaven borgten die Ungarn ihr pohol (höUe), wie
von Griechen und Römern unsre vorfahren gaiafnna und
iüfern. mit der heii'se des siedenden pechs war zugleich
unausstehlicher geruch verbunden; Reineke5918: 4t stank
dar alse dat heische pehj vgl. überhaupt En. 2845. 3130.
Seit der bekelirung zum christenthum hängt also an
dem begrif der liöUe zugleich der von strafe und pein.
Ivölheimr (muudus supplicii) im sölarh 53 (Seem. 127*)
ist unverkennbar clirisüiche Idee, das ahd. hellawizi^
alts. lielliu^tti Höh 44, 17. ags. hellepüe drückt aus sup-
plicium inferni; danach bildete sich das isl. Ae/^f ^/, schwed.
Iitl%>ete, dän. hel^edcj was ganz einfach höUe bezeich-
uet; von den Schweden empfiengen die getauften Finnen
ihr helivetti (orcus), von den Baiern die Slovenen in Kraiu
und Sleier ihr vize (purgatorium), die kirche hatte zweier-
^J feucr unterschieden, ein höllisches, und ein reinigendes
(fegefeuer) im millelzustand zwischen höUe und himmel.*)
Ich füge noch andere benennungen hinzu, sämtlich
auf christliche ansieht gegründet. Die höUe ist ein ab-
gruod (abyssus): heiligrund H^l. 44, 22; in af gründe
gän. Roth. 2343. ir verdienet daz ajgrunde, Roth. 1978.
hiervon war schon s. 197 die rede. Ags. se neopla grund
(imu8 abyssus) Cädm. 267, 1. 270, 16; thät neovle genip
(profunda caligo) Cädm. 271, 7. 275, 31. in den alten
Widern zum Cädmon wird die hölle blofs durch einen
geojneien mund dargestellt, und in einer ags. glosse
(Mone 887) bedeutet müdh (d. i. os) orcus. dieselbe glos-
sensamlung verzeichnet 742 seddh (d. i. puteus, barathrum)
für hölle ^ und 2180 cvis tartarus, 1284 cuishuale^t wo-
für ohne zweifei zu lesen cvissusle. cpis kann ich durch
nichts deuten, als das altn. qi^ia (calumnia), susl scheint
tormentum, supplicium, die Wörterbücher haben keinen
grund , ihm den sinn von sulphur (ags. svefel) beizulegen ;
*8U8le geinnod' Cädm. 3,28 verstehe ich: supplicio clausum.
Christlichheidnische Vorstellungen von den strafen der
unseligen vermischt finden sich im eddischen sölarliodh
*) die Ebsten sagen von einem im fegfeuer: ta on kahiie ilma
wahhel, er ist zwischen zwei weiten,
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466 MUSPILU
(§aini. 128. 129.) Sdilangen, nattern, draclien wdhnen
in der christlichen liölle (Cädm. 270. 271) wie an des
Hvergehnir wurzel (8.460.) Dante, in seinem pnrgalorio
und iuferno, mengt was ihm mittelalter und classisdie
literatur tibcrliefcrtcu. man lese den schlufs des CadmoB,
fundgr. 202, und im Barlaam 310 Rudolfs kurze aber
dichterische Schilderung der hülle.
Dafs die hciduisclie, im Norden liegende Nebelwdl
nicht von feuer erfüllt war, folgt am deutlichsten aus einer
ilir entgegengesetzten südlichen flammenweit, welche in
der edda Muspell oder Muspellsheimr genannt wird.
Sn. 5 sie ist licht undheifs, glühend und brennend*), nur
eingeborne können es in ihr aushalten, daher keine men-
schen aus xmsrer weit in sie übergehen, wie in die kalte,
nördliche weit, Ihrer hütet ein golt namens Surtr, tra-
ger des leuchtenden schwerts.
Ein überraschender beweis für das Vorhandensein alt-
nordischer Vorstellungen in dem übrigen Deutschland liegt
wieder in jenem nämen. nicht allein der sächsische He-
iland hat 79, 24 müdspelli^ 133, 4 mutspelli^ auch ein
hochdeutsches, wahrscheinlich in Baiem verfafstes gedieht
z. 62 muspi/li (dat. muspüle.) zugleich welch erwünschte
bestätigung des alters der edda, und ihrer grundlage, aus
sächsischen, bairischen handschriften des neunten, achten
jh. Sonst überall ist der ausdruck erloschen , weder Is-
länder, noch die übrigen Scandinaven verstehn ihn; bei
den Angelsachsen hat er sich noch nicht entdecken lassen,
alle späteren hoch und niederdeutschen Sprachdenkmäler
kennen ihn nicht weiter, sicher ein uraltes, heidnisches
wort.
Welchen sinn es im allgemeinen habe scheint unzwei-
felhafl ; keinen andern als des feuers, der flamme, jene
stellen des H^l. besagen: mudspelles megin obar man
ferid', die gewalt des feuers fahrt über die menschen;
^mutapelli cumit an thiustrca naht, al siJ thiof ferid domo
mid is dddiun', das feuer kommt in der dunkeln nacht
heimlich und plötzlich wie ein dieb geschlichen**); und
der ahd. dichter sagt: 'ddr ni mac denne mÄk andreoio
•) Muspells/teimr ist weder der liimmel, noch sind die Maspdb-
fohne gleichviel mit den im himmel wohnenden Uchtelben (8.250.251);
nachdem Surtr den himmel und die erde verbrannt hat, liegt ober
diesem himmel ein zweiter, namens Andldn^r ^ über ihm ein dritter
himmel , namens Vidhblditm , und darin wohnen jetzt allein lichielbe^
sagt Snorri 22.
••) 11 Petri 3, 10.
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MU8PILLI m
helfan vora dc»mo miuipiUe^ denne daz prelta wasal alla2
varpreDnit*), enti viur enti luft ollaz arfurpit', da kann
kein freund dem andern helfen vor dem feuer, wenn der
breite glutregen alles verbrennt, feuer und luft alles reinigen.
Es niufs ein compositum sein^ dessen zweiter theil
spilliy spellif spell sich etwa dem alln. spiöil (corruptio) spilla
fcorrumpere) ags. spiilan (perdere) engl, spill, ahd. spildan
(perdere) vergleichen liefse **) ; altn. bedeutet mannspiöU
clades hominum, LxspiöU (Nialss. cap. 158) vielleicht bel-
lum? was aber in mud^ mu (mü?) steckt, ist eher zu
ralhen als nachzuweisen, ich denke entweder der begrif
von erde, land, oder von holz, bäum: im letzten fall
ist niudspelli poetische Umschreibung des feuers, das
liolzverderbende , baumverzehrende darf es heifsen, wie
sonst eddisch bani vidhar (percussor, inimicus ligni)
grand vidhar (perditio h'gni) Sn. 126; die lex alam. 96,
1 gibt medela, medula im sinn von lancwitu, lancwit
(gt*amm. 3, 455), die lex Rothar. 305 modulay wie es scheint
für quercus, robur, altn. ist meidhr arbor, litth. media
arbor, lignum. im ersten fall wäre feuer landverderb,
vreltverheerung, ich kenne aber noch weniger ein deut-
sches wort für land , erde was Jenem mud oder mu gli-
che, man ist befugt, darin eine altverdunkelte, vielleicht
entsteUte form zu finden.
Surtr (gen. Surtar) ist der schwarzbraune , von der
glut gebräunte» verwandt mit svartr (niger) und doch ver-
schieden davon***); es kommt noch sonst als cigenname
vor, z. b. fornald. sog. 2, 114. Islend. sog. 1, 66. 88. 106.
151. 206, merkwiird^ Surtr enn hvttij das. 1, 212. Man #
wird aber auch gesagt haben Surti , gen. Surla, weil in
beiden edden das compositum Surtalogi vorkommt, Sicm.
37'' Sn. 22. 76. 90. Eine gewisse harzige, verkohlte erde
heifst im Norden noch heute Surtarbrandr (Biürn s. v.
F. Magn. lex. 730.) Surti titio , diese benennung verkün-
digt, gleich den pflanzennamen nach gottern, ein höheres
wesen. vulcanische felsenhölen in Island heifsen Surtar-*
hellir (F. Magn. a. a. o. 729) und landndmabök 3, 10 (isl.
sij^ 1, 151) gedenkt eines Thörvaldr, der zu des iötunn
Surtr hole ein auf ihn gedichtetes lied brachte: 'thä f<5r
hann upp til hellisina SurtSy oc foerdhi thar drdpu thA,
*) 80 lese ich statt varprinnit, weil sich wasal anders nicht deuten Infst.
•*) ahd. LD = altn. LL, vgl. wildi, kold mit villr, gull; warum
aber dan» nicht muspildi im nlid. {gedieht?
•••) Surtr möchte sich zu Svartr verhalten, wie ein goth. narae
Svartoft zum adj. svarts.
30*
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408 MUSPUIil
er hann hardhi ort um iotuninn t htllinum**^ dieser 18-
tUDQ der späteren zeit bedeutet ^ wie F. Magnussen be-
merkt, den filteren gott, dessen gunst das hingetragene
lied erwerben sollte; eine spur des früheren cultus. Diese
brandhölen, diese branderde weisen auf einen feuergewal-
tigen, in feuer sich offenbarenden gott.
Was ist nun jene flammenweit und welche bestimmung
steht ihr zu? Beide, der Verfasser des U^L, und der
des ahd. gedichts, zwar Christen, aber noch in heidiusche
poesie eingeweiht, lassen muspilli beim Untergang der
weit, bei der annliherung des jüngsten gerichts, ^treten:
dann wird die erde und alles, was sie enthält, von dem
feuer verzehrt werden. Gerade so schildert auch die edda
das weltende: Surtr erhebt sich mit den muspellssöhnoi,
überzieht alle götter mit krieg und besiegt sie, die ganze
weit vergeht von seinem feuer. 8n. 5. Wann er mit sei-
nem leuchtenden Schwert von Süden herfahrt, wanken
die felsen der berge, die riesinnen fliehen, die mensdien
gehen den todtenweg, der himmel spaltet sich. Saenu 8^;
die Äsen kämpfen mit Surtr und seinem beer auf eine«
holm, namens Oskopnir (Säm. 188*}, alle erliegen und die
weit geht unter.
Den Surtr nennt blofs die edda; unsere ahd. poesie
scheint aber einige züge von ihm in die kirchliche voi^
Stellung vom Antichrist zu weben und aufzunehmen, ich
habe diese Vermutung schon 8.117. 118 geäufsert. der
mythus vom Antichrist gründet sich ursprünglich auf das
eilHe cap. der opocalypse, und ist hernach in jüdisch-
christlichen ideen weiter ausgebildet worden, den namei
haben beide briefe des Johannes (L 2, 18. 4, 3. IL 7);
nicht die Offenbarung, in welcher er unter dem vielhäup-
tigen tliier gemeint wird, zu seiner zeit sollen za^ei weis-
sagende zeugen vom himmel auf die erde gesandt» aber
von ihm besiegt und getödtet werden, auch ihre nunea
fehlen; dafs es Eliaa und Euock sind, folgt schon aus
der ilmen beigelegten macht, den regen zu verschKelsen,
ist auch von den kirchenvätern ausdrücklich aneikannt.*)
imbeerdigl liegen ihre leicheu in der strafse: nach diesem
*) Joitinus Diartyr dial. ctnn Trypli. ed.Sylb. p. 208; TertaUiaB
de anlma cap. 50. de resnrrect carn. cap. 68: Hippolytus im Iv;^
ntf^i rJjq avmtktia^ row xoa/iov uai nt^l rov urTixQiüxov ; DorpUwtti
tyriufl de vlta propliet cap. 18; Ambrosins in apocal. cap. 11; Aa^
stin. de ci¥. dei 20, 29; Gregor magn. in moral. 15» 18. Au «^
terer seit sind so ¥gl. Burcard, wormat 20, 93—97; diacip. de Imi-
pore im serino 10.
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MOSPILU 469
rieg eirekhl die gewalt des Anticbmfs iliren gipfd , er
steigt endlich auf den ölberg, um gen liijnmel zu fahren;
da erscheint Micliael der engel, und gpaltet ihm das
haupt.*)
Unser altbairlscher dichter hatte nun durch gelehrte
männer (weroltrehtwls^) künde von dieser erzählung ge-
nommen, es schweben ihm aber auch noch bilder des
heidnischen Weltuntergangs vor, wenn muspilli herannaht,
darum hebt er die flammen heraus iwd lafst von dem
zur erde triefenden blute des todwunden Ellas alle berge
entzündet werden; in keiner einzigen christlichen tradi-
tion begegnet dieser zug. der himmel glüht in lohe
(suüizAt lougiii) die erde brennt (prinnit mittilagart) und
lenes: 'dar ni mac denne mdk andremo helfan vora demo
mu$pille* klingt wie ein eddisches
broedhr muno berjaz ok at bönom verdha^
muno systrAngar si^um spilla,
min ecki madhr ödhrum thyrma* Stem. 7^ 8^
es heilst 'mino fallit', wie dort: söl tekr sortna, hverfa
af himni heidhar stiörnur. Auch Sn.7l: th4 drepaz
broedhr firir dgirni sakar^ oc engl thynnir iodhr edha
syni i mann dripum oc sifjasliti. Noch der mhd. dichter
des 12 jh. (fundgr. 194): sd ist danne nilit triuwe diu
Irowe der diuwe^ noch der man dem wlbe: si lebent
alle mit ntde ; so hazzet der vater den sun u. s. w. Wel-
chen heidnischen >gott der Baiem und Alamannen Anti^
chrlsto vertrat» möchte man wissen , vermutlich war es
ein dem nord. Surtr noch ähnlicheres wesen. Antichristo
erscheint als teuflischer beuchler, Surtr zwar als Wider-
sacher der Äsen, doch wird er nicht unedel gesclüldert :
er ist ein die weit reinigender gott, nach ihm beginnen
neue, selige zelten. aUe muspellssynir bilden gesonderte,
weifsglänzende heerschaai^en , sie und Surtr bewirken
durch ihren kämpf eine höhere Weltordnung, während der
Antichrbt nur vorübergehend siegt und zuletzt von einer
mächtigeren gewalt gestürzt wird.
Was der ganzen vergleichung neue stärke verleiht ist
die cap. 8 erörterte, aus andern gründen gewisse, Ver-
wandtschaft zwischen Donar nud jElias. dem achten jh.
konnte Elias noch über den jüdischen prophet hinaus als
0 berichte des 12. ISjh. vom AntichrUt findet man t»ei Otto fri«.
cbron. 8, 1—5, im hortut dehciarum der Herrat von Landsberg (bei
Engelhard p.48), Im cod. vind. 653, 121. 122, fiind^^r. 195. 196 und
ausfahrtich in Martina 191 ff.; vgl. auch elnl. zu Freidauk lxxi. i«xjlu.
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470 MUSPILLl
göhlicher helJ, als gotthelt erscheinen. In der c3da käm-
pfen alle Äsen, Odfunn, Th6rr , Freyr und TJ^r, mh
vereinten kräften, wider die flammensöhne und deren
verbündete, ziehen aber gleich Elias und Enoch den kur-
zem, ich behaupte nicht, dafs auch Enoch einem beslimm-
ten heidnischen gott vergleichbar sei; es wäre möglich.
Eine ags, , von Wheloc zu Beda p. 495 ausgezogne homi-
lic de temporibus Anlichristi (oben s. 110) enthält merk-
würdige äufseningeu. der übermütige Antecrist^ beifsl
es dariu, streitet nicht nur wider gott und gottes knechte,
er stellt sich auch höher als alle heidnischen götter: *hc
Ahefdh hine silfne ofer ealle th4 the ha^thene men cv^edon
thät godas beon sceoldon , on heelhene visan, svylc stä
väs Erculus sa ent, and jipollinis y the hi macrne god
leton^ Dhör eac and Eovdhen, the hasthene men heriadh
svidhe. ofer ealle thäs he hine aenne up dhefdh, fordhan
iie loet, thät he dna st streu gra thonne hi ealle?
AVozu sagt das alles der prediger? hatte auch in sächsi-
schen liedcrn man die ankunft des Antichrists mit heidni-
schen Überlieferungen zusammengehalten, und seinen, wie
des Surlr, sieg über Vodhen und Thunor anerkannt?
die xuisächsischen formen Eovdhen und Dhör deuten auf
dänischen, nordischen einflufs.
Wer geneigt ist die eigen thümlichkeit unserer vorzeit
überhaupt auf römische und christliche Überlieferung zu-
rückzufahren, könnte den wahrgenommenen anklang bei-
der Vorstellungen vom Weltuntergang leicht zu der bebanp-
tung misbrauchen, selbst die eddische lehre sei erst aus
jenen ti^aditionen von dem Antichrist hervorgegangen, das
würde ich für ganz verkehrt halten, die nordische crzSh-
lung ist einfach, und im Zusammenhang mit dem übrigen
Inhalt der edda; der mythus vom Antichi'ist verworren,
ja künstlich in einander gefügt, beide hauptgestalten, Surtr
imd der Antichrist haben völlig abweichenden character.
wie hätte man im Norden eine menge bedeutsamer neben-
Vorstellungen, gerade die von muspell, hin^uerdacht, wie
ein hochdeutscher nach zeit und ort wiederum unabhängi-
ger dichter eben sie anschlagen lassen?
Was die edda von Surlr und seinem krieg mit den
Äsen meldet ist der schlufs einer ausführlicheren Vorstel-
lung von dem ende der well, die aufserhalb der gren«
meiner Untersuchungen liegt, weil sich keine weiteren berüh-
«rungspuncle damit in dem innern Deutschlands erhalten
haben, liier sei nur bemerkt, dafs der eintritt jener gro-
fsen Veränderung aldar roh (Sajm. 36*) aldar ruf (SxtoL
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WELTUNTERGANG 471
167 ) *) gewöhnlich aber ragna röl (Srcm. 7« 96b
166^) oder ragna röhr (Sa;m. 65* Sn, 30. 36. 70.
88. 165) beUst, d. L däinmerung, Verfinsterung der zeit
und der Abhaltenden gütter (oben 8. 17.) Alsdann bre-
chen alle 9 bis dahin in bann und zwang gebaltnen böse
vresen los und streiten -wider die götter: ein wolf ver-
schlingt die sonne, ein andrer den mond (s. 401)^ die
8terne fallen vom himniel, die erde bebt, die ungeheure
weltsclilange , iörniungandr, ergriffen von riesenwut (iö-
tunonddhr s. 304) hebt sich aus dem gewisser ans land^
FenrisüÜfr wird los (s. 150), Nagl/ar flott, ein aus den
nageln todter menschen gefertigtes schif.**) Loki führt die
Lrimthursen und das ge folge der Hei (Heljar sinnar) herbei,
die ganze höllische und wölfische Sippschaft hat sich ver-
eammelt. Aber die gröfste gefahr naht den göttern aus
jener flammenwelt : Surtr .und sein leuchtendes beer reitet
über Bifröst, den regenbogen (s. 421) mit solcher macht
heran, dafs er zusammenbricht. Die einzelnen kämpfe
sind so vertheilt: Odhinn gegen Fenrisülfr, Thörr gegen
lörmungandr, Freyr gegen Surtr, Tj'r gegen Garmr***),
Ueimdall gegen Loki; überall unterliegen die allpn götter,
obgleich auch Garmr und Loki fallen, Fenrisülfr durch
Vidhar getödtct wird.f) Dafs Loki und sein geschlecht
den flaininensöhnen verbündet au (tritt, folgt aus seiner
eignen natur, er selbst ist ein gott des feuers (s^ 148.)
Surtr aber erscheint als der eigentliche Sieger, als der
mächtigste^ wie ilin Hyndluliodh bezeichnet, ohne sei-
nen namen auszusprechen (Saem. 119*-) Nach dem weit-
brandf dem Surtalogi, erhebt sich eine neue, seligere
*) ro/, ruptara, wie man sagt regin riu^faz^ dji rampaator,
die weit rergelit
f*) dadurch soll die angehenre ferne and das langsame zustand- *
kommen des weitendes aasgedrückt sein: bis ein solches schif aus
•cbmalen nägelscbnitzeo der leichen zusammengesetzt wird, verstreicht
lange lange zeit, und sie leidet npcii durch die warnende Vorschrift
ß|if«chub, allen todteu die nägel vor der bestattong oder Verbrennung
sorgsam zu schneiden. Ähnljch ist die Vorstellung des bergs der ewig-
keit, dem alle hundert jähre ein vogel nur ein sandkom zuträgt
'*0 OarniTy der gröföte, ungeheuerste aller hunde (Saem. 46*),
ohne zweifei) m^ KkqßtQoq^ nur verwandelter riese, scheint gleich
öieaem in der unterweit einheimisch: als Odhinn nach Niflhel fahrt,
*fnsetti bann hvelpi theim er or heljo kom' (Saem. 94**) er liegt ge-
bunden und bellt *for Gnypahellir (Saem. 7a 8»-) der liölleuhund
(cbi Istlicher sage steht dem nord. wolfe näher («. folg. anm.)
f ) Vidhars sieg über den wolf^ in dessen rächen e^ mit einem
Hijtliisch gescliuhten fufs tritt (Sn. 73) , gleicht der Schilderung cbristl.
tnuiUl4Mi6o von der bekämpfung des hölienhund^t, vgl. ftuidgr, 178. 179.
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1
472 SINFLÜOT
erde, mit Terjcingteo gittern, die "wiederum Aeair htt-
fsen. Stern. 10. Ein sclüufs, der unbestreitbare ähnlicfa-
keit liat mit dem jüngsten gericht imd dem neuen Jenisa-
lern der Christen, str. 65 der Völuspd, die de« regiodiJmr
ausdrücklich erwähnt , hat man , weil sie in einigen hss.
mangelt, für eingeschoben erklärt, die interpolation kann
aber nicht nach dem blofsen inhalt crmessen, sie müsle
auch durch formelle gründe unumstöfslich erwiesen wer-
den, selbst wenn sie statt fand, wird damit nicht das
heidenthum des mythus noch das alter der dichtung übei^
haiipt verdächtigt Denn wie unter frühbekehrten stammen
der heidnische glaube nicht auf einen schlag vertilgt
wurde*), können auch einzelne christliche lehren schon
zu Völkern vorgedrungen sein, die noch Heiden waren.
Dem Untergang der weit durch feuer^ welchen Hei-
den und Christen **) als zukünftig erwarten , entgegen
steht der durch wasser^ welchen die geschichte beider
als pergangen schildert. Gleich der wasserfllut soll aaefa
der weltbrand nicht für immer zerstören, sondern reini-
gen und eine neue, bessere weltordnung nach sich ziehen.
Überlieferungen einer alten Wasserflut haben sich bei
vielen heidnischen Völkern , in eigenthümlicher gestallang
erhalten. Wer wollte die eddische sage von Ymir und
Bergelmir (Su. 8) ableiten aus der erzählung des A. T.?
auch hier ist unentlehnte einstimmung. Unter den andern
deutschen Stämmen hat sich keine künde jener Über-
schwemmung fortgepflanzt. Ulfilas verdeutscht xaraxiv-
ajuog midjasveipdins y zu welcher Wortbildung ihn we-
der das griech. wort, noch das lat. diluvium veranlassen
konnte, was bedeutet ihm sveipa, sveip^ida? kaum icAr^e»,
das midja gemahnt an die Zusammensetzungen mit gards (s.
^ 458.) Auch das ahd. sinfluot (gramm. 2, 554) mag ein
uralter , eigner ausdruck sein ; aber alle traditionen von
allgemeiner Wasserflut sind verschollen, nur den Untergang
einzelner sündhafter örter und bürgen weifs das volk zn
berichten: immer erfolgt dieser im wasser, niemals im
feuer, vgl. deutsche sagen no. 111 Arendsee (bei Perlz it
357 Arns^o), no. 131 Sccburg. in diesem sinn werden
auch theUweise fluleu, diu*ch wolkenbrüche oder austritt
des meers über seinen dämm, als strafen des himmels an-
•) iu Leyden« complaint p. 98 wird gerade eine fiibel von de»
u^olf und dem weitende, *tiie tayl of the volfc of tlie vnrldis t»d'
genannt, die noch zar seit dei» 15 jh. in Sctiottlaud lUBgieog.
••) llPctrI 8, 12; vgl. Freidauk 179, 4.
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ERDBBMSN 47»
gc^ehn ; desto leichler konnte sich . der begrif sinfluol,
sintfluot in den von sündtlut entstellen.
Die kirchliclie Überlieferung des mittelalters nimmt
fiinfzehn zeichen an, die dem jüngsten tag (suonatac) voraus-
gehen sollen ""); unter ihnen mangelt auch nicht das erdbeben
Ulfilas gibt acia/itos durch das fem. reird, er sagt Wrtha
peiraida', alts. ^ertha hii^dda' H^l. 168, 23 , ahd. *erda bi'
bindta* 0. IV. 34, 1 ; im subst. heifst es erdpipa, erd-
bibunga, erdgiruornessi. der altn. ausdruck ist landahialjtj
und 4ördh skalf.' Auch vor dem nord. ragnarökr erfolgt
diese naturerscheinuug : 'griotbiörg gnata, gn^'r allr iö-
tuoheirar' Saem. 8^* Reinardus 1, 780 -wird zusammenge-
stellt: nee tremor est terrae^ judiciiue dies*
Doch ist das erdbeben, wie die sinflut, öfter als ein ver-
gangnes ereignis dargestellt, dem manigfalte Ursachen un-
tergelegt Virerden, die griech. fabel leitet es her von ein-
geschlofsnen cyclopen oder titanen , die nordische aus den
Zuckungen des gefesselten Loki, wenn gifttropfen auf sein
antlitz niederfallen (Sasm. 69. Sn^ 70.) Den Indern ent-
steht erdbeben, wenn einer der acht elefanten, die den
erdball tragen, seiner last müde, einmal das haupt schüt-
telt.**) Die Japaner sagen , wenn die erde bebt: ^es ist
wieder ein wallfisch unter unserm lande fortgekrochen';
die Otaheiter: *gott schüttelt die erde',***) die Letten:
'Drebkuls prügelt die erde, dafs sie zittert', gerade wie die
Griechen ihren Poseidon 'Ewoalyato^, *TSipvoaidas nennen«
Einheimbche sagen in Deutschland sind nich^ übrig.
Den himmel dachten sich unsere ahnen nicht blofs als
die decke der erde (s. 398)^ sondern auch als ein himmel-
reich, als der götter und der von ihnen aufgenommnen
seeligen menschen wohnung. in ihn führt die brücke des
himmlischen bogens (s. 421) und die milchstrafse (s. 214.)
Einzelnen göttern schreibt aber die edda besondere
räume zu. keiner unter ihnen ist berühmter als die odi-
nische V^alhöll (ahd. Walahalla?), deren name sichtbaren
bezug hat auf des goltcs eigne benennung Valfodhr und
*) Thomas Aquinas (•{'1274) in libnim 4 sententiar. Petri Lotnb.
dist. 48. qu. 1. art. 4 (Tliomae opp. Venet. 13, 442.) AsegabOk 273.
S74. HoflTm. fondgr. 196. 197. Amgb. 39. Mafsm. Henkm. 6. Berceo
(<|-I268) de los signog que aparecer&n ante del joicio, in Sanchez
coleccion 2, 273. Thomas, AsegabOk und Berceo beziehen sich auf
Hieronjmas, in dessen werken eine solche znsammensteliung der funf-
seiin aeklien nirgends vorkommt. Karl 89« bei Rolands tod ähnliche zeichen.
*') Sclilegöis ind. bibl. heft 2.
**') Zimmennanas tasehenb. f. reisen, jahrg. 9. abth. 2; Adelaogs
Miüirid. 1 , 634.
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474 WALAHALLA? GIMLI
auf die valhyrien.*) in diese Mrohnong haben ihm dit
kriegsJuDgfrauen alle von beginn der weit in der schlachte
im valr gefallnen beiden zugeführt, er nimmt sie zu kin-
dern an, sie heifsen oahasynir (Sn, 24), angcwüuschle,
adoptierte und zugleich sühne des Wunsches (s. 99.) Ilir
andrer namc ist einlierjar , d. i« egregii, divi, wie Odliinn
selbst Herjan und Herjafodfir genaunt wird, da «ich
noch das ahd. nom. pr. Einheri fiudet (s. b. Meichelbeck
no. 241. 476. Schannat 137), so folgere ich das frühere
Vorhandensein des mytliischen terminus. yalliöll ist mit
Schilden gedeckt f Su. 2)v und zählt 540 thüren, deren Je-
gliche auf einmal 800 einherien durchgang gestattet; mit-
ten darin steht Ljeradhr^ ein mächtiger bäum, von des-
sen laüb die zIege Heidhrun abbricht, aus der ziege eu-
tor fliefst täglich ein gefafs voll melh, der alle eioherieo
vollkommen nährt. Eikthyrnir der hirsch beifst von des
baumes ästen, aus des hirsches hörnern trieft unaufhör-
lich Wasser hinab in Hvergelmir und bildet die ströjae
der unterweit Diesen seeligen aufenthalt ersehnten sich
alle tapferen männer nach ihrem tod ; einem übelthätar
war es verschlossen: ^mun sÄ madhr braut rekinn ur
f^alhöllu ok thär aldrei koma.' Nialss. cap. S9. ValhöU
heifst auch Vingolj (Sn. 14. 24) d. i, freudenhaus, gleidi-
viel mit Gladheimr^ was Sn. 13 davon unterschiedeo
wird, aus Saem. 41* erhellt aber, dafs dadsheimr der
allgemeinere, Valliull mit in sich fassende räum ist.
Gimlir endlich (es steht gewöhnlich der dativ 'i
.Gimle') bezeichnet nicht den ödinisehen aufenthaltsort, viel-
mehr den neuen himmel, welcher nach dem grofsea
weltbrand von den seeligen bewohnt werden soll (Stern.
10^ Sn. 4. 21. 75.) es scheint der weniger sinnliche be-
grif einer späteren lehre, annäheruug an die christUche,
obgleich schon frühe und vor der bekehrung stattfindend.
ValhölL empfieng blofs waiTentodte männer (v^pndaudha
Vera), Gimlir nimmt alle gerechten und guten menschen
auf. Hei nunmehr alle bösen, strafbaren; während die
alte Hei, als gegensatz der ValhöU, wohnung aller nicht
im kämpf gestorbnen männer und der frauen war, ohne
dafs sie darum für sündige, strafbare galten. In einer
Variante Sn. 75 ist es bestimmt ausgedrückt , dafs man 'I
*) vermutlich gehört aurh Valaskialft der silbergedeckte smI,
in die^e reihe (Siem. 41« So. 21) womit man BUdhskialf (i. 97)
vergleiche, skialf druckt die zitternde bewegung der lu(UtäUe as^
wie bif in Bifröst.
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PARADIS 475
Ginili medhr Surti^ wohne, bei Surtr, nicht mehr bei
Odliinn. Übrigens wird auch Giinlir, wie sonst ValhöU,
Vingtlj genannt (8n. 4), ein ort der ireade und wonne.
Wir wollen sehn, was von diesen lieidnischen Vor-
stellungen noch in den christlichen haften blieb, oder da-
mit zusammentraf. Den namen ValhöU, Walalialla scheint
man gemieden zu haben""), desto merkwüi^iger steht ein-
mal bei Cödmon 283, 23 sceldbyrig (schUdbnrg) für him-
mel, ganz )ene mit goldschilden gedeckte heldenwohnung.
pinsele (nicht vtnsele) könnte wol vom himmel gesagt sein
und dem nord. ving^lf begegnen; ich finde es blofs von
irdischer wohnung (Cädm. 270, 21. Beov. 1383. 1536.
1907.) dagegen brauchen noch unsere späteren, selbst
geistlichen dichter unanstöfsig den ausdruck freudenaal
für himmel, ganz wie gladsheimr oder vingÄlf, da die
himmlische freude auch christlich ist. Das christenthum
kennt einen doppelten ort der wonne, einen vergangnen
und künftigen, dieser ist der aufenthalt der seeligen bei
gott, jenen verscherzte der ersten menschen sünde, und
er wird als ein garten Eden dargestellt. Beide übertra-
gen die LXX nagafieioog , wonach das paradisus der
vulg., was ein pers. wort sein soll, ursprünglich garten,
thiergarten, park aussagend, wie das armen, bardez (hor-
tus) bestätigt. In der eineigen stelle, die wir bei Ulfilas
nachsehen können, II Cor. 12, 4, stehet vagga (campus
amoenus, hortus.) ahd. Übersetzer behalten entweder pa-
Tadtai bei (fragm. theot 41, 21), oder gebrauchen wun^
nigarto (gl. Jun. 189. 217. hymn. 21, 6) wunnogaito
N. ps. 37, 5, vgl. thaz wunniaama feld 0. IL 6, 11; af-
ter paradtses wurmen Diut. 3, 51. diese benennung wun*
nigarto könnte noch auf das nord. vingbljy das ags. vin^
ade anklingen, da sich wunna = wunia, golh. vinja, und
^ini (amicus) nah berüliren. Seltsam ist der ags. ausdrudi
neorxenauong , neorxnavong Cädm. 11, 6. 13, 26. 14,
12. 115, 23, von welchem ich gramm. 1, 268. 2, 267.
3,726 gehandelt habe: es scheint feld der ruhe**), darum
auch der wonne, und vergleicht sich dem goth. vagga^
alts. hebenwang (Hei. 176, 1); an die altn. nornen ist
kein gedanke, um so weniger als auch in altn. dichtun-
gen der himmel niemals nornavIUigr heifst. Allen Slaven
heilst das paradis ra'i ^ serb. raj y poln. ray , böhm. rag.
•) sollte aber niclit in der mhd. heldeiipoesle der aa«dnick weU
rede Rab. 636. 635. 811. 850. 923 auf die erkornen eiolierjar gdin?
**) die ^ijtoTij ßiory. Od. 4, 565.
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4m BLYSIDM
wohio auch das Uuh. rojus gehört ^ wonebeü rojaiM s6-
das (paradUgarten) und darzaa (garten) gesagt wird, rai
aus paradisus (span. parayso) wäre fast zu starke kür-
zung; nach Anton (versuch über dieSlaven 1, 35) soll aucB
das arab. arai paradis bedeuten. H^L 85, 21 steht ein-
mal bdashim (domus felicitatis) für himmelreich.
Wie ValhöU ist das griech. elysium, ii^imov nedlor,
kein allgemeiner aufenthalt aller verstorbnen , sondern nur
auserwählter beiden; auch den Griechen hieng höchste
aeeligkeit ab von tapferkeit des kriegers. Und nicht ein-
mal alle beiden gelangten dahin, Menelaos als Zeus eidam,
Od. 4, 561;. andere, sogar berühmtere hausen im A%
A^des. Achilles wandelt auf der bluntenwiese^ dem ar
üfpodeXos Xeijimv der unterweit, wohin die seelen der
erschlagnen freier Hermes geleitet Od^ 11, 539. 24, 13;
vgl. Virg. Aen. 6, 638.
Von dieser aue der seeligen weifs auch unsre einhei-
mische dichtung imd sage, kinder, die in brunnen fallen,
gelangen durch grüne wiesen in das haus der freundlichen
frau Holla. In Flore 19^ (ob schon im franz. original?):
*swer im selber den tot tuot, den geriuwet diu vart, und
ist im ouch verspart diu Ufise^ dar dA komen wilt, an
der Blanchefiür spilt mit andern genuogen, die sich nibt
ersluogen.' Selbstmörder bleiben ausgeschlossen von sol-
chem ort der seeligkeit.
Das paradis ist ein verlornes tmd ein künftiges , der
neugrün aus der flut steigenden erde: dem Idhat^öllr*),
in dessen grase die götter goldtafeln (zum spiel) finden
(Ssem. 9** 10*), steht ein geschwundnes goldnes Zeitalter
gegenüber, worin milch und honig flössen. Untergang und
erneuernng folgen sich in kreisendem lauf und die identität
der begriffe zeit, weit und Schöpfung, wovon ich ausgieng,
leuchtet ein. zeit und räum fallen hier ineinander.
*) vgl. dag goih. ith , id^ ahd. // , Sn der zusammensetsang itOt
agf. ed (gramm. 2, 757. 758), Wiederkehr and festliche eroeoeniBg
aasdr&ckend. idimdl (solemnia) Diut 1 , 274** Itaherga r. pr.
(Perts 1 , 316.)
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SEELE BLUMEN 477
CAP. XXI. SEELEN.
Die lebende 9 belebende seele ist den sprachen ein
sanftes weibliches wesen: goth. sdwalay ahd. s^ola^ s^la,
mhd. s^le^ ags. sdt^l^ engl, soul, altn. säl, schwed. däu.
själy und daher finn. sielu; gr. ^Injyrj't lat. itaL anima^
(ranz, dme, all franz. zuweilen arme^ span. alma ; serb.
dusahaj sloven. du/ha ^ böhm. dußse, poln« dusza^
Utth. duszia, lett. du^ehaele. davon unterscheiden sie alle
den männlichen athem und geist, Spiritus, den stärker,
fühlbarer aus und eingehenden; oft liegen sich beide be-
nennungen ganz nahe, wie im lat. animus und animoy
im slav. duch, du und duscha."^)
Aber auch in den mythen zeigt sich dies band, die
aus des leibes fessel gelöste seele gleicht jenen luftigen,
geisterhaCten wesen des xm cap. (vgl. s. 246. 360.) sie
schwebt mit derselben leichtlgkeit , ersch#int und ver-
schwindet, oft nimmt sie bestimmte gestalten an, in de-
nen sie eine zettlang zn verharren genütliigt ist.
Zwei anmutige Vorstellungen sind es, welche die
entweichende seele als blume aufblühen, als vogel aufflie-
gen lassen« beide hängen zusammen mit der Verwandlung
in pflanzen und thiere überhaupt (s. 321.)
Den Übergang in die blume kann ich nur folgern.
Ein kiud trägt eine rosenknospe heim, die ihm der engel
uu wald geschenkt hat : als die rose erblüht, ist das kind
todt (KM. 2, 295.) Nach dem lied von Runzlfal wächst
aus den leichen der gefallnen Heiden ein sch(varzdorn
(hagen)y neben dem haupt der gebliebnen Christen eine
weifse blume. Karl ii8*>- Aus dem grabe hingerichteter
spriefseu weifse lilien zum zeichen ihrer Unschuld , aus
dem des mädchens drei lilien .^ die kein andrer als der
geliebte brechen soll, aus den hügeln liebender winden
sich blumensträuche , deren äste sich verflechten« Im lied
von fair Margaret und sweet William:
out of her brest there sprang a rose
and out of his a briar;
*) insofern seele lebeo und lebenskruft bedentet, steht dafür das
Beatram alid. ferah , mhd. perch , ags. feorh , alto. ßÖn
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498 SBBLBN VÖOBL
tbey grcw tili the grew unto tlie churcblopi
and tliere they tyed in a true lovers knot.'^)
in der sage von Tristan halle ich schon für spätere Ände-
rung, daCs rose und rebe^ die sich über ihrem grab zu-
sammenw^inden , erst darauf gepflanzt werden« Ein serb.
Volkslied läfst aus dem leichnam des jünglings einen grü-
nen tannenbatini (zelen bor) aus dem der Jungfrau eine
rothe rose (rumena ruscbilza) wachsen (Vuk 1 no. 137),
so dafs sich auch in den blumen das geschlecht forter-
häit'*''^), um den tannenbaum windet sich die rose, i^ie
um den straufs die seide« Alle diese beispiele sehen die
blome nur symbolisch an, oder als nachwirkung der in-
nersten gesinnung des todten: die aufgehende rose gleicht
dem aufgehenden geist des kindcs. ursprünglich mag aber
die idee eines unmittelbaren Übertritts der seele in die
gestalt der blume zum grund liegen, wie aus blofsen blul^
tropfen, die nur einen kleinen theil des lebens enthalten,
eine blume entspringt, im blut hat die seele ihren silJS
mit seinem verströmen fliebt sie hin.
Ebenso gilt sie der kindlichen fantasie des volks für
einen vogely der aus des sterbenden munde geflogen
kommt, darum sind in alten grabsteinen häufig tauben
eingehauen, die der christliche glaube noch näher auf den
geist bezieht.***) Ein scbif versinkt, vom meeresufer gewahrt
mau der untergeganguen seelen in gestalt weifser tauben aus
der flut gen himmel steigen.f ) Aus dem machandelbom (K3I.
47) fliegt das geschlachtete brüderchen als vogeL In der un-
terweit fliegen versengte vö'gel, die seelea waren (svidhnir
fuglar er s4h*r voro) gleich fliegenschwärmen (Saem. 127*)
Nach der ansieht der heidnischen Böhmen schwebte die
seele als pogel aus des sterbenden munde solange irr auf
den bäumen herum, bis der leichnam verbrannt war:
dann erlangte sie ruhe. Finnen und Litlhauer nennen die
milchstrafse den weg der pb'gel (s. 2 14) d. i« der seelen.
Vor Mahomed glaubten die alten Araber, aus dem
blut eines ermordeten werde ein klagender vogel, der um
das grab fliege, bis für den todten räche genommen seu
*) Percy 3, 123. Variante bei Rob. Jamieson I, 83. 34.
••) darum gehört der rehe auf Tristans grab, diu rSse auf \*^
tens, wie im Volksbuch und bei Eilhart; Ulrich utfd Heinrich ver-
wechseln die pflanzen.
*••) Servati Lupi vita S. Wigberhti cap. 1 1 : verum hora exitw
ejuf — circomstantibus fratribus, vi»a est apis quaedam 5pecie p«!-
rlierrima supra ejus corpusculum ter advolasse^ nusquamqiie poaK*
comparuisse. weniger die seele selbst, als ein sie geleitender gei«^
f) Maerlant 2, 217, aus lateio. quelle«
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SEELBN WIESE 47»
Auch der griecli. volksoDsIcht erscbien die Seele als
ein geüligeUes wesen, ifwxv nvtvna %al ^wvtpiov mr^-
yw*), sagt Hesych, aber ein Schmetterling ^ und das
ist noch treffender als der vogel, weil sich das insect aus
der larve, wie die seele aus dem leichnam, entwickelt.
flfvyrfj heifst daher schinelterling. Eine in Spanien ge-
faudne röm. grabschrifl hat die worte: M. Porcius M.
haeredibus mando etiam cinere ut meo volitet ebrius pa^
pilio,**) Wir werden diesen Schmetterlingen noch als
irwischen (ziebold, veilia), und im cap. von den hexen
als elbischen wesen begegnen.
Von den irakischen wird ein folgendes cap. handeln;
gleichbedeutig damit finde ich wiesenhüpfer , u^iesen^
liiipferin 9 z. b. in dem 1688 gedruckten magdelob p. 46.
die erklärung, weil sie auf sumpfigen wiesen hüpfen ist
ganz passend, vielleicht aber zu eng. Hans Sachs denkt
nicht an irltchter^ wenn er sich mehrmals der formel
bedient: ^mit im schirmen (fechlen) dafs die aeel in dem
gras umbhapjen^ III. 3, 13»- IV. 3, 28», *und Schmitz
ihn in ein fiderling, dafs sein seel mufs im gras lan^
hupfen^ IV. 3, 51^ er will nichts sagen, als dafs ihm
die seele ausfahrt, dafs er stirbt. Wieder also der volks«
glaube, dafs die seele des sterbenden (als vogel oder
Schmetterling) auf der wiese flattre, Ah. der iviese der
unter weit , von welcher ich s. 476 redete.***) gerade so
lassen die Böhmen die seele auf bäumen fliegen (könig-
inh. hs. p. 89. 107.), darum tanzen und weben seelen
und elbe nachts auf den wiesen.
Dies sind die einfachsten, wenn man will rohesten
Vorstellungen von dem wesen der seele, denen ich ein
hohes alter beimesse.
INIelir ausgebildet, tiefer in alten mythen wurzelnd
ist die meiniing von einer überfahrt der seelen in das
gebiet der unterweit durch ein wasaer, welches das
reich der lebenden menschen von dem der todten trennt.
Die nordische erzählung von Baldrs tod hat den
merkwürdigen zug, dafs die Äsen seine leiche auf ein
schif braciiten , in dem schif den Scheiterhaufen errichte-
•) v»7»7 c>'^« awftuTog Xnrij. batrach. 207 ^vx^ 6\ fnUmp
mnrtj. 211.
*') zaeret in Ambrosio de Morales antigindades de las ciudades
de B^pajia. Alcala 1575. fol. 81i>, darans bei Gruter und in Spons
iniscell. enid. antiq-. p. 8.
***) die weder selig tiocii rerdammt sind, Icommen auf die
grünt wiest» Heinses Ardioghello 1, 96.
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480 , SEBLBN ÜBERFAHRT
teten^ anzuudetcn und 8o Ae^r flutenden see überlief sett,
Sil, 66.*) Nicht anders wird der leichnam des vergölterteft
lielden Scild (8.219) geschmückt auf das sdiif getragen^
das schif uon dem meer weggetrieben ^ niemand weifs
wohin. Beov. 55—105. Sigmundr trägt des Sinfiötli, sei-
nes geliebten sohnes leichnam, am seeufer hält ein mann
mit einem kleinen uachen, und erbietet sich zur über-
fahrt; Sigmundr legt den todten ins schiff da -war e«
voll geladen, der unbekannte stufst ab vom ufer und
fahrt mit der leiche dahin. Saem. 170. 171. fornald. sog.
i, 142. Im altfranz. roman Lancelot du lac, ed. 1591 p*
147 verfügt die demoiselle d^Escalot, wie es mit ihrem
leichnam gehalten werden solle: le pria, que son corps
Jdt mis en une nejy richement equtpp^e, que Von lots-
seroit aller au grd du vent sans conduite.**) Herscbie
der glaube, dafs die leiche, preisgegeben dem heüig<'n
meer und den winden von selbst einlaufen würde in das
menschlicher führung unnahbare land des todes?
Hier werden die leichuame selbst übergeschift» in an-
dern sagen blofs die von dem leib eutbundnen seelen.
Nach dem griechischen glauben fährt Charon die See-
len in einem schmalen, zweirudrigen boot, über den
Styx, Acheron oder Cocytus in das reich der unterwell,
er empfangt dafür ein fährgeld und darum legte man den
todten einen obelos (die danaka) in den mund.***)
*) wie feste wurzel dieser gebrauch im Norden gefafst hatte,
darf man daraus entnehmen, dafs leichen auch im schif begraben
wurden , ohne zweifei , damit sie auf ihrer reise in die unterweit da,
wo sie an ein wasser kommen wurden , das fahrzeug zur band hätten.
4]Akon kondngr t<>k tlmr skip öU, er Att lidfdho Eiriki synir, ok \H
draga k land upp; thar Ut Häkon leggja Egil Dllserk / sldp, oc
medh hänom alla i\\k menn, er af theirra lidhi böfdlio fallit, Ut bera
ihar ai iörd oc griot, Häkon konüngr Ut oc ßeiri skip nppsetja, oc
bera ä valinn.' saga H. gdda cap. 27. 'Unnr var ISgdh t skip f haa-
ginum»* Laxd. p. 16. *Asmundr var heygdhr ok t skip lagdhr\ tlineW
bans lagdhr / annan stafn skipsins.' Islend. sog. 1 , 66. 'Creirmondr
heygdhr ok lagdhr t skip thar Atl sköginn fra gardbi.' das. 1,97*
Wahrscheinlich legte man vornehme leichen erst in eine kiste oid
setzte diese ins schif, dann erfolgte die bestattung im bögel. G«-
drun sagt: *knÖr mun ek kaupa ok kisto steinda.' Sann. 264^* l"
alten grabhugeln des innern Oeutsclilands sind, meines Wissens, w»
sciiiflfe gefunden worden.
**) cento novelle antiche 81 : la damigella di Scalot; die aan-
cella sanza vela, sanza remi e sanza neuno sopra sagliente wird oadi
Camalut, an den hof des re Artu gefuhrt.
***) Diodor 1, 90. l-nrip. Ale. 253. 441. Aen. 6, 298. ta
Hermione in Argolis, von wo es nicht weit zur unterweit geglaubt
wurde, gab man den todten kein geld mit. Strabo 8 p.373.
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SEßLEN ÜBERPAORT 481
Diese Sitte dem lelchnam eine kleine münze in den mund
zu ]egen kommt auch unter Deutschen vor, vgl. abergl,
no. 207 , wo ihr ein spaterer falscher grund untergescho-
ben ist: ursprünglich sollte das geld nichts anders als
jenes uaulum sein.
In stürmischer nacht w^eckt eine mönchsgeslalt einen
schlaflrunknen schilFer, legt ihm Aen fähr lohn in die hand
und verlangt über den ström gebracht, erst steigen sechs
mönche in den nachen, kaum aber ist er gelöst und auf
der flut, als ihn plötzlich eine menge schwarzer und wei-
Iser herren füllt und der fälirmann fast keinen räum für
sich behält, mit mühe rudert er hinüber, die ladung steigt
aus und das fahrzeug wird von jähem stürm zurück ge-
worfen an die stelle der abfalirt, wo schon wieder neue
reisende harren, welche den kahn einnehmen, und deren
vorderster mit eiskalten fingern dem schiffer den fährgro-
sehen in die hand drückt, die rück fahrt des schifs er-
folgt auf die selbe gewaltsame weise.*) Ähnliches, minder
vollständig, wird erzählt von mönchcn, die nachts bei
Speier über den Rhein fahren (deutsche sag. no. 275.) In
beiden geschichten ersieht man keineu zweck des über-
schifTens : es scheinen uralte heidnische erinnerungen , die
um nicht ganz zu erlöschen sich veränderten.
Procop de hello goth. 4, 20 (ed. bonn. 2, 567) von
der insel Brittia redend meldet eine sage, die er selbst
öfters aus dem mund der einwohner vernommen hatte.
Sic glauben, dafs die seelen verstorbner menschen nach
jener insel übergefahren werden, am ufer des festen
landes wohnen unter fränkischer oberherschaft, aber von
alters her aller abgaben entbunden, fischer und ackerleutc,
denen es obliegt die seelen überzuschiffen**) das anit
gellt der reilie nach um. welchen es in jedweder nacht
zukommt, die legen sich bei einbrechender dämmerung
schlafen, mitternachts hören sie an ihre thüre pochen und
mit dumpfer stimme rufen. Augenblicklich erheben sie
sieb, gehen zum ufer, und erblicken dort leere nachen^
fremde, nicht ihre eigne, besteigen sie, greifen das rü-
der und fahren, dann merken sie den nachen gedrängt
^oll geladen^ so dafs der rand kaum fingerbreit über
•) nene Volksmärchen der Deutschen. Lelpz. 1792. 3, 45—47.
••) TU /*y uXJiu fPijuyytov xuri^Koot ovnq, gioQoi» fiivTOk uTiuya)-
yjjv ov^fTnanort 7iaQaoxof**yoi ^ vyxtfifvov uinotq fn nuXiuov^ rovdf rov
ItxOovg^ vnov^yiaq Ttyos, w? q^uaiv, fV*x«, Xtyovatv ol tmi/t// «v^^>w-
31 ^ ,
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482 SEBLBN ÜBERFAHRT
dem Wasser steht. Sie sehen jedoch Diemand, und landen
schon nach einer stunde, während sie sonst mit ibrem
eignen falirzeiig nacht und tag dazu bedürfen , in Briuia.
angelangt entlädt der nachen sich alsogleich und wird m
leicht, dafs er nur ganz unten die flut berührt, "weder
bei der fahrt noch beim aussteigen sehen sie irgendwen, *
hören aber eine stimme jedem einzelnen namen und Vater-
land laut abfragen. schilTen fraucn über, so geben diese
ihrer galten namen an.
Briuia liegt dem Procop nicht weiter als 200 sladien
von der küste, zwischen Britannia und Thule, der RheiiJ-
mündung gegenüber, drei Völker Angeln, Friesen uud
Britten wohnen auf ihr. unter Britannien versteht er die
westliche küste des gallischen festlandes, deren eines ende
noch jetzt Bretagne heifst, die sich aber im 6jh. weiter
über die spätere normandische und flandrischfriesische gegead
bis zur mündung der Scheide und des Rheins hin ausdebnle;
Brittia ist ihm Grofsbritannien , Thule Scandinavien.
An welcher stelle die todtenüberfahrt , ob sie längs
der ganzen gallischen küste statt hatte? lasse ich unent-
scliieden. In Bretagne, am flusse Treguier in der gemeinde
Piouguel soll auf den heutigen tag die sitte herschen, die
leichname in einem nachen nach dem kirchhof über ci-
-nen kleinen arm des meers, passage de Pen/er genannt,
zu schiffen^ statt sie den kürzeren landweg dahin so
tragen; und in ganz Armorica glaubt das volk überdem,
die Seelen der verstorbnen begeben sich im augenblick
ihrer trennung zu dem pfarrer von Braspar, dessen himd
sie nach Grofsbritannien geleite ; in der lujt hört man
die räder des wagena knarren^ der mit seelen über-
laden ist, ein weifses tuch deckt ihn, er heifst carr
an ancou , carrikel an ancoii^ seelen wagen.*) Lauter
höchst volksmärsige abweichungen. es war den Chrislcu
längst nicht mehr gestattet, ihre leichcu nach der insel
Überzufallren : wenigstens bringen sie sie noch zu wasscr
nach dem kirchhof und lassen, in ihrer tradition, die
überfahrt statt im schif «durch die luft auf einem wa^o
vor sich gehn. Nähere forschungen müsten lehren, ob
sich in der Normandie, in Flandern uud Frieslatid ähn-
liche sagen erhalten haben? mir fallt dabei wieder jenes
Helium uud Helvoet (s. 197) ein.
Procops nachricht wiederholt im 12 jh. Tzetzes lum
Lycoph. 1204, aber schon früher, im beginn des fünHen
*) niem. de l'acad. ceit. 3, 14 t.
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SBeLBN ÜBERFAHRT 488
wust« Claudian, dafs jene gallischen ufer ein Sammel-
platz der wandernden seelen seien:
est locus, extremum qua pandit Gallia littus^
oceani praetentus aquis, ubi fertur Ulixes
sanguiue libato populum movlsse silentem.
illic umbrarum tenui Stridore volantuni
flebilis auditur questus. simulacra coloni
pallidaj defunctasque vident migrare figaras.
▼an der gegend liege Britannien, das land der Senonen
und der Rhein nicht fem/) dies leise rauschen der ilie^
genden seelen stimmt fast zu dem luftwagen der Bretagner,
Gleichen sinn zu haben mit der reise der seelen zu
schif über den ström oder das gewasser der unterweit
scheint es, wenn sie die brücke des Stroms überschreit
ten. Merkwürdig sind die worte der brückenhüterin zu
Hermödhr: *unler dir einem (lebendigen) tont meine brü-
cke mehr, als unter den fünf häufen todter männer^ die
gestern darüber ritten.' Sn. 67. Ich finde darin die grofste
ähnlichkeit mit dem sachten getrippel der fortziehenden
Zwerge über die brücke ^ und die Verwandtschaft der
seelen mit den elbischen wesen zeigt sich auf das deut-
lichste. 'Als die Zwerge aus dem Voigtland zogen > setzten
sie eine ganze naclit hindurch i^er die allster (Jul.
Schmidt p. 143. 148.) bei ihrem abzug vom Harz war man
übereingekommen, dafs sie über eine schmale brücke bei
Neuhof gehen und jeder in ein aufgestelltes gefäfs einen
zoll werfen, aber kein landeseinwohner zugegen sein
sollte, neugierige standen jedoch unt^r der brücke und
hurten stundenlang ihr getrappel , als gienge eine
heerde schafe darüber (deutsche sagen no. 152. 153.) Auch
der geldzoll gemahnt an das fährgeld der seelen. Und
zu allem dem halte man nun die fabel von dem nachts im
kahn überschiffenden alb (deutsche sag. no. 80.)
Eine genaue Untersuchung der vielfachen leichenge-
bräuche bei europäischen Völkern, die ich hier nicht be-
absichtige, würde noch mehr aufschlüsse über die altheid-
uischen Vorstellungen vom wese» der seele und ihrem
Schicksal nach dem tode gewähren. So wurde den leichen,
aufser dem fährgeld änd dem schiff auch ein besondrer
todtenachuh^ altn. helskS^ zum antritt der langen Wan-
derung mitgegeben und an die füfse gebunden, in der
Gisla Surssonarsaga heifst es: that er ttdska at binda
mönnum helskö, sem menn skulo d g^nga til Valhallar,
*} in Rufiomn 1, 123 — 133
31*
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48« SI^LBN IM 8TJIEIT
ok mun ek Vesteini that giöra/) Im HeniieBer^idNB
und vielleicht an andern orten nennt man nodi jetzt die
dem verstorbnen erwiesne letzte ehre den todtenacliuh^*\
ohne dai's der gebrauch selbst fortdauerte, ja das leicheo-
mal wird so geheifsen. Auch das abfahren der leiche auf
einem nicht hergebrachten vvege schadet der seele des ver-
storbnen. Ledeburs archiv 5, 369.
In den dichtungen des miltelaUers wird verschiedeDtUch
ein streit der enget und teufel um die ausfahrende sede
geschildert ; beide wollen sie in empfang nehmen. Wor dem
tievel nam der s^le war der ei*zengel ^erubtnJ Wh. 49, 10»
ldz4 lÄz4 tengelu!
Aä wart von der. engein
manec s^le empfangen
i der strit was zegangen.
daz weinete manec amie:
von wölken wart nie snie
also dicke sunder zal
beidiu äf bergen und ze tal,
als enget unde tievel fingen,
die d6 ze widerstrite zugen
die s^ie her und widere
d' einen üf, die ander nidere. Geo* 1234.
der enget fürste Michahil
empfienc des marcgräven s^l
und manec enget liehtgevar,
die kämen mit gesange dar
und fuorlen in vroeliche
inz schoene himelrtche. Geo, 6082«
eine noch wichtigere «teile, worauf ich schon s. 251 ^
wiesen habe , findet sich Morolt 28*- *>, hier treten drei
schaaren, die schtparze, weifse und bleiche auf: *den
strtt mahtu gerne schouwen, dens lunb die sele suln
hdn.' Auch die alleren franz. dichter beschreiben ähnli-
ches, vgl. M^on 1, 239. 4, 114. 115.
Und schon im 8. 9 jh., gleich zu eiugang des bruch-
atücks von Muspilli:
wanta sär s6 sih diu s^la in den sind arhevit
enti si den Itlihamun likkan Mzit,
8Ö quimit ein heri fona himilzungalon
daz andar fona pehhe; dar pägant siti umpi.
ich habe schon 8.236 gezweifelt, ob dieser 'puc iuni>^
*) V9\' M&llera sagabibl. 1, 171.
**) Reinwald 1 , 165.
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SEELEN IM STREIT 485
(K« s^ft' zwischen dem lieer des Tiimmels und der liolle
aus cliristlicher Überlieferung stamme, zwar der brief Ju-
dae T* 9 erzählt von einem zank des erzengels Michael
und der teufel um den leichnam Mose*), und daraus
scheint wenigstens jener christliche Vorkämpfer, Michael,
herzuleiten, eifersucht und streit über die theilung der
Seelen kann aber auch schon als heidnische Vorstellung
angenommen werden, da sich im Norden Odhinn, Thurr
und Freyja, jedes gewisse theile der gefallnen aneigneten.
Nach einem irischen märchen führen die geistcr des stillen
Tolks am kreuzweg drei nachte langen heftigen streit, auf
welchem kirchhof eine menschliche leiche begraben wer-
den solle.**)
Dies leitet zu einer näheren betrachtung der Vorstel-
lungen von dem tod.
*) die gtelie soll sich gründen anf ein verlornes buch ^drußaaiq
Moyses' genannt. Tgl. Hu^o Grotins ad S. Jadae ep. 9 und Fabricii
cod. pseudepigr. V.T. p. 899.
*') irische elfenmärcheu p. 68.
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486 TOD
CAP. XXn. TOD.
Dem alterthiim war der tod kein tödtendes wesen,
blofs ein in die unterweit abholendes, geleitendes, die
Seuche, das Schwert tödteten, der Tod trat als böte einer
gottheit auf, ihr die abgeschiedne seele zuzuführen, ster-
ben wird durch seine erscheinung angekündigt, nicht ver-
ursacbt. so hat in jenem märchen der todesengel dem
kind die blumenknospe gegeben: wenn sie erblüht sei,
wolle er wiederkommen.
Hierzu stimmt die jüdische, vom christenthum beibe-
haltne Vorstellung, des armen mannes seele. wird von eo-
geln gottes abgeholt und in Abrahams schofs getragen, Luc.
16,22; wie sich der dichter des H^l. 103, 5 ausdrückt:
godes engilös andfengon is ferh, endi Idddon ine an Abra-
hämes barm, als gegensatz malt er das Schicksal des rei-
chen mannes weiter aus 103, 9: l^lha wihli bisenkidun b
s^ola an thene suartou hei, teufel versenkten seine seele
in die schwarze liölle.
Nicht wesentlich wich davon die ältere heidnische
ansieht ab. Halja^ Hely die todesgöttin, bringt nicht um,
sie empfängt den todten menschen in ihrem haus und
hält ihn darin unerbittlich fest, tödten heifst ilu* einen
zusenden, weder erscheint Hei die ihr verfallnen seclen
abzuholen*), noch entsendet sie boten nach ihnen, die
lange, dunkle reise anzutreten bleibt den toSten selbst
überlassen: schuh, schif, iahrgeld, diener, pferde und
kleider nehmen sie aus ihrer heimat mit auf den heUveg.
einige reiten, andere fahren, ganze häufen seelen rotten
sich zusammen, kein geleitsmann kommt ihnen entgegen.
Es waren noch andere götier, die sich der seelen be-
mächtigten. Ran, die meeresgöttin , zieht alle in ihrem
gebiet ertrunknen leichen mit einem netz an sich (^
197.) überhaupt scheinen Wassergeister gern seelen fest-
zuhalten (s. 281); selbst frau Holle, zu deren wohnung
*) nur im traumgesicht tritt sie auf: postera nocte eiHe«
Proserpina per quieteoi ad:itare aspecta postridie se ejus coniplexu
U5uram deuunciat. nee inane somnii praesagium fult Saxo gramfli.
p. 43.
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TOD 487
ertrinkende gelangen (s. 166. 476) hat mit Hei gewisse
Sbnlichkeit,
Ganz anders steht es um die nach Valhöll bestimmten
Seelen. Odhinn entsendet die valhyrien^ alle im kämpf
gefalhien helden zu empfangen und in seinen himmel zu
geleiten (s. 235. 474); wunschjungfrauen holen seine
wunschsöline. *thoer hiosa feigdh d menn.' Sn. 39. heiT-
lich wird im H/ikonarmAl ihr geleit und der empfang der
helden dargestellt, aber diese botinnen nehmen sich schon
der lebenden helden an und beschirmen sie bis zum tod :
sie sind Schutzengel und toclesengeh wie schön, dafs
der gütige gott, bevor er sie ruft, seinen auserwälüten
einen geleitenden geist zur verherlichung ihrer irdischen
bahn verliehen hat.
Ich erkenne eine berührung zwischen valkyrien und
Hermes , der den stab des Wunsches trägt (s. 236) und
Seelen zur unterweit geleitet {tfwyccymyoct , ynr/ono/itnoep
pexQono/iinos*) jene Jungfrauen sind Odhins boten , wie
Hermes götterbote, ja Hermes ist Odhinn selbst; dem
die Seelen gehören, also auch in dem Verhältnis des got-
tes zu den todten eine bestätigung der Identität zwischen
fVuotan und Mercur, ein unterschied zeigt sich darin,
dafs Hermes zum Hades geleitet, so viel ich weifs nicht
ins elysium; umgekehrt holen die valkyrien ab nach Val-
höll, nicht zur Hei. aiu^h die eigenschaft des schutzgel-
stes mangelt dem Hermes,
T3iese idee des schutzgeistes zeigt sich mehr in dem
personificierten Thanatos des griechischen Volksglaubens,
er wird dargestellt als ein genius, der nachdenksam die
hand an seine wange hält, oder den fufs auf die psyche
stellt, gleich als habe er sie in besitz genommen, oft
kreuzt er seine bände über der ausgelöschten fackel. zu-
weilen erscheint er schwarz (wie Hei, s. 195) oder
schivarzgeflügelt (atris alis): tov dh neoov^a ciks f^i-
Xag &araTog^ V^XV ^^^ ow/uaTog enTfj (batrach.
207)*) und aXsvctio 7cf;$a ftiXaivav (das. 65.) Ge-
wöhnlich aber wird der scheidende, abschied nehmende
todte zu pferd dargestellt, das ein genius fuhrt", die
offenstehende thär bezeichnet die ausreise, wie wir noch
jetzt, wenn einer stirbt, thür oder fenster a^ifmachen
(abergl. 664.) symbolisch kann die blofse thur^ der blofse
*) nadi dieser stelle sollte man glauben , der Tod habe nnr den
leichnam des gefallnen an sich genommen, die seele sei in die unter-
weit entflogen, denü es beifst von ihr 235 ^viio<idt ßißijiti».
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488 T09
pferdelopf das abführen der seele ausdrucken.*) Der
rumische todesgenius scheint durch thäranhlopfen sein
uahen oder die stiwde des abschieds zu verkündigen**);
nächtliches klopfen und pochen (s. 293) ist geisterhaft und
Vorbedeutung des Sterbens.
Weiblich, wie man aus dem genus von mors folgern
sollte, bilden römische kunstwerke den Tod nie, sicher
dachte ihn sich das volk ursprünglich nicht anders; die
slavische smrt (dasselbe wort) ist überall weiblich ; das
litth. smertia wird männlich und weiblich gebraucht, das
lett. nahwe nur weiblich.
Diese benennuDgeu klingen an deutsche. scJimerz haben
wir in dem gemilderten sinne von pein, ursprüglich war es
wol nur todespein, wie quäl zu quellan, ags.cvellan, engl.kül
gehört.***) das ahd. smerza ist weiblich, das mhi. sinerz und
srnerze männlich, stets unpersönlich, nahwe stimmt zum gotL
mdAC. ndus, pl. naveis, funus, Svie auch &av(tTos leiche be-
deuten kann.f) das gr. wort hat aber gleiche wurzel mit
dem goth. dduthus, ahd. tSd (früher tödii); die £oth.
Wurzel lautet diva, diu (morior), was sich zu &vi^ax(i»i
S'd'ovov wie das golh. Tiv zum slav. dan verhält (s. 435.)
das ahn, daudhi finde ich nur für den zustand (z.b. Snem.
231''), nie für die person , letztere aber drückt schon
das goth. dduthus 1 Cor. 15, 55 aus.
Der Verwandtschaft der Wörter entsprechen auch ähn-
liche Vorstellungen, die hauptsächlichsten unserer allen
dichter scheinen folgende.
Wie alle geister plötzlich nahen ff) , so der Tod;
kaum hat man ihn genannt oder gerufen, ist er da. er
stellt gleichsam im hintergrund und harrt des rufes oder
ivinles (Freidank 177, 17.) er ist wie das fatum, nah
und zur hand (s. 228. 229.) ähnliche redensarten galten
von der wart, wahrscheinlich auch von der walaciiuria.
wie ein verfolgender kobold oder irwisch hockt er den
• «
*) O. Müller« arcliaol. 2 ausg. p. 604. 696. wegen des pfenie-
kopfs vgl. Boekii corp. inscr. no. 800, marm. oxod. p. 2. no. 63. 67.
R. Rochette nionum. ined. 1, 126. Pausanias Vll. 25, 7.
••) Horat. carm. 1. 4, 13: pallida mors aequo pulsat pcdc pan-
pemm tabcrnas regiimque turres.
**') die bedeutiing der herbsten ansdrficke mindert der lange ge-
brauch ; eiu beispiel war s. 462 das franz. gene.
f) goth. Icik (corpus, caro) , leiche , leichnam (cadaver) ; iM.
hreo^ ags. hra'v i mlid. r4 (cadaver, funus) goUi. hräiv (wo»oii hr«i-
vadubö, klagtaube) = tat. corpus (worio das p, wie in tempus, vgl*
a.457, nicht zur wurzel gehört)
f t) Heinhart s. liii. cxxx.
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fettten auf dmn hals: 'der Tot mir aitxet üf dem kragen J
Kol)cz. 174, 'stet vor der tür: Diut.2, i53*
Der Tod nlninit die seele und fülirt sie weg. 'hirta
fuartanan Tud.' 0. 1. 21, 1. *wauA Tot, du nim mich
hin!' Ecke 14.5, *do quam der Tot \u natn ihn hin,'* Lo-
hengr. 186. 'er begrijet\ Gregor 13. 404. Diut. 3, 53,
ein ausdruck, der auch von dem überfallenden, bewältigen-
den Schlaf, des Todes bruder, gebraucht wird: 'der Sldf
in begreift pf. Chuonr. 7076. er bringt in sein haus, dessen
thür geöfnet steht: *gegen im het der Tut stnes hüses tür
entlocken.^ Bit. 12053. *du in der Tut heim nani in sin
gezinimer\ 'brüht heim in sin gemiureJ' Lohengr. 143.
150. das sind schon abweichungcn von der ursprüngli-
chen idee, die ihm keine eigne wohnung zuschreibt.
Wahrscheinlich trägt er wie alle boten (RA. 135) und
wie Hermes, der seelengeleitende, einen Stab, zum zei-
chen einer reise oder der ihm verliehnen gewalt. nut die-
sem Stab, mit dieser rutlie (des Wunsches) berührt er,
was ihm verfallen ist: 4a Mort de sa verge le touclia!
M^on 4, 107.*)
Dem Tod wird eine wol geebnete und in bau erhaltne
straf se zugeschrieben, auf der die todlen mit ihm wan-
dern, 'des Todes pfat wart gebenet: Turl. Wh. 22* 23*>-
'da moht erboutven der Tot sin strdzeJ* Bit. 10654. Wie
ein behilflicher, geschäftiger diener schmiert er dem men-
schen, welchen er abholt, zu der grofsen reise, vorher
die schuhe; in Burgund drückt man die ankunft des
Todes aus durch die phrase: *quan la Mor venre graisse
no bote\ quand la Mort viendra graisser nos bottes (noei
borguignon p. 249.)
Ganz heidnisclier zug, dünkt mich, ist, dafs er zu
pferd erscheint, wie die valkyrien reilen. er holt zu
pferd ab, setzt die todten auf sein pferd» in einem
weitverbreilelen Volkslied naht der ferngeslorbne und be-
grabne bräutigam nütternachts und führt seine geliebte
mit sich.**) vielleicht soll jener p/erdekopf (s. 488) mehr
des Todes als des todten pferd bezeiclmen? Der Hei und
ihrem boten wird gleich andern gottern ein pferd zuge-
standen haben, das bestätigen noch redensarten und mei-
*) danse Macabre p. m. 55 fuhrt der Tod trois i^erges»
*•) 'der inond flcheiot hell, die todten reiten schnell,'' Burgers
l«beB p.37. WH. 2, 20. H maautje schijut zo hei, mijii paardtjes
lope so «nel. KM. 3, 77. mänan skiner, dödman rider, sv. vis. 1»
i-ui. man vgl. das neugr. lied bei Wh. Muller 2, 64 uud Vuk I
no. 404.
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4» TOD
Illingen, die hin und wieder bei dem volk Iiaßen. Wer
von schwerer krankheit genesen ist pflegt zu sagen: 'jeg
gatf Döden en skiäppe havre" (Thiele 1, 138), er hat
dem Tod für sein ros einen schelTel haber geopfert und
ihn damit besänHigt. wie die Helden dem Wuotan ($•
104), der frau Gaue (s. 153), die Slaven ihrem Svantevit
und Radegast (s, 382) die rosse futterten. Von einem
schwer und polternd auftreteoden heifst es gleichfalls ia
Dänmark: *han gaaer soin en helltest* (dansk ordb. 2,
545»«) von diesem helltest erzählt man noch andere
dinge/ er soll dreibeinig auf dem kirchhof umgehn und
den Tod herbeiführen, nach einer volkssage wird auf
jedem kirchhof, ehe er menschliche leichen empfängt, ein
lebendes pferd begraben: dies sei das umwandelnde tod*
tenpferd (Thiele 1, 137); allein ursprünglich war da«
nichts anders als die umreitende todesgöttin. Arnkiel 1, 55
führt den schleswigischen aberglauben an, dafs in pestzei*
ten die Hei*) auf dreibeinigem pferde umreite und
menschen^ würge; wenn dann bei nächtlicher weile hunde
bellen und heulen (weil hunde geistersichtig sind) heiTse
es: 'die Hell ist bei den hunden\ wenn die seucbe
aufhöre: ^die Hell ist ve'rjagt\ wenn ein todkranker
genese 'er hat sich mit der Hell abgejunden^ hier ist,
wie in andern fällen , der begrif des Todes mit der per-
sonificirtcn seuche zusammengeflossen. In den gedichten
unsers MA. wird niemals dieses umreiten des Todes ge-
schildert, wol aber dafs er die Seelen auf sein ros lädt*
Bei beschreibung einer schlacht heifst es: 'seht, ob der
Tut dd iht sin soumer lüede? jd er was unmüezec gar.'
Lohengr. 71. 'daz ich des Todes puoder mit in lüed
und vazzet. Oltocar 448»- Die Neugriechen haben den
alten fergen Xaßwf in einen todesboten yHqog umgewan-
delt, den man mit seiner schwarzen schaar über das ge-
birge ziehen sieht, er selbst reitet^ vor ihm her gehen
die Jünglinge, hinter ihm folgen die greise, die zarten
kinder sind an seinen sattel gereiht**) Der Jübekcr
todlentaoz (Bruns 334. 352) läfst den Tod auf einem /ö-
wen reiten, und so stellt ihn auch ein biid dar (Douce
p. 160.)
•) er schreibt *'der Hell'; wie kann aber in hoIsteioscble«wi^.
plattdeutBcli ein andrer artikel stebn alt </e? wag aowol der als ^
bedeutet
••) Ttt TQXffftt^u nuMnovXu *a xtjv aM d^^a^iaofiira, Fwiriel %
226. >Vh. Müller 2, 8.
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TOD i»l
Die todteii gehn , wie gefangne , in des Todes han^
den; auch nach der indischen vorsteUung jiHirt er sie
gebunden fort.*) 'ei, waz nü dem Tode geschicket wart
an ein seil! Lohengr. 115. ^maneger quam an des To-
des 'seiV das. 123. *in T<)des sil sttgen! liS. 3, 440.
'zuo dem TMe wart geseilet! Geo. 2585. V^ dir Tötl
dtii sloz und dtn gehende bindet u. besliuzet! Wigal.
7793. 'der Tot hdt mich gegangen! Karl 81»^-
Jemehr die alte gottheit der unterweit zurück und
der Tod eigenmächtig auf trat, mu^te sich eine herbere
auffassung seines wesens ergeben, aus dem stillen boten,
der nur strenge seines amtes wartet, wird er ein gewinn-
süchtiger, gieriger feind, der für seine rechnung handelt,
den sterblichen fallen stellt. Schon 0. V. 23, 260 legt ihm
listiges besuichan (decipere) bei, Conrad strih und «c—
tzegarn Troj. 12178, was an jenes netz der Run (s. 486)
gemahnt. Noch heutzutage ist für ihn das bild eines vög-
let^ oder fischers hergebracht, der dem menschen schlin-
gen legt oder nach ihm angelt, 'do kam der TOt als ein
diep und stal dem reinen wibe daz leben üz ir lUbe.'
Wigal. 8033.**) Ef übt aber auch ofne gewalt, er suo^
chet, roubet Nib. 2161, 3. 2163, 1; jaget Roth. 2750;
bekrellet (fafst mit krallen ?) ftiudgr. 196, 20; sein boten-
stab hat sich in einen speer verkehrt, den er wirft, in
einen pjeil^ den er vom bogen entsendet. Hieraus geht
die idee hervor seines förmlichen kämpf es und ringens
mit dem menschen, den er überwältigt und erlegt. *er
widersaget äne sper' Freid. 177, 24 scheint: er kündigt
das leben auf, ohne, wie sonst geschieht (RA. 163) den
krieg durch einen speer feierlich anzumelden, 'jiüt dem
Tode vehteh* MS. 2, 82*>; der Tut wil mit mir ringen\
Sloufenb. 1126; *do ranc er mit dem Tode' Nib. 939, 2;
wir benennen noch jetzt so die agonie des sterbenden,
ohne etwas persönliches dabei zu denken. In einem neu-
gr. lied ringt ^ auf glattem marmor, ein kecker jüngling
mit Charos , von morgen bis zu miltag: in der abend*
stunde wirft ihn der Tod nieder, ein andermal wandelt
sich Charos in eine schivarze schwalbe und schiefst einer
Jungfrau den pfeil ins herz.***) Auch luisere nilid. dichter
verleihen ihm pfeil und Streitaxt: 'des Todes strdle het
si gar versniten. Tit. 3770. 'w4 suidet des Todes harte*
*) Bopps suiidflut p. 87. 50.
**) lebensdiebt leuteschlachier , Hamen des Todei.
•••) Wb. Mutier a, 4. 6.
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litt TOD
Wli. 3, 220 (cod. cas8.) die isernporte eine« meistere-
»angs aus dem 14 jh.*) ist wol tsernbarte? hier yerheifst
der Tod, wenn ihm sein gegner obsiege, tausendjährige
friste) ' ^
In solchem krieg und streit mufs der Tod aber ds
an Führer eines grojsen , sich ohne nnlerlafs stärkenden
heera erscheinen, sciion den Griechen heifsen die todten
ot nXioveg und ig nXiorwv iniü&m bedeutete was i^
"AiSov in die wohnung des grofsen hauiens, zur grofsen
schaar gelangen, im ackermann von Böhmen wird der
Tod genannt ''hauptmann vom berge\ etwa weil er, wie
im griech. liede (s. 490) mit seinem heerzug das gebirge
deckt? 4n des Todes schar varnJ Wh. v. Orl. 2113.
W'iewol nicht mitkämpfend scheinen die todten ein heer-
zeichen (fahne) zu tragen, das er den sterbenden gleich-
sam anheftet, womit er sie berührt imd seinem beer ein-
verleibt.***) so verstehe ich Mes Todes zeichen tragen^
Nib. 928, 5. 2006, 1; es kann aber auch den nebenbe-
grif enthalten, todeswunde empfangen haben, die dann
für sein zeichen und wapen gilt, darum h^st es Nib.
939, 3 'des Todes zeichen ie ze s^re 8neit\ wo eine hs.
wdfen darbietet, wie auch sonst gesagt wird ^eines wd-
Jen tragen/ Parz. 130, 4. Freidank 74, 18. Wigal. 7797,
ja, 'des lüdes wdpen tragen' Wh. 17, 16. 'Trislandes zei-
chen viieren^ Heinr. Trist. 2972 bedeutet: gleich ihm ver-
wundet sein. Schon Älfired Boeth. p. 16 (Rawl.) gebraucht
'Deadhes tdcnung.^\)
An die idee der botschaft und des grofsen haufens
schlössen sich nun noch andere^ w^ahrscheinlich weit hin-
auf reichende, boten zu sein pflegten im alterthum fiedle
und spielleute: es lag nalie, den Tod mit seinem gednde
•) Hag^ens niHs. 2, 188.
**) uiisern dichtem ist anch der gcdfinke nicht fremd, difs der
Tod seinen anspriich auf den menschen geric/itlich verfolge, Mo be-
gtinde der Tut einen grAven bedagen und mit gewalte tiffingen se
nötigen dingen.' Iw. 5625 AT. der graf lieifst Mer verlorae , wiadcr
niuose im ze suone geben beide sin gesunt n. sin leben.' Ebenso iit
Iw. 7161 die rede von dem ''gelten vur des Todes scMlen,^ viellt*icbt
gehört hierher Nib. 2017, 3 'der Tot hdt Af si gesu^orn,^ Im arker-
mann aus Böhmen ist hingegen der Tod ein beklagter nnd der ehe-
mann, dem er seine frau geraubt hat, klager. ihnUdie recfatslnuidel
fängt der Teufel hn,
•••) vgl. einem des Tode» nmoder (mieder) tniden. Titar.
f) merkwürdig; spricht in jenem mei^tergesang (mus. S, 18?)
der Tod: 'und aist bereit, wenn ich dir niine boten (die krankbeitM)
send, die dir die zeichen geben\ die didi %h den BAeioigen
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TOB 49t
einen reihen auffiilireii zu laMen, er wirbt sich; durch
pfeifen und geigen ^ nachfolger. eigentlich eine heitere^
die harte des Sterbens mildernde Vorstellung: abgeschiedne
Seelen treten alsbald ein in tanz und fest. Schon die Rö«
mer behaupteten gesang und tanz im' elysischen gefilde*)
und es stimmt zu der ähnlichkeit seeliger geister mit mu«
8tk und tanzliebenden elben (s. 264.) unsere dichter des
13 )h. reden indessen noch rfe vom todtentanzy der seit
dem 15. 16 zu den populärsten Vorstellungen gehörte, in
der häufigen redensart 'er hat den 16t an der hant*
Nib. 1480, 4. 1920, 4. 1958, 4. Wigal. 2453. 4700.
Alph. 286« 345. 359 scheint nicht anfassen zum tanz ge-
meint, blofs zum wegführen (vgl. 8.228.)
Da des lebens Vergänglichkeit schon in der h. schridt
dem gras und heu verglichen wird, konnte man leiclit
in dem Tod einen mäder oder Schnitter sehn, der men-
schen wie blumen und halme niederhaut, messer, siehe/,
sense sind ihm in dieser beziehung beigelegt. 4st ein
sclinitter, heifst der Tod, hat gewalt vom höchsten gott,
heut wetzt er das messer, es schneidt schon viel besser;
hüte dich schönes blümelein!' worte eines kirchenlieds.
ältere dichter geben ihm nie diese Werkzeuge; wol aber
wird das bild des ausgetragnen Todes zuweilen mit einer
sense ausgestattet (s. 446.) es könnte auch späterhin die
harpe des griech. Kronos **) eingewirkt haben, 'einen den
blumen gesellen, ins gras beifsen lassen' Lohengr. 138
gilt auch von andern siegern als dem Tod. er jälet die
pflanzen aus : *in lebens garten der Tot nu jat\ Turl.
wh, 23»>-
Eh ich einige andere Vorstellungen erläutere mufs ich
die beinamen und benennun^en des Todes in unserer al«
ten poesie aufzählen.
Gewöhnlich heifst er der grimme^ Roth. 2750. Mar.
218. Flore 1931. Troj. 2317. 2325. 10885. Ls. 3, 124***);
der ferchgrimmey Morolt 4059, eine glücklich ver-
wandte Zusammensetzung, da es der Tod auf ferch und
leben abgesehn hat; der grimmige ^ Roth. 517. Reinh.
360. 1248. Berthold 303; der bitter {jiiy.qoq &avaTog),
Diut. 3, 89. Mar. 206. Alex. (Lampr.) 820. 1097. 3999,
*) Virg. Äen. 6, 644 pars pedibns plaarfont ehoreas et carmina
diciot. Tibuü 1. 3, 59. Iiic choreae ca/ttusque vigent.
**) O. Mullers archaol. p.599.
***) der grimme tdf , nanie eines messers, Wolfd. 1313, merk*
wfirdig, da der Hei messer tultr hieCs (s. 195), Toa svelta (esurire).
<tei tm gotik MuUtofi (ktt l^grif bat von mori.
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«94 TO»
4782. gr. RiioJ. C^ 15. Wigal- 1113; der hiilerlieke,
Troj* 3521. 22637; der sure, Parz. 643, 24; der irre,
Amgb. 29^ bei Wizlau, also wol erre, mit dem sinn der
zornige?; der gemeine (qui omues maoet) En. 2081. Lai«
ter epitheta entuommeii von seiner unvermeidlicbkeit, grau-
samkeit, herbUeit, nicb(s persönliclies über seine gestak
verratUeod. niemals findet sich der schwarze, der bleiche,
nach dem lat, mors atra, mcl's pallida. Hieber TOt' -wird
er in- einem liede angeredet (Hagens mus. 2, 187); Mer
heilig Tod' nennt ibn H. Sachs I. 5, 528^; Hier Tol^:
auch blois in der anrede ; ApoUonius 295 und oft im
ackerman aus Böhmen.
Wichtiger für die Untersuchung wird, dafs im Rei-
nardus 3, 2162 eine knöcherne geige ^ossea ut dominus
Blicerö* heifst, worunter nichts anders als der Tod kann
gemeint sein, bezeichne das den bieichen oder den ble-
ckenden, oder, was ich vorsiehe, sei es der eigenoaime
Bltdg^r^ Blicker mit blofser andeutung jener begrüTc.
ein knöcherner pjerdekopj wii'd hier dem wolf, als spieler-
fahrnem (joculandi gnarus) spöttisch zur geige gereicbt, bei-
nern wie ein todtengerippe. Nun liefse sich jenes s. 380 un-
erklärte Caput caballinurn in der that als Symbol des Tode«
(s. 489) und des todlenrosses (8.488) deuten, wie die Aloster-
geistlichen zur erinueruug an das sterben menschliche tod-
tenköpfe im gemach aufstellten, mochten sie auch pferde-
Schädel innerhalb der mauern aufbangen? einem altern
heidnischen brauch (s. 379) war wiederum christliche be-
trachtung untergelegt? Hat dies grund, so begreift sieb,
wie den flandrischen dichter das pferdehaupt auf den Tod
leitete, ja es könnte sein, dafs fantastische bildner den
Tod auf ihm statt einer geige oder pfeife spielen liefseo?
Auf alle fälle lehrt dominus Blicero^ dafs in der
mitte des 12 jb. die Vorstellung des Todes durch ein gerippe
gäng und gäbe war. eine frühere spur kenne ich nicht,
halte es aber für sehr möglich sie aufzufinden, man weils,
dafs bereits den Römern fleischlose, verschrumpfte larven
öder Skelette zur bezeichnung des Todes dienten.*) Aof
grabsteinen des MA. werden schon frühe leichen als ganxc
oder balbe gerippe dargestellt sein, dichter des 13jli*
schildern die fr eh als ein vornen schöngebildetes veib,
dessen rücken von schlangen und nattern erfüllt wird.*')
auch dieser gedanke mag ein höheres alter haben; oahe
*) O. Müllers areliäol. 696. 697.
**) das gedieht ist vor dem Wigalais abgedruckt
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TOD 495
irerwftBdt ist ibm die dlclitang von drei lebenden und drei
todten königeil.*)
Diese bald allgemein hergehende vorstellungsweise des
Todes steht den antiken abbildungen wie der allheidni-
schen ansieht schrof entgegen, den lieblich gestalteten,
dem schlafe gleichen, genius, den kindlichen todesengel
hat ein grälsliches, der Wirklichkeit im grabe verwese-
ner leichname abgesehenes bild verdrängt; und doch zeigt
sich hier die Wirkung der alles ergreifenden, alles besänf-
tigenden poesie. die älteren Vorstellungen des wegfüJi"
renderiy anfallenden 9 tanzenden Todes auf solche lai^
ven angewandt haben eine fülle echt volksmafsiger , naiver
und humoristischer bildwerke hervorgebracht ; ja ihr reich-
thum ist von den künstlern noch lange nicht erschöpft,
ohne den rippenhaften Tod , welcher tracht und gebärde
der lebenden nachäift**) und gegen das blühende leben
grell absticht, gienge der reiz und die eigenthümlichkeit
dieser eriindungen verloren. Weniger ergötzend müssen
processionen gewesen sein, welche zur zeit des 15 jh.,
und vielleicht früher, in Frankreich für solche darstellun-
gen üblich waren: damals entsprang dort eine besondere
benennung des todtentanzes : chorea Machabaeorum,
franz. la danae Macabre, vermutlich weil man in den
grofsen reihen die sieben zugleich gemarterten beiden des
A. T. als hauptpersonen einflocht.***)
Eine andere weit jünger als Blicker scheinende, jetzt aber
allgemein bekannte benennung des Todes ist freund Hein
oder Hain; ich kann sie nicht einmal bis zur mitte* des
vorigen jh. hinaufführen, f) an sich sieht sie alt und pas-
*) Stapliorst I. 4, 263. Bragor 1, 369. altfranz. les trois mors
et les trois vis. Roquefort 2, 780. catat. de ia Vaili^re p. 285. 286.
vgl. Douce p. 31 ff. und cataiogne of manuscrlpts in tlie british mu-
aeum vol. 1. Lond. 1834 p.22. (cod. arundel. no.83 sec. iciv) samt der
abbildung auf pl. 7.
*') wie ia der fabel die tliiere der menschen.
**') neuste Schriften über den tddtentanz: Peignot recherches
sur les danses des morts. Dijon et Paris 1826. Francis Douce the
dance of death. Lond. 1833. der letztere leitet Macabre von dem
beil. Macarius^ dem in einer vision drei todtengerippe erscheinen.
ich begreife nicht, wie daraus chorea Machabaeorum , was in den
ältesten Zeugnissen geschrieben steht, geworden wäre» vgl. Carpentier
8.V. (a. 1424. 1453.)
f) Musaeus (volksm. 1 , 16), Claudius, Gotter bedienen sich
ihrer, uacli der vorrede J. R. Schellenbergs siu freund Hein« erschei-
uuügen. Winterthur 1785 wäre Asmas erfinder des namens, was leb
sehr beseweifle; verbreitet liat er iho.
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496 TOD
send genug aus. nach der vielfachen berübrung zwischen
Tod und andern geistern , kann füglich der name Heiue^
Heinz ^ Heinzelmann auf den Tod wie auf den koboM
passen y und der beisatz jreund entspricht dem geseU,
nachbar, holde jener geisler (s. 257. 284.) vgl. Heinchen 8.
259. der Tod ist hier, nach aller ansieht, aufgefafst alswol-
woUeades, freundliches wesen. eine voigtländische sage vom
gotte Hain (Jul. Schmidt p. 150) mag ich v\reniger auf ihn an«
wenden*), und noch geringern anspruch hat die oberbess.
benennung des mortuariums hainredit**), die wahrscbeio-
lieh aus heimrecht, heimfall entspringt.
Im deutschen schlemmer, einem drama des 16 jb.,
heifst der Tod der bleiche Streckefufs oder Strechebeinj
auch Gryphius (kirchhofsged. 36). nennt ihn StreckfuJ's,
weil er den sterbenden die glieder streckt, löst (^Xvöi/ueX^s)
schon in dem mehrangeführten meislergesang des 14 jh.
*er hat kein ru , er hab gestrecket mir das felP (mus,
2, 18H.) Christ. Weise (drei erzn. 314) hat BleckezaliH
und Streckebein r, anderwärts finde ich Dürrbein, Klap-
perbein j namen des Skeletts, die beziehung von kupjef"
bickel (ackermaun p. 34) ist mir unklar.
Es ist übrig einiger ausgebildeteren mythen zu geden-
ken , die sich von dem Tod erhalten haben, und gewis
von hohem alter sind.
H.Sachs bedient sich von dem nahenden Tode des
ausdrucks, er zucke dem menschen das stüUein^ er
stofse ihm den stul um, dafs er zu boden stürzen miife.
er nimmt ihm sitz und stelle unter den lebenden ; ich vcr^
mute davon eine ausführlichere erzählung. Noch gewölm-
licher heifst es in gleichem sinn: der Tod hat ihm das
licht ausgeblasen y weil die begriffe licht, leben, aufent-
halt unter lebenden übereinlreffen.***) Die lebenskraft
war gebunden an ein licht, an eine kerze, an ein scheit,
mit deren verzehren der tod erfolgt (s. 231. 233.) Hier
hängt nun die idee des Todes tief zusammen mit der vofl
dem fatum. der genius senkt die Jackel, dreht sie um, und
das licht des lebens ist erloschen, schon dem neugeb(»r-
neu kind hat die norn ein licht gezündet^ woran sein
•) Holzmeier für Tod las ich irgendwo, da« könnte an hedn
(wald) erinnern.
••) Mittermaiers privntreclit §. 77 no. 27,
*") Wh. 416, 14 bl lichter sonnen di verlasch manegem Sarr«-
ztn stn lieht} Lohengr. 133 er siuoc in, daz im ttittose daz lieht
erlischen»
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TOD m
lebensfaden gebundeu ist; vielleicht bezieht skh darauf
noch das kerzenentzÜDden bei geburtslagsbescheruDgen ? '^)
Wir besitzen ein tredich ausgedachtes märchen von dem
gemalter Tod (KJM. no. 44), dessen schUifs eine unlerir-
duche hole darstellt, worin tausend und tausend lichter
in unübersehbarer reihe brennen, das sind die leben der
menschen, einige noch in grof'sen kerzen leuchtend > an-
dere schon zu kleinen endchen heruntergebrannt: aber
auch eine lange kerze kann umfallen oder umgestülpt wer-
den. Vorher geht, dafs der Tod einem armen mann zu
gevatter gestanden und seinen pathen mit der gäbe be-
schenkt hat, ihn wenn er sich kranken nahe leiblich zu
erblicken, und aus seiner stelhmg zu entnehmen, ob der
sieche genese oder nicht.**) Der pathe wird arzt und ge-
laugt zu ehren und reichthum: wenn der Tod an des
kranken haupt steht, so ist er ihm verfallen, steht er zu
seinen füfsen, so kommt der kranke davon, einigemal
drelit der arzt den kranken um, und überlistet den Tod,
zuletzt aber rächt sich der Tod und läfst seines pathen
licht unversehens umfallen.***) In dieser ganzen fabel er-
scheint der Tod freundlich, vertraulich und schonend, erst
wenn die äufserste noth da ist, vollstreckt er sein amt,
daher auch seine gevatterftcliajt\) zu dem menschen,
die sichtbar der alterlhümlichen einkehr der nornen im
hause des neugebornen und deren begabung (s. 231) ent-
spricht , wie in andern kindermärchen feen zu pathen
gebeten werden. f+) Also ein uralter, heidnischdeutscher
mythus« bei dem man sich bis in die spätere zeit den Tod
nicht als ein geripp dachte, sondern als einen menschlich
oder gültlich gebildeten. Es darf nicht verwundern, dals
die sage mit vielfachen abweichungen vorkommt, welclio
KM. 3, 72 noch unvollständig angeführt sind: nach einigen
stellt der Tod seinem pathen einen ring zu, mit dem er
*) im kindenpiel Stirbt der fuchs «o gilt der balg' (KM. 2,
xTiii) wir<l «io brennendes holz heramgereiclit, dessen erlöficheu ent-
scheidet. , 1 j .
••) wie der sich zo oder abwenHendo bück des von^els charndrioj
über leben oder tod entscheidet. Freidaiik einl. l\xicvi, wo eine
Strophe des Titnrel and der altfranz. bestiaire (Roquef. s. v. caladrio)
unaii^efuhrt sind.
•••) vielleicht stiefs jener nmgeworfne stuhl zugleich das licht um?
+) lieifst der Tod auch bruder des menschen? 'bmoder tdt'
Ben. 262 ist fratrU mors.
f i-) die halbguttlichen nornen und feen schützen und beschenken
wie die christlichen pathen.
32
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498 TOD
(Uc krankheilen beurtlieilu *) Schon Hugo vonTrimperg er-
zählt am sclilufs seines werks *von dem 2^6de wie er ein
kint huop\ hat aber eine sehr unvollständige auffassung:
der Tod verspricht seinem gevatter, ehe er ihn abhole^
sefne boten zu sentlen (wie in dem meislergesang s. 492\
diese sinii ohreiiklingen, augeiiniefscn, Zahnschmerz, haut-
schrumpfen y bartergrauen, die gevatterschaft allein ver-
bürgt den Zusammenhang mit dem spateren märchen. ao^
faltend ist der anklang des ahd. toto (gevatter, patbe) mhd.
tote (Fans. 461, 10. Wh. 7, 21) au t6t (mors), wiewol die
quautität der vocale beide Wörter genau sfeheidet und erst
ein ablautsverhältnis sie wieder vereinigen mäste ; ans dem
Wortspiel erwuchs die sage nicht.**)
Gleich ausgezeichnet, aber heiterer, ist das miirchefl
vom Tod und dem Spielhansel (no. 82. vgl. 3, 135 — 14«),
der jenen auf einen bäum festbannt, so dafs sieben jähr
lang niemand in der weit stirbt, hierzu hat Weicker aus
Pherekydes nachgewicseu ***) , wie Zeire dem Sisyphos den
Tod auf den hals schickt, der ihn mit starken banden
fesselt, und wie nun niemand sterben kann ; Hades kommt
selbst, macht den Tod frei und überliefert ihm den Sisy-
phos. Die deutsche fabel verwebt den y Teufel in die
geschichte. Seit der ler/fel in den besitz der höUe ge-
setzt war, muste er sich mit dem Tod berühren, auch
den Litthauern und lietten wandelte sich fVeinas, PVeh^
ihr ursprünglicher todesgott, in den Teufel. Der christli-
chen ansieht gemat's empfiengen engel die seeleH der from»
men, teiifel die der gottlosen (s. 486), der abholende
Tod spaltete sich also in eine doppelte gewalt, je nach-
dem er dem engel oder dem teufet glich, als englischer
hüte steht er dem christlichen MicJuiel zunächst, des-
sen amt es w«r, «eelen zu empfangen (MoroU 2660.
2715.)
Meine ausRihrungen werden nicht zweifelhaft lassaVf
dafs der heidnische Tod in die zweite Ordnung dergötter
gehört ; weshalb er sich auch vorzüglich berührt mit den
halbgüttlichen valkyrien und noruen; er hängt ab von
Odhinu -und Hei; unter den griedi. güttern stehen ihm
zunächst Hermes und Hades, Persephone samt Cliaron dem
fährmann. sein wesen ist aber auch dem der elbe , der
hausgeister und genien nicht unverwandt.
*) Ettficrs iinwürd. doctor p. 190.
•*) vpl. obeu 8. 65 über die Verwandtschaft zwbchen got und godt
•••) aiiliaiig zu Scliweack p.323. 324.
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TOD M9
Wie er alch mit einer zeitgottkeil des Jahres, dem
W'iiiler, mengte, erörtert cap. xix *); darum mag er
einigemal an Kronos gemahnen.
In unserm heldenbuch kommt der Tod als ein abgott
vor, dem der Heide Belligan vor andern göttern dient,
und dessen hild Wolfdieterich zerbricht, ich weifs dies
sonst nicht bestimmt anzuknüpfen: es wird ein teuflisches
v^esen verstanden sein.
*) er bridit wie Nacht und M^inter plötzlich herein.
23*
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SOQ SCHICKSAL
CAP. XXm. HEIL UND SCHICKSAL.
liier soll eine genauere helrnclitung allerihiimlicber ai>
siclilen von glück imd Schicksal eingefügt werdeu , als m
sich im zwölften cap. vornehmen liefs^ wo der halbgött-
lichen leukcrinnen menschliches geschickes gedacht wurde,
auch greift das eigentliche fatum genau in die Vorstellun-
gen von geburt, vorzüglich aber von tod, welclie ebeo
erst auseinander gesetzt worden sind, ein mensch, über
den naher unausweichlicher tod verhängt ist, heilst in der
allen spräche /eig»
Unsere vorfahren scheinen , gleich andern Heiden,
einen unterschied gekannt zu haben zwischen Schicksal
und glück, ihre götter verleihen heil und sccligkeit, vor
allen ist Wuolan gebcr und Verleiher jegliches gulef,
Schöpfer und Urheber des lebcns und Sieges (s. 99.) Aber
auch er. samt den übrigen gottheiten, vermag uidits ge-
gen eiue höhere wcUordnung, die ihn selbst nicht von
dem allgemeinen Untergang ausnimmt (s. 471.) eiuzeloes
entscheidet sich wider seinen willen (ein beispiel s. 239.)
Diese urbeslimmung und nothwendigkeit aller wer-
denden f bestehenden und vergehenden dinge hiefs mit ei-
ner pluralform aUn. sköpj alts. giscapUj ags. gesceafm:
ein ahd. hiscaf in gleichem sinn habe ich nicht angemerkt,
die spätere isländische spräche verwendet das masc. skap-
nadhr^ die dän. ahiebne (altn. skepna, forma, indolc^)
verstärkt wird der begrif alts. durch pracfixe wurdigi-
acapu Hol. 103, 7. reganogiscapu (oben 8,18), decrcU
fall, superorum. Der alln. pl. neutr. lüg (statuta) gilt
nicht vom Schicksal, -wol aber verbunden mit der Par-
tikel ör (für or) örlög ^ welches in den übrigen dialec-
ten zum sg. wird, ahd. urlac (neutr.?, bei N. ist urlag
masc, pl. urlaga), alts. orlag ^ ags. orläg, luid urfe^-
Setzung bezeichnet, weil aber den Heiden der ausgang des
kriegs wichtigster moment des geschickes war, frühe in
den begrif von bellum überlrat. das alts. compositum al-
darlagu (vilae decreliun) Hei. 125, 15 hat noch die alle
pluralform. a/rfr, aldar ist eigentlich aevum, das Iwtihy
ahd. hutla temptis, zugleich aber vilae lempus, dalier
auch diese ausdrücke in den bcgiif des fatums einfliefseo»
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scercRSAL 501
vgl. alU. orlagJwila IU\. 103, 8, alid. Iinf/sdfida*) die
Dhd., erst spät elngefiibrlen heDennuugeii Schicksal (von
schicken apiare, vgl. gescliiclit aptiis), verhätignis^ Ju'^
gung komnren den alten weder an kraft nodi einfacli-
Iieit bei.
Jenem scapii und lagu entsprechen die vcrbalausdriicke
schaffen und legen ^ welche technisch von den anordmm-
gen des Schicksals gellen, (s. 230.) man sagte aber auch
altn. (etia (doslinare), einem etwas zudenhbn. ahd. ahtdn
(vielleicht auch ahtildn), mhd. ahten und beslahten (weil
ahte und slahle sich nahe stehn.)
Das Schicksal hat es hauptsächlicli mit dem beginn
und dem schlul's des menschlichen lebens zu thun. die
geburtsstunde entscheidet über seinen verlauf imd ausgang.
beinerkenswerlh sind die im anhang s. xxx und xxxvni
mitgetheilien stellen, äqualem nascentia attulit talis erit.'
*Parcae, dum aliqitis nascittir, valent cum designare
ad hoc quod volunt.' Wie. die eintretenden nornen oder
fecn begaben y wie sie schaffen, danach fügt sich der
ganze lebenslauf des neugebornen.
Es ist abweichung von dieser ältesten ansieht, wenn
die bcslimmung des Schicksals in die liande der gütter ge-
legt wird, aber auch eine sehr alte. Gcwis setzte frühe
schon vieler menschen glaube den höchsten gott an die
spitze aller wcltordnung und licfs jene weisen frauen nur
seine befehle verkünden, im schofse der götter ruht die
Zukunft, S'mv iv yovvaüt ^tetrac.
Die Gautrekssaga meldet (fornald. sog. 3, 32) Hross-
liÄrsgrani **) habe um mitternacht seinen pflegesohn Star-
kadhr geweckt und im boot mit sich auf eine insel ge-
frihrt. hier safsen in einem wald eilf männer zu gericht,
der zwölfte stuhl war leer; ihn nahm Hrosshdrsgrani ein
und wurde von allen als Odliinn begrüfst. Odhinn sprach,
die richler sollen Starkadhrs Schicksal bestimmen (do-
mendr skyldi doema örlug St.) da hub Thor an, welcher
der mutter des Jünglings zürnte: ich schaffe ihm, dafs
er weder söhn noch tochter haben und seinen stamm en-
den soll. Odhinn sprach: ich sdiaffe ihm, dafs er drei
mannesalter leben soll. Thor: in jedem aller soll er ein
'ntdhtngsverk' thun. Odhinn: ich schaffe ihm, er soll
die besten waffen un^ kleider haben. Ihor: er soll we-
') wihdlda (fortiiiin) N. Cap. 20. 23. 25. 53. tr. müd. wUswlde
kaiscrchr. cod. pal. 361 , 18 ff. Geo. 61»-
**) d.h. Grani, der bärtige, Odliins beioame.
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503 SCHICKSAL
der land noch grund Iiaben. Odhinn: ich gehe itim^ dafs
er viel geld niid gilt habe. Thor: ich lege ihm, dafs er
uie genug zu liaben meine. Odhinn: ich gebe ihm sieg
und tapferkeit. Tliör: ich lege ihm, in jedem kamnf
soll er schwere wunden empfangen. Odhinn: ich ge^e
ihm die gäbe der diclitkunst. Thur: was er dichtet, soll
er nicht behalten können. Odhinn: das schaff ich ihm,
dafs er den edelsten und besten männem werth erscheine.
Thor: dem volk soll er verhafst sein. Da sprachen die
richter alles dem Starkadlur zu, was bestimmt war, das
gericlit hatte ein ende und Hrosshilrsgrani mit seinem zug«
ling gieng zum boot.
Thor spielt hier ganz die rolle der feindlichen fee
(s. 232) und sucht jede gäbe durch eine üble znthat zu min»
dern. nicht dem neugebornen, vielmehr dem anwachsenden
knaben, in seiner gegcnwart, wird das Schicksal gcschafTen.
Ich finde nicht, dafs in unserm ältesten heidenthum das
fatum aus den gestirnen bei der geburt beurtheilt wurde,
diese Weissagung (8.414) scheint erst dem spateren MA. be-
kannt. Radnlphus ardens (ein aquitanischer geistlicher des
11 jh.) sagt in seinen homilien (Antverp, 1576. p. 41'*):
cavete, fratres, ab eis qui mentiuntur, qiiod qnando quis«
que nascitur, Stella sua secnm nascitur, qua fatiun
ejus constituiiur , sumentes in erroiis sui argumentum,
quod hie in scriptura sacra (beim stem der magier) dicitur
'Stella ejus.' Ein beispiel liefert Klinsors sternschau ung
auf der Wartburg.
Einzelnen menschen, wie ganzen geschlechtern imd
Völkern war also dauer und heU im voraus angeordnet.*)
aber die ausspräche der nornen und gotter lagen gehüllt
in dunkel, welches sich nur vor den blicken weiser männer
und frauen entdeckte (s. 225.) das volk glaubte an vor-
herbestimmung der geschicke, wie an gewisheit des todes.
Den ü\\n, fatalismns bezeugen folgende stellen, ^lagt
er alt /or.' Stern. 175*>- *era mcdh löstom lögdh rcfi ther.'
das. 'sid mun gipt lagidh ft grams Bßfi. 179*»- 'nuinat
slöpom vinna.' 179**- *var ther that shapat,^ 164^- 4liat
verdlir hverr at vinna er oetlat er.' *that man verdba
fram atkoma, sem cetlat er.' *ecki man mer that stodha,
ef mer er daudhinn cetladhr.^ 'koma man lil min feig"
dhin hvar sem ek em staddr, ef mer verdhr thefs audhit^
*) nicht selten an den besitz gewisser Sachen gebunden : ein hori
zieht das ganze geschlecht der Nibehinge ins rerdirrben, die giibe,
das kleinod der zrverge (s. 256) l»edingt den glüokAtand eiozeiaer
famillen.
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FATALISMUS SOS
Nialss« p. 10» 23. 62. 103. So in oincm däo. Volkslied:
'bver ekal nyde shiebnen sin.^ DV. 1^ 193.
Nicht anders bei mlid. dichtem: ^SAvaz sich 8ol Jüer
gerif wer niac daz understdn?' Nib. 1618, 1; MÄ sterbent
wan die veigen^ Nib. 149, 2; 'ez sterbent uiuwan die
veigeriy die Itügen doch dd heime tiit.' Wi^al. 10201; *di
veigen fielen dar nider.' Lanipr. 2031; hinntrstiibet ninian
wan di veige.n^ pf. Chuonr. 8403; ^then velge/i inac nie-
man behuoten, tliiu erlhe ne mag in niht i^T gehaven, scol
er tba werlhen geslagen, er sliirve thoh thahoime,* fr, belli
42**; *8\vie ringe er ist der veige man, in inac ros noch
enkan nilit vürbaz getragen.' Karl 72^; Mie veigen muo-
sen ligen lul.' livl. chron. 59**; *der veigen mac keiner
genesen.^ das« 78»; ich enslerbej niht vor mtnem tac^
Herb. 53^; 'nieman sierben sol wan ze siiiem gesatten
zilJ* Ulr. Trist. 2308; *daz aver scol werden daz rieniac
nienian er uzenden.'* Diut. 3, 71; ^gemach erwenden niht
enkan swaz dem mau gtsehehen sol.^ Troj. 58*^; *daz
muose weaen daz. geschach.' Orl. 11167; ^ez geschiht
swaz geschehen solJ* Orl. 14312; *ez ergdt doch niht
wan als ez sol' Trist. 6776; ^swaz geschehen sol daz
füeget sich.' Fraueud.; ^swaz ich getuon,. bjin ich ge^
nislichy icli genise woly bin ich dem \alle ergeben,
son bilfet mich mtn woltuon nicht ein hdr.' MS. 2, 129*;
'ez muose sin und ez was mir heschaj^en.^ AIS. 2, 134**;
*diu mjiget was in beschaffen? Wig^al. ^002 ; 'ez was im
hes/aht,^ Eracl. 2394; *ez was uns in teile getan.'' Herb.
tl9**; 'ez bl mich angebofn.^ Herb. 6^- beschaffen Mud
heslaht sind identiscli dem altn. slapat und astlat , und
diese gleichheit der worte zeigt noch den Zusammenhang
mit der heidnischen lelire. selbst hcu,ic herscht unter dem
gemeinen mann häufig die fatalistische ansieht (Jul. Schmidt
p, 91. 163.) 'fatuqi in vulgari dicitur: das ist mir 6e-
scheert j ego autem addo: das besclieren und verdienen
laufent mit einander.' sermones disc. de tempore, sermo21;
*was bescheert ist entlauft nicht.' Schweinichen 3, 249.*)
Au sich nun schlössen die gaben des Schicksals jegli-
ches irdische glück ein. allmiilich aber fieng man an, was
aufser der gcburt und dem lod im uicnschlichen leben
heil oder unheilbringend schien, besonderen wesen zuzu-
schreiben, wie Grieclieu und Römer neben fiolQa und
fati^m eine eigenlliii milche TtJ^fiy und Fortuna behaupteten.
*) aiialiclies glauben die Utthauer und Letten, ihr fatum heif^t
Vkkitnas^ liktens^ von likt (le^en, ordnen.) Äie la^en 'tai buwo jo
likkims*,! ^tas jaa bija winiiani llktz", das war iltni bestimmt, geordnet.
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504 ' HBIL^ SMLDE
Die altn. 8praclie unterscheidet ein fem, heill (feKctiaft)
YOD dem neiitr. heil (omen), ebenso stellt das ags. fcAi.
haßlu (salus) von dem neulr. lit^l (omen), das ahd. fem.
heili (salus) von heil (omen.) das mhd. neutr. heil verei-
nigt beide bedeulungen. pcrsonificationen dieses begrifs
kenne ich kaum , es müste denn eine mir unklare stelle
in Ottoc. 683*> darauf beruhen, wo als gemeines spricli-
vrort angegeben ist: *chum hail hauenstain!* JMS. 2, 130*:
waz ob iuwer heil eime andern kumet an sin seil.' schon
O.II. 18, 13 niiaz heil ni gifahit iuwilü'
Desto gew^öhnlicher kommt bei den dichtem des 13 jk.
scelde (fortuna), als ein weibliches wescn vor, und das
ist nicht etwa den romanischen nachgeahmt: schon das
ahd. sdlida erscheint in gleicher beziehung. ein ahd. htiÜ-
sdlidaj mild. wiUcelde drückte fatum, fortuna aus. 0. 1.
26, 4 von der taufe Christi im wasser redend bedient sich
der merkwürdigen^ durch keinen geistlichen schriflsLellcr
in ilim angeregten phrase: Sid wach^ta all^n mannoii (biu
Sdlida in tli^n undon.' wachen setzt leben voraus, noch
deutlicher geht die personificalion aus den 4 jhh. jüngeren
dichtem hervor, ^mser Scelde wachet.'' Parz. 550, 10;
^zaller zit des Saelde wachet: MS. 1, 16»»; ^unser Sielde
diu wil wachen: Trist. 9430; <des noch stn Soehle wa-
chet: Ernst 5114; <ir Scelde wachet: Am«b. 35*; 'dax
mir Scelde wache: das. 43»; 4ch wten sin Scelde shlfe?
das. 44*; *sd ist ijn al diu Scelde ertaget: TrisU 9792;
4u\ver Scelde wirt erwecket: Lohcngr. 19. nicht zu über-
sehu in allen diesen mhd. belegen das possessiv oder der
gen., die S<eldc eignet sich beslimmten menschen, schirmt
und beglückt sie, während .sie schlafen^ wie mau sagt:
das glück ist mir im schlaf gekommen, eine so gangbare
redensart brauchte nicht immer zu personificieren : Maz im
sin heil niht slief.' Troj. 9473; Tristans gelücke da niht
slief.' Ileiur. Tr. 2396. ja sie wwde auf ähnliche begriJe
erstreckt : des wachet sin dre u. ouch sin lop.' Amgb. 47';
•ir miltc wachet.' Amgb. 12*»; 'ir genilde mir muoz v-i-
chen.' MS. 1, 33*; 'mtu schade wachet.' Ben. 121; *d^
kraft mit eilen dö niht slief.' Para. 85, 24; obgleich einige
dieser begriffe persönlich gemeint sein können , wie im
Tit. 720: <nnn Sorge slafet, 8*5 dfn Scelde wachet: Vid-
leicht ist schon in der edda: ^pilhiörg scal vaha^ S««.
46*, so gemeint, man mag deuten jucuuda salus ^ oder ein
noni. pr. annehmen. Frudhi lafst Fcuja und IMciija goldt
frieden und ghick (gull, fridh oc stclu) malen und gesUl-
tcl ihnen nur kurze nächtliche ruhe: sie waclien^ uro
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SiBLDB 505
guck zu malen , wie hernach unheil (salz) für M^tngr.
Sb. 146. 147.
Das ist aber lange nicht die einzige anwendung dieser
personificatiou. Saslde heilst frau^ sie erscheint, begeg-
net, neigt sich ihren günstlingen mit dem antlitz, hürt sie
an (wie ein gott erhört), lacht ihnen zu, wen sie nicht
mag, den meidet und flicht sie, dem kehrt sie den rü-
cken zu. wiederum sagt schon 0. IL 7, 20 ^thiu Sälida
in tliar gagantä* (eis occurrit.) Walther singt 55, 35:
\f"rd Scelde teilet umbe sich und l^ret mir den riig^e
Ziw, si st^t ungerne gegen Tiiir, sin ruochet mich niht
an gesehen^; ^vr6 Scelde wil dtn pflegen.' Ecke 160;
*ob vrouu^e Scelde mines heiles welle ruochen.' Ben. 425;
'höBie mir diu Scelde ir öre baz geneiget. ^ MS. 2, 220*>;
*dö was mir Scelde entrannen.^ Parz. 689, 8; ^Scelde
was »in geleite' Wigal. 8389; 'über frö Soelden stec
gäü.' fragni. 46*; 'diu Saide folget stnen vanen.' Lampr.
2089; mir enwil diu Scelde ninder folgen einen fuoz.'
Ben. 367; *mir ist diu Scelde gram.'* Gregor. 2341. Diut.
1, 10. vgl. En. 7659. [frouu^e Scelde lachet mir.'
Ernst 4334; ^Fortune wolt im dd niht m^ gennedec-
liclien lachen,^ Troj. 5754; ^daz iuch jrouwe Scelde
müeze behullen^ (fövere). Lohengr. 101 ; und gewis noch
in ähnlichen Wendungen, die wir aus den heutigen ent-
nehmen : das glück ist ihm hold , kehrt bei ihm ein y ver*
folgt ihn 11. 8. w. auch hier findet sich schon bei den al-
ten dichtem das unbestimmte neutrum : *gelücke hat den
nuwen (nacken, rücken) mir gek^ret' LS. 1,238; *hÄt den
luiwen fioch gegen mir endecket; enblecket gdii mir si-
nen zan; zer rechten hende griffen.' LS. 3, 539; *dd
k^rte von im u. vlöch gelücke.' Troj. 5750. Wir sagen:
'mein glück blühet, wächst', gleich als sei es gebunden an
einen bäum» ein kraut, 'mein glücke das blühele nur.'
Schweinichen 1, 170; 'gelücke wahset mit genuht.' Troj.
5686; *uns ist niht wol erschozen gelücke.' Troj. 12438;
*got wil uns sailde lAzen wahsen.' Lohengr. 66. der si)rnch:
Mas glüuk kommt von ungefähr wol über neunzig stau»
den her.' Simplic. 2, 158 drückt sehr gut die plötzliche
begegnung und Überraschung, den zufall des glucks aus,
worauf sich selbst der name rv'/y (von Tvyuv, Try^arhiv)
und fortuna (von fors) gründet, waiirscheinlich sind manche
jener rcvlensarten von den alten zu uns gekommen oder
wü* haben sie mit ihnen gemein.
Für entlehnt halte ich die überaus verbreitete Vor-
stellung des glucks auf 'binem sich wälzenden rade (x(/A/»'-
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SOS füMum
igos)i welches derTyche und NemesU beig^gt wurde.*)
^stans in orbe dea.' Ovid. ep. ex Ponto II. 3, 56; '/or-
tunae rotam perdmescebaf , Cic. in Pison. 10. Aus unsem
1\IA. habe ich erst beispiele seit dem 12 jh. angemerkt:
^orbita Fortunae ducit utroque rolarnJ Reinard. 1, 1494,
wo aber die bessere Variante: ^orb'ita Fortunae ducit ö-
tramque viam.' Wolubilis Fortunae rotnJ* ßodulfus chroa.
Trudonis p. 381. 'swaz ie geschult daz st^t an gliukes
rade.^ Freid. 110, 17; *daz im der sceleteit rat mit wil-
len umbe lief.' Troj. 9471; *jä walzet ir (der Sielde) ge-
lUt'kes rat vil slscleclich Af und nider, her u. hin, dan
u. wider loufet ez.' Iroj. 2349; *im dienet daz ge/iicles
rat, daz im nüch ^ren umbe lief.' Troj. 7229; ^gelückes
rat louft uns die sumer und die winder.' Lohcngr. 119;
min schtbe gat ze wünsche.' Ben. 353; *dem g^t sin
schfbe enzelt.' Ben. 360; Vol gie tr schtbe.'^ Lohenfr.
146; *gie für sich.' das. 189; *si vuoren üf geläcies
rade^ Flore 844* Inzwischen wallet ein wesentlicher un-
lerschied ob. die alten dachten sich ihre göttin auf dem
rade sleheud**), den ful's auf das rad stellend, und darum
unstät; im miltelalter nahm man an^ Saslde setze die
menschen auf das rad, und lasse den begünstigten oben
schweben , den elenden unten. *s6 stige ich üf u. ninder abe.'
Parz. 9, 22; ^gelücke ist rehte als ein 5a/, swer sliget
der sol vürhten val.' Freicl. 115, 27; so hangen ich an
dem rades teile, da maneger hanget Ane triist.' Ben. 88;
*^ daz der Scelden ***) schtbe mich liin verdrücke gar zuo
der verzalten schar.' Ben. 91; 'si wären höhe gar gestigen
uf des .... gelliches rat, nü müezens leider von der stat
aber nider rücken.' Flore 6124; *swer hiute sitzet uj dem
rade der sigct morgen druuder.' Troj. 18395; ^Fortuna
diu ist sii getun, ir schtbe lilzet si umbe gdn , umbe lou-
fet ir rat ^ dicke vellet der da vaste saz.' Lampr. Alex.
3066. Weiter ausgebildet stellt diese ansieht vier oder
zwölf männer zugleich auf das glücksrnd in bestandigem
Wechsel: ^geläckes rat treit vier man, der eine sltgel üfj
der ander stiget abe , der dritte ist obe, der vienle der
ist under.' MS. 2, 221»; W'igal. p. 41 wird erzählt, dafs
•) O. Müllers archäol. 60T.
••) auch peiitam. 5, 9 eine 'veccliia seduta ncoppa na rata' »1«
Fortuna.
•'•) gen. sg.; zeichen der personification ist, dafs das sonst stork-
rörmige fem. saelde als name schwache form annioioit, da voraHscb
ausgehende weibi, namen nur schwach declinieren, vgl. Scelden Paii.
688, 30. Troj. 2344.
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SMLÜE S07
sicli jemand in seinem liaiie ^in solches rad aas gold habe
giefsen lassen und immer gUickseelig gewesen sei (wie Frode
mit seiner gHicksniiile, die gleichfalls gedreht wurde):
^eia rat enmitteu üf dem sal» daz gie üf und ze tal, dd
w^ren bilde gegozzeii an, iegelichez geschaiTen als ein man.
hie sigen diu mit dem rade nider, so stigen diu ander Af
wider, daz was des geluchea ratJ**) Im Renart le nou-
vel 7941 — 8011 erhebt Fortune den fuchs oben auf ilir
rad und verheifst ihm es nicht zu drehen. Hierher auch
die sage von den zwölf landsknechten oder Johannesen
auf dem giuckarad (deutsche sag. no. 209. 337.) Bund,
mit verbundnen äugen, wird Saslde nie dargestellt.
Viel bedeutsamer als dieses rad, das die ältere Sä-
hda wol noch nicht hatte (einen ganzen wagen ihr beizu-
legen wäre heidnischer), scheint mir, dafs sie kinder an~
nimmt, ihre lieblinge für ihre söhne erklärt. *ich bin
euch in frd Salden svhöz geleiV fiagm. 45**- ein schofs-
lind des g/iickes, ein gluckskindy^ein , dem glück im
nchofse sitzen bezeichnet vorgegangne adoption (goth*
frasüsibja, Rom. 9, 4.) vgl. RA. 160. 463. 464. solch ein
auserwählter heifst Mer Saslden harn! Bari. 37, 36. 191,
38. Wie nun Wuotan die stelle der begabendeu norn (s.
501), so vertritt er auch die der Stelde, er selbst ist
alles heiles Spender; er nimmt kinder in seinen schofs
auf (s. 474), darum ist völlig identisch mit Saelden harn
*daz IV arisches harn^ an dem der fVunsch was volle
varn.' Orl. 3767; 'der Wunsch im niht gebrechen liez,
dd von man des TVunsches kint den stolzen hiez.' Lo-
hengr. 157 ; 'der TVunsch ist ir ze kinde vru' (oben s.
100); *des Wunsches ein ameige.^ Wolfdielr. 970. Sd^
lida kann hiernach als ein blol'ser ausflufs des Wuotan
(s. 99. 100) betrachtet werden.
Glückskind war Fortunat, dem in einem bretagni-
schen wald Fortuna erscheint und ein gefeites seckel
schenkt, der auch das wünschhüt/ein (souhaitant chapeau),
durch dessen aufsetzen man augenblicklich an einen fernen
ort verschwinden kann, erwirbt. olTenbar der hut des
Wunsches oder fVuotans (s. 261), der federhul**) Her^
Tnesj des gebers alles guten, aller sailde.***) An die
wünschelruthe aber erinnert die synonyme bcnennung
*) 'hier geht die weit auf and nieder* Reineke 5804 bezieht sich
wahrscheiulich aaf das glucksrad, nicht aber das Mi ans vet, li au-
tre« vient* Reiiart 6H99. 14352.
*') nhaaoq^ vgl, nhofiai und nxtQov,
***) dmxmQ tatav, O. Muüers archäol. p.558.
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608 GLÜCKSHAUBE SCHUTZENGEL
»alles helles ein wiinsclielrta^ Troj. 2216; des JVunschet
bluome: Bari. 274, 25.
Das volk hält für glUchahinder die um ibr häupllein
eine haut gewunden mit auf die weit bringen, diese haut
heifst glücta/uiube , wehmutterhäublein^ und wird sorg-
sam aufgehoben oder in ein band vernäht dem kind um-
gehäogt.*) Fischart Garg. 229*» nennt sie hinderpdglin^
den Isländern aber führt sie den namen fylgjci und sie
wähnen, in ihr habe der schulzgeist oder ein iheil
der seele des hinds seinen sitz : die hebammen hüten
sich sie zu scliädigen und graben sie unter die schwelle
ein, über welche die mutter gehn mufs. wer diese haut
sorglos wegwirft oder verbrennt, entzieht dem kind sei-
nen Schutzgeist.**) ein solcher Schutzgeist heifst ß'lgj^
(weil er dem menschen folgt) oder hamingja (felicitas)
von hamr, induviae, ja dieses hanir für sich scheint das
uemliche zu bedeuten: ^hamr Atla', genius Atlii, Saem.
253**- nach Ihre (de superslit. p. 24. 25) bezeichnet das
schwed. Jianin einen genius, der jedem menschen folgt.
Der wesentliche begrif eines Schutzengels ist das
angeborensein y dadurch unterscheidet er sich voq dem
liausgeist (genius familiaris), der sich einem einzelnea
menschen ergibt, aber nicht von der geburt an. Berlliold
predigt (p. 209): 'als daz kint lebende wirt an siner iiaio-
ter libe, so giiizet im der engel die sile in^ der al-
mehlige got giuzet dem kinde die s4le mit dem engel
in"; und Bernardus (sermo 12 in psalm. qiü habitat): *q«o-
ties gravissima cernitur urgere tentdlio . et tribulalio vehc-
meus immminere, invoca custodem tuum^ doctorem tuuuu
adjutorem tuum. in opporUinitatibiis, \\\ tribulatione, in
quovis diversorio, in quovis angulo angelo tuo reveren-
tiam habe, tu nc audeas illo praesente^ quod videale
nie nou auderes.' ich will noch eine stelle aus ]V. Cap.
137 herschreiben: 'all^n menniskön wirdet suuderig unde
gemeine huotdre gesezzet. ten heizen t si ouh ßi/itäre
(p (lichter), wanda er alles werchcs fliget. ten gemeinen
belunt tie liute samcnt, uudc Ane dat iogelih ten sinen.
föne diu heizet er genitts , wanda er genitis sdr gfg^
ben wirt ze flilile. tiser huotäre unde diser getri^^o
•) Kttners iKbamme p. 534. Journal v. u. f. D. 1788. 1, Ä«**
in Holland »ny^i man *'met den heim geboren zio'» solche kiurier fc*"
lien itie gäbe ge^pe.ister zu seilen, ein ham (ovum) worin ein HjUeo
%nr weit kam, hängt man in einen hohen bäum. Westendorp p. 51S.
**) edda Ssm. hafoieo». 2, 653.
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SCHUTZENGEL 509
braoder beliuotet iro sdlil unde iro sinna allero. wandä
er oiicli tougeue gedaiiclia gote cliuudet, pediu iiiag er ioli
aiigelus heiaeil.'*) Diese von der kircbe zum iLeil bei-
behaUuc lehre scheint sich mit jenem gröberen eiuheinü-
sclien aberglaubcu von schütz und folgegeistem gemengt
zu habün. Caesar, heisterb. 8, 44 nimmt einen guten und
hösen engel jedes mensclien an, der iJim heil oder uu-
beil zu scbalTen suche, in gewissem belracht waren auch
die valhyrien schutzgeisler der beiden (s. 487.) von den
erschlagnen heifst es (klage 922): Hr engel vil wol wi-
8len war ir sde soUen komen.' ^zuo im was geweteii
ein engel, daz im niht geschach.' Geo. 3205; 'als im stn
engel gap die löre.' Kolocz. 148; *daz iuch min engel
griieze!' das. 102 und anderwärts: *daz iuwer mtn engel
waUe!' schöne ausdrücke für: ich, im innersten meiner
Seele.**)
Nialssaga cap. 101 lafst sich ein Heide taufen, erst
aber zusichern , dafs der h. Micliael (der seelenemp fanger
8. 484) durch die taufe sein fylgju engill w^erde.
Ein dem tode naher schaut vorher seinen engel: ^thu
manl vera feigr madhr , oc munt thü s^dh hafa fylgjiff
tliina^ Nialss. cap, 41. ganz folgerichtig, da durch des
menschen tod das band zwischen ihm und seiner fylgje
gelöst wird. Nach norwcg. Volksglauben zeigt sich die
folgte gern in der gestalt eines thiers, das zu der Sin-
nesart eines menschen stimmt, dem sie angehört. Faye
p. 77. Sollte nicht in der nord. grammatik die eigenthüm*
Uchkeit beim schmeicheln und schelten das possessive slalt
des persönlichen pron. zu setzen aus dieser idee von fol-
gegeistem herzuleiten sein?
Ob sich die nord, benennung fylgjci in dem fyelgie
eines ostdeutschen volksdialects wiederfindet, wodurch
mummerei, Verkleidung in einen geist bezeichnet wird***)i
*) die lat. worte lauten: et generalis omnium praesul, et tpe<-
Cialis 8ingulis mortalibiis genius admovetur, quem etiam praeslitem^
quod praesit gerundis omnibus, vocaverunt. nam et poptili genio,
quam generalis poscitur, supplicant, et unusquisque guberuatori pro-
prio depeudit ob^equium, ideoque genius dicitur, q«oniani tjuutn
V«M hominufti genilus fueritt tnox eidem copulotur, hie tutelator,
tidissimusque germanus auimos omnium mentesqae cuätodit. et quo*
niam cogitationum arcana superae annuntiut potestati, etinm angelt/s
potent uuorupari. vgl. Porpliyrius in vita Piotini p. 14. Plutarch in
Vita Antonini p. 430.
") vgl. H. Sachsens gedieht 'die engeU hat' ond Men lockigen
knaben' in Hebels karfuukel.
**') Meinerts kubländchen , vorr. p. 111.
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510 SfiLDE
bleibe dahingestellt. Sicherer bin ich, dafs [die altn. Aa-
mtngjor ^ die schon Saeni. 37** 93^ vorkommen, unserer
persouificierlen soelde sehr nahe stehen: auch hamingja
bedeutet foitnna, felicitas, hernach aber ein beglückendes,
begabcndes wesen, das zwischen parze und Schutzgeist
die mitte hält, vgl. Laxd. saga p. 441.
Auch den Siaven reichen die begrilFe glück, zufall,
Schicksal nahe an einander, wesen, den parzen und nor-
nen vergleichbar, entbehrt ihre mythologie. für glück
haben die Serben sretja^ die Slo venen yre^Aa und per-
sonificieren wiederum : dobra Sretja (bona Fortuna) ist
ihre aya&'^ Tvyfjf ihre fru Saelde.*) nähere umstünde
müste uns erst Viik aufzeichnen. Mehr entspricht die
lettische Laima (s. 234) der parze oder möre. sie heifst
mahmina, d.Lmutter, göttin.
Die schicksalsgöttin hat sowol gutes als böses in ih-
rer band, es bedarf keiner eignen Vorstellung des Un-
glücks, unsere älteren dichter pflegen aber auch dieses
mehr oder weniger persönlich aufzufassen, ^unscelde hat
Af mich gesworn.' Gregor 2341 (wie der Tot, s.492);
^unacelde hÄt mich beddht.' Troj. 17105; ^dln heil sin w/?-
gelUcke begonde erwecken harte.' gold.schm. 1306; ^überin
het ge-sworn siues Itbes unlieiV klage 1240. Näherer angäbe
werth ist eine besondere dichtung: ein armer ritter sitzt
im wald spärliche kost verzehrend, da erblickt er über
sich auf dem bäum ein uneeheures wesen, das ihm zq«
ruft ^ich bin dtn ungelüclce.^ er lädt es ziun mitessen
ein, kaum aber ist es herab gestiegen, so packt ers fest
und schliefst es in einen ^eicher' (holen eichbaum?) von
nun schlägt ihm alles zu glück an und er macht kein
hehl aus der begebenheit. einer seiner neider, um ihn
wieder ins elend zu stürzen, geht in den wald, und ent-
bindet das Unglück] statt aber sich von ihm forttragen
zu lassen, hockt es auf des verräthers eignem hals, völ-
lig in koboldischer weise«
*) ein übler irtham hat sich ihretweg;en eingeschlichen, in As-
tons versacli 1, 50 wird eine dalmatische gOttin Dobra Frichia anfge-
fQhrt, nach ihm von Karamsin (original 1, 85. fibers. 1, 69) w
wer weirn von andern, dies beruht auf einem drackfehler der verdent-
ichung von Fortis viaggio in Dalmazia. Venei. 1774; der ital. teit
hat 1 , 74 ganz richtig Dohrasrichia, Ich warne also , die fiUscbe
Frichia unserer fru Freche (s. 198) za vergldcfaen.
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GESPENSTER 511
CAP. XXIV. GESPENSTER.
Das XXI cap. hat die seelen im zustande ihrer tren-
nung von dem leib, und ihrer überfahrt nach einem an-
dern aufentlialt betrachtet: das sind die beruhigten ^ in die
unterweit oder den himmel aufgenommnen seelen. fortan
steliu sie nur in einer allgemeineren Verbindung mit der
erde und den lebenden ; ihr andenken wird durch feste,
walnsclieinlich wurde es im alterthum auch durch opfer
gefeiert.*)
Hiervon unterscheiden sich solche geister, die nicht
oder nicht vollkommen der seeligkeit und ruhe theilliaft
geworden sind, sondern zwischen hünmel und erde schwe-
ben, zuweilen aber an die alte statte ihrer heimat zurück-
kehren, diese erscheinenden, wiederkommenden seelen
nennen wir gespenster.
Jene ruhigen, seeligen geister der verstorbnen benennt
der rümische Sprachgebrauch nianes^ die unheimlichen,
quälenden erscheinungen hingegen leniures oder lan^ae;
obwül der ausdruck '^^'r'inVitiiiiimJ 7'"^^ - — •"^^ gespenstige
Wesen bezeichnen , lemures allgenWfiBi^iijIgmeo werden
kann.**) lari^a verrath berührung mit lar (T. 2S^^»uuä,
die freundlichen, gütigen lares wurden häufig als manes,
als seelen abgeschiedner vorfahren' gedacht. Auch in un-
serm deutschen Volksglauben läfst sich Übergang der see-
len in gutmütige hausgeister oder kobolde nachweisen ***),
noch liäuliger hängen quälgeister und gespenster zusammen.-}-)
*) zwischen dem ctiristliclien allerseeleniag (2 oov.) » an dem das
Volk die Icirchhöfe bej»uciit und die gräber bekränzt, und den römi-
seilen drei festtagen, an welchen sich die unterweit öfnete (^mundus
potei) und die manes emporstiegen (Creuzer 2, 865. O. Müller
Btnisk. 2, 97.), erscheint ein Zusammenhang.
••) Creuzers syrab. 2, 830 — 866.
***) ich beschränke mich hier auf eine hessische volkssage. Kurt^
ein Pächter zu Hncfiborn, wich auch nach seinem tode nicht von dem
gehörte und mischte sich als guter geist in die feldarbeiten. in der
Kheune half er dem knecht die garben vom gerüste werfen, wenn der
knecht eine geworfen hatte, warf Kurt die andere, als einmal ein
fremder knecht hinauf gestiegen war, half er jedoch nicht, und auf
den nif «Kart wirf!' ergrif er den knecht und warf ihn die tenne
benib, dafs er die belne brach.
f) Isengrim rerwandelt sich in Agemond (8.291.)
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513 GESPENSTER
Da« alid. fem. lispanst liiefs eigeutlich eingebung (s^
gestio 9 von spanan suggerere), da aber in den beichtfor-
meln viel von teuflischer eingebung und Verlockung gere-
det wurde*), gewöhnte man sich an die bedeutung vou
geisterhaftem, täuschendem trug. Boner 94, 54 setzt 'diu
gespensf (warum iiiclit gcspanst?) für fantom, geislercr-
scheinung. Wann spälerJiin das neurrum geapenst auf-
kam, vermag ich nicht genau zu bestimmen: Keiserspcrg
(omeifs 39) hat schon das gespenst (praestigium), erst in
den letzten jhh. wurde der ausdruck recht gewöhnlicli,
einige schrieben gespengst**)
Wir sagen auch spuk; das ist ein nd. wort, dem ich
zuerst in dem chron. saxon. bei Eccard p. 1391 begegne,
wo spöhne steht; heute sp6h, nnl. spook^ spootze/,
scliwed. spok, dän. spögelse (spectrijm) ^pög (jocus); wo-
für also ein mhd. spuochy nhd. spuch er>varlet werden
sollte, aber nirgends vorkommt.
Bezeichnender ist das altn. fem, aptragdnga (Laxd.
saga p. 224), gleichsam auima rediens, dän. gienpird^
gienganger^ franz. rei>enant\ vgl. die redensart: es gdit
um (es spukt); at hann gengi eigi daudhr. fornald. sog.
2, 346.
Das eigentliche altn. wort ist drarrgr (forum, sog. 3,
200), Odhinn heifst draiiga drottinn (Yngl. saga cap. 7\
der grabhügcl drayj^Iui^ (Saim. 169*'-.) diese beuenouug
hat sich in Schweden und Dänmark verloren, dauert
aber im norwcg. droit ^ droug (Hailager 20<^) drangt
scheint gleicher würzet mit dem ahd. gitroc ^ mhd. ge-*
troc, d.i. trugerscheiuung, trugbild, fantom, welches von
elblschen, teuflischen wesen gilt (s. 261), aber ein verbnm
driuga, triegen (fallere) ahd. triokan , tr^c geht der nord.
Sprache ab.***) Die edda bietet auch das analoge svii
(fallacia, frans) im sinn einer gespenstigen gaukelci dar.
S(cm. 166*> 167^« Nichts anders bedeuten die s. 273 an-
gegebnen ausdrücke ^««rf/z , und scfnleih, sie können
sich auf gespensler wie auf waldgeister beziehen.
Die glossen liefern manche alle Wörter für das Itt.
larva. schon die florent. 982*» talamasga und eine sp8*
tere mnl. samlung Diut. 2, 220 talmasge^ auch Kilian
•) von de« tenfels gespcnste (Oberlins bihtebnoch 36.)
••) Frisch 2, 302a, liem al)er das lat. spectrum verwandt Sfhdnt
•••) dai buchstäblich eoteprecheude ag». dreogan, dreali bedeutet
nie fallere, sondern agerei patrare, tolerare, aad dazu stimoit du
aftn. driugr (frequens.)
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GESPENSTER IRWISCHB: 61S
bat talmaache larva, talmaschen larvam induere, es iai
das altfranz« talmache und tamaache bei Roquefort» der
es masque, faux visage erklärt, talmache de vaisseau
beifst ein am schif angebrachtes bild/) andere glossen
geben yZa//ie, und acrat^ scraz (8.271.) mummel ist
larve und kobold (s* 288.) alles was nicht geheuer und
schreckhaft drohend ist, monstruoi, prodigium, porten-
tum 9 praestigium erreicht auch den begrif eines gespensts.
getwäs (s. 261) stimmt zu dem litth. du^ase (gespenst.)
Martina 10 liest man: daz geschnideL Slald. 2, 27. 59.
64 hat das nachthur.i^ das ghiidi, altn. ist vofa spe-
ctrum, von vofa ingruere, iraminere; der draugr heifst
auch dölgr (£eind) fornald. sog. 2, 368. forum, sog. 3, 200.
Merkwürdig ist nun, dafs schon die altn. draugar
von feuer umgeben dargestellt werden: 'hauga eldar
brenna.' fornald. sog. 1. 434; üupu upp hauga eldarnir.'
das. 1, 518. Noch jetzt ist in ganz Deutschland Volks-
glaube, dafs Seelen, die der himmlischen ruhe nicht
tbeilhaft geworden sind, in feuriger gestalt **) bei riScht-
licber weile, gleich irrendem gevögel (s. 478), auf feld und
wiesen schweifen, vgl. wieaenhäpfer s. 479. den wan-
dersmaiin, der sie für dorflichter nimmt, leiten sie ab
vom rechten weg, bald sich entfernend, bald wieder
nähernd: wie kobolde hocken sie auf (abergl. 611) ui^d
schlagen über dem menschen ihre flügel zusammen (deut-
sche sag. no. 276) ; sie füluren id sümpfe, auf falsche, irre
spur, hirrligapor (St. 2, 45), gerade wie der butz (s.
288«) der wanderer sucht wenigstens mit einem fufs im
wagengeleise zu bleiben und setzt dann sicher seinen weg
fort, denn die irwische haben nur macht auf fufssteigen.
Diese erscheinung hat eine menge namen. der gewöhn-
lichste ist irlicht oder irwiach von der älinlichkeit bren-
nender Strohwische, am Rhein auch heerwiacht östr. /ew-
riger mann^ fuchtelmann (Höfer 1, 251) von fuchteln,
bin und her bewegen, eigentlich die flammende klinge.'^**)
*) Ducange s.v. talamasca^ nhfta, delasio imaginaria, dazu
wird angeführt Hincmar in capit. ad presb. dioec. cap. 14. Regino 1,
213 und Barchardus wormat. 2, 161 wo es heifst: larvas daemonam,
qau Tulgo talamascas dicant ante se ferri consentiat. geschöpft ans
dem concil. namnetensi cap. 10. vgl. Schmeller 2, 640.
**) in der Lausitz heifst feuermann was sich bei nachtzeiten nm
die Wipfel der waldbaume sdiwingt, Ignis lambens. lans. monatsschr.
179T p.T49.
***) solche feurige dünste setzen sieb auch anf den nuut der
schiffe^ die spieße der krieger, jenes nannten die alten nach den
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SU IRWISCHE
bei Pictoriüs p. 534 zensier , Ton zeuseln , zusein , mit
feuer tändelu, sonst auch z'dnsler y zündler y bei Fisdiarl
zunselgespenst (Garg. 231^ vgh Höfer s.v. ziuserl. jN'ie-
derd. glöiniger (glühender) man ; l'uckeboUl, tiikkebode,
nicht von tücke , bosheit , sondern von* tuk (hastige hewc-
gung, Reinh. p. 109) oder zucken^ hin und herfahren,
vgl. das hd. ziebold (Schmetterling.) westfäl. smalgenfdr^
was ich kaum verstehe, allgemeiner bekannt sind du^er-
licht (wirbelnde flamme), eljlichly dtvellicht (von dwe-
' len, dwalen, irre gehn), nnh du^aallic fit ^ drog licht (wie-
der: triegendes) drogjachel ; dän. lygtemand (leucble-
mann) und i'ä/^e/y« (geislerlicht), schwed. lyseld und
lyktgubbe ; engl, mit dem bezug auf menschennamcn, der
auch bei hausgeistern gilt (s. 287) fVill with a wisp
(Strohwisch), Jach in a lanthorn, lat. ignis Jatuus (ann.
corbei. a. 1034), ir;iaz. feu Jollet (folUs 6.2S9), Ja rJadeU
aauteraiy nach den mem. des ant. 4, 406 auch, mir un-
verständlich, quela. sloven. vejha (Schmetterling, hexe),
8inotaua (von smota, error), slep ogeni (blindes feuer);
böhm. s(v^.tylko (lichllein), bludicka (von blud errw),
poln. blcdnica$ lausitz. bludne swieczke. Aus unsrer
alten spräche weifs ich die nameu nicht, es müste denn
irreganc und girregar in einer königsb. hs. (gnmdr.
345) hierher gehören? aber Ls. 2, 314 ist Irreganc was
anders. Nahe bcrührung mit wichten und elben zeigen
vättelys und elj lichte uild das scheinen die ältesten aus-
drücke.
Früher hatten diese irlichler ohne zwei fei eine wei-
tere bedeutung, heute wird sie hauptsachlich auf zwei
arten unseliger geister eingeschränkt, auf die seelen ange^
taujter kinder*) und solcher menschen, die bei ihren
lebzeiten am ackerjeld j regelten j die heüigkeit der
Dioskoren, den neueren heifst es fea de S.Elme. für die flamaMH
Speere habe icli alte Zeugnisse: 'signa railitum arsere^ 'pila miliiwi
arsere' Tac. ann. 12, 64. 15, 7; Muae poerorum ianceae emissis
flammis lumen euntibus praeboerunt, ibantqiie fulgurantes bastae.'
Greg. tur. mirac. Mart. 1, 10. Miyr hann heitir, enn bann lenj^i moB
ft brodds oddi bifaz.' Saem. 110^; <af geirom geislar stddbo.^ Sc»-
151b. ein jfingeres beispiel in Zeillers miscell. Nurnb. 1661 s. 143.
144. deutsche sag. no. 279. bezug auf seelen ist hier nirgesds.
wol aber gelten die ßtegenden slerne für seelen (s. 415). selbst d«
Grönländern (Majers myth. lex. 2, 240) und Mongolen (BergotBo
3,42.)
*) brannschw. anz. 1760. no. 86, 35. Praetorii weltbescbr. 1,
202. 269. lausitz. monatsschr. 1797 p. 747.
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WÜTENDES HEER 516
grenze nicht achteten.'^) Ungerechte landmesser sieht man
mit langer feuerstange in den furchen auf und ab schwe-
ben und gleichsam das vermessene nachmessen ; wer sei-
nem, nach bar abgepflügt, wer den stein verrückt hat, den
trift der iluch umzugehn als irwisch. beim pflügen zwei-
felhafler schnate hört man daher unter dem volk die re-
densart: 4k mag nüt spuken gan\ vgl. deutsche sag. no.
284. 285. Thiele 1, 58.
Ungleich fruchtbarer für unsere Untersuchung wird
eine andre art gespenster, die nicht als einzelne feuer an
dem erdboden her schweifen, sondern in ganzen hau^
fen**) mit schrecklichem tosen durch wald und lüfte fah-
ren, das ist die weilverbreitete sage von dem wütenden
heer, der wütenden jagd, welche in hohes alterlhum
hinaufreicht, und sich bald mit göttern bald mit beiden
verwebt.
Die Christen hatten dem glauben an die götter ihrer
vorfahren nicht so schnell und so völlig entsagt, dafs ih-
nen jene heidnischen gestalten mit einem mal aus dem ge*
dächtuis entfallen waren, sie wiesen den zum theil noch
festgehaltnen nur eine andere stelle^ weiter in dem hin-
tergrund, an. der alte gott verlor sein zutrauliches We-
sen, seine nahen züge; und gieng in den begrif einer
finsteren, schreckenden gewalt über, welcher immer noch
gewisse einwii^kung verblieb, den menschen und ihrem
(lienste gleichsam abgestorben irrte und schwebte er in
den lüften, teuflisch und gespenstig.
Es ist schon s. 95 Zusammenhang zwischen dem wü^
tenden heer und fVuotan behauptet worden, ein unge-
drucktes gedieht des Rüdiger von Munir enthält unter an-
dern beschwörungsformeln auch die 'bi Wuotunges her*'*
Wuotunc und Wuotan waren namen gleicher bedeutung.
Wuotan, der gott des krieges und sieges (s. 95 — 97), zieht
an der spitze dieser lufterscheinung; der meklenburgische
landmann, wenn er ihr getöse vernimmt, drückt sich
noch heute aus : *de Wolle tüC Adelung s. v. wüthen ;
'Wode jaget' (s. 105.) ebenso in Pommern und Holstein.
Wuotan erscheint reitend , fahrend, jagend, wie in nor-
dischen sagen, in seinem geleit valkyrien und einherien:
•) QOgerechte siebner. Mosers patr. phant. 3, 309. ^filrig mar-
cher^ in Hebels gedieht die irlichter. Westendorp p. 511.
••) doch kommea auch einzelne brausende geister vor, z. b. Jung-
fer Eli im Davert (deutsehe sag. no. 121.) den namen brausende
geister gewälirt Pütts nachr. von Wetter p. 42.
33* .
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516 WÜTENDES HEER WfJOTAN
der aufzng gleicht einem heer. Völlige Sicherheit uher
die Identität dieses jagenden PVode mit dem heidnischen
gott empfangt man durch einstimmige scandinavische yoüu-
5agen und redensarteu. Die naturerscheinimg des heukfi-
den windes wird Odhins , wie die des donners Thon
wagen beigelegt, bei nächüichem lärm, wie von pferdeo
und wagen, heifst es in Schweden ^Oden jar jörbi^^
in Schonen wird ein vielleicht von seevögcln an novem-
ber und decemberabenden verursachtes geräusch ^Odent
jagt^ genannt.**) In Thüringen, Hessen, Franken, Schwa-
ben ist der ausdruck ^ as wütende heer* hergebracht, (schon
Reinfried von Br. 4^ hat ilm), in der Schweiz, Baiern und Ost-
reich gelten andere namen. Geiler von Keisersperg predigle
über das wütede oder wätische heer.***) H. Sachs hat ein
eignes gedieht vom wütenden heer (HäsL ausz. p. 157), eifie
mansfeldische sage davon erzählen Agricola und Eiefisg.
Nicht zu übersehen, dafs (nach Keisersperg) alle eines
gewaltsamen todes ('e denn das inen got hat ufgesetzf),
(nach abergl. 660) alle ungetaujt sterbenden kinder ios
wütende heer kommen ^ wie sie irwische werden (s. 514):
der cliristliche gott hat sie sich nicht angeeignet > darusi
verfallen sie dem alten heidnischen, das scheint mir we-
nigstens der ursprüngliche ideengang.
Während sich der gemeine mann hier noch lange
fVuotan dachte oder ihn passend in ein verwandtes vtf-
bum versteckte; war es ganz in der Ordnung, dafs gebil-
detere frülie schon an seine stelle den teujel setzten, 'si
bliesen unde guUen, vreisliche si hüllen, s6 daz diu helle
wägete, aUe der tuvel da jagete' sagt Veldeck En.
5239. Caesarius heisterb. 12, 20 erzählt von einer eitleii
frau, die sich in schönen, neuen schuhen hatte begraben
lassen, deren seele dafür von dem ^infernalis penator'
gejagt wurde, t) Das volk in Baiern läfst den teujel auf
*) Loccenii antiq. sveog;. cap. 3. Geijer St. bafd. 1, 268.
*') NiissoD slcandinavislc faana 2, 106.
***) omeifs 36 ff. seine scliildernng verdient hier eine stelle: nuä
die die also laufen, die laufen allermeist in den fronfasten und Toreft
in der fronfasten vor weihenachlen ^ das ist die heiligest seit, oad
lauft ietlicher als er ist in seinem cleid. ein bauer als ein bauer, «■
ritter als ein ritter und laufen also an einem seil und tregt einer dai
krüs Tor im . der ander den köpf in der hand und lauft einer por-
ufs^ der schreiet: 'flfihe ab dem weg, das dir gott das leben gebf
also redt der gemein man darron. ich weifs nut darron.
f) Joacli. Camerarii liorae snbsec. cent. 2. cap. 100 p. 390: ce-
terum negari non potest diaholum varia ludibria com alias tum prae-
sertim in venatione leponun saepeonmero exercere, cam
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WÜTENDES HEER HACKBLBERND 617
aschermittvroch das holzweiblein jagen (abergl. 914^*) An
den teufel aber echliei'st sich die Vorstellung eines unge«
heuern riesehf der sowol ihn als Wuotan vertreten kann,
und diese ansieht herscht in der Schweiz« die wilde jagd
heifst dort därstengejeg (von dürst, durs 8.299), das
Volk hört den dürst in den Sommernächten am Jiu*a jagen
und die hunde mit seinem hoJio an frischen: unvorsiclitige,
die ihm nicht aus dem wege weichen, überrumpelt er.*)
Schm. 1, 458 führr eine alte glosse an, welche mit duris
(gen. durisis) das lat. Dis, Ditis wiedergibt, also einen un«
terirdischen , hollischen gott meint«
In Niedersachsen und Westfalen wird aber dieser
wilde Jäger auf die bestimmte, historische person eines
Jagermeisters bezogen, die auslegung schwankt, westfäli-
sdbe Überlieferungen nennen ihn Hachelbärend ^ Hachel-
berg, Uackelblock* Hachelbärend war ein jäger, der
auch sonntags auf die jagd zog, dieser entheiligung we-
gen wurde er nach seinem tode (wie der mann in den
mond 8.410) in die luft verwiesen, wo er mit seinem
hunde, ohne sich auszuruhen, tag und nacht jagen mufs«
nach einigen jagt er nur in den zwölf nachten, von Weih-
nachten zu den heiligen drei königen, nach andern immer,
wann der Sturmwind heult, weshalb ihn einige den joU
7fl^cr (von jolen, heulen) nennen.**) Auf einem umzuge
liefs Hachelberg zu Isenstädt, in Fehrmanns Scheune,
einen seiner hunde zurück« das ganze jähr lag der liund
da, jeder versuch und alle gewalt ihn wegzubringen war
vergebens« als aber das folgende jähr Hackelberg mit sei-
ner wilden hetze wieder vorüberfuhr, sprang der hund
plötzlich auf und rannte dem beer bellend und klaffend
nach.***) Zwei bursche giengen abends von Bergkirchen
durch den wald ihre braute zu besuchen« da hörten sie
über sich in der luft wildes hundegebell imd eine stimme
dazwischen rufen ^hoto^ IwtoC das war Hackelbloch^ der
wÜde Jäger, mit seiner jagd. einer der bursche erdrei-
stete sich ihm nachzusprechen ^hoto, hotoT da nahte //a-
appareant tripedes claudicanies et igneis oculis^ illisque praeter mo-
rem depeodentibiu yIIHs, atque veaatorei ioseqiientes abducere Student
▼el ad praecipitia, vel ad palndosa aliaque periculosa loca. ioio visa
fiiDt phantasmata et in terra et in nubibos infegras veiiationes cum
canibus, retibus, clamoribas raucis tarnen, alüsque iostrumentis ve^
naticis instituere praeferentia formas hominum longe ante defunctonim.
*) Itdef. V. Arx Buchsgau. p. 230 Stald. 1 , 808.
**) Weddigeus westfal. mag. bd. 3. no. 18.
***) Redekers westfal. sagen uo. 48.
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518 WÜTENDES HEER HACKELBERND
chelbloci mit seinen hunden und hetzte die ganze mente
über den verwegenen, von dem unglücklichen ist hernach
auch nicht eine spur gefunden worden.*) So in Westfalen.
Nach niedersäclisischer sage war Hans von Hackeinberg
braunschweigischer oberjägerm eisler und ein gewaltiger
Weidmann, er soll 1521 geboren, 1581 gestorben sein,
drei stunden von Goslar, im garten eines Wirtshauses,
genannt der Klepperkrug, liegt sein grabstein. eines nachts,
in schwerem träum , dauchte ihn , er kämpfe mit einem
furchtbaren eher, und^ unterliege ihm zuletzt. wiikJich
traf er bald hierauf das thier und erlegte es nach hartem
kämpf; in der siegesfreude stiefs er mit dem lufs nach
dem eher und rief: ^hau nun, wenn du kannst!* er hatte
aber so heftig gestofsen, dafs des ebers scharfer zahn
durch den Stiefel drang tmd Hackeinbergs fufs ver-
letzte.**) anfangs achtete er die wunde wenig, aber der
fufs hub an zu schwellen, dafs der Stiefel vom bein ge-
schnitten werden muste und ein schneller tod eintrat. Nach
andern liegt er zu Wülperode unweit Homburg begra-
ben.***) Hachelnberg 'fatscht' in stürm und' regen , mit
wagen, pferden imd hunden durch den Thüringerwald,
den Harz, am liebsten durch den Hackel (zwischen Hd-
berstadt und Dornburg.) eine nachteule fliegt ihm voran,
vom Volk die tutosel (tutursel) genannt. Wanderer, de-
nen er aufstöfst, werfen sich still auf den bauch und
lassen ihn vorüber ziehen, sie hören hundegebell und den
weidruf Qiuhu!' tutosel soll eine nonne gewesen »ein,
die sich nach ihrem tod dem Hackeinberg gesellte und ihr
htliuP mit seinem ^huhuP vermischte, f) Wieder nach
andern hauste HacJcelberg im SöUing, unweit Uslar. er
liatte gottselig gelebt, aber so sehr am weidwerk gehan-
gen, dafs er auf dem todbett gott flehte, für sein theil
himmelreich ihn bis zum jüngsten tag am Sölling/a-
gen zu lassen, sein wünsch wurde ihm verhängt, und man
hört oft in diesem wald zu liacht hundsgebell luid greuli-
ches hörn blasen. sein grab liegt auch im Sölling, die
•) Redekere westlal. «agen. no. 4T.
••) Sigurdhr iarl drap Melbrigda Tonn, ok hkit höfut bans vidh
glagölar ser oc laust kykqva vödva siuom k tönniaa, er skagdbi or
höfdino, kom thar i blAstr i fotion, oc feck hann af thvi baoa. Hin
aaga etis härf. cap. 22.
***) Otmars volkssagen 249. 250. Weidmanns feierabende. Marh.
1816. 2, 4. freimutiger 1815 no. 143. jugendzeitmig 1812 00.104.
t) Otmar 241. deutsche sagen no. 311.
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WÜTENDES HEER HACKBLBERND 51»
richtung der steine wird genau beschrieben, neben ihm
ruhen zwei schwarze Imnde.*)
Schon die unvereinbare Verschiedenheit der örtlichen
anknüpfiing zeigt dafs hier, den grabsteinen ini Harz und
Solling zum trotz, ein mythisches wesen gemeint wird,
ich bin geneigt, den westfälischen namen Jtackelberend
für die älteste, echteste form zu erklären, das ahd. hah-
hul, ahn. hökull (masc.) und hekla (fem.), ags. hacele
ffeoi.) bedeutet gewand, mantel, kutte, rüstuug**), Aaio/—
oerand also im alts. dialect einen gerüsteten, geharnisch-
ten mann , vgl. alts. wdpanberand (armiger\ ags. äscberend,
garberend, helmberend, sveordberend (gramm. 2, 589.)
Nun aber erinnere ich an Odliins kleidung (s. 101), der
gott erscheint in breitgekremptem hut, schwarzem, fle-
ckichtem mantel {hekla bld, flekkOtt): liaholberand ist
unverkennbar ein alts. beiname des heidnischen gottes,
des fVddan^ den man allmälich in Hakkelberg, Hak-
kelblok entstellte« wir gewinnen hierdurch nicht nur ein
wichtiges zeugnis für den Wuotancultus mehr, sondern
auch neue bestätigung der vom wütenden beer gegebnen
deutung. zugleich leuchtet ein, warum sich die volkssage
vom Hackelberg vorzüglich in Niedersachsen und Westfa-
len (wo das beiden thum länger haftete) ^ nicht aber in
Sttddeutschland erhielt«
E. M. Arndt ***) erzälilt die sage von dem wilden Jäger
ohne namen folgendergestalt: in Sachsen lebte vor langen
Zeiten ein grofser, reicher fürst, dem die jagd über alles
gieng und der jeden waidfrevel an seinen unterthanen auf
das härteste strafte, einem knaben, der eine weide ge-
schält hatte, um sich eine Schalmei zu machen, liefs er
den leib aufschneiden und seine gedärme um den bäum
treiben f); einen bauer, der auf einen hirsch geschossen
hatte, liefs er auf den hirsch festschmieden. • Zuletzt
brach er selbst seinen hals auf der jagd, indem er gegen
eine buclie anrannte, und nun hat er im grab keine ruhe,
sondern mufs jede nacht im walde jagen, er reitet auf
einem Schimmel, dessen nüstern funken sprühen, gerü-
*) Rirchhofi} wendanmut no. 283. p. 842. deutsche sag. no. 171.
nach den braunschw. anz. 1747 p. 1940 liegt der wilde jager Hackein-
berg im Steinfelde, unter einem stein, worauf ein maulesel und Jagd-
hund gehauen sind.
**) ahd. missaliahul (casula) gl. sgall. 203. mlisehachil gl. her-
rad. 186b messgewand.
***) märchen und Jugenderinnerungen 1, 401 — 404.
t) RA. 519. 620. 690.
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SM WDTBNDBS HEER
•let und peitsclkknallend, ein Schwann zabUoscr hundt
folgt; sein ruf lautet: ^iPod wod, hohOj hallo P*) er
hält sich in wäldern^ auf öder heide, und meidet ordent-
liche strafsen; trift er zufällig in einen kreuzweg, so
stürzt er mit dem pferd zusammen, und raft sich erat
fenseits wieder auf; er jagt und verfolgt alles unheimlidie
gesindel, diebe, rauber, mörder und hexen.
Im mittlem Deutschland heifst diese geisterhafte er*
scheinung blofs der ipilde Jä^er, oder es werden noch
andere neuere namen angeknüpft. Bei Wallrod, unweit
Schlüchtern im Hanauischen, sieht man im walde groTse
zertrümmerte basaltküppen emporstehen, vor zeiten war
da des wilden mannea haus und noch heute schaut mm
ihn in grauer riesiger gestalt durch den wald über
heide und feld, unter krachen und gebrause, seine runde
machen. Jenes bairische jagen des Itolzweibleins enthSk
eine thüringische sage deutlicher, der wilde Jäger stcfll
den moosleuteriy den holzweibchen nach**), er bleibt
unsichtbar, aber man hört ihn toben in der luft, dafs es
^knistert und knastert.* einen bauer aus Amtschgereule
bei Saal Feld trieb sein vorwitz, als er schall und hunde-
gebell im wald vernahm, mitzuhelfen und das geschrei
der Jäger nachzuahmen : am andern morgen fand er vor
*) ''hoho, weit guiP AW. 3, 144. 145. wod und woit hch^ett
mir auf Wodaa, AVaotan aoziispielea, weil die ansrufe gern gotter-
namea enthalten.
**) diese moosleute und holzweibel gehören za den waldgeisleiB
{8.273) und bilden einen ubergang zu den zwergen: das meiste Toa
ihnen weifs die voigtlandische sage (Jul. Sclimidt 141 — 14B.) sie
gieiclien dreijährigen kindem und verkehren freundlich mit dea men-
schen, die von ihnen geschenke erhalten, oft helfen sie heu maobee,
futtern das vieh und setzen sich mit zu tische» gezählte sacben ^vh-
fen sie nicht nehmen, kummel im brot können sie nicht leiden: ^küm-
melbrot, unser tod!' bei der flachsemte pflegt der landmann drei
Hände voll flachs für die holzweibel in dem felde liegen zu lauen
(vgl. oben s. 252. 291) und beim baumfallen während der zeit, 1a
welcher der schall des abgesägten, niederfallendeo baoms gciidn
wird, drei kreuze in einem zwickel auf den stamm zu htiumiu ii
die mitte dieser kreuze setzen sich die holzweibel und haben dam
ruhe vor dem wilden Jäger , der auf allen seinen wegen dem krcvs
ausweicht (vgl. deutsche sagen no. 47.) nacli voigtländiscber fiberiie-
ruug soll aber der wilde Jäger selbst die gestalt eines Ideinen graulich
bemoosten mannes besitzen und sich in einem engen, stundelangc«
tliale umgetrieben haben (Jul. Schmidt 140.) Im Rieseagebiri^ s^U
der nacht geist die rütteliueibchen vor sicli her treiben, die blofk uii'
ter einem bäum , bei dessen niederhauen ^^ott walts' (uiclit aber *waila
gott') ausgesprochen wurde, vor ihm schütz finden (d
no. 270.)
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WOTENPBS HEER ffiU
der thüra eeines Pferdestalls das viertel eines gruneii
moosiA^eibcJiens aufgehängt , gleichsam zum lohn seiner
)agd.*) Den grund, warum der luftjäger das holzweiblein
verfolgt 9 verschweigt die deutsche Überlieferung**); bei
dem oberdeutschen volk spielen diese wilden weiber in
den zwölf nachten und in den fasten eine entsclüedne
rolle y sie gehören zu dem heidnischen gespensterspuk.
Selbst unter den vicentinischen und veronesischen Deut-
schen***) wagts, um die angegebne zeit, der kühnste
Jäger nicht die wildbahn zu besuchen , aus furcht vor dem
mlden mann und der waldfraiu kein hirte treibt dann
vieh aus 9 die heerden werden im stall getränkt und kin-
der langen das wasser in irdnen gefäfsen aus der nächsten
quelle, der waldjrau aber spinnen die weiber ein stück
har (flachs) am rocken und werfen es ihr zum sühnopfer
ios feuer.****) Das volk fürchtet den verkehr mit den
mächtigen geistern, und wer diese scheu bricht, hat es
hart zu büfsen. Schlimmer als der saalfeldische bauer
fuhr der westfälische (s. 518) oder der Schneider im Mün-
sterland > über dessen haus die wilde jagd brauste« als er
des Jägers spottend sein ^huhu^ hliJklafP dazwischen
rief, kam ein pferdefufs durch das fenster und schlug ihn
vom tisch herab: 'wilistu mit mir jagen, sollstu mit mir
knagen!' erscholl eine fürchterliche stimme aus der luft.-{-)
Eine meifsnische volkssage nennt das gespenst
Hans Jagenteufelf und stellt ihn dar wie einen gestiefel-
ten und gespornten mann, der in langem grauem roch^
ein hiefliorn über dem rücken, aber ohne topf, auf ei-
nem grauschimmel durch den wald reitet, ff) Man er^
zählt auch von einem wilden Jäger, geheifsen Mansberg,
ich weii's nicht aus welcher gegend« Schwäbische sagen
von dem jagen des JEibendrotsch ffY), von dem Muotea
heer-\\\\) möchte ich ausführlicher kennen; eines badi-
schen wilden Jägers, junier Märten, schlofs stand am
*) deutsche sagen no. 48. Jal. Schmidt p. 143; vgl. do. 301,
wo der zwerg dem Jäger eine gemse vor die thfir häagt
**) man sehe unten die sage aus Boccaccio und von Grönjette.
***) deren Ursprung, spräche und sitte Schmeller bald völlig ins
lidit setzen wird.
••••) Hormayrs Tirol, 1, 141.
f ) deutsche sagen no. 172.
ff) das. no. 309.
ff f ) CIrätersIdunna 1813 p.88.1814 p.l02 ; vgl. elbentrotsch oben s.259.
ffff) Wagners madame Justitia p.22. Schmids wb. 391. aus PFuoUm
heör absichtlich verändert? wie potz und kotz (s. 11.) oder muot
(ira) ~ wuot?
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522 WOT. [lEBft BBRCHTOLO HOLDA
dorre Singen bei der Pfinz , und in einer capelle auf dem
weg nach Königsbach wird sein grabstein gewiesen, nachts
erscheint er mit seinen hunden den leuten im Bahnwald.*)
Aber schon Michel Beham (geb. 1421) dichtete einen mei-
stergesang von Eberhart grafen zu Wirlenberg, der im
wald einen 'schnellen saus und ungefügen braiis^ vernahm
und ein gespenst erblickte, das ihm die Ursache seiner
Verdammung erzählte, bei seinen lebzeiten war es ein
herr, der nie jagens sa^t wurde und zuletzt an gott die
bitte richtete , ihn bis zum jüngsten tag jagen zu las-
sen ; gott willfahrte und so jagt er schon fünfthalbhim-
dert jähre einem hirsche nach, ohne ihn je zu erreichen;
sein antlitz war wie schwamm verrunzelt.**) das ist nidiU
als eine Variation der niedersächs. Hackelbergssage.
Im 16 jh. stellte man aber auch in Schwaben ein ge-
spenst namens Berchtold an die spitze des wütenden
heersy und dachte sich ihn weifs gekleidet auf weifsem
pjerde sitzend, weifse hunde am strick leitend, ein hran
am hals tragend.***)
Diesem Berchtold sind wir schon s, 172 begegnet w
war die männliche gestaltung der weifsgekleideten ßerhta*
Hier öfnet sich ein neuer gesichtspunkt. so gut AViio-
tan, oder ein andrer gott, können auch heidnische göttin-
nen das wütende heer anführen, aufser Berahta kommen
Holda, Diana und Herodias in betracht. Berahta und
Holda erscheinen, gleich Hackelberend (s. 517), in den
zwölften , zwischen Weihnachten und neujahr. Job. Ue-
rolt, ein dominicaner, der zu anfang des 15 jh. die ser-
mones discipuli de tempore et de'sanclis verfafsle, sagt
im sermo 11 (in die nativitatis) : sunt quidam, qui in bis
duodecim noctibus subsequentibus multas vauitates exer-
Cent, qui deam, quam quidam Ißianani vocant, in vul-
gari *die Jrawen unhold\ dicunt cum suo exercitu am-
bulare» solch ein nächtliclies herumschweifen sagen auch
die s. 176. 178. 179 und anhang p.xxxiv. xlu von Diana^
Herodias und j4bundia angezognen stellen aus. Es ist
ganz die neben dem vicentinischen wilden mann auftre-
tende waldfraUy der das volk noch gaben darbringt.
Und wie im Salzburgischen der Berhtacultus zum freu-
*) Mones anzei^er 1834 p. 363.
**) von der Magens u. s. w. Sammlung n. s. w. 1, 43. 44.
*••) iiistorie Peter Leuen des andern Kalenbergera von Achill««
Jason Widman (aus schwäbisch Hall) Nürnb. 1560, wieder abgedr. ii
Hagens narrenbuch p. 353. Peter Leu spielt hier p. 894 bauenlevUB
einen betrug, indem er sieb in Berchtold verkleidet.
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wOT. a PosTEau bcrhart m '
den fest des volks (s. 171) geworden ist, hat sich auch im
Entlibuch eine vom volk selbst dargestellte Posterlr'jagd,
donnerstag vor Weihnachten , ^ als sitle eingeführt, unter
dem Posterli *) denkt man sich ein gespenst in gestalt
einer allen frau oder einer ziege. abends versammeln sich
die jungen bursche des dorfs und ziehen unter lautem ge-
schrei und getöse an einander geschlagner bleche, geblase-
ner alphörner, geläuteter kuhglocken und ziegenschellen,
knallender geifseln über berg und thal in ein anderes
d<Nrf , dessen Jünglinge sie mit gleichem lärm empfangen.
einer im häufen stellt das Posterli vor oder es wird in
puppengestalt auf einem schütten nachgeschleift und in ei-
ner ecke des fremden dorfes stehn gelassen; dann stillt
sich der lärm und alle kehren heim (Stald. 1, 208.) An
andern orten der Schweiz spukt in der fronfastnacht mitt-
woch vor Weihnachten die Sträggele und plagt die mäd-
chen , wenn sie ihr tagwerk nicht gesponnen haben«
(Stald. 2, 405.) In Thüringen zieht das wütende beer ini
geleite der frau Holla**) Zu Eisleben und im ganzen
mansfelder land fuhr es alle jähr auffastnacht donnerstae
vorüber, das volk versammelte sich und sah der ankunn
des heers entgegen, nicht anders als sollte ein mächtiger
könig einziehen, vor dem häufen trat ein alter mann
einher mit weifsem stabe, der treue Eckhart, der die
leute aus dem wege weichen, einige auch heim gehen
hiefs: sie würden sonst schaden nehmen, hinter ihm ka-
men etliche geritten , etliche gegangen , man sah darunter
neulich verstorbne menschen. Qmevvht ;ml ztv eibeinigem
pjerde***), einer lag auf ein rad gebunden, das sich von
selbst bewegte, andere liejen hopflos, oder trugen ihre
Schenkel auj den achseln. ein trunkner bauer, der
dem beer nicht ausweichen wollte, wurde ergriiTen und
auf einen hohen felsen gesetzt, wo er tagelang harren
muste, bis man ihm wieder herunter helfen konnte. +)
In dieser darstellung macht /raw Holda an der spitze ih-
res geisterheers vollkommen den eindruck einer im land
einziehenden heidnischen gottin: das volk lauft zusammen
tmd geht ihr entgegen, wie dem Freyr (s. 139) der Ner-
•) gleichbedentig mit frau Faste (s. 453) uach dem slavischen
post = faste ,* jejoniam ?
**) deutsche sagen do. T.
•*•) auf dreibeinigem die Hei (s. 490.)
+) AgTicola spr. 667. Eyering 1,781—786. die kopflosen
f^estalten, die zwei oder dreibeinigeu, feuerglühendeu Uiiere in vielen
^eistenagen.
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iM WOT. a VENUSBBRG DIETRICH
tlius (8. 152.) Eckhart mit dem weifsen stab versieiit
dos amt eines herolds, einea kämmerlingd , der ihr dea
vreg au&äamU ihr lebendiges gefolge hat sich verkehrt m
gespenster«
Eckhart 9 der getreue^ eine gestalt aus dem krdst
altdeutscher heldensage, greift in die göttersage über« nad
dem anhang oder der vorrede des heldenbuchs soll er vor
dem Venuaberg sitzen und die leute vrarnen, wie er
sie vor dem wütenden beere w^arnt. um so vreniger lafat
sich auch hier sein geschäft und die bedoutung des Ven«is-
bergs verkennen, dieser berg (nach einigen der Jlosd^
berg^ Horselberg bei Eisenach) ist frau Hollen hoflial-
tung, aus der man im 15. 16 jh. frau f^enus machte.*)
seit dem christentlium hauset sie in unterirdischen holen,
stattlich und prächtig gleich zwergkönlgen ; einzelne men-
schen finden sich noch bei ihr ein und leben da io
vronne. man erzählt von dem edlen Tanhäuser, der hinab
gegangen vrar, ihre wunder zu schauen^*); eine der an-
ziehendsten sagen des mittelalters , in welcher die Sehn-
sucht nach dem alten heidenthum und die härte der christ-
liehen geistlichkeit rührend geschildert sind. EctJiarLi
vielleicht ein heidnischer priester, ist hofinann und be-
gleiter der göttin, wenn sie zu bestimmter zeit des |ahres
ausfährt, ich könnte ihn auch mit seinem Ufj^tmeio^ vbobl
psychopomp des reitenden todtenheers (vgl. den in der Inft
knarrenden seelenwagen s. 482) machen ; er geleitet d>er
nicht die scheidenden, vielmehr die wiederkehrenden tod-
ten^ und jene ansieht halte ich für richtiger.
Wenn theilnalmie Dietericha pon Bern an der wü-
den jagd näher zu beweisen steht ^ so wäre er neben
Eckhart hier der zweite einheimische held. die Lausitscr
sollen nun den wilden Jäger Dietrich Bernhard nennen;
oft haben alte Wenden seine jagd gehört und wissen m
erzählen von den unschmackhaften braten, die er dabei
austheilt.***) Von Fichte aber, dessen heimat die Lausitz
war, leitet sich die meidung her, dort heifse knecht ItO'
precht (s. 287) Dietrich pon JBern.j;) Beide auslegun-
gen lassen sich genau erwogen verbinden, knecht Bm"
precht erscheint neben frau Berhta, als diener und be-
*) Tgl. oben 8.257. Venusherg in dem niederl. TÖiksboch Mar-
gareta van Limburg cap. 56. 82. 84 und in der Morin. Keiieia|»«ig
(omeirs 36) läfst die hexen in frcui Fenusberg faren.
**) deutsche sagen no. 170. vgl. mit 177 and 5.
***) laus. mouatMchr. 1797 p. 749.
t) deutsche hekleoMge p. 40.
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WÜTENDES HEER S8S
glelter (s. 294); ^iweilen statt Ihrer, und wie sie als ein
schreck der kinder. es kommt dazu, dafs beide Hu-^
precht und Berhta Weihnachten auftreten; doch was am
meisten entscheidet ist, dafs in Meklenburg /^Vode, wie
in Schwaben Berhta, durch den flachs am Spinnrocken
fahrt, luid fVode, wie Ruprecht und Niclas, den kin«
dem gutes oder böses beschert.*) Dietrich von Bern (s.257)
ist also, gleich dem treuen Eckhart, berechtigt in Wuo-
tans, Holdas oder Berhtas geleit zu erscheinen, oder ihre
stelle einzunehmen« Auch wird bei andrer veranlassung
Dietrich auf feuersprühendem gespenstigem rosse über-
menschlich dargestellt. Vielleicht ist endlieh der niederländ«
Derk met den beer (s. 139) hier zu erwägen, ohne dafs
ich den beinamen aus einem misverstandnen Dietrich von
Bern herleiten möchte.
Wir haben das wilde beer in zwei hauptbeziehungen
keimen gelernt, als nächtliche jagd männlicher, als feier-
lichen umzug weiblicher gottheiten, beide, den letzteren
zumal, an gewisse jahrszeiten gebunden. Der bestimmtere
einn des ausdrucks 'beer' läfst schon eine dritte bedeutung
erwarten: es zieht aus als kriegshecr und weissagt aus-
breclienden krieg.
fVuoian (der alle heertfater^ s. 474), Hachelbernd^
Berhlolt^ auf weifsem schlachtrosse, gewafnet und ge-
spornt, erscheinen noch als oberste lenker des kriegs^
den sie gleichsam dem menschengeschlecht verstatten. £s
gibt mehr als eine sage von verwünschten bergen, in de-
ren iunerui von zeit zu zeit waifeuklang, trommeln und
pfeifen hörbar werden; ein altes geisler und götterheer
ist darein verschlossen, das sich zu seinem ausbruch rü-
stet. Keine schönere, vpllständigere sage kenne ich in
dieser beziehung als von dem niederhessischen Odenberg^
und dazu liegt er unmittelbar in der nähe von Gudens-
bergy d. b. Wuolansberg, aber unterschieden davon, so
dafs man Odenberg nicht aus der altn. form Odhinn deu-
ten darf: der name mag von öd (felicitas) vielleicht von
odi (desertus) geleitet werden. Das volk knüpft diesen
Odenbei^ längst nicht mehr an die heidnische gottheit,
sondern an den heldenkönig Carl, ja an kaiser Carl 5.
Seiner händel mit landgraf Philipp wegen hat Carl der
fünfte bleibenden eindruck in Hessen zurückgelassen,
^Karle Quintea^ mit seinen Soldaten haust im Odenberg,
*) Frankefl alt and neu Meklenb. 1 , 57. In Schlesien schweigt
nun die kinder mit dem nacht jä^er. deutsche sagen no. 270«
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SM ,WCt;HBBR CARL
und wie die Schwäbin ihrem kind mit der eisernen BerbU
droht (8.170), schweigt es die Hessin, in diesem land-
strich, durch den zuruf *du, der 0"iö*® kommt!' Früh«
meinte man Carl den grofsen, wie schon die den auna-
listeh bekannte sage von dem durstigen beer beweist (s,
104); ein niederschlag noch älterer heidnischer mylhen,
Carl war mit seinem beer in die gebirge der gudensberger
landschaft gerückt , siegreich , wie einige erzählen , nach
andern fliehend , von morgen her (aus Westfalen.) die
krieger schmachteten vor durst, der könig safs auf ÄcA«ee-
weij'sern schimmele da trat das pferd mit dem huf auf
den boden und schlug einen stein vom felsen , aus der of-
nuqg sprudeile die quelle mächtig.*) das ganze beer \vurdc
getränkt, diese quelle heifst Glishorn, iiirer külilen, kla-
ren flut milst das landvolk gröfsere reinigungskraft bei
als gewöhnlichem wasser, und aus umliegenden dörfcm
gehen die weiber dahin ihr leinen zu waschen, der stein
mit dem liufliilt, in die gudensberger kirchhofmauer ein-
gesetzt, ist noch heute zu sehn. Nachher schlug könig
Carl eine grof.se schlackt am fufse des Odenbergs. das
strömende hlnt rifs tiefe furchen in den boden, (oft
sind sie zugcdämnit worden , der regen spült sie immer
wieder auf,) die fluten *wulchen' zusammen und ergossen
sich bis Bessa hinab ; Carl erfocht den sieg ; abends
that sich der fels auf, nahm ihn und das ermattete kriegs-
vollv ein und scblofs seine wände, in diesem Odenberg
ruht der könig von seinen heldenthaten aus. er hat ver-
heifsen alle sieben oder alle hundert jähre hervorzukom-
men; tritt eine solche zeit ein, so vernimmt man waf^
fen durch die lüfte rasseln^ pferde getvieher und huj^
schlage der zug geht an den Glisborn, wo die rosse ge-
tränkt werden, und verfolgt dann seinen lauf, bis er,
nach vollbrachter runde, endlich wieder in den berg zu-
rückkehrt. Einmal giengen leute am Odenberg und ver-
nahmen trommelschtag, ohne etwas zu sehn, da hiefs sie
ein weiser mann nach einander durch den ring schauen,
den er mit seinem in die seite gebognen arm bildete:
alsbald erblickten sie eine menge kriegsvolk, in wafTen-
übungen begrilFen, den Odenbjrg aus und eingehn.**) Hn*
*) des rosses hnfsclilag, des heiligen «Üb, zwingt ans d«n fel-
sen wasser, geweihtes, wunderthätiges. so schlug den Griechen Pe-
gasus die Hippocrene, den Israeliten Moses stab die quelle, und auf
dem Rammelsberg scharrte das ros die goldader auf.
••) ich verdanke diese und andere, getreu aus dem munde des
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WUT. OBER HELLEQÜIN «27
zelne menschen , die zufällig in das in^venclige des berga
gelangen, werden darin beschenkt; wie bei frau Holla
in den thüriugischen bergen.
Abuiich diesem odcnberger heer ist der auszug des
Rotlienthalers im Aargau*), des Roden steiners nach
dem Schneller ts **), vermutlich noch anderer in andern gegen-
den. Nach Heimreichs nordfries. chron. 2, 93 sah man
im j. 1637 vor Tondern kriegsheere in der luft aufziehen
imd mit einander bei hellem welter slreilen.***) Eine iri-
sche volks^age bericlilet von O^ Donoghue dem allen her-
scher, der jährlich am ersten mai, auf milchweifsem
pferde sitzend, aus dem gewässer eines sces steigt, sein
reich zu besuchen. In einer augustnacht aber zeigt sicli
ein graf von Kildare gerüstet auf prächtigem slreilros
uod mustert die schatten seiner krieger (elfenm. 192. 193.
233.) Den Letten sind johdi oder murgi gespenster,
Seelen verstorbner ; wenn ein nordlicht flackert sagen sie :
johdi kaujahs (geister schlagen sich), karru lauschu dweh-
seles kaujahs (gefallner krieger seelen schlagen sich.)f)
liier wird der gespeustertumult auf die leuchtende, wie bei
den Deutschen auf die tönende naturerscheinung bezogen ;
es erinnert auch an den krieg, den unsere landsknechte
noch im himmel erheben.
Aber den romanischen und nordischen Völkern ist die
Überlieferung vom luflheer nicht weniger bekannt und ein-
zelnes trift mit der deutschen genau zusammen.
In Frankreich führt ein solches luftgebilde kämpfen-
der geister die benennung Hellequin (Koquef. s.v.), in
Spanien exercito antiguo,'^'^) Guilielm. alvernus p. 1037:
Me equitibus vero noclurnis, qui vulgari gallicauo Helle--
quin 9 et vulgari hispanico exercitus antiquus vocantur,
UQudum tibi satisfeci, quia nondum declarare intendo, qui
rolks verzeichnete saj2;en dei' freundschaftlichen mittheilung eines
karhessischen artillerieofticiers , herru Pbtor.
*) Wjpfs reise ins berner Oberland 2, 420
••) deutsche sagen no. 169. Snellerts = haus des Snellert, Snel-
hart, ein ungeheurer geist heifst Snellaart in Margr. van Limb. 7b.
•**) Guicciardini bist, d'ltalia. 1583 p. 22: risnonava per tutto
hl fama, essere nel territorio d'Arezzo passati visibilmente molti di
]>er Varia infiniti huomini armati, sopra grossissimi cavalli e con
terrihile strepito di suoni di tromhe e di tamhuri, vgl. die dän.
sage vom ausziehenden Klintekönig und Ellekönig, Thiele 1 , 9H.
3, 53.
+) Stenders lett. gramm. 1783 p. 262. 266.
it) d. h. die grofse menge der todten (oben 8. 492.) he geit int
olde haer -=• er itirbt, Narragonia 84 b.
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528 WOT. HEER BBLI^QDIN
afnt; nee tarnen certum est eos malignos spirituft esse, 1o-
quar igitur tibi de bis in sequentibiis.' p. 1065: -'de sub-
stantiis apparentibus in similitudine equitantium et bella-
toruniy et in similitudine exercituurn innurnerabiliuwy
interdum autem et paucorum equitum^ p. 1073 : *nec ic
removeat aut conturbet uUatenus vulgaris illa Hispanorum
nominatio^ qua malignos spiritus, qui in arniia ludere
ac pugnare videri consneverunt , exercitum antiquum
nominant, magis enim anilis et delirantium vetulanim do-
minatio est quam veritatis.' Radulfus de Presles ad libr.
15 cap. 23 de civ. dei: *la mesgn^e de Hellequirij de
dame Habonde (s, 177), et des esperis quils appeUenl
fees,' Carpenlier s.v. Wabrscheinlich erzählt auch Vin-
cent, hello V. eine hierher einschlagende geschichte, die ich
jetzt nicht finden kann. Keisersperg (omeifs 37) berichlct
von einem gewissen Natalis, der nach seinem tode er-
schien und auf die frage nach dem wütenden beer ver-
kündete, es habe aufgehört, seit Carolas quintus seme
bufse geleistet, hier wird dem wütenden beer der name
Caroloquinti oder nach andern jillequinti beigelegt, vrt«
ofTenbar mit Jenem Hellequin^ vielleicht mit dem hessiscbtii
Karlequinte im Odenberg (s. 525) zusammenhängt. Gleich-
wol scheint es falsche deutung des älteren, schon im 13
jh. bekannten ITellequin, der nicht den franz. könig Carl
5 aus der zweiten häl^e des 14 jh. meinen kann.*) Wie
ihm sei, dafs man auch in Frankreich mit dem wüten-
den beer Carl den grofsen in Verbindung brachte, zeigt
ein burgund. gedieht des 17 jh,, nach welchem C/uirie-
magne auf seinem pferd an der spitze der lufterscheinuog
reitet, und Roland die fahne trägt.**) Zu Tours heifst
sie la chasse briguet und le carosse du roi Hugon*^)'^
des königs Hugo Capet wagen vertritt auch hier einen
heidnischen götterwagen; in Poitou sagt man la chass0^
gallerie. Im walde von Fontainebleau soll *le grand ve-
neur^ jagen.
In den englischen wäldern rauschte schon zu des G«r-
vasius tilberiensis zeit iönig Artus nächtliche jagd; ei-
nige vom zuge meldeten, sie seien des königs verwandte.
Shakspeare (merry wiv.of Winds.4, 4) gedenkt eines * Herzte
the hunter\ der mitternachts um eine alte eiche wandert«
*) auch bei harlequin (arleccliino) hat man an Charieiqwit
gedacht.
**^ Journal des savans 1832 p. 496.
***) m^m. des antiq. 8, 458. noei borgnignons p» 237.
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WUT. HEER WALDEMAa 529
Boccaccio (decam. 5, 8) hat die geschichte eines ge-
spenstes ," das seine gelieble, die ihm treulosei' weise den
lod bereitet hatte, jeden freitag nackend durch den wald
jagt und von seinen hunden zerfleischen läfsl : so oft sie
erlegt wird, steht sie wieder auf und die grausame jagd
beginnt von neuem. Die fabel soll, nach Manni, aus
Heh'Dand genommen sein; sie könnte aufsclilufs über die
Verfolgung des holzweibchens durch den wilden jager (s,
520) geben, wenn man auch die motive des noveliistcn,
"wie billig, erst auf den einfachen grund einer volkssage
zurückzuführen hätte.
Unversteckter liegen die bezöge der nord. auf deutsche
sagen, den Dünen ist TValdemar^ ihr beruh niler, gelieb-
ter köuig, zum wilden Jäger geworden, die seeländische
fabel läfsl ihn, gleich Carl dem grofsen, durch einen zauber-
riug zu cuier Jungfrau und nach deren tod zu einer Wald-
gegend heflig hingezogen werden, er wohnt im Gurre
wald und jagt da nacht und tag*), ganz wie Hackelbcrg
äufsert er die vermefsnen worte: *gott möge sein himrnel^
reich h ehalten , wenn ich nur in Gurre immerdar jagen
kaaq!' Nun reitet er jede nacht von Burre nach Gurre;
^venn das volk sein hohorufen und peitschenknallen von
Meilern hört, stellt es sich seitwärts unter die bäume,
voran im zug laufen kolschwarze hunde, denen glühende
Zungen aus dem hals hängen , dann erscheint fVolmar^
auf weifsem pferde^ zuweilen sein eignes haupt unter
dem linken arm tragend (vgl. abergl. 605.) stöfst er auf
leute, besonders alte, so gibt er ihnen hunde zu halten,
er fährt einen bestimmten jagdweg, alle ihüren und schlüs-
ser springen vor ihm auf, seine strafse lieifst TVolniars»
Straße (s. 218.) Denen die ihm die hunde gehalten haben
schenkt er scheinbar geringe Sachen, welche sich hernach
in gold verwandeln, für hufeisen gibt er ducaten (Thiele
1, 89 — 95.) diese sagen gemahnen zugleich an Carl den
grofseu, Hackelberg und frau Holla.
Auf der insel Mön liegt ein wald namens Grünewald,
in ihm jagt der Grönjette jede nacht zu pferd, das haupt
unter dem linken arnij einen sj)iers in der rechten, eine
meuie hunde um sich herum. Zur ^rnieztii legen ihm
hauern ein gebund haber j'ur sein pferd hin, dafs er
des nachts nicht ihre saaten niedertrete; an diesem einen
*) auf dieser jagd übt er grausamkeiten gegen die bauern (Thiele
l, 46.)
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530 WUT. HEER GRÖNJETTB
zug wird Wuotan (s. 104. 105) **) vielleicht audi Frey {$.
139) ei^cennbar. Jette heifst er liier, wie in der^ Schwell
diirst (8.517.) OröDL erkläre ich nicht durch die grooe
färbe der Jägerkleidung, lieber durch das altn. gröo (baihi),
6rön Jette =: ahn. graniötunn, der bärtige riese^ und Grani
(barbatus) ist Odhins name (s. 501.) Grönjette läfst avck
die bauern seine liunde halten, er jagt nach der meerfrau
(wie der wilde Jäger nach der holzfrau); ein baoer sak
ihn zurückkehren, wie er die meerfrau todt quer aber
seinem pferd liegen hatte: 'sieben jähr jagte ich ihr nach,
auf Falster hab ich sie nun erlegt\ dem bauer schenkte
er das band, woran er die hunde gehalten hatte; solange
das band in seinem besitz blieb, nahm er zu an rdcb-
thum (Thiele 1, 95 — 97.)
Auf Fühnen jagt Palnejäger^ d. i. der altn. Pdlna-'
toll (forum, sog. 11, 49 — 99.) Thiele 1, 110.
In einigen dänischen gegenden wird statt Weimer nur
gesagt Men flyuende jäger* (der fliegende jäger) oder *den
flyvende Markolfu8\ in der gegend von Kaliundbor^ hat
das Yolk einem jungem könig die jagd übertragen: Chri*
stian der zweite reitet auf weifaem pferd mit schufttr»
zen hunden (Thiele 1, 187.)
Im Schlcswigischen )^i.hönig jibeli in eo loco, nbl
sepultus est — venatoris cornu inflantis vocem et sonum
exaudiri, multi fide digni referunt et affirmant usque adeo
similem, ut venatorem ibi venari quis diceret, idque saepe
a vigilibus, qui Gottorpii nocte vigilare solent, audiri: sed
et Abelem multis nostra aetate apparuisse et visum esse
constans omnium est rumor, ore et corpore atruniy equo
pusillo pectum^ comitatum canibus tribus venaticis, qui
et saepe specie ignea et ardere visi sunt. Cypraei ans.
episc. slesvic. p. 267. vgl. Thiele 2, 63.142.
Schwedische Überlieferungen vom wilden jäger sind
mir nicht bekannt, ich folgere sie aber schon nach deia,
was s. 278 von dem strömkarlslag gesagt wurde, dessen
eilfte Variation dem nachtgeiat und aeinem heer gehört
*) Docli näher trift was Thiele p. 192 meldet: in alten ta^ca
herschte auf der Insel Mön der «berglaube , wenn man einerntete, A
letzte gebundne habergarbe hin auf den acker za werfen mit dea
Worten: 'das ist für den jode von Upsala, das soll er haben >•/-
abends für sein pferd/* thaten das die leute nicht, so starb ihr Tiek.
Der jötunn von Vpsala bezeichnet, in christlicheni euphemismos » Od-
hinn oder Wodan, dessen götterbild zu Upsala aufgestellt ist Yieft-
Iclcht entsprang die redensart zu einer zeit, als D^imark sehen be-
kehrt, Schweden noch heidnisch war.
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WÜTENDES HEER GÜRO 531
Reichen gehalt hat eine norwegische eage. Seelen, die
nicht soviel gutes thun, dafs sie den himmel, nicht so
viel böses, dafs sie die hölle verdienen, trunkenbolde, spot-
ter, feine betrieger, sollen zur strafe bis an das ende der
weit umreiten. An der spitze des zugs fölut Guroryase
oder Reiaaroifa mit ihrem langen schwänz, woran man
sie vor den übrigen kennt, nach ihr folgt eine ganze menge
beiderlei geschlechts. von vornen angesehen haben reit er
und pferde stattliche gestalt, von hinten sieht man nichts
aU Guros langen schwänz, die rosse sind kolschwarz,
mit glühenden äugen , sie werden mit feungen Stangen und
eisernen zäumen gelenkt ^ von ferne vernimmt man den
lärm des haufens. sie reiten über wasser wie über land,
kaum berühren die hufe die Oberfläche des wassers. wo
sie den sattel auf ein dach werfen , in dem haus mufs flugs
ein mensch sterben, wo sie Schlägerei, mord und trinkge-
lag erwarten, da kommen sie und setzen sich über die
tliür. solange noch keine unthat begangen wird, halten sie
sie sich ruhig, erfolgt sie aber, so lachen sie laut auf und
rasseln mit ihren eisenstangen. Ihr zug hat gewöhnlich
statt um die julzeit, wenn grofse trinkgelage gehalten
werden. Hört man ihn nahen , so mufs man aus dem
weg weichen oder sich platt au/ den boden werfen und
sdilafeud anstellen, denn es gibt beispiele, dafs der zug
lebende menschen mit sich schleppt, ein rechtschafPener
mensch, der jene vorsieht gebraucht, hat nichts zu fürch-
ten, als dafs jeder aus den häufen auf ihn speit: ist der
zug vorbei, so mufs er wieder ausspeien, sonst würde er
schaden nehmen. In einigen gegenden heifst dieser gespen-
stige aufzug aashereia^ aasherejy aaskereida, an andern
ho&kelreia*j jenes scheint verderbt aus dsgardreida, ds"
gardreid^ der asgardische zug, die fahrt der seelcn gen
himmel oder auch die fahrt der götter, der valkyrien,
welche die erde heimsuchen, zuweilen sieht man den zug
nicht, hört ihn blofs sausend durch die lüfte fahren, wer
in den drei julnächten seine stallthüren nicht bekreuzt,
der findet am morgen seine pferde schweifstriefend (s.
380.381) und halbgeplatzt, weil sie mitgenommen waren
(Faye 70 — 72.)
Guro scheint dasselbe was sonst gurri, d. L altn. gifr
(riesin, s. 302) ; gurri ist aber auch Yiuldra (Faye 10) und
diese wird als ein schönes weib mit häfslichem schwänz
geschildert (Faye 25. 39.) Huldra darf unserer Holda
schon deshalb verglichen werden, weil sie ungetaufte kin-
der mit sich führt (s. 168.) Guro als anführerin des wü-
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532 WÜTENDES HEER GüRO
tenden heera enlspriclit also völlig den übrigen bisher ent-
wickelten vorslellungen. *)
Überschauen wir nun die gesanimte reihe der deut-
schen und nordischen sagen vom wütenden beer, so dran-
gen sieb folgende bctrachlungen hervor. Der niylhiis zeigt
uns götler und göll innen des beiden thums. Unter dco
gutlern PVuotan und vielleicht auch Fro, wenn ich auf
ibn den Berhtolt auslegen darf. Wuotan erscheint noch
in seinen beinamen des gemantelten und des bärtigen^
die man hernach misverstand und in eigennauten uinschnf»
bei Saxo gramm, p» 37 heilst Olhin: ^albo cljpeo tectus
et album (s. 1. statt altum) flectens equum,'* Heeranfali-
rende güttin, statt des gottes, ist Holda^ seine gemahlin;
ich überzeuge inich iininer fester, dafs Holda nichts anden
sein kann, als der milden, gütigen Fricha beiname.
Berhta^ die leuchtende, fällt wiederum mit ibr zusammen,
oder wenn es auf Frouwa anwendbar ist, berübrt sieb
mit ihr, wie die nord. Freyja mit Frigg. Merkwürdig,
dafs die norweg, sage wieder Frigg noch Freyja, sondern
auch Huldra nennt.
Diese gottheiten stellen sich auf doppelte weise d^.
entweder, menschlichen äugen sichtbar, zu heiliger )ahrs*
zeit, in das land einziehend, heil und segen mit sich füh-
rend, gaben und opfer des entgegen stromenden voiks in
empfang nehmend, oder unsichtig durch die lüfte schwer
bend, im gebraus und heulen des windes vernehmbar; ein
aufzug der weniger an bestimmte zeit gebunden mehr die
naturerscheinung erklärt. Beide züge halte ich, ihrer idce
nach für gleich alt, und sie greifen in einander, die vor^
Stellungen \on der milchstralse haben uns gezeigt, wie die
wagen und wege der götter sowol am liimmel als auf der
erde gehn.
Seit dem Christen thum muste eine Verwandlung der
fabel eintreten, statt des götterzugs erscbien nunmehr ein
grausenliaftes gespensterbeer mit finstern, leuüiscben zo-
tliaten entstellt. Vermutlich hatten schon die Heiden ange-
nommen, dafs in dem zuge der gottheiten die geister sce-
liger beiden mitfahren ; die Clu'isten versetzten jetzt in
das beer uugetaufte kinder, trunkenboldc, Selbstmörder,
die in gräfslicher zerstümmelung auftreten. Aus der holden
ward eine unholde , nur noch von vorne schöne, hinten
'*) sollte der wald Gurre io Waldemars sage hier zu berücksich-
tigen sein? in Schmidts fastelabendsanil. p. 76 werden
stellt *der ff^ooty die Goor, der wilde Jäger**
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WÜ'rBNDES HBER 5S3
geschwänzte g(^ttin. *) was ihrem alten bilde nicht ganz
entzogen werden konnte, wurde als verfülirerisch und
eündhaf^ aufgefafst: so erzeugte sich die sage vom Yenus-
berg. Auch die allen Opfer liefs das volk nicht völlig
faliren, es beschränkte sie auf die habergarbe für des gol-
tes ros, wie es den Tod (den gleichfalls jagenden, s. 491)
mit einem scheifel haber abfindet (8.490.)
Bei den meisten Umgestaltungen heidnischer mythen
waren die götter günstiger gestellt als die göttinnen. diese
musten also gleich in geisterhafte wcsen übergehn, denen
zwar noch gewisse macht verliehen blieb, aber alles milde
und freundliche benommen **) und ein höllischer anstrich
zugegeben wurde. Götter hingegen konnten, als helden
wiedergeboren, ihren reinen, ursprünglichen character un-
getrübt behaupten. So sehen wir diesem umzug Dietrich,
JEkfiartf Jlrtus, Carl, fValdemar, Palnatoice ^ ja, Chri"
stian 2 einverleibt, ohne dafs ihrem ansehen unter dem
volk das geringste entrissen wird. Daneben macht sich
aber auch eine andere ansieht geltend * welche die gölter
in teufel, wie göttinnen in unholde und hexen verkehrt:
der teufel konnte hier leichfaus dem älteren rieaen ent-
springen.
Letzte niedersetzung der fabel war, dafs sie sich an
einzelne Jäger und jagdliebhaber der jüngeren zeit heftete,
wie Hactelberg, ]\\nkev Mar then, Mansberg \u a. diese
sehen beinahe wie historische pcrsonen aus , näher betrach-
tet vrerden sie immer in mythische aufgelöst.
Der gleiche gang, den die geschichte des mythus im
Norden wie in Deutscldand genommen hat, verbürgt uns
von neuem den Zusammenhang des heidnischen glaubens
hier und dort. Sachsen, Westfalen, Hessen haben noch
einzelne züge mit dem Norden gemein , die Süddeutschland
weniger festhielt. Zugleich bricht berührung mit cellischer
sage durch, während ich keine mit slavischer entdecke, es
müste denn der nachts umreitende Svantovit (s. 381) hier-
her gehören.
Noch ist eine mit griechischer fabel unerwähnt geblie-
ben/ aus der sich das hohe alter der Vorstellung eines
riesen und Jägers zu ergeben scheint. Orion war den
Griechen ein riesenhafter (neXojQiog) Jäger, der noch in
der unterweit 9 auf der Asfodeloswiese das wild verfolgt
*) ganz in der art, wie man die weit, vornen gleif^end sclion,
hinten zerfressen vorstellte (s. 494.)
**) feen der kindermärchen abgerechnet.
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534 WÜTENDES HEER ORION
(Od. 11, 572) und ein leuclitendea gestirn bildet« Homer
nennt Orions jngdliund (II. 22 , 29) , den man ani falmmel
unter ihm erblickt, vor ihm sind die pleiaden (eine kütte
wilder tauben, Od. 12, 62) auf der flucht, selbst die grofs«
barin scheint nach ihm hinzuschauen (Od. 5, 274.)*) Ob
auch unsere vorfahren das nemliche gestirn mit dem mylhus
von der -wilden jagd in beziehimg brachten? ich habe es
s. 418 vorschnell in abrede gestellt« einmal könnte mao
den ags. namen eherhaajen damit verbinden, dann aber
anschlagen, dafs die drei den gürte! bildenden steme spinn-
rochen der Fricha lieifsen, die als Holda dem wütenden
beer vorangeht, und gerade bei seiner erscheinung auf Weih-
nachten der spinnerinneu wahrnimmt, wo Fricka das gestirn
benennt, hebt sich ihre Spindel hervor, wo ihm WuoHn
oder ein ricsenheld den namen verleiht, kann die gmppe
gejagter eher ausgezeichnet sein? Die griech. fabel entfal-
tet sich noch reiclier. Orion wird geblendet und von Re-
dalion , einem wunderbaren kinde , das auf seinen schul-
tern sitzt, zu neuem lichte geleitet, dem blinden rieten
liehe sicli der hopjlose wilde jagcr**) vergleichen? Noch
mehr fällt mir der zug auf, dafs Artemis aus der erde
einen scorpion hervorgehn läfst, der Orion in den Inorhel
sticht und durch diesen stich tödtet***): wenn sich das
zeichen des scorpions am himmel erhebt, sinkt Orion unter,
das gemahnt an Hackelberend, dessen Jufs^ vom haaer
des ebers gestochen, seinen tod verursacht« Orion geht
zur Sommersonnenwende auf, zur Wintersonnenwende unter,
in den winternächten strahlt er, wo auch das wütende
beer erscheint, windsturm begleitet ihn (nimbosus Orion.
Aen. 1, 535.) er hat die gäbe empfangen auf dem meer
zu wandeln (Apollod. I. 4, 3), wie die rosse der aaskareia
über die flut ziehen, ich lasse dahin gestellt, ob alle diese
Vermutungen sich behaupten können. Orions verfailtois
zu Artemis gleicht dem des Wuotan zu Holda nicht, ob-
gleich Holda Diana ist, allein beide ^ Wuotan und HoMa
treten nie zusammen im heer auf.
•) O. Müller über Orion (rheio. mos. f. philol. 2, 12.)
**) jeder mi4isethater, dessen verbrechen vor seinem tod nidit
herauskommt, mufs mit dem köpf unter dem arm amgelm (abergi-
605.) sollte auch das blenden oder erblinden geisterhaftes irren tiu-
drücken?
***) Aratufl pbaenom.637. Ovid. fiist. 6, 541. Lucan. phars. 9, 891
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ENTRÜCKUNG 535
CAP. XXV. ENTRÜCKUNG.
Unserer mythologie vorzüglich eigen ist die idee der
enlrückungi w^ie sie sich zwar schon auf den Inhalt des
vorausgehenden cap. erstreckt, aher einen noch weiteren
umfang hat.
y'erwiinachen bedeutet einen fluch oder bann aus«
sprechen, maledicere, diris devovere, was goth, Jraquithan^
^\ii* Jarwdzan ^ mhd. verwdzen heifst; da ich verwün-
schen in der älteren spräche noch nicht finde, erkläre ich
es blofs aus dem gegensatz von vrünschen (fausta apprecari)
und enthalte mich darin bezug auf den wünsch (die fülle
des heils und segens) zu vermuten«
Von vf er Wandlungen unterscheiden Verwünschungen
sich darin ^ dafs sie nicht umgestalten, vielmehr die natür-
liche form der dinge festbannen und nur in andre läge
versetzen; wiewol der Sprachgebrauch auch das verwan-
delte verwünscht nennt, ferner, das verwandelte beharrt,
bis zum Zeitpunkt seiner erlösung, in der neuen gestalt,
in welche es umgeschalTen wurde ^ allen äugen sichtbar,
z.b. der stein oder bäum, in den ein mensch verwandelt
ist; bei dem verwünschten aber, nach dem begrif, den
ich ihm hier gebe, scheint mir wesentlich, dafs es imsem
lianen entrückt werde, und blofs zuweilen, in seiner
vorigen form, erscheine. Anders ausgedrückt: das ver--
wandelte bleibt leiblich, das verwünschte verschwindet
und kann nur bedingungsweise wieder leibhaft werden,
wie es in dem belieben unsichtbarer geister steht, gröbere
sianliche ' gestalten anzunehmen, entrückte menschen sind
also geisterähnliche, und noch eine bezeichnung dafür ist:
sie schlajenj nur von zeit zu zeit erwachen sie.
Entrückbar sind aber nicht allein personen, sondern
auch Sachen, verschwindende und wiederkehrende perso-
nen fallen ganz mit dem begrif zusammen, den das vorige
cap. von gespenstern aufgestellt hat, und genau wie dort
Seelen verstorbner menschen sich mit beiden und göttern
identificierten , stofscn wir auch hier wieder auf die nem-
lichen beiden und götter.
Die entrückung pflegt unser Volksglaube gern so zu
fassen, dafs er die verwünsclilcn gegenstände in her^e
versetzt, gleichsam die erde, zu deren aufnähme, sich
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536 BBRGENTRÜCKUNG
öfnen läfst,*) Hierbei können mehrere Vorstellungen ge-
schäfUg sein, die mütterliche erde birgt in ihren scliofs,
die todten und scelenwelt ist eine unterirdische, elbe und
zwerge worden in bergen wohnend gedacht, nicht sowol
tief in der erde , als in bergen und felsen , die sich auf
der oberiläche der erde erheben. Volksmiilsige verwün-
schungsformeln pflegen aber auf das manigfalligste den
tiefsten abgrund auszudrücken.**)
Nun begreift es sich, warum Jrau Holda, frau l^enuM
mit ihrem gesinde in befugen hausen : sie sind dahin ent-
rückt bis die zeit ihres umzugs unter den menschen nahL
so wohnt auch könig Carl im Odenberg.
Einzelnen menschen gelingt der zutritt in solche berge;
Tannhäuser verweilte Jahrelang bei frau Venus. Ein scbmied
suchte in den hecken des Odenbergs nach einem weifsdom
zum hammerstiei, plötzlich entdeckte er ein vorher nie
wahrgeuommnes loch in dem Steingefälle, trat hinein und
stand in einer neuen wunderweit, starke männer kegelten
da mit eisernen kugeln» der Schmied schaute ihnen su;
sie forderten ihn auf mitzus|>ielen, was er ablehnte, 'die
eisenkugehi wären seinen banden zu schwer', die männer
blieben aber freundlich uiid sagten, er solle sich ein ge-
schenk wählen, der Schmied bat um eine der kugeln , trug
sie heim und legte sie unter sein eisengeräth. als er sie
nun später verschmieden wollte und rothgeglüht hatte,
zersprang sie auf dem ambofs in stücke und jedes sluck
war eitel gold. So oft er wieder auf den Odenberg kam,
*) angedaltige sehnsncht nach entrüchung gebeo wir dorch die
redensarteo za erkenaen: ich möchte in die erde schliefen^ aus der
haut fahren t was auch am Schlüsse des liedes von der klage hei&t:
sich versliefen und üz der hiute trit-fen io löcher der steioweiKie.
O. IV, 26, 43: ruafet thesön bergon, bittet sie sie fallM ubar iuiA,
joh bittet ouh thie buhila, thaz sie iuih theken obana, ir biginoet
thanoe innan erda sliafun joh suintet fiiu thrÄto. Hei. 166, 3: thaa
gl sd gerna sind, that iu hier bihlidun hoha bergest diopo bidelbat»,
diese spräche ist freilich biblisch (Luc. 23 , 30) , aber die eropfindoBg
vieler Volker wird in solchen dingen zusammenstimmen. Nil». 86T, 2:
mir troumte wie obe dir ze tal vielen zwSne berge»
**) 'hunderttausend klafter tief in die erde' verwunschen; 'so tief
als ein hase in zwei jähren laufen kann!' (s. 122); 'so tief, dafs keia
hahn nach dir kräht !* und dergleichen mehr, was ist der letzten forme]
sinn? dafs der versunkene nicht mehr den durchdringenden bafanrttf
in nächtlicher stille vernehmen, oder dafs man oben auf der erde Atm
krat des mitversunkenen hausthiers aus der unterirdischen woliauag^
nicht mehr hören könne? auch KM. 2, 32 heifst es von königstöcb-
tern: 'se versunken alle drei so dcip unner de eere, dat kieo batm
uier danach krehetc.*
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BERGENTRÜCKDNG IVELTBNDB ö»7
fand er die öfhuDg nimmer, {enesmal hatte er eben den tng
getroCfen, an welchem der berg den menschen offen steht,
hn alten bergachlosse Geroldseck sollen Siegfried
und andere beiden wohnen und dem deutschen volk, wann
es in höchster noth sein wird , daraus erscheinen (deutsche
sag. no. 21.) Eine felshlujt am Vierwaldstättersee, nach
andern auf dem Grülli, birgt die schlafenden drei Stifter
des Schweizerbundes, sie werden aufwachen^ wann ihrer
das Vaterland bedarf (das. no. 297.) Auf dem Kifhäuser
in Thüringen schläft Friedrich Rothbart i er sitzt an ei-
nem runden steintisch, den köpf in der band haltend,
nickend, mit den äugen zwinkernd, sein hart wächst um
den tisch und hat schon zweimal dessen rundnng um-
schlossen , wann er das drittemal herum gewachsen sein
wird, erfolgt des königs aufwachen, bei seinem hervor-
kommen wird er seinen schild hängen an einen dürren
bat/m, davon wird der bäum grünen und eine bessere
zeit werden, doch einige haben ihn auch wachend gesehn e
einen schäfer, der ein ihm wolgefalliges lied gepfiffen, fragt;
Friedrich: ^fliegen die raben noch um den berg?' und
als der scliäfer bejahte: ^so mufs ich hundert jähre länger
schlafen\ *) der schäfer wurde in des königs rüstkam-
*) ähnliche fragen thut der hllnde riese in einer schwcd. volk«-
saf^e, die ioh ans Bexells Hailand (Gotheborg 1818. 2. p.301) hier
einschalte: nagra gjömän ifran Getinge blefvo pa hafvet af atoimarne
forde emot eu okänd 6, omgifne af mörker uppstiga de der. de ble^
varse en pa afstand upptänd eld och skynda dit. franifur elden ligger
en ovanligt lang man » som ?ar blind ; en annan af lika jättestoriek
Star bredvid honom och ror i elden med en iärnstang. den gamle
blinde mannen reser sig upp, och fragar de ankomne främlingarne,
bvarirraii de voro. de svara ifran Hailand och Getinge socken, hvarpli
den blinde fragar: 'lefver ännn den huita qi/innan?* de avarade ja,
fast de ej viste hvad han liarmed menade. ater sporde han: 'manne
mitt grthua stär ännn qvar?' de svarade aterigen ja, ehum de afven
Toro okunnige om hvad han menade. Da sade han 'jag fick ej hafva
mitt get/jits I fred for den kyrkan, som byggdes pa den platsen.
wiljen 1 komma lyckligt hem, välan, jag lemnar er dertill trenne vil-
kor.' de lofva, och den gamle blinde fortfor: 'tagen detta söljMlte^
orh när I kommen hem, sa spännen det pä den hvita qvinnan^ och
denne ask satten den pa altaret i mitt gethus.* Lyckligen äterkomne
tili hembygden radfraga sig sjomännerne hurn de skulle efterkomma
den gamle blinde mannens begäran. man beslöt at spänna haltet
omkring en hjörht och hjörken for i lüften^ och at sätta asken pä
en knlle» och atraxt «/är kulUn i Giusan laga, men efter det kyrkan
är bygd der den blinde mannen hade sitt gethns, har hon fatt namnet
Getinge. Der blinde, auf die insel entrückte riese ist ein gespenstiger
heidnischer gott (vgl. Orion 8.534), die weifse frau eine christliche
kirche, oder jungfraa Maria.
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538 WELTBNDB DOREUBR BADM
mer gdfährt und bekam den fufs eines handfasses geecheidu,
den der goldsclimied für echtes gold erkannte (das. no.
23. 296.) Nach andern sitzt Friedrich in einer felsen^
hole bei Kaiserslautern (das. no. 295) oder zu Trifels bei
Auweiler , oder im Unterberg bei Salzburg (das. no. 28),
wo aber einige Carl den grqjsen oder den fdnjten hau-
sen lassen und das wacJisen des barts um den tisdi
ebenso erzählt wird, hat der hart zum drittenmal die letzte
tischecke erreicht, so tritt das ivellende ein, auf dem
Walserfeld erfolgt eine blutige Schlacht, der antichrist
erscheint, die engel posaunen tönen und der jüngste tag
ist angebrochen, das Walserfeld hat einen dürren baunij
der schon dreimal umgehauen wurde , seine wurzel schlug
immer aus, dafs ein neuer vollkommner bäum daraus er-
wuchs, wann er wieder beginnt zu grünen j dann nabt
die schreckliche schlacht, und wann er fruchte trägt wird
sie anheben. Friedrich hängt dann seinen Schild an den
bäum, alles wird hinzulaufen und ein solches blutbad sein,
dafs den kriegem das blut in die schuhe rinnt, da wer-
den die bösen von den guten menschen erscldagen wer-
den (das. no. 24. 28.) In dieser b'edeutsamen überliefenuig
läfst sich altes und uraltes aufweisen, ein geistliches lied
des 16 jh. erwähnt herzog Friedrichs ^ der das beiUge
grab wieder gewinnen und sein schild an einen laublosen
bäum hängen soll, der antechriste wird dabei genannt.^)
das ältere bruchstück eines gedichts aus dem 15 jh. vom
verlorenen haiser Friedrich sagt, niemand wisse wohin
er gerathen sei, von alten bauem aber werde versichert,
er lebe, lasse sich oft als waller bei ihnen sehen und
sichere öffentlich zu, dafs er noch einmal auf römischer
erde gewaltig werden, pfaiTen stören und das heilige land
erobern wolle, dann werde er ^seines Schildes last tiaken
an den dürren astJ* (das. no. 488.) ein gedieht, etwa von
1350, sagt: 'so wirt daz vrleufg also grofs^ nymand
kan ez gestillen, so kumpt sich kayser Fridrich der her
vnd auch der milt, er vert dort her durch gotes willen,
an einen dürren pau>m so henkt er seinen sclült. so
wirt die vart hin über mer er vert dort hin zum
dürren pau?m an alles widerhap, dar an so henht er sei^
nen schilt , er grünet unde pirt: so wirt geu^un daz
heilig grap f daz nymmer swert darup gezogen wirf.***)
•) Grtitcrs Odina p.l97.
*0«Aretint beitr. 9» 1134.
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WELTO^B DÜRRER BADM 589
ick ymnute Shnliche, früher« äufserungen ia der mhcL
bearbeilung von Sibyllen Weissagungen/)
Friedrich im KifhSusery Friedrich oder Carl im Un-
terberg, Carl im Odenberg, Holda im Horselberg drücken
die selbe mythische idee aus, überall aber knüpfen sich
eigene nebensagen an. Carl liefert eine ungeheuere Schlacht
und wird nachher in den Odenberg aufgenommen , aus dem
er dereinst zu neuem krieg und sieg hervorgeht. Fried-
rich kommt aus dem Unterberg und schlägt eine solche
schlaclit. im 13. 14. 15 jh. verband damit das volk die
Wiedergewinnung des heil, grabs, auf diesen zweck sind
die beiden des Odenbergs und Kifhäusers nicht gerichtet,
älter ist die bestimmung^ dafs mit ihrem aufwachen die
grol'se Weltschlacht und der Jüngste tag anbrechen soll ;
daran läfst die erwähnung des antichrists keinen zweifei.
hier ist deutlicher Zusammenhang mit dem mythus vom
u^eltuntergange s. 468 — 470. der aufgehangne achild
kann den nahenden richter bezeichnen (RA. 851); auch
das zeichen des neugrünenden baums scheint mir eher
heidnisch als christlich. . zwar liefse es sich auf Luc. 21,
29,30 (H^l. 132,14) beziehen, wo die zeichen des welt-
tages dem ausschlagenden feigbaum, als zeichen des na-
henden sommers verglichen werden, die anwendung des
gleichnisses auf den jüngsten tag wäre aber ein misgrif.
*) in einer bandscbriftiicbeD historia triam regom wird eines ten-
pcls der Tartaren gedacht hinter manem, schlossern und riegeln
steht ein dürrer baum^ heermänner hüten sein, weichem fursten es
gelingt, sein schild an diesen bäum zu hängen^ der wird herr des
ganzen Ostens, wie es dem grofsen chan, der deshalb unwiderstehlich
sein soll, gelungen Ist Göthes kunst u. alt IL 2, 174. 175. Monte-
villa hingegen meldet, im thal Mambre, wenn man too Bbron nach
Bethlehem ziehe, stehe der elende ^ dürre haum, den sie heifsen Trip^
aber wir nennen ihn siegesbaum^ und ist ein eichbaum und man meint,
er sei gestanden Ton anbeginn der weit und war vor gottes marter
H^rün und geblättert, aber da gott an dem crens starb, dorrete er ....
man findet in Weissagungen geschrieben: es solle ein fürst kommen
aus Niederland mit vielen Christen, der soll dieselbigen länder gewin-
nen, ond soll lassen messe singen unter dem dürren baum^ dann soll
er wieder grüne blätter überkommen und fruchtbar werden, und um
des wanders willen sollen alle Jaden und Heiden Christen werden,
darum erzeigt man ihm grofse ehre und verhütet ihn gar wol. So
nach der Übersetzung des Otto von Diemeringen ; die niederländ. aus-
gäbe nennt den bäum Drip^ die lat Dirp und hat nichts von der
Weissagung des messesingens. Ist dieser zug in Deutschland elnge-
sclialtet, überhaupt hier eine abendlandische sage in den Orient ge-
kommen? oder stammen die deutschen folksüberlieferungen alle ans
morgeoländiscbea reiseberichteil? •
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540 WBLTENDB
lieber denke ich an die nach dem muspilli neugrünends
erde (Saeni. 9^), ich möchte sogar, vrenn es nicht zu kühn
ist, bestätigung meiner deutung von muspilli y mudspilli
= arboris perditio (s. 467) gewinnen aus dem dürren
baiim,"^) Und wie, wenn Friedrichs frage nach den fiie^
genden rahen noch zusammenhienge mit dem über der
neuen weit fliegenden adler (Srem. 9^) ? auch an die hra^
nicke darf sie erinnern, welche zur zeit der grofsen nie-
derlage durch die brotbanke geflogen hommen (deutsche
sag. uo. 317.) Fiscliart (Garg. 266^267») bindet die wie-
derkelir des verwünschten königs gerade so an der ira-
niche kunft**)
Wie Vergangenheit und Zukunft, das verlorne paradis
und das erwartete, in der Vorstellung des volks sich ver-
schmelzen ***) ; so glaubt es an ein erwachen seiner gelieb-
ten köuige und beiden aus dem bergschlaf u Fridrichs
imd Carls, Siegfrieds und wol auch Dietrichs, das ist des
epos rechtes zeichen, dafs es seinen gestalten ewige, un-
vergängliche dauer sichert. Siegfried ist aber auch Wuo-
tan (s. 18. anh. s.xxui), Dietrich ist Wuotan (s. 525), und
Wuotan steigt, nach dem muspilli, ein verjüngter, wieder
erwachter golt, von neuem auf die weit.
Auch jirtusj der eutschwundne könig, dessen Wie-
derkehr die Briten glauben f ) , soll (wie er an der spitze
des nächtlichen heers zieht s. 528) , in einem berge mit
seiner massenie hausen i Felicia, Sybillen tochter , und
Juno die göttin, leben in seiner gesellschaft, dem. ganzen
heer gebricht es nicht an speise, trank, rossen^ und klci-
dern.ff) In einem gewölbe bei Rronburg in Dänmark
*) dorrende uod grünende bänme werden auch sonst mit dem
scliicksal eines landes in Verbindung gebracht, lu Oietmarsen stand
ein wunderbaum, der vor der einnähme des landes grünfe, nach den
Verlust der freiheit dorrte, die Weissagung lautet: wann eine elsier
darauf nistet und fünf weifse jungen ausbringt y soll das lend wie-
der frei werden. Neocorus l , 237. vgl. 562.
**) andere zeichen des einbrechenden weitendes : wenn der schipan
den ring aus dem schnahel fallen Inf st (oben s. 241) ; wenn die
riesenrippey ans der jährlich ein tropfe abfallt, vertröpfelt sean wird
(deutsche sag. no. 140); wenn die zunge der wage einsteht (das. 294);
wenn der stein im griinen t/ial fällt; wenn das schif ^us nngeia
fertig wird (s. 471.)
***) s. 476; selbst die partikeln Je^ einst, einmal ^ olunt gtXaM
auf beide zustande.
f) *et prius Arturus veniet vetus ille Britannus.* Henricos septi-
niell. bei I^eyser p. 460. ^cujus in Jirturi tempore fructiu erit.* das.
p. 477.
if) ^rtb. kr. Jen. hs. 99. lOÖ (Pocen 1, 132. 183.)
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BEROENTROCRUNO 541
sitzen um einen steintisch gepanzerte männer, medergebo«
geu, die bäupter auf den geki^euzteu armen ruhend, als
Holger danskey der am ende des tisches sais, sein haupt
erhob, brach der liscli zusammen, in den sein hart ge^
wachsen war, und er sagte: *wir kehren zurück, wann
nicht mehr männer in Dänmark sein werden^ als ihrer
räum auf einer tonne haben' (Thiele 1,23.168.)
Der verwünschte führt aber in der volkssage oft gar
keinen namen. in der hole des fVillbergs fand der Schäfer
vom Osterberg ein männlein vor einem steinernen tisch
sitzen, durch den sein hart gewachsen war (dcuisclie
sag. no. 314.) den schäfer von Wernigerode führte eia
greiser mann zu den schätzen der berghöle (das. no.315.
Das wachsen des barts in den stein oder um den stein
drückt vortreflich die lange dauer der Vergangenheit aus.
Ln burgheller von Salurn im schlesischen Zobtenberg fand
mau drei männer am tische sitzen (das. no. 15. 143), die
als verwünschte übelthäter dargestellt werden.
Wie aber auch Holda in den berg gebannt ist, so
sind es vorzüglich weifse frauen , weijsgekleidete jung"
jrauen (s. 178. 179), auf welche der begrif dieser berg-
verwüöschung anwendung leidet: göttliche, halbgöttliclie
weseu des heidenthums, die den blicken der sterblichen
noch zu bestimmter zeit sichtbar werden ; am liebsten bei
warmer eonne erscheinen sie armen Schäfern und hirten-
jungen.
Auf dem Lahnberg in Oberhessen safs eine weifse
Jungfrau bei Sonnenaufgang, hatte auf tüchern waizen
zum bleichen gebreitet und spann, ein marburger becker
gieng des wegs vorüber und nahm eine handvoll körner
mit. zu hause fand er lauter goldkörner in der tasche.
Ein gleiches erzählt wird von einem bauer bei Friedigerode*
Ein armer schäfer weidete an der Boyneburg , da sah
er im Sonnenschein neben der sclilofsthür eine schnee^
weifse Jungfrau sitzen, auf weifsem tuch vor ihr lagen
ilachsknotten, die sollten aufklinken, verwundert tritt der
schäfer hinzu, sagt *ei was schöne knotten!' nimmt eine
handvoll, besieht und legt sie wieder hin. die Jungfrau
blickt ihn freundlich, aber traurig an, ohne ein wort zu
erwiedern. Er treibt seine heerde heim, ein paar knotlen,
die in die schuh gefallen waren, drücken ihm den fufs,
er setzt sich, zieht den schuh ab, da rollen ihm fünf oder
sechs goldkörner in die band (deutsche sag^ no. 10.)
Im Olomannsberg bei dorf Geismar soll uaclils ein
feuer brennen, alle sieben jähre kommt eine schn<^ i>eifs^
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943 .^¥EISSB FRAUEN DRACHEN
gekleidete jung jr au heraus, in der band hSh sie einen
ound achidaseL
Ganz ^ie in diesen lieblichen sagen, erscheint Jraii
Holla zur niittagsstunde badend und ihr gelblockiges haar
kämmend, oder spinnend (s. 166.) vgl. die pielberger und
ordrufer Jungfrau, die im Herlingsbrunnen badet (deutsche
sag. no. 11. 12.) eine badende Ilsenjungfrau beschenkt
den kühler mit eichein und tannzapfen, die sich in gcid
umwandeln (das. no. 316.)*)
Nahe dem begrif solcher badenden weifsen frauen lie-
gen aber die wasserholden und nixen, die auf gleiche
weise sich sonnen und kämmen (deutsche sag. no. 57. 64)
und wiederum führt nun derwas8erjungfrauen^«r7/5/?Ä^a«r
von selbst darauf, den erscheinenden weifsen frauen einen
Schlangenschwanz beizulegen. selbst die norwegische
Huldra ist geschwänzt. Im Oselberg bei Dinkelsbühl
haust eine schlänge mit frauenhaupt und Schlüsselbund am
hals (das. no. 221.) Im goldnen berge die verwünschte
Jungfrau als schlänge. KM. 2, 40. zuweilen zeigt sie sich
einen tag als Jungfrau y den andern als schlänge^ z. b.
auf dem berge des Schlosses Landeck. ^^^
Hieran grenzt nun unmittelbar die Vorstellung mann»
Hoher schlangen oder drachen ^ die entrückte schätze
bewachen, offenbar bezieht sich auch der scldüsselbundy
welchen weifse Jungfrauen in der band halten oder am
hals hängen haben, auf die bewahrung eines geborgnen
Schatzes, schlangenirone führt zum schätz (abergl. 807.)
Unter drache denken wir uns eine geflügelte schlänge.
Der Nibelungehort wird nach dem Siegfriedsliede auf dem
Trachenstein von einem drachen gehütet, der sich alle
lunf jähre und einen tag in einen schönen jnngling ver-
wandelt, und eine Jungfrau gefangen hält, er speit, durch
die luft fliegeud, feuer aus. Bekannt ist der niederrheioi-
sehe Drachenfels (mons draconis), der in urk. des 12 jh,
oft genannt wird, das älteste beispiel einheimischer sagf
vom drachenhort gewährt Beovulf: draca^ se the on
hedpe hord beveotode, stunbeorh stearne (4418); eald
ülitsceadha^ der alte in der dämmerung fliegende räuber
(4536) ; se the byrnende biorgas s^cedh , der brenoend
nach den bergen föhrt (4538); nacod ntdJtdraca^ der
*) znweilen hat die weifse jurtgfrau blofs eine nebenrolle: a«
(oder ein zwerg) führt den flirten in den berg zum scblafendeo köni;
fin und^ft die waroungsworte aus.
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DRACHEN SCHATZ M3
nackende nelddraclie (454o); htedhengold varadh, der hei-
dengold hütet (4547); se dheodsceadha tlireohund yintra
heold on hrusan^ der erzräuber (teufel) hielt dreihundert
jähre (den schätz) in der erde (4550); horäx^eardn der
hortwächter (4599); 14dh lyftfloga, der leidige lufttlieger
(4654); ligdraca, flammdrache (4660); JfrdracUj fcuer-
drache (5374.) Aus der edda ist Fafnir bekannt, der in
der Gnitaheide auf dem gold liegt, so dafs gold Fdfnis
bodi (des F. lager) heifst, er speit feuer und gift, wird
aber nie dreki, blofs ormr genannt, er vermag also nur
zu kriechen, nicht zu fliegen.*) BW wird zum ormr und
liegt auf seinen goldkisten. fornm. sog. 11, 158. draco
thesauri custos. Saxo gramm. 101.
Auch Morgenländern,' Griechen und Römern sind solche
schatzhiitende drachen bekannt, der hundertköpfige, nie
sclilafende drache bewachte die goldäpfel des hesperischen
hams.**)
Nach den volkssagen liegen schwarze hunde auf den
schätzen zur bewachung (deutsche sag. no. 13. 159.) vgl.
Schm.2, 209.***)
D^^ goth. huzd^ ahd. hört ^ ags. heord, ahn. Jiodd
scheint mir buchstäblich das lat. cust in custos, und die-
ses von curo (für cuso) abgeleitet , so dafs füglich unser
lu\3 (das hegende, schützende) hinzugehören könnte, in
huzd liegt also schon der begrif des bewachens. aus the-
saurus , ital. span. tesoro , franz. tresor ergab sich das ahd.
dreso\ treso. das goth. statts , ahd. scaz bezeichnet nu-
nuis und ist erst allnialich in die bedeutung von thesaurus
öder gaza übergegangen , noch in 13 jh. hatte achatz nur
den sinn von geld, reichthum (Flore 7749. Troj. 2689.
3171. MS. 2, 146*), nicht den von niederlegung und be-
"walirung.
Der allgemein verbreitete glaube, dafs schätze im iu-
neru der erde ruhen , läfst 0. V. 4 , 23 , als er von dem
erdbeben bei des Heilandes auferstehung redet, sagen: 'sih
sculita io giltcho thiu erda kraftlicho, ioh st sliumo thar
irgab t/iaz dreso thar in iru lag\
*) die deotang des namens aus föofuir hat bedenken. Ofnir und
Sudfnir sind schlangeneigenuamen und Odhins beinamen. unter der
gottlicii verehrten schlänge der Langobarden (s. 395) kann man sich
JVuotan denken.
*') Photius, Bekk. 150, 6. 16. 'incubas gazae ut magnud draco
CBitos scytliici luci.* Martial 12, 53.
**') was bedeutet der schwarze hund abergU 741? ^
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544 DRACHENQORT SCHATZ
Aud der bergung des echatzes in der tiefe folgt, daß
wer sich seiner bemächtigen will, ihn heben müsse, man
glaubt, dafs der schätz von selbst nicke, d.h. sidi langsam
aber fortschreitend*), der erdoberfiäche zu nahem suche:
zur bestimmten zeit steht er dann oben und ist seiner eriö-
sung gewärtig, fehlt aber die geforderte bedingimg, so
wird er von neuem in die tiefe entrückt. Jene annäheruog
drückt die redensart aus; 'der schätz blühei\ wie das
glück blüht (s. 505), 'er wird zeitig\ 'er verblüht^ (SimpL
2, 191), mufs wieder versinken, gewöhnlich zeiligt er
alle sieben, oft auch nur alle hundert jähre. Er pflegt
sich in kesseln zu heben und dann seine gegenwart durch
eine auf ihm leuchtende flamme ahzuzeigcn, wie über
den gräbern der gespenster flamme webt (s. 513.) Nicht
selten liegt der feurige drache oder der schwarze huud
oben darauf. Viele schätze bewegen sich aber nie gegen
die Oberfläche der erde, sondern müssen m der berghölc
selbst gewonnen werden.
Zur hebuug des Schatzes wird erfordert stillschwei^
gen und Unschuld. Alle heiligen und göttlichen geschäfte
dürfen nicht besprochen werden , z. b. heila\^ ac ist still-
scliweigends zu schöpfen (s. 144. 327), zauberkräftiges kraut
stillschvveigends zu brechen, ein beschriener schätz sinkt
augenblicklich hinab (abergl. 214.) unschuldige kinder-
hände taugen ihn zu erfassen, wie das loos zu ziehen,
arme dorfknaben und hirtenjungen finden ihn auf (deutsche
sag. no. 7. 157. 158); wer sich durch ein laster befleckte
kann ihm nicht wieder nahen (das. 13.)
Wer den schätz erblickt soll etwas darauf werfen,
um besitz von ihm zu ergreifen und alle gefahr abzuweh*
ren. gerathen wird , brot^ oder ein auf blofseoi leib getrag-
nes kleidungsstiick 9 oder einen kreuzdreier über den
schätz zu werfen (abergl. 218. 224. 612.)
- Um in den berg zu gelangen , worin der schätz ge-
borgen ist, bedarf es aber gemeiniglich einer weg bahnen-
den , thürsprengenden pflanze oder wurzel.
In den volkssagen wird gauz einfach eine schöne wun*
derblume genannt, die der beglückte zufällig findet uml
an seinen hut steckt ; nun steht ihm auf einuial der eio
und ausgang zu dem schätze des bergs offen, hat er in-
wendig in der hole seine taschen gefüllt und vom aoblick
der kostbarkeiten den hut abgelegt , so erschallt hinter dem
•) meistentlieils heifstes, er rücke alljährlich einen haüncnschnii
weiter, ^chatz im kessel, deutsche sag. 212.
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WÜNSCHELRÜTBE 545
weggebenden eine warnende stimme*): ^pergrßs das besfe
nicht r aber es ist zu spät, er überhört die worte oder
yersteht sie nicht, und nun schlägt ihm bei seinem aus-
gang Jiart an der ferse die eiserne thur zu, alles ist im
DU verschwunden und der pfad nimmermehr zu finden.
Diese Formel kehrt in den sagen vom Odenberg, von den
Weserbergen und vom Harz jedesmal regelmäfsig wieder
(deutsche sag. no. 303. 314 und in vielen andern); sie ist
gewis uralt. Das gewaltsame, plötzliche zufahren der thüre
mahnt an den eddischen ausdruck: 'ihegar lauist hurdliin
d hcela hönum^ Sn. 2. Einem hirtenknaben wurde der
Schuhabsatz noch mit abgerissen (deutsche sag. 157) wie
sonst dem wegeilenden die ferse abgeschlagen (KJNI. 3, 75.)
*die berge sint nu nach mir ziid* JMS. 2, 145* scheint
schon in einer redensart des 13]h. das verscherz tsein eines
früher offen gestandnen glückes auszudrücken.
Anstatt der wunderbaren blume setzen andere erzah-
lungen die springwurzel (deutsche sag. 9), entw. Wolfs-
milch (latbyris) oder eine vom specht^ wenn man ihm
»ein nest zuspundet, herbeigetragne wurzel.**)
Es gibt aber, aufser solchen thürsprengenden pflanzen,
noch ein anderes uraltes mittel, gold und schätze in der
tiefe der erde aufzuspüren und zu erwerben: die wün-
M'helruthe* Warum übertrüge schon eine ahd. glosse ca-
dnceus durch i4>unsciligerta (gramm. 2, 540), hätte sie
nicht den begrif der zauberkräftigen ruthe Mercurs mit
jenem ausdruck am nächsten zu erreichen geglaubt? an
sich führte das lat. wort weder auf wünsch noch wün-
schen (N. Cap. 16. 37 verdeutscht flugegerta^ virga vo-
Intiiis.) die Vorstellung einer zauberruthe unter eigenthüm-
hch deutschem namen war also sehr frühe begründet, und
dieser name hängt wieder zusammen mit dem mehrbe-
sprochenen sinn des Wortes wünsch, das wie saelde sowoi
den inbegrif von glück und heil, als persönliche wesen
Wunsch und Saelde bezeichnet, der diminutivform halben
nehme ich in dem compositum wunsciligerta nicht die
persönliche bedeutung, sondern die sächliche an: es ist die
gerle, durch deren besitz man alles irdischen heils theil-
haft wird, die gäbe dieses heils geht von dem allwallen-
den Wuotan aus (s. 236.)
*) gleichsam der blume selbst, mehrere blamen, namentlich ga*
mander and mnaseöbrchen , lieifsen unter dem volle ^vergifsmeinnicht\
du dabei ihre wnnderkraft berücksiciitigte. die sentimentale deutung
entstand soater.
**) vgl. vom medhopf Aelian de nat. an. 8, 26. ♦
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546 WONSCHELRUTHB
Auch die dichter des 13 jh. hedieneh sich de» ai»-
drucks* Conrad in der schmiede 664 (614), Maria mit
dem Stabe Moses vergleichend: Mi\ bist diu ivünschd^
gerte, dar mit uz einem steine wazzer wart geslagcn';
1306 (1261) *di\ 8n?lden (VSaelden) würi^chelgerie' ; Troj,
19888 von Helena: 'schoene als ein wunsclielgerte kam
sie geslichen üfreht', vrie dänische Volkslieder in gleicheai
sinn liljevaand (lilienstengel) verwenden 5 Troj. 2215 *alks
heiles ein wünschelHs' ; Gotfried in einem nünnelied 2,9:
der gndde ein wänschelruote* ] Nithart im rosenkr. 3:
'gespalten nach der wünschelruofen stam' ; in Albr. Titur.
mehrmals wünschelgerte und wiinschelruote. Die vrich-
tigste stelle findet sich aber Nib. 1064 gerade bei beschret-
bung des Nibelungehorts :
der wünsch lac dar under, von golde ein räetelfn,
der daz het erkunnet, der möhte meister sin
"wol in al der werlte über isllchen man.
unter dem gold und gesteine des horts lag eine ruthe, de-
ren wunderkrafl (wünsch) alles heil, alle wonne enthielt,
wer iliren wertb kennt (ich setze nach rüetelin blofs ek
comma und beziehe 'daz' darauf), dem ist gewalt über alfc
menschen verliehen; die wünschelruthe brachte nicht nor
schätze zuwege, sie stärkte und mehrte fortwährend ihren
gehalt
Hier wird die wünschelruthe golden genannt. Ge-
wöhnlich brach man sie aus einer haselsiaude; nach
Vintler (anh. LVI) ist sie 'das jährige zweig eines vrü-
den haselbaumes.' es wird dazu ein ast mit einer zwispel
(furca) genommen und dreifach zusammengefunden.*)
Jene vergleichung Conrads läfsl aber eine einfache, schlanke
gerte vermuten. Man unterschied, wenigstens später, meh-
rere arten : feuerrathe, brandruthe, springruthe, schlagruthe,
beberuthe, nicht zu allen wurde die hasel verwendet, ei-
nige aus mesdingdrat, vielleicht auch aus gold verfertigt. In
Niederdeutschland sagt man wickerode, von wicken, zaubere.
Es gilt, die ruthe richtig in der band zu halten, daoa
schlägt sie an , dreht sich nach den gegenständen , die sie
anzeigen soll, bleibt aber, wenn diese nicht vorhanden
sind, ruhig, mau glaubte mittelst der wünschelruthe ver-
borgne schätze, erzadern, wasserquellen, ja mörder vad
diebc zu entdecken.**)
•) Ettoers unwurd. doctor p. 8—8.
♦•) literargescliichte der wfioschelrathc im neuen lit aos. 18*7
p. 345— 4T7; vgl. braunschw. anz. 1752. p. 1625. golh. tajdKeb.
1809. T>. 1—19.
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BRRGENTRÜCKÜNO Ö47
In Aoslielms bern. chron. 2, 8 fiiule ich den ausdruck
fflücksstäblin, der franz. name ist baguette dii^inatoire;
nach den mem. de Facad. celtique 4, 267 *de coudrier,
fourvhue dhm cote*
Sollte nicht das ahn, gambanteinn Saem. 77^ 85**
einen äliullchen begrif enthalten? tciun ist ramus^ vlrga
(gotli. tains, ahd, zein, ags. t4n, alts. t^n), gamban wider-
steht allen seitherigen dentungen. in aer letztgedachlen
stelle wird gambanteinn im wald gehdlt:
til holtz ec g^cc oc til hrus vidhar
gambantein at gela. gamban tein ec at.
Saenu 60*» handelt es sich auch von einem ganibansumbl
iimgeta, was recht gut eine wüiischelmahlzeit der göller
bedeuten könnte, ich würde die Variante gamansumbl neh-
men, lind gaman wonne auslegen, wie wunsc zu wunna
gehören mag. indessen findet sich Beov. 21 ein ags. goni^
ban gyldan, verschieden von gomeu (gaudium.) auch
Harns vendi ec thic drep' Saem. 84** verdient erwägung,
tanis vöndr (virga domitoria) ist sicher ein Stab von zau-
berhafter Wirkung.
Eine ausführliche sage von einem wänschelstab , den^
der h. Columban einem armen mann schenkte, dieser aber
auf anstiften seiner frau zerschlug, findet sich in Adamanni
Scoli vita S. Cohimbae cap. 24 (Canisii lect. antiq. tom. 5.)
Am bedeutsamsten für den ursprünglichen sinn der
wiinschelruthe wird das kerykeion des Hermes (der ca-
duceus des Mercur): eine gerte um welche sich schlan-
gen winden, die schlangen scheinen aber erst spater aus
den zweigen der olive gebildet, so dafs die ältere j^aß Sog
(Odyss. 24, 2) wahrscheinlich die zwiselform der wrünschel-
gerte hatte, der hymn. in Merc. 527 nennt sie oXßov xal
71X0VIOV QaßSov^ XQVOBir^v , iQiniTfjXov >> golden (wie im
Nib. lied), dreiblätterig, glück und reichtlium schaffend.
Da nun Mercur zugleich den geflügelten petasus tragt, wie
AVuotan durch das pilei umbraculum kennbar ist, darin
aber wiederum die idee des wünschelhuts (s. 507) w^altet,
die heil und segenbringende w'unschelruthe auf den per-
sönlichen Wunsch, folglich Wuotan bezogen werden miifs;
so scheint mir in dem zutreffen aller dieser ähnlichkeiten
eine unabweisbare bestätigung der uralten, unerborgten
Identität zwischen fVuotan und Mercur zu beruhen.
Das mythische Verhältnis bergentr lichter schätze wie
das bergentrückter beiden und götter hat uns also auf
AVuotan, den höclisten Schöpfer und geber aller dinge ge-
leitet«
35*
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548 WASSBRBNTRÜCRUNG
Da auch elbe und zwerge im gebirg hausen (s. 256.
257. 264) und gleich den gespenstern triegen (8.261. 512\
so finden hier mehrfache herührungen statt. Die hcl und
nehelkappen der zweite (s. 260) gemahnen an den ^io^
schelhut; das zwerggeschlecht besitzt und hütet schätze
(s. 256) , gleich den drachen. *) wie frau Holda im wü-
tenden heer zieht ^ und im berg sitzt, so hangt sie aucb
mit den elben zusammen (s. 257.) Zu den holen der
zwerge wird der eihgang gefunden wie in die verzaubert«!
berge, entführte menschen bringen eine Zeitlang io gesell-
schaft der elbischen geister zu (s. 280), wie in frau Wnvs
berg (s. 524.) dem Tanhäuser vergleicht sich die scbvre-
dische Jungfrau, welche acht jähre lang bei dem bergkoois
zubringt, ihren eitern besuch abstattet, aber wieder iu deo
berg zurückkehren mufs (sv. vis. I, l.) sie heifst die btrg^
tagna. Von diesem indtages i hö'ie og fjelde fülirt Fiyc
s. 55. 36 mehrere merkwürdige beispiele an.
Ein ähnliches Verhältnis läfst sich aber nun mit Was-
sergeistern nachweisen. Holla wohnt nicht nur im ber?,
auch im brunnen] eine Jungfrau wird von den nixen ent-
führt und, jener bergtagna gleich , sieben jähre im see g?-
halten (s. 338.)
Wir werden also auch heldengeistern und schätzen
ihren aufentlialt im wasser^ wie im berg^ angewiesen selieo.
König Carl sitzt im brunnen zu jXürnberg^ mit dem hart
in den tisch gewachsen (deutsche sag. 22.) Der jMbeloiige
hört liegt im Rhein versenkt (Nib. 1077, 3.) 'Rin skal
rddba rögmdlmi, t veltanda vatni lysaz valbaugar.' Saem.
248*.**) *
Burgen und städte liegen in der tiefe des wasscrs.
bei ruhiger flut schaut man noch spitzen der thümif.
oder vernimmt ihre glocken läuten, die sagen von Sw-
biu'g und Arensee sind schon s. 472 genannt, Thiele er-
zählt nordische 1, 127. 3, 73; es gibt eine menge andirr,
vgL Frauensand (deutsche sag. 239), wie von bergversclin!-
teten Tdas. no. 344.) Die versinkungsformel gegen die
riesin (s. 320) kann von der erde oder von dem wasser
(wie gegen die nixe s. 282) verstanden werden.
*) schatzlifitende bergge ister in der Schenkofenbole, im Retcbei-
spitz, im Zillertlial. Mucliars Gaateia p. 115.
**) Rheia scheint in aolcben fallen öfter etwas all^meines vtsnr
drücken: 'der tiufel senke in in den Rtnl' Eilh. Tristr. 9631.
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DUALISMUS 549
CAP. XXVI. TEUFEL.
Die Vorstellung des teiifels und teuflischer geister,
welche allmaltcli auch in dem Volksglauben so grofsen um-
fang gewonnen und so feste wurzel geschlagen hat, war
uuserni heidenthum fremd.
Überhaupt scheint es, dafs ein das höchste wesen in
gegensälze spaltender dualismus, yvo er nicht in urallem
liefsinn des Systems (wie etwa des zendischen) seinen grund
hat, späterhin nur durch abstracle philosopheme hergestellt
wird, den in breiter mitte liegenden sinnlichen mylholo-
giea ist er unangemessen.
, Einen durchdringenden idealistischen unterschied zwi-
schen gutem und bösem geist , Ormuzd und Ahriman *),
kennt weder die indische und griechische, noch die deut-
sche gölterlehre. vor der gewalt des einen allvvallenden
gottes verschwindet des kakodamons macht. Aus dieser
einheit erwachsen dann trilogien (Brahma, Wischnu,
Schiwa; Zeus, Poseidon, Pluton; Wuotan, Donar, Frö;
Här, lafnhar, Thridhi), dodekalogien , und die fülle des
Pantheismus. Grundzug der Vielgötterei ist aber, dünkt
mich, dafs das gute und wolthätige princip in dem gött-
lichen überwiegt; nur einzelne, dem ganzen untergeord-
nete gottheiten neigen sich zum bösen oder schädlichen,
wie der nord. Loki, dessen natur gleichwol immer noch
der des Hephästos näher steht, als des christlichen teufeis.
Selbst in den elbischen geistern waltet die gi^te vor; dem
nix, dem kobold, ja dem riesen wird nur theilweise grau-
samkeit oder tücke beigelegt. Hiermit im einklang ist die
müde Vorstellung unseres alterthums von tod und von un-
terweit.
Danim braucht jedoch in dem gestalten und farben-
reichthum soltJier mylhologien der dualistische gegensatz
nicht völlig zu schweigen, in einzelnen zügen tritt er auf,
ohne in das ganze einzugreifen, hierher fallen z. b. die
mythen von tag und nacht , von licht und schwarzelben
(s. 250), von sommer und wiuter. **)
') die echten formen lauten AharomazdAo nnd Ägromaiojus, jener
hcifst aber «uch häufi«r Cpentt>malnjus, uyuOoq daLmov, gegenüber dem
Ägrömainjus, dem xaxo«; duifiMr. Buniout* comm. sur Ic Yayua p. 96. 92.
••) der »lavisrhe glaube stellt einen weifsen und scliwarzen gott
auf; Bjelboff und T«clieniibog. dieser dualiitniu« scheint mir aber we-
der durchdriugeud, noch ursprünglicli.
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550 TEUFEL
Der jüdische moiiotlieismus gewährlc dem satan (]C^)
blofs die nebenrolle eiues versucliers, lasterers, wie sie das
buch Hiob deutlich zeigt, und der gr. ausdruck diaßolog,
den die LXX und das N. T., abwecliselnd mit aardv, aa-
zaväSy oder Saifioviov (meist für das hehr, n^) brauchen,
bestätigt. Seit dem cxil waren aber die Juden mit der idec
des dualismus bekannter, und zur zeit des N. T, hatte sich
die ganze dämonologie vielfach ausgebildet; Beelzebub wird
als der oberste aller bösen geister genannt, den das A. T.
blofs als ein heidnisches idol kennt; hier also schon gehen
götzen über in den begrif der damone oder teufel.
Es gehört ir^ die geschichte des Christen th ums zu ent-
wickeln, wie die Vorstellung von Lucifer *), einem abge-
fallnen Uchtgeist, der sich wider gott vermafs und mit sei-
nen anhängern (engel werden schon Matth. 25, 41 dem
teufel beigelegt) in die finsternis verwiesen wurde, hinzu-
trat, das System eines teuflischen reichs, im feindlichen
gegensatz zu dem himmlischen , erlangte dadurch immer
mehr halt; die bösen geister sind zwar der schwäclicre
theil und unterliegen, allein sie werben um gottlose men-
schen und suchen ihr beer damit zu verstärken, bündnissc
werden mit dem teufel geschlossen und er unterstützt sebe
verbündete schon in ihrem irdischen leben.
Von der andern seite wirkte die bekehning der Hei-
den selbst mit, die herschende Vorstellung von dem einflufs
des teufeis zu erweitern und zu vervielfältigen, es ist
schon öfter bemerkt, dafs die verlassenen heidnischen göt-
ter zwar für besiegt und ohnmächtig, nicht aber geradezu
für machtlos erklärt worden: ilire ehmals gütige, wolthä-
tige gewalt hatte sich in eine böse', teuflische verkehrt,
was also die Christen von dem teufel glaubten bekam durch
die Heiden einen doppelten Zuwachs: heidnische gottheiten
und geister, die an sich schon übelthätig und finster waren
(z. b. Loki und Hei) giengen leicht in den christlichen be-
grif teuflischer wesen über; schwieriger, und mit gröfserem
widerstand der volksmeinung, erfolgte die verwandlimg der
guten götler des alterthums in gespenster und teufel. mei-
stentheils wurden dabei die namen unterdrückt oder ent-
stellt; mythen und erzählungen liefsen sich nicht sobald
vertilgen.
•) sie entsprang aus Je«. 14, 12: *wie bist da vom Mmmel ge-
fallen du schöner morf^enstern !' aber erst Ensebius (demonstr. ev»v-
4, 9) hat sie, we«ler Tertulliau, noch Ireuaeos oder Lftctanlius. wk*
Uierooymus und Augustinus ueunen den teufel niemals Lucifer.
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TEUFEL 551
Alle diese höchst verschledenartigeo einwirkungen ha-
ben die Yolksansicht von dem wesen und der natur des
feufelsy wie sie im N. T. bis auf uüsere läge bestand, her-
vorgebracht, der teufel ist jüdisch, christheh, heidnisch,
abgöttisch, elbisch, riesenhaft, gespenstig, alles zusammen«
durch seinen zusatz muste eben, indem die heidnische Viel-
götterei erlosch, das christenthum eine deutliche hinneigung
sund dualismus empfangen, den später die philosophie in
ein allgemeines princip yom guten und bösen aufzulösen
trachtete. Vergleicht man die heiterkeit griechischer mythen
mit der herbheit und dem grausen, das die einmischung
eines allzupositiven teufeis den legenden und Sagen unseres
mittelalters verliehen hat; so kann diese Verschiedenheit
weniger das überall ähnliche oder gleiche gruudgewebe des
Volksglaubens betreiFen, als die ihm aufgelragne färbe, und
darum wird die Untersuchung befugt sein, eine ganze reihe
teuflischer erscheinungen in die milderen gestalten alter gei*
8ter oder götter wieder aufzulösen.
Ehe ich zu scheiden versuche was sich in diesen Über-
lieferungen auf das deutsche oder wenigstens das benach-
barte heidenthum bezieht, ist es noch nöthiger als sonst
sich der verschiednen benennungen zu versichern.
Der name teufel ist undeutsch und nichts als das bei-
bebaltne StaßoXog.*) Ulfilas unterscheidet sorgsam, nach
dem gr. text^ diabadlus, aatana und unhulthöy mit letz-
lerm daifiovtov übersetzend ^ worauf ich zurückkommen
vverde. ahd. bleibt satanas unverändert, das diabolus der
vulg. lautet aber bald tiubil^ tieval^ bald diupal (T.) diU'
fal (O. II. 4, 101) und wird zugleich für das daemonium
der vulg. verwendet (fragm. theot. II, 14.) aus dieser deh-
nung des begrifs und kürzung der form sieht man, dafs
der ausdruck einheimisch wurde und allmälich alle übrigen
entbehrlich machte: mhd. tievel^ tüvel, tiupel, nhd. teU"
jel\ vi%^.deoJol^ engl, devih mnl. dut^elj nnl. duipel] isl.
djuJuUy schwed. djefvuU dän. djäveU er verbreitete sich
fast durch ganz Europa: ital. diavolo^ span. diablo, franz.
diable, altfranz. deable\ poln. djabel, böhm. d^abel, russ.
diapolj scrb. djavo; nur die zuletzt bekehrten lettischen
und finnischen völkcr haben sich der benennung enthalten.
Und wie bei gott fs. 11) kommen die euphemismen hochd.
deichely deixtj deigeh deiker, Schweiz, dyggelu tüggeli
(Stald. 1, 325); nl. dukker, schwed. djäkul, knäkul^ hiäj-
vel (Ihre prov. lex. 93^), auch westiäl. knüvel f. düvel ;
«) ebenso it»C unser ertgel dem wort und bcgrif nach entlehnt.
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552 TEUFEL
franz. diacre ^ pola. d/achel^ djaseh, djahlho^ uml viele
ähnliche vor. *) Bemerkens wertli ist N. ps. 90, 13 ^urtie-
Jel, chuniueh anderro liefelo', diabolus rex daemoniorum.**)
Alle übrigen benennungeu lassen sich nun unrer drei
gesichtspuncte zurückbringen, je nach dem ihnen der'cba-
racter, die gestalt, oder der aufenthalt des teufeis zum gnind
liegt. Diesen sind aber noch verdunkelte namen beizu-
fügen.
I. Nach seinem Innern princip heifst der teufel der
bÖse^ feindliche^ unholde^ als gegensatz des gütigen, frcuod-
liehen, milden gottes. oft wird dieser begrif in ganzen re-
densarten oder beiwörlern entwickelt, oft in eigne ap|)el«
lative gelegt, 'der nie guot geriet.* Dielr. 40* ; 'der ie til-
gende störte.' Kolocz. 254, alinlich dem eddischen 'sä er
ilestu illu raßdhr\ von Loki, Sn. 46, und ähnlich der Reiuh.
XXXII. XXXVI vom fuclis und Avolf, als teuflischen thie-
ren, gebrauchten epischen Umschreibung, 'dich hat uiht
guotes (der teufel) üz gelan.' Dietr. 86**. der iihele liu-
vel, Iw. 4676. Nib. 215, 4. 1892, 4. der übel vient. Gre-
gor 2849. der bÖse feind, der böse geist, auch blofs der
böse; der ubile geist, fundgr. 102, 34. 105, 2. der böse
geist 105, 7. die jsrummen teufel (K3I. 1, 422) sind die
unrechten, bösen, häufig setzen die altfranz. dichter wau-
fez^ malfez, maufes (plur. maufc?, malf^) für teufel; spi-
ter findet man maufais, maufaiteur, was über die bedcu-
tung übelthäter, übelthuend keinen zweifei läfst.***) Alt«,
the balowtao (malus, dirus) H^l. 33, 2, vgl. mit dem altn.
bölvis (Seem. 77^ 93« 197^) und dem goth. balvav^sei (xc-
x/o) I Cor. 5, 8 ; schwerlich verwandt ist aber pilwiz (oben
8. 265. 266.') Alts, the Udo (invisus , dirus) H^l. 33, 9,
Uda\y^\h\i (maligni Spiritus) H^l. 48, 14; nhd. der leidige
teufel, mnl. de lede duvelf); ags. se Idtha; alts. the Iia-
tola (odiosus) H^l. 110, 9. Besonders gehört hierher die
beneunung eines Jeindlichen ^ gott widerstrebenden, mcn-
*) wahrscheinlicli gehört liierlier zalwlus, zaholon^ das wörtcriMi-
cher und glossen des MA. für diabolus haben, und coDtrarlns, areoa
auslegen. zabul6nes buoch MS. 2, 13«.
**) Notkers deutungen des diabolus: niderrh, nidtr/al» choniaj
widerfluzze, von dem stürz und füll der teufel ausgehend, gratB**
2, 763.
•••) hierher auch das bölim. zleyducli (böser gei^t) sIo?en. b\o*^
slodej, slom, sloniik (von slo, malum); hudizh, hudir (von hod, maias)
u. a. m.
i) Rein. 1280 intsl^ts duvels uame s= in des I^U, in des Met
duveis.
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TEUFEL 553
schenverfolgenden wesens. die lat. Idrchenväter bedienen-
weh gern des ausdrucke antiquus hoatia (Gregor, M. opp.
ed. benedict. Paris 1705. 1, 1019. mornl. 31, 50. dial. 2, 30,
Bonifac. epist. 6. anni 723. Jonas bobbiens. p. '5, \ila S.
Roniani 744*. capitulare bei Georgisch 795 und viele spä-
tere urk. z. b. eine von 1121 in Rreniers beitr. 3 no. 24);
ahd. quellen ahmen dies nach: altfiant (muspüli 49) //«z?^
entrish (hymn. 24, 9), wobei man sich doch des ags. ent
für riese (s. 301) erinnert, da der riese überhaupt alt und
steinalt dargestellt wird (s. 303.) 0. I. 5, 52 then altan
satanasan wilit er gifahan; musp. 25: der salanas altist.
heule noch in Nordfriesland *de ual düivel' (der alte teu-
fel) geizh. p. 122; in England: old Nick, old Davy, für
teufel; in Dänmark: gammel Erich (Holbergs uden hoved
og hale, sc. 5.) auf gleiche weise heifst gott der alte (s. 15.)
wie antiquus hostis steht auch persequutor antiquus (vita
S. Romani 743) und callidus hostis (Jonas bobb. p. 5.)
hostis generis humani (fiant mannaskines chunnes) hymn,
24, 3. Das blofse hostis finde ich seltner gebraucht, wol
aber das blofse fiant, ags. feond ("von Grendel) Beov. 202.
1444. 1489. mhd. vient (En. 2525), mnl. i>tant (Huyd. op
St. 3, 38); altfranz. ennemi; alls. craftag ftund (H^l. 142,
12) unhiuri fiund (32, 1. 164, 14) mhd. der leidige vtent
(fundgr. 66, 4) nhd. der böse feind, gSrftund (H^l. 32, 2)
scheint verstärkter ausdruck (g^r, jaculum, hasta.) aus dem
alln» fiandi im sinn von teufel entsprang die dan. form
fanderiy schwed. fanen^ Jan.*) Der bedeulung hostis nä-
hert sich die des ahd. scado (homo nocivus, latro) ags.
sceadha, alts. skatho; nicht alleinstehend, aber in den Zu-
sammensetzungen ags. hellsceadha (Cädm. 43, 22. Thor-
pes anal. 126, 28) leodsceadha (Cädm. 56, 24) theod-
sceadha (Beov. 4550) uhtsceadha TBeov. 4536) mrf/2-
sceadha (Beov. 1417. 1468) ahs. m€nscado (IU\, 32, 1.
33, 15. 142, 15) wamscado {\UL 31, 17. 164, 4) Und-
scado (H^l. 32, 14) thiodscado (33, 1) bezeichnet sie den
teufel. Dieses feindliche, schadende wesen nannten aber
die Gothen das unholde, unfreundliche, und damit über-
setzt Ulfilas in der regel nicht SiaßoXoQ , sondern Saifio-
vtov, jedoch mit beachtenswerthem Wechsel des genus. ein
männliches unhultha sieht Luc. 4, 35. 8, 29. 9, 42 (für
dutfioviov, &ul/f(av) I Cor. 5, 5 (für oaravüi:) Eph. 4, 27
(f. &iaßoXoe)f Matth. 9, 33 ist es wahrscheinlich zu emen-
dieren. ein weibliches unhulthö findet sidi Marc. 7, 26,
*) Tgl. f. 513 dd/gr iuT gespeast, teuflisclier geist
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554 TEDFEL
29, 30. Luc. 4, 33. 7, 33. Joh. 7, 20. 8, 48, 4Ö, 5X 10,
20, 21, überall für daifioviov. der pl. Sainhvta wird nur
Luc. 8, 33 duix*h unhulthans ^ sonst immer unliulth6n%
gegeben: Matth. 7, 22. 9, 34. Marc. 1, 32, 34, 39. 3, 15.
5, 12. 6, 13. 9, 38. 16, 9. Luc. 4, 41. 8, 27, 30, 35, 38.
9, 1, 49. Hieraus ergibt sieb, dafs bei dem golL. volk die
Vorstellung weiblicher daemone überwog, walirsdieiniich
auch bei andern Deutschen, denn hymn. 24, 3 wird wie-
derum diabolus durch das ahd. fem. unholdd ausgedrückt
Weil man im heidenthum'eine göttin Holdd verehrt hatte,
80 lag es nahe» im gegensatz zu ihrer milde, ein bösge-
sinntes, feindliches wesen als weibliche unholdd zu betrach-
ten, und die wähl )enes ausdrucks bei Ulf. läfst fast auf
einen goth. Hulthi^cultus schltefsen. merkwürdig ist die
Übertragung von Diana durch Holdd und unholdd (s. 165.)
Mit den begriifen von bpsheit und feindschaf^ verbindet
sich nun aber auch der von unwiUe und lorn. der teu-
fel heilst ags. se vrddha (Cadm. 39, 24) alts. the writho
(H^l. 106, 3. 164, 4); ags. se ridKa (trux, saevus) Cadm.
271, 12, was alts. the ruodho wäre; ags. se grania^ alts.
the gramo (H^l. 32, 16), vermutlich auch ags. se m^
degay alts. the muodagOy und alle diese drei benennungen
drücken aus der zornige, wütende.*) nicht übersehen wer-
den darf, einmal dafs sie blofs den sächs. dichtem, keinen-
ahd. denkmälern bekannt sind, dann, dafs sie vorzüglich
in der pluraltbrm mehr die idee dämonischer geister als
des teufeis bezeichnen, thd graman gydena Bth. 35, 6
(dira numiua) sind die parzen. grambno h^m (daemonum
habitatio) H^l. 103, 10 ist die hülle, von Judas, der beim
abendmat den bissen empfangt und in seinen mund nimmt,
heilst es H^l. 141, 11: sd afgaf ina th<) thiu godes craft,
gramon in gewitun an tliene Uchamon l^da wihti, von
dem augenblick an verliefs ihn gottes kra(V> dämone und
teuft! bemächtigten sich seines leibes. **) gramon habdun
tlies mannes hugi under^ripan (Hdl. 157, 19), dämone hat-
ten eich seiner sinne gemeistert, gramo barn sind teuf-
lisches gesinde wie ffundo barn (Hol. 161, 23. 157, 18.)
gramStio oder wretharo willio (H^l. 106, 3) ist die tust
der teufel. mödaga wihti (H^l. 120, 8) sind unholda
(120, 9) vgl. modage 157, 18. Diese anwendung von gram^
*) Die geben die mlid. dicliter dem tinvel das beiwort der griame,
grimmege, das sie dem tod \orbelialten {%, 493,) ags. aber finde kh
von Grendel: se grimma gast (Beov. 204.)
**) atlar tliemo rnuaite so kleib er satan&se. O. IV. 12, 99.
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TEUFEL 555
wr^fh und muoda^ auf dämonen ist, wie mich dünkt,
lieidfiischdeutsch und haftete noch bei den später bekehr-
ten Saclisen, wie bei den Gothen jenes unhulthö geblie-
ben war. Grendel lieifst gram (Beov. 1523) und yrre^
m6d (1445); eine altn. Verwünschung lautete: thic liaii
allan gramir! (Saem. 80^) gramir hafi Gunnar! (Sroni.
208*>) wo gramir daemonia bedeutet und ganz jenen alts.
gramon gleichsteht, ein andermal Saem. 255* wird gesagt:
eigi hann iötnar (gigantes), wo die prosa der Völs. saga
(fornald. sog. 1, 2i^ gramir gibt, so dafs auch hier die
y.erwandtschaft zwischen teufein un^ riesen erscheint, aus
dem Sprachgebrauch von m6dag (iratus) für teuflische gei-
stcr bestätigt sich eine s. 521 bei muotes her versuchte
erklärung.
Eine benennung Ist bis hierher aufgespart worden, die
bei unsern mhd, dichtem oft vorkommt, pdlant pf. Chuonn
8458. udlantes man. das. 3098. 5343; der übel pdlant
Nib. 1334, 1. i^dlandinne (teufelin) Nib. 1686, 4. vdlen^
tinne 2308, 4. Gudr. 33«; vdlant Wigal. 3994. 6976.
7022; er het gehoeret den vdlant. Frauend. 85; daz in
der vdlant riten sol, welsch, gast 67*; der leide vdlant.
Trist. 8909; des vdlandes rät. 11339; vdlandes man.
6217. 6910; vdlant. Ottoc. 453^ mehrere dichter ent-
halten sich des worts, Wolfram, Hartman, Rudolf, Con-
rad, nhd. dauert es fort als eigenname, sonst kommt es
selten vor: der böse volant (Chr. Weises comödienprobe
219); Junker Volland (Berthelds tagebuch p. 54.) in
Henneberg sagt man : der böse jahl oder jähl (Reinw. 1,
30.) ein ahd. fdlant^ vdlant habe ich nie gefunden, auch
nidit als eigennamen, und doch ist es kaum in zweifei zu
ziehen, da die participialbildung wie in vlant, heilant, wt-
gant u. 8. w. auf frühe zeit weist, das mhd. verbum vA-
len, vnelcn findet sich blofs in der Martina (145. 177. 215)
und Albr. Titurel, es hat die bedeutung unseres fehlen,
irren, vgl. Schm. 1, 519. fdlant mufs also entw. aussa-
gen was das adj. irri, iratus, infensns, oder irrend, verlei-
tend, seducens (golh. afrzjands, uslötönds.) ags. ist ffeljan,
oder faelan scandalizare^ seducere, dessen part. ffclend völ-
lig entsprechen wurde. Vielleicht liegt in dem altn. fdia
(gigas femina) und dem verb. faela (terrere) ein verwand-
ter sinn; es ist sehr glaublich^ dafs fdlant früher auch auf
riesen gieng.
n. Viele namen beziehen sich auf die äufsere gestalt
des teufeis. Der gegensatz zu der leuchtenden, weü'sen
und reinen gottheit fordert hier dunkle^ schwarze farbcy
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556 TEUFEL
-wie die 8c1i Warzen elbc dea lichten gegeDÜber Stefan, den
weifsen Baltac (s. 142), die strahlende Berhta (s. 169)
dürfen wir darum den finstern gewalten, die lichtelbe den
Schwarzeiben zur seile stellen, obgleich beide principe ein-
ander berühren, ja sich erzeugen, in dem worte alp scheint
der begrif des weifsen zu liegen, nacht und tag gehn aus
einander hervor, die Nacht war des Tages mutter (s. 424),
Halja, Demeter, Diana, Maria (s. 195) erscheinen halli
scJui>arz oder ganz verdunkelt.*) das schwarze teuflische
princip kann als ein unursprüngUches^ als abfall vom gott-
lichen licht belrachlet werden.
Der leufel heifst der schwarze, alls. mirhi (tene-
brosus) Hei. 31, 24; der sivarze. Renner 36^ ; der su^arse
hellewirt. MS. 2, 254*; der hellewirt der ist stt^arz. Pan.
119, 26; der hellemcJr. Walth. 33, 7; der helsce mdre.
fundgr, 25. weil die dunkle färbe birgt, kommt dem bö-
sen geist der name des verborgnen, heimlichen zu: alts.
dernea wihti (spiritus latentes) H^l. 31, 20, 92, 2. Die
sldvische beneunung des tcufels böhni. cert ^ poln. czarij
russ. tschert , sloven. , zhert scheint in der würzet mit
ceruy, czarny, tschernji (niger) zusammenhängend. In iin-
sern volkssagen wird er aber auch einigemal durch graa-
Tnann^ granmännlein bezeichnet, vgl. graa trold (D. V.
1, 169. 180.) Von thierischen gestalten sind einige dem
teufel hauptsächlich der schwarzen färbe wegen beigelegt.
Diese thiergestalt war aber häufig nicht vollendet, son-
dern bei vorhersehender menschlicher bihlung nur durch
eine zuthat angedeutet , ungefähr wie die Griechen und
Römer ihre satyrn, faune oder den Pan darstellten, der
teufel nähert sich dann jenen waldgeistern, skraten und pi-
losen, welche s. 270 ^, abgehandelt wurden; in allen übri-
gen gliedern wie ein mensch geformt verrälh ihn das bocks-
ohr, das hörn, der schwänz oder pfeidefufs. Schon die
heidnischen gülter und geisterhaften wesen konnten ein-
zelne theile des leibs nach lliieren bilden, der slav. Triglav
halte ziegenhäupler und in der indischen mythologie ist die
mischung menschlicher mit thierischer Jorni überaus
häufig; in der griechischen oder deutschen selten und kaum
leise angcdeulel. Iluklra erscheint geschwänzt (s. 531),
P>erlila mit dem gansfufs (s. 173), der nix mit geschlilz-
tejn ühr (s. 277), die uixe mit nassem kleidzipfel (s. 27»S',
, der held mit dem schwanflügel (s. 241), die wasserfrau
*) den Römern liiefs Pluto Jupiter rititer. der schwane «olt
SiliuÄ ital. 8, lie. ^ ö
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TEUFEL S57
mit dem schweif einer schlänge oder eines fieches. der
teuflische pferdefufs kann an die halbrossigen centaurcn,
wie an den alln, neunir (s. 277) erinnern.
Übergang in ganzliche thiergcstalt mochte sich leicht
daraus ergeben, aber auch als das vermügen des holieren
Wesens, sich vorübergehend in ein thier zu verwandeln,
angesehen werden.
Die Vorstellung des teufeis in boclsgesiBlt steigt sicher
in ein hohes alterthum hinauf; wie hätte sie in dem hexcn-
wesen so fest gewurzelt? alle hexen dachten sich iliren
meister als schivarzen bück, dem sie bei feierlichen zu-
samnienküuften göttliche ehre erwiesen, in schwüren und
Verwünschungen des 15. 16 jh. parodiert dit'^s.i' Ijutk lUu
wahren gott: ^dafs in der poch sehend!' isl rine hüullgo
formet bei Hans Sachs ; man schwur *bei (>oik\<i schedrl^
bei Lochs lid', wie bei den gliedern der heiligen, 'bui borhs
hulde.'*) oder sollte hier bochs blofse nebenfonn %üii Lotz^
potz für gotts (s. 11) sein? es ist freilich auffallcjid . düfk
die dichter des 13 jh. niemals bok in gleichem sinn verwen-
den; nur Martina 156^. 184bstehtAe//66oc deutlich für teufe!.
hochacknitt heifst nach Schm. 1, 151 jener bilwczschniit
(s. 268. 269), den das volk geistern und dem teufet zu-
schreibt. Schon in Gregorii magni dial. 2, 30 erscheint der
teufet ^corriu**) et trepidicam ferens', was ich verslelu»,
in eines dreifüfsigen bovhes gestalt, gehörnt; clreibeinige
Ihierc sind gespensterhaft und teuflisch (s. 517. 523.) auch
das posterli (s. 523) zeigte sich als ziege. Sollten nicht
die von den Heiden geopferten bocke (s. 31. 32) hernacli
von den Christen auf die geslalt des heidnischen götzen
angewandt worden sein? bei der alten Preufsen bochs-
heiligung ***) wurde das opferthier hoch empor gehoben.
Ein seelenraubender i^olj war der teufel bereits den
Kirchenvätern (Gregorü magni opp. 1, i486.) In Cnuls ge-
setzen heifst er: se vbdjreca vere^ulj (Schmid p. 148),
Ditm. von Merseburg p. 253 nennt ihn lupus vorax ^ aus
den mhd. dichtem habe ich mir kein hellewolj angemerkt,
bezweifle es aber kaum, weit noch Simplic. 2, 72 höllen-
^^U gebraucht. Und die slavische benennung des teufeis
poln. wrog ^ serb. sloven. i^rag drückt zwar übelthater,
•) Monc« bad. archiv 1, 14. 37. 39. 51. T2. 95.
**) dem teofel ein hein ans dem leib and das Unke hörn vom köpf *
flachen (Garg. 232«.) Was bedeutet aber die redeiisart: *ir lieget
dem tiuvele an daz heiit (Roth. 32b)?
•••) Luc. David 1, 8T. 98. Joh. Voigt 1, 616.
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566 IBUFEL
bösewicht, latro au8^ geht aber auf das ahd« warg (hipits)
zurück (Reinhart XXXVIL)
Hündische gestaltung des teufeis ist mehrfach begrün-
det, er heifst hellehunt im alten lied auf Georio (fundgr.
13), hellerüde Martba 32* TDiut. 2, 143), helleü^elf das.
111», \?ie schon die edda emen Jwelpr in der hülle an-
nahm (Sncm. 94*), der griech. glaube einen Cerberus (s. 471.)
kämpf mit dem höllenhund schildern fundgr. 178. als
hund bewacht der teufel schätze (s. 544.) schwarzer hund
(dän. abergl. no. 149.) H. Sachs IV. 3, 31« legt dem teu-
fel einen Wachtelhund bei (der ihm seelen aufspürt und
fangt?) *) sollte nicht das lateinische latro (rauher), ii?le
unser warg vom wolf, vom bellenden thier ausgehen? um
so mehr gleicht beiden thieren der teufel.
Unter den vögeln steht zunächst der rabcy dessen ge-
stalt.der teufel gern annimmt. Ls. 3, 256. Ottoc. 298b} der
ungetriuwe heller ahe. den schwarzen von Noah aiisge-
sondten raben nennt Cädm. 87, 11 den feind (feond.) ^ichl
blofs die schwärze, list und behendigkeit des vogels, auch
sein alter Zusammenhang mit Odhinn (s. 387), wie bei dem
wolf, konnten diese Vorstellung befestigen. Cädm. 188^ 6
scheint sogar das ganz odinische epitheton välceoaeg (stra-
gem eligens), das des gottes botinnen zukommt (s. 235%
alterthümlich auf den raben angewandt; indessen bezieht
auch schon des Hieronymus commentar zu Hiob 38, 41
gezwungen genug den {schwarzen) raben auf den teufel.
In dänischen Volksliedern vertritt der ^vilde rapn^^ der
^vilde valravn^ (jener corvus stragis, ahd. walahraban) völ-
lig die stelle eines teuflischen trold (D. V. 1, 186. 187.)
Den geier finde ich erst in den letzten jhh* statt des teu-
feis genannt**), noch häufiger den lulut, dessen zauber-
hafte beziehung s. 393. 394 zur spräche gekommen ist.
Ungleich aller und verbreiteter war die erscheinung
des teufeis als schlänge^ wurm und drache. die verfiili-
rende schlänge im paradies galt für den teufel selbst, wie
antiquus hostis heilst er antiquus anguis , anguifer ho-
st IS, letifer anguis^ serpens (Greg. magn. opp. 1, lil-
Jonas bobbiens. p. 5. 15. vita Burgundofarae p. 427. vila
8. Romani p. 743.) ihren grund hat die Vorstellung zu-
mal in apocal. 20, 2 und in den deutungen^ welche die
•) walitelbcin (lockpfeife) des tiuvels. Bcrth. 225.
♦*) daf» euch der geier! Gryphius p. m. 746. wo ^eier? (= wo
tenfel?) Ettners oaw. doct.335. dafs dich der geier sehende! Wackero.
lesebuch 788, 21«
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TBUFBL 559
kircBenv^et* von Leviatban gaben» apocal* IS, 4 gedenkt
eines dracben^ der mit seinem schweif den dritten tbeil
der Sterne vom himniel gezogen habe» *) In diesem bibli*
seilen sinn nennen unsere alten dichter den teufel slange^
hellewurm (Lobengr. 14 1), hellet räche (Mart. 14 1^), es
wurde aber aucb der einbeimiscbe Volksglaube von feuer-
speienden, giftigen wurmen, schatzhütenden dracben (s. 544)
und wunderbaren schlangen (s. 396) zugleich mit angeregt«
in unzähligen volkssagen erscheint der teufel als drache,
z. b. deutsche sag. no. 520. 858. Da die kirche den Le-
viatban auch als Ungeheuern walfisch darstellte, desseji
wange Christus mit der angel durchbohrte (Greg. magn. 1,
110. vgl. oben s. 124), so War das ein anklang an die un-
geheure von Thor aus dem grund des meers geangelte,
feindliche Weltschlange (s. 395.) als drache oder schlänge
hat der teufel einen ungeheuren rächen (mhd. k^wen, M8.
2, 166^), gleich der hülle selbst (s. 465.)
fliegen gestalt. die LXX übertragen Baalsebub, des
akkaronischen götzen namen, BaaA ^ivIol, fliegengott (IV,
reg. 1.) märchen erzählen von teuflischen geistern, die als
fliege in einem glas verschlossen sind.**) Loki, als er
Freyja um das brtstngamen betriegen will, wandelt sich in
eine fliege (Huga.) hiermit verbinde man eine langob» sage
bei Paulus diac. 6, 6 von dem malignus Spiritus, der sich
als fliege ins fenster setzt und dem ein bein abgehauen
wird. Des elbischen wesens der Schmetterlinge y die als
psychen (s. 479) gut oder übelgeartete geister sein können,
wird noch im verfolg zu erwähnen sein.
Der teufel wird aber auch, von früher zeit an, zweien
geräthen verglichen, dem lianimer und dem riegel, in,
welchen ich s. 124. 148 beziehung auf heidnische göller
nachgewiesen habe, hier ist noch ihre biblische oder kirch-
liche grundlage zu erwägen. Malleus zählt bereits Hiero-
nymus in dem briefe an pabst Damasus, wo er die para-
bel vom verlornen söhn erklärt, unter den benennungeu
des teufeis auf. Greg. magn. opp. 1, 1125: in scriptura Sa-
cra mallei nomine aliquando diabolus designatur, per quem
nunc delinquentium culpae feriuntur, aliquando vero per-
cussio coelestis accipitur nam quia in appellatione
mallei antiquus hostis exprimitur, propheta testatur, dicens :
**•) der alte .klänge mit stnen geouzen von liimel wart her nbe ge-
stozen, sing libes wesen teilt er endrin u. s. w. Renucr 3100 ft*.
**) dänische sage von einem in einer bücbse verschlossenen teufel.
Thiele, 1, 18. KM. no. 99.
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560 TEUFEL
c[iiomodo confiractus est et nutritus malleus universae ter-
rae (Jerem. 50, 23. vgl. 51, 20.) die Vorstellung des stra-
feudeo gottes und einer feindlichen bösen gevralt köonen
sich hier berüliren. In Donars händen war der hammer
znglcich heiligendes und zermalmendes Werkzeug; stürm-
wind^ windsbrautj naturerscheinungen, die das ältere hei-
denthum dem herrn des donners, der spätere Volksglaube
riesen oder teufein zuschrieb (s. 363. abergl. no. 522. ehsto.
no. 100), heifsen in einigen gegenden Deutschlands hani-
vier, entweder von seiner zerstörenden heftigen Wirkung,
oder weil man ihn vom teufel erregt wähnte. *) Da sich
bei den dichtem des MA. meines wissens die beuennung
' Immer für teufel nicht Ander, so trage ich bedenken , den
Ursprung jener volksmäfsigen fluche (s, 124) aus dem maU
leits der kirchenväter abzuleiten, ich möchte eher einen
Zusammenhang heidnischer und jüdischer Vorstellungen glau-
ben. Mit riegel dürfte es ebenso stehn. vectis ist nicht
blofs das thürschliefsende gerath, sondern auch ein stofsen-
des, hebet, Stange, beinahe wiederum malleus. Levialhan
heifst vectia^ quia usque ad necem percutit (Greg, niagu.
1, 111.^ das mhd. hellerigel (s. 149), das ags. grendtl
(s. 14H) könnte nachahmung dieses vectis sein, aber auch
einen älteren bezug auf Loki haben.
III. Von dem aufenthalt des teufeis in der hölle, aus
welcher er die heidnische göttin verdrängt hat, sind die
häufigen namen helhwarte (sumerl. 7, 9. cod. pal. 361,
7i^) hellehirte (Parz. 316, 24) lielUgrubel (Mart. 4^ 10*
72^) hellemrt (MS. 2, 175*) und ähnliche entnommeo.
helscherge heifst er Lohengr. 70, 'er las die sine an sich',
^ gleichwie Wuolan die seelcn seiner beiden empfängt.
Seine wohnung liegt im Norden , was schon zu der
s. 22 entwickelten ansiclit stimmt. 4eit i riordhr^ (schaute
gen Norden) kommt beim singen eines valgaldr (ferale Carmen)
vor (Saem. 94*.) diabolus sedet in lateribus aquilonis
(Greg. magn. 1, 1186), er will ^on nordhdceW herscheii
(Cädm. 3, 8) setzt seinen stul nordernhaJp (Diut. 3, 40.)
*iiidhr ok nordhr liggr helvegr' (s. 463.) auch der thste
scheut die nordseite (abergl. no. 43.) nordu^ärts strömt
des dämons wasserlall (s. 278.)
Ich füge hier einige s. 465 unangeführte ausdrücke bei,
•) der mähriscfie bauer nennt den Wirbelwind hammer» (Meinert
in den wien. jb. bd. 48. aiiz. bl. p. 55.) t^erUus urens and aqaila
lieif:*t der teufel (Gregor, magn. 1, 547. 570.) Den Neugriecbcn '^
ävifioq der teufel (gramm. 3, 736.)
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TEUFEL 561
>vcil ich nicht weifs, ob sie mehr auf den feufel oder auf
die Jiölle zu beziehen sind. In Niedersachsen sagt man:
^x\?i Hekeluelde varen' (Sam. Meiger Cccui"), in Dänmark:
*gaa du dig til Häkken feldtP (Lyngbyes fiir. qv. p. 549,)
Thiele 3, 71 schreibt ^ilV Hekkenfjalds\ Rilian hat: nobisse
(daemon, nanus, cacodaemon), nobisgnt (orcus) nobis^
kroecfi (orcus). nobiskrug setzen auch hd. schrifititeller des
16. 17 jh. für hülle oder wirtshaus des leufels: in nobis-
krug faren (Luthers tischreden 1571, 418»); der teufel
bawet allezeit seine capell u. nobiskr/fg, -wo gott seine
kirche hat (Andr. Musculus hosenteulel 1630 p. 16); in
nobiskrug gewesen sein (Clir. Weises FJoretto p. 74) ;
nobishaus (Bure. Waldis 19P 303*>). nach Stald. 2, 240
sind nobiskratten der ort, wohin ungelaulle kinder kom-
men. Wenn, wie behauptet wird, auch die form obis
vorkommt, und das anlautende^ N aus der partikel in, en
erwächst, so liefse sich freilich bei diesem nicht sehr alten
namen der hölle an abyssus (s. 465) deuken.
Schöner nennt Wallh. 123, 38 die hülle ^daz verlorne
tal*y was an Dantes citla dolente und sein *per me si va
tra la perdUta gente^ erinnert.
IV. Dunkle benennungen. über das goth. skohd für
Saf/tortov ist s.274 eine Vermutung vorgetragen, die viel-
leicht durch das oft vorkommende ags. scocca (auch sceocca,
srucca geschrieben, und darum schwerlich scöcca) bestärkt
oder entkräftet wird; zu sköhsly den buchslaben nach,
würde die wurzel skaka (quatio) stimmen, die bedeulung
ist gleichfalls diabolus, daemon. In einem grofseu llieile
Deutschlands ist jetzt ein ausdruck für teufel verbreitet,
der überall nur in der diminutivform gebraucht wird: ,
nieders, siö'pke^ stöpke in der helle, in der Maingegend
stebchen^ Stäbchen^ in der gaunersprache steppche, step'
dies, obersächs. siebgen , stöpgeu, ihüring. stop fei ^ im
Badischen ateuble^ man versteht darunter zumal den flie-
genden, feurigen drachen, der in die häuser seiner ergebe-
nen einkehrt und ihnen geld oder körn zuträgt, einen
feurigen mann, irwisch (abergl. 611) und der irwisch hi^fs
(8.513) dölgr, feind, teufel; damit ist aber der Ursprung
des Wortes noch nicht erläutert. Niedersächs. und westfal.
ist die schon s. 299 berührte benennung drds^ de drds in
der helle ^ drofs, man betheuert 'bim drds' und flucht
'dat di de dr6s sla !' (brem. wb. 1 , 257.) zu entsprechen
scheint das hochd. drus , trnos^ drüs, das aber unpersön-
lich Seuche, [)esi bedeutet. Es gibt noch eine menge von
Provinzialismen, die ich alle weder anfüliren noch erklären
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562 TEDEHEnj
kann, in der 8c4iwelz sagt man huhni ^ hueni (StaM. 2,
142), vielleicht der kühne y verwegne?; ini Ravensbergi-
sehen kramberend (vgl. brem. wb. unter krambeer, knm-
beker), hratnberend (von bram, pfriemkraut, genisie?),
hanax u. s. w. mnl, bar lehnen (Huyd. op. St. 3, 3M';
mhd. boeser Jrtmurc (Turl. Wh. 136») 'ein tiiivel der hiez
oggewedelj der ie die Ersten lüge vant' (M8. 2, 250^.)
Mehrere benennungen sind menschliche eigennaraen,
die man auf den bösen geist entw. als euphemismen oder
in mitleidiger Vertraulichkeit anwendet, gerade wie bei
hausgeistern (s. 287) und irwischen (s.514.) so heifst er
engl, the old Davy^ old Nick, dän. gammel Erii (8,553\
wol nicht ohne anklang an den alten beiden (8.218); jenes
Schweiz, kueni ist vielleicht Kueni (Conrad, wie der polter-
geist Kurt hiefs, 8.511), Benz (bei Keisersb. tcufel, Oberi.
8. V.) Benno? ein bair. Muchsel könnte aus Nepomuk
stammen, wenn man nicht Schmellers deutung heimlidier
Schleicher (2,546) vorzieht; schwerlich rührt aber Step-
chen aus Steplian? häufig ist Veiten (Valentin) für teufd,
potz Veiten! ich denke mit anspielung auf jenes välani
(8.555); auch hört man meister Peter, Pet^rchen*) und
das gemahnt an benennungen des peinlichen hasch ers oder
Schergen, wrelcher wiederum meister Peter oder Hemmer-
lin heifst (RA. 883) , also dem teufel namen leiht und ab-
leiht, denn der teufel ist hellescherge , peinigt und bindd
die Seelen, da nun die Soldaten ihren profos (lictor müi-
taris) auch stepchen nennen, so liefse sich erwägen, ob
8tepjel nicht aus dem mhd. atempfel (MS. 2, 2^) stanuneo
könne? wobei denn auch das gespenstige wesen der irau
Stenipe (s. 171) in betracht käme.
Solche anknüpfung an Vorstellungen von einheimiscben
geistern und halbgöttiichen wesen war vollkommen nator-
lieh, da die christliche ansieht diese teuflisch, das volk aber
den fremden teufel einheimisch zu machen suchte. Fisdiart
kann darum den teufel butze (8.288) nennen: 4ch sei des
leibhaften butzenP Garg. 244« und altd. bl. 1, 55 hetfst der
bmtze (teufel.) Dem altn. Volksglauben schwebt sein streUii
Ts. 272) zwischen waldgeist, teufel und riese, und so hat IräK
(s. 302) diesen allgemeineren dämonischen begrif.^^) in der
- verwünschenden forme! 'troll hafi thik!', 'troll hafi iWw
vinir (Nial. cap.38), 'troll hafi thik allan!' (Konnakss.
*) Peterle (Ettoers anw. doct. 672.) henker bedeutet anch teoH
••) tröU ok 6voellr (foraald. sog. 2, 248); troll ok eigi madär
(Finnbogai. p. 264. 292. 340.)
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TEUFEL 56Ü
188), Hröll taki hann.' (Orvaroddssaga cap. 9), ^fara t
trölla hendr' (Laxd. p. 230) entspricht es ganz unserm
teiifel, aber auch jenem filteren, mehr heidnischen: eigi
lliik gramir oder iötnar! (8.555.) Snem. 39 liest man:
*fai'lh{i nü thar smyl hafi thic!' Und wie Loki der Hei
verwandt ist (8.195), finden wir auch den teufel in be-
rührung mit dem tod (s. 498.) *den linvel und den t6t
>üibten' (Frid. 67, 9.)
Die bisherige Übersicht mannigfalfer namen (von wel-
cher gleichwol alle blofs jüdischen wie Satan , Asmodi,
Belial u. s. w« ausgeschlossen bleiben m nisten) hat schon
auf einmischung heidnischer bestandtheile gewiesen , oder
eine noch ältere idenlilat oder analogie heidnischer und
christlicher begriffe erkennen lassen, ausdrücke wie gram
und unhold f vielleicht auch scadoy scheinen nur deshalb
auf die neu übernommnen teufel angewandt worden zu
sein , weil sie bereits den Heiden feindselige geister be-
zeichneten, all hatten die riesen schon geheifsen, um so
eher konnte es der teufel. wolf^ rabe, bock gemahnten
an die thiere, welche heidnische götter begleiteten oder
ihnen zum Opfer gebracht wurden, die benennungen Aam-
mer und riegel, der nördliche aufenthalt stimmten we-
nigstens in heidnische Vorstellungen.
Wir wollen prüfen, ob auch durch den inhalt der
sagen und Überlieferungen diese ergebnisse bestätigt werden.
Alle und jede heidnische götter wandelten sich den
neuen Christen nicht blofs in götzen, d. h. falsche, lügen-
hafte götter (galiugaguth , wie Ulfilas idola bedächtig aus-
drückt), sondern in teufel, d. h. genofsen und theilhaber
eines feindlichen reichs, dessen herschaft gebrochen war,
aber noch im zurückweichen kräfte entwickelte. Wer
noch den^ alten göttern anhieng, ihnen heimlich opferte,
hiefs ein teufeldiener, idololatrie geradezu diobolgeld (s. 24);
auferlegte entsagungsformeln führen den teufel und die alt-
verehrten götter in einer Ordnung auf. *) Diese den götzen
mehr als recht war einräumende vorstellungsweise liefs
sich nicht überall vermeiden, so lange der glaube an ilie
Wirklichkeit jener götter in den herzen der menschen vm^
vertilgt war; die neue lehre konnte leichter keimen und
wurzeln wenn sie die alte als gehässig und sündlich, nicht
als absolut nichtig schilderte. Schon im N.T. hatte diese
*) forsachK^tu diobole? ec forsacho diahale end allam diobofgcMa
end allein dioboies wercnm end wordam, Thuoer ende WOden ende
SaxnOte ende all^m tb^m unhuldum tbd hlro genOtiis sint.
36*
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564 TEUFBL
ansieht einen Vorgang , der g(5t«e Beisebub dee A. T. vrar
in (lie reike der teufel eingetreten. Längst gewohnt ^ Ja-
piter, Mercur, Mars und Venus als teuflische wesen la
betrachten, wie hätten die bekehrer ^ als sie unsem vor-
fahren das christenlhum predigten ^ Donar, Wuolan, Zio,
Frouwa und alle übrigen unter andere gesichtspuncte stel-
len können?
Was von Zertrümmerung der heidnischen götterbfl^
erzählt und gedichtet v?urde, bestätigt vollkommen, dais
man den abgöttern eine gewisse teuflische Wirksamkeit bei-
legte, die gestürzten klagen, als dämone, über die genalt
der eindringliuge (s. 283), Peruns bild, das die Novgoro-
der durch ihre Stadt schleiften und in den ström vrarien,
brach in wehklage aus über die treulosigkeit seiner altea
verehren Olaf redet Freys bildseule an (s. 377) und »if
Tli6r hat er einen förmlichen handel zu bestehn (s. 120.
der h. Georg zwingt Apollos bild zu gehen und zu reden
(Geo. 33 — 35.) Mars^ *eia lügelichei: got% hatte zu Rfl»
des heilandes gehurt geweissagt, als sie erfolgte, bradi
seine bildseule plötzlich zusammen : 'als der tiei^il du ii«r-
dolte den slac von himel s6 grözen, er fuor ae süienge-
ndzen sä verstözen in die helle, d4 ist er gebunden 8^*
daz er niemer m^re her Az mac gereichen' (5lar. 191. 193.!
Darius schreibt dem Alexander: unterliege ich dir, '»
mugen von hijnele niine gote zo der helle weseo böte'
(Alex. 2542), d.h. dann haben sie mein vertrauen betro-
gen und sind teujeL Solcher züge ist das ganze mittdal-
ter voll. Das 24. cap. hat ausgeführt auf welche weiw
TVuotan in einen PFuotunc und wütenden jäger enl-
Slellt^ an der spitze des wilden heers auftretend, zu «'
nem teufel wurde (s. 516.) der teufel heifst darum A</fc-
jager (Mart. 62<1 174^.)
Das judenthum kennt nur teufel, keine teufelinB^'
alle macht zum guten oder bösen legt es in die bände
männlicher wesen (s. 225.) ich will das noch allgeiueintf
fassen. Götter sind überhaupt älter, und der strenge mo-
notheismus oder dualismus wissen nur von göttem; ^^'
tinnen tauchen erst in der weicheren fülle der Vielgötterei
auf. auch das deutsche, heidenthum hieng an göttinoefl
und eibinnen, selbst das goth. vaihts (genius) war weib-
lich (s. 246.) göttermütter, glänzende, holde fraucn, »o^-
nen, valkyrien, waldfrauen, wasserjungfrauen bildeten ei-
nen haupttheil des cultus, blols die kobolde und h^"**
geister sind alle männlich, rieslnneu erscheinen oft jo %^
statt und sitte lieblich, der todlenwelt stand eine göttifl ror
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TEUFELS MÜTTER 565
Nach dieser ganzen richtung, da alle gegei^tze der
analogie des positiven folgen, war es sclion .grunddeutsch
dafs Ülfilas Saifioviov durch unhulthö übertrug und nicht
etwa ein ganz nahe liegendes neutrum bildete. Diese un^
holde frau vertritt unter den neubekehrten was sich ihr«
Voreltern unter Holda gedacht hatten.
Es gereicht zu keiner geringen bestärk ung der teuf-
lischen natur Grendels im Beovulf , dafs ilim zur seite seine
miitter steht ^ noch riesenhafter aufgefafst als er selbst,
dafs sie seinen tod rächen will, und erst durch ihre be-
siegiuig die heldenthat vollendet wird: Grendels mSdor
(2517. 2564. 3076 ) In unfern kindermärchen ist ein ur-
alter zug, dafs in der wohnung des teufeis zugleich seine
grofsmutter (mwWer oder Schwester) sitzt, die sich de»
einkehrenden beiden mitleidig und schonend, gegen das
ungeheuer annimmt (KM. 1, 152. 2, 188, des teufeis ^ro/i-
TiiuUer, el/ennutter.) meistentheils langen die menschen
an, wenn der teufel ausgegangen ist, sie werden dann von
ikr vei'steckt, und von ihrem söhn, bei der rückkunft,
gewittert* So kommen Thörr und T5^r in des riesen H^-
mir haus, wo sie die neunhunderthäuptige grofsmutter
(amma) und noch eine andere frau , des riesen liebste tref-
fen, die sie unterm kessel verbirgt (Srem. 53«.) Bei dem
indischen riesen wohnt seine mildgesinnte Schwester (s. 322.)
Jene sagen kannte schon das 13 jh., in einem gedieht des
cod. vindob. 428 no. 154 finden sich die Morte: *der donr
»Iahe uns beide ; der tieuel brähte mich zuo dir, und dich
iitn muoter her ze mir.' im wahtelmaere heifst es 108:
*mil des tiuvels muoter wette loufen.' Man sieht, sie
^vird bald als das allerschlimmste , den söhn noch über-
l>ielend, bald als sanfterer gemiitsart dargestellt. 'ein
^vil^ve^ eine witwe nam, der teujel zu seiner mutter
kam' (es wurde noch schlimmer) sagt Bure. Waldis 138*.
'des henhers grofsniutter ein bein abschwören' (Simplic.
y 254) ; 'der teafel und seine grojsjnutter^ (das. 2, 292) ;
*icL (ürclite mich nicht, und wenn es der teujel und seine
^lutter wäre.' '^) Auch wieder eine naturerscheinung wird
luer volksniäfsig gedeutet, was immer uralte mythen ver^
räth. von schnell wechselndem regen und Sonnenschein
sagt man sprichwörtUch : der teujel bleicht seine grofs--
fnutter (*de düvel bleket sin mum'); von einem bräun-
licher gesichtsfarbe : der ist dem teufel aus der bleiche
gelaufen (*he is dem düvel dt der bleke lopen'); dounerts,
•) vergk Feiner flores philol. cap.T. p. 108.
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566 TEUFELS OPFER
und die sbone echeint dazu: der tettjel 8cUSgt seine muU
ter^ daCs sie öl gibt.*) {ranzösiscli : le diable bat et
femmej' wenns im Sonnenschein regnet (Tuet proyerb«
no,401.) Hierzu mufs die erklärung des knisternden fencrs
(s. 148) und des erdbebens (s. 473) gehalten werden. Dt$
letzte beispiel nennt statt der mutter die Jrau^ wie in
Hyniis qvidha des iötuns Jrilla erscheint, ein Griecbe.
der den riesen Asprian feuer aus steinen reiben sieht, ruft
aus: 'hier veret des tuvelia brät^ Roth. 1054, wie eine«
andern riesen des windea braut einher fährt (s. 361.) Icfc
glaube nicht, dafs man das heidnische alter dieser Vorstel-
lungen bezweifeln könne.
Heidnische opfer, den göttem oder den geistern be-
stimmt, lielsen sich unter dem volke lange zeit hiodarcli
nicht ausrotten, weil sie mit gebrauchen und festen zusam-
nienhiengen und zuletzt ganz unverstandne, schuldlose
Sitte werden konnten, wir haben gesehen, wie dem Woo-
tan oder der frau Gaue ein büschel ahren auf dem fddc
stehen blieb, wie dem Tod oder dem wilden Jäger eia
schefFel haber dargebracht wurde, das hätte schon in der
ältesten zeit die geistlichkeit ^deoflum geldan^ (leges Vibt-
rasdi 13) genannt, brennende kerzen bei heiligen waswm
(s. 327) sahen gewis noch die nächsten Jahrhunderte iitcl
der bekehrung. lämmer und bÖcklein wurden in Nor-
wegen dem Wassergeist geopfert (s. 278) ; auch bei den
Letten und Litthauern galten in neuerer zeit solche opfer.
Nach einer hessischen volkssage hütete der teufel eiiteD
schätz und gestattete niemanden ihn zu heben , aufser wer
ihm einen schwarzen f genau ein jähr und einen ia^
alten geifsboch darbräclite. Guibertus (in \ita 1, 24
gedenkt eines in Frankreich üblich gebliebnen hahnopto
diabolo gallo litare (mit einem liahn opfern) , ita wt
Ovum, de quo concretus est, die Jovis, mense martio, iß
gallina constet expositum ; der gebratne hahn wird zum
weiher (wieder also dem ilufsgeist) hingetragen. H. Sachs
111. 3, 10» erwähnt des brauciis: zwei pfennige mit einer
bärhaut zudecken, mit grünen rauten bestecken y und
dem teufel zum neuen jähr schenken, welcher gottheit
das ursprünglich gegolten haben mag? 'dem teufel fft
licht anstecken^ (Schweinichen 2, 54) erhielt sich ^
sprichwörtliche redeusart bis heute. Den höchsten göttem
des beiden thunis dargebrachte trankopjer mustcu nacli
der bekehrung teuUisch erscheinen, s. 34. 36 wurde der
') Pnietorü blocksbergsverr. 2, 113. breni. wb. 1, 97.
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TBUPBLSOPFER 567
huje gedacht, aus der unsere vorfahren "Wuolans minne
tranken, vielleicht >vird unter Saturni dolium (s. 90) kein
bad, sondern ein trinkgefafs gemeint, der anmerkung werth
scheint y dafs in einer ags. predigt die worle aus 1. Cor.
10^ 20 non poteslis calicem domini bibere et calicem dae-
monionim, welche Ulfilas ganz wörtlich gibt (ni maguth
stikl frd^ujins drigkan jah stikl skohsl^) ausgedrückt -wer-
den: ne mage ge samod drincan ures drihtnes calic and
thäs deofles cuppan\ cuppe also die technische benennung
des heidnischen geräthes darbietet. Man sagt noch heute,
vrer etwas im glas stehn lasse, lasse dem teufel ein opfer
(Garg. 43^)
Wie Jene stelle aus Wernhers Maria (s. 564) den teu-
fel in der hülle gefesselt nennt, so scheint es überhaupt
der ansieht des MA. gemäfs, sich ihn in banden liegend
bis zum anbruch des Jüngsten tags zu denken ; dann wird
er aber ledig und in gesellschaft des antichrists auftre-
ten, seine erledigung aus den banden bezeichnet also
zugleich die zeit allgemeiner Verwirrung und des Weltun-
tergangs. Nach einer Volksüberlieferung liegt der böse
unter dem tisch, an dem zwei Jungfrauen (offenbar nornen)
spinnen , festgebunden (deutsche sag. no. 9.) ich halte
die ganze Vorstellung für heidnisch und eddisch (s. 150) ;
nicht blofs in Deutschland, auch in Scandinavien , hat sich
die ausdrucksweise: ^der teufel ist los^ durch* lange Jahr-
hunderte im munde des volks fortgepflanzt.*) Welchen
grund eine andere redensart hat: der teujel sei todt^ nun
könne Jeder ungehindert ins himmelreich kommen' (Mei-
nerts kuhländchen 215), weifs ich nicht; kaum gemeint
ist die besiegung des teufeis im christlichen sinn, schon
lo dem mrere von der wJbe list 368 findet sich die betheue-
lung ^durch des tiuuels t6tJ vergleichen möchte ich etwa
den 8.256 angeführten ausruf: der könig ist todt!, nem-
licb der zwerge oder elbe.**)
Wenn plötzlidi das widrige gebracht wird oder ge-
*) ichwed. *nvL är finn lös/ Hallmans skrifter. Stokli. 1820 p.224.
••) oft ist es auch sonst schwer oder niithaDlich den onprnng einer
bezi«*haug zn ergrunden , welche der teufel zu abergläubischen meinun-
gen und redensarten hat. Man sagt : wenn ein wurf aus der band ist,
gebort er dcoi teufel (kann ihn dieser an geßihrliche stelle leiten.)
wer hinter sich lauft, lauft in des teuf eis arme, macht dem teufel das
beft (abergl. 604. 659.) müssiggang ist des teufeis ruhehanh nimmt
man nicht den pflüg von der schleife, so ruht der teufel darunter
(al>ergl. 819.) sucht man etwas vergeblich, so hält der teufel die
band oder den schwans darüber (abergl. 256.)
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538 I^ÜFBL
holt werden soll, nennt unser yolk, in ansruf oder ver-
ANÜnscliung, dabei den teufel oder andere ihn vertretende
zaul>€rhafie wesen. Svo füJirl ihn der teujel her?' *hÄt
dicli der tiuvel har getragen!' (Meyer u. Mooyer 48*) 'hat
dich der tiui^el also balde getragen har?' das. 27^) 'der
tiuvel hat in dar getragen' (Reinh. 1544) 'deable 11 ont
aniend' (Renart 5051. 8171) *dise hat der tiiwel gesendet
in min lant (Bit. I0^).'qui8 te maleficus hie adduxii?' (vita
JohanDis gorziensis, vor 984, in IMabiUon ann. bened. sec
5 p. 401) 'fülirl ihn der ritt (peslis) jetzt her?' (H. Sachs
IV. 3, 5^) gleichb'edeulig dem westfälischen *wo vürd di
de a'dhe her?' was heifst aber in Schmids Schwab, wb. 544:
'führt dich der znuch schon wieder her?' ich denke, der
höllische hund (ahd. zöha, hündin.) westfälisch: fort jiiw de
liu^itt nu weer her!' slalt des gewöhnlichen der hukuhj
^eier, die gleich dem kibitz zaiibervögel sind, 'hat mich
der ^uclffuck hergebracht;' (Grobiauus 97*.) Nicht anders
wechseln die llüche: 'daz dich der tiut^el hin füere!' (Sifril
74, 2) *var du dem tiiwel in die hant!' (Reinh. 952) 4e
diable t' empörte!' 'fahr hin zum teufel T 'dafs euch der
geier-r (Gryphius 746) 'hol ihn der kuiuh und sein hiisterP
dän. 'var satan i vold!' 'die leide ride (mala pestis) niüexe
in velleu!' (Rarlmeinet, Meusebach 162.) Hierher gehö-
ren auch die redensarten : 'da möchte man des teufelM
werden !', 'ich will des teufeis sein !', wo sich wiederum
hulul, geier und die andern substituieren lassen.
Die anführung dieser form ein wird nicht überllüssig
scheinen , wenn man gewalu*en will , dafs sie auf den teu-
fel hauptsächlich passen, insofern er aus heidnischen götter-
begriifen hervorgeht, da man ebenwol sagen hört: 'was
für ein weiter führt dich her!' 'welches ungewitter (oder
dounerwetter) hat dich hergebracht?' 'wo schlägt dich
der liagel her?' 'ich will des wetters sein!' 'ich bin de«
dorinersP *), ja sogar: wo führt dich denn unser herr
gott wieder her?'; was ist cinleuclilender, als dafs solche
phrasen eigentlich den heidnischen Donar ^ den herm des
wetters meinen, folglich er liuter dem später an seine
stelle gesetzten teujel zu verstehn ist? mau darf sich auch
einen stürm und wetter machenden riesen y einen Blaster,
Väder oder Fasolt (s. 360. 363) darunter denken, der
fluch: fahr zum teufel! stellt sich daher ganz gleich dem
nord. far til Odhins! Odhinn eigi thic! oder jenem: ibik
hall gramir^ iötnar ! (s. 555), jenem: dafs dich der
*) 'ik tftiu duniierd!' Hanseus geizlials p. 120.
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TEUFEL 569
Hamer! Hamer slal (8.124.) Neben dem segen ^gott
vfalts!* ist im munde des yolks der fluch: Mes walte der
tenfeU der donner P Man vergesse nicht, dafs in den
ausrufen und fluchen aller Völker alte gütternamen sich
verfjärten und festsetzen.*)
Der teufel hängt aber, wie mit den heidnischen gott-
lieiteu, auch mit den dämonen und geistern zusammen,
und vieles von dem, was im XIII cap. erörtert worden
ist, läfst sich auf ihn anwenden, er heilst darum der
wichi, der bösewichtj der hellewicht (s. 247) in der
härtesten bedeutung, er kann unter dem alp^ dessen Zau-
ber die menschen berückt, verstanden werden, gleich den
eiben hat er die gäbe zu erscheinen, zu verschwinden
und sich zu verwandeln, nur dafs die mehr neckische
Schadenfreude dieser geister dem teufel immer als bitterer
ernst angerechnet wird. Wie von dem alp heifsl es von
dem teufel, dafs er die menschen reite (s. 261. 262); in
eiüem gedieht des 14. 15 jh. (mus, 2, 196) verhängt es
ikm gott, ein böses weih *über berg imd tal' zu retten.
Es ist eine merkwürdige erscheinung, dafs in unserer
spräche durch die begiüfe wind, wicht, ding, ebenso aber
durch die begriife teufel und vdlant ^ine Verstärkung der
Negation ausgedrückt wird (gramm. 3, 734. 736.)**) Da
man nun auch das wort tropf (das. 730) in gleichem sinn
brauchte, so erklärt sich, wie die ausdrücke: ein armer
tropf f ein armer wicht ^ ein armer teufel synonym wur-
den. Den geislern und teufel wird entweder die Schnellig-
keit des windes beigelegt oder der wind selbst als geist
und teufel gedacht (s. 560) ; daher sind wiederum gleich-
bedeutige redensarten : 'sam sie der tievel vnorle' Rab.
749. Dielr. 8854 und: 'als ob sie der wind dahin führte',
^«ie ist wie der zauck (s. 568) an mir vorbei gefahren'
(Schmids Schwab, wb. 544.)
Jener krankhafte, blödsinnige zustand der menschen,
von denen es heifst, die elbe haben es ihnen angethan
(s. 259), ist unverkennbar analog dem besessenwerden
•) vgl. oben s. 202. 208. 454 und gramm. 3 , 29T. *^
*•) 'ich bringe lu den ttuueV Nib. 1682, 1 heifst: ich bringe euch
nicht das geringste , wie wir heute sagen : den teufel hast da gethan,
d.i. nichts von allem. Aber auch der blofse« unbestimmte, pronominal-
ausdruck wird durch beifügung von teufel gesteigert: ^u/elcher teufei?^
für wer? (Piiil. v. Sittew. 1, 30); 'bestehen, welchen tiuuel sie mit
im wellen ane vähen.* Morolt 28^. Verwundernde ausrufe: *je so
saufe du und der ieufelP (Schlampampe p. 17) sind noch jetzt unter
dem Volk üblich.
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570 TEUFEL
von teufeln. D!^ Verschiedenheit beruht darin , dafs nach
heidnischer ansieht ein Wirkung der geister blos von aufsen-
her statt fand, nach jüdischer und christlicher aber die
teufel in den leib des menschen einkehrten und, vrenn
der zauberhafte zustand aufhören sollte, förmlich ausge-
trieben werden musten. heidobch ist es, dafs eibe den
menschen kiuder stehlen und ihre wechselbälge an deren
stelle tragen (s. 263), unheidnisch aber, dafs der teufel in
dem wechselbalg steckt (Zeno 58 iL) Diese teujelbeses^
seaen gleichen wiederum den wohnungen und liäusem, in
welchen sich poltergcister festgesetzt haben (s, 293.) *) Als
frühes beispiel hiervon mag Grendel aus dem Beovulf an-
gefülirt werden , der die königshalle durch seine nachtlichen
besuche stört. teufelbesessen (arreptitius , daemoniacus)
drückte die ahd, spräche aus durch firnoman (eingenom-
men) 0. III. 14. 107 ; tiui^olipinntc , tiuvolwinnanti (gl.
mons. 337. 391.Doc.239), wol auch durch tiuvolsioky ags.
deojolseoc. 0.111.14,63 thie mit 6m{e[e wunnuri, die
mit dem teufel zu schalfen, zu käripfen hatten, von ihm
besessen waren. **) Im 13 jh. war die Vorstellung gäng
und gäbe: *nu var hin, daz hiute der tievel üz dir halP
Ben. 440-, *dcr tiuvel war im in den muntP Reinh. 1642.
Noch heule sagt man: 'ein böser geist hat aus ilim ge-
sprochen.' *ich waen der tiuvel üz ^beiden lüge/ Reinh.
309, 520.
Grendels teuflische art gemahnt an blutdürstige Was-
sergeister (s. 280.) auch wohnt er in rnoor und sumpf
und sucht bei nächtlicher weile die schlafenden menschen
heim: com of möre gongan. Beov. 1413, flieht 'under
fenhleodhu' (1632.) er trinkt das blut aus den adem
(das. 1478) und gleicht vampyren, deren lippen von fri-
schem blut benetzt sind. In einer alln. saga findet sich
ein ähnlicher dämon , Grtmr oegir genannt, weil er im
Wasser wie auf dem laude gehen kann, er speit gift und
feuer, trinkt das blut aus menschen und thieren (fornald.
sog. 3, 241.242.)
Wann im mittelalter ist die idee förmlicher biindnisse
und vertrif^ entsprungen, die der teufel mit menschen
schliefst? unglücklichen, verzweifelnden verspricht er zeit-
liche guter, bedingt sich aber dafür ihre seele und besteht
•) wuötes sclilofs vom teufel besessen, dialogi Gregorii magni3,4.
gleich quftigcistern wirft der teufel steine (s. 293) vgl. Greg. tun»,
vitae patr. 1. vita Heimeradi cap. 21.
**) vgl. heilemnnd (eumeuides) N. Cap. 131.
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TEUFEL S/ri
auf einer eigenhändigen , gewöbnlieh mit dem Wut des
menschen bewirkten verschreibung. das alle» ist unbeid-
niscli, lind erst erdacbt worden, nacbdem die römische
form der Chirographe in Europa überhand genommen hatte«
Vortheilhafte vertrage strebt auch der nordische teufel
einzugehn *) , doch niemals schriftlich. Die berühmteste
vielfach erzählte **) fabel war die von dem vicedominus
Theophilus. Das Annolied hat str. 46. 47 die geschichte
eines gewissen Volprecht, der sich dem teufel ergibt.
Ottocar cap. 335 meldet eine andere sage. In den meisten
dieser legenden geht der teufel zuletzt doch seiner beute
verlustig und wird genöthigt seine verschreibung heraus-
zugeben, der mensch hat zwar gott verleugnet, aber der
liimmlischen Jungfrau nicht abgesagt und dafür gewährt
sie beistand. In einer schweizerischen volkssage hält sich
der teufel aus , dafs sein paciscent nie mehr das evangelium
Johannis hersagen (de Hänseier uf der lalle ummedrüllen)
8olle, wird aber hernach zu schänden, weil es der arme
hirtenbube vollständig pfeijt. Überliaupt gibt es noch mehr
als ein mittel, den armen teufel um sein förmliches recht
zu bringen. Wer sich ihm verbunden liat, und sich sieben
jähre lang weder wäscht noch kämmt, wird ihn wieder
Jo«; oder er braucht nur zu verlangen, dafs der teufel
ein bäumchen wachsen lasse, denn das vermag er nicht
(abergl. no. 626.) Jenes ist die sage vom bärnhäuter (Simpli-
cissinius 3, 896) oder dem russigen bnider (KM. no. 100):
der bärnhäuter mufs sieben jähre im dienst des teufeis
eme bärenhauf' statt des mantels umhängen d. h. ein fau-
les, thatenloses leben führen (vgl. oben s. 566 die dem teu-
fel dargebrachte Bärenhaut,) Wie man dem teufel rufen
Kann, wenn man mit ihm zu schaffen haben will, lehrt
*) der iotuoD (s. 317.) das geschäft lieifst ein kauf,
**) der voro:ang selbst wird in den anfan<2f des sechsten jh. gesetzt,
die älteste bearbeitnnsr, so viel ich weifs, liefert Hroswithas ji;edirlitr
lapsiis et cooversio Tlieuphili vicedomini (opp. ed. Schurzfleisch p. 132
— 145), also aiM der zweiten hälfte des 10 jh. Nicht viel später fällt
die erwäiinung des Fulbertus carnotensis (f 1029) o|m, Paris 1608
p. 136. Eine historia Theophili metrica soll von Marbod (f 1123)
herrühren und steht in dessen werken (ed. Beaugendre p. 1507 — 1516.)
hl Hartmannes gedieht von dem gelouben (aus dem 12 jh.) kommt
die sage vor z. 1927 — 1998. Berceo (f 1268) spielt blofs darauf an
in den milagros de Maria str. 276 und im duelo de Maria str. 194,
ebenso ein mhd. dichter (altd. bl. 1, 79.) Die grofste Verbreitung
gab ihr Yincentius I>ellovac. im spec. bist. 22, 69. Rutebeuf behan-
delte sie dramatisch (Legnind 1 , 333) , späterhin auch ein niederd.
dichter (Brons p. 389.)
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578 TEUFEL
ein dan. abergh (no. 148): man gebe dreimal um die Idrcbe,
bleibe das drittemal vor der kircbthür et eben und rufe
'komm beraus!^ oder pfeife ibm durchs scblüssellocb. ge-
rade so werden sonst geister der verstorbnen aufgerufen
(anb. 8. LVI.)
Wenn von dem teufel erzählt wird, der seinen freun*
den und günstlingen geld oder getraide zuträgt ^ so nä-
hert er sich mehr den gutmütigen hausgeistern oder elben^
und hier ist auch nie von verschreibung noch von gottes-
verleugQung die rede. Meistens sieht man ihn als feuri-
gen drachen durch die luft und in Schornsteine fahren
(abergl, no. 6. 253. 520. 522. 523. 858.) die Ehsten unler-
sclieiden rothe und duukie wolkenstreifen (abergl. 102),
ebenso die Litthauer den rothen und blauen alb (abergl.
no. 1.) Die Lausitzer erzählen von einem horndradien
(z'itny smi)), der seinem freunde den boden füllte von ei-
nem milclidrachen (mlokowy smij), der für der wirtin
milchkeller sorgt, imd von einem reichthum bringenden
gelddrachen (penezny smij.) Die art und weise seiner
habhaft zu werden ist folgende: man findet heute ii^end-
wo einen dreier liegen, nimmt man ihn auf, so liegt mor-
gen ein Sechser an derselben stelle, und so steigt nach der
jedesmaligen aufnähme der werth des gefundenen bis zum
thaler. Wer nun geldgierig auch den thaler greift, in
dessen haus findet sich der drache ein. er verlangt hof-
liche behandlung und gutes futter (wie ein hausgeist); ver^
sehen es wirt oder wirtin, so steckt er ihnen das haus
über dem köpf an. Ihn los zii werden ist^ einziges mittel,
jenen thaler zu verkaufen, allein unter seinem werthe,
so dafs es der käufer merke und stillschweigends ein-
willige.*) Nicht anders als beim alraun oder galgeimiänn-
lein (8.292.) Ausgegeben kehren solche hcchetluiler immer
wieder zurück (abergl. no. 781.)
Nirgends aber stellt sich der teufel heidnischer dar
als wo er an die stelle der alten riesen getreten ist. der
teufel uiit den drei golduen haaren (KM. no. 29) wurde
schon 8. 149 dem altn. Ugarthilocus gleichgestellt, zumal
aber riesisch erscheint er, wo ihm das volk ungeheure
b.-iulen und steinwiirfe beilegt: er behauptet dann ganz die
niäclitige, zürnende, lückische und plumpe nalur des iötunn
(s. 307 — 322 ) die erbauung christlicher kiiThen ist ihm
verliarst, er sucht siö zu zertrümmern; sein plan wird aber
jedesmal von einer höheren gewalt oder durch überlegene
*) lauiiitz. nionatMclir. 1797. p. 755. 756.
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TEUFEL W3
list der menscLen vereitelt. Gleich dem riesen zeigt er
sich oft selbst als erfahrnen baumeister, welcher eine bürg,
brücke oder kirche aufzuführen unternimmt und sich zum
lohn die seele dessen ausbedingt, der den neuen bau zu-
erst beti'itt.
Was hier von dem riesen wird dort von dem teufel
erzählt: an die stelle des milderen motivs tritt dann meistens
ein herberes , grausameres, der riese pflegt bei seiner baute
noch einen gesellschaftlichen , nachbarlichen zweck zu haben
(s. 307. 314), der teufel will dadurch blofs schaden stiften
und Seelen gewinnen. In Norwegen gibt ' es viele sagen
von rieaenbr liehen, der jutul liebt eine huldra auf der
andern seite des wassers; um sie trocknen fufses besuchen
zu können, baut er eine brücke, doch die aufgehende
sonne hindert ihre Vollendung. Faye 15. 16. ein andermal
wollen sich zwei jutule ihren besuch erleichtern und un-
ternelimen den brückenbau. auch über den Main hatten
die riesen vor eine brücke zu bauen (s. 317), die Ursache
wird nicht mein* erzählt. Wenn der teujel die brücke
baut, so ist er entw. von menschen dazu gezwungen
(Thiele 1, 18), oder strebt einer seele nach (deutsche sag.
no. 185. 336), mufs sich aber mit dem hahn oder der geirtae
begnügen, die man wolbedächtig zuerst über die neue
brücke iaujen liefs. *) Nach einer franzüs. tradition hat
er sich jedes dreizehnte wesen , das immer über die brücke
gebt , ausgehalten , und schon eine menge menschen und
thiere in seine gewalt bekommen , bis sich ein heiliger
mann, als dreizehnter, ihm entgegenstellt und ihn besiegt
(iii^m. de lacad. celt. 5, 384.)**) Auch der hirchenbauende
teufel hat sich die seele des ersteinlretenden bedungen:
man läfst einen wolf durch die thür springen (deutsche
sag.no. 186), zornig fährt er oben durch das gewülbe und
eine« öCQung bleibt zurück, die niemand zumauern kann,
dieser zug findet sich deutsche sag.no. 181. 182. Auf ber-
gen baut er mülen und zerstört sie wieder (das. no. 183.
195.)***) Merkwürdig ist seine wette mit dem kirclien-
baumeister zu Cüln: er wolle eher einen bach von Trier
*) es ist ratlisam in ein neoes haus, eh man es betritt, eine katze
oder einen hund laufen zu lassen (abergl. no. 499.
**) der teufel wird hier in einen thurm geschlossen, aus dem er
zwar oben ausfahren, taglich aber unreine stufe auf der thurmtreppe
steigen soll, die ihrer 365 zählt, so dafs er den weg erst blnoea
jahresfritit zurücklegen kann.
***) eines berges teufehmulin beim Ursprung des Aufsehens Alp
gedenkt Dumbeks geogr. pagor. p. 70.
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574 TEUFEL
nach Cola leiten ^ ^ als der dorn Tollendet sein werde (das.
no. 204.) ebenso wettet eine riesin mit dem heil« Olaf,
bevor er mit seinem kirchenbau zu stand komme, eine
steinbrücke über eine meerenge zu legen, aber noch war
die brücke nicht halb fertig, als schon der glockenkiang
aus des heiligen kirche erscholl* erbittert schleuderte die
riesin ihre bausteine nach dem kirchthurm, konnte ihn
aber nimmer treifen; da rifs sie sich eins ihrer beine
aus und warf es gegen den thurm. nach einigen soll sie
ihn damit gestürzt, nach andern aber verfehlt haben; das
bein fiel in einem sumpf nieder, der noch heute giögraput-
ten heifst (Faye p. 119.) g lockenklang hassen zwerge (».
259), riesen (Faye p. 7. 17. Thiele 1, 42) und aeufel '*),
und vor ihm weichen sie aus dem land: alle diese sagen
drücken den sieg des christeuthums aus. der teufel schleppt
die glocke aus den kirchen weg (deutsche sag. 202); an-
fangs weifs er nicht, was das neue gebäude werden soll,
und läfst sich durch ausweichende antwort beschwichtigen
(das.no. 181), steht aber die kirche fertig, so sucht er sie
durch steinwürfe zu zerschmettern, teujelssteine heifsen
entw. die er zum bau tragend aus der luft fallen iiefs, oder
die er sein begonnenes werk zerstörend auf bei^e trägt,
oder die er nach der kirche geworfen hat (das. no. 196.
198. 199. 200. 477.) nordische sagen von steinen, die das
riesen geschleckt gegen die erste Christenkirche schleudert,
hat Thiele 2, 20. 126, 127. Faye p. 16. 18.; eine shellän-
dische Hubert p.433. häufig stehen solchen felssteinen die
finger seiner bände eingedrückt; ein stein, auf dem er
geschlafen, zeigt die spur seines ohrs (deutsche sag. no. 191.)
Teufehmauern erklärt das volk so, der teufel habe damit
die grenze seines reichs abschliefsen wollen (das. 188), er
wird hier als der beherscher eines benachbarten, fciod-
lichen reichs (eines iötunheinir) gedacht, ja als im streit
mit gott um die erde begriffen: beide theilen sich zuletzt
hinein und der teufel baut die abgrenzende mauer (da?.
no. 189.) Ein felsstück, um seine gewaltige stärke zu zei-
gen, setzt er sich auf als hut, da naht der heiland uml
steckt denselben stein an seinen kleinen finger (das. no.205j;
*) damit ist die altromische wasserleitnng ausgedeutet (Geleoitf«
de adoiir. Col. p. 254.), von der es gleich sagenhaft im AnnoUedeSlO
lieir-»t: Triere was ein bürg alt, si zierte Römäre gewalt, daoait
mau uiidir der erdin den wfn santi verre mit steinin rinnin deo Mrna
al ri niiimin, di ci Colne wärin sedilliaft.
••) man läutete im MA. die glockea gegen das gewitter (den heida.
Donar) und gegen den teufel.
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TEUFEL ff?5
sicher eine uralte erlindung* Nach der Wbel ersonnen
scheint mir aber^ wenn des beilandes und teufeis fufsspu-
ren in hoben felswänden gezeigt werden, von wo der
Versucher seinen herrn die unten reizend ausgebreilete
gegend gewiesen und angeboten habe (das. 184. 192.) her-
vorragende felskUppen heifsen auch teufelslanzeln (Stald.
2y 85. känzeli, lluhkanzel), da soll der böse feind dem
versammelten volk gepredigt haben (deutsche sag. no. 194));
vielleicht stand da vorzeiten ein heidnischer priester oder
ein götterbild?
Hier mag noch einigen ausführlichen mitthellnngeu
räum gelassen werden. Jene bedeutsame norrländische sage
von dem riesen Wind und Wetter (s. 317. 318), dessen
berührung mit dem teujel auch noch durch die bemer-
kuDgen 8.553.560 aufser allen zweifei gesetzt wird, erzählt
Thiele 1 , 45 folgendergestalt. Esbern Snare wollte Kal-
lundborgkirche bauen, seine mittel reichten nicht aus, da
versprach ihm ein trold beistand unter der bedingung, dafs,
wenn die kirche fertig sei, Esbern des trolds nameu nen-
nen könne, sonst aber ihm mit seinem herzen und seineu
äugen verfalle, die arbeit wurde rasch gefördert; als nur
eine halbe seule fehlte, fing es Esbern an zu bangen, dafs
er noch nicht des trolds namen wufste. sorg voll und be-
trübt gieng er auf dem feld umher, da hört er in der
köhe eines felsens einer troldfrau stimme, ^stUl, still, mein
kind, morgen kommt dein vater Fin und bringt dir Es-
berns Snares äugen und herz zum Spielzeug!' getröstet
kehrle Esbern heim ; als er in die kirche trat , trug der
trold gerade die noch mangelnde steinseule herbei, da rief
ihm Esbern grüfsend den namen Fin I zu. erbittert fuhr
der trold mit dem halben pfeiler in die luft: deshalb steht
die kirche nur auf viertehalb seulen. Finnr ist der ed-
discbe name eines zwergs. Die deutsche sage (s. 317)
hört man in Niederhessen so : ein bauer auf der Ellenbach
(am Sandershäuser berg, unweit Cassel) hatte so viel ge-
traide einzuernten, dafs ers nicht wüste unterzubringen:
seine scheuer war zu klein, eine gröfsere zu erbauen fehlte
ihm das geld. nachdenklich und sorgsam schritt er durch
seine felder, da trat ein altes graues männchen auf ihn
txx und fragte nach der Ursache seiner traurigkeit. der
bauer gestand ihm seine bekümmernifs, das grattmänn-
cheu lächelte und sprach: 'eine scheuer wollte ich dir wol
schaffen , so geräumig, dafs du alle deine fruclit in sie
ernten kannst, und eh morgen der tag graut soll üq fertig
auf deinem hof stehen , wenn du mir verschreiben willst,
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&m TEUFEL
i4^as du noch pon verborgnem gut besitzest,'*) der
baner dachte an schätze uuter der erde^ die ihm iiicfats
helfen konnten, solange sie nicht gehoben waren, und gieog
den angebotnen vertrag ein; erst beim abschied nehmen
sah er einen huhfuja und pferdejufs unter dem grauen
rock vorragen. Nun kam der bauer heim und erzählte
seiner frau, was ihm auf dem felde begegnet war; *adi
gotty was hast du getlian? ich trage ein kind unterm hei^
zen, das hast du dem bösen verschrieben.' Ais es dunkelte,
erhob sich auf dem bauerhof ungeheurer lärm, Fuhrleute,
Zimmermänner, maurer arbeiteten untereinander, der teufcl
als baumeister leitete das ganze werk, das sich mit un-
erhörter Schnelligkeit förderte ; wenige stunden , und die
Scheune stand schon aufgezimmert, das dach wurde gedeckt,
die wände ausgefüllt, nur einige gefache lagen offen. Da
schlich sich die' listige frau, in ihres mannes kleidern, über
den hof ins hünerhaus, schhig in die bände und ahmte den
hahnkrat nach, alsobald erkrähten alle hähue in der reihe,
alle bösen geister eilten brausend davon (anh. s. XXXVlIi)
nur ein giebelfach der neuen scheune stand leer: einen fuhr-
mann , der eben noch mit vier fuchsen einen grofsen stein
herangefahreii hatte, grif der teufel und zerschmetterte ihn
mit rossen und wagen an der scheuer, seine gestalt wurde
zum andenken auf dem selben stein abgebildet und ist heute
da zu seilen, den scheunengiebel hat keine menschenhand
schliefsen können, was man bei tag zubaute fiel über
nacht wieder ein. **) Der berg auf welchem der grau»
mann dem bauer zuerst erschien, heifst teujelaberg.
Die Ehsten nennen den knecht, welcher über scheune
und getraide die aufsieht hat, riegenkerl. ein solcher He-
genkerl safs einmal und gofs knöpfe, da kam der teufd
gegangen, grüfste und fragte, *was maclist du da?' 4ch giefse
äugen/ *augen?, kannst du mir auch neue gieXsen?* *o ja,
doch jetzt sind mir weiter keine zu hand.' 'aber auf ein
andermal willst du es wol thun?' 'das kann ich,' sprach
der riegenkerl. 'wann soll ich wieder kommen?' 'wann
•) VöUr (Her liut, der grauhiit) d. J. Odhinn (s. 101) begehrt ▼••
der bierhraiienden Geirliiidr, der er seinen speicbel zur liefe ge?che«
hat, was zwisihen dem fafs und ihr war, d. I. das kind, womit ««
schwanger geht, fornm. sog. 2, 26. Der wilde walrabe (s. 558) ver-
langt von der konigin : ^dei du Inner ander leite dit\ was du uoterm
gurtet trägst. D.V. l, 187. Schon dieses einen zugs halber halte ich
die hessische sage für lieidniAclies Ursprungs.
•*) wie in allen kircheu das loch, wodurch der teufel aosgefiihrea
ist, offen bleiben mufs.
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TEUFEL 577
du >vill8t.' Den audern tag kam der teufet j um sich die
äugen giefsen zu lassen, der riegenkerl sagte: 'willst du
grofse oder kleine?' 'recht groJ'se,' Der mann setzte nun
eine menge blei zum schmelzen auf und sagte: 'so kann
ich dir nicht giefsen, du must dich erst festbinden lassen.'
darauf hiefs er ihn rücklings sich auf eine bank legen,
nahm dicke, starke stricke und band ilin ganz fest. Als
der teufel festgebunden war, fragte er, 'welchen namen
führst du?' *Issi (selbst) ist mein name.' 'das ist ein
guter name, keinen bessern kenne ich.' Das blei war
nun geschmolzen, der teufel sperrte weit seine äugen auf
und gedachte neue zu bekommen, des gusses wartend,
'jetzt giefse ich', sprach der riegenkerl und gofs dem teu^
fei das heifse blei in die äugen ; auf sprang der teufel
mit der bank am rücken und lief davon. Im feld pflügten
leute,. bei denen er vorüberlief, sie fragten 'wer that dir
das?' der teufel antwortete 'issi teggi' (selbst thats.) da
lachten die leute und sprachen: 'selbst gethan, selbst habe.'
Der teufel starb an seinen neuen äugen und seitdem sah
man keinen teufel mehr. *) In dieser sage ist der teufel
mehr ein tölpischer riese, als der böse feind des menschen-
geschlechts ; seine blendung und der name Issi gemahnt an
den homerischen Polypbem und OviiSy wie an den De-
p^ghöz des Orients (s. 322.) Wenn andere ehstnische
Überlieferungen den donner daher erklären, dafs der teu-
fel von gott verfolgt und in felsen flüchtend niederge-
schmettert werde (abergl. 61. 64); so gleicht auch liier golt
dem nord. Tbtjrr, der teufel einem von Thurr erlegten
iötunn.
Endlich bewälirt die altheidnische natur des teufeis sich
auch darin, dafs nach ihm, wie nach göttern und rieseu
(s. 305), thiere und pflanzen heifsen. die hbellula grandis,
die Wassernymphe, ein zart und schlank gegliedertes insect,
sonst auch die verwünschte Jungfer genannt, teufelspjerc/,
teufeis reitpferd y dän. fandens tidehest^ auf der insel
Mors ein käfer, meloe proscarabaeus , fannens riihejst
(Schade p. 215); in der Schweiz die Hbellula: teujelsna'
delj teuf eishaar nadel\ die raupe teufelskatze. **) al-
cyonium digitatum oder palmalum: teufelsharid, manus
•) Roäeuplänters beitrage, lieft 6. p. 61. wie der teufel von tliie-
ren begraben wird, bleibt liier weg.
**) raupen wegen ihrer Iiautung, verpuppung und stufenweisen
Verwandlung aui« kriechenden und todtahnlichen we«en in fliegende haben
etwas unheimliches, geisterhaftes.
37
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578 TEUFEL
dlaboli, dtebshand, engl, dei^ifs Iiand, deadmans hand,
nal. doode nians band « oude maus band , franz. tnain- de
diable, main de ladre, de larron, vgl.Forneotes folme(s. 147.)
lycopodium clavalum: teufelshlaue. eupborbia: teuf eis-
milch, clematis vitalba: teufehzu^irn, scabioea succisa:
teufelubifs, bubiu. certhus. adonis: teujelsauge. con-
volviiUis arveiisis: teufelsdarm u. a. m.*) wahrscbeinlich
vruöte die ältere volkssage noch den näberen grund solcher
benennungen, vgl. abergl. no. 189. 190.476. Auch der don-
nerkeil, das albschofs, hiel's teujelsfinger (8.122. 127.)
Auf solche vielfache weise hat sich ein, in seiner all-
geineiuheit, den Heiden unbekanntes tv^esen an die stelle
ihrer goltheiten , geister und riesen eingedrungen und eine
menge ähnlicher oder widerstrebender eigenschaften in
sich vereinigt.
\ *) liyperlcuDi perforatum t euf eisflucht ^ fuga daemonam , • weil »
den tcufel vertreibt. Mosten, harthun, weifse heid thun dem teafel
vieles lei(l.'
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ZAUBEREI 679
CAP. XXVII* ZAUBEREI.
Zaubern heifst höhere, geheime kräfle schädlich wir-
ken lassen. Auf die gütigen, vermöge ilirer natur wun-
der*) Ihuenden gotter geht dieser begrif nicht; erst den
gesunkenen, verachteten hat man Zauberei zugeschrieben.**)
Millelwesen zwischen goUern und menschen, altkluge, viel-
kundige riesen (s. 304), böse riesinnen (s. 302), listige elben
und Zwerge zaubern ; nur scheint ihre fertigkeit mehr
angeboren, stillstehend, keine errungne kunst. Eigentlicher
Zauberkünstler ist der emporstrebende mensch: dem heil-
bringenden gebrauch seiner kräfte zur seite hat sich ein
verkehrter und verderblicher entw^ickelt. immittelbar aus
den heiligsten, das gesamte wissen des heidenthums in
sich begreifenden geschäften, gettesdienst und dichtkunst^
mufs zugleich aller Zauberei Ursprung geleitet werden,
opfern und singen tritt über in die Vorstellung von zau-
hern; priester und dichter, vertraute der götter und gött-
licher eingebung theilhaftig, grenzen an Weissager und
Zauberer.
So bei allen Völkern, auch bei unsern vorfahren:
lieben dem göttercultus Übungen finsterer Zauberei, als
ausnalnne nicht als gegensatz. die alten Deutschen kann-
ten Zauber und Zauberer, und auf dieser grundlage ruhen
zuerst alle nachher entsprungnen Vorstellungen. Schärfen
und vei'wickeln muste sich aber die ansieht seit nach ein-
fiilirung des christenthums alle begriffe und brauche der
Heiden für trug und sündhaftes blendwerk erklärt wurden,
die alten götter traten zurück und wandelten sich in teufel,
"Was zu ihrer Verehrung gehört hatte in teuflische gaukelei.
*) aiisern alten rliclitern heifst p:ot wundercere (MS. 2, 171^. Trist.
10013), der aller wunder hat gewalt (s. 16.)
*•) aus demselben grund, weshalb ihnen menschlicher Ursprung bei-
gelegt wurde (8.201.) Snorri bezeichnet Odhinn forspär und fiölkun-
iiigr, er läfst ihn *galdr qvedha.' Yngl. saga cap.4. 5.7. Saxo gramm.
(p. 13) schreibt ihm praestigia zu; merkwürdig ist seine eintheilung
aller zauberer, die er roathematici nennt, in drei arten: rie.sen, ma-
gier und ans beiden hervorgegangne ; in den magiern sucht er die
alten gottheiten (p. 9.) Audi das chronicon Erici (um 1288 verfafst)
stellt den Odin als Hncantator et magus' dar. vgl. Saxos äufäeruiigen
p. 103 aber Thor u. Otbio 'magicae artis imbuti.'
»7* :
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580 ZAUBEREI/
Mit der zeit erzeugten sich (iberpfemngen von unniitlel-
barem znsanimenliaDg des büse*/ feindes mit dem >ve8en
der Zauberei, die iinerliörtcsÄ grausamste Verwirrung
zwischen phantasie und wirlN^chkeit ist daraus hervorge-
gangen, dergestalt flössen verüble und eingebildete Zauber-
künste in einander, dafs «ie weder in der bestrafung noch
selbst in der begehung geschieden werden konnten^»
Bevor ich weiter untersuche, sind die verschiednen
ausdrücke zu prüfen, mit welchen von allersher die Zau-
berei benannt wurde. Beachtenswerlh scheint, dafs einige
allgemeinere geradezu den begrif von thun oder bereiten
enthalten , also auf unmerklichem Übergang des rechten in
ein verkehrtes thun beruhen, das ahd. larawan hat, mei-
nes Wissens, nur die bedeutung facere, parare, das alln,
identische göra nähert sich der von zaubern, dän» forgiöre]
görning ist maleficium, görningar sind artes magicae,
ungefähr wie das lat. facinus zugleich that und unthat be-
zeichnet. *) nun aber drücken die gr. und lat. Wörter
eoSeiv y Q€^€iv, Jacere nicht blofs aus wirken, thun, son-
dern auch, ohne dafs tsQcc oder sacra hinzugefügt zu wer-
den brauchte, opfern, egdeip rtvi Tt ist einem etwas an-
thun , einen bezaubern ; das altn. bl6ta hat aufser dem
gewöhnlichen sion von sacrificare, consecrare den von ma-
ledicere. ob sich forneshja (zauberei) mit fSrn (opfer)
verbinden lasse ? ist schon s. 25 gefragt worden. Schwer
zu erklaren fallt das ahd. zoupar divinatio, maleficium,
zouparari hariolus, zouparön hariolari; N. schreibt «oii-
Jer ps. 57, 6. zouver Blh. 29. «owper/ZA Cap. 99; das mhd.
zoiwery zoubern entspricht jener strengahd. form. nd. /op«r
und toueren^ auch nnl. und mnl. (vgl. toverte Maerl. 1, 260.
263. toverare 1, 266, fehlerhafte Schreibung ist toeverie);
altfries. tawerie. Fw. 205. Die isländ. spräche hat töfar
instrumenta magica, töfrar incantamenta, töjra fascinare,
tÖjrari magus, töjranorn saga, wozu das norweg. /oifgr«
fascinare (Hailager 131^), das schwed. tofver incantatio,
tofuerhäxa saga stimmt; man könnte spätere einführung
dieser Wörter aus Deutschland annehmen, da sie in allo.
denkmälern nicht vorkommen.**) ich weifs nicht, ob eio
•) mittelint. factura (sortilegium) facturare (fascinare); it«l.
fattura (iocantatio) fattucchiero (zaiiberer) fattupchiera (sanberia) ;
spao. hecko (fecinus) hechizo (incAntatio) hechizar (zaubern) hecht»
cero (zauberer) hectiicera (zauberio.)
**) aar!) das lüneb. wendische löblatsch^ zauberer (l>ei Eccard
p. 291) fobolar, zaubercr, towlatza^ toblarska zauberin (nach Jugler»
wb.) scheint deutsches Ursprungs, da andere slav. diaJecte nichts äbn-
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ZAUBEREI 981
ags. tedfor zu zoupar genommen werden darf; es be-
deutet miiiiuni, color coccineus, und Lye gewalirl ein nn-
belegtes tijran depingere, das vielleidü tyfriaii zu schrei-
ben wäre? die beifügnng des ad), read tedfor (rubrica)
liefse \ernuiten, dafs tedjor aUgcmein zeichenfarbe war,
deren man sich beim einritzen der biichstaben bediente,
und so könnte es rune, gelieime zaubersclirift, folglich
Zauber aussagem?*) zoupar und zepar(s.2b\ ags. tedjor
und tijer zu vergleichen verbietet die abweichung der vo-
cale, so nahe sich wieder die begriffe zaiiber und opfer
lägen, man möchte auch wol zoupar aus zouwan, goth.
tuujan, ags. tavian (farere, par^are) ableiten und irgend
einen unregelmäfsigen iiberlritt des V, W in V, B,P statt-
Imft finden.**) Nicht geringeres bedenken verursacht ein
anderer, dem sächs. volksslamm eigenthümlicher ausdruck.
noch heute sagt man in Niedersachsen für zaubern wikhen
und wigelen (wichelen), für Wahrsager wikker und wich'
ier, für hexe, Wahrsagerin wikkerske, für Zauberei wiche'
lie, ebenso nnl. wikken und wichelen , wikkerij und
wichelarij ; mnl. wikelare (ariolus) Maerl. 2, 348. wige^
tinge (vaticinium) Kästners bruchst. 12^; ein altfries. ü^/-
liga Fw. 205 ist blofse umstelhing von wigila (fascinum.)
auch ags. die doppelten formen : viccian (fascinare) vicce
(saga) t^iccunqdhni (Cädm. 223, 17) oder vicvancräjt (ars
magica) ; viglian (ariolari) vi gelere (augur) vigelung (au-
gurium, incantatio.) das engl, witch entt^pricht dem ags.
vicce, vom verbum hat sich das part. wicked (perversus,
malediclus) erhalten, die altengl. spräche hatte ein gleich«
bedeutendes adj. wikke\ ein zauberer heifst wizard, alle
L formen mangeln, kein älterer oder neuerer hochd. dialect
kennt etwas dergleichen; dennoch scheint mir der aus-
druck aus einer allen zweigen unserer spräche gemeinen
Wurzel, aus veihau (no. 201) al)zu8larnmen, das ursprüng-
lich facere, sacrare bedeutet haben mag, von dem veihs
(sacer) ahd. wih herrührt, und das subst. vafhts (res.)***)
KK in Nvikkeii nehme ich wie in Ecke (s. 146) aus der
liehe« kennen, denn da» sloven. zoper (zauber) zoprati (zaubern)
zoperiiik (zauberer) zoperniza (zauberin) ist sicher nach dem deutsclieu.
•) ist die herleitunp^ unseres ziß'er^ engl, cipher^ franz. chiffre^ .
ital. ci/ra, cifera (geheinischrift) aus einem arab. wort sicher? Ducange
». V. cifrae hat bebpiele aus dem 12 jh. jenes ags. wort stimmt auf-
fallend.
••) nlid. gelb, färbe, mürbe, wo mhd. W.
•••) *e8 gellt nicht mit rechten dingen zu', bedeutet: mit zauber.
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582 ZAUBEREI
Wurzel agan, und G in wigelen, CH in wichelen (offenbar
ein CH r= H) dient zur bestätigung. übrigens bat ivihkea
voraus den bärteren sinn von zaubern , wichelen den mil-
deren von weissagen^ obgleicb sieb beide berühren. Biicb-
stäblicb unverwandt, in der bedeutung nalistehend scbeiot
abd. wizago, ags. vttega, vttga (Ciidm. 218, 18. 224, 13),
nbd. weissage, d.i. propbet und wabrsager, aber in gu-
tem , niclit in bösem sinn ; das entsprecbende altn. vitki
(Snem. 63«. 118') siebt für vitugi (vgl. vilug Sneoi. 94*) wie
ecki, eilki für eitgi (gramm. 3, 738), vaetki f. vsetgi. mir
diesem altn. vitki (vielleicht vilki?) bat man falscbljck
jenes ags. vicce verglichen , nie geht ags. CC aus TG her-
vor, wenn auch ags. CC zu engl. TCH wird.*) Ganz
gleich dem vjlega und vilki standen die altn. namen spi-
madhr und spatona , spddis (s. 63. 226) , ursprünglich
die gäbe der Weisheit und voraussagung, wie sie dichtem
oder prieslern beiwohnt, ausdrückend**), giengen sie nach
und nach über in den begrif teuflischer zauberer und Zau-
berinnen, schon }eueB forspdr und fiölJcunnigr bei Snorri
(s. 579) hat den Übeln nebensinn, fiölhunnigr (miiltischis
bezeichnet allmalicb einen zauberer, fiölhinndttn^ ßdl-
Ifngiy ja das einfache hyngi (= kuunugi) zanberei.
Hans Snchs nennt ein altes zauberweib abwechselnd *dic
alt unbuld' und 'die weise frau: IV. 3, 32. 33.
Insofern spähen ein voraussehen und sehen ist, kann
ich daran noch einen andern ausdruck für zaubern reihen.
ohne alle leibliche beinibrung wird durch den blofsen blick,
durch ein böses äuge eingewirkt: das biefs in der alten
spräche ent sehen (s. 260.)
Weil aber der spähende, kundige vates zauberweiseo
singt, Segensformeln spricht, musten schon im altcrtbum
ausdrücke wie unsere beutigen beschneien^ beschu^aizen^
her// Jen, iiberrnfen, beschwören für zaubern gelten, dai
abd. kalan ngs. galan, altn. gala war nicht nur canere,
sondern auch incantare, ein bindendes hersagen, singen d«
Zauberworte, solch ein gesprochner zauber biefs altn. galdr^
ags. galdor, abd. halst ar (nicht zu mengen mit k^lstar.
opfer s. 24); an sich schien galdr etwa^ unsträfliches , dt
man meingaldr (bösen zauber) unterschied, fornm. 8ög.l
•) in der bedeutung stimnien: weiser mann^ iueise frauy i7»5e
frau; altn. vhindamud/ir (fornald. sog. 1,6) weiser mano, philosoph,
pliysiker. ser!>. rjescht (peritus) i/esc/ifaz (veneficus) pfeschtitii
(veuefica); poln. wreszczka (weise frau, hexe), sloven. veßta (liexe)
•*) analog das altfrnnz. dciin, divin zauberer, divinator.
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ZAUBEREI 583
137. altu. galdra fascioare, galdramadhr incantalor,
galdraloria saga, tigB. galclorcräjt magia, galdere nia-
gu8; ahd. kalstarari incantator. ebenso stammt das franz.
cliarme, cliarnier aus Carmen, enc/ianter , incantare
aus cantus und canerc. Aus dem mittellat. carminare be-
sprechen gieng auch ein ahA. garminari, genninari in-
cantator, germinod incantatio (Diul. 2, 326** gl. Doc. 213»>)
hervor, das in der -späteren spräche wieder verschwand.
Scbon mhd. hiei's die Zauberformel segen ; segencerinne
Zauberin. Es galt aber ein stilles leises hersagen, mur-
mel/i der bescliwOrung*), und da raunen noch jetzt heim*
Hch reden, das ags. runian susurrare bedeutet, so darf
das goth. runa (mysterium) auf die geheimnisse der schrift
wie des lauts bezogen werden, aliorunen (s. 227) waren
weise, zauberkundige frauen **), der alraun (8.292) ein
zauberhafter geist, H. Sachs nimmt IV. 3, 34 eine göttin
Aliaun auf der wegscheide an , und ich linde bei Lye
eine ags. benennung hurgrune für furia angegeben.
Schon in der edda kommt aeidhr im sinn von zauber
vor: ^seidli hon kunni^ heilst es Swm. 4** von einer vala
oder Vulva, seidhberendr Sa»m. 118* sind zauberer, welchen
völm: und vitkar zur seit© stehn. Noch häufiger wird der
ausdruck in den sagen, wäre zu schreiben seydhr (for-
nald. sog. 2, 130 steht so in einem gedieht), so ergäbe sich
die leichteste ableitung von siodha (coquere), zugleich wie-
der berührung mit dem gotb. suuths (s. 25.) seidliJcona^
seydhkona, kluge frau , die sich aufs sieden und kochen
zauberkräfliger heilmittel versteht.***) Das ahd. puozan,
tkgs, hetan ist emendare, aber auch mederi, dem übel ab-
helfen, heilen; noch jetzt hat in Westfalen holen bezug
auf alte zaubermittel des volks, gegenüber der gelehrten
arzneikunst (abergl. 873) , der teutonista stellt holten syn-
onym auf mit zaubern. ■}•) Weil nun kochen der lieil-
•) abergl. 515. 875; ininurmurnre Paul. Diac. 1, 13.
**) eio gotii. aijarunjo könnte buchstäblich eine fremdredende (in
Zauberformeln?) bedeuten, vgl. das ahd. alirarto (barbarns.)
'*') seydhr oder saudhr dichterisch ein nam« des siedenden, kochen-
deu feuers , 'ä seydhi bera' Ssem. 54^ aufs feuer setzen , zum kochen
tragen, sieden lassen.
+) weiliger anziehend sind fremde namen, z. b. das ags.^r/rf ma-
gus, pl. dr^as, drycriift magia, dessen celtische abkuoft uns der be-
kannte nnme der druideti verrath; gafmcli draoi zauberer, draoidheadh
Zauberei. Mgromonz/e tiabeu schon dichter des mittelalters MS. 2, 10^,
nigromatiiit! Maerl. 2,261; 'der swarzen huoche wis* Troj. 7411;
^suochen au den swarzen buoc/ten^ Martina 20»; nä Itr etz in sin
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584 ZAUBEREI
mlUel und gifte leicht zusamoien fallt, wirA das alid. luppi,
mhd, Hippe voii Vergiftung und Zauberei gebraucht: ^lüppe
u. zouber triben' Berlh. 12; luppcerinne (Berlh. 58) i«t
Zauberin, gerade wie sich veneficium und venefica im
lat. verhallen. Selbst das goth. l^keis, ahd. lÄlihi (inedicu«,
im guten, reinen sinn des worts) lahhinon (niederi) hlhban
(reniedium) liegt den ausdrücken Idchence rinne (zau]>enn)
Oberl. bihteb. 46, lachsnen (quaksalbern ^ zaubern) laclis-
nerin (hexe) Stald. 2, 150 zum gnind.
Ein theil der weissagungskunst beruhte auf dem wer-
fen und deuten des lofses. gleich dem lat. sortilegium
und sortilegus (mittellat. sortiarius, woher franz. surcier)
sind in unserer alten spräche die Wörter hliozan , mbd.
liezen (augurari) Diut. 3, 107. 108. hliozari^ liezcere
(augur, divinator) anwendbar auf Zauberei.
Eine art Weissagungen geschah mit dem becher (ge-
nesis 44, 5), aus der lat. benennung caucus (für scypliusl
soll cauculafor (capiliil. a. 789 f. 63. capitul. 1, 62. 6, 373}
und cor/eariiis (capitul. a. 789 f. 18. capit. 5, 69) entsprin-
gen, daher das a\iA, concalari {scenicns, magicus) gl. mons.
377. gougulari 0. IV. 16, 33. choiihelari Georgslied 25,
gx>ucaltitom (magia) gl. nions. 375. gonhel (praesligiuni) N.
ps. 65, 3; mhA.gougely nhA* gaiileh andere leiten gaiik-
1er von joculator, wofür die nüldc bedeulung der taschen-
spielerei zu sprechen scheint , welche wir noch jetzt mit
dem begrif von gauklerei verbinden: es sind unschuldige,
zum scherz und zur erheiterung geübte Zauberkünste, vgl.
gougelbühse Walth. 38 , 6. gougelslok INlarlina 9* gougel-
fuore, gougelspil- Nnl. guivhelen, gochelen^ goghelen\
gmvlielaar\ die form guicheleu gemahnt an u>ichelen
(s. 581) und wirklich kommt eine ags. Schreibung hueolere,
nveohtere für vigelere vor, so dafs man wol ein altfränk.
chuigalari vermuten und darauf cauculator zurückführen
möchte, wenn nicht alles andere entgegenstände. Auch das
böhm. hauzlo (zauber) lauzUti (zaubern) poln. gusla
(zauber) gusla rz (zauberer) sei hier noch angeführt.
> Den ahd. ausdruck tißösida (praestigia) weifs ich
nicht zu erläutern.
Die verschieduen benenuungen des Zaubers haben uns
swarzez huoch ^ daz inie der hellemör \\ki gegeben' Walili. 33«;
,sc/m/arze kunst^ Schwarzkünstler erst in späterer zeit, dies iH« *>*"
ruht auf einem niisverstnnd de^ gr. vtxf^ofiatndu.
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ZAUBEREI ^^
auf die begrllTe thiin, opfern*), spähen, welssagamV «»i**
gen , murmeln (gelieimsclireibeu), koclien, heilen iiad i^d^
geführt. \V>
Sie zeigen, dafs er von männern wie von fraiieS^Cjf^
trieben wurde. Unser frühstes aherthum liat ihn ab^.;
schon vorzugsweise fraiien zugeschrieben, einflufsreicher,
kundiger als der zouparari, vigelere, spdmadhr, galdramadhr
scheint die zouparard, vicce, wikkershcy kalstarard^
galdralcona y spätoria, ja es treten andere, fast blofs auf
weibliche Zauberkunst bezügliche namen hinzu.
Den grund hiervon suche ich in allen äufseren und
inneren Verhältnissen. Frauen, nicht männern, war das
auslesen und kochen kräftiger heilmittel angewiesen, wie
die bcreitung der speise ihnen oblag, salbe fertigen, linuen
weben, wunden binden mochte ihre linde, weiche band
am besten ; die kunst buchstaben zu schreiben und zu lesen
wird in ältester zeit hauptsächlich frauen beigelegt. Den
unruhigen lebenslauf der männer füllte krieg, jagd, acker-
bau und handwerk; weibern verliehen erfahrung und be-
hagliche mufse alle befähigung zu heimlicher Zauberei,
das einbildungsvermugen der frauen ist wärmer und em-
pfänglicher, von jeher wurde in ihnen eine inuere, heilige
kraft der Weissagung verehrt (s. 63. 225.) frauen waren
priesterinnen und Wahrsagerinnen (s. 33. 65. 66) ; germa-
nische und nordische Überlieferung hat uns ihre namen
und ihren rühm erhalten, je nach Verschiedenheit der
Volksmeinung berühren sich nornen und völven (s. 231),
valkyrien und schwanjungfrauen mit göttlichen wesen oder
zauberitiuen. Auf diesem allem zusammen, auf einer mi-
schung natürlicher, sagenhafter und eingebildeter zustände
beruht die ansieht des mittelallers von der hexerei. Phan-
tasie, tradition, bekanntschaft mit heilmitteln, armut und
müfsiggaug haben aus alten weibern Zauberinnen gemacht,
die drei letzten Ursachen auch aus hirten zauberer.
Den lat. ausdrücken saga**)y strix, Ä^rz^a***), pene--
*) auch wo sich der bnchstabe sträubt fallt die berülininj( auf:
forn und foro, geUtar und gaUtar, saudh und seidh, zepar und zoupar.
**) sagire sentire acute est: ex quo sagae anus, quia multa scire
volunt. Cic. de div. 1, 31.
•") lex sal. 22. 67 stria^ altfranz. estrie^ jtal. strega^ stregona
(woher vielleicht jenes Schweiz, sträggele s. 524) ; ein Zauberer heifut
ital. stregone. ursprünglich war «trix, oTiiiyl ein zaubervogel. striges
»b avibus ejusdem noniini^i, quia mateficae mulieres volaticae dicuntur.
Testus s. V.
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586 HEXE
iica^ lamia, furia, masca *) entspricht unser 7iexe. die
ahd. fonn dieses wortes lautet häzus^ hdziisay hdzasa
(granini. 2, 274), hdzessa N. Cap. 105; häzzuso (eunie-
uidum) Dint, 2, 350* ist gen. pl. von hSzus» häzes (Diut.
2, ^A6^)\ hezesusun (furiis) Diut. 2 , 337^ scheint verderbt
aus hcgezusun ? der echten vollen form hagazus oder /m-
gazusa versichert uns das ags. hägtesse (anh. s. CXXVII),
die Kürzung zeugt, wie in tdlanc aus tagalanc, für alter
und gangbarkeit des worts. Nur selten begegnet ein mhd.
hegxse^ hexse (INlarlina 90c 106^) hecse (Oberl. bihteb.46);
in der Schweiz sagt man hngschy haagsch (Stald,2, 10.)
AA eil aber neben dem ags.nägtesse auch liögesse, engL
hagj Schweiz. Ääif^e/c (vgl. sträggele)**), mhd. Aacc/za (MS.
1, 180i> Ls. 2, 638) erscheinl, mögen die ableitenden bucli-
staben der einfachen Wurzel hog w^enig zufügen, das ahn.
adj. hagr bedeutet dexter, artificiosus, kann also ganz den
sinn des lat. sagus haben: hexe ist ein kluges, verschmitz-
tes weib. Für hexen (fascinare) gewähren oberd. mimd-
arlen hechanen und damit überein trilt das allfries. verbum
Iiexna (lit. Brocm. f. 59, eine hs. hat hoxna); in den Lier
zugefügten worten *milh wald and mith bisette heye' (al.
hei) scheint das einfache hei = ags. häg, ahd. hac ent-
halten***), hier aber zaiiber auszudrücken. IVoch bis ins
16, 17 jh. wird jenen unhäufigen mhd. formen die benen-
nung unholde vorgezogen, die eigentlich teufelin (s. 554)
aussagt, diu unholde (Älarlina 170^ 172^), bei Keisersberg
u. H. Sachs der gewöhnliche name; erst im 17. 18 jh. ge-
wann dafür hexe allgemeinheit. hin und wieder bedient
sich das volk auch eines masc. hex für zauberer; in Schwa-
ben der hengst (Schmid 273), in der Schweiz hagg^ hah,
belrieger, gaukler. im span. hechicero und hechicera
finde ich nur zufälligen anklang (s. 580); das span. bruxa
(südfranz, bruesche) bezeichnet einen unheilbringenden
nachtvogel, und wurde wie slrix auf die Vorstellung hexe
übertragen. Häufig gilt drut oder drude für gleichviel niil
hexe; genauer unterschieden bedeutet drut den plagenden,
drückenden nachtmahr; aus welchem heidnischen wcsen
diese drut entsprang wurde s. 238 gewiesen, es lag nah,
elbische geister des alterthums später mit menschlichen
*) lex Uotliar. 197. 379 sfriga, <jiiod est ntasca^ vgl. talamasca
8.512.513, das wol besser hexe als gespenst gc M^utet wird.
") l)erühi-t sidi da» srhwed. hagla? (schwed. abergl. 71.)
'••) »Vics dciy mei = ag«. dag, mag, ahd. t^c, inac.
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HEXEN 587
zauheiionen zu mengen.*) Bilu>iz^ helewitte 8.266.267.
Die alln. namen der riesinnen, zumal skass, stessa, flcigd
(s. 302) werden ebenfalls auf hexen angewandt. Besondere
benenuungen sollen hernach noch angeführt werden.
Das christenthum hat den begrif zauberübender wei-
ber als heidnischen vorgefunden , aber vielfach verändert,
bis auf die jüngste zeit ist in dem ganzen hexenwesen
noch ein offenbarer Zusammenhang mit den opfern^
volksversamlungen und der geisterivelt der alten Deut*
sehen zu erkennen. Dieser satz, aus dem sich die Unge-
rechtigkeit und Ungereimtheit der spateren hexenverbren-
nungen von selbst ergibt, mufs vor allem bewiesen werden.
Schon unsere ältesten volksrechte, zumal das salische,
wissen von Zusammenkünften der hexen zum kochen.
lex sal. cap. 67 ist als ehrenrührigste schelle hervorgehoben,
dafs ein mann hexenkesselträger gcheifsen werde : *si quis
alterum chervioburgum , hoc est strioportiuni clamaverit,
aut illum qui inium dicitur portasse, ubi strias (d. h.
Striae) cocinant? diervioburgum Jiabe ich RA. 645 zu deu-
ten gesucht, wer sich hergibt den hexen ihr geräth zu
tragen wird mannern verächllich ; er kann auch'blofs strio-
portius, hexenlräger heil'sen, sie Jiaben ilm dazu gedungen,
eines solchen kesselträ'gers erwähnen freilich die jüngeren
lioxensagen nicht, zu ihren versamlungen nehmen sie
aber häufig einen spielmann, der ihnen zu mahlzeit und
tanz aufpfeifen mufs, ohne gerade theilnehmer der Zaube-
rei zu sein, und dieser liefse sich jenem handlanger ver-
gleichen. Die worle ^ubi Striae cocinant (andere hss. co-
quinant, cucinant, die lex emend. fehlerhaft concinunl)
setzt gemeinsames kochen und sieden mehrerer Zauberin-
nen voraus. Im Macbeth kommen drei hexen, die aber
noch welrdsisters (s. 229) heifsen, also an die alte bedeu-
tung von drüt (s. 238) erinnern, auf einer beide und in
einer hole zusammen, um in ihrem cauldron zu sieden,
sie sind weniger teuflische zauberweiber, als Schicksal ver-
kündende weise frauen oder priesterinnen, die aus dem
kessel w eissagen (s. 33. 34.)
Die shakspearischen hexen gleich neben den allen
Wahrsagerinnen der Cimbern, neben den strigen des sali-
schen gesetzes zu nennen scheint gewagt; es gibt aber
hier noch andere anknüpfungspuncte der ältesten an die
jüngere zeit.
*) sind znauheln (aiiti. 8. L) lieveii?
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588 HEXBN SALZ
Cap. XV bei abliaudlung des lieilaw^c Labe ich mit
vorbedacht die Salzquellen unerwälint gelassen, um ihre
heiUgkeit hier iu uumittelbare beziehung auf die spätere
hexerei bringen zu können. Tacitus , in einer vielfach
wichtigen stelle, ann. 13, 57 berichtet: eadem aestate iiiter
Hernainduros Chattosqiie certatum magno praelio, dum flu-
men gigueudo sale foecundum et conlerminum vi trahunt;
super libidinem cuncta armis agendi religione insitaj eos
maxime locos propinquare coelo, precesque mortalium a
deis nusqualn propius audiri. inde iudulgentia numinum
illo in amne illisque silvis, salem proi^enire, non ut
alias apud gentes eluvie maris arescente, sed unda super
ardcntein arborum struem fusa, ex contrariis inier se ele-
mentis igne atque aquis concrelum. *) Solclier salzhaltigen
ilüsse gab es nun schon damals in Deutschland ohne Zweifel
manche und es lafst sicli kaum bestimmt sagen, welcher hier
gemeint isU**) sie quollen auf bergen, iu heiligen wäldem,
*) sed bellum Hermunduris prospemm, Cliattis exitio fuit, qim
Tictores diversam aciem MartP ac Mercurio «acravere : quo voto equi,
vir! , cuTicia yicta occidioni dantur. et miiiae quidem 4iostile8 in ipsos
vertebant. Dieser merkwürdigen worte (s. 2T. 85) sinn ist : die Cfiat-
ten auf den fall des siegs hattgn das feindliche fieer (diversam ariem)
dem Mars und Mercur geweiht; dies geiühde verbindet, pferde, mäa-
ner» alles lebendige was besiegt worden ist, zu opfern, mit dem Vo-
tum hatten die Chatten gedroht, der siegende feind erfüllte es als das
seinige. man darf nicht annehmen, dafs von beiden tlieilen, am wenig-
sten dafs von den Hermunduren dem Mars, von den Chatten dem
Mercur gelobt worden war; dann stände der schlufs müfsig. aoch
scheint mir die eigenthümlichkeit des grausamen gelübdes eben darauf
EU beruhen, dafs es beiden siegverleihern (8.131.95) zugleich gcicliah,
vielleicht fielen Wuotan die mäiiner, Ziu die frauen, kinder und liiiere
anheini , nichts durfte leben bleiben, wäre nur einem gott gelobt wor-
den, so hätte sich dieser an einem theile der beute genügt, darum
bemerkt auch Tacitus, dafs ein solches gelöbde besonders verderblich war.
Aus der stelle ergibf sich dafs Ziu und Wuotan bei den Chatten ond
Hermunduren verehrt wurden ; römische Vorstellungen von Mars ond
Mercur liegen hier ganz fern, sollten die rosse vor den männern
genannt sein, um auszudrücken, dafs jene dem Ziu, diese dem Waotaa
sufallen? denn dem Mars werden ja thiere gebracht (Germ. 9.) eil
wichtiges Zeugnis für die bedeutsamkeit und häufige anwenduog der
pferdcopfer.
**) auffallend, wie sich in benennungen der salzflusse und örter
gewöhnlich die wurzeln hal und sal begegnen, die ursprünglich beide
deu heiligen stof ausdrücken («A?, uXoq und sal, salis; beim Wechsel
zwischen H und S scheint jenes oft altertliümliclier oder deotsdier,
vgl. die Partikel ham, sam; haso, sasa; hveits, av^tas.) Halle an
der Sale in Sachsen, Halle im Ravensbergischen , Hall am Kocher
(sieder?) in Schwaben, Hallein an der Salza \i\ Baiern, Hell «od
Hallst adt in Ostreich, Hall im tiroler Innthal und andere örter »cht
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HEXEN SALZ 589
man belraclilete ihren ertrag als der nahen gottheit unmit-
telbare gäbe, der besitz der stätle schien eines blutigen
Krieges werlh , die gewinnung und austheihuig des salzes
ein heiliges geschäft; wahrscheinlich waren Opfer und Volks-
feste mit dem salzsieden verbunden?
Wenn nun etwa frauen odfer priesterinnen die berei-
tung des salzes verwalteten , wenn der sa/ztessel unter
ilirer aufsieht und sorge stand; so wäre ein Zusammen-
hang des salzsiedens mit der späteren volksansicht von der
hexerei nachgewiesen : an gewissen festtagen stellen sich die
hexen in dem heiligen wald , auf dem berge ein , wo das
salz sprudelt, kochgerathe, loffel und gabeln mit sich füh-
rend ; nachts aber glüht ihre Salzpfanne. *) Diesen Ver-
mutungen zu statten kommt ein gedieht der wiener hs.
428, 154^ von Slriker oder einem seiner lands und Zeit-
genossen^, welches ich hier einschalte.
Ich bin gewesen ze Portig^l
und ze Dol<^t sunder twäl,
mir ist kunt KalatrA daz lant,
d& man di besten meister vant.
ze Choln und ze Paris
d& sint di pfaffen harte wfs
di beizten vor allen riehen.
dar fuor ich wserlichen
niwan durch diu maere,
waz ein unholde waere?
daz geh<)rt ich nie gelesen,
waz ein unholde müge wesen.
daz ein wip ein chalp rite,
daz wseren wunderliche site,
ode rit üf einer dehsen,
ode üf einem hüspesem
nach salze ze Halle fuere ;
ob des al diu weit swüere
doch wolde ich sin nimmer gejehen,
ich enhet ez mit mlnen ougen gesehen ,
wand sd würde uns nimmer tiure
daz salz pon dem ungehiure»
haben salzbninnen und salzwerke; sowol der name Halle als Sala,
Salzaha beziehen sich auf das salz, warum aber haben flusse die S,
Städte die H form ? Soll halle blofs die hätte oder kote (taberna) be-
zeichnen, welche zum betrieb der saline gebaut ist (Frisch 1, 401),
so würde dieser allgemeine sinn fast auf alle dörfer passen , in denen
hätten stehn.
*) ahd. salzsnti (salina) salzsi^t, ags. sealtse&dh (salzbrunne.) nach
einer stelle l>ei Ihre s. v. seid liefse sich dieser ausdruck (vorhin s.
583) unmittelbar auf salzsieden beziehen; statt salis cdctura ist aber
Bu lesen talis coctura.
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590 HEXEN SALZ
ob ein wfp einen o^enstap über soJirite
und den gegen Halle rite
über berge und über tal ,
daz si taete deiieinen val,
daz geloiibe ich niht, swer daz seit,
und ist ein verlorniu arbeit;
und daz ein wip ein sib tribe
gunder vleisch und sunder übe (?),
da niht inne waere,
daz sint ailcz gelogniu maere.
daz ein wip ein mau über schrite
und im sin herze üz snite,
wie zseme daz einem wibe,
daz si ein herze sitit üz einem übe
und stieze dar tn strd,
wie möliter leben ode werden fro?
ein mensche muoz ein herze liaben,
ez iiabe saf od %{ beschaben.
Ich wil in sagen maere,
waz sin relite unholdare:
daz sint der herren rätgeben
di ir ^re furdeni soiden und leben,
di.^iflent in zuo den 6ren
und machent si ze toren,
si niezent ir erbe und ir lant
und tdzent och si zfi haut
sclieiden von ^ren u. von guote
von vröuden u. hdhem muote.
ditz ist ein wdrez msere:
di selben unholdtere
di sougent üz herze unde blnot ^
daz vil mangem herren schaden tuot.
Unter Halle ist hier wahrscheinlich das östreichische oder
bairlsche gemeint, und damals hcrsclitc in jenen gegeudeo
also noch der Volksglaube, dafs die uuholdeu auf beseo,
ofet)£abel oder reis (Schm. s, V. dächsen) über berg und
thal gen Halle ritten. Wähnte mau, dai's sie sich dorther
ihren salzvorrath nach haus holten? fast scheint es au^
den Worten zu folgern: wenn ilim so sei, würden sie
ihren nachbarn das salz nicht theuer machen (wegnehmen.)
Da auch Christen kraft und nolhwendigkeit des salzes an-
erkannten, so begreift es sich, wie nun luiigekehrt den
teuilischen kexenversaniluugen das wollhätige sals abge-
sprochen und als siclierungsmittel gegen alle Zauberei an-
geschn werden konnte (abergl. no. 182.) denn der hexen-
küclie und den teuflischen mahlzeiten felilt gerade das sak;
die kirche halle jetzt die heiligung und weihung des salzes
übernommen.
Stand aber die altheidnische Zubereitung und austhei-
lung des geheiligten salzes in bezug auf opfer und volks-
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HBXBNFART 591
versamlungen , welche häufig mit einander verbunden wa-
reu , 80 lehren und bestätigen ihn auch alle übrigen eigen-
thiimllchkcilen der hexentarten, zeit und ort lassen sich
gar nicht anders erklären.
Es ist bekannt, dafs allgemein in Deutschland ein jähr-
licher hauptauszug der hexen auf die erste mainacht
(Walpurgis) angesetzt wird , d. h. in die zeit eines opfer-
festes und der allen maiversamlung des volks. Am ersten
mai wurden noch lange Jahrhunderte vorzugsweise die un-
gebotnen gerichte gehalten (RA. 822. 824) , auf diesen tag
fiel das frühliche maireiten (s. 449. 450) : der tag ist einer
der hehrsten des ganzen heidenthums. Werden aber zwei
oder drei hexenfeste genannt, zu pfingsten und im herbst,
auf Walpurgis, Johanuis und Bartholmaei, so erscheinen
wiederum die üblichen gerichtstage des mittelalters. dä-
nische hexeuprocesse nennen Valdborg aften, S. Hanö aften
und Maria besügelsesdags aften. Seine ehrliche gerichts-
zeit hätte das volk nicht den hexen eingeräumt, wären
diese nicht in althergebrachtem besitz gewesen.
Noch deutlicher zu trift die örtlichkeit, die hexen
fahren an lauter platze, wo vor alters gericht gehalten
•wurde oder heilige opfer geschahen, ihre versamlung fin-
det statt auf der wiese , am eic/iwasen, unter der linde^
unter der eiche j an dem birnbaum, in den zweigen des
baums sitzt. jener spielmann, dessen htlfe sie zum tanz be-
dürfen, zuweilen tanzen sie auf dem peinlichen richtplatZj
unter dem galgenbaurn. Meistens aber werden berge als
ort ihrer Zusammenkunft bezeichnet, hügel {an den drei
biihelri , an den drei köpchen) oder die höchsten puncte
der gegend. der ruf einzelner hexenberge erstreckt sich
über ganze reiche, wie nach güttern, opfern, gerichten
liolie berge benannt sind, fast alle hexenberge waren alte
opferberge (s. 35. 36), malberge (RA. 801. 802), salzberge.
Ganz Norddeutschland kennt den Brocken^ Brocks oder
Blocksberg *) f des Harzes höchste spitze, als hauptver-
samlungsort der hexen, ein beichtbuch des 15 jh. redet
von den Zauberinnen, Mie uf den Brockisberg varen'
(Hoffm. zeitschr. 753); ich kenne kein früheres zeugnis
für den sicher in weit ältere zeit reichenden Volksglauben.
■•) mons hructerus! aber Brocterer wohnten nie dort, sondern an
der westfälischen Lippe; grundlos beziehen andere den namen Meli-
bocus auf den Brocken, welche form ist die älteste urkand liehe?
Stieler 160 schreibt Brockersber^ ; andere Brockelsherg ^ Block :rsberg\
Blocksberg (brem. wb. s. v. bloksbar<2:) kann durch blofse erweichunjir des
R iu L entsprangen sein, und berührt sich kaum mit dem schwed. Blukulla.
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592 HEXENFART
gerichtsplätze wird im MA. der Harz nielir als einen gehaM
Laben, eine Salzquelle hat er noch heute zu Juliushalle
im amt Neustadt. Die übrigen hexenstatten vennag ich
nur unvollständig aufzuzählen. Man nennt noch den Hui-
berß bei Halberstadt; in Thüringen fahren sie zum Hör-
selber g bei Eisenach, oder zum In selber g bei Schmai-
kalden; in Westfalen zum Köterberg bei Corvei, zum
Pf^ec'kingsstein (Wedigenstein , wo Wiltekind oder AVit-
tich hauset) bei Minden; in Schwaben zum Schwarzwald
oder zum Heuberg bei Balingen; in Franken zum Stah
feistein bei Bamberg, vermutlich hat auch der Fichtelberg
und das schlesische Riesengebirge eigne hexenürter. Der
schwedische Sammelplatz heifst BlSlnlla (nach Ihre ein
meersfelsen zwischen Smäland und Oland, wörtlich schwar-
zer berg, welcher name noch andern gebirgen zustehen
mag) *) , und Nasajjäll (in Norrland.) auch die norwe-
gischen hexen faliren nach Blaaholle, ferner auf Dot^re-
jjeldj auf Lyderhorn (bei Bergen), Kiärru in Tvedsogn,
nach Vardö und Domen (in Finmarken), alle solche sam-
melorte heü'sen balvolde (böser wall, campus malus.) Ib
Dänemark sagt man *fare til Hekkeljjelds (s. 561) d. i.
zum isländischen berge Hekla (Heklufiall); auch *ride üJ
Trums ^ fare til Troms^^ d. i, nach Trommenfjeld , einem
berge der norwegischen insel Tromsö, ganz oben an der
Finmark. Die neapolitanischen strpghe versammeln steh
unter einem nufsbaum bei Benevent, das volk nennt es
die beneven tische hochzeit ; gerade an diesem ort stand jener
beilige bäum der Langobarden (s. 69. 373), hier hängt dir
hexerei wieder deutlich an allheidnischem cultus. italieni-
sche hexenberge sind der Barco di Ferrara, der Patentf*
di Bologna, Spinato della Mirandola, Tossafe di Berganic,
und ein berg : la croce del pasticcio , dessen läge ich nicht
weifs. In Frankreich wird der Puy de Dome bei Clemiont
in Auvergne ausgezeichnet, andere landschaften haben an-
dere berge. Die spanischen hechizeras halten ihren tanz
auf der heide von Baraona, im sande von Sevilla, iw
gefilde von Cirniegola. die serbischen hexen na pomctno
guvno (der gekehrten tenne), wahrscheinlich auf einem ho-
hen berg; die ungrischen auf Kopasz tetöy (dem kahlen
Scheitel), einer spitze des tokaier Weinbergs**); ein theil
•) nach Joh. Westhovius praefat. ad vitas sanctor. hicfi eine wiid
nnd wettermacliende nieerfrau Blakulla ,• Amkiel 1 , 35 stellt eiw
nieergöttin Blak^lU auf.
**) Szirmai notitia comitatus zempleniensii. Bndae J803« p.3«
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HEXENFART 593
der Carpatlied zwisclien Ungern und Polen halfst poiu.
habia gora (allweiberberg) , ich kann nicht sagen, ob da-
hin hexenfeste verlegt werden? auch die Kormakssaga p.
76. 204. 222 nennt eiu Späkonufell (berg der weisen frau.)
Merkwürdig, wie durcli ganz Europa hin die wallfarten
der Heiden zu opfern und festen von dem christenthum
in einförmige, überall ähnliche zauberet umgewandelt wer-
den, hat sich die Vorstellung dieser Zauberei unter jedem
Volk von selbst gestaltet? oder ist irgendwo der ton ange-
geben worden , und von da aus weiter vorgedrungen ? *)
Dafs schon nach heidnischen begriifen die Zauberinnen
nächtlich ritten ergibt sich aus der eddischen benennung
qpeldridha (abendreiteriu) Saem. 143*» und myrkridha
(dunkelreiterin) Saem. 77% worunter ungeheure, übelthätige
riesenweiber gemeint sind, auf deren Vernichtung die hel-
den ausgehen, Atli sagt 'hefi ec qvaldar qveldridhor', ich
habe die hexen gelödtet. ihr ritt hiefs gandreidh (vectura
magica), sie sollen wölfe bestiegen und mit schlangen
gezäumt haben. **) Nirgends wird erzählt , dafs sie an
bestimmten platzen haufenweise zusammen gekommen seien,
noch weniger werden berge als solche orter bezeichnet.
Im innern Deutschland lassen sich mehrfache abslu-
fungen nachweisen, vor dem christenthum mögen auch
hier die alten riesinnen (eteninnen) zauberfrauen gewesen
sein, wie in unserm heldenbuch noch eine solche erscheint
(s. 324.) Seit der bekehrung bindet sich die Zauberei an
die heidnischen götzen ,. aber noch nicht gleich an den
teufel, dessen idee kaum unter dem volk zu wurzeln be-
gann. Die hexen gehören zum gefolge ehmaliger göt-*
tinnerij die von ihrem stul gestürzt, aus gütigen, angebe-
teten Wesen in feindliche, gefürchtete verwandelt, unstät bei
nächtlicher weile umirren und nur heimliche, verbotene
Zusammenkünfte mit ihren anhängern unterhalten. Wenn
auch der grofse häufen für die neue lehre gewonnen war,
einzelne menschen blieben eine Zeitlang dem alten glauben
*) bei nächtlichen bergrersamlungen konoeil noch andere beid-
niflche vorstellangen berücksichtigt werden« riesen und elbe hausen anf
bergen, Piinias 5« 1 sagt vom Atlas in Manritanien: incolarnm nemi-
nem interdiu cerni, silere omnia — noctibus micare crebris ignibus,
Aegipanum Satyrorumque lascivia impleri, tibiarum ac fistolarum cantu,
tjmpanorum et cymbalorum sonitu strepere.
••) 'fan tröHkono, sd reidh vargi ok hafdhi orma i faumom*
Ssem. 146«; 'Hyrrokin reidh t^argi oc hafdi h&ggorm at taumum?
Su. 66; ^b Jörnen den sa red hon uppä, ulfven den hade hon tili sadei
derpä, och ormen den hadd hon tili piska.' av. vis. 1, 77.
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594 HBXBNFART
treu,- und yerricliteten insgeheim ihre heidnischen gebrSache.
Von solchen heidlnnen gieng nun künde und überlleferoD^
unter dien Christen, die dänionologie des alterthums misdite
sich hinzu, und aus Wirklichkeit und einbildung erzengte
sich die Vorstellung nächtlicher hexenfarten^ bei welchen
aUe greuel der heidenschaft fortgeübt würden.
Zauberer und Zauberinnen schlössen sich also Eunädist
an den gespenstigen zug der gottheiten, an jenes lautende
heer^ dem man elbische und böse wesen aller art zuge-
sellte. Zauberinnen aber musten vorzugsweise göttinoen
beigeordnet werdeli, aus welchen die bekehrer eine römi»
sehe Diana oder jüdische Herodias gefabelt hatten, dene*
jedoch das volk die hergebrachte, einheimische benennimg
nie ganz entzog. "Wie nahe lag es, \venn frau Holda
Seine celtische Abundia) vormals im i^igen der elbe und
lolden erschienen war, sie nun selbst in einie unhoUt
zu verkehren und von unholden geleiten zu lassen.
Zu der entwickelten ansieht stimmt vollkommen, dafs
der thüringische Horselberg aufenthalt der Sblda und
ilires heers (s. 257. 524. 539), zugleich aber sammelort
der höxen war (s. 592.) Keisersberg (omeifs 36. 40) läfst
die nachts fahrenden weiber nirgend anders als im Venut-
herg (s. 536) zusammenkommen, wo gutes leben, tanzen
und springen ist. Noch entschiedneres gewicht haben aber
die im anhang s. XXXIII. XXXIV. XXXVI. XLII beige-
brachten stellen , aus denen hervorgeht, dafs bis ins zehnte,
vierzehnte jh. nacht jrauen im dienst der frau Holda xu
bestimmten nachten auf thieren durch die lüfte streidieo,
ihr gehorchen und ihr opfern, von einem bund mit dem
teufe! aber durchaus noch keine rede ist. Ja diese nacht-
frauen, blanken matter , dominae nocturnacj bonnes da-
mes (8.178. 179), bei Hincmar lamiae sive geniciales Je-
rninae waren ursprünglich dämonische, elbische wesen, die
in frauengestalt erschienen und den menschen woltbaten
erwiesen; Holda ^ Abundia^ welchen noch ein dritter
theil der ganzen weit unlerthänig ist (s. 174 — 176), füh-
ren den tanzenden reigen an, aus dem luftigen elbentanz
(s. 264) dem hüpfen der irlichter (s. 513. 514)*) leite ich
die idee der hexentänze hauptsächUch ab ; wenn auch die
festtänze heidnischer maiversamlungen mit dabei angeschla-
gen werden können. Herodias ist wahrscheinlich zugexo-
gen, weil sie spiel und tanz übte. In diese geisterhafte
schaar versetzte nun der christliche volkswahn zugleich
*) das irlicht heifst hexentanz (Scbiii.2, 148) imd slovea. veflui (hexe)
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HEXENPART 595
auch menschliche Zauberinnen y d. li. dem heideutlmin
auLangige, übelberüchtigte frauen, alte fantastische w eiber.
aiihang s. XXXIII : 'et si aliqua Jernina est, quae se dicat,
cum daemonum turba in similitudinem mulierum translor-
niata certia nociibus equitare super quasdam bestias, et
in cor um (daemonum) consortio annumeratam esse', und:
'quaedam sceleratae niulieres retro post Satanam couversde,
daemonum illusionibus seductae, credunt se novtiirnia ho--
vis cum Diana Paganorum dea vel cum Herodiade et in-
numera multitudine mulierum equitare super quasdam
bestias f et multa terrarum spatia intempestae noctis
silentio pertransire^ ejusque jussionibus vehit dominae
obedire, et certis noctibus ad ejus servitium evocari?
So dachte man sich damals *) die hexenfarlen , und die
gewis noch heidnischen benennungen nahtfard^ naht*
frou^äj rtahtritd kamen ganz mit jenen altn. qvcldridha,
inyrkridha überein. ich vermag sie freüich erst aus dem
13 jh. aufzuweisen: Wh. 1, 82* *wil der (Machmel) helfe
sparu, SU helfen in die nahtuarn^ daz sint alder wibe
troume'; Ls. 3, 10 *ez konde niemen bewaru, ich müe»
eine uz farn mit der nahtfroutven (der göttin); dö
sprach ich zuo mime gesellen: als schiere %\S ez naht wirt^
diu vart mich niht verbirt, ich sol liden gröze not, bezzer
waere mir der tot. ist aber daz mir wol ergat, so kum
ich umb die hankrdt, des enweiz ich aber niht. min triu,
du solt mir ein lieht kleiben hin an etewaz, daz ich kunne
dester baz komen her wider hein: kleibez an einen stein
oder kleibez an die want.' in dieser zweiten stelle ist
merkwürdig, dafs die frau dem einfältigen mann ihre an-
gebhche ausfahrt als ein schwieriges, unvermeidliches un-
ternehmen scliildert. **) Bei Vintler (anh.LVIIl) heilst es:
*8o farent etlich mit der (nacht)far auf kelbern und auf
pecken durch stein u. durch stecke.' kälber und bocke
*) das barchardische excerpt kann weder herrühren aus dem an-
cyraniscben concil , dessen drucke und hss. die stelle nicht haben, noch
weniger von Augustin, wie Tiedemann meint (de magic. art. origine
p. 91 , ohne citat.) Augustins angebliche worte stebn im tractat de
»piritu et anima cap. 28 (mit hinzufugung von W Minerva^ liinter
Herodiade), allein die ganze sclirift ist untergeschoben (opera ed.
Beued. Autv. 1701. 6, 525.) Regino bleibt also ältester gewährsmann,
dann folgen Burchard im eilften, Ivo (11, 30) und Gratian im zwölf-
ten jh. Die stelle soll auch in einer ungedruckten vita Oamasi papae»
deren alter schwerlich hoher hinaufsteigt, zu treffen sein.
••) unter nachtmar (uachtpferd) versteht man nicht die ausreitende
hexe, sondern eine den schlafenden drückende^ reitende eibin (s.262.
abergl. 878.)
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&96 HEXEN
sind also jene 'quaedam bestiae\ Ich will bier noch aa*
dere entscheidende Zeugnisse aus französischen gegenden
über die bes'chalfenheit der nachtfarten beifügen , alle dem
13 )h. gehörend, man wird ihre analogie nicht verkoineji.
Die acta sanct. 31 jul. p. 287^ schöpfen aus einer pergasL
hs. d( s 13 jh. folgendes, was in den älteren lebensbeschrei-
bungen des Germanus fehlt, aber auch in die legcnda aurt»
cap. 102 eingegangen ist: hospitatus (sauctus Germaoos
autissiodorensis) in quodam loco, cum post coenani Herum
nterisa pararetur , admiratus interrogat cui denuo praepa*
rarent? cui cum dicerent» quod bonis illis midieribus^
quae de nocte incedunty praepararetur , illa nocte statuit
S. Germanus vigiiare. Et ecce, videt multitudinem daemo*
num in mensa, in forma hominum et muUerum venienteBi.
Qui eis praecipieus ne abirent, cunctos de familia exultavit,
inquirens^ si personas illas cognoscerent? qui cum omnes
vicinos suos et vicinaa esse dicerent misit ad dumos sin-
gulorum, daemonibus praecipiens ne abirent. £t ecce?
omnes in suis lectulis sunt inventL Adjurati igitur se dae-
mones esse dixerunt, qui sie hominibus illudebant. Guiliel-
mus alvernus p. 1066: idem et eodem modo sentienduia
est tibi de aliis malignis spiritibus, quos vulgus ^trygti
et lamias vocant, et apparent de nocte in domibw,
in quibus parvuli nutriuatur, eosque de cunabulis rapto^
lauiare vel igiie assare videntur« apparent autem in speck
vetularuni. Vetularum autem nostrarum desipientia opi-
nionem istam mirabiliter disseminavit et provexit atque am-
mis mulierum aiiarum irradicabiliter infixit. Simlliter et
de domifiabua nociurnis, quod bonae mulier es sint, ei
magna dona domibus quas frequentent per eas praesteottir
mulieribus potissimum persuaserunt ; et ut ad unum dican
pene omnes reliquias idololatriae retinuit et reser\'avit et
adhuc promovere non cessat aniiis i^ta fatuitas. Vinceii-
tius bellov. spec. mor. 111. 3, 27: cum in quadam parodiia
homines talibus crederent, quidam ribaldi transfigiira-
verunt se in simililudinem mulierum ^ earum assumio
habitu, et domum cujusdam divitis rustlci cum tortih
(fackeln) intrantes et choreas ducentes suppressa voce cane-
bant gallice 'uuem prenes, cent en rendres*, latine: uniiffl
accipite, centum reddite! et sie in ocuiis rustlci domam
ejus evacuaverunt omnibus bonis dicentis uxori suae: 'tace,
et Claude oculos, divites erimus, quia bonae res*) saot.
et centuplicabunt bona nostra.' Ferner derselbe: cum quae-
*} guoiiu wihtir (s. 247), vgl. unrechte dinge (s. 581), sanbcfti
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HEXEN 597
dam velula volena blandire 8iio sacerdotl dtceret ei in
ecclesia: doniine, miiltiiin me debctis diligere, qiiia liberavi
V08 a morte: quia cum ego vadebam cum bonia rebu^,
media nocte intravimus domfim vesiram crrm lumina^
ribusy ego videns vos dorniientem et riiiduni, cooperui
V08, ne dominae nostrae viderent iiuditalcm vestram, quam
8t vidissent ad mortem vos flagellari fecissent» Quaesivit
sacerdos, quomodo intraverant domum eju8 et cameram^
cum essent fortiter seratae? tunc ait illa, quod bene in-'
trabant domum januis clausis. Sacerdos autem vocans eam
intra cancellum, clauso ostio verjberavit eam cum baculo
crucis dicens ^exite hioc, domina sortilegaP et cum non
posset exire, emisit eam sacerdos dicens; *modo videtis quam
fatuae estis, quae somniorum creditis vanitatem.' Gervasius
tilberiensis 3^ 85: lamiae dicuntur esse mulieres, quae
noctu domos momentaneo discursu penetrant ^ dolia vel
cophinos, cantharos et olias perscrutantur, infantes ex cunis
extrahunt^ luminaria accendunt, et nonnunquam dor«-
mientes affligunt. 3, 93 versichert er irauen gekannt zu
haben, welche behaupteten: se dörmientibus viris suis cum
coetu lamiarum celeri penna mare transire, mundum
percurrere, et ei quis aut si qua in tali discursu Christum
nominaverit, statim in quocunque loco et quantovis pe-
riculo fecerit; corruere. so sei einmal eine in die Rhone
niedergefallen, scimus quasdam in forma cattorum a fur-
tive vigilantibus de nocte visas ac vulneralas in crastino
Yulnera truncationesque ostendisse. Also, die hexen ziehen
im nächtlichen reigen gütiger frauen, denen der mensch
tische deckt, wie besuchenden feen und elben (8.231.233.
anh, XXXVIII), weil sie glück bringen und vervielfachen,
das hausgerälhe untersuchen, die kinder \n der wiege seg-
nen, heidnisch war dieser aberglaube, denn Christi name
durfte nicht ausgesprochen werden; allein für teuiUsc]i
galt er nodi nicht.
Was aber diese mildere, den teufel aus dem spiel las»
sende erklärung des hexenwesens^, wie mich dünkt, vol-
lends bestätigt sind die im anhang abgedruckten Jormeln,
gröfstentheils geschöpft aus acten der letzten jhh., als in
der Volksmeinung das band zwisch'en hexen und teufel längst
entschieden war, beziehen sie sich nie auf teuflische, über»
bU auf elbische oder gar christliche Verhältnisse, zum
theil mögen sie von hohem aller, heidnisches Ursprungs
lind durch lange mündliche Überlieferung fortgepflanzt wor-
den sein, ihre heilende oder schadende kraf^ beruht auf
dem glauben an elbe und geinter j deren stelle später
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598 HEXEN
engel un3 heilige nanien vertreten, wie alb und eibin,
vswerg und iwergin^ hilti>iz und hilwizin (s. 265) auf-
gerufen werden, stehu in der alten ags, forme! (anb. s.
CXXVn) ^sa gescot, ylfa gescot und hägtessan gcKol
nebeneinander. Solche fornieln , deren worte den hexen
des 16. 17 }h. längst nnversländlich sein uiusleu , häneiii
allein schon die Ungerechtigkeit der wider sie erfaoboeD
anklage darthun können.
Die allmäliche eindrängung des teujels erläutert sei
leicht, sein begrif war den Deutschen ursprünglich frcni
sie hatten ihn schon frühe durch Übertragung auf ein weib-
liches wesen zu popularisieren gesucht (s. 553. 554.) Um-
gekehrt aber muste nun alles was sie von frau HoUa
erzählten, da mit der zeit die christliche Vorstellung eines
männlichen teufeis überwog, auf ihn an'wendung finden.
Aus der botmäfsigkeit und dem gefolge jener unholden nachl-
frau traten die hexen über in die gesellschaft des teufeli,
dessen sirengere , schärfere natur das ganze Verhältnis in
ein bösartigeres, sündhafteres steigerte. Jene nächtlicben
zauberfarlen beruhten noch auf der gemeinsamen unl«"-
würiigkeil, welche der alten göttin gebührte; jetzt entspran?
die idee eines buhlerischen bündnisses zwischen dem teu-
fel und jeder einzelnen hexe.
Faden des Zusammenhangs lassen sich zwar auch bier
nachweisen. Geisterhafte wesen konnten in nähere xnA
vertrautere läge zu den menschen versetzt werden; ein
ganzes elbisches geschlecht bindet seine Schicksale nachbar-
lich an das heil oder unheil eines menschlichen, hausgeister
widmen sich dem dienst eines menschen , dem sie mit ei-
gensinniger, überlästiger Ireue anhängen (8.292); aDein
diese Zuneigungen werden weder durch formlichen bund
hervorgebracht noch sind sie dem menschen gefährlich,
ein gleich zartes unschuldiges Verhältnis besteht zwiscb«
ihm und seinem angebornen schützenden folgegeisl (s. 509-1
Indessen sind die teufel der hexen den kobolden auifallentl
ähnlicli in der bildung ihrer eigennamen und man kaon
kaum etwas anders annehmen, als dafs fast alle teufelsoa-
men dieser art aus älteren volksmäfsigen benennungen d^
kobolde und elbe entsprungen sind.'^) Mit den naoiefl
\
•) hexenprocesse des 16. IT jh., aus den verschiedensten gef«»-
den, erget)en mir folgende teufelsnamen : janker Hans, $i*hönh*i^
Grauhans (vgl. Graumann s. 556) , Grünhans, Hans vom busch, Heit-
rieh, Grauheinrich, Hinze, Kunz. Künzchen (vjjl. Kneni s.562>, Teut-
cheii, Nickel, Grofsiiickel, Merteii , Dewes, Hemmerliu, junker St<»C
Junker Hahn, Göckelhahn, Schubbert, J&ngling, Schöne, Wol^aet,
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HBKBN 599
des }üdi8chen oder christlichen teufcls haben sie gai* nichts
gemein , aufser mit den s. 553. 562 angeführten, selbst ko-
boldisclien. *)
Liebeshändel unter geistern und menschen werden
durch ihren traulichen umgang herbeigeführt, niemals ge-
schieht meidung von koboldinnen , nie wird erzählt, dafs
kpbolde frauen nachstellen, elbe hingegen stehlen Jung-
frauen, und männer leben in heimlicher liebe mit eibinnen.
Aufser dem dafs Eiberich Otnits mutter unsichtbar bewäl-
tigt erinnere ich mich aber keines beispiels von buhlerei,
wie sie allen hexensagen zum grund Hegt. Die Vorstellun-
gen von incuben und succuben scheinen mu* undeutsches
Ursprungs, obwol sie sich nachher mit denen vom alb
und nachtgeist vermengt haben. Dem späteren begrif der
hexen ist unzüchtige buhlschaft wesentlich, sie besiegelt das
geschlossene bündnis und sie verleiht dem teufe! freie
macht über die Zauberinnen, ohne diesen greuel kommt
überhaupt keine hexe vor.**)
Es fragt sich, zu welcher zeit hexenbünduisse und
buhlschaftea 9iit dem teufel am frühesten in Deutschland
Wegetritt, Bliimchenblan, Lindenzweig, Lindenlaiib, Grunlaub, Eichen-
laqb, Grunewald, Zumwaldfliehen , Birnbaum, Bimbaumchen , Rauten-
stninch, Buchsbanm, Stutzebusch, Stutzfeder, "Weifsfeder, Straufsfeder,
Federbusch, Flederwisch, Kehrwisch, Straufswedel, Grunwadel, Spring-
insfeld, Allerleiwollust, Reicheher, Leidenotb, Hintenhervor» Machleid,
Unglück, Schwarzburg, Dreifufs, Kuhfufs, Kuhhörnclien, Dickbauch,
französische acten nennen: maistre Persil, Verdelet, Yerdjoli, Jolibois,
Saotebnisson a. a. Entweder menschliche namen , wie sie heidnischen
geistern beigelegt werden, oder von blomen, taub nnd federschmuck
Hergenommen , wie sie sich für waldelbe schicken , oder von lustigem,
traurigem aussehn, und der satyrgestalt (s. 556.) Schöne, Jungling und
Junker (vgl. junker Volland s. 555) deuten auf liebliche elbische bildung,
grüngekieidet ^ gleich dem teufel, sind die nordischen huldre (Faye
p. 42.) Unter allen nameii, den die hexen bekennen, ist keiner häu-
figer als Flederwisch (Voigts abh. 62. 68. 69. 105. 109. 113. 129) und
M> wird in volkssagen ein kobold geheifsen (Jul. Schmidt 158.) auch
Bausch kommt vor, ein berühmter koboldsname (s. 259.) Junker Stof
ist vielleicht gleich jenem Stöpchen (s. 561) aus Christoph mit bedeute
samer kürzung der ersten silbe zu deuten? in salzburger hexenpro-
cessen Stöpliel, Die italienischen stregiie nennen den teufel Martinello
oder Martinetto.
*) selten heifst der buhier Lncifer oder Belzebok (trier. act. 1 1 4,
wo ich den namen jamer für teufel nicht recht verstehe; der leidige?
von Jammer, leid? oder elend, epilepsie?)
**) das griecli. altertlium hatte seine fabeln vom Umgang der göt-
ter mit sterblichen (s.200), unser heidenthum von Verbindung der heU
den mit schwanfraueu und eibinnen; zuletzt konnte die weit rohere
Vorstellung eines wirklichen Verkehrs des teufels mit mensclien glau-
ben finden !
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600 HEXEN
erwähnt werden? ich kann zu der antwort nur einiges
beitragen, ich •vermute, dafs der erste anlafs durch Verfol-
gung und Verbreitung der hetzereien gegeben w^urde, die
seil der mitte des 13 jh. von Italien und Frankreich her
nach Deulscliland kam. In welchem mafse kelzer schuldig
oder unschuldig gewesen seien, die vergröfsernde und ent-
stellende sage legte iln*en Zusammenkünften abgöttische au5-
Schweifungen zur last, deren Verwandtschaft mit dem hexen-
wesen unverkennbar ist. £s konnte nicht fehlen, dafs in
der lehre einzelner ketzer und in der Übung ihrer brauche
heidnisches und christliches vermischt wurde, der eifer der
kirche muste sicli zugleich gegen neue irlehren und gegen
Überreste des heidenthums» die sich jenen zugesellten, rich-
ten. Den ketzerverfölgungen giengen gerückte teuflischer
büudnisse und Zusammenkünfte voraus, die nun das völk
mit seinem alten aberglauben von dämonischen wesen ver-
knüpfte. Überlieferungen von einem bund des teufeis mit
mäunern waren schon früher, wenigstens seit dem 10 fh«
(s. 571) im Occident verbreitet; um so eher liefsen sie sich
auch auf frauen anwenden. Die älteste sichere erwähnung
eines bundes zwischen teufel und hexen finde ich in Ita-
lien, was gerade zu der vermuteten einführung der ganzen
Vorstellung durch ketzerrichter und cauonislen stioimt.
Bartolus (f 1357) gab also etwa in der mitte des 14 jh.
ein gutachten über eine ^exe aus Ortha und Riparia im
bisthum Novara*), die anklage scheint ihm neu und un-
gewohnt, er beruft sich des Verbrechens wegen auf theo-
logen, man darf nach der ganzen fassung seines urtheüs
annehmen, dafs vorher im Mailändischen wenig oder keine
hexenprocesse vorgekommen waren, es heifst unter an-
dern: *m ulier striga sive lamia debet igne cremari, con-
fitetiu* se crucem fecisse ex paltis et talem crucem pedibus
conculcasse. . . . se adorasse diabolum Uli genua fl^^-
tendo . . . pueros tactu stiicasse et fascinasse , adeo quod
mortui fuerunt. audivi a sacris quibusdam tlieologis, has
mulieres, quae lamiae nuncupantur, tactu vel visu posse
nocere etiam usque ad mortem fascinando homines seu
pueros ac bestias, cum habeant animas infectas, quas
daemoni voverunt! Zwischen den jähren 1316 und 1334
war eine undatierte päbstliche bulle, Johannes des XXII
ergangen, welche die guter verurtheilter zauberer gleich
denen der ketzer einzuziehen verordnet. Alfonsus de 6pina
*) gedruckt in J(»li. Bnpt. Ziietti consilior, select iu crioiiiial. cansis.
raticof. 1578 fol. tum. 1. coti«ii. 6.
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HEXEN 601
in seinem forlalitlum £dei (geschrieben um 1458) lib. 5 be-
richtet: quia nimium abundant tales perpersae mulierea
in Delphinatu et Gaschonia^ iibi se asseruht concurrere de
nocte in quadam planilie deserta , ubi est aper (1. caper)
quidam iu rupe, qui vulgariter dicitur el hoch de Biterne,
et quod ibi conveniunt cum candelia accensia et ado-
rant illum aprum (caprum) osculantes eum in ano suo;
ideo captae plures earum ab inquisitoribus fidei et convictae
ignibus comburuntur; signa autem combustarum sunt de-
picla j qualiter scUicet adorant cum candelis praedictum
nprum (caprum), in domo inquisitoris tholosani in magna
multitudine camisearum, sicut ego propriis oculis aspexi.
Das anbeten und küssen des bocks oder katers wird nun
gerade auch den ketzern schuld gegeben , deren namen
sogar davon hergeleitet worden ist,*) diese parodie der
göttlichen anbetung kann an bocksop/er der Heiden (s. 31)
und an die heiligkeit dieses ihiers (s. 384) gekuüpft^ aber
auch aus der uralten bocksfüfsigen gestalt des teufeis er-
klärt werden (s. 557.) Im jähr 1303 wurde ein bischof
von Coventry in England zu Rom einer reihe grofser ver-
brechen angeklagt, unter anderm 'quod diabolo homagium
Jecerat , et eum fuerit osculatus iu tergo' ; Bonifaz VIII
sprach ilin frei. **) Die nemliche beschuldigung lastet ge-
wöhnlich auf den späteren hexen. Hartlieb (anh. LIX) redet
im j. 1446 von gott entsagen und sich drei teufein ergeben.
Durch die Inquisition der geistlichen, durch die zu
gleicher zeit in den gerichten eingedrungene förmlichkeit
des canonischen und römischen processes, zuletzt noch
durch Innocenz VIII bulle von 1484, den malleus malefi-
carum ***) und die peinliche halsger. Ordnung yvurde seit
dem vierzehnten vier Jahrhunderte lang die Verfolgung und
verurtheilung der Zauberinnen unerhört gesteigert, und
zahllose schlachtopfer fielen in fast allen theiien Europas.
Aucb in dem früheren mittelalter sind zauberer und hexen
verbraunt worden; die annales corbej. ad a. 914 sagen
ausdrücklich 'multae sagae combustae sunt in territorio
nostro.' mehrere der alten volksrechte setzen auf Zauberei
*) *catari dicontur a cato, qaia osculaotur posteriora cati> in cujus
specie, ut dicuiit, apparet eis Lucifer.* Alanus ab insalLi (f 1202)
contra Yaldeoses libr» 1.
**) die bulle bei Rymer 2, 934 der alt. ausg.
***) den die beiden von Innocenz bestellten Inquisitoren Heinricns
Iiistitor in Alemaniiien, und Jac. Sprenger iu Cöln, mit Zuziehung des
cou&taozer geistliclico , Job. Greniper, im jähr 1487 ab&rsteo.
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602 HEKEN
strafen*); aber den füllen , welche vorkamen, lagen doch
wirkliche übelihaten zum gründe, mord und Vergiftung;
angeschuldigtes wettermachen haben wol wenige mit dem
leben gebüfst. Vorzüglich bemerkenswerth sind die gegen
solche verhängten strafen, welche im wahn angebhclier
Zauberei männcr oder frauen verbrannt oder getödtet hat-
ten **) ; das aufgeklärte gesetz nennt nicht die Zauberei,
sondern die tödlüug vermeintlicher zauberer etwas teufli-
sches und heidnisches. Wegen blofser nachtfart mit den
unholden dachte niemand daran frauen peinh'ch zu belan-
gen , und jener beichtvater des 13 jh. widerlegt das be-
kenntnis der domina sortilega durch vernunftgründe (s.597.)
Seitdem aber die Vorstellung sich befestigt hatte, dafs jede
hexe gott entsage und dem bösen zufalle, gewann alles
ein anderes ansehn: sie war als genossin des teufeis, ohne
riicksicht auf andere verbrechen, die sie verübt haben
könnte, des todes schuldig, und ihre unthat galt für «ine
der gröfsten, schaudervollsten.
Hexenprocesse aus dem 16. 17. 18 jh. sind reichlich
bekannt gemacht, aus dem 15 jh. wenige vollständig, man
braucht blofs einige gelesen zu haben ; durchweg das nem-
liche verfahren in unbegreiflicher einförmigkeit, immer
derselbe ausgang. anfangs leugnet die angeklagte, gefol-
tert***) bekennt sie was alle vor ihr hingerichteten ausgesagt
haben, und dann wird sfe aufs schnellste verdammt und
verbrannt (incinerata, nach dem ausdruck des malleus.)
Diese Übereinstimmung factisch grundloser aussagen erklärt
sich aus dem fortgepflanzten, die piiantasie des volks ep-
*) lex srI. 22. rip. 83. Yisi^oth. VI. 2, 2, 3, 4. capitoL a. 789
cap. 18. capit.ll. a. 805. Ssp. II. 13, 7.
**) capit. Caroli de part. Sax. 5 : si quis a diabolo deeeptas credi-
derit secuadum morem Paganorum , virom aliquem aut femiDam strigaA
esse, et liomines comedere, et propter hoc ipsam incenderit, vel car-
nem ejus ad comedeadum dederit, capitis sententia puw'etur. hx
Roth. 379: nuUus praesumat aldiam alienam aut ancillam, quasi stri-
gam occidere^ quod christianis mentihus nullatenus est credendum aec
possibile est, ut homiaem mulier vivum iatriasecus possit comedere.
Jene 6a{2:ae combustae ia Westfalea waren schwerlich von den gerichtea
vernrtheilt, sondern von dem volk selbst seinem heidnischen aberglae-
ben aufgeopfert, den die angefahrten «resetze hhidern wollten, noch
in unsem tagen versucht das volk iu Fraukreich und Belgien angeb-
liche hexen eifrenmäcktig ins feuer zu werfen (HorstA zanberbtbl. 6,
368. 372. 374.)
*'*) die henkersformel lautet: 'dn sollst so dünn gefoltert wetdeBj
dafs die sonne durch dich scheint f HA. 95. Diut. 1 , 105.
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HEXEN 603
fiillen^en wahnglauben. leb will es versuclien alle wesent-
liclien puncte hier zusammenzufassen.^)
Der teufel erscheint in gestalt eines stattlichen Jüng-
lings, federgeschmücht und buhlerisch; erst als es zu
spät ist gewahrt die hexe des pferdejufses oder gänsC"
Jufses. Er zwingt sie dann gott abzusagen, tauft sie um,
wozu sie sich pathen wälilen mufs, und legt ihr einen
namen bei, so wie er ihr seinen nanien entdeckt, ihrem
leib wird ein zeichen eingedrückt, dessen stelle fortan
unempfiudlich ist. zuweilen naht er als maus, bock, krähe,
iliege, wandelt sich aber bald in menschliches aussehn um.
aucli bei wiederholter buhlerei empfängt die hexe nur
kleine geldgeschenke ; was er als glänzendes gold gab, war
*) roainzer hexenacten von 1505 und 1511 in Horsts zanberbibl.
4, 210 — 218; quedlinbarger von 1569 — 1578 in Gottfr. Christian
Voigt» gemeinoützigen abh. Leipz. 1792 p. 59 — 160; trierer von
1581 in der trierischen chronik 1825. 10, 196 if. von 1625 das. 108 (f.;
eichstätter von 1590. 1626 — 37 in dem Eichstatt 1811 veranstalteten
abdruck; dieburger von 1627 in Steiners gcsch. von Dieburg. Darmst.
1820. p. 68 — 100; siegburger von 1636 in Ph. Ernst Schwaben ge-
schichte von Siegburg. Cöin 1826 p.225 — 241 ; camminer von 1679
in den neuen pommerschen provinzialbl. Stettin 1827. 1, 332 — 365;
freisinger von 1715— 1717 in Aretins beitr. 4, 273 — 327. Brauch-
bare auszuge aus schwäbischen verhören des 15 jh. enthält der berüch-
tigte malleus maleficarum (zuerst 1489 gedr.), aus lothringischen acten
von 1583 — 90 Nie. Remigii daemonolatria , übers, von Teucer An-
naeus Privatus, Fraukf. 1598. unwichtiger ist Sam. Meiger de panur-
gia laminarum. Hamb. 1587. 4. Scandinavische nachrichten: Nyerups
iid8i«:t over hexeprocesserne i Norden (skand. litteraturselskabs skrifter
19, 339 — 394. 20, 1 — 42), worin zumal wichtig ist ein auszug ans
Lern über norwegischen hexenglauben (19, 385 — 391.) troll väsendet
i Dalama, ären 1668 — 73 in Joh. M. Bergmans beskrifning om Dalarne.
Fahlun 1822. 1, 208 — 219. Aufserdem habe ich gelesen Girolamo
Tartarotti del congresso nottumo delle lamie. Rovereto 1749. 4 und
Const. Franc, de Ganz de cultibus magicis. Yindob. 1767. 4, zwei
fleifsige bücher, das erste in aller italienischen Weitschweifigkeit abge-
fafst; weniger nützte mir Diet Tiedemanns preisschrIft de artium ma-
gicarum origine. Marb. 1787. Scheltemas geschiedenis der heksen-
processen Haarlem 1829 und (Cannaerts) bydragen tot het oude straf-
regt in Belgle, Brüssel 1829 waren mir nicht zur band; einiges aus
jenen gegenden mitgetheilt ist in Schayes essai historique. Louvain
J834 p. 175 — 202. Es gibt noch eine unzahl anderer werke : die
neusten darunter von Horst (dämonoroagie Ff. 1818 2 bde, znuber-
bibliothek Mainz 1821—26 6 bde) und Walter Scott (letters on de-
mouology and witchcraft, Lond. 1830) sind von mir fast ungebrnncht;
beide beruhend auf enitViger compilation entbehren rechter critik und
gelehrsamkeit f Horsts arbeit ist dazu breit und geschmacklos, Walter
Scotts ungenau und fahrlässig.
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604 HEXEN
beim Hebt bc^sehn migl und koth. *) Hauptsache ist , dafs
an gewissen tagen der teufel sie abholt oder bestellt zu
nächtlichen festen^ die in gesellscliaft anderer Zauberinnen
und teufel begangen werden, nachdem sie sicli mit einer
salbe (hexciischmiere) **) füfse und achseln gesebmiert
hat, besclireilet sie stecken ^ rechen^ besen, spinnrochen,
hochlöffel oder ojengabel, und fährt, eine formel mur-
melud, zum Schornstein hinaus, über berg und thal, durch
die lüfte, gabelreiterin y besenreiterin bedeutet Lexe.
Holt der buhlcr ab, so silzt er vornen auf dem stab, d»
hexe hinten, oder er zeigt sich als bock, den sie besteigt,
oder sie fährt mit rossen, die aus dem boden kommen.
Am Sammelplatz finden sich viele hexen, jede mit ihrem
buhlteufel ein, meistens lauter nachbarinnen, zuweilen längst
verstorbene frauen, einige (die vornehmeren) verlarvt und
vermummt. ihre lieblraber sind aber nur diener des
obersten teufeis, der in boctsgestalt, mit schwarzem men-
schengesicht, slill und ernsthaft, auf einem holten stul
oder einem grofsen steinernen tisch in der mitte des krei-
ses sitzt, dem alle durch knien und küssen ehrfurcht be-
weisen, trägt der oberste teufel besonderes Wohlgefallen an
einer zauberin, so wird sie zur hexenhönigin ernannt, die
den ersten rang • vor allen übrigen behauptet. ***) Da«
unerfreuliche mahl erhellen schwarze fackeln, die an einem
licht entzündet werden, das dem grofsen bock zwischen
den hörnern brennt, ihren speisen mangelt salz und
brot f), getrunken vfird aus kuhklauen und rosköpfen,
sie erzählen sich dann was sie Übels gethan, und bescblie-
fsen neues übel; wenn dem teufel ilu^e unthaten nicht ge-
nügen, so schlägt er sie* Nach der malilzeit,ff) welche
•) alle» gottliche ahmt der teufel perkehrt nach: sein gold wm-
delt sich in unrath; wenn aber götter oder gütige wesen laub, spine,
Icnotten schenken, wandeln sich diese in eitel ^o\d (s. 166. 529.541.)
Darum sitzt der tenfel verkehrt^ darum stehen die hexen auf den (odMa
oder tanzen verkehrt u. s. w.
••) ungnentum Pharelis, aus krautern (anh. s. LVIII); doch di«
gewohnliche hexensalbe wird aus dem fett ermordeter, ungetaofter
.kinder bereitet: unguentum ex membris puerorum interemptonun ab
eis ante baptismum. mallens malef. 11. 1 , 3 (ed. 149<l. 51<>.)
***) Laflferts relationes criminales, Celle 1721. p. 52. 54. üonts
damonom. 2, 376. 377.
f) doch essen sie brot, das sonntags gebacken, fleisch, das soM-
tags gesalzen Ist, und trinken sonntagsgefafsten wein.
ff) es gilt dabei auch Standesverschiedenheit, erst sitzen die nk^
cheu zu tisch und trinken aus silberschalen, dann die armen ans Im>Ii-
bechem oder klauen.
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HEXEN 605
weder sättigt noch nährt, beginnt der tanz] auf einem
bäum sitzt der spielmalin, seine geige ist ein pferdehaiipt,
seine pfeife ein knüttel oder katzenschwanz. sie drehen
beim tanz einander die rücken zu, nicht die gesiebter; mor-
gens aber sieht man im gras kreisförmige spuren von kuh
und bocksfüfsen eingetreten* wenn der reigen aus ist,
schlagen sie sich einander mit schwingen und mangelhölzern.
Zuletzt brennt sich der grofse bock zu asche, die unter
alle hexen ausgetheilt wird , und mit der sie schaden stif-
ten. Eine junge unerfahrne hexe wird nicht älsogleich
zu mahl und tanz gelassen, sondern beiseits gestellt, um
mit einem weifsen stecken kröten zu hüten* auch daheim
ziehen und halten sie dieses thier. Die heimreise erfolgt
wie die hinfart, der ehmann, welcher unterdessen einen ins
bett gelegten stock für seine schlafende frau gehalten hat,
wird nichts von allem gewahr. Unlhalen, welche hexen
verrichten, beziehen sich hauptsächlich auf vieh und getraide
ilirer nachbarn, denen sie zu schaden trachten, fremden
kühen verstehen sie, ohne dafs sie ihnen nah kommen, den
euler leer zu melken (anh. s. LIV): sie stecken ein mcÄ-
ser in eine eichenseule, hängen einen strick daran und
lassen aus dem strick die milch fliefsen ; oder sie schlagen
eine axt in die thürseule und melken aus dem axt^
helm\ oder sie ziehen die milch aus einem aufgehangnen
Imr/cituc/i.*) gute milch wandeln sie in blaue, oder in
blutige; ihr lobspruch, wenn sie in ein" fremdes haus treten,
bringt der milch gefahr; soll eben milch gestofsen werden,
80 gerälh keine butler (abergl. 823.) darum heifst eine
hexe überhaupt milchdiebin (wie der Schmetterling milch-
dieb, buttervogel) inilchzauberin , molkenstehlerin ^ moL"
henlö^ersche.**) verzauberte milch peitsche man in einem
topf, oder fahre mit einer siehe! darin herum : jeden streich
oder schnitt wird die hexe empfinden (abergl. 540.) Des
Vermögens der Zauberinnen , milch und honig aus dem
hause des nachbars in das ilirige zu ziehen, erwälint bereits
Burchard (anh. s. XXXVIII.) Mit ihren besen in bäche
schlagend, wasser in die luft sprützend, oder kiesel aus-
schüttend, sand gegen Sonnenuntergang stäubend verur-
sachen die hexen stürm und hagel, der getraide und obst
*) ähnlich das zauberhafte schlagen des weins aus der seule (anh.
«. LVlll) , vgl. die sage von doctor Faust.
**) am abend Philippi und Jacobi lauft man in Ru^en mit gror»cii
feuerblasen Im feld umher: das heifst man ^ mölke nio versehen brennen,^
Rugiau. landgebr. 243. milchdiebin Q. unhold. U.Sachs 111. 3, 5d.
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- 606 BEXEN
des nachbarn zu boden eclilägt. sie sollen zu gleicbem
zweck borsten in topfen sieden, oder von jener teufliscbeii
ascbe auf die felder streuen. Indem sie scbemelbeine vei^
binden können, sie zerbrochene knochen abwesender meu«
sehen heilen. Sind sie bei der trauung eines ehpaars zu-
gegen, so knappen sie, während der segen gesprochen
wird, ein schlols zu und werfen es ins wasser: das heilst
nestelinüpjen ; so lange das schlofs nicht wieder gefunden
und eröfnet wird, sind die ehleute untüchtig. Hexen
können menschen tödten, indem sie bildern oder puppen
Stiche versetzen; auf kirchhöfen graben sie die leichten
junger kinder aus und schneiden ihnen fingen ab, *) von
dem fett dieser kinder sollen sie ihre salbe bereiten. Auf
ihrer Vermischung mit dem teufel geht keine meusclilicbe
frucht hervor, sondern elbische wesen, welche dinger,
elbe und holden genannt werden, deren bildung aber ver-
schieden angegeben ist. bald sollen es schmetterluige sein,
bald hummeln oder queppen^ bald raupen oder wüimer.
sie heifsen abwechselnd gute oder böse dinger^ gute und
böae elbe, gute**) oder böse holden, holder cfien, holdihen.
ilirer bedienen sich die hexen zur hervorbringung von
krankheit oder geschwulst bei menschen und vieh, indem
sie sie in haut und gebeiu beschwören, sie verweisen sie
aber auch in den wald auf bäume, graben sie unter hol-
lunderbüsche ein: wie die elbe das espenholz abfressen,
fressen sie den menschen, dem sie zugedacht sind, welche
hexe die holden einem zubringt, die mufs sie auch wieder
abbringen; sie geht, wenn sie ihrer bedarf, in den wald
und schüttelt sie von den bäumen,* oder gräbt sie unterm
hollunder (dem elbengrab) wieder hervor, ein mensch,
in den holden gezaubert sind , ist erkennbar daran , dafs
man in seinen äugen kein niännlein oder kindlein (sfo^i
pupa) sieht, odeV nur ganz trübe (Voigt p. 149. 152.) die
neunerlei arten der holden werde ich im cap. von den
krankheiten angeben, nicht selten erscheint aber der teuf-
lische buhle selbst in gestalt des albs oder Schmetterlings.
•) mit den fingern ungeborner kinder kann gezaubert werde«,
angezündet geben sie eine flamme, welche aile leute des hauses ia
«chlaf erhält, ähnh'chen vortheil schaft der daume, welcher einem auf-
gehängten dieb abgeschnitten wurde, vgl. Schamberg de jure digitor.
p. 61.62 und Praetorius vom diebsdaumen. Lips. 1677. die cootoma
de Bordeaux §. 46 handelt vom zauber mit den bänden todter kiader.
eine pflanze hiefs diebshand (s. 578.)
••) auch wenn schädlich damit gezaubert wird lieifäen sie dennoei
die guten holden (braunschw. anz. 1815 p. 726 tf)
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HEXEN ^ 60r
Ihre in inenscliliclier ehe erzeugten lücliter müssen die hexen
dem teufel bei der geburt versprechen und in seinem
dienste erziehen ; bei den grofsen \ersamhingen reichen sie
ihm überhaupt ihre kinder, hinterrücks in die höhe hebend,
dar. zuweilen opfern sie ihm scluvarzes vie/t. Sie finden
»ich gern auf wen' scheiden*) zusammen, sie können durch
das schlüssellocri in häuser aus und ein fahren (anh. s.
LIV), wo drei lichter im zimmer sind, hat die hexe ge-
vralt; dem glockenläuten sind sie gram. Vor gericht darf
man sie nicht die blojse erde berühren lassen, weil sie
sich sonst plötzlich verwandeln ; sie sind unvermögend eine
zähre zu vergiefsen, ins wasser geworjen schwimmen
sie oben**), worauf sich das in den gerichten iierkömni*
liehe hexenbad gründete (RA. 925.) gelingt es ihnen zu
anfang der Verhandlung dem richter ins äuge zu sehen,
80 wird er mitleidig und kann sie nimmer verdammen.
Characteristisch ist nun, dafs alle hexen, ihrer kunst
und der macht des teufeis ungeachtet, in elend und tiefer
armut stecken bleiben; es kommt kein beispiel vor, dai's
eine sich reich gezaubert und für den Verlust himmlischer
seeligkeit zum wenigsten weltliche freuden erworben habe,
wie sonst in den sagen von männern, die sich dem teufel
verschreiben (s. 571), wol erzählt wird. Diese weiber stif-
ten übel, ohne dafs es ihnen nützt, höchstens können sie
Schadenfreude empfinden, ihre buhlerei mit dem bösen,
ihre theilnahme an seinen festen schaft ihnen immer nur
halbes behagen.***)
Dieser eine zug hätte über den grund aller hexerei
die äugen öfnen sollen. Das ganze gründete sich blofs in
der einbilduns und dem erzwungnen bekenntnis der arm-
seeligen; wirklich war nichts, als dafs sie künde heilender
und giftiger mittel hatten und ihre träume f) durch den
gebrauch von tränken und salben erregten. Aufgefordert
die namen ihrer genossinnen anzugeben, bezeichneten sie
**) der teufet bt auf wegscheiden zu errufen, vgl. s. 683 die Alraun,
••) Plinius T, 2 von Zauberern; eosdem praeterea non posse vtergi
ne veste quidem degravatos. Mebraiais wird erzätift^ der teufel ver-
heifse den hexen ins wasser eine eisenstange zu bringen, damit sie
ainken können, bringe ihnen dann aber nur eine leichte nadel.
***) Berthold p. 58: ^sd g^nt etellche mit boesem zouberlehe unib,
daz 81 wsenent eins gebüren sun oder einen kneht bezoubeni. pff dil
rehte tcerin! war unibe bezouberst du einen gr&ven oder einen künec
nitit? s6 waerestu ein küneginne!' — man sagt: <tte hexen werden
alle sieben jähr eines dreihellers reicher. Simplic. 1 , 625.
f) ^alter wibe troume^ Wh. 1 , 82a ; ^kerltnga villu' Saem. 169.
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608 HEXEN
häufig verstorbene, aus Schonung oder um der untersuchong
auszuweichen; was sie übles aussagten wurde buchsläbllcli
als Wahrheit angenommen. £s konnnt vor, dafs hexen ge-
standen leule gelödtel zu haben, die noch am leben waren.*)
Niemals fiel den richtern ein zu erwägen, wie es doch
geschehe, dafs unzählige hexenversamlungen an lauter be-
kannten, gangbaren orten nicht von zeugen, die ihr weg
dahin halle führen müssen, überrascht worden seien. Durch
welche Zulassung gottes sollte in dörfern und Städten des
ganzen landes ein früher unerhürles zauberpack sich zu
jenen zeiten auf einmal eingenistet haben !
In den hexensagen war die teufelsverschreibung, ab-
sagung gottes'''*) und anbetung des bochs ketzerisch; alle
anderen demente scheinen mir überwiegend heidnisch, aa
alten göttercultus könnte selbst noch der bock und dai
Opfer schwarzer thiere (s. 33. 278. 566) erinnern; es i^l
merkwürdig, dafs nach einer dalekarlischen übcrlicferimg
hei dem hexen fest der teufel lücht den hochsitz einnimmt,
sondern unter dem tisch gebunden an einer kette liegt
(ganz wie in deutscher sage neben den spinnenden fiaueo,
8. 567.) von dieser kette erzählen die hexen vielerlei, wenn
sich ihre glieder abnutzen, kommt ein engel und löthet sie
neu zusammen (Bergman p. 217. 219.) Mit der kraf) des
salzes wurde mancher zauber getrieben (abergl. 713.845),
fast scheint es, als dürfe man Zusammenhang finden zx^i-
schen jenem salzsieden , salzbrennen, salzholen (s. 590) ***)
und dem verbrennen des bocks, dem mitnehmen tind aus-
streuen seiner asche.'\) die nachtfart, der fackelzug, das
durchdringen verschlossener häuser iit genau wie bei dem
holdischen beer; namen der buhler, beschwörungsformclo,
gezeugte holden, reihentänze, alles dies ist elbisch.fy) die
*) Frommano de fascinatioDe p. 850.
**) ia der edda malen riesinneo gold und salz (So. 146. 147.)
•*•) nach den formein: 'ik fate an disen Witten »tok und vcriate
unsen herre got !' (catholisch : 'Marien son u. got') oder : 'her tredc ik
in din nist (nest) u. vertäte unsen herre Jesum Christ !' der tv^ifse stok
Ut Symbol cedierender, und wird nach dem anfassen ins wasser geworfen.
f) zauberberüchtigten scliäfern wurde zur last gelegt, ihre schafe
mit salz zu taufen, factunis et arrest du partement de Paris conite
des bergers sorciers executez depuis peu dans Ia province de Bri^.
sur rimprim^ k Paris 1695. 8. p. 57.
ff) das geiräblatt, oder vielleicht eine andere pflanze, heifat la
Niederdeutschland alf ranke ^ hexenschlinge (Ritters meklenb. giana}.
p. 107. E. M. Arndts niährchen p. 404.) man nennt überhaupt rankes-
des gesträuch, verschlungene zweige hexeusth/uf f^ und glaubt, d«f«
eine verfolgte hexe^ ein verfolgter «/A, jedesmal dadurch eutnnnen küoae.
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HEXEN 609
fttärktiDg der hexe durch berührung blofser erde kann an
heidnischen riesenglauben gemahnen, zeit und ort der ver-
samlungen sind wie bei festen und gcrichten des heideu-
tbums, auch die anwendung des roshaupts*) bei dem
hexengelag führe ich iheils auf andere sagen des MA. (s.
379. 494) theils auf die verhafsten pferdeopfer (s. 28. 29)
zurück, die arl des zaubers^ das herzessen , das weiter-
machen, das reiten durch dia lüfte gründen sich auf urahe,
weitverbreitete Überlieferungen, die ich jetzt noch nälicr
untersuchen will.
Vorausgehn mag eine darstellung des serbischen Volks-
glaubens. Die vjeschtitza ist von einem bösen geist be-
sessen : wenn sie in schlaf fällt, geht dieser aus ihr heraus,
und nimmt dann die gestalt eines Schmetterlings oder
einer kenne an, dieser geist ist wesentlich eins mit der
hexe, sobald der geist ausgegangen ist, liegt der hexe
leib wie todt, und dreht dann jemand den köpf dahin wo
die fülse sind, so kann sie nicht wieder erweckt werden. *
Die hexe strebt leuten nach, die sie außfst^ besonders
jungen hindern, findet sie einen schlafenden mann, so
stöi'st sie ihn mit einer ruthe durch die linke brustwarze,
öfnet seine seile, nimmt das herz heraus und ifst es^
worauf die brüst wieder zuwächst, einige dieser ausge-
gessenen leute sterben alsbald, andere leben noch eine zeit««
lang« die hexen essen keinen hnohlauch^ viele leute
sclunieren sich in der fastenzeit brüst, sohlen und unter
der achsel mit knoblauch, um sich gegen die hexe zu si-
chern, man glaubt, dafs sie in der faste mehr leute esse
als sonst, junge schöne frauen stehen nie im ruf der Zau-
berei, hexen sind immer alte iPeiber^**) aber das Sprich-
wort lautet ^mlada kurva stara vjeschtitza.' hat die hexe
einmal gebeichtet und sich angegeben, so kann sie keine
leute mehr essen und keinen zauber mehr treiben. Wenn
die hexen nachts ausfliegen glänzen sie wie feuer, ihr
*) spielmaoo anf dem pferdekopf pfeifend , geigend, trierer acten
p.203. siegburger p. 228. 239* todtenkopf für zither. Remigius 145.
**) hauptsächlich in Schweden werden auch unschuldige kinder^
knaben und mädchen in die hexerei verflochten. Der teufet fordert
von jeder hexe, dafs sie ihm kindcr zuführe, sie weckt schlafende
kinder mit den Worten: ^komm teufelskind zum gastmal T sie setzt sie
auf das dach, bis die zahl voll ist, und trägt sie dann durch die lüfte
dem bösen zu, der sie fra^^t, ob sie ihm dienen wollen? nnd in sein
buch schreibt, er begabt sie dann mit klugheit; solche knaben heifsen
vtsg%issar (kluge jungen.) man erinnere sich der von Hameln ausge-
führten kinder. In den freisiiiger acten erscheinen arme bettelbahen
Tom teufel verleitet.
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610 HEXEN
Sammelplatz ist eine tenne (guvno), beim ausfahiren am
der küche schmiert sich jede mit einer salbe unter die
acbsel und sagt: *ni o trn ni o grm, velch na pometao
guvno!' (nicht an dorn, nicht an eiche, sondern zur ge-
fegten tenne.) Sterben in einem dorf viel kinder oder
leute und fallt auf eine alte frau verdacht, so binden und
iverfen sie sie ins wasseri geht sie imter, so wird sie
herausgezogen und frei gelassen, kann sie ab^r nicht un-
tergehn, getödtet, denn keine hexe vermag im wasser zq
sinken. Wer vor Mariäverkündigung eine schlänge tödlel
und in ihren köpf ein stück hnoblauch bindet^ und auf
Mariäverkündigung beim hirchgang den schlangenkopf an
seine mutze steckt ^ der kann alle weiber^ die hexen
sind 9 daran erkennen ^ dafs sie sich um ilin versammelo,
und ihm die schlänge oder ein stück davon zu stehlen su«
eben, (Vuk s. v. vjeschtitza, pometno und blagovijest,)
Diese merkwürdige nachricht führt zu erläuterungeo.
Auch bei uns gab es solche erkennungsmittel der hexeo.
wer einen gefundenen eggenagel bei sich trägt, oder g^
traidekörner, die ins brot gebacken waren , oder ein gritn-
donnerstagsei, sieht die hexen mit melkkiibeln auf dem
köpf in der kirche (abergl.539.636.685.783.808.) gerad«
so in Dänmark (abergl. 169.) Bergman p. 219 meldet, dtfs
in Dalarne die hexen selten zur kirche kommen, wol aber
eine strohgarbe oder ein schweintrog ihre Stelle vertritt,
was jedoch nur die aus der Bläkullagesellschaft wahrneh-
men können, ich weifs nicht, ob der kübel oder trog
aus der milchverzauberung oder daher zu erklären ist, difs
nach nord. Überlieferung riesinnen und huldrefrauen einen
trog auf dem rücken tragen (Faye 118. JMüllers sagabibL
1, 367.) Keisersberg (omeifs 36c) berichtet, dafs eine nacht-
fahrerin sich in eine teichmulde setzte^ mit öl salbte, Zau-
berworte sprach und entschlief. Im anhang ist eine for-
mel abgedruckt, worin der alb angeredet wird: * mit dem
rücken wie ein teigtrog P Eine hexe ist auch daran er-
kennbar: sieht man ibr ins äuge so steht man verkelirl
darin, den köpf unten abgebildet.*) triefende äugen sind
ein zeichen aller hexen (abergl. 787.)
Was aber in unsern hexensagen schon zurücktritt, dal«
sie den leuten das herz aus dem leib essen ^ steht in
der alterthümlichcn serbischen volksansicht ganz voran, io
♦) ein ahnliches kennzeichen führt Plinius 7, 2. von zaubereni m:
in altero ociilo geminam papiliaoi, in altero eqni effigiein. man vgl
was 8. 606 über die auzauberuug von holden ge«agl ut.
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HEXEN HERZESSEN 6 1 1
einem Hede bei Vuk no. 363. ruft ein hirtenknabe, den
seine Schwester aus dem schlafe nicht erwecken kann :
yeschtitze sii rae izele, ma)ka mi srtze vadila, strina joj
lutschem svetlila (hexen haben mich ausgegessen, mutter
nahm mir das herz , base leuchtete ihr.) Fortis cap. 8 er-
Eählt, dafs'zwei hexen einem schlafenden jüngling das herz
i/vegoahmen und braten wollten; ein geistlicher hatte ohne
es hindern zu können alles mit angesehn, erst beim erwa-
chen des Jünglings löste sich der zauber^ und als nun der
geistliche den hexen näher trat, salbten sie sich aus einem
krüglein und entflohen, er zog das halb gebratne herz
vom feuer und hiefs es eilig den jüngling verschlucken^ der
dadurch völlig wieder hergestellt wurde. Mir scheint diese
serbische, in der fastenzeit auftretende, menschen die brusl
Ofnende hexe unserer Berhta, die knechten den leib auj^
schneidet und mit heckerling füllt (s. 170.), sehr ver-
gleichbar; aus der göttinn wurde das schreckende Scheu-
sal. Dafs der nemliche wahn unter den alten Deutschen
herschte, bezeugen stellen der volksrechte: lex sal. 67 'si
Stria Itominem comederit\ und was s. 602 aus der lex
Roth. 379 und dem capit. de part. Sax. 5 angeführt wor-
den ist. der indic. paganiar. (anh. s. XXXII): ^quod fe-
minae possint corda hominum tollere juxta paganos' und
Burchard (anh. s. XXXIX): 'ut credas, te januis clausis
exire posse, et homines interficere et de coctis carnibus eo-
rum V08 comedere, et in loco cordis eorum stramen aut
lignum aut aliquod hujusmodi ponere et comestis iterum
vivos facere et inducias vivendi dare.' N. Cap. 105 ambro-
nes und anthropofagi nennend fügt hinzu: ^alsö man chit,
taz ouh hdzessa hier in lande tuen^ das zehnte, eilfte
jh. hatte die lieidnische Vorstellung nicht fahren lassen, ja
sie dauert noch späterhin, in dem s. 590 mitgetheilten ge-
dieht des 13 jh. wird erzählt, dafs die unholde über den
mann schreite , ihm sein herz ausschneide und stroh
Jiinein stofse^ dafs er aber leben bleibe. Berthold (cod.
pal. 35 fol. 28^): pfei, gelawbestu, das du ainem man sein
herz aufs seinem leib nemest und im ain stro hin wi"
der stoßest?'^ Ebenso wird im Norden von einer weibli-
chen mannasta (nicht einem männlichen mannaeti) gere-
det, und selbst für zauberer dieser ausdruck gebraucht:
troll ok mannasta (fornm. sog. 3, 214.) Unsere heutigen
märchen stellen die hexe als eine waldfrau dar, die sich
hinder zur speise füttert und mästet (KM. no. 15), ent-
rinnen sie, so folgt die hexe in meilenstiefeln nach (KJVI.
no. 51. 56. 113.) sie hat völlig die art einer riesin. Dafs
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612 GEIST AUS SCHLAFENDEN
auch die Römer an hexen glaubten, welche einzelne theik
eines fortlebenden menschen verzehrten, lehren folgende
stellen« Petronius (cap. 134) ^quae striges comederunt
nervoe tuos?' und Plautus im pseudolus IlT. 2^ 31 'sed
strlgibus vivis convivis intestina quae exedint!
Gleich alt ist die nieinung, dafs der geist aus der
entschlafenen zauberin als Schmetterling gestaltet^
fahre, die seele wurde überhaupt einem Schmetterling ver-
glichen (s. 479), pe/ha heifst den Slovenen irlicht, Schmet-
terling und hexe« der alp erscheint als schmetteriini;,
phaläne [nachttoggeli y Stald. 1, 287), als teuflisches ibier
(s. 577), holden und elbe der hexen sind schmetteriinge.
Unsere einheimische sage erwähnt aber noch anderer thiere^
die aus dem munde schlafender hervorgehen, könig Gunt-
hram war im wald ermüdet auf dem schofs eines treuen
dieners entschlafen: da sieht der diener aus seines herreo
munde ein t hier lein, gleich einer schlänge laufen und auf
einen bach zugehen, den es nicht überschreiten kann,
jener legt sein schwert über das wasser, das thier lauft
darüber hin, und jenseits in einen berg* nach einiger zeit
kehrt es auf dem selben wege in den schlafenden zurück,
der bald erwacht und erzählt, wie er im träum über ein«
eiserne brücke in einen mit gold erfüllten berg gegangen
sei (Paulus Diac. 3, 34.) Ähuliches melden spätere voa
einem schlafenden landsknecht, aus dem ein wiesei ge*
laufen kam ( deutsche sag* no. 455.) in noch jüngeren ge-
schieh ten wird es aber auf schlafende hexen angewandtt
aus deren mund eine hatze oder eine rothe maus lauA;
während der übrige leib in Schlummer erstarrt liegt (das.
no. 247 — 249,)*) hängt damit jenes mause machen der
hexen (s. 618) zusammen? es wird gerader wie bei den
Serben gemeldet , wenn man den leib der entschlafnen um-
drehe, dafs sich dann das rückkehrende thier nicht zurecht
finden könne und der tod erfolge (abergl. 650.) Den zu-
stand jener inneren ccstase, wenn der leib in starrera
schlaf liegt, bezeichnet unsere alte spräche durch irprottan
(raptus) d.h. entzückt.**)
Auch die ausfahrformel *ni o trn nl o grm, veltk
na pometno guvno!' stimmt zu deutschen, gewöhnlich heilft
es : ' auf und davon , hui oben hinaus und nirgend
anP andere formet abergl. 649* wenn aber die hexe leute
*) der auslaafendeii maus einen degen über den flufs legen. Ett-
Ders hebamme p. 194. Unter Fiscliarts spielen no. 216: 'es lauft «■
weifse maus die mauer hinauf.'
**) hinbrüien (ecstssifl) der zauberinoen. Bttners hebamme p. S9^
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8T0CKRITT 613
verfolgt: vor mir tag, hinter mir nacht !^ Ein nordischer
Zauberer nahm ein geü'sfell^ wand es um seiu haupt und sprach :
^verdhi thoka ol verdhi str(pi, ok undr mikil öllum thcim
8cm eptir ther soekja!' (es werde nebel und werde zauber
und allen wimder, die hinter dir suchen!) Nialss. cap. 12.
Wo findet sich zuerst des stecken und besenritts er-
wähnt?, ich kann wirklich nur ein ziemlich altes zeugnis
für das reiten auf röhr und binsen, die sich aber in
ein leibliches pferd wandeln , beibringen. Guüielm. alveruus
p. 1064: 'si vero quaerilur de equo^ quem ad vectiga"
tiones auas Jacere se credunt malefici , credunt> inquam,
facere de canno per characteres nefandos et scripturas^
quas in ea inscribunt et impingunt, dico in hoc, quia non
est possibile malignis spiritibus de canna verum equum
facere j vel formare» neqpe cannam ipsam ad hanc ludifi-
cationem eligunt, quia ipsa aptior sit, ut transfiguretur
in equum ^ vel ex illa generetur equus, quam niultae aliae.
materiae. forsitan autem propter planiliem stiperficiei et
facilitatem habendi eam alicui yideatur ad hoc praeelecta
« • • . sie forsan hac de causa ludificationem istam eflBcere
in canna sola et non alio ligno permittuntur maligni Spiritus,
ut facilitas et vaiütas eorum per cannam hominibus insinuetur
si quis autem dicat^ quia canna et calamus habita«
tiones interdum malignorum spirituum sunt*).... ego non
improbo.' Deutlicher ist die irische sage von den binsen
und halmen, aus denen, sobald man -sie beschreitet, rosse
werden.**) Bei Hartlieb (anh. s.LIX) sind die unholden
auf rechen und oiengabeln , in dem oben s. 589. 590 mit-
fetheUten älteren gedieht auf besen, dehsen^ ofenstäben und
albern^ im ackermann aus Böhmen p. 8 auf hriichen und
bocken reitend vorgestellt, im tkadlezek p.27 aber auf spinn»
roden (kuzly.) des böhm. rufs 'star^ baby na pometloP
(alte weiber auf dem ofenbcsen) gedenkt Dobrowsky im
ßlavin p. 407. Wichtiger ist, was in der sage von Thor-
steinn bocarmagn, die Müller (3, 251) in das 15 jh. setzt,
vorkommt: Thorsleinn lag im ried verborgen und hörte
einen knaben in den hügel rufen ^ ^mutter, reiche mir
trum/nstab und bandhandschuhe y ich will auf den zau«
berritt (gandreidh, 8.593), es ist hochzeit unten in der
weh!' da. wurde aus dem hügel alsbald der krökstafr ge-
*) 'mennige narrinnen u. ock mennigen dor bindet de dnuel up
ein ror,' Narragop'.a 14^ (bei ßr&nt nichts dergleichen.) sind tenf-
li«cbe pferde gemeint? und wird Walthers 'Az im (dem swarzen buocb)
les et .shtiu rdr^ 33,6 dadurch erldärbarf
**) irbche elfeiun. 101. 215.
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614 GLOCKENHASS
leiclit, der knabe bestieg ihn, zog die handschuhe an, und
ritt Mrie kinder pflegen. Tliorsteinn nahte sich dem hü^
und rief dieselben worte : sogleich kam Stab und handschuh
heraus , Thorsteinn stieg auf den Stab und ritt dem kna-
ben nach. Sie gelangten an einen flufs, stürzten sich hin-
ein und fuhren zu einer felsenburg, wo viele leute an der
tafel safsen und alle wein tranken aus silberbechern, kd-
nig und königin waren auf einem goldnen thron. Thor-
steinn, den sein stock unsichtbar gemacht hatte, erkühnte
sich einen kostbaren ring und ein tuch zu ergreifen, ver-
lor aber darüber den stock, wurde von allen erblickt und
verfolgt. glücklicherweise kam jedoch sein unsichtbarer
reisegefährte auf dem andern stock, den nun Thorsteinn
mit bestieg, und so entrannen beide (forum, sog. 3, 176—
178.) Hat auch diese dichtung kein echtnordisches ge-
präge, so lehrt sie nichts destoweniger , welche ansieht
man im 14 oder 15 jh mit solchen zauberritten verband;
kein teufel tritt dabei auf. Aber stab und stoci schei-
nen erst spätere behelfe des hexenthums. weder die nacfat-
frauen, noch das wütende beer, noch die valkyrien (s, 240)
bedürfen eines geraths um die lüfte zu durchziehen, aber
den nachtfrauen wurden schon halber und böche beigelegt
(s. 595.) Sehr merkwürdig ist die im anhang gedruckte
formel, einen zaunstechen zu u^eclenf der zum bock
werden und die geliebte herholen soll; ursprünglich mag
man sich keine andern stecken gedacht haben, ab die
sich beim beschreiten sogleich in thiere wandelten.
Auch der hexen Widerwille gegen die glochen ist
heidnisch, elbisch und riesisch (s. 259. 574.) gebet der
frommen und glochenläuten hindert ihre anschlage, sie
nennen die flocken 'bellende hunde.' Nach einer schwed.
volkssage (Odmans Bahusläns beskrifn. p^228) rief eine
alte heidin, als sie die christliche glocke von Tegneby her-
über lauten hörte, yerächtliich aus: *nu mä tro, Rulla p*
Rallehed har fadt bjälra (Rulla, die christliche kirche, bat
eine schelle bekommen.) hier ist noch kein gedanke an
hexerei. aber es wird auch von den schwedischen hexen
erzählt, dafs sie die glochen oben im dachstul losscha-
ben: wenn sie auf ihrer luftfart einen thurm erreichen,
setzen sie die entführten kinder (s. 609.) aufs kirchcndach*
die dann wie kleine dohlen aussehen, schaben unterdessen
die glocke los uod schleppen sie fort; hernach lassen sie
das erz durch die wölke von der höhe niederfallen und
rufen: nie soll meine seele gott naher kommen, als dieses
erz wieder zur glocke werden!* .
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HAGELMAOHBN 61ä
In das höchste alterthum hinauf gelit das zauberliafte
Juigelmachen und saatperderben. Wie von güligen güt-
tern gedeihen der fruchte ausgeht, wie von den mahnen
ihrer rosse luftreitende valkyrien heilsamen thau auf das
gcülde niedertriefen lassen (8,236); so traclileu bösartige,
zauberübende wesen danach, alles was grün ist zu ver-
nichten. Die griech. eumeniden (ein wort das schon un-
sere- alten glossen durch hazasa verdeutschen) verderben
mit ihrem geijer die saat und mit schlössen die fr acht
(Aesch. Eum. 753. 768. 777. 795.) In den röm. XII ta-
felu war eine strafe verhängt wider den 'qui fruges eX'
cantassit ', sive * alienam segetem pellexerit.' *) Im 8 und
9 jli. legte man das wettermachen mehr Zauberern als Zau-
berinnen zur last; die schon s. 365. 366 angegebnen stellen
nennen nur tempestarii, keine tempestariae. Auch bei
Ratherius p. 626 heifst es: ^contra eos, qui dicunt quod
lionio malus vel diabolus**) tempestatem faciat, lapides
grandi/ium spargat^ agros devastet, Julgura mittat etc.
Burchard nennt jene Zauberer immissores te/npestatum
(anli. 8.XXX1V. XXXVI.) gleich der lex Visig. VI. 2,3:
malefici et immissores tempestatumy qui quibusdam in-
canlationibus grandinem, in vineas messesque mittere
perliibentur. Wie verfahren wurde ist nirgend angeführt.
aus weit späteren Zeugnissen sehe ich, dafs die zauberer
sich einer wanne oder eines iruges hedienien, Ls. 2, 314
sagt nieister Irreganc: .
und ka^m ein a^ann in min hant,
der hagel sliieg über allez lant.
Im Apollonius von Tyrlaud (9183. 10970."! 1010 ff.) wer-
den krdge genannt, g^fs man sie ansy so erfolgte
scliauer und hagel: der eine krug schuf blicke und don-
nerstralen , der andere hagel und schauer, der dritte regen
und sauere winde. Ein holzschnitt in Keisersbergs ouieifs,
(cd. 1516. 36^) stellt drei auf schemel, Spinnrocken und
pferdeköpfen sitzende nackende unholden dar, .topfe in
die höhe haltend^ aus welchen schauer und stürm em-
porsteigt. Justingers Bernerchronik p. 205. erzählt, wie
eine heimlich besendete frau einem grafen von Kyburg, der
ihr verhiefs, sie nicht zu melden, an der ziune seiner
bürg slehepd, und heimliche worte sprechend, wölken, re-
gen und wetler machte, die seine feinde verjagten (a. 1382.)
*) rndis adhoc antiquitas credebat et attralii Imbres cautibus et
repelli. Seoeca nat. quaeiit 4, 7.
*') der teuf dl macht stürm und donoerwetter (s. 660)f der riese
dci^gleicbeii (s. 364.)
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616 HAGELMACHEN
Die norwegischen zauberweiber yeriWhren noch gerade so,
wie von den Vinländern (8.367) gemeldet wurde 5 sie
schliefsen wind und Unwetter in einen saci^ dessen knoten
sie ZU gelegner zeit lösen , wobei sie ausrufen: *wind, ins
teufeis namen!' dann fährt der stürm heraus, Terheert das
land und stürzt schiffe im meer um. Wie Harüieb (s. LIX)
darstellt, opfern die alten weiber den teufein, dafs de ha-
gel und schauer machen« Nach deutschen acten des 16.
17. )h. versammeln die hexen sich haufenweise an was-
serbächen oder seen und scJUngen mit gerten solange
hinein, bis nebel hervorsteigen, die sick allmälich in
8cJm>arze ivolhen verdichten; auf diesen wölken fahreo
sie dann in die höhe und lenken sie an die stellen, wo
sie schaden wollen* auch setzen sie zauhertöpfe ins
Wasser und rühren um.*) einigemal wird vom ufindsaci
geredet (Voigt 131.) sie sollen blaue lichter in das ufos-
ser tröpfeln und kieselsteine in die luft werfen, oder
fässer rollen, deren zersprengung den stürm erzeugt, sie
lesen eichenlaub in ein mannshemd, und hängen es, an-
gefüllt mit den blättern, an einen bäum: sofort erhebt
sich wiud, der allen regen vertreibt, und schönes weiter
erhält. Aus kleinem Wölkchen machte eine hexe grofses
Unwetter (Arx Buchsgau p. 103.) ' In einigen gegendea
Frankreichs ruht auf ganzen geschlechtern der Terdacbt,
dafs sie stürm erregen können: sie finden sich, wenigstem
zu dreien am see ein und schlagen, unter fürchterlichem
geschrei, das wasser in die höhe, es geschieht nachts vor
Sonnenaufgang^ und ein heftiger stürm ist die unmittel-
bare folge (m^m. de Tac. celt. 2,206. 207.) dergleichen
leute heifsen meneurs des nuees (m^m. des antiq. 1, 244.)
In Deutschland waren gewöhnliche Schimpfwörter gegen
hexen: wettermacherin j wetterhexe j strahlhexe ^ blitz-
hexe^ zessenmaclierin j (vom alten zessa, stürm); früher
auch ivolhengüzze MS. 2, 140^. der ahd. frauennanie
ivolcliandrut (trad. fuld. 2, 101) läfst sich aus einem rei-
nem Verhältnis deuten, die valkyrie (s. 238) reitet entw.
in den wölken oder sprengt fruchtbaren thau aus ihnen;
und wer weifs, ob nicht der volksmäfsige ausdruck: in
alten weiber schütteln ihren rock aus (de aule vriter
schüddet den pels ut, Strodtmann p. 336) für:- es schneit;
eigentlich identisch zu nehmen ist mit dem s. 165 angefahr-
ten: frau Holle macht ihr bett? göttin, valkyrie, he«,
*) vj^l. oben s. 338 über sturmerregung durch stetaworf oed «it-
seraut^ierseD.
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FELDZAUBER 617
noch dem stufengang solcher mytlien.*) Ancli im Norden
geben liagel und Unwetter aus von den halbgötünnen Thor»
geidlir und Irpa (8.364), nicht saat verderblich, sondern
heergefährlich. **)
Zuweilen geht aber die absieht des zaubers weniger
darauf, die frucht zu verwüsten, als vielmehr sich ihrer
2U bemächtigen, sie aus dem felde zu entführen, sei es
zur eignen vorrathskammer, oder zu der des güustlings.***)
das nannten schon die Römer: satas alio traducere messes
(Virg. ecl. 8,99); cantus vicinis fruges traducit ab agris
(TibuU. I. 8,19.) Man wähnte, wenn unholden durch re-
ben giengen und die stocke schüttelten^ kämen die trau«
ben aus des nachbars stück in das ihre (Hartmann vom
segenspr. 341.) ein alter thalbauer gab seiner ^enkelin ei«
nen stock, den sie an einem gewissen ort auf dem feld
in das körn stecken sollte, unterwegs wurde das mäd-
chen vom regen übereilt, flüchtete unter eine eiche und
llcfs da den stab stecken: als sie wieder heim kam, fand
sich ein dichter häufen eichenlaub auf des grofsvaters bo«
den (das. p. 342.) Auch kommt vor, dafs reben im topj
gesotten werden, wahrscheinlich zum verderb des Wein-
bergs, die hexengiftkräuter sieden und verdunsten unter
dem himmel«
£s wird erzählt, dafs sich hexen nackend im sande,
oder im körn baden ; ich weifs nicht warum. Drei hexen
sali man zum roggenfeld gehn, sich ihrer kleider entledi-
gen und splitternackend mit hängenden haaren im körn
baden, als zeugen nahten, verschwanden zwei plötzlich
niit zurücklassung ihrer kleider, die dritte stürzte ihr liemd
über (Voigt 130 — 132.) Ist hier Zusammenhang mit den
kornweibern und roggenmuhmen ( s. 270 ) ?
Hexen und hexen meister bedienen sich verschiedner
geräthe, von denen aber gewöhnlich keine genaue besohrei-
biiDg gegeben wird, in bairischen acten ist oft des soge-
nannten mause oder fackel (ferkel) machens erwähnt:
die hexe hat ein dunkelgelbes, hartes, unbiegsames, vier-
*) eloe hexe heifst Knc\i feldspinnerin (abergl. 824), ohne dafs
es in den sagen erläutert würde: vielleicht die alte schioksalspionende
wei^e frau?
'*) wie der Wirbelwind dem teufel beigelegt wird (8.566), so den
hexen (abergl. 554. 648.) Kitian 693 bemerkt, daffi er auch garende
wif (fahrendes weib) heifse, d. i. luftfahrende Zauberin; vgl. winds^
braut (8.361) und ^wie eine Windsbraut durchs land fahren.' Sim-
pUc. 2, 62.
***) vgl. den zutragenden komdrachen (s. 572) und haosgeist.
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618 ZAUBBRGGRÄTH
beiniges Werkzeug, sie bildet aus einem tuch die gestah
einer maus oder eines ferkeis, hält jenes gerHth danmter,
und spricht:
lauf hin und komm wieder zu mir!
dann lauft das thier lebendig davon; wahrscheinlich, um
ihr etwas von andern leuten herzuholen, zuzutragen, eine
hexe heifst deswegen mausschlägerin^ ein zauberer mausr
Schlägel, norddeutsche processe haben den ausdruck mäa»
seniacher (miisemaker) und einen andern hergangt die
hexe siedet zauberkräuter und ruft dann 'maus maus, her^
aus ins teufeis nanien!' worauf die thiere «us dem pott
springen. *) Die schwed. Überlieferung nennt da» bjäraan
oder bare, welches nach Ihre (dial. lex. 18*) ein meltge"
fäfs (mulclrale) war und aus neunerlei gestolnen webkno-
ten zusammengeknüpft wurde, man liefs drei blutstropfen
aus dem kleinen finger hineinfliefsen und iprach:
pä )orden skal tu för mig springa,
i Bläku]la skal jag för thig brinna!
der name rührt daher, weil das geföfs den Verehrern des
teufeis milch oder andre dinge ins haus zutrug (bar, von
bära.) Hülphers (fierde Sämlingen om Angermanland. Ves*
teräs 1780 p. 310) schildert es als einen runden ball, der
aus lumpen, werk, und Wacholder u. s. w. gemacht und
zu mehrern Zauberkünsten gebraucht wurde: er lief an»
und trug zu. in bewegung geräth er, sobald der aussen-
dende sich in den linken kleinen finger schneidet, und dis
blut darauf tropft:
smör och ost skal du mig bringa,
och derför (skal jag) i helfvetet brinna!
Wer erinnert sich nicht des wasserholenden besens in
Göthes Zauberlehrling?
Verbreiteter ist die Zauberei mit dem sieb, deren ich
hernach gedenken werde, und mit waclisbildern , denen
man, unter aussprechung geheimer worte, etwas anthat,
um auf abwesende menschen einzuwirken, entweder wird
das Wachsbild (der atzmann) in die luft gehängt, oder
ins Wasser getaucht, oder am feuer gebäht, oder mit na-
deln durchstochen imter die thürschwelle vergraben; der,
auf welchen es abgesehen ist, empfindet alle quälen des
bihles (anh. s. LH. LXII. LXlIl.)**) ein fahrender schaler
sagt (Aw.2, 55):
*) Lafferts relat. crim. p. 57. 59.
**) v(^I. Fischarts üben, der daemonomania , Straftb. 1591. W-
Ua. 144.
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WACHSBILDBR 619
mit wunderUchen Sachen
l^r ich sie denne machen
von wahs einen tobolt^^
wil sie daz er ir werde holt,
und töufez''') in den brunen,
und leg in an die sunnen.
gegeumiüei bewirken aber dafs die gefahr zurückschlagt
und den zauberer selbst trift.**) Dafs man solche wachs-
*) tauche es (das wachs) ia den braunen; will man taufe ver-
stelm, so wäre zu lesen: in dem brunnen. zu der änderung des tex-
les (aiili. s. LVI) war keine notli.
**) srliimpf und ernst cap. 272 wird folgende gescliichte erzählt:
gen Rom war einer gangen , S. Peter und S- Paul zu suchen , und da
er hinweg kam, da ward sein frau eim andern hold > der was , als man
ne nennt, ein farender schaler, der begert ir zu der ehe. die fraa
sagt, ^raein mann ist gen Rom gezogen, war er todt oder könntestu
ihn umbringen, so wolt ich dich haben für alle männer/ er spracli,
*ja, ich kann ihn wol umbringen*, und kauft wol sechs pfund wachs,
und machet ein bild daraus. Da der fromme mann gen Rom in die
Stadt kam, da kam einer zu ihm und sprach: 'o du söhn des todes,
was gehst du hin und her? hilft man dir nicht, so bist du heute le-
bendig nod todt.' der mann sprach ^wie müste das zugehn?' er sprach
'komm iu mein haus, ich will dirs zeigen.* Da er ihn heim bracht,
da richtet er ihm ein wasserbad zu, darein setzt er ihn und gab ihm
ein Spiegel und sprach, 'schau darein!* und safs neben ihm, und las
in einem buch und sprach zu ihm; *sihe in den spiegel, was sihesta
darin?' Der mann in dem bad sagt, <ich sihe wie in mein haus einer
eia wachsen bild an die wand stellet t und geht hin und nimmt das
armbrust, und spannt es, und will in das bild schief sen.^ da sprach
dieser» <so lieb dir dein leben ist, so tuck dich unter das wasser,
wenn er will schiefsen.' der mann thät es. Dieser las aber in dem
buch und sprach: *sihe, was sihestu?' der mann spmch: Mch silie^
dafs er gefehlt hat und ist fast traurig und mein frau mit ihm. der
&rend schüler rüst zu und will zu dem andern mal schiefsen und
geht den halben theil hinzu.' 'tuck dich, wenn er schiefsen will.'
er tuckt sich. Dieser sprach: Mug, was sihestu?* der mann sprach,
*ich sihe, dafs er gefehlet hat und ist sehr traurig, und spricht zu
der frauen, fehle ich nun zum dritten mal, so bin ich des todes; und
rastet KU und siht nah zu dem bild, dafs er nicht fehlen mö^r.' Da
sprach der so in dem buch las: *tuck dich!' der mann tucket sich
vonn schufs. Dieser sprach 'sihe auf, was sihestu?' er sprach: 'ich
silie, dafs er gefehlet hat, und ist der pfeil in ihn gangen und ist todt,
und mein frau vergrebt ihn unten in das haus.' Da sprach er: jetz
steh auf, und geh hin!' der mann wolt ihm viel schenken, da wolt
er nichts nehmen und sprach s ' bitt gott für mich.' Da der bürget
wiederumb heim kam, da wolt ihn die frau freundlich empfahen, aber
er wolt ihr kein ^nad haben , lüde und beruft ihre freund und sprach zu
ihnen, was sie ihm für ein frau hätten geben und sagt es ihnen alles wie
sie gehandelt hätte, die frau leugnet es stets, da führet der mann die
freunde dahin, da sie ihn, hin gegraben hätt und grub ihn wieder her-
aus. Da fing man die frau und verbrennt sie, das war Ihr rechter lohn.
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eSQ WACHSBIU) WBRWOLF
bUder zuweilen taurte, zeigt eloe predigt Bertholds (coi
paL35 fol. 27^): *80 ninipt diu her, und tauf t ein wachte
diu ein liolz, diu ein tötenpein, alles, das sie domit bezou-
ber^ und hieraus geht ein Zusammenhang des zaubermittek
*mit abergläubischen heilmitteln hervor. Wie genesene und
sieclie ein wachsbild oder wachsglied in kirehen weihen und
aufiiäDgen liefsen, so verletzte und tödtete die hexe durck
biider. *) Ohne zweifei reicht diese zaubere! in das höchste
aiterthiun; schon Ovid gedenkt ihrer (amon UI. 7, 29) t
sagave punicea deGxlt nomina cera,
et medium tenues in jecur egit acus?
vgl. Horat. (epod. 17, 76): movere cereas imagines^ bei
Theocrit 5, ?8 ist das wachsschmelzen deutlich: mg xov-
%ov Tov xagov iyat ovv Sai/tovi ^ax(0^ ws vauoid^ vn
iQCDTog^ aber nicht, dafs es ein bild war; bei Virg, ed. 8,
74 IT. scheint ein zauberbild (terque haec altaria circum
ejfigiem duco) aus leim und wachs gemacht; limus ut
hie durescit et haec ut cei:a liquescit uno eodemque igne,
sie nostro Daplinis amore. die reimende formel erkennbar.
Ganz ähnlich diesem aufhängen und bähen des atz-
manns war der alte gebrauch, die erde oder den rasen
auszuschneiden, auf welchen der fufs eines menschen ge-
standen hat 9 den man verderben will, dieser erdechnitt^
wie ihn Vintler nennt (s.Llll)', wird in den Schornstein
gehängt, und wenn er zu welken oder zu dürren beginnt,
muFs auch jener mensoh abzehren (abergh 524. 556.) schon
Burchard führt es an (anh. XXXIX.) man kann ein pferd
lähmen durch das einschlagen eines nageis in seinen fri-
schen fufstrity einen dieb verrathen^ wenn man zunder
hineinlegt (abergl. 978.)
Auch das vermögen , thiergestalt anzunehmen , haben
unsere zauberer mit denen der Griechen und Römer ge-
mein: mäuner werden zu Wolfen, frauen zu katzen.
Herodot 4, 105 meldet von den Neuren, unter Scjihen
und in Scythien wohnhaften Hellenen gelten sie für zau-
berer (yoiTTfff), weil sich jeder von ihnen alljährlich auf
einige tage in einen wolj wandele ^ dann aber wieder
menschliche gestalt annehme {wq itioq ixaarov «yraj tif
NevQviv ifxuaTOß Xvxoe ytrerat^ VI/Jq^S oXtyag^^ ««J
uvTis onioia iß %wvt6 KaTtoTazat,) Ähnliches berichten
Plinius 8, 34, Pomp.Mela 2, 1 und Augustin (de civ.dei 18,
*) etwas anderes ist, dafs in dan. liedern (DV. 1,274. 279) zwei
kinder aas wachs gebildet werden, nicht am zu zaubern, soodera oa
der Zauberin, welche die gebart hinderte, glauben sa nacbeBi di£i
sie von statten gegangen sei
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WBRWOLP «1
17.) 'hU ego saepe lupum fieri et se condere silvisMoerin . .♦
vidL' Virg. ecl. 8, 97. Ein mensch, den diese gäbe oder sucht
auszeichnete, hiefs Xxmavd^Qwnoe'*)^ welcher Wortbildung
das ags. verepulf (leges Caiuiti, Schnüd 1, 148) genau ent-
spricht, goth. valravulfs? ahd. werawolf? ich finde ^er-
ipolf zuerst bei Burchard (anh. s.XXXVUI.) aus Ma-
nilf, garulf kann das franz. loupgarou umgestellt schei-
nen, doch hat auch der bretagn. dialect bleizgaroUy bleiz"
garo (von bleiz, wolf) und denvleiz (mannwolf, von den,
mann) grekuleiz (femmeloup); bisclaveret bei Marie de
France 1, 178 mag aus bleizgarv entstellt sein, wie das
normandiscbe garwal aus guarwolf. poln. finde ich wiU
holjeh^ böhm. wlkodlak, das eigentlich wolfhaarig bedeutet
und an den haarigen waldgeist (s. 271) erinnert.
Nach den ältesten einheimischen begriffen hängt die
annähme der wolfsgestalt ab von dem überwerfen eines
wol/gürtels oder ivolfhemds (ülfahamr), wie die Ver-
wandlung in Schwan vom anziehen des schwanhemds oder
Schwanrings (s. 241.)'^'^) Es braucht also gar nicht in der
absieht des zauberns zu geschehen, jeder das wolfhemd an-
legende erfahrt die Umwandlung, und bleibt neuntagelang
wolf, erst am zehnten tag darf er in menschliche gestalt
zurückkehren.''''^''') mit dem aussehen nimmt er zugleich
die Wildheit und das heulen des wolfs an: wälder durch-
streifend zerfleischt er alles was ihm vorkommt, f) Auf
*) QDter äsopischen fabeln ein arti/^ schwank. (Cor. 425. Für.
423): seinem wirte macht ein dieb weis, sobald er drei mal gähne,
werde er zum werwolf (ora» ow xuanij&iä TQttq ßoXuq, yivonac Xv-
uoq fö&ioty uvO-^ta:iov<:.') der furchtsame wirt flieht und jener bemäch-
tigt sich seines gewandes. Einer eignen verwandlungsweise gedenkt
Petron (sat 62): 'ille circumminxit restimenta sua, et subito lupus
factus est; vestimenta lapidea facta sunt.* vgl. cap. 57: 'si drcum^
minxero illum, nesciet qua fugiat'
**) der gürtel ist das wesentlichste der bekleidnng> von dem gur-
tel läfst das alterthum auch sonst zauberhafte Wirkung abhängen, z. b.
io Thors gürtel (niegingiördh , fem.) lag seine göttliche kraft. Sn. 26.
***) man glaubt auch, dafs die phoke (selr) jeden neunten tag die
fisclihaut ablegt, und einen tag mensch wird. Thiele 3, 51.
f ) ein ehpaar lebte in arQiut. zur Verwunderung des mannes
WHSte die fran dennoch bei jeder mahlzeit fleisch aufzutm^en,
lange verheimlichend wie sie dazu gelangte; endlich aber versprach
sie ihm die entdeckung, nur dürfe er dabei ihren namen nicht nennen.
Nun giengen sie mit einander aufs feld, wo eine heerde scliafe wei-
dete, zu welcher die frau ihren schritt lenkte, und als sie ihr nahe ge-
kommen waren warf sie einen ring über sich , wurde augenbürkh'ch
snm weru^olf der in die heerde fiel , eins der schafe grif und damit
entfloh. Der mann stand wie versteinert; als er aber hirt und hunde
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622 WBaWOLP
solche weise mischt sich die Vorstellung waldflüchtiger Yeiv
bannter*) wie mit der von Schraten (s. 273) auch mit der
von werwölfen. ein berühmtes beispiel ist Sigmunds und
Sinfiotlis (fornald. sog. 1, 130.. 131)
Nach dem franz. lai de Melion p. 49- 50 mufs der
entlleidete **) mensch mit einem zauberring berührt
werden: alsbald verwandelt er sich in einen wolf, der
das wild verfolgt. Nach Älarie de Fr. 1, 182 vnrd ein
ritter wöchentlieh drei tage zum bisclaveret, und lauft na-
ckend im wald umher ; nimmt ihm jemand die beiseits ge-
leglen menschlichen kleider weg, so mufs er wolf blei-
ben.***) Ein dän. lied ( DV. 1, 184) kennt auch die Ver-
wandlung in einen baren durch umbinden eines eisen*
halsbanden^
Gewöhnliche annähme unseres Volksglaubens ist, dafs
die Verwandlung durch einen um den leib gebundnen
riemen bewirkt werde ; der gürlel sei nur drei finger breit,
und aus der haut eines menschen geschnitten, von natür-
lichen Wölfen soll ein solcher werwolj an seinem abge-
stumpften schweif zu erkennen sein. Lothringische liexcn-
acten ergeben, dafs durch ausrupfen, segnen und werfen
von grashalmen wider einen bäum wölfe hervorsprangen,
die augenblicklich in die heerde fielen; die stellen bei Re-
migius p. 152. 162 lassen zweifelhait, ob die graswerfcn-
den männer selbst zu wölfen wurden; nach p. 261 kann
man nichts anders dafür hallen, mehrere werwolfsgeschich-
ten hat Bodins damonomanie (nach Fischarts übers, p. 120
fF.) Eigenthümlich ist der dän. aberglaiibe no. 167, wo-
nach eine braut, die sich eines angegebnen zaubers be-
dient, um schmerzlos zu gebaren, knaben zur weit bringt,
die werwölje, mädchen, die nachtniahren werden. Thiele
1, 133 bemerkt, der wervvolf sei bei tag menschlich ge-
staltet, doch so dafs seine augbrauen über der nase zu-
samme n wachsen •\) , ndichxs aber wandle er sich zu ge-
dem werwolf nachrennen und die gefalir seines weibes sah, Tergafs er
sein versprechen und rief 'ach Margarcit!' da verschwand der wolf
und die frau stand nackend auf dem feld. (hesa. volkssage.)
*) denen der wald mutier Ui (srlmma mati) Vuk wb. 926.
**) er bittet alier, ihm die kleider aufzuheben: *ma despoille n«
gardez', wie in jener äsopischen fabel: dhfial oov ^ *Va yi'i«Sjyc t«
IßlUTlU fiOlf,
•••) die altengl. sage von William and the werwolf in Hartshoriei
ancient metrical taics habe ich noch nicht gelesen.
f) sonst auch ein zeichen der hexe oder des Zauberers, welche
andern den olh zuschicken können: als ein Schmetterling gelit er tf«'
iivn augbrauen hervor (deutsche sagen 1, 132.)
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KATZB 623
wisser zeit in einen dreibeinigen hund. erst dadurch^ dal's
man ihn werwolf schilt, werde er frei. Auch nach Bur-
chards änfserung scheint lykanthropie etwas dem menschen
angebornes*
Die Verwandlung in latze läfst sich wieder mit
dem wesen der hausgeister (5. 286. 290) in Verbindung
bringen ; niemals ist hier von dem überwerfen eines gür-
teis oder hemdes die rede» Das volk sagt: eine zwan-
zigjährige katze werde zur hexe, eine hundertjährige hexe
wieder zur katze* Vintler s.LVII gedenkt der angenomni«
nen hatzengestalt. Wie bei den nacht frauen (s. 597)
kommen in fast allen hexenprocessen beispiele vor, und
besonders oft wird von verwundeten katzen erzählt, die
man hernach an verbundnen weibern wieder erkannte, be-
gegnende katzen sind zweideutig (abergl. 643.) fremden
katzen soll man nichts zu leid thun; die hexe könnte sich
rächen* ein bauer siechte seit seinem hochzeitstage : er
hatte an ihm eine katze, die gesattelt in seinen hof ge-
kommen war, mit einem stein geworfen, die gesattelte
katze ist eine art gestiefelten katers (KJNI. 3, 259.)
So häufig in hexensagen zaüberer und Zauberinnen
gestalt von thieren annehmen, so wenig kommt vor, dafs
sie unschuldige menschen in thiere verzaubern, nur die
märchen erzählen solche Verzauberungen, die gerade in
der Zauberei der Griechen und Römer vorwalten. waS
Circe vermag ist unsern hexen nicht gestattet; sie können
selbst zu thieren werden, mit thiergestaltigen elben und
tcufeln verkehren, aber keine menschen in thiere wan-
deln. Doch erzählt Niclas von Wyle (in der Zueignung
seiner Übersetzung des Apulejus) einen fall, den er aus
dem mtmde des kaiserlichen kammerschreibers Micliel von
Pfullendorf vernommen hatte, ein wirt und gastgeber sei,
durch Zauberei"^) einer frau, länger als ein ganzes jähr
wilde gans gewesen und unt6r solchen gänsen herumge-
flogen, bis er sich einmal mit einer andern gans gezankt
und gebissen und diese ihm zufällig das tächlein , worin
der Zauber verstrickt war, pom hals abgerissen habe,
wieder also ein schiPanring.
Wenn die abgelegte kleidung (menschliche oder thie*
rische) weggenommen wird (8.241.242.622), so ist keine
Wiederherstellung der verlassenen gestalt möglich; daher auch
in sagen und märchen die abgestreifte thierhaut heimlich
') 'durch gemecht\ vgl. 8.581 maclien, zaabern.
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624 ZAUBERHEMD
pBegt verbrannt zu vrerden**) Doch kann die mensclien«
gestalt unter der bedinguog zurückkehren, dafs ein im-
schuldigeB niadchen sieben jähre lang, stumm und schwei*
gend, ein hemd ferüg spinne und nähe, das über den
verzauberten geworfen werde. ( KM. 1, 53. 246. 3, 84.)
Ein solches hemd löst nicht nur den zauber, es macht auch
fest und siegreich (abergl. 656. 708)**); in der letzten
steile ist siegen vor gericht für das ältere siegen im kämpf
gesetzt. Im MA. hiefs es S. Georgen hemde (Vintler im
anh. s. LV),' Wolfdieterich empfängt es von Siegminne, d.
h. einer weisen, spinnenden norn oder valkyrie (8.245);
sichtbar ist die altheidnische idee hernach auf den siegrei*
eben heiligen der christlichen kirche übertragen, mir schei-
nen diese gefeierten schicksalshemde zusammenhängend mit
dem gespinst und gewebe der nornen und der £i*au Holla.
Wahrscheinlich schrieb man den hexen, welche feldspin^
ner innen hiefsen (s. 617), zauberhaftes weben und spin-
nen zu; Burchards stellen vom aberglauben in lani£cüs et
ordiendis telis (s.XXXII. XXXVI.) sind zu vergleichen. Uinc-
mar von Rheims (opp. 1, 656) gedenkt der Zaubereien *quas
superuentas feminae in suis lanüicüs vel textilibus operi-
bus nominant', und p. 654 sagt er: ^qiiidam etiam pesti^
bus carminatis induebantur vel cooperiebantur.'***)
Es ist ein zauber durch blo/sen blict, ohne alle leib-
liche berührung möglich, was man in der alten spräche
entsehen nannte (s. 582.) das triefende, neidische, üble äuge f)
der eintretenden hexe (abergl. 787) kann plötzlich verletzen,
säugenden frauen die milch entziehen, Säuglinge schwind-
süchtig machen, ein kleid, einen apfel verderben: visu ob^
fascinare (s. 600 und anh. s. XXXIX); *der rock ist so
schön, der apfel so roth, dafs ibn kein böses auge^ onda
ö'ga (schwed. abergl. 57) ansehen soll.' schädlicher bll
ck
*) Aw. 1, 165. KM. 2, 264. Straparola 2, 1. pentamerone 2, S.
Yak 1, XXXIX ff. fornald. sö^. 2, 150. 151.
•*) efn solches sieghemd gemalmt an das mitgeborne glüekshemn
(s. 508) der kinder, welches in Danmark aucli seyershuet seyershtelm,
seyersserk heifst traut man der redensart 'mit dem heim gebar«
sein' ein hohes alter zu, so weissagt dieser siegshelm den künftig
beiden. Tgl. Buieoger 3* 30 über die amniomantia , d. i. divinatio per
amnium seu membranam tertiam erabryonis.
•••) den entzaubernden, sichernden hemden stehen bezauhfmt^'t
i^erd^rhliche entgegen, in einem serbischen lied (Vuk 3, 30 z. TÖöff.)
ein goldhemd weder gesponnen noch gewoben y sondern gestrickt, euw
schlänge in seinen kragen geflochten.
f) übel ougen Parz. 407, 8 sind neidische, übelwollende.
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ZAÜBBRBLICK * 625
abergl. 753. 874, obliquua oculus , Horat. episl. I. 14;, 37.
Vorzüglich heifst es von kränkelndem vieh: *es ist ein
bvaea äuge dabei gewesen.' Virgil ecl. 3, 103: *nescio
qiiis teneros oculus mihi fascinat agnos.' Radulfi arden-
tis honiiliae 42«: 'cavete ab iilis, qui dicnnt, quosdam oculia
urentibus alios fascinare.' urentes ociili liat Persius 2, 34 und'
fascifiare^ ßaonalvtiv galt den alten vorzugsweise von dieser
art Zauberei. Sitgandi kann durch seinen blick alles verderben;
dem gefangengenommenen ziehen sie einen sack übers gcsicht
(dreginn belgr d höfut honum): erschaut durch ein IoqIi im
sack, und verdirbt mit einem blick ein grasfeld (Laxd. p.
152. 156.) Verschieden und doch äbnlich sind die schar^
fen äugen einzelner beiden und Jungfrauen: die gebundne
Svanhüdr soll von pferden todt getreten werden : * er hun
brd i sundr augum, X\A thordliu eigi heslarnir at spora
hana; ok er Bikki sd that, maelti hann, at belg skyldi draga
d höfudh henni.' (fornald. sog. 1,226.) Und von einem
Sigurdhr heifst es fornm. sog. 2, 174: 'at hana hefdhi snart
augnabragdh ^ at allir hundar hurfu frd honum, ok var
engtnn syä grimmr, at thyrdhi d hann at rddha, er
bann hvesti augun Imöt theim.' Steht mit der hexe bö-
sem äuge jene seltsame gestaltung ihres augapfels (s. 610)
in Verbindung? als Sicherungsmittel gegen seinen einflufs
wird die pfote des blinden maulwurfs getragen.*)
Wie aber hohe Schönheit mit dem strahlenblick der
äugen zaubert, hat ^it auch zaubergewalt in dem lächeln
ilires mundes. Nach einem neugriech. Hede, wenn die
reizende Jungfrau lacht y fallen rosen in ihre schürze
[tmov yskä xal nitfiovps vd ^oSa *a ^fjv nodiav ir^s)
Fauriel 2, 382. In Heinrichs von Neuenstadt Apollonius von
Tyrus, der um 1400 gedichtet wtirde, heifst es z. 182 *wd
sach man r&sen lachen?^ und. dann wird ein märchen
erzählt, in dem ein rösenlachender man auftritt:
*der lachet n daz ez pol rdsen was,
perg und tal, laub und gras.'
ein niederl. Sprichwort (Tuüiman 1,306) lautet: 'als hy
lacht, dan sneuwt het rozenJ* dieser mythus mufs sehr
gangbar gewesen sein, da ich in oberd. Urkunden, und
noch heute, den eigennamen Rosenlacher, Rosenlächler,
Blumlacher öfter finde, das nemliche gedieht von Apol-
lonius hat z. 2370
•) anderes ist, dafi zaoberer durch ihre gaukelei die avp;en
der menschen verblenden: sunt et praestigiatores , qui alio nomine
obstrigilli vocantnr, quod prae&tringant vel obstringaut humanorum
I aciem ocalonim. Hincm. rem. ed. 1645 1, 656.
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626 HEXEN
er ku8te sie vrol dreifsig stunt
an iren rosenlachenden inunt,
andere liierher gehörige stellen sind Aw. 1, 74. 75 ange-
zogen. Begabte glückskinder haben das vermögen roseo
zu lachen, wie Freyja gold weinte; vernmllich waren es
ursprünglich heidnische lichtwesen, die ihren glänz am
hunniel über die erde verbreiteten, rosen und sonnenkio-
der (Georg 48. 49), lachende morgeni-öthe (8.431), rosen-
streuende Eos (s. 432.)
Die gewöhnlichen zauhermittel lassen sich auf den
bekannten spruch zurückführen: ^hrüt^ steine unde tvort
hdnt an kreften grijzen hört' (Freid. 111^ und anm. p.366),
der uns das enge band zwischen zaubere!, heiikunst und
poesie bestätigt, aus steinen und kräutern werden heil-
same wie giftige kräfte gewonnen, Sprüche und lieder
können segen oder verderben bringen.
^ Zwischen beschwörung und segen dürfte man unter-
scheiden, jene für die anrufung des beistände« höherer
wesen, diesen für die blofse aussprechung schützender
Worte, )ene für schädigend, aufregend, diesen für beflend
besänftigend halten, beide aber mischen sich, der aii&-
druck segen ist undeutsch, obwol frühe mit dem chrislen-
tlium eingeführt, und aus Signum (crucis), signare ent-
sprungen. Das ags. spell (oratio, sermo) engl, spell be-
greift beide arten. altn. unterscheidet sich von galdr
(incantatio) die boen ( iniprecatio , precatio, oben 8.20.)
Ursprünglich waren alle Segensformeln christlich, es
hat sich aber vielen hernach auch heidnisches beige-
inetigt; ebenso haben heidnische beschwörungen christ-
liche bestandtheile aufgenommen. Die älteren formein alli-
terieren und selbst den jüngeren ist dieses noch eingeprägt
(2. b. wenn es heifst: alle ein und alle aus! wolauf alb
und eibin! du sollt noch ruhen noch rasten! u. s. w.) is
den meisten sind gleichwol reime eingeführt.
Segen scheinen laut hergesagt, beschwörungen leise
gemurmelt (s. 583) oder wie man in einigen gegenden sagt
gepröpelt zu werden, der alte kalstar, galdr setzt, gleidi
dem lat. cannen, gesang voraus. Marbod v. 446 nennt
die formel Carmen legitimum,
Aufser den im anhang von s. CXXVI an gelieferteB
formein sind einzelne schon im text, so wie in der sam-
lung abergläubischer gebrauche enlhallen. *) Häufig wcr-
*) s. 320 eine Versinkangsformel , s. 401 eine aiurnfuog des
t. 440 — 42 die formel bei austreibuog des muters oder des todes, s,M
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BESCHWÖRUNG 627
den darin noch ethische weaen angerufen, obgleich oft
schon durch christliche namen ersetzt oder mit ihnen un-
termischt. In jenen zeigt sich unverkennbar ihr Zusam-
menhang mit dem heidenthum. '*')
Die manigfaltigsten Wirkungen wurden durch zau-
bergesang erreicht: menschen gelüdtet und erweckt, stürme
aufgerufen (carminibus in nimbos solvere coelum. Saxo
gramm. 17) und besänftigt, krankheiten verursacht und
gehoben, berge geöfnet oder gesclilossen **); bände ge-
sprengt , krejisende ihrer bürde entledigt oder verschlossen
gehalten, böse geister herbeigerufen. ***) anderes abergl. 875.
*Willa,'sagt Liutprand 5,15, coepit aruspices maleficosque
ioquirere, quorum carminibus juvaretur.' Hincmar 1,654
aus verschiednen bestand theilen zusammengesetzte zauber-
mittel nennend fügt auch ^carminibus incantata' hinzii.
Unter den altn. beschwörungen sind berühmt : die der
völva Gröa (fornald. sog. 3, 241) als sie einen stein aus
Thors Haupte zaubern wollte, aber von dem gott selbst
unterbrochen wurde. Sn. 110. 111; als sie aus dem grab-
hügel erweckt ihrem söhn zauber sang (Gröugaldr, 'er
hon göl syni sinom daudh.') Saem. 97 ; die der Oddriün über
BorgnJ', welche nicht gebähren konnte ('göl bitra galdra at
Borgn^jo') Saem. 240; die von Skirnir über Gerdhr ausge-
sprochne Verwünschung. Ssem. 84. 85 ; die der alten Busla
(Buslu bcen) fornald. sog. 3, 202 — 205 (Syrpuvers) das: 206.
Todte wurden aus ihren gräbern zum gespräch gerufen,
es ist fast dieselbe formel, deren sich Gröas söhn und
die der hexenausfart ; anh. XLVII, 15 fingen blättern, XLVlir,SO beim
spaoscbneideu , L, 46 für ausgetrieboe achweine, L» 53 gegeu kröpfe,
LIV beim eiobriogeo junger liüner, LYI beim aufrof der tixlcen,
LVllI gegen den olirwurm; abergl. 183. 196 gegen das fieber, ^15.
492 gegen zunehmende übel, 402 beim tanzen, 515 bei besciiru'Oeti
l^ranken, 518. 519 beim krautpflanzen, flachssaen, 611 beim auruf '
der irwiftche, 631 bei aasgefallnen zahnen, 794 gegen die rose, 811
gegen die flechte, 873 gegen herzgespann, 877 gegen den holzwurm;
«chwed. abergl. 7 1 gegen den Wassergeist , 105 beim skjata des spjäU ;
fraaz. abergl. 25 beim anruf des merzen.
•) denn gerade so heifst es in altn. formell 'iröll ok dlfar ok
töfra noniir!' (fornald. sog. 3, 205.) töfranora also doch in einem
gedieht (vgl. 8.580.)
**) 'th Ariein öfne dich, schliefs dich T (Otmars sagen p. 236. 237);
'berg Semsi, tlm dich auf! tim dich za! (KM. no. 142), vgl. 8.612
die maus der sich ein berg öfnet Ein zauberer Svanr geht in den
herg Ralbakshom und verschwindet (Nialss. cap. 14) d.h. er spricht
eine ihn öfuende formel aus.
*••) Ottocar 298l> cap. 335 : * mit hilf ains alten weibs pesprach er
den posen gaist'
40*
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628 BESCHWÖRUNG
Hervor bedienen: Waki th&, Gröa, vaki thA gddh kona,
vek ek tliik daudhra dura!' Saein. 97*; 'vaki thü Angaotyr,
vekr thik Hervor, einka duttir ykkar Svdfu ! ' (fomald. sog.
1, 435.) das biefs valgaldr qvedha ( leichenzauber spre-
chen) Saem. 94». Sollten nicht die 'sacrilegia super deftin-
ctos^ die der indic. superstit. dädsisas nennt (anh. s. XXXI)
etwas dergleichen sein, todtenlieder ? dad steht für dod
oder d^d (vgl. nödfj^r s,341), das fränkischsachsische
sisas halte ich für das ahd. sisuwä ( neniae ) granim. 2, 192,
dessen sg. sisu, siso (wie scato, scatuwes) habtm würde,
sisesang ist Carmen lugubre, Diut. 2, 283^. neniae sind
freilich auch zauberlieder , im allgemeinen sinn^ oder pof-
sen. In Britferthi vita Dunstani (gb. 925) cap. 1 (act sau-
ctor. 19 mai) heifst es von diesem heihgen: 'avitae genii-
litatis vanissima didicisse carmina et historiarum frivoUs
colere incantationum nenias? gerade so sagt Gregor, tur.
mirac. 2,1: ^ad vicum, in quo fanatici erroris naeniae
colebantur.' Wenn in einer alts. beichtformel (Lacombi.
p. 7. 8) die worte stehu: 'ik giliorda hetlunnussia endi
unhr^nia sespilon^ so möchte ich sesespilon lesen und
wieder nenias gemeint glauben, auch hetlunnussia £öbii-
ten heidn. imprecationen sein (alts. hatol dirus, H^l. 110,8,
ahd. hazzal, malitiosus, gl. Hrab. 957«.) Die gL £0^982"
übertragen necromantla durch hellirüna, d. L todesrun«;
todbringende beschwörung.
Es gab formein zum festigen^ wie zum erweichen und
täuben Aev waffen. pfeüe wurden ausgesegnet (anh. a. LI);
bei ihren freilassungen durch den pfeil murmelten die Lao-
gobarden, ob rei firmitatem^ einen Spruch (patria verba.)
Paul. Diac. 1, 13.
Und wie vor geistern Schlösser, thüren aufspringen
(s. 529), die nachtfrau durch verschlossene thüren fahrt
(8.597) so weichen blofser besprechung schlofs und rie-
gel. Ferabras 2759:
venc a Fus de la cambra: si la trobat tancada,
et a dit aon conjur: tota s'es desfermada.
in der folgenden stelle eines mhd. gedichts wird zwar anr
des hinzutretens gedacht, der viehdieb mufs aber, als er
sich näherte, lösende worte gesprochen haben, möer
Helmbrecht 1205:
min geselle Wolvesdrüzzel
üf tuot er ine slüzzel
*) Wurzel ein goth. seisa, sAis, sisum? wo?on M% (dolor, Iictv)»
ahd. fi^r, ags. s^r, und das ags. särcvid ist carmeo lugubre, elegia.
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BESCHWÖRUNG BINDUNGEN 629
alliu 8l<}z und tsenlialt:
in einem jdr hän ich gezalt
hundert isenhalte gröz,
daz ie daz slözdannen schoz ,
als er von verre gie dar zuo^
ro8y obsen und inanic kuo,
die ungezalt sint beliben,
die er üz dem hove bdt gelribeu,
daz ie daz sl<jz von einer stat
schozy swann er dar zuo trat.
noch jetzt stehn einzelne räuber und gauner in dem ruf,
ihre ketten und Schlösser besprechen zu können , dafs sie
ihnen abspringen*
Der Verzauberung neuvermählter ist schon s. 606 er- '
wähnung geschehen, die hexe kann durch blofse herniur^
melung eines Spruchs während der trauung, w^enn sie da-
bei zugegen ist, den mann zum zeugen, die frau zum em-
pfangen untüchtig machen. Hincmar 1, 654 erzählt einen
fall, und gibt die Zusammensetzung des mittels an, das
neben der beschwörung augewendet wurde; auf Hincn^ar
gründet sich eine stelle in Gratians decret II. 33, 1.n{^4.
diese Zauberei heiht senkelknripfeny nesleltnüpfen, schlo/s^
schlief seriy binden^ weil dabei beimlich ein knoten ge-
knüpft, ein schlofs zugeschlagen wird.*) nestel bedeutet
einen bendel (ligula), senket, wenn er oben an der spi-
tze mit blech, zum leichtern einsenken, gefafst ist. man
sagte auch bruchverkrilipferi, niederkleid, nackmäntel knü-
pfen, franz. nouer Vaiguillette. es soll funfzigerlei arten
solcher Verknüpfungen und eine menge unverständlicher
knüpf spräche geben. **) das zugemachte schlofs , der ge-
knüpfte knoten wurde weggeworfen, nicht an die bezau-
berten gehängt.
£s gab aber noch andere bindungen und knüpfungen,
ligaturae y nefaria ligamenta^ die als zauberhafte, heil-
same oder schädliche mittel angehängt wurden , vgl. auh.
XXXII. XXXllI. XXXVII. Greg. tur. (mirac. 2, 45) berich-
tet von einem kranken knaben, zu welchem man den ario-
lu« (klugen mann) berufen liefs: *ille vero venire non
differens accessit ad aegrotum et artem suam exercere co-
natur: incantationes immurmurat , sorles Jaclat, liga-
iuraa collo suspendil.' der indiculus superstit. cap. 10
*) hilfgmittel dagegen in Ettners hebammc s. 294. 296. Wegners
ftduiapl&tz p. 625 flf.
"*) Bodin übers, von Fiscliart p. 74. 75.
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630 BINDUNGEN 8IE0STEIN
nennt pliylacteria und ligaturae nebeneinander, ^vxa-
yn;rjQia sind sichernde schützende angehänge, anmiete, kio-
fig von blech, daher sie in ahd. glossen pleh^ plelJär
genannt werden, aber auch yon glajs, holz, knochen,
kräutern, silber und gold; ligaturae blofse bander und
faden Verknüpfungen, lex sal. 22, 4: 'ei quis alter! allquod
maleficium superjactaverit, sive cum ligaturia in aliquo
loco roiserit.' die sie knüpften hicfsen obligatores (capit
a. 789, 63. capitul. 1, 62.) der neuere namen ist ange-
henke (abergl. 869, 870.) auch geheime Schriften und ra-
nen wurden mit angehängt: 'qui in hominibus vel brutb
animalibus, seu in agris seu in vineis diversisque arbon-
bus maleficium, aut diversa ligamenta aut etiam scripta
in contrarietatem alterius excogitaverit facere.' lex Ma-
golh. VI. 2, 4. * ut clerici vel laici phylacteria vel jahcu
scriptiones aut ligaturaSy quae imprudentes pro febribiis
aut aliis pestibus adjuvare putant, nuUo modo ab illis vd
a quoquam Christiano fiant^ quia magicae artis insignia
sunt.' capitul. 6,72. ^admoneant sacerdotes, non ligatu-
ras ossium vel herbar um cuiquam adhibitas prodesse, sed
haec esse laqueos et insidias antiqui hostis.' capituL add.
3, 93.*) Hincmar 1,654 sagt: ^turpe est fabulas nobis no-
tas referre, et longum est sacrilegia computare, quae ex
hujusmodi de ossibus mortuorum atque cineribus carfoow-
busque extinctis (oben 8.353), •... cum filulis colorum
multiplicium y et herbis variis ac cocleolis et serpentofii
])nrticulis composita , cum carminibus incantata dqprdies-
dentes comperimus.' die bunten faden gemahnen an den
vjrgilianischen vers (ecl. 8,73. 77): Herna tibi haec primva
Iriplici diversa colore licia circumdo', und 'necte tribas
nodis ternosy Amarylli, colores,^ Beinahe scheinen diese
bindungen überhaupt mehr römischheidnisch als echt deutsdi.
Die geheimen kräfte der steine waren dem mittelalter
aus Marbods (f 1123) liber lapidum und Alberts des gro-
isen (ti280) abhandlung (opp. 2,227) bekannt.**) mil
übergehung aller übrigen beschränke ich mich hier auf den
siegstein. Marbod kennt zwei arten, alectorius (cap.3)
und gagatromeus (cap. 27.); jener ist der gev^öhnliche;
er wächst in dem leib eines verschnittenen dreiiahrigen
hahns: ^inificturn reddit lapis hie quemcunque gerenteni;^
- *) andere stellen über amalete und ligaturen in Kopp« palaeogrt-
phie 3, 74 ff.
*'') das altfranz. gedieht nach Marbod ist in den anag. tob Bca«*
peudre und Beckmann mit abgedruckt; ein jnngeref mhd. atcbu«
Hageni mus. a, 52 ff.
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SIBGSTEIN 631
extinguitque sitim patientis in ore receptus.* nach dem deuN
sehen gedieht mufs der kapaun sieben , nach Albertus vier
oder neun jähr alt sein. Ein gedieht des wiener cod. 428
no. 136 von edelsteinen nennt aber den schlangenstein den
eigentlich siegverleihenden :
ich hoere von den steinen sagen
die natern und hroten tragen,
daz groze tugent dar an h'ge,
• swer si habe, der gesige;
mohten daz sigeateine wesen
so solt ein wurm viel wol genesen,
ders in sinem libe trüege,
daz in nieman erslüege ;
den hahnstein den diirstslillenden :
man sagt von hanensteinen
swer ir in munt nem einen,
daz er guot vür den durst im si.
der heiligen schlänge oder natter (8.395. 396) mit der
kröne auf dem haupt scheint der siegstein mehr als
dem bahn beizulegen. Albertus führt einen stein bo-
rax an, den die hröte auf ihrem köpf trage, ohne ihm
aber die Wirkung des siegs zuzuschreiben. Otuit 558. 559
faeifst sie ^die abrahemsche hrote"* und es gebe nichts ed-
lers auf erden als ihren stein. Nach dem pentamerone 4, 1
wächst die preta de lo gallo in dem köpf des hahns und
ist ein wünscheist ein, mit welchem man alles erlangt. Die
morgenländische fabel von den drei lehren des gefangnen
▼ogels *) erwähnt eines ähnlichen, im herzen oder ma-
gea der lerche und nachtigali wachsenden. Dem schlafen-
den Sigurdr grikr entwendet seine tochter den siegstein
aus der tasche, und gibt ihn an Dietlieb (Vilk. saga cap. 96.
97.) einen solchen siegstein besafs auch köuig Nidung
( das. cap. 25.) in beiden stellen wird die natur des Steins
nicht näher angegeben. auch Vintler (anh. s. LIII) be-
schreibt ^den sigelstein^ nicht. Die gedichte melden ver-
schiedentlich siegbringender, unsichtbarmachender finger-
ringe (z. b. Troj. 9198), deren kraft immer von dem in
sie gefafsten stein abhängt.
Zauberhafte steine kommen nicht in die bände armer
hexen, aber in dem suchen und kochen von kräutern be-
steht ihre hauptkunst. darum ist Stria, zauberin, venefica fast
gleichbedeutend mit herbaria oder qtag/ttaxiVTQta (Theoer.
2.) Ich will die vorzüglichsten zauberkräuter angeben.
•) Reinhart CCLXXXl und Ls. 2, 655.
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632 ZAUBERK&ÄUTBR
von der batonie scheint es weuigcr den bluuien zu gdten
als den wurzeln y weil sie inuuer gegraben wird ( anh. t.
XLI. LH. LVl), Berthold sagt p. 68 'so g^nt elelklie mit
bocsen hathänien umb'; sie bat gelbe biumen *) ('diu gclwe
batenie hol' Diut. 2, 129), es ist die betoniva oder vel-
tonica^ franz. betoine^ eiue art prinieln, in der Schweiz
badÖnikll, fluhbluine, sclilüsselblume , hirlen bringen sie
ihren mädchen mit (Stald. 1,124. 386.)**) Aw. 2, 69.
Des bilsenkrauts wurde s. 334 gedacht. Doste und
dorant (origanum und antirrhinuni) abergl. 980 sichern gegen
einwirkung des zaubers, in der formel alliterieren sie***);
vgl. rujhraut und fr auenßachs (abergl. 4.) zehrwurz (arum,
abergl. 402) aller mann sharnisch fabergL 3S7\ farrnkraui
(ßSH) gundermann (abergl. 462. 4o3.) Beini hexenfest wrd
kukuksblume (s. 394) gekocht: am ersten mai sieht man
den scharfen abbruch dieser blume auf den wiesen. Der
genufs des krautes herbei (^yiaiQi(pvXXov) bewiritt, dafs
man alles doppelt sieht: darauf ist ein hübscher schwank
von der wibe list gegründet ( fragm. 37 ) , dessen auch nocb
Fischart (Gorg. 148') erwähnt, diese doppelsichtigkeit heiCst
das blerr , das augenblerr. H. Sachs IL 2, 27^ III. 3, 9**
IV. 3, 13>-^- Schlafapjel oder schlajhunz ein moosar-
tiger auswuchs am wilden rosenstrauch oder am hagedom;
legt man ilin schlafenden unter das. hauptkissen , so erwar
chen sie nicht, bevor man ihn wieder weggenommen hatf)
in der edda bcifst es ein spejnthorn (schlafdorn), mit dem
Odhinn die Brynhild sticht, dafs sie entschläft (S«m, IW".)
eiuige verwecbseln den schlafapfel mit der mandragora
oder dem alraun , deren Wurzel man durch einen huad
aus der erde ziehen läfst.ff) mir fallt auf, dafs gleich
jenem wurzellosen schlafkunz uud dem weissagenden gall-
apfel auf eicben (abergl. 968) auch die den Gelten heilig
mifitel (viscum, franz. gui) an andern bäumen auswächst;
Pliiiius 16,44 beschreibt, wie die GaUier das viscum ge-
wannen; auch selago (sehen bäum ?•), samolus und f^er-
benaca (eisenkraut, oben s,351) galt ihnen für zauber-
*) gelbblumig wachst auch das galgenmännlein (deutsche sag. 83.)
**) doch können mehr als eine blume unter dem naraen znsaai'
menfHÜen, v^\, Adelung und batonie und bathengel; Linde unter bvk-
vica (1, 193a.)
**') deutsche sagen no. 65« Jul. Sclimidt p. 132. Redeker lio.l8*
49; vgl. abergl. 980.
t) im Tristan ein blofses küsseUn, ülr. 16T2. 1693 *der xoabenere
küsseltn*, Heinr. 4911, das den schlaf wirkt.
ff) deutsche sag. no. 83 ; merkwürdige ags. stelle über UMiidras^
tu Tiiorpes anal. p. 94.
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ZAÜBBRKRÄÜTER 633
kräftig« PHn. 24, 11. 25, 9; verbene graben (anli. LIII.)
Das sogenannte Vogelnest^ zweiblatt (deutsche sag. n. 85)
scheint alraunhaft, und 'wiederum Schmarotzerpflanze. Fall^
blume ist wilder mohn, wer sie bricht bekommt die fal-
lende sucht. Wenn die regenblume (convolvulus sepium)
aufgeht oder gebrochen wird, so regnet es bakl (Slald. 2,
267.) Vierblättriger klee verleiht jedem der ihn trägt
die gäbe, gaukelei und Zauberei zu erkennen (anh. s. LH);
-wer ihn findet ist den tag über glücklich (abergl. 119) vgl.
firellöver (dän. abergl. 147 ) und Crokers fairy lales 3,
211. den Polen ist troj ziele (dreikraut) eine wunderbare
pflanze mit blauen blällern und rothen blumen: sie flöfst
liebe ein, bewirkt Vergessenheit und versetzt plötzlich an
jeden beliebigen ort. *) den Serben sind samdoias und
ololoischep kräuter, die in liebestranke geVnischt den lieb-
liaber zwingen zu der geliebten zu kommen. (Vuk s.w.)
usiuk ein kraut und die formel, wodurch ein übel zum wei-
chen (ustuknuti) gebracht wird. (Vuk s. v.) In Scandi-
navien war der reynir, schwed. rön , dän. rönneträ (sor-
bu8, Vogelbeere) heilig und wun^erkräftig. (Finn Magn«
gl. 897. 898.) ageruld (ackerwolle) dient, nach den dän.
Volksliedern , zum weben eines wünscheltuchs (D. V. 1, 265.
300), es ist eine grasart mit wolliger blume (eriophorum
polystachium.) im gedieht von Caerl ende Elegast kommt
ein mit seinem namen nicht genanntes kraut vor, wodurch
man vögelsprache und hundebellen verstehn lernt.**)
Oft ist es daran gelegen mehrere kräuter zusammen
anzuwenden, siebenerlei oder neunerlei, dreierlei holz
•) Folkslieder der Polen gesammelt von W. P. Leipz. 1833 p. 90.
**) Elegast conste behendechede , die hi proefde ter menegher
stede; bi was minlic ende mate. Iii trac ön crdt üt enen gate ende
staect binnen sinen monde. die salc ^n hadde, bi verstonde Wat ba-
nen craien ende honden bilen. so verstont bi ter selven wilen an enen
hane ende an enen bont, ende seiden, dat die coninc stont baten den
bove in baer latin. Elegast sprac: Mioe macb dat sin? soude die
coninc stn liier voren, ic ducbte dat mi naket toren, of mi verleit nu
alfs ghedrocbte' (eibischer tnig. s. 271.) Später: doe seide Carel
die edel man: 'wie bevet u giieseit den, wat soude die coninc bier
doen ? soudi gbeloven an en bocn, oft betrouwen van dat dn bont bast,
so en es nw glielove niet vast ' . . . . ' nu bort dan gbi ', sprac Ele-
gast, ende stac den coninc in den mont ^n cnU, dat daer vor bem
fitont, ende seide 'na suldi verstaen, so ic te voren bebbe gbedaen.'
Anderwärts liänjst das Verständnis der vögelspracbe von dem gennfs
einer weijsen achlange ab (rleut^cbe sagen no. 131). in der edda von
dem eines drachenherzens. Ein kindermärcben (no. 33) läfst einen drei
jftlire laug studieren was die bundo bellen , die vogel singen und die
fröi»cbe quaken.
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634 GEGENMITTEL
maclit behextes wasser sieden (abergl. 651.) aus sieben
kräutcrn -wird die hexeusalbe gesotten (anb. LVIIl), oder
neunerlei kraut gegessen (abergl. 275. 940), neunerlei holz ge-
braucht (das. 2.), neunerlei blunien gepflückt (worunter weide,
Storchschnabel und feldraute nicht fehlen dürfen.) Jul. Schniidl
119; neunerlei bhimen unters haupt legen (schwed. abergL
3); neunerlei holz (abergl. 955.); neunerlei gewurz (Ett-
ners hebamme 673) ; neun stück hollunderzweige (dess. un-
würd. doct. 161.) auf der insel Bornholni wird gegen
krankheiten viererlei blei und erbsilber bei neunerlei feuer
(d.h. an neunerlei holz brennendem) gegossen, und auf
Fühnen trägt man amulete von neunerlei holz.*)
Ks gibt einige allgemeine Sicherungsmittel gegen den
einflufs der Zauberei* Auf eine frage der hexe darf man
nicht antworten (abergl. 59), auf ihre anrede nic/U dan^'
hen (abergl. 568); überhaupt ist es rathsam für gewisse
dienslleistungen und geschenke, wenn sie nützen sollen,
nicht zu danken (abergl. 398. schwed. 35. 52. ehstn. 94.)
eine hexe ist daran erkennbar, dafs sie für geliehene dinge
dankt (abergl. 566), leine hexe antu^ortet dreimal (abex^
563.) Lobt sie etwas, so misräths (abergl. 823), man ent-
gegne ihr denn sclmell durch schimpfen, schelten, ^eben
soviel' anwünschen (abergl. 976) oder ausspeien, ins ge-
siebt loben schadet, Piiii. 28, 2; *si ultra placitum laudari^
baccare frontem cingite, ne vati noceal mala lingiia fo-
turo.' Virg. ecl. 7,27; daher wurde beim selbstrühmen
ein praefiscini (prae fascino?) zugefügt. Plaut. Asinar. II.
4, 84. schelte und Verwünschung hintertrieben die alten mit
den Worten: ate ^cerpaXfjv ooiy das möge dein haupt treffen!
Auch Neugriechen und Slaven fürchten lob und suchen sich
durch speien zu retten : die russische amme speit einem
dritten, der ihr kind rühmt, ohne ein schützendes gott
behüts! hinzuzusetzen, auf der stelle ins gesicht. vor
einer hexe haus wird dreimal ausgespuckt (abergL 756)
desgl. bei nächtlichem überschreiten eines unheimlichen Was-
sers (schwed. abergl. 40); die Griechen spien beim anblick
eines rasenden menschen dreimal in den busen. Theoer.
6, 39. 21, 11. Mer dictis despue carminibus.' Tibull. I. 2,
55. hausgeister hassen das ausspeien (s. 293.) vgl. abergL
317. 453. Nöthigenfalls soll man unbedenklich die ver^
(laclilige hexe schlagen, dafs blut üiefst, oder einen Jeuer^
brand nach ilir werfen (schwed. abergl. 96.) Brot, salz
lind h'hlen sind schulzniillel gegen den zaubcr (abergL
0 tidsskrift for uordisk ol(ik>u(iiglied 2,292.
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GEGBNMITTBL 635
564.713), wie die hexen des brotes und salzes entratlien
( s. 604.) "WirÜ man über verzauberte tliiere einen stahl,
80 müssen sie ihre natürliche gestalt annehmen (abergL 886) *);
•wer über die hexe ein bekreuztes niesaer wirft, erkennt
sie (abergl. 554); einer warf stahl zwischen die eibin
und den berg, wodurch sie verhindert wurde hinein zu
gehn (s. 263); stahl sichert das kind iu dei: wiege gegen
Verwechslung, von solchen an Wendungen des Stahls gegen
den Zauber hat beispiele Faye p. 20. 24. 25. 26. 51. 141,
vgl. schwed. abergl. 71. Gegen Zauberinnen soll man sich
geschälter stechen bedienen, weil sie sonst zwischen holz
und rinde zu entschlüpfen vermögen, (H. Sachs IL 4, 10
läfst selbst den teufel sich so gegen eine hexe sicher stel-
len.) Dem ireuzzeichen weichen hexen und teufel aus:
in der ersten mainacht sieht man darum so viele kreuze
an den thüren. Nicht weniger hassen und scheuen sie alle
glocien (s. 574. 607) und glockenläuten stört ihren tanz
auf den kreuzwegen (abergl. 542.) Hierher gehören auch
die 8.610 aufgezählten mittel, hexen zuerkennen und sich
^vor ihnen zu hüten, ich füge hier noch näheres von dem
gründonnerstagsei hinzu (wird es ausgebrütet, so ent-
springt ein buntgefiedertes huhn, das jedes jähr seine färbe
wechselt,): wer ein solches ei am ersten ostermorgen mit
in die kirche nimmt, erkennt alle weiber, die des teufeis
sind; sie wittern es aber, und streben das ei in des tra-
gers tasche zu zerdrücken, daher man die vorsieht gebrau-
chen mufs, es in einer büchse bei sich zu führen, gelingt
68 ihnen, das ei zu zerdrücken, so wird dem menschen
auch sein herz zerbrochen.
Einem der geisler oder hexensichtig ist, braucht man
nur über die rechte Schlüter ^ oder durch den ring sei'
nes gebognen arins (s. 526) zu schauen, so wird man
seiner gäbe theilhaftig (abergl. 996.)
Dies sind die eigenthümlichsten erscheinungen im ge-
biet der Zauberei. Viele, die meisten zaubermittel laufen
über in aberglauben, zwischen welchem und der eigentli-
chen Zauberei feste grenze abzustecken unmöglich ist. als
merkmal für den begrif der Zauberei habe ich zwar den
bösen willen schaden zu stiften aufgestellt, und aus der
umhehrung des heilsamen gebrauchs geheimer naturkräfte
*) ein baner fuhr naciits mit seiuem waj^en und ein wenvolf naiite»
ihn zu entzaubern band der besonnene mann nnverweilt seinen fener-
stahl AU die {(eitiel und schleuderte ihn, die geisel io der band hal-
tend, über den köpf des wolfes her. aber der wolf erhaschte deu staidt
und uun niu»(e sich der bauer durch eilende flucht retten.
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636 ZAUBEREI
scheint sie hervor gegangen; die einzeluen anwendungen
der rechten und falschen kunst lassen sich aber nicht im-
iTier sondern. Wie ein kraut, ein stein, ein segen zum
heilmittel gereicht, so können sie auch verderblich wirken;
der gebrauch vv^ar anständig und erlaubt, der misbrauch
wurde verabscheut und sträflicli. Eine giftoiischerin ist
an sich keine zauberin , sie wird es in den äugen des
Volks, sobald sie sich übernatürlicher mittel bedient. Eine
siechlimmheilende, wundensegnende weise frau fängt dann
erst für eine hexe zu gelten an, wenn sie mit ihrer kunst
übeles thut; ihre mittel seien so natürlich wie das gift der
mörderin. Hexen waren dem höheren aherthum prieste«
rinnen, ärztinnen, sagenhafte nachtfrauen, die man ehrte,
scheute, endlich gering schätzte, aber noch nicht zu verfol-
gen und hinzurichten trachtete. Wie Jungfrauen in scliwäne
wandelten beiden sich in werwölfe, ohne in der öflentli*
eben meinung dadurch zu leiden. Als im verlauf der zeit
einmischung des teufeis bei jedweder art von Zauberei an-
genommen wurde, fiel auf alle persönlichen Verhältnisse
strafbare schuld; seine althergebrachten zaubermittel behielt
aber das volk noch grofsentheils bei in dem unschuldigen
sinn des aberglaubens, den nur leichter als vorher ein an-
flug von hexerei treffen konnte.
Am deutlichsten begegnen einander Zauberei und aber-
glaube in den Weissagungen, deren abhandlung ganz dem
nächsten cap. aufbehalten bleibt, das gegenwärtige soll mit
einer nicht unwichtigen er wägung der eigenthünillchkeit
altn. Zauberfrauen (vgl, s. 593) schliefsen.
J^ölua: priesterin, Wahrsagerin, sp^^ona, norn, ein
geheiligtes wesen des alterthums, (s. 66. 231) ist auch
seidlikona.*) zauberkundig heifst schon die eddische vülva:
*seidh hon kunni' (Sa?ni. 4*^.) solche zauberweiber sind
Heidlir ^ Hamglötn, Shuld und andei-e, alle ursprünglich
valkyrien, die durch die luft reiten (8.240.) PÖlva, skass,
valkyrja stehn Saem. 154*» nebeneinander. Sie ziehen mit
ihrem gefolg (medh sitt lidh) im land um, werden ehr-
erbietig von den menschen eingeladet, bewirtet und zur
Weissagung aufgefordert, diese verrichten sie, auf einem
vierbeinigen stul oder schämel (^seidhhiallr) sitzend. «
heifst e/la seidh (den zauber festigen, zu stand bringen)
fornald. sog. 2,72. 3, 318; setja seidh (den z. setzen)
das. l; 97,; seidhrinn verdhr erfidhr (wird gearbeitet) das.
• *) Saem. 118* werden t^ölur , vitkar und seidhherenitr unlcrscWe-
deu uad \on Vidhdlfr, Vilmcidlir, SvarthOfdhi hergeleitet.
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SEIDKONUR 637
1,12; faera d hiallinn (auf den stiil fiiliren) das. 2, 72.
Die jüugereu sagen schildern sichtbar schon mit verächt-
lichen zügen. im gefolg der SkiiUI , heifst es fornald.
sog. 1, 97 fanden sich elbe, nornen und anderes gezücht
(älfar ok nornir ok annal illthydhi.) Heidhr fahrt noch
mit 15 Jünglingen und 15 Jungfrauen einher (das. 2, 165«
506), üddr aber hält sie gering, redet sie an *allra kel-
linga örmust^ (armseliges altes weib) das. 168. 508. auch
forum, sog. 3, 212 wird solcher landfahrerinnen gedacht,
die den leuten wahrsagen, und wiederum heifst es das. 214:
*Yülvan arma-'* (unselige zauberein, wie im dän. Volks-
lied ^usle havfrue' (DV. 1,110.)*) könig Frödhi wollte
sich von der völva Heidhr wahrsagen lassen : giördhi hann
tha gilda veizlu t muti henui, ok setti hana a seidhhiall einn
hlian,.. ok svara mer sem skiotast, seidlikona! (fornald.
sog. 1, 10.) da sie zaudert und nicht alles aussagt, droht
er ihr mit gewalt: thik skal /j/z/a til sogna (1, 11. 12.)**)
Merkwürdig ist aber, dals der seidhr nachts, wenn die
menschen schlafen von den völven, die samt ihrem ge-
folge ausfahren, bereifet wird : menn f^ira at sofa, en völva
f6r til ndttfars seid/is meci/i sitt lidh (das. 2, 166), in
der parallelstelle heifst es: gelik hun tlid üt medh lidhi sinu,
er adlirir gengu til svefns, ok efldi seidh (das. 2,507.)
KetiU -erwachte nachts von heftigem geräusch im walde,
lief heraus und sah eine zauberin , mit fliegenden haaren
(sa tröUkonu, ok f^ll fax ä herdhar henni); auf sein be-
fragen sagte sie ihm, er möge sie nicht auflialten, sie müsse
z\xv zauberpersajtilung j dahin komme Skelking, der geister
könig, aus Dumbshaf, und Ofuti (ohnefufs), aus Ofötans-
firdh und Thorgerdhr Hörgatrull und andere mächtige gei-
sler von Norden her (ek skal tili tröllathlngs , thar kemr
Skelktojp', uordhan or Dumbshafi konüngr trölla, ok Oföti ur
üfiitansfirdhi, ok Thorgerdhr Hörgalröll ok adhrar störvait-
tir nordhan ur landi) forum, sog. 1, 131. Jenes näclitliche
ausfahren und zaubern nannte man sitja uti (Biörn2, 251*
erklärt: sub dio nocturnis incantationibus operam dare);
im norweg. recht heifsen die ausfarten utisetor und auf-
weckungen der Zaubergeister: 'spÄfarar allar oc utisetor
at vekja troll upp, oc fremja inedh thvt heidni.' Gulath.
*) arm^ gering, unselig, elend, armut u»ache der zaubere! und
hexerei (s. 5ß5.) armer wärsage, wUsage. Freid. 124, 1. M«. 2, 176*
ond anm. zu Freid. p.372.
**) tba l^t liann taka Finn einn er margfrddlir var, oc vildi neydlia
hann til sadlirar sdgu, oc ptndi hann, oc feck tlid ecki af hönum.'
saga Hälfdaoar srarta cap. 8.
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638 SEIDKONÜR
p. 137. Von den zwecken der nord. zaubere! nur einige
beispieie. man gab den Zauberinnen geld, damit sie slurm
erregten: ^sendu eplir seidhkonum tveimr, Heidhi ok
Hamgläm, ok gäfu theim U til, at thoer sendi vedhr...
thoer efldii seidhinn^ ok fcerdust k hiallinn medh giil-
drum ok giürningum,* fornald. sog. 2, 72. der zauber
machte menschen fest gegen waffen und unverwundbar:
'\ar seidt al Haraldi at hann skyldi eigi bita iarn? das.
1,374. ^their lötu seidha at Ogmundi, svd at hann skyldi
engi iarn btta atkvffidalaus.' das. 2, 241.
Man könnte einige züge, die mit der oben gelieferten
darstellung des hexenwesens übereinlreffen, für erborgt
halten, ich zweifle daran, zwar ist die nächtliche Zusam-
menkunft bei Skelking, Ofuti und Thörgerdh nicht im geist
des altn. glaubens, sie kann aber im Norden selbst durch
allmäliche degradation älterer Vorstellungen sich erzeugt ha-
ben, kein teufel wird dabei genannt, obwol der unfüfsige
an den pferdefüfsigen erinnern mag. das nord. trÖllathing
gleicht vielmehr der Zusammenkunft unserer nachtfrauen^
die ich aus weisen frauen und vülven entsprungen glaube,
dafür gewährt das nächtliche ausfahren der Heidhr mit
ilirem gcfolge von dreifsig leuten, und der Skuld mit el-
ben und nornen die willkommenste beslätigung. Thor-
gerdli, Skuld, Heidh sind wie Hulda, Berhta echtheidnische
halbgöttiunen , an die sich der zauberhafte reigen schh'efst.
sie erregen slurm und wetler, machen unverwundbar und
weissagen. Ihr seidhhiallr mit vier stützen oder spit^
zen (stölpar, stiklar) fornald. sog. 1,12. 3,319 hat in
dem deutschen hexenthum seines gleichen nicht, gemahnt
aber des dreifußes der delphischen Weissagerin ; vielleicht
läfst sich auch den deutschen nachtfahrerinnen bei fernerer
nachsuchung ein dreijufs vindicieren, zumal dies geräth
sonst in alter heiligkeit steht (RA. 80. 189. 208); vgl. anh.
L. LI. das setzen auf den dreifujs und abergl. 111 das
verbot einen leeren dreifufs aufs feuer zu bringen. Skuld,
hier königin, zaubert in einem schwarzen zeit, auf ihrem
seidhhiallr: sat t sinu svarta tialdi d seidhialli sinum, skip-
tir nü svä um , sem dimm nött komi eptir biartan dag.
fornald. sog. 1, 105. Bei den nord. Zauberinnen herscht
noch die gäbe und das bedürfnis der Weissagung vor, die
bei den deutschen nachtfrauen und hexen mehr ziu^icktre-
ten; sollte niclit jenes erzwingen und erpressen der vollen
aussage, ptfia til sagna, vergleichbar sein dem foltern der
hexen (s. 602)? man suchte ihnen ihr bekenntnis durch
dasselbe mittel zu entlocken.
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ABERGLAUBB 639
GAP. XXYm. ABERGLAUBE.
Ilülcr aherglauben ist nicht der gesamte iiilialt des
lieldnischeu glaubens, der eia \vahn, eiu falscher glaube
ersclieiiU, üu vcrstehn, sondern Jie belbehaltung einzelner
Leidnischen gebrauche und niciuungen. der bekehrte Christ
verwarf und verabsclieute die gotter der Heiden, in sei-
nem herzen blieben aber noch Vorstellungen und gewolin-
Leiten haften , die ohne offenen bezug auf die alte lehre
der neuen nicht unmittelbar zu widerstreben schienen, da,
wo das christenthum eine leere stelle gelassen hatte, wo
sein geisl die roheren gemüler nicht sogleich durchdringen
konnte, wuclierte der aberglaube. Niederdeutsch sagt man
bigloi^e, beiglaube, nnl. overgelöf ^ bigelof y dän. ot^er-
troy isl. hiatruj die alle dem lat. superslitio nachgebildet
wurden, das selbst aus supersles abzuleiten ist, und ein
in einzelnen menschen fortbestehendes verharren bei an-
sichten bezeichnet, welche die grofse menge vernünftig fah-
ren lälst, ein Weissager hiefs den Römern superslitiosus
honio. auch in dem schwed. ausdruck i^idskepelse , über
den llire seltsame Vermutungen aufstellt, hat die parlikel
vid deutlich den sinn von neben.
Es gibt zwei arten des aberglaubens , einen thätigen
und leidenden y jener mehr das augaviiun^ sortilegiuniy
dieser mehr das omen der alten Völker.*) Wenn dem
menschen, ohne sein zuthun, von höherer band ein auf-
fallendes zeichen gegeben wird, folgert er daraus heil oder
Unheil. Entspringt das zeichen aber nicht von selbst, lockt
er es erst durch seine Verrichtung hervor, so besteht eiu
positiver aberglaube. Das christenthum hat natürlich dem
positiven, der mit heidnischen brauchen vermischt war,
eher zu steuern vermocht, als dem schuldlosen negativen
aherglauben , der wie gespensterfurcht auf das mensch-
liche gemüt wirkte.
Gebräuche des thätigen aberglaubens haben immer
practische zwecke, der mensch will sich von einem gegen-
wärtigen übel frei machen, z. b. ein siechthum entlernej!,
seinen feind wegschaffen, oder er will sein künftiges glück
*) die göttliche allmaclit bringt wunder (g. 579) liervor, eine zu-
falKge naturerscheinuDg blofse vorbedeutunf^en^ oniina, portenta, wo-
für Ulfilas den dm^tvixk fauratanja hat, Marc. 13,22. Job. 6,26.
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640 WEISSAGUNG
wUseif und sicherD. Hierbei ist nicht zu übersehn, wie
oft nach Verschiedenheit der zeiten und Völker die nenili-
chen brauche veränderte beziehuog und deutung empfan-
gen; diese bewandtnis hatte es auch bei den absiebten der
Zauberei. Was unsere vorfahren hoften oder •fürchteten
bezog sich mehr auf krieg und sieg, der heutige landmann
sorgt um ßciii 2etraide und sein vieh. Wenn die heid-
nische Zauberin durch ihren hagel-das feindliche beer ver-
dirbt, so macht die hexe weiter für des nachbars aeker.
Ebenso prophezeiiit sich der bauer gedeililichen acker aus
dem zeichen, das in der vorzeit sieg bedeutete, aber aueli
landbau und viehzuclU reichen in ein hohes alterthum und
eine menge abergläubischer gebrauche, die mit ihnen zu-
sammenliängen, zieht sicli unverrückt durch lange )ahrhiui-
derte. Daneben sind aUe richtungen des aberglaubens auf
häusliche Verhältnisse, auf gehurt, freien und sterben, na-
türlich und fast unwandelbar in dem lauf der zeiten; der
aberglaube bildet gewissermafsen eine religion für den gan-
zen hausbedarf.
Ein hauptstück des aberglaubens sind die weisaagun--
gen. der mensch möchte den schleier lüften, den zeit und
räum über seine wichtigsten angelegenheiten geworfen ha-
ben; durch anwcndung geheimer mittel glaubt er aus-
kunft zu erlangen, erlaubte und unerlaubte Weissagungen
waren \on jeher ein geschäft des pries ters und Zau-
berers (8.581. 582): jene gehören zur religion, diese zum
aberglauben. *)
Vorzüglich aber bezieht sich alle Weissagung auf cr-
forschung hiinjtiger dinge, denn sie sind die ungewisse-
sten, das vergangne ist geschehen und erfahren, seiner
kann sich auf vielen wegen versichert werden ; was in der
gegenwart y in fernem räum, geschieht, spürt der mensch
am seltensten reiz zu erkundigen; ein beispiel ist s. 619
vorgekommen: der pilgrim wird durch Zauberkunst in den
stand gesetzt zu sehen, was in seiner heimat voi'geht. doch
hat aucli, die gegenwart üir ungewisses, wenn art und
weise entschieden, vorzüglich wenn etwas getheilt wer-
den soll.
Waren ereignisse und haudlungen der Vergangenheit
in dunkel gebullt, so kannte das alterthum ein geheiligtes
') bemerk CDswerth ist die erbliche fortpflantung der weissagnngf-
gäbe, sie geiit voa der mutter auf die älteste tochter üt>er (anb.
8. LXV); es gibt gescblecliter die sich dadurcJi auszeichuen, aber ««rh
einzelne menschen, denen das vermögen zu weissagen angeborea ist,
vgl. abergl. 996.
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SIBBDREHEN 641
miltel der entdeckimg , die gottesurteilex riickwärls ge-
kehrte Weissagungen von sicherem, iinaiisbleiblichem er-
folg, dessen die gerichlsverhandlung bedurfte, allen deut-
schen gottesurteilen ist aber -wesentlich^ dafs der angeschul-
digte selbst ihren ritus vornehmen muste; niemals konnte
er in die band des richters gelegt sein. Von diesem begrif
unterscheidet sich also das seit dem mittelalter gebräuchli-
che siebtreiben oder siebdrehen ^ welches durch weise
frauen oder hexen, zuweilen auch durch zauberer geübt
wurde, um einen verborgenen übelthäter herauszubringen*
das -weib fafste ein sieb (erbsieb) zwischen ihre beiden mit-
telfinger, sprach eine formel aus und nannte nun die na-
men der yerdachtigen her: bei dem des thäters üeng das
sieb an sich zu schwingen und umzutreiben, man wandte
dies zumal gegen diebe oder solche an, die in einem auf-
lauf wxinden geschlagen hatten; zuweilen auch auf künf-
tige dinge, z. b. wer der freier eines mädchens sein würde.
Die frühste erwahnung finde ich in dem s. 590 mitgetheil-
ten gedieht: 'und daz ein wtp ein sib tribe, sunder vleisch
und sunder ribe*), dd niht inne waere', das halte ich für
erlogen, sagt der Verfasser; sein Unglaube mufs sich auf
die art des Umschwungs beziehen, das sieb ist leer, un-
kürperlich, ohne fleisch' und bein. Nach andern beschrei-
bungen wurde das sieb auf eine zange gelegt, diese zwi-
schen beiden mittelfingern in die höhe gehalten. In Däne-
mark nahm der hausherr selbst die prüfung vor, indem
er das sieb im gleichgewicht auf die spitze einer scheere
stellte (dän. abergl. 132.) Dieses sieblaufen (siebjagen,
siebtanz) mufs im 16 und 17 jh. in Frankreich und
Deutschland sehr üblich gewesen sein, viele büclier reden
davon und stellen siebdreher und Segensprecher zusam-
men **) ; vielleicht ist es noch jetzt hier und da in anwen-
dnng, vgl. Stender s. v. seetinu tezzinaht (sieb laufen las-
sen) und gramm. s. 299, die Letten stecken es an eine
*) dafs rihe für libe zu lesen sei, weist mir Wilbelm aus Parz.
184, 15, wo: gerumpfen was in diu liüt zuo den riben, auch Trist.
2905. 3175. 3178 schreibe man ribe^ nicht riebe. Wir sind durch das
PP in rippe verwöhnt, aber B verhält sich dazu ganz organisch; das
altn. rif fordert ein mhd. ribe, wie gefa geben, drifinn getrieben, PP
entspringt wegen des folgenden 1, rippe, wie sippe altn. sif. Das
neutr. ripj}e (Trist. 2891) ist costa (einzeln), das fem. ribe rippen-
Seite (franz. le c6te.)
**) Fischarts dämononi. p.71. Hartmann von segenspr. 99. Simplic.
2, 352. Ettners apoth. 1187. Joh. Praetorius vom sieblaufe. Curiae
Varisc. 1677. 4.
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642 WEISSAGUNG
scbafechere. Es war aber schon den Griechen bekannt,
Theocril 3, 31 nennt eiue ftooxivo/ifavriS^ «nd Ludan 1.753
hat xoaxlro) (navTSveoS-ah den hergang der %oa%tyofiav^kit
schildert Polier 1, 766 so: das sieb wurde an einem fadcB
in die liöhe gehahen, man betete zu den göttern und spnch
die verdächtigen namen aus; bei dem des thäters gericlli
das sieb in dreliung.
Auf ähnliche weise, wie das sieb, liefs man einen erb-
Schlüssel, der in die bibel (zwischen das erste cap. Johait-
nis), oder ein 6cz7, das in eine kugel gesteckt wurde, hä
nennung des namens in bewegung gerathen (abergl. 932.)
Ich vermute das umlaufen des lotter/iolzes, welches sprucli-
sprecher ( iotterbuben , freiharte) trugen (H. Sachs IV. 3,
58*), geschah auch um zu weissagen; fragm. 15^ heifst es
schon: 'louf umbe lotterholz, louf umbe gedrdte!'
Als Überrest des Judicium offae oder casei (RA. 932)
kann betrachtet werden, dafs man des diebstals verdici-
tige von einem gesegneten käse essen liefs : dem wahren dieb
bleibt der bissen im hals stecken. Hartlieb im anh. s. LX*}
Noch andere mittel künftige dinge zu wahrsagen konn-
ten auch auf erforschung der diebe oder misselhäter über-
haupt gerichtet sein.
Das lo/s (ahd. hlöz, goth. hlauts, ags. Meat, ttai.
hlautr) war die ehrwürdigste und gerechteste art aller
Weissagungen, ein schwieriges, bedenkliches geschaft sdle
dadurch über die wiükür oder leidenschaft der menscbcn
erhoben und geheiligt werden, z. b. bei der austheiluug
des erbes , ausmiltelung des schlachtopfers u. s. w. Lofsen
entscheidet also über eine Unsicherheit der gegenwarij
kann sich aber auch auf die zuhunft erstrecken. Anfasgs
in der hand des priesters oder richters gelegen wurde es
hernach behelE der Zauberei (8.582.584) und von sors ist
sortilegus, sorcier hergeleitet.
Es gab zwei weisen : der priester, der hausvatcr war}
das lofs und deutele das gefallene, oder er hielt es der
*) die obgervationes ad Ivonis epistolas p. IST eothalten fol^id«:
formulae in codicibos monasteriorum , quibua ad detegenda fort» jali^
batur oratio dominica scribi in pane et caseo , postea fieri cructi ^
tremulo , quarum una sub dextero pede, alia super caput sospecti ^m
poneretnr , deinde post rarias numinis invocationes Iroprecari, nt \x^
et guttnr rei alligaretar, ne transgluHre passet > sed eorom oai««
fremeret , nee liaberet quo reqoiesceret cf. formulam Dnnstani ^^^
rieni« editam a Pitlhoeo in glossario caiiitularionini. Gegen die w-
kreuzten käse (de caseis cruce non signaudis) ersdiienen im '^ ^
mehrere Verordnungen (ork. von 14JM). 1448. 1470. 1477 in
buic. 16, 50. 56. 58. 61.)
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WEISSAGUNG . 643
partei zum ziehen hin« jenes gieng auf das künftige, dieses
auf Schlichtung des gegenwärtigen. Tacilus beschreibt uns
die erslere art.
Sortiuni consuetudo simplex. virgairiy frugiferae ar-
bori decisam, in surculos amputant^ eosque notis qui-
busdam discretos super candidam veste/n temere ac for-
tuitu spargunt. mox si publice consuletur, sacerdoa civi-
tatis, sin privatim ipse pater fami/iaej precatus deos coe-
lumque suspiciens, ter ainguloa tollit^ sublatos 'secundum
impressam ante notam interprelaUir. Si prohibuerunt^
nuUa de eadem re in eundem dicin consultatio; sin per-
missuniy auspiciorum adhuc fides cxigitur. Gernu 10. Hier
macht das lol's nur die erste einleituiig des geschäfts, und
obne seine Zustimmung unterblieben w^eilere Weissagungen.
Ich schreibe die wichtigen erläuterungen nicht ab, die
mein bruder in seiner Schrift über die runen s. 296 — 307
gegeben hat. Ein gewisser Zusammenhang dieser lofse mit
runen und geheimschrift findet statt; der lofsbücher thut
schon das 13 jh. meidung. Ls. 3, 169. kolocz 70.
Eine ganze reihe von Weissagungen ist durch Grie-
chen und Römer in das übrige Europa verbreitet worden*);
dabin gehören auch Hartliebs nachrichten von der liydro»
mantiay pyromantia u. s. w. Tanh. s. LX ff.) das chri-
stallschauen des reinen kinds (s. LXIV) ist die gastrO"
mckntia ex vase aqua pleno, cujus meditullium vocabatur
Wichtiger sind die eigenthümlichen , nicht aus dieser
quelle Hiefsenden gebrauche europäischer völker, entweder
giengen dabei besondere Verrichtungen vor, oder die Weissa-
gung wurde natürlichen ^wk^i^vt oh gelauscht ^ abgehorcht ^
ab gesehn •
Die alten Polen weissagten sieg aus dem wasser das
in ein sieb geschöpjt ihrem beer, ohne durchzulaufen,
vorausgetragen wurde* ich schalte die worte des chroni-
con montis sereni (Menken 2, 227. Hoffmann Script, rer.
lus. 4, 62) ein: anno 1209 Conradus, orientalis marchio,
Lubus castrum soceri sui Wlodislai ducis Poloniae propter
multas, quas ob eo patiebatur, injurias obsedit. Wlodis-
laus vero obsidionem vi solvere volens collecto exercitu
copioso marchioni mandavit, se ei altera die congressurum.
Vespere autem diei praecedentis Oderam fluvium cum suis
Omnibus transgressus improvisus superveuire hostibus mo-
*) alphabetisch verzeichnet io Fabricii bibliographia aiitiquaria.
ed. 3. Hamb. 1760. 4. p. 593 — 613. vgl. Potters archäol. 1,758 — 769.
41*
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644 SIEBTRAGEN BIEGRABE
liebatur. Unus vero eorum, qui supani dicuntur, vdie-
menter ei coepit obsistere^ monens ne tetnpus pugnae et»-
tutuoi praeveniret, quia hoc factum nullius rectius quam
infidelitaüs posset nomine appellari. Quem dum dux limi-
ditatis argueret et fidelitatis, qua ei teneretur, commone-
ret, respondit, ^ego quidem ad pugnam pergo, sed scio me
patriam meam de cetero non visurum/ Habebat aotem
(sc. Wlodislaus) ducem belli pythonissam quandam , i^^
de flumine cribro haustam^ nee defluentem^ ut fere-
batur, duceris aquam exercitum praecedebatf ei hoc
signo eis victoriam promittebat* Nee laluit marchionem
adventus eorum, sed mature suis armatis et ordinatis occinrw
rens, forti congressu omnes in fugam vertit, pylhonissa
primitus interfecta. ille etiam supanus viriliter pugnaiis
cum multis aliis interfectus est. Was hier auf glück und
heil wird sonst auf reine Unschuld gedeutet, ein fironiBier
knabe trägt wasser im sieb, ohne dafs ein tropfen dorcb-
fliefst (KM. 3, 254.) was der mythus begreift sind dem
Sprichwort Unmöglichkeiten: ^er schepfet waazer mit dem
sibe swer dne vrie milte mit sper und mit schilte enreli-
ten wil ^re und laut.* Troj. 18536.
Nach ags. Überlieferung liefsen die Normannen ihren
beer eine wunderbare fahne vortragen, aus deren zeicben
sie sieg oder besiegung entnehmen konnten. Asserius in
vita Älfredi p. 33 ad a. 878 : ^ . . vexillum quod reafan
(1. raefan, hräfen, alln. hrafn) vocant. dicunt enim quod
tres sorores Hungari et Habbae, filiae videlicet Lodebrochi
illud vexillum texuerunty et totum paraverunt illud uno
meridiano tempore.*) dicunt etiam, q[uod in omni hello,
ubi praecederet idem Signum^ si i^ictoriam adepturi e»-
sent, appareret in medio signi quasi con^ua vivusvo^
litans] sin vero vincendi in futuro fuissent, penderei dtr-
rede nihil movens: et hoc saepe probatum est.' Im e»-
comium Emmae (Duchesne Script, norm. 169) heifst es, die
fahne sei aus weifser seide, ohne bild, gewesen, in kriegs-
zeiten aber ein rabe mit ofnem Schnabel und flattem<ko
Hügeln darin sichtbar geworden, sobald sie sieger waren;
hingegen habe er stiD gesessen und die flügel hängen las-
sen, wann ihnen der sieg entgieng. Ailredus rievalleo«.
p. 353 erklärt diesen raben für den leibhaften teufel, der
freilich in rabengestalt erschien (s. 558) ; näher liegt es an
den vogel des heidnischen siegesgoHes zu denken (s. 387.)
*) das spinnen eines fadens zwi;ichen XI und XII (abergl. B48)
stimmt sehr merkwürdig.
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GEWIEHER GANSBEIN 645
vielleicht gab Odhinn dem siegreichen beer das zeichen, dafs
er seinen boten herabsandte? aber keine nord. sage thut
solcher kriegsfahne meidung.
Von der Weissagung aus heilbringendem rossegewie-
Jier ist s. 378 gehandelt« Dempsler (autiq. rom. 3, 9) sagt:
equos hinnitu alacriore et ferociore fremilu victoriam omi-
nari etiamnunc militibus persuasum est. Abergläubische
liorcJien weihnachts zwölf uhr auf sclieidewegen, an grenz-
steinen: vermeinen sie nun Schwertergeklirr und pferde^
gea^ieher zu hören , so wird im künftigen frühjahr ein
krieg entstehn (wie man aus dem pferdegewieher des wü-
tenden heers krieg weissagt, s. 526. 527.) mägde horchen
um jene zeit an der schwelle des Pferdestalls auf das
wiehern der hengste, und vernehmen sie es, so wird bis
zum 24 juni ein freier erscheinen. (Liebusch Skythika
p. 143.) andere legen sich Weihnachten in die pf erdehr ippe,
um künftige dinge zu erfahren (Denis lesefrüchte 1, 128.) ,
Spatulamancia bei Hartlieb (anh. LXV) ist verderbt
aus scapulimantia , imd die kunst scheint von den Rö-
mern oder Byzantinern herzurühren. . nach Lambek 7, 224
findet sich auf der wiener bibl. eine abhandlung des Mi-
chael Psellus (ich weifs nicht, welches?) neQl ci/iiOTiXaTO'
ononiaS' auch Vintler (s. LIV) gedenkt des ansehens der
Schulterbeine.
Ahnlich ist ihr die Wahrsagung aus dem ganshein (ex
anserino sterno) Hartlieb LXVI, die in späterer zeit, wahr-
scheinlich heute noch, unter dem volk vorkommt, vgl. abergl*
341. dän. 163. ich habe mir folgende stellen darüber an-
gemerkt. Ettoers ungew. apoth. p. 1144: 'und was müs-
sen nicht die brustbeine der capphanen^ gänse und enten
vor prognostica herlehnen? sind dieselben roth, so urthei-
len sie eine anhaltende kalte, sind sie aber weifs, klar
und durchsichtig, so werde das wetter im winter erleidlich
sein.' Martinsgaos durch Job. Olorinus variscus (Magdeb.
1609. 8.) p. 145: 'ihr guten alten mütterlein, ich verehre
euch das brustbein , dafs ihr calendermäfsig daraus war-
sagen lernet und Wetterpropheten werdet, das förderste
theil beim hals bedeutet den Vorwinter, der hindcrste theil
den nacliwinter, das weifse bedeutet schnee und gelinde
welter, das andere grofse kälte.' Gauskönig von Lyco-
sthenes Psellionoros (Wolfg. Spangenberg) Slral'sb. 1607. CHI:
'das brustbein, so man nennt das ros (kindern zum selb-
springenden röslein vermacht), und auch den alten mütter-
lein, die draus prognosticieren fein, und an der färb wis-
sen, ou gtärden, ob werd ein kalter winter werden.*
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646 FISCHREUSEN HEILIGE SAAT
rliylhmi de ansere (bei Dornau 1, 403): 'wie dann das
bein in meiner brüst, das trag ich auch uit gar lunbsust,
denn man darin kan sehen wol , \vie es den vrinter win-
tern soll; und mancher sich danach fast helt, und micfa
für ein propheten zeit.'
Die Ehsten weissagten sich weiter und fruchtharieit
aus fischreusen. Gutslaflfs worte (in seinem buch über
Wühhanda) p. 209 — 211 sind diese: 'zwar es ist nur
neulich erzehlet worden^ das die bauren vor diesem
an dieser bäche ihr augurium wegen des wettei:s ge-
habt betten, welches sie also verhandelt, sie betten in
diese bäche drei lörbe gesetzet neben einander, und, unge-
achtet der eufsersten beiden, betten sie nur auf den mit»
telsten lorb alleine achtunge gegeben, was für gattunge
von fischen in denselben küme. denn so in den mittelsten
ein unachuppigter fisch, als ein krebs oder qiiap oder
dergl. hineingekommen were, betten sie sich eines bösen
Wetters und uofruchtbaren Jahres zu besorgen gehabt: dar-
umb so hetten sie einen ochsen geopfert, umb gut wetter
zu erlangen, darauf hetten sie die körbe wiedernmb also
eingestellet , und da abermahl ein unschuppiger fisch in
demselben befunden worden, so hetten sie zum andern mal
einen ochsen geopfert^ und darauf zum drittenmale die
körbe wieder eingcsetzet. bette sich nun wieder ein un-
schuppiger fisch darin befnuden, so hetten sie vors dritlt
ein hind geopfert, umb gut wetter und fruchtbare zeit
zu erlangen, und darauf zuletzt die körbe wieder einge-
setzct. wenn sie denn nun nicht schüppichte fische im mit-
telsten korbe gefunden, so hetten sie es ihnen gefallen las-
sen imd betten sich mit gedult darin ^gegeben, hettec sie
aber schüppichte fische darinnen gefimden , so hetten sie
sich eines guten wetters und fruchtbaren Jahres vermutet,
welches sie mit freudcn wai'genonimen.' Ganz verschieden
war die gr. tjK&vo/^iavTeiu aus der fische einge weiden (Pot-
ters archäol. 1, 703.)
Wie dem rossewiehern (s. 645) gehorcht wurde, lausdile
man nachts in den Saatfeldern: Weihnachten in die win*
tersaat gehn und die zukunft erhorchen, mainachts in das
grüne hörn (abergl. 420. 854.) Das getraide war hei%
der heilego ezesg N. ps. 140, 7 (goth. atisks), das liebe
körn (gramm. 3, 665.) wahrscheinlich vernahm man nun
in der saat sitzend stimmen oder reden der geister über
die bevorstehenden ereignisse. Man horchte auch auf it/eux-
wegen (abergl. 854. 962), wo grenzen zusammenstiefsefi:
solche wegscheiden galten füi- sammelörter der geister und
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WEGSCHEIDB PACH NIESEN 647
hexen (s.607 und abergl. 647), vgl. das allD. ^iLar sein götur
moelast' (fornm, sog. 3, 22.) an wegsclieiden standen viel-
leicht götterbilder der Heiden, denn es heifst, dafs man ad
biuia gebetet, geopfert und lichter angezündet habe (anh.
XXXVI.) ebenda ist auch die rede von sitzen auf der
w^egscheide, ohne dafs der saat erwähnt würde: in bwio
sedisti supra taurinam cutem^ ut ibi futura tibi intellige-
res (XXXVI.) die ochsenhaut deutet mir gleich der feä-
renJiaut (8.566. vgl. Reinh. s. LVl) ein heidnisches opfer
an. Einige setzten sich neujahrs auf das hausdach, Schwerte
umgürtet , und erforschten die zukunft (das.) diese stelle
mufs wiederum heilig gewesen sein, da man auch kranke
kinder auj das dach setzte zur herstellung (XXXV. XX XVI 1.)
bezieht sich darauf, dafs, wenn einer nicht sterben kann,
schindeln auf dem dach umgewendet oder ausgehoben
werden (abergl. 439. 721)? auch wenn ein kind Verzü-
ckungen hat kehren sie eine schiudol auJ dem dache um
(Jul. Schmidt 121.) Eigenthümlich wird, unter Zuziehung
eines erbschlüssels und zwünknäuels zum fensler hinaus
gehorcht (abergl. 954.)
Niesen (nraigeiv, sternuere) war schon in ältester
zeit bedeutsam, einige halten es für einen gelinden scblag-
flufs, für eiue augenblickliche lälimung, während welcher
der mensch des freien gebrauchs seiner gliedmafsen beraubt
ist (anh. LXII.) Die Griechen riefen dem niesenden zu:
Z/;^<, Zev odaov. vgl. anthol. gr.II. 13, 11. Plin. 28, 2.*)
auch die Araber grüfsen beim niesen (Rückerts Hariri 1, 543.)
aus den dichtem des JMA. folgende stellen : die Heiden nicht
endorfteu niesen , M man doch sprichet *nu hel/iu gotP
Turl. Wh. 35 ; Christ in helje, so sie niesen. MS. 2, 169^>;
durch daz solte ein schilt gesellen kiesen , daz im ein an-
der heiles wünschte^ ob dirre schilt künde /z/e.s^/?. Tit. 80;
sd a^ünsch ich dir ein niesen. MS. 2, 217**; vgl. Königsho-
ven p. 302. Den Griechen schien das niesen etwas göttli-
ches : Tov maQ/tiov &e6v rjyövfAB&a. Arist. probl. 33, 7.
vgl. 1 1, 33. Xenoph. exp. Cyri 3, 2, 9. Theoer. 7, 96. 18, 16.
benieste worte werden wahr. Od. 17, 541. 545. ster--
nutationes nolite observare. (Eligius anh. XXIX.) luden
christnachten niest man nicht, so stirbt das vieh nicht
*) sternutautibus salvcre dictum antiquior mos quam putatur. Va-
le«ias in Vale«ianitf p. 68. pourqnoi on fait des sonhnitä eu faveur de
ceux qui eterouent. Moria iu den m^m. de Tacad. das iiiscr. 4, 325.
ge«ch. der formet *gott tielf dir!* beim nieseu. lierausg. von Wielaod.
Liudau 1787.
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648 OHRKLINGBN SCHEIT
(anli. L.) merkwürdig ist Hartliebfi steile (LXII.) vgl. abergL
186. 266. 437. ehstn. 23.
Ohrenhlingen, garrula auris, ßoftßog^ wenn am
recliten olir, glücklicli. 'absentes tinnitu aurium praesen-
tire de se receplum est.' Plin. damit vgl. abergl. 82. 802 ;
orenaausen aiili. s. XL VIII. zittern des auges. äXXi%ai
offd-aXfios /itot 6 db^toQ. Tlieocr. 3, 37. brauen und wan^
genjucleri. anli. 8. XL, XLI und abergL 141. 'si vibrata
ealilione insuetum alter oculorum, dexter vel sinisler pai-
pitaret, si concutereutur ac veluti exsillrent aut trepidarent
musculi, bumeri aut femora etc. mali erant ominis.' Demp-
8ter antiq. rom. 3, 9. vgl. Suidas 8. v. oi(aviO%txi^r. Hier-
ber auch nasenbluten $ wenn an der linken seite, unglüdL*
lieh (abergl. 825.) wer an der thür beim ausgeben hdn^
gen bleibt^ an die schwelle stöjstj ist zurückzutreten
gewarnt (abergl. 248. 895.)
Unverwandt rünüscbem oder griecliiscbem aberglaubeo,
so viel ich sehe, sind die manigfalten weisen, künftige
freier oder liebhaber zu erforschen. Das mädchen lauscht
dem gackern des hahna (abergl. 101) oder sie wirjt den
blumenhranz (abergl. 848. 1093. vgl. 867) oder sie zieht in
bestimmtel* nacht ein scheit aus dem /tolzhau/en^ einen
stecken aus dem zäun (anh. s. XL VI. L. abergl. 109. 958)
und zwar rücklings hinzugehend; oder bei dunkler nacht
greift sie in die heerde, um einen widder heraus zu zie*
hen (abergl. 952.) das rückwärts gelien und naclend
sieben ist dabei , wie in andern fallen , gewöhnliches erfor-
dernis (abergl. 506. 507. 928 vnd s. LVI.) Auch wirJt sie
das henid^ nackend^ zur thür hinaus (abergl. 955.) oder
gi^eift rücklings aus der thüre nach des liebsten haar
(abergl. 102.)
Gleich der erforschung des bräutigams war es wichti-
ges anliegen, das gesclUecht des kindes voraus zu wissen,
das eine mutter zur weit bringen wird. Man weissagte es
aus der begegnung beini kirchgang (483), aus früheren kindem
(677. 747), aus dem niesen (ehstn. 23.) dafs eine frau
lauter töchter gebähren werde, liefsen andere zeichen sdilie«
fsen (678. ehstn. 22.) Ein altfranz. gedieht bei Meon 3, 34
hat folgende stelle :
voire est que je sui de vous grosse,
si m'enseigua l'on Sl aler
entor le mostier sans parier
trois tors^ dirc trois patenostrcs
eu Tonor dieu et ses apostres;
une fosse au taloii feissc,
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SALZ BLEI ANGANO 649
et par trois )or8 i revenlsse:
s'au tiers jorz o^eri le trot^oie
tfetoit un fils qu^ai^oir devoißy
et «'// etoit cloSf c'etoit fille.
Schuhe über das baiipt werfen, und sehen, wohin
sich die spitze kehrt, erforscht den ort, an welchem ein
mensch länger bleiben soll (s. LVII. abergl. 101.) die ser-
niones disc. de tempore nennen unter abergläubischen weih*
nachtsbräuclien das calceos per caput jactare. (sermo XL)
Sie führen auch an, ^qui cumuloa salis ponunt et per
hoc futura pronosticant.' abergl. 1081. im sterbhaus werden
wiederum drei aalzhaufen gemacht (abergl. 846.) dieses
bezieht sich auf die heiligkeit des salzes (8.588. 608.) Grie-
chischer herkunft scheint das weitverbreitete bleigiefsen
(abergl. 97. 579. anh. S.LXV); auch Ihre (ie superstit.
p. 55) erwähnt seiner , vgl. die molybdomantia ex plumbi
liquefacti diversis motibus (Potters archäoL 1, 339.)
Keine art von aberglauben hat aber durch das ganze
mitlelalter tiefere wurzel geschlagen als die Vorbedeutungen,
die man unter den benennungen aneganc, widerganCf
widerlouf verslani. thier, mensch, sache, auf die man
frühmorgens, wenn der tag noch frisch ist, beim ersten aus-
gang oder unternehmen einer reise stiefs, bezeichneten
heil oder unheil und mahnten das begonnene fortzusetzen
oder wieder aufzugeben. Wie der beginn eines jeden werks
bedenksam ist (omina principiis inesse solent, Ovid. fast.
1, 178), wie der erste eintritt in ein neues haus vorsichtig
unternommen wird (vgl. s. 573); so beachtete man alle
zeichen, die sich bei bestimmten ausfarten und reisen er-
gaben. Ivodia ov/ußoXa nannten es die Griechen, und mit
ihnen, den Römern, ja morgenländischen Völkern -haben
wir die meisten gemein, bei fast durchgreifender ausbrei-
tung dieser angänge ist es kaum glaublich, dafs sie erst im
gefolg der latein. literatur zu den deutschen gelangt seien:
sie beruhen auf älterer Verwandtschaft aller europäischen
Völker, und schon der frühste beobachter unserer vorfah-
ren, Tacitus, bemerkte diese art der Weissagung bei ihnen :
^auapicia sorlesque, ut qui maxime observant • . . . et illud
qiüdem etiam hie notum, avium uoces polatusque inter-
rogare.' von den pferdeu s. 378.
Ich will erst die siellcii angeben , welche mehreres zu-
flammen fassen , und dam» das einzelne erläutern.
Das fi*ülisle, aber sehr allgemein redende zeugnis fin-
det sich bei Kligius (anh. s. XXXI): *nullus obervet egre-
dicns aut Ingrediens domuni, quid sibi occurraty vel si
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650 ANOANG
aliqua vox reclamantis fial;, aut qualis auis cantus garrial
vel quid eliam portantem videal.' Gregor, turon. 7, 29 :
<et cuiii iter ageret, ut consuetudo est barbarorum, aa-
spicia int ender e coepit ac dicere, sibi esse contraria.' be-
stimmter redet Johannes sarisberiensis (f 1182) im polycra-
ticus sive de nugis curial. 1, 13: ^qiiid cornix loquattir di-
ligenter ausculta, leporis timebis occursiim, lupo ohvio
congralulaberiö ; sacerdotem aliumve religiosuni dicuot
esse infaustum ; feniinarn quoque, quae capite discooperio
incedit, infelicem crede.' Petrus blesensis (•{• um 1200)
epist. 65: 'somuia igitur ne eures, nee te illorum errore
involvas, qui occursum leporis timent, qui mulierem spar-
sis crinibusj qui liominem orbatum oculis, aut rmiti"
latum pede^ aut cuculatum habere obvium detestaniur;
qui de jucundo gloriantur hospitio, si eis lupus occur-
saverir aut columba^ si a sinistra in dexteram avis S.
Martini volaverit, si in egressu suo remotum audiant
tonitrufn; si hominem gibbosum obvium habuerint auf
leprosum.^ *) Wirnt läfst seinen rechtgläubigen Wigalois
ausziehen :
6182 deheiu ungeloube in muote
in dem hüse noch üf dem wege^
er lie ez allez an gotes pflege.
Swaz im des morgens wider liejf
oder swie vil diu krä gerief,
swie vil der milsäre umbe geßouc,
der ungeloube in niht betrouc:
wander niht dar ÜF ahte.
Wir haben maneger slahte
bösheit unde gelouben,
dd mit wir uns nü rouben
aUer unser saelecheit.
ez ist vil manegem manne Icit,
swenne im ein wtp daz swert g(t.
daz lie der riler ane utt,
ern ahtet niht dar üf ein hftr
ez weere gelogen oder wAr:
er het in gotes gnäde gegeben
beidiu s^le unde leben.
•) liierzu mufs man Clirysostonius (gb. 354 f 407) ad popol. aa-
tiocli. honi. 21 (opp. Ktonne 1612. 6, 610) nebnien: nolioMiq fU^-
&ot¥ tt<; Ttjv olxiuy lijv luviov tldfv livO^Qianov ^ i f ^io^jp ^ol^«»
t/ / Ol A « t' o V 1 « , Hill oUttviaa co, — tuv d:iuftijaff nft^O^fpoi;^ f ^o«**,
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ANOANG 6»!
$waz im des morgens wider gie
daz engeAiich der riter nie,
wan guoten gelouben liet er ie.
Berthold p. 58: ^sd gloubeut eteliclie an boesen aneganc,
daz ein wolf guoten aneganc babe , der aller der werlte
schaden tuot, und ist halt so unreine daz er die Hute an
stinket, daz nieman bi im genesen mac, und daz ein ge-
wthter priester boesen aneganc habe, an dem aller gloube
lit so gloubent eteUche an den miusearn^ sd ist dem
der hase uoern wec geloufen. Als ist ir unglouben als
yil^ daz sin nieman ze ende komen mag.' hierzu Ygl.
man abergl. 128. Den ausdruck aneganc bestätigt Rudolfs
weltchron. (cod. zeisb. 114^) von Moses redend:
er verbot allen aneganc^
vogelvluc, stimme oder sanc,
daz da geloupte niemen an ;
und Walth. 118, 16 heifst es von einem unglückseligen:
^wizzet, swem der anegenget an dem morgen fruo, deme
g^t ungelücke zuo*' Reinaert 1055 steht dafür tektn ende
ghemoet (zeichen und begegnung), Reineke (Hakemanns
ausg^ p.52 gemöte. allgemeiner ist der al^ ausdruck
heitl (omen.) Aber in einem eddischen lied (Saem. 184**)
werden drei glückliche zeichen für den krieger (beim
seh Werteschwingen , at sverdha svipon) genannt: das erste,
wenn ihm der dunkle rabe folge (fylgja ens deyqva
hrafns) *), was an den raben der glücksfahne erinnert
(s. 644); die beiden andern sind deutlich angänge, da ge-
sagt wird ^ef thü ert ät umlominnj ok ert ^ braut
buinn'* (wenn du hinausgekommen und auf dem weg be*
grÜTen bist.) das zweite nemlich: ^tvd thü litr & t4i
standa hrödhrjusa haW* (wenn du zwei ruhmgierige
männer, d.i. zwei krieger auf dem sprung**) stehn siehst);
das dritte: ^ef thü thiota heyrir älf und. asklimom, heilla
audhit verdhr ef thü ser thd fyrri jara^ (wenn du einen
wolf unter der esche ästen heulen hörst , glück beschieden
ist dir, wenn du ihn dann ***) fortlaufen siehst) diese
*) Nialssaga cap. 8. haben zwei blutraclier gluck , weil ihnen
unterwegs zwei raben folf^en (hrafnar tveir flugo medh theim alla
leidh.) begleiten sie als Odhinns boten? oder weil sie die nahe leiche
wittern ?
**) was heir^t ft tAi standa, siija (Saem. 266l>) spretta (S^m.
269'«) genau? dat. sg. oder acc. pl. des fem. ik (digitus pedis) kann
es der form nach schwerlich sein, und scheint eher ein casus masc.
und ein OrtPHicr begrif.
***) thii nehme ich für tum, eo momento.
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6&2 ANGANG
drei zeichen gibt Hnikarr (Odhinn) dem Sigurdli an, Be-
merkenswerthe angäoge scheinen mir auch in den geselleD-
spriichen die J rösche im teich, die raben y die drei alten
weihery die Jungfrau mit der ziege (a. w. 1, 91. 107.
lll.) Ihre de superstit. p. 82: ejiisdem indolis est, quod
tradunt nostrales de occiirsa hominum et animaliura, e. gr.
si ciii domo siia mane egredienli occurrat inendicus ^ ve»
tula, claudus^ aut Jelis, canis, vulpes, lepus, sciuriiSt
is dies inauspicatus habetur, observant haec prae aliis
sagitlarii et piscatores, qui ejusmodi ominibus oblatis haud
raro domum revertuntur et a proposito abstinent.
Schwierig ist es in den sinn dieser einzelnen Vorbe-
deutungen zu dringen.
Zuerst von menschlichem angang, für unheilbriugend
gehalten wird der eines alten weibes, einer frau mit
fliegenden haaren oder, was dasselbe sagen will, aufge-
löster hopjbinde. *) wem frühmorgens ein alt weib be-
gegnet, wer zwischen zwei alten weibern gehen mufs,
dessen tag ist unglücklich (abergl. 58, 380. 791. 976.) slöfsl
ein Jäger morgens auf eine alte^ so legt er sich zu boden,
und sie nAfs über ihn herschreiten, um den schaden zu
verhindern (volksgebr. in Hessen.) Nach schwed. abergl.
(53) ist alles begegnen der fr auen schlimm, nur nicht das
einer hure, wie bei Chrysostomus die nag&^vog unglück-
lichen, die noQVfj glücklichen tag bedeutet, hierzu stimmt
abergl. 177: jungjrau und priester sind übles zeichen,
hure gutes. Ihre redet aber ausdräcklich von einer vetula^
womit Arndts reise nach Schweden 1, 44 stunmt, und das
finnische lied (Schröters runeu p. 67): 'frühmorgens aus-
fahren, dafs nicht alte weiber mit krummem, hinn an^
schielen.^ Diese letzte bezeichnung führt ofTeubar auf den
begrif einer hexe, das fliegende losgelassene haar (s. 617) melir
noch auf den einer naohtfrau (abergl. 878), Wahrsagerin^
heidnischen priesterin, vergl. die cimbrische noho^Qil
(s. 33.) Veldek 21 »> schildert Sibylla andfas (horrida
crinibus), 'daz mies lockehte hienc ir Az den ören' (non
complae mansere comae. 6, 4«S.) bestätigt wird diese an-
sieht auch durch den bösen angang des spinnenden rre/-
bes (abergl. 135), da die hexe Jeldspinnerin , d.h. noro,
parze ist (8.617.) **)
*) couperire bedeckeu, dUcooperire aufdecken, eutliülleo, it*l-
scoprire.
**) allen uuternelimeo scliädlicli, t^H^ liofuung zumal von Ae»
fruchten der erde zerstörend war, wenn mau eine Jrau spinuen oder
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ANGANQ «98
Noch mehr, wie mich dünkt, durch die gleichstelhmg
des geistlichen : auch ein geweihter priester ist begegnen-
den von übler Vorbedeutung, dafür habe ich noch ein
älteres zeugnis aus Hincmar 1, 656 beizubringen: ^sunt
eliam qui dicant, quando in venationem pergunt, quod
obvium sibi non debeant habere clericum^] imd aus jün-
gerer zeit führe ich an Reginald Scotts witchcraft (Lond.
1665 fol.) p,114: 4f any hunters, as they were a hun-
ting, chanced to meet a frier or a priest y they thought
it so ili luck, as they would couple up their hounds and
go hom, being in dispair of any further sport that day.'
Paulis schimpf und ernst cap. 358 : ' zu der kirchen gieng
ein altes weib am morgen fru, da begegnet ir ein pfoffy
da thet sie wol sechs creuz für sich, der priester sprach,
^warumb segnet ir euch also vor mir? ich bin doch nit der
teufel. die frau sprach, es hat mir nicht gefehlet, wenn
mir ein pjciff bekam an einem* morgen fru, das mir 4eu
selbigen tag nit etwas widerwertigs ist zu banden gangen.'
Die plötzliche erscheinung einer heiligen person unter-
bricht und vereitelt irdische geschäfte. begegnende waren
gehalten ihnen ehre zu erweisen, vieUeicht schrieb das
heidenthum in diesem fall die sofortige erfüUung eines ritus
vor? das omen des heidnischen priesters übertrugen die
Christen auf den christlichen ; das der heidnischen priesterin
oder weisen frau muste auf nachtfrauen und hexen über-
gehn, weil der clerus frauen von sich ausschlofs.
Warum eines blinden (oder einäugigen), hinkenden
und Bettlers angang übel, eines höcherichten und aus^
sätzigen aber für gut galt, warum eines gehenden begeg-
aung ungünstiger ausgelegt wurde als eines reitenden (dän.
abergl. 129), die eines wasser tragenden ungünstig schien
(abergl. 257), weifs ich mir nicht klar zu machen. Deut-
licher scheint, dafs man sich von keinem weib das schwert
reichen lassen mochte, und dafs in der edda die begeg-
nung zweier kriegsmänner sieg verkündet.
Thierangänge haben ihren Ursprung in dem hirteo
und jägerlebeu, sie sind auf naturanschauung und sagen-
hafte meinungen von dem treiben der thiere gegründet,
über sie wird sich aus slavischer, ehstnischer, finnischer,
litthauischer volkstradition vieles sammeln lassen, was mir
jetzt entgeht, selbst die nordische scheint in diesem be-
ihre spindel unverdecht tragen sah. Dempster ant. rom. 3, 9. Potter»
griech. arch. 1 , 746 , ich weifs nicht aus welcher quelle, galt diese
spiDDerin aoch für eine möre?
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654 ANGANG
traclit nicht genau anfgezeiclinet. Saxo gramm. p. 321
sagt von Slaven, nicht von Nordmannen, 'ad varia quoque
negotia profeclnri ex primo animalis occursti votorum
auspicla capicbant: quae si laeta fuissent coeptum alacres
iter carpebant, sin tristia reflexo ciirsii propria repetebanU'
die thiere selbst zu nennen unterläfst er. Vor allem wich-
tig ist das eddische omen des heulenden und fortgehen^
den woljs^ den man als siegbringendes thier des Odhinn
ansehen darf (s.385.) damit treffen alle übrigen Zeugnisse^
und noch der heutige aberglaube zusammen, dem tapfe-
ren, unersclu'ocknen woljj dessen begegnen mut und hof-
nung einflöfst, steht der feige , furchtsame hase als nach-
theiliges, entmutigendes zeichen überall zur seite. Viutler
8. LH. 'unterwegens lief ihnen, von ungefehr ein hase
über den weg ; der Kutscher ward betrübt und sprach,
discs bedeutet niclits gutes, hingegen wann ein wolj über
den weg laufet, ist es ein gutes a^eichen.' Eltners unvr.
doct. 575. 576, vgl. Simplic. 2, 74. Alberlini narrenfaatx,
München 1617 p. 96: 'abergläubische stocknarren erschri-
ck en , wenn ein haas über den weg, darüber sie gehen
oder reiten müssen, laufet, denn sie vermeinen, dafa sie
an selbigem tag ein Unglück ausstehen müssen.' Göz v.
Berlichingen in seinem leben p. 179: 'und wie wir anzo-
gen, so hüt ein schäfer allernechst darbei, und zum ^poAr-
zeichen, so fallen fünf wolf in die schcuif^ und griffen
auch an, das hört und sähe ich gerne, und wünscht ihnen
glück und uns auch, und sagt zu ihnen, glück zu lieben
gesellen, glück zu überall, und ich hielt es für ein glück,
dieweil wir also miteinander angriffen betten.' "") hier wird
kein eigentlicher angang beschrieben, aber der sinn eiiielk,
den kriegerische Völker ursprünglich hineinlegten. unJf^
hirscli, eher, bär stehen einander in dieser bedeutsamkek
. völlig gleich (abergl. 128.) einem haaen zu begegnen ach-
tet der Norwege für ein schlimmes zeichen, einem baren
oder wolf für ein gutes, (danskes reiseiagtagelser 1799.
2, 297.) füglich geht hier der bär (den das Ued von der
rabenhochzeit den 'ypperste karl i skoven' nennt) dem
wolf noch vor. **) des baren gedenken römische nach-
richten nie, wol aber des wolfes; Plin.8, 22 sagt: * inier
auguria ad dexteram commeantium praeciso itinere, si
"*) deu poetischen eindrack dieser worte nicht verkennend bat se
Gothe in seine dicbtung aiirgeuommen.
**) auch dem reisenden Türken ist der wolf gunstiges, d^ kam
nachtlieiiiges zeicbeo. wien. üt. ztg. 1816. p. 1267.
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ANGANG 655
pleno id ore luptis fecerity niilliim omDinm praeslaniius.'
Occursiim leporis limere lieifst es bei Johann von Salis-
bury und Peter von Blois. auf'ser Berlliold und Hartlieb
(». LXl) gehört hierher noch eine stelle aus cod. pal. 341,
163*:
dar zuo s^h wir einen haaen^
der widerfuor uns an dem weg ^
du daht ich deiz niht eben laeg:
er tet uns den Ersten aneganc ,
-wan daz er snelle für mich spranc.
Griechen und Römern scheint er gleichwol nach den um-
ständen auch guter Vorbedeutung (ai'aio^)' zu sein. *)
Diesen war das wiesei {yaXij) übelberufen: wenn es über
den weg lief» wurde eine öffentliche versamlung aufge-
schoben (Potter 1,746.) Theoplu'ast (charact. 16) sagt,
vrem ein wiesei vorbeilauft, der darf nicht weiter gehn,
bevor ein dritter den weg beschritten, oder er selbst drei
steine vom weg aufgehoben hat. auch centonovelle cap.
31: quando Tuomo Irova la donnola**) nella via. Des
Juchses angang wird verschieden ausgelegt, nach jeuer
stelle bei Ihre für übel, nach dem litth. abergl. 9 für gut.
Hauslhiere, die der ausreisende in seinem hof hält, die
ihm, nicht erst im wald aufstofsen, dienen nicht zur vor^
bedeutung: sie sind zu gewöhnlich, zu zahm und abhängig
vom menschen, um für ihn zeichenhaft zu werden. Bei
den Etruskern wurde > wenn der neue magistrat in die
provinz zog, auf die begegnung von pf erden und ochsen
geachtet. (O.Müller 2, 118.) man vergleiche die Weissa-
gung durch pferde (s. 381. 382), die freilich auf keinem
zuföUigen trefien des thiers beruhte, wobei es aber auf
das ansetzen seines rechten oder linken fufses ankam.
Noch feiner ausgebildet als der angang vierfüfsiger
thiere war die beobaclitung der vögel^ denen freiere, un-
gehemmtere bewegung durch die luft an sich schon etwas
*) Cassms Dio 62, 6 (Reim. 1006. 1007): Tuvra tlnovauy Xttyoiy
fthf ix Toü xoA.Toi» :T^oi^xttTo (jy Bovr^ovixa , eine Britin) fiuvifla t*W
j^Qt>fUift^, xal i:i(tirj Iv alaita atpiaiy l'&f^ufif, to t* nXijd^oq nuv
^&hf uvißotjof. Als die Deatschen unter könig Arnulf einen auf^e^
schrecklen hasen jagten nabmeo sie Rom ein (Liutpr. 1, 8), doch
basenjagende Dänen geriethen in die flucht (Neocorus 1, 353; eiue katze
nennt hier der lübelcer Detmar 1,161.) Vom hasen geleckt zu wer-
den gilt für günstig: 'meinete es habe ihn ein hase gelecket.' trÖ-
delfrau 1682 p. 71.
••) das fräulein , balr. müemelein (Schm. 2, 576) span. comadreja
(Reinh. CCXXIV) \ alle diese namen bezeugen die heimlichkeit des thiers.
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656 ANGANG
wunderbares und geisterhaftes verlieh (s. 386. 478.) Die
Griechen hatten eine umfassende otfoviOTtxtj (Suidas s. v.),
die Römer systematische auspicien und augurien. *) Audi
den deutschen Heiden galten vögel für boten der götter
und für verkündiger wichtiger nachrichten. *' welcher iH}gd
hat dir das in die obren getragen i ' heifst : wer hat dk
das weis gemacht, in den köpf gesetzt. '''^) 'das hat nur
ein pogel gesungen', 'jag bürde en f'ogel sa s|unga, en
jogel var här, och sade for mig del eller det.' Ihre de
superst. p. 51, Neugriechische und serbische Volkslieder
werden nicht selten eröfnet durch fliegende, sich nach ver-
schiedner seite drehende und unterredende vögel ( Wb.
Müllers samL 1, ^^. 102. 2, 164. 178. 200. Vuk 3, 326.)
zwei schwarze raben (dva vrana gavrana) krächzen auf
dem weifsen thurn (Vuk 2, 151.) Von dem weissagenden
rufe des kukuks ist s. 389 ff. gehandelt; er gehört auch xu
dem angang, da reisenden seine stimme unvermutet im
wald erschallt, auguria ai^ium berührt der indic. superst.
Xlll. bei Kh'gius (s. XXIX): ^nec in itinere poaiti aM-
quas aificulas cantantes attendatis.' vögel, deren begeg-
nen weissagsam ist , heifsen wegvögel (abergl. 600.) Eine
stelle bei Procop de hello goth. 4, 20 (ed. bonn. 2, 560.
561) zeigt, wie früh dieser aberglaube unter deutschen
Völkern statt fand. Hermigisel , könig der Warner erblickte
über feld reitend einen vogel (der nicht näher angegeben
ist) auf einem bäum imd hörte ihn krähen (es war also
wol rabe oder krähe.) auf vogelgesang sich verstehend
sagte der könig seinem gefolge, es werde ihm sein tod
nach vierzig tagen ge weissagt.""^) Dem Sigurdhr weissagen
igdhor (nach Biörn: schwalben) auf den bäumen (oben
8.388.) Dagr hat einen klugen sperling (Ingl. saga cap.
21.) Im altspanischen Cid bezeugen uns mehrere stellen
die Wahrnehmung der vögel: 867 al exir de Salon mucho
ovo buenas apes; 2376 con dios e con la pueslra auce'j
2379 con la buen auce.
*) Jul. Caes. Bulenger de angnriis (Graevii thes. 5.)
**) westphäl. 'Wecker vaagel lieft dik dat ioner anren ehangeat*
Slennerhinke p. 8.
*••) ovToq uv^(i (^E^fitylaxXoq) Ivy OvaQvtnf roZq XoyifimTaTOsi jf
X«* rroXXu x{}tä^ovaav, fVrf d^ ryq oQvt&og r^q iptavfjq ^rrtlq ftn
ukXo fih T« i^fTiiord/ifvoq ^ liivftvut <f^ r^q o^iviO-og^ /tnvrtvofiirtiq if^'
Tivoufifvoqy rotq nuQovoiV tv&vq l'^^aatifr luq Tf&vtjifrui TtootmoMorru
9^ft4(}aiq voTt^ov ry rtoau^anooT^ uno ryq :Ti(o^^i}ifHtq ijftif*f
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ANGäNO 657
Und wie bei den allen die rechte oder linhe seile des
anflugs hauplsächlich berücksichtigt wurde, erklart auch
Hartlieb (s.LXl) das fliegen zur rechten hand fiir glück-
lieb, das zur linken für unglücklich. Der adler müsse dem
wandernden taschenhatb fliegen ^ d. h. zur seite, wo die
reisetasche hängt, aufser dieser stelle finde ich den ar nicht
genannt 9 wol aber, bei Wirnt und Berlhold, den müaar^
nach Benekes wb. zu jenem, eine art kleiner raubvö'gel,
welcher bei Burchard (XXXVIIl) muricepa genannt und
erklärt ist. Herrant von Wildonie, in. einem ungedr. ge-
dieht von dem übelen vribe, 297 — 301:
swenne ich n4ch gewinne var,
so ist dürft daz mir der mdsar
über ^ie atrdze fliege
und mich des niht enlriege,
ob ich ir niht enbringe,
d.h. wenn ich nichts bringe, kann ich mich nur damit
entschuldigen, das über weg fliegen dieses vogels ist gün-
stiges zeichen. II. 10, 274 bringt ein rechtsfliegender rei"
Tier (jQwdtog) glück. Der rabe^ ein siegvogel der Heiden,
wird aufser jenen nordischen stellen (s. 651) als begleitend
beim angang nicht genannt, desto häufiger die hrähe* glück-
lich war: si cornicula ex siniatra in dexteram cantave-
rit (anh. s. XXXVIIl) bei Pelrus bL ebenso, nur tfolaverit
statt cantaverit; kolocz. 146 heifst es, von kindern, die in
stetem wolleben erzogen, nie die macht des Schicksals em-
pfunden haben : *^ enwizzen wannen die hrdn eint ge-^
vlogen? MS. 2, 80» *ez hab ein swerziu hrd gelogen.'
hauptstellen : Renaert 10472. Reinart 1047. Reineke 942, wo
die krähe, wie bei Petrus bl., Martinspogel angerufen
wird ; noch ein zeugnis ist Reinh. s. CXXVII beigebracht,
^gl. Vintler s.LV; des heil. Martinus legende gewährt keine
erläuterung. Virg. ecl. 1, 18 : saepe ainiatra cava praedixit
ab ilice cornix. im poema del Cid 11. 12: ovieron la
corneia diestra und sinieatra. die alten gedenken auch
des raben: *non temere est, quod corpus cantat mihi
nunc ab laei^a manu, semel radebat pedibus terram et
voce crocibat sua.' Olaf Tryggvason , wenn gleich Christ,
beachtete, ob die krähe (kräka) auf dem rechten oder auf
dem linken jufa stand ^ und weissagte sich daraus gutes
oder böses; seine feinde nannten ihn darum krdkabein.
hungrkrdka altu. eine hunger weissagende krähe, illvidrta'
hrdka die schlechtes weiter ankündet, cenlo nov. ant. 32:
'segnor, je vil uoa cornacchia in uno cieppo di salice.
or mi di, donna, perao quäl parte tenei^a uolta la coda?^
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658 ANGANG
Auch der specht war ein heiliger vogel (s. 388) ; in lin-
denblatls chron. p.31: 4r speht hatte niclU recht g^o-
gen.' In Schweden ist der flug de« lom (nach Ihre einer
art reiher) vorbedeulsam (abergl. 94.) Sieht man die c/-
ster pon t^ornen, so ist das zeichen gut, pon hiniefi,
schlimm (abergl. 158.) Wer friihlings die erste schu^
erblickt, steht alsbald (auf seinem vreg) slill, und grabt
eine kohle aus der erde (anh. s. LIII. abergl. 217.) la
Dänmark schaut das dienstvolk, ob sie den storch zumt
im jähr fliegend oder stehend treffen (abergL 130.) htm
frosch kam es darauf an, ob man ihn zuerst auj dm
Land oder im wasser hüpfen sah (abergl. 237.) Auch ei-
ner kahlen oder gerupften henne zu begegnen galt für übel:
enmi sa poie a encontr^e
une geline pieUe ,
qui pasturoit en la charriere;
a poi ne sen retorne arriere^
por ce quil i entendoit sort;
a ses piez trueve un baston tort,
\ la geiine lest aler,
et ele sen prist äi voler,
en son gelinois le maudist
^ honte li viegne!', et il si fist.s
zu dem angang gehörige stellen aus provenz. dichtem hat
Diez (leben der troub. p. 22. 23) gesammelt ; sie bezielieii
sich auf rabe, krähe und mehrere falkenarten {albanel,
faifanh)y ihr rechter oder linker flug^ ihr gehen oder
ommen, schreien oder schweigen entschied:
los destres e'ls senestres^ loa anans e'ls ueneiu^
d'albanelj de gapap,hj d'autras auzeU ferensj
del corp e de la gralha los cridanSy los tacfffii.
(poes. der troub. p. 221.) Man möchte ausfohrlichcre
künde dieser vogeldeuterei , wie sie im mittelalter geübt
wurde, haben.*)
*) die heidnischen Araber beachteten den vogelflng, ze^ lad
Ijauet sind zwei fast gleichbedeutende aasdrücke. ^g^r vnrd ge-
braucht, wenn man mit einem stein nach dem vogel wirft und iboi u-
schreit: fliegt er dann einem aar rechten band, so Ists ein gutes, we«
zur linken^ ein böses zeichen. Ijavet ist allgemeiner die deotang der
oamen aufstofsender vögel, ihres niederlassens, ihrer rufe, gipfel dieier
Wissenschaft scheint die uogehprachkunde ^ die von Salomos Seiten fcrt
im Orient noch nicht in Vergessenheit gerathen ist. der rabe gilt fir
einen ungtücksboten. (Rückerts Hariri 1, 591.592.) Auch über indtfdie
augarien wären viele stellen mitzutbeilen. im Ramayana eianal: hs<
aves tibi declarant horrendum periculum immioere. (Schlegels i»L
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HÜNBR LEICHVOGEL 659
Bei den Römern hatte sich ein eignes System von vo-
gelweisssagung ausgebildet, das nicht auf den flug des wil-
den gevögeis, vielmehr auf das hausgeschlecht der hüner
berechnet war. Die Griechen übten eine dXsxi^o/uav-
Tsta^ so dafs man körner auf die buchstaben des aipha-
bels legte und von einem hahn wegfressen liefs. Einfa-
cher war die römische Weissagung aus dem gierigen und
tt'Agen fressen oder nicht fressen junger hüner, jede le-
gion hatte ihren puUarius, der die hüner erzog, fütterte
und bewahrte; der consul stellte das augurium in seinem
haus oder zeit an: *puUis regitur imperium romanum,
hi }ubent acies' sagt Plinius 10, 24. Man beachtete
aber sonst auch das geschrei des hahus und der heune.
^gallina cecinit"^ wird in Terent. Phormio IV. 4, 30
unter andern Übeln zeichen für den hochzeiter genannt;
nach Donats glosse bedeutete es, superiorem marito esse
uxorem. unserm abergl. (83. franz. 23) schietf eine wie
hahn erhrähende henne gleichfalls ein greuel. Ver-
nahm die lauschende unter dem hahnbalken den krat des
liahnSj so war die Weissagung günstig, schrie die henne^
ungünstig (abergl. 105. 1055); gleiche bewandtnis hatte
es um den fallenden mist des hahns oder der henne (230.)
Auch den gänserich liefs man weissagen (abergl. 847.)
Die Ehsten unterscheiden geflügel mit räuchern und un-
bedecktem Jufa (abergl. 95.)
Oft ist es auch nicht der wegvögel flug, der vierfüfsi-
gen thiere angang, sondern ihre erscheinung, ihr aufent-
halt an der wohnstätte der menschen , die ihm heil oder
Unheil weissagt. SchtPalbe (franz. abergl. 9) und storch
sind glücksvügel (s. 438. 439), Störche sieht man gern auf
dächern nisten (abergl. 215.) Den Letten war die meise
günstiger Vorbedeutung, sie heifst sihle (litth. zyle, zyl^le)
und sihleht ist weissagen, sihlneehi ein Weissager, der das
geschrei der vögel deutet (augur.) Stender s. 269. fViesel
oder schlänge auf dem dach erscheinend sind nachtheilige
zeichen (Suidas s. v. "EsvoytQixfjü*) ^unguis per impluvium
decidit de tegulis.' Terent. Phorm. IV. 4, 29. Nagende
maus (abergl. 184.) Ungünstig oder zweideutig sind rabe^
irähcj elster auf Krankenhäusern (abergl. 120. 158. 496.)
Es gab leichvögelj trauerpögel^ deren et^scheinung
lod und sterben verkündet, ich vermute, den Gothen war
bibl. 2, 225.) Ein Schäfer schrieb alle verdriefsiichkeiten , die ihn ^en
g*Bzen tag über verfolgt hatten , dem amstande za , dafs frühmorgens
eine schlänge vor ihm über den u^eg gekrochen war.
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660 LEICHENYOGEL
die turleltaube mit ihrem vreheruf ein solclier, weil sie sie
hrdivadubö (leichentanbe) nennen ; sagen von ihr zusam*
niengestellt sind Aw. 3, 34. Vor allen gehurt hierher, ob-
gleich kein wegvogel, die eule (abergl, 789. franz. 8.) Ovid
met. 5, 550:
foedaque fit volucris, venturi nuntia luctus,
ignavua buboy dirum mortalibus omen.
hier aber greifen Verwandlungen ein. die eule war ein
verwünschter mensch, und st rix ^ strinx ('c tectis stnnx
violenta canat.' Tibull), bruxa bezeichnen zugleich den vo-
gel und die nachlfliegende hexe (s. 585. 586.) ^ululae^
upupacj buboneSy toto anno in tectis funebria personan-
tes', oben s. 272. das ahd. holzriina^ holzmuoja^ hols^
muwo (gl. flor. 988»> 996»> sumerl. 10, 65. 27, 44. 29, 74)
übertragen lamia, drücken aber mehr klageude, weisfa-
gende vögel oder geister (beiderlei geschlechts) aus, deren
stimme im wald, raunend (vgl. s. 583) und muhend ver-
nommen wird (s. 243.) daher nun auch die benennung
klagmuhme, ilagmutter, hlageweib, im ackermann von
Böhmen p. 38 (Hag. ausg.) ist klagmut in klagmuoter za
bessern; am Oberharz bezeichnet hlagmutter ^ hlagtveib^
hlagefraw ein gespenstiges *) , aber fliegendes wesen (Spieb
archiv 2, 247.) anderwärts heifst es die wehklage (aberg^
863), leichhuhn, grabeule^ todterwogel, im Braunschwei-
gischen der läpschf seines faulen, langsamen flugs yregea
(braunschw. anz. 1746. p. 236), ignapus buhOy was auch
an den sinn des alten feig (moribundus) erinnert. Lfeidi-
verkündend ist, wenn der rabe koppt (anh. LV), wenn
hahn oder huhn stroh schleppen (ehstn. abergL 77), w^im
der galadrot sein haupt vom kranken abwendet (8.497.)
Auf ähnliche weise zeigen auch andere thiere den
todesfall an. wenn das pferd des gerufnen geistlichen
sein haupt senkt (ehsln. abergl. 35); wenn ochs und kuh
von schwarzer färbe im haus geschlachtet wurden (aber;^
887.) der in nienschh'cher wohnung aufwühlende maul--
warj (abergl. 555. 601. 881), die zirpende grille (555.
600. 930)**), der tickende holzwarm (901.)
Weissagende ameisen (schwed. abergl. 88. ehstn. 99.)
Bienenschwärme j an häuser sich anhängend, bedeuten
feuersbrunst (160) oder unheil, bekannt sind die schon im
lager des Drusus erschienenen (Plin. 11, 18. Dio Cassius 54,
*) klagende seelen. Ls. 2, 270.
*•) zuweilen bedeuten die keimen oder grillen auch twasliches ge-
deihen (abergl. 813. 609.)
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VORZEICHEN OUTE BÖSE SACHEN 661
53- Jiil. Obsequens de prodig. 1, 132.) auch dem herzog
Leopold von Österreich verkündeten sie 1386 den verlust
der sempacher Schlacht voraus: *da kam ein imb geflogen
in dlinden er gnistet hat, ans herzogen waffen er flog
als do .der selbig herzog w^ol für die linden zog: das am-
tet frömhde geste, so redt der gmeine man.' Wackern,
leseb. 703. Heuschrechenz'uge sind Vorzeichen fremder
gaste (Juslinger p. 160, vgl. 271) und reicher Halmen-
fang (das. 379.) andere anzeichen nahender gaste abergl.
71. 72. 73. 889. 1028. schwed. 63.
Oft können leblose dinge zumal demente ein omen
ergeben, auch das niesende licht j der überspringende
brand (abergl. 889) bedeutete gaste; erlöschendes licht
tod (abergl. 150), rosenbrennendes glück (252.) öl oder
wein versciüittet y wasser unter den lisch gegossen war
den alten jenes ein günstiges, dieses ein ungünstiges zei-
chen, wenn der tisch krachte , die balhen hnarten , zog
mau daraus die schlimmste Vorbedeutung (Dempster 3, 9.j
versiegendes oder steigendes wasser bedeutet sterbfall
oder hungersnoth (s. 333.) prasselndes f euer ^ verschüt-
tetes salz verkündigen streit (abergl. 322. 534. 64. 535.)
man halte die mythische auslegung der knisternden flamme
(s. 148) dazu, der gott ist in der flamme gegenwärtig wie
in dem vorbedeutenden donner. Einstürzende erdlöcher
(gropar) w^eissagen todesfall (schwed. abergl. 95.) lossprin-
gender Splitter gaste (abergl. 71. 1032), reif vom fafs
springend tod (149.)
Den brauch gerstenkörner auf den heifsen herd zu
legen und zu beobachten , ob sie aufspringen oder lie-
gen bleiben y finde ich nur bei Burchard (XXXVll), bei
keinem spätem; verschieden war die griech. KQi&Ofia'pTela.
Andere saclien, ohne dafs Vorzeichen oder zauber darin
begründet wäre, gelten für heilsam oder schädlich, nament-
lich gefundne, gebettelte und gestolne. Dahin der ge-
fundne klee mit vier blättern (s. 633), drei getraidekörner
in gebacknem brot (abergl. 685), der eggcnagcl oder egge-
zahn (539. 636), dessen besitz hexen erkennen lehrt, in-
ventio acus vel oboli reservati (anh. s. XLV), gefundne
nadel (schwed. abergl. 46), nachdem sie köpf und spitze
kehrt (235), gefundne radfeige (351), geJuudnes hufeisen
(129.220.) gebetlelles brot (13), ring von gebettelten Pfen-
ningen (352.) gestolner wisch (431), gestohies band vom
/nehlsack (216), brot (183. 188), bauholz (1000), fischer-
geräth (schwed. abergl. 48) gcstolne webknoten (s. 618.)
Bei gefunducn dingen ist die gimst des zufalls im spiel;
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662 TAGWÄHLER
gebettelten gibt die mühe, gestolneo die gefahr des erwerbs
gesteigerten werlh. Aber nicht blofs gestolnes gut in ge-
wissem fall, auch die diebshand (8.606), der aus einer
galgenkette geschmiedete sporn (385), der galgenstrick, dieb-
strang selbst (anh. s. LVII. 386. 921) haben eigenthümlicfae
kraft, man vergleiche die entstehung des galgenmännleios
(deutsche sag. no, 83.)
Ein rad über den thorweg zu setzen bringt g|läck
(abergl. 307); wirkt liier die Vorstellung vom gläcksrad
(s. 506)? JDonnersplitter , sargsplitter taugen (abergL
171. 208.) An das braulbett darf nur troclnea holz %hm
lebenden bäumen kommen *); andern aberglauben vom
brautbett 486.487. Aufgelesne federn, hünerfedem sollen
in kein bett (281. 346. 593.)
Tagwänterei herschte bei Juden (Mos. IlT. 19, 26,
V. 18, 10), Griechen und wahrscheinlich allen Heiden. Hesiod
unterscheidet mütterliche und stiefmütterliche tage, er g^t
alle guten tage des Zeus und alle bösen durch (hauslehren 765
— 829.) Wurden auch die namen der Wochentage aus der
fremde bei uns eingeführt (s.87), so konnte sich doeh schon
sehr frühe einheimischer aberglaube damit verbinden. 'Nul-
lus observet, predigte Eligius, qua die domum exeat, Tel qua
die revertatur, nullus ad inchoandum opus diem vel lo-
nam attendat.' Hincmar 1, 656: 'sunt et qui observani
dies in motione ilineris et in inchoatione aedificandae do-
rn us.' Ein unglückbringender tag heifst ein verworfner
(Vintler s. LH.) Die alten Deutschen scheinen vorzügUdi
den mittwoch und donneratag geheiligt zu haben, na<A
üiren gröfsten göttern, Wuotan und Donar. *de ferii%
quas faciunt Jovi vel Mercurio', hat der indic saperst.
Späterhin finde ich keinen Wochentag abergläubisch mehr
geehrt als den donnerstag (oben s. 130.) auch bei den
Ehsten (abergl. 59.) Dagegen gelten mittwoch und frei-
tag für verworjne Äe^re/z^a^c (abergl. 613. 658. 745) und
einzeln mittwoch (567), freitag (241. 800. ehstn. 59. 60.)
Nach den hexenacten erscheinen die teiifel zumeist cfo/t-
neratags und dienstags (vgl. die quedlinburger.) aber
auch monta^ gilt für unglücklich zu neuem beginn (77 t.
821.) am dienstag soll man ausreisen, an ihm ehen schlte-
fsen.**) der feiste dienstags schwed. Jettisdag j frauE.
rnardi gras begünstigt Unternehmungen (schwed. abergL
*) Odofredas io I. legata digest. de supetlect. leg.: malieres quando
iiubuut volunt iectum de lignis siccis, sed de ari>ore viveote. sed ia
oinnibus opiiiiouibus sujis fatuae suut.
*') BQ in BOiimeo, Mälirea. Löws deukw. u, reisen 72.
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WEISENDE THIERB 663
79. 84.) Glücklich ist der sonnte^ (243. 634.) ünler
den Christen wurden eine menge tage im jalir ausgezeich-
net ^ aufser den hohen festen, zumal Johannistag ^ und
fast jeder heiligen tag hatte seinen eigenen bezug auf säen,
pflanzen y viehtreiben, aderlassen u« dgl. der dän. skjer^
torsdag (abergl. 168. 169) ist gründonnerstag. kaum hat bei
einem andern volk mehr tagwählerei gegolten als bei den
Christen im mittelalter. die allheidnischen jultage und sonn-
wendtage fielen zusammen mit Weihnachten und Johannis.
Mit angang und tagewahl steht ein anderer weit ver-
breiteter aberglaube in Verbindung, wie der tagesarbeit
erfolg davon abhieng^ dafs am frühen morgen eine günstige
begegnuug eintrat, wie des Wolfes oder iahen geleit sieg
weissagte; so pflegte dem wandernden beer ein göttlich
gesandtes thier den weg und den ort der niederlassung
anzuzeigen, colonien wurden nach dieser anführung gegrün-
det, Städte, bürgen, kirchen gebaut; den beginn neuer
Stiftungen und reiche heiligen thiere^ die menschlichen ab-
siebten fremd höheren rathschlufs der götter kundgeben.
Die griech. und röm. sage ist voU solcher beispiele«
ein rabe führt des Battus ansiedelung nach Cyi^ene (xo^a|
^yfjaaTO. Callim. hymn. in Apoll. 66.) die Irpiner heifsen
von irpus, dem u^olf ^ der sie leitete (Slrabo 2, 208.)*)
Flöki opferte um wegweisende raben: *liann f^kk at blöti
miklu, ok bldtadhi hrajna thriäy thd er honum skyldu
leidh utaay thviat thd höfdhu haf sigltngarmenn engir lei-
dbarstein t thann tima i Nordhrlöndum.' Islend. &ögurl,27.
Es ist wol nicht zufällig, dafs rabe und iPolJ , Wuotans
Ueblinge, sieg und heil vorbedeutend, hierbei vorzugsweise
genannt werden. **) Auch liirach und hindin zeigen oft
den weg. Jornandes von den hunnischen Jägern: Mum in
ulteriori Maeotidis ripa venationes inquirunt, animadver-
tunt quomodo ex improviso cerifa se iUis obtulit, ingressa- ^
que palude nunc progrediens nunc subsistens indicem se
*) die Azteken In Mexico ermahnte ein vogel zur aaswanderung,
indem er vom bäum herunter rief 'tihui!' d.i. lafst uns gehen! Ma-
jers mytii. taschenb. 1813 p. 63.
**) heldenname der giuckiiciisteu Vorbedeutung war also das ahd.
fVolfkrahan (später Wolfram) , dem beide thiere sieg weissagen ; lier-
Vorliebe ich auch, dafs kein andres thier mit gang zusammengefugt
wird, als der wolf: fVolf^atig bezeiclinet einen beiden, dem der wolf
des Siegs vorangeht. Erst der heidnische glaube verständigt uns den
»inn alter eigennamen, die kein roher zufall hervorbrachte. Vielleicht
i»t es kein zufall, dafs in der aiterthüailichen segensformel XIV Mar^
lin nnd ^olfgang als hirtenheilige angerufen werden, jenem war die
krähe (der rabe), diesem der wolf unterworfen.
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664 WEISBNDB THIERB
viae tribuil • • • ntox quoque ut scythica terra ignotis appanut,
cerva disparuit,^ Statt der jägersage hat Sozomenus (biat.
eccl. 6, 37) hier eine hirtenüberlieferung, kennt aber doch
auch jene: 'forte Fortuna bos oeatro percitus lacum trans*
mittit, sequitur bubulcus: qui cum terram trans lacum vi-
disset tribulibus suis nuntiat, sunt alii qui dicunt cervum
quibusdam Hunnis yenantibus, cum per lacum ab illis fb-
geret, monstrasse ^iam' Jäger geleitet der hirscfa, birten
der stier , beiden der wolf. aber auch die christlicben bei-
den lassen sich lieber von dem hirscli führen , als dem
heidnischen wolf: eine hirschkuh zeigte den Franken die
rettende fürt durch den Main (Ditmar. merseb. ed. Wagn.
245. (vgl. Otto fris, de gest. Frid. 1, 43.) Den raben hät-
ten die Christen für einen boten des teufeis angesebn. FUh
doardus erzählt in seiner bist, remens. 1, 24 (ed. duac. p.l45)
ein beispiel vom adler: 'conscenso siivosi montis vcfiice,
dum circumferentes oculorum aciem de monasterii corde
volutant positione, subito sublimi coelorum mittitor cdigtr
index a culmine, per quem coelos scansuro locus in tcr-
ris beato depromeretur Theoderico. nam mysticus aks
aquila spatiando gyrans et gyrando circumvolana locim
monasterii capacem secans aera designavit» et ut expressnn
ostenderet quid dominus veliet unius fere horae spatk»
supra ubi ecclesia construi debuit lentis volatibus •atelit y et
ue hoc ab incredulis casu contigisse putaretur, ipso nata-
lis domini die quadriennio continuo supervolaodo moni-
sterium circumire, mirantibus pluriinis, eadem cujuila ccr-
nebatur.' Eine fliegende kenne zeigt die baustätte der bürg
an (deutsche sag. no. 570.) Grenzen werden durch dtn
lauf oder gang eines blinden pjerdes^ eines hrebses g^^gt
(RA. 86.) Dem Remus waren sechs, dem Romulua zwUj
geier günstig geflogen bei grnndung der Stadt (Niebuhr 1, 248.)
Bekannt ist, wie die alten Nordländer ihre auswande-
rungen und niederlassungen unter göttlichem geleite eiiiikh-
teten. sie warfen die aus der alten heimat mitgenommfien
öndpegiasdlur oder setstokkar aus dem schif, und landeten
da wo diese antrieben* an diesen hölzernen seulen war des
gottes bild geschnitzt, auf den sie trauten, und er wies ihnen
die neue wohnstätte an. hauptstellen Isl. sog. 1,76. 77. 254w
Thiere zeigten aber nicht blofs den ort des baus, »
wurde auch oft für nöthig erachtet, lebendige thiere^ selbst
menschen, \\\ den grund einzumauern, auf welchem das
gebäude errichlet werden sollte, gleichsam ein der erde ge-
brachtes Qpler, welche die last auf sich duldet: durch die-
sen grausamen brauch wähnte man unerschütterliche haü-
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BINMAUBRN 60»
barkeit oder andere vortbeile zu errelcben. Nach däni-
schen Überlieferungen mauerte man unter den altar der
kircbe ein lamniy damit sie unverrückt stehn sollte, auf
>edem kircbbof aber, bevor eine leicbe in ihn eingesenkt
wurde, grub man ein lebendiges pjerd ein (s. 490.) beide,
lamm und pferd, lassen sich zuw^eilen in der ktrche^
oder auf dem kircbbof sehen und bedeuten dann todes-
fälie (Thiele 1, 136. 157.) auch unter andere häuser wer-
den schti^eine und hüner lebendig eingegraben (das. 1, 198.)
Nach abergl. 472 kann langes gutes welter durch einmaue-
rung eines hahna zuwege gebracht werden, nach 755 das
laufen der kuh verhindert durch einmauern eines lebendi"
gen blinden hunds unter der stallthür. bei Viehseuchen
graben die Elisten ein atiich der heerde unter die stall-
ihür um dem tod sein opfer zu bringen (abergl. 69.) *)
In der ringmauer des Schlosses Reichen f eis ist ein iti/zc^ le-
bendig eingemauert worden : ein vorragender stein bezeich-
net die stdUe-, wollte man ibn heraus reifsen , würde die
mauer alsogleich zusammenstürzen (Jul. Schmidt p. 153.)
Ähnliches wird in Spiels archiv 1, 160 erzählt, auch dafs
man späterhin wenigstens symbolisch leere sarge ein-
mauerte. Um Copenhagen sollte ein wall aufgeführt wer- *
den, so oft man ihn begann sank er wieder ein: da nah-
men sie ein kleines , unschuldiges mädchen , setzten es
an einen tisch auf einem stuhl, gaben ihm Spielzeug und
efswaren. während es nun vergnügt spielte und afs , bau-
ten zwölf meister eine Wölbung über ihm, und warfen
unter musik und klingendem spiel einen wall auf, der seit der
zeit un verrückt gestanden hat (Thiele 1, 3.) Noch rühren-
der ist eine serbische sage von Scutaris erbauung: drei
jähre bauten dreihundert meister vergeblich an dem grund
der feste; was sie bei tage aufgemauert hatten, rifs die vile
(s. 245) nachts wieder ein. endlich verkündete sie den
königen, nur dann werde der bau halten, wenn man zwei
leibliche f gleichnamige geschwister in den grund lege.
nirgends waren sie aufzufinden, da verlangte die vile von
den drei ehfrauen der könige die, welche nächsten tags den
meistern das essen hinaustragen werde , in den grund ge^
mauert, als des jüngsten königs gattin, ohne von diesem
ratbsclüufs zu ahnen, das essen hinaus bringt, werfen die
*) nnd hadden de delver sich mit groten Unkosten an holt, baU
ken, struk daran vereocht, den ort to denipen, konden oiclit, de olden
sedeu: anioiani quaeri, men schulde ein kat edder hunt darin drenken,
aU diser gebleven, wert it mit der lichte togeslagen. Ncocorus 2,
340. man vgl. cap.XXIX das einpflocken der 9pitzmau6 in die e&che.
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666 EINMAUBON EINFURCHEN
dreihundert meister steine um sie her und fangen an sie
einzumauern; auf ihr flehen lassen sie eine kleine öfnun^
an der sie noch lange zeit ihren Säugling stillte, den man
ilir täglich vorhielt. (Vuk 2, 5.) Zur zeit da die Slaven
an der Donau eine neue Stadt anlegen wollten, sandten die
häupter des volks, nach altheidnischer sitte, frühmorgens
vor Sonnenaufgang männer aus, welche den ersten hnaben^
der ihnen begegnen wurde^ nehmen und in den grund
des baaes legen sollten, von diesem knaben (serb. dijete,
böhin. djte, russ. ditja, poln. dziecif) erhielt die Stadt den
nanien Detinez (Popow slav. mythol p. 25.) Auch in Mer-
lins geschichte p. 66 — 72 wird erzählt , wie künig Vorti-
gern einen festen thurm bauen lassen wollte, der immer
wieder einstürzte, eh er vollendet war. die Weissager er-
klärten , der thurm werde nicht stehn , bevor der grund'-^
stein mit eines kindes blute benetzt sei, das von einnn
weihe geboren, aber von keinem manne erzeugt worden.
können auf diesen aberglauben nicht auch Bertholds Worte
in einer predigt bezögen werden (p. 167)5 ^und wizze,
wanne du kint gewinnest, daz der tiuvel reht einen torn
mit den hindern hdt üf dich gemüref^?
Der (• 23 des iudic. superst. de sulcis circa uilloM
läfst schliefseu, dafs man um neugegründete Städte furchen
pflügte , deren heiligkeit allem übel eindrang wehren
sollte. Eben dies war etruskischer brauch; Varro sagt:
'oppida condebant in Latio, etrusco ritu multa, id est jnnctis
bobus tauro et vacca interiore aratro circumagebant suIcubl.
hoc faciebant religionis causa die auspicato, ot fossa et
muro essent munita, terram unde exscalpserant fossam vo-
cabant, et introrsum factum murum, postea quod fiebat or^
bis urbs. die rinder waren weifs; Ovid fast. 4, 823 vom
pomoerium des Romulus:
inde premens stivam signavit moenia sulco,
alba jugum uiveo cum bove vacca tulit.
im comitium ward ein gewölbe gemauert und mit den
erstlingen aller naturgaben, die der menschen leben er-
halten, angefüllt.'")
Gewisse abergläubische gebrauche, wie es scheint von
hohem alter, kommen früh und spät bei ganz verschied-
nea anlaf's vor, und desto schwerer ist es ihren sinn zu
fassen. Nach Burchard wird ein wagen entzwei gel/ieilt
(XXXVll) und eine leichbahre zwischendurch getragen,
abergl. 929 ein der Schwangerschaft verdächtiges mädchen
"*) Festus s. V. mundus. Niebubr 1,251.
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TRÄUME 667
genbtliigt, zwischen einem so getbeilten wagen hindurch
zu gebii. Wagen und pflüg gelten für heilige geräthe, in
deren mitte aller betrug und zauber wich.
Von dein geben durch gehölten erdboden und ge^
spahne bäume im folgenden cap. bei den beilmitteln. In
anderm sinn geschieht das kriechen durch die aufge-
spannte haut eines neugeworfnen füllen, oder durch ein
pjerdehummet, schwed. sela (dän. abergl. 167.)
Sonst soll man weder über andere achreiten (abergl.
45) noch unter einer deicJisel durchschlüpjen (eis) noch
über deichsei und wagenstange steigen (729. 925); eine
schwangere hat alles hängende und verstrichte über sich
zu meiden (688. 933.) Das erinnert daran, dafs man in
den Christnächten kein holz drehen (XLIX) und mit ge-
dreJitem holz nicht schlagen soll (schwed. abergl. 58), weil
sonst dergleichen Windungen und convulsionen in men-
schen verursacht werden würden.
Von der traunideutung hier nur weniges. Statt des
Sprichworts ^träume sind schäume^ finde ich das reiner ge-
reimte ^träume sind gäume'* (Ettners Chemiker 469. apoth.
132) d. h. Wahrnehmungen (mhd. goume : troiune : schAme.)*)
Schon das alterthum glaubte nicht an alle träume, sondern
nur an schwere zu bestimmter zeit, an bestimmtem ort
geträumte, träume auslegen hiefs scheiden (Diut 3, 97),
traumscheider war gleichviel mit Wahrsager.
Wie für brautleute bedeutsam ist, wessen licht beim
hochzeitsmal zuerst erlischt , wer in der hochzeitsnacht zu-
erst einschläft, oder zuerst aus dem brautbett steigt (abergl.
15. 485.717. ehstn. 17); sind auch die träume der hocfi-
zeitsnacht weissagend (deutsche sag. no. 420.) eines sol-
chen traums der Hvitastierna in Gothland, der ihre nach-
kommenschaft anzeigt, gedenkt Gutalag p. 106. Der er-
ste träum in dem neuen haus ist nicht minder wichtig
(deutsch, abergl. 123. schwed. 61.) könig Gorm wird auf-
gefordert, ein haus an einer stelle wo noch keins stand
aufzubauen, darin zu schlafen und zu träumen (forum.
sog. 11, 4 — 6 vgl. Saxo gramm. 179.)**) Halfdan der
schwarze (saga cap. 7.) empfängt aber den ratb in einem
Schwein stall z\x träumen, der träum werde eintreffen. Auch
träum in einer neujahrsnacht trifl ein (abergl. 528.)
*) merkwürdig Diät. 3, 96: waz iawe wAre gescdmety d. h. ge-
träumt, scliaam wird bestätigt durch den noch schiechteren reim: Hraume
sind fäume'' (Kirchhofers sprichw. 342), (ur feime.
**) 'du hast einfalle wie ein alies haus" sagt man umgekehrt von
einem , der untreffende dinge vorbringt
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668 ÄRZTE
CAP. XXIX. KRAmmEITEN.
Die arzneikunde des heldentliums war halb prieslerllch
und halb zauberisch, priestern verschafle erfahrung und
höheres wissen kenntnis der natürlichen heilkräfte, von
der weihe ihres Standes giengen hilfreiche segenspröche
aus. noch das ganze miltelalter hindurch sehen wir auch
christliche geistliche vorzugsweise im besitz der arzneien
und der gäbe ihrer anwenduug. Ein theil jener heidnischen
lehre muste aber auf die weisen männer und frauen übergehn,
die sich durch beibehaltung abergläubischer gebrauche und
misbrauch wirklicher heilmittel den ruf der Zauberei zuzo-
gen. Gleich der hexerei (s. 585) fällt auch die alte beil-
kuude hauptsäclilich frauen zu, und aus demselben grund.
Ein arzt hiefs goth. leheis^ ähd. Idhht^ ags. ftrce^
altn. lceknir*)f Icehnari^ schwed. lälare, dän. läge\
das engl, leech ist zum begrif eines bauern oder vieharztes
herabgesunken, das mhd. Idchencerey Idchencerinne drückt
Zauberer, zauberin aus (s. 584.), vielleicht noch mit dem
gedanken an heilmittel, vgl. ^lÄchenen und fürsehen' (anh.
s. XL.) **) Von den Deutschen hat sich dieses wort schon
in früher zeit den Slaven, Litthauern und Finnen niifge-
theilt: altsl. und böhm. lekar\ serb. Ijekar^ poln. letarz,
litth. lekoruSy finn. lääkäri] oder hätten die Deutschen
es von den Slaven her? eine deutsche würzet h.ibe ich
no. 300 nachzuweisen gesucht, eine slavische scheint mir
schwieriger, dem slav. Ijek, lek (remedium) entspricht
unser ahd. Mhhan. Andere benennungen sind vom begrif
des helfens , besserns hergenommen , vgl. b^tan , böten^
mederi fs. 583); altn. groedha (sanare) groedhari (chirurgus,
medicus) von griidh (lucrum, auxilium); mhd. heilcere
(medicus) Karl 45. aber schon ahd. arzdt O.IU. 14, 11.
m\\A. arzet^ nhA.arzt, mnl. cr«e^rc Diut. 2, 223», altfVanz,
artouSf artox'y wurzel scheint das lat. ars, obgleich arzll
nicht unmittelbar aus artista erklärbar. ***) das provenz.
tnetges Fcrabr. 547. 1913, altfranz. rnires sind aus medicus.
*) la;kni5 heiidur Ssem. 194« laekoir vera ok kunna sär at üä.
Saeut. 195«.
**) quedliiib. hexenacten p. 77. die kranke ^lecken*
) iemperte (arzoei) Parz. 643, 23. l&bhindato iemperando gL
IU0U8. 393.
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ÄRZTE . 669
Schon eine der nord. asinnen galt für die erfahrenste
Srztin: 'Eir, asynja, hon er leßkuir bezlr.' Sn. 36. Der
Brynhild wird Mif medh laskntng' (pharmaca cum medela)
zugeschrieben (Saem. 174'»); sie ist eine weise, zauberkim-
dige frau, pliarmaceutria, herbaria, sie versteht sich aber
auch auf das wundenverbinden (undir dreyrgar yfir biuda.
Seem. 220b), gleich der Hiltgund (Waltharius 1405.) Od-
drün hilft bei schwerer entbindung (Saem. 239.) Berühmt
ist aus dem Tristan Isotens arzneikenn tnis. Unter dem
volk gibt es noch heute alte frauen^ die das böten, strei-
chen, giefsen und segnen treiben (abergl. 515. 864.) Merk-
würdig ist, dafs heiiformeln \on frauen nur auf männer,
Yon männern nur auf frauen übertragen werden sollen
(abergl. 793.) Vorzüglich sind es schafer ^ die für kluge,
arzneikundige männer gelten (franz. abergl. 35) vgl. s. 608 ;
Irüherhin auch andere hirten und jäger (^bubulcus, Su-
bileus, venator' anh. s. XXXIII.) Im mittelalter zogen
aber wandernde ärzte im land herum, die dem volke
kunst und heilmittel feilboten, gewöhnlich in begleituug
eines ergötzliche possen treibenden knechtes; ich verweise
auf Rutebeufs diz de l'erberie (M^on nouv. rec. 1, 185 —
191) und auf das osterspiel bei Wackernagel 782 ff. Diese
landstreichenden kräutermänner , quaksalber, harnstein-
schneider gewähren vielfachen aufschluls über die art und
weise der voiksmäfsigen heilungen. Im höheren alterthum
verschmähten auch beiden nicht, sich mit arznei und wun-
den zu befassen; gleich dem homerischen Machaon ist im
Gudrunlied 18*«*»' Wdte gerühmter arzt; es heifst aber:
si hasten in langer zite da vor wol vernomen,
daz Wate arzet weere von einem wilden wtbei
WÄle, der vil maere, gefrumete *) manegeni an dem libe.
seine kunst wird also doch wieder auf eine frau, und
zwar auf ein wildes weib, eine halbgöttin (s. 243. 244)
zurückgeführt.
•Solchen höheren wesen wohnt heilende kraft bei«
Crescentia empfängt die gäbe alle krankheiten zu heilen
(kolocz. 267), nach dem altfranz. gedieht (M^on n. r. 2,
71. 73) blofs den aussatz. Auch königinuen des alterthums
ist das vermögen zugeschrieben , . bestimmte krankheiten
durch ihre berührung zu tilgen : im Rother 32**. 33* be-
streicht die königin lahme und krumme mit einem stein,
königen von Frankreich und England wird eine ähnliche
*) ags. übersetzt fr cm Mattli. 9, 12 medicus: qui prode«t, qul
Biedetur.
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670 KRANKHEITEN
kraft beigelegt. Gebiert eine frau sieben s^hne hinter eio-
ander, so kann der siebente durch einen schlag mit der
hand allerlei schaden heilen (abergl. 786), nach Ettoen
hebamme 906 heilt seine berührung kröpfe, nach franz.
abergl. 22 der fünfte söhn, ein kind, das seinen vater
nicht kennt, vermag geschwülste aufzulösen (fondre les
loupes.) das. 21. Ein erstgebornes, mit zahnen auf die
vrelt gekommnes kind vermag den bösen bifs zu heilen
(schwed. abergl 29. 37.)
, Unsere heutige, nicht aus dem volk hervorgegangne
arzneigelehrsamkeit hat allmälich beinahe aUe deutschen
benennungen der krankheiten verdrängt und durch grieck
oder röm. Wörter ersetzt, da jene oft noch auf die Tor-
Stellung des alterthums von den krankheiten und ihrer ki-
lung führen, so wird es nöthig sein wenigstens die be-
deutendsten anzuführen.
Krank hat im MA. nur den sinn von debilis, infc-
mus, nicht von aeger, und für dieses gilt sieche gotii.
siuksf ahd. ä/oA; morbus wird folglich nicht durch krank-
heit ausgedrückt, sondern durch suchte goth. saühts, aM.
euhty alln. sdtt, während wir mit sucht jetzt den sittückcn
begrif von hang, heftigem verlangen verbinden, und oor
noch in den Zusammensetzungen Schwindsucht, gelbsudit
u. a. seine alte bedeutung behalten. Analog verhalten ttdi
das altn. thrä (desiderium, aegritudo animi) und lltthrd
(lepra), vgl. dän. traa, helletraa. DV. 2, 180. 205. All-
gemeine Wörter, die auch den leiblichen schmerx des
siechthums ausdrücken, sind ahd. aueroj mhd. 8wer, ahd.
mhd. w^j witagOj w^tage (wie aiecntage.) eigenthnm-
lich ist der ags. ausdruck adl (fem.) für krankheit.
Christlich war es , die sucht für eine schictung goi-
teSf heidnisch, sie für eine einwirkung der geister uw
etwas elbiaches zu halten. Sie wird darum auch permi'
ficierti sie stöfst an, fällt an, überfallt, greift an, öb«^
wältigt den menschen : dalfimv imXQcce. gleich dem tod
und dem Schicksal (8.228.) nimmt sie weg, 'suht farnain.
Hdl. 125, 20. ün cod. vindob. 159. no. 94 finde ich die
redensart: ^eine suht ligen, zwo suht ligen.' Sonst heifel
ein siecher auch ahd. bettiriao (bettlägerig, dinicus) O.lD«
14, 67, mdh. betterise Parz. 502, 1.
Fieber, goth. heitd Matth.8, 15. brinnS Marcl,3j.
Luc. 4, 38, beide für nvQ^xoQj und beide weiblich; ko»
entsprechendes ahd. hizd, prinnS. ahd. rito (inasc) ||-
mons. 391, von ritan (reiten), nicht von ridan (torqucre>
weil das fieber nicht, wie der krampf, verdreht, und ap.
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KRANKBBITEN 671
riiia (nicht vridha) geftchrieben werden mufs, Lye hat
rideroth (febris.) Es wird wie ein alb betrachtet, der
den mensc/ieri reitet und scbüttelt (8.261. 262.) 'der
rite bestuont in.' Alex. 2118. £n. 10834 und Eracl. 3166
werden *8u/it, ßeber^ rite^ neben einander genannt, also
unterschieden, £u. 10350 ^suJit und rite\ 9694 ^suht und
fieher^ und das. 9698: ^diu minne tuot kalt und heiz in^r
dan der vier tage rite^ (febris quartana.) rite scheint
vorzüglich das kalte fieber, was sonst auch der fror er
(abergL 183) heifst, wiewol von * ritten frost' und ^ritten
hitze' die rede ist im 15. 16 jh. waren gemeine Ver-
wünschungen: ^dafs dich der ritt schütte, der jarritt
(das ein jähr lang dauernde fieber), der gaehe rite gehe
dich an!' 4ns ritt namen habt rhu!' H.Sachs III. 3, lOc.
Merkwürdig ist Boners fabel 48, worin der rite persön-
lich (aber wie gestaltet?) auftritt und sich mit dem üoh
unterredet: sie ist deutlich erst im mittelalter erfunden.
Petrarch epist. 3, 13 von der spinne und dem podagra,
and nennt sie anilis fabella.
Jene auslegung erlangt Sicherheit durch die ehstnisclie
redensart ^ajan walged^ ajan lialW (ich reite den weifsen,
ich reite den grauen) d. i. ich habe das kalte fieber. (Ro-
senplänters beitr. 12, 42. 43.) Den Griechen war iniuX"
%i]S^ ig>iaXTfje wörtlich aufspringer, ein dämonischer in«
cubus^ alb, der das nächtliche, fieberhafte alpdrücken
verursacht. gleichviel ist ^mdXTjgj fjnioXfjg alp, und
r^maXos^ ipiioXos fieber, fieberfrost, ausdrücke, welche
die granunatiker durch verschiedene betonung zu sondern
trachteten, es kommt dazu , dal's ^^vuoXfje bei Aristot. bist,
an. 8, 26 wiederum Schmetterling , papilio bedeutet, die
begriffe geist, alb und Schmetterling aber vielfach in ein-
ander aufgebn (s. 479. 514.)
Eine ags. von Wanley s. 176 — 180 (vgl, 304) ausge-
zogne hs. von krankheiten und heilmitteln hat s. 180 äl fädle
IsBcedöm (arznei wider die elbkrankheil), äljcynnesealj
(elbsalbe) und nihtgengean sealj (nacht frauensalbe.) *)
Unter gicht verstehn wir gliederweh, arthritis, die
ältere spräche braucht es neutral : * daz gegihte brichet
sie' a. Heinr. 886. Ulr. Trist. 1461. *daz gegihte brach
*) daselbst: *vidb älfeynnesealf and vidb aihtgengao, and tbAm
moDnom, the deofol mid hcemdh\ gegen elbsalbe, gegen nachtgengen
und gegen die niänner, mit denen der teufet verkehrt, oder bedeutet
bmnedh hier coit? dann böte diese lis. (aus dem 10. 11. jb.?) das
älteste beispiel einer geglaubten ileischliclien Terrolscliung mit dem
teofel dar (s. 599.)
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672 KRANKHEITEN
ir hend und füeze' Räb. 1060. ^daz wnetende gthte.^
Renner 52^ da man auch darnigicht für colik findet, und
oben 8. 350 9ungiht gehen und wenden der sonne bezeich-
net, 80 8cheint mir gicht das gehen ^ wenden und reiften
des schmerzens im leib zu bezeichnen und dem goth. gahi9
(l'nnagahts gramm. 3, 518) vergleichbar.
Die herumziehende, an keiner bestimmten stelle haf-
tende, die fliegende gicht (arthritis vaga) wurde wenigstens
noch im 17 jh. in Norddeutscbland (Holstein, an der Ost-
see) dat parende, lopende deer (das fahrende, laufende
thier) genannt, in andern niedersächs. und westfal. gegen-
den de varen ^ de parende, de lopende varen^ d. L die
fahrenden, umlaufenden, gehenden (geister oder dinger.)
Die krankheit galt also wiedenun für ein in den leib ge-
wiesenes, gezaubertes geistigthierisches wesen. Noch deut-
licher ist die benennung 'die gute hinderen'* (im Braun-
schweigischen) 'die gute holde"* (im Göttingischen), gerade
wie die von den hexen eingezauberten el bischeu dinger
hiefsen (s. 606.) gedacht wurden sie gleichfalls wie sehntet^
terlinge oder wärmer gestaltet, welche nagenden schnnerx
und gesell willst 'an den gleichen (articulis) oder gewerhea'
der häüde und füfse hervorbringen sollten. *) Weil die
krankheit hartnäckig und oft schwer zu heilen ist, pflegte
sie das gemeine volk dem einflufs der hexen zuzuschreiben.
Sie heifst auch der haarwurm, und in den Niederlanden
die springende gicht.
Die einvvirkung der holden muTs aber viel .man^-
f alter gewesen sein und auf mehrere krankheiten bezogen
werden. Eine hexe bekannte (Voigts abh. p. 122), dafs
es neunerlei holdichen gebe: ritende, splitende, blasende,
zehrende, fliegende, schwillende, taube, stumme, blinde.
Auch die Polen nennen biale ludzie (weifse Iente>
d. i. elbe) **) würmer, die in den menschen krankheiten
verursachen (Diesters neue berl. mon. sehr. 1802. 8, 230.)
Eine brennende geschwulst am fingernagel (yrapiwvjf/c)
heifst der wurm, der umlaujende wurm, das ungenannte
(weil man den namen des wesens auszusprechen scheut),
das böse ding.
♦) Job. Weyers (Job. Wier, Piscinarias, gb. zu Grave in Bnbut
1515, gest. zu Teklenbargr 1588) arzneibuch. Ff. 1588 p.97. Bear.
Meibom de artbritide vaga scorbatina. Helmest 1668. 4. cap. I.
••) vgl. hilwihterj belemtten (s. 266. 267.) icb fuge hier Doch «ä
citat bei aus Gisb. Voetins de miraculis (disput. tom. 2, 1018): de Ulk,
quos oostrates appellant heeldu/it et blinde bellen ^ a quibos ooctana
Visa videri atqae ex iis arcaua revelari putaat.
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KRANKBBITBN 673
Von dem albzopfy wichtelzopf «♦ 262.
Fluja (rheiuna) wird von melirern krankhaften zu-
fallen gebraucht y leichteren und lebensgefährlichen, z. b.
stiakßujsy schlagflufs (apoplexia.) der schlag rührt, trift,
schlägt, mhd. der gotes alac. später : die gewalt gottes^
die hand gottes (Ettners unw. doct. 224.) 'traf mich got--
tes givaW (rührte mich der schlag.) braunschw. anz. 1745
p.2022 (aus Matlh. Schwarz leben, a. 1547.) vgl. oben 8.14.
Die fallende sucht (epUepsia) schon Diut. 2, 193^ ual-
landia saht (caducum morbuni) ; daz fallende übel (fundgr.
325.) fallender siechtag (Hütten 5, 171.) sonst auch: der
Jammer^ das elend, die schwere noth, das böse wesen^
die Staupe, mnl. vallende euelf nnl. vallende ziekte^
Sint Jans euel, gramscluip goods (Huyd. op St. 1, 569.)
^dafs dich die gnücten rühre!' (Melanders jocosen 1,434),
gDiik ist nd. ein stofs. ml, gutta, gutta cadipa, altfranz.
la goute] cheent de gote. Ren. 25203.
Krampf (spasma, convulsio), bei kindern gewöhnlich
freies, f reisig, gejrais (abergl. 474. 722), Jräsel (Jul.
Schmidt p. 121.) schäuerchen (zahnkrampf) nd. schür-
hen^ d. h. kleiner schauer, zuckung. doch bedeutet die /reis,
frais auch häufig epilepsie (Abele gerichtsh. 2, 429. 4, 2 1 8. 3 1 1.)
Leibweh, grimmen (krimmen, reifsen, nnl. krimpen.)
die obere grimme f mannsmutter (Wier 107*.) hach^^
mutter, bärmund, bärmutter Stald. 1, 136. tvärmund
das. 1, 334. trtbe fundgr. 321, 9 soll nach HoiTm« erklä-
rung auch colik bedeuten. Ruhr (d^senteria), durchlauf,
darmgicht nach gloss. flor. 984' uzsuht, gL flor. 984*
zuzsuht. rollte ruhr^ der rothe schaden (Anshelm 3, 236.)
Ltungensucht, ags. lungenadl (pneumonia) ; schwinge
oder lungesucht (Schweinichen 2, 256.) Schwindsucht, nach
Abeies gerichtsh. 2, 303 greift sie alle )ahr ein eilen därme an.
TVassersucht , ahd. auch ivazarchalp (hydrops)
Diut. 2, 181, vgL mondhalb (mola, caro in utero nascens)
engl, mooncalf (ungestalte misgeburt) wobei wol mytliische
Vorstellungen obschweben, da sich auch sonnen kalb als
eigenname, findet, und aberkalb, aflerkalb, eberkalb ein
unechtes kind heifst. abortus heilst misgeburt, miskram;
abortieren: umschlagen, umstülpen^ verschütten, umwerfen^
umkeipeln. ^zy heft de kar omgeworpen' (Tuinman spreekw.
1, 88), es ist ihr unrichtig gegangen, 'meinem weihe geht
es unrichtig' (Schweinichen 2,314 vgl. 321)^ geht ungerade
(Kantzow 2, 30.) ehstn. tüjad nurgad (leere ecken) mond-
kalb. ülle kätte minnema (über die bände gehn) gegensatz
zu last pülwede peälet tüstma (kind aufs knie heben, or-
49
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€74 RRÄNKHiBTEIf
deutlich gebähren.) 'es lärmt', 'das haus kndct' ^dSe ge-
burtstunde naht) ^das haus ist eingefallen' (die geinirtk
erfolgt.) Sachs, prov. blätt. 14, 127.
Herzgespan (cardialgia) herzspann (ab^^l. 873. 9iS).
sonst herzweh, herzkulk (ventriculi colica), 'es ii^et uim)
steht mir für dem herzen.' mhd. herzeswer ^ auch #M«r-
mage (Diut. 2, 273.)
KopJweJij houbitw4 fundgr. 320. 321. houbitsuk
Diut. 2, 270. Jarren abergL 865 mir unverständlich. i(f
besulU (amentia) Iw. 3233 ^ hirnaucht.
Ahd. hucsto (tussis), altn. /wsti, ags. 7ii>6sia, en^
wJioost, schnupfe, schnauheySchnuier. mhd. slrüche (uaLt
321,1. Lfc 1,403.404. irawm« (rauher hals) fundgr. 322.
Qelasuht (elephantiasis) gl. mons. 384, Jetzt ist gelh-
sucht icteris. gelesuht und fich (? f^h , bunt.) miselsuht
(lepra) , goth. tlirutsfill. ahd. hriupt (scabies) ruda (im-
peligo) gl. flor. 988*> zittarläs (impetigo) Diut 1, 496»». cio
neuer volksausdruck ist schneidercourage (Adelung v. kra-
tze) schneiderkurz weil (Ettners uuw. doct. 349.) die ro«
(er)^sipelas) , das laufende feuer , ignis sacer (Ivonis cfu-
stolae p. 85* 184b) ahd. oino , ags. oma, altn. dma. Voo
rotlien flecken im gesiebt der kinder sagt man : 'das jiüU
hat das kind verbrannt* (abergL 473.)
Viele andere krankheitsnamen lasse ich unangetuhrt,
eine noch gröfsere menge wird meiner samlung eatgaogeo
sein, es kam mir darauf an, aus diesem verachteten reicii-
thum unserer spräche solche beispiele zu heben, weklif
erkennen lassen, wie das volk mythische vorstelhingeD mit
dem Ursprung der krankheiten verband, gleich andern ubelji
schienen sie ihm durch gütter, geister und Zauberer ver-
hängt und verursacht, ja selbst lebendige, feindselige w^
sen geworden. In der edda werden ihnen eide abgenoA-
men ^s. 371.) Manches ist uns dunkel: was bedewtrt
üljheit^ 'ein suht ob allen sühten' (8.248)?
Ein finnisches lied (Schröter s. 48 ff.) läfst von Lao-
nawatar, einer alten frau, neun knaben geboren vrenfcs:
werwolf, Schlange, risi (?), eidechse, nachlniar, glW-
schmerz, gichtschmerz, milzstechen, bauchgrimmen. di«*
krankheiten sind also geschwister verderblicher ungeheuer:
in dem lied wird nachher die letzte derselben hervOTg^ko-
ben und beschworen.
Die Neugriechen stellen die blättern dar als kiiwlfl^
^ schreckende frau, welche sie avyycoQe/iivTj (die schoiicBd*» |
erbitlliche) oder noch gewöhnh'clier evXoyia (die zu ruh-
nieöde) euphemistisch nennen. Fauriel disc. pr^LLXXX^*
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MESSEN 675
Es yerstoht sieb, dars auch bei tbierkrankheiten gei-
ster vralteD. in fonnel IV wird der nesso mit seinen neun
jungen beschworen ans fleisch und baut des sporlabmen
rosses zu weichen. Die wut des hundes soll yon einem
wurm herrühren, der ihm unter der zunge sitzt: dieser
loUwurm kann ausgeschnitten werden, eine pferdekrank-
lieil heilst der bläsende wurm, (anhang, formel XV), was
an die blasenden holden (s. 672) erinnert. Nach dem Volks-
glauben kann die hexe ihre elbe oder holden söwol in
menschen als thiere zaubern. Metil heifst deti Serbep eine
unheilbare krankheit der schafe. sie erzählen , dafs die
Deutschen einmal den teufel gefangen und nach einem mit-
tel gegen das metil gefragt hatten, der teufel sagte : wenn
alle schafe bis auf eins umgekommen seien, solle man das
übrigbleibende um die ^ bürde tragen, dann werde, au-
fser ihm, keins mehr verrecken. Vuk s. v.
Unter der menge abergläubischer heilarten zeichne
ich folgende aus.
Es war uralter brauch, den siechen zu messen^ tlieils
zxxt heilung, theils zur erforschung, ob das übel wachse
oder abnehme. Hierher könnte man schon aus dem buch
der könige I. 17, 21. IL 4, 34 nehmen, dafs Elias und
Elisa über dem entseelten kinde sich messen, und es da-
durch wieder beleben, auch das messen der glieder beim
lichtergeben auf den altar (Diut. 2, 292), obgleich es mehr
künftige übel abhalten soll, ist zu erwägen. Im bthtebuoch-
p. 46 wird gefragt : * ob du ie geloubetöst an hecse und an
lAchenerin und an segenerin, und ob Ad taste daz si dir
rieten? und ob du ie gesegnet oder geldchent wurde oder
gemezen wurde, und ob du ie bekort wurde?' Zu ihrem
mann, den sie bethören will, sagt eine irau (Ls. 3, 9):
*tao dich her, Id dich mezzen\ also lang ich in maz,
UDz er allez vergaz. Dieses messen wird auch anh. s. XL.
XLI unter den übrigen Zaubereien angeführt. Schwangere
messen einen docht nach der länge des heiligen bildes und
gürten ihn um den leib (anh. XL VIII.) Nach Wiers arz-
ndbuch p. 31. 33 heifst im Trierischen eine krankheit der
nachtgrif (durch den angrif von nachtgeistem hervorge-
bracht?), um sich ihres daseinszu vergewissern verföhrt man
so: dem kranken wird sein gürtel um den blofsen leib ge^
zogen, in der länge und breite, dann abgenommen und an
einen nagel gehängt mit den worlen : Mch bitte dich, herr
gott, durch die drei Jungfrauen Margaritam, Mariammagda-
lenam und Ursulam , du wollest doch an dem kranken ein
zeichen geben, ob er den nachtgrij hat.' hierauf wird
43* '
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676 ASCBE STREUEN
nachgemessen y ist der gurtel kurzes ak zayc^y 60 ^es
für eiD zeichen der krankheit Nach den schlet« provini.
bl. 1798. 27 y 16 — 20 hat im Liegoitzischen fest jedes
dorf eine messerin : immer ist es eine alle frau. wiü omb
nun wissen, ob bei eioem schwindsüchtigen leben^^
vorhanden sei, so nimmt sie einen faden und misit den
kranken vom scheite! zur sohle und an den aiisgeepreiz-
len armen von einer handspitze zur andern, findet sich
die länge vom köpf bis zum hacken kürzer als die der
arme, so ist eine auszehrung da: ye weniger der fadeo &
die armlänge zureichen will, desto weiter ist die kiÄnU»ö'
vorgeschritten, reicht er nur zum einbogen, so ist krine
hilfe mehr. Die messung vrird öfter wiederholt: ni»»^
der faden zu^ und erreicht wieder die rechte länge, soi^
die krankheit gehoben, für ihre mühe darf die weise fw»
nie geld fordern , sie nimmt was man ihr gibt« Man vst-
gleiche das getraide und yrassermessen (ab^gl. 258. 953,
und s. 333.)
Wenn einen kranken die weifsen leute (biale lodiie
s. 672) quälen, wird in Polen freitags ein lager von eA-
senstroh gemacht, laken darüber gespreitet und der knoke
darauf gelegt, dann trägt einer ein sieb mit asche auf d«B
rücken, geht um den kranken herum, luid läfst die asche
auslaufen , so dafs das ganze lager davon umstreut wffd.
frühmorgens zählt man alle striche auf der asche, mi
stillschweigen ds, ohne unterwegs zu grüfsen, hinterbrifigt
sie einer der klugen frau, die nun mittel verschreibL Ke-
sters mon. sehr. a. a. o. In der asche drücken sich die
spuren der geister ab, wie man auch den erdmänolaD
asc/ie streut (s.255.) vgl. ehstn. abergL 40.
Von dem wasserschöpjen und giejsen der Uu^
frau, abergl. 515. 865. Segnen des Schlags (der apoplexie)
mit einer hacke auj der schwelle, anh. S.LI1I«
Eine alte fieberkur war, das kind auf den ofeuoder
das dach zu legen: mulier si (|ua filium suum poniU'V'*
tectum (vgl. s. 609 anm.) aut m Jornacem pro saoiUle fc-
brium. (anh. s. XXXV.) posuisti infaiitem tuiun J^xM
ignem (XXXIX.) Nimmt das kind nicht zu, so bat ö
das elterlein^ mau schiebe es in den backofen so wöcht
das elterlein (abergl. 75.) ..
Man heilte aber auch , indem man tinder oder vi^
durch ausgehölte erde oder einen gespaltnen l>^"^^
hen und kriechen liefs. Das hielt allen zauber ab, oder
vernichtete ihn oder wirkte sympathetisch, 'mulicres, qw«
haben t vagientes infantes., elTodiunt terram et ex parte g^'
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DURCH ERDE UND BÄUME KRIECHEN 677
tnsant eam et per ülud foramen pertrahunt infantem' (XXX.)
anunen nelimen das neugebome kind und stofaen es durch
ein hol (LIV); will es nicht gehen lernen, läfst man e»
durch ranken des b rombeerst rauchs kriechen , die in die
erde gewachsen sind (abergl. M8.) Kranke schafe müssen
durch eine gespaltne junge eiche kriechen* ^nullus prae-
sumat pecora per cavam arboreni aut per terram Jora-^
tarn transire^ (XXX.)
Dieses schlüpfen durch den eichspalt, durch die erde
scheint auf den genius des baums, der erde, das siechthum
oder den zauber zu übertragen.*) Von welchen krank-
heiten man auf solche weise genas, wird nichl berichtet,
folgende stelle lehrt aber, dafs noch im vorigen jh. das
engl, landvolk so die brücke heilte : 4n a farmyard near the
midie of Seiborne (a village in the county of Soulhamp-
ton), Stands, at this day, a row ol pollardashes (gestutz-
ten eschen), which, by tlie seams and long cicatrices down
their sides, manifestly shew that, in former times, they
bave been cleft asunder. these trees, when young aud
flexible, were severed and held open by wedgcs, white
ruptured children, stripped naked, were pusfied through
the aperturesy under a persuasion that, by such a procefs,
the poor babes would be ciired of their infirmity. As soon,
as the Operation was over, the tree in the suiTering part,
was plastered with loam, and carefuUy swathed up. If the
part coalesced and soldered together, as usually feil out,
where the feat was performed -with any adroitnefs at all,
the party was cured; but where tlie cleft continucd to
gape, the Operation, it was supposed, would prove in*
eiTectual. We have several persons now living in the vil-
lage, who, in their childhood, were supposed to be healed
by this superstitious ceremony, derived down perhaps from
our saxon aucestors, who practised is before their con Ver-
sion to christianity. At the south corner of the area near
tbe chureh, there sloo4 about twenty years ago^ a very
old grolesque hoUow pollardash^ which for ages had been
looked on with no small vencratlon as a shrewash^ now
a shreu^ash is an ash whose ''twigs or branches, ii>hen
gently applied to the limbs of catlle , will immediately
relieve tfie pairs which a beast sulTers from the running
*) roerkwQrdig, darg im altfranz. Tristran der zwerg Frociiie, als
er das geheimnia voq Marks pferdeohren dem sctiwarzdorn beichtet,
»eipea köpf unter der holen würzet des ha ums durchsteckt, und dann
erst redet. 1821 — 1334. sein gekeimais geht dadurch über auf den doru.
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ms IN BaOß GRABEN
of a shrewmouBe ( Spitzmaus) over tlie part affected. fer
il is supposed thal a shre^wmouse is of so baneful and de»
leterious a nature, tliat wherever it crecps over a beast,
be il hoi*se, cow, or sheep, the suffering animal is af-
ilicled with cruel anguish, and threatened with Ute lofs of
the use of the limb. against ihis accident, to w^bich tbej
were continually liable, our provident forefatfaera alwajs
kept a shrewash at hand, which, when once medicated,
woiild maintain its virtue for ever. a shreuHtsh ipras made
thus ''') : into the body of the tree a deep hole vras bored
-witli an auger, and a poor devoted BhrewmoxiBe was thrutt
in alii>ey and plugged in, no doubt, with several quairt
incantations long since forgotten. As the ceremoniea ne-
cessaiy for such a consecration are no longer understood,
al sucession is at an end, and no such tree is kncwn lo
subsist in the manor or hundred. as to that on the area,
the late vicar stnbbd and bumt it, when he was w^jwai^
den, regardlefs of the remonstrances of the bystandera, wbo
iuterceded in vain for its preservation. **)
Eine art angang ist es, dafs die drei ersten iom
oder Schlehblüten, deren man im jähr ansichtig wird, h«il-
niittel wider das fieber abgeben (abergl. 695.718.784.1018.)
Krankheiten und heümittel werden auch in die erde
vergraben, in den ameisenhaufen (abergl. 864.) Ifieriier
gehört eine heilung der epilepsie im 10 }h. durch eiage-
grabne pfirsichblüten , wie sie Ratherius in seinen prado-
quiis lib. 1. (ed. Mart. et Dur. p. 808. ed. Ballerini p-31,»
ungläubig meldet: factum sit, infectura sit, narratum est
quod refero. Cujusdam divitis filius gutta, qavtvx cady-
xfam dicunt, laborabat. mediconim omne probatissimomm
erga eum inefficax ingeniuoi ad desperationem salutis pa-
ternum atque maternuni deduxerat animum, cum ecce unus
servorum suggerit, ut flores arboris persicae optime mon-
*) Rob. Plot, nstiirat liistory of Staifordshire Oxford 1<S86 p.m:
8ape»titioufl custom they iiave iu tbis county of makiag nursrow trta
for the eure of uoaccountable swellings in their cattle. for to make aay
tree, whether oak, asli or elm, a nursroit^ tree the catch ooe or more of
these niirsrows or fieldmice , which they fiincy bite their cattle and nake
them sweil, and having bored a hole to the center in tlie body of the treeii
they put the mice in, and then drive a pegg in after tbem of the umt
wood, where they starving at last communicat forvooth aach a rirtae
to the tree, that cattle thus swoln being wipt with the bough^ of it
preseutly recover: of which trees they have not so many neither, bot
that at some placeb tJiey goe 8 or 10 luiles to procure this renedy.
**) Gil. White: the natural liistory and autiqaities of Selborae.
l.ondou 1789. 4. p. 202 - 204.
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IN ERDB STECKEN 679
dalofl priAio lunis (i. e. lunae) die aprilia mensis in vase
vitreo coUigerent, quod sub radice ejusdeni arboris^ in^
sciis Omnibus^ ab uno quo vellent aujfoderetur , eodem
die rcversuro ipso, a quo positum est, auno vergeiite, si
fieri posset, bora quoque eadem, et eJTosso vase flores
in oleum conversoa, arborem siccatam inventuro, quod
sub altare positum, presbytero quoque ignorante, not^em
missis super eo celebratis sauctificaretur, et statim post
accessum ejusdem morbi nouem vicibus in haustum diatini
scüicet aegix) daretur, cum oratione domioica, ita duntaxat,
ut post Mibera nos a malo' a dante diceretur: ^libera deus
istum hominem, nomine ül., a gutta cadiva', et quibus uo-
vem diebus missam quotidie audiret, azymum pauem
cibumque quadragesimalem post jejunium caperet, atque ita
deo miserante convalesceret. Factum est, si tarnen factum
est, iile convaluit, servus emancipatus est, etiam heros
adscriptus, medicina ab innumeris adprobata multis quoque
salutis contulit remedia.
Flieder oder hollunder hilft gegen zahnweh und fieber.
der fieberkranke steckt ohne ein wort dabei zu sprechen,
einen flieder zweig in die erde, da bleibt das fieber am
nieder haften, und hängt sich dann an den, der zufallig
iiber die statte kommt, dän. abergL 162. Besonders ist
ftieder heilsam, der über bienenstöcken (op bjintjekoven^
wächst ; man schält seinen hast nach oben (nicht nach unten)
zUf und gibt dem kranken den absud zu trinken.'*')
Beachtenswerth ist dieses übertragen der krankheit
auf bäunUSf d. h. auf den geist, der in ihnen wohnt. Un-
ter den beschwörungsformeln beginnt XXVI mit den wor*
ten: zweig ich biege dichy fieber nun lasse mich! We-
stendorp s. 5 18 verzeichnet folgenden niederländischen brauch.
Wer vom kalten fieber genesen will, gehe frühmorgens
Cm dei* uchte) zu einem alten weidenbaum, knüpfe drei
Knoten in einen ast^ und spreche dazu : ^goe morgen, olde^
ik geef oe de kolde, goe morgen oldeP dann kehre er um und
laufe, ohne sich umzusehen, eilends fort. vgl. abergl. 1074;
formel XLIV wird die gicht auf jrau fichte übertragen,
Die^ fliegende gicht wird so geheilt, dafs man den
kranken ganz und gar in sauberen flaclis wickelt : liegt
er dann darin, wie ein jüngferchen in rosen, so wird
ein Schaffell über ihn gebreitet und ihm nun die arznei
zum schwitzen eingegeben.''^) Dieses einwickeln ist ein
*) lapekoer feu Gabe scrdnr. p. 31. 32.
••) daselbÄt s. 41.
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680 EINWINDBN
in der alten thiersage berühmtes mittel, der fieberkranke
löwe soll sich in die haut eines lebendig geschandnen
vierthalbjährigen wolfs winden und schwitzen; das lehrt
schon die äsopische fabel (Reinh. CGLX.) aosfuhrlicfaer
handelt davon das altdeutsche gedieht : dem löwen war eine
anieise ins hirn gekrochen und hatte sein siechthom Ter^
ursacht; Reinhart verordnet ihm die haut eines allen UH>lf$
wnzuthun, ein bärenjell aufzulegen und einen hatzenhut
aufzusetzen: in die erwärmten katzenhaare kriecht die
ameise aus des kranken haupt. Solches einwinden in frisch-
abgezogne thierhäute ist im mittelalter wirklich für mehrte
zufalle angewendet worden, z. b. bei zufrühgebomeo
schwächlichen kindern , bei menschen , die einen gefährli-
chen Sturz gethan. In einem niederd. lustspiel des 16 jk
betitelt Me böse frouwens' soll man die kranke ^in eine
i^riske pagenkut beneijen.^ Auflegen des warmen thier-
fleisches wird verschiedentlich erwähnt: ^eine schumrse
henne aufschneiden und aujs geschorne liaupt legen.*
(Ettners hebamme 795.)*)
Während die heutige heilkunde fast auf vegetabilisdie
und mineralische mittel eingeschränkt ist, brauchte die äl-
tere manigfachen thierischen stof. herzen gewisser vögel,
fleisch, blut und fett gewisser thiere hatten sehr eigenthün-
liche heilkraft. *'*') dem kranken löwen hilft genufs des o/-
Jenfleisches (Reinh. CCLX), doch der unwissende wolf
räth ihm das des bocks und wicfders an*^*) blut der
Vögel und des fuchses ^eilt vmnden (pentam. 2, 5.) hra^
henblut zaubert (anh. s. LVl.)
Hieran reiht sich die abergläubische heilung des aus*
Satzes durch das blut unschuldiger kinder und reiner jung-
*) liis diebiis occalto dei jndido idem Eracliaf (episcopns leodies-
818, f971) morbo, qai lupus dicitar, miserabiliter tal>onbat. patie-
bator autem io natibus. erat igitur videre miseriam« taiii graviter
enim vis valetudinis grnssabatur, ut mirum in niodum canies viri lopiao
modo consumeret, corroderet, devoraret; solumque solatiam, noa
qnidem spes eyadendae aegritudinis, sed saltem dilatio mortis erat, qaod
rjnotidie duo pulli gaUin^rum eplumes et eviacerati mane, dnoqM
vespere, vice carnium viri consumendi morbo, ac si lupiaae raUd,
qpponebantur. die liüiier worden an der stelle mit binden befestig
Ciiapeavilie 1,191—194. Hautentzündung und fressendes gescbvir
lieifdt wolf ( lupus ) : sich einen wolf gehen , reiten.
**) Wanley p. 75 (vgl. 304) fuhrt einen tracUtos Idparti fabd«-
süs an: medicina ex quHdrupedibus.
'**) 'mit der bcUheu (fulica atra) fäesea^wirt den n»
buoz.* Li. 3, 564.
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HBILMITTBL dSl
frauen; die der fallenden sucht darch das blui hingerichteter
(abergl. 1080.) apeiche/y ja reiner athem sind heilkräftig.*)
Eine menge aympatlietischer mittel heilen oder scha-
den. So yfirA gelbsucht unheilbar, wenn eine gelbfüfsige
henne über den siechen fliegt (abergl. 549), geheilt aber
durch das schauen in schwarzes wagenschmer (66.) Über-
spannen der kanne, des bediers bringt herzgespann hervor
f 11. 949); weidedrehen krummen hals oder leibschneiden
{373 , vgl. oben s. 667.) Auf rose oder rothlauf soll man
funken schlagen lassen (383.710), über dem köpf schwer
redender kinder ein brot brechen (415.), den ausgerisse-
Den zahn in eines jungen baumes rinde schlagen (630.)
-wider schlucken, ohrenzwang, zahnweh bestehu unter dem
▼olk viel solcher mittel (151. 211. 280. 581. 584. 722. 950.)
Vieles wird bei achwangeren und gebährenden be-
obachtet, vgl. abergl. 41. 176. 293. 337. 364. 489. 561.
654. 674. 688. 691. 702. 724—732. 815. 859. 924. 933.
ehstn. 12. 18 — 23. Legt die frau des mannes pantoffel
an, bindet am hochzeitstag der bräutigam der braut die
mtrumpjbänder , so wird sie leicht kinder gebühren. Be-
zieht sich hierauf auch die sitte , deren alter ich gleich be-
weisen will, dals die braut in der brautnacht heimlich ihr
Iiemd mit dem des mannes ppechaele? Vintler sagt s. LV:
das sint dan etlich briute, die legent ir hemd an irs man-
nes ort. Deutlicher in Turlins Wh. 148:
diu künegtn wart gebriset gnuoc
in ein hemede, als ich vor sprach.
^ aiser dir st gelegen bi,
und er dar nach entsläfen st,
sd lege tougen sin hemede an ,
und ob dtn sin gesuocheti kan^
daz ez werde heimlich getdn.
sich, daz dich iht verdrieze,
dtn hemde stn houpt beslieze;
daz sol an dtnem vltze st^n:
dar nach soldu über in g^n
an stnie hemde, daz wirt dir vromen.^
Vergiftungen wurden gewaltsam geheilt: man hieng
den kranken an den beinen auf, und rifs ihm nach einer
weile ein aug aus, im glauben, das gift werde durch diese
üfnung fliefsen: 'tarnen intoxicatus Albertus in Austria,
*) Uerodot erzählt 2, 111 wie ein blinder iierstellung seines ge-
•ichts erlAiig4tii soll ywu^ho^ ov{t<o vtifruftfroq toi»? otpO-uXfiovq ^ i^Ki
7iU(^u rov iwvj^q vofäQU lAovvQV ntgfoirfjKfy akkwv dvdi^Qv iovoa unt^foq»
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HEILKRÄUTER QLIHiffiRAUFHÄNGEN
et din per pedes 8U8pen«u6, oculum perdens evasiL* Al-
bertus argent. (ed. basU. 1569) p..l67.
UDzäbligen pflanzen, zumeist den nach göltem, guten
und bösen geistern oder thieren benannten, inrohnte heil*
kraft bei. einige sind s. 632 unter den zauberkrautera
angeführt. Andere kündigen ihre eigenschaft durch den
namen an: hei laller scluiden (achillea, mülefolium) , heil*
allerwelt ( supercilium Veneris, juiigfer augbrauen , vgL
BaldrsbrS, s. 142), cdlermannharniaoh u. s. w. \Vcnn
pflanzen gutheinrich (hcrba . boni Henrici) stolzheinrick
(atriplex) heifsen, so bezieheich das auf den kobold oder
alb ( s. 286. 598 ) , der die menschen zuerst ihren heilge-
brauch lehrte, vgl. s. 254.
/Nasser f quellen und f euer haben kraft die gesund*
heit zu erhalten , oder herzustellen (s. 328. 330. 343. 350.
353.358); besonders aber die quelle, welche der eott odo*
der heilige aus dem fels gesprengt hat. Den grobem der
heiligen wurde im MA« unmittelbares heilvermögen bei-
gemessen, rasen und thau auf ihnen heilen (Greg, turoa.
Vftae patr. 6, 7.) die legenden sind voll der wunderbarea
rettungen, welche wallfartenden siechen am grabe des hei-
ligen zu theil wurden, eine unglaubliche menge von kran-
ken nahm zu diesem mittel ihre Zuflucht; treflich aber
wird es in der thierfabel parodiert (Reinh. s. CV. CXXVl):
der fieberkranke hase, der ohrenzwängige wolf genesen,
sobald sie sich auf das grab der gemarterten henne gelegt
haben. Von solchem wahn waren die Heiden frei; i^
finde nie erzählt, dafs sie bei den bügeln ihrer köuige und
riesen heilung suchten. Aber heilige wälder heilten (s. 46.)
In Griechenland, namentlich Böotien, war es ge-
bräuchlich, daTs genesene die metallene abbildung des er-
kranktgewesenen gliedes im tempel aufstellten, als ccfo-
&i^lLiaTa nennt eine Inschrift Tigoaanop, T^n&oe, ai^a$^,
j^eig u. s. w. *) , aus solchen weihgeschenkeu wurden her-
^ nach heilige gefäfse gemacht. Die sitte der votivtafeln mit
nachgebildeten gliedern können nun schon die heidnischen
Körner nach Deutschland übergeführt haben, wenn man
nicht zugeben will, dafs unsere vorfahren frülier selbst da-
mit bekannt waren. In der s. 52 aus Gregor mitgetheiUeii
*) corp. iiisoript 1, 750 no. 1570 wo Bookb sagt: donaria m^t-
catioiiiif causa Aniphiarao obiata. <)ui ex oracolo per somnium dato
realiluti iu sanitatem eraiit, ii partim uiemhri, quo laborarant , <-/>
ßgiem dicabaut (p. 474. no. 497. 498) partim alia donaria . quemad-
modiim otiani in fontem Ampbiarai dejicert DMOimos aolebast. vgl.
PauMiD. 1 , 3.
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GLIEOBRAUPHÄNGBN
stelle Beifst es aiisdrnckKch : ^membra^ secundtiin quod
ununiquemque dolor attigisset, sculpebat in ligno] und
dann weiter Sisi enim in eo barbari gentili superstitione
modo auri argentique dona, modo fercula ad potum yo«
miliimque ebrii ofierre, cultiunque, quo nihil insaniiis, istie
simulacrum inanis dei, ac ut quemque qffecti membri
dolor preaaeraty sculpebat in ligno suspendebatque opi-
talaturo idolo.' das geschah in Ripuarien, im 6 }h. Dar«
auf bezieht sich auch bei Eligiüs s. XXXI: ^pedum simi^
litudinea^ quos per bivia ponunt^^fieri vetate, et ubi in-
veneritis igni cremate^ per nuUam aliam artem salvari vo«
credatis nisi per invocationem et crucem Christi'; und im
indiculus {.29 ^de ligneia pedibua vel manibua pagano
rhu.' zugleich aber lehren tUese Zeugnisse eine bedeutende
Verschiedenheit, der Grieche brachte das dvd&fj/iia, wenn
das übel geheilt war, aus dankbarkeit. der deutsche Heide
stellte das glied im tempel oder an der wegscheide auf, um
dadurch erst genesung zu bewirken: opitulaturo idolo;
und per nuUam aliam artem aali^ari vos credatis. darum
reichte auch ein hölzernea oder vielleicht wächsernes ab-
bild hin, das ein unstattiiches geschenk für den hilfreieheo
gott gewesen wSre. man vergl. die aus einer andern stelle
Gregors RA. 674 angezognen worte und Ruinarts anmerkung
da2u. Diese deutsche paganie berührt sich also mit dem zau«
ber durch die Wachsbilder (s. 618.) Was aber den bekeh-
rern greuelhaft heidnisch vorkam, duldete und gestattete spä«
ter die kirche. Eine altöttinger votivtafel stellt einen verun-
glückten dar, dem ein pfeil durch die augbraune in den aug-«
apfel gegangen war (Schm. 1, 242.) An mehrern berühm«
ten wallfartsorten findet man bände, füfse u. s. w. aus
holz oder wachs angeheftet. Bei den Griechen schliefen
kranke oft iu dem tempel der gottheit, auf die sie ihr ver-
trauen setzten und enipfieugen im träum die anzeige des
heilmittels *) ; ähnliches wird in legenden des MA. vorkom-
men, man halte dazu den träum im neuen' haus oder
staU (8.667.)
Es gab abergläubische zeichen, aus deren beobachtung
man abnahm, ob ein gefahrlich kranker unterliegen oder
genesen werde, des geschreis, flugs, wendens der vögel ist
s. 659.660 gedacht. Burchard s. XXXVII führt an, dafs
mau steine aufliebe und nachsehe ob ein lebendiges thier dar-
unter sei; ähnlich ist das aufgreifen 'einer handvoll erde und
*) Jac. Pill!. Tomaiinl de donariis oc tahellis votiHS. Patavii
1654. 4. cap. 34 p.2i4 — 326 vota pro aegrotaDtium saluie.
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6M PBBT
forschen Bach einem lebendigen vresen darin (s.XLVI, 9.)
Noch heute ist schottischer glaube, wenn man* in des kran^
ken äuge die männlein nicht mehr sehe, müsse er sterben:
in der glanzlosen pupille des brechenden auges spiegelt
sich des gegenüberstehenden menschen bild nicht mehr.
Schon im ags. dialog zwischen Adrian und Ritheus (Thorpe
p.48): ^saga me, on hv^ mäig man man geseon mannes
ieidii? ic the secge, tvege man Itcan beodh on manne*
edgiun: gif thii th4 ne gesihst, tlionne svilt se man, and
bidh geviten eer thrim dagum,' Hierzu mufs yei^lichen
werden, dafs man auch in eines verzauberten men-
schen äugen die xoqtj nicht sieht (s. 606), und dafs sie
in einer hexe aug verkehrt oder doppelt stehnsoll (s. 610.)
Kann ein todkranker nicht verscheiden, so soll man eine
Schindel auf dem dach u^nden (abergL 439), drei zie-
fein aufheben (721) oder anderes holes hausgerälhe tim^
ehren (664.) das gleiche mittel wird auch bei epilepti-
schen (853) und kreifsenden (561) angewendet: ^wann es
im kreifsen schwer hergehet, läfst man den mann drei
schindeln aus dem dache ziehen und verkehrt wieder
einstecken.' Ettners hebamme p. 663. vgl* oben s* 647.
Ich habe bis zuletzt verspart von der pest und den
Überlieferungen zu reden, die sich an ihre erscheinung
knüpfen.
Dem gr. Xoi/uoß entspricht auch im genus das ahd*
sterpoj scelmo (mhd. schelme), gl. jun. 219 scalmOy
fihusterbo, ahn* skelmisdrep; alid* wuol (Diut. 1, 501*)
ags. v6l gen. vdles. die lat. benennungen pestis, lues sind
weiblich, wie das serb. iuga, morija, masc aber das
böhm. poln. mor^ litth. moraSj lett. mehris.
Den Griechen sandten des zürnenden Apollo klingende
pfeUe die pest; vergleichbar ist der jüdische würgengeL
Hermes, beschützer der heerde, trägt um sie, seucfaabweh-
rend, den widder; hernaich trägt er ihn auch um die
Stadt (HQtoq)6Qog.) Jungfrauen wurden geopfert, der ver-
heerenden kranklieit einhält zu thun.
Jener todesengel ist der Tod selbst, der seine leiite
abholt. Eine langob. sage redet von zwei engein , eines
guten und bösen, die das land durchziehen: pari etian
modo haec pestilentia Ticinum qnoque dopopulata est, iti
ut cunctis civibus per juga montiuni seu per diversa loca
fugientibus in fora et per plateas civitatis herbae et fruc-
teta nascercntur. tuncque visibiliter multis apparuit, quia
bonus et malua angelus noctu per digitalem pergerent,
et ex jussu boni angeli malus angelus , qui videbatur vent-
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PEST «89
bulum manu ferre, quotiena de %*enahulo t^atium eujuarun*
que domus perciutsiaset ^ tot de eadem domo die sequenti
hoDiines interirent. tunc per revelationein cuidam dictum
est, quod pestis ipsa prius non quiesceret, quam in basilica
beati Petri, quae ad viocula dicitur, sancti Sebastiani mar-
tyris allariuoi poneretur. factumque est, et delatis ab urbe
Roma beati Sebastiani reliquüs, mox ut in jam dicta ba*
silica altarium constitutum est, peatia ipaa quieuit. Paul.
Diac* 6, 5«
Auf äbnlicbe weise zieht die nord. Hei mit ihrem
roaae umher (s. 195. 486.490), vgl. das. auf dem kirchhof
erscheinende todtenpferd (s. 665.)
Nach einer yoigtlMndischen Überlieferung kommt sie
als blauer dunaty in geatalt einer wölke j gezogen. JuU
Schmidt p. 158.
Augustinus de yerbo apostol. 168 stellt die pest als eine
umschleichende frau dar, welche sich mit geld abfinden
läfst: ^proverbium est punicum, quod quidem latine Yobis
dicam, quia punice non omnes nostis. punicum enim pro»
verbium est antiquum: nunium pult peatilentia? duos
Ali da, et ducat se/
Neiigriechen stellen sich die pest vor als eine blinde
fraUj welche die Städte von haus zu haus durchwandert,
und alles was sie berühren kann tödtet. sie geht aber
tappend und tastend die mauern entlatig, und wer sich
vorsichtig in der mitte des gemachs hält, den kann sie
nicht erreichen. Nach einer andern volkssage sind es drei
furchterliclie frauen , die in gesellschaft durch die Städte
ziehen, und sie verheeren, die erste ein grofses papier,
die andere scheeren, die dritte einen besen tragend, sie
treten zusammen in das haus, wo sie schlach topfer suchen,
die erste schreibt die namen in ihr register ein, die zweite
verwundet sie mit der scheere, die dritte kehrt sie weg.
(Fauriel disc. pr^l. LXXXIII.) Hier sind die drei parzen
(s. 233) oder furien und eumeniden todesgöttinnen geworden.
Von der litth. giltine ^ der pest oder todesgöttin
möchte ich ausführlichere sagen wissen, sie würgt erbar-
mungslos: 'kad tawC giltine pasmaugtu!' (dafs dich die pest
würge!) ist ein bekannter fluch. (Mielcke s.v. Donaleitis
141.) Aus dem polnischen Litthauen erzählt Adam Mickic«*
wicz"") von der morowa dziewica (pestjungfrau) folgendes:
kiedy zaraza Litw? ma uderzyc,
}4} przyjscie wieszcza odgadnie zrzeuica;
*) Koarad WaUenrod (poezjre. Warszawie 1833 p.M.)
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ba jeäi sl(ci8ciia waidelotom wiersyc^
nieraz na puatych sm^tarzach 1 bljoniach
8taje -yvidomie morowa dziewica
vr bieliznle; z wiankiem ognistym na skraniach,
czoljem przeDOsi bialjowieskie drzewa
a yr rfku chustka skrwawiona powi^wa«
Dziewica stapa kxoki zljowieszczemi
na siolja, zamki i bogate miasta;
a ile razy krwawa chustka skinie,
tjle palacöw zmienia sif w pustynie;
gdzie noga stapi, swi^zy grob vryrasta.'^)
Etwan in die mitte des 17. }h. föllt vras Johann Parom
Schulze^ ein wendischer bauer**) meldet : es ist so zugegan*
gen, das ein man, wie es davon allezeit geredet ist wor-
den, der ist gewesen und hat geheifsen Niebuhr da anilzo
KuiTalen auf wohnen , welcher nacher Luchau ist gewesen,
wie er von der Stadt fahrt, kompt ein man bei ihm unter
wegens, bittet ein wenig auf den wagen zu treten, spricht er
sei sehr müde, fragt ihn der Hans Niebuhr auf wendtscbey
wie es zu der zeit die spräche gebräuchlich gewesen, wohin und
her? und nimpt ihn auf den wagen, wil er vorerst sick
nicht kund geben, dieser Niebuhr aber, was trunken, be-
ginnet harter zu fragen, gibt er sich kund und spricht, ^ich
wil mit in deinen dorf, da bin ich noch nicht gewesen, denn
ich bin der Peat.^ Da bat dieser Niebuhr um sein lebent^
gab der Pest ihm ein lehr, er solt ihn vor dorf stehn lassen
mit dem wagen, und sich nackend ausziehen und überal
kein kleid au seinem leibe haben, und sol sein tesselfutien
nehmen, fome aus seim haus ausgehen mit der sonnen umb
sein hof erumb laufen ^ den aolte er unter die tür^
schwelle vergraben: 'wen nur niemand mir erein trägt\
spricht der Pesty durch den geruch, die in des kranken
kleider ist.' Der Niebuhr aber lätst ihn mit dem wagen
eine gute ecke vom dorf, denn es war nachtcs; nahm den
kesselhaken , lief nackend aus dem dorf und rund uni^
*) wenn eine seuche Littbauen trift, so steht (man darf den wai-
deloten glauben beimessen) sichtbar auf einsamen gottesäckern niM
feldern die pestjungfrau in weifsem kleid, einen feurijren kränz am
die schlafe, an der stirne trägt sie weifs .... bäume (höixer), mit ötr
band schwingt sie ein blutiges tuch. langsamen schrilteit geht sie in
dörfer, Schlösser und reiche Städte; so oft sie mit dem tuche wiakt»
wandeln sich paläste In wüsten, wohin ihr fufs triU, öfnet sich ein
frisches grab.
**) aus dem dorfe Suten, kirchspiels Küsten, im Luneburgtsrhca;
mn 1740 schrieb er eine chronik auf. ann, der br. lüneb. chnriaade.
Jahrg. 8. Hannover 1794 p. 882. 288.
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und stak das eisen unter die brncken, welches zu a<> 1690
ich selber gesehen habe, da die brück ist gebessert worden,
aber von rost bald verzehrt. Wie dieser Niebuhr nach
sein pferd und wagen kompt, sagt der Pest: ^het ich das
gewust, solt ich dir das nicht kund gethan haben, das du
ein solches in deinem sinn dich hast fürgenomen, und hast
mir das ganze dorf zu gemachte wie der Niebuhr vor
dem dorf kompt, spant er seine pferde vom wagen und
läl'st ihn drauf sitzen, ist auch keine krankheit von pesti-
lenz im dorf gespürt worden ; sonsten in allen umliegenden
dörfern hat die seuche heftig grassieret.
So weit Schulzes ungeschlachter, naiver bericht. Das
wegschaffen des hesselhahens vom heerde scheint die auflas*
sung des hauses auszudrücken: in leeren häusern hat der
tod nichts zu holen, wie der abtretende, ausziehende ei-
genthümer symbolisch 'das haal auf dem herde nieder
sciiürzet', so miifs es der neue besitzergreifer *aufschürzen.' *)
Das laufen um das haus, um das dorf gleicht jenem tra-
gen des Widders um die Stadt.
Weil aber die pest schlecht zu fufs ist, läfst sie sich
auf dem wagen in das dorf einfahren, oder auf dem rü-
cken , gleich hockenden hausgeistern und irwischen (s. 292,
513) einschleppen.
Die Serben sagen, huga sei eine leibhafte frau, die
in weifsen adUeier gehäÜt gehe, viele haben sie so ge-
sehn, einige haben sie getragen, sie kam zu einem men-
schen aufs feld oder begegnete ihm unterwegs und sagte:
*ich bin die huga, trag mich dort hin!' der mann nahm
sie hutkepack und trug sie ohne mühe dahin wo sie wollte.
Die kugen (pesten) haben ihr land bei dem meer, aber
gott schickt sie, wenn die leute übel thun und viel sündi-
gen. Zur zeit wo die pest würgt, nennt man sie nicht
kugUy sondern iuma (gevalterin) **) , um sie geneigt zu ma-
chen, dann wagt man auch nicht, ungewaschene ge-
fäfse stehn zu lassen , denn nachts geht sie durch die
küche, und wo sie dergleichen erblickt, scheuert und fegt
sie alle löffeln und schusseln (und wird dadurch im haus
aufgehalten,) zuweilen trägt sie auch den speck aus dem
boden weg.
Hier erscheint sie ganz nach art der alten göttinuen.
*) Walfler deduction, beil. no. 4. 5. 135.
**) wie m.an ein imlieimliches tliier, z. b. wolf oder wiesei bei der
begegouDg, gevatter, geratterin anredet.
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aSB FBiT
unserer HoMa und Berhta, die keine Unordnung Im haus*
halt leiden (s. 166. 169.)
Den Slovenen ist die vielideuche (kuga) ein schecki-
ges ialbj das durch sein geachrei linder und Schafe tödtet
(Murko p. 784.)
Der teufel soll gesagt haben ^ gegen die kuga gebe es
nur ein mittel ^ hacke und haue d« h. hegrabnis. (Vuk
s« ¥• metil.)
Ein finnisches lied (Schröter 60) bescliwört die pcsl
schnell forlzuwandern in stälilbai^te berge ^ iu den dunkeln
Norden: reisepferd und wagenpferd soll ibr dazu g^eben
-^erden* Sie heilst ratio ^ die plötzliche^ mhd. der gsebe
tdt^ nnL gddOd.
Man hat in Niederdeutschland volkssagen von dem
Iieidmanriy welcher nachts den leuten in das fen^ler hia-
einguckt: wen er dann gerade ansieht, der murs'im jabr
und tag sterben, vgl. oben s* 446.
In der Lausitz schleicht die smertnitza weijsgestal^
tet in den dörfern um: auf welches haus sie ibren schritt
kehrt, da gibt es bald eine leiche« im hause selbst tiiut
sie ibre gegenwart kund durch pochen und bretwerfeo.
Zuckungen sterbender sind kennzeichen, dafs sich die
smertnitza ihrer bemächtige, (laus. mon. sehr. 1797. p.756.)
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NACHTRÄGE * 689
NAGHTRlGE.
f. 5. 'vlldu eigt bidta, ok trAdhn ä Mit sinn.' kl. s$g.], 35; Tgl.
SigmOIid in Faerfnga saga cap. 23 (MQIIer 1, 179.)
8. 9. gotternamen zu ausraf, betbeuerung uod fluch geworden : rom«
me herclel me Castorf (8.202); wxh.lele! (8.454) lado! ni8s. tschur
togo miesta! (hausgott des orts) interj. de» Schreckens (Strahls kir«
cheng. 38.) hierher gebort (foii/ier.' Hammer I (8.124) vielleicht irminf
(s.208) woit! (s. 520) vgl. katzebntzerolle ! (nachgetragen zu s.289.)
8. 10. alle deutschen dialecte , von frühster zeit an , setzen gott
ohne artikely gleich eigennamen. schon Ulfilas läPst den gr. artikel
uniibersetzt , z. b. 11 Cor. 1, 1 rov &tov guths; 1,3 o &i6q guth; 1,4
v^o Tov &tov fram gutha. nihd. beispiele in Beneckes wb. zu Iw. un-
ter got, wenn gott und der teufel zusammen genannt werden, hat jenes
wort nie, dieses immer den artikel (s. 12.) Die Griechen stellen Iho
gewohnlich vor ^foc, und häufig vor eigennamen. Auch die romani-
schen sprachen enthalten sich seiner ; wäre das ital. iddio assimiliert aus
il die, so müste das fem. iddia ohne gefuhl daraus gebildet sein, und
schon Dante hätte nicht sagen können 'per quello iddio' (iuf. 1, 131.)
8.13. 'got möht in (den spielmann) gerne hoeren in stnen himel-
koeren.' Trist. 7649. möhte bedeutet in diesen beispielen i, könnte
sich gefallen lassen, ei wäre ihm nicht unanständig.
8. 13. der zürnende gott 'was imo god dbolgan* H^l. 157, 19. vgl.
Wuotan s. 98. diu Saelde was im gram (s. 505),. wie sonst: 'die Welt
ist dir gram^ (deutsche sag. 2, 380. brem. wb. 1,267. 2,887) und 'die
Krde ist dir gram* Praetor, weltbeschr. 1, 154. Ebenso der pergee-^
sende gott: 'got min vergazj Ecke 209; 'gensedeeltcher trehtln, wie
vergfBze du ie min sd.' Trist 12483 ; 'got bete sin vergezzen^ das. 9243.
8. 15 anm. allerdings gehört dives zu divus, und Dis, Ditls er-
wächst aus Divit Potts forsch. 101.
8. 16. mit der Vorstellung von gott und göttin verbindet sich die
▼oo pater und mutier, allvater^ gottvater, Jupiter t Diespiten MarS'
piter, Demeter n.8.w. Die Letten nennen jede göttin mutter (mähte):
semmes mähte (erdmutter) , mescha mähte (waldmutter.) vater , fadr
scheint verwandt mit fatlis^ herr, wie pa/ei* mit littb. pats, noai?,
710TK9 mann, berr.
8. 19. nQoqxwftv wird in den neugriech. lledern vom niederfallen
des besiegten gebraucht, für sich ergeben, gefangen geben. Fan-
riel 1,6. 14 u. s.w. Dies flehende niederfallen widerstreitet wenig-
stens nicht dem begrif des goth. inveitan^ da es 1 Cor. 14,25 heifst:
drinsands ana andavieizn inveitith guth, wie Luc. 17, 16 dräus ana
andavleizn faiira fdtum is aviliud6i\ds {tvxuQifrvüv) inima. über flehen
Tgl. Freid. p. 320. nQo^evxofiai goth. aihtrd » und nQoqtnxTQ aihtrdns,
8.20. ie hedu hntgan, god gruotian. H4I. 144,24; die Christen
im mittelalter nannten es venie vollen , knien und erde küssen, um sün-
denerlafs (venia) zu erlangen: 'da er df einer venie lac^ Bari. 366,
91; 'den anger maz mit der langen venie.' Frib. Trist 2095; Genien
sQOchen.' MS. 1, 23b Troj. 9300. Dafs niederknien! hauptentblufsen,
hättdefidten gleiclifalls heidnisch war, bestätigt der erntegebrauch s. 104
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eSO NACHTRÄOE
and die rerelirung der fran Elhorn (g.37ft.) Es ist aber
gebärdeo zu achten, welche für unanständig nnd frevelhftlt ^m;
dahin rechneich Ata fingerdeuten (s.422. abergl. 334.937. lOS 1.1 ISS.)
S.21. sc/tauen gen osien: * contra orieutalem prostratos corparr
partem precatur.* Waltharins 1155 nnd dazn Fischers anm. ^die ge-
schrift leset dri stunt und k^ret iuch gSn Orient J' Troj. 9298; '«di
k^rte die rihte gön der sunnen.' das. 9642. in ags. formeio: e^-
veard ic stände.
8« 24. an den Zusammenhang der begriffe opfern, zaubern und th^n
ist S.580. 581 bei den deutschen Wörtern garawan und wihan^ Tielleick
auch zouwan erinnert .worden. XnLfacere ngais ^facere vitala» Tag.
ecl. 8, 77. sanskr. kratu (opfer) von kri (machen), ahd. karo (vktioi)
Pint. 1, 278l>, das zubereitete, beilig gemachte, geweihte. — Ob n
dem alten pldzan noch die heutige redensart 'er wird viel ploiitm
(geldgeben, aufopfern) müssen* gehört? auch heifst blotz, plamt*
ein altes messer, seh wert, Tielleidit opfermesser? — saljan f. ^m
steht auch 1 Cor. 10, 19. 20. 28. hunsl jah sduth (jii^oq^f^^etr asi
/>vaiav) Ephes. 5, 2. TgL skeir. 37, 8; bemerkenswerüi ufarski^ftt
Rom. 11, 16 für dnagxVy delibatio, anbrach. Den sinn tob oblaM
erreichte genau das ags. bring, pl. bringas; über intheizau vd
neihhan vgl. gramm. 2, 810. geUter scheint noch mhd. MS. 2, 233>
(oder gelster f. galster?) Bei zepar liefse sich an dhiaq (becfcer)
oder SiVTivov (frühstück) denken. Man wird auch genauer die begriffe
gelübde and opfer, mittel lat. votum und census, privat und öffeal-
liches opfer zu sondern haben, vgl. s. 217. 374. 395.
8. 26. die beiden hauptarten der opfer, schlacbtopfer and libatioaca
(trank und fruchtopfer) unterscheidet schon Isidor im chron. Gotb»-
rum p.m. 166: Mdolis immolare, diis lilarej' Gutalagh bat p. 106
folgendes über heidnische opfer: 'firi thann tima oc lengi eptir oAm
trothu menn a halt oo a hauga, vi oc stafgartha, oc a baitMi gatk
blotathu thair synum oc dydrum sinum, oc filethi mttb mafi m
mundgati, that gierthu thair eptir vantro sinni. land alt haftWirr
hoystu blotan mith fulki^ ellar haflbi huer thrithiungr sir. en ameri tbia;
bafthu mindri blotan , meth filethi, mati oc mungati , sum haka *mtL-
nautar: thi et thair suthu allir saman.' Hier werden diegroCseo ^aJk»-
Opfer von den kleineren vieh, speise und trankopfeni uaterschiedeB.
filethi, falad (pecus) erklärt Ihre 1,444. suthnautar (kocb^eoofMB)
heifsen die opfernden , weil sie gemeinschaftlich das opfer koditen, vgl
was s. 583. 587. 589 über seydhr und das gemeinsame aaabecfcodtci
gesagt ist.
s. 27. über menschenop/er war das capit de part Sav. 9 anaaM-
ren: *si quis hominem diabolo sacrificai^erit et in bostiam, niore pa*
ganorum, daemonibus obtulerit.' auch der kriegsgefimgne ^Graec»
Avar pecudis de Suevis more litatus^ (s. 183. 185.) mensckeaopfer
fordert der flufsgeist (s. 279.) Von .thieropfem , wenn sie nicbt imA-
teten, wurde zu menschenopfern vorgeschritten.r ein beispiel S.M4.
Das menschenopfer vertraten hernach bei den Römern hauptabaCcbe
pflanzen , mobnkupfe und knoblauch (Macrob. satum. 1, 7. Dioa. itt-
lic. 1, 38.) oder puppen. Ähnlich den menschenopfern war das ibcr-
lassen der getödteten und erschlagenen an bestimmte götter. ^rostn-
torum manes donare.' Saxo gramm. 116.
a. 27. thieropfer zulangst dem nix und dem teufel dargebracht eia
echwiirzee lamm (s. 278), ein schu/arzer bock und Huhn (s. 5ö6.) sckvar-
zes vieh (s.607.) weifsea böcklein (s. 278.) der schiffarze och$, ^
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NACHTRÄjQB 691
scht^arze kuhf die nicht ins bans geschlachtet werden aollen (abergl.
887), sind es heilige opferthiere? die Ehsten opfern dem Teuer ein
schwarzes huhn (abergl. 82) und t>estimmen, wenn sie ins haus schlachten,
ein stuck zum opfer (abergl. 97.) Unter Ehsten, Finnen, Litthauem
haben sich einzelne thieropfer bis in späte zeit erhalten. 1520 näher-
ten sich dauziger schiffe der samländischen koste. Val. Suplit, ein
freibauer, bot seinen nachbam an, die gefahr abzuwenden: er opferte
einen schwarzen hüllen mit allerlei seltsamen gebrauchen, derselbe
wüste die fische ans ufer zu bannen durch das opfer einer schwarzen
sau, (Biesters berl. monatsschr. 1802. 8,225 Tgl. Luc. David 1,118-122.)
s. 35. getraideopfer, dem Wuotan (s. 104. 105. 529.) dem Tod
(s. 490.) dem nix brot und fruchte (s. 279.)
8.36. mollia nolarum crepitacula bei upsalisclien opfern» Saxo
gramm. p. 104.
•.37. Odhins füll, Niardar füll, Freys füll drecka. H^konar
gddha saga cap. 16. Sant G^rdrilden minne. kolocz 72. trinken Sant
Johannes segen und scheiden von dem heidnischen lant. Morolt 3103.
Vergleichbar unserm minne scheint mir das slav. slaua (rühm, andenken)
und in einem serb. lied (Vuk 1. no. 94) wird wein 'za slave bozhje,'
zu gottes ehre getrunken.
s. 39. das einfache hus hat Ulf. nie für domns , immer razn , gards.
s. 44. Gregorii M. dialogl 2, 8. Benedict fand in Montecassino : ve^
tustissimum fanum, in quo ex antiquo more gentilinm a stulto rusti-
cano populo Apollo colebatur. circumquaque enim in cultnm daemo*
nioruro lud succreverant , in quibns adhuc eodem tempore infidelium
insana mnltitudo sacrificiis sacrilegis insudabat
s. 46. * der edele walt frönet Lampr. Alex. 4843.
s. 56. unter /a/ium verstand man wol ein kleines gebände, unter
templum ejus von gröfserem umfang, im indiculus paganiar. XXXI, 4 :
' de casulis i. e. fanis,*
s. 57. Sulp. Severus (ed. amst 1665) p. 458 : nam nbi fana de-
struxerat (Martinus), statim ihi aut ecclesias aut mönasteria construebat»
8. 59. pr4ster : mester. En. 9002.
8.61. Lappenberg 1, 148 folgert aus Bedas stelle eine mbchung
sächsischer und britischer religion.
8.73. iX6üiXov heifst dem Ulf. galiugagutht deus fictitius, er will
den ansdruck umschreiben.
8. 74. umfahren der heidnischen gotterhilder im land , um frucht-
barkeit und regen zu erlangen: bei den Deutschen Nerthus, bei den
Schweden Frey , bei den Galliern. Cybele (nachtrag zu s. 153) oder
einer in der vita S. Martini cap. 9 (Snrius 6, 252) ungenannten gott-
heit: 'quia esset haec Gallornm rusticis consuetudo, simulacra dae-
monum , candido tecta velamine » misera per agros suos circumferre
dementia.* Im indicul. cap. 28 : 'de simulacro , quod per campos por^
t€uit,^ Das bild der mutter gottes in Spanien (8.336.)
8. 80. Freyr giörr af silfrL Islend. sog. 1, 134. das langobard
Schlangenbild aus gold (s. 395.)
8. 80. man acheint heidnische hilder zuweilen noch in die christli-
che kirche eingemauert zu haben (Ledeburs archiv 14, 363. 378), dem
Volk zu gefallen als ein andenken, vgl. s. 75 den ausdruckt imagi*
nes parieti affixae^ in einer schon christlichen kirche.
8.80. ich möchte das backwerk in götzenform, die geschnitzten
koholde und puppen (s. 284) auf alte idole zurückfuhren, 'de simula»
cris de consparsa farina^ indic. superst. XXVI. gebackne tliierge-
44*
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602 NACBTRÄfiB
stalten scheinea verehrte tliiere, oder attribnte «nes gottei. b^m-
lieh wird in Schweden der juUher noch {gebacken, eine geachicbte der
deutschen knchen und semmelfonnen liePse sich schon zusaaiineiuteUcB,
wie Lobeck im Aglaoph. 1050 — 85 eine pemmatologia sacra der akea
gegeben hat. Aus einer merkwürdigen stelle der FridthioCisaga (foia-
ald. sog. 2, 86) geht hervor, dafs die Heiden beim disabMt götter-
hilder buken und mit öl sclwüerten: sAtu kouur vidh eldina ok b*-
kudhn godbin, en sumar smurdhu ok therdhu medh ddkum.* ^o ^
backner B<ddr fallt durch Fridtliiofs schuld ins fener, so daCi fett ia
die flamme schlägt und das haus vom feuer verzehrt wird.
8.81. cod. pal. 361,24c vom Zauberer Simon: ^uf eine^naejMs/
er steic, daz lanivolc im allesamt neic\ man war gewohaty ifsen-
seulen za ehren.
s. 83. mit den Irmenseolen vgl. man die Bolandseklen lud ags.
jüihelstiinsseulen (Lappenb. 1, 376.)
s. 88. mit tischen, phinztac, Ottoc« 144«.
s. 89. aber O. V. 4, 9 hat schon sunnun dbancL Nordfries. I. jcai-
nendei» 11. monnendei. III. tirsdei, IV. winsdei, V. fürsdeu
8. 95 TFuotans und Mercurs Identität ergibt noch ein umstand.
Hermes galt für den erfindcr der buclistabeni wie deo Aegyptcia
Theuth oder Thoth {Piatons Phaedr. 1, 96. Bekker.) nach JaaOiict
(de myst. Aegypt. 8» 1) setzen ägypt. priester den Hermes an dk
spitze aller erfindungen. nach Hygin fab. 143 soll Hermes die sckriJt
dem fluge der kranicbe nachgebildet haben. ~ Im ags. dialog Satire
und Salomon heifst es (Thorpes anal. p. 100): ^saga me bvi aeroct
b6cstafas sette? ic the secge, Mercurius se gygand,* ein andr^
dialog, Adrian nnd Epictus betitelt (ms. mns. brit. anuid. no. 351.
fol.39) hat: 'quis primus fecit literas?' und antwortet iS^i/A, was eatv.
aus Thenth entstellt oder der biblische Seth ist Der eddische rdnattl»
thÄttr scheint nun auch die erste lehre der runen dem Odhinn besa-
legen, wenn man die worte: ^nam ec upp rünar' ("Ssm.SS«) so d»'
ten darf, 'thcer of hugdhi Hroptr.' Ssem. 195b. Hincmar von BttSM
legt dem Mercur die erfindung des Würfelspiels bei : \ sicut isti <pi de
denariis quasi jocari dicuntur, qnod omnino diaboUcum est, et, mcA
legimus, primuin diabolus hoc per Mercurium prodidit, uade et Mtr-
curius inventor illius dicitur.' 1,656. vgl. schol. zur Odyss. 23, 198 n^
MS. 2, 124b 'der tiut^el schuof daz würfelspiL' Da femer Hermes des
beinameu Trismegist fuhrt (Lactant I. 6, 3. VI. 25, 10; Ur maxiaus
Hermes bei Ansonius) könnte in dem daher entsprungnen beidnlscica
Tertfagant Teruigant der dicliter des 12. 13 jh. nachklang von VKuotam aeis.
s. 96. zu jenen erfindungen stimmt, dafs der siegverleifaende (^
victoriam tribnit) nach altn. Überlieferung die siegbringende scUacte*
Ordnung soll erfunden haben (die acies comiculata.) Othinus offdinandi
agmiuis disciplinae traditor et re\)ertor, Saxo gramm. 146. vgl. 136.
8.98. imH^l. ir6, 5 von Christus: 'sohta thena is hiflagon sIpI^
sitit imo thar an thia suidron half godes , endi tlianan al gesilui d
huat s6 thius werold behabet.' dieser gedanke des herunter sdiancai
vom himmelstui Ist nicht christlich.
8. 100. 'diz was an ir und gar der rät, des der JFunsch an «iW
gert.' Iw. 6469 ; * zuo der het sich der Wunsch geseilet* Tarl. Wb.
38« : 'hie stuont der IFunsch^ das. 137b. unpersönlicher Trist. 1371.
3710. 4695. 4746.
8. 101. der gemantelte breithatige Waotao ist Hackelberfid (s.511.)
Odhinn bärtig s. 501. 530.
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NACHTRÄGE 693
s. 102. herivagen. Wackarn. leseb. 608, 10.
8. 103. Vddnesheorg anf Lappenbergs carte beim Bearucvadu, vgl.
Wanhorough in Witts. Lappenb. 268. JFodneshury und IVodnesdyke
(Waosdike) das. 131. Vodanesfeld. das. 354.
s. 104. in Oland, Hogsnimssocken , liegen grofse steine, genannt
Odins ßisor (Odini lamellae) , von welclien die sage geht , Odin iiabe
sein pferd geweidet ^ ihm das gebifs abgenommen und es auf einen
mächtigen steinbfock gelegt, von der schwere des gebisses brach der
stein in zwei thcile, welche zum andenken daran aufgerichtet wurden.
Andere aber erzählen: Oden wollte mit einem andern kämpfen und
wnste nicht , wo sein pferd anbinden, er sprang hastig zu dem stein,
stach mit dem schwert hindurch, und band nun sein ros durch das
locli fest, das ros aber rifs sich los, der stein sprang von einander und
wälzte sich fort, dadurch entstand ein tiefer sumpf, genannt Högs-
rumträsk: man hat Stangen zusammen gebunden, und doch keinen
grund erreichen können. Abrah. Ahlquist ölands historia. Calmar
1822. 1,37. 2,212. die steine stehn abgebildet bei Liljegren och
Brunins no. XVIII. Auch im öländischen Högbysocken liegt ein ge-
glätteter granitblok, Odinssten genannt, und nach der volkssage schlif-
fen die ins feld ziehenden krieger vor weiten ihre Schwerte darauf. Ahl-
quist 2, T9. Diese schwed. sagen bestätigen , dafs Odins pferd in sei«
Dem mythus besondere Wichtigkeit hat, es war ein weifses (s. 532.
vgl. s, 490, 491.)
Wuotan als schlänge dargestellt, s. 395. 543. Odhinn nennt sich Bru^
no. Saxo gramm. 146 vgl. Finn Magn. lex. 639. Reinh. fuchs CCXLIX.
' Wnotaifs aufenthalt in Griechenland, Paulus Diac 1, 9. Saxo
gramm. ^45. Snorri statt Byzanz Tyrkland,
s. 110. Verhältnis zwischen JVuotan und Donar, nach der 8.501.
502 auBgehobnen aage geht gute« von Odhinn, übles von Th6rr aus.
das war wenigstens spätere ansieht
s, HO. der mythische ausdnick Hdr^ lafnhdr und Thridhi ge-
mahnt an den sprachlichen der Ordinalzahlen fyrsti^ annart thridhi,
ahd. aristo, andar, dritto, wp die beiden ersten grade, von den car-
dioalzahlen abweichend, einander gleichstehn.
s. 112, kein runname drückt Odhinn oder Thdr aus, während T
T^r und nach einer auslegung F auch Freyr bedeuten, doch geht R,
reidh, donnerwagen mittelbar auf Thdr, könnte aaskereia s. 531 nicht
ans äska (blitz) und reidh (donner) erklärt werden?
s. 113. 'ose her gott kiftJ Strodtm. osnabr. wb. 104,
8,115. Thunresfeld^ leges Aethelstani (Schmid 85.) DonnerhUheU
in der Schweiz, loh* Müller 1 , 619. Donnerkaute auf dem Knüll in
Hessen, Thors^unda in öjand, Ahlquist 1, 36, wegen Thorsklint
vgl. Widegrens Östergötland 1, IT.
s. 121. zumal blaue flamme scheint göttlich, bei ihr wird geflucht,
Bonners Uoskin (blauer schein) helpT Hansens geizhals p,lS^, bUm
feuer! war Sichärtlins fluch.
8. 125, vgl. goth. drunjus (sonus) Rom* 10, 18.
8. 130. wer am sonntag trinitatis (dem nächsten nach pflngsten) ar-
beitet, oder etwas geflicktes pder gestricktes an sich trägt, wird vom
donner ersehlagen, Schefiers Haltaus p.255.
8. 132. wie göttlichen wesen gliederuberflufs (s. 223) wird ihnen
auch mangel daran zugeschrieben, einhändig ist Ziu, einfüfsig Wie-
laut (a. 221), einäugig Wuotan, Hagano (vgl. nachtr. zu s.220.) für
diese gebrechen bat unsere «Ute spräche eigne, heruach erloschene a<iy.,
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^4 NACHTRAGE
goth. hanfsf halts^ halhs^ deren gleicher anlaut nealicfa knhne
kungen Bopps veranlafst hat (bei hanfs käme vielleicht das altn. hnefi,
pugnos iu betracht.) hlind erscheint Hathus (s. 143), ein gott des
kriegs? wie die römische fortnna (8.507) und die tappende pest (s. <SSS);
geblendet werden rieseu und teufel (s. 302. 577.)
s. 141. ein gridhastadhr (asyluni) t Baldrshaga; reidAx Baldrs (Bai-
deri ira); at gremia godh (Balderi iram provacare.) fomald. 5og. S,
63. 69. 70. 72 lauter zeichen hoher Verehrung dieses gottes.
s. 152. TH auch in Gothini. Germ. 42.
8. 153. fru Gaue um so näher Woden, wenn man Gaun^dag (fl.89)
far Wonstag erwägt
s. 153. wichtige stelle ül>er den wagen der Berecynthia (J9f^n>v-
^/a, der phrygischen Cybele) bei Gregor, tur. de glor. cont. cap. 77:
^ferunt etiam in hac nrbe (Augustoduno) simulachrum foisse Bere-
cynthiact sicat sancti martyris Symphoriani passionis dedarat histofia*).
Hanc cum in carpento i pro salvatione agrorum et vinearum euonam,
misero gentilitatis more deferrent t adfuit supradictus Simplidiu episeo-
pus, haud procul adspiciens cantantes atque psallentes ante hoc m-
mulachrum, geroitumque pro stultitia plebis ad denm emitteas ait:
illuraina quaeso, domine, oculos hujus populi, at cognoscat, qon at-
mulachrum Berecynthiae nihil est! et facto signo cracis contra proti-
nus simulachrum in terram mit ac defixa solo animalia, quae plan-
stmm hoc quo vehebatur trahebant, moveri non poterant stopet toI-
gus innumerum, et deam laesam omnis caterva conclamat. imm»-
lantur piclimae, animalia verberantur, sed moveri non possnot. Tuac
quadringenti de illa stulta multitudine viri conjuncti slmul ajont ad in-
vicem: si virtns est ulln deitatis, erigatur sponte, jubeatqne borei,
qui telluri sunt stabiliti, procedere. certe si moveri neqnit, nihli est
deitatis iu ea. Tunc accedentes, et immolantes unum de pecorihm^j
cum viderent deam suam nullatenus posse moveri, relicto geotilittlii
errore, inquisitoque antistite loci, conversi ad unitatem ecclesiae« i»-
gnoscentes veri dei magnitudinem , sancto sunt baptismate consecnft*
s. 155. von Hertha soll in Pommern der sprach umgehn : Me BeMa
gift. gras uud füllt schun und fafs.l (hall. allg. lit s. 1823 |». 87&}
aber schon der unsächsische reim gras : fat verkündigt das machweik.
es ist nach der bekanten banemregel 'mal kQhl und naTs füllt scbeo-
nen und fafs' schlecht ersonnen.
s. 156. das altn. HIddyn allein schon verbietet Bludana ftt cta
auagramm von Hulda anzusehn.
8. 165. der frau Holda gleicht wol die franz. notre dorne aux im-
ges ? Maria ad nUes ? vgl. deutsche sagen no. 456.
s. 167. an der gottheit fest soll nicht gesponnen werden, alle ar-
beit in dem gereinigten hause ruhn. krainische banerkalender bSdea
die heil, Gertrud ab durch zwei mäuslein, die an einer spiadel (vre-
tenö) mit flachsgam nagen, zum seichen, es d&rfe an ihrem festtsfe
nicht gesponnen werden, gleiches gilt von der russ. pjatnitza, (K»-
pitars rec. von Strahls gel. Rnfsinnd.)
s. 168. huldmoder, sv. vis, 1, 2 — 9.
s. 171. das gedieht von Berhte (ohne den namen Stempe) itebt
gedruckt in den altd. blättern I, 105.
s. 173. Brehte f. Berhte. Flore 7835.
*) vgl. leg aurea cap. 117, wo aber eines ye^/ain Fateri* er-
wähnt wird.
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NACHTRAGE 695
8. 178. *iiM6 an den ahtodin tac nfth der Periitage.' fondgr. 110,
22. In den trierer hexenacten p. 248: 'dem gecrenzigten und der
ß rotten (aUo hat er die matter gottes genant) absagen.' Leicht
denkbar dafs Maria mit einer heidnischen göttermutter Termengt wurde
(s« 167.) Jn Baiem frau Lutz (die heil. Lucia) statt Berhta. Schm.
2, 532.
s. 184. zn Wien findet sich das stüciL von Zisa zweimal i im cod.
tat eil (olim bist prof. 652) sec. XI iueuntis, fol. 79. 80; und im
cod. CCXXVl (oiim univers. 237) sec.Xil. in beiden zwischen Jor-
uandes de reb. get. and de regn. sncc. ClI hat interlinearglossen nnd
marginalien ganz wie der abdruck, von einer Icaum jungern band, die
auch 'excerptum ex gallica historia' fiberschreibt, es steht hier: pau-
wariorum. cizarim. vaerdaha. de$ ciz$. svivorum. ziza tulit chrelL-
hesaver. grecos aoar. havenonpereh. dann bei caccus: a cujus no-
mine putamos iekingen nominari. CCXXVl nimmt die interlinearien
mit in den text, und stimmt sonst
s. 184. herlach zu Augsburg 'ab arsis publica cavea ibi altis.' He-
nisch p. 293.
a.191. der name des altwestfal. stifte« Frickonhorst ^ Freckenhorst
(hain der Frecka heilig) kommt in betracht
s. 191. wiplich wip. MS. 1, 202« 2, 42b.
s. 193. seh wert stecken bei der braut Heimrich 1, 53. 54.
s. 195. ^schwarze mutter gottes.' briefe eines tüpeldauers 1, 33.
s. 197. *til Rdnar fara: fomald. sog. 2, 78.
s. 200. hier waren die begriffe halid, degan^ reccheo and wtgant
zo entwickeln, einheri 8.474.
s. 203. Hercules saxanus, neae mittheil, des thür. sSchs. ?ereins
1. 3, 97. 98.
S.2I4. welsb heifst die mllchstrarse caer Gwydiout bürg, Stadt des
Gwydion , eines göttlichen wesens , sohnes von Don« Owen s. v. caer
und Gwydion, wo er dem Wodan verglichen wird.
i.218. Finn vgl. s.575.
8.219. Billing. Lappenberg 1, 214.
8.220. in der einäugigkeit liegt etwas heiliges; anfser Wnotans
und Haganos mufs auch die, welche unser altes recht bei menscliea
und thieren fordert (RA. 255. 385) und die bei dem angang (s. 653)
erwogen werden, des einäugigen Begegnung konnte der des priesters
gleichen. Gegen den blinden mann wird in der schwed. formel LU
gebetet.
8.224. gr. balbgöttinnen: Ino, Thetis, Lencothea«
8. 227. Mrän ^genname. Gosprecht der Mraunnen san (a. 1309.)
MB. 27, 80.
8.228. ^diernen erteilen dem menschen.' anh. s. LIV.
8. 231 . Nigellus Wirekere im specalum stultomm (gedichtet um 1200)
emhlt ein märchen (exemplum):
ibant tres honiinum curas relevare sorores»
quas no8 fatales dicimus eaae deas.
sie ziehen durchs land, um was did natur versäumt hatte wieder gut
zn machen, zwei von den Schwestern , zu weichherzig und vorschnell,
wollen gleich auf den ersten schein eingreifen und helfen, werden aber
▼on der dritten verstandigeren, welche sie domina nennen und als hö-
here maclit verehren , zurückgehalten. Erst stofsen sie auf eine schöne,
edle Jungfrau, der alle guter zu gebot stchn und die denuoch klagt;
ihr wird nicht geholfen, da sie sich selbst helfen kann, dann finden
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«6 NACBTRlOE
sie im w«M eine aÜUmme JangfirM b« bett Hegea, weil äe fckum
foTte und hüftea am ^heo bindero; aadi sie erluigt den bekUidder
gdttinnen nicht, weil sie an gcist wid leib treflich ausgestattet, ihr ttd
gedttltig tragen nuils. Znletst treffen sie oaweit einer Stadt eiae sne,
rolie bauerdirne:
eziit in biriam, ventrem purgare pnella
nutica, nll reverens inyerecunda deas,
▼estibus elatls retro nimiumqoe rejectis
poplite deflexo cnire resedit bami,
nna manns foenum, panis tenet altera ftvstam,
diese wird, als die beiden ersten Schwestern sich abwoMlen, anfenak-
nung der dritten, ron den göttinnen mit glAcksgäteni ftberschettdi
haec mea mnitotiens genitrix narrare solebat #
cujus me certe non meroinisse pudet
s. 232. fatuae erscheinen nachts, waschen vnd legen kiader w
feuer. anh. s. XL VI.
s. 286. Mistar marr. Skul 156«.
s. 237. Sculda n. pr. Saxo gramm. 81 .
S.241. auf einen schwanjüngUng lielt der westfiU. luaderran:
swane, swane, pek up de nesen, wannehr bistn krieger weseaf*
s. 243. fuminae agrestes et süvaticae (anh. s. XXXVIll) eatCfW-
ten liebschait mit menschen. Tgl. die holzweibckent moosveiida
(abergl. 469. Schmidt Reichenf. 146.)
s. 245. die pila reitet einen siebenjährigen hirseh und zäumt ib
mit schlangen ^ gerade wie nord. Zauberinnen (s. 598.)
8.247. arem ipiht, Reinaert 1027. arme wichter (leute) Kii<'
lingers hörigk. p. 679. IStha unhti, H4I.76, 15. wrSda wibtil^V
dernea wihti 81, 20. 92, 2. der tumhe wiht. fragm. 42«; wuM-
dige Wichte. Sastrow 1, 85t. nach Strodtm. 285 das osnabr. unekt in
sg. aipr Ton mädchen, der pl. wichter von knaben und mädcbea. ^L
das altfrenz. males choses, Ren. 80085 und honae res (s. 596.) -
S.247. das send, mainjue ist daemon, und erst agramainjo» #^
mon malus (s. 549.)
8. 250. dvergar ok döckdlfar. Ssm. 92b.
s. 253. der kleinste trold nicht gröfser als eine ameise. D.y.l,l7<>
troll gilt von zwergen wie von riesen.
s. 253. Lausitzisch ludki kleine zwerglebi. nachts richten fie p^*
mäler an und kommen aus unterirdischen gangen, aus Mausdödiefi tm
Vorschein, wer sein häusliches gl&ck lieb bat, beleidigt sie aicbt p^
aufgenommen lassen sie ansehnliche Verehrungen zurück. la derdoi'
sehen Lausitz nennt man einen kleinen menschen scherzweise Lotttke.
Laus. mon. sehr. 1797 p. 754. es sind die koltH anderer Slavea.
Hessische sagen von dei^ Wichtelmännchen KM. do. 89; hier im^,
eine. An der Schwelm bei Uttershausen liegt der Dosenberg • ^
am ufer gelm zwei löcher hervor, die waren vor alters aus aad ^
{ränge der wichtelmänner. Zu dem grofsvater des bauera TobI ii
Siiiglis kam öfter eii| Wichtelmännchen freundlich auf den acker. Ei-
nes tags, als der bauer kom schnitt, fragte es, ob er in der kisftisci
nacht für reichen geldlohn fuhren durch den flufs fibtfnehoNa w«ttet
der bauer sagte es zu, abends brachte der wichtel einea i>ck *«■
waizen als handgeld in des liauem Imus , nun wurden vier pferde •■'
geschirrt, und der bauer fuhr zum Dosenberg, der wicfalei \^^
den Ideliem schwere , unäichtbare lasten auf dan wagen, die der bistf
durclis wasaer auf das andere ufer brachte} so fahr er hin owi ^
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NACHTRiLGB 697
TOB abends Bclm bb norgen« vier nbr, dafs iKe pferde eodlkb erma-
deten« Da sprach der widitel: *es ist geoug, nmi sollst du auch seliu,
was da ge&hreu hast!' er hiefs den bauet, über die rechte sehulter
blicken^ da sab der bauer, wie das weite feld voll von wichtelmäip'
nerchen war. Darauf sagte der wichtel: 'seit tausend jähren haben
wir Im Dosenberge gebaust, jetst ist unsere zeit um, wir müssen in
ein ander land : im berg aber bleibt so viel geld zurück, dafs die ganze
gegend genug daran hätte/ Dann lud er dem Tobi seinen wagen voll
geld und schied, der bauer brachte mühsam den schätz nach haus
und war ein reicher mann geworden: seine nachlcommen sind noch
vermögende leute, die wichtehnanner aber für immer aus dem land
verscbwundeUt Der Dosenberg hat oben eine gintze, auf welcher
nichts zu wachsen vermag: die stelle ist von den wichtein, die sich
darauf herumgeiummelt ^ verzaubert. Alle sieben jähre, gemeintich
freitags, zeigt sich darüber eine hohe blaue flamme^ die auf der erde,
über dem umfang eines grofseu kesseis brennt, die leute nennen es
das geldfeuery man hat es mit den fnfsen weggestrichen,, denn es
halt keine glut, und nun einen schätz zu heben gedacht, aber vergeb-
lich, der teufel weifs immer durch ein neues gaukelweiJL doch irgend
ein Wörtlein den leuten von der leber zu sprengen.
s. 256. schumpe ist hure, fragm. 56c.
s. 257. gehört zu den guten holden das jüdel (abergl. 62. 389. 454*
473)? was sind die guegen oUken oder oelrikken in Prators weltbesdir.
1,290 g£i/0/i:<r/i2, 115? holdeken?
s. 258. hier noch zwei schwedische sagen aus ödmanns Bahnslan
p. 191« 294. Biöfn Martensson gieng mit einem schätzen auf den ho-
hen waldberg örnekulla , wild zu jagen , da fanden sie einen schlafen-
den btrgschiiäed (bergsmed); der Jäger befahl dem schätzen, ihn fest
SU nehmen, der sich aber weigerte: 'bittet gott, dafs er euch behüte,
der bergschmied wird euch den berg hinab werfen!' Der Jäger war
aber so vermessen, dafs er hingieng und den schlafenden mit macht
Vtf^U der bergschmied Ihat einen schrei, und bat, man möge ihn los
lassen, er habe frau und sieben kleine kinder, er wolle auch alles
sclimiedeo , was man verlang« , man solle nur eisen und stahl auf die
bergklippe legen, und weide dann die arbeit bald gefertigt an dem
selben platz liegen finden. Biöm fragte für wen er schmiede? er
antwortete 'für meine gesellen.' Da ihn Biöm niclit frei lassen
wollte, sagte er I 'hätte icli meine nebelkappe (uddehat^ s. 261), solltest
du mich nicht wegführen, läfst du mich aber nicht frei, so wird kei-
ner deiner nachkommen zu dem ansehn gelangen, in welchem du stehst,
sondern allzeit abnehmen!' welches hernach auch eintraf. Biöm gab
den bergsclimied nicht frei, und liefs ihn zu Bohos gefangen setzen,
am dritten tag aber war er aus dem gefangnis entschwunden.
2u Mjklehy wohnte Swen, der gieng einen sonntagsmorgen
aus auf die jagd und bei Tyfweholan gewahrte er auf dem berg
einen grofsen bock , mit einem ring um den hals, in dem selben au-
genblick rief es aus dem berg: 'sieh, der mann schiefst unsern ring-
bock!' 'nein,' rief eine andere stimme, 'das läfst er wol bleiben, er
hat sich heute nicht gewaschen' (d. h. in der kirclie nicht mit Weihwasser
besprengt.) Ais Swen das hörte, liefs er auf der stelle sein eigen
Wasser, wusch sich eilends und schofs den ringbock. Da entstand hef-
tiges sclireien und lärmen im berg und einer spracli: ^sieh, der mann
nahm sein bängebecken und wusch sich, aber ic|i will ihn schon be-
zahlen.' ein anderer antwortete s 'das wirst du wol bleiben lassen, der
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698 NACHTRÄGE
u^fse hock stellt ihm bei.' Darauf eneboli nScIiHfes gerftMdi aad
eine oieBge von trollen erfaUte ringMim den waid. 8wen warf siek
zur erde ond kroch unter einen häufen wurzeln, da fiel ihn eis, ww
der troll geragt hatte, der weifte bock solle ihm beistehn, deon so
nannte er verächtlich die kirc/ie. Swen tbat nun das gelübde, weau
ihm gott aus der gefahr helfe, wolle er den ring des liocks nach My«
kleby, das hom nach Torp, die haut nach Langelaod in die kircbea
geben. Als er unbesdiädigt heimgelangt war, erfüllte er alles: der
ring bildet bis zum jähr 1T32 den grif an der myklebyer kirchthür, er
ist von unbekanntem metall, wie aus eisenerz, das bockshom verwahrte
man in der Torpkirche, das feil in der I^ngelandkirche.
s. 259. norw. äli^kukt (elbgeschosseu) von krankem vieh. Soomer-
feit Saltdalens prastegjeld. p. 119.
S.260. helkepUin. Laurein des Casp. v. d. Ron 76. 126. 128. 206.
auch im kerling. roman: * Mangln le lerres o le noir chapenm^
s. 262. scArÖtlingszopf, in Thüringen saellocke, Prat wdtb. 1^40.
293. dän. marelok, der alb kaut die haare durch.
s. 263. eine frau schnitt kom am Dosenberg; zur seite lag ihr klet>
■es kind. ein wichtelweih kam geschlichen, nahm das menacimikiad
und legte ihr eignes an die stelle. Als die frau nach ihrem lieben
Säugling sah, gafle ihr ein bäfslicher dick köpf in die äugen. Sie schrie
laut auf und schrie so heftig zeter, dafs die diebin endlich wieder kam
mit dem kind ; aber nicht eher gab sies zurück, bis die fram den wick^
telbalg au ihre brüst gelegt und einmal mit edler menacbeoBUdi ge-
säugt hatte.
S.264. zwerg Eugel weissagt. Sifrit 162,1. Tgl. Grtpir, desna
vater Eylimi,
s. 266. die alten Prenfsen halten einen gott Pelmt. beeldwit s. 672.
S.270. auch slavische Völker haben einen /e/df^ei>r, der durch das
getraide zieht. Boxhorn resp. moscovit pars 1. p....: daemonem quo-
que meridianum Moscovitae metuunt et colunt. Ille enim, dum jam
maturae resecantur fruges^ habitu viduae lugentis, ruri obambmkH,
operariisque uni vel pluribus, nisi protinus viso spectro in terram proui
concidant^ brachia frangit et crura, neque tamen contra haue plagam
remedio destituuntur. habent enim in vidna silva arbores, religioae
patrum cultas: harum cortice vulneri superimposito illud non tan-
tum sanant facile, sed et dolorem loripedi eximunt Den Wende«
beifst jene getraidefrau pscJäpohätza^ sie schleicht in der mittagsstnude
als geschleierte frau umher. Versteht ein Wende, wenn er sich ston-
denlang mit ihr über flachs und flachsbereitnng unterredet, ihr dabei
allemal zu widersprechen, oder dabei das vaterunser rückwärts ohn«
anstofs zu beten, so ist er geborgen. Lausitz, monatsschr. p. 744.
S.273. ein manicipium oder oppidum mens fauni in Ivonis canot
epist. 172, vgl. die in den anm. dazu beigebrachte urk. (ed. par.1647«
f,240b) wo monsfaunum,
s.273. im Wigalois von Karridz: *stn muoter was ein wildez w(p,
d|k von was sfii kurzer llp aller räch und starke stn gehein was diu
wtark^ nAch dem gesiebte der muoter stn, deste sterker mooser
stn.' auch 6286: solch ein wilde z wfp*
s. 274. skogsnertey skogsnufpa, Linnaei gothlandske resa p.912.
s. 274. serbische wilde männer heifsen stuatsch, Vnk ragt. tt.d.w.:
in der Herzegowina erzählt man, dafs die stuatsche^ gleich vUca
oder teufein, in bergwäldern und felsgegenden wohnen, und um ihre
füfse luenschenadern flechten, damit sie au steinen und abbäagen uicbt
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NACBTRAGE 699
gklteo. reifst Hmen etwag an diesen socken, so fon^en sie einen men-
selien, liehen ihm die adem aus, nnd binden damit ihre fafsbeUeidung
wieder susanmen.
8. 277. norw. ein Wassergeist söedrouen (seegespenst) in der ge^
statt eines Icopflosen alten mannes erscheinend, wenn menschen in der
see nntergebn. Sommerfeit Saltdalens prästegjeld. Trondhjem 1827 p. 119.
s. 277. auch bu wasserfrauen, die in geburtswelm liegen, werden
menschen abgeholt, wie zu Zwerginnen (s. 258.) ^Man redete über
D. M. L. tisch Ton den spectris und von wechselkindem , da hatte die
fraw doctorin, seine trausfraw, eine historien erzelet, wie ein wehe-
mutter an einem orte vom teufel were weggeführt worden su einer
sechswöcherin , mit welcher der teufel hatte sn thnn gehabt, die hatte
in eitlem loche im wasser in der Mulda gewohnt^ und hette ir das
Wasser gar nichts geschadet, sondern sie were in dem loche gesessen
wie in einer schönen stuben.' tischreden 1571. 440l>. H&bsche nixen-
sagen stehn bei Jul. Schmidt p. 150. 151.
Den lausitzer Wenden heifst der Wassermann wodny muz nnd die
Möten oder Samenkapseln einiger schüfe sind nach ihm benannt: wod-
neho moza porsty, wodneho muza potaczky, wodneho muza lohszy
u. 8. w. Er zieht leute unters wasser, ertrunkne haben blaue Üeckea
von ihnu Wenn er in leinwandenem kittel, dessen unterer säum naf%
ist, erscheint, getraide aufkauft und über den marktpreis bezahlt, se
folgt theuerung; verkauft er aber wolfeiler als andere, so fallen die
preise. Die waseerfrau (wodneho muza zona) sieht man am ufer der
bäcbe spinnen und wasche bleichen. Wie der mann mit getraide, ban-
delt sie mit butter und gibt dieselben anzeigen (lausits. mon. sehr.
1797. p. 750. 752.) Bei Finnen und Ehsten ahnliche Überlieferungen,
der finnische name näkB, der ehstn. nek scheint nach dem schwed*
nak; auch hierheifsen Wasserpflanzen von ihm: Ann. näkinkeoka (mya
margaritifera) näkin waltikka (typ^^ angustifolia.) Er lockt menschen
an sich in die liefe; er hat eiserne zahne (Petersen p. 61.) Ein ehst-
niicher bauer gieng an meeresstrand und hörte mit weiblicher stimme
rafen: *er sollte kommen und kommt nicht!' Bald darauf erblickt er
eioen reiter, der sich dem ufer naht, seinen dnrst zu stillen. Dtt bauer
ruft ihm warnend, nicht ans ufer zu gehn und erbietet sich ihm in
sehiem bnte wasser zu holen. Der reiter bleibt zu pferde, nimmt das
Wasser, trinkt und fallt unmittelbar nach dem trinken herunter.
Ein madchen wird am ufer auf dem grase von einem hübschen
linaben, der mit einem schönen bauergürtel umgeben war, angehalten
und gezwungen, ihm ein wenig den köpf zu kratzen. Sie thuts und
ist unterdessen unvermerkt durch seinen gurt an ihn gefesselt; aber
das reiben schläfert ihn ein. Mittlerweile kommt eine frau hinzu, geht
näher und fragt das mädchen, was es da mache? Das mädchen er-
zählt und löst sich während dem gespräch aus dem gurt. Des knaben
schlaf war fester geworden , so dafs ihm der mund ziemlich weit offen
steht. Da ruft die näher schauende frau auf einmal aus: ha das ist
Ja ein neck! sieh seine fischzähne! alsogleich verschwand der neck,
(etwas über die Ehsten. Lp. 1788 p. 50. 51.)
8.281. auch frau H^dchilt (s. 221) ist rettende, aufnehmende was-
serfrau.
s. 286. * einen tater man malen.' cod. pal. 341, 126^; tatt ermann
Strohpuppe. Büschings wöch. nachr. 1, 185.
s. 286. 287. mit dem namen Heinz (nnd da Heinrich aus Heimrich
ratspringt, mit dem älteren Heimo «. 222) in Verbindung bringen möchte
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700 NACHTRÄGE
idi Dietmars von Merseburg merkwürdige nachridit von einem tians-
g^^te Hennilf es war im j. 1017. IVagn. p. 242: nam habitatores ilG
(p. 241. in mea vicinitate, unweit Merseburg also) raro ad ecclesiaia
venientes de snonim visitatione cnstodum nil curant. domesiicos coluot
dnim, muitumque sibi prodesse eosdem sperantes, liis immolant. Ai-
divi de qnodam haculo^ in cujus sumuutate manus erat y unum in
se ferreum tenens circulum^ quod (dafs) cum pastore ilKus villae, ia
quo (1. qua) is fuerat, pei omnes domos has singulariter ductns, in
ptimo inlroitn a portitore sno sie salutaretnr ^vigtla Ifennil vifrila!^
sie enim mstica vocabatur lingua, et epulantes ibi delicate de ejusdem
se tueri custodia stulti autnmabant. Der dorfhirte tragt einen stah,
auf dem oben eine band mit einem ring angebracht war, durch alle
hauser und ruft beim eintritt: ^ivache^ Hennil, wache!', d.h. wol: wache
fiber alle bewohner des hauses, schütze sie, in dem sinn, wie die SsHde
wacht (s. 504.) *) Die Romer riefen , wenn sie krieg fuhren wollten,
beim eintritt in des Mars tempel: ^Mars vigiia/* Serv. ad Aen. 8,3.
Stäbe t oben mit dem bild eines mannes und einer hand kommen in
gerichtlichem gebrauch vor (RA. 133. 763) und wurden vielleicht, gleich
der null, kriwule (Donaleitis p. 159) von haus zu haus hemmgetragen.
'Waren es heidnische götzenhitder?
s. 287. der engl, bansgeist Robin t^ood fellow hat sich nit den
Wildschützen Robin Hood vermengt» oder ihn erzeugt denn Uood
gemalmt an HSdeken (s. 261.)
S.287. Nissen schwed. Nihon. ein hausgeist Rudy (RndolQ ii
Mones anz. 1834 p.365.
s. 288. ein hausgeist beschrieben bei Schweinichen 1, 260 — 63.
s. 289. buz, Jagers Ulm s. 522. &a/ztfma/z;s Simplic. 2, 248. In
Hanauischen habe icli die iuteijection ^katzabutzarola/^ gehört, und
katzebutz führt wieder auf die Verbindung der katze mit dem koboM
(s. 286.)
Kinderschreckende gespenster stellt unsere mythologie als männli-
chen popanz^ butzen und Ruprecht dar, obgleich auch die welblicheo,
adion hoher göttlichen gestalten Holla > Berta , Werra , Stempe diese
rolle übernehmen. Weiblich sind die gr. MoQfUi und Aa^ia^ die ron.
Lamia , Mania , Maniola auch die Polen haben eine weibliche Omac-
micai aniculae vetant pueros edere in tenebris, ne spectnun hoe de-
vorent, quod eos insatiabHes reddat. Linde s. r. omacac.
s. 298. thurs altn. name einer rune.
s. 299. auch Hercules als vorax und bibax dargestellt, z, b. in Em-
ripides AIceste.
s. 301. heunisch braucht Hans Sachs 1, 459« für böse; wie^/f«dl.
s. 301, gigante die mdren, Diät 3, 60 vgl. genes. 6, 4. *gig^
te^t quales propter iracundiam dei per filios Seth de filiabns Com
(vgl. 412) narrat scriptura procreatos.' Pertz 2, 755.
S.302. abr^ obor ist unbedenklich nichts hadefs Bh Auarus^ Oharas j
da nun die Avari im mittelalter = Chuni^ go ist hän genau wie ober
für den begrif des riesen aus dem volksnamen Hun und Avar entsprun-
gen, vgl. Schlözers Nestor 2, 112. 117, Nestor nennt die Avarea
Obri, der graecus Auar in 4er sage von Zisa (s, 185) scheint wie-
^) Liebusch skytliika p. 289 deutet aus Henil eine wendische berg
und mondgöttln, und vergleicht honidwo^ ein Instrument das viehtreib^
saumigen hirten ins haus gescliickt werde, böhm. honiti, poln. gonic
ist treiben, jagen«
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NACHTR&eE 701
der ein riese. Tschad bezeichnet den Slaven einen Finnen und rieben,
und das ruM. UpoUn (riese) deutet auf die gena Spalorum bei Jor-
naodea. So hängen riesenbenennungen zusammen mit alten vollisna-
men: feindliche, kriegerisclie nachbarn vergrofserte der Volksglaube
zu anmenschlichen riesen.
8.307. Schweden ist reich an sagen Ton riesenhugeln. so wohnt«
in Ostgotland bei Tumbo In Ybrehärad ein jätte namens Tuttum;
wollte er mit seinem stallbruder Oden in Hersroala, eine halbe meile
davon, reden, so gieng er auf einen nahen liügel Högatoft, von dem
man ganz Ydre übersah. Widegrens Ostergötl. 2, 397. Gerippe einer
blitzerschlagnen riesin in einer sacristei hängend, das. 4» 527.
s. 311. in Källasocken bei Vi ein grofiter stein, genannt ZechieU
siein ^ von einer riesin oder nieerfrau. sie wotAite auf der bürg Kdha
in Uögbysocken, ihre Schwester aber unweit Skäggenäs in Smäland.
beide wollten eine brücke über den sund bauen; die smäländische rie*
sin hatte Skäggenäs ein viertelmeile weit in die see zusammengetragen,
Zechiel steine in ihre schürze gesammelt, da schofs ein mann mit dem
Schaft nach ihr , dafs sie sich ermattet niedersetzen mnste auf jenen
fels, an dem noch ihre spur eingedrückt steht dann eriiob sie sich
von neuem und gieng bis nach Pesnäa socken, da begann Thor zu
donnern (r/a hafver gogubben begynt at ai:o), dafs die riesin heftig
erschrak und todt niederfiel, in dem augenblick warf sie ihre steine
last aus der schürze untereinander zu boden. davon nUiren dort die
grofsen zwei oder drei mann hohen felsblöcke. das riesengeschlecht
liefs sie dann bei diesen felsen begraben, Ahlqvists Oland 2, 98. 99.
s. 322. der riese, gleich dem teufel (s.565) wittert menschenfleisch :
*at her er kristenmand inde.' DV. 1, 220.
8. 327. heilige Salzquellen s. 588.
8. 327. heilige quellen durch rosseshuf geschlagen s. 526.
s. 329. das schwed. volk schreibt die kraft der heilquellen einer im
Wasser liegenden weifsen schlänge zu. 1809 strömten tausende aus
Bftlland und ^CEtergöthland zu dem wunderthätigen Helsjö (einem
kleinen see unweit Rampegärde); man erzählte, kinder am seestrand
das vieh hütend, hätten dieses jähr über oft eine junge schöne frau
am ufer sitzen sehen, welche in ihrer band eine schlänge hielt und
ihnen wies; nur alle hundert jähre erscheint diese Wasserjungfer mit
der schlänge, Bexells Halland 2, 320. 3, 303. In der christlichen
zeit läfst man heilquellen nahe bei gräbem heiliger männer entspringen.
das. 3, 69. Zu einer quelle, genannt S. Olufskiälla kam viel volks
aus Norwegen und Halland, warf opferpfennige hinein und trieb an-
dere abergläubische gebrauche ödmans Bahusiän p. 169*
a. 330. heiligbrunne MS. 2, 68«.
8.333. hungerhrunne Mones anz. 1824 p.840. die Unstmt steht
24 stunden still. Prät weltb. 2, 311.
8. 337. To aroixMv rov norafiov, Fauriel 2 , 80.
8. 337. vom gestolnen ins wasser werfen (abergl. 836) heifst dem
wassergott opfern.
8. 340. feuer als rother hahn s. 386. Auch die fenerbeschwörungen
(anh. no. XXIY. XXV. XXVI. XLl.) behandeln das fener als leben-
diges wesen. Bei der deuzer. feuersbmnst (Ruperts schrift ist s. 55
citiert) wird ein heiligenbild der flamme entgegengetragen.
8.341. an der ecke des heerdes feuer schlagen entweiht.
8.345. in Nordengland glaubt das volk, dafs ein enget einen bäum
falle (strikes a tree) und davon das not hf euer eriaogt werde.
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n» NACHTRÄOB
•• 348. oster feuer sioden und brande mit heim nehmen. (Frntjes)
Bremen nnd Verden 1 , 165. piuuchvuur in Gelderland, geldeiadw
voiksalmanak voor 1835. p. 19.
8. 350. ' auch ftchüro die bubn sunwent feuert H. Saeha I « 423^.
' 8.351. im Fuldischen betteln die knaben bolz und g&icheake, das
holz verbrennen sie abends, beim einsammeln wird gesungen: ^da
kommen wir her gegangen mit spiefsen und mit Stangen nnd wollen
die eier langen, feuerrothe bl&melein, an der erde springt der wda,
gebt ihr uns der eier ein zum JohannUfeuer ^ der liaber ist gar
tbener. haberje, haberju! fri fre fridX gebt uns doch ein sdtfec
(scheit.) j. V. u. f. Deutschi. 1790. 1, 313. kann fri fre frid nocb
auf einen heidn. gott anspielen?
8.354. Scandinavien kennt Johannitfeuer ^ vgl. Finn Magn. lex.
1091 — 94. Arndts reise durch Schw. 8, 72. 73 und Hallager «. v.
brancUkat und hrUing. die letzte benennung gemahnt an der Freyja
leuchtende* halsband (s. 194. 195.) S. Hans afteu bräudes der bnl
ved alle griner, hvilket skal focdrive ondt fra kreatnrene. Sommer-
felds Sakdalen p. 121.
8. 354. Johanniskräuter auch abergl. 848. 850.
8. 364. wirbelufind erregen , nacli der späteren vorsteliung , teafd
nnd hexen (s. 560. 615) vgl. abergl. 522. 554. bemerkenswerth ist
die hervorlockung AeB mnds nach ehstn. abergl. 66, und das weiter-
maclien t ein prediger sah von ungefähr bauern bei drei steinen groftes
geprange halten, sie afsen, tranken und tanzten nach dem schalle
l&ndlicher Instrumente, als man sich nach der absieht des festes er-
kundigte, wurde geantwortet, mittelst dieser steine könne trpcimes
oder feuchtes wetter hervorgebracht werden : trocknes wenn man sie
aufrecht stelle, feuchtes, wenn man sie der länge nach lege, ehdem
sei hier eine ganze hochzeit in steine verwandelt worden, brantigaBS
vater, bräutigam und braut in die drei grofsen, alle gaste in die
kleinen, (über die Ehsten p. 48.)
8.369. mit dem gänga undir iardar men berührt sich wol das
zie/ien und schlüpfen durch die erde (s. 677.)
8.370. auch hole steine^ deren ofnung nicht durch menscbenband
künstlich gemacht war, galten für heilig. solche holjstones vad
holedstones hängt man in dem stall über die häupter der pferde, als
schütz gegen krankheiten, desgleichen an betthimmel, oder an das
hausthor gegen behexung. man glaubt, sie werden durch den stidi
einer natter gehölt» addersiones (Brockest p. 2. 98.)
8.371. die Ehsten heiligen wälder nnd gewisse bäume» von wel-
chen keiner ein blatt nehmen darf, soldie wälder nennen sie hiö
und davon heifst die Insel Dagdö ehstn. Hiomah, weil neben dem
hof Biohof nahe ein geweihter wald liegt (Thom. Hiam.)
8.372. hohla dyrbi kojzde Ijeto jeneho czloweka mjeca (es mnfii
jährlich ein mensch im wald sein leben lassen.)
8. 375. zn den heiligen bäumen gehört vorzüglich die esche, vgl*
den eddischen mythus (s. 459.) der wolf , dessen begegnnng sieg ver-
lieifst, stellt unter eschästen (s. 651.) auch bei den Angelsacbstfi
hersciite dieser eschencaltus. ^the common people believe, tbat tis
very dangerous to break a bougli from the ask^ to tliis veiy daj.'
Rob. Plots StaflTordsh. p.207. das volk nennt den bäum witchiree,
rountree, roufantree; er schützt gegen zanber. Brockett p. 177.
8. 380. In Holland hängt man einen pferdekopf über schweioställe. We-
stendorp p. 518. in England sind huf eisen (horseshoes) mittel gegen zanber.
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NACHTRÄGE 703
g. S87. die pogel tritgän nachrichfen fort (vgl 8.656 — 650)^ es
bedarf dazu niclit erst eiaer persoflificierten , geßügelten Fama , deren
Vorstellung aber damit zusamoienhäogt Auch die alten liatten jene
eiafacbere ansieht: ex ipsa caede polucrem nuniium mittere (Cic. pro
Rose. 36) heifst nichts als schnellste meidung, wie bei Homer di<^
Worte geflügelt sind (inta TfrtQofvra) und pkvd-o<: anTtqoq fldgellose,
im ge(^chtni8 bleibende rede ansdrucict. Indessen bildeten sieh die
grieeh. vorsüglicb rom. dichter eine fliegende göitin • welche alle neuig-
keiten darch die weit verbreite (Virg. Aen. 4, 173 Gr. metam. 12,39.)
iius der ovidischen Schilderung entsprungen ist die Conrads von W.
(Troj. 179c. 180«), statt der weiblichen Fama stellt er aber einen
männlichen Liumet (gramm. 2, 343) auf, der mit seinem gesinde ge-
fiedert ist nnd ausfliegt. Die andern dicliter lassen blofs das mctr9
fliegen^ als vogel, ohne personification. ^leidiu niumdret diu nd
fiitgtnt in diu laut,» pf. Chuonr. 7544. 'daas mcere flouc dd wtten'
Mar. 45. ^dd daz niwre chom geflogen^ das. 214. *dd flugen disin
matre von lande ze lande.* Nib. 1362, 2. 'dd flugen disiu mmrt
von zchare baz ze achar, Nib. 1530, 1. 'dd flugen diu mcsre.*
Wigal. 114T. '^diu msre flugen über daz velt.' Wig. 2930. 'sd
das mcere ie verrer viiuget, sd man ie mdr gelinget' Freid. 136, 3.
'ob db mcere iht verre flüge?^ Wh. 170, 20. Zu bemerken sind
die stellen, in welchen daz msere als ein junger, schuellwachsender,
eben erat flücker vogel dargestellt wird, wie Yirgils Fama wächst!
*daz mcere dd vedere gewan^ witen fuor ez ze gazzen.' Mar. 144.
'alsus tlouk Morgänes tot (d. h. die nachricht davon) ab ob er flücke
wtere.' Trist 5463. 'ein bcese msere wirt gar schiere vlücke.' Ren-
ner 269«. Audi altn.^ ^sd kuiltr fl6 \ bygdhum.' forum, sog. 9, 237.
Der fliegenden fama gedenkt Venant. Fort p. m. 170 und ihres Wach-
sens von einem kleinen vöglein zur adlergestalt der S. Galler mönrh
bei Pertz 2, 742: 'cum fama de minima meiaa super aguilamm
magnitndinem excresceret.' Yeldeclc aber, wo man die nachahmnng
der virgilischen stelle erwartet hätte, sagt blofs; 'dd daz mcere df
bracht* 'liz quam^' *uz spranc' En. 1903. 1916. 1997 ohne ihm
flügel zu leihen; doch läfst ers wachsen: 'daz mcere waheen began.'
9185. Auch in einer s. 49 ausgehobnen stelle wird die Fama gehend
und ^greuus suos retorquens^ gedacht. Tybo, ein dän. dichter des
17 Jh., nennt sie Fygomby (dringdurclisland ) und gibt ihr einen
fiedrehtun* Nyemp digtek. 2, 185.
s. 395. in dieser schlänge ist Wuotan vermutet (s. 543.)
8.396. im Jura heilst eine geflügelte, unsterbliche schlänge, mit
diamantnem ange vouivre (vipera), m^m. des antiq. 6, 217. Den
Letten sind die schlangen (tscbnhskas) milchgöttinnen (peenu mahtes.)
Stenders gramm. p. 267. 270. Glimmer, den der lindwurm (zmaj)
von sich abschüttelt, wird serb. otresine zmajeve genannt
8. 398. lümilzeichan sidera. bymn. 4 , 2.
8.400. scfnenta mdnin. N. ps. 88, 38.
8.401. bei sonnen und mondsflnsternissen sagen die Ehsten; 'die
sonne, der mond ufird gefressen,* vor zelten suchten sie es durch
beschwörende formein zn hindern. Thom. Hiäm. Mitan 1794. p. 39.
8.404. 'naar nyet tändes.* dän. abergl. 166.
8. 405. u^adeL Böhmers Kantzow 266.
8.406. den neumond grüfsen die Ehsten mit folgenden werten:
*.tenre terre kuu, si na waiiax mina norex. kun kulda pelpex rnitia
rohwat terwex pidagex ! ' den eigentliclien rersUnd dieses spmdis.
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704 NACHTRÄOB
den sie durch flberlielernDf^ leraea, wiMen sie selbst nicht, sagt n«».
Hiaroe p. 40; ungefähr l^eute es: sei gegrfifset nond, daCi da aK
werdest, and icli jang bleibe! dem monde gedeihe gold so seiner
Schönheit, die menschen aber mögen so gesund bleiben, wie das eisen
fest und stark i«t
s. 407. ^luna hodierna bona est, crastina vero noccas.' Retefd.
2, 682.
s. 410. nach einer westfälischen sage verdornte der mam am «amt-
tag die kircfus^ und wurde darum mit dem dornbnsch in das mond
gesetst
S.412. lodegeer im messager de Gand 1, 195, aber ohne befriedi-
gende Erklärung.
s. 419. die Vermutung über duming schlug fdil. dieser name be-
zeichnet nicht die sieben steme der piejaden, Tielmehr des wageas
und eigentlich nur den kleinen stem über dem mittelsten in der
deichsei, den fuhrmann. in dörfem um Kiel heifitt er Hans Dümkt^
d. i. dömken, däumclien, dänmiein. ^Hana Dümken sitt opm waaga.* *)
Sein kleinster stero stellt also für den ganxen wagen, well er ihn als
fuhrmann lenkt ; dümken, dänmchen bedeutet sonst einen nwerg (s. 854.)
Auch Joh. Praetorins de suspecta poli declinatione. LIps. 1675 p.35:
*qni hanc stellam non praeteriissent , etiamsi minor quam jilcer^ du
inecht gen ^ der dümeke, das reuterlein ^ knechtfink fnlsset,' and der-
selbe vom diebsdaumen p. 140: 'fabula de poUieari eutriga^ dümteke
fuhrmann,^ Aus Niebuhrs Arabien ergibt sich näheres über die eia-
stimmende morgenländische Vorstellung von dem fuhrmann in diesam
Sternbild. Ein christliches märchen vom wagen lautet so: ein fiihr-
mann fuhr einmal unsem heilend, der versprach ihm snm lohn das
himmelreich. der fuhrmann aber sagte, er wolle lieber in ewigkcit
fallren von anfgang su niedergang, (wie der wilde Jäger in ewigimt
zu jagen wünscJit. s. 518.) sein begehren wurde erfüllt, der wagen
steht am himmel, und der oberste von den drei deichselstemen , der
sogenannte reiter, ist der fuhrmann. Von den piejaden wird ersahlt:
Christus gieng an einem * beckerladen vorüber, wo frisches brot dnHete^
und sandte seine jünger hin, ein brot zu bitten, der becker scfah^;
es ab, die beckersfrau mit ihren sechs töclitem stand von ferne, und
gab heimlich das brot. dafür sind sie als Siebengestirn an den himmel
versetzt, der becker aber ist zum kukuk geworden (s. 389 beckea-
kneclit) und solange er im frühling ruft, von Tiburtli bis Johawit,
ist das Siebengestirn am himmel unsichtbar.
Warum malt man in England das Siebengestirn oder die hemm
mit den küchlein auf das schild der wein und bierhäuser?
Orion heifst auch Petersstab ^ böhm. S. Jakuba hui,
8. 422. regenbogen sidiel des Donners (ehstn. abergt 65.) Diät
3, 61 wird gesagt, dafs man den regenbogen dreKsig jähre vor dem
jilngsten gericht nicht sehen werde.
S.427. Opitz 2, 286: 'mufs doch zu rüste gehen, so oft es abend
wird, der schöne himmelsschild.'
5.430. volucris dies. Uor. HL od. 28, 6. IV. od. 13, 16.
5.431. skreik oi day. Hunters Hallamsbire glossary p.81.
8.434. Lucifer ducebat diem. Aen. 2, 801. nQiaßunov affr^mff
wnroq o^&aXfUq. Aesch. sepL c. Th. 374.
*) Ratjen und Harms, ich bitte um volksmäfsige
allen deutschen gegenden.
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NACHTRÄGE 705
B^4Mr. ton Mai UrM gektogt, er gebietet seinen hVmen. MS.
1, 8b. *!<> der til sQese Melgc In «rnt.* Trist. MT; 'de» -/»«f^/i
friuat, der grüene wase, der het äs bluomen an geleit sd wänediclie
sWMrkleit* da«. 668; 'Winder dich vorhöte, der Sumer komt xe
Bi^te.' Amgb« 29«. Den krieg des H^inters o. Sontmers ersahlt aucli
H. Sachs 1^ 420« 48h
8. 44A. in Ehstland berscht der aberglanbe, dafs sie alle neujahr
eisen gotzen von stroh In ffestalt eines maones madien, den sie
metziko nennen, nnd eignen ihm zn die kraft, dafs er viebe von den
wilden thieren bewahren nnd ihre grenze hüten solle, diesen begleiten
sie alle ans dem derf, nnd setzen Um an der grenze auf den necJi-
Weis bäum* Thom. Hi&m p.40.
s. 466. wegen des Vildifer der Wilk. saga cap. 168 lese ich lieber
unldeber bei K ps. 79, 14. als wilde b4r (Graffs sprachsch. I, 100);
der sinn ist in beiden fallen aper singularis (sanglier.)
s. 468. Beov. 857 i Helle gemnndon, Helae recordati sunt, deam
▼enerabantur) im gegensatz feu metod, dem diristlichen gott
8.464. untertvelt beschrieben bei Saxo gramm. 16.
8. 467. meidhr t roeydhr? wie seidhr (* seydhr; dann erreicht man
die Wurzel mind^ mätid, mud« •
8. 468< Tgl. hiermit s. 536. 539.
8^ 476. zart gar to (paradisus) N. ps. 95, 10.
8» 477. rosenknospe seele des gestorbnen jungliogs. Rhesas dai-
IKM p.807.
8. 478. s^ie se pogften gezalt MS. 8, 248b.
8.479. baskiscb arima seele (daher jenes arme nnd alma? 8.477);
astoaren arima (eselsseele) aber sthmetterling.
8. 479. 480. über die leidiVerbrennnng auf schiffen hanptstelle bei
Sexo gramm. p. 87^
8. 484. seele bei Gerdrut nnd MicheL anh. s. XLVIII. vgl. dän.
abergt 15ti
8. 48S. das N in &«¥aroq zu dAutIms Verhalt sich wie das in dan,
DiSfta O. s. w. (s. 425) ; es ist das sanskr. anusvara. Lepsius paläogr. p. 84.
8.492. ^ist an die vart> (obiit) Walth. 108,6; unde non datur re-
ditns, 'er bribt ir vil mtoegen da hin, dA er iemer wesen solde.'
Gttdr. 3558.
8. 493. 'der T6t ein echarpher hote,^ Freid.Sl, 6. Was aber be-
deotet klage 188: 'der t*dt het Ir minne, die dA sterben solden',
vergafs ihrer nicht? oder kann hier minne^ statt memoria, cnitus be-
deuten?
8. 494. auf roshapf statt cither spielen^ Remigius dämonol. 145.
8. 496. sockt das etüliein. H. Sachs 1> 102«.
8.500. skaf in Wackem. leseb. 68, 13; skapdaudhL fomald.
s5g. 1, 818.
8.601. ancb Saxo gramm. 103 weifs von Starkathers drei men-
acfaenaltem.
8.606. ich weifs nicht» ob Letzner, Sagittarius nnd ihresgleichen,
indem sie ans Bedas lireda (s. 180) einen gott Beto schufen, Ar auf
den Betberg verehrt worden sei, an das glflcksrad dachten. Sagitta-
rlns antiq. gentd. p. 167 sagt indessen, Bonifacins solle den Reto oder
die Fortuna umgeworfen haben.
8. 606. 'got werfe in von gelQckes rat»* kolocz. 74 ; 'geluckes rait
geit op ind neder, ein velt, der ander stigit weder.' Hageu cöln.
ehr. 1770.
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706 NACHTRÄOfi
0. 506. ilber die schwache flexion Sslden , Schandeo Tgl. Ben. «k
zu Iw. p* S59.
8. 507. rad überm thorweg s. M2.
0. 508. glückshaube. abergl. 260. gluclshaut KM. no. 29 TgL 3,
59. Serbisch koschuUtza^ hemdlein, ein kind, mit der koachnlitxi
geboren heifst t^idoviti wenn es hernach mann oder freu wird gtki o
zu den vilen^ und weifs mehr all andere leote.
5.509. bei plötzlicher stille in der gesellschaft s^ owb: ^tm tm-
gel flog durchs ximmer, ^Eqpt^q hui^X&t,
8.510. malum foras mittere, anh. XXXIV.
8.511. am 2 noT. setsen die Ehsten nachts den verstorbnen
sen auf, und freuen sich, wenn morgens etwas davon verzehrt ist.
Fellinsclien werden die abgeschiednen seelen in der badatnbe
geo , und eine nach der andern gebadet. Hupeis nachr. p. 144.
rade , wie man engein und hausgeistern speise hinsteiU (s. 952.)
8. 512. gespüc. Berthold im cod. pal. 85 fol. 27l>.
s. 513. Ihre im dial. lex. 82b hat als nplandisches wort dodSijer^
maues defunctorum, was beinahe an die serb. dodoie (8.336) frinfft.
8. 514. dwetern^ irre gehn, spuken.
8. 515. dhs ungetaufte kiod , wer die heiligkeit des sonntags nicfit
achtet, die samstagspinnerin spukt (abergl. 680.) weifse gelster xtri-
schen himmel und erden (abergl. 588) \ gebter zwischen die tharen
verwiesen (das. 892.)
8. 524. Liebusch skytliika p. 287 bestätigt von neuem , dafs dK
südlichen "Wenden die wilde jagd Dieterich Bernhard oder Diterie-
nada nennen. Zugleich fölirt er eine merkwürdige sage der Ober-
lausitz an von Dzimtza : sie war eine schöne junge knenje oder ede)-
frau, die m*.:: der zylba (einem geschofs) bewafaet \a den wildern
umher streift: die schönsten Jagdhunde begleiteten sie und schreckten
wild und menschen auf, die sich znr mittagstunde im dichten wald
fanden. Noch jetzt redet man einen, der über den mittag alleia Id
tannenwalde bleibt, scherzend an: fürchtest du nicht, dafs Dziwim
zu dir kommen wird? Sie jagt aber auch in mondhellen nächteo.
Diese D£witza scheint die poln. Dzieti^annot Dziewina« Dziewica lad
röni. Diana (Linde 1, 599l>) vgl. s. 425. da nun auch Hnida Diaaa
ist , und im wütenden heer aufzieht (s. 522) , ergibt sich ein tieferif
Zusammenhang unseres mythus mit der auslindischen fiberlieferaag.
Wo Wuotan auszieht, oder der göttliche IMetricb, wird ein mäMdi-
eher jagdgott gemeint.
8. 527. kinder mit spiefs and fahne ziehend weissagen krieg,
abergl. 106. -
8.528. hier ist eine wichtige fiufserung desselben Gull. alvecBiu
p. 1067 ausgefellen: 'narratur quoque, quod quidam videns hajnsaiodi
exercitum (auf der wegscheide) terrore percussus a via publica dWr-
navit in agrum contiguum^ ubi quasi in refngio, transeunie juxta i/-
luni toto illo exercitu , . illaesus permansit et nihil mali passns est ak
illis. propter quod opinio inolevit apud multos, agras gaudere ftre-
tectione creatoris propter utilitatem hominnm, et hac de cansa naa
esse accessnm malignis spiritibus ad eos, neque potestaten noccndi
propter haue causam hominibus existentibus in eis. Gens aat^n id^
iatrarum tutelam UidLia et defensionem, si eam vel erederet vel aa-
diret, nurmnibus arvörum illam atribueret opinor autera, qpi«d Cr-
rerem deam^ quae agris praeest, hujusmodi hominem protexisae cfe-
derent, exercitumqae illum intra fines regnumque Cereris Beaiiii posK
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NACHTRÄGB 1Q7
Docere.' Daa ans dem wege weicheu haben anch die andern sagen
(ä. 523. 529.) Schutz gewähren die heiligen getr aide f eider (s. 646.)
8. 528. ciiasse briguet, briguet ist jagdhnod.
s. 538. ähnPichabweichende sage bei Odman (Bahnslän 153. 154.)
ein schif wird durch stürm verschlagen, auf einer abgelegnen küste
sehen sie nachts feuer brenne», und steigen ans iaud. an dem feuer
aber sitzt nur ein alter tnann, der fragt einen der schifsleute *wo bistu
her?' 'aus Hisingen in Säfve pastorat.' * bistu auch bekannt in
Thorsby?' 'ja wol.' weifst du, wo Ulfveberg liegt?' 'ja, ich bin oft
da vorbei gegangen, auf dem weg von Göiheborg nach Marstrand
über Hisingen.' 'stehn da die grofsen steine und erdhügel noch un-
verrückt?' 'ja, doch ein stein neigt sich zum fall.' 'weifst du auch,
wo Giofshedaltar ist und ob er noch woierhalten steht?' 'davon hab
ich keine künde.' 'willst du den leuten, die jetzt zu Thorsby und
Thorsbracka wohnen, sagen, dafs sie die steine und hügel am Ulfve-
berg nicht zerstören und dafs sie den Glofshedaltar gut in stand er*
ballen, so sollst du guten wind zur heimkehr haben.' Der sciiiflTer
sagte es zu, fragte aber nach des alten maunes namen: 'ich heifse
Tliore Brack, habe da ehmals gewohnt, ward aber flüchtig: am Ulfve-
berg in den grofsen hugeln liegt all mein geschlecht und am Glofs-
hedaltar dienten und opferten wir UQsern göttern!'
8. 539, diese hisi) triam regum wurde verfafst von Job. v. Hildes-
heim et 1375), verdeutscht a. 1389 (Wackern. leseb. 860.) unsere
stelle findet sich in Schwabs bearbeitung des buchs p. 181. 182, der
bäum steht in Tauris, vor alters Susa.
s. 542. die dfac/ien hätten hier oder im cap. von den beiden eine
nusfübrlichere abliandlung erfordert. Göttergleiche beiden reinigen das
land von dem riesenhaften ungeheuer, das in schlangengestalt seinen
^clmtz bewaciit, und menschen verdirbt. An die sagen von Hercules^
Perseus» Jason reihen sich die deutschen von Siegfried und Beovuljm
]Btne altengl. von dem worm of Lamhton , deren Urockett p. 239 ge-
denkt, möchte ich näher wissen. Celtische und deutsche Überlieferun-
gen wurden aber hernach christianisiert in den legenden vom h. Q^org^
JMichaeh Marcellas (Greg. tur. de gl. conf. cap. 89), Julianus^ Roma-
nus y Clemens und vielen andern. Zumal reich ist Frankreich an ört-
lichen dracheusagen , deren andenken sich durch jährliche festumzüge
gesichert hat. zu den rogationen trug man feierlich das bild des dra-
cheu und seines überwinders am, häufig fuhrt der drache einen alter-
tbömlichen eigennamen. der zu Ronen heifst Gargouillej der zu Metz
Graoaillj : darf man dabei an Gargant ua den riesen (s. 313) oder an das
deutsche ufarg> slav. u^rag (s. 557. 558), d.i. wolf und teufel, denken?
Auch heiliginuen gelten für drachensieger, z.b. Margaret ha und Martha,
s. 543. 'der Ymelunge hört Ht in dem Burlenherge in (den Rhein-
bewohnern) bi.' MS. 2, 169l>, Ymeluu/^e scheipen mir die Amelunge,
und Uurienberc der Burgilunberc, Burglenberg, Bürglenberg am Rhein
nnweit Breisach (Dumbeck p. 339) wo die Uarlunge mit ihrem schätz
liauäten (heldens. p. 186 — 188.)
8. 544. 'der schätz wettert sich,' wenn flamme darauf brennt, viele
öfnen sich Weihnachten (franz. abergl. 14.)
s. 544. oft die *'hUme blume,' einigemal 'die weifse^
8. 545. wiederkehrende formein in schätz und bergsagen: *je mehr
du zerstreust, je mehr du bereust!' 'je mehr du verzettest, je minder
du tiettest!', nemlich wenn das geschenkte gold den schein liat von
laub oder kohie.
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709 NACHTftÄGE
0. 546. inte mit ntun enden* abergl. 950. IMeoast oMt neun
zuneigen. Rhesa dainos 30.
0. 55a. ' Belial der leidige tiefal' Diut 3, 59.
8. 553. Dorw. getmntel Sjur, H&llager 102«.
8. 556. tscherf uad isc/ierni sind verschiedeoer wmcel.
8.559. als mucke, dämoiiol, 161.
8.568. schlagt dich der hagel audi her? Simplic. 5, 2.
8.573. Thom. Hiärn p. 40 t der Finnen Toniua Ist nidits amien ab
der Khsten Pertmes oder Kouken, dem etliche noch dienen, FermeH
nende, er werde durch fleifsjges zutragen Yon fremdem getraide ihre
kästen füllen.
8. 573. die Engländer nennen ßrstfoof den , Jer zuerst aof dm-
jähr den fufs in ein haus setzt, und folgern daraus fnr die Schicksale
der familie das jähr hindurch, man veranlafst andi wol eine erwäosckto
person, in aller frühe und nicht mit leerer band das haus zn bezocben,
Brockett p. 73.
S.584. g^ugelwre Walth. 37, 34.
8. 590. kehse scheint das s. 1 67 angeführte niederd, diesse , eol«.
8,593. 4 gandreidh fara, vgl, 8.613.
8. 593. drei schöne ziegenfüj'sige mädchen tanzen auf des Scarda-
myla gipfel. Fauriel disc prel. LXXXVl.
s. 595. poln. unterscheidet sich wieszczka Zauberin, weissageriil» tm
wieszczyka nachtfrau, Inmia.
s. 597. Crescentia wird als eine unholde angeredet t *waz bvotti
dd däse^ ubele liornhlJse! du soldes billecher da ce holze vorn ^ dM
die megede hie bewarn; dd bist ein unliolde und sizist ble behaBgez
mit golde.' Sie versetzt; 'got weiz wol die sculde, ob ich bin est
unholde t oder ie dicheinis zouberes gephlac* cod. pal. 361, T3d 72^
(umgedichtet kolocz 261. 262.) Man glaubte also im 12 jh. dab ^
unholden in den wald fahren, zum wilden beer, und hömer blasea (wie
Tutosel s, 518.) die genaue bedcutung von ddse weifs ich nicht (? dwiae.)
8.602. ^hites Seiborne p. 202: tlie people of Tring in Hertlbrd-
shire would do well to reniember that no longer ago tbao tbe year
1751 they seized on two superannuated wretches, crazed witb agc,
and overwhelmed with iiifirmities, on a suspiciou of witchcraft; and by
trying experiments drowiied them In a horsepond. Die gazette dei
tribunaux no. 3055 4 Juni 1B35 erzählt einen proceGi, wo. Ards
sur Aube gegen vermeinte zauberer angestellt, iu deren geschlecht das
vermögen lause zu zaubern erblich sei.
s. 622. in Norwegen herscht der glaube , dafs die Lappländer sick
in hären verti^andeUi können, von einem recht dreisten, schädlickea
bar heifst es; *das kann kein christlicher bär sein.' ein alter bar,
in Ofodens prästegjeld, der sechs menschen und über sechzig pferde
getödtet haben soll, stand in solchem ruf, und als er endlich erlegt
wurde, will man bei ihm einen giirtel gefunden haben. Sommeffelt
Saltdalens prästegidd p. 84.
s. 624. wer euihyed ist kann die schädliche Wirkung dadurch ab-
wenden, dafs er seinen blick auf etwas lebloses nebtet man sagt:
'no one shall &ay black is your eye', d.h. niemand kann dir ger»rfe
übles nachsagen. Brockett p. GG,
s. 630. die lettische braut zur trauung fahrend mufs in jeden gra-
ben und teich, den sie sieht, und an jede housecke ein bündel ge-
färbte faden und eine münze werfen zum opfer für wasser nod baas-
geister. Merkels Letten p. 50 (vgl. ehstn« abergl. 11.)
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NACHTRAGE 7«0
S.631. freu Aventinre frftgt einen urmchtharmaehmdtn ring. 8a-
cbenwirt XXV, 160 — 165.
8. 633. genufg des dretchen und pogelherzens verleibt Weisheit und
kenntnis der thierspreche, Plln. nat. hi«t. 10, 49. 39, 4 (comparari ein
certi anguium generis.) Salom. et Marcolfas; *unde tibi Tenutia haec
yeiiit? Marcolfus respondit: tempore David patri« tui» cnm essem in«
fautiiltis, niedici potris tai quodani die pro ageudia medicinia nnum vul-
turem accepenint, et cnm slngula membra ueceasitatibus espendisMnt,
Betsabea mater tua cor illins accepit, et super crustam ponens in igne
tjstauit i ac tibi comedere dedit, mitiique qai tunc in coqulna erem
crusttitn post caput projecit, ego vero crnstam vultnris (adipe? aan-
guiiie ?) perfusam comedi, et inde, ut spero, versutia mea venit.' Eine
trefliclie eriiuduug, wie ein theil der wei«heit auch auf den geringen
übergeht, gerade so kommt in der lage von Seebnrg dem diener ein
stück der schlänge zu statten. Saxo läfst, in zwei verschiednen sagen
p, 43. und T2, ans schlangengeifer ^ der in die speisen trieft, Weisheit
und Verständnis der thiersprache folgen: epuli vigor omnium scientia-
rum copiam ingeneravit, ita ut etiam ferinarum pecudaliumque vocum
Snterpretationem calleret. Im cod. pal. 212 fol. 46 heifst e§t ^nt can-
tum avium intelligas, accipe cor serpentis et linguam milui et pone
tribus diebns in melle; pota, involve in terram virgineam et pone sub lin-
giin.* Rabelais Pantagr. 3, 25 : ^manger du coeur et dn foye de quelqud
drat-oj pour k la voix et au chant des eignes et oiseanx entendre mea
de^tinees, comme faisolent jadis les Arabes an pa!s de Mesopotamie Y'
vgl. die sage von Michael Scott in Walter Scotts anm. zum lay of tlie
last minstrel, und das herzessen in der thiersage (Reinh. p. Lll.)
0. 642. ein beispiel solches lofses s. 1 44.
8. 643. die Armenier weissagten aus der bewegnng von cy pressen-
zweigen s quarum cupressorum surculis ramisque seu leni sive violento
vento agitatis armenii flamines ad longum tempus in augnriis uti con-
sueverunt. Moses chorenensts ed. 1736. p. 54.
9, 643. vgl. Rabelais Pantagr. 3, 25.
8. 645. Attila ditfidens suis copiis , metuens Inlre conflictnm , sta-
tuit per arusplces futura inquirere. qul more soüto nunc pecorum
fibrös t nunc quasdam venas in abrasis ossibus intuentes Hunnis In-
faB8ta deuuntiant. Jemandes p. m. 119.
8. 650. das excerpt aus Joan. Saresberiensis sollte umständlicher sein.
er sagt noch: quid carnix loquatur, diligenter ausculta, situmque ejus
aedentis aut volantis niillo modo contemnas. refert etenim plurimum,
a dextris sit an a sinistris, qua positione respiciat cubitum gradlentis,
loquax Sit an ciamosa, an silens omnlno, praecedat an sequatur, trnns-
eantis exspectet adventum, an fugiat, quove discedat. corpus vero,
quem non minori diligentia observabis, rebus majoribus auspicatur et
UiqU'^quaque cornici praejudicat. porro cygnus in auguriis ales gratis-*
sinia naulis, utpote quae aquarum domestica quadam gratia famiiiari-'
tatis eorundem secreta praenoverit. Si avis quae vulgo dicitur alba^
nellus (albanel s. 658) praetervolans viam a sinistris feratur ad dextram,
de hospitü hilaritate ne dubites, si contra, contrarium exspectabis. Opibus
grataiiter obviam gradieris, dum capram vites. hohus iriturantibus, \{t
beatius tarnen arantibus obviabis. nee dispticeat si viam niperint, quin
niora itineris hospitü gratia compensabitur. malus infaustus est, ofi-
fius inntilis, equus quandoque bonus est. habet vero jurgiorum et
pugnae significationem, interdum tamen ex colore et visu mitigatnr.
l»ocu4ta itiuerantium praepedit vota, ecoutra cicada viatoris promovet
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710 NACHTRäGB
giMram. aranta dam a superioribos filum diicit spem ?eiitiinie peco-
niae Tidetar afferre. Er hat noch aqderes, scheint aber das meiste aiw
deo altea zu schöpfen.
s. 653, 654. Lucas David , der den aberglaaben überglauben Deont,
meldet von den alten Preafsen, dar» sie den angang eines kranken.
für übel, eines reitenden mannes für gut, eints fuchset und haseti
für übel hielten (chron. 1, 146. 154.)
s. 65T. nach Nemnich heifst der falco cyaneos, ein kleiner raabrogel,
Martin* i^ogelt nnl, S. Martens i^ogel, franz. l'piseau S, Martin, spaou
pajaro S, Martin^
s. 661. schon der ags. aberj^laube will, dafs man unbekannten «a-
meni^on hausarmen (slmesmonnuro, alnismen) nehme, anhang S.CXX1X.
8*669. die note zu tilgen, from beruht nur auf Lye, welcher in
der angezognen stelle die praep. from misverstand, s. Kembles nnd
Thorpes Matthaeus p. 71.
s. 675. raibiht nennen die Letten eine abergläubische knr bei kopf-
schmerzen. 4er leidende wird einige mal mit lindenbast um das haapi
gemessen und mufs hernach durch diesen bast kriechen,
s. 683. in der landschaft Fellin entdeckte mau vor nicht lange eine
gemauerte capelte, in welcher abgöttischer dienst getrieben wurde, ein
mann, durch den wald reitend, fühlte sich müde und uuwol, sattelte
sein pferd ab und legte sich zum schlafen nieder, dem entschlafnen
träumte, einer schweren krankheit werde er nur dadurch entgeho, daCi
er an der stelle wo er liege einen tempel erbaue. Als er erwachte
und seinen sattel auflieben wollte, fand er eine menge silbers darun-
ter. Ijjr ritt frisch und gesund davon und liefs hernach an der be-
stimmten stelle die capelle aufrichten, die bauem nannten sie Johannis
heiligen kreuzes tempel und beobachteten da besoodere gebrauche, sie
wallfarteten hin, um gesundheit oder leibessciiaden herzustellen. Zwi-
schen dep riugmauerq der capelle stellte d^r leidende ein bild von
wachs auf und liefs daran den theil ganz weg^ an welchem sich
sein schade oder schmerz befend. war z, b. eins seiner äugen fehler-
haft, so theilte er dem Wachsbild auch nur das gesunde äuge mit, ond
stellte es so in der capelle auf. andern bildern fehlte haud oder faCi.
Unfruchtbare weiber, um fruchtbar zu werden, musteo dreimal nakt
um diese capelle lau/en, auch wol durch gewisse angebrachte ofnun-
gen sich zweimal mühsam durcharbeiten* Das gericht besrhlofs end-
lich diesen .aberglauben zu zerstören, der eigentliümer des gebiets
zwang seine bauern band anzulegen; sie thaten es nur, naciidem des
gutsherrn diener mit niedefreifäung der mauer begonnen hatte, so
wurde die capelle niedergebroclien, Jener dieuer erkrankte, und starb
am achten tag, welches solchen eindrucK auf die Ehsten machte, dals
«ie nocii iqsgeheim an den ort walifarten, Etwas über die Eh.sten. p. 45,
s. 704. wie bei uns der beckersknecht zum kukuk (s. 379) , so wird
nach englischer sage die beckersiochter zur eulex *they say tbe owl
was a bakers daughter.* Hamlet 4, 5 und dazu die commentatoren :
*our saviour being refused bread by the daughter of a baker is
described as punishing her into au owl.*
s. 108, Dreyer schöpft aus den liannov. gel. anz. 1752 no. 46 p. 594,
diese aus der nomenclatura belgica Heur. Zireberti: ^/«(f, froeden-
spanne van den iVoenlede ofte duym en deerste vinger, intervallom
itttcr pollicem et indicem. JVodan sei gott des Spiels; glücklichen
Mauf^i das spi^l auf dem daumen*
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ANHANG.
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STAMMTAFELN
AIVGELSÄCHSISG^E STAMMTAFELPT.
Quellen: Beda liist. eccl. 1, 15. 2, 5. Nennhis (Sy-'
niaw) hist. Britonum im 7 oder 9 jli. verfaf'st? die hss.
sind aus dem 10; ed. Gunn. Lond. 1819 p. 61. AngeU
sächsische chronih^ mindestens im 9 jh. begonnen, dann
fortgefülirt und erweitert, ed. Ingram. Lond. 1823 p. 15.
23. 24. 33. 34. 72. 95. Asseritis meneveiisis (f 906 oder
910), zu eingang seines buclis de rebus gestis Aelfredi,
Lond. 1722 p. 3. 4. Ethelwerdus (f 1090) bei Savile
p. 833. 834. 842. Florentius wigornensis d. i. von Wor-
cesler (f 1118) ed. Lond. 1592 p. ^218. 219. 221. 232.
274. 294. und eine zusammenstellende prosapia p. 566.
Simeori dunclmensis d. i. von Durliam (sehr, um 1129)
bei IVy^den p. 119. Aljredus beverlacensis (f 1138)
ed. Ilearne. Oxon. 1716. Ordericus vitalis (geb. 1075 -f
nach 1140) bei Duchesne scr. norm. p. 639. fVilelmua
malmesburiensis (f 1143) bei »Savile p. 17. Ethelredaa
oder Ailvtdus rievallensis (um 1150) bei Twysden p. 350
351. Henricus huntindonensis (gebt bis 1154) bei Savile
p. 310. 313-16. Galfredus moneniutensis (um 1160) in
Script, angl. Heidelb. 1587. Radulfus de Diceto (schliefst
1196) beiTwysden p. 530. /oa/z/xe« Wallingford (f 1214)
bei Gale p. 535. Albericua trium fontium (schliefst 1241;
bei Leibn. acc. liist. 1, 186. Matthaeus westmonnsteri-
ensis (14 jh.) Francof. 1601 p. 99. 142. Thomas Otter-
bourne (geht bis 1420) in Hearnes Script, rer. angl. Oxou.
1732, hier sind die meisten namen auf serordentlich ver-
derbt. Eine verworrene und entstellte genealogie aus ei-
ner hs. des Nennius enthält Gales appendix p. 116. auch
die Zusammenstellungen in Dan. Langliorns chron. regum
anglonun 1679. 8, weil er sich einigemal jetzt verlorner
hiifsmittel bedient, dürfen nicht übersehen werden.
Im fünften und sechsten jh. bei der überfahrt nach
Britannien brachten die Angelsachsen künde von der ab-
stamnumg ihrer edelsten geschlechter mit aus Deutscliland.
Alle führen sicli auf Voden zurück, steigen aber zum
theil noch hölicr, und nennen eine reihe gütter oder ver-
götterter beiden als ViJdens ahnen« Nach der bekehruu^
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II STAMMTAFELN
xum christenthum wurde es unternommen, den stamm die-
ser könige und götter an die hebräische tradition des AT.
vom ersten meuschengeschlecht zu knüpfen, ein solcher
versuch, die unaufgegebnen vorfahren des heidenlliums jnit
dem Noah und Adam der heiligen schrift iu einklang m
bringen, kann , wie mich dünkt, nur sehr frühe, uumitld-
bar nach dem übertritt zur christlichen lehre gemacht
worden sein, zu einer zeit, wo das gemüt schon >on der
Wahrheit der biblischen sage eingenommen den inhaJt sei-
ner cinhcinnschen, lieidnischen noch nicht vrolite fahren
lassen. Wie man kirchen au die statte der heidenteinpel
setzte, clirisllichen und heidnischen brauch zu verschmel-
zen wüste, und zu des neuen glaubens fesligung den sehn«
des alten erdreiclis nüt vei^vandle ; so konnte auch gedul-
det werden, dafs die naive aiisiclit des volks jene mit «i-
ner ehre verwachsenen stammsagen aufrecht erhieU und
ihnen gleichsam neue unterlagen verlieh. Späterhin wäre
eine solche \erciniguiig unvereinbarer tliatsachen vcder
gewagt noch für nötliig erachtet worden.
Vorclu'istlich , den Angeln und Sachsen schon in ihrer
heimat bekannt, folglich auch imter «ludern deutschen Völ-
kern des festen lands verbreitet mufs diese stammsage auf
jeden fall erscheinen, allenthalben blickt zusannncuhang
durch mit volksnamen und altheidnischer dichtuug. ich
wäre geneigt, den Friesen, Westfalen, auch den Franken,
ähnliche genealogien, deren aufbewahrung ^-ir bioÜs den
ausgewanderten Angelsachsen verdanken, beizulegen.
Zwar ist Reda (■[• 738) für die ags. geschlecht«*age«
das früliste zeugnis und er gedenkt blofs der kcntischeo,
jedoch auf solche weise, dafs man annehmen darf, auch die
übrigen seien ihm bekannt gewesen, die folgendea ^h^
hunderte bieten reichere verzeiclmisse dar.
Chronologischen werth können für die älteste lA
diese namensverzeichnisse gar nicht haben; erst in da
reilien der angelsächsischen könige werden sie geschichtbdi.
das beninunt aber der Wichtigkeit der sage nichts.
Bekanntlich wurden unter den Angelsachsen siehöt
oder acht einzelne reiche gebildet , die sich auf ursprÜDg*
liehe Verschiedenheit der eingewanderten stamme gründen,
also gerade mit dem unterschied der genealogien zusam-
menhängen. Nach der ags. chronik p. 14. 15 hatten die
Juten Kent imd Wight, die Sachsen Essex, Sussex vm
Wessex, die Angeln Easlangle, Mercia und Northiimberfii»
eingenommen. Am vollständigsten haben sich die gcneil«'
gien von Wessex, als dem Staat, der bald herforrt|*«
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STAMMTAFELN
III
und zuletzt alle in sich aufnahm, erhalten, auch die von
Kent, Mercia, Deira (brit. Deifyr) und Bernicia (brit. Bryn-
eich, North nmbrien) sind in alten denkmälem überlief«^;
-weniger echt und beglaubigt in einzelneu namen erschei-
nen die Stämme von Eastangle, Essex und Lind^sfarney«
Diese geschlechtsregister lassen sich scliicklich in zwei
hälften sondern. Von Yödens sühnen heben sie an sich
zu spalten, in ihm trelTen alle wieder zusammen, ich will
daher zuerst die verschiednen stamme von Vöden abwärts
darstellen, und mich dann zu der älteren, für alle gerech-
ten, fortführung wenden.
Folgende Übersicht enth^t^ySdens nachtommenscha/L
Kent.
V*5den
Vecta
Vitta
Vihtgils
Ilengest (449)
Eoric (Oesc)
Octa
Eormenric
Äthelbeorlit
(527)
Eastangle.
Essex.
Mercia.
V,5den
Vöden
Vöden
Casere
Saxneat
Vihtläg
Tilmon
Gesccg
Vaermund
Trigel
Andsecg
Offa
Hrutlimund
Svcppa
Angeltheov
Hrippa
Sigefugel
Eomaer
Quichelm
Bedeca
Icel
lllfa
pfia
Cnebba
Tidel
Ascvine
Cynevald
Ra^dvald(617) Sledda
Creoda
Eorpvald (632) Sicbeorlit (604) Vibba
Penda (f 656)
Bernicia.
TVessex.
Lindesjaran.
Viiden
Vudeu
Vöden
Bäldäg
Bäldiig
Winta
Brand
Brand
Cretta
Beonoc
Fridhogdr
QueldgiU
Aloe
Freuviae
Ceadbed
Angenvit
Vig
Bubba
Ingvi
Gevis
Bedeca
£sa
Esla
Biscop
Eoppa
Elesa
Eanferth
Deira.
VÄden
Vägdag
SigegSr
Svcefdäg
Sigegedt
Saebald
Saofugel
Vesterfalcna
Vügisl
Uscfreii Idä *(t 560)
yffe
Alle (i 588)
Im allgemeinen Ist zu bemerken, dafs hiernach dem Vöden
sieben söhne (denn Bernicia und Wessex fallen anfangt
zusammen und trennen sich erst im dritten glied) beigelegt
vrerden. Einzelne Chronisten reden jedoch nur von dreien^
namentlich Wilhelm von Malmesbury, der sich bei gelegen-
heit des mercischen Stamms so äuTsert, p. 17: possem hoc
a *
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Cerdic(t534) Eatta
Cynric Ealdfrith
IV STAMMTAFELN
looo iötius (Idae) el alioriim alibi lineain seriatim iiitexere,
jiisi quod ipsa vocabula barbaniin quiddam strideDtia mi-
juis quam vellem delectationis lecUiris iufundereDr. ühid
tarnen noii immerito notandumy quod cum Woderiio fw-
riiit tres ßliiy Weldegius^ \S ithlegius et Beidegius, ds
primo reges CantuarUarum , de »ecundo i'eges JNlertionim
et de tcrtio reges Westsaxonum et Norlliauimbrünim ori-
ginem IraxerunL ^
Diese acht stamnie sind nun einzebi zu betraclitcn.
KF.INT. das älteste, von den ersten einwanderem ge-
sliüotc reich. Beda 1, 15: duoes fuisse perliibentur eonmi
prinii duo fratres Hengistus et Horsus. ei*ant auten
filii Vetgisli^ cujus pater Vevta, cujus pater Voden ^ de
cujus slirpe multarum provinciaruin regium genus originen
duxit. *) hiernacli wären llengest und Horsa ureukcl Vo-
dens, doch eine lis. ergänzt das ausgefallne glied: filii /7r/-
gislij cujus pater Vuta^ cujus pater T^ecta^ cujus j^ter
F^oden , der also jener brüder urgrofsvater ist. Damit
stimmt JN'ennius: interea tres ceolae a Germauia in e\i-
lium expulsae ikitanniam advenerunt, in quibus doniinaboi}-
tur Hors et flenegest^ qui et ipsi fratres erant filü
(hifctglls , Guiclgb's filius Guicta , Guicta fdius Gnechta^
Gueclita filius T^uoileii^ und die ags. chronik p. 15:
Mengest and Horsa that vaeron VUitgilses suna. VihlgiU
väs Vitling, J^itta Vecting, J^ecta Vödning, frain tSam
Vodne dvuc call Are cynecynn, and Südhanbymbra eac
Bei Etbelwerd lieifsen die drei glieder zwischen Wothcfl
und Hengest IVithar^ TVicta, fVyrhteh\ bei Floreoti««
.566 F^ectas'we PVehta, fViUa, ff^ihtgiailus^ bei Henr.
Huntind. Vecta^ Wicta^ Widgils. Hengist lialle einefl
söhn namens Eoric, beigenamt Oisc (Oesc), nach welchem
alle folgenden kentiscl^en könige Oiscingas lieifsen , aaf
Oisc folgte Octa^ Irmiriric, Ethelbert. Beda 2, 5. den
Oisc nennt die ags. clironik und Etlielwerd j4esc* Florai-
tiusgibtso an: Hengistus, O ricus cognomine jdesca, Octa^
Irmenricus, Aethelbertus. Die benennungen IIenge*t
und Horsa sind vom pferd entlehnt , man möchte auch
bei Viclgisl, Victa, Vecla an das ags. vicg, alts. wigg, altB-
vigg (equus) denken , vgl. lat. vehere. das aitn. Y^tamr
(wegzahm, wegkundig), wie sich einmal Odin nennt, li^t
abseits , wenn gleich bei Hunibald ein alter könig ff^ech-
*) ags. 50: vasron tlia serest lieora IStteovas aud heretogan treg^
(rebrotlira IJengist aud IJorsa^ \\\ Vicroii l ihlgiUes suoa, tltäs fider Tis
Vihta liateii, and thns Vüitan fader vas Vdden nemned. of tfcii
sfrynde monigra macgdha rvningcynn fniman laedde.
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STAMiMTAB'ELN t
iani auftritt, bei Otterbourne p. S2 ist Wegdam der ace.
von Wegda. \^ilcjm malmesb. p. 17 iieout den staiumva-
ler der Kenter fVeldegius , das aus IVecdeg entstellt
scheint. der ti^avelleis soiig z. 43 fuhrt einen f^iUa^
könig der Svicfas (Schwaben) auf; sollte Vitta zur er-
klärung des dunkeln ausdrucks wittu iin Hildeb, lied
dienen können?
OSTAjNGELN. bei Florenz 566 vgl. 233: TFoden,
Casera , l^itmon , Trigilaus , Rothniundua , JJri/jpus,
f'Vikelnius y f^jjci sive WlFa, prinius rex orientaliuni
Angloruin , hinter ihm noch drei künige : TitellaSy JRed-^
waldusy Eorpwaldus. Bei Gale im aiüiang: Woden ge-
nuit Cassei\ genuit Titinon^ genuil Trigily genuit RodnutHy
genuit Kippan, genuit Guithelrn, (genuit) Gueclian^ ipse
prinius regnavil in Britannia super gentem Eastanglurum,
Gueca genuit Guff'an ^ genuit Tidil^ genuit Ecniy genuit
Edncy genuit Aldulfhy genuit Elric. ander vs^ärts aus ver-
scliiedner hs.: fVoden, Casi>ei\ Titinon^ Trigil, Rod-
inunty Rippari , Guillem, G/iecha, Gaffa, Tidily Eeni,
Bei Langhorn : Caseras^ J'ihno/i , TrigisiluSy Rotlii-
nutndus^ Hirpus, QuicelmuSy Uffa,*) von diesem Ufl'a
Hemicus hunliad. 315: lioc regniun primus tenuil, f^^^ffd,
a qtto reges orientaliuni Auglorum Vllingos appellant, quod
postea Titulus (al. Titilus) filius ejus tenuit, pater Red-*
waldi fortissuni regio Kaslangle. und Joh. BronUous chro-
nicou (^Twysden p. 745) : rcjimim Eastangliae invepit ab
f^ffct rege, cui succes^Hit rex Ticulus. isli duo non fuerunt
jnultuni potentes, quibus 8ucc^^ssit potontior aliis rex Red-*
ii>aldus, Red^yaldo vero defuncto filius suus Erpwaldua
m regno Eastangliae successit. Beda erwähnt von allen die-
sen nur des Reduald beim j. 616; nach dem ehr. aga.
p. 35 empfieng Eorpvald im j. 632 die taufe; seines vatert
Ueoduald wird p. 32 zum j. 617 gedacht, und p. 88 (wo
richtiger Rcedvald") als eines der mächtigsten herscher un-
ter den Angelsachsen. Aucb AVilh. maünesb. p. 34 sagt ;
Redi^aldua prinius idemque maximus apud orienlales An-
glos , a Vodenio, ul scribunt, decimum genu nactus (1. na-
luö.) Die älteren namen scheinen gut sächsisch. Hrippa,
Jlrjpptis vergleicht sich dem Ifrlpo in Falkes trad. corb^
7. 104. 107. 312 und dem alid. Hriffo bei Meichelbeck
4:iO. Rothmund für Hrbihmand'i ein Heov. 2378 erschei-
nender name. Titnion gleiclil dem Tiadman bei 4''alkc
•) Otterbourne weif« nichts als} ff öden genuit Casere ^ « quo
rognnin Efttaiiglorum [»rvj^redieiii» dcrivMtur.
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t1
STAMMTAFELN
114. TVigil ist vielleiclit das ahd. Dr^git, Wolfdr^
Wolfcirigü? wonach freilich stehen sollte Tfirigel.*) jY-
dil scheint was Ttidil bei Falke 37; Uffa ist das ahs.
Uffo^ aber wol gleichviel mit demO^ der Ostsachsen und
Mercier, denn auch der trav. song 69 hat: Offa veold Ongle
(herschle über Anglien) ; Eorp in Eorpvald das alls. Erp^
ahd. Erpft vgl. altn. iarpr (fuscus.) Cvichelm auch sonst
ags. name (chronik 27. 30) und die formen Wilielm, Guil-
lem sind verderbt. Der als Vodens söhn genannte Casera,
Caseras oder Casser ist der nemliche, den der ags. tra-
vellers song als beherscher der Griechen aufrührt^ z. 39
Cdsere veold Creacum (herschte über die Griechen) und
z. 151 mid Creaciun ic väs and mid Finnum, and mid Crf-
sere^ se the vinburga geveald dhte, violane (= velena)
and vilna and Vala rices (ich war bei den Griechen und
wai* bei den Finnen, und bei Cäsere, der die menge sdiö-
ner bürgen, reichthümer, was man wünschen mag, besafs
imd Welscliland beherschle.) hier hat die sächsische sage
aus dem lat. Caesar einen Cdsere gebildet und an einha-
misclic kunige geknüpft, wobei die • frühverbreitete meinung
angeschlagen werden mag von Vödens herkunffc aus Grie-
chenland, (s. 96.) vermutlich gieng unter Sachsen und
Angcbi des fünften, sechsten jh, vielgestaltige künde von ei-
nem alten könige K^sor.
OSTSACHSEN, nach Florentius : Woden, Eaxneia,
Gesecg^ Antsecgi Sueppa, Sigejugel^ Bedca^ Offa^
Aescwiniis , Sledda^ Seher tus; statt Eaxneta geben hs».
das richtigere Seaxnete. nach Henricus huntind. 313:
Saxnat^ Andesc^ Gesac^ Spoewe^ Sigetvlf) Biedca^ Off(h
Erclienu>in, Siede ^ Sibrict (al. Siberct.) nach Matth.
westmonast. p. 99 : Erhentvinus q. f. filius OJfae , q. f»
Bredecani, q. f, Sigeu>lf ^ q. f. Spetuae^ q. f, GesaCy
q. f. Andessc y q. f. Saxuad, q. f. ff^oden* nach
Laughorn; Saxonefa^ Gesacus ^ Andescus^ Sueppa^ Si-
gefugelus, Bedicanus^ Erce/wAnus. nach Alvredus be-
verlac: fVoden , Seaxeca. Gesecg^ Aridseng ^ Snopp^
Sigelugel, Becta, Osse , Enwine^ Siedda , Sabertus. **)
Unter diesen wird Acscvine (oder Ercenvin) als der erste
ostsächsische köaig angegeben, Soebert (Sigeberl) als dw
aum christenthum übertretende im j, 604 (chron. ags. 29.^
wiederum ist der name des sohns von Vöden höchst roerk-
*) Cursor, minister? vgl. |otii. tiiragjan, currere, ood ia t^
glosäen trikil, drikii ^verna), vemiutlich das alta. thnel.
•*) Otttfrboiirae liat ganz confu« iiiclite aU: ^^oden geanit WaUi-
g^at, a quo regnnt E>Aexiae proMpia tanipait originen. Tgl. Merda.
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STAMMTAFELN tu
vrürdigy Seaxnedt ohne zweifei der in der abrenuntiations«
formel neben Thunar und Wuodan genannte Saxnöi,
was alid. Sahsndz, Sahskindz lauten würde. *) die bedeu-
tnng von Gesecg und Andsecg scheint sich auf einander
zu beziehen; Bedeca vergleicht sich dem ahd. namen
Patuhho^ Si>eppa ist sächsisch.
MJvRClA. ags. chron. p. 33. 34: Penda väs Vyb-
biug. f^^hba Crydiug. Crfda Cynevakling. Cynevald
Cuebbiiig. Cnebba Iceiing. Icel Eoniffiring. Eoniaer An*
gelthcoviug. Angeltheo^ üffiug. Offa Vwrmunding. Vcer^
trtund Vihtlägiug. Vilitläg Vodeniug. p. 72 wird der
stamm anders angehoben und auf Kava einen andern söhn
des Vybba fortgeführt : OJfa väs Dhincfertliing. Dhinc^
fertk Eanvulling. Kanvtilf Osmöding. Osniöd Eaving.
Eat^a Vybbiog. yybba Creoding, Creoda Cynevalding
u. s. w. bis zu Vuden hinauf. Boi Florentius 566: /^"o-
den, pf^'ithelgeatas^ JVaga^ IFUitleagus, iVereman-
dusy OJJ'uj Aiigengeatus y Ihmerusy Icelius^ Cnebba^
Cunewaldus , Creoda ü\o Crida prhuus rex Mercioruni,
f^f^ibba; p. 1M2 mit eiiüger abweichung: Penda^ qui fuit
IFibbae, qui fuit Ct Idae , cjui fuit Cunetpaldi^ qui fuit
C/iebbae, qui fuit Jrelii , (|ui fuit Eonieriy qui fuit Ari-
gerigeati ^ qui fuit Ojjae^ (|ui fuit I fe.iomundi l qui fuit
l'V ightle agi ^ q. f. fFagae, q. f. J Futhelgeati ^ q. f.
Pl^odenL im appeudix zu Acunius bei Gide 116: PP^o^
den geuuit Gitedolgtcit^ genuil Guea^on, gen, Guithlig,
§cii. Guerdtiiiifid^ gen. Ossa^ geu. Origon, gen. Eamer^
gea. Pubba. ipse Tubba Juibuit IX fiüos, quorum duo
niiiii uotiores sunt, quam alii id est Penda et Eaua^
Üei Kadulfus de Dicolo p. 446: OJJa fuit filius Wing-
ferd, fiiii CatiwlJ\ fdii Osmod^ lilii Epa^ filii PVibba^
filii Creadciy iilii Cynet^i^ald , filii Cnibba^ fdii Ycil. filii
Cum, filii Afigelreu^ filii O^a^ filii Tfenniind^ filii fVtt^
1(1 ty filii TVodeii. Bei Mul'lli. wcstmon. p. 142: erat enim
C^ja filius Tiiififerthi^ q. f. Eadulfl ^ q. f. Osulß ^ q. f.
i*')ppae^ q. f. fVibhae, q. f. Creoddae, q. f, Kinet^oldi^
q. f. CriM)ae, q. f. A///e/, q, f. Eomeri^ q. f. Jngelthean,
4- t. OU'ae, q. f. IVeremundi^ q. f, fVithleig, q. fc
fVagou^ q. f. Fretfiegeath , q. f. IVodeni, Bei Otter-
^iouruc p. 31: Jf^ude/i genuit Feothulgeat^ qui genuit
^rt^a, q. g. /Vichebeg^ q. g. Vermundumt q. g. O^,
4; g. Eageltheon , q. g. Edomeruni^ q. g, /c^7, q. g.
Cnibbauu q. g. Ky/ien>aldum, q. g. Cridiam^ q. g. -o/V-
0 ^ftl- g«*tt. an^. 18^ p. 550,
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Yjii STAMMTAFELN
ham^ (]. g. Pendant priDium regem Merciorum. Laoghoni
sclicint aus Florenz zu Äcliopfen: Vitelgeta^ Vdga^ Vii-
leg ins, Veremundus, Ojfa al. UJfa^ Jngongeta^ Eu-
meriis, Icelius^ Cr/ebba, Cunet^aidiis , Crida. er, Mo-
reux, iNIattliaeus und Gales anhang schalten zwischen Vd-
deu und Vihtläg noch zwei namen ein, die bei Radulf,
und in der ags. clm felilen: Fithelgeat (Frelhegeat) und
f^aga (Gueagüu).' da Florenz für Angeltheov Angengeat
setÄt, könnte sein Vilfielgeat sonst Vitheltheov gelautet ha-
ben, doch hat auch Gale Guedolgeat *) ; Angen- (Origon
bei Gale verderbt aus Ongon) ist untadelhaft, und Angen-
theov dem alid. eigennamen Angandio entsprechend, dem
altn. Angantj^r, das vielleiclit aus. Anganth^ verderbt wurde,
vergleichbar, die echtags. form lautet Ongentlieou. Beov.
;J93l. 4770. 4945. 4967. vgl. Incgentheoif im trav. song
231». auch OJJa (Ossa blofser sclu-eibfehler), ein im mer-
ilschen stamm zwehnal auftretender name, kommt Beor.
389.1. 3910 vor. Fi ht lag scheint untadelhaft, Wilh. mal-
mesb. p. 17 gibt gleichfalls fVithleglus , und selbst die
Icsart Lridthlig bei Gale bestätigt das kurze ü oder e.
Radulfs fVitlat stimmt aber zum altn. Vigletus bei Saxo
gramm. 59 und es ist überhaupt von bedeutung für u»-
aere Untersuchung, dafs sich die reihe Vigletiia^ Ver^
mundusy UJfb^ in der dän. genealogie (Saxo grainm. 59-
65 **) sichtbar mit unsrer mercischen begegnet. Pubba
bei Gale, nach der gestalt des ags. V, leicht verlesen für
Fubba, Fibba, = ahd. IVippo.
DEIRA. im chron. ags. p. 24: jielle väs YfEji§.
Yffe Uscfreaing. Uscfred Vilgisling. Vilgisl Vester-
falcniqg, Fester falcna Saefugling. Scefugl Ssebaldmg.
Sciebald Sigegedting. Sigegedt Svaefdäging. Svcefdäg
Sigegdring, Sige^dr Yägdäging. Vägdäg Vödeningr
Vdden Fridhovulfing. Bei Florenz p. 221: Aella fiiit
filius Iffi, cujus pater JVuscJrea, cujus pater IVilgdmix
cujus i)ater PVestort^ifalena, c. p. Seomelus, c. p. Suearta^
c. p. Scvpugelus, c. [>. Seabaldus^ c. p. Siggeotus, c f
Suehdegus ^ c, p. Siggarus^ c. p. fVeadegua^ c. p. fVo-
de/ius ; und p. 56§ mit wenigen abweichungen : ff^ode^
nus, fVeagdegiiay Sfggarus, Suebdegus ^ Si^geoius,
Seabaldus, Sefugelus, Sueartlui^ Seomelua, PFester-
walcna , ff ilgelsus , JVi^scJrea^ Ißus dux, Aella pri-
•) darf mpn bei Jedelgedty P idIulgeM an den volksaamen Feder-
geätas Beov. 2984. 3224. 4753 dcnkeu?
••) die geuealogiff runica bei Langebek 1, 32 hat VitkUht f'f
mund, Vffi, dit- andere 1, 27 Jitlilef f armuiid^ IJfi.
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STAMMTAFELN ix
mus rex Deiroruni. Bei Onerboiime p. 32: TV öden ge-
uuit TVegdam^ q. g. Sngegarum^ q. g. Sci^ealdegem^
q. g. Sigegeatf q. g. Etabalem ^ q. g. Stafugel, q. g.
fVesterfalducue, q. g. Wigilis, qrg. XJstjrea^ q. g.
t^^^ q. g. Ella primum regem Siissex. *) Bciliangliorn:
Pegdegus^ Sigarus^ SuebdegitSy Siggotus, Sebaldus,
SeJugeluSy Suarta, Somelus , f^estrofalenas, Vilgisi^
lua, BuscreaSy Iffiusy jllla. In Gales anhang mcn^t sich
der demsche und wcsUäclisiscIie slammbanni : JVoden^
Beldeygf Brond, Siggar , Sibald , Zegtiljh, Soemil,
Sguertliing , Guilglis , Ulfrea, Ifjif Ulli. A\ie in der
kentischen genealogie \on pferden, sind liier einige namen
von vögeln liergenommeu : Scejugel und J^esterfalcna,
die in der clironik unmittelbar aufeinander folgen, in den
übrigen recensionen aber noch durch zwei glieder getrennt
sind, durch Sepmel und Svearta (Svearla und Seomel.) ein
Sigefugel, (andere habeu Sigevulf) auch bei den Ostsach-
sen, ich zweifle, dal's Seafola (Saefugela) im travell, song
230 hierher gehören kann. Der myllüsche Vesterfalcna
darf vielleicht als alme der Westfalen betrachtet werden,
denn die alte form des volksnamens lautete JVestfalahy
und auch im westsäclis. stamm sehen wir einen held, nach
welchem ein zweig des volks benannt wird. Scefugel
und Scebald führen die erste silbe gemeinschaftlich. Si^cef^
dä^ erinnert an das altn. Si^ipdagr, Saem. 111. S^ibda-"
gerus (Saxo gramm. 9) obgleicli F und P abweichen;
benierkenswerth heifst auch sein vorfahre Vägdäg und
der westsächsische ahne Bäldäg. auf das verliUlti^is des
Vägdäg zum kentischen Vecta^ komme ich hernach bei
erläuterung der nordischen genealogie.
BERJN'ICLV oder Northumberland hat die beiden er-
sten nachkommen Vodens mit Westsachsen gemein, ags.
chron. p. 23 zum j. 547: her Ida feng tö rice, thonon
Nordhanhymbra cynecyn asrost onvuc. Ida väs Eopping.
JSoppa Esing. JEsa Inguiug. Ingui Angenviting. ^/z-
^envit Alocing. jiloc Beonocing. Beonoc Branding. Brand
Bäldäging. Bäldäg Vödening. Bei Florenz 218; läa
hiit filius Eoppae, qui fuit Ingui, q. f. ytngenwit, q. f,
JloCf cj. f. Benoc, q. f. Brandig q. f. Bealdegi , q. f.
fVodeni. Vermehrter und anders aber in der prosapia:
566: Bealdeagus, BrandiuSy Beornus (verderbt aus Be-
nocus?), Beorno, fFegbrandus, Ingebrandus ^ j4lu8a,
*) auch einige andere nennen die deirisclie genealogie die snssexi^
sehe; aber die läge von Deira und Suissex war ganz verijclüeden.
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?:
1 STAMMTAFELN
jingengeat, Ingengeat ^ Aeihelbrihtus , Oesa^ Eoppa,
Ida^ priinus rex Berniciorum. Bei Otterbourne: tkoaen^
Beider, Brond, Benoc, Aloc^ jägmintus^ Inginus^ JEasa,
Ropa^ Ida, Bei LaDghorn: Beldegus^ Brando , Beuo-
cus, Beornn^ Vegbrandus ^ Ingebrandusj Alocus^ An--
gongeta^ Ingongeta^ Aethelbertus j üsa, JEoppa^ Ida.
Bertranis ausg. des Nennius lielert in einem anliaug: //-"^o-
den genuit Be/deg , geniilt [Brand, genuitj Beoniec [ge-
nuit Beorno]^ genuit Gethbro/id, [genuit Irtgebrandus],
genuit Alusoti, genuit Inguet, genuit [Ingengeat^ genuit]
JEkUbrithy genuit Oasa, geuuit EobbcC, genuit Ida. Unter
diesen namcn scheint mir Usa zusammenliängend mit u$,
►1. ds (dcus, divus), Ingui aber ist das alln. Ingvi ^ vgl
ngunar freyr und Beov, 2638 frea Ingvina, 2081 eodor
Irigifina*
\A7:STSACHSEN. ags. dnon. p. 24: Cerdic y^
Cynrlces fader. Cerdic Elej^iag. Elesa Esling. Esla
Gevising. Geris Viging. f^ig Frcavining. Frediine
Fridhogaring. Fridliogdr Branding. Brand Bäldägin^.
Bälda'g Vudcniiig ; nochmals p. 95 übereinstinunend, auffcr
dafs Fridhugar und Brond gcsclirieben und zwischen Cer-
dic und Cynric noch Creoda geschähet ist. Glcichlautig
ist der slannnbaum ift einem ags. bericht, der vor dem ags.
Beda von 1643 p. 5 und in Spelmans vita Aelfredi 1678
p. 199 gedruckt stellt, nur dal's am letzlern ort AVinging
f. Wiging und in beiden der satz : Klesa l^sling, Esla Ge-
vising am rand, nicht im Icxt gefunden ^vird. Bei Asse-
rius : Cynric, qni fuil Creoda , qui fuit Cerdic, qui ftiit
Elesa [qui fuit Esla], qui fuit Genfis (a quo Britones to-
lam illcim gentem Gegwis nominant) , [qui fuit PVig^ qui
{uix. Fraeu^ine^ qui fuit Ereotliegar], qui fuil Brond,
qui fuit Beide, qui fuit pf^oden, die eingeschlofsnen satM
scheinen au« Horenz entnonmicn und in der hs. mangelnd.
Bei Elhelwerd p. 842; Cynric, Cerdic, Elesa, Eala.Ge-
wis, Wig, treawine, t\itliogar, Brond, Balder^ /^/"o-
tJien. Bei Florenz 219 : Cerdicius qui fuit Etlae, qui foit
Geu>isii, qui fuit JVigae, qui fuit Freaauni ^ qui foit
Frethegarii, qui fuit ürandii, aui fuit Bealdigi , qai
fuit fVodeni. hinten p. 566 so: Bealdeagus, Brandius,
Freodegariiis, Friatvinus, ff^igga, Gewisius, Esla,
Elisius, Cerdicius prunus rex Westsaxonum, Kenricta»
Bei Simeon ■ dunelm. 119: Cinric, qui fuit Creoda, q. t
Cerdic, q. f. Elesa, qui fuit Gewis, a quo Britoues totaB
illam gentem Gewis nomiuant, q. f. Brandy q. f. Beldt,
qui fuit M^oden. Bei Guil. malmesb. p. 41: fVodrn,
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STAMMTAFELN xi
Beldegius, Brond^ Fridegarius^ Freu>inu8^ TVigiui^
Giwius, JBslius^ JElicius, Cerdicius, Creodingius^ Cin-'^
riciua. Bei Elhclredus rievalL p. 350: fi^oaen, Beal^
dägy Brandy Freodgai\ Frewine^ IVigf Geu^is, Eda,,
Elesa f Ceord/c, Creoda, Clienric, Bei Ollerbourne i
JVoden y Bealdeatli^ Brand ^ Twectegar ^ Frea^inus^
TPicva, Getvisse, Esla, Flesa, Ceredic, Bei Laughorn:
Beldegus, Brando, Fredegarus, FiPinnus, Vigga^ Ge-^
viscus, Enla-y F/iaiiis, Cerdicus. Iq dieser reilie Avest-
säclisischer namen \or allen hervorzuheben ist Bäldäg^
(ßeldeg, Beldig, Asser mid die ihm folgen schreiben Belcle^
Ethelwerd Ba/datr) Wudens söhn , sichlb. der nord. Baidur,
Odins söhn, auch Fredi^ine gemahnt an das altn. Freys
vinr, noch mehr an Froci^inus bei Saxo gramm. p. 59.
60; F!sla konnte, gleich dem uorlhumbrischen Esa, zu os,
ÖS gerechnet werden. Ein ausgezeichneter held und her-
echer mul's Gewis gewesen sein, nach dem der ganze
volksstamm genannt wurde ; das fülu-t auch schon Beda
an: als er von Cynegils (einem der naclifolger Cerdics)
redet, 3, 7 : co tempore gens occidentalium Saxonum, quae
antiquitus Geuisse vocabantiu*, regnante Cynegilso fidem
Christi suscepit (im j. 635.) ; und dann von dem bischof
Byrinus: sed Britanniam perveniens ^c primiim Gei^isso^
Tum gentem ingi*ediens^ cum omnes ibidem paganissimos
inveiiiret etc,
LEVDESFARAN. auf einer kleinen insel an der nor-
thumbrischen küste hatte sich ein besondrer stamm, die
Lindesfaran, niedergelassen, siö liiels nach ihnen l^indes«
farena ea (Beda 3, 17. 4, 12. chron. sax. ad a. 780. 793),
6on8t auch haiig ealand, heute holy Island. Ihre genealo-
gie finde ich bei Florenz 566: TVoden, TVinta, Cretta,
QuelpgilJ US, Ceadbed, Bubba, Beda^ Eanferthus. rich-
tiger gibt eine andere ausgäbe den vierten namen Queld-^
gilsj den fünften Caedbaed, und schaltet hinter Beda Bi-
scop^ hinter Eanferth Eatta und Ecddfrith ein. Bubbas
naclifolger luefs vermutlich Bedeca oder Baduca (ein
name auch der osts. reihe)', denn in Eddii vita s. Wil-
fridi cap. 3 (bei Gale p. 45) wird von dem kentischeu kö-
nige Erconbert (+ 664) gemeldet: rex secundum petitio-
nem reginae ducem nobilem et admirabilis ingenii quem«
dam Biscop Baducing inveniens ad sedem apostolicam
properantem ut in suo comitatu esset adquisivit. Biscops
enkel Eata wurde (nach Beda 4, 13) einer der ersten
lindesfarnischen bischpfe, aber schon der grofsrater mufs,
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XU STAMMTAFELN
•wie der in die sage eingegangoe iianie zeigt, dadöelbe geist-
liche amt (vielleicht anderswo) bekleidet liaben.
Bisher haben wir Vödens descendenz betrachtet, bei
seiner ascendenz wird es nöthig sein wiederum die heid-
nisclien vorfahren von den seit der bekanntschaft mit der
biblischen geuealogie hinzugefügten abzusondern.
Einigemal reicht die angal)e nur zu vier ahnen hin-
auf, anderemal zu acht und seclizehn; es wird dann bei
Fridhuvulf, oder bei Gedt, oder bei Sceaf angehalten. Sceaf
ist überhaupt der älteste heidnische nanie in sämtlichen
ttammbäumcu.
Vöden
Fridhuvald
Freavine (Frealdf)
Fridluivulf
Finn
Godvulf (Fülcvald)
GeiU
Tc-etva
Bcav
Sceldva
Heremud (Sceaf)
Itermon • (rierem«ld)
Hdthra (Iterniöd)
Hvala (Hatlira)
Bedvig (Hvala)
Sceaf. (Bedvig.)
Die Chronik p. 23 fiüu't das northumbrische geschleckt
von Ida bis zu Geat. hierher gehören: V6den Freodho-
läfmg. Freodholdf Fridhovulfing. Fridhovulf Finnin^
Finn fcodvulfing. Godi^ulf Gc^ting* p. 24 im deirischeo
Stammbaum heifst Vöden Fridhovulfing. Genauer lautet
die reihe p. 95 im westsächsischen: Vbden Fridhuvalding.
Fridhuvald Freavining. Fredvine Fridhuvulfing. /V/rf-
hupulf Finning. Finn Godvulfing. Godvulf Gcaliug.
Gedt Tastvaing. Tcetva Beaving. Beav Sceldvaing. Sceldt*a
HeremiJding, Heremdd Itermoning. Itennon Halliraing.
Hathra Hvalaing. Hvala Bedviging. Bedvig Scedßng»
Nennius p. 61 leitet den kentischen stamm bis zu Gela:
f^iioden filius Frealof , Frealof ,filius Fredulf, Fredulf
lilius Finn, Finn filius Foleguald, Foleguald filius Gtla,
qui ut ajunt fihus fuit dei, non veri nee omnipotentis da
sed alicujus ex idoUs eoriun, quem ab ipso daemone coe«
cati, more gentilL, pro deo eoJebant* Asser p. 4: fFodeu
qui fuit Frilhoi^valde^ qui fuit Frealaf\ qui fuil Friiluk-
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STAMMTAFELN im
widf, q. f. Fingodwiilf, q. f. Geata^ quem Getam jam duduai
pagani pro deo venerabantur. qm Geata fuit Ccetva, q. f. Beut^^
q. f. Svelda^ea^ q. f. Heremod , qiü fuit Itermod^ qui fiiit
Hat/t ruj qui fiiit Haala^ qui fuit Bed(vig. Elhelwerdus
•p. 842 : PVotheriy Frithou^ald, Frealaf, Frithowlfy Fin^
Godwlfey Geai , Tetwa^ Beo, Scyld^ See f. Florenz p.
218 in der iiorthumbr. slaminlafel : ff^odenus, qui fuit
Frithelasi (für Frillielafi), cjui fuit Finnig qui fuit God-
ulfiy qui fuit Geatae ; liingegen p. 294 iu der -westsächsi*
scheu: ff' öden US q. f. Fritlieivaldi, q. f. Frealafi, q, £,
Fritheulfh q. f- Finhi^ q. f. Godiilß^ q. f. Gaetae. quem
Getam jam dudum pagani pro deo vetierabantur. qui fuit
Cedtvae y q. f. Beawae^ q. f. Sceldwii, q. f. Heremodt\
q. f. Iternwdi^ q. 1. Hathri^ q. f. f^fl:tlae, q. f. Bedtvigi.
Kbenöo lautet bei öimeoii duuebu. p, 119 die "westsächs.
reibe: fVoden^ q. f. Frithuwald, q. f. trealaf^ q. f.
Fridrenwulfy q. F. Geta^ q. f. Ceta'a^ q. f. Beau^, q. f.
Seldt^i^a^ q. f. Heremod^ q. f. Itermod, q, f. Hatra^
q. f. fVala^ q. f. Bedii?ig. Gull, malmesb. p. 41: j^^^o-
den ins fuil Fridowaldi, Fridea^a/dus Frelasii (al, Fride-
lalii), Frelasius Finii, timus Godvvini, Godii>inus Gesii,
Gesitis Teclii, Tectiiis ReoMiin, Beotvinus Sceldii, Scc/-
t/ms Sceaf, Sceaf llercmodii, Heremodins Slermonii,
Stermoriius Hadrao , Hadra Gualae , Guala Bedwegii,
Bedt-i?egius Str esaer. Elbelredus rievallcns. p. 351 : Wo-
den q. f. Fredeirald , q. f. FreofoJ ^ q. f. Frederewlf^
q. f. Fifigonduflf , q. f. Getu, q. f. Geanva , q. f. Beu,
q. f. Celdwa, q. f. Heremod, q. f. llernwd^ q. f. 7/a-
tlira , q. f. Wala , q. f. Beadwig, Henr. buntind. p.
310 iu der kentiscbeu genealogie : VVoden y filii Frealof,
lilii Fredulf y fdii /Y//, filii Fiocu>ald , filii /e/a^ quem
dixerunt fdium dei, scilicol ab'cujus idoli. Radulfus in der
wcstScHcbsiscbeu p. 529 : T roden, q. f. Fredereivald^ q. f.
Freolf^ (j. f, FredendJ y q. f. FringohUvlf ^ q. f. GetOy
q. f. Geativiu q» f- ^^'/, q. f« Sce/dwa, q. f. flere/nod^
q. 1. Iternwd^ q. f. Bathkay ({. f. IVcdUy q. f. Beadivid*
Jübannes Walliugford p. 535: Guodden y q. f. Frühe--
wald^ q. f. Frealaf. q. /. Frethewlf, q. f. Fitigoldwljy
q. f. Geata^ quem Geatlam pagani janidudum pro deo ve-
nerabantur, q. f. Cetirwcu, q. f. Beau^ q. f. Celdewa^ (j.
f. Heremod^ q. f. Idermod, (|. f. Hathra , q. f. M^ala,
q. f. Beadmng. Alberlcus p. 186 : fVoden isle füll
filins Fritliewaldl, qui Fi elasii y qui Finniiy (pii Gr>^/-
pulfi^ qui Gethiiy qui Rutldii, qui Bedvii^ qiii Steldli,
qui Sceaf , qui Heremodii , qui Gt^ale^ qui Bedwegii.
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xfT STAMMTAFELN
qui Steresii. Matth. westmonast, p. 142 knüpft die Tor-
fahren Wodens an den mercisclien stamm: fVoden fuit
filiiis Fretheivold ^ q. f. Freolaf ^ q. f. Friihewlf ^ q. f.
Godwlf 9 ^. f. Getae, q. f. Cetha^ae ^ q. f. Beau, q.
f. Selduae y q. f. Herenwd^ q. f. Itemiody q. f. Äi-
ihraey q. f. H^aiae, q. f. Bedwi ; p. 166 aber an
den westöächsisdien : _fV(>denus f. filiiis Frethewoldy q.
f. Ireolaf , q. f. FrethwII y q. f, Finnin q. f. GW-
z«///, q. f. Getapy q. f. TeatJiwii^ q. f. BtaUy q. f.
Seldaae^ q. f. Seaf ^ q. f. Heremody q. f. Itemiod^ q. f.
HathraBy q. f. IVaJae y q. f. Bedvii. Otlerbowrne an
den keu tischen: TVoden^ Frederwald^ Freolfy Fredwold,
Fyngoldfveltliy Geta, Gelwa, Beir, Sceldn^a, Herecudey
JEterniode, j^thray It^ala^ Bedwic/i.
In den di^ci ersten gliedern auf Vuden ergibt sich
eine schwankende abweichuDg^ die ich zur übersiebt
aufstelle.
Chronik b, Wessex : Fridliuvald Freavinc Fridhuvulf
Asser: Frilhowald Frealaf Fritliuwnlf
Ellielw erd : Frilhowald Frealaf Frilhowulf
Elhelred : Frethewald Freolof Frederewlf
Florenz b. Wessex : Frilhewald Frealaf Fritheulf
Simeon : Frilhiiwald Frealaf Fridrenwald
Radulf: Frederewald Freolf Fredewif
Johannes: Frethewald Frealaf Frethewlf
IVIatlhaeus: Fredewold Freolaf Frithewlf
tredvine gründet sich also blofs auf die ags. chronik, und
andere hss. geben auch da Frealaiing, Frealaf. In folgen-
den mangelt ein glied:
Chronik b. Northumbr. Freodholaf Fridliovulf
Neunius Frealof Fredulf
Guüelmus ' Fridewald Frealaf
Albericus Frithewäldus Frelasiu«
Ilenricus Frealof Fredulf
Ja einige haben überhaupt nur eins dafür:
chronik b. Deira Fridhovulf
Florenz b. Norlhumbr. Frithalaf
weil aber die bleibenden nanien wechseln , so erhellt , daf»
die westsächs. gcnealogie der chronik das richtige und voU-
stäudige gewährt. Fiedvine und Fredldf können for
identische namen gellen, es verscldägt nichts, dafs Freavinc
auch unter den descendenten des westsächs. Stammes vor-
kommt, da sich einzelne namen öfter wiederholen, billigt
man das Frithalaf bei Florenz, so stehen JFr/rfAovald,
Frjd/wläfy FridhosvM nebeneinander«
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STAMMTAFELN
x%
Man und Godvulf werden bei Asser zusaminenge*
worfen in Fingodwulf, bei Ethelred in Fin^ondwlf, bei
Johannes in Fingoldwlf , bei Radiilf in Fririgoldwif,
bei Simeon fehlen beide, bei Matlhaens felilt tinn, bei
ISennius und Henric Godulf. Nennius gibt statt Godvulf
FolegualU (Folcvald), Henric Flocwald, Guilelm Godpine.
Gedt (Geaia, Geta, Jeta, bei Guilehn Gesius) findet sich
bei allen.
2'ietva, Tetwa, Tectius ersclieint in den formen Caet-
wa, Cetwa, Ceth-vva, Cedwa, Cetirwa, und Gelwa, Geatwa^
Gearwa, Retidius.
Be(n\ Beaw, Boau, Beawa, Bcu, Beo, Beowinus, Bed*
vius, Beir.
Sceidva^ Scehlwa, Scyld, Scehhvius, Sceldius, Seldwa,
Seldua, Ccldwa, Cchlewa.
Heremöd überall , wo er vorkommt , aber bei Ethel«
werd fehh er, unverändert, nur Olterbourne hat Herccude.
Itermon^ Itermod, Idermod, Etermode, Stermon. felilt
bei Ethehvcrd.
Hatltra, Hadra, Hatra, Alhra, Hathrus, Bathka, fehlt
bei Ethelwerd.
Hi>nla, lluala, Wala, Guala. fehh bei Ethelwerd.
Bedi^ig y Bedwig, Bedwi, Beadwig, Bedwigus, Bed-
wrgius, Beiiwing, Bcdwid. b. Eth, felilend.
Scedf , Sccf, Seaf findet sich nur in der ags. chronik,
bei Ethelwerd, Albcricus, Guil. malmcfb. und Matthaeus
weslm., nicht bei den übrigen, namenthch nicht bei Asser
und Florenz ; allein der bedeutende unterschied tritt ein,
clafs ihn die chronik ganz zuletzt als vatcr des Bedvig
aufführt , andere als vatcr des Sceldva , und Heremod als
Sceals vater, der in der chronik Sceldvas vatcr ist. kurz,
diese schalten Sceaf ein zwischen Sceldva und Heremud,
und lassen ihn am schlufs weg.
l^nter den aufgezählten namen sind nun einige höchst
merkwürdig.
F'in wird im travcllcrs song 53 als herscher über die
Friesen genannt : Firi Fo/cimlding veold Fresna cynne,
dadurch bestätigt sich des Ncnnius angäbe, dafs Finns va-
ter Folcvald (oder Folcvalda) heifse. auch Beov. 2129.
2155. 2186. 2286 erscheint Fin , wiederum Folcvaldan
9unu 2172. die kcnlische gencalogie halte den namen rich-
tiger bewahrt, als die übrigen ; man übersehe dabei nicht,
dafs im Beov. gerade neben Fin Mengest 2159. 2186.
2248 auftritt, ein hauptnanie der Kenter; sollten sie nicht
vielmehr friesische abkümmlinge sein als jütische?
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K^i STAMMTAFELN
FioBS grofsvatcr, Folcvalds valer, Gedt , wurde tU
gott verehrt ; daö sagen die meisten Chronisten bei auf-
reclinimg dieser stammbunmc ausdrücklich, während sie
Vudens gottlieit verschweigen, auch Geat findet sich Beov.
3567. 3582, und zwar nicht im travellers song, aber ein
anderes ags. lied (Conybeare 241) enthalt die worte: Gea-
tes frige vurdon grundiease* In der ags. chronik und bei
Etlielwerd wüJ der Vergötterung nicht gedacht; Neuniiu
und der ihn ausschreibt, Heuricus hiinlind., bezeichnen ilin
als den söhn eines gottes : Gela, qui, ut ajunt, ßlius fuil
dei*), non veri, sed alicujus ex idolis eorum, beide aber
sclüiel'sen mit ilim die (kentisclie) ahnenreihe , ohne seinen
vater zu nennen. Bei Asser und denen, die ihm folgen,
namentlicli Florenz, Kadulf, Johannes, heilst es aber von
Geta selbst: quem Getam dudum pagani pro deo venera-
bantur, imd sie fügen darauf den namen seines vaters
(Cetwa) imd älterer ahnen hinzu, zugleich wird sich von
ilmen, unpassend genug, auf eine stelle des Sedulius (car-
men paschale 1, 19. cd. Arevali. Romae 1794 p. 155) be-
zogen, wo von dem boatus ridiculus Gdtac, oder wie Se-
dulius in der prosa sagt, von eines ridiculi Getae comica
foeditate, mithin einer in der alten comoedie auftretenden
person, die rede isU Dafs aber der ags, Gedi oder Grt
von uralter zeit her, und lange vor der auswanderun^
nach Britannien, für einen gott galt, soll im verfolg eine
gothischc slammsage, die ihn vollkommen richtig Gaut
nennt, beweisen, ahd. würde er Kdz oder G6z heifsen.
Im eddischen GrimnismiU (Srem. 47^ vgl. Sn. 24. 195) steht
Gautr ausdrücklich als dw harne OdhinS; den er unter den
göttern selbst fülirt.
Tastva scheint erklärbar aus einem in der ags. spräche
zwar verlornen adj. ta^l, das sich in der ahd. form zeii,
altn. teilr erhalten hat, und laetus, hilaris, placidus be-
deutet. **) ahd. ist Zeiz , Zeizo , altn. Teilr ein üblidier
mannsname, vorzüglich hervorzuheben aber, dal's Odbinn ia
der edda (Saem. 46*) Herteitr heifst. /laetva könnte aus-
drücken: numen placidum, benignum, der gehiure.
Die drei folgenden namen, in der Ordnung Beav^
Sceldt^a, Scedfy lassen innigen Zusammenhang dieser ge-
nealogien mit der alten Volksdichtung recht erkennen. Swv
*) der söhn des gottes seh eint in den mythen oft mit dem gott
selbst idefltisch, vgl. Tacitus stelle über Tuiico und Manous.
**) laetu.s vielleicht für daetus (goth. taits), wie liogo«, levir, Im-
lia f. diugua, devir, dautia.
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STAMMTAFELN xtii
BeUf Beo trt kein andrer als der im ags. gedieht von
ßeovulf gleich anfangs auftretende ältere BeopulJ^ der z,
37 Scyldes eafera (Scylds abkömmling) und z. 16 Scylding
(Scylds söhn) heifst, aber von dem jungem Beovulf, dem
Ecgtheoving (z. 524) oder Veegmunding, unterschieden wer-
den muTs. Beo verhält sich zu Beovulf "wie in andern fällen die
einfache namensform zu der componierten. *) Scyld (Bcov. 51)
gemahnt an den mytliischen König der Dänen SHold (Saxo
gramm. 5), an den Sk^iinga godh (s. 109), in der edda er«
scheint Sliöldr als Odins söhn (8n. 146. 193), von
ihm leiten sich die SHölddngar (8a?m. 114. 115), ags.
Scyldingaa her. die schwachformige endung -pa in
Sceldva gleicht dem Taetva neben Teitr und Zeiz, und
begreift sich schon aus der dritten decL, welcher das altn.
skiöldr (gen. skialdar, dat. skildi) folgt, was ein goth.
skildus, gen. pl. skildiv^ voraussetzt. Svyld heifst Beov.
7 ausdrücklich Sc^fing^ A. i. söhn des Scedf. von Sceaf
nun hat sich bei den ags. Chronisten eine merkwürdige,
in die Wortbedeutung seines namens (sceaf, ahd. scoup,
manipulus, fasciculus) eingreifende Überlieferung erhalten,
die noch an alten wohnplätzen der späteren auswan*
derer spielt. Ethelwerd ist, soviel ich weifs, der älteste,
der ihrer gedenkt, und gerade bei aufzählung des west-
sächsischen gesclilechts , p. 842 : ipse Scef cum uno dro-
mone advectus est in insula oceani, quae dicitur Scani, ar«
mis circundatus, eratque valde recens puer, et ab incolis
iDius terrae ignotus, attamen ab eis suscipitur et ut fami-
liärem diligcnti animo eum custodierunt et post in regem
eligunt. einigcrmafsen abweichend berichtet Wilhelm von
Malmesbury p. 41: iste (Scedf) ut quidam ferunt^ in
quamdam insulam Germaniae Scamphtam (al. Scandeam),
de qua Jordanes historiographus Gothorum loquitur, ap-
ptilsus navi sine remige puerulus, posito ad caput frur*
menti manipulo^ dormiens, ideoque Sceaf est nimcupatus,
et ab hominibus regionis illius pro miraculo exceptus et
sedulo nutritus adulta aetate regnavit in oppido, quod tum
Slaswich , nunc vero Eitheisi (al. Hurthcby) *) appellatur ;
est autem regio illa Anglia vetus dicta, unde Angli vene-
*) Wolf steht gleichbedentend mit Wolfgiin^, Regia oder Regino
mit Regiohart, Dieto mit Dietrich, Linba mit Liebgart, daher anch Beo-
?alf nnd Beovine zusammenfallen.
**) I. Haithahy^ altn. Heidhahar, Heidhaboe, bischofsiti in Süd-
j&iland. Ethelwerdas p. 883: Anglia vetof lita est inter Saxones et
Giotos, habens oppidnm capitale, qnod sermone satoni<;o SUswic nun-
copatar, secundnm ver^ Danot Haithabf.
b
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iviii STAMMTAFELN
ruut in Britanuiam , inter SaxoDes el Giotkos constituta.
Fast mit denselben werten erzählt Albericiis und Mat-
lliaeud westm. ; )ener hat: in Scania insula, quac est in
Dunia, und liernach: Sleswyk^ quod liartcbi dicilur.
JMatthaeus: in quandani insulam Gennaniae, Scandalin no-
mine: liinter manipulo hinzufügend: quem paUia liiigu^
•eaf (L sceaf) dicimus, galUce vcro garbaoi. Ein unbe-
kannter knabe, in Btcucrlosem schif *), auf einer garbe
•chiafend) landet in Angeln, wird von den einwobnern ala
ein wunder in empfang genommen, auferzogen und zuui
konig gesetzt; er und sein geschlecht muste dalier heiligen
und göttlichen Ursprungs erscheinen, diese sage wird ohne
zweifei in dem dunkeln eingang des Beoviilf berührt , ob-
gleich die begebenheil da auf Scyld, Sceafs söhn übertra-
gen ist; des bündeis kornähreu, worauf er sei däft. geschieht,
wie bei Ethelwerd keine meidung, dessen ^armis circum-
datus^ vielmehr zu Beov. 72-81, 93-95 stimmt, der schwie-
rige ausdruck umbon^esende 92 kajm kaum etwas anders
bezeichnen, als was in recena naius liegt. **) der travel-
lers song 64 gibt einen Scedja als beherscher der Lango-
barden an. Sagen von der ankauft fremder, schlajender
Iielden im schif müssen frühe in Deutschland verbreitet
gewesen sein ***).
Das göttliche ansehen ^ in dem Sceaf und Scyld stan-
den, steigt aber noch dadurch, dafs der eine oder der an-
dere zugleich als söhn des Heremodj zwar eines hehlen
nach Beov. 1795. 3417, aber eines entschieden gütllichcn
Wesens der nordischen mylliologie, dargestellt wird. Her-
modlir ist nach der edda ein söhn Odins, der ags. llcre-
mud llermons. llermon (mit ?) erklärt sicli aus einem
verlornen ags. adj. Jter, Jtor, das gleich dem altn. Itr prae-
clarus, exiinius ausdrückte, also: vir eximius. noch heute
findet »ich in Westphalen der eigenname Ittermann,
Auf llathra werde ich hernach noch zurückkommen;
von Hvala und Bedvig weifs ich nichts besonderes zu
sagen,
•) RA. 701.
**) der dem nom. gleiche acc. sg. masc. lafst sich Tielleidit reck-
fertigeu, oder mau mafn vetsendüe emendieren. die tod Kemble ^
253 neumitgetheilte stelle: Umbor ycedJi ihk ser adl nimedb bed«otet
vielleicht: nova proles addit (rej>tituit), quos morbus aufert.
•••) der scliwanritter langt einsam uud schlaf entl, das haupt aof «J-
nen schitd geneigt < ui schiffe in Urabaut an , erlöst dai laod uad wird
deffseu btJierscher. Conrat« t. Würzburg gedieht z. 116-122. L«-
liengrin s. 19. Pari. 824, 27-826, 24. Hier mdgen alte (niokisdte,
tric^^ische und xächsische ütierüeferaugen lusammeafliefseu.
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STAMMTAFELN ^ix
Es idt übrig anzugeben, auf "welclie Weise versucht
wurde y diese einheimischen götter und beiden den ersten,
in der heiligen schrift überlieferten ^ mensch cngeschlechten
anzureihen.
Die ags. chronik p, 96 schaltet in einem eingeklam«
merten, also nicht allen hss. eignen zusatz hinter Bedvig
Sceafing ein: id est filius Noe<, se vas geboren on ifiacre
earce Noe *), Lantech, Matiisalem^ Enofi^ Jared^ Mala-
lahelf Cainion^ Enos, Seth, Adam primus homo et pater
noster, id est Christus, amen. Asser hingegen, der kei-
nen Sceaf kennt, gibt seine stelle dem Sem, und liefert
folgende anknüpfung: Bedang, qni iuit Sem^ tjui fuit
iVoe, qui fuit Lantech^ qni fuit Mathusaleui^ q. f» Enocli
[q. f. Jared], q. f. MalaleeL q, f. Cainan ^ q. f. Enos^
q. f. Sethy q. f. Adam. Ebenso Florenz p. 294, nur dals
hier hinter ßedwig nicht Sem, sondern Seth, und spältr
nochmals Seth hinter Enos aufgeführt ist. Snncon , Ethel-
red, Matthacus wie Asscr. Eigeuthümlich Wilehniis mal-
mesb* p. 41 : Guala filius Bedwegii, Bedwegius Streftaej\
hie ut dicitur fuit filius Noae^ und weiter wird nicht auf-
gestiegen : ist Stresaeus verderbt aus Scefius ? Eine ganz
andere, die ags. stamme nicht berührende Verbindung bringt
Nennius p. 54 Vor.
Ich will nun den gewinn zusammfenstelleu , der aus
diesen gencalogien für das deutsehe allcrthum zu ziehcu ist.
götternamen bieten sie aufser K6den dar : Gedt, ßäldäg,
Seaxnedt, Hereniöd, vielleicht Teetun, auf volksnamen
bezüglich sind Geuis, Vesterfalcnay wol auch Saxnedt
selbst, in die heldcnsage greifen, so viel wir noch durch-
schauen, Scyldy Scedf und Beav ; manche Verbindungen
sind uns ohne zweifei verloren gegangen, aber der Zusam-
menhang mit dem Beovulfslicd und dem travellcrs song
darf in seiner ganzen bedeutsamkeit fnicht übersehen wer-
den, gleich wichtig erscheint die berülirung einer reihe
des mercischen Stamms mit den angaben des Saxo gramm.,
man konnte in einigen namcn, wie sie nebeneinander ste-
hen, Überreste der alliteration spüren, die auf uralte ge*
(lichte zurückwiese, z. b. bei Hengest und Horsa ^ Scyld
und Sceuf, Finn und Fokvald, Freodhovald und Freavine.
Ein llieil der bis jetzt unteisucJiten sächsischen stamm-
sage verbreitete sich, wenigstens jm dreizehnten jh. , vvo
') doch niriK mit bezog auf den im liteucrlosen schif fahrcndfa
knaben 9
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w
STAMMTAFELN
nicht früher, nadi Scandioavien, und zwar die reihe tod
l'^bden hinaufsteigend zu Bedi^ig^ vielleicht noch ein gUed
höher, dann aber auch abwärts gehend zu drei söhnen
Vodens und deren nachkommen. Die entlelmung folgt aus
den von -Snon*i, im formAli seiner edda, beibehaltneii säch-
sischen foimen, welchen er die abweichenden nordischen
zur Seite stellt, als vater Bedvigs wird Ceaplieth (al.
Sefsmeg, Sesep, Sescef) angenommen, worin das sacbs.
Scef stecken könnte; dann heifst es; hans son Bedvigs
hans son Atra^ ef ver kölliun Annan^ hans son Itrniann^
hans son Heretn6d (al. Eremöd), hans son Skialdun^ er
ver köUum Skiöld, hans son Biafy er ver köllum Biar,
hans son Jaty hans son Gudölfr^ [hans son Finnr], hans
son Fiarleif (al. Frialafr) er ver köllum FridliUiff hann
^tti thanu son er nefndr er Vödhinn^ lliann köllum ver
Odiünn* kona hanns h^t Frigidlia, er ver köllum Frigg^
Odhinn, wird nun fortgefahren, hatte drei söhne V^g-
degi Beldeg und Sigi^ P^egdeg (al* Veggdegg, Vcgdr^)
herscht über O 8t Sachsen ^ sein söhn hiefs VitrgiU^ der
zwei söhne hatte, Ritta (al. Picla, offenbar Vitta, Vicu)
den vater Heingests ^ und Sigarr den vater St^ebdeggs,
er ver köllum S^ipdag, Beldeg , er ver köllum Batar^
herscht über Vestfali sein solui ist Brandr, dessen söhn
Friod/ugar, er ver köllum Fröd/ui, d. s. Freoi^it (al.
Freovin), d. s. Ypigg , d. s. Ge^ia^ er ver köllum Gapc
Sigi (al. Siggi) hat einen söhn namens Verir (al. ßerir),
von denen die VölsAiigai* , das über Franken herschende
geschlecht, abstammen.
Allein dieser genealogic läfst Snorri eine andere, grie-
chische namen einflechtende vot*ausgehen, welche gar nichts
mit den ags. angaben gemein hat. Munon oder INlennon
ein köiüg in Troia zeugt mit einer tochter des Priamus
einen söhn Tiror, thann köllum ver 2Vi6r. dieser heiratet
eine weise frau, namens Sibil (Sibylla), er ver köllum Sijj
ihr beider söhn heifst Loride, dessen söhn Henrede, d. s,
Vingethör^ d. s. Vtngenet j d. s. MSda^ d. s. Magi, d.
s. Cespheth und so verknüpft der stamm sich jenem sach-
sischeu.
Ahnliche, noch mehr erweiterte und jüdische unter
griechische namen mengende Stammbäume sind in der schnft
frd Fornjoti ok hans asthiiönnum, in dem sogenanntes
langfedgatal (Langebek 1, 2) und in einer hs. der Sverris
»aga gleich eingangs (heiniskriugla th. 4) anzutreffen.
Fornaldarsögur 2, 13 wird folgende liste aufgestellt:
Adanif Seth^ Enos^ Kaynan^ MalaleeU Phareth, BnocK
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STAMMTAFELN xii
Mathusalem^ Lamech^ N6if Japhet, Japhan, Zechim^
Ciprus^ Cretm edha Teliua (Celius), Saturnus, Jupiter,
JJarius, Erithonius, Troea^ IluSy Lamidon, Priarnus,
Miinnon edha Memnon, Trhrr er ver köUum Th6r^- L6-
ritha, er ver kölluin Hlöridha^ Eredei er ver kölluni
Eindridha^ Vtngithörr y V in giner r , Mödhi^ Mdgi er
ver külliim Magna, Seseph, Sedhuis^ Atra^ Trinan^
Skialdin er ver küllum Skiöld^ Beaf er ver kölhmi
Biar, Godh6lfry Burri er v. k. Finuy Frialdfr er v. k.
Borsy Vodheii er v. k. Odliinn, liaim var Tyrkja kon6ngr,
bans 8on Skiöldr^ h. 8. Fridlileifry h. 8. Fridhfrhdhiy
h. 8. Herleifr^ h. g. Hdvardr und so fort bis auf Haraldr
hinn lidrfagrL
Langfedgalal lautet : Noa^ Japhet^ Japhans, Zechirn,
Ciprus, Celiusy Saturnus, Jupiter, üarius, Erichonius^
Troes^ Ilus, Lamedon ^ Priarnus. des Priainus tocUler
Troana wird vermählt mit Memnon, dessen söhn heifst
Tror, er ver küllum T7ior, darauf folgen HloridJu\ Ein-
ridi, VingetJwrf Vingener^ Moda^ MagU Sesief, Bed-
uigy Athra, Itermann, Heremotr^ Scea/dna, Beaf, Eat^
Godulfi, Finn^ Frealafy Voden, tlian küllum ver Oden,
fra honum ero komnar He8lar konunga ^ttir i nordalfuna
helmsins. *)
Das Verzeichnis vor der Sverrissaga : Adam , Seth,
Etios^ Kain^ Malaleel, Pliaret^ Enochy Matusaleni,
lAimech^ Noa, Japliet, Japhen, Zethim, Cltypris, Chre--
lisy C/ielisy Saturn, Jupiter, Dardany ErichoniuSy Ereas,
llusy Lamidouy Priarnus; Thor, Jorelr^ Eredeir^ Vin--
gitlior, Vinginery Modi^ Magni, Sesep^ Bedpig^ At-
tras^ Trinam^ Hermodr^ SkioTdr^ Biary Godoljr^ Finm\
Frialafr^ Odin^ Sigi^ Rerer ^ Volsungr ^ 6igmundr^
Sigurdr fafuiöbaiii.
Überblicken wir diese nordische genealogie^ wie sie
Suorri aufstellt, so scheint von Bedvig an ilire ähnlichkeit
mit der ags, ascendentenreihe aufziüiüren. zwar in Sesep^
Seskefy Cesphet/i müchte noch Scedf (Seaf) stecken, ihm
aber gehen andere in durchaus unsächsischer sprachform
voraus, zunächst einige in der altn. güttersage wohlbc-
grüudete nameu: Magni, M6di^ Vingnir , VtngWior^
EUnridi^ 'Hl6ridi ^ Thor ^ lauler mit Th6r y der in den
ags. .slanunbäumeu gän/lich mangelt, beschlechtete. die art
und weise, >vie sie hier aufgestellt werden scheint nirht
•) die fassung dieses «atxe» stimmt überein mit der bei Beda und
n der Bg9. chroiiik Xü, \S7)
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XIII STAMMTAFELN
uunnM-kwimlig. ciumaL ist Thor, den die uns überHefertea
quellen der nord. mylhologie immer als Odins solin bc-
traclilcn. fiir dessen aJinhenn ausgegeben, ja für einen durdi
sechzelui , siebzehn Zwischenglieder von ihm entfernten.
diese miltelglieder selbst sind aber sonderbar genug zusam-
nieiigebracJit. Hlonidhi bildet in der edda einen bloläen
bciuainon Thors, keine von ilun verschiedne person. auch
Eindridlii (Eyndridhi) ist nichts als ein eddischer Thors-
name (Thorlac. obscrv. 6, 26.) und das gleidie gilt von
Vingthtrr (Soßm. 48. 80.) Vtngnir kommt sonst als be-
nennung eines riesen vor (Thorlac. obs. 6, 25); M6dhi
und Magrii aber sind zwei söhne Thors und lirüder (Sn.
76.^ Ich will nicht behaupten, dal's der Verfasser des
Stammbaums absichtlich diese beinamen und geschwister in
nachkommen vcrw andelte ; eine verwirrende volkstibcrliefe-
j'uug selbst kann es ausgerichtet haben, ihr lag auch die an-
i*eiluuig an griccliischc beiden und götler ganz nahe, wie
man in Deutschland den Ursprung der Franken und Sachsen
aus trojanischem und macedonischem geschlccht leitete. Von
da zur biblischen gencalogie ist freilich ein ebenso gewalt-
samer Sprung, wie von der angelsächsischen zur biblischen.
AVichtiger füf unsere betrachtung ist der theii des altn.
slamnibaums, welcher mit dem ags. übercintrift luid dodi
von ihm in einzelnheileu abweicht, jltra wird durch das
altn. Annarr wiedergegeben , genau betraclitet miiste dann
der ags. name OdJier lauten, was von dem Hathra d«-
ags. genealpgie bedeulend absteht. Biaf oder Biai> (Beav)
ist von Biafr, Bicir nicht sehr fern, und kaum das altn.
Barr, zum ags. Idt, Edt wird kein altn* name bemerkt,
er wHie Gautr oder lotr ?
Der grofsten aufmerksaiiüveit werth ist aber die ver-
sclücdnc darstelliujg der nachkommenschaft Odhins. wie-
derum Irelen (wie bei Wilhelm v. Älalmcsb. s. FV^) nur
drei söhne auf, f^egdeg^ Beldeg uftd Sigi\ dem namen
nach stimmen die beiden ersten, nicht der dritte Sigit der
ganz ein andrer ist als jener Vihtläg. die angäbe der
luüdschaften, über welcJic sie herschen, mufs sich natürlich
vollkommen von dev dorl angegebnen unterscheiden. Vel-
deg , J^ihlleg und Beldeg waren ahnherrn di^r stamme,
die später in Kent, Mercia und Wesscx walteten ; das for-
m;iH der edda scheint aber ilue alten sitze zu bezeichnea,
die sie vor der aubwanderung eingenommen hatten. Dem
stamm des Vegdeg VivvA Ost Sachsen^ dem des Beldeg /fe«^-
falc/i, dem des Sigi Franken beigelegt. Wie bei den A.>
gel^arhsen von Aodcn \"efla^ \ itta und Vihtgils ah??tani-
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STAMMTAFELN xxiii
meu, werden auch liier dem Odhinn die iiachkommen / **g-
deg^ J^itrgila und Victa (so dafs die beiden letzten blols
ihre stellen tausclien) zugeschrieben; allein von hieran än-
dert sich das register. mit gänzlicher verschweigung do«
Horsa legt der nord. genealogist dem Victa zwei sühne zu.
Heiligest und Sigarr\ jenes linie wird nicht weiter fort*
geführt, liingegen von 8igarr stammt S^ehdeg ^ ahn. 6V//i-
dagr. dies greift nun sichtbar ein in den ags. Stammbaum
von Deira, der die folge Vodeti , Kägdäg^ Sigegdr und
Svcefdäg aufslellt. Wir lernen also , dafs der kentisrlie
Vecta und der deirische f^ägdäg die uendiche person
»ind, und die gcschlcchter von Ken! und Deira gemein-
schaftlichen anfang haben, wie die von Bernicia und Wessex,
dafs folglicii hicrnarii nur von sechs sühnen Vddens, nicht von
.sieben die rede sein kann. Im zweiten ^tdLOMnyiivA Beldeg
ausdi*ückiich dem nord. Baldr gleichgesetzt; seine nach-
konuneuschaft ist noch fünf glieder weiter verfolgt luid
stimmt zu den wessexischen, m\r dals Fieodogar dem nord.
Fr6dlu entsprechen soll, für yigy Yvigg steht, und Ge\>is
altn. Qaue lautet. V üllig neu , und den Angelsachsen im-
eihürt ist aber der drille stamm , der einen söhn Odhins
Sigi annimmt, und von diesem Merir und die Vülsdugar
abstammen läl'sl. als behorscher der Kranken, das stimmt
zu der Völsüngasnga selbst, ui deren eingang Sigi ein
Sühn Odhins heilst: von ihm -stammen Rerir (al. licrir,
Beirir), Völsüngr^ Sigmund/', Sigurdlir. in diesem gc-
schleclit herschl das wort fiieg ^ auch eine Schwester 8i«g-
munds führt den namen Sign^.*) Vülsi\ngr hat die form
des allgemeinen namens, und weist auf P'alsi oder Pelsi
hin, welches im T^älse des Beovulf 1787 begegnet, wo
auch Sigemund 1743. 1762 gefunden wird.
In dei' Sverrissaga findet sich dieselbe forlselzung des
Rtamms bis auf Sigurdbr, im LangTedgatal mangelt sre, im
berichl \on Fornjot und seinem gescldechl wird eine an-
dere angeschlossen, die den bcreiu imtor Odhins alinen
vorkommenden Sliöldr wiederum aU ^seinen söhn setzt
und von ilan bis auf künig Harahir her^b ein iiovdi>irlie«
künigsgeschlcclit ableitet.**)
•) In Sigurd/ir^Sif^ufrid vermutet Lachmann (criiik -Iwr M^je
von den >i')eliingcn p. 22) eiaej* golles heinamcti; niirli in tkf '.Iftri-
sdicn grcnealü;!:ic wicderliolei» sirli <ompo.-.ita mif Si{r-. M«fi ^j»Irp
'»ierzu, was ich p. IH ül>cr .'d/toro und p. i)6 über Wuotan »N i^iiU lU*
fiif^s jresa^f liabc.
•"> die f;ewi>lnilirliedänWI»p j(rncalogiebcj;innt : Odin, Sii^di PrifU
^f'J\ /'rode, lVt'aeu.7 »orte» 2TS). Sulim crit. liist. I, 8:)5
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)txiv STAMMTAFELN
Diese letztere aurzeicliuimg gewährt auch in der odini-
•cheu ascendeuz einige nicht unbeträchtliche Varianten, bei
dem freindai'ligen Eredei wird ausdrücklich JBdndridhi
als nonl. namensform hinzugefügt, bei Mdgi Magni ; das
aus Itrman verfälschte Trinan findet (sich hier wie in
der Sverrissage, Hermödr wird übergangen , desgleichen
E(it^ dagegen sind bei Finu und Frialaf zwei sonst in die-
sen registern unerhörte nebenbenennungen Burri und Bort
angegeben.
Nach so bedeutender Verschiedenheit in form und
Sache ist man schwerlich berechtigt, die nordischen geschlechts*
Verzeichnisse für immittelbar entlehnt aus den angelsächsi«
sehen anzusehen; eher scheint, dafs sie vielleicht aus einer
sächsischen oder friesischen gegend, etwa im 10 oder 11
Jh., wo sie dort noch haften konnten, nach Seandinavien
übergieiigen. die formen Beldeg, Vegdeg, Svebdeg entfer-
nen sich, wiewol leise, von den strengags. Bäldag, Wag-
däg, SvnsFdäg; Atra von Hatra, Skialdun (Skialdin) yaa
Sceldva, Biaf von Beav. £s versteht sich, dafs die ein«
Schaltung des thorischen geschlechts von dem nordischen
verzeichner herrührt
Doch selbst wenn eine erborgung von den Angeisadi-
sen her, und in späterer zeit des 12 oder 13 jh., stattüemd,
ändert sich dadurch wenig an dem innern werth dieser
stammsagen, die angelsächsische aulTassung allein ist hin*
reichend uns ihr hohes alter und ihren Zusammenhang Biit
der deutschen götterlelu*e zu verbürgen.
£s ist selu* zu beklagen, dal's in dem innern Deutsch-
land solche Stammbäume, die ohne zweifei vorhanden wa-
ren, der aufzeichnung entgangen sind. Witekind von Cor-
vei, oder sein Vorgänger Bovo, hättea uns darüber die
unschätzbarsten nachrichten sammeln können, eine taM
in Sam. Reyhers monum. landgravior. Thuringiae (Menken
2, 829. 830), welche den erdichteten stamm eines sächsi-
schen königs Artharicus auf Bodo vel Voden herunter»
führt, und dann Vecta vel Vichtus, Witta vel Wittich,
fVitgistus vel Witgislus, Hengiatua einschaltet, ist au»
des Petrus Albinus (f 1598) novae Saxonum historiae pro-
gymnasmata. Viteberg. 1585 genommen. Albinus aber bat
es geradezu aus einem der ags. Chronisten her«
Dafür schlägt in unsern gedichten des 13 jh. ein «ch*
ter laut aus uralter stammsage an. Nib. 88, 3. 92, 1 ist
von Schilbunc und Nibelunc noch künde, und Bit 7821
heifsen beide brüder. dieser Scylfing ^ Scilfing (gomela
Scj und die Scylfingaa erscheinen Beov. 125. 4406. 4758.
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STAMMTAFELN xxv
4970. 5850. 5931. nach der edda (Sam. 47^) war aber
Sciljingr wieder ein nebenuame Odhins, und in den ge-
nealogien des Hyndluliodli (Saenu 114*» 115^) werden
Shiöldungar und Skilftngar alliterierend zusammenge-
stellt. , die vorhin angeführle altn. nachricht frd Fornjoti
(fornald. sog. 2, 9.) zälilt imler H^dÄn des alten niythi«
sehen söhnen einen Shelfir auf imd leitet von ihm und
seinem söhne Skiöldr jene verwandten geschlechter ab;
that heilir Shiljtnga Rjtt edha Shiöldunga »tt. hier
scheint Skelf und SkeJ verwechselt ; nach unsrer ags.
Stammtafel, wie nach Beovulf, ist Sceldva^ Scyld söhn des
Scedf. eben aus dieser Verwirrung ergibt sich die unent-
lehnte Verschiedenheit an beiden orten, und Schilbunc^
ScHfing müTsen als eng verflochten in die alte slammsage
betrachtet werden, forum, sog. 5, 239 wird Skiöldp als
landesgott der Schonen (SkdnCinga god) aufgeführt (vorhin
s. XVII.)
Eine noch wichtigere einsdmmung bietet das gothische
geschlechtsregister dar, welches Jornandes, nachdem er
eben gesagt hat, die vorfahren der Gothen seien Ansea
gewesen, mittheilt : quorum genealogiam paucis percurram^ ut
quo quisparente genitus est, aut unde origo accepta^ ubifinem
efficit, (? percipiatur ;) absque invidia qui legis vera dicentem
ausculta: horum ergo ut ipsi suis fabulia lerunt^ pri-
mus fuit Gapt^ qui genuit Haimal (al. humal, ulmal, hui-*
mul); Haimal vero genuit Augis, jiugis genuit eum, qui
dictus est jimaluy a quo et origo Amalorum decurrit.
et Amala genuit Isarnam, Isarna autem g. Ostrogotham^
Ostrogotha genuit Unilt (al. Huniul), Unilt g. Athal,
Atlial g. Achiulf, j4chiulf g. Ansilam et Ediulf et Vuld-
ulf et Hermenricli, Vuldulf vero g. Valeravans , Valeror-
vana autem g. Vinitharium, f^inithariua quoque g. Theo-
demir, et Valemir et Videmir; Theodemir g. Theodericum,
IVieodericus g. Amalasuentham , jimalasuentha g. Atha-
laricum et Maüiasuentham, de Yiderico (U Eutliarico) viro
suo, qui aifinitate generis sie ad eum conjunctus est: nam
supradictus Hennenricua iilius Achiulfi genuit Hunnimun«
dum, Hunnimundus autem g. Thorismimdum , Thoria--
nuindua vero g. Berimundum, ßerimundua g. Videricum,
yidericua g. Eutliaricum, qui conjunctus Amalasuenthae
g. Athalaricum et Mathasuentam , mortuoque in puerilibus
anuis Aüialarico Mathasuenlbae T^itichia tstsocialus. Auch
hier sehen wir historische könige in beiden des mythischen
Zeitalters und götter übergehen; unter allen ist es der er-
ste ahne, sicher ein ans , der uusere aufmerksamkeit in
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xxTi STAMMTAFELN .
anspruch nimmt, mir scheint Gapt aus Gaift^ Gaut *) v»-
derbt dies zugegeben ist Gaut kein andrer als der agft.
Gedt^ auf dem in den ags. genealogien vorzugsweise imd
ausdrücklich der begrif der göttlichkeit rulit nacli der
edda (Sjcm. 47**) war aber Gaiitr ein blofser beioame
Odhins, und dieser kann als eine spätere wiedererschei-
nung des selben göttliclicn wesens betrachtet werden.
Gduta^ Gedty Gautr^ ahd. Gdz , steht demnach an der
spitze des in lied und sage berühmten geschlechts der
jimalunge.
Die langobardiscLe , im prolog der gesetze und bei
Paulus Diac. aufbewahrte gencah)gie der Guninge oder
Guginge lasse ich hier beiscils, weil sie nichts zur erläute«
rung der götlersage an hand zu geben scheint. Sie l>e-
zeugt aber, und die fülle nordischer gesclilechtsverzetch-
nissc in den cdden und sagen bestätigt in nocli huherm
grade, wie die richtimg der deulschcn vüJker dahingicng,
die Stammbäume ihrer vorfahren aufzustellen und zu be-
wahren.
Wer gedächte hier nicht vor allem der bei Tacilus,
freilich nm* in dem leichtesten umrifs, erhaltenen, auf
deutsche lieder gestützten ältesten nachricht von der Ger-
manen abstammung? celebrant carmiuibus antiquis, quod
unum apud iilos memoriae et annaliiun genus est, 7W«üo-
nem , deum terra editiun, et iilium Mannuniy originein
gentis conditoresquc. IVIanno tres filios assignant, e qnomm
nominibus proximi oceano Ingaevones^ medii Hermimmtf.
ceteri lataevonea vocentur. quidam ut in liccntia vetu-
statisj plures deo ortos pluresque gentis appellationes, Mar^
SOS, Gambrivios, Suet^os, P'andalos a^rmant. wie bei
den Angelsachsen dem Vuden bald drei **), bald sieben
söhne zugeschrieben werden, tritt der gleiche fall hier bei
des Mannus nacldcommenschaft ein. das ist, wenn auch
zwischen beiden genealogien weiter gar keine berühmng
statt findet, auffallend genug; man sieht, schon im erste«
jh. waren mehrfache, abweichende recensionen der stamfli-
sage im Umlauf und zu des Römers ohren gelangt, die
•) das gotli. n konnte von abschreibeni leicht durch ▼ (y) er-
setzt und dieses mit p vertauscht werden^ gerade wie das a^. v. Bit
p in den Schreibungen Pubba, Godpnif.
'*) diese dreizahi kekrt in den mytlien überall wieder: Noah hm
drei sölme Sem, Ham, Japhet; Saturn: Zoiis, Poseidon, Piaton; der
6C>thiäche Tar;;itau& : Loipoxais, Arpoxais, Kolaxais; der nord. Dürr:
Odhhin, Vill, Vt?; Forajotr: Hlerr, Logi , KÄri; Amelunc: Dietber,
Knnrtch) Dietmar.
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STAMMTAFELN. xxvii
namen der söline gibt er nicht au; es ist uiclit gauz si-
cher, sie aus der benennuiig der entsprossenen Völker zu
folgern. Plinius 4, 4 nimmt fünf germanisclie liauptstämme
an : f^indeli, Ingaevones^ Istaevones^ Herniiones^ Peu-
cini; die ersten sind des Tacitiis VandalL der Hermi-
nonen ahne hiefs ohne zwcifcl Hennin^ d. i. Innirif den
noch die spätere sage als gülllichen held kennt; der Yan-
dalen alme Vandal^ der Sueven Svef^ Sudp^ wobei man
sich des sächs. Svosfdäg und des ailn. Svdjnir (in der
edda wieder em name Odhins, Sajm. 47^) erinnert; der
Gambriven vielleicht Ganihar, es gibt ein ahd. adj. kam-
bar (strenuus) und in der iangob. sage erscheint als stamm-
fraii Gand>ai*a. einen eigennamen Mars^ wenn er der be-
nennung des volks zum gi und liegen soll , kenne ich sonst
nicht] Tacitus muste ilin sehi' annehmlich finden. JSuJi blei-
ben noch die Ingaevones und Istaevones zu erwägen, ein
alid. mannsname Ingo^ mit welchem auch lugumar (frank.
Hincmar), IngurAt, Inguram, Ingulint, Inguwin confponiert
sind, wird früher gelautet haben Ingawo^ Inguio^ weil
sich bei Tacitus mehrmals Inguiom^rus findet, dazu stinunt
das altn. Ingvi, ein analoges Isto y Istuio mangelt, au
die endung -aevo erinnert übrigens Frisaevo, als volksname,
in einer Inschrift bei Hagenbuch 173. 175, neben Frisius
(daselbst 171. 172, 174.) Ing\>i oder Yngvi bildet in der
nordischen mythologic einen beinamen des Freyr , und das
compositum Ingvifreyr, Ingunarfreyr scheint nichts ver-
schiednes zu bezeichnen, hierzu halte man auch codor Ing-
vina, frcä Ingvina, Beov. 2081. 2638 vor allem deu Ingvi
der bernicischen genealogie (oben p.X); könnte noch zwei-
fei haften, dafs dieser name von der ältesten zeit in die ger-
manische geschlechtssage gehört, und dafs ilun etwas gött-
liches anliängt? Istuio macht die gröfste Schwierigkeit. cUe
lesart Istaevones möchte ich ungern verdächtigen, obgleich
das schwanken zwischen Tuisto und Tuisco fast dazu er-
muntert, läse man Iscaevones und folgt daraus Iscvio, Isco,
so liefse sich an den nord. ^slr, den erslgeschafnen men-
schen , oder an den ags. Oesc des kentischen Stamms den-
ken, wo dieser nicht schon zu unmythisch schiene? wirk-
lich liest die stelle eines imbekannten compUators, die ich
im cod. vat. 5001 blatt 140 angetroffen habe, SC nicht
ST: tres fuerunt fratrcs, ex quibus gentes Xlll. primus
Ermenius. genuit Bules . Oualangutos , Guantlalos , Cepi-
dos, Saxones. Ingo ^ciiuit Burgtindiones, Tiiringos, TiOn-
gohardos, Baioeros. Msiio fiomnno^, Brirloiies, Fraiicos,
AlamaJinos, MerkAvdrclii» Imt uun auch Ncnuius (ed. Guun
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xxviii STAMMTAFELN
p. 53. 54) etwas sehr ähnliclies : priiuus homo vemt ad
Europam Aldnu% cum tHbus iiliis suis, quorum nomina
Hiaiciorif Armenoriy Neugio. Hlsicion autem haboit
filios quatuor: Francum, Romanum, Alaniannum et Broto«
nem. Armenon autem habuit filios quinque: Gothuni^
Valagotlium, Cibidum, Burgundum, Longobardum. A^«*-
^o vero habuit tres: Vandalum, Saxonem, Boganum. Ab
liiaicione autem ortae sunt quatuor gentes: Franci, La-
tini, Alamanni et Brytlones. ab Armenione autem Gotht,
Walagothi, Cibidi, Burgundi et Longobardi. a Neiigione
autem Bogari, Wandall, Saxoncs, TarincgL darauf -wird
viele namen liindurcli, die nichts deutsches an sich trageD,
des Alanus stamm bis zu Adam fortgeführt. Gales au8g.
des Nennius p. 102 liest: Hisicion , Armenon^ Negao.
dem letztern legt er vier söhne bei: Wandalus, Saxo, Bo-
garus, Targus. Deutlich ist Neugio , Negno verderbt aus
Mngio , Mngtiio , Armenon aus Ermino , lüsicio spricht
wieder 'für Jlisco^ Isco, aber dafs Nennius imd das va«
tic. ms. nicht aus einer quelle schöpften, leuchtet bei aller
ähnlichkeit des ganzen aus der abweichung des elnzelaeB
ein. Die hauptfrage bleibt, ob alle diese nachrichteo aus
Tacitus hergenommen, erweitert^ imd entstellt sind ? getraut
man sich nicht das zu bejahen, so haben sie, meiner mei-
nung, einen aufserordentlichen werth. Nennius soll in
hss. des zehnten jh. vorhanden sein; der vaticanischen hs.
alter habe ich, bei dem vor laugen jähren gemachten aus-
zug , unangemerkt gelassen : schwerlich stieg sie über das
zwölfte }h. hinauf, findet man irgend einen mittelbaren
Zusammenhang zwischen den angaben und der stelle des
Tacitus wahrscheinlich, so mufs dafiir eine dem Nennius
vorausgehende zeit, also eine ziemlich frülie angenommen
werden.
Alanus ist unbedenklich und durch baare Verwech-
selung der ersten schriftzüge entstanden aus Manua^ d.h.
dem MannuB des Tacitus. dieser Mannas steht an der
spitze des völkei*stamms ganz wie f^öden an der des an-
gelsächsischen. Mannus bedeutet in allen deutschen Zun-
gen homo, gotli. man, mann und manna, ags. mon, ahn.
madhr , gen, manns ; gleichen sinn gewährt das abgeleitete
viannishj ihennisco^ mensch, vielleicht: das denkende
Wesen von der wurzel man, muniun, treffende bezelch-
nung goltes wie des golterschafnen menschen, und sicher
von hüchslem alter, ich finde nicht, dafs Odhinn oder Vö-
den nebenher so liiefse, allein unter seinen ahnen steht
IternioHy dessen erstes wort tter, iir, blofs für ein erho-
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ABEEGLAUBB xxix
faendes epitheton gelten kann, homo praestans, homiaum
praestantusimus. Hiernach dürfen die begriffe Mannus
und ff^iiotan in einander fallen, ich stelle es als yer«
mutung auf: in heidnischen gesängen mochte der gott ei-
nen oder den andern dieser namen führen.
Übrig bleibt nun des Mannus eigner valer, der erdgc-
borne l^uisco. wie wenn das wort gleich mannisco gebil-
det und verkürzt aus tiudisco wäre ? nicht unähnlich machte
die altfranz. spräche Thyois , Tyois , Tiois aus Tydois,
Thionville aus Tliiodonisvilla. der gott hiefse in goth. mund-
art Tliiiulisha^ in hochdeutscher Diutisco^ der aus dem
\olk (tluuda, diot) selbst entsprossene. mitTiutisco könnte
der volksname Teuto, Tiuto (ahd. Dieto) nah verwandt
sein. Vorzüglicher scheint aber eine ganz 'andere, von
Lachmann ausgehende dcutung: Tuisco= TVi^eo, d. i. ge-
minus, dlSvfioß^ ahd. Zui8C0\ so dafs an ein^n der Dios-
kuren (JtosxovQOi) imd die stelle des Tacitus (oben s. 39.
85) gedacht werden dürfte? Die form Tuisto bietet sich
am wenigsten zur erklärung dar, wiewol auch ableitimgen
auf ST, IST vorkommen, den ags. Taetva mit Teuto oder
Tuisto zu vergleichen scliiene gefährlich, ohnehin wird
steh nicht alles deuten lassen , und es reicht hin dargethan
zu haben, dafs in des Tacitus Stammtafel noch imver*
kennbarer Zusammenhang mit den späteren Überlieferungen
durchblickt.
ABERGLAUBE.
A. Aus einer predigt des heiligen Eligiua (geb. 588. f 659)
mitgetheilt in der vita Eligii von Audoenus rotomagen-
sis (f 683 oder 689), abgedruckt bei D'achery spicileg.
tom. 5. ed. paris. 1661 p. 215-219.
(libr. 2. cap. 16.) Ante omnia autem illud denuntio atque
contestor, ut nullas Paganorum sacrilegas consuetudines ob-
servetis, oon cara'ios (caragios), non dipinoSj non sortiU'^
g08 , non praecantatores , nee pro uUa causa aut infirmitate
eos consulere vel interrogare praesumatis ,|Jtquia qui facit
hoc malum statim perdit baptismi sacramentum. Similiter
et auguria vel sternutationes nolite observare, nee in
itinere positi alicruas aificulas cantantes attendatis, sed,
alve iter seu quodcunque operis arripiti«, signate vos in
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ixx ABBRGLAUBlä
noQiiiie Cliristi, et syiuboUini,. et oratlouem dominicam
fide et devoliüiie dicite, et nihil vobis nocere potcrit ini-
micus. NuiJus Clirietianus obserret, qiia die domnm exe-
at, vcl qua die revertatur, qiiia omiies dies dcus fecit ; nid-
liis ad inchoandum opu8 diem vel lunatn attcndat ; nul-
lus iu kal. Jan. ncfanda aiit ridiculosa, petu/os aat cer-
vulos , aut jotlicos (aL uleriolicos) faciat, neque mens<u
s'aper noctcm componaty neque strenas aut bibitiones
superfluas excrceat. Nullus Cbristianus in puras (al. pj-
ras) credatj neque in cantu sedeat, quia opera diaboiica
sunt; nullus in fcslivitalc S. Joannis vel quibuslibet san-
clorum solemnitatibus solatitia aut vallationes (? bala*
tioucs), vel saltationes aut caraulas (i. e. cUoraulas) aut
cantica diaboiica excrceat. nullus nomina daemonum^
aut Neptunum^ aut OrcuiUj aut Dianam^ aut Miner-
vam^ aut Geniscum^ aut celeras cjusmodi ineplias credere
aut iuvocarc praesuniat. Nullus dieni Joi^is absque festi-
vitatibus sauctis. nee in majo, ncc uUo tempore in otio ob-
servet, neque dies tiniarum vel murorurni, aut vel unum
omniuo diim, nisi tantiun dominicuni. Nullus Cbristiaaus
ad fana, vel ad petras ^ vel aH fo/ites , vel ad arbores^
aut ad Cellos vel per tri via luniinaria faciat^ aut vola red-
dcre praesumat; nullus ad colla vel boniinis vel cujusli-
bet aniinalis liga?nina dependcre praesumat, etiarosi a cle-
riris fiant, et si dicatiu* quod res sancta sit et lectioncs di-
vinas coutiueat, quia.non est in eis remedium Cbristi, sed
vcneuum diaboli. Nullus praesumat lastraiiones facere,
ncc herbas incantare, neque pccora per cauam arborem
\el per terra/n foratam Iransire, quia per baec videtur
diabolo ea consecrare. NuJla mulier praesumat saccino$
ad Collum dependcre, nee in tela vcl in tinctura sive quo-
libet opere Mineri^am vcl infaustas ceteras personas
nominare ; sed in omni opere Christi gratiam adesse opt-
are et in virtute nominis ejus toto corde confidere. Nul-
lus, si quando luna obscuratur ^ vociferare praesumat,
quia deo jubente certis temporibus obscuratur; nee luna
noi^a quisquam timeat aliquid operis arripere, quia dem
ad hoc lunam fecit , ut tempora designet et noctiom tene-
bras temperet, non ut alicujus opus impediat, aut demen-
tem faciat liominem, sicut stulti putant, qiii a daemonibus
invasos a luna pati arbitrantur. Nullus dominos solem
aut lunam vocet^ neque per eos juret, quia creatura dei
sunt et necessitatibus hcminum jussu dei inserviimt. Nul-
lus sibi proponat fatum vel fortunam^ ani genesiu, quod
vulgo nascentia dicitur, ut dicat äqualem nascentia attulil,
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ABERGLAUBE xxw
taliler erit/ qnla deiis omues homines vult salvos fieri
et ad agnilioneni veiilads venire, praclerea qiioties aliqua
mfirmitas supervenerit, non quaeranliir praecantatores, non
diviiii, non sorlilcgi, uon caragi, iiec per Fontes aut arbo-
res vel bivios diabolica pbylacleria exerceantur. —
Ante omnia ubicviniqiie eslis, sive in domo, sive in ili-
nere, sive in convivio verba tiirpia et luxuriosa nolite ex
ore veslro proferre. — Ludos etiam diabolicos et vallatio^
nes (? ballationes, i. e. saltaliones) vel cantica gentilium
fieri vetate, nidlus liaec christianus exerceat quia per
Jiaec pagaiius efficiliu', nee eniin justiun est ut ex ore cliri-
stiano — cantica diabolica procedant. — Niüli creatiirae
praeter Dco gt sanclis ejus vencralionem exlubeatis, Fontes
vel arbores, quos sacros vocanty succidite ; pedum simili'
tudines^ quos per biula ponunt^ ficri vetate et ubi inve-
neritis igni creniate, per nidlam aliam artem salvari vos .
credatis, uisi per invocationem et crucem Christi. Nam
illud quäle est, quod si aibores illae, ubi miseri homines
vota redduut, ceciderint, nee ex eis ligna ad Focum sibi dc-
fenuit? Et videte quanta stullitia est hominum, si arbori
insensibili et mortuae honorem impendunt et Dei omnipot.
praecepta contemnunt.
Nullus se incbriet, nuUus in convivio suo cogat
aliuin plus bibere quam oporlet — nullus vel in qualibet
minima causa diaboli sequatiu* adinventiones , nullus sicut
dictum est observet egrediena aut Ingrediens domum,
quid sibi occurrat^ vel si aliqua vox reclamantis fiat, aut
Jualis au'is cantus garriat vel quid eliam portantem vi-
eat, quia qui haec observat ex parte paganus dignoscitur. —
si tfuos cognoscilis vel occulle alicpia pliylacteria exercere,
expcdit ul nee cibum cum eis sumatis neque uUum cousor-
tiuin apud eos habeatis. —
Omni die dominico ad ecclesiam convenite, et ibi non
causas, non rixas , vel otiosas Fabulas agatis et lectiones di-
vinas ciun silentio auscultate.
B. indiculus super stitionum et paganianim (am schlufs
des capilulare Karlomanni von 743 apud Liptinas *)
mitgellieüt.)
I. de sacril^gio ad sepulclira mortuonmi.
II. de sacrilcgio super deFnnctos, id est dadsisas.
ni. de spurcalibus in Februario.
rV. de casulis id est Fanis.
*) Liptintie, eine alte tilia ve%\n^ spater Listioes, io der landscimft
Kemmerich (Cambresis), unweit der kleinen stadt Blnche.
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XXXII ABERGLAUBB
V. de sacrilegtis per ecclesias.
VI. de sacris silvarum, quae nimidas vocant.
VII. de his, quae faciunt super petras.
VIII. de sacris Mercurii vel Jopis.
IX. de sacrißcio, quod fit alicul sanctonun.
X. de phylacteriis et ligaturis.
XI. de fontibus sacrificionim.
XII. de incantationibus.
XIII. de auguriis vel avium vel equonun, vel boytun ster*
core, vel stemutatione.
XIV. de dlvinis vel sortilegis.
XV. de igne fricato de ligno, id est nodfyr.
XVI. de cerebro animalium.
XVII. de observatione pagana In foco vel in inchoatione ret
alicujus.
XVin. de incertis locis, quae colunt pro sacris.
XIX. de petendo quod boni vocant sanctae Mariae.
XX. de feriis, quae faciunt Jovi vel Mercurio,
XXI. de lunae defectione, quod dicunt Vincelatta.
XXII. de tempestatibus et cornibus et codeis.
XXIII de sulcis circa villas.
XXIV. de pagano cursu, quem yrias nominant, scisais pan«
nis vel calcels«
XXV. de eo quod sibi sanctos fingunt quoslibet mortuos.
XXVI. de simidacro de consparsa farlna«
XXVII. de simulacris de pannis factis.
XXVIII. de simulacro quod per campos portant.
XXIX. de ligneis pedibus vel manibus pagano ritu.
XXX. de eo, quod credunt, quia feminae lunam commen-
denty quod possint corda hominum toUere juxta
paganos.
Offenbar nur die rubrikcn der capitel, die den eigentUdien
indiculus bildeten^ dessen vcrlust sehr zu beklagen ist. er
wurde gegen die mitte des 8 jh. unter deutschredenden Fran-
ken aufgezeichnet 9 die sich schon dem christenthum erge*
ben hatten, neben dem christlichen aber auch noch heid*
nischen cultus pflagen. Da die bekannte abrenuntiatio der
nemlichen liptinischen synode angefügt worden ist, so em-
pfängt man eine genauere Vorstellung von dem dialect der
Sprache ) der hier zum grund liegt. Sachsen können tief
in den Niederlanden, über Maas imd Sambre hinauf nicht
gesucht werden, sondern nur Franken, deren mundart da-
mals weit mehr niederdeutsch als hochdeutsch war. ich
wage aber nicht zu bestimmen, ob es salische Franken
aind| oder aus Ripuarien nachgerückte?
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ABERGLAUBE xxxiii
C. aus Burchard von TVorma (f 1024) sainluiig der
decrete. Colon. 1548.
1, 94. Interrogatio 42*): Interrogandum , ei aliquis sit
magus, arioius aut incantalor, divimis aut sorlUegus, vel
si aliquis vota ad arbbres vel ad fontes^ vel ad lapides
faciat, aut ibi candelam^ seu quodlibet munus deferat, ve-
luti ibi quoddam numen sit, quod bonum aut mahim
possit luferre. (wiederholt 10, 32.)
int. 43: perscrutandum, si aliquis subulcusvelbubulcus
sive venator vel ceteri huju8modirfm6o//ca carmina dicat su-
per panem, aut super herbas, aut super quaedam nefaria
ligamenta, et haec aut in arbore abscondat, aut in bivio,
aut io trivio projiciat, ut sua animalia liberet a peste et
clade, et alterius perdat. (10, 18 wiederholt.)
int.. 44: perquirendum, si aliqua femina sit, quae per
quaedam nialeficia et incantationes mentes hominum se
immutare posse dicat, id est, ut de odio in amorem, aut
de amore in odium convertat, aut bona hominum aut da-
mnet aut surripiat. Et si aliqua est, quae se dicat, cum
daenionum turba in similitudinem rnulierum Irans-
Jormata certis noctibus equitare super quasdam beslias,
et in eorum consortio annumeratam esse, (wiederholt 10, 29.)
int. 50: est aliquis, qui in cal. Jan. aliquid fecerat,
qaod a paganis inpentum est, et dies observavit et lu"
nam et menses ; et horum elFectiva potentia aliquid spe-
raverat in melius aut in deterius posse converti. '
int* 51: est aliquis, quodcunque opus inclioana qul
aliquid dixerat, aut quacunque magica arte aliud fecit, nisi
ut apostolus docet omnia in nomine domini facienda.
int. 52: quaerendum etiam, si mulieres in lanificiia
suis vel in oraiendis telis aliquid dicant aut observeut.
int. 54 : est aliquis , qui supra mortuum nocturnis
horis carmina diabolica cantaret, et biberet et mandu-
caret ibi, quasi de ejus morte gratularetur ; et si alibi
mortui in vigiiiis nocturnis nisi in ecclesia custodiantur.
10, 1. ut episcopi eorumque ^minislri omnibus viri-
bus elaborare studeant, ut perniciosam et a diabolo inven-
tam sortilegam et maleficam artem peuitus ex parochiis
suis eradicent, et si aliquem virum aut femiuam hujus-
cemodi sceleris seclatorem invenerint, lurpiter dehonestatum
de parochiis suis ejiciant Iliud etiam non omitten-
dum, quod quaedam sceleratae mulieres retro post Sata-
*) diege und die folgenden interrogationen eiiid geschöpft e de-
creto Eutychiani papae (f 283) cap. 9.
c
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XXXIV ABERGLAUBE
uam conversae, daemonum iUtisionibns et phaBtasmutibti?
sedut-tae credunt 8o et profitentiir noctiirnis horis com
Vinna Paganorum dea, vel cum Herodiade^ et innumera
midtitudine mulierum eqiiitare super quasdani beslias, et
multa terrariim spatia intempestae noctis silentio perlraiw-
ire, ejusqtie jussionibua velut dominac obedire, et certb
noctlbiis ad ejus servitium evocari« sed u tinain liae soXse
in perfidia 8ua pcrissent, et non miütos 8eciim in infid«^
litatis interitiiin perlraxissent. nam innumera mulliludo
hac falsa opinione decepta haec vera esse credit, et cre-
dendo a recta fide deviat et in cnx>re Paganorum ir-
volvitur, *)
10, 2. Pervenil ad nos, quosdam, qiiod dici nefa»
est , arborea colere et multa alia contra cliristianam fi<iem
iUicita perpetrare. **)
10, 5. qui divinaliones expetunt et niore gentüjam
subsequuntur, aut in domos suas kujuscemodi liomines in-
troducunt, exquirendi aliquid arte malefica aut expiandi
causa, sub regula cpiinquennii jaceant.***)
10, 6« si quis Paganorum consuetudinem sequens di-
vinos et sortilegos in domum suam introduxerit, quasi Dl
maliim foras mittat^ aut maleficia inveniat, quinque ao-
nos poeniteat. f)
10, 8. qui augurüs vel divin ationibus inserviunt, vel
qui credit ut aliqui hominum sint immissores tempestit-
tffm , -vel si qua mulier divinationes vel incantatione$
diaholicaa fecerit, Septem annos poeniteat. ++)
10, 9. Auguria vel sortes, quae dicuntiu* falsae san-
ctorum vel divinationes qui eas observaverint, vel quani«-
cunque scripturarum vel votimi voverint vel pcrsolverini
ad arborem vel ad lapideni vel ad quamlibet rem, excepfo
ad ecclesinm, omnes cxcommunirenUir. si ad poeuilcutiam
venerint, clerici annos tres, laici annum unum et dimidium
poeniteant. 'W^)
•) wiederholt p. 194. 195. die ganze stelle ist ans dem condL
fnicyiunnin (zn Ancyra in GalRtien, vom j. 314) und steht onrh W
Regino de disr. eccl. 2, 364. wo aber die worte 'vel cum Ilerodis^e*
fehlen; das decret. Gratians II. 26. quaest 5, 12. $. 1 hat sie Toif-
ständig.
••) c registro Grcgorii magni.
•") e conc ancyr. cnp. 23.
f) ex concilio Martini papae (um 572 in Spanien) id est es o
pit. Martini bracarensis cap. 71. daraus auch dtcr. Grat. II. 26. qoa<v(.
5, 3. §. 2.
++) c poenitentiali romano.
f f+) ebendaher.
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ABERGLAUBE xxxv
10, 10. ^nmmo studio decerlare debeiU episcopi et
€K)rum niinistrij ut arbores daemoriibus vonsecratae^ qiias
vulgus colit, et in tanta veneratione liabet^ ut nee ramum
t^el aurculum audeat amputare^ radicitus excidantor at-
que comburantur, lapides quoque qiios in ruinosis lo-
eis et sihestribiis, daemonum ludiücationibus decepti, ve-
nerantiu-, ubi et i^ota voifent et dejerunt^ funditus eflb-
diantur, atquc in tali loco projiciantur, ubi nimquam a
cultorlbus suis vcnerari possint. *)
10, 14. mulier si qua filiam suum ponit supra le-
ctuni, aut in fornacem pro sanltate febrium, unum an-
num poeniteat. **)
10, 15, non licet iniquas observationes agere ca]en-
daruDi, et oliis vacare, neque lauro aut \iriditate arborum
cingere domos. omnis haec observalio Paganorum est. ****)
10, 16. si quis calendas jauuarias ritu Paganoimm
colere, vel aliquid plus novi facere propter iiovum annum,
aut jnensas cum lapidibua vel eptdis in domibus suis
praepaj'are, et per vicos et platcas cantatores et clioros
ducere praesumpsetit, anatbema sit. f )
10, 31. quicunque nocturna aacrificia daemonum
celebraverint, vel incantationibus daemones quacunque arte
ad sua vola invitaverint, tres annos poeniteant f+)
10, 34. laici, qui excubias funeris observant, cum
timore et treinore et reverentia hoc faciant. nuUus ibi
praesiunat diabolica carmina cantare, non joca et salta-
tiones facere, quaePagani diabolo docente adinvenerunt. +ft)
aus 19, 5. sind alle folgenden nach der Seitenzahl an-
geführten fälle, ffft). pag. 193*»: si observasti traditiones
Faganorum, quas quasi hereditario jure diabolo submini«
*) e concilio DAimetensi (zu Nantes, im j. 895) cap. 8.
**) e poeoiteutiali Bedae^; im poeiiitentiale Ecgberti eboracens!« 1,
33 (a. 748) bei Mausi 12, 439. 475: si niulier filiaoi suam super
domum vel fornacem collocet, ideo ut febrim ejus curare Teilt.
^ •••) e decreto Martiani papae.
f ) e decreto Zacfiariae papae cap. II.
«H") e poenitentiaii romano.
f ff) e concilio arelatensi (Arles, von welchem jähr?) can. 3.
ff ff) woher schöptt Burcliard dies grofse, von p. 188d bis 2ülb rei-
chende capitel 19, 5? 19, 4 ist angeblich aus dem poenitentiaii ro-
mano, 19, 6 ex poenitentiaii Theodori. die deutschen ausdrmke holda
194», werwolf 198«, belisa 201b machen ginnben, dafs Burcliard hier
vorzugsweise, was ihm von deutschen superstitionen beltannt war, zu-
sammenstellte, obgleich er aucli oiaaclies aus andern samlungen hin-
zufügte.
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xtxri ABBRiGLACim
»Irante uftqu» iu li09 dies semper patres filiis reKqti^-aiit
id est» ut elemenla coleres^ id est hitiam aiit solcm» am
stellanim cursum , tfovam lunam airt defectum lanae , nt
tuis clamoribua aut auxUio splendoreni ejus restaurare
valeres^ aut illa elementa tibi sticcurrcre aut tu illi5 po»-
ses; aut noifiun lunani öbservasti pro domo facienda am
coniugiis sociaudis«
pag. 193<^: öbservasti caletidas januarias ritu Pagam^
rnni, ut vel aliquid plus faceres propter uovian aa-
nuin, quam antea vel post öoleres facere, ita dico, ut aot
nienaam tuam cum lapiäibtis vel euulis in ciotno Uia
praeparares eo tempore, äut per uicoe et plateas can-
iores et choros duceree , aut snpra tectam domus tnae
aederea ense tuo circuniaignntu»^ ut ibi vidercs et intri-
ligereSy cpiid tibi in sequenli anno futurum esset, vel in
bivio sedisti eupra tiiurinam entern y ut et ibi fufun
tibi Inteliigeres, vel si partes praedicta nocte co^^/er« fecisti
tuo nomine : ut si bene elevarentur^ et spissi et alti fierest.
inde prosperitalcm tuae vitae eo aono praevideres.
pag 193^: interfuisti aut cousensisti vanitatibus, qmis
mulieres exercent io suis Uun/iciis ^ in suis ielis; quac
cum ordiuntur telas suas sperant se utrtunqiie posse h'
cere cum incantationibus et cum aggressu iilanmi, ut et
fila staminis et subtegminis in invicem ita commiscean-
tiir ut, nisi bis iterum aliis diaboii incantationibus e cos-
tra subveniant, tolum pereat«
venisti ad aliquem locum ad oraiidum ' nisi ad ecde«
siam, . . . . id est vel ad Jontes, vel ad lapides, vel ad ar-
bores , vel ad bipia , et ibi aut candelatn , aut Jaculam
pro veneratione loci incendistiy aut pancm^ aut aliquam
oblationem illuc detulisti, aut ibi comedisti, aut aliqnam
salutem corporis aut animae ibi rcquisisti.
pag. 194*: credidisti unquam vel parliceps fuisti 3-
lius perfidiae, ut incantatores, et qiü se dicunt tenipesta-
tum immissores esse, possent per incantationem daemo-
uum aut tempestates commovere aut mentes hominum
mutare.
credidisti ut aliqua femina Sit, quae hoc facere posnl»
quod quaedam a dia!bolo deceptae se afBrmant necessario
et ex praecepto facere debere, id est cum daemonum tiirbn
in slmilitudioem mulierum transformala , quam vulgaris
stultitia Holdam (al. unholdani) vocat, certis noctibas
eqnitare debete super quasdum bestiasj et in eonim te
consortio annumeratam esse.
pag, 195*^: fecisti phjlacteria diabolica vel characfer«
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ABßaGLAüBE xxxui
fÜabolicod, quos quidam diabolo euadeulc facero solcnt,
vel herbas vel su-ccirioß vel qiüntan^ J eriam in honorefn
Joifh Jiüiiorafili,
comedisti aliquid de idolotliito, i. de oblationibus^
(|uae iu quibusdaiii locis ad aepulchfa mortuorian fiuui,
vel ad fonteSf aut ad arbores, aut ad lapidesy aiit ad
bii^ia, aut comportasti in aggerein lapiäes, aut capitiu
ligaUtraa ad cruces, quae in blviis pouuiilur.
pag. 195c ; misisli filiuiij tuiuu vel fdiam super tecturn
aut super fornacem pro aliqua ftaiiilate, vel incencliati
granuy \\h\ morluus Uomo erat, vel cingulum mortui
pro danmu alicujus in nodos colll^dstiy vel pecli/ie-^^
quibii5 nmlierculae laaam discerpere soleut, gupra fuiius
complosisti^ vel quando elTerebalur fuuus a domo plan*
strufn in duo dividisti et fuuus per medium dit^i^io^
neni planst ri asportare fecisti,
fecisti iUas vauitates aut couaeuaisü , quad atuhae mu-
Ueres facere solent^dum cadaver mortui liominis adliuc in
domo jacet^ curruut ad aquam, et adducunt tacile vas
cum aqua , et cum sublevatur corpus mortui , eandein
aquam fundunt sublus Jeretrum; et lioc observant dum
extra domum asportatur funus, (ut) non altiua quam ad
genau elevetur^ et hoo faciunt pro quadaoi sauilate/
fecisti aut consensisti , quod quidam faolunt homini
occiso .cum sepelitur. dant ei in manum unguentum
quoddum, quasi illo uagueuto post mortem vulnus saiiari
podsit, et sie cum unguento scpeliunt.
pag. 195<^: fecisti quod plures faciunt: soopant looum,
ttbi facere solent ignem in domo sua^ et mittunt grana
hordei Iqco adhuc calido, et ei esalierint grana, periculo-
•um erit, si autem ibi permanserint, bonum erit.
feoisti quod quidam faciunt, dum vlsitant aliquem
infirm um, cum appropinquaverinl domui^ ubi infirmus de-^
cumbit, si invenerint aliquem lapidem juxta iacentem, re-
ifoli^unt lapidem f et requirunl in loco ubi Jacebat lapis,
si ibi ait aliquid subius quod uiuat, et si invenerint ibi
lumbricum, aut muscam, aut formioam. aut aliqvud quod se
laoveat, tunc affirmant aegrotum oonvalescere« si autem
nibU ibi invenerint quod S6 moveat, dicunt esse moriturum.
fecisti pueriles arcus parvulos et puerorum guturalia^
et proiecisti sive in cellariuni sive in horreum tuiim , ut
MOtyri vel pilosi cum eis ibi jacarentur^ ut tibi aliorum
bona comportarent et inde ditior fieres.
fecisti quod quidam faciunt in oalendis Januarii , i. e.
in octava natalis dooiini« qui ea saucta nocte filant,
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xxxviii ABBaGLAUBE
neiity tonsuu/it, et omne opus quodcunquc inc^pere possunt,
didbolu Lüsligaute propter noifum annum iocipiunt.
pug. 198«^: crediditjti quod quidani crodcre soleot
dum iter aliquod faciuut, si cornicula ex sinhtra eorum
4/i dexteram Ulis cantaperitj inde se sperant habere
pro8penim iler. et dum auxli fuerint hospAii, si tunc a\TS
illa, quae niurioepa vocatur, eo quod uiures caplat et inde
pascalur uouunata, viam per quam vadunt ante se Irans-
volaverity so Uli augurio et omlnl niagU commitlant
quam deo.
credidlsti cjuod quidam credei^ soleut , dum necesse
liubeul ante lucem alioi^um exire, non audcut^ diceates
quod posterum sit, et ante galli cantum egredi noa
liceat^ et penculosum sit, eo quod inunundi Spiritus ante
galUciniuiu plus ad uoceudum potestatis habcaut, quam
posl , et gallud 8U0 cantu plus valeat eos repellei'e et se-
dare, quam illa diviua mens, quae est in lionune sua £de
et crucis siguaculo.
credidisli quod quidam oredere solent, ut illae^ quae a
\ulgo Parcae vocanlur, ipsae vel sint vel possiut hoc £»-
cere quod creduutur, id est dum aliquis homo uascitur,
et tuuc valeant iUuiu designare ad hoc quod vcUut, ut
quaudoc(uique homo iile voluerit, in lupum transformari
possit, quod vulgai'18 sliütilia werwolf vocat, aut 14 aliam
aliquam figuram,
pag. 198^: credidisti quod quidam crcdere solent,
quod sint agrestes feminaey quas silvaticas vocant, quas
dicunt esse corpoi^as, et quando voluerint ostendant m
suis amaloribus, et cum eis dicunt se ohlectasse^ et ileai
quando voluerint abscondant se et evanescant.
fboisti ut quaedam mulieres in qiübusdam tempoHbos
anni facere solent, ut in domo tua Tnensam praeparares
et tuos cibos et potum cum tribus cultellis supra men-
sam poneres, ut ai venissent tres illae sororesj quas an-
liqua poslerltas et antiqua stultitia Parcas nominavit, ibi
reiicereutur. et tiüisti divinae pletati potestatem suam et
nomen suum, et diabolo tradidisti, ita dico, ut orederes il*
las quas tu diois esse sorores tibi posse aut hie aut in fci-
turo prodesse.
pag. 199^: fecisti quod quaedam midieres facere 84H
lent et firmiter credunt, i(a dico, ut si vicinus ejus lade
vel apibus abundaret, omnem abundantiam lactis et mellts,
quam suus vicinus ante se habere visus est, ad se et sua
aiilmali«^ vel ad quos voluerint, a diabolo adjutae suis hr
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ABERGLAUBE
. xxxu
sciualiotiibuö et iacantaüonibus se possQ convertere cre«
daiil.
credidisti qiiod quaedain credere soleöt;. ut quamciiu«
que domutn intraverinl, pidlos aucaruiii^ pavoiiiun, galllna-
riim, etiaiu porcellos et alioriiin anitnalium foetus verbo
vel visu \el auditu objascinare et perdere posse affirmeut.
credidisli quod niullae mulieres reU*o oatauani convei'-
sae creduut et afBnnaut veriuu esse, ut credas in quietae
uoclls öilealio cum le collocaveris iu lecto tuo, et marito
Uio iu 8U1U tuo jaceule, te, dum coiporea sis, januis clau-
i>is exire posse, et terraium spatia cum aliia sijuili en ore,
ileceplis pertrausire valere, et homlncs baptizatos et Ciuisii
saiiguiiic redemlos, siue anuis yisibilibus et mlerficere et
de coclis carnibus eoruni vos comedcie, et in loco cordis
eorum slramen aut llgnutn aut aliquod hujusmodi ponere,
el comeslis, iterum \ivos facere et iiiduciaa vivendi daie.
pag, 200^; credidisti quod quaedam mulieres credere
soleut, ut tu cum aliis diaboli membris in uuietae noctis
sileutio clausis januis in- aerern usque ad nuues sublei^e-
ris, et ibi cum aliis pagnes^ et ut vulneres alias, et tu
vuluera ab eis accipias,
fecisti quod quaedam mulieres facere solenl, proster-
uunl &e in laciem, et discooperlis nalibus jubent, ut supra
uudasi iiales couficialtu^ patiis , el eo decocto Iradunt ma-
ritis suis ad comedeudum. hoc ideu faciunt, ut plus ex-
ardeöcaut in amorcm iUurum.
posuisti ififanteni tuutn juxla ignem^ et* alius cal-
dai'iain siq)ra ignem cum aqua misit, et ebiülila aqua »u-
perfusuö est infans el morluus. (wiederholt 19, 149.)
fecisli quod quaedam mulieres facere solent diabolicis
atUmplclae disciplinis: quae observant vesligia et inda-
gincs Cliristianoriun , et i oll u/U de eonim vestigio ce-
spitetu^ et ilhim observant, et inde speraut sanilatem aut
vitam corimi auferre.
pag. 200^: fecisli quod quaedam nuilicres facere so-
lent: tolUmt tesLam hominis et igni coniburunt ^ et ci-
nerem danl viris suis ad bibcruhnn pro sauitale.
fecisti quod quaedam muliei'cs i'acere solent, illae dico,
quae habeht vagienlcs infantes , effodiiint terram el ex
parle pertuaatit cam , et per illud foramen pertrahunt
infantems et sie dicuut vagienlis iufanlis cessare vagiUmi.
fecisli quod quaedam mulieres iusliuctu diaboli facere
aolent. cum aliquis iufaus sine baplismo mortuiis fuerit,
loUunt cadaver parvuli , el ponunt in aliquo «ecreto loco,
et palo corpusculum ejus Liarisfi^unl. dicenlc» si »ic
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XL ABERGLAUBE
rioii fecisseDt, quod iufaiitulus surgevet et multos laedeM
p. 200^: mun alH|ua feinina parere debet ," el dod po-
tesl, iu ipso dolore si nioile obierit, in ipso sepulcfaro ma-
trcm cum infante palo in terram transjigunt,
p. 200^ : cum in Fans noviter natus est, et statim bap-
tizatus, et sie mortuu» fuerit, dum sepeliuat eum, in dex-
teram manum ponuiit ei pateram ceream cum oblata,
et in sinistram manum calicem cum vino similiier cer^um
ponunl ^i, et sie eum sepelitmt.
pag. 201": fecisti quod quaedam mulieres facere so-
lenl, deponunt vestimenta sua et totum corpus nudum
me/le inßngunt^ et sie niellLto suo corpoi^e supra tritt-
c(un in quodam liutco in len^a deposilo sese liac atque
illac saepiua rei^olpunt, et cuncta tritici grana, cpiae humido
curpori adliaerent, cautissinie colliguut e^ in niolain mit-
tuul, et reti'orsum coulra solem molam rircuire facinnt, el
sie in farinam redigunt, et de illa farina panem conficiuDt,
et sie mariiis suis ad comedendum tradunt, ut comesto
pane marcescanl et deficiant.
pag. 201**: fecisli quod quaedam mulieres facere 80-
lent, dum pluviain non habent et ea indigent, tunc plu-
res puellas congregant, et unam parvtifam puellam quasi
ducem sibi praeponunt, et eandem denudant, et extra vfl-
lani, ubi berbam iusquiamum Qiyoscyamum) inveniunt, qnac
teutonice belisa vocatur, sie nuaatam deducunt, el eandem her-
bam eandem virginem sie nudam mzwimo digito dextrae ma^
nu9 eruere faciunt, et radicitus erutam cum ligamine ali-
quo ad minimuni digitum dextri pedis ligare faciunt
et Singular puellae singulas virgas iu manibus habentes su-
pradictaiu virginem berbam post se trab entern in flumea
praximurn introducunt , et cum eisdem virgis virginem
ßumine aspergunt^ et sie suis incantationibus pluviam se
habere sperant. et post eandem virginem sie nudam trans-
positia et mutatis'iri fnodum cancri vestigiis a flumine
^d villam inter manus reducunt,
p, aus der zürchcr pap. bs. (vrasserkircbbibl.) B. y|^. 4®, ge-
schrieben 1393. vielleicht in Zürich, jedenfidls in der
Schweiz, milgelbeilt von Wackernagel.
38. r. ^^ du soll ndt globen an zober noch an bippe
no<:h an hesse noch an lachenen noch an für sehen nocli
an messen noch an die nahtfrowen noch an der agel-
sier schrien noch an die brawen vB der wangen iucten
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ABERGLAUBB xli
Aodi an die batenien noch an deheiner band dinges das
vnglob ei.
140. r. — r Dls'stuk seit von den lossern vD von den
valschen propheteu.
Die losserr vn die valsclien gotforinigen ufissagen
daa sint die liit die inen selben zu eigenent vil zu legent
etlichii ding; du allein des waren gotles eigen sint, an al-
les vrlob, von ir eignen bosheit vi! ir grossen valscbeit.
Das ist das su künftig ding vor wissagent, vnd züiient da
mit vnzalllch vil seien mit inen zu der belle. >van sii be-
gnüget uiit an ir sejbs boslieit, si wellen ocb ander liit mit
inen ziebeu in den ewigen tot, die si betrugent von des
tuvels rat mit ir bösen listen. Nv sint dirre valscben
tpissen vil, das ist der lossungen vnd solichcr wissagung.
jEtlicb gescliiliet dur den bösen geist phylonem appolli*
nerfiy der ein vrjiab ist der selben bosbeit. Etlicb gesclii-»
het in dem für, du wirt genemmet pyromancia. Ein
andni beisset aeromancia du gescbiliet in dem luft. Ein
andrii geomancia, dd gescbibet in dem ertricb. Ein an-f
dru yaromanciay dii gescbibt in dem wasser. Ein an-
drd beisset (140. v.) nigromancia das da ze latine ist
ein toter. Wan dur Irugnüsse werdent etwenne geacb-
tet die toten erstanden sin von dem tot vnd dunket die
lut wie si wapsagen, vnd eutwurten der dingen, der sii
gefraget werdin. Vnd dis gescbibet dur die aurufiPuug
vnd bescbweruDg der tiivelen. Hier vmb sulent ellii
menscben (bs. ÄP) bekennen vnd fdr war wissen, das ein
ieklicber mensclie wib oder man, der da baltet oder vebet
solicb wissagung oder losen von zober oder bescher^
ten. oder luppe. oder hezze oder lachnen^ oder für-
sehen, oder messen, oder der agelster schrien, oder wU
fei sang, oder bi*awen. oder wangen iuchen. oder von
en batlUniet} oder deheiner baut das vngelob ist. oder
der es gern bort vnd veruimet. oder den gebillet, die es
vebent vnd baltent. oder es wol globt, Aid der in ir
huszu in tag (1. gat,)Ald der sii in sinbus füret vmb das ersü
rates frag, Der sol wissen, das er sinen kristanen globen
vnd sinen tof hat vber gangen vnd gebrochen. Vnd das er
si ein beiden. Ein abtruniger, und ein vient gottes. Vnd
wisse sich s warlich in loffen oder in vallen in den zorp
gottes. Vnd das er ab sule varn in die ewigen verdamp-
nüsse. Es si deune das er vor mit kristenliclier peniteu-
cie oder riiw werde gebessert vnd gesuot got. Ovch ist das
Qut vnder wegen ze lasseune oder ze übersehenne das
etlicb meinieiigü wiber^ die da nach dem tüvel sathap
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xLii ABERGLAUBE
bekert sltit^ vnd mit der tuvel verspoUuug viid nüt fantaalea
oder Iriignüsse siiil verwiset, Das die^lobeut vnd veric*
heul das si selber \ud cIq grossu mengi wihe/i ritten
\iid paren mit der heiden ^üttinntn^ du da lieisset dy^
aiia oder mit herodiade^ \f elliclien walt tieren in der
nacht stilli dar vil ertliches oder landes. Viid das si
irem gebot gehorsam sieii als eiacr gewaltigen f raupen,
Vud das SU du selb güttifine ze beuemten ueohten ruile
EU irem dienst. Vnd hie von haltent su. Vnd wolti gol
das dis wiber allein in solicher wis verdoi*ben wercn ge-
gen got vnd nut vil mit inen gezogen vnd verwiset hetliu
in das verderben iles bösen (141. r.) vngloben. Wan ein
vnzallichu nieugi ist mit diser valsclien wis betrogen die da
globent, das es >var si, \nd da mit das si es globeut ab dem
vreg gant des recluen globen vnd in gewollcn werdent der
scheilichen irrunge der heidenen, das si globen vnd we-»
nen wellen, das iclilcs ilit golliches oder gütlicher kraft vsserl-
Laib einem wai-en got si. lliervmb siilent die priester dur
die kilchen, die inen enpholhen sint, dem volk gottes mit
grossem Hisse sleleklicli ob ligen vnd inen predien vnd
sicherliclien bewisen das si bekennent Nverden, das diÄU
ding ellu valsch sint vnd niit sien von dem goitÜchen gcisl,
medas si halten das dis trugnust iugegebe si, eutruweu \on
dem bösen geist dem gemut der glöbigen werden solichen
wibs gemut (sie omnia), vnd diir vngloben er si im selber
hat vndertenig gemachet. Alzehant wandlet er denne aber
sich in gesteltnus vnd in glichheit menger hant personea
Vnd das gemut^ das er gevangen haltet, das betrüget er
In dejn slaf. Vnd oiTeubart im ietzent frolichü ding,
denne trurigü, ietz bekant personen, den vnbekant, vnd furl
die dur die wildinea vnd dur die lender. Vnd so der
vngloblg geist dis trugnug allein lidet, so hallet er mit, das
dis in dem gemut gescheh , sunder in dem Lbc, wan wer
ist der mensche der nüt in tromen vnd in ofTenbarungen
oder gesiebten der neclilen niit vsgeleitet werde von im
selben , da er slaffend meniges siht das er wachend nie ge-
sach oder villich niemer gesiebt? Vnd hier vmb wer ist
also toreht ald so vnverniinftig der disil eUü du da aileia
in dem geist geschehent über ein wenct vud hallet das
es geschehe in dem libe. lu s, av.
(fol. 143, r.) — ^ Nv mugent dis valsch vud vt>pig »*-
nien geteilet werden nach den meuigualligen dürÄen, tOD
der wegen sie geubl werdenl, Etlich gescliehent von der
lüt siechheit wegen oder des vilies. Etlich fiir vuberhaf-
tikeit. Etlich für die erboit der frowen, die nüt gcbcm
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ABERGLAUBE xliii
mngen. Etiicli wider den hagol vnd das vngewitter. Ander
wider allerlei pin* Hier vmb ist den ze ralenne, die sus-
licliv ding lidcnt , das sii ellii tüiiellich gespenst lassent^
>nd den allein rates vmb ir uollurf fragen vnd von iin es
suchen von des gcwalt ellu ding geschalFen sint vnd von
des willen cUii ding bericlitet werdent. \ iid siiUent spre-
chen demCilklidi. 'llerre got kum vns ze lielf.' Wan dur
vns vermugen wir nihtes nit, siinder uns gebrislet ob
wir gelriiwen haben dur vns, Vnd dar vmb wer da lidet
sleclilicit der Lab allein in die barmherz ikeit goltes ein
gutes getruwen, und enphahi den heiligen fronlichamen vnd
das keil ig blut vnsers lieben herren ibesv christi mit festem
globen, vnd mit guter aiidahl. Vnd begeix? och das ge-
segnet oli von der heiligen kilchen getruwlicli. Vnd also
nach dem vnd der apostel sprichet so behallet das gebette
des globen den siechen. Nu gat aller meist mit diser üp-
pikeit der zobrie vmb die (143. v.) bos kundikeit der
ifalachen vnd achedlichen iviben, als och des glich An
vor geseit ist. Wan dik vnd vil als vU es an inen ist,
so enlerent vnd versmachent solich die sacrament der hei-
ligen kilchen. Vnd etwenne wiirkent sii mit inen, das
erschrokenUch och ze sagenne vnd ze hören ist allen wol
globenden menschen (]V1>). Vnd hier vmb werdent si ge-
sehen böser vnd wirser, den die tüuel. A\'au die tuuel
globent Got vnd lurhtent in mit zittrun^e. Zu dem dise
an vorht vnd an zitter gant. Vnd wiirkent mit gottes
fronlicham vngenemu vnd vnerhchü ding. Des man ein
gliches zeichen oder wunder liset in der geschrift von
eim wib die in der selben wis vnsers heiren fronlicham
enphieng, vnd behub den in irem niund, vnd gieng also
hin vnd huste iren man t>mb das sin minne grösser
wurde zn ir denne vor. Vnd zehant wart du hostie
gewaadlet in fleisch. Vnd do si des gewar wart do wolt
si vnsern herren wider vs han geworfen. Do wurkt
vnser herre da sin wiindtr das si in weder mocht vsge-
werfen noch geslinden u. s. w.
(foL 144. r.) — Wie das nv da vor geseit si das man
miden sule solich erzenie die in solioher tuuellicher vris
geschehent. Doch wer der weri der das heilsami krut
mit den xij stuken des globen vnd mit dem pater nostep
»chribe (144. v.) an einen brief , vnd den denne leiti vf
den siechen vmb da« got aller ding schepfer also geeret
werde, da« enwirt nüt verworfen noch versmachet, so
man keins der vorgenanten verworfenen vnd falschen din-
gen mit dar zu nuschelt. Vnd zit halten era&nie ze geb-
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xi.iv ABBRGLAÜBB
enne* Vod zu den lessinen ist och nüt ze verwerEmne.
vud och bedüt die der zit war nement ze seiemie vnd
bom ze belioweiine. Yud zii solicben dingen , die zu
gebiirschen werken behorent, die sint dar vmb ndt so
Straffenne. Wan die natdrlicheu bescheidenheit mag man
halten oder yeben in den dingen. Vnd si heint och ein si*
eher bescheidenheit Alsdenne So man kein ander vppig
haltunge meinet, noch dar zu lat gan. Ze verstemmenne
susUcher vertumlicher vnd schedlicher boshcit sol in allen
-wis gedissen sin vnd hier zu munder sin die kündikeit
der pnester der seien besorger, Das ut die kristeulich
geistUclieit mit disen valschen vorgeseiten dingen -werde
entreinet vnd verwlset. Vnd wider infalie in die sitten
des heideschen vnd tuuelschen vngloben, das ein glob der
menschen gemdt werde vnd si, vnd ein miltikeit der
werken An ze betten einen waren got den vater vnd den
sun vnd den heiligen geist, der da ist ^ebenediet in, die
weit der weiten,
JE, aus einer papierhs. der baseler univ. bibU foL, 15. jh«
gez. ^. p. 19. (mitgetheüt von WackernageL)
1« r« a« Incipit r^islrum super libro, de supersti^
cionibus ab ^ximio magistro I^icolao magni de gawe* sacre
theologie professore anno a uatiuitate saluatori^ M^ cccc^
xv^. edito secundum ordineni alphabeti. — r
10. V. b. Per hoc statim patet falaitas et error qoG-
rundam fatuorum astronimorum dicencium se posse £acere
ymaginea sub certa coustellacione, per virtutes enas co«
geutes demones ut veniant ad istas yniagines^ ad opei«!!«
dum quedam mira et ad dandum response. Sed veniuBt
non coacti propter duo, ut Thomas dicit ibidem (vorkcr:
sanctus thomas parte prhna. q xiii}.) in solucione 2^ ar-
ticuli et hoc incerlis constellacionibus. Primo quidem, uft
homines in hunc errorem induoant ut credant aliquod nu«
men esse in oelis. Sicut vnam vetulam noui, que credidit
Solem esse deanty vocans eam sanciain dominant,
11, r. a, et alloquendq eum solem, benedixit per
eum sub certis verbis, sub osseruancia quadam supersti"
ciosa, que dixit, se plus quam quadraginta annis credidisse,
et muUas infirmitates ourasse. Insuper hodie inveuluntur
homines tarn 4ayci quam olerici, literati quam ilUteratt, et
!|uod plus doleudum est , valde magni , qui cum not»i*
uniufn primo Piderint flexia genibus adora/iL pel cfo-
posito capucio vel pileo inclinato capile honorarU «llo^
quendo et suscipiendo. ynimo eciam plures ieiimant ipso
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ABERGLAUBE xlv
die n(HiiIunfj^ sive 8it dies dominicft in qua secundum or«
dinacionem ec clcsie non est ieiuiiandum propter resurrec-
cioDis leticiam, siue quacunque alia die. eciamsi esset
dies dominice natiuitatis. que omnia habent speciem ydo
latrie. ab ydolatris relicte. de qiübus Jeremie vi) scri*
bitiir. qijod fecerimt placeutas regine celi. s. liitie offerendo
eas ei.^ Et quidnm volentcs hoc palliare dicvint qiiod
non honorant luuam ieiimando. sed omnes sanctos. quo-
rum festa et ieiunia iticidunt in mese lunacionis vise.
Ecce qualis est ista excusacio u. s. f.
11« r« b. Sic eciam de mandato quo precepttim fuit^
quod nidum cum ouie vel pullis et matre desuper incu-
bante non deberent sunul seniare, sed matrein permittere
auolare. Deut^. xxij. hoc enim quando inuenerunt, ti^ahe*
bant ad fecunditatem et ad fortunam, si conseruarcntur
simuL Et per oppositum ad infortunium et sterilitatem
quod gentile erat. Sic modo vetule dicunt inuencionem
acus i>el obuli reseruati ense prestigiuin magne for^
tune. Et per oppositum de iuuencione magni thcsaiu^i.
11. V. b. Simüiter prohibitiim fuit eis ne viri vterentur
testibus mulienim Et econuerso. Et de hac prohibicione
dicitur Deut^. xxij* Non induetur mulier veste virili nee
vir vtetur veste feminea. abhominabilis enim apud deum
est qui facit, quia mulieres in veneracione Tnartis indue-
runt vesles. et arma virorum. et viri in veneracione i^ene^
na vestes mulierum. Sic nunc lit in liominibus cbristianis
tempore carnis privii, quaudo seruiunt deo ventris et
dee veneris. tam viri quam mulieres. Item incisiones
fecerunt super mortuos, ad placandum deum, ut vehe-
menciam doloris de morte thaurorum exprimerent quod
adhuc multi faciunt christiani de niorte thaurorum suo-
rum, quod utique | est de specie plutonis. Stigmata vero
et figuras adhuc et christiani faciunt et vocant breuia. et
in propriis codicibus, cartis alijsque in rebus videlicet
metallis reseruant. que omnia ydolatria vera sunt^ ym-
mo clu*iStiane religioni contraria sive aduersa.
12. r. a. Sed quia obseniaciones sompniorum,^ aU'
guriorum^ consteltacionum, sternutacionum -^ obuiacio^
num, dierum et Jiorarum, atigmatum, caracterum^
ymaginuni et inpreasionum astrorum non solum vicine
sunt ydolalrie, sed eciam vere ydolalrie cum radicibus et
intime sunt perscrutanda (1. exstirpandae?) quibus Om-
nibus se fraus antiqui aerpentis inmiscet quemadmodum
prius dictum est.
12. V. b. Sed forte adhuc diceres. videtur vlique quod
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xLvi ABERGLAUBE
cJemones proprie generent, qiila comperhnn esl et apud
\Yiilgare8 commuiüter dicitur, qiiod filij demonwn incu»
bor um muUeribiid, eorum filijg »ubtractis, ab ipsis demo-
iiibus ßupponantur. et ab eis tanquam propra filij nutn«
antiir. propter quod eciam cambiones dicuntur, edam
rarnbiti uel miUuali, et ninlieribiis parientibus propriis
lilljs subtractis siippositi, hos dicunt macilentos, semper
ouilantcs, laclls eosque bibiilos, ut quod nulla \bertate
laclis vuum laclare siifficiunt. 13. r. a. Hij tameti post-
quani in terris comraorati sunt dicuntiir euaniiisse
Ex quo palet quod tales ]>ueri non generantur a demoni*
bu8, sed sunt ipsiinet deniones. sicut eciam possent a^
parcre in specie velularum rapiencium pueros, de ctuiis,
que wlgo fatue vocantur, de nocle apparentes et paniu-
olos ut apparet lauare et igne asaarcy que demones swit
in specie \etularuin*
F. aus einem papiercodex des 14 (? 15) jh. In der biR
Äu 8. Florian, (mitgetheiil von Chmel.)
1. So ain fraw pracht wirt zu dem cliind, so cseuchi ej
dein cliLnd ainen zwelfpoten^ so sliibt das diind an taidf
niclit. vgl. 39.
2. item an dem vaschangtag, so werseyt sy prein an die
dlllen^ velt er herab, so sliibt er des iars.
3. item milich essend sy des nachts, so w^asschent sy wei«
des iars.
4. ilem ayr essen t sy, so wernt sy nicht hertt an dem
pauch des iars.
5. ilem so man an dem ostertag, legt man wärst Tuder
das cbrawt vnd aiu gens. vs-plclier die würst siecht, der
siecht des iars cliain slangen, vnd wer der gens ist, d«
gwhit des iar des ehalten siechten nit.
6. ilem den spekch den man weicht mit den praitigen, do
stnirent Ay pawTu den phlug mit, so mag man sew nicht
zaubern.
7. ilem an dem Weihnacht abent so get ainew zu ainen
scheiterhauffen vnd zucht ain scheint aus dem haiiffen
(in) des teufeis nam. pegreifft sy ain längs, so wirt ir
ain langer man«
8. item an dem vaschangtag steigt ains auf ainen pawn
vnd schrait ^alhait' mit schellwarten Hrag die phaim (sie)
her /lain^*, so wirt es des iars nicht natig.
9. ee man zu der metten an dem weinachtlag get, so
greürt ains vnder die panhch vnd n ympl ain hantuolk
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ADERGLAUBR xmi
fnotlen heraus, vint es etwas lehentigiga in den mol-
ten, so stirbt es iles iars niclit.
10. so man die palni hainilrait von kirchen, so legent sy
sew ee in die chite citri p^ ce das sy sew vnder das fach
tragent. so gent die chue des iars gern liaim.
1 1. item die pursten die man zu den palm stekcht do
pursten sy das viecli mit, so wernt sie nicht lausig.
12. item palniXos^eni sy vnder das ckrawt hefen^ so val-
lent nicht Ihnigen in das chrawt.
13. item si tragent vmb das haivs^ ee si sew hin in tra-
gent, so essen t die fuchs der hnner nicht.
14. item an dem weihiiacJittag zu mettenzeit "get man mit
Hecht zu ainem pntnn^ vnd l\\gt in den prnnn ; siecht
es sten in dem pnmn ain man, so nymbtes des iars ainn
man.
15. icli pewt du' plater u. /e/, pey der heiligen sei , die
parn ist zu iherusalem, vnd tauft im iordan, das du nicht
enpeitest der mess vnd des ampts pey dem vater vnd sun
vnd dem heyligen geist, imd sprich z p~r n**r, vnd tue da3
drey mal.
16. item so ainen von taten viscJien trawmt, sol ains ster-
ben aus demselben haus.
17. item so ain viech nicht gen mag, so pintt man im ain
pant an ainem snntag vmb, vnd macht den clmoph oben
zu, so wirt im sein puzz.
18. item so ain clnic ain erslchalb trait, so nympt die peyr*
inn ain aichenlaiib, vnd stekcht en mitten ain nadel darin,
vnd legt es enmitlen in den sechtcr, vnd nympt dan das
vberrttkvh mit dem hör vnd spindl ab dem rokchen, vnd
«lekclit es auch enmitten in den sechter, so mag man der
chue nicht nemen die mlltcli, vnd des ersten milcht sy in
den sechler, do das ding inn stekcht die selb chue (am er«»
sten), die weil das dinkch dar Inn stekcht.
19. so man die chuee an die waid treibt, so grebt man ain
e/ti/*) unter den gatern, vnd treibt das viech darvber, so
mag man sew nicht zaubern.
20. item sand Blasen n^asser gibt man ze trinkchen den
iungen huenm vnd genscn, ee man sew ob dem nest nymbt,
so trait sew der fuchs nicht hin, vnd sind sicher von
dem orn.
21. item so aine am chalb verchauft so öneyt sy dem
chalb das wedl ab, ab seinem swenczl, vnd des hars ab
*) mit einem durch kkt obengezognen strich.
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xLfiii ABERGLAUBE
dem rechten arm, vnd gibts der chuo ze essen, so rert $y
nickt noch dem clialb.
22. item so aine der andern ir milich wil netnen ^ nA
macht das sypseichent, so nymbt sy drey chroten auf ain
melmülter ain abichen, vnd traitz der chne fiir dy lerjl
dy chroten in sieh (sie) , so ist ir nachpawrin irer milich
prawbt vnd sy hat dy milich.
2^i item so ains stirbt, so hant etleich den glauben^ die sd
hab nicht rueb, uncz man ir aus leilti
24. item etleich Sprechent, die weil man lewtt so wert die
sei peichtich. etleich sprechent, so sich die sei schaid von
dem leichnam^ so sey sy die erst nacht hincz saad Ce^
dra wie/7, dy ander nacht pey sand Michel y die dritt wo
sy liin verdint hab*
25. item ettleich glaiibent, die sei genn aus den u^eiczen*)
an der sambstagiiacht vnd siein heraussen vncz an des
mantag, so müssen sy wider in die pen.
26. item ettleich essent nicht fleichgs des phincztags io
der chottemer **), so sterbent sy nicht in dem sterb,
27. item so ainem die oren seusent, so habent sj denglau-
ben, man red vbl von iun,
28. item so ainem die chnie geswellent, so get es zu ainer
frawn die zwendling getragn hat, vnd heist hej im ma
faden spinnen, den pintz vber die chnie, so wirt im pas.
29. item das die hiiner haubat werden, so sy die Leon
anseczl, so hult sy ein zticzl an, vnd macht ainen citnoph
auf dem haupp^ vnd halt in also auf dem haupp, so ge-
schiecht es.
30. item an dem sunnbenttag, so geht aine eraling auf
allen viern mit plassem leib zu irs nachtpahim ter,
und mit den fuzzen steigt sy ersling an dem tar auf, und
mit ainer hand halt sy sich, vnd mit der andern sneit
sy drey span aus dem tar vnd spricht zu dem ersten
Span spricht sy 4ch sneit den. ersten span, noch aller mi«
lieh wan'. zu den andern auch also, zu dem dritte«
spricht sy 4ch sneit den dritten span, noch aller meiaec*
nappaurinnen milich wan', ♦♦*) vnd get ersling auff €iUe0^
yiern her wider dan haim.
31. item die swangern frawn messent ain dacht nocb
sand Sixt pild, als lank es ist, vnd guertns vber den paucb,
so misslingt in nicht an der pürd. oder des mans gurtl
gurtn se vmb.
*) fegfeuer, ahd. wizi.
**1 donneriitag im quatcmber.
***) el steht: wan milich.
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ABERGLAUBE
XLIX
32. item so man in den raiucluiaohtn auf ain tisch sicMt
8o habent des iars dy lewt vil aiss. '
33. item in der lesten rauchnacht tragent sy ain ganczen
laib vnd dies t^mb das haus^ vnd peiasent darab ab
manig pissen man tan hat, so vü achober wernt im auf
dem veld.
34. das man das viech des iars nicht schindt. item in den
rauchnachten so schint mannicht sponholz, noch reibscht
an den ofen nicht, noch lakchen macht in der Stuben so
wernt nicht in den velden plas flekch. aber vmb das 'rais-
sen dy spen vber den offen das tut man darvmb, das
der habern nicht prantig wert.
35. item in den vndernachten trait man nicht reitter *)
vber den hof, das das viech nich da durich luett, das es
nicht werd scliiech noch hin scheriT.
36. item durich ain reitter saicht ainew, so tanczt man
mit ir gern vor für die andern.
37. item an dem weionachtmorgen haist man die roe
rennen gen wasser vnd wirft der ainn aplü in das Was-
ser, die weil es trincht, das der aphl gegn dem rosa rinn
so wirt das ross resch zu arbait des iars. '
38. item so ainem trawmt wie der ojen nider sey ge-
uallen, so stirbt aintweder wirt oder die wirlin.
39. die schwangern frawn so sew zu gotz tisch gent,
an demselben tag ziechent si dem chiud ainen XII poten,
so stirbt das chind nicht, (vgl. 1.)
40. so zway chonlewt die erst nacht pey ligent. welchs
ee entslefft^ das stirbt ee.
41. item man windt nicht wid in den vndernachten^
das sich dy lewt in krancliait nicht winten,
42. item man haspht nichts so wirt das viech nicht haspen.
43. item an dem weinachtabent noch an dem rauchen
60 measent die lewt 9 lejß wasser in ain hefen^ vnd las-
«ent es sten vncz an den tag vnd messen t her wider auf.
18t sein mynner das dy mass nicht gancz ist, so chumpt
es des iars in armüt. ist sy gancz so pestet es. ist sein
aber mer, so wirt es vberflussikleich reich.
44. item man wirft gruemxit yndgnietn **) habern in den-
selben nachten auf ain dach^ vnd lassentz darauf ligen
vncz sy ***) ent nenient. so gebentz es dim viechs ze essen,
80 schullen es die ehr an des iars nicht essen , vnd wernt
darzue fruchtper.
•) sieb.
**) gedrosrheoeu, geschlageaen, geitoM^en?
•••) d. h. die oaclite.
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L ABERGLAUBE
45. item Spanholz schint man nichts das man des iin
das viech nicht schint. vgl. 34.
46. item man lokcht Ay saw für das tar an dem weinadrf
margen vnd gibt in habern in ainem raif vnd sprecfaenl:
^die meina nachtpau^rn ain s'dnipL die mein ctin
griunpl\ so sind sew des iars frisch, vnd seins natpa^r
kraukch* vnd des iars gentz gern an das veld.
47. item die paum chust man^ so werden se fruditper
des iars.
48. item zu dem weinachttag so man gen metten gedt fo
siecht ainer ain holz ab vnd traids mit im haim, tikI
au detn sunbentabent legt ers an das jewr. so cho-
ment all znaubln zu dem fevnr, dew in der ganzen
pharr sind,
49. item in den vndemachten iaulFent dy iunkfravm an
den sumerlangen zau>n des uachtes. pegreifft sy aineo
langen stehchen so wirt ir ain langer man.
50. item allew milichhefen stürzen sy auf den ti»ch
vnd rauchen tz. so stilt man in dy milich nicht.
51. auch so man gen metten get. so der mensrh ain
runczt vnd get vber sich , so stirbt er des iars nicht.
52. item in denselben nachten ist chain mensch auf dfr
weit nicht, so hungert es des iars nicht vast, vnd gv^iat
leicht genüg.
53. item zu- derselben zeit so ains chrophat ist so wirt ff
sein also au, so ains cldocht, vnd spricht ^se hin mein
chrcph an deinen chroplC und greift an den chroph vr.d
tut das uenster die weil auf u. wirft in hinaus, so veiigel
er im glucklaw.
54. item man nist nicht in den nachten, so stirbt das
viech nicht.
55. item den rauchscherben gebnt sy drey stund vbtr
sich, 60 peissent es dy nicht des iars.
56. item abdroiu phenning ^ twechl man im an dea
weiunachttag, so lassent sich dy phening gern gAvineo.
57. item wer wolf oder fuchs nent, dem stet des iars
das gwant nicht recht.
58. item hent v. oren habent sy vber das fewer «
chumpt chaiu orhol in das or nicht, noch dy negei swemt
in nicht.
59. item so man ain taczs"^) gen kirchen trait ftrr aia
haws, so lauft aiue in dem haus hin vnd seczt auf ai^nti
dri/üz so Wirt ir der selb man.
•) /</£, ah-^alif, Steuer V Hofer 3, 220,
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ABBRGLiAUBB li
60. das man mit ainer par tanvz, ee das sy zu dem
tancz get, so siez sy auf ainn drifuea oder &y saicht
durich ain reitten so tancz man mit ir var fiir di«
andern.
61. ain scliuester so er schuech zu sneyt so legt er das
leder auf ain st'ul so let es sich pald verkaufFen.
62. item an ainem freytag sneid chaine ab ainen pacJien,
so "wert Ay saw nicht phinnig.
63. item so ain chind geporn wirt vnd hat ainen raten
rifihch pber den hals, es wirt erhangen.
64. item wer VII paternoster spricht, vnd den iar
gancz aus, der lebt das iar aus. spricht er dew p^r. rfr.
nicht aus, so stirbt er des iars.
65. item so man ain tacz gen kirchen trait. siecht es ain
mensch im haus fixr tragen, so spricht es ^mert es das
feipr mit dem elkl^ (vgl* 19) , so stirbt chains aus dem
haus nicht*
G. aus Hans P^intlers blume der tugend> gedichtet im
j. 1411. (nach der gothaischen hs.) **)
Die zaul)ry die ist got fast vnwerd,
auch sprechend sy 'mich hautz gelertV^
ain münch, wie möchtz püsz gesin?'
daz sprich ich py den trewen mein,
das man ain solllchen mimch oder pfaifen
also soll straffen,
das sich zechen stiessend daran;
wann scy sind alle sampt jm pan,
die den glauben also fast krenken* —
wann es ist wider dich, du liochstes gut
alles daz man mit zaubry tut,
vnd wie fast es vrider dich ist
dannocht findt man zu disser frist
die zaubry dannocht pflegen,
ettlich wellent pfeyl auss segnen,
do wellent si dem tewffel bannen^
das sy jn pringent gut zu samen;
so wellent eltlich wai* sagen
vnd vil wellent den tewffel fragen
wa gut Ug vnd edel gestain*
Do habent denn ettlich gemain
••) den augsbnrger druck von 1486 (Panzer 1, 164. 2, 58) konnte
ich zur berichügung des oft verderbten textet nicht gebrauchen, vgl.
Adelungs Püterich p. 34-38.
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1.11 ABBaOLAGBE
mit der pössen Erodianoy
do vrellent gelauben ettlich an Duma, *)
die da ain falsche göttin ist,
und auch ettlich mainent haben den list
als 8ey die lewtt kundent schiessen
vnd durch alles gemüre giessen
iPechssineaf pild mangerlay,
so wissen dissew das vogel geschray
und auch darzu die trem auslegen^
ertlich kunnent den schwert aegen
das sy nicht auf diser erden
van kainem dorf werden erstochen; **)
ettlich kunnent an jewr erkennen
wie sich die sach hie sol enden,
so kunnend ettlich jn der hand
schouwen eyttel laster vnd schand.
vil allte weih kunnend den handel
EU lieb oder findtschafft,
ettlich gebent loazbxicher kraSt^
vnd ettlich kimdent patonichen graben^
vnd vil wellent den eyapogel habeui
so nutzend etdich den allraufn^
und ettlich glaubent an die frau^n
die haisset P recht mit der langen naa.
so send ir vil^ die yehen, das
die /uind giffi sy sdz wol getan^
das sie sy von ainem man
pesser, denn von dem andern;
und vil die wellend nit wandern
an den verworffen tagen;
so send denn vil, die hie haben
glauben, es pring gi^ossen &um
ob jn des morgens ain wolf kum
vnd ein haa pring ungelücke;
vnd ettlich lütt hand die ducke,
das sy den teuyffel petten an,
atern, sannen vnd auch den maun»
vil wellent auf oblaut acHriben,
vnd das fiepper damit vertryben;
ettlich segnent für daz zene we
so hand ettlich den fierde hie
*) es #teht: an die djadema.
**) f«tiU eiae seile, oder m«br als ein wort luater werdsa.
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ABERGLAUBE lih
das sy dauon gauglen sechen;
ist auch vil, die da yechen,
sy kunnend vngewitter machen \
und ettlich zaubrer die wachen
dem Stern Venus vmb die mynne ; —
80 send auch ettlich^ die schünden
drey palmen an dem pahntag,
vnd ettlich segnent den schlag
mit ainer hacken auf ainem trischuhlen
und ettlich stellen auss den kublen
das schinalzy die weil mans rurt,
ettlich der lewt f{irt
das sey send jnvisibiiis^
und ettlich habent den piffys.
so sprichet menger tumer lib,
die teutte sey ^ain altes weib
vnd kunne die lütt sugen,
und ettlich lütt die gelaubei^
der albe mynne die lutte;
so sagt manger die tewtte^
er hab den orhen gar eben gesechen,
vnd ettlich die yechen,
das schrättlin sy ain klaines kind
vnd sy alz ring alz der wind,
vnd sy ain verzwifflotter gaist.
so glaubent ettlich aller maist,
das der sigelstein hab die kraft
das er mach sygehaffl:,
vnd vil wissen der erkennen sitt (?)
so nutzend auch vil die erdschntih
^u mangerlay zaubry,
vnd ettlich schribent auf daz plyt
under der cristmessz für den wurm
so nemen ettlich für den stium
den elsenpauni h5r ich sagen;
und ettlich wellent kol graben
wann sy den ersten schwalm sechen,
vül künden, }n jr gwand spechen
ob es glucklich suU gaun,
so habent vil lütt den waun,
das verhene daz selb krutt
mach die lewt ain ander trut,
wann man sy grab ze abend;
und auch vil pösz lütt die gend
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LIT ABERGLAUBE
de» nacLles durch verschlossen tiir,
und ettlich lütt tragen herftii-
8*dber vnd gold alz ich hör yeclien
wenn sy nennen mon sechen,
80 tragent ettlich lutt auss
das ivasser alles aiifss dem husz,
wenn man totten traitt
fiir das hus^ als man saitt;
so send ettlich alz besint
wenn man jn junge höner bringt,
so sprechent sy *plib herhaini
als die fud pey meinem pain!'
vnd vil die yechen, die wegtvart
sey gewesen ein fraw zart
und wart jrs pullen noch mit schmerlzen.
ettlich legent des widhoffen hertze
des nachtes auf die schlaiiffende lütt,
das es in haimlich ding bclütt
vnd vil zaubry vnrain;
die sechend an dem schul terpain
das menschen sei beschechen;
vnd ettlich die yechen
das sy nicht gut, daz man
den tenggen schnch leg an
uor dem gerechten des morgens fru;
und vil die yechen, man stel der t\i
die milch aus der wammen.
do send ettlich der ammen
die selben nement die Jungen Jti/td
do sy erst geporen synd
und stossends durch ain hole
do ist denn nichtsz wole,
oder es werd ain liorcnplassel darusz.
auch treibt man mit der ßedermuss
menig tewschlich spil,
vnd ist des vngelaubes so vil
das ich es nit gar sagen kan.
do habent ettlich lütt den waun,
das sy mainent, vnser leben
das unsz daz die ( .... ) gebpn
- vnd daz sy vns lue regieren,
so sprechend ettlich diernen
sey erlailen dem menschen lue auf erden;
\iid ettlich sendent die pferde
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ABERGLAUBE lv
für elenpug und auch für rencken ;
vnd auch vil lütt llie gedeucken
vnd habent sein auch gantzen «yn,
sy mugent nicht haben gwin
des tages, und sy fechten (? unz $y sehen)
ain pfeyfllin, als sy yechen,
es spricht manger *ich bin gogel,
ich haun gesechen sant Martia vogel
hewt an dem morgen fru,
mir stosset kain vngelück nit zu'.
do weiJcnt etllich dapey,
wenn es vngeu^'itter sey,
das ^Y alles von der münch wegen,
die da gand affler der wege;
vnd auch etllich mainenl sicherlich,
wenn der rapp topp *), daz tült ain liclu
ettlich habent denn aiacn newen fund,
sy behaltend den pisz jn dem qiund
wenn man aue uiavia lätt.
do send denn ettlich prwtt^
die legent jr hemmet an jrs maus ort.
so kan auch manger drew wort
das er nymmer tewrer wirt;
60 ist eltllohcr hirt
der sein i>icli segnen kan
das }m kain liase tret dar von (? daran),
vnd ettlich nement jresv lind
wenn sy ain wenig hranch sind
imd legeuds ouf ain dryschuffel ;
uil kimnen salben den kubel,
das sy obnau ausz faren.
etllich spynnen am sampstag garen
und machend dariisz sant lorgen hemd;
vnd send ettlich so behend
das sy varent hundert meyl
dar in ainer kurtzen weil,
ettlich prechend den lullen ab
die pain als ich geholt hab
vnd legent dar ein porst imd loL
mangew maint, sy kund auch wol
Segen hyn vnd her wenden ;
ettlich die lütt plendent
*) f\ corvüs nietet.
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VI ABERGLAUBE
mit ainer hand von dem ga^n,
vill wend den taig folgen *)
an der hailigen sampstag nacht.
nianger auch karacterea macht
av8z pirmit virgineum
ettlich puctieren den linium
jn der kunst geometria
8o nympt der denn ohen pratv
uon den gerechten äugen
vnd daz plvit %fon den krawen
vnd macht darusz zaubery;
manger n3rmpt ain järigea zwy
von ainem wilden hasaelpawm]
so send denn ettlich frawen,
die erschlingen vmb die kirchen **) gen
vnd haissent die totten auf sterty
vnd niement den ring von der kircJien tür
jn die liandy vnd ruffend *her für'
und sprechend 4ch riir disen rink,
stett auf, ir alten pärttUngT
do send auch ettlich man
sie nement von dem galgen ain apan
*) talgen, kneten, talken.
**) es steht in der hs. kuechen^ das anpassend scheint, aber aicb
in dem fahrenden achüUr vorkommt, ans dem ich die ganze hierber
einKhIagende stelle mittheile (Aw. 2, 65. 56):
mit wunderlichen Sachen
l^r ich sie denne machen
▼on wahs einen kobolty
wil aie, das er ir werde holt,
und töufen in dem bmnnen,
und legen an die sunnent
und undersins umb die kuechen gdn»
so beginn ich sie dan llren
den ars des nahtes kdren
g^n des liebten mdnen schtn;
die Ur ich d& ze velde sfn,
die l^r ich holn waschen^
die brunzen in die asehen,
die Ur ich brant betrechent
die l^r ich morchen brechent
die l^r ich batSnien graben^
die ungesprochen traben,
die t^r icn nahtes nacket stim
die erslingen gin dem fiure gin»
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ABERGLAUBB htn
vnd legent den vnder die kirchtür,
80 8olt kain pfennig gaun hin für ;
vnd ettlich nützend den strängen
da ain dieb an ist erhangen
und an der raifchnac/U wirffet man
die schnchy alz ich gehört han,
über daz haubt erschlingeny
vnd wa sich der spitz kert hyn
da sol der mensch beliben.
vnd vil lutt die tribent
wunder mit dem huffna^el^
vnd ettlich steckend naiSsl
den lütten jn die magen;
vnd sämlich laund nicht jagen
die hund auf der rechten fert,
ettlich send so wol gelert,
das sy an sich mit gewalt
nemen ainer hatzen gestalt.
so findt man den zaubrinin vurain,
die den lütten den wein
trinchend auss den heiern verstolen,
die selben haisset man vnuerholen«
so send denn ettliche^
w^enn sy sechend ain liehe
so raunent sy dem totten zxl
und sprechend ^hum morgen frn
und sag mir, wie es dir dort gee*,
so faret man vber see
die lewt mit guttem winde, ••
und ettlich nement jre kinde
wenn es nit gesclüauffen mag,
und treitz herfür an die hayttren tag,
und legtz für sich ain aichin prandt
und nympt ain scheitt jn sein hand
und schlecht den prand mer denn zwir»
so gett ain andrew denn py jr
und spricht 'waz newestu?'
'da nae ich hie nu
meins kindes masslaid vnd nachtgeschrey
und alle main zunge enzway*.
so send denn ettlich also getan,
wenn sy den ormutzel han,
so nemend sy ain küssy in die hand
und schlachends an den schlauf zeliand
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LYiii ABERGLAUBE
und spricht ^flewch, flewcli ormüizel,
dich jagt ain küesi zyplTeÜ'
mauig zaubrerin die seia
die nement ain /uiche/i vnd schlackend wein
auss einer dur aicliin saul,
und ettlich machend mit dem hnul
vaden mangerlay trauiFerey,
so nempt manger gersten pry
vur dryaffel, hör ich sagen,
mangew wil den dich laben
der an dem galgen erliaugen ist,
auch habent vii lütt den list
das sy nützen daz totten tuch
und ettlich stelon aus der pruch
dem man sein geschirr gar,
so farent ettlich mit der far
aujf helhern vnd auch pechen
durch stain vnd stocke.
H, aus doctor Hartlieha (leibarztes herzog Albrechts von
Baiern) buch aller verboten kunst, ungelaubens, und
der Zauberei, geschrieben 1455 an Johans markgrafen
von Brandenburg, (cod. pal. 478, einer hs. zu Wol-
fenbüttel erwähnen UfFenbachs reisen 1, 310.)
cap. 31. 32 von dem faren in den lüften. In der
bösen sclmödcn kunst nigramancia ist noch ain torhait das
die lewt machen mit iren zauberlisten ross^ die komen
dan in ain alts hus^ vnd so der man wil, so^ sitzt cp
daruff, vnd reitt in kurzen zeiten gar vil meil. wan er
absitslen wil so behelt er den za\fm , vnd so er wider
vfsitzen wil, so rüttelt er den zavm^ so chomt das ro9
wider. Das ros ist in warhait der recht tewffel. zu so«
lieber zaubrey gehört vedermeusplüt damit müsz sich der
mensch dem tiuffel mit vnkunden worlcn versclu-eiben,
als debra ebra. das stuck ist by ^ttlichen fürsten gar ge-»
main, vor dem sol sich dein fürstlich gnad hütten.
Zu söUchen farn nützen auch man und weih, nem —
lieh die vnhulden^ ain salb die haissen vn ^entum phare^
Hf, die machen sie vss sihen Jcrewtern vnd prechen ytcXx^
li(h^ krawt an ainem tag der dan demselben krawt zu-
gehört, als am suntag prechen u. gi*aben si solsequiuin,
am mentag lunaiuam^ am erctag verbenani, am mittwocJieti
mercurialem, am phinztag barbam jovis, am freitag capil-
los veneria, daivss machen sie dui salben mit migcbimg
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ABERGLAUBE lix
eüiclis plutz von vogel auch scliinalz von tieren , das ich
als nit schreib das yeman darvon sol geergert werden«
vrann sie dan wölln, so bestraichen sie penh oder seule^
rechen oder ofengabel/i, und faren dahin.
cap. 34. hagel u. schaur zu machen ist auch der
kirnst aine, wan wer damit umbgan wil der muss nit
allain sich dem tiufel geben, sunder auch gotz, des hailigcn
tauffs u. aller cristenlicher gnad verlaugnen. Die kunst
tünd und treiben nit mer dan die alten weib die dan an
got verzagt sind. Hör und merk, o hochgelebter fürst,
ain grosse sach die mir selbst begegnet ist, und geschehen
ist da man zalt von Christi Jhesu gepurt tusent vierhun-
dert und im sechs imd vierzigsten jare. Da -wurden ett-
lich frawen zu Haidelherg verprannt vmb zaubreye, ir
rechte lermaistrin kam darvon. darnach in dem andren
jar kam ich in potschaft von Manchen zu dem durchleuch-
tigen hochgepornen pfalzgrau fen herzog Ludwig, dem got
genady wan sol ain fürst durch sein trüi behalten wer-
den, so ist er ye bey got. In den selben tagen kamen
mar vne die maistrin gefangen war. Ich batt sein genad
das er mich zu ir liess, der fürst was willig. Er tett die
frawen, auch den ketzermeister, mir zupringen in ain stät-
iin haisst Götscham in Seins hofmaisters hus genant Fet-
ter von Talhaym. Ich erwarb von dem fürsten die genad,
wann mich die fraw lernet schaur und hagel machen, das
er sie leben wolt lassen, doch das sie sein land verswern
solt. Als ich zu der frawen u. dem ketzermaister in ain
Stuben allain kam u. begert ir lere, die fraw sprach, sie
möcht mich die sach nit gelernen, ich wolt dan alles tun
das sie mich lernet. Ich fragt was das war, damit ich got
nit erzürnet und nit wider cristenlichen gelauben tätt,
das wolt ich tiiu. 8y lag mit ainem fuss in ainem eysen,
und sprach zu mir dise wort : 'lieber sun , du must am
ersten gotz verlaugnen, der lauf und aller sacrament, da-
mit du gesalbt und bezaichent bist, darnach must du ver-
laugnen aller hailigen gotes und voruss seiner muter Ma-
ria, darnach so must du dich mit leib u. sei ergeben den
drei tilißen die ich dir nenn^ und die geben dir ain zeit
zu leben u. verspreclient dein willen zu iaisten als lang
bis die zeit verendet wirt\ Ich sprach zu der frawen r
'was muss ich mer hui?' die fraw sprach: 'nit mer, wann
du der sach begerst, so gang an ain gehaym, und ruf den
gaisten, und opfer in das. so chomen sy und machent dir
in ainer stund hagel wa du wilt.' Ich sagt der frawen
das ich der sach chaine tun wolt, wann ich vor geredt
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I.X ABERGLAUBE
hett, möclit sie mir sölich kirnst miltaileu, das idi gott
nicht erzürnet, auch wider cristenlichen glauben nit tilt,
80 wolt ich sie ledig machen. Sy sprach das sie die aach
nit anders kündt. Die fraw wart vrider geantwurt Han-
sen von Tailhaim, der tett sie verprennen^ da er sie ge«
fangen hett*
cap. 50, es ist aber ain ungelaub, wann man ain
Verlust tut, so sind lütt, die beswern ain prot und stechen
darein driü measer in driü crütz und ain spindel und
aineu enspin daran und halten das zwain person uf
den ungenanten vinger^ und beswert bey den hailigen
zwölfboten.
cap. 51. mer vind man lewt die ainen lä^ segneni
und mainent, wer schuldig sei an dem diebstal der mng
des käs nit essen, wiewol darein etlich aaiffen für hiU
geben wird, noch ist es sünd.
cap. 55. 56. 57. wann der maister in diser kunst
(ydromancia) will erfragen diebstal ^ schätz graben, oder
aunst was er dann haimliches wissen will, so gat er ain
auntag vor der sunnen uff gang zu drein flieasenaen prun»
nen und schöpft us yeglichem ain wenig in ain lauter pn*
liertz glas, und tregt es haim in ainen schönen gemach , da
prennt er dan kerzen vor und legt dem wasser ere an
aam gott selber. Damach nimbt er ain rain kindj und
setzt das uf ainen schönen stul für das wasser. w^ann nun
das rain kind da sitzt, so stat der zaubermaister hinder im
imd spricht im etliche unerkante wort in die oren. dar-
nach list er unerkante wort^ und haisst im das rain kint die
wort nachsprechen, was die wort bedeuten, kan noch
kain maistr üssgelegen, dann das der mensch mit sölichoi
verporgen worten sich selb got benimbt und sich dem bösen
tewfel gibt. Wenn nun der maister den knaben also vor im
hat, so haisst er in sehen was er sech, imd fragt dann nadi
dem schätz, diebstal oder sunst wornach er will, die ain-
falt des kinds macht das es spricht, es sech diss oder das,
darin vermist sich dan der bös tiüfel u. lasst erscheinen
oft das unwar für das war.
cap. 58. Es sind noch gar vil weg wie man das fPa«-
eer schöpfen 8(fl. wan etlich nemen es in fliessenden was-
sern, das lassen sie auch gefallen^ und tunt das in ain glas.
Etlich die hollcn sölich wasser in steenden weyem, und
sieden das alsweg in den ern der gaist, die dan sie mmoen
gewalt zu haben über die wasser, der aller herre und fürst
ist Salathielj als die maister sprechen.
cap. 60. Etlich weih besprengen Ire kraut oder pflan*
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ABERGLAUBE lu
sen mit gefpeichtem waaaer j und mainent das die kraut-
vrürm mit daran komen süllen, das ist als ein ungelaube«
£a sind etlich hoflüt, wann die new sporn haben , so stos-
sen sie die mit den rädlen in ainen weichprunnen und
sprechen^ was sie damit hawen das geschwell nimermer.
das ist alles ein ungelaube. Etlich zaubrerin die gand zu
ainem mälradj und vahent das wasser in dem luft, das
vorii dem rad uffspringt, mit dem selben wasser treibent
sie manigerhand zaubrei zi^ lieb und zu feintschaft. auch
vrer nit gut man gesein.mag, dem helfen sie damit das er
gut man müg gesein. das ist alles ein ungelaub.
cap. 61. auch sind etlich bös cristen die mit maniger-
hand wasser zaubrei treiben, als von dem gesegenten ge^
weichten tauf ^ daran aller cristen hail und säld ligt, da-
mit zaubern si und machent gar yil damit das nit zu
schreiben ist. ja, wellichs alt weih mag gehaben den tauf
die maint das sie hab den haan ertanzt.
cap. 63. aber ain zauberlist von dem wasser. ettlich
nemen zwai ding als Iiölzlen, hälmlen oder ringe münz
als haller, und nemen ains nach ainer person, und das
ander nach der andern person, und wann die zwai ding
zusammen rinnen uff* dem wasser in ainem pecl^ so
süUen die zwai zusamen chomen; flüicht aber ains vor
dem andern, so süllen si nit zusamen chomen, und wel-
lichs am ersten flüicht des sol die schuld sein. Die mai-
ster dis üngelaubens versuchen auch damit, welliches un-*
der zwai eelüten ee sterben sol, wann sie mainen wellichs
ee versinhy das sol am ersten sterben.
cap. 67. 68. Nun wil ich schreiben von der vierden
kunst die verboten ist, und haisst aremancia , und gat zu
mit dem luft, auch was darin swebt und lebt. Die kunst
ist gar vast bei den haiden, die habent auch darin sölich
gross imgelauben, das sie das eren und anbeten, das in
am ersten erscheint, und das eren sie dan desselben tags
für iren got. Die bösen cristen treiben mit der kunst vil
üngelaubens, wan sie reden wann ainem ain luis begegne
das sei ungelück, und wann ainem ain wolf begegne so
soll das ain gross gelück sein, der ungelauben sint gar
vil in manigen tieren. Es sint lewt die mainent, wann
ainem die vQgel fliegen zu der rechten hant^ so sol es
bedeuten grossen gewin und gross gelück, und wan sie
fliegen zu der gUnggen Seiten, so sol es ungelück imd
Verlust bedeuten. Das alles ist ain ungelaub. Es sind lüt
die gross glauben haben an den aren und mainent, ye
wan er tascJienhalb flieg, es süll bedeuten gross gelück
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uu ABBaGLAUBB
oder grossen gevrin. Es sind leut die habent so grossen
gelaubeu daran ^ das sie ir tuschen an die andern selten
heren, wann dann der ar sich auch umbkerty das oft
von geschieht komt, allererst so habent si dan grossen
gelaiiben und mainent das es nit yäl sunder z^reifel
der tewfel ist der kunst rechter erdichter und einplaser,
er verwandelt sich auch selb in sölich gejügel darumb
das er die lüt betrüg.
cap. 69. Es sind auch etlich fürstenherm arm und
reich, die ir gejaid halten auf etlich tag und wann der oder
diser wind tut wäen ^ das ist alles ungelaub
Etlich lüt tragen hoch uedern in den hüten das tünd sie
dariunb das si wissen, von wannen der wind gang und
mainent das sie in etlichen Sachen gelück haben wider den
wind, und in etlichen andern Sachen habent sie gelück von
dem wind, das ist alles ein ungelaub und zaubrei.
cap. 73. Es ist noch ein ungelaub in der kunst die
ist also , wan ein mensch nieset , damit sich dan natür-
lich das hirn ravmet, das haben sie für ein gross zaichen
glück oder Unglücks, und nemen damss ir Weissagung als
ob der nieser drei sind, so sein vier dieb iirnb das hus»
Ist ir dan zwen so sol der mensch wider ufsten, und sich
anders legen sclilaufen , ist ir aber dreizehen so sol es
vast gut sein^ und was in die nacht erscheinet, das sol im
als in gut war werden, auch des morgens so der menscfa
von dem pett gat, so bedeuten die nieser aber anders, d«r
ding sind gar vil, und das alles ist ain rechter tmgelanb.
cap. 74. es sprechen auch etlich natürlich maister^ das
sölich niesen fast nahet dem schlag, wan solten die gro-
ben wind in dem hiren verschopt beleiben und nit iissgan,
den menschen schlug der schlag als zu band, wann dar-
umb haissen das etlich maister die minder applexia, das
ist der ciain schlag, wann so der mensch niest so ist er
vil seiner gelider in dehainen weg gewaltig, aber von doi
genaden gottes so wert es nit lang das ist das pest*
cap. 77. Es sind auch etlich lewt und nemlich gross
fürsten, die gar und ganz gelauben und mainen wann
gross ungestüm kämen, dass dann gross verrätrei ge-
schehen süllen, das ist ein gross irrung.
cap. 79. man vindt etlich zaubrerin die machent pild
und atzman von wachs und andern dingen, sie machen
die zu etlichen stimden und nennen etlichen kund und on-
kund namen, und henken das in die lu/t, und so der
wind das riirt so mainen si, das der mensch in des na-
men es gemacht ist der sol kein nie luiben. das alles ist
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ABERGLAUBE um
ain grosser uligelaub und zaubreL etlich kirnt (1. tünt)
das mit ainem aspenplat und schreiben daruf auch ir
zaubrei, und mainent damit lieb zwischen lüten zu machen«
Von sülichen atzmannen hab ich gar vil gelesen in der
kunst magica, da ist Vermischung des gestirns und auch et-
licher unkunder wort und sunst gar \il framder ding, dad
alles ist rechte zaubrei und ain böser ungelaub. ich hab
auch vil hören sagen w^ie die weib sölich atzman machen
und sie pei ainem Jewr päen , damit sie dan kestigen
die man.
cap. 80. Es sind frawen und man die sich underwin-
den feuere zu machen und in dem fewre dan sehen ge-
schechne und künftige ding. Die maisler und maistrin diser
tewilischer kunst haben besunder tag, darin lassen sie in
holz zuberaiten, und wann sie ir kunst treiben wollen, so
gand sie an ain gehaime stat und füren mit in die armen
torhaftigen menschen den sie dan warsagen süllen. sie haissen
sie niderhniegen und dem enget des Jeu^rs , den sie eren
und anbäten , auch opfern, mit dem opfer zünden sie das
holz an, u^d sieht der maister gar genaw in das fewr , er
merkt wol was im darin erscheint.
cap. 83. Die kirnst pyromancia treibt man gar mit ma-
nigerlei weis und form, etlich maisler der kunst nemen ain
rains hind und setzen das in ir schossy und heben dan
sein band uiT und lassen das in seinen nagel sehen, und
bescliweren das chiud und den nagel mit ainer grossen be-
ßweruDg, und sprechen dan dem chind in ain ore driu un-
chunde wort, der ist ains Oriel, die andern beschweig ich
von crgrung wegen, darnach so fragen sie das chind umb
was sie wollen, und mainen das chind süll das sehen in dem
nagel, das alles ist ain rechter ungelaub, und du cristen-
mensch solt dich hütten darvor.
cap. 84. mer ist ain trugenlicher list in der kunst,
das die maister nemen öl und russ von ainer pfannen^
und salben auch ain rains chind,, es sei maid oder kneb/in,
die haut und machent das vast gleichent, und heben die
hand an die sannen das die sunn darein schein, oder sie
heben ierzen, die heben sie gegen der hend und lassen das
chind darein sehen, und fragen dan das cliind wornach
sie wollen ; so ist ir mainung was das chind in sag das süll
war sein, sie wissen aber laider nit wie der bös tiüfel sich
darein mischet; und vil mer unrecht dan recht erschei-
nen lasst.
cap. 88. Die maister und ir^leichen die treiben di«
kunst auch in ainem schlechten Spiegel und lassen linder
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LXif ABEAGLAUBE
darein sehen die sie dan auch vast beswem und in audi
verporgne wort einraunen und mainent vast vil darin zu
er&agen. das ist alles ain ungelaub und des bösen te\¥fels
gespenst und yerfurung. hüt dich du cristen^ icJi warn dich
gar treulich, auch treibt man die sach in ainem schönen
glänzen pulierten swert y und die maister diser kunst
mainent ettlich wann man müg wol nach streit oder grüm-
Samen Sachen fragen, so sei das (ain) stiert sein , das
pil leut damit er tot sein , so körnen die gaist dester ee
und pelder. wann man fragen wil nach lust und iräden,
kunst erfinden, oder schätz zu graben, so sol das swert
rain und unpermailigt sein» ich waiss selbs ain grossen
forsten, wer dem prlngt ain altes haher swert ^ der hat
in hoch geert.
cap. 90. 9 t. In der kunst pyromancia sind auch gar
vil ander ungelaubeu, und nemlich ainer der sol des ge«
wiss sein, der ist der allersnödest und bösest, wann so
man ie vester gelaubt an sühch zaubrei so si iemer ist
sünd. das stück gat zu, das die Inaben künftige und alle
ding süllen sehen in ainem criatallen. das stück treiben
die valschen verzweifelten und verzagten cristen, den
dann lieber ist des tiüfels gespenst und trugnuss, dan die
warheit gottes in maniger band weis. Ettlich haben gar
ain lautern schönen gepulierten cristallen oder pariU
len, den lassen sie waihen und halten in gar rain und le-
sen dazu weirravch, mirren und desgleichen, imd wann aie
die kunst treiben wollen, so warten si uf gar ainen sc/iöa
tag oder baben ain rain gemach und dann gar vil ge-
weichter kerzen. Die maister gand den gen bad und nemen
dann das rain chind mit in und beclaiden sich dan in
raines weiss gewand, und sitzen nider und sprechen in
Zauber bat, und prennen dann ir zauberopfer und lassen
dann den knaben in den stain sehen und raunen im in
seine oren verporgen wort die süllen vast liaihg sein, war-
lich, die wort sind tewflisch. Darnach fragen sie den kna-
ben, ob er icht sech ainen engel? wan der knab spricht
ja, so ^'agen sie in was varb er anhab? spricht der knab
rottf so sprechen die maister ie, der engel ist zornige
ynd bäten aber mer und opfernt dem bösen tewfel aber
mer. darinn hat dan der bös tewfel ain wolgefallen*
spricht der knab dan, der engel ist schwarz , so spricht
der maister, der engel ist vast zornig wir müssen noch
mer hätten und mer Hecht prennen ^ damit wir senften
den zorn des engeis. und bätten dan mer und opfernt
mit ravch machen und andern dingen wan dan
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ABERGLAUBE lxy
den tiiifel bedunkt, das er dienst genüg hab, so lassl er
erscheinen den engel in weiss ^ so ist dan der maister
fro, so fragt er dan das chind was hat der engel in der
7iand? er fragt in also lang bis er spricht *ich sich ain
zcdei in des engeis band.' so fragt er dan so lang bis er
siebt piichstaben. die selben puchstaben sambent dan der
maister und macht daruss wort, so lang bis er hat darnacli
er gefragt hat.
cap. 94. Es ist wol geschehen das etlicli priester uf
sölich visiones so gar verbaft waren, das si die hailigen
pcitenas^ daruf man got in der mess handelt und wandelt,
nanien, die Hessen die kind darinne sehen imd lietten glau-
ben, das allain die hailigen engel darin erscheinen möch-
ten und chain tewfel. dieselben haben gar vast geirret etc.
cap. 96. noch treibt man ainen zauberlist den man
auch zuschreibt der kunst pyromancia ... die maister der
kunst nemen plei oder zin und zerlassen das, und giessen
es dan in am wasser, und nemen. das pald wider darus
und beswern die parb und Lochien des pleis oder zins,
und sagen künftige oder vergangne ding davon, das alles
aln ungelaub ist.
cap. 102. noch wiss, das die menschen auch ansehen
die vinger^ ob der ciain vinger gang an dem goltvinger
über das ober glide. das sol gross glück bedeuten und
so es ie vester dariibergang so sei das glück ie grösser.
Mar ob der selb ciain vinger das glid an dem benanten
goltfinger mit rilr ^ derselb mensch sol so gar Unglück-
haftig sein, ker dich nicht dran du guter cristen, es ist
ain tand.
cap. 103. Es ist ain volk züicht vil in der weit
umb, das haisst zygainer^ das selb volk weib und man
kind und auch alt die treiben die kunst gar vast und ver-
füren manlcli ain fal ticlichen menschen etc.
cap. 106. 107. 108. von einer warsagerin, die doctor
Hartlieb selbst gekannt, und welche vorgab: das die kunst
lange jar in irem Geschlecht gewesen war und nach irem
tod so häm die genad uf ire elteste. die frau wird von
den leuten geelirt und eingeladen. Ich batt sie ir kunst
mit mir auch zu tailen. si was willig, sie hicss mich wa-
schen mein hend und Irücknet die mit ir band selb und
neigt ilir gesiebt gar genaw uf mein hend und sagt mir
sach» die an mir nicht müglich sind zu geschehen.
cap. 115. 116. Spatalamancia ist der siben verpot-
tert kunst aine, die kunst gat gar mit ainem spähen frem-
den list zu. imd 80 ich alle kunst wol betracht, so hab
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LXYi ABBaGLAUBB
ich noch nie kaine oder ungelauben funden, der minder
grimds hab dan die kunst, zwar es ist "wol ain gespöttische
kunst die maister diser kunst nemen ain Schul-
ter n von ainem toten ochsen oder pfärd, hu oder eseL
wan ich hab sie gefragt das si sagten, nach ains menschen
schultern, die dan die pest sei, so sein aller grosser tier
schultern vast gut, und waschen die schultern gar wol mit
wain, darnach mit weichwasser. Si pinden sie in ain rain
tuch, und so si ir kunst und zauberlist treiben wollen ^ so
pinden si uf die schultern und tragen sie an ain stat usser-
halb tachs und sehen dan in die schultern und mainen
das sich die Schulter vercher nach ainer jeglichen, frag. li
haben weder ain Hecht noch opfer, aber das ist ain groe-
«er ungelaub, das si die Schulter waschen mit weichwasser
und das sie gelauben das sich die Schulter durch ir frag
vercher und verwandel. der maister gelaub ist so gro»
das si nach kainem grund der kunst fragen, si sagen von
freiem herzen alles das in dan einfeit, uf sölich frag za
lösen und zu entschaiden sie mainen das sie alk
ding erfragen mügen.
cap. 120. die maister diser kunst haben auch lar;
und ufsehen, wie die Schulter varb hab, an dem end an
der mitt und an allen örtenu darnach pläst in dann der
teufel ein, was sie gelauben und reden süllen.
cap. 121. am ersten wil ich schreiben von den
gennspain , als man zu sant IVIartinstag oder nacht die
gans geessen hat, so behalten die ehesten und die weisen
das prustpain, und lassen das trucken werden bis UMff-
gens fru und schawen dan das nach allen umbstendeo,
vorn binden und in der mitt. Darnach so urtailen ö din
den Ufinter wie er sol werden halt warrn truclen ote* i
nass , und sind so vest des gelauben , das si daruf ver- i
wetten ir gut und hab. si haben auch daruf ain suiidtf
loss das nit välen soll noch mag, als si sagen von den
Schnee ob der gross werden sol oder ciain, das alles kana
das gensspain. Vorzeiten gieugen ^9^ alten pawren v§
den ainöden damit umb, nun ist der ungelaub gevrach-
8en*in küngen fursten und dem ganzen adel, die an soüd
sach gelauben*
pag 76** 77*. Noch will ich dir ains schreiben ven
dem genspain das mir in kürz gesagt hat ain gross si^id
capitani, an den gross forsten und gemain gross gelaabeo
haben, ains durch sein tat, das ander durch sein weishait,
das dritt durch sein trüi die er allweg in allen nöten an
•ein erbfürsten gehalten hat. derselb gut man sprach hewr
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I
ABERGLAUBE Lxni
in dem jar tusent vierhundert und fünf und fünfzig jar an
sant Nidaufitag zu mir, 'lieber maister, wie wirl der win-
ter hewr stan, nachdem ak ir sternseher half? Ich was
pald und pald als ich noch bin, und sprach *her Saturnus
gat in dem monat in ain fewrin zaichen, so sind auch
ander Stern darnach geschickt das in drein jarn kain hcr-
ter winter wirf. Der unverzagt man, der cristenlich
haubtman zoch uss seiner wennd den kezrischen ungelau-
ben, das gennspain , und zaigt mir, das nach liechtmess
vast grosse keltin werden solt und möcht nicht gefaleo.
was ich sagt, er sagt mir noch mer, und sagt mir das die
tea^tschen herm in Brewssn all ir krig nach dem gen^-
pain getriben hetten und wie das genspain gezaigl hett,
also hetten si ir zwu fert, aine im sumer die ander im
winter, ussgericht. er sprach noch mer dise worl: *die
weil der teulsch orden dem pain volget die weil hetten
sie gross wird tmd ere, seid aber si das gelassen haben,
so waiss got wol wie es umb sie statt.' Ich sprach *hett
der teUtsch orden ander kunst , hilf und stuir nit dan das
gennspain so wer ir Zuversicht clain\ mit dem schied ich
von meinem reichen wirt.
pag. 76*. Das wissen die natürlichen ärzt wol und
sprechen das ain krankhait sei die haisst bolismus *) oder
apetitus caninus. die selb krankhait mag man mit kainem
essen oder trinken dan allain mit erlznei erfüllen, wann
alle speis gat ungedawt durch den leibe, also verschwindt
das flaisch und die pain beleiben in ir grosse, das macht
das chind so ungestalt, umb das haisst man die chind
wächselkind **>
!• auszüge aus neueren samlungen.
a. aus der Chemnitzer rockenphilosophie,
1. wer in eine wochenstube mit einem tragkorb kommt, mofs einen
span vom korbe brechen and in die wiege stecken; sonst nimmt er
der matter oder dem kind die ruhe mit weg.
2. will die matter wissen, ob ihr kind heschrien ist, so lecke sie
an seine stime: ist es beschrien, so schmeckt die stim gesalzen,
gegen das bescbreien räachere man mit kehricht aus den vier win-
keln^ mit abschabsei ron den vier tischecken * mit neunerlei holz.
3. wer ein stück von der wasche verkehrt oder links anzieht, wird
nicht beschrien.
4. man koche frauenflachs, szysche oder rufkraut, bade den
kranken damit und setze das bad antera bett. ist er beschrien, %o
laafls zusammen, sonst nicht.
•*) pag. 78b am ende steht: Clara Hatzlcrin, name der schrei-
herin ; von ihrer hand ist auch cod. pal, 677.
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LXTiu ABEaGLAüBB
6. wer viel geld Iiat eioznnehmen , soll kreide bin zu legen, ss
können böse hüte nicIiU davon wieder holen.
6. wäscht man »ein geld in reinem wasser und legt salz und hrot
hinzu, so können der drache und böse leute es nicht holen.
7. wenn weiber gam sieden , sollen sie dabei lügen , sonst wird «
nicht weifs.
8. über kehricht zu gehn ist nicht gut, man hat kein glück.
9. kleine kinder nenne man nicht krebschen , sonst verhütten &k,
weil die krebse rückuärts kriechen.
10. wer verreist, und es lauft ihm ein hase über den weg, das ist
nicht gut.
11. wer aus kmg oder kanne trinkt, ül)ersfanne den deckel nicht
mit der band, sonst bekommt der nachtrinkende das /lerzgesj'ann,
12. eitern sollen den kindem keine klapper kaufen noch schenkei
lassen; sie lernen sonst langsam und schwer rede^i.
13. schwerredenden kindem hilft es, bettelbrot zu essen.
14. wer ans dem haus gehend oder ausreisend etvins vergessen bat,
kehre nicht um danach, sondern lasse es durch einen andern nadi-
holen ; sonst geht alles hinter sich.
15. geht ein fremdes in die stube, so soll es juedersitzerij dafs es
den kindern die ruhe nicht mit nehme.
16. man decke den tisch nicht, ohne gleich hrot aufzulegen; widri-
genfalls soll man einen zipfel des tischtuchs Hherschlugen.
17. während die weiber federn in die bette füllen , sollen die mannet
nicht im hause bleiben, sonst stechen die federn durdis innelt.
18. eine henne setze man brüten, während die lente aus der kirdie
gehn, dann kriechen viel junge aus.
19. wer grofsköpfigte liüner wünscht, thue beim ansetzen der glud-
henne einen feinen, grofsen Strohhut auC vgl. 574.
20. das nestafroh nehme man aus einem ehbette, wenn es bänteifi
geben soll, von des mannes, hünlein, von der frauen seite.
21. wer sich früh gewaschen hat, soll das wasser von den banden
nicht abschleudern, sonst verschleudert er selbiges tags die nahruog.
22. eine ledige wiege soll niemand wiegen, sonst wiegt man den
kind die ruhe weg.
23. die nagel an der kleinen kinder bänden soll das erstemal <fie
mutter abhcifsen, sonst lernen sie stehlen.
24. wer zu gevattem steht, soll etwas dazu borgen, so hat dn
pathe immer credit.
25. kinder nenne man nicht * altmännichen ^ altt4feibichen\ sonst ver-
butchen sie und bekommen runzeln an der stjme.
26. sollen kinder lange leben, lassö man die söhne JIdam, die töeb-
ter Li^a nennen.
27. soll ein kind hundert jähre alt werden, mnfs man ihin aus dm
kirchspielen geuatter bitten,
28. mit einem kleinen kind soll man unter einem jähr nicht in dfi
keller gehn, es wird sonst furchtsam.
29. läfst man es unter einem jähr in den Spiegel sehen, so wW
es stolz.
30. kinder die in der taufe schreien sterben bald and werben
nicht alt.
31. bekommen die ersten kinder der ehern namen% so sterben »•
vor den eitern.
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ABERGLAUBE /L'=>Vi»^^
W wr A. >. V
32. sieht ein hund in den backoferit wo man backt, w^rd d^^^v^ .
^ro/ erlöset oder nbgebacken. v^^^^ ^?
33. wer teig im troge hat, kehre die stube nicht aus, bil^tß4e^ iJ\ _.
hinaus getragen ist, sonst kehrt er ein brot mit Jiiuaus. ^^ri5^% ^
3 1. der essig verdirbt, wenn man den essigkrug auf den ^'«t-/*Sl^M^ * ^
35. geht eine sechswöchnerin über ein beet oder ein feld , so wäcJw^^A- ^ .
iB etlichen jähren nichts darauf, oder alles verdirbt. ^^*' ' '^
36. stirbt ein weib in den sechswochen , so lege man ein mandelliolz
oder ein buch ins Wochenbett, auch soll man alle tage das hett ein-
reifsen und wiedenuachen\ sonst kann sie nicht in der erde ruhen,
solange bis die sechs wochen um sind.
37. den kindem soll man den ersten hrei nicht blasen, so verbrennen
sie nachher an heifsen suppen das maul nicht.
38. wer will werden reich, schneide das hrot fein gleich.
39. wahrend zu grabe geläutet wird, ^sst man nicht, sonst thun
einem die zäJme weh.
40. werden dem kind unter einem jähr rothe schuh angezogen, so
kann es kein Hut sehen.
41. steht eine schwangere vor dem brotschrank und if^t, so bekommt
das kind die mitesser, vgl. 813.
42. etwas am leibe zu ßicken , ist nicht gut.
43. auf hirameifahrt soll man weder nnhen noch ßicken , sonst ziehen
- dem, der das genähte am leibe tragt, die gewitter nach.
44. griindonnersta^s bretzeln gegessen ist gegen das fieber gut.
45. wenn man 'über ein kind schreitet, wächst es nicht gröfser *).
46. wer im holze arbeitet, wird nicht reich.
4T. unter den tisch , an dem abends leute sitzen , leuchte man
nicht, sonst entsteht zank.
48. die pathen sollen dem kind ein lößeichen kaufen, sonst lernt
es geifern.
49. legt die Wöchnerin einen schwarzen latz vor, so wird das kind
furchtsam.
50. in den sechs wochen soll man kein kind in mantel fassen, sonst
wird es tranrig und bekommt stets trauer.
51. wer beim spiel geld wegleiht verspielt.
52. wer zum sjnel borgt gewinnt.
53. eine stillende mutter gehe drei sonntage schu^eigend ans der
kirche und blase jedesmal ihrem kind in den mund, so kommen ihm
die zähnchen leicht an.
54. Christ nacht s , zwischen eilf und zwölf, ist das wasser wein,
nach andern wird wasser in der ersten osternaclit um XII geschöpft
za wein,
55. Weihnachtsabends t wessen scliatten bei eingebrachtem licht kei-
nen köpf hat, der stirbt in selbigem jähr, sielit man ihm nur den
halben köpf, stirbt er im zweiten halbjahr.
56. in den zwölf nachten erbsen, linsen, bobneu nicht zu essen,
sonst bekommt man die kratze.
57. wer zu gevattern stehen will und hat sich schon zur kirche an-
gezogen, soll nicht erst sein wasser abschlagen, sonst thut das path-
chen desgleichen ins bett.
*) mein bruder schritt auch mit eim fufs über mich , und sprach :
^oho Thömilin, nun wirst nit mer wachsen*/ Thom. Platcrs leben p. 19.
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Lxx ABERGLAUBE
58. es ibt nicht gut, wer morgens ausgelit, und es begegnet tbm
ein alt weib. vgl. 380.
59. auf einer hexe frage antworte nicht, sonst kann sie dir etwas
nehmen.
60. haus Wurzel aufs dach gepflanzt , schlägt der donner nicht ins bans.
61. wer rücklings aus dem bett steigt, dem geht den ganzen tag
alles verkehrt.
62. läfst das Jüdel die kinder nicht ruhen, so gebe man ihm was za
spielen, wenn die kinder im schlaf lachep , die äugen üfnen und
wenden, sagt man 'das Jüdel spielt mit ihnen.' man kaufe, ohne
etwas Tom geforderten preis abzuziehen, ein neu topflein, tline lon
des kindes bad hinein und stelle es auf den ofen: nach einigen tagen
wird das Jüdel alles wasser herausgeßet schert liaben. Sie hängen
auch eierschalen ^ aus welchen der dotter in des kindes brei und der
mutter suppe geblasen worden ist, an der wiege mit zwirnsfaden anf^
dafs das kind damit spiele, statt mit dem kind.
63. wird ein ganz brot unaufgeschnitten vom tisch getragen, so
müssen die leute hungrig davon gehen.
64. wer salz verschüttet, raffe es nicht auf, er hat sonst kein glück.
65. wer die schuhe einwärts tritt, wird reich, wer auswärts, arm.
6G. wer die ^elbe sucht hat, "lasse den schmierkübel von eines fubr-
manns wagen stehlen , und sehe hinein , so vergeht sie.
67. heult ein hund in der christnacht, so wird er selbiges jähr
thö rieht,
68. wer einer katze schadet, oder sie umbringt, dem steht groCs
Unglück bevor.
69. beifsen sich die katzen in einem hause, worin ein kranker liegt,
so stirbt er bald.
70. ein weib, das butter rühren will, soll ein dreikreuziges messer
ans fafs stecken, so geräth die butter.
71. splittert die sich in der wohustube von den dielen lösen, be-
deuten fremde gaste.
72. wenn sich die katze putzt, bedeutet es einen gast,
73. schreien die elstern im hof oder auf dem haus , so kommen gaste,
74. wem ein ßoh jiuf die band hüpft, der erfahrt etwas neues.
75. wenn das kind nicht zunimmt, so hat es das £lierlein; man
schiebe es etlichemal in den backofen, so mufs jenes weichen.
76. spinnen umzubringen ist nicht gut.
77. neugeborne kinder soll man die drei ersten Sonntage fein pQtzeo,
so stehen ihnen dereinst die kleider schon.
78. wenn die weiber auf lichtmesse bei Sonnenschein tanzen, so ge-
räth ihnen der ßachs dasselbe jähr.
79. schaut montags ein fremder zur stuhenthür ein , ohne gar eia-
zutreten, der macht, dafs der mann die frau schlägt.
80. kauft oder schenkt der bräutigam der braut ein buch^ so wird
die liebe verblätlert,
81. wer essig ansetzt, mufs sauer dazu schauen und böse sein, sonst
misräth der essig.
82. wem die ohren klingen^ der wird belogen.
83. henne^ wie ein han krähend, bedeutet nnheil.
84. wer grilndonnerstags fastet, bleibt das Jahr frei von ficber, aad
hat ers, so vergehts.
85. wer zu markt die erste lösung wegborgt, verborgt sein glück.
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ABERGLAUBE lxx^
86. wer za markt feil hält, soll dea ersten häuf er nicht gehen
lassen, gäbe er nach die waare zu wolfeil.
87. der bräntigam soll seiner liebsten weder messer noch scheere
sdienken, sonst wird die liebe zerechnitten,
88. freitags die kinder niclit baden, sonst kommen sie. ans ihrer ruhe,
89. wer stillschweigende wasser holt , schöpfe aus dem flufs pon
oben hinahwärts*
90. vor H^allpurgisnacht crenze an die thfiren zu schreiben, so
schaden die hexen nicht.
91. beim schlafeogehn nichts auf dem tisch liegen zn lassen, sonst
kann das älte&te oder jüngste im haus nicht schlafen.
92. begegnet einer zur kirche gehenden sechswochnerin ein mann^
so bekommt sie das nächstemal einen sohn^ wenn eine fraut ein
mädchent wenn niemand, keine kfnder mehr, wenn zwei leute, Zwil-
linge.
93. wer früh nüchtern niest t empfangt selbigen tag etwas geschenkt.
94. es ist nicht gut, feuer und licht durch einen fremden sich aus
dem haus tragen zu lassen, die nahmng wird dadurch ans dem haus
getragen.
95. die neneinziehende magd soll alsbald ins ofenloch schauen, so
gewohnt sies bald. vgl. 501.
96. wer lein säen läfst, gebe dem saoiann ein trinkgeld, sonst ver-
dirbt der flachs.
97. giefst eine ledige in der cliristnacht lieifs blei in kaltes wasser,
so bildet sich das handwerksgeräth ilires künftigen bräutigams.
98. wer aus mitten in einem ameisenhaufen gewachsener birke einen
hölzernen schlauch oder hahn drehen läfst, und zapft wein oder hier
hindurch, der wird geschwind ausschenken.
99. wer brat ungleich aufschneidet, hat den tag gelogen.
100. ledige y die gern männer hätten, sollen nachts vor Andreastag
diesen heiligen nackend anrufen, so wird ihnen ihr liebster im schlaf
erscheinen.
101. will eine magd wissen, ob sie länger im dienst bleibt, kehre
sie Weihnachtsabends den rücken nach der thür und werfe den schuh
vom fufs über den kopfi steht die spitze nach der thür, so mufs sie
abziehen, steht der absatz nach der tliür, so wird sie bleiben.
102. eine magd, die wissen will, was für haare ihr liebster habe,
greife in der christnacht rücklings zur thür hinaus, so fafst sie die
haare in die band.
103. wer ungefähr einen hasenlorber im walde findet und.ifst, wird
sein theil vom hasen haben, er komme wohin er wolle.
104. wer nachts in den spiegel schaut, schaut den teufel darin.
105. zu erforschen, ob sie das jähr über einen mann kriege, soll
Weihnachtsabend oder mitternacht die Jungfrau an das hünerhaus klo-
pfen: gackert der han, so kriegt sie einen, gackert die henne, kei-
nen, vgl. 230»
106. reiten die kinder mit spiefs und fahne auf der gasse, so
kommt ein krieg über das land. tragen sie sich mit creuzen^ so
kommt sterben.
107. wer kein geld hat, hüte dafs ihm der neumond In den leeren
beutet scheine, sonst leidet er den ganzen monat geldmangel.
108. wem der storch auf dach oder Schornstein baut , der wird lange
leben und reich sein.
109. zu forschen, ob ihr iiebhaber gerade oder krumm ist, mufs
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Lxxii ABERGLAUBE
etoe dirne weiboaclitsabendi an eine klafter oder an einen stoTs iiots
treten und rücklings ein schelt ausziehen \ wie das scheit wird 6a
liebste «ein. (vgl. xlvi, 7.)
110. zu wissen, wie er heifse, soll sie den ersten des tags gespon-
nenen garnfaden vor ihre hausthür spannen^ und wie der erste vor-
beigehende wird auch ihr künftiger mann beifsen.
111. es ist nicht gut, rost oder dreifufs^ ohne ihm etwas anf m
legen, über das feuer zu setzen; welches weib es thut, die kriegt
eine schürze (runzeln) ins gesiebt.
112. gräfst ein weib, beim bettegehn, die sterne am himmel, nisnat
ihr der geier oder habicht kein küchlein.
113. thnt man st roh in ein bett, lasse man die knoten nicht an dem
strohhündern, sonst kann niemand darauf schlafen.
114. ein zu markt gehendes weib, hat sie friihe beim aufsteha dei
rechten schuh erst angezogen, wird sie ihre waare tfiearer las
werden.
115. wer ein hemd an trägt, von garn gewoben, da« ein mädcbem
unter sieben jähren gesponnen , der hat glück darin, vgl. 931.
116. regnets hvi Johannistage so verderben die nüsse, und geratbcB
die huren.
117. die zwiebeln, Bn( Joltamiistag im beet umgedreht, geratbea gro&
118. auf Bartholmäi sollen die mägde niclit ins kraut btaten geho,
Bartliolmäus wirft dann häupter ins kraut, und würde sonst verscbeodit.
119. wer pierblättrigen klee findet, soll ihn werth halten; solang m
ihn hat wird er glückselig sein. (vgl. Lir.)
120. rabe oder krähe auf einem haus, darin ein kranker liegt, nie*
dergesessen und schreiend bedeuten seinen tod.
121. in den zwölften dürfen die schäfer den wolf nicIit netmoh
sonst zerreifst er die schafe.
122. trägt ein kind einen dattelkern bei sich, so fallt es nicht, oder
nimmt wenig schaden.
123. wer zum erstenmal in ein neues haus oder gemach kommt vuk
darin schläft, was ihm ^\^ erste nacht träumt ^ wird wahr.
124. verliert eine frau oder magd auf der gasse das strump/hasd,
so ist ihr der mann oder freier ungetreu.
125. geht ein weib zu bett, soll sie den stul, darauf sie gesessen,
erst von der stelle rücken, sonst drückt sie der alp,
126. wenn auf dem heerd feuer brennt ^ schlägt das wetter nicht
ins haus.
127. ein kalb, an s. Veltens tag geworfen, dient nicht zur sucht
128. wer über land reist, begegnet ihm wolf, hirscht eber^ bär,
so ists ein gut zeichen.
129. wer ein hufeisen findet, oder ein stück davon, hat gifick.
vgl. 220.
130. spinnt eine magd sonnabends den rocken nicht ab, so wird
aus dem übrigen flaclis oder werg kein gut garn und bleicht nim-
mermehr.
131. der vater gebe dem kind gleich nach der taufe ein schwert m
die hand, so wird es kühn und beherzt.
132. ein neugeboren knäblein stofse man mit den fufsen an sciaes
vaters brüst , so nimmt es nimmer kein bös ende.
133. ein neugeboren töchterlein setze man alsoI?ald anf seiner mutter
brüst , und sage : ' gott mache dich zu einer guten frau ! *, so konat
es nie zu fall oder schänden.
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ABERGLAUBE lvxiti
134. wem frühmorgens eine spinne auf den rock kreucht, der wird
des tage» glückselig.
135. reitet ein mann über land, und stufst auf ein spinnendes weiht
das ist ein schlimm zeichen; er soll umkehren und einen andern weg reiten.
136. wenn geläutet wird, und die uhr schlagt drein, so bedeutets feuer.
137. ein neugeboren kind lege man nicht zuerst auf die linke seite^
sonit bleibt es linkisch.
138. wer felder hat soll IfalpurgLinhend mit rühren drüber hin-
schiefsen, so können die hexen der saat nicht schaden.
139. blaue kornblume auf fronleichnamstag mit der würzet ausge-
rissen stillt nasenbluten, wenn man sie in der band hält, bis sie
erwärmt.
140. am tage Jbdon (SOjuIi) rotte man schilf aus teichen, dörner
ans feldern, so wachsen sie nicht wieder.
141. juckt einem weibe hals oder kehle, so geht sie bald auf kind-
taufe oder hochzeit, juckt ihr der köpf, so bedeutets schlage.
142. helle christ nacht finstere scheuue, finstere christnacht helle
Scheune.
143. wer ein erdhünchen oder eine hausotter schädigt oder nur sieht,
mufs in dem jähr sterben.
144. Ohrenschmalz an die degenspitze gestrichen, löst des gegners
festigkeit auf.
145. wenn zwei kinderstillende weiber zugleich mit einander trinken,
so trinkt eine der andern die milch ab, und wenn zwei leute zu-
gleich mit einander anfangen zu trinken, so trinkt einer dem andern
die röthe ab»
146. wer brot ifst, davon ein andrer gebissen hat, wird dem andern
feind und gram.
147. lafst eine frau jemand anders die hand an ihre schürze wischen,
so wird ihr dieses andere gram.
148. hausnistende schwalben bedeuten armut, sperlinge reichthum.
149. reif, der Weihnachtsabend vom fafs springt, deutet auf den
tod eines im hause selbiges jähr.
150. erlischt das licht auf dem altar von selbst, so bedeutets des
priesters tod.
151. ohrenzwang vertreibt sich eine frau dadurch, dafs sie eines
mannes hosen um den köpf windet.
152. wenn die mägde zunder brennen, müssen sie von mannshemdern
flecke dazu nehmen, von weibshemdern fängt der zunder nicht.
153. christnacht s nasse strohhänder um die Obstbäume gebunden
macht sie fruchtbar.
154. Obstbäume fastnachts beschnitten leiden von raupen und Wür-
mern nicht.
155. damit katz und hund nicht entlaufen, treibe man sie dreimal
um den heerd und reibe sie an die feuermauer.
156. sieht der jnann eher den wolj , als der wolf den mann, der
darf kein leid vom wolfe fürchten; sieht aber der wolf den mann
am ersten, so ist der mann in gefahr. man sagt auch: er wird
stumm oder heiser,
157. Johannisblut (wegtritt) auf Johannis zur mittagsstunde gesam-
melt, ist für viel dinge gut.
158. schreit eine elster vormittags auf dem krankenhause sitzend
und man sieht sie von vornen^ so ist die bedeutuug gut; schreit sie
nachmittags und mau sieht sie von hinten^ schlimm.
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Lxxiv ABERGLAUBE
159. hundeheulen bedeutet Unglück.
1 60. hienenschufarmy der sich an ein haus hängt, bedeutet feaersbroBst
161. solang die lerche yor lichtmesse singt, so lange schweigt sie
nacb lichtmesse.
162. heben ein junggesell und eine Jungfrau zusammen ein kiod,
so soll der pfaife sich zwischen sie stellen, sonst wird stets Uneinig-
keit zwischen ihnen sein.
163. niemand soll seine gevatterin ehlichen, denn so oft sie sieb
ehlich vermischen, donnerts*
164. wer die erste könne hier aus dem Ms bekommt, soll gescfawiMi
fort laufen; so geht dies hier bald ab.
165. man soll kleine kinder nicht barfufs auf Aen'jisch lassen tre-
ten, sonst bekommen sie böse füfse.
166. das ausgelöschte licht soll man abends nicht umgekehrt anf
dem lenchter stecken lassen; denn kommt ein dieb in der uacbt, m
kann niemand Tom schlaf erwachen.
167. ein kuäblein geboren im Fenusmorgenstern ^ bekommt ein Tiel
jünger weib, als er ist; im Venusahendslern ^ ein viel älteres« bd
mägdlein ists das gerade gegenspiel.
168. wer von der mahlzeit aufsteht, soll das hrot, davon er ge-
gessen, nicht liegen lassen; nimmt es ein anderer, und wirfts über
den galgen, so kann jener dem galgen nicht entgehn.
169. hollundor vor die stallthur gepflanzt, bewahrt das vieb vor
Zauberei.
170. wer eine schnür bei sich trägt, womit ein bruchschneider einea
geschnittenen hruch verbunden hatte, hebt die schwerste last ohne
gefahr.
171. ein stück holz von einem aus der erde gegrabnen sargt im
kraut gesteckt, verhütet die raupen.
172. fast nachts soll man keine suppe essen, sonst trieft einen stets
die nase.
173. Nicasiahends des heiligen namen mit kreide an die tfair ge*
schrieben, macht die häuser frei von mausen.
174. flickt der fuhrmann eine otter oder Schlangenzunge in die
peitsclie, so ziehen seine pferde ohne schaden die gröGsten lasteo ans
den graben, und übersaufen sich nicht
175. Peterstag soll man den hünern nester machen, .so legen sie
viel eier.
176. eine schwangere, die geuatter wird, soll das kind nicht selbst
aus der taufe heben, sonst stirbt ein kind, das getaufte oder ihr eignes.
177. wem frühmorgens zuerst eine Jungfrau oder ein priester be-
gegnet j bedeutets Unglück, eine hure^ glück.
178. ein entiföhntes kind soll nie wieder an brüst gelegt werd^
sonst wird es ein gotteslästerer,
179. eine schwangere soll unter keiner wagendeiciuel hinkriechee,
sonst mufs sie über die zeit gehen.
180. der siebente söhn ist glückselig, etwas zu heilen, pflanzen oder
sonst auszurichten.
18). übelthäter auf der folter hängen einen zettel an den rücken,
worauf ps. 10, 15 steht; so halten sie die marter ohne bekentois ans.
182. brot und salz bei sich getragen sidiert wider zauberet
183. für das fleber: drei bissen gestolen brot, in zwei nufsscbake
gespien, und das brieflein geschrieben: /^kuh wilt du zu stalle, f rarer
»io geh du zu walle.'
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ABERGLAUBE Lxxr
184. hat einem die maus am kleide genagt, so bedentets nngKick.
185. wenn die weiber oder niägde sacke waschen t «o regnets bald.
186. niesen beim sclmlianziehen bedeutet unglnck.
187. neugewaschen hemd freitags angezogen hilft gegen das grimmen.
188. wer gestulen käse oder brot if^t, bekommt das schlucken davon.
189. mitternacht vor Johannis soll man teufelsahhifs graben, so sind
die wurzeln unahgehissen und dienen zur Vertreibung des teufeis.
190. Johanniskraut vertreibt hexen und teufel, daher dieser aas
bosheit alle blätter mit der nadcl durchsticht.
191. wenn einer stirbt, sind die fenster im haas aufzumachen, damit
die seele hinausfahren kann.
192. soll ein kind fromm werden, so mufs es die pathe oder das
weib, das es aus der kirche nach haus trägt, alsbald untern tisch
legen 9 der vater es hervornehmen und der mutter geben.
193. in welchem jähr keine eisfahrt wird, misrath die gerste.
19». wird ein wehr in einen ström gebaut, so regnet es nicht in
selbigem lande, bis das wehr fertig ist.
195. steckt man eine gans dreimal durch die beine und gibt ihr drei
bissen gekautes brot mit den Worten , ' lauf hin in gottes namen ! ' zu
fressen, so kehrt sie wieder heim.
196. wer am kalten fieher leidet, krieche ans wasser, das aber
fliefsend ist, streue eine handvoll salz dem flusse nach aus und spre-
che: 'ich säe meinen samen, in gottes namen, wenn dieser same wird
anfgehn, will ich mein kaltes wieder sehn.'
197. wer frühlings den kukuk zum erstenmal schreien hört, soll ihn
fragen: ' kukuk ^ beckerknecht, sag mir recht, wie viel jähr ich leben
soll?' so viel mal er nun schreit, so viel jähr lebt der fragende noch.
198. ifst eine ledige Jungfrau das angebrannte vom brci aus dem
topf, so regnets auf ihrer hochzeit, und so es regjnet, werden die
neuen eheleute reich (vgl. 498).
1 99. ifieh auf dem markte leicht zu verkaufen , räuchere man es mit
der aus der mitte eines ameiseuhaufens gegrabnen schwarzen kugel.
200. man lange nichts über die wiege hin, wo ein kind liegt, noch
lasse man sie offen stehn.
301. diebsdaumen bei sich getragen, oder bei die waare gelegt,
macht, dafs sie gut abgeht.
202. wer einen bund erbschlüssel zur zeit an eine stubenthfir wirft,
vor welcher jemand lauscht, so ertaubt der horciter sein lebenlang.
203. fastnachtdienstags milch gegessen, brennt einen sommers die
sonne nicht.
204. will eine braut über ihren mann die herschaft haben , so ziehe
sie sich am hochzeitstage in einem backtrog an und klopfe an die
kirchthur.
205. ein kind zu entwöhnen, setze es die mtitter in die stube, und
stofse es mit dem fufs um, so vergifst es der mutter desto eher.
206. lauft der frau ein hund durch die beine, so schlägt sie der mann.
207. todten lege man geld in den mund, so komikien sie, wenn sie
einen schätz verborgen haben, nicht wieder.
208. Stocher aus einem Splitter holz, worein der donner geschlagen^
vertreibt zahnweh.
209. kein messer soll auf dem rücken liegen, sonst werden die
engel damit verletzt.
210. schlagen ^wei glocken in der Stadt ungefähr zusammen, so
sterben zwei ehleute von einander.
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I.XXVI ABERGLAUBE
211. eine beule lieitt ohne gefahr, wenn man sie mit einem dret-
kreuzigen messer drückt.
212. die braut zielte ins brautigams baus im finstem ein, so werden
alle Winkel voll sein.
213. lauft t\n hund swisclien ein paar freunden durch, bo wird die
freundscliaft getrennt.
214. wer einen schätz haben will, soll dabei nicht reden.
215. Störche auf sein haus zu ziehen, mache man ihnen ein neit
mit der linken hand auf die feueresse.
216. wer einen geschwollneu hals hat, gehe stillschweigend in die
niühle, stehle ein band von einem sack und binde es um den hals.
217. wer fruhiings die erste schwalbe sieht, stehe alsbald still nad
grabe unter seinem linken fufs mit einem messer in die erde, so
findet er eine kohle , die ist das jähr gut für das kalte fieber. vgl. lfii.
>^18. wer beim schatzgraben brot mit sich trägt, den können die
gespenster niclft verstören.
219. palhengeld macht reich und glücklich.
220. ist einem etwas gestolen, so schlage man einen ungefähr ge-
fundnen hufnogel (vgl. 129) auf die statte, da allzeit feuer ist, so
mufs einem das seine wieder werden.
221. hurenkinder sind glücklicher als eheliche lente.
222. läfdt man bei der taufe ein stücklein brot weihen, so fehlti des
kinds eitern nicht an brot.
223. wer im neumond sein geld zählt, hat nie mangel daran.
224. einen kreuzdreier auf einen schätz geworfen, so kann er nicht
weichen.
225. fastnachten hirsen gegessen, quillt das geld.
226. wem ein knabe oder eiu mädchen zuerst auf dem markt etwas
abkauft t der hat des tages gut glück zum verkauf.
22T. die erste lösung werfe der kaufmann auf die erde, und trete
sie mit iufsen, so geht der handel desto besser.
228. es ist nicht gut, dafs der kukuk nach Johannis schreie, ud
bedeutet theueruug.
229. wird die braut heimgeholt, soll sie keinen umuvg fahren, son-
dern die gemeine straße ^ sonst hat sie Unglück.
230. wer unter einer hünerstange hergeht, beschmeifst ihn die hennet
so bedeutets Unglück, der han^ glück. * vgl. 105.
231. ein neu kleid soll man nicht leer anziehen, sondern sich vorber
etwas in die tasche verehren lassen, sonst hat mau kein glück.
232. wer gevattern bittet, soll eine ledige dazu bitten, sonst hat
das kind kein glück zum heirathen, bekommt auch keine kinder.
233. wer Jung glücklich ist, mufs im alter betteln, und umgekehrt
2.'U. wer wermut bei sich trägt, kann nicht beschrien werden.
235. findet man eine nadel, und sie kehrt einem die spitze zu, to
wird man Unglück haben, wenn aber deu kopf^ glück.
236. früh morgens, eh man einen bissen brot genommen, soll naa
nichts in den mund nehmen.
237. wer frühlings den ersten frosch im wasser und nicht anf den
land sieht hüpfen, hat ^^ ganze jähr über Unglück zu gewarten.
238. bei zunehmendem mond soll man in eine neue woknung ziebea,
oder beim t^ollmond; auch brot und salz hineintragen, so wird darin
alles voll sein, und an nichts, mangeln. .
239. wer pferdege wiche r hört , soll fleifsig zuhören , denn sie deutet
gut glück an.
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ABERGLAUBE lxxtii
240. spinnt eine seciiswociinerio' wolle, hanf oder flachs, so wird das
kind dereinst aufgehängt.
241. freitags sollen sich die weiber nicht bürsten und flechten, sonst
gedeiht das Ungeziefer.
242. wer nüchtern morgens geld findet, und liegt kein holz darunten
das ist ein unglücklicher fund.
243. wer sonntags geboren wird, ist glücklicher als andere.
244. wer fastnacht dienstags früh nach Sonnenaufgang stillschweigend
drischt, vertreibt die maulwürfe.
245. gegen den abnehmenden mond stehe man, und spreche: 'wie
der mond abnimmt, also nehmen meine schmerzen ab.' vgl. 492.
246. die ofengahel nicht im ofen zu lassen, sonst können die hexen
täglich einen ortsthaler aus dem hause holen.
24T. in Schaltjahren soll man nichts sonderliches bauen, pflanzen,
vornehmen : es geräth nicht recht.
248. bleibt der weggehende mit dem kleide an der thür oder am
nagel hängen, so soll er noch ein wenig allda verweilen, sonst trift
ihn Unglück. .
249. wer freitags die nägel abschneidet, hat glück.
250. legt man einer hexe einen besen so in den weg, dafs sie dar-
über schreiten mufs, so wird sie unmächtig und kann kein Unglück
stiften.
251. glück im spiel hat wer das herz einer euls, den stein aus dem
rücken einer Jledermaus^ oder den köpf eines wiedhopfs bei sich trägt,
vgl. 329.
252. brennt das licht abends rosen^ so kommt des andern tags geld
oder sonst ein glück.
253. wer in der ernte das erste körn einführt, soll von den ers*"««
garben etliche nehmen, und in die viar winket der scheune kreuze da-
mit legen, so kann der drache nichts davon holen.
254. Crierts am kürzesten tag, so fallt das körn im preise, ist es ge-
lind, so steigt sein preis.
255. so viel die theuerlinge (eine art schwämme) korner in sich ha-
ben, so viel groschen wird das körn hinfort gelten.
256. sucht man vergebens nach etwas, das da sein mufs, so hält der
teufet die band oder den schwänz darüber.
257. wer zu markt geht, sehe sich vor, dafs ihm niemand mit wasser
begegne \ sonst kehre er lieber um, er würde weder zu kaufe noch
verkaufe glück haben.
258. aus dem körn der zuerst ausgedroschnen garhe läfst sich das
fallen oder steigen der kornpreise so beurtheilcn: man fülle ein mafs
viermal voll, so dafs es vier häufen gibt, dann thue man die häufen
wieder ins mafs, und streiche ab. fallen nuu von einem der häufen
körner ab, oder scheinen körner zu fehlen, so schlägt in dem entspre-
chenden quatember des nächsten jalirs das kom ab oder auf.
259. ehieute sollen von ihrer hochzeit brot aufbewahren, so leiden sie
nie daran mangel.
260. wer sein mit auf die weit gebrachtes kleidchen (die glückshaube)
anfliebt und bei sich trägt, dem gelingt alles.
261. wer eine abgebifsne maulwurjsjfote bei^sich trägt, kauft wolfeil
und verkauft theuer. .
262. beim ersten kleid fürs kind ist am macherlohn nichts abzuziehen ;
je mehr abgezogen, desto weniger glück 'hat das kind.
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Lxxviii ABERGLAUBE
263. wer samen säen will, üöte sieb, ihn auf den tisch za legen,
gellt nichts auf.
264. beim ersten f^ebäcke nach neajahr mache man so Tiel kleine km-
chen, als leuto im hause, gebe jedem einen namen nnd drücke mit den
finger ein loch ein. wer nun sterben soll, dessen loch backt sich au,
die andern bleiben.
265. trägt man den täußing zur kirche, so hebe man ihn zum fensttr
hinaus \ er wird desto länger leben u. gesünder sein.
266. wer erzählt und dazu niest, oder wenn aucli ein andrer /»></, so
Ut die erzablung wahr.
267. zwei sollen nicht an einem kinde megen^ es kommt dadurch a«
seiner ruhe»
268. siroh^ auf dem man geschlafen, nicht zu verbrennen, sonst Laaa
man nicht ruhen*
269. wer in der kirche erkrankt, genist niclit leicht.
260. wer zunder mit fingeru anrührt, dem fangt er nicht
271. wer käse auf dem tischtuch schabt, dem werden die leute graot
272. wer viel schimmlicht brot ifut, wird alt
273. wetzt der mann sein messer anders als anf dem ordentlicbea .
Schleifstein, so entsteht streit im haus.
274. wer weidinachtsabend keine bohnen ifst, wird zum esel.
275. wer gründonnerstags nicht neunerlei kraut if«t, kriegt das fieber.
276. wer am eignen leibe näht oder flickt, nehme allemal was ias
maul, sonst wird er vergefslich.
277. riecht ein kind vor d^m ersten jähr an etwas , so lernt es her-
nach nicht riechen.
278. mau soll das liebe brot nicht auf dem rücken liegen lassen.
279. die speise auf dem tisch rein aufgegessen , gibt den andern lag
gut weiter,
280. wer den schlucken hat, stecke ein blofses messer in eine kaaae
mit bier, und trinke einen guten trunk in einem ödem.
281. hat ein kranker oder sterbender hänerfedern unter sich, so kaM
er nicht sterben.
282. den Sturmwind kann man stillen^ wenn man einen mehlsack ams-
stäubt und dazu spricht : 'siehe da, wind, koch ein mus für dem kiadf
283. wer sich gewaschen hat, und trocknet die hände am tischtuch
bekommt warzen.
284. wenn die glocken dumpfig läuten, stirbt gemeinlich eins darat^
klingt die kirchglocke hell, bedeutets hochzeit.
285- wenn eine braut getraut wird, und regnet unterwegs , so bat sie
geweint^ scheint die sonne^ gelacht,
286. kommt einer ungefähr zu einem Butter rührenden weih, aad
zählt die reife am butterfafs von unten aufwärts nnd wieder fon obea
herab, so kann die butter nicht zu wege gebracht werden.
287. es ist nicht gut> über die finger oder die flache band zn sehen.
288. gibt man einem Säugling zu allererst statt des breis von einen
rothen gebratnen apfel zn essen, so bekommt es rothe backen.
289. ein klein kind gedeiht nicht , wenn man es wUrmchea oder jäM
heifst.
290. wen die katze , indem sie sich putzt, ansiebt, der wird aoige-
macht oder gescholten werden.
291. läfst die köchin das essen anbrenneity so ist sie verlobt oder ver-
sprochen.
292. welche Jungfrau die katzen liebhat, bekommt einen fronaen ■•■■.
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ABERGLAUBE lxxix
S93. geht eine schwangere über ein f^rab, go stirbt ihr kind.
294. wer procefs führt, and sieht seinen gegner eher^ als der gegner
ihn, wenn sie vor gericht geben, der behält recht
295. wer vor gericht geht} und sein mes^er blofs einsteckt, behalt
recht.
296. wer nicht wo! kann schlafen , kind oder alt, dem lege man einen
ruheunsch unters kopfkissen: das ist stroh, was.'tragfraaeu unter den
rücken legen ; mau mufs ihn aber diesen ieuten stillschweigend weg-
nelimen.
297. wenn man vieh , das geschlachtet wird , beklagt , kann es nicht
sterben«
298. es ist nicht gnt brot auf den tisch zu legen , so da(^ das aufge-
Bcbnittne theil vom tisch schaue.
299. wer ein gespenst hört, schaue nicht um , sonst wird ihm der hals
umgedreht.
300. Mauritiustag keinen waizen zu säen, sonst wird er brandig.
301. es ist nicht gut, wenn man über den köpf sieht.
302. wenn am tage Johannis enthauptung in einem bäum ge/iauen
wird, mufs er verdorren.
303. wenn eine magd brot teigt und einem burschen ins gesicht greift,
bekommt er keinen hart,
304. wer zum erstenmal bei einem hurenkind gevatter wird , hat glück
im heiraten.
305. wenn man einem zutrinkt, reiche man iiim den krug nicht offen.
306. wer ein erloscJien licht wieder anblasen kann, ist reiner Jungge-
selle oder reine Jungfrau.
307. wer ein rad über den thorweg macht, hat glück in seinem hause.
808. holt eine sechswö^hnerin brunnenu^asser , so versiegt der bruune.
309. wendet man einen teller um über der mahlzeit, so können die
Kexen theil haben.
310. eine zum Scheiterhaufen geführte hexe soll man nicht auf blo/se
erde lassen.
311. wer blasen auf die zunge bekommt, wird sogleich belogen, er
soll dreimal ausspeien und dem belüger alles böse anwünschen.
312. ein kranker, der weint und thräneu vergiefst, stirbt des lagers
Diclit.
313. wenn die heimen oder grillen im hause singen, geht es glück-
lich zu.
314. wer lang schläft wird weifs, und je länger je weifser.
315. wenn braut oder bräutigam auf den trautag einen scitaden an
sich haben, den müssen sie mit zu grabe nehmen und kann nimmer-
mehr geheilt werden.
316. wenn der mond zum kammerfenster herein scheint, zerbricht
die magd viel topfe.
817. wem etwas ins äuge fällt, speie dreimal über den linken arm,
so kommt es heraus.
318. auf nebel im merz gefallen, folgt hundert tage nachher grofse
Wasserflut.
319. wer über abgeschnittne nägel geht, wird dem gram dessen sie
gewesen sind.
320. stillt ein weih ein knäblein^ und legt einmal einer andern kind,
das ein mägdlein ist, an die. brüst, so kommen die kinder, wenn sie
erwachsen, in Unehren zusammen.
82 1. wer nur in einem schuh oder strumpf geht, bekommt den sciinupfen.
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hxxx ABERGLAUBE
322. wenn das feuer im ofen platzt , entsteht zank im bans.
323. solange das essen noch auf dem tisch brotzelt oder kodit, wird
die köchin von ihrem mann geschlagen.
324. wem die weiber abgehn, und die pferde wol stehn, der wird reich.
325. wenn ein licht pon sich selbst ausgeht, stirbt eins im hause.
326. wer an bluinen oder kränze riecht, die zu einem begräbnis ge-
hören, verliert den geruch.
327. wenn man einen rosmnrinstengel abschneidet und zu eioero
todten ins grab legt, so verdirbt der ganze stock, sobald der zweig
im grabe fault.
328. wer eier ifst, soll die schalen zerdrücken, (die hexea nistea
darin) , sonst kann einer das fieber bekommen.
329. ein beutel von maulu-nirfsfell ^ darin ein widhopfshopf , samt
einem pfennig steckt, bei sich getragen, läfst niemand ohne ge4d.
vgl. 251.
330. wind in der neujahrsnacht wehend bedeutet pest.
331. wer suppe ifst und den loffel auf den tisch legt, der mit dem
innern theil oben hin fällt, hat noch nicht satt; er soll noch mehr
essen, bis der loffel mit dem äufsern theil sich aufwärts kehrt
332. wenn man zu tische brot verschneidet, und ungefähr ein stfick
meiir, als leute da sind, so ist ein hungeriger gast nnterweges.
333. wer etwas an sich trägt mit christnachts gesponnenem zwirn
genäht, an dem haftet kein Ungeziefer.
334. man soll nicht mit fingern nach mond oder stemen am himmel
weisen., man verletzt den engein die äugen damit, vgl. 937.
335. wer einen kreuz fogel im hause hat, ist vor dem einschlagen
des Wetters sicher.
336. beim brauen lege man einen straufs grofser brennesseln aufs
fafs, so schadet kein donner dem hier *).
337. geht eine schwangere über die zeit , so lasse sie ein pjerd ghs
ihrer schürze fressen , dann wird sie leicht gebähren.
338. wenn ein paar vor dem nitar steht, und sich, die bände reicht,
wessen hand die kälteste ist, stirbt am ersten.
339. wer Weihnachten, neujahr und dreikönigsabend etwas stiehlt, obie
ertappt zu werden, der kann das ganze jähr über sicher stehlen,
340. freitags nogcl &ü bänden und füfsen geschnitten hilft wider
zahnweh.
341. Martini kann man am brustbein der gans sehen, ob der winter
kalt oder nicht wird, nachdem es weifs oder braun aussieht vgl. lxti.
342. die bauern sollen ihre mägde, wenn sie das erste gras im jähre
bringen, taufen oder mit wasser begiefsen, so schlafen sie nicht beim
grasen.
343. wenn sich starker Sturmwind hebt, hat sich gemeinlich ciacr
erhängt.
344. hüner aus gründonnerst ags gelegten eiern gebrütet andern alle
jähr ihre färbe.
345. wenn ein kind aus dem haus getragen wird, darf die ohcrthBr
nicht zu sein, es wächst sonst nicht grofser.
*) die donnemessel widersteht dem donner , wird daher za frischem
bier gelegt, dnfs es sich nicht brechen soll, gründonnerstags kocht
man grünen kohl von jungen nesseln» Dav. Frank Mekleoborg 1 , ^'
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ABEfiXSLAUBE lwxi
346. tliat man auf dem auger gelesene federn in ein bett,, ao kann
kein kiiid darin ruheo, ista ein eiibett, ao laufen die ehjeute von
einander.
347. beim brauen ge^ungen^ ger&th das bien
348. wer den ankommenden storch grüfat, bat kein zahnweh.
349. betritt man frühmorgens beim ausgang mit dem rechten fufa
die thurschwelle^ so liat man des tages gluck.
350. ein gebrauchtes fuj'shad soll nicht eher als den andern tag aus-
gegossen werden, man giefst sonst das gluck mit weg.
351. eine unversehens gefundne f«lge von einem alten rad^ wirft man
sie in der heil, dreifaitigkeit namen in die scheune, to schaden die
mause dem getraide nicht.
352. ein von gebettelten Pfennigen gemachter silberner ring am fin-
^er getragen hilft wider allerlei krankheit.
353. einem kind soll man seinen badewisch nicht oft fortlegen, sonst
hat es im alter keine bleibende statte.
354. vor der trauung soll der bräutigara das bierfaCs anzapfen und
den zapfen zu sirJi stecken, sonst können ihm böse leute etwas anthun.
355. char frei tags die kleider an die sonne gehängt, kommt weder
motte noch schabe hinein.
356. char freitags durst gelitten, schadet kein trunk das ganze jähr
über. vgl. 913.
357. beim kirchgang sollen brautleute sieb nicht umsehen^ es ist
nicht gut.
358. beim heimgang sollen sie eine schwarze henne voran zur haus-
tb&r einlaufen lassen (zum fenster hinein stecken), alles besorgliche
Unglück wird auf die henne fallen.
359. wer beim einzug in eine andere stadt oder wohnung unterwegs
hrot verliert, wird hinfort alle nahrung einbüfsen.
360. beim eingang in eine stube soll man in der thür sidi nicht um-
kehren^ es ist nicht gut.
361. ein weib, die den schnupfen liat, soll in des mannes schulte
riechen.
362. einen eiiigestochnen splitter soll man zerkauen , sonst kann er
mehr schaden.
363. sieht beim feuerschlag ein anderes zu, so fangt der zunder nicht.
364. springt eine schwangere über die rinne, Wodurch eine glocke
gegossen wird, so fordert es ihre geburt.
365. seinen feind kann todt beten wer ein ganzes jähr alle morgen
und abende den 109 psalm betet; hält er aber einen tag innen, so
mufs der betende selbst sterben.
366. wer in der christnacht heu stiehlt und dem vieb davon gibt, so
gedeiht das vieh, und er wird über weiterm stehlen hernach nicht
begriffen.
367. in manchem haus oder stall leidets kein weifs tfieh^ sondern
stirbt oder wird erdrückt.
368. wenn eine Ltiche im gesiebt roth sieht, stirbt ihr jemand aus
der freundschafl nach.
369. wo man Weihnachten das tischtuch nach der mahizeit auf die
blol'se erde ausschüttet unter freiem himmel, da wuchst brosamkraut.
370. in den bergzechen soll man nicht sa<;€n ^glück zu*, sondern
''glück auf; es lallt sonst das gebitude ein.
371. wer an einem unsicliern ort ist, und einen esel bei sich hat, dem
kann der teufel nichts leides thun.
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Lvxxu ABERGLAUBE
879. wenn man bei zunehmendem mond federn in i>etteB oder bett-
iniielte steckt, so kriechen sie wieder heraus.
a73. wenn man eine weide zum ho<zbinden in einem stall dr^tt^
darin hüuer, ganse, enten br&ten, bekommen die jungen Liuiiune bälse.
874. hört man den kukuk zuerst schreien, und ist ohse geld, so bit
man das ganze jähr mangel daran.
875. lafst man ein neugebom kind lange unge tauft liegen, so bekowirt
es sdiÖBe grofee äugen.
876. eine Jungfrau, die gern lange haare imtte, lege Ton ibfea baarei
nil den hopfenranken in die erde, so wachsen sie lang.
877. es ist nicht gut, ein thier mit der ruthe zu sditegea , mit wa-
cher man ein kind gezüchtigt hat,
878. wer eiiie schwalbe todt schlägt verursacht Tier woebea anfail-
tenden regen,
379. der erste fall eines kindes schadet ihm nicht.
880. wer frühmorgens zwischen zttfei alten weibem geht, hat den ta«
über kein gluck, vgl. 58.
381. wo die schwalben neue nester bauen, ans den hmue stiiU je-
mand selbiges jähr.
3B2. wenn die katzen ihr fressen rein aufessen, wird das kam tkeutt
weun sie krumeu liegen lassen, scliiägt es ab oder bleibt im preis.
383. wer die rose bekommt, soll sich von einem gleiches tanftniac»
mit stahl und stein feuer funken drauf lassen schlagen, so vergelit **•
38^. wer jrupfreiser briclit, soll sie nicht lassen zur erde frtter.
sonst fallen heroach die fruchte des baums vor der zeit ab.
385. ein s} orn ohne feuer von einer galgenkette geschmiedet, dak
kann man liar iiiäulige, kollerige pferde bändigen.
886. ein strick^ woran ein nienicli erwürgt worden, ins taabeolmns ge-
hängt, maclit die tauben da bleiben.
387. wer aller mannharnisch bei sich tragt kann nicht gewnndec werlta.
888. es ist nicht gut, besen zu verbrennen.
389. in einer woclienätube lege man an jede thur einea strokhab»
»US dem Wochenbette , so kann das Jiidcl und kein gespeost nicht is
die Stube.
390. eine braut ^ die nach der herschaft strebt, perziehe lange, v^
lasse den l>rautigam vor ihr zur kirche geben.
391. sie erreicht es auch, wenn sie nach der travung ihren girtä
in die t hilrschivelle des hauses legen iafst, daCi der brautigam darftfcet
schreitet.
392. von der brautsuppe roufs sie essen, sonst bekommt me htm
kinddtilleii keine milch in die brüste.
393. elileute sollen ja nicht von einem haushafm essen«
394. wer hier schenkt, lege die erste losung unter den zapfem^ bis
ausgeschenkt Ist
395. wenn man waizenstroh verbrennt, wird übers jähr der waiien aif
dem felde russig.
396. von einem erstgebornen kalb soll nichts gebraten werden > soirt
verdorret die kuh.
397. bei einer leiche lasse man keine zähren fallen auf den todle«i
er kann sonst nicht ruhen,
398. wenn eins das andere anputzt , soll das geputzte oiciit daake«.
sonst steht ilini der putz nidit.l
399. in den zuolfren soll ma^ die Obstbäume keinen Spinnrocken aeWs
HR?»seii, sonst gibt:» kein ul>.>t.
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ABERGLAUl^ lxxxui
400. eine abziehende magd soll vor dem abschied noch eine snppe
machen, und sie essen.
401. wer gras haut, soll, so oft er aufbort, die senze wetzen, und
nicht ungewetzt hinlegen, oder mit heim nehmen.
402. wenn Jungfern zu tanze gehen, sollen sie zehr wurzelkraut in
die schuhe legen und sprechen: zehrwurzelkraut, ich zieh dich in
meine schuh, ihr junge gesellen lauft alle zu!'
403. wenn die sonne nicht scheint, sind alle in der erde begrabenen
sdiätze offen.
404. wer kein glück zum flachs hat, stehle ein wenig lein nnd menge
ihn unter seinen.
405. das erste gam, das ein kind spinnt, lege man in einer muhle
aufs mühlrad^ so lernt das kind wacker spinnen.
400. trocknende wasche soll man niclit bis zu Sonnenuntergang auf
den Stangen hängen lassen, sonst beschreit, wer sie anzieht, alles.
407. wer bei gehaltner mablzeit in die stube tritt« soll itütessen^ wäre
es nur einen bissen.
408. schreitet eine schwangere über einen strick^ mit dem ein mat-
terpferd angebunden war, die mufs zwei monate über die zeit gehen.
409. das erste fleisch, das man einem kinde gibt, soll von einer ge-
bratnen lerche sein.
410. eine kreifsende lasse eine reine Jungfrau über sich hinschreiten^
und die Jungfrau in währendem überschreiten ihren gürtet auf die
kreifserin fallen, so geniest diese alsobald.
411. wenn die zimmerleute in ein neu bans den ersten na gel ein-
schlagen, und es springt feaer daraus, so brennt das haus wieder
weg. vgl. 500. 707.
412. wer lein säet, soll auf dem acker, den er besäen will, sich drei-
mal auf den sack mit dem lein setzen und wieder aufstehen, das ist gut.
418. sprühen feuerfunken aus dem angezündeten licht, so kriegt der,
nach dem sie fliegen, denselben tag geld.
414. man soll sich aus keinem wasser waschen, das von alten u^geu"
rädern gewärmt worden ist
415. lernt ein kind schwer reden, so soll man ein im backofen zusam-
men gebacken brot über seinem köpf von einander brechen,
416. mit einem gesc/^elten stecken schlage man weder vieh nocli men-
schen, denn was &mit geschlagen wird, mufs verdorren.
417. man soll in den zwölften nicht brechen^ sonst verderben äpfel
und birneu,
418. man soll in den zwölften nicht dreschen, das getraide verdürbe,
Jio weit der schall gehört wird* vgl. 915.
419. ein hemd mit zwirn, in den zwölften gesponnen^ genäht, ist zu
vielen dingen gut
420. wer den heil. Christabend auf die Wintersaat geht, hört was da«
ganze jähr im dorfe geschieht.
421. am h. Christabend soll man das licht nicht erlöschen lassen , es
mufs sonst eines im hause sterben.
422. es ist nicht gut, wenn ein stul umgekehrt liegt nnd die belne in
die höhe kehrt '
423. wer eine weiberhaube aufsetzt^ den schlagen die pferde.
424« beim Stubenkehren soll man nicht mit heifsem wasser sprengen,
es wird sonst zank im haus.
425. einer braut beim kirchfang soll man die Schlüssel nachwerfen^
60 wird sie haushältig.
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LXkxtv ABERGLAUBE
426. beim heimgfing aus der klrche trage man ilir seracfanitteiie huehtF
entgejTPn, jeder gast nehme ein stück and Stoffe es der brant a^
den leib.
427. wenn der bräutigam die braut heimholt , soll sie ODterwegs flüdi
wegu^erfen, so gerath ihr der flachs wol.
428. läfst man kleine kinder auf schwarzen füllen reiten, so bekoasa
sie bald zahne.
429. man soll im neumond eine andere wohnung beliehen, so niBBt
die nahrung za.
430* wer Schwaben hat soll einen Hemmschuh stehlen nnd auf ^
ofen legen, so gehen sie weg.
431. einen gestohlnen sandwi$ch den hnnem ins fressen gethao, so k-
gen sie die eier nicht weg.
432. in der ernte soll man die letzte garbe grofs binden, so wacfa»t
nächstes jähr so viel getraide, dafs alle garben so grofs werdeo koMfi.
433. wenn auf der hochzeit die hunde sich bdfsen, schlagen die ehleik
einander.
434. wen man mit dem aberrück vom rocken schlagt, der kriep
ein aberbein,
435. sperrt sich der respel am spanlicht , so kommt andern tags eii
gast,
436. hat man zwirn gemacht, soll das zwirnwasser nicht aosgegossn
werden, wo leute vorüber gehen, wer drüber geht, wird u^irbeUüchtif
437. wer frühmorgens im ausstehen nieset , soll sich wieder lege« as^
drei stunden liegen bleiben, sonst ist sein weib meister die ganze wockr-
438. wer ein neu messer kauft, soll den ersten damit geschattteaca
bissen einem hunde geben, so verliert er das messer nicht
439. kann ein todkranker nicht sterben , so soll man den tisch ^tr*
rücken^ oder eine schindel auf dem dach umwenden, vgl. 721.
440. wer sich auf eine wasserkanne setzt, dem wird die schwieccf*
mntter gram.
441. wer tauben hat, soll über tisch nicht davon reden» sie fliefei
und gewohnen sonst weg.
442. wer verreisen will, und ist der tisch nicht erst abgeräumt , im
wird der weg sauer.
443. sind kinder besciirien und können nicht schlafen , soll man trä
von der gemeine nehmen, und über sie streuen.
444. num soll durch keinen bodenlosen topf sehen , sonst timt eiaea
der köpf weh.
445. in der brautkamitier lasse man das inscblitlicht/i-</i rein au^tTf»-
nen, das ist gut.
446. die drei Christabende soll man alle brösemlein auflieben : sie sü
gut, wenn man sie einem eingibt, dems geteuscht hat,
447. wer ein kleid machen läfst, lasse es niemanden anders anzidbea.
es steht ihm sonst niciit schon.
448. wenn ihrer zwei auf einem teller essen, werden sie einander feiai
449. wer einen span an beiden enden anzündet, dem können die hexca
mit solchem brand schaden thun.
450. kommt in einem haus ein feuer aus, so sebleife man den haclofiM
hinaus, dem schlägt die flamme nach.
451« eine kindbetterin, die zur kirche geht, soll neue schuh anle^
sonst fallt ihr kind gefährlich, wenn e^ laufen lernt.
452. wer löß'cl stiehlt, behält im tod das maul offen.
453. wenn man sidi ungeliihr anspei/, erfahrt man neues.
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ABßRGLAUBG
LXXXT
*3.k, brummen die kühe uaclits, ko s\Mt da« JÜM mit ihnen.
ii>5. gelia schwangere zur bleic/ia, bekommen sie weifse kinder.
136. während der trauung soll die braut eine alte Haue schürze
unterbinden.
\^1\ ^f"** "*" ^^^ JcÄaÄö verkehrt zu haupten des bettefi steckt,
I ruckt der alp nicht des nachts.
158. steckt die Wöchnerin nadeln in die vorhänge, so kriegt das
kiiio böse zahne.
159. bindet eine schii^angere frau statt des gürteis einen strick um
sich, deren kind wird gehängt.
l^O, elue Wöchnerin greife nicht in teig, sonst reifsen dem kind die
Imude aut.
4f»l. gehen auf der hochzeit glüser enzwei , so werden die ehieute
iiiciit reich.
462. werden die kühe frühlings zuerst ausgetrieben, soll man sie
durch einen kränz von gundermann melken.
463. wer Waiburgis einen kränz von gundermann aufsetzt und damit
zu kirchen gellt, kann alle hexen erkennen.
464. külie die gekalbet haben , fuhren die bauera in Thüringen über
dreijach eisen,
465. geht eine schwangere einem armen uinder nach , der abgethan
werden soll, oder nur über den weg, den er gegangen, stirbt ihr kind
heraacli eben dieses todes.
466. wenn man milch aus zweier herren vieh mengt, verseigen dem
eineu die kühe.
467. für geschenkte milch soll man nicht danken, sonst verseigt
die kuli.
468. so oft der hahn christnachts kräht, so theuer wird selbiges jähr
ein viertel koru.
469. auf aschermittwocli jagt der teufet das hglzweibUin im walde.
4T0. wer mit essig handelt, soll keinen verborgen, und sollte der
borger auch nur eine Stecknadel zu pfände geben.
*7I. gegen hauptwoh wasche man sich mit wasser, das pon mühl^
rädern zurücks/iri/igf, vgl. 765.
472. langes gutes wetter kann man durch einmauerung eines hahus
zuwege bringen.
473 hat das Jiidel ein kind verbrannt, schmiere man das ofeuloch
mit Speckschwarte.
474. hat ein kind das f reisig, decke man Ihm einen geerbten fischtie>
;rel über den köpf, und breche seinen round mit einem erbschlüs-
j«el auf.
475. das ivasser leidet keinen leichnam,
476. ieufelsabbifs untern tisch geworfen, zanken und schlagen sich
die gaste.
477. wer sein feld volltragend machen will, gehe stillschweigend einen
gewissen tag aus, hole von dreierlei erbäckem erde und menge sie
unter seinen samen.
b. aber glaube im erzgebirge um Chemnitz,
(Journal von und für Deutschland 1787. 1, 186. 187. 261. 262.)
478. am ersten Sonntag ihres aufgebots dürfen rerlobte nicht in der
kirche zugegen sein.
479. auf eine unfruchtbare frau werfe man ein tischtuch, das zur
ersten taufmahlzeit gedient hat.
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Lxxxvi ABEaCLÄUfiE
480. hutlerhücJisen sind bei tauf und bodiseltsmahleii lomer aoge-
schnitteD, sonst bekommeD die gegenwärtigen janggesellen, weno sc
freien, körbe,
481. geht die braut in der kirche von ihrem stnl znm altar, so rücies
die brautjnngfem gleich zusammen, damit der platz, wo die bnot ge-
sessen, nicht kalt werde: die liebe zwischen ihr und dem bräntige
würde sonst auch erkalten.
482. steht wälirend einer trannng ein grab offen , so kommts damf
an, ob frau, mann oder kind begraben wird, im ersten fall wird der
bräutigam witwcr, im andern die braut witwe , im dritten erzieiei «e
kinder, die bald sterben.
483. begegnet einem traupaar ein mädchen^ so ist das ente kiwi
eine tochter, begegnet ein junge ^ so ists ein knabe; begegnen jage
und mädchen zugleich, so gibts zwiUinge.
484. wird zu einem Säugling ein Schlüssel gelegt, so kann er nitk
ausgewechselt werden.
485. wer von neuen ehleuteu zuerst aus dem bette steigt, maU zaecst
sterben.
486. das brautbett richten die weiblichen patlien mit zu, alles strob
vwird einzeln eingelegt, und gehütet, dafs niemand fremdes in <fie
braut kamrner komme, aufs bett darf nich£ geschlagen , nur sanft ge-
strichen werden, atffserdem bekonunt die frau schlage.
487. ßillt das kopfkissen aus dem brautbett, so mufs der suerst ster-
ben, der darauf gelegen hat.
488. am hochzeitstag müssen sich brautleute übers kreuz uraschen,
so können sie nicht beschrien werden.
489. von hochzeitshrot und semmel mufs etwas aufgehoben werdea«
damit den ehleuten kein brot mangle, solch brot schimmelt nicht owi
hilft schwängern, die keine efblust haben, sobald man etwas daroc b
ilire suppe wirft.
490. herscht beim krankengebet in der kirche völlige stille^ so sM
der kranke; hustet einer oder rauscht etwas, so bleibt er leben.
491. verlangt der kranke, nach empfangnem abendnial, essen, sosM
er ; verlaugt er trinken, kommt er auf.
492. j^egen zunehmende kröpfe oder warzen hilft, die äugen anf dfi
zunehmenden mond zu richten, und dreimal zu sprechen: ^was icb
sehe mehre sich, was ich geniefse verzehre sich.' vgl. 245.
493. heulende hunde zeigen feuersbmnst oder sterben an.
494. neues gesinde darf den ersten Sonntag nicht zur kirche, sees«
gewohnt sichs nicht ein.
495. von welchen speisen beim taufmal der patlie nicht ifstt vor (k-
nen bekonunt das kind einen abscheu.
496. krähenschrei um haus bedeutet leicbe, und sollte nur ein vk^
sterben.
497. schlägt die glocke unterm leichengeläute , so stirbt aus der ge-
meine ein mann, Jüngling oder kind^ nachdem es die grofse, nittkit
oder kleine glocke ist.
498. bei abnehmendem mond soll die braut nicht einziehen (Tgl.23&)
wer aber bei regen einzieht, wird reich (vgl. 198.)
499. wer in eine neue wohnung eiuzielit, tverfe zuvor etwT^» !el»
diges, katze oder hund hinein, denn wer das haus zuerst belritl, aiiri^
zuerst.
500. wenn zimmerleute zu einem neuen bau holz fallen und hci*a *-
sten hieb feuer fierausspringt^ &o brennt das gebäudc ab. (vgl 111}
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ABERGLAUBE i.xxxvn
501. beim ehitriU ius neue liaus, bevor man in diu stiibe gelte, gucke
inau in den ofeiiiopj y um eiazuwolmeu. es gilt aucii von neuem ge-
sinde (vgi, 95), das die berrscliaften überdem noch durch ihre heitie
hriechen laäseu.
502. iiandwerksbursche bei der ersten Wanderung dürfen »ich nicht
umschauen^ sonst bekommen sie heimweii und können nirgends bleiben,
503. zum kuhinelken lasse man niemand fremdes hi den stall.
50:1. abends bei lictit darf kein wasch wasser auf die gasee gegossen
werden, sonst ist den andern tag zank im liaiis.
505. legen kinder die ersten zahne ab, so soll der vater die des
töcliterclicus, die mutier des sühuchens parschlucken ; so bleiben die
kiiider zeitlebens frei von zabqweb,
c. aber glaube im SaalfeldiscJien»
(journ. ron und f&r D. 1790. p. 26-29. vgl. sachs- provinzialbl.
5, 499*512.)
500. cliriätnacbts zwischen XI " XII wachen die ledigen mädclien.
um zu erfahren, ob sie das nächste jähr heirathcn, ziehen sie sich
nackend aus, stecken den köpf in die ofeublase, und beobachten da«
zischende wasser»
507* frnciitet der versuch nicht, so hehren sie mit einem besen rilck-
lijtgs die Stube aus; dann wird in einer stubenecke der künftige ge-
liebte sitzen, hören sie klatschen, so istd ein fuhrmann, hören sie
tuten, ein birte.
508. andere springen nackend vors haus und rufen den geliebten;
andere gehen auf einen kreuzgang, und rufen seinen uamen.«
50^. kindbette rinnen dürfen nie allein gelassen werden« sonst hat
der teufel mehr gewalt über sie.
510. sie dürfen nicht eher schlafen, als bis jemand beim kinde wacht,
vom schlaf überwältigten müttern werden ott n/ech seibälge in die wiege
g(^legt. man lege des mannes hosen über die wiege.
511. den prtdi^er fürchten die kiudcr iu vielen dörfern. das unge-
zogenste kiud wird ruhig bei der droiiung : ~ 'sitze stili, sonst kommt
der pfiirrer und steckt dich in den glaumigeu topf!'
512. dem niädchen, das den letzten tag des jahrs seinen rocken
nicht abspinnt y wird er von der Bergda verunreinigt, die JJergda
Ut ein zottiges ungeheuer.
513. die braut verwahrt den braut kränz und ein stuck hochzeithrot,
solange sie das Imrt gewordue stück besitzt, hat sie nie brotmangel.
sind sie und ihr mann lebeussatt, so wird es von ihnen in einer suppe
geno'i6^n.
514. auf dem heimgang von der traiiung eilt eine der brautjungfern
voraus, langt hier oder brantwein und bietet dem bräntigam ein glas«
das er ausleert und rückwärts wegwirft, .-^erbricht das glas, so ist
es gut, sonst nicht.
515. erkrankt einer plötzlich ohne grund, so mufs ihm wasser ge^
schöpft werden. eine alte , erfahrne frau , ohne jemanden zu
grvfsen, schöpft brunnenwasser , wird drei kohlen hinein, sinken sie ^
so ist der kranke besdirieu, darauf naht sie, und besprengt ihn drei-
mal mit dem wasser, die worte murmelnd: 'bistu ein weib, falls auf
deinen leib! bistu eine maid, falls auf dein haid (baupt)! bistu ein
knerht, geschieht dir eben recht!' vgl. 864.
öl«, frühjahrs, beim ersten austreiben des viebs, legen sie äxte,
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Lxxxviii ABERGLAUBB
heile , sag4n und ander eisengeratli por dU 'sitäliMn es kaim
nicht bezaubert werden.
517. auf hohe feste arbeiten die weibsleate nach dem goUesdieasl
uiclit, fion^t werden sie lahm und vom blitz erschlagen (die undttm
ziehen ihnen nadi),
518. stecken die weiber kraut, so sagen sie: 'darsclie wie meia
dickes bein, haide wie mein köpf, blätter wie meine 6chürze, so
werde mein kraut!
519. der Jlachs wird so besprochen: * flachs du sollst nicht eher Uäli,
bis du mir gehst an die knie, flachs du sollst nicht eher kuotte, bis
du mir gelist an , flachs du solUt nicht eher gehle , bis du mir
gehst an <lie kehle!' Johannisnacht tanzen die mäddieu um den
Jluchsi ziehen sich nackt aus, und wälzen sich darin.
520. wenn der drache seineu Verehrern eier, butter, küse, speck
bringt, rufe man etlichemal den namen des heilands, so ladt er alles
fallen.
521. zieht die braut in des mannes hof und treibt der hirl seioe
«chafe in den weg, so mufs sie dem hirt ein trinkgeld geben und
hat glück.
522. fahrt wirhelunnd ins grummet, glaubt man, der böse wolle es
seineu dienern zufuliren. mau schreie ihm schimpfworte zu.
523. der hase schneidet oft mit seinen Vorderzähnen durch ganze
getraidefelder einen weg. man nennt es pilsenschneiden y und wihat,
der teujel schneide das körn seinen guten freunden ab und führe es
ihnen zu.
524. alte weiber schneiden oft einen fufs lang rasen aus, den na-
mittelbar 't^orher ihr feind betreten hat, und hängen den rasen in <lea
Schornstein, dann mufs ihr feind abzehren, vgl. 556.
525. viele essen den letzten tag im jähr hwdel (strotxel) aad
heringe, sonst, behaupten sie, schneide ihnen t*erchte den bauch aui,
nehme das erst genossene heraus, und nahe dann mit pßugschar statt
der nadel, mit röhmkelte statt des zwirns den gemachten schnitt so.
526. die ganze christnacht wird das feuer im ofeii erhalten.
52T. wer neujahrstag zum hier geht, verjüngt sich und wird roth
528. träum in der neujahrsnacht trift ein.
529. will das buttern nicht fort, so legen sie feuerstahl oder m^sser
unters fafs.
530. beim krautpflanzen beschmutzte bände soll man in einem gro/sea
stanz waschen , so bekommt das kraut grofse häupter.
531. ein mädchen kann durchs krautpßanzen erfahren, ob sie ihrea
geliebten jemals bekommt oder nictit sie zwickt ein stück der Wurzel
eines pflänzcbens ab, spaltet den übrigen tiieil, und steckt die wurzcl
einer andern hindurch; beide pflanzen werden nun hart an einen siteia
gesetzt und fest zusammen gedrückt. bekleiben die pflanzen , so
kommt die heirat zu stände.
532. macht man ein stück vieh oder sonst etwas einem durch ein
gebot feil , no geht es bald drauf zu gründe.
533. beim leinsäen werfe man das tucht worin der sanien lag, hoch
in die luft, desto hoher wird der flachs.
d. ahergloaüd in utid um Jt'orm^.
(journ. von und für 1). 1T90. p. U2 — 144.)
r>34. pnissehides feuer bedeutet streit.
5:<.>. retitchi4ttetes salz desgleichen.
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ABERGLAUBE lxx\i\
5S6. gellnt ßerken am finger desji^leicheii. sind sie so «rron«, Haf»
mau sie uUt einem finger nicht bedecken kannt so wird der streit
von belang.
537. gellt das linke ohr , so wird Übels , gellt das rechte , gutes von
einem geredet.
538. BUS einer woclmerin haus darf kein feuer^ salz noclt hrot ab-
gegeben werden.
.'>39. wer einen auf der strafse gefandoen eggenagel bei sicli tragt,
kennt alle hexen, vgl. 636.
540. rothe milch einer behexten kuh mufs kochend mit ruthen ge-
],:itscht werden, der schmerz zwingt die hexe sich zu melden und
die kuh zu heilen.
541. wer ungeufaschen ausgeht kann leicht behext werden.
542. lauten in Walburgisnacht mit gett^eihten glocken hindert die auf
kreuzwegen mit dem teufet tanzenden hexen, jemanden zu schaden.
543. klingt der sarg hohldumpf beim zumachen, so stirbt noch
jemand aus dem haus.
544. wer grofse äugsten hat, rühre an die grofse zehe eines todten,
so wird er frei davon.
545. die todten müssen mit dem gesteht gegen morgen gekehrt sein,
sonst werden sie von den winseln (?) erschreckt, die von abend lier
schwärmen,
546. kämmet messer^ tücher ^ die man bei einem todten braucht,
müssen in den sarg gelegt und mit begraben werden. ' vgl. TOO.
547. hebt eine .-ichtvangere ein kind aus der taufe, so mufs das
ihrige oder das getaufte sterben.
548. wird ein laib brot auf die braune seite gelegt, so können hexen
ins haus.
549. fliegt eine gMfüfsige Jienne über einen gelbsüchtigen, so Ist
er unheilbar.
550. wer unter ehleuten trennung stiften will, drückt ein hackschlofs
zu, wenn sie vom priester zusammengegeben werden.
551. kommt dem todten ein kleid oder leinen vor den mund, so
mufs jemand aus dem geschlecht sterben.
552. iat ein todter im haus, mufs man alle Weinfässer anklopfen,
sonst steht der wein ab.
553. von dreizehn am tisch essenden mufs einer sterben.
554. den Wirbelwind machen die hexen, wer ein messer mit kreuzen
hineinwirft, vermag sie zu erkennen.
556. stöfst em maulwurf im hause auf (vgl. 601), zirpt die grille,
so mufs einer sterben $ desgleichen wenn die hemte krälit, oder der
kauz sclireit.
556. wer bei regenwctter stiehlt, und der fufsstapfe wird heraus-
geschnitten und in den sctiornstein gehängt, so welkt der dieb all*
' mällch, gleich dem fufsstapfen. vgl. 524.
557. kein ausgekämmtes haar werfe man auf die strafse, weil man
sonst vor zauber nicht sicher ist. vgl. 676.
e. abcrgluube bei Oemsbach im Speierschen,
(ebendaher 1787. 1, 454 — 456.)
558. braut und brautigani beim kirchgaug sollen die dacht raufe mel-
den, auch nicht umschauen,
559. unter der trauuhg dicht zusammenstehn, sonst schleichen sich
liexen dazwischen ein.
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Yc ABERGLAUBE
560. welcher theil während der trauang die futnd ob<n hat, be-
kommt in der ehe die meisterschaft.
561. eine schwangere, die wasche liäit, kehre sogleich die gebraudi-
ten gefäfse um, so hat sie leicJite niederkunft.
562. wenn die gevattem am tage, wo sie das kind heben, frUche
Jiemder anziehen, kann keine hexe dem kind beikommeo.
^63. wird nachts an die wochenstiibe geklopft, maclte man nie auf,
ohne dreimal gefragt zu haben, wer da seiY und bevor man dreimal
antwort erhalten hat. keine hexe antwortet dreimaL
564. beim wickeln des kindes ein wenig brot und »alz mit einzu-
windeln.
565. ins woclienbett oder wiege einen degen oder ein nusser so zu
stecken, dafs die spitze vorragt; will die unholde über die frau oder
das kind her, so fallt sie hinein.
566. wenn bei der wasche ein ander weib lauge holt ond dafür
dankt, so ist es eine hexe.
567. ein weib, das mittivochs hui t er plumpt , ist eine hexe.
568. morgens beim ausgehn soll man auf den grufs 'guten morgea^
nicht antworten '/c7a danke\ sondern auch ^ guten morgen!' sollte
unter den grüfsenden eine hexe sein, so wird sie dadurch unschädlicii
gemacht.
569. sterben kurz hinter einander viel huner, enten, Schweine u. s. w^
80 mache man feuer im backofen und werfe von der gattung thiere
eins hinein, die hexe mufs dann mit verderben, vgl« 645.
570. einer ins haus tretenden hexe gebe man ein stück brot<, worattf
drei körn salz gestreut sind, so kann sie nichts schaden.
571. das tisclituch soll man nie mit der umgekehrten seife auflegeo;
sonst wird man nie satt.
572. man lasse es nie über nacht auf dem fisch liegen, sonst ist
man niclit in der engel schütz.
573. mit dem doclit aus der lampe, die in eines sterbenden zimmer
brannte, bestreiche man kröpfe, so heilen sie.
574. versprich keinem kiude etwas , ohne es zu halten • sonst wird
es hart fallen.
575. will eine frau ihre henne brüten setzen, und läfst die strumpfe
lotlern, die haare ßiegen und hat ihren schlechtesten rock an^ so
bekommt sie lauter küchlein mit köbeln auf den köpfen und gefieder-
ten fufsen. vgl. 19.
576. stirbt jemand im hause , soll man die bitnenkorbe rücken , essig
und wein rütteint sonst stehen bienen, essig und wein ab. vgL 664.
698. 898.
577. gekauftes geflugel führe man dreimal um den tischfufs, schneide
von jedem tischeck ein Stückchen und gebe es dem tliier zu fresseov
so bleibt es. Tgl. 615.
578. ein zum erstenmal auszutreibendes scliwein lasse man über ein
stück der schürze springen, so wirds gern heimkommen. vgL 615.
579. welches mädclien in der Andreasnacht Met im lofiel schmilzt,
und es durch einen schlüssel, in dessen hart ein kreuz, in wasta
gittfst, das nachts zwischen XI und XII. geholt worden ist, so bildet
sicii das handwerkszeug ihres künftigen brautigams.
580. keinem kind, eh es einjährige kleider anzumessen, sonst be-
komnits unförmlichen leib.
581. ein mauskoj{/\ mit zaimen abgebissen oder mit gold abgesdmit-
ten, einem kinde umgehängt hilft ihm zahnen.
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ABERGLAUBE xci
582. dies geschieht auch, wenn man einem kinde, wo es znerst in
ein haos iLommt, ein ei schenkt ; nach andern wird es dadurch phiuderhaft.
f. aber glaube zu Pforzheim,
(ehendaher 178T. 2, 341 — 345.)
683. ein siebenjähriger hahn legt ein kleines eii das mufs man übers
dach werfen, sonst schlagt das weiter in haus; gebrütet gibt es einen
hasilisk,
584. wer schnupfen hat, trinke durch eine dreizinkige gabel ein glas
Wasser.
585. wer christag morgens nüchtern ein ungesotten ei ifst, kann sehr
schwer tragen.
586. wer charfreitag linsen ist, dem geht das jähr über sein geld
nicht aus.
587. brütet der storch ein ei nicht ans, so stirbt jemand von den
höchsten im^ lande.
588. weifse geister ^ solche die vor dem tode geld yergraben haben,
müssen zwischen himroel und erde schweben.
689. bei Sonnenfinsternis decke man alle bninnen , das wasser wird ^
sonst giftig.
590. stellt mau in der neujahrsnacht zwischen XI und XIK ein glas
wein irgend wohin , und es lauft über , so gerath selbiges jähr der
wein.-
691. beim ausgehen setze man den rechten fufs zuerst vor die thür.
592. eidechsen waren sonst Jungfern.
593. auf hiinerfedern kann kein kind ruhig sterben.
594. am nnschulJigen kindertag spannen viele bauern keine ochsen
au , es geschieht unglück.
595. wer über eine brücke geht, soll ein V. ü. beten, auch wenn
sich die steme schneuzen^
596. legt man ein messer die schneide aufwärts ^ so schneidet man
dem lieben herrgott oder den engein das gesiebt.
597. tragt man einen rechen, dafs die zahne aufwärts stehn, oder
reckt man einen finger in die höhcy so sticht man dem lieben gott di6
äugen aus. auch vergeht der regenboge davon.
598. wo der regenboge auf der erde steht, da findet sich ein golden
schüsselchen,
599. dem todtengraber rumpelt die hauet wenn er ein grab zu ma-
chen bekommt.
600. grillen, hunde und wegi/ögel zeigen durch ihr gesciirei den tod an.
601. wirft ein maulwurf in der stube, so stirbt die grofsmutter,
vgl. 555.
602. gerath die schlofsuhr in imordnnng, so stirbt jemand aus dem
furstengeschlecht.
603. schlagen uhren zum betglockengeläute » so stirbt jemand.
604. wer hintersich lauft macht dem tenfel das bett. vgl. 659.
605. wer eine übelthat begeht, die vor dem tod nicht an tag kommt,
inufs nach dem tod mit dein köpf unterm arm umgehn,
606. wer geld vergräbt mufs nach dem tod so lange umgehen , bis es
gefunden wird.
607. wer nicht betet, dem holen die Schwaben (schwnrze würmer)
das mehl aus dem kästen.
608. die Schwaben vertreibt man dadurch, dafs man einige in einer
Hcliachtel einem todten mitgibt.
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XGii ABBaGLAUBG
009. mUnfülbennester und grillen briugen segeu ioä liauä.
610. dem schreiner darf man Cur den sarg jddiu abbrechen,
der todte ruhen soll.
611. ruft man dem feurigen mann: ^^SteuUe^ Si euhle much dich leicht,
auf dafü du bald bei mir seist'' ! so kommt der irmsch, und man mufs
ihn hockein. betet man, so naht er, flucht man, so flielit er.
612. wer einen schätz findet decke kein kleiduugsstuck darauf, das
' €im hlofsen Uib getragen wird , sonst ist er des todes , sondern ein
sclniupftuch , eine brotrinde. alle sieben jähre tritt der scliatz hervor.
613. nuttu'och und freit ag sind verworfne hexeutage. wer ferkel
mittwochs zuerst austreibt, dem kehren sie nicht heim» und besucht
ein kiiid miftn^och zuerst die schule, so lernt es nidits. kein paar
lafst sich mitttvoclis trauen, keine niagd wechselt mittwochs ihren dienst.
6H' jeder hat seinen stern* steme sind äugen der menscheru
615. läfst man schweine, wenn sie die thürschwelle zuerst beschrei-
ten, über der frauffn strumpjband springen, über de» mannes gürtet,
oder der magd schürze, so kommen sie ordentlich nach haus. Tgl. 578.
616. ein gekauft huhn wird dreimal um den tisch gejagt, ihm Iiolx
von drei titicliech'n unterm brot gegeben , so bleibts daheim, vgl. 577.
617. verliert man ein huhn, binde man oben in der stube* in ein
tischtucheck einen halben kreuzer, und lasse das eck zum fenster hior-
aushängen, so kehrt das huhn zurück.
618. wer unter einer deichsei hersclilüpft oder einen über sich schrei-
ten läfst, wächst nicht mehr. vgl. 45.
619. schlüpft man der kuh zutischen den vorderfüfsen durch, verliert
sie kein hörn.
620. ferkel in wasser, worin ein gemetzeltes seh wein gebrüt wurde,
gebadet wachsen treflich.
621. wer auf einen bäum sieht, auf dem eine weibsperson sitzt, wird
blind,
622. soll ein nufsbaum recht fruchtbar werden, mufs eine schwan-
gere frau das erstemal seine nüsse abthun.
623. hat jemand gichte, der gehe freitags um betglockenzeit vak
iteie feld.
624. regenwasser macht die kinder bald reden.
625. lacht man , dafs einem die äugen übergehen , so gibLs zaok.
626. wer einen bund mit dem teufet hat und ihn darum betriegen
will, soll sich sieben jähre nicht waschen und rächt kämmen, oder er
verlange, der teufel soll ein bäumchen wachsen lassen, das kann er
nicht, so ist man ihn los.
627. die dorndre/ier (eine art vögel) tragen dornen zu unser» herrgotti
kröne.
628. die schu/atben trauern für den lieben herrgott. ^
629. man soll kein rothkehlchensnest ausheben, sonst gibt die kub
rothe milch, oder das wetter schlägt ins haus.
630. einen ausgerifsnen zahn soll man in einen jungen bäum schlagen,
und die rinde darüber ziehen, wird der bäum umgeliauen, so kehrt öai
zahnweh wieder. Nimmt man aus einer ueide einen spreifsent ua«l
gräbt solange in den scimierzhallen zahn, bis es blut gibt und dann des
spreifsen wieder an seinen ort thut und die riJide darüber zieht, verliert
sicii das zahnweh.
6;U. einen fiusgefallnen zahn soll man in ein mäusetoch tbon, uiid
8preciien: 'maus, da liast du einen hölzernen zahn, gib mir einen bei-
nomen dran!*
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ABERGLAUBE xcin
682. einer sterbeeden kindhetterin muf» man scheere iiDd nadelbüchse
(knaul faden, nndei und fingerhat) mitgeben , sonst kommt sie und holts.
633. stirbt ein kind, so besucht es nach dem tode wen es am lieb-
Sien hatte.
634. wer sonntags geboren ist sieiit geisier und mufs sie hutzeln
(hockein.)
635. drei taubenfedern ans dem linken flügel nagele man an im schlag»
schwin<^e die hineingelafsnen tauben dreimal um den Schenkel, und lasse
sie keinen freitag zuerst ausfliegen.
636. wer einen sonntags geinndnen eggenzahn zu sich steckt, sieht die
hexen in der kirche mit kübeln auf dem köpf mufs aber vor V. Ü. lau-
ten aus der kirchci sonst zerreif^en sie ihn. ' (vgl. 539. 685. 783.)
637. ein in der wiege liegendes kind, das einen nicht ansieht, ist
eine hexe,
638. nimmt man nachts ein bekreuztes messer zu sich, so kann keine
hexe heran; kommt sie und man wirft das messer hin, so mufs sie
stehn bleiben bis an den lichten morgen.
639. wenn das älteste kind im haus das kalb anbindet, kann keine
hexe zu.
640. ist ein ganz schwarzer bock im stal 1, so kann die hexe nicht hin-
ein, auch, wenn die kuh weifse füfse und weifsea strich auf dem
rucken hat.
641. welches thier einen schwarzen rächen hat, dem können die leute
niclits anhaben.
642. hat man nachts furcht vor einer hexe, kehre man nur den linken
schuh um.
643. begegnet man zweideutigen katzen, halte man den daomen gegen sie.
644. macht mau einen drudenfufs an die thür, so müssen die hexen
fern bleibqn.
645. hat eine was verhext, und man verbrennt es. so kommt sie si-
cher, und will etwas entlehnen ; gibt maus ihr, so ist sie frei , versagt
mans, so mufs sie mit verbrennen, (vgl. 569. 692.)
646. ist das vieh verhext, so gehe man mitternachts in den stall: auf
des viehs rücken wird ein Strohhalm liep^en, den stecke man in einen
sack, rufe die nachbam herbei, und zerdrescJte den sack, der sack lauft
auf und die hexe schreit, (vgl. 692.)
647. die hexen bekommen geld auf den kreazwegen, wo es der teufel
ausstreut.
648. sie können regen, donner und i4find machen, der das tuch auf
der bleiche, das heu auf der <*'<V.?^, in die luft treibt.
649. sie salben einen stock mit den worten : 'fahr hin , nicht zu IioHi
uqd nicht zu nieder V
650. wenn eine hexe aufgefahren ist (in exstase), kehre man ihren
leib um, so kann sie nicht mehr einfahren.
651. unter behextes wasser, das nicht sieden will, lege man nur dreier-
lei holZm
652. ist ein kind beschrien, hole sein' vater drei Strohhalme auf vcr-
scbiednen misstätten unbeschrien, und lege sie ihm unters kopfkissen.
g. aberglaube aus dem ff'iirtembergischent
(ebend. 1788. 2, 183. 184.)
653. man gebe keine milch aus dem hause, ohne einen tropfen was-
ser damit zu vermischen.
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xciv ABERGLAUBE
654. am tage, wo ein weib niederkommt^ oder eiB pferd persckiäiien
wird, darf nichts aus dem bans gelieben werden , sonst wird weib oder
pferd bebeit.
655. wer im bett die (üGse gegen das fenster kehrt, bekommt ^
auszeliraog.
656. ein hemd, von einem fünf bis siebenjährigen mädchen gesponnen^
macht fest and sicher gegen zauber.
657. wer von einem gespenst verfuhrt wird, wechsle alsbald die schuhet
nnd setze den hut anders^ so kommt er wieder in den rechten weg.
658. wenn man freit ag und mittwochs nacht von hexen redet , so hö-
ren sies nnd rächen sich.
659. wer hinter sicii lauft, lanft dem -teufel in die arme. (vgl. 664.)
660. ungetauft sterbende kiuder kommen unters wütende heer.
661. kniet vor dem altar die braut auf des brantigams mantel, so be-
kommt sie die oberherschaft, auch maGi sie sich vor ihm ins bett legea
nnd sich von ihm ein glas wasser reichen lassen, dann wird sie sl<ier
meister.
662.. wer unter den brautleuten zuerst pom hrcmtdltar aufsteht^ stirbt
znerst.
663. stelm sie so weit vor dem altar von einander, dafs man zwischem
ihnen durchsiehtj so gibts zwist in der ehe.
664. will ein kranker sterben» so öfne man die fenster^ mid stapfe
alles, was hohl im hause ist, nnd kehre es nm, damit die seele frdi
ausfahrt habe und sicli nirgend aufhalte, auch soll man den essif^
rücken^ dafs er nicht umstehe, den vogelkäfieh anders hangen, das piek
anders anbinden, die Bienenkörbe verstellen, (vgl. 576. 698.)
665. man achte, dafs der todte auf der bahre keinen zipfel des ster-
bekleide in den mund bekomme.
666. wer den daumen einschlägt kann nicht von hondea gdnüei
werden.
667. das butterfafs auf eine handzwehl gestellt, imd einen baarkaBB
darunter gelegt, gibt viel und reiche butter.
668. wer fruhlings den kukuk zuerst schreien bort, und mibescbriei
in seinem gelde rüttelt^ dem geht das geld niemals ans.
669. die markung, wo ein Selbstmörder begraben liegt, wird drei jshr
nacheinander vom wetter getroffen^
670. ein bauer, der zum andern das erstemal in den stau tritt nd
nicht sagt: glück herein! ist ein hexenmeister.
671. wer mit rechtem fufs zuerst in die gerichtsstnbe tritt, gewtet
h. aberglaube in Schwaben»
(ebend. 1790. li 441.)
672. die erste arznei soll die Wöchnerin aas des mannet toffd eil-
nehmen, es gedeiht besser.
673. in den kindeswehen soll die kreifsende des mannes pantoffel u-
ziehen.
674. man stelle ihr,. ohne dafs sies weifs, wasser anters bett
675. ein kiiid unter drei jähren, schiebt man es za einem guckfenster
ein, so wächst es nicht mehr.
676. abgeschnittne haare sind zu verbrennen, oder in laufend wasser
zu werl'en. tragt sie ein vogel weg, so lallen dem menschen ^
haare aus. (vgl. 557.)
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ABERGLAUBE xcv
677. wenn ein redenlernendes kiod zuerst vater spricht, bekommt die
motter das nachstemal einen knaben; wenn routter, eine tocbter.
678. aus gesprufignem glas soll kein mann trinken» sonst bekommt
seine fran lauter mädchen, keine knaben.
679. eine gekaujte katze niufs man so ins haus tragen, dalk sie den
köpf gegen die strafie , und nicht gegen das haut hält, sonst bleibt
sie niclit.
I. aherglaube im jinsbcichiscfieru
(ebend. 1786. 1, 180. 181.)
680. ^ wer samsiag abends s^tinnt spukt nach seinem tod.
681. wenn die wasche eines verstorbenen nicht bald gewaschen wird,
kann er nicht ruhen,
682. wer fastnaclits hirsbrei ist, dem geht nie geld aus.
683. wenn fastnachts gesponnen wird, misräth der flachs, man ver-
steckt zu der zeit die Spinnräder.
684. wenn der bauer fastnachts strohbander bindet, und nur ein ein-
ziges zu einer garbe unter einem ganzen schober getraide nimmt,
so kann keine maus schaden.
685. wer drei getraidkörner in gebacknem brot gefunden bei sich
tragt» sieht TValburgistag alle hexen und druten mit melkkübeln auf
den köpfen in der kirche. vgl. 686. 783.
686. in den zwölfnächten darf weder bauer noch knecht frischge»
schmierte schalle in den stall bringen, sonst wird das vleh behext
687. wer in dieser zeit erbsen kocht oder ifst, bekommt Ungeziefer
oder aussatz. ^
688. eine schwangere darf dnrch keine waschhänge oder sonst was
verstricktes gehn, ihr kind im mutterleib versclilingt sich so oft, als
sie durch die stricke geschlüpft ist
689. hat ein kind Zuckungen, lege man eines pferdes hufeisen unter
sein kopfkissen.
690. tragt der pathe ein krankes kind dreimal stubauf stubnieder^
so bessert sichs.
691. fohlt ein mutterpferd zur unrechten stunde, so mufs es über eine
rß'^^g^^^^ geschritten sein, man schlage sie enzwei, so kann es nie-
derkommen.
692. ist einer mit Ungeziefer behext, so wickele er drei stuck in ein
papier und schlage mit dem hanwier darauf, die hexe empfindet jeden
tfclilag und wird kommen etwas zu leihen, gibt maus ihr nicht, so
Mrird sie nicht frei und unterliegt endlich den strelclien. >gl. 645. 646.
693. man verbrenne nie einen besen^ so ist man vor rothlanf sicher.
694. sind die christbaumslicliter entzündet, so betrachte man den
schatten der leute an der wand: die im folgenden Jahr sterben, er-
scheinen ohne köpf,
695. wer die drei ersten kornblüten^ die er ansichtig wird, durch den
mnnd zieht und ifst, bleibt das jähr über frei von ficber. vgl. 784.
696. wer palmb<sselein (knöpfe der Salweide) über gesiebt streicht,
bekommt keine sommerflecken.
697. desgleichen, wer charfreitags unterm schiedungsläuten sein ge-
flieht wäscht.
698. t'vgelkäßche, blumen Scherben und bienenstöcke eines verstorbenen
mufsen anders gehangen und gestellt; auch auf seine tviinfässer mufs
dreimal geklopft werden, vgl. 552. 57G. 664.
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xcvi ABERGLAUBE
699. die ruhe des todten befordert, wenn jeder der onu grab stebeo-
deii drei erdschollen hinein wirft.
700. kämm und messer, womit ein todter gekämmt und geschoren ist,
mufs mit in den sarg gelegt werden; sonst fallen denen, die sich ihrer
bedienen, die haare aus. Tgl. 546.
701. läfst einer vom vorgesetzten broie etwas liegen, so nrnfs es we-
nijr&tens eingeschoben werden, sonst bekommt er zahnweh.
702. einer schwangeren darf man das brot nicht mit messer oder gahel
anspiefsen, sonst werden dem kind die äugen ausgestochen.
703. ins haus wo auf himmelfahrt genäht* oder auch nur eine nadel
eingefädelt wird, schlägt da,-; geiviiter, vgl. 772.
704. wo ein rothschwänzchen nistet, schlägt das ufetter ein^ aber cia
Schwalbennest bringt glück, vgl. 629.
705. bringen kinder das weihlein eines Schröters mit naeh hans, mafii
es augenblicklidi weggeschaft werden, weil sonst das wettet einsckUh-
gen würde.
706. charfreilag und samstag darauf getraut man sich nicht in der
erde zu arbeiten, um Christum nicht im grab zu beunmfaigen.
707. gibt der letzte nagel, den der Zimmermann ins haus scblägtt fener,
.so brennt es ab (vgl. 41 1.500.) und zerbricht das glas^ welches er nadi
dem Spruch vom giebel wirft ^ so stirbt bald der bauherr; bleibt et
ganz, lebt er lange.
708. wer mit einem hemd am leibe, wozu ein funQährtges mädi^cfl
das garn gesponnen, vor gericht erscheint, bekommt in allen handeln recbt
709. einem todten legt man wasen oder ein brettchen unters kioi,
dafs er nicht den sterbkittel mit den zahnen erhaschen und seine ver-
wandten nach sich ziehen könne.
710. einem mädchen kann der rothlauf damit vertrieben werden, dtfii
ein reiner jungling zu wiederholten malen feuer darauf schlägt,^
711. tritt man am ostertag iiicht barfufs auf den stubenboden, se
ist mau vor (ieber sicher.
712. ifst man charfroitags ndchtem ein ei, das gründonnerstags ge-
legt worden, so hebt man selbiges jähr sich keinen leihe^schaden,
713. drei brot kr unten ^ drei salzkömer, drei kohlen bei sich getragen
sdiützt wider Zauber.
714. schnürt die frau, wenn sie aus dem Wochenbett gebt, eine brot-
rinde ein und macht daraus dem kiod einen zuller oder schloizer, so
bleibt es frei von zahnweh.
715. schnallt der brautigam der braut am hochzeitstag den Zuiim
schuh ein, so bekommt sie die herschaft.
716. bindet er, ihr die Strumpfbänder, so gebiert sie leicht.
717. wer von den brauileuten zuerst einschläft^ stirbt zuerst
718. ifst man die drei ersten, ansichtig gewordnen, schlehenblütW',
brennt einen dastganze jähr der sod nicht
719. Sommersprossen zu vertreiben, nehme man die ersten jan^
gänse imbcschrien, streiche sie über das gesiclit, und lasse sie hinter-
wärts laufen.
720. kehrt man den hrotlaib in der Schublade nm, so kann die druM
nicht aus der stube.
721. kann einer nicht sterben, so darf man nur drei ziegel in dach
auftieben. vgl. 438.
723. hat ein kind das gefrais, so scliwindet es, wenn man ein schirol'
f'fnne.st unter sein kopCkissen lej2:t
721. wer auf geerbten betten liegt, kann nicht sterben.
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ABERGLAUBE xrvn
k. aherglaube im landä oh der Etit»
(ebend. 1T88. 1, 469-4T2.)
724. eine schwangere soll in kein unreines wasser langen, sonst be-
kommen «Jie kinder grobe bände.
725. mit iiirem portuch nichts ahmschen, sonst werden sie im-
gestübn.
726. keinen hlamenstraufs Tortragen, sonst bekommen sie stinkenden
atliem und keinen gerucb.
727. gelüstei i<ir nacli einem fisch^ so stirbt das kind bald , oder die
entbindung erfolgt vor der steit.
72A. sliehit sie nur eine kleinigkeit, bekommt das kind unwidersteh-
lichen hang zum stehlen.
729. steigt sie über eine deichsei ^ so verfallt das kind dem scharf-
rieliter ; träumt sie von todten fischen^ so stirbt das kind.
7SO. treten weibsleute ein, wahrend sie im kiiulsiitul arbeitet, so müs-
sen sie scimell ihre vortücher lösen und der kreiPsenden unibinde:i»
aoimt werden sie selbst unfruchtbar.
781. unter den rauch menge man einige spreifsel von dem besen, wo-
mit das Zimmer gekehrt wird.
732. ist das kind zur weit, so mufs die gebnhrerin dreimal in ein zwie-
helhaupt beifsent dreimal im kindsstul aafgeitoben und niedergesetzt
werden, die daumen einziehen, und dreimal in jede Jaust blasen.
783. in den sediswochen darf die frau nicht sjir.nen, weil ü. Fi. F.
•och niclit ges|[)onuen. sonst wird aus dem garn ein strhk fürs kind.
734. wird das kind, gleich nachdem es aus mutter leib kommt, in ei-
nen pelz gewickelt, kriegt es krause haare.
735. legt mau in sein erstes bad drei pfeniiige, so hat es immer
geid, eine schreibfeder, so lernt es leicht, eii;en rosenkranz, so wird
es fromm, ein ei, so bekommts klare stimme, die drei pfenaige und
das ei müssen aber dem ersten bettler gegeben werden.
736. die milch der zuerst kalbenden kuh mufs in einen ganz neuen
topf gemolken werden ; aucli hier legt man drei pfennige ein , und
schenkt sie samt milcJi und topf dem ersten bettler.
737. je kleiner das krügel ^ womit das badwasser einem mädcheii in
die wanne geschöpft wird, desto kleinere hritnie wird es bekommen.
738. das badwasser ist unter einen grünen bäum zu giefsen» so blei-
ben die kinder stets frisch.
739. den dritten tag nach der geburt roufs der patbe dem kind des
weinen abkaufen (ihm ein stück geld in die windel stecken), damit es
ruhe erhält.
740. schreit das kind dennoch,' so bette man drei schlüssel in die
wiege.
741. will oder kann das kind nicht essen, so gebe man den v6ge!n
in der lufty oder dem schwarzen hund ein klein tractament.
742. schläfl; das kind sommers untena gewiiU'r^ so schlägt der donner
oieht ein.
743. das tischt uch^ worauf gegessen wonlen, räuchere man mit abge^
fallnen brosamen^ und wickele das kind hinein.
744. so oft die mutter aus der woclienstube getit, lege sie etwas von
des vaters kleidern auf tias kind, so kann es nicht ausgewechselt
werden.
745. dn.H vorsegnen darf weder mittivoch noch freit ag geschehn, sonst
fallt das kind dereijist in die liände des Scharfrichters.
g
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xcviii ABERGLAUBE
746. vor dem ausgang zur porsegnung steige die Dintter Aber den
iehrbd^en,
747. die kerze^ womit der kindberterin %'orge«e<rnet wird, sAndet dtr-
Afi zuerst ein maniuhild ait, so iat ihr iiäclistei kitid ein koabe, zvmkt
ein Weibsbild an, ein mtidctien.
748. nachliausegehend kaufe sie broi uod lege es m die wiege, av
hat das kind lebenslan«; brat,
749. bevor sie dem kinde trinken gibt, mufa sie die brüste Hreimoi
ahmscMen,
750. wird das kind zuerst ausgetragen, muff ihm ein kleidangsititk
auf der obigen (umgewaiidten) seite angezogen werden.
751. ^r den ersten zahn des kiudei« sieht, gebe ihm auf der stelle
eine ohrfeige^ so zahnt es hernach leiclit
"^ I. aberglaube zu Osterode am harz.
(das. 1788. 2, 425-431.)
752. frühjahrs beim ersten austreiben auf die weide soll maa heil waA
/euers/ahl^ in blaue schürze gewuntleii inwendig vor die stallscbweih;
legen, und die kuhe darüber schreiten lassen
753. abends vorher, beim futtern, drei häufchen ealz* so rid OHin
mit den fingern halten kann , ihnen zwischen die bomer streuen , aifl
rücklings aus dem stall geben; so haben böse äugen dem rieli
nichts an.
754. wasclit das madchen ungetvusrhen die kuli, ao rahmt die nüdi
nicht .
755. soll eine kuh nicht mehr als einmal mit dem ocIiseD laiiicflf
mufs ein lebendiger blinder hund inwendig vor die sitäUhür eingegra-
ben werden.
756. wird die kuh Tor dem haus e.'ner hexe bergetriebea > spuhs drr
treiber dreimal aus.
757. Zuchtvieh , das im abnehmenden mond jung oder eatwöluit msA^
taugt nichts.
758. werden st hwalbennester am hause zerstört, geben die kühe Uzt
759. kommt die hexe zum buttern, uud kann die bünder am huiler-
fafs zählen^ so g«r&th die butter ii.c'it.
760. drei salzkörne r ins mi Ichina ('s bewahren die milcli vor hexen.
761. hüuer die gut legen sollen, futtere man nenjabr in der milta^
stunde mit allerlei fruchten unter einander.
762. mau lege einer bruthenue die eier unter, gerade wenn die schweiße
eittkonunen, und laufe so geschwind, wenn man sie ins nest tragt, wi*
die Schweine laufen ; so kommen die eier «geschwind hiatereiiuuider a«.
763. wer den traaring zuerst verliert^ stirbt zuerst
764. trauungea müssen im vollinond gescMtn, aoust bat die elie kei*
nen segen.
765. das erste warnibier für die Wöchnerin darf niemand kosten, ei
mufs mit den fingern ver,sicht werden» sonst bekommt sie leibrdfc««-
766. gegen den ( nsprung (eine art rötlie) des kindes hole maa eb
stück holz aus dem mü/Jrod, zünde es an und räuchere damit die wia-
deln; da:» kind wasche man mit wasser, das uom mühlraH a^«/■/:l9^
vgl. 471. was vom holz übrig b!eibr, ist in Jid,&ehd H'Oster »
w erfen.
TUT. iii der Oaumbliite kein kind zu cutwöhueu, sonst l>ekoBiBi t'*
graue haare.
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ABERGLAUBE xcix
768. an eiaem nn^etauften kind soll kein fremder eiageheo; wäre er
nicht dicht (gelieuer), so vergienge der mutter die milch.
769. bekommt das kind kinderscheuerchen^ wenn« ein knabe Ist, mufii
ihm die goth, wenn ein mädchen, der pathe das hemd auf der brüst
enzivei rdijsen»
770. einem entwohnt werdenden kinde mvfs man dreimal geben : eine
Semmel zum essen, einen Pfenning zum verlieren, und einen schlüsseL
771. nwntafT soll man nichts ausleihen, heim kauf nichts schuldig
bleiben, auch keinen strumpf links antliun.
772. woran am /limttieifahrtstag gearbeitet wird, danach trachtet ein
getvitler, vgl. 703.
773. wirft man Matthiastag einen schuh überkopf, steht die spitze
zum haus hinaus, so mufs man das jähr sterben, oder ausziehen.
774. Matthiastag lege man so viel leuchlerpfennige (hohle blech-
munzen) als leute im haus sind, auf einen stiiUtehenden eimer voU
washer : der dessen pfennig ontersinkt stirbt im jähr.
775. Wasser, am ersten ostermorgen vor sonfn'fianfgang^ stromab-
wärts und stiüschweigends geschöpft, verdirbt nicht, und ist für
alles gut
776. am selbcn^ tag vor Sonnenaufgang gebadet hilft wider grind und
andre gebrechen.
777. eine dienstmagd »oll gleich beim eintritt Ins haus nachsetien,
ob feuer im ofen ist und es schüren* so bleibt sie lauge im dienst.
778. beim hausbau soll der hausherr den ersten schlag mit der zim-
meraxt aufs bauholz tliuu, Jliegen funken heraus^ i»o brennt das
haus ab.
779. ist ein bett so gestellt, dafs die füfse den darin schlafenden zum
haus hinaus stehen^ so nmfs er sterben.
780. behextes geld wird unterm zahlen immer weniger; man streue
«tftE and diu zwischen und lege ein kreuzzw^fipfennigsstQck hinzu, so
bleibt es richtig.
781. hecke thaler mehren das geld unterm zahlen, und kehren ausge-
geben immer wieder zurück.
782. ' eine Wöchnerin darf nicht aus dem fenster schanen, sonst nimmt
^%Ae% vorbeigehende fuhrwerk ein glück mil.
783. wer ein gründounerstag gelegtes ei wohl verwahrt bei sich tragt,
kann alle hexen mit kiibein auf dem hopf sehen, vgl. 6.H6. 685.
784. wer das erste körn blühen sieht, ziehe es dreimal durch den
mund un<l sage: 'gott behftte mich vor fieber und gelbsucht', so bleibt
er frei davon, vgl. 695.
785. drei knüpje in einen faden geknöpft und in einen sarg gelegt,
nacht von warzen frei.
786. gebiert eine fraa sieben söhn« hinter einander^ so kann 'der sie-
bente durch einen schlag mit seiner hand allerlei schaden heilen.
m. aberglaube zu Bielefeld,
(ebend. 1790. 2, 389. 390. 462. 463.)
T87. tritt eine alte, mit triefenden äugen ^ ins haus, redet ein kind
an und liebkoset, so bebext sie es; ebenso wenn sie rieh anrülirt und
bewandert.
788. geht jemand, einen fufs blnfs^ den andern beschuht, die strnfse
einher, m erkrankt alles rieh, das die.ses weges kommt.
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c ABERGLAUBE
789. settft sich eine eule liuts liaui, «chreieud und hemadi fiberiie-
Xeiid, ku niun$ jeniaud stetUeii.
790. u'ickeweiher zeipreii den diel» nn^ und zeicliaen Uui aa seiseni leit>.
;i)l. alle jrauvn iVühinorgeiiü üuer."«t hegegneud bedeot^ru luiglürk.
jun^e hüte glück.
792. weiliiiaclileo zwiscliea XI iiud XII wird da« wasser weiu^ iihI
daj» pieh sieht uuf\ wer es aber uiite»ucliea will erblindet ^ ertauti
oder \si eiii kiiid des todes.
793. lieilfunneln soll man andern nur insg^iieini, ohue zeugen mü-
theiieii, J'rauen blofs mäiinern% mümw.r biol'ä fnutetu
794. mit dieser formel biilat mnii die ro^c;: ^/liWg dittg wike» wiL«
IUI ver9iike, brenne iiicli un utik uichT
Di ventüschte sainlungt
795. BerreiCtft ein weib dJe /lochzeiiuckuh ^ «o wird sie rom mun
geschlagen.
796. Yfar erbsen odet bahnen ifst, darf selbe wodie keine ^Seo, sooat
miiiralbeii sie.
797. geilt eiae kindhetlerfn ohne neue schu/ie, to muG» das klnd, wac>i
es laufen lernt, gendirlich fallen.
798. wer einen leibsachaden hat, wasche iha wahrend mau zm gral '
läutet, mit frischem bach wasser.
799. wer ein inesser kauft, gebe den er.slen damit geschnittuen biueti
dem hunde zu fressen, so verliert er das luesser uie.
800. eier der lienue freit a^rs untergelegt gedeihen nicht, die aas-
schliefenden küchlein frifst der vogel.
801. wer im spiel dem jnond den rücken kehrt, verliert.
802. wenn dir das rechte ohr singt, sagt man etwas wahres , weaa
das linlßi eine lüge von dir; beifs iu den oberu haft deines liemdn»,
so wächst dem lügner eine blase auf der zunge.
803. il'st eine magd gesotten milch oder brei aus der pfumu:^ t»
regnet» bald; uud bie bekommt einen manu sauer wie sauerkniut.
804. heilu/ag heif&t das wasser, das mau Weihnachten, solange die
glocke XU schlögt, sammelt: ist gut wider nabelweh.
805. wegebreit uuter die füfse gelegt schützt vor ermüden.
800. wer^in wolfsherz bei sich tragt, den frifst der wolf nicht
807. wer die weijse schlangeukrone tindet, gelangt zu schatzea.
808. wer durch ein todteubret schaut, kann die hexen sehn.
809. einer Jungfrau huld zu erwerben, schreib deinen und ihren in-
men auf Jujiiifenipergainent, wind es iu jun^fernwaclis y und hänge «
an deinen leib.
810. wer eines montags drei stunden nach Sonnenaufgang zur zeit
der sviumeniuchi gleicite geboren wird, kann mit geistern umgebet
811. wider die Jhchte hilll frühmorgens, eh man mit jemand ge>
sprocheu, zu singen : 'de Jlockasvh un de flechte , de flogen wol över
dat wilde meer; de flockasch de kam wedder, de flechte uimmenarr.*
812. an die wiege mufs ein drutenfufs gemalilt sein, sonst kooaat
der schlenzy und saugt die kinder aus.
813. Ostern tanzt die sonne am himmei vor ihrem Untergang. ^
thut drei fieudensprünge, das voik-geht liaufen weise vor die tii»rf*»
daÄ mit anzusehn. (Rollenhagens ind. reise. Alt^teKin 1614. p. lö<t)
8(4. if;st mau iu den zwölften hüUenf rückte ^ Si^ erkrankt man, ''&^
man fleisch^ so fallt das beste vieü im stall.
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ABERGLAUBE ci
ftlÄ. ein lofhenlopf im pfttrthtqH vergraben gibt den pferikn ge«ieilien.
816, lint mau schuje gekauft ufid eiiigptne!)eii, so niiidie inaii mit ei-
nem frrditen fe! (Utein drei kreuise auf die oH'emttelieiidc tbür, dafs tie
QA selin können.
Hl 7. eine frau, die ülier die liälfle ihrer ichwaDgerscIiart ist, bleibt
»ie vor einem eßscJiranke stchn, 50 wird das kiud «fefräfsig. (vj^l. 42.)
Iiilte d;i4^e<^cn ist, das kind hernach entw. in den sehrank selbst oder
in einön winke! zu setzen und, es ma^ schreien wie es wolle» solange
da sitzen zu lassen, bis die frau neunerlei arbeit verrii-litet.
818. will- ein kiud nicht «relien lernen, lasse man es drei freitag mor-
gm durch einen nii b.'jdeu enden in die erde eingewaclMneo bromheer-
atraucli stillschweigen'ib kriechen,
Hl 9. vom felde ko^iimeud nehme man den pßug von der schleife ab,
sonst rufit der ieuffl darunter,
820. die milch gerinnt , wenn man mit einem eimervoll über eine
na gendeich sei tritt, oder ein schn^ein am eimer riecht, man lasse
gleich darauf einen hengst aus dem pimer trinken, so schadet« nichts,
vgl. schwed. Ö?,
821. was man montags beginnt, wird nicht wochenalt ^ daher fiuf die-
sen tag keine hochzeit und keine wasche anzustellen ist,
822. was iihcr mohlzeit verabredet wird mislingt.
823. tritt eine zum batterfvfs und iil^erruft sie mit den worten : *da«
ist ein schön fafs milch!' so schäumt die milch und bringt wenig but-
ter. man entgegne : 'wäre dein grofs maul nicht, so geriethe sie noch
Iwsser.'
824. ' auf dem freien feld soll man nicht spinnen, die beiden heifsen
feldspinne rinnen,
825. wer ans dem linken nasloch blutet, dem misNiigt sein vorhaben,
82(j. reguets vormittag, so wird nachmittag noch bes.Her weiter, wann
die alten weiber sich auagereuspert*
82T. eh der jager dem wild naht, niufs er die hiichse umgektthrt
tragen, sonst fehlt sie.
828. erseitfzt der leichnam noch einmal auf dem stroh, bleibt er weii:h^
zieht er dem mund nahe bänder, zipfel und tücher ein, öfnrt er die
angen noch cinntnl (todtenblick) ; so folgt ihm ein glied der Ver-
wandtschaft bald nach.
829. wenn die leiche beim glocKengelaute die färbe wechselt, sehht
sie sich nach der erde,
8.10. man soll dem todten keinen namen zurufen, sonst wird er
aufgeschrien,
831. küssen zwei kinder einander, die noch nicht reden k<innen, so
mwfs eins davon sterben,
Hä2. wenn zirei nochlicnchter an zwei straOsenenden zusammenblasoR,
stirbt eine idte frau in der slrafse.
833. rvUt auf dem kirchweg den brantleuten ein stein ent gegen ^ so
bedeutet es böses.
834. wer fcit-Ätf/ijt/iriyic auf dem gottesacker //f^Ä/, verliert das gedächtni«.
835. zwei die traner haben ^ da sie sich zuerst sehen, sollen sich ninht
verlieben.
836. der dieb soll etwas vom ge»toInen ins wasser werfen,
837. wem bei einer feucrslM-unst die schuhe angehn.mnl zu brennen
anfangen, der wird für den brondslifter gehalten.
Q38. wenn dem baner ein füllen oder kalb jr.u wiederholtenmalcn fallt,
•o vergräbt er» im garten und pflanzt eiue fach oder satzueidf dem
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ca ABERGLAUBE
leicliaam ins maul, der daraus wucbseode bäum wird nie geköpft nodi
der zuneige beraubt, sondern wächst wie er will, und soll das haaeriH
gut in Zukunft vor älmiicfien fUtlen bewahren, (bei Stendal in der Alt-
Diark. ollg. anz. der Deutschen 1811. n^ 306.)
839. *) bei iiociizeiten wird aufser dem grofsen knchen ein jung^-
selltnkuchen verfertigt, den die ledigen niädchen Kerreifsen ; welcibe
davon das gröfstc stück kriegt, bekommt zuerst einen mann.
840. ist ein paar verlobte auf der bochzeit, so darf es nicht mit des
neuen eh: aar an einem tische sitzen , nicht einmal die (ufse unter dca
tisch stecken, wo jenes sitzt, sonst hat eins der paare allerlei unglnck.
841. bei der braiitfahrt darf der fuhrmann weder umlenkeii noch m-
hemmen^ sonst würde die ehe kinderlos sein.
842. bei der taufe dürfen die gevattem das westerhemd nicht an den
Zipfeln fassen.
848. leute, denen früher kinder gestorben sind, tragen das neugebome
zur taUfe nicht durch die tliüre, sondern stecken es dunh das fensier.
84*. eine Wöchnerin darf vor sechs wochen In kein fremdes haus
gehen, wenn sie es thut, soll sie vorher an einem fremden ort etwu
kaufen^ sonst bringt sie Unglück in das haus.
845. sie darf waiirend der zeit aus keiner quelle wasaer schöpfen^
die quelle würde sonst sieben jähre lang versiegen,
84ö. . die aus^etragiie leiclie wird dreimal «uf der schwelle niedei^e-
lassen; so bald sie aus dem hofe ist, verschliefst man das thor, midit
in die sterbstiibe drei salzhaufen^ kehrt sie aus, und wirft kehridiC
samt dem beseu aufs feld; einige verbrennen auch das betUktroh aaf
dem felde.
847. abends vor Andreas bilden die ledigen mädchen einen kreis uad
lassen einen gänserith hinein, zu welcher er sich zuerst dreht, die be-
kommt einen mann.
848. Johannis, in der niittngsstunde von XI — XII pflücken die ledigea
mädclien neunerlei blumen^ wobei aber drei nicht fehlen dürfen ; wtidr,
storchsclinabel, feldraute. diese blumen werden zu einem kränz ge-
wunden, wozu der faden von der biuderin in der selben stunde ge-
sponnen sein mufs. ist der kränz vollendet, so wird er noch in dieser
verhängnisvollen stunde von der verfertigerin rückwärts t(uf einen bäum
geworfen, so oft der kränz geworfen wird ohne hängen zu bleibet,
so viel jähre währt es noch bis zu ihrer Verheiratung, alles dies
mufs aber stilUcliweigenda geschehen.
849. hat einer ein leichenmafs stilUchweigends entwendet, und lekni
es nachts all eine hau st hü r^ so kann er die bewohner des hauses, ohne
dafs einer aufwacht, bestelilcn.
850. die wurzel des fünf'Jin^erkrauts Johannis vor Sonnenaufgang ge-
gr^l>en , hilft zu mancherlei , uud erwirbt dem, der sie bei sich tragt,
die Zuneigung anderer.
851. Wespennester tragen mndchen bei sich, in der meinung, dadütfc
die iieignii'r der niänner zu gewinnen.
852. hat sich ein mann veriirt, und kehrt die taschen um ^ eine fna,
und bindet die schürze veikflirt um, so finden sie den rechten weg.
853. hat ein kind fritsd (kiampfe), So kehre man eine schindel »/
drin dach um, oder lege dem kind die brautschürze untern koff,
854. weinachten oder neiijulir treten sie, in dei' stunde XI— Xll »**
♦) 839 Uh 864 aus Jul. Schmidt topographie der pflege Rcitbcn-
'fcU 0«» Voiglland) Leii)Z. 182T p. 113—126.
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Aberglaube; cm
etilen kreuzu^eg^ um EU /torchen * dann erscheint alles, wa« ihnen Im
uädwtea jalir merkwürdiges begegnet das /lorv/ien gelit auch in »ul-
cl««u iitnben zu/n fensler hinaus an, wo der träger i^ber dem Fenster
i»t ; oder auf Walpurgisnaclit ifit grünen körn*
tt55« wenn vom feuer der heiligen drei abende (vor neujahr , weili-
11 achten und dem hohen neuen jähr) am andern morgen noch gUihemU
kohlen im ofen sind, so mangelt es das ganze jähr lang an niclits.
85H. der tod eines hau;»vaters ist Im abnefunenden nionde für die fa-
Biilie unheilbringend, woiilthätig aber bei zunehmendem, gut ist,
wenn sich sein grab beraset, wiedererscheinen eines verblichenen fin-
det gc'WühuUch am neunten tage nach dem tode statt.
H&7. wild die erste frucht von einem bäum gestolen, so trägt er
xieben jähre lang nichts
H58. der drache trägt den mist auf dem hofc seinen freunden z\\.
859. eine schwangere darf durch keinen zäun kriechen^
8G0. ist eine |eiclie im haus, hat eine l^uh gekalbt, so bekommt kein
ballier etwas.
8t>l. abziehendes gesinde hütet sich, überzogen zu werden, d. h. es
. zieht ab, ehe das neugemicthete einzieht, oder schaft wenigstens seine
»achen früher for(.
84)2. der neue dienstbote kommt zu mittag und verzehrt seine klöse auf
der Ofenbank, die herschail hütet sich, ihm diesen tag Sauerkraut
vorzusetzen, sonst würde ihm alle arbeit beschwerlich fallen, der ab-
gehende dienstbote erhält für jedes jnhr, das er im dienste verlebt hat,
ein dilti st brot,
863, thut es nachts drei ^chläge^ heult die wehklage^ wfihlt das erd-
iiuhi^ so trifl^ ein (odesfali ein.
8ti4. gegen schwäche der kinder: ihr harn wird in einem neuen topfe
auigefangen, in diesen das ei einer kohlschwarzen henne^ ungehaiidelt
erkauft, getiian, neun löcher ins ei gestochen, und nun der topf, mit
leiuwand zugebunden, in einen ungesucht gefuiidnen anieisen häufen
uach sonneuuutergang eingegraben, wer einen solchen topf findet, be-
dient sich seiner nicht, er würde die vergrabne krankheit bekommen.
806. das hau pt weh (de jarreii) wird im Diepholtischen auf Iblgende
weise geheilt, eine sachkundige frau bringt zwei schalen herbej, eine
mit koltem wasser, die andere mit geschmolznem talg angefüllt nach-
dem der köpf i\c& kranken eine Zeitlang in jene gehalten worden ist,
wird das talg durch einen erbhechel ins wasser gegossen^ und die frau
fipricht: 'ik geete.' der kranke: *wat gütst?' die frau: ^de farren,'
darauf sagt sie eine Zauberformel her, das ganze verfahren wird drei-
nial wiederholt, und das wasser an einen ahornbusch (hollunder) ge~
irossen, das erkaltete talg ins feuer geschüttet, und das übel ist weg.
(^annak'U der braunschw. lüneb. ciiurlande. achter jahrg. st. 4. p. S»96)
vgl. 6U,
866. wenn in Hildesheim auf dem lande jemand stirbt, wandert der
todtengräber schit^eif^end zum hollunderhusth (sambucus nigra) und
schneidet eine stange^ um das mafd der leiche zu nehmen ; der knecht,
der sie zu grabe führt, lliut ein gleichem, und hall dann diese .Stange
statt der gewohnlichea peitsche, (SpieU und Spangoiiber;;i nrchiv
1828 p, 4.)
867. Matthiesnaclit (24 f.'br.) sammelt s\cU die Jugend, die mädchen
flechten einen kränz t^on sing, a/i, einen andern von sfr«>h , nn l tragen
als drittes eine handvoll asthe. damit ^ehen sie um mitternncht
schn'digfnd an ein fliefsendes wasser^ wo die drei saclien «chwimmeii
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civ ABBRGLAUBG
iiiunfen. schweigend mit verbimdiien aagai taust du nmddica ■■oii
dem aatlerii um das wasser, uud greift sich daiio die rtTrirrilnitMj,
im siu^^rüii den brau/ krau z^ im stroh unglitck^ in der uciie tod. die
gUlckliolieii luiter ihuea treiben das spiel weiter, und werfeo g^rsf^n-
körner aufs Wasser, worunter sie sicii Junggesellen denken, nnd bencbCcs,
wie sie zusammetischwimmen. Andere werfen ancn sonst «Irei Mai /er
aufs wnsser, mit dem namen der mutter, des vaters und de« kMes
bcaseichiict, und spähen, welches zuerst untergehe, (daselbst,)
{(6B. der kirdigang der kindbetterin heifit in einigen liannöreriselMtt
gegendeil die brumnüe, denn auf den dör(^m wird bei solchen anÜtf-
seii von der bademutter, dem vater des kinds, und den eiugeiadnen ge-
vatteru sowol i\ei letztgetauften kinds, als der früher getauften «to ge-^
hrumrne^ nls eines baren, angestellt, (braunschw. anz, 1758« p/ l<KS6w
liaiinov. nütxt. saml. f75A. p, 091, wq brünimiej)
809. vom hoUunder^ der in den weiden wächst, macht maaden ki»*
dtTii ein ange henke y neun s/iicklein in einen zundel mit einem rofA*
.s^ifff/rn fad'-n^ so dafs es auf der berz^rube lic^gt. zerspringt der fr-
den, soll man mit einem zinglein das bandlein u>nehmen uad i« ßie*-
Sandes wasser werfen. (Kttners hebamme p. 859.)
8T0. (ingeht'/ike vom recliten auge des ivolfs^ sHcklehi von steiKeB,
hlhidt'n srh'i'alf}eii aus dem magen geschnitten, (daselbst 8^,>
87 1 . puer si in veri geniioris indusium nigrum seu mtrctiinium i»-
volvHtur, si epilepsia ipsnni augat, nunquam redibit. (das. 854.)
872. nimmt ein kind ah, so bindet man ihm einen faden rolJier
um den linis, fangt eine maus^ zieht ihr den faden mit einer
durch die haut über den^rückgrat, und läfst sie laufen, die
verdorrt, das kiiid nimmt wieder zu. (das. 95M).)
H7:) ^). wenn eine alte frau das herzgf$pan segnet und böte/ ^ ImoHit
sie die schmerzhafte stelle kreuzweise an, streicht sie, bindet salz «ad
roggenmehl darauf und j^pricht dann die formel aus: ^hertgespaa, ft
segge dl Miy Jliig van den ribben, asse Jesus van den krtbben!^ i«l 4cr
kranke mit krumpfen behnf^et, so soll er sich an einen pßaujuenh^umä
ausstie'kifi, wobei gesagt wird: ^nkebom stand, pluuikebom wasae!*
874. niniiche menschen iiahen einen so svhädinhen blick (sdiliaiBia
angeo), dafü sie durch blofses aiisebea, oft ohne ihr wisai^u, menacbaa
und \ieli in lebensgef||ihr bringeii.
875. CS <{iht lente die durch be:fjyrechen (hermnrmelung eiaer gewis-
sen furiiiel) im Stande sind, ein pford im voUen Uiuf€ itufAuhalieM*
einen wachHamen huud achwfigen zu maclten^ das blat zu tiHlta, dea
feuer zuMtehren^ dafs es um sicJi greife.
87G. die gestoliliie sache kaim man wieder zu Wege hriogea, weaa
man etwa» von der erde, auf welche der €Ueb gefreien hat ^ in «tüAs
beule! Ji'Uty und täglich zweimal mit einem stock solange dacaaC
schlägt , 1>Lh feuer darau.s kommt, der dieb empfindet diese schüge
uiul mufs, wenn er die sache nicht zurückbringt, ohne sclumaog «terbaa.
877. bHiiiioiz gegen den holxwurm zu siciieru, sdiUge man Peierstag
vor honnennur«^ang mit einem stück eicherüiolz dran und spDedie dabei s
^huiite worni wut du hernt, suute Peter is kommen V
878. wen die nachlmahr bei^ucht, ein grofses weib mit lang fliegen-
dem haar, b^ikre ein loch unten in die tliür und lege so viel schM-cint-
borsten hinein, bis es ausgefüllt wird, dann schlafe er ruhig, und ^er
*J ST:^ hU 887 aus Wcddigeas westphäl. mag. 3, 719—721.
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ABERGLAUBE cv
•pfccb« der Bachtmfthr, wen» sie kommt, ein geiclienk; sie wird lim
verlsiseii nud das gelobte deiu andern tag in menscliengestalt abholen.
879. wer nie am tonntag eine arbeit vorgenommen hat, dem rührt
kein po^el sein f^traida oder »eine gartenfnichte an.
860. wer unter der frtthpredigt des ersten weihnaclitstags geboren wird,
kann geh/er sehen.
8B1. ft*irff der maulu/urfXn der wascbkammer, so bedeutet es den
tod der hausfrau.
88a. unwifikommner gast ist, wem unterweges eine herde 6äue (»e*
l^egnet, willkonimner, wem eine herde schafe,
883. 9chitrwieU die finde des aufbewahrten hochzeiishrois^ so steht
eine unzufViedne ehe bevor.
884. an einigen orten schneidet der vater der brant etwas von der
obern rinde eines wol ausgebacknen hrotes^ und reicht es der jungen
frmi nebst einem glase brantwein. diese fafst die rinde, ohne sie mii
der hand zu berühren^ mit den lippen, wickelt sie in ein tuoh und
▼erwnbrt sie In einem kästen, das glas brantweip wirft sie über den
ko|>f weg auf die erde.
88&. gellt die Wöchnerin das erstemal zur kirche , so wirft 4nan Ihr
emf der diele den topf nach , aus dem sie die sechs Wochen nber
Warmbier gegessen hat.
886. wirft man über den köpf zweideutiger katzen, hasen, einen siahl^
so steht plötzlich die gestalt eines alten weihes da, die als katze oder
basa aber den weg lief.
887. wer eine sch-rorze kuh und einen schwarzen ochsen einschlaebr
t«t, bat einen todesf^ll in seinem haus zu gewartcti,
888. greift die braut beim heimgang aus der kirche zuerst die haus-
thiir an, %o behauptet sie die herschaft, zumal wenn sie dabei spricht :
^ch greife an diese thür» all mein wille gelie (tir!* hört der brintigam
diesen segen, so kann er ihn unwircksam machen ^lurch die wertet
Sdi greif an diesen thQrrIng, faust und maul wird ein ding.'
889. gackern oder fliegen die aglaster um ein lians her. springen die
brande am feuer hinten über und schnappen^ so nahen Aremde gaste
ilem bans.
890. wer in den krieg zieht, und beim weggehen hinter sich zurück
scfiaut, kommt selten wieder heim.
891. wenn man das garn vom samstag den Sonntag fiber auf dem
htnpel stehn In fit, werden, lauter wOrste daraus.
892. geister worden zwischen die t huren verwiesen; man soll th&rM
nie hart zuschlagen, sonst qunlt man die geister zusehr.
89df einem der geister und Vorgeschichten sieht, schaue man über die
Unke Schulter^ so kann man es auch.
894. wenn zwei freunde zusammen gehn, und nngeflihr ein siein zwi^
sehen beide fallt i oder ein hund quer über den weg lauft ^ so'wnrd din
firenndschaft baVd getrennt;
895. wer beim ausgehen an die schwelle slöfst^ kehre alsbald sarnck,
aonst hat er ein Unglück.
896. tags vor fastnachtsonntag kochen viele leute für die lieben enge--
lein das beste und leckerste, was sie im haus haben, setzen es abende
au f einen tisch ^ öfnen den engein die fcnster, und legen sich dann
schlafen. (Obersensbach im Odenwald.)
8U7. wer sommers zuerst mit fruchtschneiden aui seinem acker fertig
ist, nimmt einen ireidenztreig , s/hmückt ihn mit hlumen^ und steckt
ifiii an den letzten fnichlwagen, der eingefahren wird. (Gernstieim.)
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cvi ABBaGLAUBE
8^. im angenblick, wo Jemami stirbt, wir«) die fmchi auf dem ipti-
eher geschau ftfU , der wein im Iceüer geriitieli , sonst gebt das gcsüa
kom nidit auf, und der wein wird sauer. {Gerosbeini.) ?gl. 974.
664» 698.
8i>9. Sanct Biasleatag hält der pfnrrer zti^ei brennende kerzen im
kreuz, alt und jung geht hin, hält den köpf zwisdien die kerzea aod
hliist sich segnen; das bewahrt vur köpf- und haisweh das ganze jalir
übpr, (daselbsjt.)
900. eine verstorbene ktndbetterin wird in einigen gegend^ Westpba-
lens nirht ins gewölinliche todtenliemd , sondern ganz so angekleidet^
wie sie in die kirche gehen wotlte^ um sicfi aussegnen zu lassen, und sa
wird sie begraben.
tH)1. das geticke des arbeitenden hohufurms \ü alten atulen, ttsdna
und l>ettstellen lieilät die todtenuhr\ man glaubt, dafs der tod trorbei-
gehe und der schlag seiner uhr geliört werde.
902. •) a Peder und Pauit rouefs me d henne asetzn^ so legens vil aer.
90:). am Silvestetag miiefs me d scherhäuf n auseuauda reifsn, aadw
wirft de scher nimmer auf.
904. es is aet giiet, wenn de gucka nneh Johanni Sekretin
905. wen mer am fiusinat erte vor sunneraufgang drischt , so vertreibe
ine d Schermaus.
906. Wenns am kürzesten tag gfriert, so fäüts kom^ is s güad, so
steigts in preis,
907. an Maurizi ta^; soll me kaen waez san, siiest wird e rueßd«
90A. wen Bier an tag Johamitsenthauptang in en bam haui , so aiaefii
er ast4.
909. aftf en mferzn nehl kimt in hundert tagag e wede,
910. wen i de nenjohnnocht de wind get^ so kiedeuts en sterU
911. an Martinütng sieht mer a n brustbae i^o de gans^ obs ea kalla
winte git ode nit
91 2. hüeln (h&qlein), de fiu,t de antUs aer wem, äiideu »lle jar d hx.
913. der am charfreide durti Icidt^ dea scltadt s ganz jar kae tfiak.
vgl. 856.
914 wenn me d feden inn wachsedn mo in e bett fillt, so schliefe s
wideraus.
914. b. am a^c'temike jagt de teufl s holzu»eibl in wald mm.
915. wen mer am halinger abmd i oder am oenjar, oder am geaadit-
abmd en waschhaden an en zau henkt^ mid nache d ros damit |iatat,
$o werns fett.
916. i de rauchnächt sol me net dresc/m^ sonst verdirbt s iraed^ so
ii'eit me n schall hört* vgl. 418.
p17. an Valentins tag muefif me kaen bruetlusnn ansetzn, suast bull
alle aer.
918. wer iibe s Johannesfeuer springt ^^M^gi des sei jar s fiebc aet.
919. Wenn mß en rossn am Steffelstag adp lafst , so bleibms s g»»
jar gsiind.
920. wer mit einem mcsser, am goJdnen sonntag gea^elzt^ verwww«
wird, kann »schwer oder gar nicht geheilt werden.
t;8l. wer au einem üolciien soimtng die rechte hand mit einem f'^'hri
oder strick umwindet, daran ein dieh am galgeu gehangen^ trilft i»
?.ieIschie|Ven allemal das schwärzte.
*) 902 bis 919 aus Sclimellers muadarten Baiems p. 529.
• . Jigitizedby VjOOQIC
ABERGLAUBE cvu
922. wenn einer ein neues kleid an hat , soll man ihn daraof schlagen,
mit den werten 'das neue mufs man klopfen, das alte mnfs man stopfen.'
dadarcli bekommt das kleid längere dauer,
923. kranke sctiafe lasse man durch eine gespaltne Junge eiche kriechen*
924. eine schwangere soll nie aus einem lessei essen , oder das essen
kosten, sonst wird ihr kind stammeln,
925. wenn sie über laud fahrt, soll sie 4iie über die stange des wagens
oder über die linien der pferde steigen , sonst verwickelt sich das kind
in der uabelschnur. vgl. 933.
926. wenn ein sechswochenkind viel schreit, ziehe man es dreimal
8ti lisch weijsends durch ein unausgekochtes stück garn, hilft das nicht,
so mufs die mutter am kirchgangstage stillschweigend ans dep kircbe
gehn , sich stilhchweigend ausziehen und alle ihre kltidung rücklings
auf die wifge werfen.
927. wird das homvieh zuerst auf die weide getrieben, überziehe man
eine holzaxt *) mit einem rotiten weiherstrumjf und lege sie an die
schu^elle der stallt hür^ so dafs Jedes hanpt darüber schreitet vergl. 752.
928. kohl gegen ranpen au sichern, soll eine weibsperson dreimal im
troWupnd nackend und rücklings kreuz und quer durch den kohlgar*
ten gehn.
9S9. ist eine ledige im verdacht der sohwangerschall, so soll der
Unecht vor sonnensufgang einen emte-.vagen in zwei theile theilen, die
t^orderseite gegen mittag, die hinterräder gegen mitternacht kehren
und so stellen , dafs das madchen genotliigt ist , bei ihren geschäfteq
zwischen dem ausgei^pannten wagen durchzugehen, dadurch wird sis
gehindert ihre frucht abzutreiben,
930. läfst sich ein iuiimchen hören, so stirbt einer im Irnos : es eingt
ihn zu grabe,
931. ein gegen pfeile und kugeln schützendes nothhemd mufs auf
christtag von einer reinen, keuschen Jungfrau gesponnen , gewoben uml
genäht werden; vom hals au bedeckt es den halben mann, auf de«
brusttlieil werden zwei köpfe genäht, der zur rechten seite mit einem
langen hart, der zur linken ein teafliches gesicht mit einer kröne,
vgl. 116.
932. die sMüsselprol^ geschieht folgende rmafsen; in ein gesangbuch
-wird ein Schlüssel gesteckt, um das buch ein band gebunden, dann der
ring ^efi eingesteckten schlösseis auf die flnger gesetzt, so dafs er
darauf umlauft, und nun geschehen fragen.
833. eine schwangere soll nicht unter einer hangenden linie h^rgebn,
sonst entgeht ihr kind dem strick nicht, sie weichen selbst bindfadeß
aus, woran der Vogelbauer in der stpbe hängt vgl. 925.
934. beim erbsenpflanzen nehme man vor Sonnenuntergang einige erb-
sen in den mund ^ und halte sip während dem pflanzen stillschweigend
•darin, so sind die gesteckten vor den Sperlingen sicher.
935. der todtengräber gräbt das grab erst den tag des begräb^isses\
spnst hat man vpr dem tpdten im haus keine ruhe.
936. ungctituft sterbende kinder schweben zwisdien himmel und erde.
93T. kiiider sollen nicht den zeigfßnger gen himmel strecken^ sie
tödten damit jedesmal ein liebes engelein. vgl. 384. 947.
•) jedes Werkzeug pon stahl auf die schwelle gelegt reicht hin.
vgl. reichsanz. 1794 p. 656,
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cviii ABERGLAUBE
998, *) d« lietne sich manclier dier todtschiaf fn , ehe er durch zmi
ireilffspersonen dnrcligienge.
P39. ein ander zencJit gein weij'4 hembile am morUage an^ und gieife
lieber nackend, al« dafs er sich am sonntage solte wetfs ainsielien.
940. ich kenne leute, die steliu in der nieinung, wenn sie nicht an der
ascliermittwoch grliie niiijst am grünen doimerstage ein iirrtt kraat
von neunerlei kröutern, an der pfinffsitmittwoche schollen nut knolflaurk
Ursen, so wurden sie nocli dasselbe jähr vor Martini so esieln. vgl. 275.
941. brant und br&utigam, wenn sie sich trauen lassen, sollen dickt
ztt.samnwn treten^ dafs ninmand durchsehen kann.
942. sie sollen den zapfen vom ersten hier oder fpeinfaste in advl
nahmen, und sugleich ins bette treten.
918. der briutigam soll sich in einer badesehürxe tränen büseiL
944. wer das maul ans iisvhtuch wischt, wird nicht satt?
945. es ist nicht gut, wenn m»n das kleid am leibe flicken laut,
vgl. 43,
946. das hrot we'clies zuletzt in den ofen geschoben wird, xekbnea
sie und nennen es den »'iV/, solange der wirt im haute sei. Mangle rs
nicht an brot, werde es vor der zeit (ingesdinitteii , erfolge thetienHig.
947. (bei leibe, weise picht mit dorn (inger, da erstickst einen engelV
948. Miebes kiud, lege das messer nicht so, die liebeM engA ireieti
tich hinein V wenn man sagleich ein kind im üsaer luid ein messer amf
dem rücken liegen sieht, soll man eher <lem messer lohitilea « als öe«
kinde. vgl. 809. .596. 597.
949. es ist nicht fein, becher oder karmen tu yherspannen^ wer daran
trinkt, be^omnit das herzgespann, vgl. 11.
950. **) es ist diensam kranke mit einer ruthe^ die tt» einem alten
zäun gebroclien ist. und neun enden oder zuneige liat, Bii berjittchcri.
951. ebenso mit /leu, dn* hwt einer er hscheune 9 ungeredt «od nnge-
schoüeny vom boden geholt ist.
953. zu zeit der IHxlnächte (vor fidvent, vor christtag, vor dreikvaigs-
tag und sanistag der lichtmesse) begeben sich die gasteiner dimea, s»>
bald es dunkel geworden ist, in den schaürtall «od greifen stracks hin-
ein unter die heerde ; erwisdien sie nun auf den ersten grif etneB trid-
der, s^siud sie getrost, da(s sie noch in diesem jähr hei rathen werden* ***)
k. aherglauhe in Schweden und Dänmarh f)
1 , e] mk man mötn sopor i dörren^ om man vil IM gift det aret.
8. om cn (licka och gösse äta af en och samma heta , bli de kara i
livarandra.
3. midsommarsnat skal man lägga 9 slags blomstrr under hufradet,
sä drömer man om sin fösteman, eller fastemo, odi (ai se den i
•) 938— r 919 aus Christ. AVeises drei erznarren. Lp, 1704 pag.
^3 — 257.
**) 950. 951 ebendaher p. 860,
***) Mnchnrs Gastein. p. 146,
+) 1 — 71 aus lirik yernow beskrirning öfver Wärmeland. . Guthe-
borg IT 73 p. 254 — 260; 72 — 109 aus IJiilphers beskrifning ufvcr
Norrland. 4. Westcras 1780 p. 30rt-3IO. 110— 125 aus Julian r^</m^'i
BHliiuiaii.i beäkrifnin;;. Stockh. 1746. p. 75-^80; 126—169 aus Thiele
dnnske folkesagu 3, 95 — 124.
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ABBRGLAUBB ax
. (j ml «iigkarl gifvi «a flicka kmf «Her knapriüar^ iy de sticka
onder karlekeii.
eu flicka mä ej se sig i spigelen, «edaa nedmorkt ar eller vid Ija«,
t ej foriora ntaafolks tycket.
i. bruden skai laga, at \\nn forat; J%r se brudgumtnen ^ aȊ f&r han
iiubondakastet
liou tfkal ander tigsleo för samnia orsak sätit^ sin Joi fram'-
or haua,
\. äfyea för aamraa akäl skal hon laga, at hon satter sig först ned i
'rustoiert»
*. för samma olmak skal hon , liksoni of väda , släppa skon af foten^
Her näsduht/i^ eller nagot aunat />ä goifi^et, 8om brudgiimmeii af hof-
igliet bugar sig at lijelpa til ratta. hans öde blir^ at kröka rygg no*
ler heia figteoikapet
10. braden skal sta brudgummen nara^ at ingen framdeles niä irünga
lg dem iinelian,
1. de-hälla i kyrkan et band eller kläde imellan sig^ at de mSga
L>U ensanie tilliopa.
12. bagge bora hafva pengar i akorna^ at mynt ml aldrig tryta^
13. den asom under vigslen lutar Jrht den andra, dur för^t« äfveasä
len som ser hast ut.
1 4» bruden skal taga med <a manga fingrar //a bara krofpen , tindef
iet liou sttter i brad^toien, som hon vil hafta minga barn.
15. at hon ma fl litt bariisäug skal hon vid heoikomsten fran kvrkaa
il ifOnster spänna\khx bukhjoien, om hou ridet, mta finuneUiangen
>m hou aket.
16. at bruden ma bli god mjulkko, möter Hannes moder banne pa
;arden, da hon kommer ur kyrkan med et mjölkegias^ at utdricka.
17* tu mat pa fonita bariiääiigen skal hon förse sig med en kaka ocb
sn ost, som hon har hos sig lignude i brndsangen«
18« nir bam aro nyssfödde, lagges en buk ander deras hofi^ud^ at de
väk bli nimuie at läsa.
19. nar de lursta gangen logas, lügger, venningar i vatnet^ at de mä
>li rika. en pung med pengar uti -tys ok kring halsen,
M). nagot ttffadrens kläder bredes pa jHckobarn^ och modrei.s kjortel
j^ gosse^ at fa tycke hos andra köuet.
11. modren bor möta barnet i dörren^ nar det (ores fort til Christen-
lom; men nar det fores hem, sedau det er dopt, skal man möia det
dörren med en brodkaka^ at det aldrig mä fattäs brud.
S2. sä länge barn ej fadt namn, mä ej elden släcka.\
13. ej mä man gä mellan eld och spenbarn.
24. ej mä man sent bära in vattent dar spenbarn ir, utan at kasta
fid deruti,
25. ej mä nägon som kommer in i hoset taga et bam 1 sina häuder,
itan at förut taga i elden,
16, nar barn fa snart tauder, vanta de snart nya syskon efler.
27. om barn trifi^as gerua i yarmt latten^ bli de horaktiga.
28. ej mä man pagfta tom pagga, ty barnet blir gratt och olätigt
29. mir et Jorstfödt barn^ som är födt med tauder, biter öfver ondu
betety sä blir det l&kt. vgl. 37.
)0. bam mä ei pä eugäug lasa och äta^ ty.det f^r trogt minne.
)l. barnet skal först taga i hund^ men ej 1 katt,
)2. om barn leka med eld^ fa de svärt at liälla sit vatten.
)3. barn som ar afladt före vigslen skal inodren sjelf hUla pid dopet ^
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ex ABERGLAUBE
eljest Mir det icke agta, mta är det födt föfiiti skal JiOB W2a de/ ;a
armen^ när hon stiir bnid.
84. om deo sjfike far frdmmande mat^ blir han frisk.
85. för läkemedel bor man ej tacka^ ty det har ingea verkiD.
dd; ej ma man ga ofver grafvar med öpek sar> tj det läkes seat el-
ler aldrig.
87. oiula betet botas of förstfödt barn med linder, vgl. Sft.
38* ei mä man fore morgonen omtala ^ om man sedt spoks , at ej bli
kraniad och spotta blöd.
89. »edan nedmörkt är, ma man ej ga til vatten, at ej ß onda bete'.
40. for samnia orsak, eller ock at ej bli kramad, skal man spotta 3
ganger« da man ^ar öfi*er ualten sedan nedmörkt fis,
41. för den sjiika bor man lata bedja ( 8 kyrkor^ d^ck bor gern
däribland vara en offerkyrka^ t»asom flunnarskog, Visnom, Rada, aoi
man bor dem sä n&r. det mäste da liaatigt siä ut, nnting^i til hetaa
eller döden.
42. stora fiskara tänfler bora upbrännas, at bli Ijklig i fiake.
43. man bor ingen tilsäga ^ da man gar astad at üäka, och ej am-
tala aotingen man far mycket eller litet. vgl. 109.
44. ej heller bor n^gon främmemde fa se, hur micket lisk man (ItL
45. när man ror üt frln landet at fiska, mS man ej pända bij'n
imsöls»
46. knapnalar fundna i kyfkan och dar gjorda til metelrohar^ nappt
bäst, eller äro gäfvaflt.
47. gar qvinfolk ofuer metespo, nflppar ej dsken.
48. Stuten fiskeredskap är lykllg, men den bestulne mister lyckan.
40. ej mä man kora lik til kyrka, ty hasten bllr skämd.
50. ej ma man lysa under bordet^ at ej gästerne skola bli oense^
51 . ej ml man vända om , da man g^r i nägot ärende , at det \A.t
ma aflopa Ufa.
52. för knapnllar ml man ej tackoj ty de tapas bort
53. qvinfolks mote er ondt^ om det ej är en lÖnhora,
54. konimer en främmande in, der Ijus stöpes^ skal han taga i elha^
eljest losnar talgen af Ijusen.
55. ej ma man spinna om Torsdags quäll^ eller i dymmelveckao ; tj
det Spinner efter om natten.
56. kommer främmande in, der korf kokast spricker han sonder.
57. om nagon, som har onda ögon^ aer da man slagtar, bar kreatairt
ondt för at dö.
58. siar man kreatur med uriden vidja^ far det tanntopp.
59. vänder man toßor eller akor med t%n in a/ sängen ^ al komner
TiTaran om natten.
60. piskafion akal man gora kors öfver fahusdorren för troUkirHigit>
61. Bär man Ugger forste gingen i et hus, akal man räkiia fajelkaiiat
so blir sand hvad man drömer.
62. om man gtömer nigot» dl mao reser bort, er godt hopp ior ^
henm varande, at den resande kommer til baka ; m&k se äg tu baka^ wt
ej godt marke.
63. när kattor tuätta sig, eller skator skratta vid hnsen, vSata M
främmande. har en solaktig matmoder, eller vlrdslöa piga kke foir
sopat golfvet, sl bor det dl ?ist ske.
64. den som ora juldagen först kommer kern frln kyrkan , slirtar fM
sin andetid.
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ABERGLAUBE cxi
66. om man gir 3 ginger hring l^ängen^ sedau man satt kaleo , Mk
han fri för msäk.
66. om quinfolk klifver d/t^^r skaklor skenar basten eller blir skamt
67. när vafsioUn tages ned y skal man iro^/a et eldkol darigenoiB , 8&
far mao saart ap ny vaf.
68« Ift^fges eld i karet Cure miskningen» sttrnar ej drickat
69. julafton kastar man stiften r^halms sir^ i taket, sa mäuga str&
aoni fastna, sa manga trafvar rag fär man det aret.
70. toin säk ma ej baras oknuten^ gar en hafvande Imstra dareller,
aa blir liänues foster aldrig matt, meu rikar en ko pü den olykliga Ta-
gen, sa tar hon sig aldrig kalt
71. da man lugar stg, sattes stU i vatnet^ och näcken bindes saliinda:
^näeky uäctf stal i Strand , far din var en staUjuf, mor diu var en naltjaf ;
sa langt skal du vara liärifräo, aem detta rop hdresT och da r»pa alle
med fullhalsi ^Ao hagluV
73. om körnet väl vil mylla sig, ar tekn tH god arsvaxt. nar godni»-
gen om varen skättas af kälan, hvarast den leget öfver vintem, kastas
nS^re körn i brakningen, ükesa, uor man sar, bur en näfuamull läg^
gtis i sädskorgen^ den dagen bor ock ej tagas eld ifrao graugärden.
73. om päsklördag blases med en llag lur genom fahusgluggen ; el
langt Ijudet d^ hörs^ sä längt bortbiifva odjuren det äret.
74. nar man soker efter boskap i skugen, och rlikar en käkling (talg-
ose) f ä högra handeu^ skal det sokta finnas igen.
75. släppes svinen ut Lucii dag, /a de ohyra ; likesa sägas de bli liker^
gängset om de komma ut at päskaflon.
76. gär man viUe i skogen , skal man Muli^ända sif^ ^vanda nt och in
pa klldema^, sä koramer man til ratt». . vgl. deutsch 862.
76 b. om boskapen Mikelsniässafton */:d>ej tyst inj skal bau vara rolig i
fahuset heia äret.
77. n&r kou blir Sprüngen af oxen , bor man med kokslef ^/a henne p%
ryggen^ annars bottnar hon (fär ej kalfven frän sig.)
78. nar askan brinner väl ihop , görs boskapen väl til (blifver dra<;tig.)
79. at boskapen skal sjelfniant komma hem nr skogen, niääte sparas al
fet-tUdags fnat, at ge da den, om vären f5rst släppes nt.
80. vid första höladningen säges, at da drängen (urst (ar in sin hofamn
skal oxkalfvar fudas, men tvartom, da pigfm har fortradet.
81. om den som byter sig til en hast eller annat kreatnr, läter det
äta af en jordfast sten, sä trifves det väl. nägre liär af svansen biudas
ok (or den orsaken ntl spiället
82. när en byter sig til Iiemman , bor litet fvllning tagas ifrln gamla
stall ok falnis, ocli läggat i huar s/nlta ^ller bäs i det nya, at kreaturen
mä trifvaa. äfvensä sattes en ator gran i fahusdorren , at kreaturen mä
ga derigeoom första gangen.
88. alt fullgjordt arbete koraaa Öfuer.
84. om man fet-tisdag gär i ranbaka at äka pä skida, ok mäktar st2
utan at falla kult, skal det äret blifva l^nf^t lin.
85. garnet tar ej ti/ettas i nedan^ ty da bltr det grätt.
86. om alt är under las MidieUmäesafton^ skolar ^ufvar eJ göra skada
det äret
87. om et körn eller annat finnes under bordet , da der sopaa nyär«
iDorgott, skal blifva ymnog ärsvext
88. när mau pä de 3 första säilesdagar satter 3 siickor i.en myntak^
lar man se, hvilket säde bast l>ckaa: kryper myran öfverst pa den 8,
blifver den lykligast.
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cxii ABERGLAUBE
89. är sjoredskap^D «tulen, bür den rökas med priden eld.
UO. ril Torten ej rinna genom rasten, bur man satta ea uÜsax emelian
fanden oöh rliStkaret.
91. nar brännvinspannor voro 1 bruk^ troddes at braaniagea geck bäi«
i nedanet. om pannaii da var foifardigad, ocli tvärtom.
92. da stritt komma at luhta eller smaka af bräofinsifflnety skalle behi
branningen forolyckas , sa framt ej en hast feck biasa i pannan ellrr
piporna. ?gl. dentscli 820.
93. pasduiatten ügfra i strumj^or^ var at forekomma skabb.
94. när lomen ses fly^ och akrika öfver isen , »kal bii maaga oagta
burn det Iret. den aom d^raa af honom, far sara hander.
95. gropur vSrtiden pa girden» betyder at uagoa ßnart skal dö i hoset.
96. om uagon mwt&nkt kom i gärden , sknlle man , at ondgl spadoois
aindnbigen, antingen stk benne ^ at blöden rann, eller kasta eldbraud
efter en sadan.
97. när broden ir kl&dd, bor bon forst fa se bnidgumeo itin skrud^
at aktensknpet na blifra karilgt
98. nSr bruden konioter.frän kyrkan, skal hon sjelf spanna ifrla eller
sadla af hasten^ at hon mitte lindrigt fl barn.
99. äfven .bor hon da tönt g§ i kokstugan , och se i sopvnn » at
bennes foda niS bli tilcickeUg.
100. dausar bniden tned pengar i skona^ kann Ingen troUdom bita
pä henue.
101. nar en qvhnia^ lyktat sin väf, och tar en spjelka, sobi sutit i
vafskelet^ rider der/ a ut genom därjp^t och" moter en man, sa skal de«
liafvande linstrnn, hon tanker pä, \i et gossbam; men tv&rtom.
102. dricker hafvande ha&tnin ur breda kärf, blir bamet bredoiyat
103. gar hon genon et hagekott, d. S. der girdsbalken slatas, skal
bon fa fallsjuka.
104» om bamet far sofva i ckrUtmngMädema^ skal det eJ bU okjn-
nigt utan godt.
105. .när spjäll om qvällen skjutest hafVa de eck fordcwi haft ea
sardeles fang: 'skjnter jag mitt spjill sent om ea qv&ll,
aldrig skal min eld släckas ut.*
106. den som forst koinmer ft^n kyrka. juldagen^ tros iorst fa ^
och berga, samt vara främst 1 alt arbete.
lOr. tvätvattn utsläs aldrig efter solglngen, ntan at den sticket eid
i stallet for spottning om dagen.
108. da boskapen först om varea ntslappes, gl de S/yer eld i et ry-
konde fnoske eller annat ämne.
109. mnii bor ga bort, uian at saga lil, eller mSta nlgon^ ob fiske
i vissa 8Joar skal lyckas. vgl. 43.
110. ibland the storre amnieter äro boträ^ stora hogar och Berg, aH
hvilka man tror underjord^kt folk bo, sl akta de sig hogeligen, at icL«
allenast iVi/tfA /lu^ga af slikt boträ^ til aMrikanda af olycka, aoai
skedde i Fosspastorat for 2 är seo, ta en bonde inbilbide sig, at ban
ladt siu olycka« för thet ban altenast hogg en gren af slikt betrf\
ok giorde knäfall ok bad om forlätelse, hvarfore haa blef akrillad ok
mäste plikta; utan ok hälla tlie särdeles Torsdags qyäiUr sä bellga, at
the hvarkan tora hugga eller spinna, at Icke foitUe guhberne^ soai he *
ssidanne boträ när vid gurden, nA fortdraas ok vlka boft aied aD
Täl«ignels.T.
111. the lata intet gärnn nä<2:on brnd (l god häst^ at rida pa, ty «m
bon intet er mO> blir hon aldrig god tlierefter.
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ABERGLAUBE cxiii
12. ta the äro fiUte eller vigde, lagar braden, at iogeD kooimer at
ra eniellan brudgummen ok kenne ^ ty eliest tro the, at tlie bli suart
kilde geoom dödeo eiler eliest.
13. när bniden kommer til brollops gardsens agor, komma the emot
»rudgammen ok henne med bränoevin ok dricka til heia föliet frau
:jrkaa: ta hou slar hü froren med dricken hak om sig^ sst i^ngt hon
■anj i hopp, at hennes ägodelar skola blifva formerade.
14. malen staj- /7a bordet, natt ok dag, sä länge bröllopet pästar, i
heu troD, at brudefolkeo aldrig skal fattas mat eller dricka.
15. fa the barni sa lata the lotet gerna sina barn dOpas pä jsamma
lag the äro fudde. hvarfure the dömma, at the baru, &om om söndag
^cUlas ok döpas, iiitet skola länge lefva. meo lefva tl^e, tror man, at
ntet troll eller spuke kau giora them skada.
116. döpeheiMttiet^ tJjer i barueu dopte äro, söka the micket efter,
het the sedan, om the prägten ovitterligit kunoa fa, braka til at bota
iukdommar med.
117. til sina siuka kalla the intet gäraa prästen, förrän the ligga pa
het >ttersta. t>' the tro, at tlie ofelbart du, sedan the tagit herraos
lelga nattvard.
118. hustrorna akta ooga sina barn, tils the bli dopte ha the altid
r/ä/ ok synHer i barnets kläderi at the icke af spoken skola blifra
ürbytte.
119. om varen äro the micket rädde för /oglerop , at the icke skola
l'^ras af them, särdeles göken^ ther füre ga the i april ok maji aldrig
jt fastandes. vgl. 128.
120. om en flicka, euka, eller karl blir daraJ, tror theo samma sig
>li gift thet aret; om gamla ok gifte bli darade , befara the thet aret
ivara siokdommar eller olycksfall.
121. somlige brnka sla sina späda barn 3 slag med riset i ändan,
niian mödrama ga i kyrkan eller halla sin kyrkogäng, og ta mena the
larnen skola fa godt minne,
122. som the i gamla dagar dyrkat elden, sl ha the ok bar sa väl
»om an i Norriget brukat dricka eldhorgs jX:ä/*), hvar kyndeJmässo, ty
iindel pa gammal giutlska betyder lius: hvarf5re, när the skulle dricka
fldborgs sk^l^ tände the 2 stora liusy ok satte pa golfvet emiilau hvil-
ca lades et hyende, pa hvüket alla som i huset voro, then ene efter
hen andre, skulle sätta sig ok dricka eldborgs skskl med dricka i en
räiikal,. ok när the utdruckit skulle Skalen kastas bak öfper hufvudet
ooljvet, huälfdes tä Skalen öJWrända^ trodde the at then Skalen
wastat skulle tJiet aret dö; men siod hon räti upp ^ vore tekn, at lian
iknlle lefva.
L23. inuan dager har hustrun lagt'eld i bakugnen, ok ta thet bäst
jfuunit, haft tilreds en smörklening pä kakebröd, jämte en skal öl,
berpä har hon kallat alt sitt husfolk ihop ok stält them i en half
iiane mit för Üngsliolet, ok tä the alla under knäböjande ok Ijckiin-
kon ätit en bit af smorkleningen ok druckit hvar sin drick eldborgs-
.Aa/, sen hafva the kastat thet öfvriga af kleningen ok dricken uti el-
/tf//, i tro, at thet aret bli bevarade für eldsväda.
I 24. sä ha the ok brukat tända eld pä then halmen lik ha legat^ ok
het strax efter liket blifvit burit til grafva, tä the uoga sedt pä rüken^
»«1 han slagit ned 7 ä glirden, tä the säkert trodt nägon af närmaste
**) zumal üblich in Ksiokstad und Nafverstad.
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cKiT ABERGLAUBE
stakten pä g&rdeu skalle ^nart följa efter. men ther hon gik /aj^f
bort i högden «Her längdert up i vädret, skulle sinkdomea ok dödcs
flytta sig tlier hän i oster eller vester, som roken for.
185. pa det llket icke skalle spöka bnikade the at stro höfrö pa
kyrkovägen ok grafFent ta the mänte at Satan logen makt bade. Tgl. 151.
126. det er skik at pigerne paa S. Hausdag piukke de saakaldte S,
Hans urter Og satte dem i bjelkerne under lodet, for at de <kNBf
knone sintte sig til det tilkommende. saaledes pleie de , at satte ca
urt for sig og en for klärest en, og hvis dlsse da voxe sammen, be-
tyder det bryllnp. ogsaa satte de saadanoe urter i bjelken for derea
paarorende, at de deraf maa kiinne vide, hvo der skal have langt Uv
og hTO et stekket poxer arten op imod loflet^ da er det gode tega,
men voxer den nedad^ da betyder det sygdom og död
127. naar piger og karle Tille have at Tide» bvo der skal skilte <^
hvo der skal blive i hoset, da käste de en skoe over houedet mod dö-
ren» falder da skoen saaledes, at hälen pender mod doren^ da betyder
det-at Personen skal blive, men vender taaen mod dären^ da er det
tegn til, at han skal skifte.
128. seer man forste gang i aaret gjogen^ medens man ^endnii er £h
stende, da hedder det 'gjogen ganter oaV (i Fyen: daarer os!) og er
det et mandfolk . skal han i dette aar ikka hitte kreaturer eller andet
hvad han monne söge, er det en pige , maa hon vel vogte sig for aeg-
karlene at hun ikke bliver gantet af dem. er det gamle folk , da have
de vel aareag til at frygte for sygdomme.
129. naitr tieuestefolk gase i tjeneste, da maa de vel give agt paa,
hvem de möde. en gaaende betyder ondt, men en ridende godL
130. naar tyende förstegang see storkenßyende^ da betyder det, at
de endnu i samme aar skulde komme -at skifte; men see de den
staaende^ da skulle de blive i deres tjeneste.
131. naar noget er bort st j aalet ^ da kan man lade en smed shia öiü
ud paa tyven.
132. for at optage en tyv, besynderligen mellem tyendet, har det til-
forn Taret skik, at lade soldet lobe* husbonden pleiede da at tage et
sold og satte det i ligevagt paa spidsen af en sax^ derpaa at opreme
navnene paa alle sine folk og vel give agt paa soldet, som ufeflbarti-
gen kom i bepägelse, naar tyvens navn nävntes.
133. naar noget er bortstjaalet^ da skal man henvende sig til de laa-
kaidte kloge folk^ hvilke have den evne, at de kunne tvinge tyven til
at bringe det stjaalne igjen.
134. fra juledag til nytaarsdag maa man ikke satte uogen ting, som
lüber rundt^ i gaug, altsaa hverken spinde eller vind^,
136. julenat v«d midnatstid reixer qväget sig paa stalden.
136. naar man juleaften sidder til bords, og önsker at vide, om a^
gen blandt de tilstede varende skal döe inden uastejul, da kan man er-
fare dette, naar man gaaer stiltiende udenfor, og kiger iud igßennem
en vinduesrude, den som man da seer at sidde ved bordet uden hv-
t^ed, skal doe i det kommende aar.
137. ved gjestebud er det ikke godt at sidde t reiten til bords, tfai
da maa en af dem döe forinden aaret er omme.
138. om fredagen skal man skjäre sine nagle, da faaer man (ykke.
naar man har klippet sine nägie eller sit haar, da maa det ajklippri:
entea brändes eller grares ned, thi dersoni onde mennesker foarr fat
paa saadant, da kuune de dermed forgjOre den person, som bar boa-
rct det.
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ABERGLAUBE cxv
130. Iivo der finder en afhrudt sy&naal pa« gulvet, förend lian )iar
last sin morgenbön, faaer enten liug eller oode ord.
140. staaer Öinene aahne p^a et liig, betyder det, at soart nogen af
saiume familie skal folge efter.
J41. kläder og linnedstykker, aom lia?e tiHiört en afdöd^ lienfalde og
gaae let itu, altsom legemet forraadner i graven.
142. man maa ei give et liig gangkläder ttfen endnu levende med i
graven: thi altsom kläderne forraadne i jorden, saa vil ogsaa den, som
liar baaret disse kläder tilforn, tid efter anden forsvlnde og hentäres.
143. naar talgen, som sidder omkring et brandende lys^ boier «ig
ligesora en hövlespaan, da betyder det, at nogen akal döe, og er det
sädvanligen den, tii hvem tiövleapaanen peger.
144. naar man om morgenen finder blaa pleiter paa git legeme, da
er det dodningkneby og liar det slägtuinges eller kjare vennen nar fo*
restaaende död at betyde.
145. naar en skade satter sig paa huset, da kommer der frenmiede.
146. naar man forstegang om aaret hörer gjögen at kukke, da skal
man sporge : Mivor gammel bliver jeg?' eller ogsaa *byor länge skal
det vare, indtii det eller det skeer?' og giver den da avar red at
kukke.
147. naar man finder en fireklöi^er^ eller en tt^iUingnöd eller en skil-'
Itng, skal man vel gjemme det, eftersom sligt bringer lykke.
148. naar man vil see djävUn eller have med harn at gjore, akal
nian gaae tre gange om kirken^ og tredje gang standse ved kirkedören,
üg enten raabe *k?>m hemd* eller ogsaa flöite igjennem ndglebullet
149. naar man önsker at vide, om en afdöd mand bar i levende live
havt med fanden at bestille, da skal man kige igjennem eeletöiet paa
de heste, som träkke bans lifgvogn, og bvis det saa bar väret, da vil
man see en sori hund at sidde bag paa vognen.
150. frygter man for spogerie, skal man etröe hörfröf for dören, da
kan intet spögelse komme over dörtärsklen. vgl. 126.
151. naar man slaaer en hesteskoe fast paa dörtrinnet, da kan intet
spogerie komme derover.
152. naar man om morgenen kommer altfortidligt i kirken, da kan
det Tel bände, at man seer de döde^ hvorledes de sidde i stolestaderne,
153r troldene tör ikke nävne korsets navn , men kalde det blot ^hid
og did,*
154. naar man er paa fiskerie, da maa man vel vogte sig for at
irälte am fangsten , ej heller maa man misunde andre , tbi da for-
svinde fiskeoe strax fra stedet.
155. er nogen död, som frygtes for, at ban vil gaae igjen, da kan
man Iiindre sligt ved at käste en skaalfuld vand efter ligetf naar det
iidbäres.
156. det er daarligt, at skyde paa et spögelse, thi kuglen farer til-
hage paa den, som udskyder. men lader man bossen med en söh'knap,
da vil den visselig traffe.
157. den'tredie oat efter begravelsen pleie de döde at gaae igjen.
158. en frngtsommelig kone maa ei gaae over et sted, bvor man har
.klebet en kniu: tbi det volder en svär forlösning. men naar man I
forveien spytter tre gange paa stedet, da har det ei Tare.
199, naar et barn veies strax i som det er födt, da vil det siden ei
trives.
160. naar man löfter et barn ud af et vindue og tager det ind igjen
gjeonem et andet, da vil det aldrig siden blive större.
h *
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cxvi ABEGLRAUBE
161. naar ea barselquinds doer uden at väre bleven forU^st, da tH
hun f>rret} ve uger derefter föde i graven. derfor gives faende naal,
traud, sax og andet sligt nied, at Imn selv kan sye böroetoiet.
162. det er et godt middel imod taodpine, först at tage eo hyUc-
pind (holloDderzweig) i mundeo, og deruäst stikke den i väggea med
de ord : Viig bort da onde aand !' saa er ogsaa gavnligt raod koldfeber,
at «tikke eo hyidepind i jorden, dog uden at male et ord derved. da
holder feberen sig til liyldepiudeo og bänger sig ved den, der nhel-
digviis först kommer til stedet. in einer iis. von 1722: paganismo
ortiim debet superstitio, sambucum non esse exscindendum , nisi pri»
rogata permissione, bis verbts: ^rnater sambuci , maier sanibud per-
mille miiii tuam caedere siivam !* videmus quoque Fustico« oränros
caesionem arboris ter exspuere^ quasi hac excretione vettas aliosqoe
latentes ad radicem arboris noxios genios abacturos. Passini etiam
obvlnm, quod bacilluni vel fracturi vel dissecturi, partem abroptan
abscissamve non projidant in terram» nisi ter in extremitatem fragmt-
nis exspuerint, cujus quidem rei aliam non noruot rationem, quam cu-
rasse, ne quid sibi a vettis noceatur.
163. af brystbenet paa mortensiraasen kan man see bvorledes viate-
ren vil blive. det hvide deri er tegn paa snee, men det braue paa
meget stärk kulde. og er det at marke, at den forreste deel red hal-
sen spaaer om vinteren for juul, men den bageste om vintereo e^
ter juul.
164. ofte häuder det, at spetblk i rum soe see et skib, i alle rata*
der üom et audet, at seile forbi og i sanime stund forsvinde ibr deres
an.-tjn. det er dödmugseileren ^ som variier om, at et skib snarligea
skai gaae under paä det samrae «ted.
1(>5. naar man taler om skudeli^e dyr, da maa man ikke nävne deres
rette navn, men omskrive det, og saaledes kalde rotteme ^de lang-
rumpede,' niusene 'de smaa graa.'
166. naar man vil vide sin tiikommende lykke i det nye aar, da skal
man tage et hro<i, en Xvz/V, og en skiliingy og dermed gaae od at see
maanen^ naar nyet i lindes, og naar man da slaaer op 1 en pnloe-
bog, vil Dian af deus indhold kunne slutte sig til det vigtigste.
167. nnar en pige ved midnat \i(is\)mdeT iriellem ßre Jaeppe den binde,
i livilken föllet er, naar det kastes, og derpaa nögen kryber derigfen-
j!em y da vil hun kunne föde börn uden smerte. men alte de dreage
hun undfanger, blive i^äruU'e og alle de piger blive maper^ *)
168. skjertorsdastaften kaster bonden oxer og jernkiler j>aa de he-
eaaede o^te og fäster slaal pau alle dOrej at ikke gamle kjerlieger
skulle skade ham.
169. naar en kommer til kirke skjertorsdag og haver da, uden sei?
nt vide det, et höneke-ig^ det er det forste äg en hone lägger, paa sig,
saa \il hau see alle de quinder, der ere hexe, at gaae lige som med
sitibüller ell^r matkebötter paa horedet,
1. aber glaube in Frankreich, '*}
1. le 24 decembre, ver» les six heurcs du soir, ehaque famille met a
*) om bruden kryper >;enom en seta^ far hon harn utaa modt^
hvilka dork skola blifva muror, AVesterdalils beskrifuing om sveaska
seder p. 28.
") aus den memoires de Tacad^mie celtique: n. 1 — 10 (Commcrcy
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ABERGLAUBE cxvii
80D feu une enorme bdche tippelte sourhe de noch on defend buk
enfans de s^ asseoir, parceque, leur dit un^ i(s y attraperaieiit la gale.
notez, qu^il est d'usage dans presqne tout le pais, de mettre le bois
an foyer dans toute sa longucur, qui est d'environ 4 pieds, et de \'y
faire brüler par un bout. vgl. num. 28.
2. le jour de la föte de la trinite quelques personnes vont de graiid
matin dans la cauipagne, pour y voir lever trois soleils ä la foia.
9. le 24 jtilti, jonr de Saint Jean, quelques personnes vont aussi sur
une montagne clevre, et y attendent le lever du soleil^ pour le voir
danser,
4. leg herbes et plantes medicinales, cuelllies la veille de» la Saint
Jeaui passent pour avoir plus de vertus, surtout contre certains maux.
5. la coupe des cbeveux oe doit se faire que lorsque la lune est
nouvelUy MOS cela les clieveux ue pourraient plus pousser. on ne
doit point jeter la reeoupe des cbeveux sur la voie publique, les sor-
ciers pourraient y jeter un sort.
6. les liuges, qui ont servi au pansement des maux^ ne doivent ^tre
ni brül^^s ni jet^s dans la nie, pour les meines motifs.
7. 81 quelqu'un nieurt, on volle les glaces de sa cliambre.
d. lorsqu'une personne est gravement malade, od a sola d*observer, gi
quelque hibou^ diouette oa chathuant vienneut voltiger aatour de
riiabitation.
9. V/ärondelle est un oisean d*heurenx pr^sage ; anssi ne la derange-
t-on jamais. d^truire son nid, c'est d^triiire ou att^nuer leg licureuses
destinees, qn'on y attache en faveur de la maison.^ ^
10. Varaign^e est un signe de bonheur, et annonce particuli^rement
de Targent pour la personne, sur laquelie eile est trouv^e. plus uoe
^table est garnie de toiles d'araign^es, plus eile est digne des regards
de la providence.
11. si une jeune taure s'^gare la pren/iere fois qu'elle est mise aiix ^
champs, les Solouaises vont jeter deux linrds dans la serrure, be niet-
tent k genoux et disent tout baut cinq pater et cinq ave, qu*ellcs
adressent au bon saint Hubert; cette priere faite, elles sout bien süres
que les loups respecteront la taure > füt-elle au miiieu d*eux, et qu'ils
la rameneront menie k la bergerie.
12. dans la nuit du jour de noel, jusqu' a midi, les cheveaux, les
vaclies , les boeufs , les taureaux , les anes parle/U, ces auimaux se
plaignent, ou s'applaudissent du traitement de leurs maitres. ce don
de la parole leur arrive seuiement avant niinuit sonnant, et finit ä
midi du jour de noel, ou plutOt sI la personue, qui les soignc, est cou-
pable d^un p^clie niortel.
13. le meme jour de noel il ne faut pas mettre paltre les b^tes u
corne avaut midi, parceque de suite elles se hattraient ^ et se blesse^
raient certainement.
14. la veille de noel, pendant la g^nealogie qui se chante ä la messe
de minuit, tous leg tresors Caches s*ouvrent.
en Lorraine) 3, 441 — 450. 4, 83. 84.; n. II. 12. 13 (Sologne) 4,
93. 94; n. 14—20 (Chartres) 4, 242; n. 21. 22 (Girondc) 4. 268; n.
23—28 (Bonneval) 4, 428; 29—32 (Pyren^es) 5, 386—390; 33—35
(Bonneval) m^m. des antiquaires 1, 239—242.
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CXV1II ABERGLAUBE
15. dans la plapart des egiises de caropagne on &it encore aajov-
dMiui des offrandes de la premiere gerbe de froment coap^e dans ob
champ. ces premices de la moissoa ne rcyoivent d'autres orneoieis
quVii paille plus ou moios fafODn^e. cjette gerbe est presque toujoors
surmont^e d'one croix aussi en paille.
16. Fusage des hrandons est cousacr^ partont les premier et second
dimanche de car^me. ou va brdler dans les champs* on sur les cbe-
inins vicinanir, des flambeanx formet dp. paille eo chantant: ^hrandons
brülez ponr les filles k marierr*)
17. quand le mari met l'a?tneau au doigt de la mariee, il ne 1e
porte que jusqu'/ ä la seconde Joint ure, celle-ci doit donc vite le poHs-
ser ä Xü^roisienie^ afiii d*emp^clier le malefice des sorciers, qui o^oot
qae cet instant du passage de Tanneau, pour operer la nonüre de
r^guillete.
18. les mari^s entendent la messe ä genoux. k Tevangile ou a soia
de remarquer lequel des denx eponx se Uue le premier ; on en angure
que c^est lui qui sera le mattre.
19. au moment qn'on mootre le bon dien de la messe, eeux qni se
trouvent places aupr^s des mari^s* leur frappent trois petits coups sota
les talvns^ avec le manche d^un conteau, pour emp^dier qu'ils ne d«-
vieunenl jaloux.
20. eu sortant de Teglise, on conduit la marine en face d'une image
de la vierge, aupr^s de laquelle est attach^e nne quenoville ganie
de chanvre ; on 4a lui presente ; eile file deux ou trois aiguiUees , et
Temperte ches eile; eile feit filer ou file le feste, et rend eosoite,
avec Vecheveau de fil qui en est provenu, cette meme queiioiiBle.
qu^elle a eu sein de garnir d'autre chanvre.
21. un enlant mäfe qui n'a pas connu son pere, a la ?ertu de fondre
les loupes , en les toucliant pendant trois matin^es de soite , ^nt a
jeun et recitaut quelques prieres.
22. le cioqui^me des enfans males venus an monde et de snite, gaerit
les rnaitx de rate par le simple attoucbement r^p^t^ pendant tro»
matin^es consecutives, en proferant quelques mots.
23. a-t-on cbez soi une pouUt qui chante comme le coq ^ on se d^
pecfie de la tuer on de la vendre, dans la crainte qu'elle n'attire
quelque mallieur sur la maison.
24. est-on en voyage, si Ton rencontre dans son chemin des piW por
nomhre impair, c'est malheur.
25. qunnd on veut savoir, quel mari.ou quelle femme on ^ponsen,
il est d'usage de se lever, le premier jour de mars^ an coup de ninait
et pendant que l'heure sonne, on marche trois pas en avant de soa
lit, en pronon^ant ces paroles: 'bon jour Mars^ de Mars en Mars,
fais moi voir en mon dormant la femme que j*aurai en mon mantT
on rcTient k son lit en marcliant en arriere; on se reconche, oa
s'endort, on r^ve, et Thomme ou la femme qui apparaissent alorsi soot
le fntur epoux.
26. ceux qui po.ss^dent des inouches ä miel, ont grand soin, lorsqali
meurt quelqu*un dans la maison, d'aller d*abord annoncer k cbaqae
nir/ie l'evenement fdcheux, qui vient d'avoir lieu, et d'y attacfier ea-
suite un petit morceau d*etoJfe noire, saus cela, elles periraient bieatdl.
•) vgl. m^m. des antiquaires 1, 237: brandelons brüles par ces
vigne8, par ces ble^; braadelous, brülez pour ces filles k marter. pa»
on s'ecrie: mais les vieilles n'cu auront pas.
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ABERGLAUBE cxix
27. la veille de Saint Jean an feu de joie est allum^ dans an carre-
foar. au miliea da fea on place an)e longue perche, qui le domine,
et qui est g;arnie de feaillages et de fleurs. le c'erge se rend en
C^nde pompe au Heu de la c^r^monie, allume le fea, entonne quel-
qaes chants et se retire; ensnite les assistnns s^en emparent, sautent
par dessus, et emportent chez eux quelques tisons ^ qu'ils placeat aar
le ciel de leur lit, comme an preservatif contre la foadre.
28. la veille de noel, avant la messe de minait, on place dans la
cliemin^e de Tappartement le plus liabit^ une backe ^ la plas grosse,
que Ton puisse rencontrer, et qai seit dans le cas de r^sister pendant
trois joors dans le foyer; c'est ce qoi lui a fait douner le nom de
tre/ucy tr^fone, trois feax. (vgl. num. 1.)
29. ane jeune fille qui d^slre savoir son futur eponx, se Rve afant
le jour le premier mai, eile prend un seau , qu^elle nettoie avec une
brauche de romarin, et s'achemine vers quelque fontaine solitaire. rendue
Ik eile se met k genoux sur le bord de la fontaine, fait une pri^re,
plante sa brauche de romarin dans un buisson voisin, et remplit son
seau de Teau de la fontaine. eile attend alors le lei'er du soleiL
aussitdt qu'il commence k parattre sur Tliorizon, eile s'approche da
«eaa, en trouhle Ve<iu avec la main frauc/ie, et dit ces trois mots:
'ami rabi vohü' eile doit rdp^ter neu/ fois la m^me cliose, et aroir
fini lorsque le soleil paralt en entier, alors, si eile n'a ^t^ vue par
personne, ni en venant k la fontaine, ni pendant les cer^monies qu^elle
y a faites, eile voit au fond du seau la 6gure de celai, qu'elle doit
^pouser.
80. an jeune. Iiomme pour connattre la couleur de cheveuz de celle,
qai doit itre sa femme, fait, la veille de Sj Jean, hois fois le tour du
feu de joie^ prend an tlson enßamm^^ le laisse eteindre dans sa maln
gaache, et le soir, avant de se couciier, le met sous le chevet de son
lit, envelopp^ d'une chemise qa*il a porte trois jours. il faut que tout
cela se fasse les yeux clos, le lendemain maün, au lever du soleil,
le jeune homme troove, autour de son tlson, des clieveax de la cou-
Jear que doivent avoir ceux de sa future ^pouse.
81. il est d'usage de se marier ä jeun, on croit, que cear qui y
manqueraient, sans des motifs bien puissans, n'auraient que des en-
fans muets^
82. les ^poux ont grand sein, le jour de leur mariage , de mettre du
sei dans leur poche gauclie avant de se presenter k l'eglise, ce sei
empdche le noeud de l'aiguiilete.
33. la rosie de la nuit de la 5. Jean gu^rit la gale, et le premier
seau tire d'un puits k l'instaut da minuit qui commence le jour de
S. Jean, gu^rit d^ la fi^vre. pr^s de Nogent-Ie-Rotrou il y a une
fontaiiie celebre pour sa vertu coratrice pendant toute la nuit, veille
de S. Jean, hommes et femmes entrent duiis ses eaax et s'y lavent:
nulle idee dindecence ne trouble la cer^monie.
34. le feu de S. Jean ne brAle pas » on peut en prendre k la main
les tisons enflamm^s.
35. pour se defendre de la puissance des bergers sorciersy od met du
sei dans sa poche, et en passant devant le berger on dit tout bas:
berger sorcier, je ne te crains ni te redoute.
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cxx ABERGLAUBE
m. aherglauhe der Ehsien, *)
1. eheo werden zur zeit des neumonds geschlossen.
2. reitet der brautwerber nach dem hause wo er werben soll, so ist
er behutsam, keine stute zu wählen, weil sonst in der ehe lauter töck-
ier gezeugt werden wurden.
3. ist die braut verlobt, so wird ihr ein rother faden um den leib ge-
bunden, und wenn die trauung vollendet ist, mufs sie sich dergestalt
aufblähen, dafs der fndeu zerreifst. dies ist ein sicheres mittel gegei
schwere entbindungen.
4. an manchen orten laufen die jungen ehleute band in band, mit
gröfster geschwindigkeit aus der kirche t am einen schnellen fortgang
ihrer Verrichtungen zu bewirken.
5. fällt die braut ^ nachdem sie abgeholt worden, unterweges^ so be-
deutet das frühen tod ihrer drei oder vier ersten kinder.
6 sieht mau den bräutigam zu pferde kommen, so beeilt man sich ihai
den sat/elgurt zu lösen, auch dies soll bei seiner künftigen frau leichte
geburt befördern.
7. man hütet sich eine braut durch die pforle aoszufubren, dnrc^
welche kurz vorher eine leic/ie ausgetragen wurde.
8. wird die braut eingeholt, so darf sie keiue ketten und schellen aa
sich tragen , sondern mufs mit feierlicher stille eingeführt werden ;
sonst bekommt sie unruhige kinder.
9. gleich nach geendigter trauung heht der stärkste unter den anver-
wandten oder gasten den bräutigam und die braut in die hohe^ ua
dadurch ihr ehglück zu vermehren. **)
10. sobald das neue ehpaar das haus betritt r mufs auch ein wächt^r
geraume zeit bei dem hausfeuer zubringen , damit ihm kein fremder
nahe, und geheimen zauber zum weh der ehleute veranstalte.
11. die junge ehfrau wird gleich nach ihrem eintritt durch alle thdle
des hausen geführt, durch Stuben, kammem, badstuben, stalle, gärten,
und ist verptlichtet in alle theile , ja selbst in den brunnen und ins feuer
bänder oder geld zu werfen , Wenn sie das glück und den seegen ihres
manues liebt.
12. wenn sie sich setzt, gibt man ihr ein Und männlichen gescIJeckit
m den schofs, um sie dadurch zum knabengebähren fähig zu otacbeo.
1 3. in einigen gegenden hatte man wälirend des hochzeitgelags die ge-
wohniieit, obenvärts wo bräutigam und braut sitzen, zwei degen in die
wand zu stoßen^ wessen degen die längste Schwingung behidty der
lebt am längsten,
14. bei der mahlzeit geht man mit dem bier vorsätzlich verschwende-
risch um, und p,iejst es bald hie bald dahin aus ; damit auch bei dem
neuen ehpaar uberüufs eintrete.
15. wer von den neuen ehleuten zuerst einschläft^ stirbt zuerst.
16. regen am Hochzeitstag bedeutet der braut häufiges weinen.
17. beim hociizeitsmahl stellt man zwei lichter vor bräutigam und
braut, wessen liclit von selbst zuerst erlisctit, der mufs zuerst sterben.
18. der diener des bräutigams nimmt ein gnnzes brot, schneidet etnen
kleinen bissen davon, bestreicht ihn mit butter und gibt ihn der braut
•) etwas über die Ehsten. Leipz. 1 788. p. 55—88. aus HopeU
topogr. nachr. von Lief und Ehstland. Riga 1777. 2, 134—145 «»*
nnni. 93—99.
••) RA. 433.
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ABERGLAUBE ^ cxxt
in den mund. dies 8o)l ibren künftigen kindern glatten , kleinen mund
ver^haffen.
19. \fird die junge fmu in des mannes fians eingebracht, so reiftit man
den zäun auf beiden Seiten des eingangs nieder, dnmit sie schnell ohne
liindernifs und anstofs einfahren könne, dann wird auch ihre entbindung
leicht von statten gehen.
20. schwangere weiber Imten sich beim einheizen das holz nicht ge-
gen die äste in den ofcn zu werfen, weil ihnen sonst das gebaren sauer
werden würde.
21. bei schweren entbindungen fordert es, wenn der ehmann über sein
uM steigt,
22. keine scliwangere setzt sich auf ein wassergefäfs , sie würde gc-
fahr laufen, \\g\ t achter zu gebären, oder ihre frucht konnte im Was-
ser umkommen.
23. niesen zwei schwangere weiber zusammen, so bringen sie töchter
zur weit; das niesen zweier männer, deren weiber schwanger sind,
weissagt beiden söhne»
34. beim brodinschneiden schneiden scliwangere mütter zuvor .einen
sehr kleinen bissen , um ihren kindern einen schönen kleinen mund zu
rerschaffen.
25. in der mitte der Schwangerschaft wöchentlich einmal die basteln
(^bastschnhe) zu wechseln und kurz vor der niederkunft dreimal salz
hinter sich zu werfen erleichtert das gebären.
26. niemand trete über die füfse schwangrer weiber, die kinder be-
kommen sonst krumme ungestalte füfse. -
27. das neugeborne kind wird den bänden der mutter niclit sogleich
übergeben, sondern erst vor ihre füfse gelegt, damit ihr linker fufs des
kindes mund berühre, dann wird es nicht widerspenstig werden.
28. badwasser des nengebomen kindes giefst man an den einsamsten
ort; aus furcht, wenn es viele menschen betreten, werde das kind ge-
ringgeschätzt und veraclitet werden.
29. die wehmutter hat mit dem neugebomen kinde bald nach der ge-
burt die oberstelle am tisch einzunehmen ; das bringt dem kind gröfsere
achtung zu wege.
30. man darf nichts über den köpf des kindes hinaus reichen, sonst
wächst es nicht, sollte es nnvorsichtigcrweise geschehen, so ziehe man
des kindes haare am scheltel in die höhe.
31. wonach ein kind zuerst greift, das zeigt seine künftige liebÜngs-
Beschäftigung an.
32. wenn das kind zum erstenmal in die wiege gelegt wird, pflegt man
ihm ein messer^ einen kreuzschlüssel und etwas rothes garn zur Seite
zu legen, dadurch wird es gegen Zauberei geschützt.
33. erfolgt die geburt des menschen an einem der letzten Wochentage^
so zeigt das an, es werde gar nicht oder spät verheirathet werden.
84. gebiert eine ehfrau lauter knaben, so wird krieg, gebiert sie lauter
töchter, friede geweissagt.
35. besucht ein beichtvater einen kranken > so achtet man auf die hal-
tnng seines pferdes, wenn er sich nähert, geht das pferd mit gesenkt
lern köpf einher, so verzweifelt man an der genesung des kranken. *)
36. ein leichenzug darf schlechterdings nicht über einen acker gehen»
wenn er auch brach liegt.
*) vgl. Hupel topogr. nachr. 2, 146.
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cxxii ABERGLAUBE
87. dem leicbnam pflegt bürste ^ geld, nadeln ond zu^im belgdegt m
werden, einige bürsten den köpf des todten ond legen die bürste nebet
ihn , um ihm nitie su verschaffen.
38. in manchen haus pflegt man nach und nach so viel nä^l in dU
ihürschwelle zu schlagen^ als leute aus dem hause gestorben sind.
39. den wagen worauT ein todter weggebracht worden, läfst man niciit
unmittelbar darauf innerhalb der pforte^ sondern eine Zeitlang aufser-
halb derselben stehen ; sonst folgen mehrere glieder der familie nach.
40. alles st roh worauf der kranke gestorben ist, wird weggeworfea
und verbrannt, man beachtet dann welche fujsstapfen sich in d^r
asche (des Strohs) finden, um hieraus auf den nächsten verlust eines
menschen oder thiers zu schliefsen.
41. stirbt einer im neumondy so raubt er das gänzliche gluck; stirbt
• er In der fasten^ so wird sein begräbnis so einfach als moglicb voll-
zogen.
42. am tag aller seelen hält jede familie ein gastmahl für die abge^
schiednen glieder, und die gottesäcker werden besucht, in eiifigei
gegenden setzt man für die verstorbnen speisen auf den fiiCibodeD einer
eignen stube. In diese stube gieng spät abends der hausvater mit en
nem pergel (langgespaltnen brennenden holz) und forderte die vet^
storbnen freunde namentlich zum essen auf. nach einiger zeit, wann er
glaubte dafs die seelen sichs gut hatten schmecken lassen, gebot er ih-
nen unter Zerschlagung seines pergels auf der thürschipelle sich wieder
nacfi ihrem orte zu begeben, aber sich zu hfiten unterwegs den rockea
zu vertreten, entsprang miswachs, so wurde es der mangelhaftes be-
wirtung der seelen zugeschrieben. *)
43. mit dem jüngsten tag verbindet der Ehste die Vorstellung, daCi sich
beim allgemeinen Weltuntergang alle kirchen im stürze nach der nord-
seite neigen werden, er hält es daher (ur schrecklich, auf dieser seile
des kirchhofs begraben zu werden.
44. vor der taufe legt man dem kind ein gesangbuch unter den kopt
unterhält auch ein feuer bei demselben um dadurch den teufel so btk-
nen und von der verwechslmig des kindes abzuhalten.
45. wahrend der taufe heftet man den blick auf den täoflüig und
forscht, ob er während der haodlung den köpf in die höhe richte oder
sinken lasse, in jenem fall wird er lange, in diesem kurz leben.
46. der vater des täuflings lauft zuweilen unter der taufe eilfertig um
die kirche, wodurch dem kinde die gäbe des geschwinden laufens mitge-
ttieilt werden soll.
47. können sie durch bestechung des küsters zuweilen das tauf*easser
erhalten, so giefsen sie es längs der wand in die höhe, der täufliog
wird dann zu hohen ehren gelangen.
48. während der taufe soll man niclu reden , sonst redet das kiod in
schlaf.
49. unmittelbar nach einer leiohbestattung soll man nicht taufen
lassen, sonst Tolgt das kind dem todten nach,
50. dem täufling läfst man die bände frei^ so wird er fleifsig und ge-
schwind.
51. gevatter sehen aich während der taufe mcht um^ ^onsi sieht du
kind gespenster.
*) ausführlicher bei Thom. Hiärn 1, 49.
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ABERGLAUBE cuin
52. Tiele biuden ringe an die windeln des Uiannlichen taufliogs, so
wird er frühe heiraten.
53. * am ^burtstage eines kinds lafst man ungern ein andres taufen.
54. manciie mischen in den anzug des täufllngs unvermerkt geldy hrot
und knoblauch'y die beiden erj»ten werden ihm dann nie fehlen, derknob-
lauch bewalirt vor zauberet.
55. schlaf des täußings bedeutet seinen nahen tod.
56. werden weibliche kinder oline gesellschaft von männlichen zur taufe
getragen, so bJeiben sie lang oder ganz ohne mänuer.
5T. kein- gevatter i/i/ unmittelbar vor der tauie Jleisi h, sonst bekommt
der täuÜiug zahn weh.
58. eitern, deren erste kinder sterben, legen den neuen die namen
^dam und, Eva bei , so bleiben sie beim leben, (vgl. LXVllI, 26.)
59. freitags läfst man nicht taufen, wohl aber donnerstags , an ihm
ist die taufe kraftiger.
60. ein kind am freitag getauft wird ein boswicht und kommt dem
henker unter die bände.
61. der donncr entsteht, u-enn gott dem teuf el nachsetzt^ ihn erreicht
und niederschmettert, mau macht während dem gewitter thür und
feuster zu, damit der gejagte tenfel sich nicht ins haus flüchte, und
da ihn gott immer ereilt, dieses vom donner getroffen werde.
62. einige befestigen wälirend dem gewitter zu^ei messer vor einem
hausfenster, um sich vor dem einschlagen zu sichern.
63. manche wenn sie im jähre zuerst donnern -hören , nehmen einen
stein^ schlagen sich dreimal vor den köpf, und bleiben dann das jähr
über frei von kopfschmerz.
64. was vom wetterstrahl getroffen wird, betrachten sie nachdenklich,
besonders aber gewisse grofse' gespaltne steine, sie glauben, der teu^
fei habe sich in oder unter dieselben gefachte t und sei daselbst ereilt
uud erschlagen worden.
65. den regenhogen halten viele für die sichel des donners, welche
von ihm zur lesirafung böser untergottheiten gebraucht werde, die
den menschen scliaden wollen.
66. viele halten dafür, den wind könne man hervorbringen und ver-
ändern, zu dem ende hieng man nach der gegend, woher man den
wind wünschte, eine schlänge auf, oder richtete ein beil auf, und suchte
ihn durch pfeifen herbeizulocken,
67. unerwartetes' geräusch in der neujahrsnacht weissagt den tod
eines hausbewohners.
68. wilden thieren legt man gern umschreibende namen bei, und ver-
meidet ilire üblichen, wenn man von ihnen reden mufs. Den fuchs
nennen sie Ilallkuhb (graurock), den baren Layjalgk (breitfufs.)
69. wird das vieh zuerst im jähr ausgetrieben, so graben sie unter
tlie schiifelle über welche es zuerst treten mufs, eier^ wodurch alle«
Ungemach von ihm gebannt wird, bei einer eingerissenen Viehseuche
entdeckte man, dafs sie ein stück vo7i der heerde unter die stallthür
vergruben^ um dem tode ein opfer zu bringen und dem viehsterben
ende zu machen.
70. wenn das vieh von der weide kommt und noch gras hauet ^ so
steht heumangel bevor.
71. den woIf wei^t man dadurch auf andren weg, dafs man salz in
seine s/ur streuet.
72. starkes wulfsgeheul am frühen morgen weissagt pest oder hun-
gersnoth.
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cxxiT ABERGLAUBE
78. in älterer zeit glaubten die Ehsten bei starkem geheale der wOUe,
diese thiere riefen goft um nahrung an und er werfe ihnen hierauf
klumpen aus den wölken zu,
74. raubt der woIf ein schaf oder scliwein , so läßt man elu^as roo
dem anzug oder von den in der tasctie befindlichen sacben fallen^ ond
glaubt, der wolf müsse dann auch seine last zu schwer finden und das
geraubte thicr fallen lassen.
75* einige tragen das aufserste eines ßHgcls von einem huhn bei
sich und halten das für ein mittel frühes aufstehen zu befördern.
76. den uamen des hosen nennen sie nicht gern oft, »ie meinen er
werde dadurcli beigelockt, ihrem rockengrase schaden zu thun.
77. schleppt ein hahn oder huhn im hofe im gelien einen stro/ikaim
nach sich , so bedeutet es baldige leiche im haus , und das gescbleclit
des sterbenden richtet sich nach dem hahn oder Imhn.
78. ein huhn kann zum eierlegen rermodit werden, dadurch daGs
mnn es mit einem alten hesen schlägt.
79. einige legen beim ersten austreiben des viehs ein ei vor die
stallt hüre ; welches thier das ei zertritt , ist zum tode reif und mai
sucht es zu verkaufen.
80. sie verkaufen gejrne die ersten halber junger kulie, wenn die wirttn
das erste kind ihrer mutter ist denn das kalb kann nicht gedeihen.
81. das eben ab oder angespannte joch soll man nicht auf blol^e
erde legen, sonst reibt und verwundet es den ochsen.
82. feuersbrunst glaubt man dadurch zu hemmen, dafs man ein
schwarzes lebendiges huhn als opfer in die Jlamme wirft,
83. beim ausfegen der körn- und mehlkasten soll man einen kleinen
rest liegen lassen, sonst zieht es nnsegen nach sich.
84. kein bauer gibt mit gleichgültigkeit erde von seinem acker, er
wahnt auch einen guten tlieil seines segens mit wegzugeben.
85. man soll keinen über seinen gurt steigen lassen^ es zieht die
kratze nach sich.
86. man hütet sich mit dürren reisern geschlagen ZR werden, es
zieht auszehrung oder magerkeit nach sich.
87. von JieuangescfuiiHtiein brot wirft man ettfas beiseite, aus vollem
trinkgeschirr iäfst mau ei/uf^e tr opfern mit Jhifs auf die erde fallen;
es ist dem unsichtbaren geiste gebracht.
88. viele wirte sehen scheel dazu, wenn man die tiefe ihrer brunaea
zu erforschen sucht; weil dies das austrocknen des brunnens zor
folge hat
89. man gibt nidit gern alles geld auf einmal aus dem beutel; isU
nicht zu vermeiden , so lasse man seinen speichel in den beutel (alles.
90. waschhölzcr nimmt man Sorgfaltig vor dieben in acht, weil ihr
Verlust mangel an asche nach sich zieht
91. wenn die viehhirten das erste mal im jähr heimtreiben, werden
sie bei der ankunft mit wasser benetzt \ es soll dem vieh erspriefs-
lieh sein.
92. zur Saatzeit keine schüfe zu scheren^ weil dann die wolle aidit
recht wieder wächst
93. vom wagen gefallnen mist nicht wieder aufzuheben; er bringt
Ungeziefer.
94. beim rupfen des flachses redet man tiicht^ antwortet und dukt
nicht auf frage und grufs; sonst gedeiht der flachs nicht.
95. stirbt dem bäuer in der neuen wohnung zuerst ein thiet mit rau-
chen füfsen, so ruht segen auf dem haus ; ist es aber ein geßügel mti
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ABERGLAUBE cxxv
unbedeckten fußen, $o wird er tranrig, fQrchtet armnt und rücfcgang
in seinen Unternehmungen.
96. abends beim üchtanzunden seufzt das volk, und kreuzigt sich.
97. so oft sie etwas schlachten, wäre es nur ein huhn, legen sie eia
xtück davon hinter den viebstall zum ojyfer.
98. auf die böse stelle, wo ein haus abbrannte, bauen sie kein neues;
v/\vA bei leguug des grundbalkens durch beischlag irgendwo ein funke
sichtbar, so weissagt das neuen brand, und sie suchen eine andere
bausteile.
99. an die stelle^ wohin ein viehstall gebaut werden soll, legen sie
vorher läppen und kräuter: kriechen schwarze ameisen darauf, so ists
ein gutes zeichen, sind es rotfie ameisen, so erscheint der ort zum
bauen untauglich.
100. irirbeiivind ist buser geister werk: wo sie staub zusammentrei-
ben seilen , werfen sie steine oder ein messer mitten in den Wirbel,
und verfolgen ihn mit geschrei.
101. bei der trauuiig tritt die braut auf den fufs des brautigams, ■
damit sie nicht von ihm unterdrückt werde.
102. rot he streifen am liimmel zeigen an, dafs der drucke auszieht,
dunkle färbe der wölken, dafs er mit beute heimkehrt. Sternschnuppen
sind kleine dracben.
n. aber glaube der Litthauer* "*)
1. wenn der alb rot he färbe hat, bringt er den leiiten gold, wenn
hlaue getraide oder unglück.
2. es ist nicht gut, wenn eine leiche so steht, dafs sie im Spiegel zu
sehen ist, einige sagen, der todte stehe auf und beschaue sich im Spie-
gel, den man daher lieber verhängt.
:3. neujahrsabend werden neunerlei dinge % geld, wiege, brot, ring,
todteiikopf, alter mann, alte frau, leiter, Schlüssel von teig gebacken,
unter neun einzelne teller gelegt und jeder greift dreimal darnach,
was er bekommt wird ihm das jähr über zu tbeil werden.
4« denselben abend nimmt jedes mädchen u^erg oder Jlachs, rollt eine
kugel daraus, zündet sie an und wirft sie in die hohe wessen kügel-
chen am höchsten steigt oder am längsten brennt, die wird im kom-
menden jähr heirathen.
5. wenn man zu fastnacht spinnt, so geräth der flachs nicht, fährt
man aber diesen tag spazieren, so bekommt man guten flachs, durch
ganz Litthauen wird an diesem tage gefahren, thut es die herrscliaft
selbst nicht, so läfst man die dienstboten fahren.
6. erbsen säe man, wenn der wind aus einer weichen (d. i. regen-
bringenden) gegend weht, dann lassen sie sich gut kochen,
T. gras, im neuen lichte abgemäht, frifst das vieh nicht oder ungern.
8. der tod des hauswirts oder der hauswirtin mufs den pf erden durc^i
klingeln mit den schlüsseln, auch dem andern vieh, besonders den bie-
nen angezeigt werden, weil sonst-das vieh fallt, die bäume eingehn, die
bienen aussterben oder wegziehen.
9. lauft ein hase quer über weg, so bedeutet es unglück; hingegen
ein fuchs glückliche reise und gute uachrichten.
10. wer charfreit^gs eine nadel in die band nimmt, den verfolgt das
') Besseldt in Buschings wöcli. nachr. b. 3. Uresl. 1B17 p. 223. 339.
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cxxvi BESCHWÖRUNGEN
gemtter, (vgl. deutsch, abergl. 43.) jede arbeit an diesem^ tag ist
unheilbringend.
11. Diädchen mdssen bei abnehmendem lichte entwöhnt werden, sonst
bekommen sie einen zu grof^en biisen ; knaben in vollem lichte , daniit
sie grofs und stark werden, alle kiuder dürfen aber niclit beim tv-
gelzuge entwöhnt werden, sonst werden sie unruhig und unstät.
12. wenn jemand nach einem besuch wegfahrt, darf stube und haos-
flur nicht sogleich gefegt werden, das würde dem reisenden ungl&ck
bringen.
BESCHWÖRUNGEN-
•L ags. Segensformel gegen stichsciunerz. Hai ley ms.
no. 585. foL 186 (milgetheilt von Frice.)
Vidli faerstice feferfuge, aad seo leadejaelele, ihe thurli
heai'Ji *) invyxdh, and vegbra^de vylle in bulerau.
Hlüde vaeron Li Id hli\de,
thd lii ofer tlione hl»v ridon ;
\ajron dnmöde,
ihd ht ofer land ridon.
5. scyld tliü tlie nu ihA,
tliißne nidh genesan niöie.
lit lylel spere,
gif her inne siel
8tüd linder linde,
10. imder leohtiim scylde,
thoer iha nühtigan \i{
liyia mägen bcriuddou,
and hl gyllende
gdras sendou.
15. ic hini odherne
eft viile sendau
fleogende fldu
forane ii) geaues.
i\t lytel spere,
20. gif hit inne sie !
sät smidh, slöh seax lylel,
tserna vund svidiie.
üt lylel spere,
gif her inne sie!
25. sex smidhas siiiton,
•) es steht liarn , das ich ebenso wenig fasse.
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BESCHWÖRUNGEN cix?ii
valspera vorbton:
üt spere, nees innspere,
gif her inne sie,
tsernes dnel,
' 30. Iiägtessan geveorc.
hit öceal gemyltan,
gif thA vaere on feU scoteu,
otbllie vnere on flfesc scoten,
othtlie VcTre on blöd scoten,
35. otbtbe vaere' on lidb scelen.
noßfre ne ßi tbin Itf Staesed,
gif bit \vere 6sa gescot,
otbtbe hit vaßre ylfa gescot/
otbtbe bit vaere hägtessan gescot.
40. nu ic ville tbtn belpan:
tbis tbe t^ böte ^sa gescotes,
tbis tbe tö böte ylfa gescotes^
Ibis te tu böte hägtessan gescotes,
ic tbin \ille belpan.
45. Ileo tbacr on f)Tgen !
beäfde bal vestu,
belpc tbtu drylUen !
liiinm tbone tbäl seax, Mo on vailan.
II. ags. aegen zur fruchtbar machung der ä-cler. Ox-
ford ms. no. 5214 (Jim. 103). *)
Her 18 seo bot, hü tbü meabt tbtne äceras b^tan, gif bt
nelladb vel veaxan, odbdlie thaer bvilc ungedefe tbing on-
gedöa bidb, on dr^" odbdbe on lybldce.
Genim thonne on niht^ ajr hit dagige, feover tyrf
on feover healfa thas landes, and gemearca, hü b! i«r
stiidon. nim thonne ele and liunig and beorman, and ael-
ces feos meolc, tbe on thaem lande si, and aelces treov-
cynnes doel, tbe on thaem lande st geveaxen, bätan heardam
beämari, and aelcre namcudbre vyrte dwl, butan glappan
änom ; and do ibonne bdiig väter thacron , and dr;J^p€
thonne thriva on tbone stadbol tliara turfa^ and cvedlie
ibonne tliis vord: ^crescite, veaxe, et multiplicamini, and
gemänigfealde, et ropletc, and gefylle, terram, th'Ss eordhan,
in nomine patris el filii et spiritus saiicti bcnedicti , and
*) zuerst gedruckt in Nyerupa symb. 1 17 ; daao io Raskä ags.
sprogl. 157; zuletzt iu^Tborpcs analecta p. 1T9.
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ci&vui BBSCHWÖaUNGBN
pater noster, evd oft evä tliät odker. and bere sidfadhan
th4 turf to cyrcean, and mcssepreoet usinge feover mc5san
ofer th^ tuiTon, and vende man tliät gr^ue tu tliam reo-
fode. and sidlidliau gebringe man lliu turf ^ tlia»r hj an*
vacron an* sunnan seügauge, and habbe lUm gevorlit of
cvicbeame feover Cliristes maelo, and avrile on telcou ende
Maitlieus and INIarcus, Lucas and Johannes, lege üiät
Cristes moel on tbone pyt neodlieveardue, cvedhe tlionne:
crux Matlheos , criix INlarcus , crux Lucas , crux Johannes«
nim thonne thd turf and sette Uuer ufon on, and cvedhe
thonne nigon sidlion thaes vord: crcscile. and svä oft
pater noster. and vende tlie thonne edatveard^ and on-
tut nigon sidhon eädmödlice, and cvcdh thonne thäs vord :
eastveard ic stände,
^ena ic me bidde,
bidde ic thonc meeran dne,
bidde ich thone miclan dryhlenj
5. bidde ic thone h41igan
heofonrices veard,
eördhan ic bidde
and uplieojon^
and tliä sudhan
1^* sancta Mar lau ^
and heofones meaht
and lieahreced,
thät ic möle this gealdor,
mid gife dryhlnes,
15. tödhum onlj'^nan
thurh trumue getliauc,
aveccan ihäs vastmas *
US to voruldnylte,
gefyllan thas foldaii
20. med faste geleafau,
vlitigian thas vangturf;
svÄ se vttega cvädh,
thät se häfde are oa eordhrke
sc the ajlmyssan
25. doclde dömlice,
dryhtnes thances.
Vende tlie tlionne tfiriva suugauges. astrece the thonne on
andlang; and aiim thair Iclanias, and cvedh tlionne 'saDC-
lus, sanclus, sanctus' odh ende, sing thonne •beucdicüe'
äthenedon earmon, and ^magnilicat' and ^aler noster', aad
bebeod hit Criste and sancta Marian, and thasre htilgau
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BESCHWÖRUNGEN cxxix
rode, td lofe and tö veordhinga, and tbäm tö ftre the tliäl
laiid äge, and eallon tlidm the liim undertheodde eint.
Tlionne that eall st gedi^n, thonne nime man uncudh
sced ät celmesmannum j and seile him tv4 svylc svylce
itlan ät him nime y and gegaderie ealle his sulhgeteogo tö
gädere. borige tlioune on tham beame sldr and finol and
gehdlgode sdpan, and gehälgod sealt. nim thonne thät soed^
sete on thaes sules bodig. cvedh thonne:
Erce^ erce, ercCf
eord/ian mödor^
geunne the se alvealda
30. Ice dryhteu
äcera veaxendra
and yridhendra^
e^cniendra
und einiendra ;
35. sceafta hen (?)
8e scire västma,
and thaere brddan
bere västma^
and theere hvttan
40. hvaete yästma,
and eah*a
eordhan västma«
geunne him ' ' \
icc diyhten,
45« and his hüige
the on heofonom sint^
thät his yrdh si gefridhod
vidh ealra feonda gehvcene^
and heo st geborgen
50. vidh eah^a bealva gehvylc,
thdra lybläca
geond land saven«
nu bidde ic thone vealdend^
»e the thds veoruld gesceop,
55. thät ne st td thas cvidol vif,
ne td thäs cräftig man,
thät ävendan ne mäge
vord thus geevedene!
thonne man thä snlh fordhdrtfe and thä fonnan fiirh on-
sceote, cvedh thonne:
hdl ves thü, folde
60. fira mödori
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cxxx
BfiSCHWÖltüNQBII
beo thA grövende
on godes fädhme,
födre gefylled
firum td nyttel
mm thonne aelces cynnea meloy and Abace man z/?/^-
veardne handa brdane hldf^ and gecned hine mid .meok«
and mid hdligyätere , and lecge under thd forman ßirh.
cvedh thonne
65. fiil äcer ftldrea
fira cynne
beorht blövende,
thiü gebl^tsod veordh
thäs hdligan naman .
70« the th^8 heofon gesceop^
and thas eordhan^
the ve on lifiadh.
8e god 66 thSs grundas geyeorbte
geunne U8 grdvende gife,
75« thät US corna gehvylc
cume tö nyttel
cvedh thonne thriva crescite in nomine patrls benediod,
amen ; and pater nostep thriva*
in. exorcismus ad pecudes inueniendaa *).
Ne forstolen ne forliolen dAd nht thäs dhe ic kgt ne mi tbc
mihte Herod urne drillten, ic getliohte sce Eid fil^nao aod k g«-
tholite Crist OD rode 4haiigeo. svk ic theace this feoh t6 findiiie,
näs td otlifeorganne and td vttanne. näs td oth\'yrceanne and tö
InfiaDoe. näs td odlilsedanne. Gdrmund godes dhegen find tbat fe«6
and Ute tliät feoh. and liafa tliat feoh and heald tliät feoh and Un
lidm thät feoh. that he nsefre aäbbe lande« ttiat he bit odblaede ne
foldan thät hit odhferie ne hösa thät he hit odhhealde. gif fait
hvA gedd ne gedige hit him nsefre binnam thrim nihtum. cunne ic iüs
Boihta bis mägen and bis mihta and bis niundcräflas. eall he veora^
fvä er vudu i^eorniet s\k hredhel theo svd ihistel, se dbe bis feoh
odhfergean tbence. odhdhe dbis orf odhebtian dhence. amen.
This man sceal cvedhan dhonne bis ceapa bvilcne man forstelenoe.
cydh ser ]ie «nig other vord cvedhe. Betblein liätt» seo biirii dbe
Crist on geboren väs. seo is gemairsöd ofer ealne middaogeard. sra
dheos d«d vyrtbe for mannum niaere. per cruoem ^. aod f^hidt
the thonne thriva e-äst and cvedh tbri?a )}< ^i ab Ofieate redocit
•) m. IV. aus Wanleys catalog 114. 115 {}%\. HOb. 186». 198«».
2r5a) 9 verbessert nacli Kemtiles abschriften. Noch viele audere af«.
beschwömngen wären aus hss. zn gewinnen, die Wanlev p. 44. 8X
223. 231. 232. 234. 247. 304. 305 anzieht.
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BBSOHWÖRUNOBN cxxii
and tliriva vest «nd c?edh. cnix xpi ab occidente fedacat and thriva sutk
and cvedli thriva crax xpi a meridie reducat. and thriva north aud. cvedh
crux xpi, abäcoadita «uiit (? fuit) et inventa est« Judea« Crist
ÄhengoD. gedidou him deda thA vyrftau. hoelon tbät hi forhelaa ne
Diihtoo. svA nsefre theos daed forholea ne vyrtbe« per cnicem xpl.
Gif feoh üy underaumen. gif hit sy hors sing on his feotere odhdhe
un his bridel, gif hit sy odkef feoh* sing on thät hofrec and
outend dhreo candela. and drfp on thät ofrec veax tliriva. ne mag
hit the mantia forhelan. gif hit sy inorf sing on feouer healfa ihät
hiises und oene on niidUau. cnix xpl reducat cnix xpl per furtum
periit inventa est Abraham tibi semitas vias montes coucluHat Job
et flumina Lutc tibi teuebras iuducat Jacob te ad iudicium ligatum
perdücat
IV. Segnung*
Ic me on thisse gyrde beldce and on godes helde bebeode vidh
tbane iin sice vidh thaiie s.ira siege vidh tliane grymma gryre vidh
thaue micela egsa ttie bidh leghvani Udh and vidh eal thät l&dh the
in to lande fare. figegealäor ic begale. sigegyrd ic me vege,
vordsige and veorcsige. se me dege ne me merne gemyrre. ne me
maga ne ge^ivence. ne nie naefre nünum feore forht ne gevurdhe. ac
gehsele me älinilitigi and bunu frdfregäst ealles vuldres vyrdig drihten.
svÄsvd ic gehyrde heofua scyppende Abrahame and Isace and svylce
n&en Moy^es and Jacob and Davit and Josep and Euan and Annan
and Elizabet Saharie and ec Marie mddnr xps. and e&c thae ge-
brOdhru Petrus and Paulus and eac thüsend thira engla. clipige ic
me to Are vidh eallum feondum. hi me f^rion and fridhion and mine
fere nerion. eal me gehealdon, men gevealdon. vorces stirende si
nie vuldres hyht band ofer heafod hdligra r6f sigerofra sceote s6dh-
lastra engla biddu ealle blldhu mode thät me beo hand ofsr heäfod»
Matheus Iielm, Marcus byrne ieoht lifes rdf. Lucas min svurd
scearp and scirecg. scild Johannes vuldre gevlitegod. vega Seraphiii.
fordh ic gefare. friud ic gem^te. eall engla blsed. eAdIges Idre.
bidde ic nu god sigere godes milUe sidhfat gddne. smylte aud lihta
viud veredhum vindas gefrau circinde väter simblige häledhe vidh eal-
lum feordum. freond ic gemäte vidh thät ic on this älmihgian (sie)
mote belocnn vidh thd lädhan. se me llfes eht on engla bU blaed
gestathel4>d and inna bälre hand hofna rices blaed tliä hvile the ic on
tliis life vunian m6te. amen.
y. adjuratio contra grandinem (müncluier lis. des
11 Jh., cod. tegems. 372.)
Signo te aer in nomine domini .... adjnro te diabole et angelos
toos . • . . adjuro tos . . . ut non feratis grandinem neque aliquam mo-
lestiam in tenninum btum, et non habeatis dicere coram deo» quia
nemo vobis contradixerit. contradicat vobis deus et dei filius, qui est
initium omnium creatnrarum. contradicat vobis sancta Maria
adjuro te Mermeut , cum sociis tuis, qui positus es super tempesta--
tem^ per illius nomen te adjnro, qui in principio fecit coelum et ter-
ram. adjuro te Mermeut per illius dexteram, qui Adam primum ho-
minem ad imaginem snam plasmavit. adjuro te Mermeut per Jesnm
Christum filium dei uulcom .... conjnro te dasmon et ^atanas • . • . te
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cxxxci BBSCHWOaUNOBN
conjoro, ut non liabeas hie potestatem io isto loco yd ii isto fico
nocere nee damuum facere, nee tempestatem admittere nee plnviafn
valeutiMimam jacere etc.
In dem deutschen wettersegen einer späteren miinchner hs. (Cgn.
734. f. 208): ich peut dir Fasolt^ dafs du das wetter rerfirst (weg-
führest) mir und meinen nachpauren an schaden.
VI. (aus cod. vindob. tlieol. 259.)
D SPÜRIHAIZO DICIMÜS.
si in dextero pede contigerit. si in sinistro. ean^^is minoator.
si in sinistro pede in dextero aure rainnatur sanguis. AD VERMIsS
' OCCIDENDOS. Feruina**) dei gracia plena. tu habes triginta qoui-
' que indices et triginta quinqiie medicinas. quando doniians ascendit ad
coelos ascendit memorare quod dixit AD APES CONFORMANDOS.
vos estis anciilf domini, vos faciatis opera domini. adjuro xo& per
nomeu domini ne fugiatis a fiiiis hominum. AD PüLLOS DE NIDO.
crescite et multipliramini et vivite et impiete terram. CONTRA
SAGITTAM DIABOLI. Palamiasit. paiamiasit. calamia insiti per
omne corpus meum. per ista tria nomina per patrem et filiun ^
spiritum sanctnm. aius aias aius sanctus sanctus sanctus. in dei oomiiie
cardia cardiani de necessn propter illuni malanwtm quod domnus papa
ad imperatorem transniisit quod omnis homo super se portare debeL
AMEN •.; TRIB? VICIB9 DE HOC QUOD SPCRIUAZ DICÜNT.
PRIMÜM PATER NOSTER. Visc flöt aftar themo watare. rerbrostnji
sina vetherun. thö gihelida ina use druhtin. the selvo dnihtin. thie
thena visc gih^lda. thie gih^ld tliat hers theru spurihelti, CONTRA
VERMES. Gang üt nessu niid nigun nessiklinou, üt faaa tben»
margf an that b^n. fan themo böne. an that fi^sg At fan themo fi^sgke.
an thia hdd üt fan thera hüd an thesa strdla. druhtin werth^ sd.
(auf des blattes recliter seite unten): Petrus Micbahel et Stepha-
nus ambulabant per viaoi. sie dixit Michahel. Stephani equus iafes».
Signet illum deus. signet illum Christas et erbam coraedat et aquaat
bibat.
VII. contra malum malannum (aus einer bonner hs. von
1070 — 1090 in Wackernagels wessobr. gebet 67 — 70.)
cum minimo digito circumdare locnm debes ubi apparebit, bis
verbis. ich bimuniun dih suam pf gode jouh pi christe. tunc fac criH
cem per medium f et die: daz tu niewedar ni gituo noh tolc noh tot
boupit. item adjuro te per patrem et ftlium et spiritum saactom vt
ampiius non crescas sed arescas.
VIII. (cod. vindob. R. 3282 fol. 32. 12 jk)
Dere h^ligo Chnst was geboren ce Betieh<!my
dannen qnam er widere ce Jerusalem,
da wart er getoufet vone Johanne
in demo JordAne,
*) I. spurilialz.
••) doch nidit Frdmtui? (s. 138.)
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BE8CEn¥ÖRUNGEN cxxiiii
duo verstnont der JordAnU fluz
unt der sto runst.
also verstant du blnotrinna
durch des heiligen Christes mlona,
du verstaut an der udte
also der Jordan Ulte
duo der guote sce Johannes
den heiligen Christ toufta.
verstaut du bluctrinna
durch des heiliges Chrlstes minna.
VIIP reisesegen (Diut. 2, 70.)
Ic dir ndch sihe, ic dir nach sendi mit minen fünf iingirin funt^i
undi funfzic engilu got dich gisundi heim gisendi , offin si dir daz
sigidort samt si dir daz sUgidor (s. I. für selgidor, oder saeldedor?)
bislozin st dir daz wägidor , sami si dir daz uMfindor, **) des guotin
sandi Uolrichis segin vor dir undi hindir dir undi obi dir undi nebin
dir si giddn, swä dd wonis undi swä du sfs, daz d& alsi guot fridi si,
aisi dA waeri , da min frauwi sandi Marie des heiligin Cristis giuas.
IX. aus einem engelberger cod, (Diut. 2, 293.)
Herre sce Mtchah^l hinte wistu N. sin schilt und stn sper, mtn
frouwa Sei Maria si sin hahperge, hiute muoze er in deme heiligin
fride sin, d& got inue w^re, d6 er in daz paradlse chäme. Herre
got du muozist in bescirmin vor wdge und vor w^fine, vor (iure, vor
allen siuen fiandiu gesiunüchen und ungesiunlichen. er muoze alse
wol geseginSt sin sd daz heilige wizzot wäre, daz mtn herre sce
Johannes mime herrin dem almehtigen gote in den mund flOzte, d6
em in deme Jorddne toufte. am4n. ^
In nomine domini. daz heilige lignnm domini gisegine mich hiute,
undenAn und obenan, mtn buch st mir beinin, mtn herze st mir
stdhelin , mtn houbet st mir steintn, der guote soe Severln der
plilege mtn, der guote sce Petir unde der guote sce Stephan gese^
gineigin mich hiute for allir minir fiande gewÄfine. in nomine dei
patris et filii et spiritus sancti. alse mute und alse linde muozista
iiiute stn üfin mtme Hbe swert und aller slahte gesmtde, sd mtner
frouwun sce MariuQ sweiz wäre, dd si den heiligin Crist gebäre,
pater noster.
X. aus einer müncliner hs. (Hoffm. fundgr. 343.) •
Ich slief mir hiute suoze
datz mines trehtins fuozen,
daz heilige himelchint.
daz st hiute mtn frideachiU^
das beilige himelchint bat mich hiut i^f stän,
in des namen und gnäde wil ich hiut üf gäu,
und wil mih hiute gurten
mit des heiligen gotes worten.
*) das thoT der flut, vgl. egidor s. 147.
**) vgl. MS, 2, 198b 2 der fröidtn tor ist zuo getan.
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cxxxnr BBSCHWÖKÜNOBN
das mfr alles das holt tt
das in dem himel it,
diu sunne und der mdne
und der tagesteme 8c6ne.
mtns gemuotes bin ih liinte halt,
hiote springe ili, h^rre, in dinen gewmit.
aant Märten üclieinede
das st hinte oitn fridhenutde,
aller mfner vtende gewAfen
din ligea hiote onde slAfen
und 8tn hiot aUd palwahg
als wmr^, mtoer vronwen sant Märten raht,
dd 81 den heiligen Chri«tuni gebaere
und doch ein reinia mait wsre.
min houpt st mir hiute atcplm^
delieiner slahte wikfen sntde dar In.
min su/ert eine wil ih von dem segen seeideo,
das sntde onde btze alles das ih es heize »
von mtnen handen
und von niemen andern;
der heilige hineitrdt
der st hiute min haUperge gaot
XI. Thbias reisesegen (braunscliw. nacLr. 1755 p. 321.
Hoffm. fundgr. 261. die vier ersten zeilea ergänzt.) *)
Der gnote h^rre sante Tobias,
der gotes wtzage was
stnen lieben snn er sande
sd verre in vremdin lande.
Stn sun was ime vile liep,
unsanfte er von ime srhiet»
nmbe In was im vil leide, «
er sande in ober vierzec tsgeweide.
Er spracht der got der vor niemen verborgen ist«
und At9 eigen schale du bist,
der an niemanne wenket,
die armen vil wol bedenket,
der mnesa dicli tiiute behueten
durch sine vaterliche gfiete
über velt, durch walt
vor aller ncete manecvalt
vor hunger und gevroerde.
'got möeze mtn gebete erhoeren,
so dd sl&fest oder wachest
in holae oder under dache.
dtn viende werden dir gevriunt,
got sende dich heim vil wol gesirot
mit vil gnotem muote
hin heim zuo dinem eigenguote.
*) Eschenbnrgs denkm. p. 279. Tobias segen spredien. H. Sack.
1 , 4.H»d.
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BESOBWÖRUNQBN cxxxv
gesegenet fi dir der i4fec
über strüze und über stec,
da vor und da binden
gesegenen dicb des b^rren vünf wunden.
iet weder balben dar en eben
geste dir der bimeliscbe degen.
iu gotes vride du var,
der heilige engel dicb bewar.
der lip ai dir beinin ^
ez herze st dir steinin,
ez houbet st dir stoehelin»
der himel »i dir schilitn^
diu belle st dir vor versperret,
allez übel st vor dir verirret,
ez paradis sl dir offen »
alliu waren sl vor dir verslozzen,
daz 81 daz vil gar vermiden,
daz dicb ir dekeinez stecbe nocb ensnide.
der mäne und oucb dia suune
diu liubten dir mit wunne.
des beiligen geistes siben gebe
Uzen dicb mit heile leben.
der guote sante Stephan
der alle sin not überwant,
der gest^ dir bi
swä dir din ndt kunt sL
die heiligen zwelf boten
die eren dicb vor gote,
daz dich diu herschaft gerne sehe.
allez liep müeze dir geschehen.
sante Johannes und die vier ^vangeliste
die raten dir daz beste,
min frouwe sante Marie
diu h4re unde vrie.
mit des beiligen Kristes bluote
werdest du gebeiliget (ze guote),
daz din s^le (so dil sterbest)
des himelriches niht verstözen werde
nach den weltlichen €ren.
got gesegne dicb dannoch märe.
sante Galle dlner spise pflege,
sante G^rtrAt dir guote herberge gebe.
s»lec IbI dir der lip,
holt st dir man unde wip,
guot rät dir iemer werde,
daz du gsehes tddes niene ersterbest.
Alsd segente der guote
Santobias sinen sune
und sande in dö in ein lant,
ze einer stat, diu hiez ze Mddiün,
diu buro diu hiez ze Rftges:
stt wart er vil (tö des.
got sande iu beim vil wol gesunt
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cxxxn BEiSCflWÖRUNCffiN
mit vil gootem muote
hin beim ze sioem ei^en^ote.
Also müezest du iiiiite gesegenet sto,
des helfeu liiote die iieiligen iiainen dd,
des helfe hiute diu wiiie,
min liebe vrouwe Marie,
des helfen mir alliii diu Ikiat,
diu iu dem bimelriche siut,
und der guote Santobias
und sin lieiliger trütsao. ameo.
XII. gebet und segen, (aus einer hs. von 1347 zu
Saut Paul im Lavanllbal.) *)
Darnach dise nachgeode gebette, das solta dristnnt sprechen in
eim gadem, da dich niemen irre, so kument darin engel und sagest
dir das du fragest.
Der heilig Crist*vaoF von himele mit engein mapegen, do fiiort
er an sinen henden ein fronesbilde, ander einem boume er geraste,
do entslief er so vaste. do komen die leidigen diebe u|id verstalen ioi
sin frones bilde, do er «rwachte trurete er so vaste, do sprach dhi
Venedigs min frowe sant Marie, des sol gnot rat werden , wir sulen if
diser erden von dem heiligen kinde daz dink noch hinaht vinden.
Sabaoth herre, ich l>itte dich durch din elnborn son Jesmn Cbri*
stum daz du vergebest mir min sünde und gib mir ein gaot eade.
Jesu Crist des waren gotes sun du bist, ich bit dich und man didi
daz du dis dinges verrihtest midi. Disen selben segen raaht do oock
sprechen, so dir oder eim andern diner guten fründen üt veniolem
wirt^ daz gar schedelich si und redelich, nfit umb kleine üppig sacbe,
nuwent da ez noturftig und redelich si, wände so di segen ie edeler
und ie besser sint, ie minrd s^ lielfißiit d^ man su brächet unnotdarf-
teclicb.
XIII, beachwörung der gicht, (hs, zu Göttweicli v. 1373.)
Ich virbeden dir gycht bi der heylgir wandillpQgin. vod bi det
heylgin V wanden, vnsers herren iesu christi vnd bi deme bloode
dat gode vyt sinen V wunden ran vnd bi dem erstin meDscIüa dat
got vf erden, ye gemacht oder ye liz geborren werdeq. Ich virbeden
dir bi den drin nagelifi, de gode durch sine hende vnd dorch sine
vuzse wrde geslagen, ich virbeden dir bi den t^^er hulden de da
stuonden vf zweyn yuozsin vnd spracliin vys zweyir muodir übe wer
si bede van rechtir lybden vmme allis dat mogelich is 6& wuldea si
in geweren. dat was Maria godis muodir vnd was iesus christos nid
was min frauwe sancte GIsebe vnd was niyn herre sancte Johannes der
deufir. ich virbeden dir bi deme bebinden vrdeil das got wil gebin
ubir mich vnd ubir alle doden vnd lebenden, ich virbedin dir bi
Herne fronen cnice vnsers herren iesu christi da he de martil ayo
leyt. durch ipich vnd alle cristeneyt, ich virbedin dir bi der gotligir
kraft d^ da ist in hymil vnd in erden dat du mir godes knegthe nyt
iu scliades ai| allen mineo gledereq an haubde an hirae an angen an
L
') XU. XllI, XiV mitgetheUt ?oa Hoffiuaiia,
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BBSCHWÖaUNCffiN cxxxvn
cesden. an «rmett an henden. an vingeren an rlppen an rucke an
lenden an liuffin an beynen an vnosin an cein an äderen noch an
allen, da ich mich mach keren oder wenden, des helfe mir de godis
kraft, und dat lieylge graf. da got selve inne lach, da herbebede
aiiit dat da was. Pylatas sprach hals du gesugthe odir gegichte?
ne>n ich inhan sin nyt. it sy vrauwe oder man der duse wort ubir
ynie dreyt der sal sigchir sin dat in de geychte nnmmer gelemen
kan. ich geleufe dat keyn wlf noch keyn man. der duse wort ubir
sprechen kan. want der sunder an deme cmce genade gewan. de
macli mich godis knegt N. gesunt an seien und an übe as Maria was.
do si irs lieben kyndis genas, amen.
XIV. Jiirtensegen. (hs. des 15 jb.) vgl. XIX.
Ich treip heut aus, in unser lieben fronen hans. In Abrahams
garten, der lieber herr sant Mertein. der sol heut meines (vihes)
pflegen und warten, und der lieber her sant JVolf^ang^ der liep
herr sant Peter, der hat den himelischen sinssel. die versperrent
(lein wolf und der vohin im dtussel. dafs si weder plut loMen noch
hein schroten, des helf mir der man. der chain übel nie hat getan,
und die lieiligen V wunden, behüten mein vich vor allen holzhun^
den. *) y pater et V ave maria,
XV. Segen gegen den blasenden wurm (cod. pal.
367, 173^)
Pis Ist eyn gnter seyn Tor den blasinden worm. der gute herre
senthe lob der lak in deme miste, her clagete deme heilte Criste.
wi syn gebeyne. essen die worme deyne. do sprach der heulte Crist.
wen nymandt besser ist. ich gebite dir worm du siest wies adir
swartz geel adir gruene adir roet. In desir stundt siestu in dem
pferde toet. In gotis namen amen. nota. man sal das pferdt nennen
aU is geharct is (vgl, XXXV.) Dis ist eyn gutir seyn vor den
pirczsl» **) Horestu u/orm yn fleische und in beyne, vornem was das
heiige enangelinm meyne. du seist weis swartz adir geel grüne adir
roet. der gehütet myn herre senthe lob in desir stunt siestu in desem
pferde toet. in gotis namen amen. nota. man sal deme pferde tre«
ten uf den vorderfufs und sal ym ranen in das rechte oer desen segn.
(vgl. RA, 589.)
XVI, beschwörung eines zauberpjerdes. (cod. pal.
212, 45b.)
"Wiltu machen ein pferd das dich trag wo du wilt so nymb ein
plut von einer fledermnus. wen es dan nacht ist. so gang zu einem
haus heimbrich an das ende sin. und schreib an die haustur und die . . ,
in namen omnii. geapha, diado. wen du si geschriben hast so gang
dan ein weil und kom dan herwlder so findestu ein ros bereit mit
satl und mit zäum und mit allem gezeuge. wan du dan uf dns ros
wilt sitzen , so tritt mit dem rechten fufs in den linken siegreif und
*) holzhund wolf. hölzing Reinh. LT.
**) biirzely gunhirzei. Frisch 1, I67c. 383«.
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cxxxnii BBSCBWORÜNOGR
sprich dise beschircnrag. Ich beschwer dich ro# bei dem vater vmd
hei dem sone ond bei dem heilgen geist and bei dem scbepfer bind-
reich« und erdreicbs der alle ding aus nicht gemacht hat. icli beschwer
dicli ros bei dem lebendigen got und bei dem waren got bei den
heiligen gat das du an meinem leib noch an meiner sei noch an nei-
Ken glidern nit gescliaden mugst noch mit keinerlei hkideniiis. so
sits irolirh uf das pferd und solt dicIi nIt segen und forcht dicIi nit.
wan du komst an di stat do du gern werest, so nymb den zaumh
vnd ßrch in un(Ur die erden, wan du das ros wilt haben so njmb
den zannib und schufef in paat so knmbt das ros. so bescliwer es
aber als vor und sitz doruif und rit wo du wilt und lug das du den
zaumh wol behaltest . verleurstu den saumb so musta das pferd
wider machen. »)
XVII. beschwörung des zaunsteclens,**)
Gell zu einem zaunstecken und sprich : zaunstecken ich weck dick !
mein lieb das woU ich. ich beger vil mer dan aller teufel her. her
zu mir so rür ich dich zaunstecken, alle teufel müssen dich wecken,
und füren in das haus, do mein lieb get in und aus. das du müssest
faren in die vier wend. Wo sich mein lieb hin ker oder weod. es
irtt aller eren wol wert, ich send ir einen bock (zum pfert). Ich
ruf euch heut alle gleich, bei den drei negtln reich, und bei dem
Tos^nfarbjMi bhit. das gott aus seinen heiligen wunden flofs. ich
beut euch teufel her. ir bringet zu mir mein lieb N. her. zunschtn
himel und erden, das es nit berür die erden, fürt es oh allen bau-
wen her, als man Maria tliet do si für in ires kindes reich. Und
nim die caracteres alle zu dir und blas dreiqial uf die hant und schlage
dreimal gegen iu so mügen sie dir iiit geschadea.
XVIII. gegen wölfe und reifsende thiere.
Christ sun gieng unter thfir, mein frau Maria trat herfür: *heb uf
Christ sun dein hand und versegen mir das viech und das land, das
kein u^oif hei/s und kein wulp stofs, und kein dieb komm iu das ge-
biet. Du herz trutz markstein hilf mir das ich kom gesnnt und ge-
vertig heim!'
XIX. ein segen das die wolj das viech nit essen,
Irit beschwer dich wolfzan bei dem vil heiligen Damen und bei
dem vil heiligen barn, den unser liebe frau trug an irem arm, das
du noch alle dein genofsen das viech nit beifsen noch stofsen. es
mufs dis nacht sein als war und als vast, als das heilig patemoser
was, das got aus seinem munde sprach.
*) vgl. Hart lieb s. LVlll. wie bei zauberpferden an zäum und
gebif« gelegen sei lehrt die geschirhte des königs Beder (lOOl nuits.
Paris 1806. 4, 445. 449. 1001 nacht. Bresl. 1825. 6, 167. 171.)
**) XVll >- XXXVll aus Mones anz. 1834 p. 277 ff. in dem sei-
ben anzeiger 1831. 4Ö eiu wuudsegen und blntsegen aus einer HoRcab.
tu», und 1833. 234 ein segen gegeu besclircica uud feuer.
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BESCHWÖRUNGEN cxxxix
XS. segen zum ausgang.
Huife wil ich uf sten , in den heiigen friden wil ich gen« do un-
ser liet>e fraue in gieng, do sie den heiigen Crist inphleng. noch
hüte wil ich mich gorten mit den lieilgen fünf Worten , mit den heil»
gen sigeringen, mit allen gnten dingen« allez daz dages alt jty daz
My mir holt > unser lieben franwen znnge ly aller miner fiende munde«
XXL segen zur fahrt.
Ich d reden linde uf den pliat, den unser herre Jesus Cristns drat,
der si mir also s&fs und also gut nu helfe mir sin heiiges rosefarbes
blut und sin heiige fünf wunden, das ich nfmmer werde gefangen oder
gebunden, von allen minen fienden mich behude, daz helfe mir die
here hude, vor fliefsen, vor swerten nnd vor schiefnen, vor alier
slarht nngehäre, vor schnöder gesellschaft und abentüre; das alle mine
bant von mir enbnnden werde zu haut, also unser here. Jesus inbuu-
den wart, do er nam die himelfart.
XXII. ain scliöoer sagen alle sebtemer zu tliun.
am mantag vor der fronfasten, der mantag ist Icräftiger dan die
fronfasten vor oufgang der sonnen ^ vnheavhrauen. sprich also:
Hier ein in dese hofstat gehe ich nein, solche land bescliliefst
got mit seiner aignen band, er beschliefst sie also fest wol mit dem
8ufz»en Jesu Crist, disen gibel oben und disen gibel unrten. dieser gi-
bei unden der ist mit engein überzogen verbunden. Feuer vom dac/i^
dieh vom loch, rauher von der thür ! unser liebe frau trit heut selbst
dnrfur, das avemaria sei vor der thur, das paterooster der rigel dar-
für, und was der lieb h. Irrens hat gegert, das hat der heilig Crist
bewert, das niemant starker ist dan der heilig Crist, der gehe herein
und nemb was hier innen ist im namen f f f amen. 15 pat. 15
ave nnd credo.
XXIII. für den hagel.
Item mach den pfeil auf die erden gegen dem weiter oder auf
ein deller und setz in gegen dem wetter und nim ein weichbnin, und
spritz dreu kreuz gegen dem wetter im namen u. s. w. und sprich :
Ich peut dir schaur und hagl in der kraft der heilgen drei nagl,
die Jesu Cristo durch sein heiige hend und fufs wurden geschlagen,
er du knmbst zu der erd, das du zu wind und wasser werd. Im nm-
men etc. mach dreu lireuz mit dem weichbrun gegen das wetter.
XXIV. feuerhesvhuförung.
wellent ir feuer loschen, so spreclient wie hernach folgt; anch
da* ir ain prant von demselbigen feuer in der hand habt , wo aber
solliches nit beschehn möcht, sol es dannacht mit andacht gespro-
chen werden: Unser lieber herr Jesus Cristns gieng über land und er
fand einen riechenden prant, den hueb er uf mit seiner gotlichen hant
nnd gesegent disen riechenden prant das er nimer weiter kum. In
dem namen etc. und darzne bett 5 p. 6 a. 1 er.
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cxL l^BCHWÖfiUNGBN
XXV. feueraegen.
wer feaer verhuet dafs sein haus und atatel nit priaiieat wen),
der mach alweg mit der liaad ein creuz und Sprech wie iierDtch folgt:
mein haus da$ sei mir umbeschwaifen mit engeliachett raifen, mein
liaus sei mir bedeckt mit einer engiisdien deck, das belf mir gottei
mhiBi der sei alzeit hausvater und wirt darin.
XXV*. anderer feuersegen.
sprich: Feuer-, ich gepeut dir in dem namen Jesu, das du nit
weiter kumest behalt dein funk und flammen , wie Maria ir jung-
frauschaft und er behalten hat vor allen mannen, das sei dem feuer
2ue puefs zeit im namen etc.
XXVI. fiebersegen.
Zmg, ich huck dich, rett nu mid mich*), bidem heiligen na-
gel, der unserm liehen herfen Cristo Jesu durch sin rechten band ward
geschlagen, und als menig blütstropf dar von ran, als meniger rett
mid mich und gang mir abi im namen u. s, w.
XXVII^ gegen hranhheiten*
Ich stand uf den mist, und ruf zu dem werden Crist, das er mir
bufi die recliten sporeufufs und das heuptgescheub und den herzritten
und allen seinen sitten, und gelsucht und sibenzich gesuc/it ; und ist
ir keiner mer, den bufs mir got der herre, und gang aus her ruck-
hein und gang aus her ripp und gang ab in das wilt zorach! das bufs
dir der man, der den tot an dem lieilgen creuz nam.
XXVm. wurmsegen.
Ich beschwor dich wurm und würmin t bei der waren gottes mion
und bei der waren gotliait gQt, das dein alter und dein blut werd lau-
ter und auch rain, als unser lieben frauen gspint, die sie gab Jesu
Crist irem lieben kint! im namen got des vaters etc. item niia den
gerechten dumen in die gerechte hant^
XXIX. anderer.
JVurm bist dn dinne, so beut ich dir bei sant .... minne, du
seiest weifs schwarz oder rot, dafs du hie ligest tot! Ists ain vlch, so
streichend im mit der rechten band über den rucken ab; ists dan ain
mensch , so nemend im den finger in die hand und sprechend 5 vatter
vnser, 5 ave Maria und ain globen.
XXX« Begen J'dr das lalttveh.
Grufs dich gott, vilheiliger tajr, nimm mir mein TT kaltwec ab;
ist eben eitler drunder, der nit zu erbitten ist, so nem mirs der lieb herr
Jesus Crist, der am hellgen frankreuz verstorben ist. in dem namen n. s. v.
*) rett ist rite (febris); mit mich, lafs mich in rohe, iiDgeqaiM.
mit der metteu du mich mit. kolocz 263.
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BESCHWÖRUNGEN cxu
XXXI. ein Segen unter dem rechten arm 24 stunden
zu tragen.
Es giengen drei selige brüder ans in guter frist*), begegnet inen
Herr Jesus Christ, unser lieber lierr Jesus Christ sprach 'wo welent
fr hin?' wir welent hinter den zäun, wir welent suchen das kraut
das zue allen wunden guet ist, es sei gleich gehauen oder gestochen*
Unser lieber herr Jesus Christ sprach: 'gant auf Messias berg, ne>
nient die wo! von denen schafen und das moes Ton denen steinen, und
das öl von denen benien': druck darein und darauf, bo heilt die
wunde von grund auf, es sei gleicli gehauen oder gestochen oder
brocken t wie es möcht ergangen sein, so sol es weder geschwelen
oder schweren , sol auch keines eiters begeren. Wie Lucas auf Se-
Terinesberg hat gesprochen, wie die Juden unsem herren J. Chr. umb
unschult haben gestochen, das walt got der vatter u. s. w.
XXXII. ein schöner Segen das blut zu stillen*
In unsers herren gottes herz da «tuenden drei rosen, die erst ist
sein dugent, die ander ist sein vermöge , die dritt ist sein will
pluet steh still ! im namen u. s. w,
ein ander: Louginus der man, der unserm herren Jesu Crist sein
gerechte selten hat auf getan, daraus rann wasser und bluet, ich be-
schwöre dich bluet, durch desselbigen bluets ehre, das du nimer
bluetest mere. im namen u. s. w.
ein ander: o got der immer ewig ist, der aller menschen hilf
ond trost ist, ich bat dir blut, das du stil standist, als die menschen
am jüngsten tag still stan müssend, die nicht nach gottes willen haut
getan.
XXXIII. gegen den naget in dem ros.
Welches ros den nagel het in dem ougen , der sol ain stro nemeo
ain nacht als dick er mag, und sol im sin atem in das oug nüchter
kuchen (hauchen) und sol mit seinem (inger gen dem oug grifen und
sol sprechep. Ich gebut dirs nagel bi dem vil haiigen gottes grab da
got in selber lag unz an den hailigen ostertag, das du verschwinist
Tiagel^ und dörrest, als die Juden taten, die verschwinend und ver-
dorrenden ; das gebüt dir der vatter u. s. w.
XXXIV. gegen den u>urm im ros.
Welches ros die wurm in dem gederm hat und in dem magen,
der sol das ros mit seinem linken fufs stofsen und sol sprechen.
ff^urm und al di wurm, die in dem ros sind, das euch des ros lib,
flaisch, gederm und bain also laid sige ze niefsen und ze bruchen,
and euch das als unmar sig, als unserm herren ains pf äffen wip^
die des tüfels veltmerch (feldmähre) ist ^ als war müssent Ir in dem
rosflaisch sterben , das gebüt euch u. s. w.
Welches ros den ufswerfenden wurm hat, der sol sprechen i Ich
gebüt euch wurm und würmin ^ das du des rosses flaisch und bain
*) Keisersperg nnieis 50^ anfangsworte eines segens: 'es giengen
drei brüder über feld«*
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nnd al sin lip (lassest), das dir darin sig als wjad lud als we, md
dir dar iane sig als laid, aU s. Petern was unsers lierren marter, do
er vor den riclitern und den Juden floch; das dir dar inue werd als
we, unz das er das wort gesprech, das s. Peter sprach, do er la
Rom ze dem ersten in das m&uster trat ; das ir ufs dem ros fliefsend,
oder aber her ufs fallend, oder in dem ros sterbend und «wer dbr:oer
nimmer lebend werde, das gebüt euch d^r man dar die marter und
den tot laid.
XXXV. pferdeaegen.
Item ain pßrt, das sich strichet^ so zücb es unter den himel
an ainem soutag fru por der sunnen ufgang^ und ker dem ros tUn
küfif gegen der sunnen und leg dine zwen dumen crözwis über ain
ander und halt die hend unib den fufs, doch das sie den fu/s ttii
an rüren^ und sprich: Longious was ain Jud, das ist war, er stach
unsern herrn in sein siten, das ist war (und nem das pfard bei der
Tarb), das si dir für das streichen gut
XXXVI. beiq^ verlieren des hu f einen s.
Item ain pHIrd, das ain isen Terliert, so nim ain brotmesser vnd
umb:»cimit im den huf an den wenden Ton ainer fersen zu der ander,
und leg im das messer crüzwis uf die solea und sprich : ich geb«t dir
huf und Avr/i, das du als lutzel zerbrediist , als got der herr d:e
wort zerbrach , do er himel und erd bescliilf. Und die wort sprich
dristunt nach einander und 5 pat. n. und 5 ave Maria ze lob, so trit
das pfard den huf uit hin, bis das da glichwol zu ainem schmit
komen magst
XXXVII. WO man die milich stelL
Nimb Weichwasser und sprengs in den stall, nimb gunreben, ge-
weicht salz und merllnsen. ich gib dir heut gunreben , merlinsen und
salz, und gong uf durch die wölken und bring mir schnmlz und
niilich und molken/
XXXVIII. *) beschworung der Jioldichen.
Fahr ans und fahr ein in N. wie bist du hereingekommen? d«
sollt gedenken, dafs dn da wieder heraus kommst wer dich bereia
gebracht bat, soll dich wiederum heraosbringen , er sei hei oder sti^
und sollst einen beweis von dir geben, dafs man siebet, dafs cht
hinweg bist!
andere: das walte gott und der teufel! fahr hin da du nutzm
bist und Uiu, wie ich empfangen habe!
andere : alle in und alle ui / so spricht die liebe Jungfrau acata
Gerdrut
andese: wolauf alb nnd eibin ^ zwerg und xu^rgin» unterwärts
und oberwärts, du sollst zu dem und dem, du sollst seine beine ne-
*) XXXYIU. XXXIX aus Voigts quedlinb. heftenactett.
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BB8GHWÖRUNOEN oilhi
«keUf dn foHst sein ßeiseh sehmeckent du fällst sein Mut trinken änd
in iiie erde sinken I in aller teufel nainen..
andere : Da elben und da elbinne , mir ist gesagt , da kannst den
könig von der königin bringen t und den vogel von dem »e.st ; da
sollst noch ruhen noch rasten, du kommst denn unter den busch, daf«
da dem menschen keinen scliaden thust.
andere: Op unsers herm gottes berge ist unsers herm gottes bom,
in unsers lierrn gottes bom ist unsers herm gottes nap, in unsers herm
gottes nappe ist unsers herrn gottes appel , liegt sente Johannis evan-
gelium, das benimmt einem die bösen dinger, der liebe gott wolle
helfen, dafs es vergehe und nicht bestehe.
andere: Joseph und gardian die giengen vor gott den herrn stan;
da sie vor gott und den herrn kamen, trauerte Joseph also sehre. es
sprach gott mein herre: ^Joseph warum trauerst du so sehr?' die
unternsen (unterirdischen) kleine wollen ausfknten mein fleisch und
meine beine.' 'ich verbiede es den untersen kleinen, das sie nicht
aiisfaulen mein fleisch und meine beiue!**)
andere: die heiligen drei kouige giengen über das feld, do muf-
fen (begegneten) ihnen alb und eibin,**) ^albinne das solt du nicht
thun , kehre wieder um '. im namen u. s. w.
andere : hebbe mutier und hochmuiterf lege still ^in deinem blode,
als Jesus lag in seiner mntter schote.
XXXIK. gegen hranhheiten.
Unser herr Jesus Christus und dieser wasscrflufs. ich verbufse
dir sieben und siebenzig schufs ; sieben und siebenzig seuc/ie t die
seiiid meiir denn wir verbrifseu ; weichen von diesem geruch (?)
neunerlei f^eschufs ! das sei dir zur bufse gezählet im namen etc.
Es giengen drei Salomen über einen ölberg, sie giengen über
ein grüne aue, da begegnet ihnen Marie unse liebe fraue. 'wohin
ihr drei Salomen?' 'wei willen bengahn ut und seuken mangerlei
^od krut (vgl. XXXI): dat stikt nicht ^ dat brikt rächt ^ dat killt
nicht, dat striiit nicht J* im namen u. s. w.
Unse leve frue ging still over land, se gesegene desen hilligen
brand ^ dat he nich quillt oder schivillt und imvorts fritt !
Wollet ihr hören des herrn wunder grot, da Jesus Christus von
Marien auf den erdboden schot, in einer hilligen spangen, damit sie
den herreu Jesum Christ empfangen, sie trag ihn unterm herzen
vierzig wochen ohne schmerzen, sie trug ihn gen Betleliem in die
Stadt, da Jesus drinne geboren ward, sie schickten ihn über das
Wilde meer, es wäre uoth dafs sie hinter ihn kämen, drei scharfe
dornen mit bich nähmen, das eine was de harte nagel, de ward dem
heiligen Christ durch bände und füfse geschlagen, die falschen Juden
^aren oft behende, sie warfen Ihm ein dornen krön auf sein haui»t,
dafä ihm sein rosinfarbnes blaut durch seinen braunen hart llufs.
Johannes thät einen hellen schrei: Miilf gott, mir bricht mein herz
entzwei, die mutter gottes will gar verderben« Jesus Christus wird
gar am kreuze sterben.' Wie he do gestorben was do verwandelt sich
•) älmliche formel im Romanusbüclilein (Görres volksbilder p.205.)
••) in der aufzeichnun? steht sinnlos: ulfinadi alfinie^ für alf, el-
fin (nacit niedersächs. uiundart.)
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cxLiT BBSCBWÖRÜNOeil
ladfb und grM und alles was af dem erdbaden was. üt welken i
dies gebet wird gesprochen, der wird nicht gehauen oder gestockem,
dem u-'ird auch kein haus verbrani, kein jangfraulich herz wird audi
zu schänden, keiner frauen gelungen, das belf mich gott
Bud seine heiligen fünf wunden.
XL. bruchslück eines gebet» gegen das fieber und böse
wettet, (Andr. Grypliius Horribilicr. p. 768.)
Das walte der es walten kann. Mattfaes gang ein, Pilatus gang
ans, ist eine arme seele draus, 'arme seele wo kommst du her?
' aus regen und wind , aus dem feurigen ring,'
XL^. ein gang einer beschwörung (14 jh.)
Unser herr saz und stnnt ander der kirchtür, da kam sein lieb
traud niuter gangen (herfur), 'draut son, mein herre, wie siezest da
trawren so sere?' 'ach herezenliebew muter mein, solt ich uit trawrig
Sein'? da kom ich an hulweche perg gangen, da schoz mich der
bulwecIiSi da scJioz mich ffie bulweclisin t da schoz mich als ir hin*
gesind u. s* w.
XLI. feuersegen.
Ein fener kann besprochen werden, wenn der die formel her-
sagende dreimal um die Jlamme reitet t dann erlischt sie. beim drit-
tenmal aber springt die ßamme auf ihn los^ und wenn sie ihn er-
reicht, ist er verloren. Feuer stand stille um der worte wHIeo, die
8. Lorenz sprach, da er den feurigen rost ansach.
Anderer feuerspruch : Gott grüfse dich liebes feuer mit deiner
flamme ungeheuer, das gebeut dir der heilige mann Jesus du solt
stille stan, und mit der flamme nit für bafs gan! im namen etc.
anderer: feuerglut du sollst stille stehn, und wie das liebe Ma-
rienkiud die marter am kreuze hat ausgestanden, der hat um naserer
Sünde willen all still gestanden! Diese worte soll einer dreimal ans-
sprechend unter dem rechten oder linken fufs ein wemg erde u^eg-
nehmen und sie ins feuer werfen. *)
XLIL gegen elbe.
Ich beschwöre dich alb, der du äugen hast wie ein kalb, rücken
wie ein teigtrog , weise mir deines lierren hof!
Ihr elben sitzet feste, weicht nicht aus euerm nestef ihr elBem
ziehet fort, weicht bald an andern ort!
Im thume steht die rosenblume, sie Ist weder braun noch fohl,
so mfifsen die hiifdinger (hüfteelben) zersteuben und zerfahren nnd
kommen *der hirtischen Margareten ins teufeis namen an! (Carpzo^
pract. rer. crim. pars I quaest. 50. p. 420.)
Begräbt die hexe ihre elben , so gibt sie ihnen ein wenig wachs,
einige fnden flachs, und etwas küs und brot mit ins grab: unter dem
verscharren wird gesprochen: *da, elben, da* wringet das wachs^
*) vgl. den däo. spruch bei Nyenip morskabsl. 200.
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BESCHWÖRUNGEN cxlt
ipinnet ^mfl^'ihn^ esset den käse^ esset das broi , und lafst mich
«liae Both!' (Eiias Casp. Reichardti Term. beitr. 8, 369.)
XLIII. gegen fieber.
Fieber liio, fieber her! lafs dich biiclcen nimmer mehr! Uhr der
weil iu ein wilde au! das schaft dir ein alte frau. — Turteltanbchen
ohne galten; kalte gichtchen du sollst fallen!
getreu den wurm am fiiiger. Gott vater fahrt gen acker. er
»ckert fein wacker, er ackert würme heraus , einer war weif«», der an-
der £chwarz, der dritte roth: hie liej^eu alle würme todt.
gegen brüst geachwüri ScJier dich fort, du scliändliches bru»tge-
schwur von des kindes rippe, gleich wie die kuh von der krippe! vgl.
abergl. 873.
gegen barmgrund, diesen ausschlag zu tilgen, wasche man sich
in einer pfütze, worin hunde und katzen erKäuft xu werden pflegen
und spreche die forniel : in dit water worin ver^iupen manch katt und
liund , darin still Ik di barmgrund. im namen u. s. w. (Schütze holst.
icJ. 1, 70.)
XLIV. gichtsegen.
Am ersten mai vor tagesanbruch mufs der gichtkranke sich im
walde einfinden , dort drei tropfen seines blutes in den spait einer jun^
gen fichte stillschweigend versenken, und nachdem die öfnung mit
wachs von einem jungfembienstock verschlossen Isi, laut rufen: 'gut
morgen , frau ßc/t/e , da bring ich dir die gichte : was ich getragen
liab jähr und tag, das sollst du tragen dein lebetag! der erde thau
befeuchte dich, des himmels regen wassre dich, dodi drücke dich nun
ewiglich mit gicbteseuch auf mein geheifs gott v. s. und h. g!'
(Krnst Wagners abc eines henueberg. fiebelschützen. Tüb. 1810
p. 229.)
XLV. segen Jür gebührende.
Unser liebe frau ond unser lieber herr Jesus Christ giengen mit
einander durch die Stadt *) : ' ist niemand hier der mein bedarf? ' liegt
ein kranke» weih, sie liegt in kindes banden, gott tielf ihr und ihrem
lieben kind von eniander. das tbn herr Jesu Christ , der schliefs auf
nchlois, eisen und bein! Hiermit vgl. folgende fomiel in Mones an*
seiger 1834 p; 278: Ich bitt dich Maria und Jesu ChrUt, das mir
das schlofs verschlossen ist, der Maria ruhet unter ir brüst, das mir
das schlos wider uf wisch (auffahre.)
XLVI. Jrauen zu vergessen (vgl. alui. dniinnisöL)
Ich weifs wol wo du bist, ich sende dir den .vater herm Jesu
Christ, ich sende dir der treusten boten drei, die auf erden und him-
mel sind, einen in dein gemüte, den andern in dein geblüte, den
dritten in deines herzens block. gott gebe daCi alle weiber und
*) viel ähnliche anfange , n. b. es gieng Christus und seine mnt-
ter aus einem wald, bald über feld bald über land, berg auf berg ab,
liatte ein buschel holz in der band u. s. w.
k
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cxuvi BESCHWÖftUNSHN
mägde in deintm h0rzen verstoclen! icb sen^ dir ilen tUen iwm
Jesam, den sfiffen lierm Cliristum, die sUnnpfeo ftägtl drei^ die ^sM
dem herrn wurden geschlagen, den einen durch seine hande, den ei-
nen durch seine f&fse, den dritten durch sein herze, gott gebe data
du mfifsest vergesten alle weiter in deinem herzen, im namen etc.
XL VII. Spruch gegen diebe.*)
'Wie Maria im kindbette lag drei enget ihr da pflagen. der er»te
hiers S. Michael, der ander S. Gabriel, der dritte hiefs S. Raf«el
da Icamen die tischen Juden und wollten ihr liebes kindiein stehlen.
Da sprach Maria: ^S. Petre bind!* Petms sprach: ich hab gebunden mit
Jesu banden mit gottes selbsteignen handen. wer mir ein diel»$tal
thut stehlen der mnfs stehn bleiben wie ein stock , über sich sehen wie
ein block: wann er mehr kann zahlen als sterne am himmel stehn, alle
Schneeflocken, alle regentropfen , wann er das alles kann thun, mag
er mit dem gestolen gut hingehu wo er will; wann ers aber nicht
kann , so soll er stehn bleiben mir zu einem pfund , bis ich mit mei-
nen leiblichen äugen über ihn sehe und ihm Urlaub gebe, wieder
zu gehn.
XLVIII. andere fomiel, ^inen Jest zu bannen.
Hier stand m fest, als der bäum hält seine &st, aU der nagel
in der wand , durch Jesum Marien söhn ; dafs da weder schreited
noch reitest und kein gewehr ergreifest ! in ^et lidchstea namen aoltnslelia!
XLIX. noch andere Jestbaanung.
Ich thu dich anblicken, drei blutstropfen sollen dich erscbrickm
in deinem leibe, der erste mit einer leber, der zweite mit einer zunge,
der dritte mit einer mannes kraft, ihr reitet oder geht zu fufs, ge-
bunden sollt ihr sein so gewis und so fest, als der bann hält seine
ist, und der ast hält seine nest, und der hirsch b&li seine sangen,
und der herr Christus uns hat das himmelreicli errungen; so gewis
und wahr soHt ihr stau, als der heil. Johannes stüid ein Jerdno, dn
er den lieben herrn Je&um getan fet; und also gewis und wakrknilig
soll ihr siehn, bis die liebe, göttliche routter einen uidera söhn ge-
bahret, so gewis solt ihr sein gebunden zu dieser tagieit aadstmdcal
L. sich lieb und werth zu machen.
Ich trete über die sdiwelle, nehme Jesum zu meinem gesellen,
gott ist mein schuh ^ himmel ist mein hat, heilig kreuz mein schm^rt^
wer mich heute si^ht , habe mich lieb und werth ! so befehl ich mich
in die heilige drei benedicts pfennung (¥), die neunmalnean geweihet
and gesegnet sein; so befehl ich mich in der heil, dreifaltigkeit leoch-
fang, der mich hente sieht und hört, der habe mich Ifeb und wertk,
im namen etc.
*) ähnlich dänische formela bei Nyerap morskabsl. t. 197. 196.
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BESOHWÖRtJNGBN cnLvii
LL sieh unsickAar zu m^clien.
Grufs euch {rott! seid ihr wolgemat? Iwbt ihr getrunken des
herm Christi Wut? 'gresegoe mich gott, ich bin wolgcmut, ich habe
getrunken des herm Christi blut.' Christus ist meiu mantel, rock,
üfoik und fufs^ seine heilige fünf wunden mich verbergen thun. ge-
segne mich gott, ich bin wolgemut u. «. w. Christus der herr, der
die Idinden seilend gemacht und die sehenden blind machen kann,
wolle eure äugen venlunkeln und verblenden, dafs ihr mich nicht se-
het noch merket u. s. w.
LIL ßcktpedische spräche. (Fernows Warmeland p.250fF.)
Saact Johannes evangelist ban bygde bro for Jesum Christ, vir
herre ar min hrynja^ och Jesus ir min försvar. ser val (ot min fall
idag och hvar ötkfij för den heta eld^ for den h^assa orm^ för fhn
hUnda man^ som alla vahia vitla kan. Den eoa hone für min nöd,
den ara for min dod, den tredje for min (attiga själ.
aftonbon. Jag lagger i vars herres tröst, korsa gor jag I5r
mit bröst« signe t/ug sol och signe mig m%ne% och all dtn frögd sorn
Jorden här, jörden er nun hrynja, och hlmmelen &r nun skjöld^ och
joBgfni Maria ir mit si^ärd.
Siter : Nu gär jag te sängje , med mig har jag guds angle , tolf
te band och tolf te fot, tolf te hvar ledamot
annu en annan: Vär herre Jesus rider öfver hede, dar möter han
den Ude, *hvart skal du ban?' sade vir berre Jesus. *jag skal at
kött at 9uga blöd,' 'nej, jag formenar dig: du skal ur ben och i
höti ^ ur kött ock i skinn, ur skinn och ända at helfuetes pina! ge-
oora tre namn.
at döfva verk: VSr herre Jesus rider in pa kyrkogard, dar döfde
han bade t^erk och sl^r, Jesus somnade^ verken domnade ; Xesos
ifüknade, verken saktnade» genom tre namn.
LIII. dänische Formeln (Nyerups morskabsl. 300. 201.)
at dolge eg og od. Las disse ord strax naar du seer knivene
eller svärdene drages: stat eg og od^ med de samme ord som gud
skabte himmel og jord. stat eg og od med de samme ord som gud
skabte sig selv med kjod og blöd i jomfru Maria liv! i navn gud
faders eta
Vor herre Christus red i herrefard , dövede han alle dragne svard ;
alle de vaaben som han saae, dem tog ban eg og odde fra, med sine
to hander og med sine ti fiugre, med sit velsignede blöd, med sin
vardig lielPig aaud og med sit hellige kors, med sine tolv engle og
med sine tolv apostle. fra klud og ud til od ^ det huide skal ikk^
Bidet det rode skal ikke blöde ^ farend Christus sig igjen lader (ode^
det er skeet og skeer aldrig mere.
Jesus gik ad vejen fram, der mödte ham Eylla den lede og gram.
*hvor vil du gange?* siger Jesus, 'jeg vil gaae til N. N.' *hvad
▼il du der?* siger Jesus, 'jeg vil ha}ts blöd lapt, jeg vil bans ben
bidt og bans händer slidt , jeg vil hans hilse fortappe.* *nej, siger
Johannes evangelist, det skal du ikke giore: mens Jesu navn mane
dIg af blöd ißodf Jesu navn mane di^ af been i steenf Jesu navn
mane dig af hold i mold^ Jesu navn mane dig vd til i^erdenä ende/*
k *
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CXLVlIt
BBSCHWÖRÜNOBN
Jeans InB mg wuAw espen itod, haa «vedte iraad, hu »wik*
blöd, flyc ägte rosen for ordet, «om den dötU ander jcrden ^ um
duggen for dagen, Jeg biiider dig med min liaand, og med Je^u
baand, med jomfru Marias haaiid, med de ni gode guds eogler, «3«rt£
hvid uld og grön gras og den heilig aaiid« sande last, i obto etc.
Lucia den blide skal flye mig ad vide: hvh dug jeg skal brcdr^
hvis seng jog skal rede, huis harn jeg skal bare, hvis kjärcUe je^
skal i'ore, hris arm jeg skal sove t,
A ligger nm paa nii liyver ley, saa souer a paa vor frou Fre^.
herud Uagirist i lierind Mari med Jesus Christ! berud dit siemnie
8kaaii! heriiid Mari med det lille baao!
Tvi! det satter amellein deulen «a raa. *du giOr di fioger foc
brey aa di taa for laang' sagde jomfru Mari, 'da skal a bind dein
I en sUketraa* sagde Jesus, 'vig bort dii deuel aa i T ond «ander !^
«aa satter a vor liaris 12 eiigier omkriug raa, to ve mia bored, tm
ve hver a min bien, to ve mi hyver aa, lo ve nii venster sie, saa
vil a si paa den denel der skal gjör mä uöy, i Giosiis oauu, unea.
LIV. beim sclimiereu mit salz gegen den grij (greb.)
skaiid. lil. selsk. skr. 19, 376,
Christus gik sik tU kirke, med bog i liände, kom selver jonrfm
Marie gaugende. Mivi fnlder du löd (wie wirst du blafs) min väl-
siguede sön?' 'jeg haver faijet stark greb miu vebignede moder."
LV. gegen den griJ (greb.)*)
Jeg giör at dette menueske for herggreh^ for söegreb^ for dud-
mans greb, for alle de greb, som falde iincUem himniel og jord, i
de tre uavn etc.
LVI. gegen vendset (gicht, gliedscbmerz.)
« Jesus gik sig efter vejea Urem , der mödte han slmMgen, bvac
liar du agtet dlgV sagde der herre Jesus, saa svarede han: 'til dea,
som svag er.' saa svarede den herre Jesus : 'jeg skal dig igien vende,
biem igien sende, jeg sknl sende dig udi bierget biaa^ der skal di
staae, saa länge som Verden staaer, jeg skal binde dig med mine
10 fiogre og med 12 guds engle, udi 3 navn etc.
LVII. gegen hnochenbruch.
Jesus reed sig til heede, der reed han syndt (zerbrochen) &it
folebeen, Jesus stigede af og ISgte det, Jesus lagde marv i marr,
been i beeu, kiöd i kiöd, Jesus lagde derpaa et blad, at det sioldc
blive i samme stad. i 3 navne etc.
LVIII, gegen qi^ärsil (eine pferdekrankbeit,)
Jeg glor at dette best for qvarsil udi 3 navo. der ere 3 ord
*) LV— LVJIl aas Hans Hammond nordiske niissionsbiitorie.
Kiobeoli. 1787 p« 119. 190.
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BESCBLWÖRUNGBN cxlix
soiti ildver qvSrsil, et ti jorden^ det andet er soUn^ det tredie er
Jeisii Christi nioder jomfrue Marie.
LIX. gegen nesaehticiu
Hat sich jemand heftig aa einer ncsiel verbrannt, so nimmt man
eiuige biätter von ampfer (rumex obtusifoliud, engl, dock, dockoii),
speit darauf, nnd reibt damit die verletzte stelle, indem man die
Worte ausspricht: 'm dockon^ out nett UV anderwärts: in dock» out
uetiUX schon bei Chaucer (Troil. and Cr. 4, 461): ^netth in, dock
out'^'y roittellat. Spruch: ^exeat Urtica, tibi sit perisceli^ amica!'
Urocketts gloa»ary of Northcpuntry wprds p, 57,
Eine reicliere samhmg solcher aegen and beschwörungcn , wozu
lii^^r (ler blufse anfang gemacht wird, mäste über ihren Ursprung und
ilire liewandtnis vollends aufklären, unentbehrlich sclieinen aber ältere
iiludersclireibungen *) ; viele sind aus dem mund des volks entstellt
njid unver:>tändiich aufgenommen, ihr gehalt ist oft hochpoetisch und
alterthumlich, einige zeichnen sich aus durch gedrungne kfirze, z. b.
^uben aus und nirgend an!' oder 'wer mich scheufst, den schiefs ich
Wieder V, 'du hast mich geschossen, ich schiefse dich wieder!'
Ihre Wendung kehrt in den verschiedensten gegenden wieder: ein
zt'ichen langer und weiter Verbreitung, so, dafs dem alb oder teufel,
der zu schaden ausgeht, begegnet^ and gesteuert wird (XXXVIU.
IA\. Llll. LVl), aber auch die Begegnung heilmittel suchender bildet
eingänge (XXXI. XXXIX.) Das stufenweise beschwören aus mark
an bein, aus bein an fleisch, aus fleisch an haut in VI und Lll be-
zeugt die einstimmung der altdeutschen mit der schwedischen formel.
Alt ist auch, dafs der schütz, durch thore (Vllli>), hrunie "), iiemd^
Schild, heim und Schubert ausgedrückt wird (IV. X. L. Lll) oder
durch beinernen leib, steinernes herz, stählernes haupt (IX. X. XL)
Alliteration blickt noch häufig durch den reim , z. b. In der zahl 77
(XXX. XXXIX) und 55 (Vlllb.) in den ags. formein HI. IV.
AVie sich alliterationen und reime mischen, scheint auch der iuhalt
eine Verehrung heidnischer und christlicher wesen zu verbinden. Nebeu
enft und sonne Maria (LVlil)» wie neben erde und himtnet (11,)
*) aus einer trierer pergamenths. des 15 jh. bekam Horst (zau-
berbibl. 4, 363) viele segcnsformeln , theilt sie aber in seinem buch,
das ärgerlichen fiberflufs der unnützesten dinge darbietet, nicht mit.
Wahrscheinlich findet sich in dem Romauusbüchlein (Görres no. 34.)
brauchbares.
**) in einer hs. der cambridger univ. LI. 1, 10 findet sich ein lat.
gegen, betitelt iorica^ mit ags. interlinearversion : Mianc loricam Loding
cautavit ter in omni die.' es sind 89 reimverse, welche für alte
{i;lieder und in allen gefahren schütz erflehen* die vier ersten verse:
sufiragare trinitatis unitas,
unitatis sufiragare trinitas,
suflfragare quaeso mihi posito
maris magni velut in periculo.
das ganxe nicht sehr poetisch und oft schwer verständlich, aber aus
dem 9 jh.
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CL BESCHWÖRUNGEN
sonm und mond werden in X und LH angenifen, in XXXV §o1l der
köpf gegen die sonne gerichtet sein; uralter elenentarcnltiu. In der
jütischen formet LIJI aber noch fmu Freya ^ wenn die übersetzuag
richtig: ich lege mich auf meine rechte seile, so schlafe ich bei frao
Freya. >Ver ist Hufriristl (ragr altn. timidus, malus); aodi Bjlla
(Uli) scheint schelte (vgl. Rnlla 8.614.)
Viele formein beruhen auf blofser Sympathie zwischen gleichnit
und ^rkunfr. Das blut,' das feuer soll so still stehn , wie ChristM
still am kreuz hieng (XLl. sanguis, mane in renis, stcut Chrirtos
pro te in poenis; sanguis mane fixus, sicut Christus crucifixus); wie
der Jordan still stand bei der taufe (VIII); wie die menschen ui
jüngsten tag still stehn werden (XXXII.) das f«'uer soll seine funke«
behalten, wie Maria ihre jungfrauscliaft behielt (XXV J); dem wum
im fleisch soll so weh werden» als es Petro weh ward, da er seines
herrn marter sah (XXXIV) ; der huf so wenig brechen , als gott je
sein wort brach (XXXVI.) Zuweilen steht aber die formel des «leicb-
nisses in unmittelbarem bezug auf die Wirkung, z. b. wenn VI Hb ein
fi'iede gebeten wird gleich dem, der zu Christi geburt hersrhte.
Die dichter des 13 jh. gedenken verschiedner segen, (tiliren aber
keine forroeln an. ' daz stt^ert bedarf wol segens wort ' Parz. 251,
15; ^swertes segen bekennen* Parz. 263, 25; ^ stvertes segen ^ren'
MS. 2, 233»; wunden segen sprechen Parz. 607, 23; nur Diut. 1,
862 sind einige worte des reisesegens beigebracht: ^guot sl In weter
unde wint!* dhentsegen^ morgensegen MS. 1, 184» 2, 36« Tgl. I,
161« 2, 207b. ein von Walther gedichteter morgensegeo steht bd
ihm 24, 18.
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ABERGLAUBE; cli
ABERGLAUBE
fortgesetzte sainlung. *)
953. mitten fn der cliristnacht nehmen einige ein gefäfs mit Was-
ser und messen es mit einem gewissen Icleinen mafse tn ein ander ge--
fäfs, dies wiederliolen sie etlicliemnl und sehen dabei 2U, ob sie
mehr wosser finden, als das erslemni: daraus schliefsen sie zunähme
an hab und gütern im folgenden Jahr, findet sich einerlei rnafs , so
glauben sie an einen stillstand des glucks, findet sich aber weniger
wasser^ an abnähme und rflckgang. vgl. 258.
954. etliche nehmen einen erhschlüssel und einen hnäuel xwirn^
binden den zwirn fest an den Schlüssel und bewinden das knaul , dafs
e:i nicht weiter ablaufen kann und etwa ein elen oder sechs los hangt,
dann stecken sie es zum fenster hinaus und bewegen es von einer
Heite zur andern an den wanden, und sprechen dabei * horch, horch!*
von der gegend und seite her, wohin sie freien werden und zu woh-
nen kommen, lüfst sich alsdann eine stimme vernehmen, vgl. 110.
955. einige schneiden den tag vor weihnachtabend' neunerlei holt
ab, machen davon mitternacht e\\\ feuer In der stube, und ziehen sich
ganz nackend aus, indem sie ihre hemden zum gemache hinaus vor
die thiire werfen, beim feuer niedersitzend sprechen sie: Miier sitze
ich splitterfasenackig und blofs, wenn doch mein liebster käme, und
würfe mir mein hemd in den schofs.' der liebhaber wird kommen,
das hemd hereinwerfen, und sie können sein gesicht erkennen.
956. andere nehmen uier zwiebeln t stellen sie in die vier winket
der Stube und geben ihnen namen von junn:<^psellen ; die zwiebeln las-
sen sie stehen von Weihnachten bis auf dreikonigstag. wessen «m^m-
l>el nun keimt, der wird sich als freier melden; ist keine ausgeschla-
gen, so kommt keine hochzeit zu stände.
957. einige kaufen tags vor dem heil, abend fQr einen pfennig das
letzte endstöf sehen semmel , schneiden ein bifsrJien rinde ab und bin-
den es unter den rechten arm, tragen es so den tag über, und beim
sc'hlafengehn christnachts legen sie es unter ihren köpf, sprechend :
'jetzt hab ich mich gelegt und brot bei mir, wenn doch nu mein
feins lieb käme und äfsie mit mir!' Findet sich frühmorgens etwas von
der semmel abgenagt, so wird die heirat das jähr über geschlossen
werden; ist alles unverletzt, so schwindet die hofnang.
958. mitten in der christnacht gehen knechte oder mägde zum
liolzhaufen, ziehen einen scheit heraus, und betrachten, ob es krum
oder gerade sei; danach befinden sie des liebsten gestalt. vgl. 109.
959. einige kaufen christnachtü für drei heller semmel, theilen sie
in drei hissen und verzehren sie durch drei gössen^ in jeder gasse
ein stücke; in der dritten gasse wird man den liebsten sehn.
960. man nimmt christnachts eine tiefe schüssel, giefst wasser hin-
ein, setzt in zwei ledige nufsschalen wachslichtleln und deutet eins
auf sich, das andere auf die geliebte; beide schalen läfst man dann
oben auf dem wasser schwimmen, gehen sie nun zusammen, so ge-
lingt die heirat, gehn sie von einander, so wird nichts daraus, (un-
{ro>viss. apotheker p. 649,)
*) 953 — 959 «US Praeturii Salunialia. Ups. 16G3.
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cui ABGaGLAUBB
96 1. ist eiDem i)er dieimtbote , oder einer srliwmigeni «firoe der
liebiiaber entlaufen, so legt man einen gewissen pfeitnig in das pfänn-
hin einer mith ^ und lafst die miile atigekn und stärker laofen. dann
liommt den flücliligen solche angst an , dafs er niclit zn bleiben weiCt,
sondern hals und köpf heimkehrt, das heifsen sie 'einem die angst ikua,*
(beschr. des Fichtelliergs. Lp. 1716. 4. p. 154.)
f)62. zu erforschen, was das jähr über geschelin werde, stellea sie
sich in der christnacht XII uhr auf einen kreuz oder xrheideu^g^ stein
eine stundelang, ohne zu reden, stockstill, da sich dann alles künf-
tige vor ihren äugen und obren zeigt, das nennen sie *'hordien gehnj
(das. 8. 155.)
963. auf S. Andrestag nimm ein glas voll wasscr: kommt ein feodit
nafs jähr, so lauft s über ^ wird ein dürres, so schwimmt s oben ent-
bor. (aller practic grofsm.)
964. auf Andreasftbend achten die mägde, woher die hunde bellen:
aus der gegend kommt ihr bräutigam.
965. sie binden einen Iieller auf die grofse zehe, setzen sich an
den kirchweg, und schauen unter den frühmettgangern nach ihren
bräutigam. (Tharsander I, 84.)
966. zu erfahren, ob ein kiod beschrien, setze man onter seine
wiege ein gefafs mit fliefsendem wasser , und werfe ein ei hineia ;
schwimmt es oben^ so ist das kind beschrien. (Val, Kräutenuana zaiH
berarzt 216.)
967. böse leute haben in Schlesien zu gewisser zeit ein tnesser
schmieden lassen, damit nur ein kleines asitein von jedem banm ge-
srhiiitten, worauf in kurzer zeit der ganze wald verdafb. (Carlowitz
s^lvicultur p. 46.)
968. die eiche ist ein weissagender bäum, eine fliepe in gallUfifeln
bedeutet krieg, ein wurm thcnerang, eine spinne pestileaa. vgl. 1046.
969. . bolz in den hnndstagen geflllt brennt nicht»
, 970. Johannistag vor Sonnenaufgang stillsdiweigeiids eichenholz. auf
den leib gestrichen heilt alte otTenen schaden*
971. elsbeerhfiVLm hei fst auch drachenbapm. äste davon auf walbnr-
gis Ober haus und st^llthür gehangen hiuderp die einkehr des fliegen-
den drachen,
972. eiche und nufsbaum haben Widerwillen gegen einander, and
können nicht zusammen stelin, ohne zu verderben, ebenso schtvarz'-
dorn und weifsdorn: stehn sie zusammen, so behält der weifsdorv al-
lemal die oberliand , der schwarzdorn geht ans,
973. im bösen wädel (zunehmenden mond) darf kein bolz gehauen
werden; Schlagholz Im neumond gefallt schlägt behende wieder aas,
das im abnehmenden gelallte brennt besser,
974. wenn saugende kinder sterben, gibt man Sbnen eine flascbe
muttermilch mit in den sarg; dann vergeht der mutter die mllcli ohne
brnstschmerzen.
975. wer warzen hat nehme eine grofse braime Schnecke and nagle
sie mit einem hölzernen hammer an den thürpfosten; vertrocknet sie,
so dörrt auch die warze ab,
976. begegnet einem frühmorgens eine alte frau und grüTst, noCi
man ihr antworten, *'euch eben so viel/*
977. es gibt leute, die einen fahrenden heuwagen fest machen
können, so daf5 er sich nicht von der stelle rührt t man achlage aaf
alle radoägel, so wird er wieder los.
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ABEAGLAUBE cliii
9:R. in dubsfufsstofßm leg« bumi breMendka xiiwlwt 4a4iireli wird
er gebräunt uml verratlien.
979. fliegt eine «ciiwnlbe in den stall und unter der knli weg, §q
gibt diefle bKit statt mUeli: man fülire sie auf ei«aen kreuzweg, me/i:«
sie dreimal durch einen ast und schütte ilir die gemolkene milch drei-
mal ruckwürts über den köpf.
9H0. ein buud wilden thynäan, oder dosten bei die mUcb gelegt
hindert das bebexen.
))8I. (;elit man auf fastensonntag einmal um seinen gartenlwfr herum,
so kaiui das ganze laufende jähr keine planke daraus entwendet werden.
982. sind viel Schnecken auf dem land, gehe man frühmorgens vor
Sonnenaufgang hin und nehme eine Schnecke an der ost^eite weg, dann
über norden nai-h weiten und lese auch da eine auf, von da nach
norden, von da über o^ten nach süden; hängt man die vier aufgeles-
nen si-huecken in einem beutet in den Schornstein, so kriechen alle
übrigen Schnecken vom land nach dem haus in den Schornstein nn«! sterben«
J)H3. wird beim krautabschneiden im herbst ein maulumrf häufen
unter dem kohl gefunden, so stirbt der hausherr.
984. wejm man ein brot aufschneidet , nennt man in Westfalen
daä obere knuätclien den lacheknost^ das untere den f^rieneknost» geht
nin/(d oder knecht aus dem dienst, so kriegt sie einen jammerkaost
mit , den verwahren sie lange jähre.
985. wenn kinder den achluckuk haben, waclist ilmen das heri.
!)86. sieht der bauer zum erstenmal im jähr den storch^ so wirft
er sich zur erde, wälzt sich herum, und bleibt nun das ganze jähr
frei von rücken weh.-
987. wer aus fremdem dorfe eine kuh kauft gibt aufser dem preis
einen milchpfennig t damit die milch nicht zurückgehalten werde, an
der grenzscheide dreht er sie dreimal um und läf^t sie nach der alten
heinwt schauen, das benimmt ihr die Sehnsucht.
988. manche heften blühendes farrnkraui über die hausthfire: dann
geht alles gut so weit die peitsche beim fuhru^rk reicht,
989. am ersten fasttag laufen kuaben und raädchen mit angezündeten
Strohwischen wie wütend auf den feldern, um den bösen sämann ans-
autreiben. (Rhone.)
990. in der ersten christnacht wälzen sich di Rhonlente auf nage-
drosch nem erbsenstroh. die ausgefallnen erbsen werden unter die an*
dern gemengt, dann gedeiht die anssaat besser.
991. unschuldigekindertag wird jeder erwachsene mit einer rutha
gesc/ilagen und niufs »ich durch eine gäbe lösen, auch die bäume
werden geschlagen ; das fordert ihre fruchtbarkeit.
992. wer sonntags an bett oder kleidern etwas näht, kann nicht
darin sterben bis es aufgetrennt ist»
993. steht man vom Spinnrad auf ohne die schnür los zu drehen»
so kommt das erdmännchen und spinnt darauf: man sieht es nicht,
hurt aber die sich umdrehende spule schnurren.
994. ein armer der ganz seine schuld bezahlen will, mufs so viel
▼aterunser beten, als grashahne das ihm gegebne brotslücklein bede-
cken, weil sie das nicht können sagen sie ^gottlohns.'
995. man soll die thür nicht hart zu schlagen: es sitzt ein geist
dazwischen, dem es wehthut.
996. das erste kind, das auf neueingesegneten tauf stein getauft
wird, empfängt die gäbe geister und Vorgeschichten zu sehn, bis ein
audrer aus Vorwitz itun auf den linken fuj's tritt und über die rechte
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CUT AnSROLACBB
schutter itclitt dMii |«dit die g«be mf fhu ftber. jene wirlm^ i4rd
aufgehoben, wenn die tanfpatlien einen aCrohMm, eine fteckondel oder
ein stQck papier ins tanfbecken werfen.
997. wer immer betet, sicli aber etwas darauf einbildet» der heM
sieh durch den himtnel und mufs jenseits die ganse liäteo.
998. läfst man butierbrot fallen und es ßllt auf die batterseitey
so imt man den tag schon eine sfinde gethan.
999. wenn die mädciien jäten, suchen sie sich das krfiotchea ^leif
in de meute^ (lieb entgegen) und stecken es gar heimlich iiei; der
erste Junggeselle, der ihnen dann entgegen kommt, ist ihr schätz.
1000. wer ein haus baut mufs gekauftes^ gestolnes und geschenk-
tes holz dazu nehmen, sonst hat er kein glück, im lappisches so
gemeiner aberglaube, dafs die grofsten meier, die eigen bolz bal>eo,
doHi einen bäum dazu stehlen und sich dann angeben und ihn bezahlen.
1001. wenn das heilige wetter (gewitter) einschlägt, kann es nicht
mit Wasser, nur mit milch gelöscht werden, vgl. 1122.
1002. beim flachsjäten ziehen die mäddien das nnkraut den rotheo
Henrich aus der erde: wo die Wurzel hingewadisen ist, aus der ge-
getid kommt der schätz ; ist sie gerade in die erde gewachsen, so stirbt
dn!< mädchen bald. (vgl. dän. abergl. 126.)
1003. wer den storch zu allererst sielet einkeliren and beiCst ihn
willkommen, dem thut das jähr kein zahn weh.
1<K)4. wenn man schlafen geht, olme den tisch abzuräumen, kann
das jüngste im haus nicht schlafen.
1005. welche magd senntags die knnkel nicht abspinnt, dieselben
faden bleichen sich nimmer weifs.
1006. welche einen rost über das feuer setzt, und nichts darauf
legt, die bekommt einen schürz im gesicht (wird runzelig.)
1007. wenn man einen neuen beseii umgekehrt hinter die bansthir
stellt, so kann keine hexe hinein noch hinaus.
1008. wenn eine frau auf dem markst ein des Scheidewegs sitzend
ihr kind stillt, bekommt es nie zahnweh.
1009. nach des i^aters tod geborne kinder haben die krafl, feile,
die auf den äugen wachsen, drei freitage hinter einander abzublasen.
1010. warumb gibt man nicht die beinlein von dem osterlamb den
hunden, das gesegnet ist? man spricht, sie werden unsinnnig. man
mag sie inen wol geben, es schadet nüt. (Keisersb. ameis 52.)
1011. wiltu ein pfert hinket machen, so nimb des baiims dm
der hagel ein hat geschlagen, und mach daraus ein nagel, oder eins
neuen galgen, oder von einem messer, das einer pfafienkellerin ist ge>
wesen (vgl. pfatfenweib s. C^LI, XXXI V), oder von einem stumpf
von einem messer, do einer mit erstoclien ist worden, und tlrmds
in den trit, (cod. pal. 212, 53»>.)
1012. zu erfahren wie viel gute holden in einen menseben verzaa-
bert sind, schöpfe er stillschweigend wasser, nehme glühende kohlea
aus dem ofen und werfe sie ins wasser; so fiel kohlen untcrgehn und
0uf den boden fallen^ so viel gute holden hat er in sich.
1013.*) hält der Sturmwind drei tage ohne aufliören an, so rr-
hängt sich einer.
1014. wer sich am ersten ostertag in kaltem wasser badet, bleiU
das ganze jähr gesund.
•) 1013—1104 aus der neuen buuzlauischen monat^schrift , jähr*.
1791. 1792.
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ABBRGLAUBB e&Y
1015. wer SU irichH^n aaCerMhoieD aoigelit, befegaet Ni» eia
ultes it^ib, §0 Ist er «nglückllcli, «iu junges mädchen, gificklictk
1016. schreit bei ta«^ die nacht eule^ so kommt feuer aof.
1017. wer skli eio kind in dtn tinndeki anfielit, bekrense et md
»»ges 'gott behüte dich!'
lOlB. wer das körn zuerst blähen sieht, esse neun bluten daTDU,
so bleibt er frei von fieber. vf^. 718.
1019. Iiall der heulende hund dea köpf ia die höhe, bedeatet es
feuer, gegeu die erde, eioen sterbfall.
1020. wer attf JoliaiiMsabeDd so viel JohanDesworzetn , als im haus
leute sind , in einen stubenbalken steckt, die pflanaea nach den leutea
benennend, kann setin, in weldier Ordnung sie sterben: wessen pflanze
zuerst dorrt, der stirbt am ersten, vgl. dan. abeegl. 126*
loai. auf den ort, wo ein geu^itter steht ^ ist es niebt gnt mit
ßngern zu deuten,
1022. zur ader gelassenes blut stets in fliefsendes wasser zu giefsen.
1023. nach Sonnenuntergang keine milch und butter aus dem Itavs
zu verlianfea.
1024. nialer am gesiebt vertreibt, wenn man die band eines todt««
darsuf legt und daran erwarmen l&fst.
1025. mit regen wasser, das imf leichenstsinen stebn bleibt/ ver*
treibt man Sommersprossen.
1026. sieht mau abends blau feuer brennen, werfe man ein messer
hinein und gehe vor Sonnenaufgang hinzu , so wird mau geld finden.
1027. ausgek&mmte liaare sind zu verbrennen: denn tragt sie ein
vogel in sein nest ^ so bekommt man kopfschmerzen , trägt sie ein
st aar zu neste^ wird man staarblind.
1028. weim die schalaster um das haus herum schreit, nahen gSsteu
1029. wen der schlucken rftckt, trinke aus dem glas itber den
Henkel,
1030. regnete unter Sonnenschein t so fallt gift vom liimmel.
1091. ein verkauftes kalb mit dem schwänz aus der thüre Itinaus
zu fuhren, so grämt sich die kuh nicht; eine gekaufte kuh mit deai
schwänz rückwärts in den stall einzufikkren, so gewohnt sie gut ein^
1032. wenn sich die diele splittert ^ kommen freier.
1033. wenn der gehangne abgesclinittez wird, mufs man Htm ein«
ohrfeige geben, sonst kehrt er wieder.
1034. scheint der mond auf ein ungetauftes kind, wird es mond-
süclitig.
1035. wenn das leichenbret fällt t stirbt einer io drei tagen; weri
nicht gebort hat, den trift es.
1036. wen die rechte hand krümmert^ der nimmt geld ein, wen
die linke, mufs viel ausgeben.
1037. wenn einen unvermutet schauert, so lauft der tod übers grab,
1038. erlischt die altarherze von selbst, stirbt der prediger unter
einem jähr.
1039. wer in einem schuh oder Stiefel lauft, verliert das mafs,
aufser wenn er den nenüichen weg zuräcklauftm
1040. das pferd erlahmt, in dessen frischen fufstrit man einen
nagel schlägt, vgl. 1011.
1041. Christabends im Hofsen hemd den garten mit einem flegel
gedroschen^ wächst im folgenden jähr das gras gut.
1042. so lange eiszapf en winters vom dach hängen, so lange Ist
künftiges jähr der flachs am rocken.
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€Lvi ABBRGLAUBB
l^tS. wen« «In wirekh^lm in d«r ttabe tle^, kommt schnee,
1014. charfr»itognr^^en mafii man mit nudeln ans der erde iLratten,
denn er bringt grofie dürre.
t045. wenn man den pathenbrief über des landet mund aufbricht^
lernt es früher reden.
1046. fliegen in gaJläpfein bedevten Icrieg, maden miswadifl,
ejfinnen pettilenz. vgl. 968.
1047. reiser auf die flachsheete gettedit, bleibt das rieh nn-
.behext.
1018. abends dreimaliges anpochen t wem niemand da ist, fürbt
dner ans dem lians in drei tagen.
1049. stirbt eine wödmeriD, wasche man ihre pläisehe (sappen-
schössel) sogleich ans, sonst kommt sie wieder.
1050. wenn bräntigam und braut am hochzeitstag einen dreikSpfi-
gen böhnien unter die rechte fufssohle legen, haben sie ehegifick.
10&1. an hochzeitstag schnee bedeutet glückliche, regen traarlge
1052. wer essen oder trinken mit dem messer nmrdhrt, bekommt
Itibschueiden , wer mit der gahel^ stechen.
1053. stirbt einer schwer, so lege man ihn anf den Wechsel (wo
die enden der dielen snsammenstofsen) , so hat er leichten tod.
1054. wer seinen tauben aus einem menschenschädel zu saufen
gibt, in dessen schlag kommen fremde tauben geflogen.
1055. wenn hüner krähen kommt fener aus.
1056. In welchem hause hahn^ katze und hund ron schu^arzer
färbe sind, kommt nie feuer aus.
1057. in welchem hause der kettenhund mit perbrennt, kommt
bald wieder feuer aus.
1058. will das buttern nicht geratlien , so peitsclie man das bntter-
fafs mit einer weidenrutlie, die aber nicht mit dem messer geschnitten
werden darf.
1tö9. eines m&dchens liebe zu erlangen, suche man anvenaefit
eine Stecknadel und ein haar von ihm zu erlangen, wickele das hacu-
um die nadel und werfe sie rückwärts in einen flufs.
1060. werden aus verseilen die grabtOcher uerkehrt auf die bahre
gedeckt f §o stirbt jemand aus dem hause nach.
1061. wer hund, katze, heulie kauft, drehe sie dreimal um sein
rechtes bein, so gewohnen sie gut ein.
1062. unter eines kranken bett setze man einen topf mit nesseln:
Ueiben sie grän^ so genist, welken sie, so stirbt er.
1063. kein getragnes hemde soll man zum sterbekittvl schenken,
sonst zehrt der dem es geliorte, solange ab, bis das bemd %er-
west ht,
1064. siehl eine Wöchnerin einer leiche nach, so bekommt ihr kiod
keine fiirbe.
1065. eines gehangnen finger im bierfafs aufgehängt schalt dem
bier guten abgang.
1066. regnet s in den braut kränz, so werden die aenen eUeUte
reidi und fruditbar,
1067. wer körn mlfst mufs auf sich zu streichen, so streicbt er
den Segen ins haus $ streicht er von sich ah , streicht er das kora
dem teufel iu die band.
1008. hat ein kind grofden nabel, nehme man stillschweigend vi-
nem beftler seinen staby und drucke damit kreusweise den nibel.
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ABBUGLAUBB clvii
IMft. m11 eine flnokheftne hüner o^r ibä^Jitf brihten, so mache
mau ihr nest aus des weibes eder niannes beitstroh.
1070. wer avf den daumiia^eln n^eifse Jlechen hat, wem die zahne
nah an einander stehn, der bleibt in seinem Vaterland.
1071. verttert eine fraa oder jungfra« auf der gasse ein strumjtf'
band, so ii»t ihr der mann oder freier angetreu.
1072. stt erfahren wer einem thier vergeben hat, sehneide man
des tliiers herz aus und hange es, mit 80 nadeln dnrclistochen in den
scliornsteio ; der tbater wird dann solange gequält, bis er kommt und
sich angibt.
1073. kom in der mickaelswocbe gesät, whrd trespe, gerste in
der ersten aprilwoche, liederich.
1074. wer fieberfrost hat gehe stillsehweigends, ond über kein
wasser, zn einer holen weide , fuiuche dreimal seinen aihem hinein^
keile das loch schnell zu » und eile unumgesehn und stillsehweigends
heim, so bleibt das lieber fort.
1075. junge maiblumen vor Sonnenaufgang gepAackt and unter das
gesiebt gerieben verhindern sommersprojsen*
1076. eine schwangere soll sieh nuf keinen kästen setsen , der
unier ihr zusehUefsen karmy sonst kommt das kind niclit zur weit,
bevor man sie wieder darauf gesetzt und dreimal au%escblossen bat.
107T. wer vor sonnenanfgang unbeihaute stellen im grase sieht,
kann da geld finden.
1078. leinsamen zum säen einschüttend lasse nuin hoch in den
sack laufen 1 so geräth der flaehs long.
• 1079. wer das fieber hat, gehe an einem tag über neun raine im
feld, so verliert ers.
1080. oder er jage eine schwarze katxe so lange bis sie toil
liegen bleibt 'Wider cHe epilepsie hilft, eines enthaupteten blut zu
trinken und gleich darauf so schnell und lange zu laufen t als man
•« austmlt
1081. Christabends setze man ein häufchen salz auf den tisch,
gchmilst es aber nacht, so stiebt man Im nächsten jähr, steht es
morgens noch unversehrt, so bleibt man leben.
1062. wer Watpurgisabend alle kleider verkehrt anzieht und rücl^
• lings bis zu einem kreuz wege kriecht , kommt in gesellschaft der liexea.
1083. wenn die weife perkehrt und der fitzfaden nach unten zu
hängt und so ein kind im haus zur weit kommt, hängt es sich selbst
aaf. liegt dann ein mcsser mit aufwärts stehender schneide, so stirbt
das kind durchs schwort.
1084. man pflegt die kleinste lade im haus vor das Wochenbett zu
stellen: wenn sich jemand darauf setzt und das wochenlädchen sich
4^on selbst abschliefst, so kommt die wöclmerin nicht wieder ins
kindbett.
1085. so vielmal der hahn Christnachts unterm gottesdienste kräht,
so viel bohmen gilt das nächste jähr das viertel kom.
1086. wer frutijahrs sieht 'den ersten bauer im pflüge, die erste
schwalbe im fluge^ hat ein glückliches jähr.
1087. wenn eine ledige frülijahrs bei ankunft der vögel zwei bach^
stelzen zuerst beisammen sielit, so maclit sie das jähr hochzeit.
1088. begegnet dem brautpaar auf dem wege zur trauung ein
ftsder mist, so bedeutet das uugidckliche ehe.
1089. man lasse die gerste vor dem säen durch ein mamuhemde
laufen , bo scliadea die speriiuge der firucht nkht.
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oLTni ABBIALAOMS
1M0. wfr gf^oupe ifiil, 4m kann der f«U»f wkhH tibiw, mtm^
er noch ein körnchen <kvon im nuigen kat
1091. seblagt man an einer ech des titehet oder häsrfUs femer,
§o kommt der brand in den kirae.
1092. wenn die weiber «raaehen wellen, muGs allea im hanse
freundlich aufstehn^ ao bekommt mau «ckOn wetter.
1098. ledijire binden Jobannisabend einen b^anz von nsttnerlei Uu-
meHy werfen iiiu rfickwarts und lülUckweisenda auf einen beutm* to
oft er beninter fallt, ao viel jalire bleiben aie nocb unvefkoiratet.
Tgl. 848.
1094. hat ein brennender span im winter einen grofsen rispel^
ao bedeutet» schnee; springt der rispel mitten ?ou einander, gäsie^
1095. e« iat niclut gut, Ober Kehricht zu gehn»
1096. kinder mit ruthen ?on sdion gebrauchtem heeen geacldagen,
▼erdomn.^
1097. aolten die kühe viel milch geben, lo kaufe man den eem»
merkindeirn eiiieu eomrner ab, und atecke ihn über die tliür dea atalU.
1098. beim ersten weidetreiben der kühe bindet man ihnen ei«
roihe;! fleckohen um den acbwans , ao können aie nicht behext werden.
1099. soll die hexe über das vteli keine macht haben, ao aperre
man naditlang einen baren in den atall: dieser kratsi das venteckte,
worin der sauber liegt, heraua und sobald ea ami dem atall geschalt
wird, hat das vieli keine anfechtung weiter.
1100. fladis anf Laareutii gekauft, verbrennt
1101. wer etwas sagen will und ea vergessen hat, acbreüe über
die thiirschu^Ue hinaus und wieder herein, so lallt es ihm wieder ein.
1102. ein bieneuwirt schenke bei der honigernie vteloM davon, so
ihid die bienen wieder mildthätig gegen ihn«
1103. am heil. Christabend lege man einen stein auf die bäume^
ao tragen sie desto mehr.
1104. neugebornen manchen lege man über die brüste ein aeU
von einer alten Ufeiberhaube , damit sie der alb nicht aussauge,
1105» allerheiligenabend werfen Junge leute in Norlhumbeiiand ein
paar nüsse ins feuer. liegen sie still und brennen sie zusammen, so
weissagt es eine glückliche ehe, fahren üe aber krachend von einan-
dnr, eine [unglückliche. (Brockett p. 152.)
1106. wenn die braut sich entkleidet stellt sie einen ihrer strumpfe
einer brautjungfer zu, die ihn unter die versammelten hochzeitgiüste
mrft, auf wen der strumpf niederfallt , der wird sich zunächst ver-
heiraten, (das. 218.)
1107. braut und bräutigam setzen sich am ende der hochzeit aaf
das brautbett, in voller kleidung, ausgenommen sclinh und strümplt.
eine der brautjuugfern nimmt des bräutigams strumpf, stellt aich unten
mit dem rücken an das belt und wirft mit der linken hand itber die
rechte Schulter den strumpf, nacli dem geeicht des bräutigams zie-
lend, das tliun dami alle mädcheu nach der reihe, und die welche
sein gesiclit treffen werden bald verheiratet Der strumpf der braut
wird darauf von den jungen bursdien auf gleiche weise geworfen,
und ebenso daraus geweissagt, (das.)
1108. den abend des h. Marcus wadion einige junge leute die ganaa
nacht über im portal der kirche: dann sehen sie die geister alier,
welche nächstes jähr sterben werden^ in gewöhnlicher kleidung ver-
übergehn. Leute, die eine soldie wache gelialten, aind der ganzen
gemeinde ein schreckeBi aie können durch bedeutende blicke oder
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ABERGLAUBE ci.ti
winke den nahen tod der mensctien angeben. Ödes* MB.) In Ost-
frieüiand lieifät es: 'solche leiite können quad seheiu'
1109. Cliri0tabends wtrd ein gro£ier boluklota ins fener gelehrt
{^yuleclog, yullclog^ Ciiristmas log) und wo möglich die folgenden
tage brennend erlialten. em stäck davon bleibt gewöhnlich aufbeiial-
ten, um damit nädiste Christmesse den neuen klotz anzuzünden, es
bewahrt zugleich die familie vor schaden, (das. 243.) will der klotn
nieht brennen, oder brennt er niclit aus, so weissagt das unheU.
1110. wenn der ackermann frühjahrs zu felde zieht, die erste
fnrehe mit ungekeiltem pftug ackert und diese erde in die vier ecken
€ier Stube streut, so weichen alle flöhe. (Krünita 1, 42.)
Uli.*) auch hunde und schwarze schafe haben die gäbe *quad
zu sehen'y^ und man kann sie von ihnen lernen, wenn der heulende
hund irgend ein gesicht hat, so sehe man ihm zwischen den ohren
durch und hebe sein linkes bein auf; oder man nehme ihn auf die
Schulter und schaue so zwischen seinen ohren durch. Will man die
kunst los sein, so kann man sie auf den hund übertragen, indem
man ihm auf den rechten fufs tritt und ihn über seine rechte Schul-
ter sehn läjst,
1112. wohin der heulende hund die schnautze steckt, ans der
gegend wird die künftige leiche hergetragen.
1113. zuweilen geben thurmglocken den dumpfen todtenklang von
sich: dann wird bald einer in der gemeinde sterben, (vgl. no.284.)
An welcher seite der glocke beim leichengelfiute der kl6(fpel zumf
letztenmal anschlagt, von der seite des dorfs kommt die nächste leiche.
1 1 11. wenn eine kolilpflanze im ersten jähr blute trägt , oder
weifse stellen an den blättern bekommt, entsteht im banse de% be-
aitzers ein Unglücksfall.
1115. ein haus, hei welchem ein stern niederfällt^ darin wird näch-
stens einer sterben.
1116. es bedeutet krieg, wenn der kirschbaum im jähr zweimal blüht,
1117. scheint am lichtmesstage die sonne auf den altar, so ist
ein gut flachsjahr zu gewarten.
1118. die hexe kann dem vieh dadurch scliaden, dafs sie auf sei-
ner weide den thau vom grase streicht,
1119. eierschalen mufs man zerknicken; sonst kann die hexe den
menschen die daraus gegessen, den hflnem die sie gelegt haben,
schaden.
1120. wer etwas efsbares findet, werfe den ersten bissen davon
weg , sonst könnten ihm die' hexen schaden.
1121. von sieben mädchen aus einer ehe nnmittelbnr auf einander
geboren ist eins ein werwolf
1122. schlägt der blitz ein, so läfst sich der brand nnr mit milch
loschen, vgl. 1001.
1123. wer mit dem finger nach dem monde deutet, erhält einen
hölzernen finger.
1124. Strohwische von Ätf//J/roA, wortlnf ein todter gelegen t aufil
feld gesteckt kommt kein vogel in die saat.
1125. vögel werden aus der saat abgehalten, wenn man beim eggen
links geht und einen gewissen segen spricht, den man aber von einer
person andern geschlechts erlernt haben niuifs.
*) 1111 — 1128 ostfries. abergl. (weatßi. auh 1810 ne.68..^tS^)
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CLX ABERGLAUBE
1IM. *) wenn «li kM in den spiegel 4iiel, w aScbt ipredifa
kao, ist nicht ^ol,
1 197. iwei kijukr, so aocb aicht fprecbe« köuiett, sott mmu nickt
suMmmen sich küssen laisen.
II SB. Ale grillen oder efeneimichen briogeo ein aegKIck.
1129. men sei nicht spinnen oder waschen so IsDg^ eia todt«r
iber erde tteliet.
1130. wnnn einem drei tropfen hluts a«s der Mee feUet, Iwdeirtet
WM soaderlichs«
IISI. auf der lee nrafs man ntclit eagen thurm oder kircket aom-
derii «/</>, sftitie und dergleicben.
1139. man mufs nicht reden, wann ein ander trinket.
1 1 33. es int nicht gut dafa zu^ei zusammen trinken»
1134. dafern das holz, wann es an dem feuer liget, nnd wegen
der nasse luft auslesset ond brauset, bedeutet keif.
1135. wann ein gerichte im topfe ^ naclidem es vom feuer, nach-
kochet , xeigets an dafs keine hexen im hause.
1136. man kan die pocken verkaufen^ und der sie kaufet, krieget
so viel nicht als sonst.
1137. wann man aufserhalb des hauses aa thon, und sich in der
thür umbkehret, und nicht alsobald fortgehet, ist niclit gut.
1138. das naseßücken bedeutet einen rausch.
1139. wenn ein naget bei dem einschlagen im sarke sich beuget
und nicht Ittuein wil, folget bald einer.
114«. man mufs auf keinen montag in den dienst treten, in ein bans
aieJien oder sonst was beginnen, solches wird sonst nicht wocheaalt.
1141. über die wiege sich zvl spannen ist nicht gut, davon kompt
das fherzspann,
1149, wenn man salz und brot auerst in ein haus bringet, das
man beziehet, so hat man drin keinen lebensmangel.
KRÄUTERABERGLAUBB. *')
Beifufs, wer beifufs in seinem haus bat, dem mag der tenfel kei-
nen scliaden zufügen, wer beifufs wurzeln über die tliore des banse«
legt oder hangt, dem haus mag nichts Übels oder ungehearigkeit an-
geßigt werden. Iieifst auch bücke und S. Johanns gürtel, etliche
gürten sich damit an Johannes des täufers tag und werfen es her-
nach in das Johanns feuer ^ mit jprücben und reimen, beifst auch
sonnenwendgürtcl ^ weil man es zur Sonnenwende umgürtet, etliche
graben es, wie verbena, suchen kolen und narrenstein darunter,
machen kränze daraus, hängen es um sieb und werfen es mit ihrem
Unfall in S. Jolians feuer, unter »prucheo und reimen, wer beifnfs
mit Salbei anhängt ermüdet nicht auf der reise.
*) 1126 bis 1142 aus des uhralten jungen leiermata Insügea cor-
respondenzgeist. 1668 p. 170 — 176.
**) mitgetheilt von Meusebach ans Joliann von Cube garten der
gesundheit. Augsb. i486. Leonh. Fuchsens new kreutterbucb. Basel
154S. Hier. Bocks kreuUrbnch. Straisb. 1546.
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KRÄUTBiUBiüiaLÄUBB clxi
Smgrunt ptfivittea« M>lt gesatunelt werden swicchea i|en iweia un-
fl^r fraueotagen, assumtioDis und nalivitatis. wer daa kraut bei sich
trägt, über den hat der teufel keiue gewalt, über weldier hauatliür
es bäiigt, in das haua mag keine Zauberei kommen^ kommt sie aber
hinein, so w&bnt sie sich darin verrathen und weicht bald daraus.
Ritiersporn. rittersblumen drei, in jungfrauenwacbs gewirkt und an
den hals gebangt, und damit S. Ottilien eine messe gefrommt, oder
drei almosen um ihren namen gegeben oder drei paternoster andächtig
gebetet, wer diese drei gottesdienst gethan hat^ dessen äugen blähen
gesiuid. diese bhimen alle tage angesehu, denselben tag kommt dir
kein aiigenwehthum. etliche nehmen dieser blumen ein busdilein und
hängen sie aber det tbör der stnbe oder kammer auf, dafs sie darein
sehen mögen, diese blumen hat die Hebe Jungfrau sant Ottilia sonder-
lich lieb gehabt^ davon ihnen dann solche gewalt kommen ist.
Teufels abbifs, die meister sprechen j dafs dieses krautes wursehi
tauten stumpf sind) gleich wie abgebissen. Oribasius sagt^ dafs mit
dieser wunsel der teufel So grofsen unfug trieb, dafo die mutter got-
tes ein erbarmen hattft und ilim die macht benahm. ?0r grofsera grimm
biß tr du Wurzel unten abj und so Wächst sie noch heute des tages.
IVer sie bei sich trägt, dem mögen teufel und böse weiber nicht
schaden. Nach andern bifs er sit ab, weil er ihre arznei den men-
gehen niclit gönnte;
Salbei, selbe, sahiai Vier «lochen in mist gelegt, Wächst daraus
ein Togel, der hat ein^n vedel, gleich einer schlänge^ und sieht aus
wie eine drossel. diesen vogel soll man brennen su asche und pul?er.
dieses pttlver thue man in eine ampel, mache darin den wiechen von
einer seh langenhaut, und wenn daA lieht brennt, bedankt alle leute,
das haus laufe voll schlangen.
Hartheu , Johannes kr€iut , hartJtawi, *) wie die zahme raute alles
gift, so vertreibt die wilde raute Oder barthaw alles gespenst. die al-
ten weiber sagen i 'dost, barthaw und weifse heid tliut dem teufel vil
leid;' viele leute tragen sie bei sich gegen gespenst und ungewitter.
Modelgeer,*') die alten weiber Sagen: *'modelgeer Ist aller Wurzel
^in eer,' er wird zu liebeszanber gebraoclkt. im Westerrich, sobald
ein sausterben eintritt, hacken sie die Wurzel den sChweiuen iii das äft,
mit etlichen gebetlein ^ soll die Schweine behüten, dafs der scbelin
nicht miter sie komme;
Knabenkraut , trocknet sehr langem. Auf Johannis hängen sie im
'Westerwaid nnd Westerreich das kraut in die kammeni, stecken es ia
die wände über die thür^ da bleibt es grün und schlägt aus, bis ge-
gen Weihnachten, verhoffen, so lange es grüne, könne wer es aufge-
hängt in keine tödliche krankheit fallen, etliche weiber halteii und
lehren, so ein knäblein gehrochen wäre, dem kind soll man einen ^ock
dieses kraots^ zwischen die beine, im garten setzen: sobald das kruut
anfuhe zu hekUiben, werde der brach des kindes heilen,
Donnerwurz, donnerbar ^ diirwurz (bei üeniscli 729, 16 dirrwürz) '•*),
tiauswurz, dem hans^ auf welchem das kraut wächst, thut das wetter
♦) also nicht harthuh wie s. 6T8j doch Frisch hat I, 448 hartheu
unter hypericom aber harthun,
**) auch Pictorius roodelgeer, senecio. gewis für madelger. Ma-
delgir im Morolt 40. 41 söhn einer meermiiiue.
•••) ist dürTwärz entstellt ans dornwurz, donrwnrz?
i
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cLxii krautbrabbrolaubb
ketnen schaden, donner und MUb fdilageii nicht htn^. «nf
I. fr. himmelfahrt sammeln die weiber dieses kravt in ihre wfirawische
(Fischart Garg. 147b) ond fteihen sie; gespenster, donoer und ba-
gel können an dem ort nicht schaden, wo dies krant ist
Brdwurz, erdapfel^ tcfiweinbrot. wenn schwangere darüber schrei-
ten Ivringen sie das kind nicht an die statt (snr weit) kreUseaden
angehängt erleichtert die wnrs das gebahren.
fyiderthon^ widertod. damit wird viel abentener getrieben, das lassen
wir als narrenwerk und teufeis gespenst fahren, beifst auch jun^raa-
har^ harnkraut ^ und ist schon gold&rb« es haben die alten wdbef
viel fantasei mit kfäutem und sprechen, das rodie steinbrecblin mit
den linsenblättlein heifse abthon i das nacket jnngfiranhar heidM H'ider^
thorij und mit beiden können sie^ nach ihrem gefoUen * abthon* ond
*widerthon.'0
Braunwurxi die weiber binden sie dem vieh an, inaden und war-
mer sn vertreiben; haben seltsamen aberglanben damit
tVolfsbeerst Sternkraut, mit der Unken hand abgebrochen heilt und
mindert gesell wulst. auch consiligo (Cotumella 6, 5) graben die hirten
vor Sonnenaufgang mit der linken y dann ist es heilkraftiger*
Farnkraut ist auf dem feld schwer nn tilgen, auber man ackere
und reilse es um auf den tag Johannis enthanptung , dann vergeht der
farn. er soll weder blumen noch samen tragen; wer famsameo holen
will mufs keck sein und den teufel zwingen können, man geht ihm
auf Johannisnacht nach , vor tages anbruch , zündet ein fener an und
legt tücher oder breite blätter unter das ÜEurmkraut» dann kann man
seinen samen auflieben.
Siebengezeit t ein garteiiklee, der siebenmal taglich seinen genich
hat und siebenmal verliert ausgerupft und aufgehängt behält er ihn
immer], und durchdringt das ganze haus, die Ihiuen hängen ihn aber
tisch und bett gegen gespenst und gift
Mergendre/ien (MarienÜiräne), steudelwurz. es hat fleckige, schwan
getupfte blätter, gleich als ob es darauf geregnet hätte.
Eberwurz* wird In den trog genagelt, dafs die schweine darüber
fressen, wer sie bei sich trägt, mit einem andern über feld gehend,
böfst seine kraft ein.
Mistel, die eichenmistel, heselinmistel und bimbäuminmtstel darf d»
erde nicht berühren, einige lassen sie in silber fassen ond hängen
sie jungen kindem an den hals.
Sevenbaum, wird von den pfaffen auf palmtag geweiht, man achtet
auf die ersten schöfslinge, die nach dem kreuz geworfen werdan. sie
schützen gegen sanber und gespenst
*) mannheit nehmen und geben? nach Frisch 3, 446 lunnria, thon
saintifera.
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REGISTER.
aaskereia 531* 603
abcut 73
abegetroc 261
Abel 630
abgott 11
Abnoba 177
abtbon clxii
Abiindantia 177
Abandia 117. 522
adderetones 702
Aegidura 147
Aelle III
elmesmen 710
Aeoliu 361
Aesares 17
Aeacvine iii
Aeflir 472
Aethelbeorht 11 1
tetla 502
atfenberg 393
Agazio 147
Agemood 291
ajeerald 633
Agni 340
agFömauijojt 249
ahurdmazdÄo 549
klhr 25
ainis 135
aitwaras 262
Äiv 457
ÜMQU»^ 114. 116
alahttat 40
alb 248
atbaael 658. 709
Alberich 256
albleictt 264
albschofg 122.127.259
Albtbonar 127
albzopf 262
aldarlaga 500
aldarrof 470
ä\(sh\6i 252
alfranke 608
aliiait xLVi
allit» 39
AHorlina 227
allbrunsts Sl
allermannsbarnisch 632
Aloe III
alpruthe 126
Alptarliamr 240
alniUD 228.292.583.695
Alsvidhr 376
alter wibe troiim 607
alte «lauge 559
altflaot 553
altissimus l5
alvitr 239
alx 39. 204
ana gdn 433
Anar 424
Andldngr 466
Andseeg iit
aneganc 649
Angeltbeov iii
Augen Vit iii
anima 477
Annarr xxit
Ans, Anses 17- xxt
Ante« 301
antheiz 24
an«chri8tll8.468.539
antiqniM angnia 559
antiquas exercitus 527
antiquus boatis 553
Apollo 78. 111. 470.564
aptragÄnga 512
aquilo 362- 560
aranscarti 268
arima 705
Arminias 21 1> 212
Artns 528. 540
Arvakr 376
Ä» 17
asans 435
Asbiorn 305. 385
Asbrü 421
Askr 207
Asmegin 128
Aspri^u 305
Athene 164. 309
Atropoa 233
atzman 618
Aucholf 438
aiihns 359
Anrinia 227
Aurora 181. 349. 400
Aostri 181
avara 72
Avar 183. 185
Avama 700
Aventinre 709
Azdingi (XXII)
Baalsebub 559
Bac<!bn8 160
Badahenna 42
Bäldäg 141. rrr
Baldr85. 104.110.141
463. 692
Baldrsbrd A2
barguest 292
barlebaen 562
barri 41
Barthe! 294
batdnie 632
bearo 41
Beav XI r
Bechtli 172
Bedeca iii
fiedvig XU
Befaua 174
beb 464
Bebte 172
beifufs CLX
Beider 142
belewitten 266. 672
b€o 20
Bensozia 175
Benz 562
Benzorla 175
Beouoc III
BeoFulf XTii. 707
Berecyntliia 694
bergbüi 306
bergdAn 306
1*
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CLXIV
bergriti 306
bergtagen 263. 548
Berhanpten 380
BerbU 169- 139. 291.
522. 532
BerhtoU 522
berlach 695
Berthe au grandpi^ 173
bescbaffen 503
befenreiteria 604
Besla 304
bethphania 328
betonica 632
bettiriso 670
hevföd 435
bjaraan 6l8
bibax 700
bidjaD 19
Biet 219
Bjelbog 549
Bifröst 421. 471
biglove 639
Bil 410
Bildaberta 170
bilde gtexen 72
billtcb 266
BilUng 219. 695
biUenschnitter 268
bilwezschqüt 268
bilwiht 266. 267
bilwiz 587
biosenBcbneider 269
Biscop III
bi«oop 59
biudan 24
BlakoUa 592
Blaaerle 260
Bläster 318
blatevfieze 255
blecken 121
Bleckezahn 496
blerr 632
Blicero 494
blinder riese 52^
blitz 121
Blocksberg 591
bl6ta 22. 23. 580
bldtmadhr 62
bidtnaat 30
bock 557
bockschnitt 269
bocksdom 349
Bölthoru 304
bcen 626
böser feind 552
böses äuge 624
böten 583
boeträ 290
Bogud 183. 187
b^n 20
bona domioa 179
bona socia 179
bonae mulieres 596
bonnes dames 178>594
Boreas 361
Bors 207
Bragi 62. 144
Braite 695
bramberend 562
Brand iii
brandae 353
brandons 357
brandskat 702
brausen 515
Bredeblick 142
brego 144
Brehte 694
Breidhablik 142
briguet 528- 707
bring 690
brinnd 670
brising 702
BrisiDga men 194
Brocken 591
Brönugras 305
Brond 142
Brosinga raen 195
brownies 251
brüarspordr 421
bmnneniiolde 166* 275
Bruno 693
Bubba III
bücke oLX
buUmann 288
bulwechs 265
burgrüne 583
Buri 204* 207
Buri^nberg 707
butte 289
butze 288. 562
butzerolle 289 HL*
Byrgir 410
bytebauw 289
Caccus 183. 185
Cain 412. 700
cambiones xlvx
Carl 525.
Carles vku 102
627
C&sere ifi.211
Castor 71.84.204.689
casulae xxxi
caucttlator 584
Ceadbed 11 1
oensus 395. 690
Cerbems 222* 471
Cerdlc in
Ceres 154. 706
Charon 490
Chattns (ICSII)
Chimke 286 .
chrtoecrAd 368
Christian 11. 530
Christus 37. 124. 647
churzibolt 254
Cisara 188.
Ciza 182
Clotlio 233
Cnebba in
cobalus 286
coifi 52. 61
cotinc 58
Creoda in
Cretta in
cupa 33
Cvichelm in
cvis 465
Cybele 154- 691
Cyneveald in
Cynric in
dadsisas 628
Daedalua 221
daemon marioos 283
daemonium 551
daumling 254
Dainn 460
danie 189
dAse 708
diuthus 488
dehse 588- 708
deis 66. 189
Dellingr 424
Demeter 154
Dep^ghoz 322. 577
Derk 139.525
demea wihti 556
Detinez 666
dens 131. 424
dem 264. 582
DboT 570
diabolus 37. 550
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CLXV
Diana 77.86.174.176.
177. 195. 425. 522.
594. 595. 706
d}ar 62
die« 424
diesse 167- 708
Dieterich t. Bern 524.
540
Dieterich Bemhart 524.
706
Dieterle 411
ding 248
Diomedes 383
Diosearen 85
Dirp 539
dl» 65. 189. 226
dobro pan 93
dobra srichia 510
dodoia 335
docll CXLIX
docic&lfr 249. 696
doli 143
ddlgr 513
domioa 695
dominae noctnmae 594
Don 695
Donar T7rll2.449.568.
693.
donna 189
Doonerbart 125
Donnerbesen 125
Donnerbühei 693
Donnerdistel 126
Donnergaeg 125
Donnerkaute 693
Donnerkraut 126
Donnersberg 115
Donnersmark 127
Donnersreut 127
Donnerstein 122
Donnerswee 126
Donner#lirz olyi
Donnerziege 126
donnola 655
dorant 632
doste 632
Dovrefield 592
draca 542
Drachenfels 542
draugr 512
dreikraut 633
dremil 149
Drifa 361
dr6s 561
drdst 299
drnnjus 693
dröt 586
dmtenfufs 242
drf 583
drybten 15
dfimken 704
dnende 284
duesse 233
dSrst 517
d&rwnrz clxi
duming 419, 704
dumme dutteo 315
dasins 272
Dvalinn 460
dvergm&l 255
dvergr 249
dvergslagen 259
dvergsnät 265
dwetem 706
dyngu» 332. (XV)
dyrka 20
Dziewanna 706
Ealdfrith iii
Eanferth xit
eargeblond (XXV)
E&itre 18Q
Eatta III
eburdrung 417. 534
Eckart 523. 524
Ecke 323
Eckesahs 146
egcsgrima 146
Eggihelm 146f
Egidora 147
Eikthymir 474
einherjar 474
EinricH xxi
eisenkraut 355
Eishere 324
ßkerken 287
Eiberich 599
e1bendrots<ä 259t 52^
elbengrab 606
cldborg 358
^Ifarrow 259
elflicht 514
ellekönig 527
ellhorn 374
Elia» 117. 46ß
Elsabe 244
fllsentroje 243
elysium 476
eneas 35^
«Dgel 236
Enoch 468
ent 301
entsehen 260
Enzaman 301
enz 301
eoforlic 139
Eomaer 11 1
Eoppa III
Eor 13|
Eoric fir
eormencyn 83
eormenjgrund 83
Eormenric m
Eorpveald m
Eo» 432
eo»ago 59
Eostra 180
eoten 296
Eovdhen HQ. 470
epiphania 173
Er 134. 210
erce 154
erchan 40
Erche 154
erctag 133
Ercules 470
Erda 156. 368
erdmännchcA 256'
erdschnitt 620
erebus 463
Eresburg 134
IBrestac 134
Erik 217
Eriksgata 216
erltac 87
prmanaricu» 83
ermensül 81. 82
Srmingestrete 212
^rmino 206
ertag 133
^« 17
Esa iit
^»la III
etaq 296
ettin 296
Pugel 698
evileyed 709
««ra 58
dwart 59
Pyliaa 698
facere 580« 690
fackel macheii 6I7
Fafnir 388
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CLXVi
foirguni 116* 370
fairbvos 457
fallende sucht 673
Fama 703
fanum 51 - 55. 691
faotasma 273
Farbanti 305
farende wif 617
farnkraut 674- clxii
fasciuare 625.
Faaolt 147.302.323.363
freu Falte 453- 523
fata 233
fatales deae 695
fatuae 696* ^n.vi
faunns 54. 272. 330
rooos fianui 698
fauraUni 639
Favor 50
Faxi 376
fee 233
feig 500. 503
feldspinnerin 624
Felicia 540
feminae agrestes 696
Fenja 305
Fenrir 150. 385. 471
ferab 477
fern 463
fettiidag 662
feuermann 513
finiit 553
fich 674
Flfeldor 197
filethi 690
Finn xn. 21^318.575
fiotkunnigr 582
Fiölnic 206
Fiorgyn 117. 156
firgen 116
firnoman 570
Grstfoot 708
Fitela 220
flamen 62
llatlie 513
Flederwisch 599
flehen 19
flugegerta 545
flugsommer 454
Fönn 361
Folcvalda 218
folde 154. 156
Folkv&ngr 194
Tollet 289
follis 289
f4>rna 25
Fornax 156 359
Forneotes folme 147.
305
forneskja 580
Forniotr 147. 304
Forseti 142. 144
forst 40
Fortuna 503- 506.
Fosite 79. 144. 378.
(VU)
Fosta 145
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frebo 135
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frau 136
freuenflacbs 632
frduja 15, 135. (VID)
fr&uJ6 189
freÄ 15. 135
FreÄ 91. 96. 191
Fre&vine 137. 138
Fre&lftf X(i
Frejerok 192
freibart 642
Freio 137
freisc 673
fru Freke 193
Freki 202. 385
freudenfeuer 360
Freyfaxi 376- 377
Freyja 37.189.235.317
Freyjuhär 192
Freyr 65. 80. 97. 109.
110. 112. 135. 14a
153. 377. 470. 523.
564. 691
Freysgodi 139
Freysgydlingr 139
Freysvinr 377
Frfatac 191. 192
Friccp79.109.138.191
Fricka 532
Fridhogdr 11 r
Fridhuvald xii
Fridhuvnlf xii
Fridricb herzog 538
Fridricb rothbart 537
Frigetac 191
Frigg 97. 117. 167.
189-191
Frlggerok 192
Friggjargra» 192
FrlggJaiTockri67.417
Frikka 191
frimnrc 562
friscing 31
frtthof 56
frd 15. 135
Frö 135. 532. 549
frodgumo 59
Fröa 190
Fröblot 139
frörer 671
froho 17
Froia 137
Frouira 189. 532
Frdwin 138
Frdwo 135
Froyenborg 190
Fmote (XXU)
füll 691
ftillafiibjan 24
furia 586
ftirrae hostiae 32
Fygomby 703
fylgja 508. 509
gabelreiteriD 604
gäuoie 667
gahains 48
galan 582
galdor 582
galgenmännlein 292
galingagotb 691
gallicena 239
GaUus 387
gambanteum 547
gambansnoibi 547
gammel Erich 553
gammel Sjor 708
Ganna 64
Gannasciu 64
Gapt xz?
Gargaotua 313.322.707
GargooiUe 707
garmiuari 583
Garmr 471
gÄrsecg (XXV)
gauchsberg 392
fru G«ue 153. 69%
gankler 584
Gatttat/ r 132
Gauti 219
Gkutdi 21a 219
Gautr XXIV. (XVll)
GauU 219
gayanb 658
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CLXYII
Ge&t 111. 219. X"
gebhan 198
«efjoD 198
gegilite 671
geheona 462
gcier 558
GeiUt 427
geist 246-260
geld 24
geUtar 24
gemecht 623
geniciales 594
geniacus xxx
geola (XXI)
Georg 707
Georgeöhemd 624
G4rdriU 37. 691« 694.
705. XLviii
gdrßant 553
Geri 202. 385
geacIiTudel 513
Gesecg iti
geapeoat 512
geipüo 706
getroc 261
getwÄs 261. 513
ge?atter 497
Ge?U iix
GeviBM 210
ghemoet 651
gtfr 302. 531
gigant 301. 700
gildan 24
GiltiDe 685
Gimlir 464* 474
Giöll 463
girregar 514
giscapa 500
gUctD 512
gitroc 512
Gladflheinir 474
Glasislundr 47
glat 428
Glisborq 526
gluckshaube 508
gluckfikind 508
gmoarat 400
gnade 427
gDideld 344
Guj paliellir 471
gobelin 286
goddreng 285
Godeusberg 103
godfar 113
godgubb^ 113
Godhormi 109« 220
godi 58
Godvulf zu
Göll 236
göra 580
görninga yedr 367
götee 11
gogubbea 701
Gdi 154
GoldemÄip 256. 292
gonsdag 88
Gormr 220
gothe 65
Gotonea 10
Gott 10
gott und mir 12
gottea hafs 14
gottes schlag 673
gottcb 393
gramir 555
gramo 554
Gnunpua 294
Grani 501* 530
graonilly 707
Graohans 598
Graumannchen 575
Granmann 556
Grecavar 183
Grendel 148- 560.
Grendels mddor 565
Gridhr 302
grtmbelm 261
grimme 673
Grimming 116
Grimnir 364 .
Grtmr oegir 570
grintil 149
Gripir 220. 225
Grönjette 529
Gröohans 598
Grunewald 599
Grünlaub 599
grummel 121
grund 465
Gndenaberg 525
gudja 58
Güdh 237
gudbüs 39
gude holten 165
GuUfaxi 376
GuUinbnrsti 139
Gulltoppr 378
Gundia 237
gvndeniiann 632
Gunnr 237
Güngnir 102
Guodan 94, 96
guoter 265
guotiu wihtir 596
guotman 59
Guroryace 531
gurri 531
Gustr 260
gute holden 257. 606.
672
gutgesell 285
gutheinricli 682
gutto 973
Gwodan 85
Gwydion 695
gydhja 65
iflüT 301. 320
Gymir 304
Habino 183. 185
Habonde 178
baccha 586
Hackelbärend 517
Hackelberg 517
Hackelblock 517
Hadding 140
Hades 197. 462
hagtesse 586
Häkkenfeld 561
Hämmerlein 288
härdpiändle 254
haffrü 275
Hagauo 220
hagel 568
hagla 586
hai 48
frennd Hain 495
Hakolberand 519
hl^lftröll 306
Halja 195. 461« 486
halla 56
HaUa^588
hallfeAer 357
Hamar 124
Hamer 569
Hamglöm 364 636
hamlngja 508
hammer 122. 560
hanenstein 631
Hans Jagenteofel 521
Här 110. 693
harthau clxi
Hartoit 205
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CLXVIII
I]artiNici40.205.(XXII)
hanic 40
lianigari 58
HatliuB j 43. 694
Hatlira xii
Hati 15a 401
hAzua 586
Headho 143
Hearding 205
hearff 40
hebenwang 475
liebhan 398
Heidhr 65. 636
Heidhrün 474
heidmann 688
bei! 504
heilallerscbadeo 682
beilallerwelt 682 ^
heilacpruDDo 33Q
heilawAc 327
helligbär 385
beiligbruoDe 70^
heiligfont 46
Helling 256
heilwdge 327
Heimdallarratn 143
Heimdallr 143.399.429
HeinidiilUboug 143
Heimo 222
HeiQchen 259
Heins 496. 699
fieitd 670
Hekelreld 561
Hekkelfjeld 592
iiekia 101
Hei 195. 281. 46^
hehlen 253
heUiest 490
Helios 426
Heliam 482
beikappe 260- 698
Hell 490
Hella 196
liellawizi 196.462.464
belleboc 660
iiellegrübei 56Q
bellebirte 6ßq
lieliebunt 558
heliejag^r 664
bellemOc 556
Helieqain 527
(lellerlgel 560
Itellerüde 558
iielletracke 55^
hellewarte 568
hellewinna 570
hellewirt 556
hellewolf 557
helkwnrm 559
bellirüna 628
hellacado 653
helothelm 261
helreidb 463
belscherge 560
helskö 483
helvete 196. 465
Helvoet 482
Helvoetslnis 197
HemmerliB 124.598
Hengest iir. 201
Hennil 700
HepbäfltOB 3^J
heriMiria 631
berbist 435
hercle 689
Hercole» 27.42.71.78.
110. 202
Hercules Saxanns 203.
696
bercynia sllva 40
herda I5€f
Here 392. 432
Heremdd iit. 143. xii
Herfiötr 236
Pcijan 235. 474
Herimuot 143
h^riro 15
Herkja i54
Herm 211
Hermes ?10.487. 607.
692
Hemino 208)
llermödbr 85. 141. 143.
463
Hermandf^ 216
Herne 528
Herodias 174. 52?.694.
(XXll)
berr (VIII)
flertha 694
Herthas 140
flerrör 239
jierzgMpan 674
}ieue (XXU)
Hesus 383
hetlunnussia Q2
Heuberg 592 '
heulemäonclien 264
be«M 300
bexe 686
bexenkönigia $04
bexenscblioge SO^
hialmney 235
hiatrA 639
Plld 236. 237
Hildegrfra 146
biipeitM^nitter 269
Hittia 237
himelwageu 102
himii 398
himilzeicban 399-703
Blminbiörg 399
himiiitABgl 399
himmelring 422
Hinimelsbefg 399
(limmeltatl 113
Hinse 286
liinselmanD 286
Hirqüii 209
Hiuki 410
Biuni? 303
HIadbgudhr 238
bladoi^ 93
blaut 32
Hleithra 29
biep 41
Hl«r 146. 361.364
Hlidhskiair 97
liliosari 584
Hlddbyn 156
Plöck 236. 237
H16rridhi xxf.li3.in
Hindana 156. 694
bnigau 20
Hnikarr 276
finikndbr 276
HOdekfo 261
Hödbr 143
HolgabrAdbr 361
böllriegel 148. 149
Hoenir HO
Höigabrddhr 364
hörgr 40
Höttr 101. 576
bolantar 374
äolda 139. 164. 193*
522. 532. 654. 591.
xxxvcr
boldicbeo 257. 672
boldo 164
lioledstone 703
Holger 541
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(CLXIX
fniaHolU 165.586.616
Hoilefahren 166
Hollenzopf 262
liolinnderinatter 375
lioltathdrr 12 t
Holxmeier 496
bolxinuoia 243
holzrAna 243
liolzweiblein 520
hornblAse 708
Horeelberg 524« 592.
594
Hothenii 143
honbitsubt 674
Hnesvelgr 361« 363
braanbüi 306
Hr^dhe 180. 181
Hrimfoxi 368. 376
Hrtranir 305
hrtmtburs 305
Hrippa iix
Hrist 296
hriupf 674
tiromolao 115
hrossa^akr 126
hrossas^tr 28
Hro6flhAngrani 501
hrosshöfud 379
Hrdthmaiid iii
HrAngnir 302. 31^
liune 299
^utclien 290
Hpgiiio 108. 387
Hoiberg 592
ilulda 168
huldmoder 694
Hnldr 168
Paldra 168. 531
lioldre folk 168
holdreslat 264
hulidshialiiif 261
HAn 300
liundviis 304
hnngerbnume 701
hAngr 195
lvm\ 25. 690
liuosto 674
^üiel 25
bürfrcyja 190
hAsiog 284
busd 543
h?«Ua 457
Hvergelnir 460* 463
Hfmir 304
Hyndia 66
Jacobstab 418
jÄ^egryter 321
lafnhAr HO. 693
larnbaiw 303« 306
larosaxa 306
iarnvidjur 274
jarritt 671
Icel III
Ida III
Iddlo 689
}dha?dllr 476
idimäl 476
iertag 133
Jettha 64* 297
jTettenberg 297
jialeis (XXI)
Ilija 118
Ilseidungfrau 541
Incubus 272
indras 423
log 205
)ngibiörg 364
Ingvi III. 206
Ingriparfreyr 138
ioiag^ 24
intbeixaa 690
!n?eitaQ 19- 689
jode TOD Upiula 530
Jökoll 361
lordh 424
iötoll 297
lötimn 296
iötoDDiMbr 304
Johannes bapt, 175
Johannes evang. 37
Jobannesabend 330
Johannesfeuer 351. 702
Jobannesgürtel 351
Johannesbanpt 360
Johannesminne 37r358
Jobannesübei 673
jol (lÜO)
joubarbe 125
Jovis mons 114
Iring 215
Iris 423
irlicht 513
Innan 208
irmansAI 81* 209
Irmenfrid 214
Irmin 83. 208
irminsül 45
Irovrit 215
Irpa 66. 80, 364. 6it
irreganc 514
Irüngr 216
irwisch 513
isaroodori 51
Iscaevones 207
Isco 207
Js'w 71. 84. 157. 207
Itennon xii
• Itrman 205
jüdel 272. 697
^angling 599
jnleber 692
Jamala 120
Jancia 354
fTnnp 194. 425. 540
^npin (XllI)
^npiter 44. 74. 77. 85.
86. 113. 129. 564
Jupiter 9iger 556
Jupiter plfivias 11 6* 1^9
jntribog 432
jutro 349
|(aiser 211
Kali (XVI)
Mlstar 582
Kära 238.240
%M 351t 364
karawan 580
KarlequintfBS 52$
Karlwagen 416
fCarlsweg 103
karrdsche 74
katerman 285
katsebutzerpUe 689
kelstar 395
ntffawiq Hg
kerbet 632
Keto 138
kifldsida 584
kirkegrim 278
kispanst 5l2
klagiglUinie 66Q
fClaubauf 294
klintekönig 527
klopfer 288;
kidsigi 362
kincke 419
knechtfink 704
kobolt 284. 619
Köterberg 592
komdrache 572
komwif 269
KostmOdhr 303
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CLXX
kotsteiHeiid 11
kuubout 285
krach 121
kramberend 562
krampf 673
Kronot 4^
Kueni 562
kuflAliuttr 261
kuga 687
kokavitza 394
kukuk 568. 468
kakaksberg 392
kuma 687
kopaloitza 358
Kuperdn 323
ÄWV*«9 (VIU)
Uc 24
lAchenaerione 584
Lachesig 233
Laiia 93. 689. (XV)
lapscb 660
lagastafr (XXV)
lAbhi 668
Laima 234
lamia 586. 694. 700
landAs 128
Langbein 324
langfufs (XIX)
lar 284
larva 285. 511
Latona 128» 157
latro 558.
läuhmuui 121
Llkuiin 256
l^da wihti 554
L^dera 29
LehereiiiHis (XXV)
l^keit 668
Lei 464
lemures 511
leodflceadha 553
leto 436. 445
levatitiut 365
Liber 194
Libera 194. 195
Libys 60
Ljerädhr 474
ligatarae 629
Uomi 121
tiosälfr 250
litare 33. 690
liuflingar 257
Liumet 703
lodegeer 7ü4
Lodhr 110
Loding cxLix
Logi 148, 361
LokadauQ 148
Lokes havre 148
Loki 110. 148- 385.
471. 549.
lom 658
lopende varen 672
lotterbolz 642
Lticifer 550
ludergheer 412
lüpptBiinne 584
Luna 71. 84. 340. 400
lüta 20. 21
lotin 289
frau Lntz 695
Macabre 495
m&dclieDsomoMr 454
msere 703
Magni xxr. 128
Mai 437
majalis sacrivua 31
maigraf 449
mainjat 247
malleus 122. 559
malfeu 341
Dialfez 552
her Mdn 400
Mclnagarnir 150. 401
iDanare 426
manas^tlis 457
maues 511
mania 700
manleika 72
manaffita 711
MaDBUs xxTrir. 204
inaD6d 403
Mansberg 521
MarcelluB 707
Marcolfus 530
Mardoll 143
Marg^gr 278
Maria 37. 118.124.194.
694. (XX)
Marlärok 167.192.417
Mariengraa 192
Marieiiliand 141
Marieothräne olxii
marmennil 241
Mars 27. 71. 74. 78-
84.85.95.131.159.
160.2ia661.o88.700
Marsberg 134
joDker Märten 521
Martinsvogel 657. 710
BiarzaBa 446
maaea 586
mater Idaea 155
mausscblägeriD 618
meidbr 705
meioTettr 248
m^t 457
mella 302
Memerolt 221
Menja 305
menni 244
Menpor 205
m^Dscado 553
Mercurtns 27. 71- 74-
78. 84. 85. 86. 95.
201. 236. 261. 487.
547. 664. 688> 692.
XXX tl
merigarto 458
meriniinni 244
Mermeut 363« 364
merwfp 241
metOd 15
metteo 231
Michael 469. 484* 498.
705, 707. XLviti
midjasTeipains 472
midjuttgards 458
milclidiebin 605
milchdrache 572
Mimameidbr 47. 222
Mfmigardiford 221
Mlmir 221. 225
Mimisbmnor 101. 460
JtfimriDgus 221
Minerra 695. xxx
miona 36. 705
yninDl 244
«üinnisfiiil 36
Miöll 361
Miölnir 123
miötiidhr 15
Mist 236. 696
mistel 632. clxii
mittingart 45S
modelgeer ci^c
Mddgudbr 422
Mddbi 128. zxi
/lotga 240
moIkentoFersche 605
roondkalb 673
monjoie 115
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CIiXlI
moni gaudii 114
mons Jovifl 114
montaniu daemon 283
morowa dziewica 685
Morgaoa 233
moosleate 520
Machsel 562
müdb 465
müemeleiD 396. 655
mubme 276
mummei 513
mummelmaoo 288
mummelsee 276
Mimdilfori 400
miiodas 458
Haoiiin 108. 387
mootesheer 521
mariceps 657
mAstere 650- 657
muspell 466
mospilli 466. 540
mnUpelli 466
muuer 689
myrkridha 593
nachbar 285
nachtfrau 594
nacbtgrif 675
nacbtjäger 525
nacbtmabr 622
nachttoggeli 612
näk 276
nackebrod 276
näcköra 276
näkblad 276
oäkkeskäg 276
nakki 699
Nagifar 471
I^aglfari 424
nabtfarä 595
Nanna 198- 277
Nasag&ll 592
na^eutia 50t
naodbr 232
Nebel 462
Nebelheim 462
oebelkappe 260
nebel6cbif 367
Neckar 276
Nehalenuia 157
neihhan 690
neniae 628
nennir 276. 277
ueorxnaTong 475 • -
Neptiums 77. 159. 160
Neri 231
Nerthu» 140.152.193.
206. (IX)
nesso 675
Niardbarvöttr 141
Nibelanc xxv
Niciaas 287
nicor 275
niderrla 552
ntdhdraca 542
Nidhöggr 460
Niflheimr 46I. 464
Niflhel 463
Nikarr 276
nikr 276
DikhiM 275
Nikuz 276
nimidas 372
Niordbr 140. 691
Nissen 287
nix 275
nobisgat 561
nobisliaus 561
nobiskrug 561
nobisse 561
nocca 276
nök 276
Nörvi 424
norn 228
notfiur 341
Ndtt 424
Notas 361
nursrowtree 678
n^ ok nidb 404. 405
nymphae 234« 330
Oberon 256
obor 302. 700
obligatores 630
obrzym 302
obstrigilli 625
oceanas 146
Octa III
ddashto 476
Oden 5l6. 701
Odenberg 525. 536
Odenfors 107- 108
Odensaker 107*
Odensberg 103
Odensala 108
Odenskulla 107
Odensvi 107
Odhinn 37. 38. 62. 98.
101. 110. 132. 202.
235. 261. 424. 470.
487. 501. 502. 568-
579. 691. 692
Odhinsey 107
OdiiinshaDi 108
Odliinssalr |07
Odbinsve 107
Odhr 193
Odinsfliüor 693
Oegir 146. 197. 304.
336
Oegisheimr 458
Oegishialmr 146
ökutliOrr 112
Ölgötze 11
ölp 249
ölrün 227. 239
öndvegissülur 664
örgelmir 305
örlög 232
örmust 637
Oesc in
önandil 305. 415
ofen 359
Offa in
Ofnir 543
Ogautan 367
Okkopeernis 364
Olaf 305. 317—319
old Davy 553
old Nick 553
Olda 167
olde beer 527
omiya 334
omo 674
onsecgan 24
Onsike 108. 112
Onslnnda 107
opold 285
Ops mater 154
Orcus 196, 274. 463
Oriel Lxiii
Orion 417. 533
orlajfi 500
orla^uila 500
68 17
oscillum 49
Oseiberg 542
Oska synir 474
Oski 99. 235
Oskmey 235
Oskdpuir 468
Osning 82
OsUra 181. 349
osterfeaer 349
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CLXXU
Othiofblr&t im
Otliänshyllä 107
Otbänslef 107
Othäiifäle lor
Othengtrö 107
Otliin 79. 92. 95. 202
paascbvDur 702
Pales 356
paradUi 475
parca 233. xxxviii
Paijanyai 116
paro 41
par loa laabe 431
parstnk 252. 2$4
paniwari 58
palhe 427
navauiol 252
Pedanca 173. 241
peklo 465
Pelwit 696
Penda iii
peninoi daas II4
Pcrahta 169
Perchtel 171
peri 192
Perknnas 116
perleich 1B4. 186
Pepun 93.116.381.564
perunika 126
pesaniolo 262
petatiüs 56
meister Peter 562
Petra« 188. (XIX)
pfeifea 428. 431
pferdebaupt 29
phantaama 282
Pbaraildifl 175
Phoebns 86
pbylacteria 630
phytonissa 64
PickaU 465
Picos 388
Pickne 119
pledgri« 385
pigangaq 24
piladi 72
pilbU 266
piJeatos 60
pilweifs 268
pilwiz 265
pilotus 270. 27?
pipusr 319. 320
niaau 464
Pitkäiiien 120
plagegeist 291
pluostrari 58
ploozaa 22
Piaton 549
poica 285
poindre 430
Polel 454
Pollux 71. 84. 204
Poltergeist 288
Polypbem 322. 577
popanz 288
popel 286
Porgiiini 18. 116
Poseidon 473. 549
Posterli 523
prelnscbenbe 270
prijatel 192
Proserpiua 195. 196
pschlpolnitza 698
nTaQß*6g 647
pnceles sen^es 242
pack 285
pampe 256
nvg^f^Qovvu 335
qaalgeist 291
quecpraono 330
Qaeldgis nr
qveldridha 593
qaercli 251
rabe 558
^Adgrldh 237
Radigast 381
radar 399
Rsedveald iii
ragin 17
Ragirist oxLViii
ragnarokr 471
rabanen 197
rai 475
rakad 56
rftkschasas 322
Rammelsberg 526
Wn 197.281.336.486.
695
Randgrtdh 237
Hatatöskr 460
raudbskeggjadhr 120
raobe Eis 243
raubes weib 243
Raascb 294. 599.
Redimonet 180
reganogiscapu 500
reganpogo 422
fegenbluffle 633
regln 17
Regialelf 237
Reidbart^r 132
reir6 473
ReisaroTa 531
Rerir xxui
Reto 705
Reoker Uder 451
reynir 633
Rbeda 180
Rhein 546
ribe 640
riebe 430
riesen 253
Riksgata 217
riso 301
rito 670
Robin 287
Robingoodfellow 700
Robiohood 700
Rodensteiner 527
rodor 399
rökstdir 98
roggenmohme 270
Roland 528
Rolaodseale 692
Romowe 48
rdr 613
rösche bise 233
Rosbaapten 380
Rosoier 321
Rothenthaler 527
rouotree 702
rüda 674
Rudy 700
Ratie 324
nifkraot 632
Rogevit 223
rabr 673
Ralla 614
rampenstilt 288. 318
rüna 583
Hinge 302
knecbt Rnpreefat 287*
294. 302
ratto 686
rawwe 280
llylla oxLvii
aacerd 59
Saebeorbt iii
Saefiigel tri
Sfehrimnir 202
SsBlde 505
sgellock« 696
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GLUm
Saeliiiidr 47
Semingr 219
Mga 585
SahiD6t 203. 207
siuvala 477.
Salathiel lx
S&lida 504
falo 48
salz 588
MribaDt 396
(sapaude 233
fatanaa 551
Satia 177
Sateradag 88
Saturn 74.86-88.388
Satanii dolimn 567
•atynw 272. 330
saudbr 31
sadhU 670
»knihB 25. 690
Saxne&t m
SaxDdt 109. 110
acado 563
icadobelm 434
Sceüf 218. XI t
sceldbyrig 475
acelmo 684
Sceldva 218. xii
scepbenta 231
scbäuercbea 673
tchaffea 501
acbaikaberg 393
Scbarmak 3i3
scbepfer 233
schephio 15
•chensal 274
Scbilbanc xxiv
acbmagostern 332
Scbmutzli 294
achlafapfel 632
achrattlin 270
achranel 271
achrawaz 271
bcUtH 271
scbmnpe 256* 697
schür 122
schasel 166
scbwanflugel 241
schwanring 241. 623
schwarxe götti» 195
Scild 218
sctnleih 512
scippend 15
scocca 561 ^
scrat 27D
scritta 271
scresa 271
Sculd 696
scAmen 667
scArboga 422
se&dh 465
Seaxneüt 203
sedalkanc 426
scgcn 626
seidbberendr 636
seidhiallr 638
aeidkona 636
seidhr 583
aeigneor 189
Seith 692
aelkensteert 262
sellentost 262
seydbr 583
seroidei 201
senkelknQpfen 629
aespilon 628
seTeobauni 01.X11
sgalto 62
Shellycoat 292
shrewash 677
Sibilja 384
Sibylla 198* 241. 540
Stdhhöttr 101
siebengezeit clxii
Siegfried 537. 540. 707
sieghemd 624
siegstein 630
Sif 198
Sigefugel iix
Sigeglr lEi
SigegeM III
Sigeminne 243* 245
Sigemnnd 220
Sigendt 323
sigidrofattn IB
sigora dryhten 18
Sigrüii 238
Sigtjr 96. 132
s}bora 18- 96
8il?aticae xxxviil
SimnI 410
simalacnOn 52. 72
sinfluot 472
Singrün clxc
sinistus 58
Sinneis 256
sjöra 281
Sidand 29
Si|>pia 19S
sira, sire 18
Sirona 157
aisesang ^8
Siva 198
SixtUS XLTIIt
Skadhi 14a 304
skaf 705
Skalle 318
skapa 231
skass 302
skatts 543
Skeggöld 236
Skeifir 219
skialdmey 235
SkilOngr 2l9
skin 249. 400
Skinfaxi 376
Skiöldr 109. 218
Skögull 236
Skull 150. 401
skogsnerte 698
akogsnufva 698
sköhsl 274. 561
»krzot 271
Skr^mir 312
Skuld 229. 237. 636
skurdgodh 79
slaTa 691
SIedda iir
Sleipnir 104. 222- 376
sDiertnitza 688
smignrst (XV)
smrt 445. 488
smyl 563
SnelUert 527
sdedronen 699
Sol 71. 84. 340« 400
sölarfdl 426
aolvarg 401
Sompar 42
sdnargöltr 31
fraa Sonne 400
sonnenkalb 673
sortilegos 584
soterai 287
spÄdf« 226. 582
splikona 63* 226* 582
splimadhr 63
spell 626
apieldings 310
spuk 512
Sretja 510
Staffeistein 592
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CLXXIV
Stnrkadbr im. 501
stelböm 415
Stempe 171. 562
stempfel $62
sterpo 684
stetigot oa4
steuble 561
stilles Volk 257
stopchen 599
stöpke 561
stöpfel 561
Stolzheinrich 682
sträggele 523. 586
strabihexe 616
straszydio 290
Streckefuis 496
Stribog 361
strioportius 587
strix 585
strömkarl 275
ituatsch 698
8a€alae.420
SDht 670
saltr 49d
Samar 436
sannen haz 14
sonnewende 350
sanwendgürtel clx
snperventae 624
Surtabrandr 467
Snrtar heUir 467
Surtalogi 467
Surtr 118. 467
sasl 465
suthaautar 690
STadhilfari 317* 376
Svffifdäg III
ST&fnir 543
SvantoTit223.381«533
8?artüirr 250
SuAp 219
Svarthöfdhi 636
SvAsudhr 436
SvAva 238
svefnthorn 632
Svegdir 206
Sveppa III
SvjatoTit 381
SYJet 458 ^
swarzez buch 583
Syr 157
Toetra XII
tagar6d 431« 432
A täi 651
talamasga 512
Tamrana 50* 157
Tanhäoser 524* 548
tanihüt 260
tarnkappe 260
taterman 699
tatrman 285* 286
teafor 581
teloni 337
tempal 39
temperte 668
tempestarii 365« 615
Terra 84. 152
Tervigant 692. (XIll)
teufel 124. 236. 317.
498.516
teofeläauge 578
teufelsbiGi 578. cltx
teufelsfinger 122. 578
teufelsflaclit 578
teufelshand 517
teufelskatze 577
teafelfklaae 578
tBufelsmotter 565
teufeispferd 577
Thanatos 487
Tharapita 48
tbegathoD 46
theihs 457
theihvd 121
tbeodsceadha 553
tbeophania 173
&toq 425
Theudenantha 198
Theuth 692
Thiassi 219. 416
tliiodscado 553
Tbiota 64
thl&ihan 20
Thdr 37. 38. 79. 80.
92. 109. 110. 149»
190* 415. 416« 424.
470. 471. 502. 701.
XXI
Tliorbiörg 66
Thord 123
Thördis 65
Thorduna 112
Thorgerdhr66.8a364*
617
thorkar 123
Thorhalm 133
Thorhat 133
Thorsbiörg 127
Thorshlla 115
Thorsklint 115
Thonlunda 693
Thonmörk 127
thrA 670
Thridhi HO. 693
&^6ra^ 392
thrüdhhamar 123
ThrAdhr 236« 238
thmtsfiU 674
Thrymr 304
Tbunar 109. 112. 129
Thanreadäg 128
Thunresfeld 693
thnrs 297
thursaskegg 305
Thusnelda 299
thuss 298
thyrs 298
tiber 25
Tidei 111
tlr 132
Tisdorf 133
Tistad 133
Tisvelde 133
Titmon xii
Ti? 131
tiuTolwinnk 570
Tius 131
Tod 442. 443
tofra 580
tofrauoro 627
tomtegubbe 285
tomtekarl 284
Tonans 114
torf 369
Torik (XV)
Torslunde 127
Tosinge 127
Tot 489 ff.
toto 498
trasgo 289
trefu^ 357
tremsemotter 269
treso 543
triegen 261
Trigel III
Triglava 223
Trip 539
Trismegist 692
troll 302. 562
trofio 125
tropf 569
trigetieyel 261
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CLXXV
trnhtin 15
Tsclieraibog 549
Tschad 701
trärmund 673
Ti'xtj 503
tveggl 2ai
tdckebold 514
türee 298
Tviblindi 204
Tvisco 204. XXIX
tunkelsteroe 419
taono 125
Tviiifjvoq 17. 299
Tarris 120
Taropid 48
Tutosel 518
tuvelis brüt 566
Tybierg 133
Tfr 131. 132. 470. 471
Tyrhialm 133
Tyrkir 205
Tysfiola 133
Tysved 133
Tyvidhr 133
uddehat 261. 697
übel äuge 624
ülfheit 674
ufarskaftfl 690
Uffa III
ulitsceadha 553
Ugarthilocas 149. 592
Ukko 119. 120
Ulf 247
ungeliiure 261
ungevüege 304
unholda vn. x%x
unholde 589. 708
unbuUhal64. 551. 553
onhulthd 164. 551
unk 396
ünterberg 538 539
unterirdische 256
üogi 198
üogo 146
Uokesahs 146
urlac 232. 500
urlinge 239
urrinnan 426
ursprinc 327
Urdharbrunnr 231. 460
ürdhr 229
Uscfreä iii
den usle 279
Utgardhaloki 149
ütisetor 637
Tädersol 4OI
Vägdäg III
val 235
valcyrie 235
Valse 220
Ysermand iit
Ysetlingastrat 213
Tättelys 514
vaettr 247
Vafthrüdhnir 304
Vaga 142
vaggs 475
vdiandinne 555
Tälant 555
Yalaskialf 474
Valfödhr 473
Valfreyja 194. 236
valgaldr 628
Valhöll 202. 473
valkyrja 235. 474.487.
509
valmey 235
valr 235
valravn 558
Yalsi XXIII
Yanadfs 226
Yandal 219
Vanir 249
Taren 672
Ydsadhr 436
▼ater 689
Ve 110. 207.
Vecta III
vedhrhattr 368
Yedhrfolnir 460
Yeleda 63. 64. 227-
562
venie 689
Venus l6a 564. t/in
Yenusberg 524. 536.
548. 594
Yennsstraa 192
verbena 354* 633
Verdhandi 229
vergiliae 419
vergifsmeinnicht 545
Verres 183
verUn 279
Yesto 145. 347. 349
Vesterfelcna iit
Vetr 436
vettar 258
Vibba III
ticcian 581
victimäriüs 62
Yidga 220
Yidhbidinn 466
Yidhdifr 636
Yidigoia 220
vidovit 706
vidskepelse 639
Vierblattklee 633
Tjeschtitza 609
Yig III
▼igbed 53
Yihtgils III
Yihtlieg III
Yilbiörg 504
vilcodlac 271
vlle 245
Yilgisl iti
Vili 207
Yilkinus 221
Yilmeidhr 636
vinceluna 401
YindÄlfr 250
Yindhialmr 368
Yindidni 436
Yindsvair 436
YIngitbdr xxr
Yfngnir xxr
Yingölf 464. 475
Tisgassar 609
vitega 63. 582
Yitta 219. III
sanctus Yitus 382
▼itrleo 455
Yöden 89. i". xri
Yddiiesbeorg 693
YölsAngar 220
Völundr 221
volva 66. 232. 636
vofa 513
Vogelnest 633
Yolland 555
Yolog 356
Yoldemarsvej 218
vorax 700
Votum 395. 690
vrag 557
vrideld 344
vriedel 192
vnduelfen 375
Yudga 220
Yulcanus 71. 84. 221.
340. 401
valtumus 362
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CLX%yi
ViiicIWj& 100* 137
Vot; 94
Vyrd 230. 23t
Wächilt 221. 244
wachtelliand 558
"Wade 221
wadel 405. 411. 703
wädel 405* 406
wagen 102 ,
"Walada 64
'Walahraban 558
waldand 106
Waldemar 529
waldfrau 243^ 521
waldin 227
waltant 15
waltlüoder 274
waltschrat 270
warg 558* 707
waMerfraa 699
waiaerjungfer 275
wauerkönig 275
irauernixe 275
irasservogel 336
"Wate 669
"Watliogatret 213
wazarchalp 673
wasserfeioe 245
waszerholde 165
wecbselbalg 263
Wedigenstein 592
"Wednesfield 107
"WedBesham 107
welrdlady 230
weirdayster 230
weise fraa 66« 226'
weifse firau 172^ 537.
641
weirse Jungfrau 541
weifser bock 698
Welea 350
l^elle 324
welnai 498
weit 494
weralt 457
'Wennund 138
l¥errti 170
Werwolf 621
IfVestfalah 219
wltago 670
Wetter 3l8* 360. 568-
675
Wetterhahn 386
wetterbexe 6l6
wettermacbetin 6l6
wettern 707
wicht 569
^ichteimann 696
wichtelzopf 262
Wicken 581
wickei-ode 540
Widerlouf 649
widerton ci.xii
"Wiegleador 147
IVieiant 221
wieseohnpfer 479
iVigo 138
wigelen 581
wih 40
trihan 690
trihselinc 263
trihaelstein 267
wiht 246* 696
wihtel 247
wibtelaopf 267
wildeber 705
trildefor 455
wildemann 273
irildeijager 106
wildes wip 669. 696
irildiü wfp 243
wlliaelde 504
WtlsAlda 501
l^fnd 318. 515
Windsbraut 361* 364.
560
tVinter 437
wiplich wfp 1914 60^
Wippeo 190
'Wisodanus 97
wfsiu wfp 226
Witigouwo 220
"Witolt 302
Witugowo 273
wizago 65. 582
l^jkodlak 621
Wddan 77. 79- 96. 193
tVode 104^ 105
Wödenfinger 108. 710
wönictt 108^ 710
tVoenswagben 102
Wolchandrüd 616
"Wold 105
Woldan 106
woIf 557
Wolfgang 663
Wolfliemd 621
Wdifbraban 663
wolkengiizse 616
wölken ris 121
Wollkraut 354
Wolmür 529
Wolterken 287
froroltring 459
Wouter 287
itT^thh wihtt 554
wünschelfaut 261. 507
Wünschelrute 236. 546
wünscbelwelb (VI)
Wtttisches beer 516
wunderaere 579
wunnigarto 475
Wunsch 99* 100. 235.
236. 261. 507. 547.
692
Iruusciligerta 545
Wtiodanes berc 108
wuol 684
Wuotan 3a 76. 85. 94.
487. 515« 532< 5^
58a 692* 693. 7(Ä
706
Wuotanes wec 103
Wuotunc 95. 515
irurdgiscapu 18
Wurm 672
Wurt 488
Wurth 2ld
Yffe III
jrgfdrasil 47.450
ylf« 249
Ymir 305
Ymeluttgehort 707
Vnglingar 206
Yiigvi 205. 206
Yngvifreyr 206
^rias XXXII
^ulclog CLrx
Zalmoxes lOl
sartgarto 705
stauch 56a 5G9
Zechiel 701
sehrwurs 632
seichen 492
Bcpar 25. 581
Zephyrus 361
zessenmadierin 616
Zeus 131. 392. 425.
476. 549. 647
zensier 514
znaubeln 587
Zitsberg 133
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cLX]tni
ZiesUg 87. 189
Ziewonia 446
Zisa 182. 226
Zisberg J34. 189
Ziu 131. 210. 588
Zisa 185
zoapar 580
Zünsler 514
Zander 396
zurba 369
8WeiMaU63d
■werg 251
Zywie 391
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UES 4, 5 lotmachte.
10, 40 bociideutsclizt
87, 84 beider minne
79, 88 \¥odan
116, 4 der bairischen
1^2, 40 mnrs
142, 44 blicke
184, 20 6criptam
187, 19 163, 128 j.
201, 10 leiden nicht
207, 41 filins
208, 24 Airmana
222, 29 reirst ihm v. h. aas
248, 14 vemeioang
262, 10 knots
38 geschichte des
280, 20 sl^t, un
41 bi ju
282, 28 circum manentibas
297, 31 H. Wilmsen Lanremberg, ein Rostoker
S2t, 83 han giordit
849, 44 Serrarius
863, 34 (anh. cxxxr. II)
871, 2 heidenthoms
876, 29 AlsTinns
896^, 41 eines nnkes
411, 26 doute teste
387, 37 Snmer
448, 23 wieder
610, 23 gesworn
527, 34 Pifster
533, 10 0 Isogleich
550, 29 wurden
603, 28 lamiaram
637, 20 fdra
657, 29 Renart Reinaert
66 ,44 ist es keiner, dafs
671, 40 äifcynnesealf
687, 43 gevatterin
692, 16 mittichen
XXX, 30 snccinos
xxxv, 31 e consilio namnetensi (Mansi p. 172 cap.SO.)
XLvi, 14 parvulos
Lin, 32 ply
LxxiT, 34 flicht
Lxxvi, 7 heben
CXI/, ?älsignelse
cxLiv, 14 herczenliebew
cxLm, 14 bona
25 och i skinn
cXLViii, 27 rendsel
(xrx), 87 1, 490
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BERKELEY, CA 947 20
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